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Emil Mazuw

Emil Mazuw Emil Mazuw Emil Gottlieb Mazuw , ehemals Emil Gottlieb Ma- schuw (* 21. September

Emil Mazuw

Emil Gottlieb Mazuw, ehemals Emil Gottlieb Ma- schuw (* 21. September 1900 in Essen; † 11. De- zember 1987 in Karlsruhe) war ein deutscher SS- Obergruppenführer und General der Waffen-SS (1944) und der Polizei (1942), Politiker, sowie Höherer SS- und Polizeiführer (HSSPF) Ostsee.

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Leben

Mazuw, Sohn eines Fabrikarbeiters, absolvierte nach dem Besuch der Volksschule von 1915 bis März 1918 eine Lehre als Schlosser. Er nahm als Kriegsfreiwilliger der Marine ab April 1918 am Ersten Weltkrieg teil. Bei Kriegsende wurde Mazuw in Großbritannien interniert; nach der Selbstversenkung der Kaiserlichen Hochseeflot- te in Scapa Flow am 21. Juni 1919 befand er sich bis März 1920 in Kriegsgefangenschaft. Bis Juni 1921 Angehöri- ger der Reichsmarine, arbeitete er bis 1925 als Schlosser und Maschinenbauer. Danach war er bis 1932 arbeitslos und arbeitete anschließend als Kraftfahrer in Coburg, wo seit 1931 Franz Schwede, der spätere Gauleiter des Gaues Pommern, 1. Bürgermeister war. Mazuw heiratete 1932; aus der Ehe gingen drei Kinder hervor.

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Mazuw trat 1928 der NSDAP (Mitgliedsnr. 85.231) und der SA bei und wechselte 1930 von dort zur SS (SS-Nr. 2.556). [1] Von November 1930 bis Februar 1932 führte Mazuw den SS-Sturm 63 „Coburg“; von September 1932 bis November 1933 die SS-Standarte 41 „Oberfranken“. In der Endphase der Weimarer Republik wurde er zwei- mal zu Geldstrafen verurteilt: Im April 1931 vom Amts- gericht Coburg wegen gemeinschädlicher Sachbeschädi- gung zu 20 RM sowie im Oktober 1932 wegen fahrläs- siger Körperverletzung zu 100 RM. [2] 1930 soll sich Ma- zuw bei Auseinandersetzungen mit politischen Gegnern während des Wahlkampfes einen Knochenbruch zugezo- gen haben. [3]

Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten wurde Mazuw Ende Januar 1933 hauptamtlicher SS- Führer. Im März 1933 übertrug die Stadt Coburg Emil Mazuw die Leitung der städtischen Notpolizei, die aus 55 SS-Angehörigen bestand. [4] Im Rahmen der Verfolgung von politischen Gegnern und Juden führte er die Verhö- re in der Regimentsstube des Rathauses durch, bei denen die Gefangenen teilweise bis zur Bewusstlosigkeit miss- handelt wurden. [5]

Von November 1933 bis Anfang September 1934 war Mazuw Führer des SS-Abschnitts XXVIII in Regensburg. Im November 1933 stellte König Ferdinand von Bulgari- en, seit seiner Abdankung 1918 in Coburg wohnhaft, Ma- zuw „einen Mercedes-Wagen zur freien Verfügung […], um ihm das Bereisen seines umfangreichen Wirkungsge- bietes zu erleichtern.“ [6]

Nachdem Franz Schwede im Juli 1934 von Adolf Hit- ler zum Gauleiter des Gaues Pommern ernannt worden war, ging Mazuw mit nach Pommern. [7] Im September

1934 wurde Mazuw in Stettin Führer des SS-Abschnitts

XIII; im April 1936 übernahm er den SS-Oberabschnitt Nord und von August 1938 bis Anfang Mai 1945 war er

HSSPF „Ostsee“ mit Dienstsitz in Stettin. Ab 29. März

1936 gehörte Mazuw dem nationalsozialistischen Reichs-

tag für den Wahlkreis 6 Pommern an.

Nach dem deutschen Angriff auf Polen war Mazuw auf Vorschlag Himmlers Beauftragter für die „Räumung“ von Heil- und Pflegeanstalten in Pommern. Auf Initia- tive des pommerschen Gauleiters Franz Schwede sollten die Patienten in angrenzende polnische Gebiete gebracht werden. Im Herbst 1939 wurden dort etwa 1400 Patien- ten aus Pommern von der SS erschossen; weitere 1000 wurden im Frühjahr 1940 in Gaswagen ermordet. Von Anfang 1939 bis September 1941 sank die Zahl der Bet- ten in den Heil- und Pflegeanstalten der Provinz von 7600

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7 EINZELNACHWEISE

auf 2800. Ein Teil der freigewordenen Anstalten wurde von der SS genutzt. [8] Im April 1940 wurde Mazuw zum Landeshauptmann der Provinz Pommern ernannt. [9]

In seiner Funktion als SS-Obergruppenführer nahm er an der Gruppenführer-Tagung am 4. Oktober 1943 in Po- sen teil, bei der Heinrich Himmler die erste Posener Rede hielt. [10]

Am 9. Mai 1945 wurde Mazuw wegen seiner Zugehörig- keit zur SS interniert und am 6. April 1948 nach einem Spruchkammerverfahren des Spruchgerichts Benefeld- Bomlitz, das in der Britischen Zone für das Lager Falling- bostel zuständig war, im Rahmen der Entnazifizierung zu acht Jahren Haft verurteilt. [11] Am 29. Januar 1951 be- gann seine Verhandlung vor dem Landgericht Coburg. Zusammen mit Franz Schwede und weiteren zehn ehema- ligen Angehörigen der SS wurde er aufgrund der Ereig- nisse im März 1933 angeklagt. [12] Am 7. April 1951 wur- de Emil Mazuw, der sich „im wesentlichen für schuldig“ bekannte, [13] zu acht Jahren und sechs Monaten Gefäng- nis wegen 62facher Körperverletzung im Amt in Tatein- heit mit zweimaliger versuchter Nötigung im Amt verur- teilt. Die verbüßte Zeit aus dem Spruchgerichtsurteil wur- de angerechnet. [14] Am 19. Dezember 1951 folgte nach mehreren Gnadengesuchen aufgrund eines Erlasses des Bayerischen Staatsministers der Justiz vom 4. Dezember 1951 die vorzeitige Entlassung aus der Haft, die regulär bis zum 25. November 1953 gedauert hätte. [15]

Später arbeitete Mazuw als Angestellter. Er verstarb im Dezember 1987 in Karlsruhe. [16]

2 Zitat

Sonderbehandlung war mit ‚liquidieren‘ gleichzusetzen. Ich habe auch keine Aufklä- rung über diesen Begriff in Neu-Sandez mei- nen Untergebenen geben brauchen. Er war all- gemein bekannt […].“ [17]

3 Auszeichnungen

Deutsches Reiterabzeichen in Bronze

Eisernes Kreuz (1939) II. Klasse

Kriegsverdienstkreuz (1939) II. und I. Klasse mit Schwertern

4 Siehe auch

5 Literatur

Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-596-16048-8. (Aktualisierte 2. Auflage).

Ruth Bettina Birn: Die Höheren SS- und Polizeifüh- rer. Himmlers Vertreter im Reich und in den besetzten Gebieten. Droste Verlag, Düsseldorf 1986, ISBN 3-

Joachim Lilla, Martin Döring, Andreas Schulz: Sta- tisten in Uniform: Die Mitglieder des Reichstags 1933–1945. Ein biographisches Handbuch. Unter Einbeziehung der völkischen und nationalsozialisti- schen Reichstagsabgeordneten ab Mai 1924. Droste, Düsseldorf 2004, ISBN 3-7700-5254-4.

6 Weblinks

Emil Mazuw in der Datenbank der Reichstagsabge- ordneten

7 Einzelnachweise

[1] Vgl. Emil Mazuw in der Datenbank der Reichstagsabge- ordneten Ruth Bettina Birn: Die Höheren SS- und Polizeiführer. Himmlers Vertreter im Reich und in den besetzten Gebie- ten., Düsseldorf 1986, S. 340.

[2] Lilla, Statisten, S. 407.

Andreas Schulz, Günter Wegmann, Dieter Zinke: Die Ge- nerale der Waffen-SS und der Polizei: Die militärischen Werdegänge der Generale, sowie der Ärzte, Veterinäre, In- tendanten, Richter und Ministerialbeamten im Generals- rang. (1933 – 1945). Band 3, Bissendorf : Biblio-Verlag, Bissendorf 2008, ISBN 978-3-7648-2375-7, S. 150.

[4] Joachim Albrecht: Die Avantgarde des Dritten Reiches – Die Coburger NSDAP während der Weimarer Republik 1922–1933. Peter Lang GmbH Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-631- 53751-4, S. 185.

[5] Harald Sandner: Coburg im 20. Jahrhundert. Die Chronik über die Stadt Coburg und das Haus Sachsen-Coburg und Gotha vom 1. Januar 1900 bis zum 31. Dezember 1999 – von der „guten alten Zeit“ bis zur Schwelle des 21. Jahrhun- derts. Gegen das Vergessen. Verlagsanstalt Neue Presse, Coburg 2002, ISBN 3-00-006732-9, S. 117.

[3]

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[6] Coburger Zeitung vom 24. November 1933, zitiert bei Schulz, Generale, S. 151.

[7] Kyran T. Inachin: Der Gau Pommern – eine preußische Provinz als NS-Gau. In: Die NS-Gaue: regionale Mittel- instanzen im zentralistischen „Führerstaat“, Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte: Sondernummer, Hrsg. Jürgen John, Horst Möller, Thomas Schaarschmidt, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2007, ISBN 3-486-58086-8, S. 280.

[8]

Heike Bernhardt: „Euthanasie“ und Kriegsbeginn. Die frü- hen Morde an Patienten aus Pommern. In: ZfG, 44 (1996), Heft 9, S. 773–788, hier S. 773 ff.

[9] Provinz Pommern bei territorial.de.

[11]

Carl-Christian Dressel: Anmerkungen zur Justiz in Coburg von der Errichtung des Landgerichts Coburg bis zur Ent- nazifizierung. In: Jahrbuch der Coburger Landesstiftung 19977, Coburg 1997, ISSN 0084-8808, S. 74.

[12] Harald Sandner: Coburg im 20. Jahrhundert. Die Chronik über die Stadt Coburg und das Haus Sachsen-Coburg und Gotha vom 1. Januar 1900 bis zum 31. Dezember 1999 – von der „guten alten Zeit“ bis zur Schwelle des 21. Jahrhun- derts. Gegen das Vergessen. Verlagsanstalt Neue Presse, Coburg 2002, ISBN 3-00-006732-9, S. 205.

[13] Neue Presse, 8. Mai 2013.

[14]

Carl-Christian Dressel: Anmerkungen zur Justiz in Coburg von der Errichtung des Landgerichts Coburg bis zur Ent- nazifizierung. In: Jahrbuch der Coburger Landesstiftung 19977, Coburg 1997, ISSN 0084-8808, S. 75.

[15] Stefan Nöth: Antisemitismus. In: Voraus zur Unzeit. Coburg und der Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland. Coburg 2004, ISBN 3-9808006-3-6, S. 82.

[16] Vgl. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 398.

[17]

SS-Obergruppenführer Emil Mazuw im Rahmen einer Ver- nehmung Zitiert bei: Holocaust-Referenz.

[18] Lilla, Statisten, S. 407.

[19]

Dieser Dienstgrad lautete bei der SS bis zur Entmachtung der SA im Sommer 1934 Sturmhauptführer und wur- de dann in Hauptsturmführer umbenannt. Eine Umbe- nennung in der SA wurde mit der Aufstellung der SA- Wehrmannschaften 1939/40 vorgenommen, so dass die- ser Dienstgrad in allen NS-Organisationen Hauptsturm- führer lautete.

Normdaten (Person): GND: 130521221 | VIAF:

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8 TEXT- UND BILDQUELLEN, AUTOREN UND LIZENZEN

8 Text- und Bildquellen, Autoren und Lizenzen

8.1 Text

Emil Mazuw Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Emil_Mazuw?oldid=145164168 Autoren: Jed, Asthma, Störfix, Pelz, Hejkal, Saehrim- nir, Freud, Sebbot, WWasser, Hozro, Nightdiver, Erell, Avjoska, Sambalolec, Nimro, Alexbot, Budelmütze, Schreiben, APPERbot, WO- BE3333, CactusBot, Reinhardhauke, HRoestBot, Wiki-Updater 2.0, EmausBot, Herumtreiber, ZéroBot, Prüm, Goliath613, HHaeckel, Widerborst, Richard Lenzen, Göte und Wdwdbot

8.2 Bilder

Datei:Emil_Mazuw.jpg Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/46/Emil_Mazuw.jpg Lizenz: Public domain Auto- ren: E. Kienast (Hg.): Der Großdeutsche Reichstag 1938, IV. Wahlperiode, R. v. Decker´s Verlag, G. Schenck, Berlin 1938 Ursprünglicher Schöpfer: L. Klett, Stettin

8.3 Inhaltslizenz