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Zur bevorstehenden Einführung der „neuen“ DIN 1045 – 1

Prof. Dr.-Ing. Manfred Curbach * , Dipl.-Ing. Lars Eckfeldt

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1

Einleitung

Die „neue“ DIN 1045-1 ist kein neues Produkt, sondern sie ist die logische Konsequenz aus 150 Jahren Entwicklung im Betonbau, die sich (zeitversetzt) auch in den Normen widerspiegelt.

Nachfolgendes Bild 1 zeigt die Entwicklung des Wissensstandes auf den Gebieten des Stahl- und Spannbe- tons, die in der neuen Norm gemeinsam aufgehen werden.

tons, die in der neuen Norm gemeinsam aufgehen werden. Bild 1 Entwicklung der deutschen Stahlbetonnormung Es

Bild 1 Entwicklung der deutschen Stahlbetonnormung

Es wird gezeigt, daß sich seit der Einführung der DIN 1045 (1972) die Innovationen und Forschungsergeb- nisse der letzten 20 Jahre nur in Teilen in den derzeitig gültigen Berechnungsvorschriften wiederfinden. Be- sonders der Stahlbetonbau hat mit der DIN 1045 (7/88) das 1972 eingeführte Bemessungskonzept nur un- wesentlich verändert. Auf dem Gebiet der DDR wurde ein notwendiger Entwicklungsschritt schon 1980 mit der auf einem semiprobalistischen Ansatz beruhenden ETV Beton (ETV-Einheitliches Technisches Vor- schriftenwerk des Betonbaus) vorweggenommen.

Diesen, in den wesentlichen Ansätzen interessanten und wichtigen Weg weiterzugehen, wurde nach der politischen Wende jedoch mit Rücksicht auf das einheitliche europäische Normenkonzept verzichtet. Hier lagen die Hoffnungen der späten 80iger und beginnenden 90iger auf dem Projekt des EC 2. Dieser orientier- te sich im wesentlichen an dem Wissenstand des MC 78 (Modelcode 78) des CEB, also dem der frühen 70iger Jahre sowie an den Materialien und Produktionsweisen, die die erste Hälfte der 80iger Jahre prägten. Der als DIN ENV 1992 1-1 bis 1-6 bauaufsichtlich eingeführte Teil des EC 2 hat auch auf Grund von

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Prof. Dr.-Ing. Manfred Curbach, Lehrstuhl für Massivbau, Institut für Tragwerke und Baustoffe, Technische Universität Dresden Dipl.-Ing. Lars Eckfeldt, Lehrstuhl für Massivbau, Institut für Tragwerke und Baustoffe, Technische Universität Dresden

Mängeln in Übersichtlichkeit und Kompatibilität kaum Zugang in die momentane Berechnungspraxis gefun- den. Die weiterhin ausstehende, jedoch kaum sichtbare Einigung in der europäischen Stahlbetonnormung führten daher zur Aufstellung eines durchaus eigenständigen DIN-Entwurfes für den Stahl- und Spannbe- tonbau auf Basis des EC 2. Dieser schlägt die Brücke zu einem semiprobalitischen Ansatz, ermöglicht die Anwendung moderner, auch nichtlinearer Berechnungsverfahren und stellt dabei die gebotene Vergleich- barkeit zu modernen europäischen Normen her. Zugleich werden die Inhalte eines nationalen Anwendungs- dokumentes verarbeitet.

Damit wird am Anfang des neuen Jahrhunderts der Beginn eines modernen Normenwerkes im Massivbau geschaffen, das momentan noch um einen Baustoff- und einen Bauausführungsteil ergänzt wird.

2 Entwicklung von Betonbaunormen

2.1 Geschichtliches

Normungsversuche im Stahlbetonbau gibt es seit dem Ende des letzten Jahrhunderts, Bestrebungen zur Normung im Spannbetonbau seit 1940.

Das Betreiben einer einheitlichen Normung um die Jahrhundertwende hatte sicherlich mehrere Gründe. Einerseits mußten die Ergebnisse der Eisenbetonforschung der Allgemeinheit zugänglich und praktikabel gemacht werden. Andererseits mußten in der Zeit eines wachsenden und schnell entwickelnden Bau- marktes Instrumente zu einer verwaltungstechnischen und baupolizeilichen Beurteilung von Stahlbetonbau- ten zur Verfügung stehen, die der Vielfalt neu entwickelter Bauformen im Stahlbetonbau nicht behindernd, notwendigerweise aber kritisch–korregierend gegenüberstehen konnten. Mit einheitlichen Normen wurden auch Bemessungsgrundlagen geschaffen, die die patentgeprägten Monopole der Eisenbetonbauwirtschaft (System Hennebeque, Wayss&Freitag u.a.) aufbrechen konnten. Normen werden also immer dann verän- dert, wenn folgende Bedingungen gegeben sind:

- ein größerer technischer und wissenschaftlicher Fortschritt (z.B. hinsichtlich Rißbreitenbeschränkung)

- eine Weiter- oder Neuentwicklung wichtiger Baustoffe (z.B. Leichtbeton)

- neue Technologien erprobt wurden (z.B. Bewehren mit Matten)

- neue Bemessungsgrundlagen entwickelt wurden (z.B. die klassische Fachwerkanalogie)

Hier wirkt die Norm fortschrittsfördernd.

Normen müssen jedoch auch als Korrektiv wirken:

- wenn bestimmte Erfahrungen mit Baustoffen und Bauverfahren es verlangen (z.B. Alkaligefahr aus Zu- schlägen, Spannungsrißkorrosion)

- der Anspruch an Wirtschaftlichkeit zu neuen Konstellationen führt (hoher Stellenwert der Stahlersparnis in der DDR gegenüber dem Faktor Arbeitslohn)

- bei geänderten Schutzbedürfnissen (z.B. verändertes Umweltbewußtsein)

- höhere Ansprüche an Eigenschaften und Qualität der Bauwerke (z.B. Schall- und Wärmeschutz)

2.2 Beteiligte und allgemeine Anforderungen an eine moderne Betonbaunorm

Entgegen einer weitverbreiteten Meinung wird eine Betonbaunorm nicht nur durch die Wissenschaft geprägt. Wesentlichen Einfluß üben daneben die Bauaufsicht, Baufirmen mit ihren Dachorganisationen (Deutscher Beton- und Bautechnik Verein e.V.), große Bauherren (z.B. Deutsche Bahn AG, Bundesministerium für Ver- kehr, Bau- und Wohnungswesen), Baustoffhersteller, Beratende Ingenieure und die Prüfingenieure aus. Mit den objektiven, vom Stand der Technik geforderten Notwendigkeiten müssen die Interessen der an einer zukünftigen Bauausführung Beteiligten in einem Kompromiß, also der Norm, zusammengefaßt werden.

Zusätzlich gibt es länderübergreifende Organisationen wie den IVBH (IABSE engl.), RILEM und den fib, die Erfahrungen sammeln, zusammenfassen und daraus abgeleitete Richtlinien und Normenempfehlungen veröffentlichen. Die wichtigsten sind in nachfolgender Tabelle 1 benannt.

Tabelle 1: Internationale Bestrebungen zur Angleichung der Betonbauvorschriften

ORG.

Gegr.

Name

Übersetzung

Hauptarbeitsgebiete

IVBH

1929

International Association of Bridge and Structural Engineering

Internationale Vereini- gung für Brücken- und Hochbau

Zusammenfassen von Forschungsergebnissen und Verarbeitung von Erfahrungsberichten

(IABSE)

RILEM

1947

Reunion Internationale des Laboratoires d´Essais et de Recherches sur le Materiaux et les Constructions

Internationale Vereini- gung der Materialprü- fungs- und Forschungs- institute im Bauwesen

Entwicklung von Prüf- standards und Prüfsys- temen

CEB

1953

Comité Euro-International du Beton

Euro-Internationales Be- ton-Komitee

Entwicklung von „Model- codes“ (MC)und Bemes- sungsgrundlagen

FIP

1952

Fédération International de la Précontrainte

Internationaler Spannbe- tonverband

Austausch von Erfahrun- gen und Entwicklung von Bemessungsgrundlagen für Spannbeton

fib

1998

fédération internationale du beton

Internationaler Betonver- band

(Zusammenführung der beiden vorletzten Organi- sationen)

Eine Betonbaunorm wie die neue DIN 1045-1 muß sich bewähren. Dazu gehört, daß sie die unterschiedli- chen Interessen ihrer Anwender berücksichtigt, daß sie die bauaufsichtlichen Grundforderungen und die allgemein anerkannten Regeln der Technik erfüllt. Es ist auch zu berücksichtigen, daß eine Norm Basis für Bauvertäge und den technischen Wettbewerb ist. Eine Betonbaunorm muß flexibel in der Handhabung sein und Erkenntnisse aus Erfahrungen, Wissenschaft und Forschung verarbeiten. Dabei darf der Raum für In- novation und weiteren technischen Fortschritt nicht genommen werden. Als Ergebnis der neuen Betonbau- norm sollen letztendlich bei sachgemäßer Anwendung Bauwerke entstehen, deren Qualität und Standard über die deutschen Grenzen hinweg Anerkennung finden und dabei ein wirtschaftliches Bauen ermöglichen.

2.3 DIN 1045-1 (neu) vs. europäische Normungsbestrebungen?

Die DIN 1045-1 neu ist kein Gegenkonzept zu den Bestrebungen einer europäischen Norm, sondern eine Vorwegnahme der Einführung des zur Zeit durch Uneinigkeiten weitgehend blockierten Übergangs des EC 2 in eine verbindliche Europäische Norm (EN). Sie wird ergänzt durch die dabei notwendigen Spezifizierungen eines nationalen Anwendungsdokumentes (NAD). Deutschland will damit als Mitglied der EU einen Beitrag leisten, um auf seinem Territorium Handelshemmnisse abzubauen und den freien Verkehr von Waren, Kapi- tal und Dienstleistungen zu fördern. Die DIN 1045 in der alten Form (7.88) ist dazu weitaus weniger geeig- net. In der Konsequenz all dieser Bestrebungen soll einer einheitlichen europäischen Norm zugearbeitet werden und eine sogenannte Bauprodukten-Richtlinie stehen.

Die Bauprodukten-Richtlinie beschreibt wesentliche Anforderungen, die an Produkte des Hoch- und Tief- baus zu stellen sind.

Das sind im Einzelnen:

- Mechanische Festigkeit und Standsicherheit

- Brandschutz

- Hygiene, Gesundheit

- Nutzungssicherheit, Gebrauchstauglichkeit und Dauerhaftigkeit

- Schallschutz

- Energieeinsparung und Wärmeschutz

Das zukünftige europäisches Normenwerk besteht aus 9 Teilen:

Eurocode 1

EC 1

bauartübergreifendes Sicherheitskonzept, europäische Lastannahmen

Eurocode 2

EC 2

Stahlbeton und Spannbeton

Eurocode 3

EC 3

Stahl

Eurocode 4

EC 4

Verbund, Stahl und Beton

Eurocode 5

EC 5

Holz

Eurocode 6

EC 6

Mauerwerk

Eurocode 7

EC 7

Geotechnik

Eurocode 8

EC 8

Erdbeben

Eurocode 9

EC 9

Aluminium

Die Hoffnung, über eine einheitliche europäische Norm für Stahl und Spannbeton zu verfügen, gibt es seit

1978. Fachleute des CEB haben 1978 der Fachwelt den Modelcode MC 78 als einen einheitlichen Bemes-

sungsvorschlag vorgestellt. Im Jahre 1984 stand bereits ein erster vollständiger Entwurf bereit, der auf dem

MC 78 und damit auf dem Wissenstand der frühen 70iger Jahre aufbaute. An die damaligen 12 EG-

Mitgliedsländer erging die Aufforderung zur Stellungnahme. Damals wurden über 2000 Einzeleinsprüche registriert. Im Jahre 1986 wurde daher eine internationale Redaktionsgruppe mit je einem Vertreter für ein EG-Land gebildet. Zwei Jahre später stand dann ein geschlossener Neuentwurf zur Diskussion. Auch hier

kam es noch zu 1000 Einzeleinsprüchen. 1991 ist das Jahr der endgültigen Fertigstellung und Veröffentli-

chung als europäische Vornorm. Nachfolgend wurde die Empfehlung ausgesprochen, den EC 2, Teil 1 für

eine Übergangsfrist probeweise und parallel zu den bestehenden Normen anzuwenden. In Deutschland wurde dementsprechend der EC 2 als DIN V ENV 1992-1-1 bauaufsichtlich eingeführt und 1994 durch wei-

tere Teile ergänzt. Inzwischen ist auch eine größere Anzahl von Bemessungshilfsmitteln für die Praxis ver-

fügbar, die führenden Tabellenwerke enthalten inzwischen einen EC 2 Abschnitt.

Problematisch am Eurocode ist nach wie vor, daß für jedes Land ein nationales Anwendungsdokument er- forderlich ist. Dort wird auf unterschiedliche Bedingungen bei Lastannahmen (z.B. Schneelasten, Windlasten u.a.) eingegangen, auf differierende Stahlsorten Rücksicht genommen und die boxed values (sog. indikative Werte) gefüllt, die sonst eine Einigung in den Kernbereichen erschwert hätten. Die Unhandlichkeit dieser Norm hat letztendlich dazu geführt, daß die Norm in der Bemessungspraxis kaum wahrgenommen wurde.

Eine Umsetzung des EC 2 in eine deutsche Norm ist heute eine Folge des schleppenden Verfahrens. Der EC 2 war eine europäische Vornorm (ENV) und nach einer Umfrage unter den Mitgliedsländern der EU be- steht durchaus eine deutliche Mehrheit für den Übergang zu einer Europäischen Norm (EN). Eine weitere

Überarbeitung wird aber für unumgänglich gehalten. Es ist also noch nicht absehbar, wann der endgültige

EC 2 erscheinen wird. Aus diesem Grund wurde vom Normenausschuß des DAfStb und des DIN ein

Beschluß herbeigeführt, den EC 2 mit geringen Änderungen in eine deutsche Norm umzusetzen. Damit

kann die längst überfällige Veränderung bei den betagten deutschen Betonbaunormen in einem überblickba-

ren Zeitrahmen erreicht werden. Infolge dessen erschien der erste Entwurf im Februar 1997, der 2. im

Dezember 1998 im Rahmen des Gelbdruckverfahrens.

2.4

Die weitere Entwicklung der DIN 1045 „Tragwerke aus Beton, Stahlbeton und Spannbeton“

Die neue DIN 1045 wird aus drei Teilen bestehen.

Der Teil 1, Bemessung und Konstruktion, wird wesentliche Bestandteile des EC 2 Teil 1, Planung und Kon- struktion von Stahlbeton- und Spannbetontragwerken sowie des Teil 2, Brücken umfassen.

Vom EC 2 werden folgende Teile im wesentlichen übernommen werden:

- EC 2 Teil 1-1

Grundlagen und Anwendungsregeln für den Hochbau

- EC 2 Teil 1-3

Fertigteile

- EC 2 Teil 1-4

Leichtbeton

- EC 2 Teil 1-5

Vorspannung ohne Verbund

- EC 2 Teil 1-6

Unbewehrter Beton

- EC 2 Teil 2

Brücken

Nicht eingearbeitet werden:

- EC 2 Teil 1-2

Brandbemessung

- EC 2 Teil 3

Gründungen

- EC 2 Teil 4

Behälter

Der Teil 2 der zukünftigen DIN 1045 wird das Thema Betontechnik beinhalten und der Teil 3 umfaßt die Aus- führung der Betontragwerke.

Zu den Entwürfen wurden die Einsprüche der Fachöffentlichkeit erfaßt, die eigentlich schon bei der bauauf- sichtlichen Einführung der DIN V ENV 1992-1-1 zu erwarten gewesen wären. Dies zeigt nachträglich, daß der EC 2 von der breiten Fachwelt nicht angewendet worden ist. Eine umfangreiche Überarbeitung hat in- zwischen stattgefunden. Die Einspruchsfrist zum 2. Gelbdruck endete am 31.3.1999. Mit der Veröffentli- chung des Weißdrucks wird derzeit in der 2. Jahreshälfte 2000 gerechnet.

Im Zuge der bauaufsichtlichen Einführung stellt sich natürlich folgende Frage:

Hat sich die Arbeit an der neuen DIN 1045 überhaupt gelohnt, auch wenn deren bauaufsichtliche Zulassung erst sehr spät erfolgt?

In Europa hat man sehr wohl registriert, daß man sich in Deutschland sehr viel Gedanken gemacht hat, um aus dem EC 2 eine gut anwendbare Norm zu machen. Sicherlich wird es Überlegungen geben, die DIN 1045-1 zur Grundlage eines neuen EC 2 zu machen.

Der wahrscheinliche Zeitplan der Normeneinführung ist Tabelle 2 zu entnehmen:

Tabelle 2: Voraussichtlicher Zeitplan für die Einführung der Betonbaunormen

Termin

Bauaufsichtlich eingeführtes Normenwerk

Mitgeltendes Normenwerk

derzeit

DIN 1045 (07/88)

ENV 1992-1: 1991(EC)

DIN 4227

ENV 206: 1990

2000

DIN 1045-1 (neu)

DIN 1045: 1988

ENV 1992-1: (1991)

DIN 1045-2 (neu)

DIN 4227: 1988

ENV 206: 1990

DIN 1045-3 (neu)

 

2004

DIN 1045-1

Eventuell:

DIN 1045-2

ENV 1992-1: 1991(EC)

DIN 1045-3

ENV 206: 1990

2004+x

EN 1992

DIN 1045-1

EN 206

DIN 1045-2

EN EEE (Bauausführung)

DIN 1045-3

2004+x+y

EN 1992

 

EN 206

EN EEE (Bauausführung)

3

Das Bemessungskonzept der DIN 1045-1

3.1 Das „3-Komponenten-System“

Das neue Bemessungskonzept der DIN 1045-1 enthält drei wesentliche Elemente. Bekannt aus den voran- gegangenen Normen ist, daß:

1. notwendige Tragsicherheit und

2. die Gebrauchstauglichkeit sichergestellt werden muß.

Als neues (3.) Element, besonders aus dem Blickwinkel der Qualitätssicherung, sind Anforderungen zur Sicherung einer angemessenen Dauerhaftigkeit in die neue DIN 1045-1 integriert. In bisherigen Ausgaben der DIN 1045 war dieser Bereich nicht ausgewiesener Bestandteil und wurde bei gegebener Tragfähigkeit und Gebrauchstauglichkeit stillschweigend vorausgesetzt. Im Zeitalter von QM als Reaktion auf die Forde- rung des Marktes sind eine explizite Benennung und der Nachweis der Einhaltung von Voraussetzungen dauerhafter Betonbaukonstruktionen sehr wichtig.

3.2 Dauerhaftigkeit

3.2.1 Angriffsrisiko und Umweltklassen

Dauerhaftigkeit bedeutet, daß während einer vorgesehenen Nutzungsdauer eines Tragwerks dessen Funk- tion hinsichtlich Gebrauchstauglichkeit, Standfestigkeit und Stabilität ohne wesentlichen Verlust der Nut- zungseigenschaften bei angemessenem Instandhaltungsaufwand erhalten bleibt.

Der planende Ingenieur nimmt Einfluß auf die Dauerhaftigkeit, indem er die Gefährdung aus dem Umfeld, der Umwelt für das Bauwerk einschätzen muß. Dabei muß der Ingenieur die Gefährdung für den Beton und die Stahlbewehrung separat einschätzen, entsprechend dem unterschiedlichen physikalischen und chemi- schen Verhalten beider Baustoffe. Daraus leiten sich sogenannte Expositions- bzw. Umweltklassen ab, die solch ein Angriffsrisiko beschreiben.

Der Angriff auf die Bewehrung wird chemisch erfolgen, Beton wird chemisch und physikalisch beansprucht. Tabelle 3 stellt eine Zusammenfassung der wichtigsten Umweltklassen vor.

Tabelle 3: Umweltklassen der neuen DIN 1045-1

 

Angriffsrisiko

Umweltklassen

 

Kein Angriffsrisiko

XC

0

Umweltklassen für

Karbonatisierungsinduzierte Korrosion

XC

1 bis XC 4

Bewehrungs-

 

korrosion

Chloridinduzierte Korrosion

XD

1 bis XD 3

Chloridinduzierte Korrosion aus Meerwasser

XS

1 bis XS 3

 

Kein Angriffsrisiko

XA

0

Umweltklassen für Betonangriff

Angriff durch aggressive chemische Umgebung

XA

1 bis XA 3

Frost-Tauwechsel-Angriff

XF

1 bis XF 4

 

Verschleiß-Angriff

XM

1 bis XM 3

Die Unterteilung der Klassen in bis zu vier Untergruppen läßt dem Ingenieur Möglichkeiten einer präziseren Einordnung des Problemfalls. So werden Wasserwechselzonen (Hafenmauern, Pfähle, Behälter) als relativ kritisch eingestuft. Dazu besteht die zumindest theoretisch die Möglichkeit, bei Bauteilsanierungen bei be- reits fortgeschrittener Karbonatisierung die Umweltklasse höher anzusetzen, um ein realistischeres Gefähr- dungsszenario zu erhalten. Später kann dann eine daraus abzuleitende Forderung nach höherer Betonde- ckung mittels Spritzbetonauftrag erfüllt werden. Andererseits scheint beim derzeitigen Normungsstand die Möglichkeit gegeben, z.B. bei Kaimauern in Hafenlagen nicht pauschal auf die Klasse XS 3 abzustellen, sondern im Falle von Bodden- und Brackwassergebieten mit vergleichsweise geringem Salzgehalt auf XS 2 herunterzustufen.

Die Klasse XS 1 ist zum Beispiel für Außenbauteile in Küstennähe gedacht, jedoch ist es sinnvoll den Begriff „Küstennähe“ konkreter zu fassen, um das Problem nicht zu überschätzen.

Die „Gegenmaßnahmen“ gegen Bewehrungskorrosion werden in einer Erhöhung der Betondeckung gesucht bzw. in der Erhöhung der Dichtigkeit des umgebenden (schützenden) Betons = Erhöhung der Betonfestig- keit bei konstanter Zementwahl CEM 32,5. Da für den Betonangriff die Erhöhung der Betondeckung uner- heblich ist, kann auch hier nur die Erhöhung der Oberflächendichtigkeit schützen, was wiederum mit der Erhöhung der Betonfestigkeit erreicht wird.

Bei der Wahl einer angemessenen Betondeckung muß grundsätzlich auch die Sicherung der Verbundeigen- schaften berücksichtigt werden. Unabhängig von der Umweltklasse ist c d s oder c d sv gesichert werden. Ist d s > 16 mm, ist die Betondeckung zusätzlich um 5mm zu erhöhen. Das entspricht etwa der früheren Emp- fehlung c = 1,2 d s aus [1]. Tabelle 4 gibt über den Zusammenhang von Umweltklassen und Betondeckung weiteren Aufschluß.

Tabelle 4:

Festlegung der Betondeckung nach DIN 1045-1 entsprechend der Gefahr der Bewehrungs- korrosion

   

Umweltklassen für Bewehrungskorrosion

   

Mindest-

Karbonatisierungs-

 

Chloridinduzierte

Chloridinduzierte

betondeckung

induzierte Korrosion

 

Korrosion

Korrosion aus Meerwas- ser

(mm)

   
 

XC 1

XC 2

XC 3

XC 4

XD 1

XD 2

XD 3

XS 1

XS 2

XS 3

Betonstahl

10

 

20

25

 

40

 

40

Spannstahl

20

 

30

35

 

50

 

50

Allgemeine

 

Verbund-

 

c d s bzw. d sv

 

bedingung

 

Nach dem Angriffsrisiko für Beton wie Bewehrung leiten sich nach der Tabelle 5 folgende Betonmindestfes- tigkeiten (charakteristische Zylinderdruckfestigkeiten- f ck ) ab. Dabei ist als Zement ein CEM 32,5 vorgege- ben. Eine zusätzliche Einflußnahme auf die Dichtigkeit des Betons ist durch die Wahl der Betonzusammen- setzung möglich, bleibt jedoch dem Regelwerk der DIN 1045-2 vorbehalten.

Tabelle 5: Mindestfestigkeitsklassen für Beton

   

Umweltklassen nach Tabelle 4

 

Mindest-

 

Bewehrungskorrosion

 

festigkeits-

XC

O

XC

1

XC

2

XC

3

XC

4

XD 1

XD 2

XD 3

XS 1

XS 2

XS 3

klassen

                     

C

12

C

12

C

16

C

20

C

25

C

30

C

30

C

35

C

30

C

35

C

35

   

Umweltklassen nach Tabelle 4

 

Mindest-

 

Betonangriff

 

festigkeits-

XA

0

XA

1

XA

2

XA

3

XF

1

XF 2

XF 3

XF 4

XM 1

XM 2

XM 3

klassen

                     

C

12

C

25

C

35

C

35

C

25

C

25

C

25

C

30

C

30

C

30

C

30

25 C 25 C 30 C 30 C 30 C 30 Bsp. 1: Oberseite einer Parkhausdecke

Bsp. 1:

Oberseite einer Parkhausdecke eines offenen Parkhauses (unteres Geschoß)- mögliche Beurteilung des Angriffsrisikos:

Einschätzung der Risiken

Umweltklasse nach

Konsequenz

 

E DIN 1045-1 (02/97)

(nach E DIN 1045-1 (02/97), Tab. 5 u. 6)

maßgebliche Bemessungswerte

 

Karbonatisierungsind. Korrosion

XC

3

c min = 20 mm, C 20

 

Chloridinduzierte Korrosion

XD

3

c min = 40+5 mm (Opferbeton wegen XM 1!), C 35, d s bzw. d sv 32 mm

(durch anhaftende Tausalze)

 

Mäßiger Verschleiß

XM

1

C

30

Betonangriff durch chemisch leicht aggressive Umgebung

XA

1

C

25

Eine Klasse XF wird nicht zugeordnet, da mangels Beregnungsmöglichkeit im unteren Geschoß, keine Wassersättigung zu erwarten ist. Tausalzbeanspruchung ist minderschwer und kann nur über anhaftende und abtropfende Reste am Fahrzeug entstehen. (lokal begrenzte, nicht andauernde Einwirkung)

Das c nom entsteht durch die Einführung eines zusätzlichen Vorhaltemaßes c.

Bei Umweltklassen XC 1 wird c= 15 mm empfohlen.

c nom = c min + c (- evtl. Abminderungen)

c nom = 45 mm+ 15mm (- 5 mm, Platte)= 55 mm!!

(weitere Abminderungen bei QM-

Maßnahmen möglich)

55 mm!! (weitere Abminderungen bei QM- Maßnahmen möglich) 3.2.2 Zur Beschränkung der Rißbreite und der Einhaltung

3.2.2 Zur Beschränkung der Rißbreite und der Einhaltung des Grenzzustandes der Dekompression, Anforderungsklassen

Für die Sicherung der Dauerhaftigkeit eines Bauwerks sind u.a. die Einhaltung einer bestimmten Rißbreite und die Einhaltung des Grenzzustandes der Dekompression wichtig. Die dafür notwendigen Nachweise werden in der E DIN 1045-1 (05.00), 11.2., Beschränkung der Rißbreite, dargestellt. Dabei ist nach Abschnitt 11.2.1 (9) zur Einhaltung des Grenzzustandes der Dekompression gefordert, daß:

a) unter der maßgebenden Einwirkungskombination des Bauzustandes am Rand der durch Vorspannung vorgedrückten Zugzone des Betonquerschnitts Druckspannungen vorhanden sind.

b) unter der maßgebenden Einwirkungskombination des Endzustandes der Betonquerschnitt völlig unter Druckspannungen steht.

Das Nachweisverfahren verzichtet konsequent auf Zuordnung und Nachweis eines bestimmten Vorspann- grades, wie er noch in der DIN 4227 gefordert wurde.

Nach der neuen DIN 1045-1 wird in Abhängigkeit eines gewählten Spannverfahrens und der erwarteten Umweltklasse eine Mindestanforderungsklasse gewählt (Tabelle 6). Diese drückt aus, welche Einwirkungs- kombination zu wählen ist, um den Rechenwert der Rißbreite w k zu ermitteln. Dieser wird mit dem zugehöri- gem Grenzwert entsprechend der Anforderungsklasse aus Tabelle 7 verglichen. Damit kann der Nachweis der Rißbreitenbeschränkung geführt werden. Zusätzlich ist mit der Spannungsverteilung am Querschnitt nachzuweisen, daß der Grenzzustand der Dekompression in Spannbetonbauteilen eingehalten ist.

Das bedeutet nicht, daß größere Zugspannungen in relativer Spanngliednähe (früher Vorspanngrad „Teil- weise Vorspannung“ nach DIN 4227) unmöglich sind. Bei größeren Randabständen der Spannglieder (aus konstruktiven Gründen), kann die Einschränkung gegenüber den Möglichkeiten des EC 2 jedoch groß sein. (Spannglieder müssen dort nur 25 mm innerhalb des gedrückten Betons liegen.) Nur unter der definierten Einwirkungskombination sollen nach DIN 1045-1 Zugspannungen für die angegebenen Querschnittsberei- che ausgeschlossen bleiben.

Beim Einsatz nicht im Verbund liegender Spannglieder dient die schlaffe Bewehrung ausschließlich einer günstigeren Rißbreitenbeschränkung.

Tabelle 6: Anforderungsklassen

Umweltklasse

Vorspannung mit

Vorspannung mit

Vorspannung ohne Verbund

Stahlbeton-

nachträglichem

sofortigem

bauteile

 

Verbund

Verbund

 

XC

0, XC 1, XA 0

 

D

D

F

F

XC

2, XC 3, XC 4, XF 1, XF 3

C

(D- wenn der

C

E

E

Korrosionsschutz anderweitig sicher- gestellt wird)

 

XD 1, XD 2,

C

(D- wenn der

B

E

E

XS

1, XS 2, XS 3,

Korrosionsschutz anderweitig sicher- gestellt wird)

XF

2, XA 1, XA 2

XA

3, XD 3, XF 4

 

Besondere Maßnahmen

 

Tabelle 7: Anforderungen an w k zum Nachweis der Rißbreitenbeschränkung und der Einhaltung des Grenz- zustandes der Dekompression

Anforderungsklasse

Einwirkungskombination 1 ) für den Nachweis

Regelwert der Rißbreite w k [mm]

Dekompression

Rißbreitenbeschränkung

A

selten

-

 

B

häufig

selten

0,2

C

quasi-ständig

häufig

D

-

häufig

E

-

quasi-ständig

0,3

F

-

quasi-ständig

0,4

1 ) werden im übernächsten Kapitel 3.4 erläutert

In der Bemessungspraxis wird es so sein, daß mit dem Nachweis des Grenzzustandes der Dekompression in den Klassen A-C aufgrund der günstigeren vorzuwählenden Einwirkungskombination nicht automatisch der Nachweis der Rißbreitenbeschränkung nach E DIN 1045-1: 2000-05, Abschn. 11.2. gegeben ist. Dieser Nachweis ist nach den weiteren Verfahrensmöglichkeiten direkt nach E DIN 1045: 2000-05, 11.2.4 oder indirekt nach 11.2.2 und 11.2.3 zu erbringen.

Im Endzustand wird ein Spannungsnachweis mit der nach Tabelle 7 erforderlichen Einwirkungskombination für den ganzen Querschnitt unumgänglich, um zu zeigen, daß dieser überdrückt ist. Gegenüber dem EC 2 liegt der Vorteil der DIN 1045-1 rein rechnerisch darin, daß mit Querschnittswerten des Zustands I die not- wendige Einwirkungskombination bzw. Spannungsverteilung für den Nachweis gefunden werden kann. Zu- sätzlich hat die auf den ersten Blick die Möglichkeiten des Spannbetons begrenzende Regelung für den Grenzzustand der Dekompression den Zweck, die Spannungsschwankungen in den Spanngliedern unter dem Einfluß veränderlicher Einwirkungen zu begrenzen. [2]

Auf den zweiten Blick zeigt sich auch, daß für Spannglieder ohne Verbund und bei geeigneten Korrosions- schutzmaßnahmen auch für Spannglieder mit nachträglichem Verbund ein Nachweis einer Dekompression nicht notwendig ist. So werden, nach alter Auslegung, „teilweise vorgespannte“ Konstruktionen durchaus mit diesen Spannverfahren ermöglicht. Die vieldiskutierte „teilweise“ (Quer-)Vorspannung von Fahrbahnplatten bei Brücken wird aber aufgrund ihrer Einstufung in Umweltklassen XA 3, XF 4 und XD 3 wahrscheinlich nicht von der Zustimmung im Einzelfall befreit, da auf nicht genormte „besondere“ also erhöhte Maßnahmen hin- sichtlich Dekompression und Rißbreitenbeschränkung (Tabelle 6) verwiesen wird. Zugspannungen in dem, der vorgedrückten Zugzone gegenüberliegen Bereich wird jedoch im Bauzustand nicht widersprochen, wenn die Rißbreite dort beschränkt ist.

widersprochen, wenn die Rißbreite dort beschränkt ist. Bsp. 2: Flachdach eines Bürohauses (Umkehrdach) in

Bsp. 2:

Flachdach eines Bürohauses (Umkehrdach) in Küstennähe– Ansatz für Nachweis der Dekompression und der Rißbreitenbeschränkung für die Oberseite (obere Zugbewehrung)

Expositionsklasse:

XC 4, XS 1, XF 1, XA 0

Stahlbeton:

c min = 40 mm, C 30/37, c nom = 40+ (15- 5)= 50 mm,

d s(V) 32 mm

Vorspannung ohne Verbund:

c min = 50 mm, (für das Spannglied)

C 30/37,

c nom = 50+ (15- 5)= 60 mm

Vorspannung mit sofortigem Verbund:

c min = 50 mm 2d s

C 30/37,

c nom = 50+ (15- 5)= 60 mm

(3d s )-für gerippte SG

Anforderungsklasse:

(Tabelle 7)

- Stahlbeton: „E“- Es muß mit der quasi-ständigen Einwirkungskombination nachgewiesen werden, daß der Regelwert der Rißbreite w k 0,3 mm ist. - Ausführung als Spannbetonbauteil:

a) Spannglieder ohne Verbund: „E“- Es muß mit der quasi-ständigen Ein-

wirkungskombination nachgewiesen werden, daß der Regelwert der Riß- breite w k 0,3 mm ist. Der Grenzzustand der Dekompression ist nicht zu berücksichtigen.

b) Spannglied mit sofortigem Verbund: „B“ – Der Grenzzustand der De-

kompression ist mit der häufigen, die Rißbreitenbeschränkung auf eine Regelbreite w k 0,2 mm mit der seltenen Einwirkungskombination nach- zuweisen.

Im Nachweis zur Einhaltung des Grenzzustandes der Dekompression ist zu zeigen, daß der gesamte Betonquerschnitt unter der Kombination der häufigen Einwirkungen gedrückt ist.

der Kombination der häufigen Einwirkungen gedrückt ist. Zur bevorstehenden Einführung der "neuen" DIN

3.3

Tragsicherheit

3.3.1 Zum Begriff der Tragsicherheit

Eine ausreichende Tragsicherheit gilt als gegeben, wenn ein Bauteil, ein Bauwerksabschnitt oder ein ganzes Bauwerk im Grenzzustand der Tragfähigkeit nachgewiesen wurde. Dieser Grenzzustand gilt als erreicht, wenn:

1. das statische Gleichgewicht verloren geht bzw. eine Lagesicherung nicht mehr gegeben ist. (Die Festig- keit der Baustoffe ist dabei von untergeordneter Bedeutung.)

2. das Versagen des Tragwerks als Ganzes oder der tragenden Teile (einschließlich der Gründungen) aus starker Abhängigkeit von Baustofffestigkeiten eintritt.

3. der Baugrund versagt

Die zugehörigen Nachweise, daß die nötige Tragsicherheit gegeben ist, sind:

1. der Nachweis der Lagesicherheit.

2. die Bemessung für Biegung, Querkraft, Torsion, Durchstanzen, Stabilität.

3. der Nachweis der Baugrundsicherheit.

3.3.2 Nachweiskonzept im Grenzzustand der Tragfähigkeit

Mit dem Nachweis der Tragsicherheit verschiebt sich die Sichtweise. Jetzt muß nachgewiesen werden, daß auf der Widerstandsseite (R-resistance engl.) eine ausreichende Sicherheit gegenüber der Einwirkungs- bzw. Spannungsseite (S-stress engl.) besteht. In beiden Fällen wird ein sogenannter Bemessungswert (d- design value engl.) in Rechnung gestellt.

Der oft dargestellte Zusammenhang

S

d

R

d

simplifiziert dabei eher. (Tabelle 8) Für den Nachweis wird jetzt kein globaler Sicherheitsfaktor mehr ver- wendet, sondern es besteht die Möglichkeit, mit aus wahrscheinlichkeitstheoretischen Ansätzen gewonne- nen Sicherheitsfaktoren für die einzelnen Einflüsse zu einer wirklickeitsnäheren Berechnung bzw. Nachweis zu kommen und Tragreserven aufzudecken.

Die Bemessungswerte entstehen also durch die Multiplikation der Schnittgrößen bzw. Festigkeitswerte der Baustoffe mit den zugehörigen Teilsicherheitswerten und werden dann miteinander verglichen. Dabei hat für das praktische Verständnis der Grenzzustand der Tragfähigkeit in weiten Fällen den Charakter des Bruch- zustandes der alten Vorschriften.

Auf der Einwirkungsseite bedeutet das einerseits, zwischen ständigen und veränderlichen Lasten zu unter- scheiden. Andererseits werden je nach Anforderung an das Tragwerk unterschiedliche Kombinationen zwi- schen diesen Lasten als maßgeblich erachtet. Der Ingenieur muß zwischen Grundkombinationen von Las- ten (Einwirkungen) und außergewöhnlichen oder abweichenden Bemessungssituationen trennen. Jede Last = Einwirkung erhält nach ihrer Zuordnung zu einer Einwirkungskategorie (ständig, veränderlich, außerge- wöhnlich, Vorspannung) einen Teilsicherheitsfaktor, dessen Größe zusätzlich davon abhängig ist, ob diese günstig oder ungünstig auf das Tragverhalten wirkt. Sind weitere veränderliche Lasten vorhanden, so wer- den diese zusätzlich mit Ausnahme der maßgeblichen Leiteinwirkung mit Kombinationsbeiwerten multipli- ziert. Ein gleichzeitiges Einwirken mehrerer Maximalwerte auf das Bauteil unter verschiedenen Bedingungen wird dabei für weniger wahrscheinlich gehalten, als das Einwirken einer einzelnen veränderlichen Last. Die

daraus resultierenden Bemessungsspannungen werden den vorhandenen Baustofffestigkeiten entgegenge- setzt.

Auf der widerstehenden Baustoffseite werden die Sicherheitsfaktoren der Materialspezifik entsprechend eingesetzt. So erfährt der durch seine Inhomogenität mit größeren Risiken behaftete Beton durch Division der charakteristischen Festigkeit mit γ c = 1,5 eine andere Behandlung als der Betonstahl oder Spannstahl mit einem γ s = 1,15 bzw. γ p = 1,15. Hier sind die Homogenität und der hochgradig qualitätsgesicherte Produkti- onsprozeß entscheidend für die vergleichsweise geringen Teilsicherheitsfaktoren.

Tabelle 8: Zusammenfassung des Nachweis- und Bemessungskonzeptes im Grenzzustand der Tragfähig- keit in der Grundkombination (linear-elastisches Berechnungskonzept)

S

d

R

d

 

S d ist Funktion von

R d ist die Funktion von

γ

G G k

ständige Einwirkungen

f cd = α⋅f ck /γ c

charakteristische Festigkeit

 

γ G,ungünstig = 1,35

von Beton

γ G,günstig = 1,00

γ c = 1,5 (> 1,5 für f ck > 50)

γ

Q Q k,1

veränderliche Lasten

f yd = f yk /γ s

charakteristische Festigkeit

 

γ Q,ungünstig = 1,50

von Betonstahl

γ Q,günstig = 0

γ s = 1,15

γ

p P k

Einwirkung aus Vorspan- nung

0,9f pk /γ p

charakteristische Festigkeit

 

von Beton

γ p,ungünstig = 1,0

γ p = 1,15

γ p,günstig = 1,0

Σγ Q ⋅ ψ 0,i Q k,i

Verwendung von Kombina- tionsbeiwerten bei weiteren veränderlichen Lasten

   

Die Teilsicherheitsbeiwerte sind hier in der Grundkombination dargestellt. Für außergewöhnliche Kombinati- onen gibt es weitere Reduktionen in den Teilsicherheitsbeiwerten nach E DIN 1045-1 (02/97), 2.4.4. Wird unbewehrter Beton auf Druck oder Zug belastet, wird eine Erhöhung von γ c um 20% vorgeschlagen.

Die Einwirkungen werden als charakteristische Werte einschlägigen Normen entnommen oder bei gleichzei- tiger Erfüllung der Mindestanforderungen vom Tragwerksplaner oder Bauherren vorgegeben.

Charakteristische Werte (Festigkeiten, Einwirkungen) sind in der Regel die jeweiligen 5% bzw. 95%- Fraktilwerte einer Wahrscheinlichkeitsverteilung der entsprechenden Größe oder Festigkeit.

Bsp. 3: Flachdachdecke (wie in Bsp. 2 beschrieben) - begehbar, 3-Feld-System aus Ortbeton, l 1

Bsp. 3:

Flachdachdecke (wie in Bsp. 2 beschrieben) - begehbar, 3-Feld-System aus Ortbeton, l 1 = l 2 =

l 3 =8,00 m,

nicht bzw. zentrisch vorgespannt

= l 3 =8,00 m, nicht bzw. zentrisch vorgespannt l 1 l 2 l 3 A

l 1

l 3 =8,00 m, nicht bzw. zentrisch vorgespannt l 1 l 2 l 3 A B

l 2

3 =8,00 m, nicht bzw. zentrisch vorgespannt l 1 l 2 l 3 A B C

l 3

=8,00 m, nicht bzw. zentrisch vorgespannt l 1 l 2 l 3 A B C D

A

B

C

D

Lastannahmen (nach DIN 1055, wäre später nach der DIN 1055-100 zu führen)

Ständige Einwirkungen:

Dachaufbau: 1 cm Putz, 25cm Beton C30/37, Dichtung, 14 cm extrudierte Dämmung, 5 cm Kies G k = 7,4 kN/m², γ G =1,35 Veränderliche Einwirkungen:

Verkehrslast

Q k,1 = 3,5 kN/m², γ Q,1 =1,5

(Leiteinwirkung)

Schneelast

Q k,2 = 0,75 kN/m², γ Q,2 =1,5, ψ 0,2 = 0,7

Windlast

Q k,3 = -0,48 kN/m², γ Q,3 =0! oder 1,5 , ψ 0,3 = 0,6

(Sog) Eine außergewöhnliche Kombination der Einwirkungen könnte durch die zusätzliche Erfassung des äußeren Zwangs infolge Baugrundsetzung unter einer Mittelstütze entstehen. Dieser kann bei Bauteilen des üblichen Hochbaus (Nutzlast< 5 kN/m²), also für das Beispiel, vernachlässigt werden. So werden für die Bemessungswerte der Momente für die Biege- bemessung die Grundkombinationen der ständigen bzw. vorübergehenden Bemessungssituationen benötigt.

Ergebnistabelle Bsp. 3: Einwirkungen (ohne weitere Abminderungen über dem Auflager, Momentenumlagerung und Mindestmomente):

Bemessungswert des Biegemomentes für Biegebemessung

Maßgebende Einwirkungskombination

 

Ergebnis

 

[kNm/m]

 

Allgemein ausreichend (DLT! nach E DIN 1045-1 (02/97), 2.2.4, Vorgehen nach feldweisen LF-Kombinationen):

 

(0,08 G

k

γ

G

+

0,101 Q

k

,1

 

γ

Q

,1

+

0,101 Q

k

,2

 

γ

Q

,3

ψ

0,2

+

0,08 Q

k

,3

γ

Q

,3

 

ψ

0,3

)

l

2

=

m

1d =

(Vollast)

(Feld 1+3 belastet)

(Feld 1+3 belastet)

 

(Vollast)

 
           

2

(0,08 7,4 1,35

+

0,101 3,5 1,5

+

0,101 0,75 1,5 0,7

+

0,08 (

0,48) 0 0,6) 8,00

(Denkbar wäre auch g k in l 2 , l 3 mit γ G,günstig = 1,0 anzusetzen)

 

=

 

90,16

 

(

0,1

G

k

γ

G

0,117 Q

k

,1

 

γ

Q

,1

0,117 Q

k

,2

γ

Q

,3

 

ψ

0,2

0,1

Q

k

,3

 

γ

Q

,3

 

ψ

0,3

)

l

2

=

   

m

Bd =

(Vollast)

 

(Feld 1+2 belastet)

 

(Feld 1+2 belastet)

 

(Vollast)

 
 

(

0,1 7,4 1,35

0,117 3,5 1,5

0,117 0,75 1,5 0,7

 

0,1

(

0,48) 0 0,6) 8,00

2

=

 

-109,15

 

(0,025 G

k

γ

G

0,05 Q

k

,1

 

γ

Q

,1

0,05 Q

k

,2

γ

Q

,3

ψ

0,2

+

0,025 Q

k

,3

γ

Q

,3

 

ψ

0,3

)

 

l

2

=

   
 

(Vollast)

 

(Feld 1+3 belastet)

(Feld 1+3 belastet)

(Vollast)

 

m

2d,min =

 
       

2

 

(0,025 7,4 1,35

0,05 3,5 1,5

0,05

0,75 1,5 0,7

+

0,025 (

0,48) 1,5 0,6) 8,00

(Achtung hier wirkt Wind ungünstig, d.h. γ Q,3 =1,5!)

 

=

-4,03

 

(0,025 G

k

γ

G

+

0,075 Q

k

,1

 

γ

Q

,1

+

0,075 Q

k

,2

γ

Q

,3

ψ

0,2

+

0,025 Q

k

,3

 

γ

Q

,3

ψ

0,3

)

l

2

=

 

m

2d,max =

 

(Vollast)

 

(Feld 2 belastet)

 

(Feld 2 belastet)

 

(Vollast)

 

(0,025 7,4 1,35

+

0,075 3,5 1,5

+

0,075 0,75 1,5 0,7

+

0,025 (

0,48) 0 0,6) 8,00

2

=

44,96

Tragwiderstand- Bemessungsfestigkeiten der Baustoffe:

C 30/37:

BSt 500

f cd =

f yd =

f 30 ck α = 0,85 ⋅ = 17 MN m / ² γ 1,5
f
30
ck
α
=
0,85
= 17
MN m
/
²
γ
1,5
c
f yk
500
=
= 435
MN m
/
²
γ
1,15
s

, α- erfaßt die Dauerstandfestigkeit

435 MN m / ² γ 1,15 s , α - erfaßt die Dauerstandfestigkeit 14 Seminar

3.4

Gebrauchstauglichkeit

3.4.1 Zum Begriff der Gebrauchstauglichkeit

Die neue DIN 1045-1 definiert die Grenzzustände der Gebrauchstauglichkeit als diejenigen Zustände, bei deren Überschreitung die festgelegten Bedingungen für die Gebrauchstauglichkeit nicht mehr erfüllt sind.

Dies erfordert eine

- Beschränkung der Spannungen

- Beschränkung der Rißbreiten

- Beschränkung der Verformungen

- Beschränkung von Schwingungen

3.4.2 Nachweiskonzept im Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit, Einwirkungskombinationen, Häufigkeit von Einwirkungen

Je nach der erforderlichen Anforderungklasse ist es wichtig, den Baustoffeigenschaften eine realistische Einwirkungskombinationen gegenüberzustellen. Nach dem Anforderungsprofil muß sich der Tragwerkspla- ner für eine der vier nachfolgenden Einwirkungskombinationen entscheiden, die zum angemessenen Be- messungswert führen:

- Seltene Einwirkungskombination:

E

d

=

G

( )

+

P

k

+

Q

k

,1

+

(

ψ

0,

i

Q

k i

,

)

k j

,

i > 1

(enthält alle ungünstigen Einflüsse, ergibt den Höchstwert der betrachteten Auswirkung im Gebrauchszustand)

- Nicht-häufige Einwirkungskombination:

E

d

=

G

k j

,

( )

+

P

k

+

ψ

1,1

´

Q

k

,1

+

i > 1

(

ψ

1,

i

Q

k i

,

)

(ersetzt die seltene Einwirkungskombination für den Fall Brückenbau)

- Häufige Einwirkungskombination:

- Quasi-ständige Einwirkungskombination:

E

E

d

d

=

=

Weitere Vereinfachungen sind möglich.

G

G

k j

,

k j

,

(

(

+

+

P

k

P

k

)

)

+

+

ψ

1,1

i > 1

Q

k

,1

(

ψ

2,

i

+

i

> 1

Q

k

,

i

)

(

ψ

2,

i

Q

k i

,

)

Die Häufigkeit einer anzusetzenden veränderlichen Einwirkung definiert sich anhand der Überschreitungs-

häufigkeit einer bestimmten Größe der Einwirkung. Somit wird eine seltene Einwirkung einen weitaus größe-

ren Wert annehmen, als die quasi ständige

(5% oder 95%-Fraktil-) Wert, der Einwirkung zugrunde, kann man die häufige oder quasi-ständige veränder- liche Einwirkung mit einem weiteren Kombinationsbeiwert ψ 1 oder ψ 2 berechnen. (Es gilt 1> ψ 1 > ψ 2 ). In der seltenen Kombination gelten die Kombinationsbeiwerte der Grundkombination aus dem Grenzzustand der Tragfähigkeit.

Legt man aber ein- und denselben Wert, den charakteristischen

Während also die seltene Kombination einen charakteristischen Werte Q k erfaßt, soll nach [2]

- der nicht-häufige Wert ψ 1 ´Q k nicht mehr als einmal pro Jahr erreicht bzw. überschritten werden.

- der häufige Wert ψ 1 Q k nicht mehr als 300-mal pro Jahr bzw. bei weniger als 5% der Belastungen über- schritten werden

- der quasi-ständige Wert ψ 2 Q k ist der zeitliche Mittelwert, der zu 50% überschritten wird.

Die häufigkeitsgeordneten Einwirkungskombinationen beschreiben damit den Grad der zu erwartenden Auswirkungen auf das Bauwerk. Bei seltenen und nicht-häufige Einwirkungskombinationen erwartet der Tragwerksplaner irreversible Auswirkungen auf das Tragwerk, wie den Übergang vom ungerissenen in den gerissenen Zustand. Häufige und quasi-ständige Einwirkungskombinationen beschreiben durchaus umkehr- bare Bemessungssituationen, deren Auswirkungen nicht bleibend sind. Mit der quasi-ständigen Einwir- kungskombination werden die Langzeitauswirkungen von Bemessungssituationen überprüft.

Für die charakteristischen Werte der ständigen, veränderlichen und Einwirkungen aus Vorspannung gilt, daß sie mit dem Faktor 1,0 für den Gebrauchszustand in Ansatz gebracht werden. Die Bemessungswerte des Bauteilwiderstandes werden mit γ M = 1,0 ermittelt.

Bauteilwiderstandes werden mit γ M = 1,0 ermittelt. Bsp.4.: Flachdachdecke wie in Bsp.2, 3 als Stahlbetonbauteil

Bsp.4.:

Flachdachdecke wie in Bsp.2, 3 als Stahlbetonbauteil und als Fertigteilbauteil mit exzentrischer Vorspannung im sofortigen Verbund

Ermittlung der Bemessungsmomente in den genannten Anforderungsklassen für den späteren Nachweis der Rißbreitenbeschränkung

1. Stahlbeton ohne Vorspannung Anforderungsklasse „E“

Der Nachweis der Rißbreitenbeschränkung ist mit der quasi-ständigen Einwirkungskombination zu führen.

i > 1

Ständige Einwirkungen:

E

d

=

G

k j

,

+

(

ψ

2,

i

Q

,

k i

G k = 7,4 kN/m²,

)

Veränderliche Einwirkungen:

Verkehrslast

Q k,1 = 3,5 kN/m², ψ 2,1 = 0,5,

Schneelast

Q k,2 = 0,75 kN/m², ψ 2,2 = 0

Windlast

Q k,3 = -0,48 kN/m², ψ 2,3 = 0

(Sog)

Ergebnistabelle für Bsp. 4.1: Bemessungsmomente (am DLT) zur Ermittlung von Gebrauchsspannungen:

Bemessungswert des Biegemomentes

Quasiständige Einwirkungskombination im Grenzzustand der Gebrauchstaug- lichkeit

Ergebnis

[kNm/m]

 

(0,08 G

k

+

0,101 Q

k

,1

ψ

2,1

+

0,101 Q

k

,2

ψ

2,2

+

0,08 Q

k

,3

ψ

2,3

)

l

2

=

 
 

m

1d =

(Vollast) (Feld 1+3 belastet)

 

(Feld 1+3 belastet)

 

(Vollast)

 
 

(0,08 7,4

+

0,101 3,5 0,5) 8,00

2

=

49,20

 

(

0,1

G

k

0,117 Q

k

,1

ψ

2,1

0,117 Q

k

,2

ψ

2,2

0,1

Q

k

,3

ψ

2,3

)

l

2

=

   
 

m

Bd =

(Vollast) (Feld 1+2 belastet) (Feld 1+2 belastet)

 

(Vollast)

 
 

(

0,1 7,4

0,117 3,5 0,5) 8,00

2

=

-60,46

 

(0,025 G

k

+

0,075 Q

k

,1

ψ

2,1

+

0,075 Q

k

,2

ψ

2,2

+

0,025 Q

k

,3

ψ

2,3

)

l

2

=

 

m

2d,max =

(Vollast)

(Feld 2 belastet)

 

(Feld 2 belastet)

 

(Vollast)

 
 

(0,025 7,4

+

0,075 3,5 0,5) 8,00

2

=

20,24

2. Stahlbeton mit Vorspannung im sofortigen Verbund Anforderungsklasse „B“

Die Flachdachdecke wird aus Fertigteilen zusammengesetzt ohne Aufbeton. Die Fugenverzahnung der Platten für den Horizontalschub wird mit Fugenverguß und Verzahnung sichergestellt.

Statisch entstehen drei 1-Feld-Systeme. Die Plattenhöhe ist um 4 cm auf 29 cm zu erhöhen

(aus Verformungsbegrenzung l i /h35!, für üblichen Hochbau).

Der Nachweis der Rißbreitenbeschränkung ist mit der seltenen Einwirkungskombination zu führen.

E

d

=

G

k j

,

+

P

k

+

Q

k

,1

+

Ständige Einwirkungen:

i > 1

(

ψ

0,

i

Q

k i

,

)

G k = 7,4+ 0,0425= 8,4 kN/m²

Veränderliche Einwirkungen:

Verkehrslast

(Leiteinwirkung)

Q k,1 = 3,5 kN/m²,

Schneelast

Q k,2 = 0,75 kN/m², ψ 0,2 = 0,7

Windlast

Q k,3 = -0,48 kN/m², ψ 0,3 = 0, da günstig wirkend!

(Sog)

ψ 2,1 = 0,5

ψ 2,2 = 0

ψ 2,3 = 0

Einwirkung infolge Vorspannung:

(4 d p =12,5 mm je m Breite, Litze 1570/1770, a p = 490,6 mm²/m)

e z = 0,07 m= konst.

Mittelwert der Vorspannung im SG in Feldmitte:

(Achtung, Spannungszuwachs im Gebrauchszustand zu erwarten!)

σ

pm

σ pm

0

0

=

=

P

k

=

m

p

0,75

973,50

f

pk

,

gew

477,599 0,07

/

MN m

²

= −

0,55 1770(

=

t

=

0)

P

m

0

477,599

/

KN m

= −

33,431

/

KNm m

, günstig

10% Spannkraftverluste (t=oo) P k =m p = -30,088 KNm/m

Ergebnistabelle für Bsp. 4.2: Bemessungsmomente zur Ermittlung von Gebrauchsspannungen:

Bemessungswert des Biegemomentes

Seltene Einwirkungskombination

 

Ergebnis

 

[kNm/m]

   

l

2

 

( G

k

+ Q

k

,1

+

Q

k

,2

ψ

0,2

+

Q

k

,3

ψ

0,3

)

8

2

+

P

k

=

m

fd =

(8,4

(8,4

+ (

3,5

+

0,75 0,7

+

+ (

3,5

+

0,75 0,7

+

0,48) 0)

0,48) 0)

8,00

8

8,00

8

2

33,431 = (

30,088 = (

günstig

) =

ungünstig

) =

65,97

69,31

Bemessungswert des Biegemomentes

Quasi-ständige Einwirkungskombination zusätzlich notwendig, da das Krie- chen Einfluß auf die Dauerhaftigkeit haben kann

Ergebnis

[kNm/m]

 

( G

k

+ Q

k

,1

ψ

2,1

+

Q

k

,2

ψ

2,2

+

Q

k

,3

ψ

2,3

)

l

8

2

+

P

k

=

 

m

fd =

 
   

8,00

2

   

51,11

(8,4

+ 3,5 0,5)

8

30,088 = (

ungünstig

) =

Es ist weiterhin die Beschränkung von Spannungen im Gebrauchszustand für beide Ausführungen des Flachdachs zu prüfen.

Da die vorgespannte Flachdachkonstruktion nicht mehr zum üblichen Hochbau zu zählen ist und den Umweltklassen XF und XS zuzurechnen ist (Bsp.2), muß mit den aus den Bemessungsmomenten im Gebrauchszustand folgenden Span- nungen nach DIN 1045-1, 11.1 nachgewiesen werden, daß

a)

σ

c

0,6 f

ck

σ

c

( m

fd

=

69,31)

18 MN / m ²

ist. (m fd aus seltener Einwirkungskombination)

Weiterhin kann nicht ausgeschlossen werden, daß der Langzeiteinfluß des Kriechens die Dauerhaftigkeit des Bauwerks negativ beeinflußt. Deshalb ist unter der quasi-ständigen Einwirkungskombination nachzuweisen, daß

b)

σ

c

0,45 f

ck

σ

c

( m

fd

=

51,11)

13,5 MN / m ²

ist. (Jeweils für C=30/37)

Für den verwendeten Betonstahl in der Zugzone muß nachgewiesen werden, daß aus der seltenen Einwirkungs- kombination keine größeren Stahlspannungen entstehen als:

c)

σ

s

0,8 f

yk

σ

s

( m

fd

=

69,31)

400 MN / m ²

(BSt 500).

Für den Spannstahl muß nachgewiesen werden, daß aus der quasi-ständigen Einwirkungskombination keine größeren mittleren Spannstahlspannungen (einschließlich der Spannkraftverluste) abgeleitet werden können als:

d)

σ

s

0,6 f

pk

σ

p

( m

fd

=

51,11)

1062 MN / m ²

(St 1570/1770).

Für das dem Beispiel vorangeschickte Stahlbetonbauteil als monolithisches Ortbetonbauteil ohne Vorspannung können die Nachweise a) bis c) entfallen, da es sich um ein Tragwerk im Sinne des üblichen Hochbaus handelt.

da es sich um ein Tragwerk im Sinne des üblichen Hochbaus handelt. 18 Seminar DIN 1045-1

4

Ausgewählte neue Bezeichnungen in der neuen DIN 1045-1

Der Bezeichnungsschlüssel in der neuen DIN 1045-1 unterliegt während des Normungsverfahrens mehre- ren Anpassungen, wie die Gelbdrucke zeigen. Im wesentlichen ist versucht worden, Bezeichnungen aus dem EC 2 zu übernehmen und damit eine normübergreifende, internationale Vergleichbarkeit zu erhalten. Damit orientiert sich der Bezeichnungsschlüssel an Elementen aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum. Wichtige Bezeichnungen und Indizes sind im Folgenden mit dargestellt.

Bezeichnungen und Indizes:

S

Einwirkung („stress“)

d

Bemessungswert („dimensioning“ oder „design-value“)

R

Bauteilwiderstand („resistance“)

c

Beton („concrete“)

m

Mittelwert („mean-value“)

s

Betonstahl („steel“)

k

Charakteristischer Wert

p

Spannstahl, Vorspannung („prestressing“)

0,05

5%-Fraktilwert

b

Verbund („bond“)

0,95

95%-Fraktilwert

j

Fuge („joint“)

Querschnittswerte (die Werte beziehen sich auf nachfolgendes Bild 2):

b Breite

b w

h Gesamthöhe

A

A

b f

b eff

d

d

d

1

2

Flanschbreite

Mitwirkende Plattenbreite

Nutzhöhe

Randabstand von A s1

Randabstand von A s2

Stegbreite

s1

s2

Zugbewehrung

Druckbewehrung

von A s 2 Stegbreite s 1 s 2 Zugbewehrung Druckbewehrung Bild 2: Neudefinition von Bezeichnungen

Bild 2: Neudefinition von Bezeichnungen am einfachbewehrten Querschnitt

Baustoffe und Widerstände:

Breite

Stegbreite

f ct

f y

f c

Gesamthöhe

f t

f p

Zugbewehrung

Druckbewehrung

E

E

E

c

s

p

Elastizitätsmodul von Beton

Elastizitätsmodul des Betonstahls

Elastizitätsmodul des Spannstahls

Einwirkungen

F

Einwirkung allgemein („force“)

M

Biegemoment („moment“)

G

ständige Einwirkung

N

Normalkraft („normal force“)

Q

veränderliche Einwirkung

V

Querkraft („vertical force“)