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Der Widerstand als kostenlose

Antriebskraft
Wien, im Dezember 1939

Das Nachfolgende ist, wie schon der merkwürdige Titel sagt, so eigenartig, daß es zum
Verständnis der Pointe dieser Naturgeschichte notwendig ist, sich im bio-logischen Denken
etwas zu üben. Die ab und zu angewendete Zwiegesprächsform soll nur die manchesmal nicht
leichte Auffassung paradoxer Redewendungen erleichtern.

Der Sohn eines mehr rückständig (ur-sprünglich) denkenden Vaters, stellte an diesen die
Frage, ob er glaube, daß nach der Darwin'schen Lehre der Mensch vom Affen abstamme.

Der Vater antwortete: ich nicht, - aber du.

Der hochgelehrte Sohn, der seinen Vater als das Entwicklungsjüngere ansah und als
Darwinscher Anhänger die Meinung vertrat, daß sich der Mensch mit jeder Generation vom
affenartigen Zustand entferne, hielt die kurze Antwort seines Vaters als einen ausgezeichneten
Witz.

Du bist, gab er seinem Vater zur Antwort, also ein Anhänger des Münchner Professors Edgar
Dacque, der in verschiedenen Vorträgen, die er in Wien und sonstigen Städten Deutschlands
als Paläontologe über Urwelt, Sage und Völkerdasein hielt, die Meinung vertritt, daß die
einfache Form des Menschen von der überspezialisierten des Affens nicht abzuleiten sei. Der
beste Beweis, den Dacque anführt, sei die äußerst einfache und mehr ur-sprüngliche Hand des
Menschens gegenüber der Menschenaffenhand, die spezialisierter und komplizierter, das
Hauptmerkmal des Abgesplitterten, Geistesminderwertigen ist.

Wenn ich zwar, gab der Vater zur Antwort, das Ur-sprüngliche, das Einfachere als das Edlere,
Höherwertigere und das dem Schöpfungswerk Nähere betrachte, so bin ich trotzdem noch
kein Anhänger des Paläontologen Dacque, weil ich die Ansicht vertrete, daß dieser Mann,
wenigstens wie es sein Name verrät, kein reinblütiger Deutscher ist und daher der Stimme des
Blutes entbehrt, die zur Klärung von Urwelt, Sagen und ur-sprüngliches Völkerdasein und
Völkervergehen meiner Meinung nach, unbedingt notwendig ist. Immerhin hat der Mann
nicht ganz unrecht, wenn er behauptet, daß die Überspezialisierung für die geistige
Entwicklung eine große Gefahr ist.

Aha - meinte der Sohn, nun verstehe ich den dunklen Sinn deiner philosophischen Antwort,
mit der du, wie Philosophen dies tun, die Wahrheit umschreibst, weshalb - fiel ihm der Vater
ins Wort - die Philosophen, die die Wahrheit nicht wissen, gestellte Fragen, auf die es nach
heutigem Wissen keine klare Antwort gibt, umschreiben müssen.

So ähnlich - antwortete der Sohn, - machen es im gewissen Sinn betrachtet auch verschiedene
Politiker, die zwar die Vereinheitlichung des Gedankens predigen, jedoch zugleich vor der
Uniformierung des Verstandes warnen.

Du denkst sehr logisch mein Sohn, jedoch auch mit dieser Logik kommt man im praktischen
Leben nicht allzuweit, denn überlege, - in dem, was du eben erwähntest, liegt ebensoviel
Bejahung als Verneinung, und aus diesem Grund können wir uns einer gewissen Wahrheit,
die in meiner Antwort: 'ich nicht - aber du' versteckt ist, nicht nähern, und so müssen wir
schon die Bio-logik zuhilfe nehmen, um wenigstens einen kleinen Schritt weiter zu kommen.

Wissenschaftliche Gutachten sind, wie ich zugeben muß, - erwiderte der nachdenklich
gewordene Sohn letzten Endes - vorausgesetzt, daß sie gut abgefaßt sind, mehr oder weniger
Orakelsprüche, - die, fiel ihm sein Vater ins Wort, - so oder so ausgelegt werden können und
aus diesem Grund hielten sich die Fürsten des Mittelalters, in welcher Zeit sehr heikle Fragen
gärten, - Hofnarren, damit sie in besonders schwierigen Staatsfragen ab und zu auch die
Wahrheit erfuhren.

Was meinst du, - frug der Sohn - würde wohl so ein Hofnarr antworten, wenn ihn sein Herr
früge, was er z.B. von der zweifellos bestehenden Überspezialisierung in Deutschlands Gauen
hält.

Die Antwort, entgegnete der Vater, - würde meiner Meinung nach, einem klugen Hofnarren
nicht allzu schwerfallen, wenn ihn sein Herr im vertrauten Zwiegespräch früge, das
notwendig wäre, weil man auch als Hofnarr gegenüber Ratgebern, die bewußt oder unbewußt,
weil sie eben durch die Bank Philosophen sind, mehr oder weniger betrügen, da sie ja
geschickt verneinen und das nein geschickt zu bejahen verstehen, sehr vorsichtig zu Werk
gehen muß, um nicht als wahrheitsliebender Hofnarr, wirklich zum Narren zu werden.

Also, um wieder zum ur-sprünglichen Thema zu kommen, bist du, mein Vater, weder ein
Anhänger Darwins noch ein Anhänger der wissenschaftlichen Auslegung des Münchner
Professors Dacque, - also auch ein Philosophe.

Kinder und Narren, - erwiderte der leise schmunzelnde Vater, sprechen zwar nicht immer aber
auch ab und zu die Wahrheit, die, wie ich ehrlich zugeben muß, manchesmal auch einen dem
Schöpfungswerk nahe stehenden Vater, ja sogar einen hochgelehrten Lehrer in arge
Verlegenheit bringen, - besonders wenn es sich um naturgeschichtliche Fragen handelt, zu
denen deine eingangs erwähnte Frage zweifellos gehört. Zur Klarstellung so heikler Fragen,
gehört in erster Linie viel Erfahrung und vor allem eine ganz eigenartige
Naturbeobachtungsgabe. Sehr wesentlich ist auch die Kunst, Zusammenhänge, die scheinbar
keinen Zusammenhang haben, so zusammenzufügen, daß durch oftmaliges hin- und
herrücken, wenden, so und so legen, plötzlich ein organisches Ganzes entsteht, daß in der
Regel auch denjenigen überrascht, der es mit großer Überlegung schuf, obwohl er dieses Ziel
anstrebte und nach der Erreichung dieses, erst erkannte, daß dieses vermeintliche Ende der
Anfang des Ganzens, allerdings in der gesteigerten Wirkungsform ist.

Das ist, sei mir nicht böse lieber Vater, die Philosophie der Philosophie, - aber, entgegnete
derselbe, schon die Annäherung zur Wahrheit, die als solche selbst von Menschen nie erfaßt
werden wird. Aber diese Redensarten führen zu keinem brauchbaren Ziel und daher wollen
wir zur Sache selbst kommen, und die paradoxe Behauptung beweisen, daß der Widerstand
der idealste Antriebsstoff ist. Denn nur so ist es klarzubekommen, ob der Mensch vom Affen
abstammt oder zu einem Menschenaffen wird, wenn er sich unvorsichtig spezialisiert.

Das Schicksal, ob der Mensch zum Affen oder dieser zum Menschen wird, entscheidet
lediglich die Art der geleisteten Arbeit.

Die Entscheidung, welche Arbeitsart vorzuziehen ist, wollen wir keinen Wissenschaftlern,
sondern denjenigen überlassen, die noch über einen gesunden Hausverstand verfügen.
Nehmen wir an, ein kluger Fürst fragt seinen Hofnarren, was er eigentlich unter dem
Grundsatz: - ohne Widerstand, gibt es keine Bewegung - versteht.

Herr, - wenn ich dir diese Frage beantworten soll, mußt du auf eine auch dir sehr
unangenehme Überraschung gefaßt sein.

Spreche offen und ehrlich - denn wer etwas verschweigt, das dem Volksganzen schadet und
den Mut nicht hat, es zu sagen, ist ein Feigling und ein, - sagen wir kurz und bündig kein
Deutscher, wie ich ihn mir vorstelle und zu erziehen mir wünsche.

Herr du sollst die nackte Wahrheit erfahren.

Drehe den Satz einfach um und sage: Keine Bewegung ohne Widerstand.

Das sagt, antwortete der Fürst, nichts anderes, als daß der Widerstand bei jeder wie immer
lautenden Bewegungsart da ist und im Quadrat zur Bewegungsgeschwindigkeit wächst, daher
mit unendlicher Schwierigkeit zu überwinden ist.

Der Hofnarr: Herr, du bist ebenso weise, wie die gelehrten Ratgeber, die dich beraten.
Erlaube, daß ich dir im verkehrten Sinn rate und überlege dann, ob dich die Weisen, die ur-
sprünglich aus dem Morgenland kamen und die verschiedenen Gesetze, Lehr- und Grundsätze
mitbrachten, - naturrichtig beraten. Denn guter Rat ist bekanntlich sehr teuer.

Der Fürst: was verstehst du unter dem Begriff: Widerstand, denn es scheint, daß du darunter
etwas sehr wesentlich anderes verstehst, als mein gelehrter Elektriker, der darunter eine Vor-
und Einrichtung versteht, die da ist, um dadurch den elektrischen Strom beliebig regeln zu
können.

Der Hofnarr: Der gelehrte Elektriker hat keine Ahnung von dem, was unter Elektrizität und
Magnetismus zu verstehen ist und erzeugt aus etwas, das ihm unbekannt ist, eine Wärme, die
- um mit Professor Darcque zu sprechen - das Abgesplitterte und daher das schon
minderwertig Gewordene ist, weshalb das ur-sprünglich Einfache nicht mehr so wirken kann,
als es dank seiner ur-wüchsigen Kraft ohne diese Umwandlung in eine abgesplitterte
Nebenform gewirkt hätte, wenn eben dein gelehrter Elektriker wüßte, was das Ur-sprüngliche
und das diesem abgesplitterten Entwertete - naturrichtig betrachtet - ist.

Der Fürst: Das heißt also, der ur-sprüngliche Mensch kann unter Umständen durch einen
Handgriff seiner einfachen und ur-sprünglichen Hand, - sagen wir einen derartigen Unsinn
machen, daß er in der letzten Auswirkung seiner unbedachten Arbeitsart von einem ur-
sprünglich ganz klugen Menschen, sich unbewußt in einen Menschenaffen verwandeln kann?

Der Hofnarr: Herr, du bis weise. Aber gehe noch einen kleinen Schritt weiter und überlege die
entstehenden Folgen, wenn du diese Handlung billigst und deinen Ratgeber erlaubst, diesen
Unsinn in den niederen und hohen Schulen zu lehren.

Der Fürst: In diesem Fall würde so nach und nach ein menschenaffenartiges Volk entstehen.
Hüte deine Zunge, denn Fürsten sind da, um zu lehren, nicht aber da, um sich be-lehren zu
lassen.

Der Hofnarr: Herr erlaube, daß ich dir den Fall an einem anderen Beispiel erkläre, das dir
vielleicht die Folgen naturunrichtiger Handgriffe wohlbekömmlicher klarstellen würde, wenn
du dir die große Mühe nimmst, der Pointe dieser Naturgeschichte deine Aufmerksamkeit zu
schenken.

Spreche, antwortete der Fürst, aber lasse mich dabei aus dem Spiele.

Der Hofnarr: Herr - dein Wille geschehe. Lassen wir also den gelehrten Elektriker, der den ur-
sprünglich elektrischen Vorstrom auf einem langen Entwicklungsweg in etwas
Minderwertiges verwandelt und damit den Teufel mit Beelzebub austreibt oder das Ur-
sprüngliche schwächt, beiseite.

Sehen wir zu, wie der, gelehrte Flußregulierer deine Flüsse bremst und beschleunigt oder
diesen ur-sprünglichen Strom reguliert.

Um diesen urwüchsigen und wilden Gesellen zu hemmen, ist nichts einfacher oder scheint
nichts einfacher zu sein, als den an und für sich schon ab-fließenden oder zugrundegehenden
Fluß kaskadenartig abfallen zu lassen, wodurch sich die Trag- und Schleppkräfte zu Gunsten
einer Wärmebildung entladen, wobei ähnlich, wie beim vorhergehenden Beispiel, ur-
sprüngliche Kräfte verloren gehen und daher das Geschwächte sich langsamer bewegt, als
solange es noch im Vollbesitz der Kräfte ist, die es am Ur-sprung noch hatte.

Der Fürst: Es scheint mir, als täten beide, der Elektriker und der Wasserfachverständige das
Gleiche?

Der Hofnarr: Wenn zwei das Gleiche tun, ist es niemals dasselbe, weil es Gleichheiten in der
Natur nicht, sondern nur Ähnlichkeiten gibt, die sich im weiteren Entwicklungssinn betrachtet
sehr wesentlich unterscheiden. Aber höre weiter.

Um einen Kubikmeter Wasser pro Sekunde um 0.1'C zu erwärmen, ist eine Energie
notwendig, die rund 47.000 Meterkilogramm Arbeitsleistung entspricht.

Wenn sich also ein Flußlauf, der etwa 500 Kubikmeter je Sekunde führt, auf seinem Weg zu
Tal auf rund 22°C erwärmt, so hat er Trag- und Schleppkräfte eingebüßt, die rund 45
Millionen Kilowatt an Lebenskraft (Tragkraft) und rund 60 Millionen PS Bewegungs- oder
Schleppkraft betragen. Daß diese Verluste, die zugunsten einer Badetemperatur-wärme
auftreten, je Sekunde verloren gehen, ist selbstverständlich, weil doch der Fluß fließt und
sekundlich die Energien verloren gehen müssen, um die vorerwähnte Badetemperatur zu
erhalten.

Der Fürst: Das würde heißen, daß so ein Fluß infolge Verluste seiner Tragkräfte das
Geschiebe verliert und der Fluß nach und nach infolge des Verlustes der Schleppkräfte so
nach und nach auch seine innere Beweglichkeit verliert, müde, schal, faul und faulig wird, die
Fische zum Absterben zwingt, weil der so behandelte Flußlauf keine Lebensenergien mehr
hat, die der Fisch durch die Kiemen abspaltet und schließlich dies und jenes zugrunde geht.

Der Hofnarr: Herr du bist weise, aber leider genügen deine eben erwähnten Folgerungen noch
nicht.

Der Gedanke, dem Fluß, der ohnehin durch sein Ab-Fließen oder durch sein Zu-Grunde-
gehen schon gefährdet ist, durch Kaskaden noch rascher abfallen zu lassen, ist ebenso
gefährlich, wie raffiniert, weil die Trag- und Schleppkräfte, die der Fluß auf seinem Weg
durch bio-chemische Vorgänge aus dem Geschiebe abspaltet, an die Umgebung weitergibt,
um das Grundwasser abzubauen und es im labilen Gleichgewicht zu halten, da dieses
seinerseits die Aufbaukräfte in die Pflanzen entladet, um diese wachstumsfähig zu erhalten.

Der Fürst: Der Mann schadet also nicht nur dem Fluß, sondern mittelbar auch der Umgebung,
dem Wachstum und schließlich der Nährfreiheit des Landes, wobei überdies noch enorme
Steuermittel notwendig sind, um das Land, das Volk und - verfluchte Geschichte - letzten
Endes mich selbst zugrunde zu richten.

Der Hofnarr: Herr, du bist nicht nur weise, sondern du verstehst auch bereits, bio-logisch zu
denken, aber denke nach, daß du es bist, der die behördlichen Flußbaugesetze gebilligt.

Der Fürst: Ich habe dir schon einmal gesagt, - hüte deine vor-laute Zunge - aber spreche
ehrlich und offen weiter, denn ein Mensch, der etwas weiß und es nicht sagt ist usw...

Der Hofnarr: Ich müßte dir unzählige Beispiele anführen und über ForstLand- Land- und
Wasserwirtschaft vieles und sehr Unangenehmes erzählen, das dich aber ermüden und deinen
Geist nicht wach genug halten würde, um die Pointe des besten Witzes zu erfassen, der
jemals auf dieser Welt gemacht wurde.

Der Fürst: Spreche weiter, aber lasse mich aus dem Spiele, denn ich sehe bereits ein, daß bio-
logische Aufklärung bio-logisches Handeln erfordert.

Der Hofnarr: Herr du bist nicht nur weise, du bist auch sehr klug, so klug, daß dir deine
Ratgeber gar nicht mehr schaden können, wenn sie nicht wissen, daß aus einem Logiker ein
Bio-logiker geworden ist, der seine Zunge hütet und künftig Ur-sachen und Wirkungen nicht
mehr verwechselt.

Der Fürst: Komme zur Sache und erkläre mir die Unterschiede, die bestehen, wenn ich sage:
ohne Widerstände gibt es keine Bewegung - oder den Fall etwas verdrehe und sage: keine
Bewegung ohne Widerstände.

Der Hofnarr: Wenn ich sage: ohne Widerstände keine Bewegung, dann nehme ich an, daß ich
bei jeder Bewegungsart eben einen Widerstand, der diese ur-sächlich hemmt, in Kauf nehmen
muß.

Drehe ich aber den Fall um, dann ergibt sich die größte Überraschung, die jemals Menschen
erlebten, denn dann habe ich die Widerstände nur, zu verstärken, um eine stärkere
Bewegung und - nun kommt eine Vorpointe - diese Widerstände zu vervielfachen, um die
elementare Bewegungskraft kostenlos zu erhalten.

Der Fürst: Das heißt also, daß das Gesetz, daß der Widerstand im Quadrat zur
Bewegungsgeschwindigkeit wächst, nur den Quadrateseln zu verdanken ist, die dieses Gesetz
schufen.

Der Hofnarr: Herr dieses eine Mal - gestatte, daß ich es dir ehrlich sage folgertest du nicht
klug. Denn diese vermeintlichen Esel sind nicht die richtigen Esel, denn würdest du wissen,
daß es keine Gesetze gibt, sondern die stete Entwicklung der Wechsel das verneinte Ja und
das bejahte Nein bedingt, dann würdest du doch keine Ratgeber brauchen, die dir mit
Orakelsprüchen dienen, die du auslegen und auch die letzte Verantwortung tragen darfst.
Der Fürst: Keine Regel ohne Aus-nahme. Und alles kann der einzelne nicht wissen. Aber
spreche weiter.

Der Hofnarr: Alles kann der Mensch allein nicht wissen, aber es wäre im Interesse der
gesamten Menschheit gelegen, wenn selbstherrliche Herren ab und zu auch auf den Rat der
untertänigsten Hofnarren hörten, um selbst weniger Verantwortung tragen zu müssen, denn
Herr stelle dir vor, wenn es wahr ist, daß der Widerstand der beste Betriebsstoff ist und
dasjenige das heute raffiniert überwunden werden muß die idealste Kraft-quelle ist, die nie
versiegt, im Gegenteil immer kräftiger wird, je mehr man sie benützt, so sind die Folgen nicht
auszudenken.

Der Fürst: Wenn es wahr ist, was du da sagst, dann sind allerdings die Folgen nicht
auszudenken. Aber wo sind die Beweise?

Der Hofnarr: Diese Beweise stehen seit langem zur Verfügung. Gestatte aber, o Herr, daß ich
dir vor dieser Beweisführung nun meinerseits vorher als dein vielleicht bester Ratgeber ein
Orakel verkünde, das ich dir dann sinnrichtig auslegen werde, damit du den tiefen Sinn
verstehst, den Darin vielleicht sowenig selbst verstand, als Goethe seine Dichtung Faust in
ihren letzten Auswirkungen kannte.

Der Fürst: Was hat die Abstammungslehre und Goethe mit der Klärung der Frage zu tun, daß
es eine Bewegungsart gibt, bei der, wenn ich dich richtig verstanden habe, der Widerstand im
Quadrat zur Bewegungsgeschwindigkeit fällt, so daß sich automatisch die widerstandslose
Bewegungskraft ergibt?

Der Hofnarr: Lese Goethe genau, und du wirst meine Worte bestätigt finden, aber höre zu,
was Darwin sagt, der mit wenigen Worten das gewaltige und geheimnislose Geheimnis
verkündigt, das den Kern der allmächtigen Schöpfungskraft birgt:

Darwin sagt: Alles Ding hängt im Gesetz der Natur; wo ihre Kraft als Bewegung im Stoff
wirkte, kam Leben in Zeit und Raum, der sichtbaren Welt zugehörig.

Der Fürst: Dunkel ist seiner Rede Sinn; - erkläre.

Der Hofnarr: Gestatte, o Herr, daß ich dir dieses Gesetz der ewigen Regel erkläre und dazu
einige Beispiele benütze, die du dein ganzes Leben lang nie wieder vergessen wirst. Ein alter
General heiratete eine sehr junge Frau. Nachdem die erste und letzte Erzeugungsschlacht
geschlagen war, erklärte der alte Herr seiner sehr jungen Frau, sie möge in Zukunft auf derlei
Dinge nicht mehr neugierig sein, weil es sich immer und ewig um ein und dasselbe handelt.
Die junge Frau nahm sich aber schon nach wenigen Stunden diese Lehre nicht, sondern den
alten Herrn zum Herzen, der ihr mit langen und breiten Worten frei nach Prof. Dacque zeigte
und erklärte, daß die menschliche Hand so ur-sprünglich ist, daß sie dem ewigen Gesetz der
Natur, das Darwin meinte, auch als Ersatz für Widerstandsstoffe dient, die dem alten General
verloren gegangen sind. Aber wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe. Die junge Frau
war ratlos und suchte, durch ihre Trieb- und Treibkräfte gegeißelt, dem natürlichen
Wechselgesetz auf natürliche Art und Weise näher zu kommen. Und schon nach kurzer Zeit
flüsterte sie dem alten geleerten Herrn errötend nur ein Wort ins welke Ohr. Dieses Wort
hieß: ausgeblieben. Und der alte Herr nahm sein erglühendes Weib in den Arm und erklärte,
das sei eine schöne Geschichte, die so schön ist, daß er sie selbst nicht einmal glaubte - und
ließ sich schleunigst von seiner ach so jungen Frau scheiden.
Der Fürst: Erkläre mir das Darwin'sche Wechselgesetz näher, die Sache beginnt mich
persönlich zu interessieren.

Der Hofnarr: Trieb- und Treibkräfte sind Zug- und Druck-kräfte, die durch eine bio-
dynamische Bewegung entstehen.

Der Fürst: Weiter - weiter.

Der Hofnarr: Geo-logische Gefällsverhältnisse spielen hierbei keine Rolle.

Der Fürst: Narr, das weiß ich, weiter, weiter.

Der Hofnarr: Und doch weißt du nicht alles. Denn die durch Spannungsunterschiede mit Ur-
macht erfolgte Ausgleichsbewegung verstehen dem Sinn nach nicht einmal deine gelehrten
Ärzte. Und kein Mensch ahnt, daß zwischen Zug- und Druck ein Wechselgeschehen besteht,
ohne welches es keine Augenblicke gäbe, in dem im Augenblick Menschenleben entstehen.

Der Fürst: Du meinst, daß Druck auf Druck sich abstoßen würde.

Der Hofnarr: Herr du hast große Erfahrung und so erlaube, daß ich diese deine große
Erfahrung ergänze.

Der Fürst: Fasse dich kurz.

Der Hofnarr: Die mit unaussprechlichen Gefühlen erfolgenden Gefühlsausdrücke des Mannes
haben mit einem Gefühlsstoff gar nichts zu tun. Auch der Same selbst spielt zur Befruchtung
keinerlei Rolle. Diese sichtbaren Behelfe sind nur die Särge, in denen die Tatkraft eingesargt
ist, die ein kluger Mann einmal die Dummheit benannte, weil sie aus Abfallstoffen der
Gedanken des Mannes entsteht. Aber dies gehört nicht zur Sache. Diese am Ur-mütterlichen
aufbrandenden und zerschellenden Särge befreien das Unempfind-same, das, wie Parazelsus
sagt, zur Befruchtung einen Samen notwendig hat, weil ansonst Empfind-sames nicht
aufwachen könnte und daher trotz bio-dynamischer Bewegung und trotz dem zum Vorschein
kommenden Gesetz der Natur kein neues Arbeitstier aufstehen könnte.

Der Fürst: Auf was kommt es dann wirklich an?

Der Hofnarr: Es handelt sich hier um ein harmonisches oder um ein gegenrhythmisches
Wechselgesetz oder um Wechselbeziehungen, die das ganze Entwicklungsgesetz blitzartig
erklären.

Beim männlichen Individuum wirkt zuerst der Zug, und dann erst der Druck, und beim
weiblichen Individuum ist der Vorgang verkehrt, muß verkehrt sein, weil sich zuerst die
Energieschleußen durch waagrechte Drücke öffnen müssen, um im nächsten Moment den mit
Ur-kraft eindringenden Lotrechtstrom mit magnetischer Ur-kraft an-zuziehen.

Der Fürst: Es handelt sich hier also um das ur-alte Sprichwort: halb zog sie ihn, halb sank er
hin.

Der Hofnarr: Man könnte das Ganze auch das Jiu-Jitsu benennen, die Kampfeskunst, durch
die Rohstoffkräfte mühelos überwunden werden und überwunden werden müssen, weil die
Gefühlskraft die Tatkraft zu binden hat, was nur gelingen kann, wenn einem Vorstoßwillen
ein noch biltzschnellerer Anrißwille gegenübersteht, so daß das besiegt wird, das glaubte, die
Festung mit Stoßkraft nehmen zu können.

Der Fürst: Es entsteht, wenn ich dich richtig verstehe, durch die vorerwähnte Wechselwirkung
ein magnetisches Vakuum, in das der Vortriebstoff stößt, dadurch konzentriert und durch das
Vakuum gekühlt inaktiv wird, wodurch das durch dieselbe Kühle hochaktiv werdende
Gegenteil, als relative Höchst-spannung, das ur-sprünglich Tatkräftige atomar binden,
wodurch der Anstoß zu einer gesteigerten Bewegungskraft gegeben ist, die sich bis zur
Lebenseinheit steigert und ein Leben lang lebt.

Der Hofnarr: Dieselbe Wechselwirkung läßt sich auch in der sogenannt anorganischen
Lebewelt auslösen, und damit ist es möglich, dieses Darwinsche Naturgesetz, das in
Wirklichkeit die Ur-regel ist, als die elementare Antriebskraft in Bio-maschinen zu benützen.

Der Fürst: Da wäre es doch auch möglich, das Gegenteil zu erreichen, das man heute durch
den sogenannten Elektro-magnet erreicht.

Der Hofnarr: Herr, durch die Klarstellung des Naturgesetzes ist alles möglich und durch die
Möglichkeit, die du eben nanntest, würde alles vernichtet werden, was dem Aufbau einer
Kultur dient, die ganz von selbst die Energieschüsse zeitigt, die entstehen, wenn man den Fall
des Elektromagneten verkehren würde. Denn so ging die sagenhafte Atlantis zu Grunde, weil
die Menschen mit Kräften spielten, die dasjenige restlos wieder vernichten, das harmonischer
Anzug zum Leben erweckt.

Der Fürst: Beweise mir dasjenige, das du für einen kulturellen Aufbau notwendig hältst.

Der Hofnarr: Wenn man einen Tropfen Wasser in einem Kapillarrohr in einen kaum
sichtbaren Faden zerlegt, so entsteht ein waagrechter Abstrom, der etwa 10.000 Volt beträgt.

Dieser Abstrom durchdringt alles. Kein Stoff ist vor der Durchzugskraft dieses Vor-stroms
gefeit.

Aber immer läßt dieser Durchstrom in dem Stoff, den er durchschlägt, - ein Fünkchen der
Wahrheit zurück, die sich bei näherem Zusehen als dasjenige entpuppt, das der Lebens-
vergehung entgegenwirkt und daher dasjenige ist, das wir als den naturrichtigen Widerstand
bezeichnen.

Der Fürst: Wenn ich dich richtig verstehe, ist dieser Lebenswiderstand der ur-wüchsige
Lebenskern, der zu verstärken ist, um elementare oder selbstherrlich lebende
Nachkommenschaften aufleben lassen zu können. Aber wie geht diese
Verstärkungsmöglichkeit vor sich?

Der Hofnarr: Hier geht es um ein wieder ebenso wundersames Geheimnis, als dasjenige war,
das ich eben beschrieb. Die Verstärkung erfolgt nicht etwa durch quantitative Vermehrung,
sondern im Gegenteil um die Dosierung des Dosierten, also um die Erzeugung der denkbarst
kleinsten Ursachen, oder um die Verwandlung der ur-sprünglichen Kleinstquantität in die
zerstreute und daher relativ höchstgespannte Qualität.

Der Fürst: Das wäre, wenn ich dich richtig verstehe, die praktisch mögliche
Atomverwandlung, denn von einer Zertrümmerung eines Atoms kann man ja, nach dem das
ich eben hörte, nicht mehr sprechen.
Der Hofnarr: Gewiß, denn gäbe es Unteilbares, dann könnte man dieses nicht zertrümmern.

Der Fürst: Wenn der waagrechte Abstrom, den man sicherlich in der Richtung verkehren
kann, in jedem Stoff, den er durchdringt, einen höher dosierten Lebenswiderstandsstoff
zurückläßt, dann muß freilich ein immer stärkerer Aufstrom zustande kommen, je mehr dieser
ur-sprüngliche Vorstrom erzeugt wird. Wie ist aber dieser Strom zu bremsen.

Der Hofnarr: Seine Bremse ist die Gestalt, - das Wachstum. Der Fürst: Und wie erzeugt man
die elementare Bewegung?

Der Hofnarr: Durch die Ausschaltung der Wachstumsvorgänge. Diese Ausschaltung ist
jedoch wie alles in der Natur begrenzt, denn letzten Endes bremst sich das Hemmungslose
automatisch durch die Gestaltung des relativ höchstwertigen Gestaltungswertes, weshalb
vorhin gesagt wurde, daß es fast um die absolute Bewegungsfreiheit geht.

Der Fürst: Das heißt also praktisch gesprochen, je mehr solche Bewegungsmaschinen laufen,
um so hochwertiger wird die Gestaltungsfrucht.

Der Hofnarr: Die näheren Vor-gänge hier zu erklären, würde ins uferlose führen. Begnüge
dich vorderhand, o Herr, mit demjenigen, was sich aus dem Wenigen ergibt, das wir bisher
besprachen.

Der Fürst: Wenn ich dich richtig verstanden habe, so verwechselten meine bisherigen
Ratgeber Ur-sache und Wirkung.

Der Hofnarr: Ja, mein Herr, sie benützten dasjenige, das zur Gestaltung und zum Aufbau der
Nährmittel von Natur aus bestimmt war, unmittelbar zur Bewegung. Und so übersahen sie die
Möglichkeit der elementaren Bewegung.

Der Fürst: Und dadurch mußte es selbstverständlich zu einem Widerstand kommen, der um so
mehr Kräfte fordert, je rascher die Bewegungsgeschwindigkeit wird.

Der Hofnarr: Ja, mein hoher Herr, deine Diener zäumten den Esel beim Schweif auf, - und
bremsten Wald, Feld und Wasser zu Tode.

Der Fürst: Und dadurch mußte dieser Esel zu bocken beginnen und schließlich stehen bleiben,
wenn ihn diese Esel zu Tode schlugen, - so daß er schließlich als Wirtschafts-rück-schlag
erschien. Das ist doch wirklich das Höchste.

Der Hofnarr: Herr es geschah bloß dein Wille.

Der Fürst: Schwieg.

...

Diese Geschichte erzählte der Vater seinem Sohn, als er ihn frug, ob der Mensch vom Affen
abstamme.

Seit dieser Geschichte erscheint es dem Sohn möglich, daß der Fall auch umgekehrt möglich
ist, nämlich der Affe vom Menschen abstamme.
Sage, Vater, wie war denn dies alles nur möglich? Wie konnte man an der Nährfreiheit und
an der nahezu absoluten Bewegungsfreiheit so lange Jahrtausende vorübergehen.

Der Vater antwortete: Alles Ding hängt am "Gesetz der Natur".

Die Kraft der Bewegung ist der Ur-antriebstoff, der durch eine dynamische Bewegungsart als
fast unüberwindlicher Widerstand entsteht, so wie ihn die heutige Technik versteht, und
durch die bio-dynamische Bewegungsart entsteht der hemmungslose Trieb- und Treibstoff,
der als elementarer Bewegungsstoff lebt, sich weiterentwickelt und immer
bewegungskräftiger wird, je mehr er im aufwachsenden Widerstand dosiert wird.

Dieses Gesetz der Natur ist die elementare Wechselbewegung, die die Aufgabe hat, das Leben
durch das ewige Wechselgeschehen stetig zu erhalten.

Dieses göttliche Gesetz haben die Menschen verkannt, nicht erkannt, oder vielleicht bewußt
gefälscht.

Die anderen Gesetze, die das unsagbare Elend über die Menschen brachten, haben uns
diejenigen verkündet, die ihre eigene Heimat zerstörten und abwandern mußten und seit
dieser Zeit ruhelos sind.

Ob einzelne die Früchte dieser entsetzlichen Saat kannten, das wird sich wohl niemals mehr
feststellen lassen.

Fest steht nur, daß Millionen und Abermillionen um dieses ein-malige und einzig-artige
Leben betrogen wurden.

Millionen und Millionen Menschen mußten dieser Verkennung oder dieser Fälschung wegen
auf den Schlachtfeldern verbluten und Millionen Menschen würde diese Selbstvernichtung
noch erwarten, - wenn ich nicht mein ganzes Leben in den Dienst dieser Klarstellung gestellt
hätte, - Ruf, Ehre und Vermögen und sonst vieles bedingungslos hingeopfert hätte, um die
Kraft im Stoff zu entdecken, die immer größer, immer gewaltiger wird, je mehr sie ins Nichts
vergeht, - um vielleicht als "das Gottüberall" zu erscheinen, - das uns alle einst dorthin führen
wird, wo es keine Wissenschaft mehr gibt, wo es nur mehr eine Wahrheit gibt, die selbst nicht
weiß, daß sie diese ist.

Der germanische Mensch hatte das größte Lebensgeheimnis vielleicht einmal besessen,
jedoch wahrscheinlich nicht gewußt, was er mit seiner Hand in der Hand hat, - die so einfach
erscheint, jedoch das Leben so kompliziert zu gestalten vermag.

Alles Einfache ist groß. Die größte Kunst ist es aber, mit dieser Hand dasjenige abzuleiten,
daß das Werk, das dieses Ur-sprüngliche geschaffen hat, dorthin auf kürzestem Weg zurück
kommt, woher dieses Ursprüngliche kam - und das ist das Ziel, wo alles wieder von neuem
beginnt, der Ur-sprung selbst, der Stoff, der nun gefunden ist, der Raum und Zeit ewig
aufbaut, die dem zugehörig ist, das als Rohstoff im entwicklungsbedürftigen Mangel sichtbar
erscheint.

Möge dieser Same des Samens dem Deutschen Volk zu seinem wirklichen Wiederaufbau
dienen, das so unsagbar schwer büßen mußte, weil es seinem eigenen Glauben untreu wurde
und auf das traute und baute daß die eigene Heimat zerstörte und seit dieser Zeit ruhelos
wurde.
Denn im Mutterland wohnt das Aufbaugeheimnnis.