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VffG, Jahrgang 3, Nr.

1, März 1999, 120 Seiten

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung, 7. Jahrgang, Heft 2, Juli 2003


Deutschlands Historiker anno 1999 · Eine Fallstudie früher integrierter Kriegführung · Redefreiheit…, Teil 2 · Rückblick auf den Revisionismus ISSN: 1370-7507
· Wie die Siegerpropaganda aus Bäckereien »Krematorien« schuf · »Zur Bestreitung des Holocaust – Fakten und Motive« · Geschichte und
Pseudogeschichte · Die 1998’er Konferenz in Adelaide, Australien · Das Rudolf Gutachten in der Kritik, Teil 2 · Pyrrhussieg in der Schweiz

Vierteljahreshefte
für die jüdische Gedankenpolizei · Die Wilkomirski-Pleite · Fragen an die UNESCO zum Thema Auschwitz.
VffG, Jahrgang 3, Nr. 2, Juni 1999, 120 Seiten
Kriegsgründe: Kosovo 1999 – Westpreußen 1939 · Partisanenkrieg und Repressaltötungen · Der 1. Holocaust 1914-1927 · Polnische Bevöl-
kerungsverluste während des 2. Weltkrieges · Lebensweg eines tschechischen »Partisanen« · Geschichte und Pseudogeschichte, Teil 2 · Versuche der Wider-

für freie
legung revisionistischer Thesen · Woher stammt der David-Stern? · Gewißheit um Heisenberg · Irrtümer und Unsinn über Wagner · Der Abfall eines jüdischen
Revisionisten · Redefreiheit…, Teil 3 · Zensur und Willkür ohne Ende · Kristallnacht in Barcelona, u.v.a.m.
VffG, Jahrgang 3, Nr. 3, September 1999, 120 Seiten
KL Stutthof · Der große Patentraub · Wlassow in neuem Licht · Wandlungen der Totenzahl von Auschwitz · Wieviele Tote gab es in Auschwitz?
· Das Schicksal der Juden Deutschlands 1939-45 · Unbekannter Hunger-Holocaust · Sowjetische Bildfälschungen · Britische Propaganda 1939-

Geschichtsforschung
45 · Aufstieg und Fall von Lindbergh · Die Beneš-Dekrete · Konrad Henlein und die sudetendeutsche Frage · Grenzen der Naturwissenschaft
· Wahnwelten · Redefreiheit…, Teil 4 · Jürgen Graf: Urteil von Appelationsgericht bestätigt, u.v.a.m.
VffG, Jahrgang 3, Nr. 4, Dezember 1999, 120 Seiten
Fremdarbeiter im Dritten Reich · Deutsche Zwangsarbeit und ihr Entschädigung · Ist Amerika seit 250.000 Jahren besiedelt? · Wer waren die
Ureinwohner Amerikas? · Perspektive in „Holocaust“-Kontroverse · Holocaust-Religion · 100 Mio. Kommunismus-Opfer: Warum? · Kulmhof/Chelmno · Sinti
und Roma · Peenemünde und Los Alamos · Entmachtung der deutschen Vertriebenen · „Deutsche Geschichtsschreibung“ · Bundesprüfstelle verweigert Poli-
tical Correctness · Holocaust im Internet · Wissenschaft oder Ideologie?
VffG, Jahrgang 4, Nr. 1, Juni 2000, 120 Seiten
Verschiedene Beiträge zum Prozeß David Irving gegen D.E. Lipstadt · »Schlüsseldokument« – alternative Interpretation · Vergasungslügen 7. Jahrgang • Heft 2 • Juli 2003
gegen Deutschland · Verfahrenstechniker zu Vergasungsbehauptungen · Treblinka-Archäologie · England – Aggressorstaat Nr. 1 · Churchill
plante 3. Weltkrieg gegen Stalin · Englands Kriegsgründe für WKII · Rätselhafter General Wlassow · Japan: einen Holocaust verschwindet ·
Einkreisung Deutschlands · Freispruch für polnischen Historiker · Prozeß gegen Dr. Toben · Zweierlei Kronzeugen · u.a.m.
VffG, Jahrgang 4, Nr. 2, August 2000, 120 Seiten
Holo-Orthodoxie · Gedenken an Pfeifenberger und Elstner · Deutschland – Sommer-Alptraum · Was geschah mit unregistrierten Juden? ·
“Schon 1942 wußte man…” · Leichenkeller von Birkenau · Serienlügner Wiesel · Üben bis zur Vergasung! · Lügner Lanzmann · Gaskammer-Besichtigung · ½ Am Rande des Dritten Weltkriegs:
Juden unter NS-Herrschaft · Tod Himmlers · WK II: Wessen Krieg? · Leistungen der Wehrmacht zur Flüchtlingsrettung · Galileo Galilei · Neue Weltreligion · Wie der Euro die USA in den Krieg
Nazifizierung der Deutschen · Ideologische Versuchung · Unsere jüdischen Wurzeln? · u.a.m. treibt, S. 124
VffG, Jahrgang 4, Nr. 3&4 (Doppelnummer), Dezember 2000, 232 Seiten (als Einzelheft € 30,-)
Ganzjahres-Alptraum Deutschland · 20. Jahrhundert – ein „deutsches“ Jahrhundert? · Revisionistische Wiedergeburt · Kongreß der Verfolgten ·
Historische Vergangenheit, politische Gegenwart · Was widerfuhr den ungarischen Juden? · Luftschutz in Birkenau: Neubewertung · Berichte zu Englands Opiumkriege:
Auschwitz · Amtlich sanktionierter Betrug in Dachau · Giftmordfall Marie Besnard · „Swing tanzen verboten“ · Das Ende von U 85 · Armee von
Nieten · Washington oder Wilson? · Entstehung des jüdischen Volkes · Wilhelm II. und T. Herzl · Sieg der verlorenen Revolution · u.a.m.
Drogen und Machtpolitik, S. 132
VffG, Jahrgang 5, Nr. 1, Mai 2001, 120 Seiten
Revisionismus und Zionismus · Großbritannien und Palästina · Englands Propagandanetz in den USA · US-Intrigen zur Ausweitung des 2. Egalitarismus:
Weltkriegs · Roosevelt und der Fall Kent · Pläne zur Ausrottung des deutschen Volkes · Grabschändung durch Behörde · Vergewaltigte E. Wiesel deutsche
Mädels? · Der Holocaust begann 1648 · Die Shoah: bloßer Glaube? · Esquire über Revisionismus · Bedrohung und Gewalt gegen Revisionisten · »Strafbarkeit Sind alle Menschen gleich?, S. 139
des Auschwitz-Leugnens« · Fälschungen zum Holocaust · Legenden des Sklavenhandels, u.a.m. Politisierung der Psychologie, S. 151
VffG, Jahrgang 5, Nr. 2, Juli 2001, 120 Seiten
Beirut: Die unmögliche revisionistische Konferenz · Die Führer der islamischen Staaten sollten ihr Schweigen zum „Holocaust“-Betrug bre-
chen · Auswirkung und Zukunft des Holocaust-Revisionismus · Zyklon B, Auschwitz und der Prozeß gegen Dr. Bruno Tesch · Neubewertung Aussagenkritik:
Churchills – Teil 1 · J. Goebbels und die „Kristallnacht“ · Die Wiege der Zivilisation am falschen Ort? · Ein Volk gibt es unter uns… · Reali-
tät und Wirklichkeit · Der Angler, der Karpfen und der Revisionist · Jagd auf Germar Rudolf, Teil 3 · u.a.m. Dachau-Greuelmärchen, S. 165
VffG, Jahrgang 5, Nr. 3, September 2001, 120 Seiten Legenden um Jesse Owens, S. 166
Folgen des Großterrorismus · »den holocaust hat es nie gegeben« · Offener Brief an arabische Intellektuelle · N. Finkelstein über Juden,
Antisemitismus, Israel · Revisionisten sind schwer zu widerlegen · Schwimmbad in Auschwitz · Marschall Pétain · Finnischer Winterkrieg 1939 · Unternehmen Falschzeuge in Wisconsin, S. 168
Barbarossa und Europas Überleben · Ardennenschlacht · Neubewertung Churchills – Teil 2 · Britische Kriegsverbrechen · Weiße “Mumien” von Ürümchi ·
Kelten in Westchina · Pressefreiheit abgeschafft · Der Fall Gamlich · Die Neuseeland-Saga · u.a.m. KL Sachsenhausen:
VffG, Jahrgang 5, Nr. 4, Dezember 2001, 120 Seiten Wahrheit und Propaganda, S. 173
Schützt unsere Demokratie! · Der Verfassungsschutz zum Revisionismus · Politische Romantik des Holocaust · J. Spanuth · Deportation
ungarischer Juden 1944 · Mythos von Gebrauchsobjekten aus Menschenhaut · Revision zur Französischen Revolution · Wendepunkt Erster
Weltkrieg – Teil 1 · Unterdrückung Lettlands, 1918-1991 · OSI – US-Nazijäger · Stalins Säuberung der Roten Armee · Offene Fragen zu den Grubenverbrennungen:
Terrorangriffen auf die USA · Amerika & England: Das Ende der Freiheit? · Gaskammern im Altreich? · Zeugen · u.a.m.
VffG, Jahrgang 6, Nr. 1, April 2002, 120 Seiten Experimente zu
Politisch verfolgte Deutsche genießen Asyl … im Ausland · Fort Eben-Emael: Wendepunkt der Geschichte · Bombardierung von Bergen Zeugenbehauptungen, S. 185
1944/45 · Durchbrach die Me 262 die Schallmauer? · Konzentrationslagergeld · Miklos Nyiszli · Israels Geburt durch Blut und Terror · Holocaust-Dynamik ·
Juden, Katholiken und der Holocaust · Revisionismus und die Würde der Besiegten · Globale Probleme der Weltgeschichte · N.G. Finkelstein in Beirut: Gegen-
veranstaltung arabischer Revisionisten · Jagd auf Germar Rudolf · Nachrufe · u.a.m. Dissidentenverfolgung:
VffG, Jahrgang 6, Nr. 2, Juni 2002, 120 Seiten Persönlichen Angriffe, S. 194
Naher Osten: Lunte am Pulverfaß · Geopolitik des Afghanistankrieges · 11. September 2001 · Helden von Bethlehem · V. Frankl über Auschwitz
· „Entdeckung“ des „Bunkers 1“ von Birkenau · Kosten von Auschwitz · Rückblick auf GULag · Kinderlandverschickung im 2. Weltkrieg · Volksrepublik Kanada, S. 198
Antigermanismus · Totalitarismus in der Springer-Presse · Gutachten im Asylverfahren von G. Rudolf · Geistesfreiheit in Deutschland · Japan Hysterie in Neuseeland, S. 203
Castle Hill Publishers
knackte US-Funkverkehr im Sommer 1941 · Hitler ohne Völkermordprogramm gegen Slawen · Ausgrabungen in Sobibor? · u.a.m.
VffG, Jahrgang 6, Nr. 3, September 2002, 128 Seiten Dt. Historiker hinter Gittern, S. 212
IHR: Sinkt das Schiff? · Douglas: Revisionist oder Scharlatan? · »Keine Löcher, keine Gaskammer(n)« · V.E. Frankl in Auschwitz · Treblinka:
Vernichtungslager oder Durchgangslager? · C.A. Lindbergh: Prinzipien vor Privatleben · Trübe Machenschaften der Anti-Defamation League · Auch Kulturrevi-
sionismus ist dringend erforderlich · Ich, der Antisemit? · Stalins Vernichtungskrieg – amtlicher Verleumdungskrieg · Nachruf auf Thor Heyerdahl · Schwimmbad
im Ghetto Theresienstadt · Wie die USA den Vietnamkrieg vom Zaune brachen · Aus den Akten des Frankfurter Auschwitz-Prozesses · u.v.a.m.
VffG, Jahrgang 6, Nr. 4, December 2002, 120 Seiten
Auschwitz-Opferzahl: Zahlen-Roulette dreht sich weiter · Russen recherchieren in “Sache Holocaust” · Sowjetischen Befragung der Topf-
Ingenieure · “Verbrennungsgruben” und Grundwasserstand in Birkenau · Die Stärkebücher von Auschwitz · Giftgas über alles, von Friedrich
Paul Berg · Vrba entlarvt Lanzmanns Film Shoah... und sich selbst · Mondlandung: Schwindel oder Wahrheit? · Männer beiderlei Geschlechts
und der kalte Verfassungsputsch · Von der Gefahr, Revisionist zu sein… · Hundert Jahre Leni Riefenstahl · Zensur im Internet, u.a.m.
VffG, Jahrgang 7, Nr. 1, April 2003, 120 Seiten
E. Zündel: Kampf für Deutschland · Die 4-Mio. Zahl von Auschwitz: Entstehung, Revision, Konsequenz · Zigeuner-“Vergasung” in Auschwitz
· Lodz-Ghetto in der Holocaust-Propaganda · Neues Gesicht des “Holocaust” · Der General im Eis · Klimaforschung: Wissenschaft oder Ideologie? · Umer-
ziehung an deutschen Schulen · Hintergründe der 68er-Kulturrevolution · Entstehung des Dt. Reiches · Warum die USA den Internationalen Strafgerichtshof
ablehnen · Revisionismus in Estland · Dissidentenverfolgung: Rennicke, Amaudruz, Plantin · u.a.m.
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Offenkundigkeit · Zyklon B · Selbstassistierter Holocaust-Schwindel · Französischer Hersteller von Zyklon B? · Affäre Garaudy/
Verpackung sind inklusive. es durch Abonnements, die Übernahme von Patenschaften, Abbé Pierre · Historiker: Keine Beweise für Gaskammern! · Zur Legalität von Geiselerschießungen · Ein anderer Auschwitz-
Zahlungsbedingungen: 60 Tage rein netto. die Vermittlung neuer Abonnenten und Interessenten oder gar prozeß · Englands Oberjuden vor Gericht · Juden in Wehrmachtsuniform · Guido Knopp und die historische Wahrheit · Zur
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– bar: vorzugsweise €, SF, £ oder US$. Erforschung wichtiger geschichtlicher Fragen. VffG, Jahrgang 1, Nr. 2, Juni 1997, 74 Seiten: bald wieder erhältlich!
Wannsee-Konferenz · Wieviele Juden überlebten Holocaust? · Sonderbehandlung · Gespensterkrankheit · Loch
in der Tür · Anne Frank · Unbefohlener Völkermord · Völkermord durch Telepathie · KGB-Novellist G. Fleming · Revisionismus
Voraussetzungen für den Abdruck von Artikeln in den Vierteljahresheften für freie Geschichtsforschung: im Cyberspace · Focus, Monitor und die Wahrheit · Revisionistische Gutachten · Rudolf Gutachten in der Kritik · Zur Lage des
Inhaltliche Voraussetzungen: Vorgehensweise: Mit Ausnahme anonym zugesandter Beiträge Holocaust-Revisionismus · Aktion Troja · Völkermord nicht gleich Völkermord · Deutschland verletzt Meinungsfreiheit
Themengebiete: Geschichte, insbesondere Zeitgeschichte; werden Korrekturbögen nach Erfassung zugesandt, ein VffG, Jahrgang 1, Nr. 3, September 1997, 90 Seiten: bald wieder erhältlich!
daneben auch Meinungs- und Forschungsfreiheit. Nach Recht auf Abdruck entsteht dadurch nicht. Das eventuelle Pseudohumanistische Heuchler · Holocaust: Dieselmotorabgase töten langsam · Revisionisten haben Luftüberlegenheit
· Auschwitz-Kronzeuge Dr. Münch im Gespräch · „Wissenschaftler“ am Werk · A. Bomba, der Friseur von Treblinka ·
Möglichkeit neuartige, bisher unveröffentlichte Berichte, Erscheinungsdatum behält sich die Redaktion vor. Ein Auschwitz: Die Paradoxie der Erlebnisse · Geschichtliche Korrekturen · Über die Feigheit des Establishments · Über den Mut
Übersichtsartikel bzw. Forschungsergebnisse; Autorenhonorar wird nur gezahlt, falls der Autor unter von Einzelgängern · Grundlagen zur Zeitgeschichte: Gutachterliche Stellungnahme · Ziviler Ungehorsam in der Justiz?
Stil: systematischer Aufbau; sachlich; Belegung von Tat- gesellschaftlicher und/oder staatlicher Verfolgung wegen VffG, Jahrgang 1, Nr. 4, Dezember 1997, 82 Seiten: bald wieder erhältlich!
sachenbehauptungen; merkliche Trennung von Meinung und seinen Meinungsäußerungen leidet. Es wird jeweils nur ein Rudolf Gutachten: »gefährlich« · Technik deutscher Gasschutzbunker · Sauna ein »Verbrechen«? · Was geschah den aus
Tatsachenbehauptungen. Belegexemplar versandt. Auf ausdrücklichen Wunsch können Frankreich deportierten Juden? · Juden von Kaszony · Wieviel Gefangene wurden nach Auschwitz gebracht ? · Himmler-Befehl
bis zu fünf Belegexemplare zugesandt werden. zum Vergasung-Stop · NS-Sprache gegenüber Juden · Ch. Browning: unwissender Experte · Deutscher Soldat in Auschwitz
Äußere Voraussetzungen: Aus naheliegenden Gründen drucken und Buchenwald · Die Ignoranz der deutschen Elite · Menschenrechtsorganisationen und Revisionismus
wir Beiträge gegebenfalls auch unter Pseudonymen ab, die Daten: Wir bevorzugen Daten auf Diskette (PC, evtl. auch VffG, Jahrgang 2, Nr. 1, März 1998, 82 Seiten
wir selbstverständlich streng vertraulich behandeln. Anonym MAC, 3,5”/1,44MB und ZIP/100 oder 250 MB). Die Datei- Grundwasser in Auschwitz-Birkenau · Die »Gasprüfer« von Auschwitz · Zweimal Dachau · Irren-Offensive · Ein Australier in
zugesandte Beiträge, die ebenfalls willkommen sind, können formate der üblichen Textverarbeitungsprogramme können in Auschwitz · Die Affäre Papon-Jouffa-Faurisson · Maurice Papon und Yves Jouffa: zweierlei Maß? · Milliarden Franc den Juden
nur veröffentlicht werden, wenn sie inhaltlich annähernd der Regel alle verarbeitet werden, vorteilhaft sind jedoch aus geraubt… oder von Marschall Pétain? · Büchervernichter und ihre Opfer · 451 Grad Fahrenheit · Vom Holocaust Museum
ausgeladen: Schriftsteller spricht beim Nationalen Presseclub
druckreif sind. Gründen der Portabilität Dateien des Formats *.rtf (Rich Text
Es besteht keine Umfangsbeschränkung für eingereichte Format). Wir selbst verwenden bevorzugt MS Word97/2000 VffG, Jahrgang 2, Nr. 2, Juni 1998, 82 Seiten
Appell an unsere Unterstützer · Kurzwellen-Entlausungsanlagen in Auschwitz · ›Gaskammern‹ von Majdanek · »Ein Kommentar
Beiträge. Beiträge, die merklich 10 Seiten in unserer Zeitschrift sowie PageMaker 6.5/InDesign (MS Publisher und Quark ist Stelle überflüssig« · Auschwitz: Krema-Zerstörung als Propaganda-Bremse · Das Detail · »Gaskammer« von Auschwitz I ·
überschreiten (etwa 50.000 Zeichen, bzw. 9.000 Wörter), Express können gelesen werden). Bitte senden Sie Ihre Wiedergutmachung: Korrektur eines Fehlurteils · Der Mythos von der Vernichtung Homosexueller im Dritten Reich · Guido
müssen damit rechnen, in mehrere Teile zerlegt in aufein- Manusripte nicht per Fax, da dies ein automatische Erfassung Knopp: Meister der Gehirnwäsche · Deutschland und seine Neurosen · Zweifeln verboten, fragen verboten, zitieren verboten!
anderfolgenden Ausgaben publiziert zu werden. In solchen (OCR) erschwert. Bilder können sowohl in allen gängigen VffG, Jahrgang 2, Nr. 3, September 1998, 82 Seiten
Fällen ist dafür zu sorgen, daß der Beitrag eine Gliederung Bildformaten auf Diskette als auch im Original zugesandt »Schlüsseldokument« ist Fälschung · Dokumentation eines Massenmordes · Verdrängte Schiffskatastrophen · Vatikan und
aufweist, die eine solche Teilung erlaubt. werden. »Holocaust«: »Komplizenschaft« zurückgewiesen · R. Graham und Revisionismus · Lügen über Waffen-SS-Division · Auschwitz
Sterbebücher · Auschwitz-Überleben · Kriegsgerüchte · »Vor dem Lesen vernichten!« · Falsche Erinnerungen überall – nur nicht
Beiträge von zwei Seiten Länge oder mehr sollten mit 3,5”-Disketten sowie unverlangte Manuskripte werden in der Zeitgeschichte · J. W. Goethe knapp BRD-Zensur entgangen · Polizeistaatliche Intoleranz.
Abbildungen versehen sein, um den Text aufzulockern nicht zurückgesandt, verlangte Original-Manuskripte und
(Buchumschläge behandelter Werke, Dokumenten-Faksimiles, Abbildungen nur auf ausdrückliche Bitte.
VffG, Jahrgang 2, Nr. 4, Dezember 1998, 82 Seiten
Zensoren und Zensierte · Cremonini-Preis 1999 · »Gasdichte« Türen in Auschwitz · Kurzwellen-Entlausungsanlage, Teil 2 ·
Portraits behandelter Personen und evtl. der Beitragsautoren, Falls Sie mit diesen Bedingungen einverstanden sind, Redefreiheit, dissidente Historiker und Revisionisten, Teil 1 · Aus Kriegspropaganda werden historische »Tatsachen« · 1944:
Autorvorstellungen, Bilder historischer Ereignisse etc.). erwarten wir gerne Ihre Arbeiten. Schreckensjahr im Kaukasus · »Holocaust in neuem Licht« – Hintergrundinformationen · Repression gegen Dissidenten in
Schweiz · Eine Zensur findet nicht statt, es sei denn... · Liste eingezogener Schriften · Dänisches Zeugen-Potpourri.
* zuzüglich €1,- Porto & Verpackung für jede angefangene € 12,50 der Gesamtbestellung.
Inhalt
Die Elefanten im Zimmer ........................................................................................................................................................122
Von Bradley Smith
Am Rande des Dritten Weltkriegs..........................................................................................................................................124
Von Germar Rudolf
Die Opiumkriege: Drogen und Machtpolitik ........................................................................................................................132
Von Stephen J. Martin
Alle Menschen sind gleich – oder doch nicht?.......................................................................................................................139
Von Paul Grubach
Die Unterwanderung der Wissenschaft: Wie die Psychologie Darwin verlor ....................................................................151
Von Glade Whitney
Gruppendenken........................................................................................................................................................................160
Von Germar Rudolf
Dachau-Greuelmärchen bloßgelegt........................................................................................................................................165
Von Baurat h.c. Dipl.- Ing. Walter Lüftl
Jüdische Mythen um die Berliner Olympiade (1936) ...........................................................................................................166
Von Prof. a.D. Dr. Robert Faurisson
Walter A. Peltz: noch ein Holocaust-Falschzeuge.................................................................................................................168
Von Ronald Klett
Das Schicksal der jüdischen Familie Goldsteen aus Holland...............................................................................................172
Von Ernst Bruun
KL Sachsenhausen ...................................................................................................................................................................173
Von Carlo Mattogno
Verbrennungsexperimente mit Tierfleisch und Tierfett ......................................................................................................185
Von Carlo Mattogno
Persönlichen Angriffe gegen Revisionisten ............................................................................................................................194
Von Prof. a.D. Dr. Robert Faurisson
Die Verfolgung der Revisionisten in Kanada ........................................................................................................................198
Von Paul Fromm
Der Fall Hayward und seine Nachwehen...............................................................................................................................203
Von Dr. Fredrick Töben
Deutschland: Der große Bruder wächst weiter .....................................................................................................................210
Von Germar Rudolf
Der Fall Hans-Jürgen Witzsch................................................................................................................................................212
Von Johannes Heyne
Aus der Forschung
Die Versenkung des Schlachtschiffes Bismarck, von Wolfgang Pfitzner ...............................................................................223
Aus den Akten des Frankfurter Auschwitz-Prozesses, Teil 4, von Germar Rudolf ................................................................224
Bücherschau
Der israelische Massada-Mythos enlarvt, von Robert H. Countess, Ph.D. ...........................................................................229
Eine provokative Geschichte der weißen Rasse, von Robert H. Countess, Ph.D...................................................................233
Leserbriefe ................................................................................................................................................................................236
In Kürze ....................................................................................................................................................................................238

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 121


Die Elefanten im Zimmer
Von Bradley Smith
Die meisten von uns verstehen, daß es unweise ist, Querver- lich würde er Auschwitz auch dann nie vergessen, wenn man
bindungen zu ziehen zwischen der Tragödie der Palästinenser ihn nicht daran erinnerte. Der Gedanke an Auschwitz hat ihn
in Israel, den Ereignissen des 11. September 2001 und dem keine Minute verlassen. Auschwitz war schön. Auschwitz
Krieg der US-Regierung gegen den Irak. Man spürt allge- war wie ein wunderbarer Traum. Ob er nun Touristen durch
mein, daß derjenige Gefahr läuft, des Antisemitismus bezich- Yad Vashem führte, sich palästinensischen Boden unter den
tigt zu werden, der eine solche Querverbindung öffentlich Nagel riß, jeden niedertrampelte, der sich ihm in den Weg
herstellt. Diese Furcht ist vollkommen berechtigt. Weist man stellte, oder seine kurze, grausame Geschichte fröhlich und
auf die Zusammenhänge hin, so wird man als Antisemit an unter Gläserklirren bei einer Cocktail Party in Tel Aviv oder
den Pranger gestellt. Niemand läßt sich gerne als Dummkopf Washington zum besten gab, Auschwitz war immer da und
oder gar als Vertreter einer verbrecherischen Ideologie be- bot ihm perfekten Schutz. Auschwitz war wie eine magische
schimpfen. In Slate schreibt Michael Kingsley:1 Decke, die er auf seinem breiten Rücken trug und die sicher-
»Hier haben wir wieder den sprichwörtlichen Elefanten im stellte, daß ihn jedermann zugleich sah und nicht sah. Wie
Zimmer vor uns. Jeder sieht ihn, keiner spricht von ihm.« Michael Kinsley und Konsorten.
Der Elefant im Zimmer ist Israel sowie der Einfluß, den is-
raelische und amerikanische Zionisten auf die Bush-Regie- Mel Gibson dreht einen Film über die Kreuzigung Christi,
rung ausüben. Herr Bush hat im US-Fernsehen gesagt, Sha- oder das, was wir über dieses Thema wissen beziehungswei-
ron – also der Schlächter von Beirut – sei »ein Mann des se zu wissen vermeinen. Rabbi Marvin Hier vom Simon
Friedens«. Saddam Hussein hingegen gilt bekanntlich als Wiesenthal Center ist zutiefst beunruhigt. Allem Anschein
Unhold. Nun ja, man läßt seine Verbündeten halt immer im nach peinigt ihn die Sorge, Gibson, ein traditionalistischer
hellsten und seine Gegner im düstersten Licht erscheinen. Katholik, könnte letzten Endes gar die Rolle, welche Juden
Kinsley und ein paar andere Journalisten mögen immerhin beim Mord an Jesus gespielt haben, mehr oder weniger reali-
noch darauf hinweisen, daß es in der Tat einen Elefanten im stisch nachzeichnen. Er fürchtet, Gibson könnte den Eindruck
Zimmer gibt, doch kommen sie nie auf den Gedanken – oder erwecken, alle Juden weltweit seien für den Tod Jesu verant-
wenn sie doch darauf kommen, verschweigen sie es –, daß es wortlich. Trotzdem hält sich der Rebbe vornehm zurück:
ihre Leser durchaus interessieren könnte, woher dieser »Natürlich hat noch niemand The Passion gesehen, und ich
Dickhäuter kommt. Wer hat ihn beispielsweise erzeugt? Wer will Mel Gibson gewiß nicht das Recht absprechen, das zu
hat ihn so lange aufgepäppelt, bis er seine heutige, beein- glauben, was er für wahr hält, oder einen Film seiner Wahl
druckende Leibesfülle erreicht hat? Wer von uns ist erpicht zu drehen.«
darauf, dieses trampelfüssige und gefährliche Haustier sau- Doch da gibt es noch Mel Gibsons Vater, Hutton Gibson.
berzuhalten und zu füttern? Wie konnte er sich zu jenem Der alte Mann (er zählt 84 Lenze) ist ein radikaler Verschwö-
Monstrum entwickeln, das man nicht beim Namen nennen rungstheoretiker, der meint, im Vatikan säßen schon seit ge-
darf, ohne den Konsens zu gefährden, auf dem unsere politi- raumer Zeit „Antipäpste“, es gebe möglicherweise eine von
sche Kultur beruht? „den Juden“ unterstützte freimaurerische Verschwörung, und
Tatsache ist, daß wir mehr als einen Elefanten im Zimmer Al Qaida habe nichts mit den Angriffen auf die Türme des
haben. Hinter dem, den wir sehen, verbirgt sich noch ein an- World Trade Center zu tun.
derer, unsichtbarer: Die Mutter aller Elefanten im Zimmer. Ich will mich zu diesen Fragen nicht äußern. Jedoch…
Diese Elefantenmutter schützt ihr Kalb, macht ihm Mut, ver- In einem Interview mit dem New York Times Magazine2 ver-
sichert ihm, daß nie jemand ein böses Wort zu ihm sagen warf Hutton
wird, egal wie es sich benimmt. Sie wird ihren Sproß weiter »die von Historikern aufgestellte Behauptung, wonach
hegen und nähren, bis die Katastrophe schließlich eintritt: sechs Millionen Juden ausgerottet worden sind. „Fragen
Krieg, Vergeltung, Blutvergießen und Massenvernichtungs- Sie doch einen Beerdigungsunternehmer oder den Bur-
waffen. Wer ist diese Elefantenmutter? schen, der das Krematorium bedient, was es braucht, um
Ihr Name ist Holocaust. Sie verleiht allem, was ihr Riesen- eine Leiche einzuäschern“, sagte er. „Es braucht einen Li-
kalb anstellt, moralische Legitimierung. Wenn es doch ein- ter Benzin und zwanzig Minuten.[3] Und sechs Millionen?“
mal vorkommt, daß man ihrem Sprößling wegen seiner Ver- Er fuhr fort: „Es gab nach dem Krieg mehr [Juden] als vor
achtung für die Araber, seiner Brutalität, seiner Gier nach pa- dem Krieg.“«
lästinensischem Land ein mahnendes „He du!“ zuruft, hebt Weiter:
dieser sein großes Ohr und lauscht dem Ratschlag seiner »„Die ganze Katastrophe wurde künstlich herbeigeführt“,
Mutter. Ohne den schützenden Schatten zu verlassen, rollt sie sagte Hutton, „und zwar als Teil einer Absprache zwischen
dann ihren sehnigen Rüssel hoch und raunt ihrem Sohn zu: Hitler und den Financiers, um die Juden aus Deutschland
»Bring das Gespräch wieder auf die Öfen von Auschwitz, herauszubekommen. Hitler wurde durch diese Absprache
Liebling! Sprich über Auschwitz, mein Herzchen!« veranlaßt, den Juden das Leben schwer zu machen, damit
Nicht, daß der Rüpel vergessen hätte, was in der Vergangen- sie alle nach Israel auswanderten, denn dort brauchte man
heit immer so gut geklappt hat. Wie jeder Elefantenjunge mit Menschen, um die Araber zu bekämpfen“, sagte er.«
einem starken Vater oder einer starken Mutter will er ledig- Bestimmt hat Mel Gibson viel Ärger wegen seines Vaters.
lich bestätigt bekommen, was er schon weiß. Wenn man so- Ich will mich nicht dazu äußern, ob der alte Herr mit seinen
viel auf dem Kerbholz hat wie dieser Schwerfüßler, tut es Behauptungen recht oder unrecht hat, außer daß er mit seinen
immer gut, wenn man sein Gewissen beruhigen kann. Natür- Bemerkungen zum Sechsmillionenunsinn sowie den Kremie-

122 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2


rungen den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Was er sagte, sowie zur Vertreibung Hunderttausender von Palästinensern
war zwar gewiß nicht der Weisheit letzter Schluß, aber im- aus ihrer Heimat. Er führte zu weiteren Kriegen, der Errich-
merhin schon etwas, besonders wenn man bedenkt, daß er 84 tung jüdischer Siedlungen auf Boden, der nicht den Juden
Jahre alt ist. gehört, der Entstehung bewaffneter palästinensischer Gue-
Wenn es um den alten Hutton Gibson geht, bekennt sich rillagruppen, welche die „Eindringlinge“ verjagen wollten,
Rabbi Hier nicht mehr zu dessen Recht, »das zu glauben, was sowie einer stetig wachsenden Feindschaft der gesamten ara-
er für wahr hält«. Nach seiner Meinung zu Gibsons Kom- bischen
mentaren im New York Times Magazine gefragt, sagte er: und islamischen Welt gegenüber Israel, den Juden sowie den
»Für Fanatiker und Antisemiten sind auch noch so viele Amerikanern, welche alles bezahlen.
Beweise oder wissenschaftliche Belege nie genug. Für sie Dies heißt, daß Regimewechsel nicht gleich Regimewechsel
zählt nur der Haß.« ist. Man stelle sich vor, 1948 hätte man von der „Befreiung
Wissenschaftliche Belege? Da haben wir’s! Das ist der Rabbi des palästinensischen Volkes“ gesprochen statt von einem
Hier, den wir kennen. Schließlich geht es diesmal um den Ho- bevorstehenden Regimewechsel, bei dem eine arabische Re-
locaust. Die Gibsons haben ihre Überzeugungen, und der Reb- gierung durch eine jüdische abgelöst werden sollte. Dann
be hat die seinen. Mit dem Recht des alten Gibson, zu glauben, hätten die Ereignisse in jenem Weltteil einen ganz anderen
was er will, ist es da nicht mehr weit her. Wenn er bezweifelt, Verlauf genommen. Wir wissen nicht, was geschehen wäre,
was Rabbi Hier über Gaskammern und Krematorien zu wissen gäbe es inmitten der arabischen Welt keinen Staat Israel,
wähnt, geht es ihm an den Kragen. Er ist ein »Hasser«. Zum doch jedenfalls wäre alles anders, als es ist. Die Juden wür-
Teufel mit dem Recht auf eine eigene Meinung! den unter arabischer Verwaltung leben, genau wie sie es zu-
Mit dem Glauben an heilige Geschichten – und zwar alle von vor jahrhundertelang friedlich getan hatten, und die US-
ihnen – gibt es ein Problem. Die Holocaust-Geschichte ist Regierung müßte anderswo nach Völkern ausspähen, die ih-
nichts anderes als die heilige Geschichte der Juden, ob sie rer Befreiung harren.
nun religiös sind oder nicht, und darum darf man sie nicht in Rhetorik über die Befreiung des palästinensischen Volkes
Frage stellen. An einer heiligen Geschichte gibt es nichts zu war damals nicht gefragt. Die ganze Rhetorik drehte sich um
debattieren, man muß felsenfest an sie glauben, und dem die europäischen Juden, die von den Nazis in Gaskammern
wahren Gläubigen bereitet sein Glaube Ver- ausgerottet worden waren und deswegen das
gnügen. Die Gefahr liegt nur darin, daß sich ei- Recht hatten, in Palästina einen Regimewechsel
ne für unumstößlich wahr gehaltene Geschichte in die Wege zu leiten. Dabei spielte es keine
als fragwürdig oder sogar nachweisbar falsch Rolle, daß die behauptete einzigartige Greueltat
herausstellen kann. Dann ist jäh Schluß mit der der Deutschen niemals bewiesen, sondern in
Gewißheit und dem Vergnügen, und an deren Nürnberg lediglich „von Amts wegen zur
Stelle treten Schmerz und Zorn. Kenntnis genommen“ worden war. Die Anklage
Diese Drohung, die Furcht, daß sein Glaube auf beruhte auf den Berichten von Augenzeugen,
Sand gebaut sein könnte, ist der Grund für die von denen sich mittlerweile viele als Verrückte
Angst, den Zorn und die Verzweiflung des Reb- oder Lügner entpuppt haben. Dies darf man
ben. Wie alle modernen Philosemiten in Ameri- freilich nicht laut aussprechen. Es ist ein Tabu.
ka hat er, dem Samson des Alten Testaments In der Welt der Tabus hat die Wahrheit nichts
gleich, den Backenknochen eines Esels zur B.R. Smith zu suchen. Die Wahrheit ist keine Verteidigung,
Hand, mit dem er auf Andersdenkende eindrischt, um ihren wenn jemand ein Tabu bricht.
guten Ruf zu zerstören, sie zu „Gedankenverbrechern“ abzu- Wenn die Amerikaner den Irak unterworfen haben, wird die
stempeln und jede offene Debatte über seine heilige Ge- Frage der Unterdrückung der palästinensischen Araber durch
schichte abzuwürgen. Israel dadurch nicht vom Tisch sein. Die Wunde wird weiter
Ich persönlich habe keine Schwierigkeiten mit Fragen der schwären. Die israelische Verachtung für die Palästinenser,
Gewißheit und des festen Glaubens. Ich bin mir über alles die finanzielle Unterstützung Amerikas für alles, was Israel
und jedes unsicher und über nichts sicher. Ich habe einge- tut, der dadurch heraufbeschworene Zorn der arabischen und
standenermaßen Vorurteile und Herzenswünsche. Nach Ver- muslimischen Radikalen – all dies wird durch den Irak-
gnügen suche ich immer an der falschen Stelle. Feldzug nicht verschwinden. Aber man darf nicht darüber re-
den. Nachdem die Deutschen die europäischen Juden ausge-
Regimewechsel rottet hatten, strömten diese, obgleich sie doch eben erst aus-
Der Krieg kann einem schwer zu schaffen machen, auch gerottet worden waren, in hellen Scharen nach Palästina und
wenn man selbst nicht an ihm beteiligt ist. Die ungeheuerli- rissen den größeren Teil des Landes an sich. Der dadurch
che Dramatik der Ereignisse, bei denen es für Hunderttau- ausgelöste Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt dauert bis
sende um Leben oder Tod geht, die Frage nach Tyrannei und heute an, und es gibt keinen Grund zur Annahme, daß sich
Freiheit… Heute morgen habe ich gehört, daß die U.S. Füh- daran in naher Zukunft etwas ändern wird. Schließlich besas-
rer statt von einem „Regimewechsel“ im Irak immer mehr sen die Juden das Recht, an sich zu reißen, was immer sie
von der „Befreiung des irakischen Volkes“ sprechen. Diese wollten. Sie waren ja scließlich ausgerottet worden.
Verlagerung des Schwerpunkts gefällt mir. Es braucht nicht Aber darüber darf man nicht reden. Ƒ
viel, um mich glücklich zu machen. Ein Regimewechsel kann
zur Befreiung eines Volkes führen, aber auch zu etwas ganz Anmerkungen
anderem. 1948 gab es in Palästina einen Regimewechsel zu- Aus dem Englischen übersetzt von Jürgen Graf.
gunsten der europäischen Juden. Wem brachte er die Freiheit? 1
http;//slate.msn.com/id/2073093
Der Regimewechsel in Palästina führte zum Krieg, der mas- 2 www.nytimes.com/2003/03/09/magazine/09GIBSONhtml
3
senhaften Übernahme palästinensischen Bodens durch Juden Diese Werte liegen weit unter den tatsächlichen. Der Übersetzer.

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 123


Am Rande des Dritten Weltkriegs
Warum die USA Krieg führen müssen, ihn aber nicht führen können, wie sie es müßten
Von Germar Rudolf

Der Grund für die meisten Kriege sind massive wirtschaftliche Spannungen zwischen konkurrierenden Nationen
oder große wirtschaftliche Krisen einer einzelnen Nation, die diese mittels Gewalt nach außen zu lösen sucht.
Schließlich muß ein Krieg ja finanziert werden, und ohne Unterstützung der Wirtschaftswelt und großer Banken
würde kein größerer Krieg geführt werden. Es muß daher zumindest die Aussicht auf große finanzielle Gewinne
gegeben sein, damit die Hochfinanz einen solchen Krieg unterstützt. Es gab sicher viele Gründe für den Krieg der
Vereinigten Staaten gegen den Irak, aber diejenigen, die von der US-Regierung angegeben wurden – humanitäre
Hilfe für das irakische Volk und die Zerstörung phantomhafter Massenvernichtungswaffen – können ohne weiteres
verworfen werden, da solche Gründe die Geldbörsen der Wallstreet nicht öffnen würden. Welche wirtschaftlichen
Gründe sind es also, die die USA dazu verleiten, eine ganze Region zu destabilisieren und uns alle an den Rand ei-
nes weltweiten Konflikts zu bringen? Der nachfolgende Beitrag wird darlegen, was die treibende Kraft hinter die-
sem verzweifelten, aber aussichtslosen Versuch der US-Regierung ist, die Welt zu zwingen, ihren Wirtschaftsraum
als den zentralen Marktplatz und ihre Währung als die einzige von Weltgeltung anzuerkennen; nichts weniger als
der drohenden Kollaps des Dollars und die sich daran anschließende Gefahr des Zusammenbruchs der Vereinigten
Staaten als letzter Supermacht.

1. Die US-Wirtschaft näher betrachtet nes Landes aussagen, es sei denn, es kommt dort zu extremen
Faktoren wie Inflation, Wachstum des Bruttosozialprodukts, Werten. Was im Zusammenhang dieses Beitrags allerdings
Arbeitslosenrate, Zinssätze u.ä., die alle verschiedenen Ein- wichtig ist, sind die folgenden Faktoren:
flüssen unterworfen sind, werde ich hier nicht behandeln, da 1. öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum Bruttosozial-
sie nicht wirklich etwas über den Zustand der Wirtschaft ei- produkt
2. private Verschuldung und Ersparnisse
3. Außenhandelsbilanz über einen längeren Zeit-
raum

1.1. ÖFFENTLICHE VERSCHULDUNG IM VERHÄLTNIS


ZUM BRUTTOSOZIALPRODUKT
Grafik 1 zeigt die Entwicklung der Verschuldung der
Billionen Dollar

öffentlichen Hand in den USA, Grafik 2 zeigt die in-


flationskorrigierten Werte. Grafik 3 gibt das Brutto-
sozialprodukt zwischen 1940 und 2002 an, inflati-
onskorrigiert auf den Wert des Dollars im Jahr 1996.
Demzufolge lag die Verschuldung der öffentlichen
Hand in den Vereinigten Staaten im Jahr 2002 bei 60
Prozent des Bruttosozialprodukts. Geschichtlich ge-
sehen war die Situation am Ende des Zweiten Welt-
krieges wesentlich schlimmer, als die Verschuldung
der öffentlichen Hand ungefähr dem Bruttosozial-
produkt entsprach, aber in der Zeit des Wirtschafts-
Grafik 1: Öffentliche Verschuldung der USA1 booms danach fiel dieses Verhältnis bis zum Jahr
1981 auf ein Minimum von nur 30 Prozent. Was sich
daran anschloß, ist als „Reagonomics“ bekanntge-
worden: das Ausgeben gigantischer Mengen Geldes,
das von der Federal Reserve Bank geliehen wurde,
Billionen Dollar

was nichts anderes heißt, als daß es aus dem Nichts


geschaffen wurde. Diese Entwicklung wurde unter
Clinton gebremst, erlangte aber seit 2002 erneuten
Schwung unter Bush jr.

1.2. PRIVATE VERSCHULDUNG UND ERSPARNISSE


Es ist weithin bekannt, daß die Amerikaner auf
Pump und Kredit leben. Dies spiegelt sich ebenfalls
in den nationalen Statistiken über private Verschul-
dung und Ersparnisse wider. Bis zum Jahr 2000 stie-
gen die privaten Ersparnisse und Investitionen kon-
Grafik 2: Reale Öffentliche Verschuldung der USA stant auf einen Maximalwert von 1,8 Billionen Dol-
(inflationsbereinigt; 1990=100%)

124 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2


lar an. Seit 1998 sind allerdings die privaten Ersparnisse te das durchschnittliche US-Unternehmen Schulden in einer
deutlich langsamer gewachsen als das Bruttosozialprodukt, Höhe, die 6,25 mal höher waren als sein jährlicher Gewinn.
und seit dem Jahr 2000 sind sie tatsächlich gesunken und er- Insgesamt ist das Verhältnis zwischen Verschuldung und ver-
reichten im Jahr 2002 ein Minimum von 1,55 Billionen Dol- fügbarem Jahreseinkommen stetig angestiegen, und zwar von
lar mit weiter sinkender Tendenz. Grafik vier zeigt die Ent- 80 Prozent im Jahr 1956 auf über 170 Prozent im Jahr 2001,
wicklung der privaten Ersparnisse in Prozent des Bruttosozi- mit einem scharfen Anstieg des Verhältnisses seit 1998, siehe
alprodukts. Bis zum Jahr 1998 sind diese Ersparnisse über Grafik 5.
Jahrzehnte lang fast stetig angewachsen, aber seither geben In absoluten Zahlen sind die privaten Schulden in den Verei-
der durchschnittliche US-Haushalt sowie das durchschnittli- nigten Staaten heute doppelt so hoch wie das Bruttosozial-
che Unternehmen mehr aus, als sie sparen. Einem ähnlichen produkt (ca. 20 Billionen Dollar), verglichen mit privaten Er-
Trend unterliegt die private Verschuldung. Im Jahr 2001 hat- sparnisse von lediglich 1,55 Billionen Dollar.4 Etwa 80 Pro-
zent dieser Schulden sind durch Immobilien gesi-
chert, aber die Verbraucherschulden belaufen sich auf
10 ungefähr 2 Billionen Dollar.
9
8 1.3. AUSSENHANDELSBILANZ
Billionen Dollar

7 Verschuldet zu sein, ist nicht unbedingt eine schlech-


6
te Sache. Es kommt darauf an, wem man etwas schul-
5
4 det, und ob man in der Lage ist, die Schulden zurück-
3 zuzahlen. Ein Blick in die Außenhandelsbilanz der
2 USA zeigt allerdings, daß man es hier nicht lediglich
1 mit einer Inlandsverschuldung zu tun hat, sondern
0 daß die Amerikaner Ausländern schulden. Grafik 6
gibt die akkumulierte Außenhandelsbilanz der USA
1940

1945

1950

1955

1960

1965

1970

1975

1980

1985

1990

1995

2000

seit 1940 wieder. 1983 war das erste Jahr mit einem
massiven Außenhandelsdefizit (32 Milliarden Dollar)
Grafik 3: Reales Bruttosozialprodukt der USA und zugleich das Jahr, in dem die Verschuldung der
(inflationsbereinigt, 1996=100%)2 öffentlichen Hand das erste Mal seit 1945 merklich
Netto Ersparnisse in % des BSP anstieg. In den Jahren danach ist das US-Handels-
defizit immer weiter dramatisch angestiegen. Heute
schulden die Vereinigten Staaten anderen Nationen
bzw. Ausländern fast 3 Billionen Dollar oder 30 Pro-
zent ihres Bruttosozialprodukts.

1.4. DIE FOLGEN


Jedes Unternehmen, das derartige Zahlen aufweisen
würde, wäre schon längst bankrott. Aber die Verei-
nigten Staaten von Amerika funktionieren immer
noch. Der Grund dafür ist, daß die Welt immer noch
Vertrauen in den Dollar hat. Der größte Teil des Gel-
des, das als Folge des US-Handelsdefizits ins Aus-
land abfließt, kommt wieder zurück, indem Ausländer
ihre Gewinne in US-Regierungsanleihen investieren,
das heißt also, indem sie die öffentliche Verschul-
Grafik 4: Private Rücklagen in % des BSP der USA3 dung der USA finanzieren. Dies schließt die Löcher
in der US-Wirtschaft. Dies funktioniert natürlich nur
so lange, wie die Welt ihr Vertrauen in den US-Dollar
nicht verliert und es keine Alternative gibt.

2. Der Euro, eine Alternative zum US-Dollar?


2.1. WECHSELKURS ZUM DOLLAR
1955-1995 Trend extrapoliert
Im Jahr 1999 wurde die europäische Währung in
zwölf europäischen Ländern eingeführt. Da die an
dieser neuen Währung teilnehmenden Länder wirt-
schaftlich und politisch sehr heterogen sind, wurde
angenommen, daß diese neue Währung nicht sehr er-
folgreich sein, sondern stetig an Wert gegenüber dem
Dollar verlieren würde. Dies war anfangs auch rich-
tig. Der Euro erreichte seinen Tiefststand gegen Ende
2000 (€1.20 für einen Dollar). Dann jedoch geschah
etwas Entscheidendes, das diesen Trend umkehrte
Graph 5: Verhältnis von privater Schulden zu verfügbarem Einkom- (sie weiter unten) und der Euro begannen einen stei-
3 len Anstieg mit einem zwischenzeitlichen Höchstwert
men

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 125


1.25
0 1.2

Euros für einen Dollar


1.15
1940

1945

1950

1955

1960

1965

1970

1975

1980

1985

1990

1995

2000
Billionen Dollar

-1 1.1
1.05
1
-2
0.95
0.9
-3
0.85
0.8

May-99

May-00

May-01

May-02

May-03
Jan-99

Sep-99

Jan-00

Sep-00

Jan-01

Sep-01

Jan-02

Sep-02

Jan-03
-4
Wert für 2003 extrapoliert aus Defizit vom 1. Quartal 2003
Grafik 6: Akkumulierte Handelsbilanz der USA2 Grafik 7: Wechselkurs des Euro zum Dollar9

von 84 €-Cent für einen Dollar am 30. Mai 2003, siehe Gra- »Kauf einen Mitsubishi, und wir zahlen Ihnen ein Jahr
fik 7.5 lang 50 Dollar jeden Monat!«
Die Japaner geben also dem Käufer Geld, damit er ihre Autos
2.2. EUROPAS WIRTSCHAFT IM VERGLEICH ZUR US- kauft!
WIRTSCHAFT Was wäre, wenn Japan den Yen von gegenwärtig 117 Yen
Bezüglich Arbeitslosigkeit, Wachstum und öffentlicher pro Dollar auf 140 oder 150 Yen pro Dollar abwerten würde?
Verschuldung ist Europas Wirtschaft sicherlich nicht in ei- Die Mitsubishis würden dann für US-Kunden noch billiger.
ner besseren Verfassung als die US-Wirtschaft. Während Japan hat zwar eine inländische Verschuldungsbombe, das
die öffentliche Verschuldung in den USA 60 Prozent des Land ist jedoch zugleich auch der weltweit größte Gläubiger,
Bruttosozialprodukts beträgt, beträgt sie in den europäi- was bedeutet, daß die Japaner viele ihrer Ersparnisse im Aus-
schen Ländern im Schnitt 70 Prozent.6 Aber Europa hat land angelegt haben, ein Ergebnis des jahrzehntelangen gi-
zwei Vorteile: es hat gewöhnlich einen Außenhandelsüber- gantischen Außenhandelsüberschusses. Wenn nun die japani-
schuß – im Jahr 2001 etwa 25 Milliarden Dollar5 – und pri- schen Banken unter Druck geraten, diese ausländischen Inve-
vate Verschuldung und Ersparnisse sind ausgeglichen.7 Im stitionen abzuziehen, weil die Japaner sich entschieden ha-
Ergebnis Schulden andere Nationen den Europäern unge- ben, ihre Schulden Zuhause zurückzuzahlen, so käme es zu
fähr eine Billion Dollar.8 einem massiven Abfluß von Kapital aus Amerika und ande-
Besonders interessant ist ein Blick in die Wirtschaft des öko- ren Industriestaaten mit den Folgen für die Welt, wie sie
nomischen Motors Europas, Deutschland. Obwohl Deutsch- Deutschland zwischen 1929 und 1933 erlebte.12
land unter den gleichen Problemen leidet wie fast alle euro- Mit anderen Worten: nach der ostasiatischen Wirtschaftskrise
päischen Staaten – hohe Arbeitslosenrate, hohe öffentliche Ende der 90er Jahre steht Japan am Rande eines Wirtschafts-
Verschuldung, geringes Wachstum – ist es doch immer noch zusammenbruches, der vergleichbar wäre mit dem der USA
die weltweit zweitgrößte Exportnation nach den USA mit am berüchtigten Schwarzen Freitag der USA im Jahr 1929.
dem weltweit größten Außenhandelsüberschuß mit erstaunli- Was die japanische Wirtschaft noch zusammenhält, ist die
chen 126.3 Milliarden Euro im Jahr 2002, ein Anstieg von schiere Angst vor den Konsequenzen und die Hoffnung, daß
45% gegenüber dem Vorjahr (87.1. Mrd. Euro). Deutschland sich die Weltwirtschaft früher oder später wieder erholen
verzeichnete in den zwei Jahrzehnten zuvor einen im wesent- wird, wodurch Japans Überkapazität wieder in Dienst gestellt
lichen konstanten Überschuß von 50 bis 70 Mrd. Euro pro werden könnte.
Jahr.10 Es kann daher nicht überraschen, daß die privaten Er-
sparnisse der Deutschen sehr hoch sind. 3. Der Euro, der perfekte Kriegsgrund
3.1. REAKTIONEN AUF DEN EURO
2.3. JAPAN IST KEIN RIVALE MEHR Was würde es für die US-Wirtschaft bedeuten, wenn der Eu-
Zwischen 1991 und 2001 stieg Japans öffentliche Verschul- ro als gleichberechtigte Währung neben dem US Dollar aner-
dung von 61% auf 131% des Bruttosozialprodukts an, was kannt würde?
der höchste Prozentsatz aller entwickelten Länder ist, und die In dem jüngst veröffentlichten Buch Behind the Invasion of
Quote steigt steil an.11 Die private Verschuldung ist ungefähr Iraq (Hintergrund der Irak-Invasion) haben indische Wirt-
viermal so hoch wie das BSP, ca. dreimal so hoch wie in den schaftswissenschaftler die Lage eingehend analysiert, in der
USA. Dieses Verhältnis verschlimmert sich in Japan von sich die USA wiederfinden. Ich zitiere:13
Monat zu Monat durch eine Deflation von jährlich 4% (ge- »In den siebziger Jahren gab es keine Alternative zum Dol-
messen in Verbraucherpreisen), was die größte Wirtschafts- lar. Am 1. Januar 1999 erwuchs jedoch eine Alternative
schrumpfung weltweit ist. Hintergrund dieser Deflation ist mit dem Euro, der neuen Währung der Europäischen Uni-
die gigantische Überkapazität der japanischen Industrie. on. Selbstverständlich zog es die Investoren nicht gleich
Die große Wirtschaftskrise in den USA der dreißiger Jahre zum Euro. Tatsächlich stotterte der Euro bei seiner Geburt
wurde durch eine Deflation angeheizt, und diese neue, von und verlor bis Ende 2000 30% seines Wertes gegenüber
Japan ausgehende Deflation kann sich ebenso ausbreiten. dem Dollar. Im letzten Jahr jedoch hat der Euro stark auf-
Ende April 2003 hörte ich zufällig einen Werbespot eines geholt und zog in den letzten Monaten mit dem Dollar
Mitsubishi-Händlers in den USA, der seine Autos mit fol- gleich (d.h. etwa ein Euro für den Dollar).
gendem Slogan anbot: Aus drei Gründen ist der Euro eine Alternative zum Dollar.

126 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2


Erstens ist die Europäische Union als die größte imperiali- Umstellung auf den Euro plädieren als „eine effektivere
stische Wirtschaft von ungefähr der gleichen Größe wie die Bestrafung [effektiver als ein Ölembargo] der Vereinigten
USA ein attraktiver Standort für ausländische Investoren. Staaten, Israels Hauptquelle für finanzielle und politische
Zweitens wünschen ausländische Investoren, die zur Zeit Unterstützung.“16
die meisten ihrer Anlagen in US-Dollar gebunden haben, Während des europäisch-russischen Gipfeltreffens im Mai
ihre Anlagen zu diversifizieren, um das Risiko von Verlu- 2001 vernahm man folgendes:17
sten bei einem Wertverfall des Dollars zu vermindern: An- „Die EU-Führer […] machten einen gewagten Vorstoß,
gesichts des US-Schuldenberges und des Versagens der um Rußland davon abzubringen, sich auf den Dollar zu
US-Regierung, dieses Problem zu lösen, werden sie zuse- verlassen, indem sie Moskau aufriefen, für seine Exporte
hends nervös. nun auch den Euro anstatt des Dollars zu akzeptieren.
Drittens spüren bestimmte Länder, die unter der militäri- Als Lockmittel stellten sie wachsende Investitionen und
schen Dominanz der USA leiden, daß der Dollar nun an- boomenden Handel in Aussicht.
greifbar geworden ist. Sie sehen eine Umstellung auf den In einem der Zentralbank Rußlands angeforderten Be-
Euro als eine Methode an, es den Amerikanern heimzuzah- richt der Russischen Akademie der Wissenschaften vom
len. Juli 1999 heißt es: ‚Die Einführung des Euros hat direkte
Sogar als der Euro Ende 2000 30% an Wert gegenüber Auswirkungen auf die strategischen Interessen Rußlands
dem Dollar verloren hatte, schreckte dies den Irak nicht und verändert die Bedingungen für seine Integration in
davon ab, die UNO um Erlaubnis zu bitten, seine Ölexpor- die Weltwirtschaft. Die Auswirkungen sind in finanzieller
te im Rahmen des Öl-für-Nahrungsmittel-Programms nicht Hinsicht vorteilhaft für unser Land.’ Olga Butorina von
in Dollar, sondern in Euro angerechnet zu bekommen. der Akademie der Wissenschaften sagte, daß zwar 33
Dies trotz der Tatsache, daß der Prozent des Außenhandels mit EU-
Währungsmarkt den Euro damals Staaten abgewickelt werden, ver-
nicht auf dem Weg der Besserung glichen mit 8% mit den USA, daß
sah, und trotz der Tatsache, daß der aber 80 Prozent aller Außenhan-
Irak bis zu 10 Cents pro Faß Erdöl delsverträge – hauptsächlich für
verlieren würde, um Käufer für Öl, Erdgas und andere Handelsgü-
Wechselgebühren zu entschädigen. ter – in Dollar abgeschlossen wer-
Der Irak ersuchte auch darum, seine den.... ‚[Eine Umstellung auf den
gesperrten Guthaben in New Yorker Euro] würde die Nachfrage nach
Banken in Höhe von 10 Milliarden Euros weltweit dramatisch stei-
Dollar in Euro umzutauschen. Auf gern,’ führte sie aus. ‚Dies wäre si-
Druck der USA weigerte sich die cherlich ein wichtiger strategischer
UNO, diesen Bitten nachzugeben, bis Wandel, und der Euro würde an-
Irak damit drohte, seine Erdölexporte fangen, mit dem Dollar auf dem in-
einzustellen.14 ternationalen Handelsmarkt zu
Iran, der wie Irak und Nord-Korea konkurrieren.’“
von den USA als Mitglied der „Achse Ein weiterer wahrscheinlicher Kan-
der Bösen“ bezeichnet wurde, über- didat zur Umstellung auf den Euro ist
legt ebenfalls, auf den Euro umzu- Venezuela, dessen Präsidenten Hugo
steigen. Die Nationale Iranische Öl- Chavez die USA im letzten Jahr zu
gesellschaft hieß die Schaffung des stürzen versuchten (vergeblich, zu-
Euros 1998 willkommen mit der Be- mindest bis zur Drucklegung). Es wä-
merkung: „Diese Währung wird uns ren zwar nicht nur die erdölproduzie-
von der Herrschaft des Dollars befreien“, und „wir wer- renden Länder, die auf den Euro umstellen würden (so
den die Währung akzeptieren“. Die nationale Ölgesell- hörte man zum Beispiel von Nord-Korea, es würde seine
schaft sowie andere größere iranische Unternehmen äu- Währungsreserven auf Euro umstellen); aber die Entschei-
ßerten sich deutlich gegenüber europäischen und latein- dung wichtiger erdölexportierender Länder, den Euro als
amerikanischen Kunden, daß sie „den Euro vorziehen“ Zahlungsmittel zu akzeptieren, hätte tatsächlich eine große,
würden. Obwohl der Iran danach zwar weiterhin den Dol- womöglich vernichtende Auswirkung auf den Dollar.
lar als Zahlungsmittel benutzte, gibt es Anzeichen, daß er Je mehr Länder auf den Euro umstellen, um so attraktiver
dem Beispiel Iraks folgen könnte. So war der iranische Re- wird der Euro.« Ende des Zitats.
gierungshaushalt des Haushaltsjahres bis zum März 2002
zwar in Dollar angegeben, im Dezember 2001 äußerte sich 3.2. DIE AUSWIRKUNG AUF DEN DOLLAR
allerdings ein Beamter des Ölministeriums, daß sich dies Was würde konkret passieren, wenn der Euro zu einem
„in Zukunft ändern könnte.“ Die Iran News vom gleichwertigen Konkurrenten des US-Dollars würde? Die
29.12.2001 riefen denn auch sowohl für den Ölhandel als Antwort darauf erscheint recht einfach zu sein: Nach der Be-
auch für den übrigen Handelsverkehr zur Umstellung auf endigung des Kalten Krieges haben sich die USA mit ihrer
den Euro auf:15 imperialistischen Politik viele Feinde auf der ganzen Welt
„Der Euro könnte die Währung der Wahl werden, wenn gemacht. Die Entwicklung des Euro zum gleichwertigen
er gegenüber dem Dollar stärker wird. Seither ist der Konkurrenten hätte wahrscheinlich eine massive Verschie-
Euro um 14 Prozent gegenüber dem Dollar angestie- bung der weltweiten Geldreserven zum Euro hin zur Folge.
gen.“ Das würde bedeuten, daß das US-Außenhandelsdefizit und
In Saudi-Arabien sind Stimmen laut geworden, die für eine die öffentlichen Schulden der USA nicht mehr durch zurück-

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 127


fließende ausländische Investitionen gedeckt würden und daß 4. Andere Kriegsgründe – wirkliche und vorgegaukelte
viele ältere Investitionen aus den USA abgezogen würden. 4.1. RELIGIÖSER FUNDAMENTALISMUS
Die Auswirkung eines Erfolgs des Euros wäre mithin nichts In dieser Situation spielt Israel eine wichtige strategische
anderes als der totale Zusammenbruch der US-Volkswirt- Rolle im Nahen Osten als ein Land, das mit einem riesigen
schaft und somit des US-Imperialismus, der Hegemonie des Arsenal an konventionellen und Massenvernichtungswaffen
USA, und, ja, deren zumindest zeitweiliger Niedergang als ausgerüstet ist und auch bereit ist, dieses anzuwenden. Israel
Supermacht. wird daher als ein Werkzeug zur Unterjochung des Nahen
Eine Zusammenbruch der US-Volkswirtschaft hätte aller- Osten dienen – ohne freilich auf seine eigenen imperialisti-
dings auch vernichtende Auswirkungen auf die gesamte schen und expansionistischen Ziele zu verzichten.
Weltwirtschaft, würde also zu einer weltweiten Wirtschafts- Andererseits ist den Juden in Israel und den Zionisten auf der
krise führen, im Vergleich zu der jene, die im Jahr 1929 an- ganzen Welt durchaus bewußt, daß ein wirtschaftlicher Zu-
fing, wie ein Kinderspiel aussehen könnte. Es ist ja nicht nur sammenbruch der USA auf lange Sicht das Ende des Staates
die US-Volkswirtschaft, die auf Sand gebaut ist. Sie mag das Israel bedeuten würde. Israel ist daher mehr als willig, die
schwächste Glied in der Kette sein, aber die meisten anderen USA bei ihrer imperialistischen Eroberungspolitik gegenüber
Industrienationen befinden sich auch in erheblichen Schwie- jedem erdölexportierenden Land im Nahen Osten zur Seite
rigkeiten, hervorgerufen durch massive Produktionsüberka- zu stehen.
pazitäten und riesige öffentliche bzw. private Schulden. Es sollte daher eigentlich niemanden überraschen, daß viele
Ein Weg aus einem explodierenden Außenhandelsdefizit wä- der Persönlichkeiten in Bush’s Regierung und in den US-
re normalerweise die Abwertung der Landeswährung, um Medien, die sich für den Krieg einsetzten, zionistische Juden
Importe teurer und Exporte billiger zu machen. Durch solch sind, die oft beschönigend als „Neo-Konservative“ bezeich-
einen Schritt würde der Dollar international aber noch stärker net werden, was erst kürzlich wieder von US-Persönlichkei-
an Attraktivität für ausländische Investoren verlieren, und ten wie etwa Chalmers Johnson,18 Jason Vest,19 Pat Bucha-
dies würde den Wert des Euro noch weiter in die Höhe trei- nan,20 dem pro-zionistischen demokratischen US-Abgeord-
ben. Um die Investoren in Amerika zu halten, müßten die neten James Moran21 und von Vertretern wichtiger US-Orga-
Zinssätze angehoben werden; dies würde jedoch die In- nisationen dargelegt wurde.22 Als Folge seiner angeblich an-
landsnachfrage erdrosseln, die bereits jetzt gefährlich niedrig tisemitischen, tatsächlich aber gänzlich harmlosen Bemer-
ist. Die USA befinden sich also in einer Zwickmühle. kung wurde J. Moran nun nahegelegt, bei den nächsten Wah-
len nicht wieder zu kandidieren23 – ein bezeichnendes Indiz
3.3. DEN DOLLAR MIT ERDÖL STÜTZEN ist für die tatsächliche Macht der amerikanischen jüdischen
Auch wenn die USA große Mengen Erdöl importieren, so Lobby.24 Ironischerweise gab die israelische Tageszeitung
sind sie dennoch dank ihrer eigenen natülichen Erdölvor- Haaretz kurz nach Morans Bemerkung offen zu, daß seine
kommen weit weniger von diesen Importen abhängig als an- Ansicht durchaus zutrifft:25
dere Industrienationen in Europa und Asien. Die Fähigkeit »Der Krieg im Irak ist von 25 neokonservativen, zumeist
der USA, Preise und Verteilung der arabischen Erdölreserven jüdischen Intellektuellen ausgeheckt worden,[26] die Präsi-
dadurch zu kontrollieren, daß sie die Welt weiterhin zwingen, dent Bush unter Druck setzen, den Gang der Geschichte zu
ihre Währung zur Zahlung zu verwenden, und indem sie die- ändern.«
sen Teil der Welt politisch und militärisch kontrollieren, Es sollte aber auch erwähnt werden, daß einige der vehemen-
würde nicht nur den Dollar stabilisieren, sondern zudem die testen Kritiker dieses Krieges ebenfalls Juden sind: so etwa
anderen konkurrierenden Industrienationen von der Gnade Noam Chomsky27 und Gore Vidal.28
der USA abhängig machen. Würde dagegen der Euro als Die Kriegshysterie wird auch mitgetragen von einer Form
Währung im Erdölhandel akzeptiert werden, so bedeutete des christlichen Fundamentalismus in den USA. Der Süden
dies mit Bestimmtheit allgemeine wirtschaftliche Schwierig- des Landes, der sogenannte „Bibelgürtel“, wird stark geprägt
keiten für die USA. Da die erdölexportierenden Länder zu- durch strenggläubige Sekten wie die Südlichen Baptisten und
gleich auch jene sind, die sich für die Akzeptanz des Euros die Pfingstbewegung. Ein erheblicher Teil der Republikani-
einsetzen – wobei der Irak das erste Land war, das dies auch schen Partei der USA steht unter dem starken Einfluß dieser
umsetzte – ist der Versuch folgerichtig, diese Länder um je- Konfessionen. George W. Bush und Generalbundesanwalt
den Preis dazu zu bewegen, den Dollar als Zahlungsmittel John Ashcroft sind bekannt als aktive, bekennende Mitglie-
beizubehalten. Es steht für die USA nicht weniger auf dem der dieser Gruppen. Juden und Zionisten maßen sich ein „hi-
Spiel als ihre politische, wirtschaftliche und militärische storisches Recht“, ihr „Heiliges Land“ mit allen Mitteln
Vormachtstellung. Angesichts der feindseligen Einstellung kreuzzugartig zu erobern, zu besiedeln und nach Belieben
der erdölexportierenden Länder gegenüber den USA und an- auszuweiten. Gegenüber dem Islam nehmen sie eine ent-
gesichts des Scheiterns aller „friedlichen“ Überzeugungsver- schieden feindliche Einstellung ein als ein radikal zu bekäm-
suche ist aber militärische Gewalt die einzig verbliebene pfenden Übel. Viele fundamentalistische Christen unterstüt-
Möglichkeit der USA, den Erdölmarkt mit ihrer Währung zu zen die zionistische Rechtsanmaßung und scheuen nicht da-
kontrollieren. vor zurück, im Nahen Osten einen größeren Konflikt zu ris-
Militärische Gewalt jedoch wird die Feindschaft der Welt kieren. Die jüdische „Lebensraumpolitik“ sehen diese Chris-
gegenüber den USA noch vertiefen und damit auch die Be- ten lediglich als Erfüllung einer biblischen Prophezeiung an
reitschaft, auf den Euro umzustellen. Jeder weitere Krieg bezüglich der Schlacht von Armageddon und der zweiten
wird zudem die wirtschaftlichen Probleme der USA durch Wiederkehr Christi.
ein Anwachsen der Verschuldung der öffentlichen Hand wei- Sicherlich leistet auch der islamische Fundamentalismus ei-
ter verschärfen. Militärische Gewalt wird daher vielleicht den nen Beitrag zu den gegenwärtigen Spannungen, und nicht al-
Niedergang der US-Wirtschaft verzögern können, aber ver- le gegen die arabischen Länder erhobenen Vorwürfe von
hindert werden kann die aufkommende Krise damit nicht. Menschenrechtsverletzungen sind unbegründet und übertrie-

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ben. Immerhin war aber der Irak das säkularste aller arabi- sei gutzuheißen. Das Argument der Herstellung, des Miß-
schen Länder. Es muß daher als ausgesprochen unwahr- brauchs und des erklärten Anwendungswillens solcher Waf-
scheinlich gelten, daß der Irak jemals eine Politik der Unter- fen wendet sich jedoch gegen die USA selbst. Die US-
stützung muslimischer Extremisten verfolgte. Beweise für ei- Regierung sollte sich daher hüten, derartige Argumente zur
ne solche Beschuldigung liegen keineswegs vor. Rechtfertigung ihrer Kriege anzuführen.

4.2. MASSENVERNICHTUNGSWAFFEN 4.3. HUMANITÄRE GRÜNDE


Im August 1945 warfen US-Bomber Atombomben auf zwei Die bis zum Kriegsende im Irak herrschende Baath-Partei
japanische Städte. Während des Vietnam-Krieges warfen kam dort 1963 durch einen Putsch an die Macht, der massiv
US-Flugzeuge Tausende Tonnen des giftigen, krebserregen- von den USA unterstützt worden war. Die USA waren es
den Kampfstoffes „Agent Orange“ über Tausenden von Qua- auch, die Hussein nach der iranischen islamisch-fundamenta-
dratkilometern des Gegners im nichterklärten Krieg ab. Im listischen Revolution von 1979 in den Krieg gegen den Iran
Angesicht des „ewigen Krieges gegen den Terror“, erklärte trieben. Es ist allgemein bekannt, daß die USA wiederholt
die US-Regierung, sie behalte sich vor, taktische Atomwaf- Diktaturen auf der ganzen Welt unterstützt oder gar durch
fen auch gegen Länder einzusetzen, die selbst solche Waffen den Sturz demokratischer Regierungen installiert haben. Zu-
nicht besitzen. dem gibt es eine schier endlose Anzahl nichtdemokratischer
Es besteht kein Zweifel daran, daß der Irak einst im Besitz Gesellschaften auf dieser Erde, angefangen von allen arabi-
von Massenvernichtungswaffen schen Ländern, die von den
war und sie im Krieg gegen den USA unterstützt werden (wie
Iran auch anwendete. Diese Kuwait, Saudi-Arabien, Algeri-
Waffen bzw. deren Zulieferteile en, Ägypten, Jordanien…).
und Technologien hatte das Außerdem ist die humanitäre
Land im wesentlichen von den Krise des Irak hauptsächlich ein
USA und deren Verbündeten Ergebnis der gegen dieses Land
bezogen. Unmittelbar vor dem seit 1990 verhängten Sanktio-
Überfall auf den Irak war an nen, die nach Ansicht der mei-
Spekulationen und falschen An- sten Nationen ungerechtfertigt
schuldigungen darüber kein harsch waren. So erlaubten diese
Mangel, ob der Irak zu jener Sanktionen noch nicht einmal
Zeit noch derartige Waffen be- die Lieferung einfacher Chemi-
sitze. Die erstaunlichsten Ent- kalien (Chlor) zur Behandlung
hüllungen über die Manipulatio- von Iraks Wasser, so daß es hät-
nen und Lügen der US-Regie- te trinkbar gemacht werden
rung in dieser Hinsicht wurden können. Trotz des Protestes von
Anfang 2003 von dem politi- Vertretern der UNO wurden die-
schen US-TV-Magazin Active se Sanktionen aber aufrechter-
Opposition vorgelegt, das von halten, hauptsächlich auf Druck
einem linken Oppositionssender der US-Regierung und Eng-
World Link TV ausgestrahlt lands. Der sich hinter der US-
wurde. Darin wurde der Mythos Politik gegenüber dem Irak ver-
von den irakischen Massenver- bergende widerliche Zynismus
nichtungswaffen nach Strich wurde 1996 mehr als offensicht-
und Faden zerlegt.29 Tatsache Der US-Abgeordnete James Moran während seiner kri- lich, als sich die damalige US-
ist, daß der israelische Minister- tisierten Rede über die jüdische Rolle, die USA in den Außenministerin Madeleine Al-
präsident Ariel Sharon am ersten Krieg gegen den Irak hineinzutreiben. bright dahingehend äußerte, daß
Tage des Krieges erklärte, es die US-Sanktionspolitik durch-
gäbe für sein Land keinerlei Gefahr, da der Irak nicht die Fä- aus den bis 1996 verursachten Tod von 500.000 unschuldi-
higkeit habe, Israel anzugreifen, wie der US-Nachrichtensen- gen irakischen Kindern wert sei.30 Die Sanktionen haben die
der CNN berichtete. Wie erwartet, sind dann auch nach der Sterberate künstlich erhöht und bis Anfang 2003 sind da-
völligen Besetzung Iraks keinerlei Spuren von Massenver- durch etwa 2.000.000 Irakis als Folge der durch die Sanktio-
nichtungswaffen gefunden worden. Das oft als einer der nen künstlich erhöhten Sterberaten umgekommen, die Hälfte
Hauptgründe für den Krieg vorgeschobene Thema fiel davon Kinder, was nach Ansicht von Denis Halliday, dem
schlicht unter den Tisch. UN-Koordinator für humanitäre Hilfe im Irak, nichts anderes
Es besteht andererseits kein Zweifel daran, daß andere Län- ist als Völkermord.31
der Massenvernichtungswaffen besitzen, wie die USA selbst, Natürlich ist die Bekämpfung eines Diktators, der sein eige-
Israel, China, Nord-Korea, Iran, Ägypten, Pakistan, Indien nes Volk unterdrückt, durchaus legitim. Aber wer erinnert
usw. sich noch an die Lügen, die anläßlich des ersten US-Krieges
Sollte die Menge der angehäuften Massenvernichtungswaf- gegen den Irak erfunden wurden, denen zufolge irakische
fen, die Geschichte ihrer Anwendung bzw. ihres Mißbrauchs Soldaten Babys aus Brutkästen gerissen und getötet haben
oder der erklärte Wille ihrer zukünftigen Anwendung ein Ar- sollen?32 Die ganze Geschichte war frei erfunden worden,
gument für einen Angriffskrieg darstellen, so müßten die spielte aber eine wichtige Rolle, um den UN-Sicherheitsrat
USA das erste Land sein, gegen das ein Krieg erklärt werden davon zu überzeugen, für einen Krieg zu stimmen. Und wer
müßte. Damit soll nicht angedeutet, ein Krieg gegen die USA erinnert sich noch an die grotesk übertriebene Geschichte,

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der zufolge Husseins Armee Hunderttausende unschuldiger reits seit 1997 den Ausbau der weltweiten Vorherrschaft der
Kurden im Norden des Landes ermordet haben soll? Diese USA umsichtig geplant, einschließlich der Auswechslung
Geschichte wird noch heute mit großer Wirkung, aber ebenso von Hussein im Irak durch ein den USA freundlich gesonne-
großem Mangel an Beweisen wiederholt.33 Es soll hier auch nes System. Ihr Plan trägt den Titel »Project for the New
daran erinnert werden, daß die den Serben vor und während American Century« (Projekt für das neue amerikanische
des Kosovo-Krieges vorgeworfenen angeblichen Massaker Jahrhundert). Zusammen mit einem von 40 „Neokons“ unter-
an den Kosovo-Albanern massiv übertrieben worden waren, zeichneten Begleitschreiben wurde er 1998 Clinton vorge-
wie sich nachher herausstellte. legt, der das Projekt jedoch offenbar ablehnte.
Die Wahrheit ist das erste Opfer des Krieges. Das war schon In diesem Plan für eine aggressivere US-Politik zur Beherr-
immer so, und diese Weisheit ändert sich auch dann nicht, schung der ganzen Welt wird ausgeführt, daß es wahrschein-
wenn die USA einen angeblich gerechten Krieg führen. Wir lich sehr lange dauern würde, um die von Clinton geprägte
können uns daher womöglich auf einige Überraschungen ge- Politik zu ändern, wenn es nicht zu einem katastrophalen, ka-
faßt machen, was die jüngsten Behauptungen bezüglich Men- talytischen Ereignis käme wie etwa einem neuen Pearl Har-
schenrechtsverletzungen des Irak betrifft. bor. Diese Passage liest sich so, als ob 9/11, wenn es nicht
Dadurch wird Saddam Hussein freilich nicht zu einem Engel. passiert wäre, hätte künstlich geschaffen werden müssen…
Aber sollte man dann nicht auch die gegen die einheimische Wenn man Bob Woodward folgt,34 so frug US-Kriegsmi-
Bevölkerung gerichteten Verbrechen anderer Regierungen nister Rumsfeld den US-Präsidenten am 13. September 2001,
betrachten wie etwa Israels gegenwärtige ethnische Säube- ganze 30 Stunden nach 9/11, ob man neben Al-Qaida nicht
rung in seinen besetzten Gebieten, sprich, den Völkermord an auch gleich gegen den Irak vorgehen solle.
den Palästinensern? Oder sollte man William Kristol, Vorsitzender des
nicht fragen, warum sich die USA »Project for the New American Centu-
überhaupt nicht rühren, wenn sich afri- ry«, erklärte während dieser Nightline-
kanische Negerstämme gegenseitig zu Reportage, daß Nord-Korea sowie die
Hunderttausenden massakrieren? Oder Entfernung anderer arabischer Diktatu-
man betrachte nur Algerien, wo die mit ren die nächsten Schritte sein könnten,
Hilfe der USA installierte Militärdikta- wobei sich auf dieser Liste auch die
tur einen brutalen Bürgerkrieg gegen saudi-arabische Monarchie befindet,
die eigene Bevölkerung führt mit bis zu nicht allerdings jene Diktaturen, die
Hunderten von Toten täglich. Und soll- von den USA installiert bzw. massiv
ten wir uns nicht auch an Pinochet er- gestützt werden, um feindliche Regime
innern, um nur einen der vielen grau- zu verhindern, wie Ägypten, Jordanien
samen Diktatoren zu erwähnen, die oder Algerien.
über Jahrzehnte mit US-Hilfe an die Obwohl es zweifelhaft ist, daß die USA
Macht gelangt und an der Macht gehal- gegen Nord-Korea mit Gewalt vorge-
ten wurden? hen werden – immerhin gibt es in
Die Wahrheit ist, daß sich die US- Nord-Korea kein Öl und dieses Land
Regierung nur dann für menschenrecht- besitzt Atomwaffen, die es sogar gegen
liche Aspekte interessiert, wenn diese die US-Westküste einsetzen kann – so
in ihr außenpolitisches Konzept passen. wird hinter diesem Plan das Konzept
Dann werden sie hervorgehoben, über- einer Rekolonialisierung des Nahen
trieben oder gar frei erfunden und als Osten klar sichtbar, womit sich das
Argumente zur Überzeugung der nai- Mosaik fein zusammenfügt: Israelisch/
ven Öffentlichkeit benutzt, die nur allzu Langzeitstrategie zur Erlangung jüdische Interessen, Sicherung des Erd-
gerne bereit ist, humanitäre Gründe als der Weltherrschaft enthüllt öls, Erzwingung der Dominanz des US-
Rechtfertigung eines Massenmordes des Namens „Krieg“ zu Dollars, Bedrohung der ganzen Welt mit Intervention im Fal-
akzeptieren. Aber der mit Hilfe von „Corporate America“ le mangelnder Unterwürfigkeit, und all dies hinter dem
und der Hochfinanz finanzierte gigantische Militärapparat Deckmantel, Demokratie zu verbreiten und Terrorismus und
läßt sich wohl kaum davon überzeugen, in den Krieg zu zie- Tyrannei zu bekämpfen.
hen, um in einem abgelegenen Wüstenland eine (wahrschein-
lich instabile) Demokratie zu errichten oder um die Men- 5. Am 18. März 2003 begann der Dritte Weltkrieg
schenrechte (zeitweise) durchzusetzen. Diese Gruppen haben Was sich im Irak entfaltet, ist nichts anderes als der Anfang
Macht und Geld im Sinn, nicht Bürgerrechte und gerechte des Dritten Weltkriegs, eines Krieges der angelsächsischen
Wahlsysteme. Länder (USA, England, Australien) und Israels gegen den
Rest der Welt. Es ist dies der verzweifelte Versuch der angel-
4.4. WELTHERRSCHAFT sächsischen Welt, den Zusammenbruch ihrer Weltherrschaft
Dies ist der letzte hier zu erwähnende Grund für den Krieg zu verzögern, sowie der verzweifelte Versuch Israels, seinen
gegen den Irak. Am 5. März 2003 präsentierte Ted Koppel in unabwendbaren Untergang zu verhindern.
der Fernsehsendung Nightline des US-Senders ABC eine Do- Aber sie können nur etwas Zeit gewinnen. Sie mögen in der
kumentation des Titels »Der Plan«. »Neokonservative« wie Lage sein, die arabische Welt zu unterjochen und den Rest
Dick Cheney, Donald Rumsfeld, Paul Wolfowitz, Robert der Welt vom Euro abzuschrecken, aber der Zusammenbruch
Zellic, Richard Perle und John Bolton, um nur jene zu nen- der US-Wirtschaft kann auf Dauer nicht abgewendet werden,
nen, die sich zur Zeit in den obersten Etagen der Bush- denn die Wirtschaft dieses Landes ist bis auf den Grund ver-
Regierung befinden, haben nach dieser Dokumentation be- rottet. Wenn sie nicht dieses Jahr kollabiert, dann vielleicht

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18
nächstes Jahr. Aber es wird nicht lange dauern, bis sie letzt- »Iraqi Wars«, Auszüge vom im Druck befindlichen Buch The Sorrows of
lich zusammenbricht. Mit anderen Worten: Obwohl die USA Empire: How the Americans Lost Their Country, Metropolitan Books,
2003; http://www.antiwar.com/orig/johnson1.html
den Krieg gegen den Irak gewonnen haben, so werden sie auf 19
»The Men From JINSA and CSP«, The Nation, 15. Aug. 2002;
lange Sicht gesehen doch der Verlierer sein.35 Und da die www.thenation.com/doc.mhtml?i=20020902&c=1&s=vest
Welt ganz offen den massiven jüdischen Beitrag zu diesem 20
»Whose War?«, The American Conservative, 24. März 2003;
häßlichen, blutigen imperialistischen Spiel erkennt, droht www.amconmag.com/03_24_03/print/coverprint.html; vgl. die funda-
mentalistisch jüdische Sichtweise dazu: Ariel Natan Pasko, »This War is
auch den Juden eine Katastrophe.
for Us«, Israel Nation News, 26. März 2003;
Im Zentrum dieses ganzen Konflikts liegt die wirtschaftliche www.israelnationalnews.com/article.php3?id=2125
Überlegenheit und die politische Gewandtheit eines Landes: 21
David Harrison, »Moran: War, Politics and Inevitability«, The Connec-
Deutschland. Schon die beiden Weltkrieg wurden von den tion Newspaper, 5. März 2003;
angelsächsischen Ländern mit Unterstützung zionistischer www.connectionnewspapers.com/article.asp?article=18374&cat=104;
this re
Lobbygruppen zur Zerstörung dieses äußerst dynamischen 22
Siehe James Rosen, »Divisions deep over claims of Jewish influence«,
und erfolgreichen Konkurrenten geführt. Diesmal war The Sacramento Bee, 6. Apr. 2003;
Deutschland aber recht schlau: Es hat sich selbst in einen www.sacbee.com/24hour/special_reports/iraq/bee/story/6408561p-
Rahmen europäischer Nationen integriert, hat die Kontrolle 7360864c.html; J. Rosen, »Claims that Jewish cabal driving Iraq war stir
debate«, ebd.,
über die eigene Währung aufgegeben und hat alles unterlas- www.sacbee.com/24hour/special_reports/iraq/homefront/story/843659p-
sen, was Vorwürfe von Nationalismus, Imperialismus, Frem- 5926190c.html
denfeindlichkeit, Antisemitismus, Militarismus usw. ermögli- 23
Siehe www.counterpunch.org/cockburn03152003.html
24
chen würde. Ganz im Gegenteil: Deutschland verfolgt mit Siehe dazu Paul Findley, They dare to speak out, 3rd ed., Lawrence Hill
Books, Chicago 2003.
wütendem Eifer alle Personen und Gruppierungen, die irgend 25
Ari Shavit, »White man’s burden«, Haaretz, 7. Apr. 2003;
etwas vertreten, was von bestimmten Lobbygruppen als na- www.haaretzdaily.com/hasen/pages/ShArt.jhtml?itemNo=280279
tionalistisch, fremdenfeindlich, antisemitisch, revisionistisch 26
Hier einige Namen prominenter Juden, die zum Krieg trieben, zumeist
usw. interpretiert werden könnte.36 Und dennoch: die euro- „Neokonservative“: Richard Perle; Paul Wolfowitz; Douglas Feith; Ari
päische Zentralbank befindet sich in Frankfurt, ihre Politik Fleischer; Kenneth Adelman; Elliott Abrams; James Schlesinger; William
Cohen; Joe Lieberman; Martin Peretz; David Wurms; Norman Podhoretz;
lehnt sich stark an das erfolgreiche Modell der D-Mark an, Daniel Pipes; Bill Kristol; Mortimer Zuckerman; David Frum; David
und der treibende Motor hinter Europas Wirtschaft ist ohne Brooks; Charles Krauthammer; William Safire; Jonah Goldberg.
27
Zweifel Deutschland. N. Chomsky, Power and Terror: Post 9-11 Talks and Interviews, Seven
Der einzige Weg, wie die USA das Monopol ihrer Währung Stories Press, New York 2003.
28
G. Vidal, Dreaming War: Blood for Oil and the Cheney-Bush Junta,
wiederherstellen könnten, wäre, gegen jenes Land vorzuge- Thunder’s Mouth Press, New York 2002; G. Vidal, Perpetual War for
hen, das sich im Herzen des Euros befindet, d.h., indem sie Perpetual Peace, ebd., 2002.
einen Dritten Weltkrieg gegen Deutschland führen. Aber das 29
Siehe www.worldlinktv.com; vgl. Seymour M. Hersh, »Who Lied To
können sie nicht tun, denn Deutschland war seit 1945 außer- Whom?«, The New Yorker, 31. März 2003;
ordentlich brav, und zudem wird es von der Atommacht www.newyorker.com/fact/content/?030331fa_fact1
30
CBS, 60 Minutes, 12. Mai 1996.
Frankreich gedeckt, ermutigt von Rußland und China im 31
Behind the Invasion of Iraq, aaO. (Anm. 13), S. 46.
Hintergrund. 32
Politik-Magazin Monitor (ARD) 8. Apr. 1992, 21:00 MEZ.
33
Siehe dazu z.B. Stephen Pelletiere, Iraq and the International Oil System.
Anmerkungen Why American Went to War in the Gulf, Praeger, Westport, CN, 2001.
34
B. Woodward, Bush At War, Simon & Schuster, New York 2002.
1 35
www.brillig.com/debt_clock/ Um einen Schauer den Rücken hinterlaufen zu lassen, lese man Engel-
2
www.bea.doc.gov/bea/dn/nipaweb. Falls nicht anders angegeben, stam- hardts Vergleich zwischen der Entwicklung im Irak und in Vietnam:
men alle Daten bezüglich den USA von dieser Website des U.S. Bureau www.nationinstitute.org/tomdispatch/index.mhtml?pid=525
36
of Economic Analysis. Eine Zusammenfassung der menschenrechtlichen Lage in Deutschland ist
3
www.ubs.com/e/globalam_uk/research.Referenz1.pdf erschienen unter G. Rudolf »Discovering Absurdistan«, The Revisionist
4
Siehe auch »Debt and Deflation: Till Debt Do We Part«, The Economist, 1(2) (2003), S. 203-219.
10.10.2002.
5
http://www.arabbank.com/review/vol4_no1/(35-
37)_Some_Expected_Effects_of_the_Euro.pdf
6
www.staatsschuldenausschuss.at/html/inhalt/bericht2001/pdf/kap_5.pdf Unser
7
Abgesehen von gelegentlichen Hinweisen habe ich keine verläßlichen englischsprachiges
Daten dazu gefunden, aber private Schulden scheinen in Europa keine
Buchprogramm mit
entscheidendes Thema zu sein.
8
Das war Ende 1998; www.wsws.org/de/1999/jan1999/euro-j23.shtml Büchern, Flugblättern,
9
www.oanda.com/convert/fxhistory. Broschüren und
10
www.destatis.de/indicators/d/tkah613.htm; Zeitschriften ist ab
www.ftd.de/pw/de/1014399060152.html?nv=rs sofort kostenlos
11
www.jubilee2000uk.org/analysis/articles/japan_onthe_brink.htm
12
www.forbes.com/global/2002/0218/022.html erhältlich:
13
Herausgegeben von der Research Unit for Political Economy, Mumbai,
Castle Hill Publishers
India, März 2003, ISBN 1-58367-093-9. Siehe www.rupe-
india.org/34/pillar.html UK: PO Box 118
14
»Iraq: Baghdad Moves to the Euro«, Radio Free Europe, 1. Nov. 2000; Hasting TN34 3ZQ
»Iraq uses the euro in its trade deals«, Arabic News.com, 7. Sept. 2001; USA: PO Box 257768
vgl. www.gold-eagle.com/editorials_00/hickel092900.html; Chicago, IL 60625
www.tompaine.com/feature.cfm?ID=4110%20
15 Email: chporder@vho.org
»Iran sees euro as way to ‘free’ itself from the US dollar«, Agence
France Presse, 31. Dez. 2001. Fax D: ++49-711-5089053
16
»Protest by switching oil trade from dollar to euro«, Oil and Gas Inter- UK: ++44-8701-387263
national, 15. Apr. 2002. USA: ++1-413-778-5749
17
Asia Times, 19. Mai 2001.

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 131


Die Opiumkriege: Drogen und Machtpolitik
Amerikas Verwicklung in den frühen Dogenhandel
Von Stephen J. Martin

Eine Menge von Indizien weist darauf hin, daß der amerikanische Geheimdienst CIA einen nicht unerheblichen
Anteil seines „schwarzen“ Haushalts für geheime, sprich illegale Operationen mit Einnahmen aus dem Drogenhan-
del finanziert. In gewissen Kreisen gilt die CIA als der weltweit größte Drogenhändler. Das Interesse der CIA am
opiumreichen „Goldenen Dreieck“ in Südostasien soll dann auch einer der Gründe für die fatale Verwicklung der
USA in den Vietnamkrieg gewesen sein. Vieles dessen mag Spekulation sein. Wenn man jedoch einen Blick in der
Verwicklung der USA in die sogenannten Opiumkriege wirft, die im 19. Jahrhundert von England gegen China
vom Zaun gebrochen wurden, um den chinesischen Drogenmarkt unter britischer Kontrolle zu halten, so erkennt
man einen historischen roten Faden.

Der erste illegale Drogenhandel willkommene Anlässe, gegen China Krieg zu führen, um
China, das sich aufgrund durchweg schlechter Erfahrungen auch so den chinesischen Markt zu erschließen.
mit westlichen Entdeckern und Missionaren weitgehend ge- Bereits im frühen 19. Jh. wurde die Handelsbilanz zwischen
gen den Rest der Welt abschottete, unterhielt im 17. Jh. rela- China und England auf diese Weise ausgeglichen. Neidisch
tiv gleichberechtigte Handelsbeziehungen zu England. Ver- auf diesen Erfolg begannen nun auch die Amerikaner an die-
treten durch die britische Ostindische Kompanie kauften die sem lukrativen Absatzmarkt Interesse zu zeigen. Sie forder-
Engländer Seide, Porzellan und vor allem Tee. Da von chine- ten Handelskonzessionen von den Briten.
sischer Seite kein Interesse an europäischen Waren bestand –
das riesige chinesische Reich konnte aus eigener Kraft alles Kriminalisierung der Kleindealer: ein untaugliches Mittel
Benötigte herstellen – mußten diese Waren mit Silber bar be- Der Schmuggel über die See wurde durch die Überlegenheit
zahlt werden. der speziell für den bewaffneten Schmuggel konzipierten
Englands Interesse war vor allem der Ausgleich der dadurch Schiffe und die überlegene Militärpräsenz der Seemächte für
ausgesprochen negativen Handelsbilanz und die Erschlie- die chinesische Regierung fast unangreifbar. Die Chinesen
ßung des riesigen chinesischen Marktes für den Absatz der waren sich ihrer militärischen Unterlegenheit auf See wahr-
selbst produzierten Waren (Waffen und Textilien). scheinlich bewußt; jedenfalls scheuten sie eine derartige
Obwohl der Opiumhandel in China verboten war, wurden ge- Auseinandersetzung. Aus diesem Grunde wurde lediglich
ringe Mengen Opium für die chinesische Heilkunde impor- landesintern das Handelsverbot mit Opium erneuert.
tiert. Einen eigenen Markt für Opium gab es in China nicht. So erfolgte die Kriminalisierung der Kleindealer (chinesische
Opium war eine kulturfremde Droge. Händler und Kaufleute), die mit den Aggressoren Geschäfte
Agenten der britischen Handelskompanie machten die Ent- machten.
deckung, daß dem Opium in bestimmten kleinen Kreisen der Zum Zwecke des kontrollierten Handels mit Tee, Seide und
chinesischen Oberschicht eine Bedeutung als Genußmittel Porzellan wurde eine eigene Handelskompanie gegründet.
zukam. Da China keinen eigenen Mohnanbau besaß, wurden Ausschließlich die Mitglieder dieser Handelskompanie durf-
diese Bedürfnisse bereits durch einen kleinen Schwarzmarkt ten mit den westlichen „Barbaren“ verkehren und Handel
befriedigt. treiben. Sie stellten die erste Gruppe, die sich gründlich vom
Die britische Ostindische Kompanie erhielt durch die briti- „Ausland“ korrumpieren ließ. Ansonsten war der Verkehr
sche Regierung exklusiv die Lizenz zur fabrikmäßigen Auf- mit weißen Händlern verboten. Diese durften sich nicht auf
bereitung von Opium für den chinesischen Markt (das Mo- chinesischem Hoheitsgebiet ansiedeln, keine Produktionsstät-
nopol auf den legalen Handel besaß sie schon seit 1793). ten errichten und der Seehandel blieb auf den Hafen von
Das Rohopium für diese Aufbereitung wurde in der indi- Kanton beschränkt.
schen Kolonie angebaut. Indische Opiumbauern durften ih- Doch die Bekämpfung der Kleindealer anstelle der konse-
re Erzeugnisse ausschließlich an die Ostindische Kompanie quenten Verfolgung der Großdealer erwies sich schon damals
verkaufen und erhielten nur einen Bruchteil (ca. ein als untaugliches Mittel der Rauschmittelbekämpfung.
300stel) des in China erzielten Verkaufspreises. Damit Die Vertreter der Kompanie sowie Händler aus Amerika,
wurden die Opiumbauern wirtschaftlich vollständig von der Portugal und Holland zeigten sich äußerst unzufrieden über
Kompanie abhängig. Die Ausdehnung des Opiumanbaus in diese Entwicklung. Zum einen waren geschäftliche Bestre-
Indien wurde gewaltsam erzwungen und die Lohnkosten bungen in hohen Maße auf Opiumanbau, Opiumverarbeitung
für die Aufbereitung zu Rohopium wurden niedrigst gehal- und den Handel damit konzentriert und litten unter diesen
ten. Beschränkungen, zum anderen waren auch Geschäfte anderer
Auf diese Weise wurde die Gewinnspanne schon bei der An- Art so gut wie unmöglich geworden.
eignung des Rohstoffes enorm gesteigert. Auf einer Handelskonferenz in der portugiesischen Kolonie
Es begann ein illegaler Drogenhandel riesigen Ausmaßes. Makao beschlossen sie die gewaltsame Besetzung und Grün-
Waren es 1790 noch zweihundert Kisten Opium, die legal dung einer Kolonie auf dem Handelsstützpunkt Whampoa. In
eingeführt wurden, betrug die illegale Einfuhr durch die der folgenden Handelssaison wurde dieser Plan unter Mithil-
Kompanie 1837 bereits 39.000 Kisten. fe britischer Regierungstruppen in die Tat umgesetzt.
Die Interventionen der chinesischen Regierung gegen den Die Amerikaner unterstützten diese Aktion nicht. Sie rechne-
Opiumschmuggel dienten der Kolonialmacht England als ten sich aus, im Erfolgsfalle dieser Aktion auch so davon

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profitieren zu können und nicht das bis dahin „gute“ Einver- ren Erfolg der Zielstrebigkeit verdankte, die von der „enor-
nehmen mit den Chinesen im Falle eines Mißerfolges zu ver- men Sachlichkeit“ der weißen Kultur und Religion ermög-
lieren. licht wurde.
Letzteres wurde das Unternehmen dann auch. Die Chinesen So empfahl er dem Kaiser, das Problem nicht länger als theo-
setzten eine Seeblockade von Whampoa durch und die Wei- logisches sondern als sachliches, militärisches zu behandeln.
ßen mußten ihre „Kolonie“ evakuieren, was in dieser Han-
delssaison zu erheblichen Einnahmeverlusten führte. Der erste Opiumkrieg 1839-1842
Die chinesische Regierung überschätzte ihren Sieg gründlich In Kenntnis der Rolle der Kollaborateure unter seinen chine-
und übersah die Möglichkeit einer nur vorübergehenden sischen Landsleuten im illegalen Opiumschmuggel und
Schwäche der führenden Kolonialmacht England. Dieser war -handel verbreitet Lin Angst und Schrecken unter ihnen, in-
ein Krieg zu diesem Zeitpunkt lediglich zu teuer. dem er mit drastischen Maßnahmen, wie Inhaftierung oder
Der Drogenschmuggel „normalisierte“ sich alsbald wieder, Hinrichtung, seine Entschlossenheit im Kampf gegen den
wobei die Weißen die Etikette, also die Handelsbeschrän- Opiumschmuggel unter Beweis stellte. So gelingt es ihm, die
kungen, pro Forma einhielten. Auf diese Weise wurde der gesamten Opiumbestände in der Provinz Kanton in seinen
Drogenschmuggel mit Rekordgewinnen, zu Lasten der chine- Besitz zu bringen und zu vernichten. Unterstützt wird er in
sischen Ökonomie, weiter ausgeweitet. Schon lange war das seinen Bemühungen von einer Volksbewegung aus den süd-
Problem der für England negativen Handelsbilanz zu Chinas lichen Provinzen Kantons. Diese hatte zum Ziel die drohende
Ungunsten umgekehrt und es ging auch schon lange nicht Kolonialisierung Chinas abzuwenden und wandte sich in ei-
mehr um das Konzept „Opium gegen Tee“. Der reine Ge- ner breiten und erfolgreichen Kampagne gegen das Opium-
winn zählte. rauchen. Zehntausende von Opiumrauchern gaben ihre Pfei-
Als die alte Kompanie 1834 das Handelsmonopol mit China fen ab und schworen zukünftige Abstinenz. Gleichzeitig er-
verlor und in eine staatliche Einrichtung umgewandelt wur- ließ Lin eine Generalamnestie für die inhaftierten Konsumen-
de, erreichte der Opiumschmuggel seinen vorläufigen Hö- ten von Opium und verstärkte seine Streitkräfte.
hepunkt. Diverse Handelsgesellschaften, auch aus Frank- In einem Ultimatum forderte er die englischen und US-
reich und US-Amerika, tauchten vor der chinesischen Küste amerikanischen Dealer auf, ihre gesamten Opiumvorräte, also
auf und mischten fortan kräftig im illegalen Opiumhandel auch die auf den Schmugglerschiffen befindlichen, abzuge-
mit. ben, die Schmuggelschiffe abzuziehen und schriftlich zu er-
Innerhalb von 20 Jahren verlor die chinesische Ökonomie klären, den Opiumschmuggel nunmehr einzustellen.
mindestens 100 Mio. Silberdollar, ein Fünftel des gesamtchi- In einer militärischen Aktion gelang ihm die Sicherstellung
nesischen Silberflusses. Pro Jahr wurden ungefähr fünf Mio. des Opiums und dessen Vernichtung. Über eine Millionen
Silberdollar, fast ein Zehntel der jährlichen Staatseinnahmen, Pfund Opium gingen in Rauch auf. Die Engländer zogen sich
verloren. Die Folge war eine Verdopplung des Wertanstiegs zurück.
von Silber, was zu Unruhen und Aufständen der ärmeren Be- Lin wußte, daß sie wiederkommen würden, und warb beim
völkerungsschichten (Bauern und Handwerkern) führte. chinesischen Kaiser um Verstärkung und Modernisierung der
Küstenschutztruppen. In abermaliger Unterschätzung der bri-
Der weltweit erste Drogenbeauftragte tischen Kolonialmacht wurde sie ihm verweigert. Durch sein
Unter dem Eindruck der ökonomischen Schwierigkeiten und wiederholtes Drängen und die Intrigen der auch am kaiserli-
der Korruption der chinesischen Beamtenschaft im Bezirk chen Hofe zu findenden Profiteure des Opiumschmuggels
Kanton, die sich auf die chinesische Gesellschaft auszuwei- fiel er beim Kaiser in Ungnade und wurde statt dessen mit
ten begann und die staatliche Autorität
schwächte, berief der Kaiser den »Gro-
ßen Rat« ein, ein außerordentliches
Gremium das nur zu besonderen Anläs-
sen einberufen wurde.
Zur Diskussion standen verschiedene
Möglichkeiten, dem Problem zu begeg-
nen:
– das Problem ignorieren (von den
heimlichen Nutznießern empfohlen),
– den Handel legalisieren und so selbst
finanziellen Gewinn erzielen und
– radikal dem Einfall der Weißen mit
Entschlossenheit begegnen und radi-
kal den Drogenhandel unterbinden,
Man entschied sich für die letztere.
1835 setzte der Kaiser hierfür Lin Dsö
Hsü, einen jungen Gelehrten und Be-
amten, als ersten Drogenbeauftragten
der Geschichte ein.
Dieser hatte die englische Kultur und
Der Große Rat am kaiserlichen Hof berät, was gegen den eskalierenden illegalen
Religion studiert und meinte im Ver- Drogenhandel zu tun ist. Filmszene des 1997 anläßlich der Rückkehr von
gleich der Religionen beider Kulturen Hongkong zum chinesischen Mutterland vorgestellten chinesischen Films The
zu erkennen, daß die Kolonialmacht ih- 1
Opium War.

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dem Oberkommando über die veralteten Streitkräfte in die konnten sich Drogenschmuggler und Händler unter britischer
Provinz Kanton zurückgeschickt, um diese gegen die Eng- Flagge sicher fühlen. So konnte Opium über das ganze Land
länder zu verteidigen, sollten sie tatsächlich zurückkehren, in beliebigen Mengen vertrieben werden.
was der Kaiser nicht glaubte. 1848: 42.000 Kisten
Die Engländer brauchten ein Jahr für ihre Kriegsvorbereitun- 1854: 78.000 Kisten
gen. Mit modernsten Kriegsschiffen und dem erstmaligen
Einsatz von Dampfschiffen, mit denen sie tief in das Landes- Der zweite Opiumkrieg 1856-1858
innere vordringen konnten, verhängten sie am 22.06.1840 Nachdem der chinesische Gouverneur von Kanton im Okto-
zunächst eine Seeblockade über Kanton. Die Hauptstreit- ber 1856 einige Opiumschmuggler, die sich dem Zugriff
macht landete weiter nördlich, näher an der Hautstadt Peking. durch Flucht auf ein britisches Schiff entziehen wollten, ver-
Jedes der beteiligten Kriegsschiffe führte größere Mengen haften läßt, nutzt das britische Militär diesen Vorgang als
Opium zur sofortigen Verbreitung mit sich! Anlaß zu einer weiteren Provokation.
Zum Auftakt wurde die Stadt Tsung-Hai von See her in Die Militärs forderten zum einen die Herausgabe der Verhaf-
Schutt und Asche gebombt, ohne daß eine Verteidigung teten, zum anderen eine schriftliche Entschuldigung.
möglich gewesen wäre. Während die Herausgabe prompt erfolgte, verweigerten die
Entsetzt über diesen Angriff „bat“ der Kaiser die Invasoren, Chinesen, die sich im Recht sahen (schließlich war der Opi-
sich nach Kanton zurückzuziehen. Dafür sicherte er ihnen die umschmuggel illegal), die geforderte Entschuldigung.
Wiederherstellung des vorherigen Handelszustandes zu. Die Daraufhin befahl der britische Admiral Seymour die Bom-
Briten nahmen an und zogen sich nach Kanton zurück. Dort bardierung von Kanton, was furchtbare Verwüstungen und
verwehrte ihnen Lin den Zutritt zur Stadt (er war ja beauf- den Tod einer großen Zahl der Bewohner zur Folge hatte.
tragt, diese gegen die Engländer zu verteidigen). Die britische Presse fordert daraufhin die bestehenden und
In der darauf folgenden Seeschlacht wurde die gesamte See- schon durch den ersten Opiumkrieg erzwungenen Verträge
streitmacht Chinas zerstört, ohne daß die Briten auch nur ein zu annullieren und fortan die Handelsbeziehungen nach Be-
Schiff verloren. lieben zu gestalten.
Einen weiteren Befreiungsversuch Kantons von Land her, Es wurden jedoch auch erste Befürchtungen laut. Diente der
den die Engländer abwehrten, nahmen sie zum Anlaß, weite- erste Opiumkrieg noch in erster Linie der gewaltsamen Öff-
re Städte zu erobern. Nachdem sie auch Nanking einnehmen nung Chinas und dem Erzwingen von Handelsbeziehungen
konnten, die nach Peking zweitgrößte Stadt Chinas, kapitu- nach eigenen Vorstellungen, was damals in der gesamten
lierte China. „fortschrittlichen“ Welt Zustimmung fand, konnte dieser
Dieser zweijährige Krieg kostete 60.000 bis 80.000 Leben zweite Krieg den stattfindenden Handel nur negativ beein-
und verwüstete weite Teile Chinas. flussen und sich positiv auf den Landhandel der in Konkur-
Die Kapitulation erfolgte unter drückenden Bedingungen: renz zu den Briten stehenden russischen Kaufleute auswir-
– 10 Mio. Pfund Sterling als Schadensersatz für das vernich- ken.
tete Opium. Trotz dieser Diskussion endete der 2. Opiumkrieg erst im Ju-
– Für den Handel (mit Opium) sollten fünf weitere Städte ni 1858.
freigegeben werden. England, USA, Rußland und Frankreich sicherten sich durch
– Hongkong sollte auf ewig den Briten als Stützpunkt über- den Vertrag von Tientsin und zum Nachteil Chinas günstige-
lassen werden. re Bedingungen für den Handel und die ideologische Beein-
– Eine Botschaft sollte in Peking eingerichtet werden. flussung Chinas. Der Vertrag beinhaltete die Öffnung weite-
Der Opiumhandel blieb jedoch weiterhin illegal. rer Seehandelshäfen, die Einrichtung von Botschaften in Pe-
1842 setzten die Briten die Exterritorialität durch. Damit king, die Berechtigung zur Benutzung der großen Flußstra-
ßen zum Opiumhandel mit dem Landesinneren sowie
die Entsendung christlicher Missionare (!).
Der Handel mit Opium blieb allerdings weiterhin il-
legal!

Der dritte Opiumkrieg 1859-1860


Dieser letzte Opiumkrieg begann mit einem überra-
schenden Sieg Chinas. Die Engländer, die sich als
Sieger fühlten, provozierten China, indem sie als
Demonstration ihrer Stärke den Plan faßten, ihren
Botschafter in Peking zusammen mit einer großen
Militärstreitmacht über See einziehen zu lassen. Die-
sem triumphalen Einzug wollte der chinesische Kai-
ser nicht zustimmen und bot seinerseits eine gesicher-
te Passage über Land an. Dieser sollten sich auch die
Franzosen anschließen. Zur Durchsetzung dieses
Vorschlages verhängte China eine Seeblockade vor
Peking.
Als die Engländer am 25.6.1859 versuchten, diese mit
Das zeremonielles Verbrennen von Opiumpfeifen war immer ein Be- Gewalt zu durchbrechen, wurden sie überraschend im
standteil der chinesischen Anti-Opium-Kreuzzüge während des ge- Gefecht besiegt. Die chinesischen Küstenbatterien
samten 19. Jahrhunderts. waren bestens mit aus den USA gelieferten modern-

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sten Kanonen ausgerüstet, die zudem von russischen Kano- 1875 belief sich die chinesische Opiumproduktion auf 12
nieren bedient wurden. Offenbar hatte sich ein Bruch in der Mio. Pfund. Trotzdem führten die Engländer aus ihrer Kolo-
für China unheilvollen Allianz vollzogen. nie Indien noch 1900 ca. 8 Mio. Pfund Opium nach China
Jedenfalls wurde die englische Seestreitmacht fast vollstän- ein.
dig vernichtet und mußte ihr Heil in der kopflosen Flucht su-
chen. Die Rolle der Amerikaner
Die Reorganisierung der britischen Seestreitmacht dauerte Da sich die Weltereignisse einem Krisenpunkt annähern,
fast ein Jahr. Mit 240 modernst ausgestatteten Kriegsschiffen sollte es hilfreich sein, sich der Wichtigkeit des weltweiten
und fast 30.000 Soldaten wurde China wiederum besiegt. Am Drogenhandels bewußt zu sein, der mit seinem unvorstellbar
13.10.1860 fielen die Sieger in Peking ein. Der chinesische großen Potential für materielle Bereicherung und Macht in
Kaiser floh und seine Residenz in Peking wurde von den der Lage ist, ganze Bevölkerungen körperlich, finanziell und
Engländern geplündert und zerstört. moralisch hilflos zu machen. Ebenso ist er geeignet, die poli-
Der erneute Frieden wurde am 24.10.1860 vertraglich besie- tischen Ziele unserer „großen“ Politiker zu beeinflussen und
gelt. Die Bedingungen: einen Zwang auf ihre Außenpolitik auszuüben. Da Afghani-
– Vollständige Öffnung Chinas für den Handel der kapitali- stan nun wieder zum sicheren Hafen für die Mohnblume ge-
stischen Welt. macht worden ist, scheinen die großen westlichen Alliierten,
– Die langersehnte Legalisierung des Opiumhandels (der also Großbritannien und die Vereinigten Staaten, die seit vie-
immer noch in erster Linie von den Engländern betrieben len Jahren Partner im internationalen Drogenhandel waren,
wurde). bereit zu sein, das Diktat Adam Smiths2 »Profit um jeden
– Die Erklärung des chinesischen Volkes zur Handelsware. Preis« (auch bekannt als freier Handel) bis zur letzten Kon-
Vor allem der letzte Punkt, der für die Schaffung des chine- sequenz anzuwenden. Dies kann in einen Vernichtungskrieg
sischen Kuli steht, der nach der Abschaffung des Sklaven- zwischen Ost und West münden, mit China als Hauptakteur
handels mit Afrikanern den wachsenden Arbeitskräftebe- auf der einen Seite und den Vereinigten Staaten und Großbri-
darf der Industrialisierung befriedigen sollte, erwies sich tannien auf der anderen.
nicht nur als fatal für die chinesische Bevölkerung, sondern Nachdem ich diesen Fehdehandschuh nun hingeworfen habe,
hatte auch für die spätere weltweite Drogenpolitik weitrei- muß ich den historischen Ursprung des heutigen großange-
chende Folgen. legten Drogenhandels aufdecken. Dies führt uns zurück in
die 30er Jahre des 19. Jahrhunderts und in die exotische Ha-
Der Opiumhandel.... fenstadt Kanton und die von dort ausgehenden drei Opium-
Während die Engländer 1785 noch 200 Kisten Opium illegal kriege. Der damalige blühende Opiumhandel auf dem Rük-
nach China schmuggelten, waren es 1860, nicht mal hundert ken chinesischer Drogensüchtiger ist allgemein bekannt.3
Jahre später, 100.000 Kisten mit einem ungefähren Wert von Vernachlässigt wird jedoch im allgemeinen die amerikani-
18 Mio. Pfund Sterling. sche Mitschuld und Doppelzüngigkeit in diesem Handel in
Opium war in China trotz des Verbotes von Anbau und Han- der Zeit zwischen 1820-1850 und der daraus entstehenden
del zur Volksdroge Nr. 1 geworden. Angesichts des großen „Verräter-Fraktion“ unter der Elite der amerikanischen Ost-
volkswirtschaftlichen Schadens durch den Opiumschmuggel küste.4 Die heutige „liberale Ostküstenelite“ mit ihrer irratio-
beschloß die chinesische Regierung das Verbot von Anbau nalen England-Liebe scheint aus der damaligen mit England
und Handel mit Opium aufzugeben. verbundenen Korruption hervorgegangen zu sein.

Abschlachtung der chinesischen Flotte im ersten Opiumkrieg 1839-18425

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Nach Überzeugung der damaligen Seeleute dieser Fernost- Verbindungen der reichen Barings Bank in London hatten
Routen forderten die Drogenprofite, die mit dem Leiden von das Konto der Second Bank der Vereinigten Staaten während
Millionen chinesischer Süchtiger gemacht wurden, unver- der Zeit zwischen 1820-1837 für sich gesichert, und Geldan-
meidlich einen gerechten Preis von den Seelen und sogar weisungen über Konten dieser Bank nahmen eine Schlüssel-
dem gesundheitlichen Wohlergehen der Drogenkönige jener stellung in diesem Geschäft ein.
Zeit – unabhängig davon, ob sie selbst süchtig waren oder
nicht. Viele dieser Drogenkönige, wie z.B. William Jardine, Geständnisse der Skrupellosigkeit
Vorstand des britischen Opium-Handelshauses Jardine & Das skrupellose Gebaren der Opiumhändler zeigte sich noch
Matheson und womöglich der Reichste der Reichen, starben schamloser in dem Ausmaß, in dem sie die Missionare be-
jung und konnten niemals die Früchte ihres unredlich erwor- nutzten, die den Kanonenbooten folgten und die nach dem
benen Reichtums genießen. Motto „Der Zweck heiligt alle Mittel“ handelten. Ein briti-
Die Chinesen hatten bereits 1729 Gesetze eingeführt, die die scher Missionar, Charles Gutzlaff, diente als Übersetzer bei
Einfuhr von Opium verboten. Jedoch seit der britischen Be- vielen Drogengeschäften und verwaltete sogar eine im Ersten
setzung der opiumproduzierenden Gegenden Bengalens und Opiumkrieg besetzte chinesische Stadt. William Jardine ge-
Bihars in Indien im Jahr 1750 sowie dem Handelsmonopol, lang es, Gutzlaffs Bedenken zu überwinden und sich dessen
das der britischen Ostindischen Kompanie von der Krone Dienste mit folgender Argumentation zu sichern:10
1797 gewährt wurde, gehörte die systematische und sorgfäl- »Obwohl es unser sehnlichster Wunsch ist, daß du in kei-
tige Umgehung der chinesischen Gesetze zur Tagesordnung. ner Weise dein großes Ziel verletzt, das du im Sinn hast,
1799 wurden die Briten durch strengere Gesetze des chinesi- indem es erscheint, als ob du ein Interesse an dem hast,
schen Kaisers gezwungen, andere Häfen als Kanton oder die was von vielen als unmoralischer Handel betrachtet wird,
nahegelegene Insel Whampoa zu benutzen, wie etwa den al- ist es unbedingt notwendig, jedem solchen Schiff eine gute
ten portugiesischen Stützpunkt in Makao und später die Insel Chance zu geben... und je ertragreicher solche Unterneh-
Lintin. 1804 jedoch war der offene Drogenhandel nach Kan- men sind, desto besser sind wir in der Lage, dir Summen
ton zurückgekehrt, da ein verzweigtes System von inoffiziel- auszuhändigen, die du zur Verwirklichung Deines Dir na-
ler Duldung – einschließlich enormer Bestechungen – mit heliegenden Anliegens anwenden kannst (Missionsarbeit).
den chinesischen Beamten zu wachsen begonnen hatte, den Deswegen sind wir sehr an deinem Erfolg interessiert.«
sogenannten „Hongs“. 1834 wurde der Ostindischen Kompa- Amerikanische und britische Drogenhändler zeigten ein glei-
nie das britische Handelsmonopol entzogen, und der darauf- ches Maß an Skrupellosigkeit in oft wiederholten Bemerkun-
hin folgende Zuwachs privater Händler verursachte nicht nur gen, daß der Genuß von Opium kein größeres Laster sei als
eine Ausweitung des Drogenschmuggels, sondern auch eine der Genuß von Spirituosen. Trotz dieser lächerlichen Propa-
Reihe kleinerer diplomatischer Auseinandersetzungen, die ganda waren die Folgen dieser außerordentlich zersetzenden
über das Hong-System hinausgingen. Bis 1827 war der Dro- und süchtig machenden Droge vielen britischen Konservati-
genhandel hauptsächlich ein britisches Unternehmen gewe- ven bekannt, wie dem jungen William Gladstone, dem späte-
sen, aber in dem Jahr transportierte das amerikanische Schiff ren Premierminister der Liberalen Partei, der beobachtet hat-
Nile mit dem 23-jährigen Seemann Robert Forbes an Bord te, wie seine reizende Schwester mit 24 Jahren als Folge ei-
die erste bekannt gewordene amerikanische Ladung von nes Rezeptes für Laudanum (Opiumtinktur) süchtig gewor-
Opium nach China.6 den war, das ihr gegen eine unbedeutende Krankheit ver-
Als die britischen Drogenhändler 1839 in ihrer Bewegungs- schrieben worden war. Teils als Folge dieses schmerzhaften
freiheit eingeschränkt wurden, indem sie für einige Wochen persönlichen Erlebnisses über die Wirkung von Opium trat
auf ihre „Fabriken“ entlang des Kantoner Hafenbeckens be- Gladstone lautstark, aber leider erfolglos gegen die konserva-
schränkt blieben, wurden diese chinesischen Maßnahmen zur tive Regierung und deren Opium-Politik und Kriegstreiberei
Bekämpfung des Drogenhandels von den Amerikaner unter- auf. Jenen, die behaupten, der britischen Regierung sei der
graben. Auch waren es amerikanische Schiffe, die aushalfen, Handel der Bediensteten der ostindischen Kompanie unbe-
um den legalen Teehandel für die durstigen englischen Sa- kannt gewesen, möchte ich ein Zitat aus einer Rede Gladsto-
lons weiterzuführen, als alle britischen Schiffe während des nes im britischen Parlament am Vorabend des Ersten Opium-
Vorspiel zum Ersten Opiumkrieg (1839-1842) von Kanton krieges entgegenhalten:11
und ihrem vor der Küste liegenden Ausgangspunkt, der Lin- »[…] das Recht ist meiner Meinung nach mit ihnen [den
tin Insel, verjagt wurden. Während Warren Delanos7 Verbin- Chinesen]; und während sie, die Heiden und halbzivilisier-
dung mit dem Opiumhandel bekannt ist, gründeten verschie- ten Barbaren, es auf ihrer Seite haben, verfolgen wir, die
dene andere prominente amerikanische Familien ihren Reich- aufgeklärten und zivilisierten Christen, Methoden, die mit
tum ebenfalls auf diese Quelle; erwähnenswert ist hier z.B. beidem, Recht und Religion, in Konflikt sind. […] mir ist
die Familie Forbes. kein Krieg bekannt, noch habe ich von keinem solchen ge-
Die Zahl der mit legalem Handel befaßten Amerikaner war lesen, der bezüglich seiner Ursache ungerechter wäre, und
durchaus nicht höher als die der Drogenschmuggler.8 Der kein Krieg, dessen Führung dieses Land mit mehr Schande
amerikanische Anteil am Opiumhandel war beträchtlich, be- bedecken würde.«
sonders im Schmuggeln der zwar weniger wertvollen, aber In der Literatur finden wir ebenso viele Hinweise, die die
immer noch sehr ertragreichen türkischen Abart. Es besteht Tatsache außer Zweifel lassen, daß die britischen Monarchen
kein Zweifel, daß die Engländer den Löwenanteil dieses über den Opiumhandel Bescheid wußten. Forbes beklagte
schmutzigen Geschäftes betrieben, aber besonders in den während der Krise vor Kriegsbeginn:12
Jahren, die dem Krieg zwischen England und China voraus- »Bei den Opium-Lieferungen kam es zu einiger Verzöge-
gingen, war die amerikanische Beihilfe bei der „Wäsche“ der rung. […] es ist beim gegenwärtigen Stand des Marktes
Drogenprofite und der Finanzierung der Ankäufe von enor- sehr wünschenswert, möglichst viele Aufträge der Königin
mer Wichtigkeit für die Gesamtoperation.9 Die fabelhaften zu erfüllen.«

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Charles Elliot, der britische Hochkommissar in Kanton für sen das chinesische Wort »lut« in den englischen Sprach-
den China-Handel vor und während des ersten Opiumkrieges schatz als »loot« (plündern) übernommen wurde.17
erklärte:13 Jack Beeching beschreibt die Behandlung der chinesischen
»Es wurde höchst notwendig, der Königin das Recht für Bürger dieser unglücklichen Stadt folgendermaßen:
wirksame Sicherheit zu übertragen und zu belassen und ihr »Die Madras Artillerie brachte vier ihrer Geschütze an
volle Entschädigung für jegliche Verluste zu gewähren.« Land und hatte sie innerhalb von zwei Stunden auf dem
Diese Bekanntmachung folgte seiner Versicherung an die Hügel in Stellung gebracht. Aus 360 Meter Entfernung be-
Opiumhändler von Kanton, daß die Krone sie für die 20.000 gannen sie, systematisch in die inzwischen unverteidigte
Kisten Opium entschädigen würde, die die Händler zur Ver- Stadt zu feuern. Als die Nacht hereinbrach, konnte man
nichtung an die chinesische Regierung hatten liefern müssen. Tausende von Chinesen beobachteten, die durch die Tore
Dies wurde dann ein casus belli, als Elliott, Lord Palmerston aufs Land strömten. Feuer von der britischen Artillerie be-
und andere Mitglieder der Konservativen Partei sich nicht schleunigte ihre Flucht. Keine britischen Verluste sind zu
dazu durchringen konnten, vor dem Parlament zu argumentie- verzeichnen.«
ren, die britischen Steuerzahler hätten für die Entschädigung Er fährt fort mit einem Zitat aus der India Gazette, die einge-
von zwei Millionen Pfund Sterling an die Opiumhändler auf- steht:18
zukommen. Die Briten entschlossen sich statt dessen, diese »[eine] vollständigere Plünderung ist nicht vorstellbar.
Zahlung als „rechtmäßige Rückzahlung“ in den Reparationen […] Die Plünderung hörte erst auf, als nichts mehr zu
für den Ersten Opiumkrieg von den Chinesen zu erpressen. stehlen oder zu vernichten übrig geblieben war.«
Zahllose Einlagen und Anzeigen erschienen in den Londoner Die grausamste Metzelei fand in der Stadt Ningpo auf dem
Zeitungen vor Ausbruch des Krieges, die behaupteten, daß Festland statt. Beeching beschreibt sie wieder ausführlich für
die britische Flagge beleidigt worden sei, indem gefordert uns:19
worden sei, daß die Schmuggler den Schmuggel ihrer Ware »Chinesische Soldaten strömten die gerade Straße herun-
einstellen. Es wurde auch die Behauptung laut und weit ver- ter, die vom südlichen Stadttor zum Marktplatz im Zentrum
breitet, die Chinesen hätten den Opiumhandel unterbinden von Ningpo führte. Sie liefen aber geradewegs in eine briti-
wollen, weil ihr Verantwortlicher auf seinem Land selbst sche Haubitze, die von Pferden hochgebracht und schnell
Mohn anbauen und nur die ausländische Konkurrenz aus- in Stellung gegangen war. Hauptmann Moore, unter des-
schalten wolle.14 sen Kommando die Haubitze war, wartete, bis die Entfer-
nung nur noch die Länge eines Kricket-Feldes betrug, und
Typisch britische Grausamkeit feuerte dann mit Schrapnell-Munition. Jeder Schuß dieses
Es ist gut dokumentiert, daß der Krieg dann später mit ty- Geschützes riß furchtbare Löcher in ein Dutzend Körper.
pisch britischer Gründlichkeit und einer charakteristischen Die vorderen chinesischen Reihen wurden von den nach-
Grausamkeit durchgeführt wurde. Während des womöglich folgenden nach vorne geschoben und hatten keinerlei Mög-
ersten dokumentierten Einsatzes eines „eisernen“ Kriegs- lichkeit zu entkommen. Als die Haubitze laufend weiter
schiffes wurde im September 1840 die HMS Nemesis mit töd- feuerte, verstopfte sich die Straße schnell mit Toten und
licher Wirkung in der Zerstörung der nur leicht bewaffneten Sterbenden. Als die Chinesen schließlich aufgaben und
chinesischen Dschunken eingesetzt. Basil Lubbock be- flüchteten, war der Berg verstümmelten Fleisches mehr als
schreibt in seinem wundervoll illustrierten, seltenen Buch mit dreizehn Meter lang.«
dem Titel The Opium Clippers folgendermaßen, wie das Verschiedene Autoren vertreten die Meinung, daß andere
furchterregende und fremdartige Schiff mit der chinesischen Gründe als das Opium den chinesischen Kaiser und die briti-
Flotte leichtes Spiel gehabt hatte:15 sche Königin zu dieser äußersten Maßnahme greifen ließen.
»Kapitän Hall [der Nemesis] war ein regelrechter Feuer- Einige sagen, daß die Bezeichnung „Opiumkriege“ britische
speier; er überredete die anderen bald, eine zweite Lan- Interessen in einem ungerecht schlechten Licht erscheinen
dung zu unternehmen. Dieses Mal wurde alles in Brand lassen. Einige Autoren behaupten, daß der chinesische Kaiser
gesetzt, Gebäude, Farmen, Reis- und Heu-Mieten, so daß durch die Umkehr der Silberhandelsbilanz beunruhigt wurde,
bei Anbruch der Nacht die gesamte Gegend um Keeto ausgelöst durch die steigende Opium-Einfuhr nach China,
Point in Flammen zu stehen schien.« daß seine Besorgnis um die süchtigen Chinesen aber nur
Dies ruft andere britische Brandschatzungen in Erinnerung, zweitrangig war. Andere meinen, die Königin sei der protek-
wie etwa 1755 in Arcadia oder jene im schottischen Hoch- tionistischen chinesischen Wirtschaftsauffassung überdrüssig
land etwa zeitgleich mit den Opiumkriegen. Lubbock macht geworden und habe einem Kriege nur zugestimmt, um China
noch ein weiteres Eingeständnis:16 zum „freien Handel“ zu zwingen, daß es aber nur von zweit-
»Chapoo [sic] bot einen fürchterlichen Anblick; nicht nur rangiger Bedeutung gewesen sei, die Opium-Profite in die
die Kanäle, sondern auch die Wasserbrunnen waren mit britischen Konten fließen zu sehen.
den Leichen von Frauen und Kindern gefüllt.«
Zwar wird gelegentlich berichtet, die hier beschriebenen Die Neue Weltordnung begann 1839
Grausamkeiten seien von den Vätern chinesischer Familien Im Licht des Vorstehenden würde es nicht ungerecht sein,
verübt worden, die verhindern wollten, daß ihre Familienmit- den ersten Opiumkrieg als den ersten Krieg von vielen zu be-
glieder Mißbrauch und Vergewaltigung zum Opfer fielen. zeichnen, die für die Prinzipien der „Neuen Weltordnung“
Aber selbst wenn dies wahr gewesen wäre, so hieße dies geführt worden sind, einschließlich der gleichzeitigen Ein-
doch nur, daß die Furcht vor den Briten sehr groß gewesen führung der weltweiten Anerkennung von „internationalen
sein mußte, wenn man sich zu solch extremen Maßnahmen Gesetzen“ und „einem freundlichen Verständnis zwischen
veranlaßt sah. Die Zerstörung der Stadt Tin Hai (50.000 den Nationen.“
Einwohner) auf der Insel Tschu-Schan wurde mit so viel Der offizielle Eintritt der USA in diese Art Politik waren die
Gewaltätigkeit und Verwüstungen vollzogen, daß infolgedes- zwei Expeditionen des US-Kommodore Matthew Perry nach

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Japan in den Jahren 1853/54 mit dem Ergebnis, daß Japans bevor sie in der Lage seien, sich aus ihrer ererbten Dummheit
Isolationismus unter der Androhung von Gewalt gebrochen zu erheben.
wurde.20 Die Ähnlichkeit, mit dem die Außenpolitiker Groß- Der gegenwärtige „Krieg gegen den Terror“ ist nun mögli-
britanniens und der USA die geopolitische Wichtigkeit des cherweise angetan, einen schlafenden Riesen zu wecken, den
Welthandels betrachten, ist frappierend. Jedenfalls hatte der der Westen besser weiterschlafen ließe.
Wunsch des chinesischen Kaisers, die ausländischen Händler
auf ein schmales Gebiet um die Stadt Kanton zu beschrän- Anmerkungen
ken, dramatische Auswirkungen auf die Handelsbeziehungen Der erste Teil dieser Studie wurde den Webseiten
zwischen China und den angelsächsischen Nationen als Fol- www.rauschnetz.de/krieg1.htm bis ~6.htm entnommen; der zweite Teil ent-
ge des 1842 abgeschlossenen Vertrages von Nanking. stammt mit freundlicher Genehmigung der Barnes Review, 8(4), S. 53-56
Die britische Verachtung für jede Staatshoheit – außer der (645 Pennsylvania Ave. SE, Suite 100, Washington, D.C., 20003, USA); aus
dem Englischen übersetzt von Hans Rummel.
eigenen – sowie die Mächte des „freien Handels“ erreichten, 1
http://filmcritics.org.hk/opiumwar/opiumwar1.jpg
daß viele weitere chinesische Städte für den segensreichen 2
Adam Smith argumentierte in Wealth of Nations, daß menschliches Be-
Drogenhandel geöffnet wurden. Bis zur ersten Dekade des nehmen am besten geordnet ist, wenn jedermann seinen eigenen Wün-
zwanzigsten Jahrhunderts war es den chinesischen Behörden schen folgen kann. Dabei schloß er den Drogenkonsum ein, da er sagte,
nicht möglich, diese Bedrohung ihres Landes erfolgreich daß Opium ein legitimes Handelsprodukt sei wie jedes andere und daß es
keine Gesetze geben sollte, die die „unsichtbare Hand“ des freien Mark-
auszumerzen. tes zügeln.
Der Hochmut der USA gegenüber Japan, der 1853 mit Perrys 3
The Barnes Review, Juni 1997, S. 3-7.
4
Expedition begann, war der Weg, der 1941 zu Pearl Harbor Anton Chaikin dokumentiert in seinem Buch 7 Feason in America, wie
führte. Die Chinesen haben aber bisher dem Westen nichts die gemeinsame Verschwörung zwischen den britischen und amerikani-
schen Opiumhändlern zu einem harmonischen politischen Verhältnis
für die erlittenen Greuel des Opiumhandels oder die in der zwischen amerikanischen und britischen Gesetzgebern führte, das bis
Mitte des neunzehnten Jahrhunderts erfolgten Verletzungen zum heutigen Tage anhält und leicht bis zum Landesverrat reicht.
5
ihrer Souveränität heimgezahlt. web.jjay.cuny.edu/~jobrien/reference/ob36.html
6
Historikern, die die Rolle des Parlaments in der Perversion Basil Lubbock, The Opium Clippers, Lauriat Co., Boston 1933, S. 61.
7
Ein Vorfahre von Franklin Delano Roosevelt.
der Opiumkriege bestreiten, können Aussagen wie diese des 8
Hsin-pao Chang, Commissioner Lin and the Opium War, Harvard U.
Duke of Wellington (1838) entgegengehalten werden:21 Press, Cambridge 1964, S. 31, 42. Chang sagt auf S. 30f.: »Zu dieser Zeit
»Weit davon entfernt, diesen Opiumhandel verdrießlich zu wurde weithin geglaubt, daß Amerikaner wenig mit dem Opiumhandel zu
betrachten, hat das Parlament ihn begrüßt und geraten, tun hatten.« Dieser Gedanke wurde aber von der britischen Zeitschrift
ihn auszuweiten und eifrig nach Wegen gesucht, ihn zu för- dieser Zeit The Quarterly Review widerlegt: »Ganz im Gegenteil; außer
nur einer oder zwei Ausnahmen war jedes amerikanische [Handels]Haus
dern.« in China an dem Handel beteiligt. Da waren amerikanische Schiffe in
Das Auswahlkomitee des britischen Parlaments straft solche Lintin und der Küste entlang. […] In Wirklichkeit hatten unsere überseei-
Unschuldsbehauptungen weiter Lügen durch die eigenen Zu- schen Brüder ihren vollen Anteil in beidem, dem Vorfall, der den Disput
geständnisse in seinen Berichten von 1830 und 1832:22 von 1839 auslöste, und ebenso den Beleidigungen und Gewalttätigkeiten,
die sich daraus ergaben. […] Die Amerikaner handelten mit indischem
»Die Profite des Opiumhandels mit China haben sich in und türkischem Opium. Sie monopolisierten das türkische Produkt aber
den letzten Jahren zusätzlich zu den indischen Gütern als so weitgehend, daß viele Chinesen glaubten, daß die Türkei ein Teil der
eine sehr wichtige Unterstützung erwiesen. […] Es scheint Vereinigten Staaten sei.«
9
nicht ratsam, solch eine wichtige Einnahmequelle wie das Michael Greenburg, British Dude and the opening of China, Cambridge
University Press, 1951, S. 164f.
Opiummonopol der East India Company für Bengalen auf- 10
Chang, aaO. (Anm. 8), S. 95.
zugeben.« 11
Jack Beeching, The Chinese Opium Wars, Harcourt, Brace & Jovanovich,
Als am schlagkräftigsten erweist sich in der Debatte mit je- N.Y. 1975, S. 110.
12
nen, die die britische Verantwortung für den Opiumhandel 13
Chang, aaO. (Anm. 8), S. 166.
abtun wollen, der Offene Brief des chinesischen Drogenbe- Ebenda, S. 188.
14
Lin Dsö Hsü, dem der Beiname „klarer Himmel“ wegen seiner allerseits
auftragten Lin Dsö Hsü an Königin Victoria:23 anerkannten Rechtschaffenheit gegeben worden war.
»Nehmen wir den Fall, daß Ausländer aus einem anderen 15
Lubbock, aaO. (Anm. 6), S. 227.
16
Land kämen und Opium nach England brächten und Leute Ebenda, S. 231.
17
ihres Landes verführten, es zu rauchen. Würden Sie als Beeching, aaO. (Anm. 11), S. 116.
18
Ebenda, 115f.
Landesmutter solches Gebaren nicht mit Zorn betrachten 19
Ebenda, 146.
und in Eurem berechtigten Abscheu Euer Möglichstes tun, 20
Vgl. http://www.grifworld.com/perryhome.html
es zu unterbinden? Es ist uns immer gesagt worden, daß 21
Chang, aaO. (Anm. 8), S. 49.
22
Eure Majestät viel Land besitzt und ein gütiges Herz ha- Ebenda, 48.
23
Ebenda, 137.
ben. Sicherlich müssen Sie da unfähig sein, einem anderen
etwas anzutun, oder zu veranlassen anzutun, was Sie nicht
von einem anderen für sich selbst zu erleiden wünschen.« Weiterführende Literatur
– Maurice Collis, Foreign Mud, being on account of the opium im-
Anscheinend war Königin Victoria durchaus „fähig“, da ihre
broglio…, Faber & Faber, London 1946.
Antwort bald in Form einer Breitseite von 37 Schiffsgeschüt- – James B. Eames, The English in China, Curzon Press, 1974.
zen ankam. – Edgar Holt, The Opium Wars in China, Dufour Editions, Chester
Karl Marxens Verteidigung der britischen Opiumpolitik ist Springs, PA 1964.
bezeichnend für die Weise, mit der sich die meisten anti- – Ellen N. LaMotte, The Opium Monopoly, MacMillan & Co., NY
republikanisch gesinnten Ideologien auf drogengestützte fi- 1920.
nanzielle Pfeiler stützen. Marx meinte, daß die Chinesen ge- – Frederic Wakeman, Strangers at the Gate: Social disorder in
nauso wenig geneigt seien, ihr Opium aufzugeben, wie die South China, 1839-1861, University of California Press, 1966
Deutschen geneigt seine, den Tabak aufzugeben. Auch – Arthur Waley, The Opium War Through Chinese Eyes, George
glaubte er, die Chinesen müßten erst völlig berauscht sein, Allen and Unwin Ltd., 1958

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Alle Menschen sind gleich – oder doch nicht?
Von Paul Grubach

Verfolgte Stephen Jay Gould mit seinen Theorien zur Rassenfrage ein jüdisch-zionistisches Ziel? 1994 publizierten
Richard Herrnstein und Charles Murray ihre monumentale Studie The Bell Curve (Die Glockenkurve), die im Nu
eine ungeheuer hitzige Kontroverse heraufbeschwor. Die beiden Verfasser vertraten die Ansicht, die Schwarzen der
USA hätten im Durchschnitt einen niedrigeren Intelligenzquotienten als die Weißen, und dieser Unterschied gehe
weitgehend auf genetische Faktoren zurück. Verständlicherweise verursachte dies ein regelrechtes Erdbeben in der
amerikanischen Gesellschaft und führte zu zahlreichen, oft ganz und gar nicht wissenschaftlich motivierten Attak-
ken auf die Autoren.
Schon lange vor dem Erscheinen von The Bell Curve hatte der weltberühmte Paläontologe und Evolutionsbiologe
Stephen Jay Gould den Versuch unternommen, die Theorie von den genetisch bedingten Rassenunterschieden zu
widerlegen. Gould behauptete, es bestünden keine signifikanten biologischen Verschiedenheiten zwischen den ver-
schiedenen Menschenrassen. Im vorliegenden Beitrag wird die Frage, ob Neger in der Tat einen niedrigeren Intelli-
genzquotienten besitzen als Weiße, nicht aufgeworfen. Es wird hier aufgezeigt, daß Goulds Bestrebungen, das
Nichtvorhandensein nennenswerter genetischer Unterschiede zwischen den menschlichen Rassen zu beweisen, wis-
senschaftlich gesehen durchaus nicht hieb- und stichfest waren. Der Verfasser weist ferner nach, daß Gould aus ei-
ner stark ideologisch gefärbten Position argumentierte.

Einleitung scher und ganz allgemein westlicher Intellektueller entschei-


Die Wissenschaft geht davon aus, daß eine materielle Realität dend geformt haben. Ernst van den Haag, Professor für Sozi-
besteht und daß die korrekte Anwendung wissenschaftlicher alphilosophie, formuliert es wie folgt:5
Methoden konkrete Aussagen über diese Realität ermöglicht. »Gebildete Amerikaner denken heute in gewissem Ausmaß
Doch gibt es in jedem Staatswesen soziale Gruppen, die sich jüdisch und reagieren jüdisch. Sie sind so erzogen worden
das Ziel setzen, eine weltanschauliche Grundlage für die Ge- und sind dafür präpariert worden.«
sellschaft zu schaffen. Diese sozialen Gruppen oder kultur- Ganz konkrete Formen des sozialen Bewußtseins gehen dar-
bildenden Schichten haben bisweilen eine monopolartige auf zurück, daß diese Elite die Machtstrukturen Amerikas in
Kontrolle über die Gestaltung des Weltbilds der betreffenden ihrem Würgegriff hält und dadurch die Möglichkeit besitzt,
Gesellschaft inne. Hindern die Werte und Interessen dieser dem amerikanischen Volk ihren Standpunkt aufzuzwingen.
Gruppen die Bevölkerung am Erwerb wissenschaftlich fun- Viele Menschen kommen niemals auf den Gedanken, aus den
dierten Wissens, so stellt dies eine Bedrohung für den Fort- ihnen vorgegebenen Denkmustern auszubrechen, und verhar-
schritt dar.1 ren in dogmatischer Erstarrung.
Amerika macht da keine Ausnahme. Auch dort gibt es eine Stephen Jay Gould, ein namhafter jüdischer Intellektueller,
kulturbildende Schicht, gibt es ein intellektuelles und ein kul- Biologiedozent an der Harvard-Universität, linker Aktivist
turelles Establishment sowie eine Medien-Elite, welche die und einer der gefeiertsten Denker des jüdischen Establish-
Weltanschauung der Massen äußerst nachhaltig prägen. Eine ments, gehörte zu den umjubeltsten und meistgelesenen Wis-
der mächtigsten und einflußreichsten unter diesen meinungs- senschaftlern unserer Zeit. Er erhielt zahllose Auszeichnun-
bildenden Gruppen ist das jüdische politische und kulturelle gen und Preise und hat viele Bücher geschrieben. Im Jahre
Establishment.2 Die Sozialwissenschaftler Stanley Rothman 2001 ernannte ihn die Library of Congress, Amerikas Natio-
und S. Robert Lichter schreiben:3 nalbibliothek, zu einer von Amerikas »dreiundachtzig leben-
»Amerikaner jüdischer Herkunft sind zu einer Elite in der den Legenden« – Menschen, die, wie es hieß, das amerikani-
amerikanischen Gesellschaft geworden, und ihr kultureller sche Ideal der Kreativität, Überzeugung, Hingabe und Über-
Einfluß ist um ein vielfaches größer als ihr prozentueller schwenglichkeit verkörperten. Im Mai 2002 verstarb Gould
Anteil an der Bevölkerung.« im verhältnismäßig jungen Alter von sechzig Jahren.
Der bekannte Filmkritiker Neal Gabler hebt in seiner Studie In einer ganzen Reihe von Büchern und Aufsätzen hat sich
der jüdischen Filmmogule, die heute in Hollywood den Ton Stephen Jay Gould als einer der begabtesten und engagierte-
angeben, hervor:4 sten Fürsprecher des rassischen Egalitarismus profiliert, der
»Die Hollywood-Juden haben ein Geflecht von Bildern und Theorie also, daß es keine oder fast keine genetisch beding-
Ideen geschaffen, welche dermaßen machtvoll sind, daß
sie in gewissem Sinn das amerikanische Vorstellungsver-
mögen kolonisiert haben. […] Letzten Endes sind die ame-
rikanischen Werte weitgehend durch Filme geprägt, die
von Juden gedreht worden sind.«
Ganz ähnlich verhält es sich mit den jüdischen Intellektuel-
len, die einen ungemein großen Einfluß auf die Sozialwis-
senschaften ausgeübt haben und immer noch ausüben. Sie Paul Grubach hat einen Hoch-
schulabschluß in Physik mit
haben ein Geflecht von Bildern, Ideen und „moralischen“
Schwerpunkt auf physikalischer
Werturteilen geschaffen – kurz gesagt, eine ganze Palette Chemie und dem Nebenfach
von Ideologien, welche jüdische Interessen widerspiegeln Geschichte von der John Car-
und in deren Dienst stehen, aber die Denkweise amerikani- roll Universität (Ohio)..

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 139


ten Begabungsunterschiede zwischen den Menschenrassen wußt. Ein öffentlicher Schlagabtausch mit Rushton und Jen-
gibt. Sein bekanntes Buch The Mismeasurement of Man, das sen hätte nicht nur die Haltlosigkeit seiner Ansichten zur
erstmals 1981 und dann in einer überarbeiteten Neuauflage Rassenfrage offenbart, sondern unter Umständen auch seine
1996 erschien, wurde in Fachzeitschriften, aber auch in der Glaubwürdigkeit sowie sein sorgsam gehätscheltes Image
Presse über den grünen Klee gelobt und als endgültige Wi- ruiniert. Deshalb war es von seinem Standpunkt aus die beste
derlegung aller gegenwärtigen und früheren wissenschaftli- Strategie, die Kritik Rushtons und Jensens schlicht und ein-
chen Werke bezeichnet, in der unter Berufung auf Hirnmes- fach unter den Teppich zu kehren. Die allermeisten Men-
sungen oder Intelligenztests die These von genetisch beding- schen wissen nämlich nichts von dieser Kritik, die Goulds
ten Intelligenzunterschieden zwischen einzelnen Rassen ver- trügerische Thesen zur Rassenfrage widerlegt, und deshalb
fochten wurde. Gould verbrachte einen erheblichen Teil sei- erfreut sich Goulds Werk in akademischen Kreisen sowie
ner Laufbahn damit, die angeblichen Vorurteile, vorgebli- bei den Massenmedien auch weiterhin hoher Wertschät-
chen politischen Hintergedanken und versteckten Ziele von zung. Die Aufsätze seiner beiden Widersacher sind in
Wissenschaftlern zu geißeln, die auf das Vorhandensein bio- Fachzeitschriften erschienen, die nur eine sehr geringe Auf-
logisch begründeter mentaler und verhaltensmäßiger Unter- lage besitzen und daher dem sorgfältig aufgebauten Bild
schiedlichkeiten zwischen den Rassen beharren. vom begnadeten Wissenschaftler Gould keinen Abbruch zu
Es besteht kein Zweifel daran, daß Gould ein talentierter tun vermögen.
Schriftsteller und tüchtiger Gelehrter war, der ernsthafte Bei- Der vorliegende Aufsatz betrachtet das Thema in neuem
träge zur Wissenschaft geleistet hat. Doch mit seinen Aussa- Licht. Ich werde jene Aspekte von Goulds Rassentheorie wi-
gen zur Rassenfrage verhält es sich ganz anders. derlegen, mit denen sich (meines Wissens wenigstens) bisher
Die Psychologen Arthur Jensen und J. Philippe Rushton ha- noch niemand befaßt hat, nämlich seine Theorie von der Evo-
ben bereits zahlreiche Verzer- lution der angeblichen geneti-
rungen, Auslassungen und Trug- schen Gleichheit zwischen den
schlüsse in Goulds Schriften zur Menschenrassen sowie seine
Frage der Rassenunterschiede Auffassungen zur Genetik des
bloßgestellt.7 In einer Übersicht jüdischen Volkes. Schließlich
über die einschlägige Literatur werde ich auf einige der sozialen
gelangte Kevin McDonald zum und politischen Interessen ein-
Schluß, ein Teil von Goulds gehen, denen Goulds Thesen zur
Werk zeuge von unverhüllter in- Rassenfrage dienen und die sie
tellektueller Unehrlichkeit.8 widerspiegeln.
Am vernichtendsten ist die Kri-
tik Rushtons. Sie erbringt näm- Goulds wissenschaftliche
lich starke Indizien dafür, daß es Argumente auf dem Prüfstand
sich bei Goulds Fehlern durch- In einem Kapitel seines populä-
aus nicht um in gutem Glauben ren Buchs The Flamingo’s Smile
begangene Irrtümer handelt, (Das Lächeln des Flamingos)
sondern um bewußte Irrefüh- faßt Gould seine anthropologi-
rung. Doch die von Gould ver- schen Ideen zur Entstehung der
tretene Ideologie zur Rassenfra- vorgeblichen biologischen
ge hat nach wie vor eine domi- Gleichheit der Menschheit zu-
nierende Position inne. sammen.11 Seine diesbezügli-
Gould war nie imstande, Rush- chen Ansichten werden heute
tons fundierte Kritik an seinen Steven S. Gould6 von fast allen Massenmedien
Thesen zu widerlegen, und soweit ich weiß, hat er auch auf und der großen Mehrheit der Wissenschaftler geteilt.
die Einwände Jensens niemals geantwortet. McDonald weist Man ist sich allgemein einig, daß Australopithecus, Homo
darauf hin, daß Gould »sich nie die Mühe genommen hat, auf habilis und Homo erectus – durchwegs Angehörige der Ho-
die Argumente seiner Widersacher einzugehen.«.9 Nach miniden – auf dem afrikanischen Kontinent entstanden sind.
Goulds eigenen Worten war diese Unterlassung ein Beweis Dann, vor einer oder zwei Millionen Jahren, verließen man-
für Unwissenschaftlichkeit, hat er doch ausdrücklich betont, che Gruppen des Homo erectus Afrika und besiedelten Eura-
das Ignorieren oder Unterdrücken von Gegenargumenten sei sien. Infolgedessen trat Homo sapiens vor rund einer Million
»eine Verschwörung des Schweigens« und ein Zeichen un- Jahren an vielen Stellen Afrikas und Asiens auf.12
wissenschaftlichen Verhaltens.10 Mit seinem Schweigen zu Bezüglich der rassischen Ursprünge der Menschheit vertritt
den Argumenten seiner Kritiker hat er also ein Urteil über Gould die „Eva-Theorie“ oder „Verdrängungshypothese“.
sich selbst gefällt. Diese besagt, die Nachfahren jener Gruppen des Homo
Aller Wahrscheinlichkeit nach gab es einen triftigen Grund erectus, die vor ungefähr einer Million Jahren von Afrika aus
für Goulds Weigerung, mit seinen Gegnern zu diskutieren. Eurasien bevölkerten – Neandertaler, Peking-Mensch, Java-
Hätte er Rushton und Jensen öffentlich geantwortet, so wären Mensch –, seien evolutionäre Sackgassen gewesen, an deren
dabei wohl die Irrtümer, Unterlassungen, Verzerrungen und Stelle vor knapp 200.000 Jahren vollentwickelte Menschen
Mängel seiner Thesen zur Rassenfrage ans Licht gekommen. im heutigen Sinn getreten seien, deren Wiege ebenfalls in
Er wäre letzten Endes nicht darum herum gekommen, sich Afrika liege. Dieser Theorie zufolge vollzog sich die Spal-
diesen Querdenkern in einer öffentlichen Debatte zu stellen, tung zwischen afrikanischen und nichtafrikanischen Men-
und bei dieser hätte er sich nur allzu leicht eine blutige Nase schen vor 110.000 Jahren durch den Auszugs eines Teils der
holen können. Meiner Ansicht nach war er sich dessen be- afrikanischen Menschheit nach Eurasien; die Trennung der

140 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2


Eurasier in Europide und Mongolide sei wesentlich später Unterarten entwickelt hat. Dieser Vorgang geschah innerhalb
eingetreten, nämlich vor 41.000 Jahren.13 von nur hundert Spatzengenerationen. Bei einer menschli-
Die menschliche Gleichheit sei ein konstanter Faktor der Ge- chen Bevölkerungsgruppe entsprechen hundert Generationen
schichte, macht Gould geltend. Evolutionäre Kräfte bewirk- einem Zeitraum von rund 2000 Jahren. Goldsby folgert dar-
ten, daß es allenfalls kleine und unbedeutende biologische aus:18
Unterschiede zwischen den Rassen gebe. Theoretisch wären »Diese Studien legen den Schluß nahe, daß bei Vorliegen
unzählige, teils plausible Szenarien der menschlichen Ent- einer genügend starken Isolation sowie eines ausreichen-
wicklung denkbar gewesen, die zu anderen Ergebnissen ge- den Selektionsdrucks verhältnismäßig kurze Zeitspannen
führt hätten, doch seien sie eben nicht eingetreten.14 zur Entwicklung gewisser Rassenmerkmale beim Menschen
Der Harvard-Professor behauptet ferner, die Menschenrassen ausreichen.«
seien »Subpopulationen unserer modernen Spezies Homo sa- Recht aufschlußreich ist in diesem Zusammenhang der Fall
piens, die sich vor nicht allzu langer Zeit geringfügig ausein- der Buschmänner in Südafrika. Der verstorbene Biologe John
anderentwickelt haben, bestenfalls vor einigen zehn- oder R. Baker hat in seiner monumentalen Studie der Menschen-
hunderttausend Jahren, und durch bemerkenswert geringe rassen darauf aufmerksam gemacht, daß die Buschmänner19
genetische Unterschiede gekennzeichnet sind«.15 Er fügt hin- »sich in ihren körperlichen Merkmalen stark – in mancher
zu:16 Hinsicht sogar erstaunlich stark – sowohl von Europiden
»Homo sapiens ist eine junge Spezies und seine Unterglie- als auch von Australoiden unterscheiden. Dies beweist be-
derung in Rassen sogar noch jünger. Der historische Kon- sonders eindeutig, wie falsch die Annahme ist, es gebe –
text bot nicht genügend Zeit für die Evolution nennenswer- abgesehen von der Hautfarbe – nur wenige Unterschiede
ter Unterschiede.« zwischen den Rassen.«
Anders gesagt, die Menschheit hat all Nehmen wir einmal an, Goulds Behaup-
ihre wesentlichen Eigenschaften (ein- tung entspreche den Tatsachen, und die
schließlich der Intelligenz) in Afrika Menschenrassen seien lediglich einige
erworben und sich von da aus über zehntausend oder allenfalls einige hun-
Asien und Europa verbreitet. Da die derttausend Jahre alt. Auch in diesem
Trennung der Menschheit in verschie- Fall waren die evolutionären Kräfte im-
dene Rassen erst vor so geringer Zeit stande, Buschmänner (und Hottentotten)
erfolgt ist, fehlte es an Zeit zur Heraus- hervorzubringen, die sich von allen an-
bildung signifikanter biologischer Ras- deren Menschenrassen grundlegend un-
senunterschiede. Folglich müssen die terscheiden. Dies widerlegt Goulds The-
Rassen „biologisch“ gleich sein, und se, wonach sich aus Zeitmangel keine
allfällige Unterschiede können kaum signifikanten Rassenunterschiede hätten
ins Gewicht fallen.17 herausbilden können.
Es läßt sich also sagen, daß Goulds Ironischerweise liefert Goulds eigene
Theorie von der Rassengleichheit auf Deutung der Evolution – er spricht von
drei Prämissen fußt: einem »unterbrochenem Gleichge-
I. Die Evolution des Menschen bot wicht« – unfreiwilligerweise den Be-
nicht genügend Zeit zur Herauskri- weis für die Herauskristallisierung be-
stallisierung nennenswerter geneti- deutender genetischer Unterschiede
scher Unterschiede zwischen den zwischen den Rassen innerhalb eines
Rassen. relativ geringen Zeitraums. Gould stellt
II. Deshalb gibt es nur minimale und die These auf, eine Art entwickle sich
unbedeutende genetisch bedingte S. J. Goulds definitiver Fehlschlag. nach ihrer Entstehung (d.h. der Abspal-
Rassenunterschiede. tung von der Mutterspezies) zunächst
III. Es ist also nicht möglich, eine adäquate Einteilung der äußerst schnell, aber dann recht langsam. Lassen wir ihn
Menschheit in Rassen vorzunehmen. selbst zu Wort kommen:20
Wenn es keine klaren rassischen Kategorien gibt, kann man »Eine Art entwickelt sich in geologischen Perspektiven
auch keine Vergleiche zwischen den Rassen anstellen, und es rasch (innerhalb von einigen tausend Jahren) und tendiert
kann keine signifikanten biologisch begründeten Rassenun- danach dazu, jahrmillionenlang außerordentlich stabil zu
terschiede geben. Diese Argumente gehören zum Standardar- bleiben.«
senal jener, welche die Rassengleichheit postulieren. Warum ist es dann nicht denkbar, daß die Menschenrassen
Doch selbst falls Gould mit seiner These recht hat, wonach nach ihrer Entstehung binnen eines kurzen Zeitraums sub-
sich die Unterteilung der Menschheit in Rassen erst vor rela- stantielle genetische Unterschiede entwickelt haben?
tiv kurzer Zeit (z.B. vor 100.000 Jahren oder noch später) Gould definiert den Begriff »unterbrochenes Gleichgewicht«
vollzogen hat, können sich genetisch bedeutungsvolle Unter- wie folgt:21
schiede sehr wohl innerhalb dieser geologisch gesehen in der »Die meisten Arten sind während des größten Teils ihrer
Tat kurzen Zeitspanne herausgebildet haben. Der Biologe Ri- geologischen Lebensspanne stabil und bleiben oft Jahrmil-
chard Goldsby hat unterstrichen, daß eine Evolution inner- lionen lang unverändert; man spricht hier von „Gleichge-
halb einer Art in der Natur unter Umständen außerordentlich wicht“. Veränderungen treten üblicherweise nicht durch
rasch erfolgen kann. Unter Berufung auf eine Studie zur ar- unmerklichen, allmählichen Wandel einer ganzen Spezies,
tenmäßigen Aufspaltung des Haussperlings wies er darauf sondern durch die Isolierung kleiner Populationen und ih-
hin, daß sich aus der ersten, 1852 nach Amerika gelangten re rasche Umwandlung in eine neue Spezies auf. Dies
Gruppe von Haussperlingen inzwischen ein gutes Dutzend nennt man eine Unterbrechung des Gleichgewichts.«

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 141


Er fährt fort:22 über, ob diese Krankheit auftreten kann.26 Ist ein Menschen
»Eine isolierte Population kann sich innerhalb von tausend in dieser Hinsicht ein Homozygot (Vorhandensein zwei iden-
Jahren zu einer neuen Spezies entwickeln. Nimmt man die tischer Versionen des betreffenden Gens), so stirbt er schon
individuelle Lebensdauer eines ihrer Vertreter zum Maß- in der Kindheit oder leidet zumindest an chronischer Anämie.
stab, erscheint dieser Zeitraum unendlich lang. Doch ver- Ist er ein Heterozygot (d.h. bei Vorliegen zweier verschiede-
glichen mit den Zeitspannen, in denen sich geologische ner Versionen jenes Gens) tritt Anämie lediglich unter Streß-
Veränderungen abspielen, sind tausend Jahre nur ein Au- bedingungen auf; andererseits besitzt die betreffende Person
genblick.« aber eine erheblich stärkere Resistenz gegen Malaria als je-
Fassen wir zusammen: Die These vom »unterbrochenen mand, dem das betreffende Gen fehlt. Somit kann ein winzi-
Gleichgewicht« besagt, eine Art entwickle sich während geo- ger genetischer Unterschied zwischen zwei rassischen Grup-
logisch langer Zeiträume nur sehr wenig (man spricht von pen, der auf ein einziges Gen zurückgeht, weitreichende
»Gleichgewicht« oder »Statik«), doch wenn eine Evolution Konsequenzen in Form größerer Resistenz gegen Malaria
erfolge, vollziehe sich diese mit großer Schnelligkeit, d.h. die und Anfälligkeit für Anämie nach sich ziehen.
Statik werde durch rapiden genetischen Wandel durchbro- Man könnte noch weitere Beispiele von „Ein-Gen-Unter-
chen.23 schieden“ zwischen ethnischen Gruppen ins Feld führen, die
Die beiden Arten, die sich von einer Mutterart abspalten, un- dramatische Folgen zeitigen. Die Tay-Sachs-Krankheit
terscheiden sich genetisch weitaus stärker voneinander als (TSD) ist eine verhängnisvolle genetische Störung bei Kin-
zwei Rassen derselben Art. Wenn Gould recht hat und es dern, die zu einer fortschreitenden Zerstörung des zentralen
ganze tausend Jahre zur Geburt einer neuen Art braucht, Nervensystems führt. Erbt ein Kind von beiden Elternteilen
warum sollten sich dann nicht äußerst rasch, innerhalb eini- ein rezessives TSD-Gen, so erkrankt es an TSD. Ungefähr
ger tausend Jahre, Menschenrassen herausgebildet haben, zwi- 85% aller von diesem Leiden befallenen Kinder entstammen
schen denen erhebliche genetische Unterschiede bestanden? jüdischen Familien.27
In einem von Gould herausgegebenen Sammelband heißt es, Die Krabbe-Krankheit, eine andere genetische Störung bei
jene Menschengruppen, die aus Afrika auf andere Kontinente Kindern, sucht alle ethnischen Gruppen heim, ist jedoch be-
ausschwärmten, hätten sich (biologisch) »je nach Klima und sonders in den skandinavischen Ländern verbreitet. Geben
Lebensbedingungen verändert.«24 Goulds eigene Theorie des beide Elternteile das abnormale, rezessive Gen an das Kind
evolutionären Wandels läßt diesen Gruppen mehr als genug weiter, bricht die Krankheit bei diesem aus.28 Gould weiß
Zeit für die Entwicklung bedeutsamer physischer und geisti- sehr wohl Bescheid darüber, daß kleine genetische Unter-
ger Unterschiede. schiede zwischen rassischen Gemeinschaften den Anstoß zu
All dies läßt Goulds Tendenz zur selektiven Anwendung von einer ganzen Palette von Unterschieden zwischen ihnen ge-
Argumenten, die seine Theorie stützen, bei gleichzeitiger ben können. In dem unter seiner Ägide entstandenen Werk
Ignorierung plausibler Gegenargumente in grellem Licht er- The Book of Life schreibt er nämlich:29
scheinen. Wenn es um die Herausbildung von Rassenunter- »Eines der trivialeren Symptome dieser [genetischen] Un-
schieden geht, schert er sich keinen Pfifferling um die Impli- terschiede [zwischen rassischen Gruppen] ist unser heuti-
kationen seiner eigenen Thesen zum evolutionären Wandel ges Spektrum der Hautfarbe, die Schätzungen zufolge
und gibt sich mit dem fadenscheinigen Argument zufrieden, durch fünf bis sieben Gene (von insgesamt rund 300.000)
die Zeit habe zur Entwicklung signifikanter rassischer Unter- bestimmt wird.«
schiede nicht ausgereicht. Warum sollten dann gewisse verhaltensmäßige Unterschiede
Nehmen wir als Arbeitshypothese weiter an, Goulds nächste zwischen den Rassen nicht auch durch eine vergleichbar ge-
Behauptung treffe zu, wonach die heutigen Rassen durch ringe Anzahl von Genen ausgelöst werden können?
recht geringe genetische Unterschiede gekennzeichnet seien. Es gibt ein anschauliches Beispiel dafür, daß ein genetischer
Dies ändert nichts daran, daß außerordentlich kleine geneti- Unterschied zwischen zwei Ethnien dramatische militärische
sche Unterschiede zwischen zwei rassischen Gruppen drama- Folgen haben kann. Die angesehene London Times berichte-
tische, auf der Hand liegende Auswirkungen haben können. te:30
Dies würde Gould, wäre er noch am Leben, nicht in Abrede »Israel arbeitet laut israelischen Militärs sowie westlichen
stellen, hat er doch selbst geschrieben:25 Nachrichtendiensten an der Entwicklung einer biologi-
»Kleine [genetische] Veränderungen können zu großen ak- schen Waffe, die Araber, nicht jedoch Juden schädigen
kumulativen Effekten führen, wenn sie zu einem frühen würde. Die Waffe, die für Menschen je nach deren ethni-
Zeitpunkt eintreten, und die Konsequenzen können gewal- scher Abstammung gefährlich oder ungefährlich ist, wird
tig sein.« als Israels Antwort auf die irakische Drohung mit chemi-
Zu den Unterschieden zwischen Menschen und Schimpansen schen und biologischen Angriffen betrachtet. […] Es ist
hat er geschrieben:25 geplant, die Fähigkeit von Viren sowie von gewissen Bak-
»Sind wir Menschen denn wirklich so verschieden von den terien zur Änderung der DNS innerhalb der lebenden Zel-
Schimpansen, wie wir selbstbewußt und arrogant behaup- len ihres Wirtes auszunutzen. Die Wissenschaftler versu-
ten? In unserem Aussehen zweifellos. […] Was die Potenz chen, tödliche Mikroorganismen zu erzeugen, die nur Trä-
unseres Gehirns anbelangt, ohne jeden Zweifel. […] Doch ger der betreffenden bestimmten Gene attackieren.«
die vorhandenen biologischen Unterschiede brauchen so Ein an der Herstellung der betreffenden Waffen beteiligter is-
groß gar nicht zu sein. […] Kleine [genetische] Verände- raelischer Wissenschaftler wird mit dem Ausspruch zitiert, es
rungen können katazyklische Effekte zeitigen.« sei den Forschern geglückt, »ein besonderes Merkmal im ge-
Man betrachte hier den Fall der Sichelzellenanämie, einer ge- netischen Profil gewisser arabischer Gemeinschaften, insbe-
fährlichen Erbkrankheit, an der zahlreiche Schwarzafrikaner sondere im Irak, zu ermitteln«.
und etliche Afro-Amerikaner leiden, aber so gut wie keine Man fragt sich, ob Gould den Mut aufgebracht hätte, den po-
amerikanischen Weißen. Ein einziges Gen entscheidet dar- tentiellen arabischen Opfern zu erzählen, die genetischen Un-

142 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2


terschiede zwischen ihnen und den Juden seien unbedeu- daß sich diese so gut als Versuchstiere eignen. Doch nie-
tend… mand wird sich zur Behauptung versteigen, Mäuse, Schim-
Zwei Gruppen, A und B, können 99,9% ihrer menschlichen pansen und Menschen seien annähernd gleich! Dies wäre ja
Gene und Charakteristiken gemeinsam haben. Doch manife- wirklich lachhaft. Es wäre auch unsinnig anzunehmen, das
stieren sich die restlichen 0,1% in Gestalt eines Merkmals, Geschlecht sei nur ein soziales Konstrukt, weil Männer und
das Erfolge auf einem bestimmten Gebiet – sagen wir einmal Frauen genetisch gesehen zu etwa 99% identisch sind.
dem Kurzstreckenlauf – begünstigt, so kann dies zur Folge Viel Konfusion entsteht dadurch, daß es mehrere Methoden
haben, daß Gruppe A massenhaft erstklassige Sprinter her- der genetischen Messung gibt. Ein viel realistischerer An-
vorbringt und Gruppe B nur eine Handvoll. satz besteht in einer Untersuchung der 3,1 Milliarden Ba-
Um seiner These von der Geringfügigkeit genetischer Unter- senpaare, welche die 300.000 Gene bilden. Etwa jedes tau-
schiede zwischen den Rassen Glaubwürdigkeit zu verleihen, sendste dieser Basenpaare ist bei den Menschen unter-
stellt Gould folgende rhetorische Frage:32 schiedlich. Jede Veränderung eines Basenpaares kann eine
»Wie große genetische Unterschiede bestehen zwischen Veränderung des betreffenden Gens nach sich ziehen.
den Rassen? Die Antwort […] ergab sich schon recht bald Technisch nennt man Unterschiede in den Basenpaaren
unzweideutig: Herzlich wenige. [Gen-]Frequenzen variie- SNPs (Single nucleotide polymorphisms). Die Zahl von
ren oftmals erheblich zwischen einzelnen Gruppen, doch 99% beruht auf DNS-Sequenzen, bei denen nicht einmal
alle Menschenrassen bestehen aus einer Vielzahl von Ein- zwischen dem Menschen und den meisten Säugetiere Un-
zelgruppen.« terschiede vorliegen. Sie können den Eindruck erwecken,
Diesen Behauptungen liegt die Ignoranz wichtigen Beweis- daß Menschen und Schimpansen annähernd identisch sind,
material zugrunde, und man weiß heute, daß sie überholt weil diese Gene den Kodex für ähnliche innere Organe, die
sind. Im Rahmen eines Versuchs zur Ermittlung der Unter- Augen, die Hände usw. bilden. Obgleich Menschen und
schiede zwischen Juden und Nichtjuden haben israelische Mäuse sehr unterschiedlich aussehen, kann jeder Anato-
Gelehrte Studien durchgeführt, aus denen hervorgeht, daß miestudent bestätigen, daß sogar ihre innere Knochen-
sich die Juden als Gruppe genetisch ganz erheblich von struktur sehr ähnlich ist.
nichtjüdischen Menschen unterscheiden.33 Im Jahre 2000 er- In ihrer Ausgabe vom 23. Februar [2001] berichtete die
gab eine andere wichtige Studie, daß jüdische Gemeinschaf- Zeitschrift Science, daß Celera Genomics bereits 2,8 Mil-
ten ihre biologische Identität in einer nichtjüdischen Umwelt lionen SNPs an Wissenschaftler verkauft hat, die den Code
weitgehend bewahrt haben; dies beweist, daß es im Verlauf des menschlichen Verhaltens knacken wollen. Die Unter-
der Jahrhunderte nur verhältnismäßig wenige Mischehen schiede zwischen Basenpaaren sind wichtig, und bei den
zwischen Juden und Nichtjuden gegeben hat.34 verschiedenen Rassen hängen die SNPs zusammen. Eine
Im Februar 2001 enthüllte die Londoner Sunday Times, daß einzige Veränderung in einem Basenpaar für Hämoglobin
die britische Polizei anhand von DNS-Mustern mit großer verursacht beispielsweise Sichelzellenanämie, an der zahl-
Wahrscheinlichkeit ermitteln kann, ob ein Tatverdächtiger reiche Schwarze leiden. Andere Basenpaarunterschiede
aus dem Nahen Osten, Indien/Pakistan, dem Fernen Osten beeinflussen den IQ oder führen zu aggressivem Verhalten
oder Europa stammt.35 und zu Geisteskrankheit. Die 3,1 Milliarden Basenpaare
In all diesen Fällen ist es der Wissenschaft möglich, ethni- lassen breiten Raum für rassische Unterschiede.«
sche Gruppen anhand genetischer Merkmale zu unterschei- Um die gängige Praxis der Unterteilung der Menschheit in
den. Dies galt bereits zu der Zeit, als Gould sich darauf be- Rassen in Verruf zu bringen, greift Gould zu einer ganzen
rief, daß »alle Menschenrassen aus einer Vielzahl von Ein- Reihe fragwürdiger Argumente:38
zelgruppen« bestünden. »Erstens führen verschiedene Kriterien zu verschiedenen
Um die Unwichtigkeit genetischer Unterschiede zwischen Klassifizierungen. Man könnte eine vernünftige Einteilung
den Rassen zu beweisen, nimmt Gould Zuflucht zum Stan- [der Menschen in Rassen] anhand der Hautfarbe vorneh-
dardargument der Egalitaristen:36 men, würde aber dann gleich mit der Tatsache konfron-
»Die große Mehrheit der [genetischen] Variationen beim tiert, daß eine Klassifizierung nach Blutgruppen zu ande-
Menschen tritt innerhalb von Gruppen auf und nicht zwi-
schen verschiedenen Gruppen. Wenn – was Gott verhüten
möge – ein [atomarer] Holocaust erfolgt und nur das Xho-
sa-Volk am Südzipfel Afrikas überlebt, würde die Mensch-
heit doch 80% ihrer Verschiedenheit bewahren.«
Freilich mögen jene 20% Verschiedenheit, die sich bei die-
sem afrikanischen Volk nicht finden, der Hauptgrund dafür
sein, daß es niemals den Zivilisationsstand auch nur der Ja-
paner vor dem Kontakt mit den Europäern erreicht hat…
Der namhafte Psychologe J. Philippe Rushton, der sich mehr
als zwanzig Jahre lang mit den Unterschieden zwischen den
Menschenrassen befaßt hat, zeigt den Trugschluß dieser Ar-
gumentation mit aller Deutlichkeit auf:37
»Gelegentlich behaupten jene, für welche die Rasse bloß ein
soziales Konstrukt ist, es gebe keine Rassen, weil die Men-
schen rund 99% aller Gene gemeinsam haben. Dies ist
schlicht und einfach töricht. Die menschlichen Gene sind zu
98% mit jenen der Schimpanse und zu 90% mit denen der J. Philippe Rushton in einer Gondel auf dem Weg
Mäuse identisch, was nebenbei auch der Grund dafür ist, 31
zum Niederwalddenkmal bei Rüdesheim.

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ren Resultaten führen muß. Wenn so viele scheinbar stich- rakterisiert wird, welche sich von den anderer Populatio-
haltige Kriterien so unterschiedliche Ergebnisse hervor- nen derselben Spezies unterscheiden.«
bringen, läßt sich kein gültiges Kriterium zur eindeutigen Selbstverständlich hat es immer wieder Vermischungen zwi-
Klassifizierung [der Rassen] aufstellen. Zweitens spielen schen den Rassen gegeben. Doch dies tut der Gültigkeit einer
Fluktuation und Abstufungen eine wichtige Rolle. Wenn rassischen Klassifizierung durchaus keinen Abbruch. Der
immer eine Menschengruppe auf Wanderschaft geht, ver- Biologe Baker hatte die Brüchigkeit der Argumentation, de-
mischt sie sich mit anderen, bricht Schranken nieder und ren sich Gould und seine Vorgänger bedienen, schon aufge-
schafft neue Gruppen. Soll man die Mischlinge am Kap zeigt, bevor Gould seine ersten Schriften zu diesem Thema
[…], Nachfahren von Verbindungen zwischen Hottentotten verfaßte:48
und weißen Siedlern […], als neue Unterart einstufen oder »Könnte man jedes Exemplar mit Sicherheit als Angehö-
einfach als lebendige Widerlegung der These, Weiße und rigen der einen oder anderen von zwei Populationen
Schwarze seien sehr verschieden? Drittens fallen auch die [Rasse] identifizieren, so wäre dies der Beweis dafür, daß
Konvergenzen sehr ins Gewicht. Ähnliche Charakteristiken kein Austausch von Genen zwischen diesen zwei Rassen
entwickeln sich immer wieder ganz unabhängig voneinan- erfolgt ist, und sie würden deshalb als verschiedene
der; sie vereiteln jeden Versuch, anhand bestimmter Eigen- Spezies im genetischen Sinn des Wortes betrachtet. […]
schaften rassische Kategorien aufzustellen. Beispielsweise Die Tatsache, daß rassische Zwischenformen in der Tat
haben die meisten in den Tropen ansässigen Völker eine existieren, definiert also die Rassen.«
dunkle Haut entwickelt.« Er fügte hinzu:
Hier scheint eine Tautologie vorzuliegen: Weil es keine wirk- »Das Vorhandensein von Zwischenformen ist eines der
lichen Rassenunterschiede gibt, kann es keine wirklichen Unterscheidungsmerkmale der Rasse: gibt es keine Zwi-
Rassenunterschiede geben! schenformen, so gibt es auch keine Rassen.«
Gould definiert „Rasse“ als »Population, welche eine be- Der Biologe Goldsby äußerte sich wie folgt:49
stimmte geographische Untereinheit einer Spezies bewohnt »[…] man gelangt zur Erkenntnis, daß natürliche Rassen,
und sich in allen Aspekten ihrer Merkmale hinreichend [von im Gegensatz zu den streng isolierten Rassen von Zucht-
anderen] unterscheidet, um taxonomisch erkennbar zu tieren, im allgemeinen durch ineinander übergehende
sein.«39 Auch wenn die heutigen Rassen nicht strikt auf be- Zonen charakterisiert werden und nicht durch eindeutige
stimmte Territorien beschränkt sind, haben sich die Mongo- Trennlinien.«
liden, Europiden, Negroiden sowie die Ureinwohner Austra- Von einem wissenschaftlichen Standpunkt aus ist der von
liens zu bestimmten geographischen Subsektionen des Homo Gould erwähnte Kapmischling also ganz einfach eine Zwi-
sapiens40 entwickelt und sind in der Tat, wie Gould schreibt, schenform zwischen Europiden und überwiegend Khoisani-
taxonomisch erkennbar.41 Beispielsweise haben die verschie- den.50 Ob sich dieser Typ einst tatsächlich zu einer neuen Un-
denen rassischen Typen in Teilen ihrer Skelett-Anatomie terart sowie zur »lebenden Widerlegung der Behauptung,
Spezialisierungen entwickelt, anhand derer man sie mit wonach Weiße und Schwarze sehr verschieden sind«, ent-
annähernder Sicherheit identifizieren kann.42 Folglich ist ein wickeln wird, werden die Wissenschaftler der Zukunft zu be-
geschulter Anatom imstande, Schädel nach der Rasse ihrer urteilen haben.
Träger zu klassifizieren.43 Im Gegensatz zu den Behauptun- Auch wenn „konvergierende Merkmale“ für den rassischen
gen Goulds hat die Forschung somit ein gültiges Kriterium Taxonomisten gelegentlich recht problematisch sein mögen,
zur Definition verschiedener Rassen erarbeitet. vermag die gegenwärtige wissenschaftliche Forschung doch
Gould führt seine Argumentation wie folgt fort:44 einen Beitrag zur Milderung des Problems zu leisten.
»Wir sind nicht eindeutig genug in verschiedene geogra- Auch auf eine andere Behauptung Goulds lohnt es sich ein-
phische Untergruppen geteilt, und die Postulierung zugehen. Er schreibt:51
menschlicher Unterart macht da wenig Sinn.« »In einem Jahrzehnt intensiver Studien hat man kein einzi-
Eine Ende 2002 in Science publizierte Studie ergab folgen- ges „Rassen-Gen“ entdeckt, d.h. ein Gen, das bei allen An-
des: Läßt man einen Computer DNS-Daten von Menschen gehörigen einer Gruppe und bei keinem einer anderen vor-
aus aller Welt in Kategorien einteilen, so ergibt sich, daß die handen ist.«
Menschheit in fünf Gruppen zerfällt, die im großen ganzen In einer in der Zeitschrift Science veröffentlichten Studie
den allgemein anerkannten Rassen entsprechen.45 Dies liefert wird diesbezüglich festgehalten:52
den Beleg dafür, daß sich die Rassen sehr wohl in verschie- »Diese allgemeine Ähnlichkeit zwischen den menschlichen
dene geographische Gruppen untergliedern lassen, und daß Populationen tritt auch in der geographisch weitverbreite-
sie sich in ihrer genetischen Konstitution hinreichend unter- ten Natur der meisten Allele [verschiedenen Variationen
scheiden, um taxonomisch erkennbar zu sein. eines einzelnen Gens] zutage. Von allen 4199 mehr als ein-
Sind diese breiten Kategorien erst erstellt, so ergeben die ver- mal in den ausgewählten Beispielen auftretenden Allelen
schiedenen „Variationsmuster“ unter den Rassen, von denen kamen 46,7% in allen größeren vertretenen Regionen vor:
Gould spricht, einen biologischen Sinn. Was die Rassen von- Afrika, Europa, dem Nahen Osten, Zentral- und Südamerika,
einander unterscheidet, ist das Gesamtbild der Genfrequen- Ostasien, Ozeanien und Nordamerika. Nur 7,4% der Allele
zen, morphologischen Züge und verhaltensmäßigen Charak- waren auf eine einzige Region beschränkt: regionsspezifi-
teristiken und nicht bloß ein oder zwei Merkmale, die ein un- sche Allele waren selten und traten in der betreffenden Ge-
terschiedliches Variationsmuster unter den Rassen zeigen.46 gend mit einer durchschnittlichen Frequenz von 1,0% auf.«
Schon etliche Jahre, bevor Gould mit seinen Ansichten an die Anders gesagt, es gibt Gene, die auf spezifische Regionen
Öffentlichkeit gelangte, hatte Goldsby dies unzweideutig begrenzt sind – Regionen, die alles in allem mit den Sied-
festgehalten:47 lungsgebieten bestimmter Rassen identisch sind. Somit sind
»Eine Rasse ist eine sich fortpflanzende Population, die diese „regionsspezifischen Gene“ in gewissem Sinne rassen-
durch die Häufigkeit einer Ansammlung ererbter Züge cha- spezifische Gene.

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Wie ein erheblicher Teil von Goulds Schriften zum Thema me Abstammung erklären lassen. Mourant unterstreicht
der Rassenunterschiede ist auch seine Theorie der Entwick- besonders die nahe Verwandtschaft der Aschkenasen (Ost-
lung der angeblichen Rassengleichheit höchst fragwürdig, juden) mit den Sepharden (Westjuden), die um so bemer-
um es gelinde auszudrücken. Mehrere Autoren haben auf die kenswerter ist, als sie viele Jahrhunderte lang unter ande-
Möglichkeit hingewiesen, daß seine „wissenschaftlichen“ ren Völkern gelebt haben. Dazu paßt die Tatsache, daß die
Theorien zur Rassenfrage ganz einfach seine tiefverwurzelten Häufigkeit mancher Krankheiten unter den Juden und den
linken Ansichten widerspiegeln, oder daß er sie gezielt zur Völkern, in deren Mitte diese leben, sehr verschieden ist.
Förderung jüdischer Anliegen aufgestellt hat.53 Diese Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten ist fast mit
Freilich ist folgendes zu betonen: Die Tatsache, daß Goulds Sicherheit genetisch bedingt.«
Rassentheorien – wie wir bald sehen werden – in der Tat ei- Bei einem Versuch, die Unterschiede zwischen Juden und
nem ganz bestimmten soziopolitischen Ziel dienen, heißt an Nichtjuden herauszuschälen, haben israelische Wissenschaft-
und für sich noch lange nicht, daß sie deshalb falsch sind. ler Studien durchgeführt, deren Ergebnisse noch zu Goulds
Seine Theorien sind ganz unabhängig von den Motiven, dem Lebzeiten erschienen und die belegen, daß die Juden als
Ziel und dem psychologischen Hintergrund des Stephen Jay Gruppe sich genetisch ganz erheblich von Nichtjuden unter-
Gould auf ihre Richtigkeit oder Unrichtigkeit zu überprüfen. scheiden.58 Gould war zweifellos über diese Studien auf dem
Genau dasselbe gilt für die Theorie von der Rassenungleich- laufenden, denn sein Kollege Jared Diamond hat sie in einem
heit. Auch wenn ein Wissenschaftler, der sich zu dieser Artikel für die prestigeträchtige Monatszeitschrift Natural
Theorie bekennt, dezidiert „rassistische“ oder „nationalisti- History diskutiert, für welche sowohl Diamond als auch
sche“ Ansichten verficht, stellt dies keineswegs eine Falsifi- Gould schrieben.59
zierung seiner Thesen dar. Wie der Wiederum dürfte hier ein politisches
Wissenschaftsphilosoph Karl Popper Motiv für Goulds Ausserachtlassung
hervorgehoben hat, spielt es keine Rol- wichtiger Daten vorliegen. Ein bekann-
le, aus welcher Ecke Hypothesen ter israelischer Journalist, Aaron Me-
kommen, sondern lediglich, ob die Be- ged, hat allem Anschein nach auf dieses
weise, auf die sie sich stützen, sie wirk- Motiv hingewiesen. Am 8. November
lich zu untermauern vermögen, ob sie 1981 schrieb er in der israelischen Zei-
ihrer Natur nach widerlegt werden tung Davar:60
können, und ob sie sich in der Praxis »In unserem [d.h. jüdischen] erbitter-
widerlegen lassen.54 Die Richtigkeit ten Kampf gegen die Rassentheorien
oder Unrichtigkeit einer wissenschaftli- Houston Stewart Chamberlains und
chen Theorie hängt nicht von den poli- des Nazis Alfred Rosenberg – Theo-
tischen Sympathien ihrer Vertreter ab. rien, die uns furchtbares Unheil ge-
Zu dieser Frage zitiert Gould selbst zu- bracht haben und uns üble Charak-
stimmend den Sozialisten Karl Kauts- tereigenschaften zuschrieben, welche
ky:55 angeblich ererbt sind, so daß kein
»Daß eine Idee von einer bestimmten Jude sie abstreifen kann –, neigen
Klasse ausgeht, oder deren Interes- wir dazu, die Existenz biologischer
sen entspricht, beweist natürlich be- Eigenschaften, die allen Juden ge-
züglich ihrer Richtigkeit oder meinsam sind, vollständig außer acht
Falschheit nichts.« zu lassen.«
In andern Worten: Wie viele andere In-
Goulds Einstellung zu seiner tellektuelle wollte Gould vermutlich
jüdischen Herkunft Das Buch, das 1994 verhindern, daß die Juden von den
Gould hat versucht, die Behauptung, für erhebliche Unruhe sorgte. Nichtjuden als genetisch verschiedene
wonach die Juden eine eigene rassische Gruppe bilden, zu Gruppe betrachtet würden, da dies der jüdischen Gemein-
widerlegen. Er schrieb:56 schaft allem Anschein nach abträglich ist.
»Die Juden sind über die ganze Welt zerstreut, geschmäht
und verachtet, vertrieben und ausgegrenzt worden. Viele Goulds ideologische Voreingenommenheit
Untergruppen sind durch Assimilierung verschwunden, Gould vertrat eine marxistische Deutung der Wissenschaft.
andere haben durch zahlreiche Mischehen einen großen Seiner Meinung nach tendiert die Sozialwissenschaft dazu,
Teil ihrer Eigenart verloren.« Ideologien zu fördern, welche die Werte der dominierenden
Anders gesagt, die Juden haben sich stark vermischt und stel- Schichten einer Gesellschaft widerspiegeln und diesen die-
len deswegen keine eigene genealogische Gruppe dar. Dieser nen, wodurch die politische, soziale und wirtschaftliche
Standpunkt läßt Daten außer acht, die in eine ganz andere Macht dieser Schichten gestärkt wird. Die Wissenschaft läßt
Richtung deuten. Schon in den siebziger Jahren des 20. Jahr- sich nicht aus ihrem kulturellen Kontext herauslösen, da kul-
hunderts brachte der Genetiker Theodosius Dobzhansky die turelle Überzeugungen und Praktiken die Entstehung wissen-
Beweise dafür zur Sprache, daß die jüdische Gruppe sich in schaftlicher Theorien beeinflussen. In diesem Sinn schrieb
genetischem Sinn von Nichtjuden unterscheidet:57 Gould:61
»Die Juden sind offensichtlich keine homogene oder ein- »Viele Wissenschaftler vermögen nicht zu erkennen, daß
heitliche Rasse. [...] Doch trotzdem sind sie genetisch ver- jegliche geistige Aktivität in einem bestimmten sozialen
schieden von ihren nichtjüdischen Nachbarn geblieben und Kontext erfolgen muß, und daß deshalb unvermeidlicher-
haben in gewissem Umfang genetische Gemeinsamkeiten weise eine Vielzahl kultureller Einflüsse jede Form wissen-
bewahrt, die sich am zwanglosesten durch eine gemeinsa- schaftlicher Arbeit prägt.«

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Dieser Ausspruch enthält sicherlich ein gerütteltes Maß an ben, und dies in der ständigen Wandlungen unterworfenen
Wahrheit, und ironischerweise sind Goulds ideologisch ge- Neuen Welt.«
färbte Ansichten zu rassisch-ethnischen Fragen ein schla- Zusätzliche Klarheit über Goulds Motive erbringt ein Blick
gender Beweis für die Richtigkeit seiner These. Wie wir auf jene Gruppen, mit denen er zusammengearbeitet hat.
sehen werden, packt Gould das Thema Rasse von einem Welchen Stellenwert jüdisch-zionistische Interessen für ihn
ideologisch voreingenommenen Standpunkt an, der letzten in der Tat besaßen, geht schon daraus hervor, daß er eine
Endes die Interessen seiner eigenen Gruppe, der linken jü- Zeitlang dem Beratergremium von Pattern of Prejudice an-
disch-zionistischen Machtelite, reflektierte und ihr förder- gehörte, einer Publikation, die vom engagiert prozionisti-
lich war. schen und proisraelischen Institute for Jewish Affairs in Lon-
Da Goulds Hypothese zufolge die persönliche Psychologie don sowie dem Jüdischen Weltkongreß herausgegeben
sowie die soziale Umwelt eines Wissenschaftlers wichtige wird.68 Diese zionistischen Gruppen schreien zwar Zeter und
Faktoren seiner Denkweise sind, betrachten wir am besten Mordio gegen jede Form von – wirklichem oder vermeintli-
zunächst einmal seinen eigenen psychosozialen Hintergrund. chem – „Rassismus“ bei Nichtjuden, stellen sich jedoch vor-
Der Harvard-Intellektuelle Gould wuchs in einer jüdischen behaltlos hinter den auf dem Prinzip der ethnischen Absonde-
Umwelt auf.62 In einer dreibändigen Studie zur Judenfrage rung beruhenden Apartheidsstaat Israel.
gelangte der kalifornische Psychologieprofessor Kevin Gegen Ende seines Lebens wurde Gould zu einem der eifrig-
MacDonald zum Schluß, die jüdische Gemeinschaft sei in ih- sten Unterstützer der von Michael Shermer herausgegebenen
rer Gesamtheit ein fremdes, nicht assimilierungswilliges und Zeitschrift Skeptic sowie der „Skeptics Society“ (Gesellschaft
bisweilen feindseliges Element inner- der Skeptiker), und er schrieb die Ein-
halb europäischer und sonstiger nicht- leitung zu Shermers Why People Belie-
jüdischer Gesellschaften. Kennzeichen ve Weird Things69 (Warum Menschen
des Judentums seien die genetische und an seltsame Dinge glauben). Shermers
kulturelle Absonderung von anderen Zeitschrift, Gesellschaft und Buch stel-
sowie eine explizite Doppelmoral: Al- len einen Versuch zur Widerlegung des
truismus und Zusammenarbeit unter Schöpfungsglaubens (Christlichen Fun-
den Juden, Rivalität mit den Nichtju- damentalismus), des Holocaust-Revisio-
den.63 nismus, des angeblichen weißen Rassis-
Zahlreiche voneinander unabhängige mus, ja sogar des sogenannten „extre-
Quellen erhärten MacDonalds Stand- men Afrozentrismus“ dar (letzterer wird
punkt. Beispielsweise verfechten die oft von antizionistischen Afro-Amerika-
Politologen Stanley Rothman und S. nern vertreten). Diese vier Strömungen
Robert Lichter die Auffassung, eines gelten der jüdisch-zionistischen Machte-
der markantesten psychologischen lite als brandgefährliche Bedrohung ihrer
Merkmale des linksgerichteten Juden Interessen sowie ihrer Macht.
bestehe in seinem Gefühl der Entfrem- Gould gerierte sich als an sozialer Ge-
dung von der westlichen Kultur sowie rechtigkeit und rassischer Gleichheit
seiner Feindseligkeit dieser gegen- für die gesamte Menschheit interessier-
über.64 Da die westliche Zivilisation ein ter Humanist. Er war ein feuriger Sym-
Erzeugnis von Europäern ist, ergibt pathisant der afro-amerikanischen Bür-
sich daraus, daß linksorientierte Juden gerrechtsbewegung gewesen und hatte
darauf hinarbeiten, deren biologisches an zahlreichen Aktivitäten zur Beendi-
Nach Jahren der Kontroversen um das
Fundament aus den Angeln zu heben. Buch The Bell Curve erschien 1997 die- gung der Rassentrennung zwischen
Durch die Verwischung der geneti- ses Buch als machtvolle Bestätigung ge- Schwarz und Weiß teilgenommen. Er-
schen Grenzen zwischen den Rassen netisch verursachter Unterschiede gei- teilen wir ihm selbst das Wort:70
tragen entfremdete Juden zur Untergra- stiger Fähigkeiten. »Ich bin in einer Familie aufgewach-
bung des genetischen Erbes des Abend- sen, in der es Tradition war, sich an
landes bei. Kampagnen für soziale Gerechtigkeit zu beteiligen, und als
Goulds Eltern hatten ihren Stolz auf jüdische Geschichte und Student war ich in den frühen sechziger Jahren in der Bür-
jüdisches Erbe bewahrt, obgleich sie von Theologie und reli- gerrechtsbewegung aktiv, als diese für ungeheures Aufse-
giösem Glauben nichts wissen wollten.65 Bei der Schilderung hen sorgte und große Erfolge erzielte.«
seiner Kindheit erinnerte sich Gould daran, daß er »seinen Man sollte nicht von vornherein davon ausgehen, daß Gould
Marxismus auf den Knien seines Vaters gelernt« habe, auch hauptsächlich vom Wunsch beseelt war, den schwarzen
wenn er hinzufügte, seine eigenen politischen Überzeugun- Amerikanern zu helfen. Historisch gesehen haben die Juden
gen seien von jenen seines Vaters »sehr verschieden«.66 lange Zeit die Speerspitze der Bewegung für eine rassisch in-
Nachdem Gould die Karibikinsel Curação besucht hatte, tegrierte, farbenblinde Gesellschaft in den USA und Südafri-
sprach er in warmen Worten von seinem Besuch der dortigen ka gebildet. Dieselben Juden sind jedoch meist glühende An-
Synagoge und deutete an, daß das ethnische Überleben der hänger des rassisch segregierten Apartheid-Staates Israel, wo
Juden für ihn sehr wichtig war:67 Juden über Nichtjuden herrschen. Gould hat niemals die Fra-
»Ich betrachtete es als eine Ehre, den Freitagabendgottes- ge aufgeworfen, wie die jüdische Unterstützung für die afro-
dienst besuchen zu dürfen. Mich durchlief dabei ein heili- amerikanische Bürgerrechtsbewegung jüdisch-zionistischen
ger Schauer, und ich wurde mir bewußt, daß Menschen, Interessen dient.
die denselben Ursprung haben wie ich, am gleichen Ort Der verstorbene israelische Wissenschaftler Israel Shahak
mehr als 250 Jahre lang dieselben Gebete gesprochen ha- schrieb:71

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»Der scheinbare Enthusiasmus, den amerikanische Rabbis bel eine solche Denkweise für die jüdische Gemeinschaft ist,
sowie die jüdischen Organisationen in den USA in den wenn sie den von den Juden mit Furcht und Argwohn be-
fünfziger und sechziger Jahren bei der Unterstützung der trachteten Europäern nur fleißig genug eingetrichtert wird.
Schwarzen in den Südstaaten an den Tag legten, war ledig- „Tolerante“ nichtjüdische Gemeinschaften mit stark ge-
lich durch den Blick auf die Interessen der Juden selbst schwächtem und verschwommenem Bewußtsein ihrer rassi-
motiviert. […] Sein Zweck […] bestand darin, die schwar- schen Identität werden die jüdische Minderheit nur schwer
ze Gemeinschaft politisch für jüdische Anliegen und eine als fremdes Element erkennen können, gegen das sie sich zur
gedankenlose Unterstützung der israelischen Politik im Wehr setzen müssen. Hingegen werden nichtjüdische Bevöl-
Nahen Osten zu gewinnen.« kerungen mit starkem Bewußtsein ihrer eigenen rassischen,
Der schwarze Intellektuelle Harold Cruse sowie der Psycho- kulturellen und religiösen Identität die Juden weit eher als
loge Kevin MacDonald haben auf die jüdischen Ziele hinge- „fremde Außenseiter“ identifizieren, gegen die sie sich zu
wiesen, die sich hinter der jüdischen Unterstützung für die behaupten haben.
Bürgerrechtskoalition zwischen Schwarzen und Juden ver- Wir erkennen nun mit aller Klarheit, wie Goulds Rassentheo-
bergen. Wie bereits erwähnt, ist die jüdische Gemeinschaft rien zwei Zielen dienlich waren. Zunächst trugen sie dazu
ein fremdes und unassimilierbares Element innerhalb euro- bei, die europäischen und europäischstämmigen Völker, die
päischer und anderer nichtjüdischer Gesellschaften. Das Ju- von den Juden als potentiell gefährlicher Feind eingestuft
dentum zeichnet sich durch genetische und kulturelle Abson- werden, einer machtvollen ideologischen Waffe zu berauben
derung von seiner Umwelt sowie eine erklärte Doppelmoral – des Glaubens an eine rassische Bruderschaft. Gleichzeitig
aus: Altruismus und Zusammenarbeit unter den Juden, Riva- förderten sie die Gruppensolidarität unter den Juden sowie
lität gegen die Nichtjuden. Somit braucht die jüdische Ge- unter nichtweißen Bevölkerungsgruppen, denn Gould hat so-
meinschaft eine Gesellschaft, welche ihre langfristige Politik zialen und politischen Einheitsbestrebungen »diskriminierter
der Nichtassimilierung und Gruppensolidarität duldet.72 Gruppen« (worunter er die Juden und ihre Verbündeten ver-
Cruse und MacDonald heben hervor, daß die jüdischen Or- stand) stets Beifall gezollt. Er schrieb:74
ganisationen den weißen Nationalismus als potentiell gefähr- »Die [von ihren Gegnern] so gebrandmarkten Gruppen
lichste Bedrohung einschätzen und die Integration der mögen Rassen […], Religionen oder nationale Minderhei-
Schwarzen vermutlich darum seit jeher unterstützt haben, ten sein. Der biologische Determinismus ist eine allumfas-
weil eine solche Politik die Macht der europäischstämmigen sende Theorie, und Gruppen, die sich besonderer Verach-
Amerikaner untergräbt und die Möglichkeit einer kohäsiven, tung ausgesetzt sehen, sind bloß Stellvertreter aller ande-
nationalistischen euro-amerikanischen Mehrheit verringert, ren Gemeinschaften, denen zu verschiedenen Zeiten und an
die der jüdischen Gemeinschaft feindlich entgegentreten verschiedenen Orten eine ähnliche Herabsetzung zuteil
könnte. In einer rassisch integrierten Gesellschaft, die sich wurde oder wird. In diesem Sinn sollte der Aufruf zur Soli-
aus einer Vielzahl miteinander rivalisierenden, durchwegs darität diskriminierter Gruppen nicht als bloße politische
von Sonderinteressen geleiteten ethnischen Gruppen zusam- Rhetorik abgetan, sondern ganz im Gegenteil als angemes-
mensetzt, kommt es der Quadratur des Zirkels gleich, eine sene Reaktion auf gemeinsam erduldete Mißhandlungen
vereinte Front der Nichtjuden aufbauen zu wollen. Mit ande- begrüßt werden.«
ren Worten: den zahlenmäßig schwachen Juden winken in Ein weiteres schlagendes Indiz dafür, daß es Gould primär
der Politik die besten Chancen, wenn sie Koalitionen mit um die Schwächung der weißen Nichtjuden sowie die Stär-
nicht-weißen Gruppen eingehen, die in Opposition zu den eu- kung der jüdischen politischen Macht ging, war seine grund-
ropäischstämmigen Nichtjuden stehen. legend verschiedene Reaktion auf die Apartheid in Israel und
Die Anthropologin Roselle Tekiner bemerkte:73 jene in Südafrika. Wäre er ehrlich an der Abschaffung aller
»Die Rasse hat sich für nationalistische Bewegungen schon Arten von Rassentrennung und Ungleichheit interessiert ge-
oft als mächtige einigende Kraft und als effizienter ideolo- wesen, so hätte er sich ebenso wortgewaltig gegen den Ras-
gischer Ansporn erwiesen. Ob eine proklamierte biologi- sismus und die Apartheid in Israel gewandt wie gegen die
sche Verwandtschaft nun wirklich oder nur fiktiv sein mag südafrikanische Apartheid und den Rassismus in den USA.
– der Glaube an eine Blutsbrüderschaft hilft dabei, Men- Dies hat er aber keineswegs getan; wie bereits erwähnt, ge-
schen für gemeinsame Ziele zu mobilisieren.« hörte er dem Beratergremium der Zeitschrift Patterns of Pre-
Es gilt darauf hinzuweisen, daß Gould beharrlich auf die Ab- judice an, hinter der das prozionistische Institute of Jewish
schaffung der Rassenkategorien hingearbeitet hat, indem er Affairs sowie der Jüdische Weltkongreß stehen. Schweifen
behauptete, rassische Unterscheidungen seien »sinnlos« und wir einen Augenblick ab und wenden wir uns dem rassisti-
»irreführend«. Er versuchte zu „beweisen“, daß alle ethni- schen Charakter des Staates Israel sowie des Zionismus zu.
schen Gruppen in biologischem Sinne gleich sind.
Die Juden außerhalb Israels florieren in rassisch integrierten Der rassistische Charakter Israels sowie des Zionismus
Gesellschaften, in denen die nichtjüdische Mehrheit nur ein In Israel hat der Zionismus eine Demokratie nach altatheni-
schwaches und nebelhaftes Bewußtsein ihrer eigenen rassi- schem Muster geschaffen, in der sich die Juden demokrati-
schen Identität besitzt. Darum rühren sie die Werbetrommel scher Rechte erfreuen, während Nichtjuden Bürger zweiter
für solche integrierten Gesellschaften, wobei ihre Kalkulation Klasse sind, ja geradezu in mittelalterlicher Knechtschaft le-
etwa wie folgt aussieht: „Wenn es unter den Nichtjuden kei- ben. Israel ist ein rassisch segregierter Apartheidsstaat, wo
ne rassischen Unterschiede und keine Rassenkategorien gibt, die Juden über die Nichtjuden, insbesondere die palästinensi-
haben die weißen Nichtjuden keine rassischen Interessen zu schen Araber, das Szepter schwingen.75
vertreten. Und wenn es keine ‚weiße Rasse’ gibt, kann das Dr. Oren Yiftachel, israelischer Professor an der Ben-Gurion-
organisierte Judentum niemals als Bedrohung für die weiße Universität, stellte klar, daß Israel keine Demokratie im westli-
Rasse geortet werden, denn was nicht existiert, kann auch chen Sinne ist, sondern eine »Ethnokratie«, in dem eine be-
nicht bedroht werden.“ Es ist leicht einzusehen, wie profita- stimmte völkische Gruppe das Sagen hat. Er formulierte es so:

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»Das israelische Regime wird in einer multiethnischen ren Merkmale jüdische Vorherrschaft sowie Rassentrennung
Gemeinschaft von einer bestimmten ethnischen Gruppe ge- zwischen Juden und Nichtjuden sind.
bildet und dient deren Interessen.« Ein prominenter jüdischer Schriftsteller, I. F. Stone, hat die
Folgende Faktoren machen Israel zu einer »Ethnokratie«: 1) heuchlerische Doppelmoral, welche die Wertvorstellungen
Die Einwanderung ist nur Juden erlaubt. Rund zweieinhalb des modernen Judentums befleckt, unumwunden anerkannt:84
Millionen vertriebene Palästinenser und ihre Nachfahren dür- »Israel schafft eine Art moralische Schizophrenie im Welt-
fen nicht nach Israel zurückkehren, auch wenn sie es noch so judentum. Außerhalb Israels hängt das Wohlergehen des
gerne möchten. 2) Nur Juden werden zum Militärdienst zuge- Judentums von der Aufrechterhaltung laizistischer, nicht
lassen. 3) Wirtschaftliche Macht ist eine Frage der Rasse, Re- auf Rassengrundsätzen beruhender Gesellschaften ab. In
ligion und ethnischen Abstammung. 4) Grund und Boden Israel selbst verteidigt das Judentum eine Gesellschaft, in
darf nur von Arabern auf Juden übergehen, nicht aber von der Mischehen nicht anerkannt werden, Nichtjuden einen
Juden auf Araber.76 geringeren Status innehaben als Juden und das Staatsideal
Wie die jüdischen Gelehrten Ian Lustick und Uri Davis Rassismus und Ausgrenzung predigt. Anderswo müssen die
nachweisen, haben die jüdischen Gründer Israels keineswegs Juden um ihrer eigenen Sicherheit und Existenz willen ge-
eine integrierte Gesellschaft mit gleichen Rechten für alle, gen jene Prinzipien und Praktiken zu Felde ziehen, die sie
sondern ein Staatswesen geschaffen, in dem israelische Juden selbst in Israel verteidigen.«
„israelische“ Araber unter ihrer Knute halten und in dem Gould bedauerte, Südafrika besucht zu haben, »eine Nation,
Diskriminierung fester Bestandteil der herrschenden Ord- die sich den Mythen der Ungleichheit mit Haut und Haar
nung ist.77 Beispielsweise wurden 93% des israelischen Ter- verschrieben hat«. Er hielt in Südafrika eine ganze Reihe an-
ritoriums bis zum Entscheid des obersten israelischen Ge- tirassistischer Vorträge, doch es wäre mir nicht bekannt, daß
richts vom März 2000 gesetzlich als Land definiert, das nur er je solche in Israel gehalten hätte.85 Hier tritt seine jüdisch-
von Juden gepachtet und bebaut werden kann. Schlüsselinsti- zionistischen Befangenheit grell zutage. Ein objektiver Beob-
tutionen wie die Kibbuzim sind ausschließlich Juden vorbe- achter hätte Israel mit dem früheren Südafrika als Apart-
halten, wie Uri Davis in seiner gutrecherchierten Studie Isra- heidsstaat auf eine Stufe gestellt. Gould hingegen hat zwar
el: An Apartheid State hervorhebt.78 die südafrikanische Apartheid von Herzen verabscheut, doch
Dr. Lustick unterstreicht, daß das israelische Militär eine se- soweit wir wissen, hat er niemals ein kritisches Wort über die
gregierte Institution ist. Von seltenen Ausnahmen abgesehen, dieser ganz ähnliche Gesellschaftsstruktur Israels fallen las-
leisten arabische Muslime, welche die große Mehrheit der sen. Wenn er doch so wortreich über die Apartheid in Süd-
arabischstämmigen Bürger Israels stellen, keinen Kriegs- afrika sowie den Rassismus in den Vereinigten Staaten her-
dienst; weder werden sie einberufen, noch dürfen sie sich zog, warum hat er dann zu Apartheid und Rassismus in Israel
freiwillig melden. Dies hat weitreichende gesellschaftliche geschwiegen? Diese Doppelmoral spricht Bände über seine
Folgen, denn in Israel ist der Dienst in der Armee Vorausset- wirklichen politischen Absichten.
zung für den gesellschaftlichen Aufstieg. Wer keinen Mili- Gould hat das weiße, nichtjüdische Südafrika als »Urheberin
tärdienst geleistet hat, kann nicht in wichtige gesellschaftli- von Apartheid und Gesetzen gegen Rassenmischung« be-
che Positionen aufrücken.79 zeichnet.86 Tatsächlich jedoch haben die jüdische Religion
Christen und Muslime dürfen in Israel keine Juden heiraten, sowie die jüdische Gesellschaft schon in uralter Zeit, als noch
und außerhalb der Landesgrenzen geschlossene Mischehen kein Weißer seinen Fuß nach Südafrika gesetzt hatte, strenge
werden vom rabbinischen Gericht nicht anerkannt.80 Gesetze gegen Rassenmischung und Vermengung mit Nicht-
Folgende Fakten machen Israel nach der heutigen Definition juden erlassen.87 In Israel verbietet das staatlich gebilligte
des „Rassismus“ zum rassistischen Staat: Das Rückkehrge- Religionsgesetz Mischehen zwischen Juden und Nichtju-
setz gewährt jedem beliebigen Juden, doch sonst niemandem, den.88
automatisch die israelische Staatsbürgerschaft. Das Nationali- In diesem Zusammenhang gilt es, auf eine weitere Voreinge-
tätengesetz diskriminiert Nichtjuden dermaßen eklatant, daß nommenheit Goulds hinzuweisen. In zahlreichen Essays hat
zahlreichen palästinensischen Bewohnern Israels, die zum er die Theorien des »biologischen Determinismus« verurteilt,
Zeitpunkt der jüdischen Landnahme im Jahre 1948 dort leb- d.h. die Ansicht, wonach genetische Unterschiede zwischen
ten, die Staatsbürgerschaft verweigert wurde, obschon ihre bestimmten Gruppen existieren und in erheblichem Umfang
Ahnen viele Generationen lang in Palästina ansässig gewesen für gruppenmäßige Verhaltensunterschiede verantwortlich
waren.81 sind, und zwar teilweise darum, weil solche Theorien in ver-
In den achtziger Jahren war Gould in der Anti-Apartheids- schiedenen Ländern zur Rechtfertigung der Beschränkung
Kampagne gegen Südafrika aktiv. Wie Franklin Hugh Adler jüdischer Einwanderung benutzt worden waren.89 Doch als
von der politologischen Abteilung des Macalester College sein jüdischer Kollege Jared Diamond in Natural History, ei-
(Minnesota) hervorhebt, waren Juden unter den weißen Anti- ner Zeitschrift, für die sie beide schrieben, auf die geplante
Apartheids-Aktivisten unverhältnismäßig stark vertreten, was israelische Politik der Beschränkung der Einwanderung auf
Adler damit erklärt, daß die Apartheid jüdischer Kultur sowie die Träger „jüdischer Gene“ einging, hüllte sich Gould in
jüdischen Werten förmlich ins Gesicht geschlagen habe.82 vornehmes Schweigen.
Dies trifft freilich nur teilweise zu. Man kann gar nicht nach- In Natural History hat Diamond einen Artikel publiziert, in
drücklich genug betonen, daß die Juden auf eine lange Ge- dem er sich mit den genetischen Studien über die Unterschie-
schichte der Förderung von Rassenintegration, ungehemmter de zwischen Juden und Nichtjuden befaßte. Darin stehen fol-
Einwanderung, Multikulturalismus und Anti-Apartheid- gende erstaunlichen Sätze:90
Aktivismus in Gesellschaften außerhalb Israels zurückblicken »Es bestehen auch praktische Gründe für das Interesse an
können, wo sie selbst eine Minderheit bilden.83 Doch in Israel jüdischen Genen. Der Staat Israel fördert unter großem fi-
selbst kämpfen die allermeisten derselben jüdischen Gruppen nanziellem Aufwand die Einwanderung sowie Umschu-
mit Zähnen und Klauen für eine Apartheidsgesellschaft, de- lungskurse für Juden, die in anderen Ländern verfolgte

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Minderheiten waren. Dies wirft sogleich die Frage auf, wie Goulds Rassendenken Bestandteil einer gutorganisierten und
denn der Begriff „Jude“ zu definieren sei.« bemerkenswert erfolgreichen intellektuellen Initiative des Ju-
Die Tragweite dieser Aussage ist offenkundig. Die zionisti- dentums, die darauf abzielt, jüdische Sonderinteressen zu
sche Elite plant einem jeden das Recht auf Niederlassung in fördern, indem sie die herkömmlichen kulturellen, rassischen
Israel zu verweigern, wenn er keine „jüdischen Gene“ in sich und religiösen Werte anderer Nationen unter Beschuß nimmt.
trägt. Man vergleiche damit Punkt vier des Programms der Dank dieser intellektuellen Offensive haben die Macht und
NSDAP vom 25. Mai 1920: der Einfluß der Juden enorm zugenommen.91
»Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volks- Stephen Jay Gould hat selbst die These aufgestellt, daß die
genosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist. Kein Jude Wissenschaft in die Kultur eingebettet sei, da kulturelle
kann daher Volksgenosse sein« Überzeugungen und Praktiken die Entstehung wissenschaft-
In zeitgenössischer Sprache ausgedrückt, besagt dieser Punkt licher Theorien beeinflußten. In diesem Sinne schrieb er:92
des NSDAP-Parteiprogramms, daß lediglich die Träger »Die Wissenschaft entwickelt sich zwangsläufig in einem
„deutscher Gene“ Bürger des nationalsozialistischen ganz bestimmten sozialen Kontext. Sie wird von Menschen
Deutschlands sein durften. Es gilt nachdrücklich darauf hin- gemacht, die den Zwängen ihrer Kultur sowie den Einflüs-
zuweisen, daß diese Programmatik das Gegenstück zu der sen der sie umgebenden Politik unterliegen und von ihren
von Gould beschriebenen israelischen Politik darstellt, und subjektiven sozialen und psychologischen Hoffnungen und
daß Gould sich dazu niemals öffentlich geäußert hat, obwohl Träumen geprägt sind. Wir Wissenschaftler neigen dazu,
er Diamonds Artikel zweifellos kannte. diese menschlichen Faktoren zu übersehen, weil die My-
Anscheinend waren sowohl Diamond als auch Gould gegen thologie unseres Berufs verkündet, sich wandelnde Ansich-
die Untergliederung der Menschheit in Rassekategorien, aus- ten gingen auf die Anwendung allgemein gültiger logischer
genommen natürlich die Unterscheidung zwischen Juden und Denkprozesse auf ein wachsendes Arsenal von Beobach-
Nichtjuden. Allem Anschein nach haben beide der geplanten tungen zurück. Doch jeder wissenschaftliche Wandel stellt
israelisch-zionistischen Politik zur Definition und Klassifizie- eine komplexe, untrennbare Mischung von zunehmenden
rung von Juden und Nichtjuden anhand des Vorhandenseins Kenntnissen und veränderten sozialen Bedingungen dar.«
oder Nichtvorhandenseins „jüdischer Gene“ stillschweigend Es entbehrt nicht der Ironie, daß Goulds befangene Ansichten
zugestimmt. zu rassischen und ethnischen Fragen einen Beweis für die
Woher wissen wir nun, daß Goulds Aussagen zur Rassenfra- Richtigkeit dieser These erbringen. Gould ging das Thema
ge letzten Endes die Interesse der linken, jüdisch-zionisti- Rasse von einem voreingenommenen sozialen Standpunkt
schen Machtelite reflektieren und ihnen dienen? Seine Dop- aus an, der in letzter Konsequenz die Interessen der linken
pelmoral in rassischen und ethnischen Fragen weist mit Si- jüdisch-zionistischen Machtelite widerspiegelt und in deren
cherheit darauf hin. Er war ein scharfzüngiger Kritiker all Dienste steht. Gould schrieb:93
dessen, was auch nur entfernt nach Rassismus roch, und stell- »Der Rassismus ist schon oft von Wissenschaftlern geför-
te sämtliche Formen von – wirklichem oder angeblichem – dert worden, die ihre Vorurteile hinter dem Tarnmantel der
Rassismus an den Pranger, die in der Vergangenheit jüdische Objektivität verbargen.«
Interessen gefährdet haben, fand jedoch kein Wort des Tadels Genau dies gilt auch für Stephen Jay Gould, der seine Förde-
für den jüdisch-zionistischen Rassismus. Somit war sein rung jüdisch-zionistischer Interessen hinter »dem Tarnmantel
„Antirassismus“ höchst selektiver Natur. der Objektivität« und seiner vorgeblichen »humanitären Be-
Sagen wir es nochmals: Gould benutzte den „Antirassismus“ sorgnis über das Übel des Rassismus« verborgen hat. Alles
als Instrument zur Förderung der Rassenintegration in Ge- deutet darauf hin, daß sein Einsatz für „Rassengleichheit“ nur
sellschaften außerhalb Israels, wo die Juden eine Minderheit eine Maske zur Tarnung der jüdischen und zionistischen Be-
sowie ein fremdes Element darstellen und somit von einer lange war, denen er sich verpflichtet fühlte.
rassisch integrierten und multikulturellen Gesellschaft profi- Natürlich darf man daraus nicht verallgemeinernd folgern,
tieren, erteilte aber der ethnischen Segregation in Israel, wo jeder Jude sei ein Linksradikaler und Anhänger der Theorien
Juden über Nichtjuden herrschen, stillschweigend seinen Se- Goulds. Etliche namhafte jüdische Intellektuelle, beispiels-
gen. In Gesellschaften, wo die nichtjüdische Bevölkerungs- weise Dr. Michael Levin, Verfasser von Why Race Matters,
mehrheit ein geschwächtes Bewußtsein ihres rassischen und oder der verstorbene Dr. Richard Herrnstein, Mitautor von
kulturellen Erbes besitzt, gewinnen die Juden an Macht, weil The Bell Curve, würden Goulds Rassentheorien sicherlich
sie nicht mehr als fremdes, verschiedenes und feindliches verwerfen. Doch ändert dies nichts daran, daß dessen Ras-
Element wahrgenommen werden. Außerdem können in einer sendenken den Interessen des vorherrschenden Elements in-
rassisch integrierten, multikulturellen Gesellschaft mit zahl- nerhalb der jüdischen Gemeinschaft – des linken jüdisch-
reichen rivalisierenden ethnischen Gruppen die Nichtjuden zionistischen Establishments nämlich – voll und ganz ent-
kaum je eine vereinigte, kohäsive Mehrheit gegen die einan- spricht.
der durch enge Solidarität verbundenen Juden bilden. In Ge- In zumindest einem Punkt hat Gould vollkommen recht: Er
sellschaften, wo die Nichtjuden über ein starkes Bewußtsein meint, die Theorien von den „Rassenunterschieden“ sei zur
ihrer rassischen und kulturellen Identität verfügen, werden Rechtfertigung von Übeln wie der Sklaverei und der Rassen-
die Juden sogleich als „Außenseiter“ geortet, als fremdes, diskriminierung verwendet worden.94 Doch dies stellt in kei-
nicht assimilierbares Element. Unter solchen Bedingungen ist ner Weise eine Falsifizierung dieser Theorien dar. Die mo-
es für die Juden ungeheuer schwierig, Macht und Einfluß zu derne Physik hat beispielsweise zur Entwicklung von Nukle-
gewinnen. arwaffen geführt, die ungeahnte Zerstörung über die Mensch-
Dies liefert die Erklärung für die jüdische Strategie, kulturel- heit bringen können, aber dies falsifiziert die Quantenphysik
le, ethnische und rassische Unterschiede unter den Nichtju- durchaus nicht. In diesem Zusammenhang drängt sich die
den zu verwischen, zugleich jedoch die Einheit der Juden zu Bemerkung auf, daß der Kommunismus sich zu einer Ideolo-
stärken. Wie Prof. MacDonald sehr einleuchtend darlegt, war gie der Rassengleichheit bekannte, die der von Gould gepre-

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digten sehr ähnlich sah. Daß die kommunistische Herrschaft Modern Humanity, Henry Holt 1996; J. P. Rushton, Race, Evolution and
Behavior: A Life History Perspective, dritte Auflage, Charles Darwin Re-
vielen Millionen Menschen Leiden und Tod gebracht hat, search Institute, 2000, S. 219.
bedeutet an sich noch längst keine Falsifizierung der Rasse- 14
S. J. Gould, »Human Equality…«, aaO., S. 186.
15
nideologie Goulds. Ebenda, S. 191.
16
Ebenda, S. 198.
Das hier Dargelegte darf nicht mit „weißer Überlegenheit“ 17
Ebenda, S. 192, 194-196.
18
verwechselt werden, der Proklamation einer Vorherrschaft 19
Richard A. Goldsby, Race and Races, Macmillan, 1977, S. 88-89.
der Weißen über die Nichtweißen. Wer glaubt, die europäi- John R. Baker, Race, Oxford University Press, 1974, S. 303; dt.: Die Ras-
sen der Menschheit, Deutsche Verlagsanstalt, 1976.
schen und europäischstämmigen Menschen besäßen ein 20
S. J. Gould, The Flamingo's Smile, aaO., S. 241 ff.
21
Recht auf Wahrung ihrer eigenständigen biologischen und S. J. Gould, »Life in a Punctuation«, in: Natural History, November
1992, S. 12.
kulturellen Identität, postuliert deswegen noch lange nicht ih- 22
Ebenda, S. 12-14.
ren Anspruch auf Beherrschung und Unterdrückung der 23
Futuyama, aaO., S. 137.
24
Nichteuropäer. S. J. Gould (Hg.), The Book of Life: An Illustrated History of the Evolu-
tion of Life on Earth, Norton 1993, S. 249.
Internationalen Abkommen zufolge kommt jeder Rasse oder 25
S. J. Gould, »We are all Monkeys’ Uncles«, Natural History, Juni 1992,
Kultur ein kollektives Recht auf Selbstbewahrung und 26
S. 21.
Edward O. Wilson, Thomas Eisner, Life on Earth, Sinauer 1978, S. 651.
Selbstbestimmung zu. Selbstbewahrung bedeutet das Recht, 27
Karen Bellenir (Hg.), »Tay-Sachs Disease«, Kapitel 18, in: Genetic Dis-
jene Faktoren, die ein Volk einzigartig und verschieden von orders Sourcebook, Vol. 13, Omnigraphics 1996, S. 235-237.
28
allen anderen machen, für die Nachwelt zu erhalten. Wie Ebenda, »Krabbe Disease«, S. 249-250.
29
S. J. Gould, The Book of Life, aaO., S. 249.
kann die abendländische Zivilisation überleben, wenn ihre 30
Sunday Times of London, 15. November 1998, S. 1.
Angehörigen mit einer trügerischen Ideologie der 31
32
www.ssc.uwo.ca/psychology/pictures/Rushton_2.jpg
Rassengleichheit indoktriniert werden, die der abendländi- S. J. Gould, »Human Equality…«, aaO., S. 196.
33
Nechemia Myers, »Genetic Links for Scattered Jews«, in: Nature, 21.
schen Menschheit das Recht auf die Bewahrung ihres einzig- März 1985, S. 208.
34
artigen Erbes abspricht? Hüten wir uns vor diesen verderbli- M. F. Hammer u.a., »Jewish and Middle Eastern non-Jewish populations
share a common pool of Y-chromosome biallelic haplotypes«, Proceed-
chen Ideologien und jenen Machteliten, die sich zu deren ings of the National Academy of Science of the United States of America,
Fürsprechern aufwerfen! 97 (12), S. 6769-6774. Online bei www.pnas.org. Eine populäre Darstel-
Es bedarf kaum der Erwähnung, daß das Recht auf Erhaltung lung der Studienergebnisse findet sich von Nicholas Wade, »Y Chromo-
some Bears Witness to Story of Jewish Diaspora«, New York Times vom
ihres eigenen Erbes für alle Rassen, Ethnien und Kulturen 9. Mai 2000.
35
einschließlich der jüdischen Gemeinde gilt. Falls sie Wert auf Adam Nathan, »Police Use DNA to find Suspect’s Race«, Sunday Times,
die Bewahrung ihrer rassischen und kulturellen Identität legt, 25. Februar 2001.
36
J.S. Gould, »Human Equality…«, aaO., S. 196.
sollte auch sie vor Ideologen vom Schlage Goulds und den 37
J. P. Rushton, »Is there a Biological Basis for Race and Racial Differ-
von diesen verkündeten irreführenden Rassentheorien auf der ences?«, in: Insight, 28. Mai 2001. Online
www.lrainc.com/swtaboo/stalkers/jpr_insight.html
Hut sein. 38
J.S. Gould, »Human Equality…«, aaO., S. 193f.
39
Ebenda, S. 193.
40
Anmerkungen C. B. Stringer, P. Andrews, »Genetic and Fossil Evidence for the Origin
of Modern Humans«, in: Science, Vol. 239, März 1988, S. 1263-1268.
Zuerst veröffentlicht in The Revisionist 1(2) (2003), S. 139-150; aus dem Stringer und McKie, aaO., S. 53, 178. Siehe auch die reichhaltig doku-
Englischen übersetzt von Jürgen Graf. mentierte Diskussion der Frage in Rushton, Race, Evolution and Beha-
1
Man vergleiche dazu Karl Mannheim, Ideology and Utopia, Harcourt, viour, aaO., S. 217-219.
41
Brace and World 1936, S. 10, passim. J.R. Baker, aaO., passim.
2 42
Die folgende Aufzählung umfaßt lediglich einen kleinen Teil der Werke, L. S. B. Leakey, Adam’s Ancestors: The Evolution of Man and His Cul-
in denen Macht und Einfluß des jüdischen politischen und kulturellen Es- ture, 4. Auflage, Harper and Row, 1960, S. 161.
43
tablishments dokumentiert werden: Alexander Bloom, Prodigal Sons: Ebenda, S. 161-166.
44
The New York Intellectuals and their World, Oxford University Press, S.J. Gould, »Human Equality…«, aaO., S. 194.
45
1986; Neal Gabler, An Empire of Their Own: How the Jews Invented Noah H. Rosenburg, et al., »Genetic Structure of Human Populations,«
Hollywood, Crown Publishers, 1988; Benjamin Ginsberg, The Fatal Em- Science, Vol. 298, 20.12.2002, S. 2381-2385. Für eine Darstellung für
brace: Jews and the State, University of Chicago Press, 1993; Ernest van Laien vgl. Nicholas Wade, »The Palette of Humankind«, The New York
den Haag, The Jewish Mystique, Stein and Day, 1969; Paul Findley, They Times, 24.12.2002, p. D3.
46
Dare to Speak Out: People and Institutions Confront the Israel Lobby, J.R. Baker, passim; R.A. Goldsby, passim.
47
Lawrence Hill & Co, 1985; Alfred Lilienthal, The Zionist Connection II: R.A. Goldsby, S. 21.
48
What Price Peace?, North American, 1982; Charles Silberman, A Certain J.R. Baker, S. 99-100.
49
People: American Jews and their Lives Today, Summit Books, 1985. R.A. Goldsby, S. 21.
3 50
S. Rothman und S. Robert Lichtner, Roots of Radicalism: Jews, Chris- Anm. der Redaktion: Hier offenbart Gould seine Unwissenheit in Bezug
tians, and the New Left, Oxford University Press, 1982, S. 18. auf die Fakten: die Kapmischlinge, auch „Coloured“ genannt, sind über-
4
Neal Gabler, aaO., S. 7. wiegend Mischlinge zwischen Weißen und Hottentotten, den Ureinwoh-
5
Van den Haag, aaO., S. 98. nern des südlichen Afrikas, die nicht zur negroiden Rasse gehören, son-
6
http://www.socialistviewpoint.org/june_02/Gould.jpg dern, zusammen mit den Buschmännern, eine Rasse für sich bilden
7
A. Jensen, »The Debunking of Scientific Fossiles and Straw Persons«, in: (Khoisanide).
51
Contemporary Education Review, Sommer 1982. Online: S.J. Gould, Human Equality…, S. 196.
52
www.debunker.com/texts/jensen.html; J. P. Rushton, »Race, Intelligence Rosenberg u.a., aaO., S. 2381-2382.
53
and the Brain: The Errors and Omissions of the Revised Edition of J. S. Rushton, »Race, Intelligence and the Brain…«, aaO.; MacDonald, aaO.,
Gould’s The Mismeasurement of Man (1996)«, in: Personality and Indi- S. 30-39.
54
vidual Differences, Vol. 23, No. 1, Juli 1977, S. 169-180. Online: K.L. Popper, Conjectures and Refutations: The Growth of Scientific
www.lrainc.com/swtaboo/stalkers/jpr_gould_paid.html Knowledge, Basic Books, 1962.
8 55
Kevin McDonald, The Culture of Critique: An Evolutionary Analysis of S.J. Gould, The Panda’s Thumb, Norton 1980, S. 68.
56
Jewish Involvement in Twentieth Century Intellectual and Political Move- S.J. Gould, The Mismeasurement of Man, überarbeitete Auflage, Norton
ments, Praeger Publishers, 1998, S. 30-38. 1996, S. 396f.
9 57
Ebenda, S. 35. T. Dobzhansky, Mankind Evolving: The Evolution of the Human Species,
10
S. J. Gould, The Structure of Evolutionary Theory, Harvard University Bantam Books, 1970, S. 253f.
58
Press, 2002, S. 513. Meyers, aaO.
11 59
S. J. Gould, »Human Equality is a Contingent Fact of History«, Kap. 12 Jared Diamond, »Who are the Jews?«, in: Natural History, November
von The Flamingo’s Smile: Reflections in Natural History, Norton 1985, 1993, S. 12-19.
60
S. 185-198. Roselle Tekiner, »The „Who is a Jew?“ Controversy in Israel: A Product
12
Douglas Futuyama, Evolutionary Biology, dritte Auflage, Sinauer 1998, of Political Zionism«, Chap. 3, Anti-Zionism: Analytical Reflections, Ro-
S. 730-735. selle Tekiner, Samir Abed-Rabbo, Norton Mezvinsky (Hg.), Anti-
13
Christopher Stringer, Robin McKie, African Exodus: The Origins of Zionism: Analytical Reflections, Amana Books, 1988, S. 88.

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61 76
J.S. Gould, The Structure of Evolutionary Theory, S. 121. Washington Report on Middle East Affairs, Juli/August 1999, S. 120.
62 77
K. MacDonald, S. 31. U. Davis, passim; I. Lustick, passim.
63 78
K. MacDonald, A People That Shall Dwell Alone: Judaism as a Group U. Davis, passim.
79
Evolutionary Strategy, Praeger 1994; MacDonald, Separation and Its I. Lustick, S. 93–94.
80
Discontents: Towards an Evolutionary Theory of Anti-Semitism, Praeger R. Tekinder, aaO., S. 74, 85-87; Washington Report on Middle East Af-
1998; Mac Donald, The Culture of Critique, aaO. fairs, Juni 1993, S. 75.
64 81
S. Rothman, S.R. Lichter, aaO. D. Neff, aaO.
65 82
S.J. Gould, Rock of Ages: Science and Religion in the Fullness of Life, F.H. Adler, »South African Jews and Apartheid«, in: Patterns of Preju-
Ballantine Publ., 1999, S. 8. dice, Band 34, Ausgabe 04, 1. Oktober 2000. Online:
66
S.J. Gould, The Structure of Evolutionary Theory, aaO., S. 121. www.sagepub.co.uk/journals/details/issue/abstract/ab015362html
67 83
S. J. Gould, Dinosaur in a Haystack, Harmony Books, 1995, S. 347. K. MacDonald, Separation and Its Discontents, aaO., passim; K. Mac-
68
Siehe z.B. Patterns of Prejudice, Sommer 1990. Donald, The Culture of Critique, aaO.
69 84
M. Shermer, Why People Believe Weird Things: Pseudo-Science, Super- Zitiert bei Moshe Menuhin, The Decadence of Judaism in our Time, Insti-
stition and Other Confusions of Our Time, W. H. Freeman and Company, tute for Palestine Studies, 1969, S. 210.
85
1997. J.S. Gould, »Human Equality...«, aaO., S. 186.
70 86
S.J. Gould, The Mismeasurement of Man, aaO., S. 38. Ebenda, S. 194.
71 87
I. Shahak, Jewish History, Jewish Religion: The Weight of Three Thou- K. MacDonald, A People that Shall Dwell Alone, aaO.; K. MacDonald,
sand Years, Pluto Press, 1994, S. 103. Separation and its Discontent, aaO., passim.
72 88
Harold Cruse, »Negroes and Jews: The Two Nationalisms and Blocked R. Tekiner, aaO., S. 74, 86-87; Washington Report on Middle East Af-
Plurality«, in: J. Salzman (Hg.), Bridges and Boundaries: African Ameri- fairs, Juni 1993, S. 75.
89
cans and American Jews, George Brazillier, 1992; K. Mac Donald, The S.J. Gould, The lying Stones of Marrakesh: Penultimate Reflections in
Culture of Critique, S. 254-258. natural History, Harmony Books, 2000, S. 270-278; S. J. Gould, Hen’s
73
R. Tekiner, aaO., S. 78. Teeth and Horse’s Toes, S. 291-302.
74 90
J.S. Gould, The Mismeasurement of Man, aaO. S. 28. J. Diamond, aaO., S. 12.
75 91
Louise Cainkar (Hg.), Separate and Unequal: The Dynamics of South Af- Eine anschauliche Erörterung dieser Fragen findet sich bei Peter Harri-
rican and Israeli Rule, Palestine Human Rights Campaign, 1985; Uri son, »What causes Anti-Semitism? An Important New Look at the Persis-
Davis, Israel: An Apartheid State, Zed Books Ltd., 1987; Ian Lustick, tent “Jewish Question”«, in: Journal of Historical Review, Mai/Juni
Arabs in the Jewish States: Israel’s Control of a National Minority, Uni- 1998, S. 28-37.
92
versity of Texas Press, 1980: Donald Neff, »„If it Walks like a Duck”: J.S. Gould (Hg.), The Book of Life, aaO., S. 7.
93
The Racism of Zionism«, Washington Report on Middle East Affairs, No- J.S. Gould, The Panda’s Thumb, aaO., S. 176.
94
vember 2001, online: www.wrmea.com/archives/november J.S. Gould, »Human Equality…«, S. 186f.
01/0111026.html

Die Unterwanderung der Wissenschaft:


Wie die Psychologie Darwin verlor
Von Glade Whitney

Wird menschliches Verhalten eher durch Umwelteinflüsse geprägt, oder wird es von unseren genetischen Anlagen
dominiert? Diese alte und umstrittene Frage hat erheblichen Einfluß auf unser Menschenbild und somit auch direkt
auf grundlegende Entscheidungen in der Politik. Um diese Frage sachlich klären zu können, bedürfte es einer sach-
lichen, fairen und tabufreien Diskussion sowohl in der Wissenschaft als auch in Politik und Gesellschaft. War ein
solcher Diskurs trotz mancher ideologischen Belastung bis zum Zweiten Weltkrieg noch möglich, so erwies er sich
seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges als nahezu unmöglich. Die Theorie von überwiegend ererbten Verhaltens-
weisen wird schlicht als Ideologie diffamiert, die dem Rassismus den Weg bahne, von dem man ja wisse, wo dieser
schon einmal endete, nämlich in den Gaskammern von Auschwitz. Somit steht jeder genetisch-biologische Verhal-
tensforscher im Faschismus-Verdacht. Die zentrale und wichtigste Aufgabe jeder menschlichen Gesellschaft, näm-
lich die Schaffung eines sachlichen, auf Fakten basierenden Menschenbildes, erweist sich daher im Schatten von
Auschwitz als unmöglich. Das sich aus einseitigen Erörterungen zwangsweise ergebende einseitige, wenn nicht gar
falsche Menschenbild muß daher zu falscher Politik führen, die auf lange Sicht großen Schaden anrichten und die
derart betroffenen Gesellschaften im Kern bedrohen kann. Die westlichen Gesellschaften stehen daher auf Dauer
gesehen vor der Alternative: Revisionismus oder Untergang.
Der nachfolgende Beitrag beleuchtet die Ursachen der ideologische Verzerrungen in der modernen Psychologie
und Verhaltensforschung.

Einleitung Degradierung der Psychologie von einem Zweig der Natur-


Wenn man dereinst wirklichkeitsgetreue Geschichte schreibt, wissenschaften zu einem Ableger der marxistisch beeinfluß-
wird sich herausstellen, daß die vorherrschenden Strömungen ten Sozialwissenschaften. Ich möchte hier auf die Unterwan-
in der Sozialwissenschaft während des größten Teils des 20. derung der Psychologie eingehen und dabei die Rolle von
Jahrhunderts vorwiegend aus ethnisch motivierter Desinfor- Boas und seinen Gesinnungsgenossen hervorheben.
mation bestanden haben. Über die Unterwanderung der ame- Will man verstehen, was im zwanzigsten Jahrhundert mit den
rikanischen Anthropologie – den Übergang von legitimer Sozialwissenschaften geschehen ist, so ist es hilfreich, diese
Wissenschaft zu ideologischem Kram unter der Leitung des Entwicklung vor dem Hintergrund des fortdauernden ideolo-
jüdischen Immigranten Franz Boas – ist schon viel geschrie- gischen und politischen Krieges zu betrachten. Dies war auf
ben worden.1 Bedeutend weniger erforscht wurde jedoch die dem Felde der Wissenschaft ein merkwürdiger Krieg, weil er

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 151


so einseitig verlaufen ist: Auf der einen Seite der Front waren meinsame kulturelle Identität –, die ihm zufolge im einzigar-
schlagkräftige ideologische Krieger am Werk, die es meister- tigen angelsächsischen Erbe der USA begründet sind. Diese
haft verstanden, ihre Argumente überzeugend darzustellen, Grundprinzipien, warnt er, wichen nach und nach dem Sozia-
und die ihre Ziele mit gnadenloser Konsequenz verfochten; lismus. So gibt es heutzutage von der Regierung verordnete
auf der anderen Seite standen größtenteils naive, unpolitische Gruppenrechte, von der Regierung kontrollierte Verteilung
Wissenschaftler, deren Ziel in der objektiven Erforschung des Eigentums sowie spalterischen Multikulturalismus.
der Wahrheit über die reale Welt bestand. Und nicht genug So war es durchaus nicht immer!
damit: Seitens der objektiven Wissenschaft haben viele über-
haupt nie begriffen, daß überhaupt ein Krieg tobte. Somit ist Frühe Darwinsche Psychologie
die ehrliche Wissenschaft – zumindest bis auf weiteres – von Am Anfang der Psychologie als Wissenschaft stand Darwin.
Gegnern, die vollkommen andere Anliegen verfechten und 1844 verfaßte Charles Darwin ein 230-seitiges Manuskript,
ganz andere Spielregeln befolgen, gnadenlos in die Defensive in dem er seine Grundtheorie umriß.4 Es ist niemals veröf-
gedrängt worden. fentlicht worden; allerdings hatte Darwin seine Frau ange-
In diesem Zusammenhang verweise ich auf zwei Bücher, die wiesen, es im Falle seines vorzeitigen Todes zu publizieren.
sich allgemein mit der kulturellen Szene in Amerika – sowie 1859 legte er dann seine Theorie in Gestalt eines »kurzen Ab-
im Westen überhaupt – auseinandersetzen. Das erste der bei- risses« von immerhin 490 Seiten dar. Der Titel des Werks
den Werke stammt von Peter Horowitz, Peter Collier und J.P. lautete On the Origin of Species by Means of Natural Selecti-
Duberg und trägt den Titel It’s a War, Stupid! (Es ist Krieg, on Or the Preservation of Favoured Races in the Struggle for
du Dummkopf!).2 Horowitz ist einer der prominentesten Life (Vom Ursprung der Arten mittels natürlicher Auslese
„neokonservativen“ amerikanischen Schriftsteller. Bei den oder die Erhaltung begünstigter Rassen im Daseinskampf).
„Neokonservativen“ handelt es sich überwiegend um ehema- Die Hauptmerkmale dieser Theorie sind drei klare und ein-
lige linksradikale Aktivisten der sechziger Jahre, deren deutige Postulate:
„Konservativismus“ sich in erster Linie durch militante Un- Unterschiede: Zwischen Individuen bestehen unzählige Un-
terstützung Israels auszeichnet. Horowitz ist seinen eigenen terschiede.
Worten nach »in roten Windeln hochgepäppelt worden«, was Erblichkeit: Individuelle Unterschiede sind in gewissem Um-
bedeutet, daß er in der von der Kommunistischen Partei do- fang ererbt.
minierten Atmosphäre der jüdischen Gemeinde New Yorks Selektion: Individuell verschiedene erbliche Eigenschaften
aufgewachsen ist. Wie in jedem Krieg gehört die Wahrheit können zum unterschiedlichen Erfolg beim Kampf ums Da-
auch in diesem zu den ersten Opfern. Die Botschaft, die Ho- sein führen.
rowitz vermittelt, besteht darin, daß viele Anhänger des Tra- Wenn die erfolgreichsten Typen in diesem Daseinskampf von
ditionalismus überhaupt nicht verstanden, was vor sich ging. der Norm abweichen, wenn überlegene Überlebende gewisse
Er hätte sein Buch genau so treffend Wach auf, du Dumm- Eigenschaften in überdurchschnittlichem oder unterdurch-
kopf! nennen können. schnittlichem Umfang aufweisen, kann sich eine Spezies un-
Das zweite der beiden Bücher ist America’s 30 Years War: ter dem Druck der natürlichen Selektion wandeln, d.h. eine
Who is Winning? (Amerikas dreißigjähriger Krieg: Wer ge- Evolution durchlaufen.
winnt?) von Balint Vazsony.3 Der Verfasser ist während der In The Origin of Species klammerte Darwin das Thema
kurzen antisowjetischen Revolution des Jahres 1956 aus sei- Mensch fast vollständig aus. Der einzige Kommentar zum
ner ungarischen Heimat geflohen. Da er persönlich unter Menschen ist nämlich eine kurze Passage gegen Ende des
zwei totalitären Regierungen gelebt hat, der nationalsoziali- Buches, wo es heißt:5
stischen und der kommunistischen, kennt er die Taktiken »In ferner Zukunft sehe ich große Betätigungsmöglichkei-
beider aus eigener Erfahrung. Die Hauptsorge, die in seinem ten für weit wichtigere Forschungen. Die Psychologie wird
Buch zum Ausdruck kommt, ist die Furcht vor der langsamen auf einer neuen Grundlage beruhen, derjenigen des not-
Umwandlung Amerikas durch den Sozialismus. Während uns wendigen, stufenweisen Erwerbs jeder geistigen Kraft und
die Medien einreden, der Zusammenbruch der Sowjetunion Fähigkeit. Dann wird Licht auf den Ursprung des Men-
habe das Ende des Kalten Krieges bedeutet, gewinnen die schen und seine Geschichte fallen.«
Sozialisten nach Ansicht des Autors einen weltweiten ideolo- Sir Francis Galton, Darwins Halbvetter, begriff die Tragweite
gischen Krieg. Vazsony identifiziert vier amerikanische dieser Lehre für die Psychologie sofort.6 Er gehörte zu den
Grundprinzipien – Herrschaft des Gesetzes, individuelle vielen Wissenschaftlern, die nach der Lektüre von Darwins
Rechte, Gewährleistung des Privateigentums sowie eine ge- Buch nach dem Motto „Natürlich! Warum bin ich nicht von
selbst darauf gekommen!“ reagierten. Bis 1865 verfaßte Gal-
ton unter dem Titel Hereditary Talent and Character (Erbli-
ches Talent und Charakter) zwei Schriften, die er dann 1869
in seinem Buch Hereditary Genius (Erbliches Genie) ausbau-
Glade Whitney erhielt seinen te.7 Bei seinen enthusiastischen Bemühungen zur Entdeckung
Doktorhut in Psychologie der Vererbungsgesetze schuf Galton einen erheblichen Teil
von der Universität ihrer Biometrie und erfand zahlreiche bis zum heutigen Tag
Minnesota. Seit 1970 war er angewendete statistische Techniken wie Regression, Korrela-
ordentlicher Professor für tion oder Unterteilung der Variation.8 Galton entdeckte, daß
genetische individuelle Unterschiede bei zahlreichen Eigenschaften nach
Verhaltensforschung an der
einem berechenbaren Schema verteilt sind. Er war es denn
Landesuniversität Florida in
Tallahassee. Er verstarb am auch, der die bekannte Gaußsche Glockenkurve „normal“
9.1.2002 im Alter von 62 nannte, worunter er „vielfach beobachtet“ verstand. Ferner
Jahren. fand er heraus, daß psychische Eigenschaften nicht minder

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erblich sind als physische. Er prägte den Ausdruck »Euge- Die radikale Abwehr vom Darwinismus sowie die Hinwen-
nik« (Wohlgeburt) für die neue Wissenschaft der menschli- dung zu einer egalitären bzw. marxistischen Ideologie erfolg-
chen Vererbung und Evolution sowie für die Anwendung te nicht als Ergebnis irgendwelcher neuen empirischen Er-
dieser Wissenschaft zum Nutzen und Frommen der Mensch- kenntnisse, sondern lief solchen direkt zuwider. Ihren Ur-
heit.9 sprung hatte die antidarwinsche Ideologie in sozialen und po-
Am Anfang des 20. Jahrhunderts waren viele sozial fort- litischen Bewegungen, die im 19. Jahrhundert in Europa ent-
schrittlich gesinnte Menschen Verfechter der Eugenik, und standen waren. Mit der Französischen Revolution von 1789
die intellektuellen Begründer der neuen Wissenschaften So- begann die allmähliche „Emanzipation“ der Juden, und diese
ziologie und Psychologie waren eingefleischte Anhänger der setzte sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts in ganz Europa
Vererbungstheorie, die sich zu Darwins Lehren bekannten. fort. Die letzten gesetzlichen Hindernisse, welche die Aktivi-
Beispielsweise betrachteten William James, der oft Amerikas täten der Juden einschränkten, wurden – wenn wir von Ruß-
erster Psychologe genannt wird, sowie G. Stanley Hall, land absehen – mit der neuen deutschen Verfassung von
Gründer der American Psychological Association, ebenso 1871 beseitigt. Obwohl die europäischen Juden alles in allem
wie viele andere die Psychologie als Zweig der Naturwissen- als gleichberechtigte und voll integrierte Bürger in einer im-
schaft. Zu den Hauptanliegen der Psychologen gehörte da- mer noch christlich geprägten Zivilisation galten, verharrte
mals die Erforschung zweier zentraler Aspekte der Darwin- ein Großteil der jüdischen Intelligenz in bitterer Feindschaft
schen Entwicklungslehre, nämlich erstens das Studium der gegenüber der traditionellen europäischen Kultur. Das prä-
erblichen individuellen Unterschiede und zweitens dasjenige gnanteste Beispiel dafür ist wohl Karl Marx. Seine Eltern
der natürlichen Selektion, welche die menschlichen Instinkte entstammten beide Familien, die zahlreiche Rabbiner hervor-
sowie die ererbten verhaltensmäßigen Veranlagungen her- gebracht hatten, auch wenn sein Vater, ein Anwalt, sich aus
vorgebracht hat. Die theoretische Hauptströmung innerhalb geschäftlichen Gründen taufen ließ.
der amerikanischen Psychologie wurde „Funktionalismus“ Darwin formulierte seine Theorie von der natürlichen Selek-
genannt, um die Bedeutung der Erforschung von „Funktio- tion als Mechanismus der Evolution ungefähr zur gleichen
nen“ zu betonen. Darunter verstand man die Untersuchung Zeit, als Karl Marx und Friedrich Engels das Kommunisti-
der Frage, welchen Nutzen – oder welche „Funktion“ – ge- sche Manifest veröffentlichten. Kurz nach dessen Erscheinen
wisse Eigenschaften in jenem Daseinskampf besitzen, um im Jahre 1847 rollte eine Woge revolutionärer Umsturzver-
den es sich bei der natürlichen Evolution handelt.10 suche über Europa. Der erste Band von Marxens großem
Hatte die Darwinsche Evolutionstheorie anfangs eine zentrale Werk Das Kapital kam 1867 heraus, neun Jahre nach Dar-
Rolle für die Theorie der Psychologie gespielt, so verlor der wins On the Origin of Species und zwei Jahre vor Galtons
Darwinismus im Verlauf des 20. Jahrhundert seine Bedeu- Hereditary Genius. Marx hatte eigentlich vorgehabt, Das
tung für die dominierenden Strömungen innerhalb der Psy- Kapital Darwin zu widmen, so begeistert war er von Darwins
chologie. evolutionärem Materialismus und der Vorstellung vom Fort-
schritt in der Welt. Doch von Biologie verstand Marx nicht
Ein radikaler Übergang zum Egalitarismus besonders viel.
Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts hatte sich ein bemer-
kenswerter theoretischer und ideologischer Wandel vollzo-
gen. Die zentralen Grundsätze der darwinschen Lehre – laut
der ererbten Unterschieden im Leben eine große praktische
Bedeutung zukommt – wurden nun routinemäßig als mora-
lisch und ethisch anrüchig verurteilt. Dieser Denkart zufolge
ist die Richtigkeit oder Unrichtigkeit einer Theorie unmaß-
geblich, solange sie nur politisch korrekt ist. In dieser ideolo-
gisch aufgeputschten Atmosphäre werden Vertreter einer
darwinschen Perspektive regelmäßig mit emotionsbefrachte-
ten Schimpfwörtern wie „Rassisten“, „Sexisten“, „Nazis“
oder „Neonazis“ bedacht.
Darwinistische Wissenschaftler werden wegen ihres angebli-
chen „genetischen Determinismus“ an den Pranger gestellt,
von dem es heißt, er vereinfache alles viel zu sehr. Doch die-
se Kritik ist unehrlich und geht von einer falschen Vorausset-
zung aus. Kein darwinscher Wissenschaftler ist nämlich je
ein „genetischer Determinist“ gewesen. Heute propagieren
die sogenannten Sozialwissenschaften die vorherrschenden
Werte und Schlagwörter der modernen liberalen Demokratie.
Dazu gehören Egalitarismus, gesellschaftliche Gleichmache-
rei mit der Dampfwalze, ein sozialer Determinismus, der er-
erbte Faktoren für unmaßgeblich hält, das biologische
Gleichheitsprinzip mit seinem kulturellen Relativismus, die
„politisch korrekte“ Auffassung, wonach alle Kulturen außer
der „bösen“ abendländisch-christlichen Zivilisation gleich
gut sind sowie schließlich der marxistische Sozialismus und
Kommunismus, der als breiter „fortschrittlicher“ Weg in eine
ideale Zukunft gilt.11 Charles Darwin 1840, im Alter von 31 Jahren

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Laut Marx hatte sich die Menschheit bis zum Erscheinen von seiner Freizeit im Heim der Familie Meyer. Diese hatte einen
Sprache und Kultur nach den Grundsätzen der Darwinschen Sohn in seinem eigenen Alter, einen jüngeren Sohn, dem er
natürlichen Selektion entwickelt. Dann trat jedoch ein ande- Privatunterricht gab, sowie die Töchter Sophie und Fanny.
rer Mechanismus an die Stelle der biologischen Evolution Sophie heiratete später Meier Boas und brachte Franz zur
und verdrängte diese vollständig. Nachdem die „Produkti- Welt, während Fanny den Ehebund mit Abraham Jacobi ein-
onsmittel“ zu Beginn geschriebener Geschichte in private ging. Somit war dieser der Onkel von Franz Boas, auf den er
Hände geraten waren, wurde laut Marx der Kampf zwischen zeit seines Lebens einen ungemein starken Einfluß ausgeübt
sozialen und wirtschaftlichen Klassen zum allentscheidenden hat.
Motor der menschlichen Entwicklung. Wie fast alle gebilde- Schon als Gymnasiast fühlte sich der junge Abraham Jacobi
ten Menschen seiner Zeit war Marx nach heutigen Maßstäben zu den Ideen der extremen Linken hingezogen. Später, als
sowohl Rassist als auch Sexist, aber die intellektuelle und po- Medizinstudent, waren sowohl er als auch Sophie und Fanny
litische Bewegung, welche sich auf ihn beruft, verkörpert ei- Meyer Mitglieder eines radikalen politischen Klubs. Alle drei
nen rabiaten Egalitarismus, wie er auch für den heutigen „po- unternahmen während der gescheiterten Revolution von
litisch korrekten“ demokratischen Liberalismus kennzeich- 1848-1851 allerlei Aktivitäten zur Unterstützung der Kom-
nend ist. munistischen Liga. In einem erhalten gebliebenen Brief
Franz Boas, ein aus Deutschland stammender Intellektueller, drückte Sophie ihre bittere Enttäuschung über das Scheitern
der den größten Teil seines Lebens in den Vereinigten Staa- der Revolution sowie ihre Frustration über die Rolle der
ten verbrachte, wird mit Recht als der Mann betrachtet, der – Frauen in der traditionellen Gesellschaft aus.12 Sophie enga-
zumindest in den USA – mehr als jeder andere dazu beitrug, gierte sich auch in den revolutionären Bewegungen der sieb-
die Darwinsche Evolutionslehre zu verdrängen. Um seine ziger Jahre. Somit sog der junge Franz Boas ihre Einstellung
Strategie und seinen Einfluß gebührend beurteilen zu kön- buchstäblich mit der Muttermilch ein.
nen, müssen wir uns jedoch zunächst seinem Onkel Abraham Im August 1851 wurde Abraham Jacobi in Berlin wegen
Jacobi zuwenden. Hochverrats festgenommen, und anschließend durchsuchte
die Polizei das Haus seiner Schwester in Minden. Jacobi
Einige Hauptfiguren wurde für zwei Jahre eingekerkert. Nach seiner Freilassung
Zu den Hauptfiguren bei der Ideologisierung von Psycholo- floh er aus Furcht vor einer neuerlichen Verhaftung nach
gie und Anthropologie zählte Abraham Jacobi (1830 – 1919). England.
Seine Familie war eng mit der Familie der Mutter von Franz In London besuchte er Karl Marx und hielt sich eine Zeitlang
Boas befreundet, den Meyers von Minden. Als Schüler am als Gast von Friedrich Engels in Manchester auf.12 Da die
Gymnasium in Minden verbrachte Jacobi den größten Teil Ausübung des Ärzteberufs für ihn in England mit Schwierig-
keiten verbunden war, wanderte er in die USA aus, wo er
sich in New York niederließ. Dort wurde er bald zum erfolg-
reichen Arzt, zu einer führenden Persönlichkeit in der örtli-
chen jüdischen Gemeinde sowie zum Professor für Medizin
(Fachgebiet Kinderheilkunde) an der Columbia University.
Über die Zielsetzungen Jacobis sowie die Stoßrichtung seiner
Unternehmungen bestehen keine Zweifel: Er nutzte die Frei-
heiten in der angelsächsisch geprägten amerikanischen Re-
publik zur Untergrabung eben jener Gesellschaft, die ihm
dank ihres freiheitlichen Charakters eine Karriere ermöglicht
hatte. Karl Marx nahm Jacobis Aktivitäten zur Förderung des
revolutionären Sozialismus in den USA mit Genugtuung zur
Kenntnis und schrieb:13
»Jacobi leistet gute Arbeit. Die Yankees mögen seine
ernsthafte Art.«
Am 29. März 1917 unterzeichnete Jacobi ein Glückwunsch-
telegramm an die neue, liberaldemokratische Regierung Ruß-
lands. Zu den anderen Unterzeichnern gehörten zwei weitere
Führer der jüdischen Gemeinde, Oscar Strauss und Rabbi
Steven S. Wise.14
Jacobi erwies Franz Boas tatkräftige Hilfe. Er stellte ihn sei-
ner künftigen Frau vor, der Tochter eines erfolgreichen New
Yorker Arztes. Auch war es Jacobi, der Boas 1886 zur Aus-
wanderung in die USA ermuntert hatte, wo er ihm über einen
anderen „Achtundvierziger“, seinen Freund Carl Schurz, eine
Stelle in einem Museum besorgte. Schurz, eine prominente
Figur im politischen und intellektuellen Leben der USA, war
zeitweise Senator für Missouri und Innenminister unter Prä-
sident Hayes. Trotz der Rückendeckung durch einflußreiche
Gönner mußte sich Franz Boas einige Jahre lang mit Gele-
genheitsarbeiten über Wasser halten. 1896, volle zehn Jahre
nach seiner Einwanderung in die Vereinigten Staaten, bot
Franz Uri Boas (1858-1942) ihm die Columbia University zögernd eine zeitlich begrenzte

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Teilzeitstelle als Lektor an der Abteilung für Psychologie an, Bürgerrechte an die Schwarzen einsetzten. Durch ihre
und auch diesen Posten bekam er erst, nachdem Abraham Ja- Teilnahme an einem Kreuzzug, durch den bewiesen werden
cobi, der namhafte Medizinprofessor, garantiert hatte, daß er sollte, daß Afro-Amerikaner anständige, angepaßte, kulti-
persönlich für die Hälfte seines Gehalts aufkommen werde.12 vierte Menschen sein konnten, entzogen sich die jüdischen
1899 wurde Franz Boas schließlich zum Professor für An- Aktivisten in der Bürgerrechtsbewegung gewissermaßen
thropologie an der neugegründeten Abteilung für Psycholo- der Notwendigkeit, antisemitische Stereotypen direkt zu be-
gie und Anthropologie ernannt15 – wiederum dank Abraham kämpfen, denn wenn Neger gute Bürger sein konnten,
Jacobi, der auch diesmal einen erheblichen Teil seines Ge- konnten nach Ansicht der meisten weißen Amerikaner alle
halts aus eigener Tasche bezahlte.12 anderen Gruppen noch bessere Bürger sein.«
Franz Uri Boas (1858-1942) wuchs in einer radikal soziali- Zahlreiche Autoren haben die Rolle untersucht, die Boas bei
stisch gesinnten jüdischen Familie auf, wo er schon bald eine der Umwandlung der Anthropologie und verwandter Wissen-
dauerhafte Abneigung – um nicht gar von Haß zu sprechen – schaften in eine von Egalitarismus und Milieudenken gepräg-
gegen die traditionelle preußisch-christliche Kultur entwik- te, fragwürdige Ideologie gespielt hat. Carleton Putnam be-
kelte, in der er aufwuchs. Später, als Anthropologe in den merkte scharfsinnig:17
USA, richtete er unermüdliche Attacken gegen die über- »Was lag auch näher, als daß eine Bewegung, die sich
kommenen europäisch-amerikanischen Normen und Wert- bald Kommunismus, bald Marxismus, bald Sozialismus
vorstellungen und trug nach nannte (ich selbst habe den
Kräften zu deren Unterminie- Ausdruck „Egalitarismus“
rung bei. stets als den passendsten emp-
Franz war alles andere als ein funden), in ihrer Strategie
Feigling. In Deutschland focht er nicht nur auf die Unterwande-
als Antwort auf wirkliche oder rung der Regierungen, son-
eingebildete antisemitische Be- dern auch auf jene der Wis-
leidigungen zahlreiche Duelle senschaften hinarbeitete?«
mit dem Degen aus. Bei einem Bei der Lektüre von Boas, fuhr
solchen wurde ihm die Nasen- Putnam fort:18
spitze abgehauen, und bei einem »wuchs mein Erstaunen mit
anderen verlor er einen Teil sei- jeder Seite. Hier wurde unter
ner Kopfhaut. Er trug eine Narbe dem Deckmantel der Wissen-
über einem Auge sowie eine schaft schlaue und hinterlisti-
vom Kinn bis zur Schläfe verlau- ge Propaganda aufgetischt,
fende Schramme auf der einen um unbeweisbare Theorien zu
Seite des Gesichts davon. beweisen… Das Muster be-
Schon 1894 argumentierte Boas, gann sich zu wiederholen, die
die biologische Rasse sei kein aalglatten Techniken zur Um-
Faktor der Intelligenz oder Fä- gehung der Kernfragen, die
higkeit.15 Sogar ihm wohlgeson- weitschweifigen Ablenkungen,
nene Biographen machen kein das Dröhnen ohne Substanz.«
Hehl aus der Tatsache, daß sein Über die von Boas angewandten
Einsatz zugunsten der Neger und Techniken ließe sich allerlei sa-
gegen rassisch bedingte Vorur- gen, doch will ich hier ausführli-
teile lediglich ein bequemes cher auf die intellektuellen und
Tarnmäntelchen war: Hätte er persönlichen Beziehungen zwi-
nämlich unverhüllt die Werbe- schen Boas und manchen seiner
trommel für jüdische Interessen Gesinnungsgenossen, auf seine
gerührt, so wäre die Sache allzu Einstellung zu den Sozialwissen-
offensichtlich gewesen. Indem er John Dewey schaften sowie die auf ihn zu-
sich für die Gleichstellung von Schwarzen und Weißen stark rückgehende Entwicklung (oder besser gesagt Degradierung)
machte, trug er indirekt zum Erstarken der Juden bei, denn der Psychologie eingehen.
wenn man die Weißen dazu bringen konnte, die Neger als ih- Der wichtigste Propagandist, der sich für die Ausmerzung
resgleichen anzuerkennen, würden sie auch jede beliebige darwinscher Grundsätze in der Psychologie sowie deren Er-
andere ethnische Minderheit als gleichwertig akzeptieren.15 satz durch die Milieutheorie einsetzte, war John Broadus
Im Flaggschiff der „fortschrittlichen“ Anthropologie, der Watson, der Vater des sogenannten „Behaviorismus“. Wat-
Zeitschrift American Anthropologist, sprach ein jüdischer son war dermaßen einflußreich, daß sich bis zur Mitte des 20.
Autor, Gelya Frank, Klartext:16 Jahrhundert ein erheblicher Teil der an den Universitäten be-
»Franz Boas’ Theorien über Rasse und Kultur standen im triebenen Psychologie neu als „Verhaltensforschung“ defi-
Übereinklang mit den assimilationistischen Strategien der nierte.
deutschen Juden in Amerika. […] Wie David Levering Le- Bei Kritikern hat die Umwandlung der Psychologie von einer
wis festhält, bekämpften die Juden den Antisemitismus ge- Wissenschaft des Geistes zu einer Wissenschaft des Verhal-
wissermaßen „ferngesteuert“, indem sie sich mittels der tens zu bitteren Witzen geführt, die bewiesen, daß viele das
National Association for the Advancement of Colored Peo- Spiel durchschauten. Einer davon lautete wie folgt: Die Psy-
ple [Nationaler Verband zur Förderung farbiger Menschen] chologie – das Wort bedeutet auf griechisch „Seelenkunde“ –
sowie der National Urban League für die Gewährung der begann als wissenschaftliche Erforschung der Seele, der

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Grundlage des Menschseins schlechthin. Dann, mit dem Auf- Jacques Loeb war ein berühmter Psychologe, der 1891 aus
stieg der materialistischen Wissenschaft, verlor die Psycho- Deutschland in die USA emigriert war. Er war auch einer der
logie zuerst ihre Seele und wurde zur Wissenschaft vom Ver- erklärtesten Radikalen seiner Zeit. Loeb stand dem Darwi-
stand und Bewußtsein. Als nächstes erfolgte das Aufkommen nismus in unversöhnlicher Feindschaft gegenüber, konnte
der Freudschen Psychoanalyse mit ihrer Betonung des Un- dieser seiner Auffassung nach doch zur Rechtfertigung der
bewußten, und die Psychologie verlor ihr Bewußtsein. Zu gu- christlichen Theologie sowie der freien Marktwirtschaft be-
ter Letzt, mit dem Siegeszug Watsons und des Behavioris- nutzt werden. Ferner argumentierte er, die Evolutionslehre
mus, verlor sie auch noch ihren Verstand. sei keine vollwertige Wissenschaft, da sie nicht experimentell
John Broadus Watson (1878-1958) wurde in Reedy River, bewiesen werden könne.22 J. B. Watson betonte später, eine
South Carolina, geboren, und von seiner frommen Mutter wirklich wissenschaftliche Psychologie werde in der Lage
nach einem berühmten baptistischen Geistlichen, John Broa- sein, das Verhalten »vorauszusagen und zu kontrollieren« –
dus, genannt. Im Herbst 1900 belegte Watson an der Univer- ein Lehrsatz, den er von Jacques Loeb übernommen hatte.
sity of Chicago Studienkurse der höheren Semester.19 Um Loeb war der Ansicht, die Kontrolle des Verhaltens sei das
seine Entwicklung zum Vorkämpfer der antidarwinschen letztendliche Objekt der wissenschaftlichen Forschung. Für
Psychologie zu verstehen, müssen wir zunächst das Milieu Loeb war 23
betrachten, das er in Chicago betrat. »wissenschaftliche Erkenntnis ein Werkzeug, um das Ver-
Die University of Chicago konnte dank einer Stiftung John halten existierender Organismen zu verändern und zu kon-
D. Rockefellers im Jahre 1892 gegründet werden. Da sie über trollieren und letzten Endes neue Organismen künstlich auf
eine solide finanzielle Grundlage dem Weg biologischer Konstruk-
verfügte, wurde sie bald zu einer tion zu erzeugen.«
Eliteuniversität, indem sie die be- Dies war eine Botschaft, die sich
sten zur Verfügung stehenden der junge Watson mit Leib und
Lehrkräfte anheuerte. Die soge- Seele zu eigen machte.
nannte „funktionalistische“ Schule Die dritte Persönlichkeit, in deren
in der Psychologie, welche (wie Sog J. B. Watson geriet, war der
bereits erwähnt) großes Gewicht bekannte Gehirnspezialist Henry
auf die darwinsche Selektion legte, H. Donaldson. Bevor er 1892 nach
wurde oft als „Chicagoer Schule“ Chicago zog, hatte Donaldson eine
bezeichnet, weil manche ihrer be- Lehrstelle an der Clark University
deutendsten Vertreter an jener inne, wo zur gleichen Zeit Franz
Universität lehrten.20 Darin lag ei- Boas einen Einjahresvertrag als
ne gewisse Ironie, denn ausgerech- Dozent besaß. Donaldson und
net ein Mann, der an der Universi- Boas lebten nur einen Häuserblock
ty of Chicago studiert hatte, sollte voneinander entfernt, waren fast
die „Chicagoer Schule“ in Verruf genau gleich alt und hatten jeweils
bringen und ihren Untergang ein- ein Kind beinahe gleichen Alters.
läuten. Geprägt wurde Watsons Außerdem waren ihre Frauen ein
Denken vor allem von drei seiner Herz und eine Seele. Sie wurden
Professoren: John Dewey, Jacques rasch zu engen Freunden. Lange
Loeb und Henry Donaldson. Jacques Loeb Jahre darauf sollte Boas Donaldson
John Dewey, dem seine Bemühun- als seinen besten Freund in Ameri-
gen auf dem Feld der experimen- ka rühmen, und das Ehepaar Boas
tellen und progressiven Erziehung benannte sogar ein späteres Kind
manche Lorbeeren eingebracht hat- (Henri) nach Henry Donaldson.24
ten, war zehn Jahre lang Vorsit- John Broadus Watson (1878-1958) Im Laboratorium des besten Freun-
zender der Abteilung für Philosophie an der University of des und Gesinnungsgenossen von Franz Boas betrieb John B.
Chicago. Obschon Dewey beispielsweise durch seine An- Watson die Forschungen für seine Doktorarbeit.
wendung der Ergebnisse experimenteller Psychologie auf die Zum 25. Jahrestag seiner Doktorarbeit erschien eine Fest-
Erziehung sowie sein Engagement für sogenannte „progres- schrift für Boas.25 Der erste Beitrag stammte von Henry Do-
sive“ Bewegungen in Gesellschaft und Erziehung berühmt naldson, der darin seine Hochachtung für J. B. Watson zum
geworden ist, war er kein Kommunist. Er gehörte zwar schon Ausdruck brachte.26 Somit ist der Schluß berechtigt, daß
früh zu den Unterstützern der American Civil Liberties Uni- Watsons Hinwendung zu einem „progressiven“ sozialisti-
on (ACLU), kehrte dieser Organisation aber in den dreißiger schen Milieudenken die Folge einer Indoktrinierung durch
Jahren mit der Begründung den Rücken, sie sei von Kommu- drei seiner einflußreichsten Lehrer an der Universität war.
nisten übernommen worden.21 J. B. Watson schrieb sich ur- Allen Berichten zufolge war Watson ein blitzgescheiter und
sprünglich an der University of Chicago ein, um bei Dewey enorm fleißiger Student. Als ihm anno 1903 die Doktorwürde
Philosophie zu studieren. Er wechselte freilich alsbald zur zuteil wurde, zählte er erst 25 Lenze und war der bisher jüng-
Psychologie über und begründete dies später damit, er habe ste Doktor der University of Chicago. Ebenfalls im Jahre
kein Wort von dem verstanden, was Dewey sagte. (Es 1903 heiratete Watson eine neunzehnjährige Studentin der
heißt, Dewey sei ein miserabler Redner gewesen.) Aller- unteren Semester, die zum weiteren Bindeglied zum liberalen
dings behielt Watson auch nach seinem Wechsel zur Psy- Sozialismus werden sollte. Sie hieß Mary Ickes und war die
chologie die Philosophie mitsamt Dewey als Nebenfach jüngere Schwester von Harold Ickes.19 Watsons frischgebak-
bei. kener Schwager gehörte zu den rührigsten Trommlern für

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Egalitarismus und Sozialismus in den USA. Er war eine Zeit- beliebige von ihnen zu jedem beliebigen Spezialisten aus-
lang Vorsitzender der Chicagoer Sektion der „National As- bilden kann – zum Arzt, Anwalt, Künstler, Händler und –
sociation for the Advancement of Colored People“ (NAACP, jawohl! – zum Bettler oder Dieb, ganz unabhängig von sei-
Nationaler Verband zur Förderung Farbiger) und wurde spä- nen Talenten, Neigungen, Tendenzen, Fähigkeiten, Beru-
ter, unter Franklin D. Roosevelt, als Innenminister mit der fungen sowie von der Rasse seiner Ahnen.«
Verwirklichung einiger der berühmtesten sozialistischen Watsons Ansichten hätten verkehrter kaum sein können. Ein
»New Deal«-Projekte betraut.12 Ickes hatte sich der Sache des namhafter Psychologe hat hervorgehoben:32
rassischen Egalitarismus dermaßen verschrieben, daß ihn der »Seit Watsons Ausspruch ist niemals auch nur ein einziges
Historiker Arthur Schlesinger Jr. den »inoffiziellen Minister Jahr verstrichen, ohne daß irgendwelche Beweise für die
der Roosevelt-Regierung für Beziehungen mit den Negern« Unrichtigkeit seiner These vorgelegt worden wären.«
genannt hat.27 Entgegen aller Evidenz wurde dieser extrem milieubetonte
Als 65-jähriger Witwer ehelichte Ickes später eine Frau, die und vererbungsfeindliche Standpunkt zur mit Zähnen und
fast vierzig Jahre jünger war als er. Ihr Sohn – auch er hieß Klauen verteidigten „traditionellen Ansicht“, die heute von
Harold Ickes – bekleidete später in der Clinton-Regierung of- den meisten Psychologen fügsam akzeptiert wird.
fizielle sowie inoffizielle einflußreiche Posten. Diese vererbungsfeindliche Einstellung unterscheidet sich
Somit begann John B. Watson seine akademische Laufbahn grundsätzlich kaum von der lächerlichen Theorie des Schar-
mit soliden akademischen und persönlichen Querverbindun- latans Lyssenko in der UdSSR, die oft als Paradebeispiel ei-
gen zum Sozialismus. 1913 wurde er zu einer Vortragsreihe nes irrsinnigen Versuchs zur Unterordnung der Wissenschaft
an der Columbia University eingeladen. Der erste Vortrag er- unter eine politische Ideologie zitiert wird.33 Doch während
schien unter dem Titel Psychology as the Behaviorist Views it die Lehre Lyssenkos, welche die Bedeutung der Vererbung
(Psychologie aus der Sicht des Behavioristen).28 Eines seiner bestritt, in der stalinistischen Sowjetunion auf Regierungs-
Leitmotive war, daß das »theoretische Ziel« der psychologi- befehl für offiziell erklärt wurde, haben verwandte Ideolo-
schen Wissenschaft in der »Voraussage und gien in den USA de facto durch Konsensus
Kontrolle des Verhaltens« bestehen solle, die Oberhand gewonnen. Bedauerlicherwei-
und daß der Behaviorismus Techniken der se prägen diese unrealistischen egalitären
sozialen Kontrolle zur Verbesserung der Ge- und milieubetonten deterministischen Theo-
sellschaft hervorbringen werde. rien noch heute die Denkweise vieler Sozi-
1915 hielt Watson eine Ansprache vor der alwissenschaften und liegen in erheblichem
Amerikanischen Psychologischen Gesell- Umfang der heutigen Sozial- und Erzie-
schaft mit dem Titel »The place of the condi- hungspolitik der Vereinigten Staaten zu-
tioned reflex in psychology« (Die Bedeutung grunde.34
des konditionierten Reflexes in der Psycho- Was Watson auf dem Gebiet der Psychologie
logie).29 Hier führte er den konditionierten tat, vollbrachte eine andere Boas-Jüngerin
Reflex ein, der von den Russen Pavlov und auf dem Felde der Sexualität. Margaret Mead
Bechterev studiert worden war, und bezeich- (1901-1978), eine bisexuelle Studentin von
nete ihn als zentral für jede psychologische Franz Boas, reiste nach Samoa, um dort For-
Entwicklung. Seiner Ansicht nach waren Er- schungen für ihre Doktorarbeit durchzufüh-
fahrung und Konditionierung von entschei- ren. Nach ihrer Rückkehr veröffentlichte sie
dender Bedeutung, wohingegen ererbte Ein- ihre Erkenntnisse in einem Buch mit dem Ti-
flüsse auf die Entwicklung schlicht und ein- Harold Ickes
tel Coming of Age in Samoa: A Psychologi-
fach unmaßgeblich waren. cal Study of Primitive Youth for Western Ci-
Watson schrieb im folgenden jahrzehntelang in einem provo- vilization35 (Erwachsenwerden in Samoa: Eine psychologi-
kativen und propagandistischen Stil. Hier eine Kostprobe aus sche Studie primitiver Jugend für die westliche Zivilisation),
dem Jahre 1930:30 das zu einem der einflußreichsten Werke in den USA von
»Unsere ererbte Struktur kann auf tausend verschiedene den vierziger bis zu den siebziger Jahren werden sollte. Der
Arten geformt werden – dieselbe Struktur –, je nachdem, Untertitel hätte eigentlich ein Warnzeichen aufleuchten las-
wie das Kind aufgezogen wird. […] Unsere Gegner mögen sen müssen. Die zentrale Botschaft von M. Meads Bestseller
vielleicht einwenden, die Anhänger des Behaviorismus bestand darin, daß die sexuellen Zwänge der traditionellen,
ignorierten die bekannten Tatsachen der Eugenik und ex- abendländisch-christlichen Gesellschaft die emotionalen
perimentellen Evolution – die Genetiker hätten nachgewie- Schwierigkeiten der Pubertät verursachten und zu Kriegen,
sen, daß viele der verhaltensmäßigen Charakteristiken der Vorurteilen, Engstirnigkeit und Frauenunterdrückung führ-
Eltern an das Kind weitergegeben werden. […] Unsere ten. Die Verfasserin stellte die Behauptung auf, samoanische
Antwort lautet, daß die Genetiker unter dem Banner der al- Halbwüchsige dürften freien, zwanglosen Geschlechtsver-
ten Psychologie arbeiten, welche die „Fähigkeit“ in den kehr mit vielen Partnern betreiben, ja sie würden sogar dazu
Mittelpunkt stellt. Wir brauchen ihren Schlußfolgerungen ermuntert. Das Ergebnis sei eine Gesellschaft glücklicher,
nicht allzu viel Gewicht beizumessen. Wir glauben nicht ausgeglichener, friedlicher, offener und freundlicher Men-
länger an Fähigkeiten oder an irgendwelche stereotypen schen. In dem berühmten Slogan der sechziger Jahre »Make
Verhaltensmuster, die unter der Bezeichnung „Talent“ und love, not war« fand diese These ihren Ausdruck, und sie trug
ererbte Begabungen einhergehen.« enorm zur „sexuellen Revolution“ jener Periode bei. In den
Und weiter:31 letzten Jahren ihres Lebens war Margaret Mead eine kulturel-
»Man gebe mir ein Dutzend gesunde, körperlich normal le Ikone.
entwickelte Kleinkinder sowie meine eigene, spezielle Um- Kulturanthropologen waren geradezu vernarrt in Coming of
welt zu ihrer Erziehung, und ich garantiere, daß ich jedes Age in Samoa, das an den Universitäten zu einem der meist-

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 157


gelesenen Bücher wurde. 1980 wurde der Nachweis erbracht, großen Geldsummen unterstützt. Boas selbst war Mitglied in
daß es nichts weiter war als ein Sammelsurium von Lügen.36 mehr als 40 Organisationen, die man als kommunistisch oder
Im Jahre 2000 ernannte das Intercollegiate Studies Institute getarnt kommunistisch identifiziert hat.15 (Interessanterweise
von Wilmington, Delaware, Meads Schrift zum schlechtesten hat die Tochter des ehemaligen Vizepräsidenten Al Gore
Sachbuch des eben zu Ende gehenden Jahrhunderts. Man hät- Andrew Schiff geheiratet, den Enkel Jakob Schiffs.)
te es auch zum schlechtesten Roman ernennen können. Dar- Im Oktober 1935 schrieb Boas an Raymond Pearl und bat ihn
über sind sich die Wissenschaftler heute einig. Die wichtigste um eine Stellungnahme zur Rassenfrage, die von prominen-
ungelöste Frage ist, wer am dreistesten gelogen hat: M. Mead ten Wissenschaftlern unterzeichnet und dann massiv verbrei-
selbst oder ihre jungen Informanten, die sie falsch unterrich- tet werden sollte. Pearl lehnte dies mit der Begründung ab, er
tet haben.37 Obgleich das Buch gründlich diskreditiert ist, be- bezweifle 41
haupten einige Anthropologen immer noch, die Bedeutung »die Weisheit und Strategie der in Ihrem Brief vorgeschla-
und Menschenfreundlichkeit der von M. Mead vermittelten genen Aktion. […] Ich habe starke Vorbehalte gegen pro-
Botschaft sei wichtiger als die inhaltliche Falschheit ihres grammatische Stellungnahmen von Wissenschaftlern, be-
Buchs.38 D. A. Price berichtet folgende, aufschlußreiche An- sonders wenn solche Aussagen tatsächlich getarnte politi-
ekdote:39 sche Fragen oder Aspekte politischer Fragen betreffen, die
»Meads erster Gatte, Luther Cressman, erinnerte sich spä- mit rein wissenschaftlichen Problemen in mehr oder weni-
ter an die typische Antwort, wenn man ihr nachwies, daß ger engem Zusammenhang stehen. […] Ich bin jetzt und in
eine ihrer Schlußfolgerungen nicht stimmte: „Wenn sie alle Zukunft unbeugsam gegen jeglichen päpstlichen Auto-
nicht wahr ist, dann sollte sie ritarismus unter dem Banner
es sein.“« der Wissenschaft einge-
Ein weiteres Werk von M. stellt.«
Mead, das viel Unheil ange- Das vielleicht grellste Beispiel
richtet hat und ebenfalls als von »päpstlichem Autoritaris-
Beispiel kreativen schriftstelle- mus unter dem Banner der
rischen Schaffens gelten darf, Wissenschaft« war die 1950
war Sex and Temperament in von der UNESCO verabschie-
Three Primitive Societies.40 dete Erklärung zur Rassenfra-
Hier versuchte die Autorin zu ge, die nach Protesten seitens
beweisen, daß der männliche vieler Wissenschaftler 1952
Chauvinismus der abendländi- modifiziert wurde. Neben etli-
schen Zivilisation ein kulturel- chen anderen falschen Behaup-
les Phänomen ohne Veranke- tungen erklärte die UNESCO
rung in der menschlichen Bio- in diesem weitverbreiteten
logie sei. Sie behauptete, in an- Text, es gebe keinerlei Beweise
deren Kulturen mit nicht- für ererbte psychologische Un-
westlichen Traditionen seien terschiede zwischen den Ras-
die Beziehungen zwischen den sen. Die betreffende Erklärung
Geschlechtern ganz anders. In war von einem Komitee erar-
der einen, schrieb sie, seien die beitet worden, dessen Vorsit-
Frauen sexuell aggressiv, wäh- zender ein Boas-Student na-
rend die Männer sich zierten. mens Ashley Montague (gebo-
Die Frauen machten Politik, rener Israel Ehrenburg) war.42
und die Männer kümmerten Montague alias Ehrenburg hat-
sich um den Haushalt. In einer te früher ein stark propagiertes
anderen nicht-westlichen Kul- Margaret Mead (1901-1978) Buch mit dem Titel Man’s
tur, postulierte sie weiter, seien Most Dangerous Myth: The
sowohl Männer als auch Frauen sehr friedfertig und feminin, Fallacy of Race43 (Der gefährlichste Mythos des Menschen:
und in einer dritten seien beide Geschlechter unsympathische Der Rassen-Trugschluß) veröffentlicht, das versuchte, die
Streber, so wie die abendländischen Männer. In den drei von biologische Realität der Rasse zu widerlegen. Die UNESCO-
ihr parallel zur westlichen Zivilisation vorgestellten Kulturen Erklärung wurde mit der Bitte um einen Kommentar an 106
gab es jede mögliche Form des Verhältnisses zwischen Män- Anthropologen gesandt. Von den 80, die antworteten, äußer-
nern und Frauen. Ihre Schlußfolgerung lag nun auf der Hand: ten 31 substantielle Kritik, insbesondere bezüglich der Be-
Unterschiede in den sozialen Rollen von Mann und Frau hauptung, es gebe keine geistigen Unterschiede zwischen den
mußten auf die Schattenseiten der traditionellen abendlän- Rassen. 26 äußerten sich in Detailfragen kritisch, und nur 23
disch-christlichen Zivilisation zurückgehen. stellten sich vorbehaltlos hinter die Erklärung.41
Kenneth Clark, ein namhafter schwarzer Psychologe, der an
Erklärungen ex cathedra der University of Columbia studiert hat, wurde heimlich vom
Franz Boas und seine Jünger hielten sich bei der Proklamie- American Jewish Committee finanziert.44 Er machte falsche
rung der sozialen und politischen Auswirkungen ihrer Ideo- und irreführende Angaben, auf die sich das oberste Gericht
logie durchaus nicht immer zurück. Boas wurde teilweise der USA in einem bahnbrechenden, 1954 gefällten Urteil
vom American Jewish Committee sowie von Jacob Schiff fi- stützte, welches die Aufhebung der Rassentrennung an den
nanziert, jenem prominenten jüdischen Bankier, von dem es Schulen erzwang (Brown vs. Board of Education, Topeka
heißt, er habe im Februar 1917 die Russische Revolution mit Kansas).45

158 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2


Ein weiterer Boas-Jünger, Otto Klineberg (18 99-1992), legte Fate of Human Societies,51 in dem behauptet wird, es gebe
die von ihm und seinen Gesinnungsgenossen vertretene poli- keine genetischen Unterschiede zwischen den Rassen, sowie
tischen Ziele 1935 in seinem angeblich wissenschaftlichen das von S.P.R. Rose und H. Rose herausgegebene Werk
Buch Race Differences46 ungeschminkt dar:47 Alas, poor Darwin: Arguments against Evolutionary Psycho-
»Die allgemeine Schlußfolgerung dieses Buches besteht logy.52
darin, daß es keinen wissenschaftlichen Beweis für rassisch Obwohl dies alles unter Wissenschaftlern wohlbekannt ist,
bedingte Mentalitätsunterschiede gibt. […] Es gibt darum nimmt die Unterdrückung offenkundiger Erkenntnisse über
keinen Grund, zwei Völker unterschiedlich zu behandeln, die jüdische Strategie auf Gebieten wie Genetik, Rasse und
weil sie unterschiedlichen physischen Typen angehören. Psychologie munter ihren Fortgang. In vielen Ländern kann
[…] Es gibt keinen Grund, die Einwanderungsgesetze für eine „politisch inkorrekte“ Diskussion dieser Themen zur
ein Volk strenger zu handhaben als für ein anderes. […] Es Zerstörung beruflicher Laufbahnen führen. Die Anti-Defa-
gibt keinen Grund, Gesetze gegen Rassenmischung zu er- mation League, das Simon Wiesenthal Center und verwandte
lassen. […] Es gibt keine angeborene Feindseligkeit der Interessengruppen arbeiten eifrig darauf hin, jegliche ernst-
einen Rasse gegen die andere. hafte Erörterung der Rassenunterschiede zu kriminalisieren.53
Die Tendenz gewinnt Oberhand, im Rassenproblem ledig- Hoffen wir, daß der Wind umschlägt, ehe die „traditionellen
lich einen Aspekt des Klassenkampfes zu sehen, in dem die Feinde der Wahrheit“ die totale Herrschaft erringen.
Privilegierten unwichtige Unterschiede der Hautfarbe, der
Religion oder Sprache als willkommenen Vorwand für die Anmerkungen
Fortsetzung ihrer eigenen Vorherrschaft nutzen. Wer die Der englische Originalartikel erschien unter dem Titel Subversion of Science:
Rassenbeziehungen von diesem Standpunkt [d.h. vom How Psychologie lost Darwin im Journal of Historical Review (Volume 21,
Standpunkt des Klassenkampfes] aus betrachtet, hegt we- Number 2, März/April 2002, S. 20-30), dem wir für die Genehmigung zur
Veröffentlichung dieser deutschen Version danken. Ü bersetzung aus dem
nig Hoffnung auf eine echte Verbesserung, solange das Englischen von Jürgen Graf.
heutige rassistische System nicht durch eine neue soziale 1
C.N. Degler, In Search of Human Nature: The Decline and Revival of
Ordnung ersetzt ist. Sie weisen voller Überzeugung auf Darwinism in American Social Thought, Oxford Press, New York 1991;
K. MacDonald, The Culture of Critique: An Evolutionary Analysis of
Rußland hin, wo der wirtschaftliche Wandel Hand in Hand Jewish Involvment in Twentieth Century Intellectual and Political Move-
mit einer besseren Behandlung der Minderheiten geht und ments, Praeger, Westport/Connecticut 1998; R. Pearson, Heredity and
wo Klassenkampf und Rassenproblem anscheinend zu- Humanity: Race, Eugenics and Modern Science, Scott-Townsend, Wash-
sammen verschwunden sind.« ington DC 1996.
2
Erschienen bei Second Thought Books, Los Angeles 1997.
3
Erschienen bei Regnery, New York 1998 .
4
Die Unterdrückung offenkundiger Erkenntnisse A. Desmond, J. Moore, Darwin, Penguin Books, London 1997.
5
Daß die Sozialwissenschaften in großem Umfang korrum- Charles Darwin, On the Origin of Species by Means of Natural Selection,
or the Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life, John
piert worden sind, und zwar vor allem von politisch linksge- Murray, London 1859, 1. Auflage, S. 458.
richteten Juden, ist unter auf diesem Felde tätigen Wissen- 6
Glade Whitney, »A Contextual History of Behavior Genetics« , in: M. E.
schaftlern allgemein bekannt. Beispielsweise untersuchte Hahn, J. K. Hewitt, N. D. Henderson, R. Benno (Hg.), Development Be-
havior Genetics, Oxford Press, New York 1990,S. 7-24.
Franz Samelson 197 8in seinem Aufsatz » From „race psy- 7
F. Galton, Hereditary Genius: An Inquiry into its Laws and Conse-
chology“ to „studies in prejudice“«(Von „Rassenpsycholo- quences, 1869. Eine revidierte Fassung mit amerikanischem Vorwort er-
gie“ zu „Studien über Vorurteile“), der in der wissenschaftli- schien 1900bei D. Appleton, New York.
8
S. M. Stigler, The History of Statistics, Harvard University Press, Cam-
chen Zeitschrift Journal of the History of the Behavioral bridge/Massachussets 1986.
Sciences erschien,48 das, was manche als Paradigmenwechsel 9
Glade Whitney, 1990,(Anmerkung 6).
10
in der Psychologie „von der evolutionären Genetik zum kul- C.N. Degler, aaO. (Anmerkung 1); C. J. Goodwin, A History of Modern
Psychology, John Wiley & Sons, New York 1999.
turellen Konzept, von Darwin zu Boas“ betrachten, und fol- 11
R. Pearson, 1996 (siehe Anmerkung 1); R. Pearson, Race, Intelligence
gerte:49 and Bias in Academics, 2. Auflage, Scott-Townsend, Washington 1997;
»Man kann mit Fug und Recht die Ansicht vertreten, daß M. Hunt, The Know-Nothings: The Political Foes of the Scientific Study
ein Wandel in der ethnischen Abstammung der Psycholo- of Human Nature, New Brunswick, New Jersey 1999; Glade Whitney,
»Raymond B. Cattell and the Fourth Inquisition« , in: The Mankind Quar-
gen erheblich zu dieser Umwälzung beigetragen hat. […] terly, vol. 38,S. 99-125; Glade Whitney, » The Prospects for an Intelli-
Die frühere amerikanische Wissenschaft war überwiegend gent Future« , in: Foundation (Hg.), The Evolution of Human Intelligence,
„puritanisch“ oder zumindest angelsächsisch. Von den Foundation for the Future, Bellevue/Washington 200.
12
D. Cole, Franz Boas, The Early Year, 1858 – 1906, University of Wash-
zwanziger Jahren an machten sich Angehörige ethnischer ington Press, Seattle/Washington 1999.
Minderheiten in immer größerer Zahl breit, und zwar an- 13
C. Putnam, Race and Reality, a Search for Solutions, Howard Allen, Ca-
fangs in erster Linie solche jüdischer Herkunft.« pe Canaveral/Florida 1967(die hier verwendete Ausgabe stammt aus dem
Jahre 1980).
In einem anschaulichen Beispiel jüdischen Triumphalismus’ 14
Z. Szajkowski, Jews, Wars, and Communism (Vol. 1): The Attitude of
schreibt Gelya Frank,16 die kulturelle Anthropologie sei und American Jews to World War I, the Russian Revolutions of 1917, and
bleibe weitgehend ein jüdisches Unternehmen, das zur ideo- Communism (1917 – 1945), KTVA Publishing House, New York 1972.
15
M. Hyatt, Franz Boas Social Activist: The Dynamics of Ethnicity, Green-
logischen Rechtfertigung sozialrevolutionärer Bestrebungen wood, New York 1990.
diene. Svonkin44 äußert sich ganz ähnlich. Eine ausführliche, 16
G. Frank, »Jews, Multiculturalism, and Boasian Anthropology« , Ameri-
hervorragende Studie dieses Fragenkomplexes hat McDonald can Anthropology, Vol. 99, S. 731-745.
17
C. Putnam, Race and Reality, a Yankee View, Howard Allen, Cape Ca-
verfaßt.1 naveral/Florida 1961 (hier nach der zweiten Auflage von 1980zitiert), S.
Während die Kenntnis der Verhaltensgenetik sowie der 16.
18
Rassenunterschiede mit Siebenmeilenstiefeln voranschrei- 19
Ebenda, S. 18.
tet,50 beharren viele Vertreter der jüdischen Intelligenzia um K. W. Buckley, Mechanical Man: John Broadus Watson and the Begin-
ning of Behaviorism, Guilford Press, New York 1989.
so verbissener auf ihren Versuchen zur Untergrabung der 20
Ebenda; C. Goodwin, A History of Modern Psychology, John Wiley &
darwinschen Psychologie. Beispiele dafür sind Jared Dia- 21
Sons, New York 1999.
monds vielgepriesenes Buch Guns, Germs, and Steel: The R. Scruton, »Progressive Mischief« ; Besprechung von Alan Ryans Buch

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 159


38
John Dewey and the High Tide of American Liberalism, in: The Wall E. Barkan, The Retreat of Scientific Racism: Charging Concepts of Race
Street Journal, 20. Juli 1995. in Britain and the United States Between the World Wars, Cambridge
22
P. J. Pauley, Controlling Life: Jacques Loeb and the Engineering Ideal in University Press, Cambridge (England) 1992; L. Foerstel & A. Gilliam
Biology, Oxford University Press, Oxford 1987. (Hg.), Confronting the Margaret Mead Legacy: Scholarship, Empire, and
23
K. W. Buckley, aaO. (Anm. 19), S. 41. the South Pacific, Temple Press, Philadelphia 1992; K. Lamb, »Race Dif-
24
M. Hyatt, aaO. (Anm. 15). D. Cole, aaO., (Anm. 12). ference in the Annals of Science«, in: The Mankind Quarterly, Vol. 35, S.
25
F. Boas, Boas Anniversary Volume: Anthropological Papers Written in 139-150.
39
Honor of Franz Boas, G. E. Stechert, New York 1906. D. A. Price, »Coming a Cropper in Samoa«, Besprechung von D. Free-
26
H. H. Donaldson (mit E. H. Dunn und J. B. Watson), »A Comparison of mans Buch The Fateful Hoaxing of Margaret Mead, in: The Wall Street
the White Man with Man in Respect to the Growth of the Entire Body«, Journal, 3. März 1999, S. A17.
40
in: Boas Anniversary Volume: Anthropological papers written in honor Erschienen bei William Morrow, New York 1935, Neuauflage 1963.
41
of Franz Boas, G. E. Stechert, New York 1906, S. 5-26. W. B. Provine, »Geneticists and the Biology of Race Crossing«, in: Sci-
27
A. M. Schlesinger, The Age of Roosevelt, Bd. 2: The Coming of the New ence, Vol. 182, S. 790-797.
42
Deal. Houghton Mifflin, Boston 1957. Ebenda; R. Pearson, Race, Intelligence and Bias in Academics, 2. Au-
28
Publiziert in Psychological Review, Vol. 20, S. 158-177. flage, Scott-Townsend, Washington 1997.
29 43
Veröffentlicht in Psychological Review, Vol. 23, S. 89-116. Erschienen 1942 bei Columbia University, New York.
30 44
J. B. Watson, Behaviorism (revidierte Ausgabe), Norton, New York S. Svonkin, Jews Against Prejudice, Columbia University Press, New
1930, S. 97-99. York 1997.
31 45
Ebenda, S. 104. E. van den Haag, »Social Science Testimony in the Desegration Cases: A
32
G. E. McClearn, »The Inheritance of Behavior«, in: L. Postman (Hg.), Reply to Professor Kenneth Clark«, in: Villanova Law Review, Vol. 6,
Psychology in the Making, Knopf, New York 1962, S. 237. Nr. 1, S. 69-79.
33 46
V. N. Soyfer, Lysenko and the Tragedy of Soviet Science, Rutgers Univ. Erschienen bei Harper Bros, New York.
47
Press, New Brunswick/New Jersey 1994. Zitiert nach L. T. Benjamin, A History of Psychology: Original Sources
34
Glade Whitney, »The Vernalization of Hillary’s America«, in: Chroni- and Contemporary Research, 2. Auflage, McGraw-Hill, New York 1997.
48
cles, Vol. 22, Nr. 2, Februar 1998, S. 46, 47. Band 14, S. 265-278.
35 49
Erschienen bei William Morrow, New York 1928. L. T. Benjamin aaO. (Anm. 47), S. 639.
36 50
D. Freeman, Margaret Mead and Samoa: The Making and Unmaking of Glade Whitney, »On the Races of Man«, in: The Mankind Quarterly, Vol-
an Anthropological Myth, Harvard University Press, Cam- ume 39, Nr. 3, S. 319-335.
51
bridge/Massachussets 1983; Theodore O’Keefe, »Mead, Freeman, Boas: Erschienen bei W.W. Norton, New York 1997.
52
Jewish Anthropology Comes of Age in America«, in: National Vanguard, Erschienen bei Harmony Books, London 2000.
53
Juni 1983, S. 5-10. Glade Whitney, Einführung zu David Dukes Buch My Awakening, Free
37
D. Freeman, ebenda. Speech Press, Covington/Louisiana 1998.

Gruppendenken
Lemminghaftes Denken als Ursache politischer und wissenschaftlicher Fiaskos
Von Germar Rudolf
1. Einführung selbst heraus und von sich selbst Informationen erhält, also
Homo sapiens ist ein soziales Tier, ausgestattet mit Herden- quasi aus informationellen Rückkopplungen besteht. Wenn
instinkten, die uns für massen- bzw. gruppenpsychologische ein solches System durch Fehlentwicklungen aus dem
Effekte anfällig bzw. empfänglich machen. Unsere soziale Gleichgewicht gerät, so tendiert es dazu, daß gemachte Feh-
Natur kann positive Folgen zeitigen, wie zum Beispiel sym- ler nicht etwa erkannt und abgestellt, sondern unter den Tep-
biotische und synergetische Effekte, aber auch negative, wie pich gekehrt oder schlicht wiederholt bzw. gar verstärkt wer-
unkritischen Konformismus und lemminghafte Gefolgschaft. den. In der Technik nennt man ein solches Resultat eine Re-
Will man die negativen Auswirkungen der Gruppenpsycho- sonanzkatastrophe, die unter Umständen zur totalen Zerstö-
logie verhindern, so muß man zunächst die gruppendynami- rung der betreffenden Einheit führen kann.
schen Effekte erkennen, die innerhalb der betroffenen Grup- Irving Janis prägte für das hier behandelte gruppendynami-
pe wirken. Sodann bedarf es des Mutes und der Standhaftig- sche Verhalten sozialer Menschengruppen den Begriff Grup-
keit, das Kind beim Namen zu nennen und sich gegebenen- pendenken. Diesem Verhalten liegt die Tendenz jeder
falls auch gegen den Druck der Gruppe bemerkbar zu ma- menschlichen Gruppe zugrunde, auf ihre Mitglieder einen
chen. Untersuchungen haben gezeigt, daß nur ein kleiner gewissen Konformitätsdruck zur Anerkennung von Normen
Prozentsatz jeder x-beliebigen Menschengruppe die Fähig- auszuüben, die die Gruppe in den Augen der Mitglieder bzw.
keit besitzt, aus der geistigen Befangenheit ihrer jeweiligen der Gruppenführer definieren, die den Gruppenzusammenhalt
sozialen Gruppe herauszutreten und sie etwas objektiver, nach deren Ansicht fördern und die Konkurrenzfähigkeit ge-
quasi mit mentaler Distanz zu beobachten und zu analysieren. genüber anderen Gruppen steigern.
Und ein noch kleinerer Prozentsatz hat dann, nach vollbrach- Spannungen innerhalb der Gruppe treten in dem Augenblick
ter Einsicht, die Charakterstärke, aus dem Erkannten auch auf, wenn eine Minderheit gegen die geschriebenen oder un-
Konsequenzen zu ziehen, die der Gruppe vielleicht nützen, geschriebenen, die bewußt definierten oder unbewußt ange-
aber dem Betreffenden als Individuum sehr häufig schaden nommenen Gruppennormen verstößt. Anfänglich versuchen
können. die anderen Mitglieder der Gruppe, derartige Abweichler
Die Dynamik, in der sich eine soziale Gruppe oft gefangen durch Überzeugungsarbeit zur Einhaltung der Normen zu
sieht, kann man auch ein selbstreferentielles System nennen, bewegen. Wenn dies nicht gelingt, setzt ein Ausgrenzungs-
wo Informationen nicht oder kaum mehr von außen eindrin- mechanismus ein, der um so früher und in seinen Methoden
gen, sondern wo das betrachtete System vor allem aus sich um so harscher ist, je stärker die Normverletzung bzw. je

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wichtiger die verletzte Norm für das subjektive Selbstver- dem Wirksamwerden irgendwelcher Repressalien oder gar
ständnis der Gruppe ist. Am oberen Ende dieser Wichtigkeit der bewußten Vorahnung aufkommender Repressalien wurde
befinden sich die sozialen, nicht hinterfragbaren Tabus einer bereits erwähnt. Der Glaube an die Richtigkeit von Gruppen-
Gesellschaft. bzw. Mehrheitsmeinungen führt dazu, daß viele Zweifel
Die soziale Zensur nicht normativen bzw. nonkonformen schon an der Schwelle der Bewußtwerdung abgeblockt wer-
Verhaltens setzt allerdings schon wesentlich früher an, näm- den, daß der Zweifler seine Bedenken überhaupt nicht aus-
lich im Bewußtsein des potentiellen Dissidenten, der schon spricht, weil er ihre Berechtigung wie auch die Bedeutung
vor der Bewußtwerdung möglicher Ausgrenzung moralische von Gegenargumenten unterbewertet.
Skrupel spürt, gegen das aufzutreten, was von seiner Gruppe Dieses Herunterschlucken von Gegenmeinungen führt zu ei-
als nicht-normativ/nonkonform betrachtet wird, oder mit an- ner Widerspruchsarmut, die von der Gruppe wiederum als
deren Worten: als unerhört und unmoralisch. Diese Schere schweigende Zustimmung mißverstanden wird, womit sich
im Kopf wurde auf extreme Weise von George Orwell in sei- der Eindruck der Konformität weiter verstärkt, was seiner-
nem Roman 1984 mit den Begriffen »Doublethink« und seits den Konformitätsdruck erhöht – ein fataler Teufelskreis.
»Crimethink« bedacht, wobei ersteres die Diskrepanz zwi- Kommt es trotz des Konformitätsdruckes dennoch zu Angrif-
schen dem aufzeigt, was der potentielle Dissident wirklich fen auf das Selbstverständnis der Gruppe, insbesondere dann,
denkt und was er angesichts des unbewußt wie bewußt wahr- wenn zentrale Dogmen und Tabus mit starken, rationalen Ar-
genommenen Konformitätsdrucks auszudenken wagt, vom gumenten herausgefordert werden, so hat dies in der Regel
Aussprechen erst gar nicht zu reden. »Crimethink« ist dann nicht etwa eine sachliche Diskussion dieser Argumente zur
der ausformulierte oder gar geäußerte Gedanke, der Normen, Folge, sondern Vorwürfe gegen den Dissidenten, er verhalte
Paradigmas oder Tabus verletzt. sich unloyal gegenüber der Gruppe und/oder er habe bösarti-
ge bzw. unmoralische Beweggründe.
2. Symptome Als weiterer Schritt des Konformitätsdrucks bilden sich
2.1. ÜBERSCHÄTZUNG DER GRUPPE selbsternannte „Tugendwächter“ aus, die auf die Einhaltung
Synergetische Effekte führen dazu, daß eine Gruppe mehr der Gruppennormen achten und dafür sorgen, daß Informa-
leisten kann als alle einzelnen Glieder für sich alleine ge- tionen, die dem Selbstverständnis und den Paradigmen der
nommen, da das Bewußtsein, nicht alleine zu stehen, sondern Gruppe zuwiderlaufen, von der Gruppe ferngehalten werden,
für eine „gemeinsame Sache“ zu kämpfen, bri den meisten so daß diese die sachliche und moralische Richtigkeit ihres
Gruppenmitgliedern motivierend wirkt und sie zu höheren Handelns nicht in Zweifel zieht. In größeren Gruppen kommt
Leistungen antreibt, als wenn sie Einzelkämpfer wären. es sogar zu einer Institutionalisierung derartiger Zensur, wo-
Auf der anderen Seite führt der gleiche Effekt aber auch mit- bei Personen oder ganze Abteilungen die Aufgabe erhalten,
unter dazu, daß die Möglichkeiten der Gruppe überschätzt auf die Einhaltung bestimmter Normen zu achten, Zuwider-
werden bis hin zu einem Gefühl der Unverwundbarkeit des handelnde festzustellen und einer oft bis ins Detail festgeleg-
einzelnen Mitglieds. Dies führt zu unkritischem Optimismus, ten Disziplinarprozedur auszuliefern.
zu selbstzerstörerischem Opfermut auf individueller Ebene
und zu mitunter gefährlicher Risikobereitschaft. 3. Folgen
Ein weiterer negativer gruppendynamischer Effekt ist die be- In Ausnahmesituationen kann Gruppendenken durchaus posi-
sonders in Demokratien moderne, aber dennoch unkritische tive Auswirkungen haben, etwa wenn sich eine Gruppe in ei-
Annahme, daß die Mehrheit recht hat, insbesondere in mora- ner tiefen Krise befindet und nur ein starker innerer Zusam-
lischer Hinsicht. Je dominanter in einer Streitfrage die Mehr- menhalt das Auseinanderfallen der Gruppe verhindern kann
heitsmeinung ist, um so weniger wird sie von den Gruppen- bzw. wenn ein extremer, selbstaufopfernder Einsatz der ein-
mitgliedern hinterfragt. Dies kann dazu führen, daß das ein- zelnen Mitglieder die einzige Aussicht auf Erfolg ist. Aber
zelne Mitglied die moralischen Konsequenzen seiner Ent- selbst in solchen Lagen hat das Gruppendenken eine Reihe
scheidungen und Handlungen nicht mehr bedenkt. von äußerst negativen Auswirkungen, die eine Krisenlage
sogar noch verschärfen können:
2.2. ENGSTIRNIGKEIT UND VOREINGENOMMENHEIT
Da nicht sein kann, was nicht sein darf, versuchen die Grup- 3.1. MANGELHAFTE INFORMATIONSSUCHE UND
penmitglieder oft kollektiv, normabweichende Meinungsäu- -VERARBEITUNG
ßerungen und insbesondere Warnungen über Fehlentwick- Die falsche Zuversichtlichkeit, die Wahrheit gepachtet zu ha-
lungen oder gegenläufige Informationen, die zum Umdenken ben, führt dazu, daß oft nur solche Informationen gesucht
anregen sollten, zu kaschieren oder hinwegzuerklären. bzw. ernstgenommen werden, die in das vorgefaßte Bild pas-
Es setzen sich zudem stereotype Sichtweisen von Trägern sen. Die gezielte Suche nach Informationen, die die vorge-
anderer Ansichten durch, insbesondere von Mitgliedern und faßten Meinungen herausfordern könnten, unterbleibt oder
prominenten Persönlichkeiten anderer, konkurrierender wird gar als „Häresie“ ausgegrenzt und bekämpft.
Gruppen. Diese Sichtweisen sind geprägt von negativen, ja Selbst wenn Informationen gefunden werden, die den vorge-
bösartigen Wertungen, wobei die angebliche Schwäche und faßten Ansichten zuwiderlaufen, so unterbleibt eine sachliche
Unfähigkeit des Gegners zur eigenen (überschätzten) Stärke Interpretation dieser Informationen. Sie werden – oft sogar
genauso im Kontrast steht wie die eigene angebliche morali- gegen deren offensichtliche Bedeutung – in das vorgefaßte
sche Güte zur moralischen Unterlegenheit oder gar Verwerf- Bild mit Gewalt eingepaßt.
lichkeit des Gegners.
3.2. IGNORIEREN VON ALTERNATIVEN
2.3. KONFORMITÄTSDRUCK Aufgrund der Voreingenommenheit werden sowohl beim
Die Tendenz von Gruppenmitgliedern zum vorauseilenden Setzen von Handlungszielen als auch bei der Durchführungs-
Gehorsam, zur Anwendung der Schere im Kopf noch vor planung alternative Ziele und Handlungsweisen dogmatisch

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 161


ausgeschlossen, das heißt, sie werden noch nicht einmal ein- werden muß; daß für das Vortragen solcher Kritik Verfah-
gehend auf ihre Qualität hin geprüft. Dadurch werden poten- rensweisen festgelegt werden; daß sichergestellt wird, daß
tiell bessere Ziele und Handlungsweisen von vornherein aus- derlei Kritik hierarchische Instanzen überwinden kann.
geschlossen. Die Institutionalisierung der Kritik muß sich nicht nur auf in-
nere Strukturen beziehen, sondern auch auf außenstehende
3.3. AUSBLEIBEN DER REVISION GEMACHTER ENTSCHEIDUN- Kritiker, die zur Entscheidungsfindung eingeladen werden
GEN sollen bzw. deren Ansichten zumindest regelmäßig ernsthaft
Selbst wenn die eingeschlagenen Handlungsweisen auf er- dargelegt und diskutiert gehören.
hebliche Schwierigkeiten stoßen und Ziele unerreichbar er- Besonders fruchtbar sind insbesondere Advocati Diaboli, das
scheinen, kommt es mitunter nicht zu einer kritischen Wie- heißt Personen, die absichtlich den gefaßten Ansichten und
derbetrachtung einmal gefällter Entscheidungen, da jeder al- Strategien feindlich bzw. ablehnend gegenüberstehende Posi-
ternativer Vorschlag als Dissens aufgefaßt, ja schon der tionen beziehen und diese so gut wie möglich zu vertreten
Zweifel an der Richtigkeit alter Entscheidungen als Untreue versuchen. Dadurch werden die Entscheidungsträger ge-
gewertet wird. zwungen, ihre Position gegen solche argumentative Kritik
überzeugend abzuhärten bzw., falls das nicht möglich ist,
3.4. FALSCHE RISIKOEINSCHÄTZUNG eben zu revidieren.
Falsche Informationen und Realitätseinschätzungen führen Es muß immer wieder festgestellt und bekräftigt werden, daß
zwangsweise dazu, daß die Risiken der eingeschlagenen sämtliche Analysen und Untersuchungen ergebnisoffen sind.
Handlungsweisen völlig falsch eingeschätzt werden. Grup- Die radikalsten, diametral entgegengesetzten Ergebnisse soll-
pendenken führt daher zu unvorsichtigen Handlungen, zu ten definiert und diskutiert werden, dürfen aber unter keinen
überaggressivem Wirtschaften bzw. aggressiver, hochriskan- Umständen a priori als ausgeschlossen oder verwerflich mar-
ter, konfliktträchtiger Politik. Wirtschaftliche bzw. politische kiert werden. Für jeden dieser Fälle sind Handlungspläne zu
Katastrophen werden daher geradezu heraufbeschworen. entwerfen, evtl. von verschiedenen unabhängigen Gruppen,
deren unterschiedliche Ergebnisse dann zu diskutieren sind.
3.5. KEINE ALTERNATIVEPLÄNE Die Informationssuche über das Zielobjekt muß stetig erfol-
Der im Gruppendenken entstandene Unfehlbarkeitsglaube gen und insbesondere auch solche Informationen umfassen,
führt zudem dazu, daß man es nicht für notwendig erachtet, die den bisherigen Ansichten zuwiderlaufen, da nur diese ge-
alternative Handlungsszenarien zu entwerfen, falls sich her- eignet sind, Gefahren durch getroffene Fehlentscheidungen
ausstellt, daß die Lagebeurteilung falsch war. Einmal gefaßte aufzudecken.
Pläne werden daher mangels Alternative selbst dann noch
verfolgt, wenn sie offenkundig gescheitert sind. 6. Gruppendenken und Revisionismus
6.1. DIE ANTIREVISIONISTEN ALS GRUPPE
4. Voraussetzungen 6.1.1. DEFINITION DER GRUPPE
Gruppenzusammenhalt: Triviale Grundvoraussetzung ist na- Die hier betrachtete Gruppe beinhaltet im Prinzip 95 bis 99%
türlich, daß die Gruppe selbst eine Identität hat, die ihr einen der gesamten Bevölkerung der westlichen Gesellschaften, al-
inneren Zusammenhalt verleiht. so in der Größenordnung von vielleicht bis zu einer Milliarde
Isolation von Kritik: Die Entscheidungsträger von Gruppen Menschen. Der einzige gemeinsame Faktor, der den Zusam-
tendieren dazu, sich von Kritik zu isolieren, die von außen an menhalt dieser Gruppe bestimmt, ist deren bisweilen fanati-
sie herangetragen wird. Außenseiter werden einfach nicht sche Gegnerschaft zu Faschismus, Rassismus, Antisemitis-
ernstgenommen bzw. gar als der Gruppe feindlich gesonnen mus und Nationalsozialismus. Führende Mitglieder in der
offen abgelehnt. Hierarchie dieser Gruppe, also in Medien, Politik und Wis-
Hierarchie: Autoritäre Hierarchie-Strukturen vereiteln bzw. senschaft mögen noch andere Beweggründe haben, die ihre
erschweren die Weiterleitung von Kritik von unten nach Identifikation mit dieser Anti-Gruppe bewirken, wie wissen-
oben. schaftliche, wirtschaftliche oder politische Gesichtspunkte,
Mängel im Entscheidungsverfahren: Es gibt keine formali- jedoch wollen wir diese hier nicht weiter ergründen.
sierten Verfahrensweisen, die es ermöglichen, kritische An- Tatsache ist, daß fast alle Versuche, die europäische und ins-
sichten von innen wie von außen – ohne negative Folgen für besondere die deutsche Geschichte der Jahre 1933-1945 einer
die Kritiker – an die Entscheidungsträger heranzubringen. kritischen Revision zu unterziehen, auf den bisweilen fanati-
Homogenität der Gruppe: Ein Hauptfaktor für den inneren schen Widerstand dieser Gruppe stößt mit dem erklärten
Zusammenhalt einer Gruppe, ihre Homogenität, ist zugleich Grund, derartige Versuche seien ein Versuch der Wiederbe-
auch ein Schwachpunkt, wenn sich die Homogenität auch auf lebung bzw. Rehabilitierung von Faschismus, Rassismus,
entscheidungswirksame Ansichten bezieht. Antisemitismus, Nationalsozialismus usw.
Streß: Eine Bedrohung der Gruppe von außen – selbst wenn
sie nur subjektiv empfunden wird – erhöht die Tendenz des 6.1.2. STRUKTUR UND SYMPTOME
Gruppendenkens, da der Konformitätsdruck in einer solchen An der Spitze der anti-revisionistischen Hierarchie stehen
Lage ansteigt. führende jüdische Organisationen wie Yad Vashem, die Anti-
Defamation League und das Simon Wiesenthal Center. Was
5. Gegenmaßnahmen diese Organisationen verlauten lassen, ist nahezu heiliges
Der erste Schritt zur Vermeidung von Gruppendenken und Gesetz. Ideologisch betrachtet handelt es sich zumeist um Ju-
den sich daraus in der Regel ergebenden Fehlern ist das den, überzeugte Zionisten und dezidierte Deutschen-Hasser.
Vermeiden der oben aufgeführten Voraussetzungen. Dies ist die absolute, undurchdringbare Spitze der Hierarchie
Eine Kultur der offenen und sachlichen Kritik muß gepflegt dieser Gruppe. Historiker, Politologen, Soziologen und Reli-
werden, das heißt, daß zu Kritik immer wieder ermuntert gionswissenschaftler, die sich beruflich dem Holocaust-Dog-

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ma vermacht haben, definieren die Richtigkeit von Sachaus- ben, mitunter in außerordentlich ausgeprägter Weise. Ich bin
sagen. Politiker in vielen Ländern setzen die Regeln – daher der Ansicht, daß es sich bei dieser Gruppe um eine sol-
manchmal nur per Schulbuchbestimmungen und Feiertagsre- che handelt, die wie kaum eine andere heutzutage vom Grup-
gelungen, mancherorts aber auch per Strafgesetz. Diese Re- pendenken heimgesucht ist.
geln legen fest, an was geglaubt und wann und wie etwas
verehrt werden muß. Schließlich wachen die Medien – und 6.1.3. FOLGEN
mancherorts der Staatsanwalt – mit Argusaugen darüber, daß Seit Ende des Zweiten Weltkrieges wurden ganze wissen-
die verkündeten Wahrheiten und Verhaltensregeln auch ein- schaftliche Schulen in Geschichte, Soziologie, Politologie
gehalten werden. Ideologisch gesehen ist diese Elite im we- und auch in anderen hier berührten Fächern (etwa der Hu-
sentlichen – zumeist unterbewußt – deutschfeindlich sowie man-Biologie), davon ausgeschlossen, an fachlichen Diskus-
sowohl antirassistisch-egalitaristisch als auch rassistisch- sionen und Kontroversen gleichberechtigt teilzunehmen,
philosemitisch geprägt, ein unvereinbares Gegensatzpaar, das wenn es irgendwie möglich ist bzw. war, deren Ansichten –
typisch ist für diese Weltanschauung. zu Recht oder zu Unrecht – irgendwo in die Nähe von Fa-
Die nahezu unangreifbare Machtfülle der obersten Hierarchie schismus, Rassismus, Antisemitismus oder Nationalsozialis-
dieser Gruppe führt zu einer Hybris bei der Festlegung an- mus zu stellen. Dies führte unausweichlich nicht nur zu fach-
geblich historischer Wahrheiten, woraus politische Weishei- lichen Fehlentwicklungen in all diesen Fächern, sondern
ten abgeleitet werden, die bezüglich ihrer Verbreitung und ebenfalls zu Fehlentwicklungen in den betroffenen Gesell-
Akzeptanz einzigartig in der Menschheitsgeschichte daste- schaften, da wesentliche Aspekte und Fakten vom politischen
hen. Diese absolute Machtstellung führt zu einer moralischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozeß ausgeschlossen
Selbstüberschätzung, die „Auschwitz“ als absoluten Null- wurden. Es ist schwierig festzustellen, wieviel dieser Sach-
punkt der moralischen Skala definiert und daraus folgend die verhalt zu gegenwärtigen Problemen beiträgt, aber in einigen
Opfer von Auschwitz sowie alle Handlungen, die Auschwitz Bereichen ist dies allzu deutlich, etwa bei der Analyse und
entgegenzustehen scheinen, als absolutistisch „gut“. Steuerung des Nahostkonflikts, der weltweiten Migration, der
Diese moralische Hybris und extreme Machtfülle hat einen Rentenfrage (Geburtenrückgang), des zunehmend desolaten
Konformitätsdruck zur Folge, der weltweit zu spüren ist. Die Zustandes des westlichen Bildungssystems sowie des unter
Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung sind voll dem Deckmantel der Globalisierung Wirksamwerden des ab-
von Bespielen der strafrechtlichen wie sozialen Unterdrük- laufenden Wirksamwerden des internationalen Großkapita-
kung von Persönlichkeiten, die es gewagt haben, die Ansich- lismus und Neo-Imperialismus.
ten dieser Gruppe zu kritisieren, und das bezieht sich nicht Die Entscheidungsträger in jüdischen Lobbygruppen sowie
nur auf Holocaust-Revisionisten, die das zentrale Tabu direkt in Wissenschaft, Politik und Medien haben sich inzwischen
kritisieren, sondern auch auf Kritiker, die lediglich Randbe- in eine Situation hineinmanövriert, wo das Eingeständnis
reiche beleuchten, wie kritische Analysen zur Rassenfrage, grundlegender Fehler nicht mehr möglich ist, ohne das eigene
„Judenfrage“, und ähnliche Dinge. Ansehen grundlegend zu zerstören. Dies käme einem sozia-
Die Isolation von Kritik ist total. Jeder, der sie äußert, ob in- len Selbstmord dieser Gruppe dar. Es ist daher nicht damit zu
tern oder extern, verfällt der sozialen Ächtung oder landet gar rechnen, daß diese Machtelite je von ihrer Strategie der Hy-
im Gefängnis. Interne Kritiker werden zur Not mit Ge- sterisierung der niederen Gruppenmitglieder zwecks Kon-
waltandrohungen mundtot gemacht, wie das Beispiel des Ju- formitäts-Konditionierung wird ablassen können. Das System
den David Cole zeigt. Akademische Kritiker verlieren Beruf, wird wohl aufgrund unkontrollierbar werdender politischer,
Karriere, Titel und bisweilen die Freiheit (Stäglich, Fauris- sozialer und wirtschaftlicher Fehlentwicklungen weltweit to-
son, Reynouard, Plantin, Walendy, Witzsch, Rudolf…). Die- tal zusammenbrechen müssen, und zwar sowohl politisch und
se Gegner der Gruppenansichten werden entmenschlicht, als wirtschaftlich, bevor sich grundlegend etwas ändern kann.
leibhaftige Teufel dargestellt und entsprechend behandelt.
Abweichler werden in der Gruppe keine Sekunde lang ge- 6.2. DIE REVISIONISTEN ALS GRUPPE
duldet. Eine kritische Betrachtung der herrschenden Auffas- 6.2.1. DEFINITION DER GRUPPE
sungen und Entscheidungen ist nicht nur nicht vorgesehen, Als Mitglieder dieser Gruppe definiere ich im allgemeinen all
sonder wird explizit verdammt und bestraft. jene, die von der erstgenannten Gruppe als Gruppenfeinde
Kommt die Gruppe dennoch aufgrund peinlich offensichtli- ausgemacht werden, also etwa: Biologen, die von der über-
cher Fehler, die von Kritikern aufgedeckt werden, in eine wiegend genetischen Festlegung menschlicher Eigenschaften
prekäre Lage, so werden nicht etwa Fehler eingestanden, und Verhaltensweisen überzeugt sind; Politologen, die natio-
sondern eine Welle der Propaganda gegen die teuflischen äu- nale Werte internationalen Ideologien vorziehen; Soziologen
ßeren Feinde entfacht, um die eigene Gruppenkohäsion ge- und Pädagogen, die egalitaristische Bildungsideologien ab-
gen die angebliche Bedrohung von außen zu erhöhen. Diese lehnen; Gegner des jüdischen Glaubens und des Zionismus;
Hysterisierung der eigenen Gruppe führt zu einem extremen Historiker, die die deutsch-europäische Geschichte in einem
Gruppendenken, dem sich kaum einer entziehen kann. Die differenzierteren Licht sehen. Diese Gruppe ist notwendi-
Schere im Kopf setzt unter solch hysterischen und bedrohli- gerweise sehr heterogen und weist schon deshalb nur einen
chen Randbedingungen bei 99% und mehr aller Menschen geringen Zusammenhalt auf. Zwar gibt es bei einigen Vertre-
schon so früh an, daß bereits geringste Zweifel an der Rich- tern der jeweiligen Gruppen ein Bewußtsein dafür, daß man
tigkeit der verordneten Wahrheit als verdammungswürdig sich in einer gemeinsamen, wenn auch unfreiwilligen Front-
und strafwürdig empfunden werden. Der Zweifler bekommt stellung zur weltweit dominierenden Ideologie der ersten hier
bereits massive Schuldgefühle, bevor er seine häretischen besprochenen Gruppe befindet, jedoch kommt es nur zwi-
Zweifel auch nur zu Ende gedacht hat. schen den Vertretern der einzelnen Untergruppen zur Ausbil-
Alle oben aufgeführten Symptome und Voraussetzungen zum dung konkreter Gruppenstrukturen, die sich im allgemeinen
Auftreten von Gruppendenken sind für diese Gruppe gege- nicht von den Strukturen anderer sozialer Gruppen unter-

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scheiden. Eine all diese Untergruppen übergreifende Grup- sichten teilweise als anregend empfindet. Diese Tendenz der
penidentität gibt es also nicht und somit auch kein Gruppen- äußeren Isolation wird verstärkt durch eine innere Tendenz
denken. der Abwehr von Abweichlern, die die ohnehin ständig be-
Im engeren Sinne verstehe ich unter dieser Gruppe jene Per- drohte Kohäsion der Gruppe weiter zu schwächen drohen.
sonen, die dem ideologischen Kern der ersten Gruppe kri- Beides führt zu der Gefahr, daß die Revisionisten zu einer
tisch gegenüberstehen, also den Holocaust-Revisionisten, ei- Gruppe selbst-referentieller Forscher und Schriftsteller wer-
ner Untergruppe der zuvor erwähnten kritischen Historiker. den, oder wie das Establishment es bisweilen ausdrückt, daß
Diese Gruppe weist andere Strukturen auf als „normale“ so- sich ein „Kartell der Selbstzitierer“ herausbildet. Dem muß
ziale Gruppen, und zwar in erster Linie als Folge der Verfol- aktiv von innen widerstanden und zuwidergehandelt werden.
gungs-, Unterdrückungs- und Ausgrenzungsmaßnahmen, de-
nen sich die Mitglieder dieser Gruppe ausgesetzt sehen. 7. Beobachtungen
Nachfolgend möchte ich mich daher auf diese Untergruppe Wie jede andere Denkschule, so bedarf auch der geschichtli-
konzentrieren. che Revisionismus kritischer Querdenker sowie solcher Indi-
viduen, die freudig bereit sind, kontroverse oder gegenste-
6.2.2. STRUKTUR UND SYMPTOME hende Ansichten aufzugreifen und in die Diskussion einzu-
Die ideologische Zusammensetzung dieser Gruppe ist zwar bringen. Die den Revisionisten aufgezwungene Isolation gilt
keineswegs homogen, jedoch ist der Anteil von Menschen, es zu durchbrechen, indem man zunächst aktiv eine Diskus-
die sich mit antisemitischem, rassistischen oder nationalso- sionskultur pflegt, die die Anwesenheit von Advocati Diaboli
zialistischem Gedankengut identifizieren oder damit zumin- nicht nur duldet, sondern freudig begrüßt. Denn erst wenn
dest keine Berührungsängste haben, in der Gruppe der Holo- der Revisionismus den Kritikern seiner ärgsten Gegner
caust-Revisionisten um ein Vielfaches höher als bei der standhalten kann, dann hat er die wissenschaftliche Feuertau-
Durchschnittsbevölkerung. Es handelt sich bei dieser Unaus- fe überstanden und kann von da ab den Rest der Welt über-
geglichenheit in gewisser Weise um den Gegenpol zur ideo- zeugen – zumindest theoretisch.
logischen Unausgeglichenheit der antirevisionistischen Grup- Bisweilen gibt es Versuche im Revisionismus, jene revisioni-
pe. Die Gefahr, die von dieser verminderten Heterogenität stischen oder gar anti-revisionistischen Querdenker, die die
ausgeht, ist daher jener der ersten Gruppe vergleichbar. Herausforderung revisionistischer Thesen akzeptieren, von
Symptome des Gruppendenkens werden in dieser Gruppe der wissenschaftlichen Diskussion auszugrenzen. Ein derarti-
primär durch den Streß hervorgerufen, der durch gesell- ges Verhalten schadet aber nicht nur der revisionistischen
schaftliche und mitunter strafrechtliche Verfolgungsmaß- Gruppe selbst, sondern auch und vor allem dem Prozeß der
nahmen verursacht wird. Das moralisch verwerfliche Verhal- Wahrheitsfindung.
ten mancher Mitglieder der antirevisionistischen Gruppe wird Allem nicht zu verniedlichenden Gruppenstreß zum Trotze:
mitunter pauschalisiert und zu einem allgemein verwerfenden die Kontroverse ist das Salz in der Suppe des wissenschaftli-
Werturteil gegen alle Mitglieder dieser Gruppe umgemünzt, chen Diskurses und der Schlüssel zur Wahrheit. Und deshalb
was im Extrem zu einer Konfrontation quasi gegen den Rest sollten auch weiterhin Beiträge in revisionistischen Veröf-
der Welt führt. Es kommt daher auch in dieser Gruppe zu fentlichungen erscheinen, die den Revisionismus herausfor-
Loyalitätsdenken und Konformitätsdruck, bei dem inhaltlich dern. Als Herausgeber sehe ich mich ab und zu Angriffen
abweichlerische Aussagen oder Kritik an gruppenspezifi- ausgesetzt, weil ich auch solchen Ansichten die Spalten die-
schem Verhalten zu unsachlichen Angriffen gegen den grup- ser Hefte öffne, die „unserer“ Philosophie zu widersprechen
peninternen Dissidenten und Ausgrenzungsversuchen führen scheinen oder deren Mangel an wissenschaftlichem Wert „of-
können. Da der Gruppe eine organisatorische Struktur und fenkundig“ zu sein scheint. Solche dogmatischen Urteile ex
exekutive Machtorgane fehlen – deren Ausbildung wird cathedra sind es genau, die Gruppendenken auszeichnen und
durch permanente Intervention der feindlich gesonnenen die so gefährlich sind. Wenn eine Diskussion zeigt, daß eine
Umwelt verhindert – bleibt es jedoch stets bei kurzfristigen Ansicht unwahr oder unhaltbar ist, so ist es besser, genau
verbalen Attacken. dies der Welt in aller Öffentlichkeit klar zu machen, als durch
Die Auseinandersetzung mit den Argumenten und Ansichten Schweigen den Eindruck zu erwecken, man habe keine Ar-
der antirevisionistischen Denkschule ist Hauptbrennpunkt re- gumente mehr. Und wenn sich herausstellt, daß gegenläufige
visionistischer Aktivität. Eine Isolation von äußerer Kritik Ansichten doch nicht ganz unhaltbar sind, so helfen sie, die
und Beschränkung der Informationssuche bzw. -auswertung Ergebnisse wissenschaftlichen Forschens exakter zu gestal-
kann daher aus prinzipiellen Gründen nicht kategorisch er- ten.
folgen. Sie erfolgt gleichwohl bisweilen auf untergeordnetem Solange eine Auseinandersetzung sachlich ist, ist sie diskus-
Niveau, also bei der Diskussion von Einzelaspekten, die in- sionswürdig. Alles in Maßen genossen, versteht sich.
dessen entscheidend sein können. In dieser Hinsicht unter-
scheidet sich die revisionistische Diskussionskultur nicht von Weiterführende Literatur
anderen normalen Denkschulen, die immer eine gewisse – Irving L. Janis, Groupthink. Psychological Studies of Pol-
Tendenz zur akademischen Selbstbefriedigung besitzen. icy Decisions and Fiascoes, Houghton Mifflin, Boston
1982
6.2.3. FOLGEN – Paul ’t Hart, Groupthink in Government. A Study of Small
Der ständige Druck und der andauernde Versuch der Um- Groups and Policy Failure, Johns Hopkins University
welt, die Revisionisten in die totale Isolation zu drängen, Press, Baltimore 1994
verursacht eine Armut an Kritik, die aktiv an die Revisioni- – Paul Kowert, Groupthink or Deadlock. When do Leaders
sten herangetragen wird. Außenstehende vermeiden es Learn from their Advisors?, State University of New York
schlicht aus Selbstschutz, mit den Revisionisten in Zusam- Press, Albany 2002
menhang gebracht zu werden, selbst wenn man deren An-

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Dachau-Greuelmärchen bloßgelegt
Von Baurat h.c. Dipl.- Ing. Walter Lüftl
Dem Buche von Alphons Matt Einer aus dem Dunkel, das »Ich habe die Gaskammer als Kriegsgefangener mitge-
die Mitwirkung des Beauftragten des Internationalen Roten baut.«
Kreuzes (IRK) Louis Haeflinger bei der Befreiung des KZ Von diesem Mann erhielt der Verfasser auch die Informa-
Mauthausen im Mai 1945 darstellt (wie „befreit“ man ein tion über das Massaker der US-Army an dem gefangenge-
Lager, dessen Wachen schon abgezogen waren?), ist auf Sei- nommenen und unbewaffneten Wachpersonal.
te 42 folgendes zu entnehmen:1 2) Über der Pseudogaskammer – ein ebenerdiges Gebäude
»Der Wiener Textilindustrielle (Anm.: und spätere Präsi- mit nicht ausgebautem Steildach – gab es keine Aufent-
dent der österreichischen Industriellenvereinigung) Franz haltsräume für Häftlinge. Der „Zeitzeuge“ für die Greuel
Mayer-Gunthof erinnert sich an den Beginn seiner KZ-Haft Mayer-Gunthof kann daher nicht »direkt über den Gas-
in Dachau: kammern« gewesen sein.
„...habe ich mich aber doch einmal zu dem Fenster hinauf- 3) Er konnte daher weder sehen, wie Menschen vergast wor-
geturnt, und dann sah ich unten Leichen über Leichen, und den sind, noch wie Leichen verbrannt worden sein sollen.
ich habe mit Schrecken erkannt, daß wir direkt über den 4) Das Krematorium befand sich außerhalb des eigentlichen
Gaskammern waren, und ich habe gesehen, wie Menschen Lagerbereiches.
vergast und ihre Leichen verbrannt wurden. Die Schnee- 5) Lt. Neufert erfolgt die Kremierung »staub- und geruchs-
flocken, das waren die Aschenteilchen vom Krematori- frei«, er konnte daher keine Aschenteilchen vom Kremato-
um...“« rien (»immer wie Schneeflocken«) gesehen haben.2
Was ist die Wahrheit? Man kann daher mit Gewißheit angeben, daß die ganzen An-
Der spätere Präsident der österreichischen Industriellenverei- gaben des „Zeitzeugen“ für die Greuel wohl von A-Z, jeden-
nigung ist ein Märchenerzähler! Denn: falls in weiten Teilen objektiv unrichtig sind.
1) Sogar die Lagerleitung der Gedenkstätte KZ-Dachau und Wenn also Herr Mayer-Gunthof richtig zitiert worden ist, so
die Stadt Dachau erklären, daß in Dachau niemand vergast kann er dies bloß vom Hörensagen erzählen. Die topographi-
worden ist. Die jetzt existierende „Gaskammer“ ist eine schen und technischen Gegebenheiten lassen eine ganz klare
Attrappe, die nach dem Kriege erbaut worden ist. Diese Beurteilung zu: Die Angaben des „Zeitzeugen“ für die Greu-
Angabe machte schon 1952 ein ehemaliger SS-Mann dem el“ sind falsch.
Verfasser gegenüber, der diesen Mann auf einer Baustelle Man fragt sich bei den Erzählungen der „Zeitzeugen“ immer
in Wien 14 kennenlernte. Der ehemalige SS-Mann war wieder, wieso sonst durchaus honorige und vertrauenswürdi-
dort Polier, der Verfasser Ferialpraktikant. Der Gewährs- ge Menschen dazu kommen, so eklatant die Unwahrheit zu
mann erklärte: erzählen. Der Verfasser kannte Herrn Mayer-Gunthof per-
sönlich, die Befragung zu dieser oben
zitierten Fabel scheiterte an dem Um-
stand, das diese dem Verfasser erst
nach dem Tode des „Zeitzeugen“ zur
Kenntnis gelangt war!
Ist es das „Odysseus-Syndrom“? Man
müßte Psychologen befragen, sofern
nicht schon „Pseudologica phantastica“
zu diagnostizieren ist, wofür schon die
Psychiater zuständig wären.
Was ist Wahrheit frug schon Paul Ras-
sinier.3 Und der saß immerhin Jahre als
französischer Widerstandskämpfer im
KZ Buchenwald. Als er als Franzose im
großen Auschwitz-Prozeß die Wahrheit
als Zeuge dem deutschen Gericht ver-
mitteln wollte, wurde ihm die Einreise
verweigert. Warum wohl? Weil er die
Wahrheit kannte, und die war wohl
Einer von beiden ist ein Holocaust-Lügner – oder gar beide? „volkspädagogisch unerwünscht“ oder
Dr. Dr.h.c. Mayer-Gunthof, Jurist, Alphons Matt, geboren 1920, gestorben „sozialethisch verwirrend!“
geb. am 18.8.1894 in Mährisch- 4.12.2000. Ab 1945 in Österreich als Korre-
Trübau. 1920 übernahm er die von spondent für verschiedene Schweizer Zeitungen
Anmerkungen
seinem Urgroßvater gegründete und für Radio Studio Zürich des Landessenders
1
Weberei Vöslauer Kammgarnfa- Beromünster. 1963 trat er in die Chefredaktion Alphons Matt, Einer aus dem Dunkel. Die Be-
brik. Er engagierte sich in der Ver- der Zeitung Die Weltwoche ein. Später war er freiung des Konzentrationslagers Mauthausen
einigung österreichischer Industri- politischer Redakteur am Schweizer Fernsehen durch den Bankbeamten H., SV Internat.,
eller und war Befürworter der DRS. Durch seine Tätigkeit traf Alphons Matt Schweizer Verl.-Haus, Zürich 1988.
2
österreichischen Sozialpartner- mit vielen Politikern und Staatsmännern des In- E. Neufert, Bauentwurfslehre, Ullstein Fach-
verlag, Frankfurt am Main 1962, S. 423.
schaft. Er starb am 2. Februar und Auslandes zusammen. 3
Druffel, Leoni 1982.
1977 in Wien.

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 165


Jüdische Mythen um die Berliner Olympiade (1936)
Von Prof. a.D. Dr. Robert Faurisson

Im Jahr 1936 bestanden in den USA immer noch Apartheitsgesetze, die die Rechte der farbigen Staatsbürger mas-
siv einschränkten. Farbige waren jederzeit Demütigungen durch Weiße ausgesetzt. Im Gegensatz dazu hatten Far-
bige deutscher Staatsangehörigkeit wie auch solcher fremder Staatsangehörigkeit im Dritten Reich Adolf Hitlers
die gleichen Bürger- bzw. Menschenrechte wie allen anderen auch und wurden auch entsprechend behandelt. Es
mag deren nicht viele gegeben haben, aber diskriminiert wurde diese Gruppe nicht. Da Hitlers Reich allgemein als
abgrundtief rassistisch angesehen wird, paßt diese Tatsache allerdings nicht ins Konzept. Da wird dann flugs mit
etwas Lügenpropaganda nachgeholfen, mit der behauptet wird, Hitler habe dem schwarzen Olympiasieger Jesse
Owens bei der Berliner Olympiade 1936 aus rassistischen Gründen jede Ehrbezeugung verweigert.

Am 17. September 2000 brachte Frankreichs angesehenste chen Demütigungen ertragen, die den Schwarzen in seinem
Tageszeitung Le Monde einen Artikel von Sylvain Cypel Land in öffentlichen Verkehrsmitteln wie auch anderswo zu-
über Jesse Owens, den amerikanischen Mulatten, der 1936 teil wurden, und er versäumte nicht, Vergleiche zu ziehen mit
bei den Olympischen Spielen in Berlin vier Goldmedaillen der Behandlung, die er in Deutschland genossen hatte. Als
gewann.1 das Berliner Stadion 1984 den Namen Jesse Owens annahm,
Der Journalist ist gezwungen einzugestehen, daß die Ge- vier Jahre nach J. Owens Tod, erinnerte sich seine Frau, daß
schichte, laut der Reichskanzler Hitler sich weigerte, die ihr Gatte nie Beschwerden über Hitlers Deutschland geäußert
Hand Jesse Owens zu schütteln, nichts als eine Legende ist. hatte. Wie hätte er das auch tun können? Als er Seite an Seite
Allerdings gab Le Monde noch 1991 der Legende einige mit seinem deutschen Freund und Rivalen Luz vom Feld
Glaubwürdigkeit mit einem Artikel von Claude Sarraute, die schritt, schallten ihnen Ovationen entgegen. In dem zweibän-
es wagte zu schreiben:2 digen Photoalbum über die Spiele wird Hitler sechsmal ge-
»Hitler weigerte sich wirklich, die Hand Jesse Owens, des zeigt, J. Owens siebenmal und die schwarzen Athleten insge-
amerikanischen schwarzen Champions während der Berli- samt zwölfmal. Das Kapitel über Schnellauf beginnt mit den
ner Olympiade in 1936 zu schütteln.« Worten: »Der schnellste Mann der Welt: Jesse Owens -
Im Protokoll war nicht vorgesehen gewesen, daß die Athleten USA«. Die erste Seite des ersten Bandes enthält ein Bild von
dem Reichskanzler vorgestellt werden sollten, und J. Owens Adolf Hitler in einer Gruppe deutscher Amtsträger, und die
selbst verneinte später, jemals in Hitlers Nähe gewesen zu Titelseite des zweiten Bandes ein Bild von Theodor Lewald,
sein. Was S. Cypel hätte erwähnen können ist, daß Hitler, der einem Juden und damaligen Präsidenten des Olympischen
die Niederlage von Ludwig (Luz, nicht Lutz) Long im Weit- Organisationskomitees.4
sprung von der Bühne aus gesehen hatte, zunächst wie viele
andere Deutsche Enttäuschung zeigte, dann aber zur Leistung Die jüdischen Athleten bei den Olympischen Spielen
des schwarzen Amerikaners applaudierte.3 S. Cypel schreibt, daß »den deutsch-jüdischen Athleten die
Der gleiche S. Cypel versäumt zu erwähnen, daß der Name Teilnahme an den Spielen verwehrt wurde.« Er sollte sich er-
des J. Owens viermal auf dem Ehrenturm im Olympischen innern, daß, wie ich gerade erwähnt habe, der deutsche Jude
Stadium eingraviert wurde. Ein Photo hat es verewigt, wie Theodor Lewald Präsident des Olympischen Organisations-
ein deutscher Bildhauer den berühmten Namen zum zweiten komitees war. Die deutsche Jüdin Helene Mayer gewann die
Mal an erster Stelle auf dem Monument eingraviert. Zurück Silbermedaille im Fechten; der deutsche Jude oder Halbjude
in den Vereinigten Staaten mußte der Athlet erneut die tägli- Rudi Ball war bei den Winterspielen 1932 ein Mitglied des
deutschen Eishockey Teams gewesen, das die Bronze-Me-
daille gewann. Er spielte auch wieder im Team bei den Spie-
len 1936, die in Garmisch-Partenkirchen abgehalten wurden.
Es stimmt, daß in letzter Minute der deutsche Hochsprung-
Star, Gretel Bergmann, vom Team gestrichen wurde, was
aber nicht aufgrund ihrer Angehörigkeit zur jüdischen Rasse
geschehen sein kann, wie anhand der vorerwähnten zwei an-
deren Athleten zu sehen ist. Hitler hatte ausdrücklich ange-
ordnet, daß jüdische Athleten nicht vom deutschen Team
ausgeschlossen werden durften.5 Zum Thema der Teilnahme
deutsch-jüdischer Athleten an der Olympiade lohnt es sich,
die Stellungnahme Victor Klemperers zur Kenntnis zu neh-
men, eines Vetters des bekannten Dirigenten Otto Klemperer.
Der mit einer „Arierin“ verheiratete Sohn eines Rabbi ver-
brachte die gesamte nationalsozialistische Zeit – einschließ-
lich der Kriegsjahre – in Deutschland, genauer gesagt in
Dresden, das er erst nach dem verheerenden Alliierten Bom-
benangriff im Februar 1945 verlassen mußte. In seinem per-
sönlichen Tagebuch verzeichnet er unter dem Datum des 13.
Jesse Owens 1936 in Berlin August 1936:6
auf dem Weg zu einer seiner Goldmedaillen.

166 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2


»Ich finde die Olympischen Spiele, die bald vorbei sind, Zugegeben, anti-zionistische Juden bedauerten oder verurteil-
doppelt abstoßend. Als eine absurde Überbewertung von ten diese Entwicklung. Viele Juden vor allem der älteren Ge-
Sport hängt die Ehre eines Volkes davon ab, ob einer sei- neration waren stolz auf ein gewisses Deutschtum. Sie be-
ner Angehörigen zehn Zentimeter höher springt als andere. trachteten die Zukunftspläne, die von jungen Juden als Lö-
Und im übrigen, es war ein Neger aus den Vereinigten sung angesehen wurden, als ein aufziehendes Unheil.
Staaten, der am höchsten sprang, und die Silbermedaille Die Deutschen genehmigten die Bildung uniformierter para-
im Fechten wurde von der Jüdin Helene M[a]yer für militärischer jüdischer Gruppen unter einer blau-weißen
Deutschland gewonnen (Ich weiß nicht, was mehr unge- Flagge (der späteren Flagge des Staates Israel) unter der Be-
bührlich ist, ihre Teilnahme für das Deutschland des Drit- dingung, daß sie nicht durch die Straßen marschierten, son-
ten Reiches oder die Tatsache, daß ihre Leistung als Sieg dern nur durch ihre Schulbereiche oder Kasernen. Zeitweise
für das Dritte Reich bewertet wird.« wurden sogar Sport-Wettkämpfe zwischen jungen zionisti-
Es sei erwähnt, daß V. Klemperer überzeugter Antizionist schen und nationalsozialistischen Mannschaften veranstaltet.
war. Für ihn war Zionismus gleichbedeutend mit »reinem Betreffs all dieser Aspekte sollte man entweder das Buch von
Nazismus« und »abscheulich«.7 Francis Nicosia lesen8 oder die empfehlenswerte Studie von
Otto Dov Kulka.9 Weiterhin das Buch des französischen Au-
Verständnis zwischen Nationalsozialisten und Juden tors Emmanuel Ratier, Les Guerriers d’Israël.10 Man kann
Eine merkliche Zahl zionistischer Juden hatte eine Ideologie, auch in der Encyclopaedia Judaica oder der Enzyklopädie
die jener der Nationalsozialisten gleich kam. Heute gibt es des Holocaust nachschlagen; in letzterer weise ich auf die
Bemühungen, diese Tatsache zu verdunkeln, wobei man al- Eintragung »Lohamei Herut Israel« hin, welche den Vor-
lerdings Gefahr läuft, das Verständnis einer ganzen Reihe hi- schlag der „Lehi“ behandelt, der Yitzak Shamir angehörte,
storischer Tatsachen zu erschweren, wie z.B. die folgenden: bezüglich einer militärischen Zusammenarbeit von Juden und
1) Das Ha’avara Abkommen (Übergabe Abkommen) vom Deutschen gegen Großbritannien.
August 1933 zwischen Zionisten und der Regierung des
Dritten Reiches, mit dem Ziel, den weitreichenden Boy- Der Fall Marty Glickman
kott gegen deutsche Ausfuhren zu brechen oder zu umge- In seinem Bemühen, jeden kleinsten Hinweis auf Antisemi-
hen, der schon im März 1933 von anderen jüdischen Or- tismus zu entdecken und darin Verworfenheit zu finden, ihn
ganisationen über Deutschland verhängt worden war; zu bejammern und neue Forderungen zu erheben, scheut sich
2) Die Billigung der 1935 erlassenen Nürnberger Gesetze S. Cypel nicht, die Leiter der amerikanischen olympischen
zum Schutze deutschen Blutes durch einen großen Teil der Delegation von 1936 anzugreifen. Er behauptet, daß dieser
zionistischen Gruppe (diese Zionisten befürworteten die Delegation nur zwei jüdische Athleten angehört hätten, Mar-
Reinhaltung jüdischen Blutes und waren somit gegen ge- ty Glickman und Sam Stoller. In letzter Minute seien diese
mischte Ehen); Staffelläufer allerdings durch zwei Schwarze ersetzt worden,
3) Die während des gesamten Krieges bestehende Zusam- Ralph Metcalfe und Jesse Owens. Laut Le Monde sei dies
menarbeit der „Braunen Juden“ oder der „Internationalen einzig und allein deshalb geschehen, weil Glickman und Stol-
der jüdischen Kollaborateure“ mit Adolf Eichmann, der lar Juden waren! Das Argument wird allerdings dadurch
selbst pro-zionistisch und pro-jüdisch eingestellt war, wie wertlos, daß sich dieser Austausch als günstig erwies, indem
auch mit anderen deutschen Regierungsbeamten; die Schwarzen die Goldmedaille gewannen.
4) Die zahlreichen während des gesamten Krieges anhalten- Wenn man gewissen Leuten allerdings Glauben schenkt, so
den Kontakte zwischen jüdischen Vertretern und deut- sagte M. Glickman in den 80er Jahren, als er in Amerika als
schen Beamten, die so weit gingen, daß die Lehi-Gruppe, Kommentator für den New Yorker Footballklub „Giants“ be-
alias Stern Gang, ein militärisches Bündnis gegen Groß- kannt war, daß er an die Olympischen Spiele 1936 in Berlin
britannien vorschlug (Januar 1941). Oder das Treffen im »enthusiastische« Erinnerungen habe.11
April 1945 zwischen Heinrich Himmler und Norbert Ma-
sur, einem hochrangigen Mitglied des jüdischen Weltkon- Der Fall Horst Wessel
gresses. Zionisten und Nationalsozialisten stimmten beide S. Cypel lamentiert: »Das Horst-Wessel-Lied, das Lied der
einer „territorialen Endlösung der Judenfrage“ zu. Es SA zu Ehren eines antisemitischen Raufboldes, wurde nach
braucht nicht besonders betont zu werden, daß es wie in der Olympischen Hymne gesungen«. Nach jüdischen und
anderen Fällen der Kollaboration, Kooperation und des kommunistischen Behauptungen fand Horst Wessel entweder
Zusammenlebens, wie allgemein in der Politik, so auch bei einem Straßenkampf mit Kommunisten sein Ende oder in
hier nicht an versteckten Hintergedanken, Manövern und einer öffentlichen Schlägerei mit einem Zuhälter. Die Wahr-
Machenschaften mangelte. Es mangelte auch nicht an heit ist, daß dieser Sohn eines Priesters, militanter Antikom-
Meinungsänderungen. munist und aktives SA-Mitglied, Jurastudent und Dichter in
seiner Freizeit, in seinem Heim von einem Kommunisten mit
Die Ausweitung des deutschen Zionismus anno 1936 einem Schuß ins Gesicht verletzt wurde, an dessen Folgen er
Im Februar 1936, einige Monate vor der Eröffnung der in einem Berliner Krankenhaus am 23. Februar 1930 starb.
Olympischen Spiele, hielten die deutschen Zionisten ihren Im September 1929 hatte er ein Gedicht zum Ruhme der SA
Kongreß in Berlin ab. Bis zu jener Zeit hatte Deutschland veröffentlicht. Es ist dieses Gedicht, das im Dritten Reich
etwa vierzig zionistische Umschulungslager eingerichtet, in vertont und als zweiter Teil der deutschen Nationalhymne
denen jungen Juden landwirtschaftliche oder andere Berufe gesungen wurde.
beigebracht wurden, die sie später in Palästina benötigen
würden. Die jüdische Presse erlebte zu jener Zeit eine unge- Weniger Lügenpropaganda?
heure Ausweitung in Deutschland. Es wurde vom Erwachen Es ist heutzutage nicht leicht, mit der täglichen Produktion
oder Wiederbeleben des jüdischen Bewußtseins gesprochen. von Fehlern und Lügen der Tageszeitung Le Monde über das

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Dritte Reich oder die Shoah Schritt zu halten. Ich habe es mir wie auch meine Kritik an der Rezension von Le Monde ver-
zur Pflicht gemacht, sowohl dem Herausgeber Jean-Marie öffentlichen.
Colombani als auch den jeweiligen Autoren Auszüge aus
meinem Archivmaterial bezüglich falscher oder verlogener Nachwort
Artikeln zu senden, immer mit dem Hinweis: »Le Monde, die In der Ausgabe vom 29. September veröffentlichte Le Monde
unredliche Zeitung (Fortsetzung)«. Ich bin mir bewußt, daß in einem Beitrag unter dem Namen Philippe-Jean Catinchi
diese Zeitung, die immer in Geldnot ist und die Rache der eine kurze Rezension eines Buches von Jean-Michel Blaize-
Juden fürchtet, ständig versucht, Buße für die Kardinalsünde au, Les Jeux défigurés de Berlin (Die entweihten Berliner
zu tun, dies sie beging, als sie meine vernichtenden Beobach- Spiele). Ein Auszug hierin besagt, das einzige, was von den
tungen über die physische und chemische Unmöglichkeit von Olympischen Spielen von 1936 geblieben sei, sei »der Zorn
NS-Gaskammern in ihren Ausgaben vom 29. Dezember 1978 Hitlers und seine Ablehnung, Jesse Owens die Hand zu rei-
und 16. Januar 1979 veröffentlichte. Es ist diese Tatsache, chen«. Nichts in diesem Artikel weist darauf hin, daß dies
die in den Köpfen jener eingraviert ist, die behaupten, nie zu eben nur eine Legende ist.
vergessen und nie zu vergeben. So ist es, aber irgendwo © 17. September 2000
müßte der Unterwürfigkeit eine Grenze gesetzt sein.
Jean-Christophe Mitterand hat Le Monde als den »Resonanz- Anmerkungen
körper« einer »gewissen jüdischen Lobby« angeprangert.12 Aus dem Englischen übersetzt von Hans H. Rummel.
1
Diese Lobby bringt unsere Trommelfelle zum platzen mit ih- »1936, à Berlin, l’Aryen „Lutz“ devient l’ami de Jesse, le métis« (1936 in
rer Lügenpropaganda wie auch mit den Erfindungen der Berlin befreundet der Arier „Lutz” Jesse, den Mulatten), Le Monde, 17-
18 September 2000, Seite VI.
„Holocaust-Industrie“ und ihren Fabrikationen des Shoa- 2
»Bleu, blanc, noir«, Le Monde, 3. Dezember 1991, Seite 34.
Business. Es wird Zeit, daß Le Monde aufhört, dieser Reso- 3
J.-P. Rudin, Nice-Matin, 4. April 1980.
nanzkörper zu sein. 4
Olympia 1936, Die Olympischen Spiele 1936 in Berlin und Garmisch-
Ich jedenfalls werde die Rezension eines Werkes abwarten, Partenkirchen, 2 Bände, 1936, 292 Seiten.
5
das eines der scheußlichsten sein wird, das die Holocaust- Eliahu Ben Elissar, La Diplomatie du IIIe Reich et les juifs (Die Diploma-
tie des Dritten Reiches und die Juden), Christian Bourgois, Paris 1981,
Propagandamühlen je produziert haben und das Le Monde Bd. I, S. 164.
nicht versäumen wird zu besprechen. Dabei handelt es sich 6
Journal, Bd. I, Seuil, Paris 2000, S. 286.
7
um das Buch, das vom französischen Kultusminister Jack Ebenda., S. 438.
8
Lang als Lehrbuch für französische Kinder vom vierten Francis R. Nicosia, Hitler und der Zionismus, Druffel, Leoni 1989.
9
»The reactions of German Jewry to the National-Socialist Regime« (Die
Schuljahr an als Pflichtlektüre zur Shoah ausgewählt wurde. Reaktionen des deutschen Judentums auf das nationalsozialistische Re-
Dieses von Stéphane Bruchfeld und Paul Levine fabrizierte gime) in: Jehuda Reinharz, Living with Antisemitism, New Hampshire
Gebräu soll von Ramsey unter dem Titel Dites-le à vos en- University Press of New England, Hanover 1987, S. 367-379.
10
fants (Sagt es euren Kindern) herausgebracht werden. Nach (Israels Krieger), Paris, Facta, 1995.
11
G. Frey (Hg.), Vorsicht Fälschung!, München, FZ-Verlag, 1994, S. 119.
Erscheinen dieses Buches werde ich sowohl meine Rezension 12
Libéation, 30. August 1999, Seite 15.

Walter A. Peltz: noch ein Holocaust-Falschzeuge


Von Ronald Klett
Die zwei größeren Tageszeitungen in Milwaukee, Wisconsin, Tonband aufgenommenen Interviews mit jenen 25 Zeugen
The Milwaukee Journal und The Milwaukee Sentinel, haben enthalten. Ich habe einen kleinen Teil der im Februar und
Anfang 1992 im Abstand von nur zehn Tagen ein Interview März 1980 aufgenommenen zehn Tonbänder des Herrn Peltz
mit dem Juden Walter Wolf Peltz veröffentlicht, der heute in angehört, alle 25 abschriftlichen Auszüge durchgekämmt, ge-
Mequon, Wisconsin, lebt.1 Wie wir sehen werden, ist dasje- legentlich sorgfältig lesend, wo es notwendig war, und habe
nige des Sentinel das entlarvendere. Laut Interview des Jour- die Gesamtheit der Auszüge des Interviews mit Herrn Peltz
nal ist der in Polen geborene Walter W. Peltz, der Anfang gelesen. Diese Auszüge gibt es auch in gedruckter Form.
1992 73 Jahre alt war, ein »Überlebender von fünf Nazi- Es folgt eine Auslese von Herrn Peltz’ Aussagen mit Angabe
Todeslagern«.2 des Tonbandes, von dem sie stammen, der Seite des Bandes
Peltz gibt an, jederzeit und überall vor jeder beliebigen sowie der Zeitdauer vom Beginn der Tonbandes an.
Gruppe über den Holocaust und über sein Schicksal zu spre- Spule 3, Seite A, 12 Minuten, aufgenommen am 27. Februar
chen. Er sei ein beliebter Redner, der bei zahlreichen Grup- 1980:
pen im ganzen Land vorgetragen habe.3 Bevor wir uns den »[…] ein Nachbar [in Polen] drohte, Peltz [den eine christ-
beiden Interviews zuwenden, seien zunächst Peltz’ früher liche Familie versteckt hielt5] den Nazis anzuzeigen. Peltz
gemachte Behauptungen untersucht. verprügelte ihn schwer und drohte ihm, seine Frau umzu-
In dem Buch Wegweiser zu Überlebenden des Holocaust in bringen. Später am gleichen Tag, Peltz und seine polni-
Wisconsin: ein Projekt der jüdischen Archive Wisconsins4 schen Freunde „brachten ihn um die Ecke“.«
werden die Aussagen von 24 Juden und einem Nichtjuden Dieser behauptete Mord geschah im deutsch besetzten Polen
ausführlich dargelegt. Dem Buch sind zudem fünf Mikrofil- entweder 1939 oder 1940. Herr Peltz ist daher ein bekennen-
me beigefügt, welche die Abschriften von Auszügen der auf der Mörder, vorausgesetzt, daß man seiner Geschichte glaubt.

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Daß er diese niederträchtige Geschichte erzählte und sich si- Form sind allerdings nicht identisch. Ich zitiere nachfolgend
cher fühlen konnte, daß niemand daran Anstoß nehmen wür- die im Buch abgedruckte Fassung. Wo die Mikrofilm-
de, ist ein Symptom dafür, wie tief diejenigen, die solche Ge- /Tonbandfassung abweicht, ist diese in einer Fußnote wie-
schichten verbreiten, und ihre dankbaren Zuhörer gesunken dergegeben.
sind. 03:05 BESCHREIBUNG EINER MASSENVERGASUNG
Spule 3, Seite B, 10 min 20 sec: IN MAJDANEK [manchmal Lublin genannt]. „Die Größe
»Die Nazis haben polnische Gruppen organisiert, um der Gaskammer, wie eine Garage für zwei Autos,[8] aus Be-
nachts Juden einzufangen. In einer Nacht hat eine solche ton gebaut. Falsche Wegweiser leiteten die Leute zu den
Bande zwei jüdische Kinder aus einer Familie erwischt.[6] ‚Duschbädern‘. Brauseköpfe an der Decke. In der Nähe
Peltz drohte dem Bandenführer mit dem Tode, aber die ein Anhänger mit Schläuchen zur Gaskammer, um Gas
Kinder wurden angeschossen und lebendig begraben. hineinzupumpen. Zwei Sauggebläse an der Wand der
Peltz’ Rache war „schlimmer als der Tod“.« Kammer saugten das Gas heraus.“«
Wie diese Rache aussah, wird uns nicht anvertraut. Die Fuß- »07:55 KAMMER NACH VERGASUNG „Die Körper ver-
note zu dieser Behauptung lautet: färbten sich blau. [Merken Sie sich die Farbe!] Manche
»Peltz weigerte sich, auf Einzelheiten einzugehen, so lange Personen bissen in die Person neben sich. Blut an der
das Tonbandgerät eingeschaltet war. Nach Beendung des Wand, wo Leute während ihres Todeskampfes ihre Finger
Interviews berichtete er mir [Sara Leuchter] in strengstem hineingruben. Leichen auf Anhänger geladen und in Gru-
Vertrauen, wie seine Rache ausgesehen hatte.« ben verbrannt; versehen mit Etiketten des Hinrichtungsta-
Glaubt der Leser das in den zwei vorherigen Absätzen Be- ges und besprüht mit Gas, um den schlechten Geruch zu
hauptete? Veranlassen diese Behauptungen den Leser wie mindern.[9]“ «
mich zu tiefer Skepsis? Wenn uns Herr Peltz mitteilt, daß ei- »09:22[10] LEUTE WÄHREND DER ARBEIT GETÖTET
ne polnische Bande unter deutscher Leitung zwei jüdische „[Die11] Nazis verkündeten jeden Tag [die] Anzahl der Ar-
Kinder lebendig begrub, beschuldigt er Nicht-Juden, etwas beiter, die getötet werden sollten. Manche wurden durch
getan zu haben, was von Juden als wahr bekannt ist. Haben einen Nackenschlag mit dem Spitzhackenstiel erschlagen.
wir vergessen, daß israelische Soldaten 1988 vier junge Palä- [Die] Nazis filmten und photographierten die Tötungen.«
stinenser schwer verprügelt und danach lebendig begraben »13:25 BEFÖRDERUNG VON CHRISTEN NACH MAJ-
hatten? Haben wir das schon vergessen? Was für ein kurzes DANEK „Polnische Christen wurden gezwungen, fünf Ta-
Gedächtnis haben wir für jüdische Verbrechen!7 ge lang ohne Essen auf dem Feld zu bleiben. Die Männer
Auf Seite 52 des Buches wird ausgeführt, wie sich Peltz wäh- mußten mit Vorschlaghämmern Steine brechen, die meisten
rend der aus drei Sitzungen bestehenden Interviews verhielt: starben sofort.“
»[…] als die Unterhaltung lebhafter wurde, schritt Peltz im Diese Behauptungen sind angefüllt mit Unwahrheiten:
Flur auf und ab, in seinem Eifer wild gestikulierend, um 1) Keine der heute von Majdanek behaupteten Gaskammern
die Szene wiederzubeleben.« hatte »Brauseköpfe an der Decke« oder »zwei Sauggeblä-
Ein Auszug von Spule 4, Seite A, ebenfalls am 27. Februar se an der Wand«.12
aufgenommen, ist im erwähnten Buch auf S. 7 abgedruckt. 2) Herr Peltz behauptet, daß die Leichen sich blau verfärb-
Dieser Auszug wurde aus den Hunderten von Interview- ten. Die beiden Giftgase, die in Majdanek angeblich zum
Seiten wohl deshalb so prominent herausgestellt, weil die Massenmord angewendet worden sein sollen, sind Blau-
darin enthaltenen Behauptungen die hysterischsten sind und säure (HCN) und Kohlenmonoxid aus Druckflaschen
deshalb wohl am besten geeignet sind, im Gedächtnis der be- (CO).13 Im zitierten Auszug wird das verwendete Gas
einflußbaren Leser haften zu bleiben. nicht genannt, aber auf Spule 4, Seite A (zwischen 4:40
Der Text des Auszugs auf Mikrofilm und jener in gedruckter und 6:30 min) führt Peltz aus:
»Einer der Nazis gab ein Zeichen an irgend
jemand, der dort in jenem, in jenem, äh, An-
hänger oder was auch immer das ist, war,
und dauerte nicht eine Minute oder so, und
die Motoren [des Anhängers, durch Schläu-
che mit den angeblichen Gaskammern ver-
bunden] begannen zu dröhnen, und offen-
sichtlich strömte Kohlenmonoxid oder was
immer es war aus dem Anhänger in die
Schläuche, die in jenen Raum [in die soge-
nannte Gaskammer] führten.«
Peltz Behauptung von der Verwendung von
Lastwagenmotorabgasen ist einzigartig für das
Lager Majdanek, von dem ansonsten die gesam-
te Literatur von der Verwendung von entweder
Zyklon B (als HCN-Quelle) oder in Druckfla-
schen abgefülltes CO ausgeht. Niemand hat je
behauptet oder angenommen, in Majdanek seien
Lastwagen-Auspuffgase zur Hinrichtung ver-
Bis zum Beginn des 1. Weltkrieges war Milwaukee eine der deutsche-
sten Städte Amerikas. Die seither nicht enden wollende antideutsche wendet worden.
Hetze führte innerhalb weniger Jahrzehnte dazu, daß diese Stadt wie 3) Sowohl Kohlenmonoxid-14 als auch Blausäure-
auch der gesamte Staat Wisconsin seinen deutschen Charakter verlor. vergiftungen15 rufen eine merklich hellrote bis

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kirschrote Verfärbung der Haut von Opfern hervor. In mern« in Majdanek, sagte er im Radio, hätten die Größe ei-
keinem der Fälle wird die Haut blau verfärbt. Blaufärbung ner Garage für drei bis dreieinhalb Autos gehabt, errichtet
ist ein Ergebnis von Sauerstoffmangel, an dem die Opfer aus Zementblöcken, und hatten eine Eingangs- und eine Aus-
aber bei den für Majdanek berichteten Tötungsmethoden gangstür.21 Der Leser wird wohl merken, daß aus einer Gas-
nicht gelitten hätten. kammer nun mehrere wurden, aus Beton wurde Zement, und
Das gesamte auf Band aufgenommene Interview erweist sich die Kammern wuchsen zudem von der Größe einer zwei-
als noch entlarvender als der hier zitierte Auszug. So erzählt Auto- zur Größe einer drei-Auto-Garage.
er z.B. über Majdanek das folgende Märchen, von dem be- Der Revisionist Bradley R. Smith, der das Committee for
reits ein wenig zitiert wurde (Wiederholungen und sprachli- Open Debate on the Holocaust, CODOH, gegründet hat, war
che Qualitätsmängel im Original):16 auch Gast beim selben Radioprogramm. Insgesamt waren
»Ungefähr fünfundzwanzig Fuß entfernt von dort von der, vier Gäste anwesend: Herr Peltz und Martin Alexander (bei-
von, zwanzig oder fünfundzwanzig Fuß entfernt von jenem de Juden), Gaston Vandermeerssche22 sowie Herr Smith, der
merkwürdigen Gebäude oder jener Garage [der sogenann- die Wahrheit tapfer gegen ihre drei Feinde verteidigte. Herr
ten Gaskammer], wie immer Sie es nennen wollen, wie Peltz führte aus, er werde Herrn Smith ein Stück in Los An-
auch immer ich es nennen will, sie hatten ´en, ´nen künstli- geles ausgestellter Seife zeigen, die von Deutschen aus Ju-
chen Berg aus, aus der Erde, die sie aus den Löchern her- denfett hergestellt worden sei. Herr Smith antwortete, daß
ausgruben, gruben, wo die, wo sie die Leichen zu verbren- diese Seife falsch und „antideutsche Propaganda“ sei. Heute
nen pflegten. Sehen Sie, sie hatten anfänglich nicht das glaubt kein ernstzunehmender Forscher mehr an das bösarti-
Krematorium [in Majdanek], wie, wie in Auschwitz. Sie ge Greuelmärchen von deutscher Seife aus Judenfett.23
hatten, sie hatten Löcher, ungefähr vier davon, äh, wovon Die folgende Stunde der Talkshow, von 11:00 bis 12:00 Uhr
jedes, jedes Loch konnte zehn, bis zu zehntausend Leute mittags, war Telefonanrufern gewidmet, von denen die mei-
pro Tag aufnehmen. Jetzt zu den Gaskammern, als sie die sten Herrn Smith beipflichteten, wie ich erfreulicherweise er-
Leute dort hineinschoben. Und ich habe jenen künstlichen fuhr.
Berg erwähnt, der fünfundzwanzig Fuß entfernt war. Hin- Haben wir noch weitere Beweise – wenn wir noch welche
ter dem künstlichen Berg war ein großer Anhänger, ein brauchen –, daß Herr Peltz als Zeuge für den sogenannten
schwarzer Anhänger, und von dem Anhänger waren Holocaust wertlos ist? Das erwähnte Interview in The Senti-
Schläuche verbunden zu jenem Gebäude [zur sogenannten nel zitierte ihn wie folgt:
Gaskammer]. – Einer der Nazis gab jenem ein Zeichen, der »Tag und Nacht dieser Gestank, den Himmel und die
dort war in diesem, in diesem, äh, Anhänger oder was im- Schornsteine rauchen sehen und die Schreie hören, die Le-
mer das ist, und es dauerte keine Minute oder so, bis die benden bis zu ihrem Tode in den Augen behalten. […]
Motoren zu dröhnen begannen, und offensichtlich strömte Ich war zwei Jahre in Auschwitz, und ich habe nie die Son-
Kohlenmonoxid oder was immer es war aus dem Anhänger ne gesehen. Die Schornsteine rauchten 24 Stunden täglich.
in die Schläuche, die in jenen Raum führten.« Jeden Tag glaubte ich, ich gehe durch den Schornstein.«
25 Fuß, also gerade mal 7,5 Meter entfernt von dem Gebäu- Mit Schornstein meint er jene der Krematorien. Luftaufnah-
de, das nach heutiger offizieller Geschichtsschreibung die men von Auschwitz, aufgenommen von amerikanischen Auf-
angeblichen Gaskammern beherbergte, befanden sich nie- klärungsflugzeugen im Jahr 1944, zeigen keine intensive
mals vier Gruben von einer Dimension, die zehntausend Lei- Rauchentwicklung der Krematoriumsschornsteine.24 Natür-
chen pro Tag, also womöglich 300,000 pro Monat aufneh- lich nicht, denn die Krematorien in Auschwitz, konstruiert
men konnte! Von derartigen Gruben wissen die erhaltenen von der Firma Topf & Söhne, stießen weder alles verdun-
Luftaufnahmen nichts zu berichten, weiß kein anderer Zeuge kelnde Rauchschwaden aus noch irgendwelche Flammen.25
zu erzählen, und schweigt sich auch die gesamte Literatur Das Interview in The Sentinel beinhaltet eine Photographie
aus. Solch riesige Gruben – einschließlich deren gigantischen von Herrn Peltz, wie er großspurig und selbstsicher seine Ge-
Erdaushubs – hätten in unmittelbarer Nähe zum Gebäude, in schichten den Kindern einer Klasse der römisch-katholischen
dem sich die Gaskammern befunden haben sollen, gar keinen St.-Joseph-Schule in Wauwatosa erzählt, einer westlichen
Platz gehabt, und schon gar in unmittelbarer Nähe dessen. Vorstadt von Milwaukee. Das Alter der Kinder in der Schule
Peltz’ Märchen erinnern an ähnliche Behauptungen, die für liegt zwischen 4 und 14 Jahren, also vom Kindergartenalter
das Lager Treblinka gemacht werden,17 haben aber offenbar bis zur achten Klasse.26 In dem unmittelbaren Hintergrund
nichts mit dem KL Majdanek zu tun. Diese grotesken Erfin- sehen wir ein Mädchen in seiner Schulbank sitzend, seine
dungen sind der letztendliche Sargnagel in den Lügenge- Augen auf ihn gerichtet, sein Gesicht angsterfüllt, unglück-
schichten des Herrn Peltz! lich, deprimiert. Das Kind ist ein Opfer des Herrn Peltz. »Er
Über einen Beweggrund von Herr Peltz erfährt man auch et- hält 50 oder 60 Vorträge jährlich, oft in Schulen«, teilt uns
was. Er mag nämlich Professor Butz und dessen Buch Der der Sentinel mit. Das anfangs erwähnte Buch über Wis-
Jahrhundertbetrug nicht,18 die nun über ein viertel Jahrhun- consins „Zeugen“ rundet dieses Bild ab:27
dert alte, aber immer noch hochaktuelle Einführung in den »[Er] hat in den vergangenen neun Jahren [seit 1971] über
sogenannten Holocaust:19 den Holocaust gesprochen. Arbeitet eng zusammen mit
»Arthur Butz – klagt Herr Peltz – und eine Reihe andere dem Milwaukee Unterrichtsausschuß.«
Butze werden kommen und Bücher schreiben, und sie wer- Was berichtet Herr Peltz den Kindern? Lügt er ihnen genauso
den das ganze Ding verändern, und ich hoffe, daß diese etwas vor wie während der hier besprochenen Interviews?
[Interviews] es am Leben erhalten werden. So, sie werden Viele tausend Kinder sind zu seinen Opfern geworden. Wer-
vorwerfen […]« den sie jemals erfahren, daß der Mann, dem sie zuhörten und
Was hat Herr Peltz nun bei anderen Gelegenheiten ausge- dem sie glaubten, dessen deutschfeindliche Märchen sie viel-
führt? Walter Peltz war 1989 Gast in Milwaukee bei der Ra- leicht niemals vergessen werden, und dessen Haß ihr Haß
dio-Talkshow von Bob und Betty Sanders.20 Die »Gaskam- geworden ist, ein Lügner ist?28 Eine Gesellschaft, die weni-

170 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2


ger verdorben ist als die amerikanische, würde einen Kerl Solch krasse lügenhafte Übertreibungen über die Öfen von
wie Peltz kein Klassenzimmer betreten lassen, wo er die See- Auschwitz, die je nach Typ entweder 3 oder 8 Öffnungen
len der Kinder vergiftet. Aber die amerikanische Gesellschaft (Muffeln) besaßen, je nur eine Leiche aufnehmen konnten,
gibt Peltz nicht nur freien Spielraum, sie ist außerdem über- nicht Tag und Nacht in Betrieb sein konnten und waren, kei-
zeugt, daß diese Handlung, die in Wirklichkeit ihre Ver- ne Flammen ausstießen und auch keinen Geruch brennenden
kommenheit beweist, ein Beweis ihrer moralischen Überle- Fleisches verbreiteten,36 sind mir bisher nicht unter die Au-
genheit ist. gen gekommen. Auch hat noch niemand je behauptet, Dr.
Was soll man zum Beispiel von den zwei Journalisten halten, Mengele habe irgendwelche Versuche an Leichen vorge-
die sich ereifern, diesen Mann zu interviewen und seine Lü- nommen, die in einer Gaskammer herumlagen.
gen zu verbreiten? Die eine ist Marie Rohde, Religions- Für dieses jüdische Lügen- und Haßprojekt gab die vom
Korrespondentin für das Milwaukee Journal, der andere Wil- Steuerzahler finanzierte Staatliche Historische Gesellschaft
liam Janz, Journalist im Stabe des Milwaukee Sentinel. Herr 38.000 US-Dollar aus. Das ebenfalls größtenteils durch Steu-
Janz bezeichnet in seinem Interview jene Personen, die die erzahler finanzierte Wisconsin Humanities Committee steuer-
Lügen des sogenannten Holocaust zurückweisen, als »Haßa- te $39.719 bei.37 Würden diese Vereinigungen eine gleich
postel«. Er zitiert Peltz: große Summe ausgeben, um auch die andere Seite zu Wort
»Ich bin seit den 1960er Jahren sehr beleidigt und ge- kommen zu lassen, etwa auch darüber, was die Deutschen
kränkt, (weil) es Leute gibt, die nicht glauben, daß sich der während des Ersten und Zweiten Weltkrieges erleiden muß-
Holocaust jemals ereignete.« ten, wie etwa die Wahrheit über den Bombenkrieg gegen die
Fräulein Rohde zitiert Herrn Peltz (und poliert sein Englisch deutsche Zivilbevölkerung, über Besetzung, Vertreibung,
auf):29 Massendeportationen, Industrie-Demontage, Patentraub,
»Heute haben wir Haßgruppen, die versuchen, die Ge- Hungerblockaden, Automatic Arrest, Massentötungen ent-
schichte auszuradieren, um den Leuten zu sagen, daß sich rechteter Kriegsgefangener usw.? In all den Jahren, in denen
der Holocaust niemals ereignete.« die State Historical Society of Wisconsin ihre Geschichtszeit-
Die Hasser sind nicht die Revisionisten, sondern Menschen schrift herausgab, also seit September 1917, hat sie niemals
vom Schlage eines Herrn Peltz, Fräulein Rohde und Herrn auch nur ein einziges Essay über den antideutschen Terror in
Janz. Sie gehören jener überaus großen und großzügig finan- Wisconsin während des Ersten Weltkrieges veröffentlicht,
zierten Haßgruppe an, die mindestens seit 1914 eifrig und und das in einer Region, die zu 50-60% von ethnisch Deut-
ununterbrochen über das deutsche Volk und seine Geschichte schen besiedelt war und ist.
gelogen haben und auch heute noch lügen. So nannte zum Was die Juden im Zweiten Weltkrieg durchmachten, war si-
Beispiel lediglich einen Tag nach Ausbruch des Ersten Welt- cher schlimm, aber eben bei weitem weniger katastrophal, als
krieges Fräulein Rohdes Zeitung, die damals in einer über- was man uns unehrlicherweise glauben machen will, und es
wiegend von Deutschen bewohnten Stadt erschien, die Öster- war auch weit weniger schlimm als das Leiden des deutschen
reicher »Hunnen« in fetten Lettern auf ihrem Titelblatt und Volkes in und nach beiden Weltkriegen.
wiederholte dies zwei Tage später.30
Was soll man zudem von einer Staatlichen Historischen Ge- Anmerkungen
sellschaft in Wisconsin halten, der State Historical Society of Aus dem Englischen übersetzt von Zoltán Bruckner.
Wisconsin, auf deren Veranlassung diese Interviews gemacht 1
Maria Rohde, »Holocaust survivor recalls his Passover«, The Milwaukee
und in jenem abscheulichen, weil völlig unkritischen „Weg- Journal, 17. April 1992, S. B1, B5.; William Janz, »Survivor says Holo-
weiser zu Überlebenden des Holocaust in Wisconsin“ veröf- caust pain won’t go away«, The Milwaukee Sentinel, 27. April 1992, S.
5A.
fentlicht wurden, und die zu diesem gemeinen Machwerk gro- 2
Der Auszug (siehe zweiten Absatz meines Essays) nennt nur vier, in die-
ße Geldsummen beisteuerte?31 Unter den 24 dort interviewten ser Reihenfolge: Majdanek (»dreizehn oder mehr Monate«, S. 7 des Aus-
Juden ist Herr Peltz nicht der einzige, der offensichtlich lügt. zugs), Auschwitz (»zwei Jahre«, The Sentinel), Sachsenhausen (»sechs
Der Auszug aus Henry Goldes Interview weist auf „Madame Monate«, S. 14), und Dachau (»fast ein Jahr«, S. 14), wobei die letzten
Koch“, die Gattin des Lagerkommandanten in Buchenwald nicht als „Vernichtungslager“ gelten. Demnach war Herr Peltz zwischen
1942 und 1943 in Auschwitz.
hin, der »befahl, Gefangene mit Tätowierungen zu erschießen, 3
M. Rohde, aaO. (Anm. 1), S. B1.
damit sie die Haut zur Herstellung von Lampenschirmen ver- 4
Sara Leuchter (Hg.), Guide to Wisconsin Survivors of the Holocaust: A
wenden konnte.«.32 Die Geschichte ist eine Lüge.33 Documentation Project of the Wisconsin Jewish Archives, The State His-
Frau Magda Moses Herzberger war laut der für dieses Werk torical Society of Wisconsin, Madison 1983.
5
Der Familienname wird im Mikrofilm-Auszug als Michealis, im Index
gemachten Aussagen:34 des Buches als Michaelis angegeben.
»[…] Mitglied des Sonderkommandos (Todesbrigade), das 6
Offenbar der gleiche Name wie in der Anm. 5.
7
[in Auschwitz] die Gaskammern und die Krematorien von »Israel verhaftet 2 wegen Lebendbegrabung von Palästinensern«, The
den Leichen und der Asche reinigte. Dessen Mitglieder New York Times, 16. Februar 1988, S. A1, A6. Dieses Greuel ereignete
sich am 5. Februar, worüber aber offensichtlich in den USA erst zehn Ta-
wurden in jedem vierten Monat oder so getötet, damit sie ge später berichtet wurde, als der CBS-Nachrichtensender am 15. Februar
keine Zeugenaussagen machen können.« einen Bericht über die Rundfunkstation WBBM, Chicago, ausstrahlte.
Wie hat sie dann überlebt? Doch weiter:35 8
Tonband: »Es war die Größe, ich möchte sagen, ein, ein wenig größer als
»Jeder Ofen [in Auschwitz] hatte 120 Öffnungen, worin eine zwei-Autos-Garage.«
9
drei Leichen gleichzeitig hineinpaßten. Die Öfen arbeiteten Tonband: »Und sie besprühten sie [die Leichen nach der Vergasung] mit
Chemikalien – es war ein furchtbarer Geruch – damit sie nicht, äh, wis-
Tag und Nacht – Flammen sichtbar, Geruch von brennen- sen Sie, damit die Leichen nicht stinken. Sehen Sie, sie vergasten so viele
dem Fleisch. […] Menschen, und jene Löcher konnten nicht so viele Leichen aufnehmen. So
Dr. Mengele besichtigte die Gefangenen für Versuchs- war es, als sie in Majdanek Menschen vergasten und verbrannten.«
10
zwecke. Die verstümmelten Leichen, die sie in den Gas- Der Mikrofilm zeigt 09:20.
11
Der Mikrofilm läßt »the« aus.
kammern sah, waren Zeugnisse grauenhafter medizini- 12
Vgl. J. Graf, C. Mattogno, KL Majdanek, Castle Hill Publishers, Hastings
scher Versuche.« 1998.

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 171


13
Ebenda. Siehe auch R. Hilberg, The Destruction of the European Jews, 1991, S. 217-227. Raul Hilberg bezweifelt lediglich die Wahrheit der Ge-
Holmes & Meyer, New York 1985, Bd. 3, S. 879; Israel Gutman (ed.), schichte, aaO. (Anm. 13), Bd .3, S. 954f., Fußnote 26.
24
Encyclopedia of the Holocaust, Macmillan, New York 1990, Bd. 3, S. Dino A. Brugioni, Robert G. Poirier, The Holocaust Revisited: A Retro-
939. spective Analysis of the Auschwitz-Birkenau Extremination Complex,
14
Robert H. Dreisbach, Handbook of Poisoning, Lange Medical Publica- Public Affairs Office, Central Intelligence Agency, Washington, DC,
tions, Los Altos, CA, 101980, S. 256; Cyril John Polson, The Essentials of 1979.
Forensic Medicine, Charles C. Thomas, Springfield, IL, 21965, S. 9; 25
Robert Lenski, The Holocaust on Trial: The Case of Ernst Zündel, Re-
Marshall Sittig, Hazardous and Toxic Effects of Industrial Chemicals, porter Press, Decatur, AL, 1989, S. 20.
26
Noyes Data Corp., Park Ridge, N J, 1979, S. 103, Sittigs Handbook of Das sagte mir ein Mitglied des Schulpersonals am 23. Februar 1993.
27
Toxic and Hazardous Chemicals, Noyes Data Corp., Park Ridge, N J, AaO. (Anm. 4), S. 23; Spule 9, Seite B, aufgenommen am 10. März 1980.
28
1981, S. 138. Vincent J. Brookes, Morris B. Jacobs, Poisons: Properties, Herr Peltz verneint, daß er immer noch haßt, The Milwaukee Journal,
Chemical Identification, Symptoms and Emergency Treatment, Van Seite B5. Aber wenn er nicht haßt, dann sollte er nicht lügen.
Nostrand, Princeton, NJ, 21985, S. 65, führen aus: »An verschiedenen 29
The Milwaukee Journal, S. B5. Hat Fräulein Rohde das schlechte Eng-
Stellen der Haut kann bläulich-rote Farbe auftreten. Die bläuliche Kom- lisch des Herrn Peltz aufpoliert, ohne die Leser zu informieren? Und
ponente ist vermutlich teilweise dem Tode durch Erstickung zuzuschrei- wenn, hat sie dann vielleicht auch den Inhalt des Interview zensiert, um
ben.« Dabei handelt es sich wahrscheinlich um kombinierte Vergiftungen die auffallenderen falschen Aussagen, die Herr Janz beibehielt, herauszu-
und Erstickungen, z.B. mit Motorabgasen mit niedrigem Sauerstoffgehalt. lassen?
15 30
William B. Deichmann, Horace W. Gerarde, Toxicology of Drugs and »Serbs treaten …Hun Provinces«, 29. Juli 1914, und »Russian Troops
Chemicals, Academic Press, New York 41969, S. 192; Yandell Hender- Blast Bridge to Hun Capital«, 31. Juli 1914. Der Erste Weltkrieg begann
son, Howard W. Haggard, Noxious Gases and the Principle of Respira- am 28. Juli.
31
tion Influencing Their Action, Chemical Catalog Co., New York 1927, S. Jedes Tonband, aus dem ich einen Teil abspielte, beginnt mit der Erklä-
111. rung, daß das Interview für die Staatliche Historische Gesellschaft in
16
Spule 4, Seite A, 04:40 Minuten. Wisconsin gemacht wurde.
17 32
Vgl. A. Neumaier, »Der Treblinka-Holocaust«, in: Ernst Gauss (Hg.), Seite 11 dieses Auszugs (Spule 3, Seite B, 22:45, aufgenommen am 1.
Grundlagen zur Zeitgeschichte. Ein Handbuch über strittige Fragen des Oktober 1980).
33
20. Jahrhunderts. Grabert Verlag, Tübingen 1994, S. 347-374. A. Butz, aaO. (Anm. 18), Seiten 42f.
18 34
Engl.: The Hoax of the Twentieth Century, zuerst veröffentlicht 1976 Seite 8 (Spule 4, Seite A, 08:00, 22. Juli 1980).
35
durch Historical Review Press, Richmond, England; dt: ebenda, 1977. Ebenda, 16:50; und Seite B, 00:30.
19 36
Die letzten Worte, die wie »accusing« lauten, sind nicht verständlich; Vgl. C. Mattogno, F. Deana, »Die Krematoriumsöfen von Auschwitz-
Spule 10, Seite A, ungefähr 23 Minuten. Birkenau« in: Ernst Gauss (Hg.), Grundlagen zur Zeitgeschichte. Ein
20
Rundfunkstation WISN, Milwaukee, 28. Mai 1989, Vormittag um 10:00- Handbuch über strittige Fragen des 20. Jahrhunderts. Grabert Verlag,
11:00 Uhr. Der Titel der Sendung war: »Der Holocaust des II. Weltkrie- Tübingen 1994, S. 281-320.
37
ges«. S. Leuchter (Hg.), aaO. (Anm. 4), S. 4. In jeder Nummer der von der Ge-
21
Spule 4, Seite A, ca. 3 Minuten. sellschaft vierteljährlich herausgegebenen Zeitschrift The Wisconsin Ma-
22
Herr Vandermeersche ist das Subjekt von Allan J. Mayers Gaston´s War: gazine of History wird im Impressum bekanntgegeben, daß die Gesell-
The True Story of a Hero of the Resistance in World War II, Presidio schaft eine »staatliche Gesellschaft« ist, und »öffentliche Mittel« emp-
Press, Novato, CA, 1988. fängt. Schreiben des Wisconsin Humanities Committee an den Autor, 16.
23
Mark Weber, »Jewish Soap«, The Journal of Historical Review, Sommer Juni 1993.

Das Schicksal der jüdischen Familie Goldsteen aus Holland


Von Ernst Bruun
Durch Zufall bekam ich Einblick in das Familienbuch einer lie. Vor Ende des Krieges wurden weitere drei „Goldsteens“
niederländisch-jüdischen Familie, die im östlichen Teil der geboren und (zumindest) fünf starben, ohne deportiert wor-
Niederlande lebte, der Heimat eines kleinen Teils niederlän- den zu sein. Von den 117 lebenden Personen wurde die fol-
discher Juden. (Mehr als 80 Prozent der niederländischen Ju- gende Anzahl, nach Altersgruppen gruppiert, deportiert (nach
den lebten in den Städten von Nord- und Südholland, also Auschwitz, Sobibor oder Mauthausen).
dem Gebiet Amsterdam-Rotterdam.) Die verschiedenen Fa-
GEBURTSJAHR DEPORTIERT NICHT DEPORTIERT ZUSAMMEN
miliennamen der Mitglieder dieser Familie sind für diese
1850-59 2 1 3
Studie nicht von Bedeutung und deswegen nicht erwähnt.
1860-69 8 7 15
Die folgenden Daten dienen als Beispiel für das Schicksal ei-
1870-79 28 7 35
ner jüdischen Familie im Osten der Niederlande während des
1980-89 11 4 15
Zweiten Weltkrieges.
1990-99 6 2 8
Leider gibt die Aufstellung keine Auskunft über das Todes-
1900-09 7 9 16
jahr der 23 hier aufgeführten Personen, die in den Jahren
1910-19 6 8 14
zwischen 1850 und 1890 geboren worden waren (zuzüglich
1920-29 3 2 5
einiger jüngerer Personen, die gestorben sein können, ohne
1930-39 0 6 6
daß es erwähnt wird). Deswegen ist es nicht möglich festzu-
stellen, wieviele Personen im Jahr 1940 noch am Leben wa- INSGESAMT: 71 46±5 117±5
ren, als Holland von Deutschland besetzt wurde. Es war not- Die Tabelle zeigt, daß bei den Deportationen die älteren
wendig, bei der Schätzung der im Jahre 1940 noch lebenden Gruppen härter betroffen wurden als die jüngeren. Die De-
Mitglieder der „Goldsteen“ Familie von gewissen Vorausset- portationsrate für die Gruppe, die 1940 älter als vierzig Jahre
zungen auszugehen. war, betrug 72 Prozent, während die der zwischen zehn und
Anhand der Daten des Familienbuches (unter Berücksichti- vierzig Jahre alten nur 46 Prozent betrug. Kinder, die im Jahr
gung der Umstände) lebten 1940 117±5 Mitglieder der Fami- 1940 unter zehn Jahre alt waren, wurden gar nicht deportiert.

172 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2


Das Familienbuch gibt uns das Todesdatum für 68 der depor- Juden deportiert worden und aus verschiedenen Gründen
tierten Personen an. Die übrigen drei sollen die Lager über- nicht zurückgekehrt waren, weshalb sie nicht damit rechne-
lebt haben. Ein Vergleich zwischen den angegebenen Todes- ten, Verwandte oder jüdische Freunde in ihrer alten Heimat
daten und den Abfahrtsdaten der Deportationszüge zeigt uns, vorzufinden.
daß das angegebene Todesdatum immer drei Tage nach der Leider sind die Informationen eines großen Teiles der Fami-
Abfahrt der einzelnen Züge liegt. Es scheint daher offensicht- lie Goldsteen im Familienbuch zu unvollständig, um sie als
lich zu sein, daß der Buchführer des Familienbuches einfach Vorlage für das Schicksal der holländischen Juden allgemein
annahm, daß jeder, von dem eine Rückkehr nach Holland zu verwenden.
nicht bekannt geworden ist, sofort nach Ankunft in Au- Etwa die Hälfte der Überlebenden war 1945 im Alter von un-
schwitz getötet worden war oder jedenfalls drei Tage nach ter 15 Jahren. Die Verluste der Familie Goldsteen waren auf-
Abfahrt des Deportationszuges ums Leben kam. fallend niedriger als die für die Gesamtgruppe der holländi-
Es ist jedoch wohlbekannt, daß nicht alle Deportierten sofort schen Juden angegebenen.
nach ihrer Ankunft getötet wurden oder sonst ums Leben
kamen. Wenn der Todestag eines Einzelnen z. B. als »10. Quelle
September 1942« angegeben ist, besagt das in Wirklichkeit Als Quelle für diese Studie diente eine 1997 verfaßte vertrau-
lediglich, daß diese Person am 7. September deportiert wurde liche, unvollendete Genealogie mit dem Titel Genealogie van
und seither nichts über sein weiteres Schicksal bekannt wur- Barend Goldsteen, verfaßt von einem Dr. Jozef Jacobs aus
de. Es ist durchaus möglich, daß ein Teil der 68 „Gold- Antwerpen (Desguinlei 90, bus 14i, Antwerpen, Belgien; e-
steens“, die nach dem Krieg nicht nach Holland zurückehr- mail jozefjacobs@glo.be; tel/fax +32 3 2164395), der davon
ten, Auschwitz in Wirklichkeit überlebt haben und daß davon anscheinend 11 Kopien anfertigte, die für elf namentlich ge-
wiederum ein Teil erst auf dem Marsch bei der Evakuierung nannte Mitglieder der Goldsteen-Familie gedacht waren.
des Lagers starb. Ein anderer Teil mag während der letzten Dem Manuskript beigefügt war ein persönlicher Brief an die
Kriegsmonate in einem anderen westlichen Lager verstorben elf Adressaten, worin um ergänzende Beiträge zur Vervoll-
sein. Es besteht zudem die Möglichkeit, daß einige von ihnen ständigung der Goldsteen-Genealogie gebeten wurde. Ein
den Krieg tatsächlich überlebten und sich aus irgendeinem Außenstehender, der von meinem Interesse am Studium von
Grunde entschlossen, nicht in ihre Heimatstadt zurückzukeh- Zufallsproben jüdischer Schicksale im Zweiten Weltkrieg
ren, sondern ein neues Leben in einem anderen Land zu be- wußte, schaffte es irgendwie, eine Kopie des Manuskripts zu
ginnen. Es gab gute Gründe für ein solches Verhalten, etwa bekommen und mir zuzusenden. Heute erinnere ich mich
wenn sie selbst annahmen, daß praktisch alle holländischen nicht mehr, wer diese Person war.

KL Sachsenhausen
Stärkemeldungen und »Vernichtungsaktionen« 1940 bis 1945
Von Carlo Mattogno

Das unweit von Berlin gelegene Konzentrationslager Sachsenhausen – gelegentlich auch Oranienburg genannt –
spielt in der Diskussion um den „Holocaust“ kaum eine Rolle. Wenn sich Carlo Mattogno in folgendem Beitrag mit
diesem Lager befaßt, so hat dies zwei Gründe. Erstens ermöglichen die von ihm sowie Jürgen Graf im Staatlichen
Archiv der Russischen Föderation, Moskau, aufgefundenen Dokumente aus Sachsenhausen eine äußerst genaue
Bestimmung der Lagerstärke sowie der Sterblichkeit während der Kriegszeit. Die Veröffentlichung dieser Unterla-
gen ist ein Akt der positiven Geschichtsschreibung, die nicht lediglich Geschichtslügen und Mythen widerlegen,
sondern so genau wie möglich ermitteln will, was wirklich geschehen ist. Zweitens ist der Fall Sachsenhausen un-
gemein aufschlußreich für die Methoden der alliierten, in diesem Fall spezifisch der sowjetischen Greuelpropagan-
da während der unmittelbaren Nachkriegszeit. Teilweise wird diese Greuelpropaganda bis zum heutigen Tage wei-
tererzählt, denn in mehreren Standardwerken der „Holocaust“-Literatur wird nicht nur die Opferzahl von Sachsen-
hausen übertrieben, sondern auch behauptet, in jenem Lager seien zahlreiche Häftlinge mit Giftgas getötet worden;
ferner hätten die Deutschen dort viele tausend sowjetische Kriegsgefangene in einer Erschießungsanlage ermordet.
C. Mattogno weist nach, daß diese Behauptungen jeglicher historischen Grundlage entbehren, und zieht zum
Schluß seiner Betrachtungen interessante Querverbindungen zum KL Mauthausen in Österreich.

1. Die Sowjetpropaganda Kenntnis von den fahrbaren Gaskammern. Aber auch fahr-
Während des Nürnberger Prozesses gab der sowjetische bare Krematorien wurden gebaut. Ein SS-Mann namens
Oberjustizrat Smirnow bei der Verhandlung vom 19. Februar Paul Waldmann bezeugt ihr Bestehen. Er war einer der
1946 folgendes zum besten:1 Mitverbrecher der deutschen Faschisten, die 840000 russi-
»Ich lege nunmehr Beweismaterial für die Tatsache vor, sche Kriegsgefangene in Sachsenhausen ermordeten.«
daß neben den stationären Krematorien auch fahrbare Paul Ludwig Gottlieb Waldmann war im Jahre 1934 der All-
Krematorien bestanden. Der Gerichtshof hat bereits gemeinen SS beigetreten und wurde später in die Waffen-SS

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 173


übernommen. Von 1936 bis De-
zember 1941 diente er als Kraft-
fahrer im KL Sachsenhausen
und kam anschließend an die
Front. Am 2. Mai 1945 geriet er
in sowjetische Kriegsgefangen-
schaft.
In einer mit der Erläuterung
»selbst geschrieben und unter-
schrieben« versehenen Erklä-
rung hatte Paul Waldmann das
von Smirnow behauptete unfaß-
bare Verbrechen in der Tat „ge- Abb. 1: Grundriß des vormaligen Hygienegebäudes des ehemaligen KL Sachsenhausen
standen“:2 mit Greuelpropaganda-Beschriftung: Links oben die angebliche Genickschußanlage,
»Im Spätsommer des Jahres rechts unten die angebliche „Gaskammer“.
1941 wurden durch ein Son-
derkommando der Sicherheitspolizei, das direkt der stube): Im Jahre 1942 am 1. Oktober wurden diese Genos-
Reichskanzlei des Führers Adolf Hitler unterstand, im La- sen ihrer Lagerfunktionen enthoben und zum Zellenbau
ger Sachsenhausen insgesamt 840000 Kriegsgefangene- gebracht. Einige Tage später kamen durch diese Aktion 18
Russen [sic] exekutiert.« unserer Genossen auf Transport in das Straflager Flossen-
Die Aberwitzigkeit dieser Aussage ist dermaßen augen- bürg.«
scheinlich, daß man es sich im Grunde genommen schenken »4) Aktion gegen Juden. Dieselben erstreckten sich über
kann, auf sie einzugehen. Wenn ich dies dennoch tue, dann die ganze Dauer des Konzentrationslagers. Viele Tausende
nur darum, um – einmal mehr – die Singularität der sowjeti- wurden dabei vernichtet. Zu einem Teil wurden sie im La-
schen Anklageprozeduren zu erhellen. Verblüffend ist dabei ger (Industriehof) erschossen, zum Teil bei der Arbeit tot-
nicht bloß die Dreistigkeit, mit der die Sowjets beim Nürn- geschlagen. Bei der systematischen Vernichtung bei der
berger Prozeß einen so hanebüchenen Unsinn auftischten, Arbeit waren in der Hauptsache SS-Angehörige aber auch
sondern vor allem die Tatsache, daß sie sehr wohl über die aus den Reihen der Häftlinge (Berufsverbrecher, asoziale
totale Abwegigkeit der Erklärung Paul Waldmanns Bescheid Häftlinge und sonstige schlechte Elemente) beteiligt. Es
wußten. Als die Sowjets das KL Sachsenhausen am 27. April wurden auch Judentransporte zusammengestellt nach ver-
1945 besetzten, fanden sie nämlich die vollständigen Stärke- schiedenen Straflagern zur Vernichtung derselben, so z. B.
meldungen des Lagers für 1940 bis 1945 vor, die, wie wir in Maudhausen [sic], Flossenbürk [sic], Bergenbelzen [sic] und
Absatz 3 darlegen werden, die von Waldmann in seinem Ge- Lublin. Auch auf dem zum Lager gehörigen Klinkerwerk
ständnis aufgestellten und später von Smirnow aufgegriffe- fanden viele Juden durch Hunger und Kälte den Tod.«
nen Behauptungen unzweideutig ins Reich der Legende ver- »5) Aktion gegen Homosexuelle im Jahre 1943«: 100-200 Er-
weisen. schossene.
»6) Aktion gegen die Kranken (Körperschwachen und Tu-
2. Die »Ausrottungsaktionen« in Sachsenhausen berkuloseerkrankten): Gegen dieselben wurden ca. 3-4
Am 9. Mai 1945 verfaßte ein gewisser Koehlen, »ehemaliger solcher Aktionen durchgeführt, vor allem in den Jahren
Schutzhäftling und Genosse der KPD«,
einen vierseitigen Bericht mit dem Titel
»Laufende Aktionen im Konzentrations-
lager Sachsenhausen von 1940 bis
1945«. Darin zählt er 12 »Aktionen«
auf. Seine Aussagen zu den wichtigeren
von diesen gebe ich vollständig wieder;
bei den restlichen begnüge ich mich mit
einer Zusammenfassung.
»1) Aktionen gegen Polen im Jahre
1940 (9. November): dabei 33 Polen
erschossen, der dazu vorhandene
Grund waren die Bromberger Ereig-
nisse.«
»2) Aktion gegen russische Kriegsge-
fangene Mitte 1941 (September-
Oktober): dabei wurden 16000 russ.
Kriegsgefangene erschossen. Jeden
Abend fuhr 4 bis 5mal ein Lastwagen
vor das russ. Kriegsgefangenenlager
und fuhr von dortselbst wieder voll-
beladen zurück zum Industriehof.«
»3) Aktion gegen Genossen (Kommu-
nisten) der Lagerzentrale (Schreib- Dok. 1: Veränderungsmeldung – 1940.

174 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2


1943 und 1944. Transport nach Bergenbelzen (sic) und Es trifft durchaus zu, daß Transporte mit Kranken aus Sach-
Lublin. Ob dieselben kranken Häftlinge dort angekommen senhausen nach Lublin abgingen: Der erste – mit 3000 kran-
sind und was dortselbst aus ihnen geworden ist, ist uns ken Häftlingen – traf am 26. Januar 1944 dort ein, der zweite
nicht bekannt. Transport Kräutergarten und Sonnenberg – mit 2.700 Kranken – am 16. März, der dritte – mit 500 Ge-
waren fingierte Namen, deren Lager nicht vorhanden wa- fangenen – am 22. März. Diese Menschen wurden freilich in
ren. Diese Häftlinge wurden wahrscheinlich erschossen Lublin (Majdanek) nicht ermordet, sondern regulär registriert
oder in Gaszellen (sic) umgebracht. Auch wurde eine Reihe und im Lagerkrankenhaus untergebracht.4 Daraus folgt, daß
von schwerkranken Häftlingen direkt nach dem zum Lager es in Sachsenhausen keinerlei Politik der Tötung erkrankter
gehörigen Krematorium gebracht. Die Zahl der dabei ums Häftlinge gab, so daß die Behauptung, Tausende solcher
Leben gekommenen Häftlinge ging in die Tausende. 1945 Kranken seien umgebracht worden, darunter 1000 Anfang
Anfang Februar ca. 1000 Häftlinge erschossen und in 1945 »erschossene und in Gaszellen vergiftete«, ganz un-
Gaszellen vergiftet. War eine Reichsmaßnahme.« glaubhaft ist.
»7) Aktion gegen Amtsanmaßung«: 100 bis 200 Berufsver- Der Zeuge gibt an, die angebliche Menschentötungsgaskam-
brecher und Asoziale wurden Ende 1943 und Anfang 1944 mer (er spricht von »Gaszellen« im Plural) sei zur Tötung
getötet. dieser Kranken verwendet worden; vergaste Juden erwähnt er
»8) Aktion gegen Genossen der Lagerzentrale«: 27 Häftlinge bemerkenswerterweise nicht. Ehe wir jedoch ausführlicher
erschossen und 110 nach Mauthausen überstellt (gegen Mitte auf diese wichtigen Punkte eingehen, müssen wir die statisti-
1943) schen Daten bezüglich Lagerstärke und Sterblichkeit in
»9) Aktion gegen das Lager im Jahre Anfang 1945«: 50 Häft- Sachsenhausen präsentieren. Die von den Sowjets beschlag-
linge als gefährliche Elemente füsiliert. nahmten Veränderungsmeldungen ermöglichen es uns, die
»10) Aktionen im Kleinen von 1940 bis 1945”: Bestrafungen betreffenden Zahlen für den Zeitraum von 1940 bis 1945
und Überstellungen, kein Mord. lückenlos zu ermitteln. Die Einzelheiten gehen aus den im
»11) Aktion gegen Zivilisten«: Zivilisten im Industriehof er- folgenden kommentarlos angeführten Tabellen hervor (siehe
schossen und dann in den Öfen verbrannt: »Die Zahl derer Dok. 1).
geht in die Tausende.«
»12) Aktion gegen Terroristen im Jahre Ende 1944 bis 1945·: Anmerkungen
300-600 Partisanen erschossen.3 Aus dem Italienischen übersetzt von Jürgen Graf.
Mit den wesentlichsten Punkten dieser Darstellung – der be- 1
Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem internationalen
haupteten Massenerschießung sowjetischer Kriegsgefangener Militärgerichtshof. Nürnberg 1947, Bd. VII, p. 644.
2
sowie der angeblichen Verwendung einer Gaskammer zur Erklärung P. Waldmanns vom 20. Juni 1945. GARF (Gosudarstwenny
Arkhiv Rossiskoi Federatsii, Staatliches Archiv der Russischen Föderati-
Menschentötung – setze ich mich in den folgenden Abschnit- on), Moskau, 7021-104-8, S. 24a (S. 6 der Erklärung).
ten auseinander; vorläufig beschränke ich mich auf einige 3
GARF, 7021-104-2, pp. 52-55.
Bemerkungen allgemeinen Charakters. 4
J. Graf und C. Mattogno, KL Majdanek. Eine historische und technische
Dem Zeugen zufolge fand die erste Hinrichtung von Häftlin- Studie. Castle Hill Publishers, Hastings 1998, S. 48. Z. LeszczyĔska,
gen in Sachsenhausen am 9. November 1940 statt. Dieser »Transporty wiĊĨniów do obozu Majdanku«, in: Zeszyty Majdanka, IV,
1969, S. 207.
Umstand hilft uns, einen mehrdeutigen Ausdruck im folgen-
den Abschnitt unzweideutig zu definieren.

3. Die Veränderungsmeldungen des KL Sachsenhausen

TABELLE 1: VERÄNDERUNGSMELDUNG - 19401


Abgänge
Entlas- Über- ohne
Monat Zugänge Abgänge sung führung Verstorben Angabe Ges. Stärke Bemerkungen
Januar 974 1920 141 72 684 1023* 31.1 11.241
Februar 868 883 150 132 499 102** 29.2 11.226
März 1074 2073 106 1545 422 30.3 10.227 1.500 nach KL Dachau 4.3.40
April 3677 1927 306 1060 561 30.4 11.977
Mai 2066 943 121 413 409 29.5 13.100 345 nach KL Neuengamme 3.5.40
Juni 1525 996 102 571 323 29.6 11.7972
Juli 1874 804 81 531 192 31.7 12.867
August 2574 2221 204 1841 176 31.8 13.220 1.000 nach KL Dachau 27.8.40
September 2236 4212 73 4049 90 30.9 11.244 3.000 nach KL Dachau
Oktober 700 257 95 52 110 31.10 11.687
November 543 936 195 568 173 30.11 11.294
Dezember 444 1230 490 591 149 31.12 10.5773 14/15.12.1940 fehlt
Insgesamt 18555 18402 2064 11425 3788 1125
* 24.1.1940; ** 9.2.1940

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 175


TABELLE 2: VERÄNDERUNGSMELDUNG - 19414
Entlas- Über-
Monat Zugänge Abgänge sung führung Verstorben Ges. Stärke Bemerkungen
2.1.10.560
Januar 581 290 121 50 119
31.1 10.868
Februar 900 284 124 50 110 28.2 11.5845
März 837 308 102 49 157 31.3 12.113
April 382 351 124 60 167 30.4 12.144
Mai 302 1314 138 1083 93 31.5 11.132
Juni 485 521 105 383 33 30.6 11.0976 *
Juli 642 230 132 62 36 31.7 11.509
August 404 674 99 537 38 31.8 11.239
September 479 1186 75 1076 35 30.9 10.532
Oktober 2777 3034 78 2814 142 31.10 10.1757 **
November 430 231 54 27 150 29.11 10.374
Dezember 443 108 1 / 107 31.12 10.709
Insgesamt 8662 8531 1153 6191 1187
* Am 3.6.41 95 Häftlinge ohne Angabe lt. Sonderliste überführt;
** Am 23.10.41 2.436 Russ. Kriegsgefangenen v. Lagerstärke abgesetzt d. h. im Krematorium liquidiert

TABELLE 3: VERÄNDERUNGSMELDUNG - 19428


Entlas- Über- Abgesetzt ohne Angabe
Monat Zugänge Abgänge sung führung Verstorben (liquidiert) Ges. Stärke Bemerkungen
Januar 329 702 484 79 139 31.1 10.336
Februar 400 355 78 63 214 28.2 10.381
März 313 1249 81 737 431 31.3 9.445
April 981 898 216 436 246 30.4 9.528
Mai 2010 547 75 155 221 96 31.5 10.991 (1)
Juni 1367 367 43 116 208 30.6 11.991
Juli 1793 520 51 52 405 12 31.7 13.264 (2)
August 1654 894 73 506 301 14 31.8 14.024 (3)
September 2549 960 180 274 497 9 30.9 15.613 (4)
Oktober 1961 1834 69 1200 557 8 31.10 15.740 (5)
November 1393 958 137 355 436 30 30.11 16.175 (6)
Dezember 1840 1463 176 728 520 39 31.12 16.552 (7)
Insgesamt 16590 10747 1663 4701 4175 208
(1) 96 Juden am 28. Mai 1942 auf Industriehof erschossen.
(2) Abgesetzt, d.h. liquidiert. (6.7.42: 2; 9.7.42: 3; 13.7.42: 1; 21.7.42: 5; 23.7.42: 1).
(3) Abgesetzt 14 (1.8.42: 2; 3.8.42: 1; 8.8.42: 7; 21.8.42: 1; 25.8.42: 3).
(4) Abgesetzt 9 (15.9.42: 7; 26.9.42: 1; 30.9.42: 1).
(5) Abgesetzt 8 (8.10.42: 1; 20.10.42: 2; 23.10.42: 1; 28.10.42: 2; 31.10.42: 2).
(6) Abgesetzt 30 (10.11.42: 1; 20.11,42: 7; 27.11.42: 18; 28.11.42: 4).
(7) Abgesetzt 39 (12.12.42: 38; 30.12.42: 1).

TABELLE 4: VERÄNDERUNGSMELDUNG - 19439


Entlas- Über- Verstorben Abge-
Monat Zugänge Abgänge sung führung † setzt † Ges. Stärke Bemerkungen
Januar 5490 627 109 82 372 64 21.415
Februar 960 1458 48 846 559 5 20.917
März 1830 975 74 137 669 95 21.772
April 2497 846 78 78 593 97 23.423
Mai 1794 547 69 143 334 1 24.670
Juni 684 527 152 134 227 14 24.87310
Juli 1461 524 96 222 201 5 25.750
August 1559 475 100 183 182 10 26.834
September 810 412 85 190 125 12 27.232
Oktober 883 457 85 266 100 6 27.658
November 784 222 56 52 106 8 28.220
Dezember 1259 1264 112 1054 95 3 28.22411
Insgesamt 20011 8334 1064 3387 3563 320

176 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2


TABELLE 5: VERÄNDERUNGSMELDUNG - 194412
Entlas- Über- † (Verstor- Abge-
Monat Zugänge Abgänge sung führung ben) setzt Flüchtig Vermißte Ges. Stärke
Januar 601 736 90 541 105 / / 28.089
Februar 486 287 99 99 78 9 2 28.288
März 881 798 96 588 104 3 7 28.371
April 2099 590 120 152 310 2 6 29.880
Mai 922 1329 85 1060 178 / 6 29.47813
Juni 4522 870 95 529 108 113 25 33.130
Juli 4720 3767 85 3568 105 6 3 34.083
August 6940 3320 103 2040 161 / 15 (1) 37.703
September 10496 3160 906 2030 183 2 16 (2) 45.039
Oktober 7771 6910 279 6430 193 / 8 45.900
November 5699 6857 194 6393 268 1 1 44.472
Dezember 5428 2476 197 1699 573 / 7 47.56514
Insgesamt 50565 31100 2349 25129 2366 136 96
(1) 1 ohne Angabe. 1000 (unleserlich) . Häftlg. herausgenommen (unleserlich) geführt.; (2) 23 bei Polizei Häftlinge umgestellt.

TABELLE 6: VERÄNDERUNGSMELDUNG - 194515


Entlas- Über- † (Verstor- Abge-
Monat Zugänge Abgänge sung führung ben) setzt Flüchtig Vermißte Ges. Stärke
Januar 12489 3324 136 2025 1138 8 17 / 58.147
Februar 945 11708 42 8811 2832 1 22 / 37.88316
März 3539 6491 72 5885 359 1 160 14 vermißt 34.93117
April 840 1198 28 530 492 1 96 51 vermißt 36.65418
Insgesamt 17813 22721 278 17251 4821 11 295 65

TABELLE 7: ZUSAMMENFASSUNG 1940-1945


Entlas- Über- Abge-
Jahr Zugänge Abgänge sung führung Verstorben setzt Flüchtig Vermißt Abgänge ohne Angabe
1940 18555 18402 2064 11425 3788 / / 1125
1941 8662 8531 1153 6191 1187 / / /
1942 16590 10747 1663 4701 4175 208 / /
1943 20011 8334 1064 3387 3563 320 / /
1944 50565 31100 2349 25129 2366 136 96 1024 /
1945 17813 22721 278 17251 4821 11 295 65 /
Summen 132196 99835 8571 68084 19900 675 391 1089 1125

10
Anmerkungen zu den Tabellen Gesamtzahl falsch errechnet: (24.670 + 684 – 527 =) 24.827.
11
1
Gesamtzahl falsch errechnet: (28.220 + 1.259 – 1.264 =) 28.215
GARF, 7021-104-4, S. 39. 12
GARF, 7021-104-4, S. 73.
2
Gesamtzahl falsch errechnet: (13.100 + 1.525 – 996 =) 13.629. 13
Gesamtzahl falsch errechnet: (29.880 + 922 - 1.329 =) 29.473
3
Gesamtzahl falsch errechnet: (11.294 + 444 – 1.230 =) 10.508. 14
Gesamtzahl falsch errechnet: (44.742 + 5.428 – 2.476 =) 47.694
4
GARF, 7021-104-4, S. 50. 15
GARF, 7021-104-4, S. 81.
5
Gesamtzahl falsch berechnet: (10.868 + 900 – 284 =) 11.484. 16
Gesamtzahl falsch errechnet: (58.147 + 945 – 11.708 =) 47.384
6
Gesamtzahl falsch berechnet: (11.132 + 485 – 521 =) 11.096. 17
Gesamtzahl falsch errechnet: (37.883 + 3.539 – 6.491 =) 34.931
7
Gesamtzahl falsch berechnet: (10.532 + 2.777 – 3.034 =) 10.275. 18
Gesamtzahl falsch errechnet: (34.873 + 840 – 1.198 =) 34.515.
8
GARF, 7021-104-4, S. 58.
9
GARF, 7021-104-4, S. 65.

4. Die Lebenden und die Toten – »Abgesetzt ohne Angabe« ist, wie sich der Veränderungs-
Die in den Veränderungsmeldungen aufgeführten Rubriken meldung für 1942 entnehmen läßt, ein Synonym für »liqui-
lassen sich ohne größere Schwierigkeiten deuten: diert«.
– Unter »Zugänge« sind die im Lager eingetroffenen und – Auch »abgesetzt« ist als gleichbedeutend mit getötet zu
dort registrierten Häftlinge zu verstehen. werten. Dieser Umstand wird durch die Veränderungsmel-
– Bei »Abgänge« handelt es sich um Häftlinge, die aus dem dung für 1943 erhärtet, wo unter diesem Ausdruck ein
Lagerbestand verschwunden waren. In der einschlägigen Kreuz steht, genau wie unter »Verstorbene«. Daß »abge-
Spalte wird die Gesamtzahl der Abgänge vermeldet, und setzt« nicht die Bedeutung von flüchtig haben kann, wie
die darauffolgenden Spalten vermitteln Aufschluß über die man zunächst annehmen würde („er hat sich abgesetzt“
jeweiligen Gründe. heißt bekanntlich „er ist geflohen“), geht daraus hervor,
– Der Ausdruck »Entlassung« versteht sich von selbst. daß in den Statistiken für 1944 und 1945 gesonderte Ko-
– »Überführung« weist auf eine Überstellung an einen ande- lonnen für »Abgesetzte« und »Flüchtige« geführt werden.
ren Ort hin. – »Abgänge ohne Angabe« umfaßt zweifellos Überstellungen
– Unter »Verstorben« sind die eines natürlichen Todes ge- sowie Entlassungen, für welche die dokumentarischen Un-
storbenen Lagerinsassen zu verstehen. terlagen nicht aufbewahrt worden waren. Daß sich auch

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 177


diese Rubrik auf Tötungen bezieht, läßt sich ausschließen, In Wirklichkeit starben von 1940 bis 1945, wie wir bereits
weil eine Tötung von 1.023 Häftlingen am 24. Januar 1940 festgehalten haben, 19.900 Häftlinge eines natürlichen To-
sowie eine von 102 Gefangenen am 9. Februar desselben des. Akzeptiert man die von der Enzyklopädie des Holocaust
Jahres weder von den am ausführlichsten berichtenden Au- gelieferte Gesamtzahl von 1.250 in den Jahren 1938 und
genzeugen noch von der offiziellen Geschichtsschreibung 1939 getöteten bzw. umgekommenen Häftlingen, so kommt
geltend gemacht wird. Wie wir gesehen haben, fand laut man für den Zeitraum von 1938 bis 1945 also auf ca. 21.200
dem Zeugen Koehlen die erste Massentötung erst am 9. Tote. Übernimmt man hingegen die Zahlen W. Meyers, so
November 1940 statt. beläuft sich die Opferzahl für den gesamten Zeitraum der
Am 1. Januar 1940 hielten sich im Lager (11.241 – 974 + Existenz des Lagers (außer 1939) auf (6 + 38 + 229 + 19.900
1.920 =) 12.187 Häftlinge auf. =) 20.263.
Von Januar 1940 bis April 1945 wurden demnach (132.196 –
12.187 =) 120.009 Häftlinge in den Lagerbestand aufge- 5. Die sowjetischen Kriegsgefangenen
nommen. Die Enzyklopädie des Holocaust vermeldet zum Thema der
Während des gleichen Zeitraums wurden 8.571 Häftlinge sowjetischen Kriegsgefangenen:4
entlassen, 69.084 überstellt, 19.900 starben eines natürlichen »Wahrscheinlich Anfang August 1941 ließ die Lagerkom-
Todes, 675 wurden (mit oder ohne Urteil) hingerichtet bzw. mandantur eine als Untersuchungsraum getarnte Massen-
liquidiert, 391 entflohen, 1.089 wurden aller Wahrschein- erschießungsanlage errichten, in der in den folgenden Mo-
lichkeit nach von örtlichen Polizeibehörden aus dem Lager naten 13.000 bis 18.000 sowjetische Kriegsgefangene er-
abkommandiert, während 1.125 »ohne Angabe« überstellt mordet wurden, die gar nicht erst im Lager registriert wur-
oder auf freien Fuß gesetzt wurden. den.«
Auf die Frage nach dem Schicksal der sowjetischen Kriegs- Diese Behauptung scheint auf den ersten Blick zumindest
gefangenen wird im folgenden Abschnitt eingegangen. teilweise durch eine handschriftliche Anmerkung in der Ver-
Gemäß der Enzyklopädie des Holocaust1 wies das KL Sach- änderungsmeldung für das Jahr 1941 bekräftigt zu werden,
senhausen Ende 1936 eine mittlere Stärke von 2.000 Häftlin- die wie folgt lautet:
gen auf; Ende 1937 betrug die Lagerstärke laut derselben »Am 23.10.41 2.436 Russ. Kriegsgefangene v. Lagerstärke
Quelle 2.523 und ein Jahr später 8.309 Häftlinge. Für 1939 abgesetzt d. h. im Krematorium liquidiert.«
liefert die Enzyklopädie des Holocaust keine diesbezüglichen Doch ist die Erklärung »d.h. im Krematorium liquidiert«
Angaben. Ihr zufolge wurden 1938 450 jüdische Häftlinge nachweislich unrichtig. Es existiert nämlich ein Dokument
getötet,2 und 1939 sollen 800 Insassen verstorben sein. Wir über die Schwankungen der Anzahl sowjetischer Kriegsge-
halten diese Ziffern für überhöht und glauben vor allem nicht fangener im Zeitraum vom 18. Oktober (an jenem Tag traf
an die Tötung von 450 Juden im Jahre 1938, zumal Raul Hil- der erste Transport mit solchen Gefangenen ein) bis zum 30.
berg in seinem Standardwerk über den „Holocaust“ nichts Dezember 1941 (vgl. Dok. 2). Beim Datum des 23. Oktober
von einer solch umfangreichen Tötungsaktion in der Vor- – damals hielten sich im Lager Sachsenhausen 2.436 sowjeti-
kriegszeit weiß. Für glaubhafter halten wir die von Winfried sche Kriegsgefangene auf – erscheint folgender, maschinen-
Meyer unter Berufung auf (uns unzugängliche) Dokumente geschriebener Eintrag: »v. 23.10. 41 nicht mehr in der Lager-
der Gedenkstätte Sachsenhausen in der Zeitschrift für Ge- stärke«. Da das Dokument auch für die darauffolgende Peri-
schichtswissenschaft gelieferten Ziffern:3 ode die Veränderungen der Anzahl sowjetischer Kriegsge-
1936: 6 Tote fangener vermerkt (2.423 am 24. Oktober, 1.360 am 30. De-
1937: 38 Tote zember), ist es klar, daß diese 2.436 angeblich Liquidierten
1938: 229 Tote nicht mehr im Stärkebuch geführt wurden. In der Tat gehören
Für 1939 gibt W. Meyer keine Opferzahl an. sie zu jenen 2.814 Häftlingen, die laut Veränderungsmeldung
Bezüglich der Gesamtopferzahl heißt es in der Enzyklopädie für den Oktober 1941 in der Rubrik »Überführung« regi-
des Holocaust:4 striert werden. Ab dem 24. Oktober wurden die sowjetischen
»Abgesehen von den sofort exekutierten sowjetischen Kriegsgefangenen nämlich in einem gesonderten Stärkebuch
Kriegsgefangenen und den Opfern der Überstellungs- und geführt, d.h. gesondert gezählt.
„Evakuierungstransporte“ sind in Sachsenhausen über Die von der Enzyklopädie des Holocaust erzählte Geschichte
30.000 Menschen umgekommen.« ist also in doppelter Hinsicht unfundiert: Es trifft nicht zu,
daß in Sachsenhausen sowjetische Kriegsgefangene unregi-
striert eingeliefert wurden, und es ist ebenso falsch, daß ab
August dort »13.000 bis 18.000« solche Gefangene erschos-
sen wurden.

6. Die Gaskammer zur Menschentötung


Laut der offiziellen Geschichtsschreibung5 gab es in Sach-
senhausen eine Gaskammer zur Menschentötung. Die Enzy-
klopädie des Holocaust äußert sich zu diesem Thema recht
lapidar:6
»Nicht sicher datierbar ist der Bau einer Gaskammer in-
nerhalb des Krematoriumskomplexes, wahrscheinlich wur-
de sie 1943 errichtet. Die Gaskammer wurde allerdings
nur in speziell angeordneten Fällen benutzt, als die SS vor
Abb. 2: Zeitgenössisches Foto des Hygienegebäudes des der „Evakuierung“ des Lagers im Februar 1945 mehrere
vormaligen KL Sachsenhausen. tausend körperlich geschwächte Häftlinge töten ließ.«

178 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2


Weitere Angaben über die angebliche Menschentötungsgas- chen Menschentötungsgaskammer in Wirklichkeit gehandelt
kammer von Sachsenhausen macht ein anderer Klassiker der hat, doch verfügen wir über ein ungemein wichtiges Doku-
offiziellen Geschichtsschreibung, der Sammelband National- ment, das jedweden Zweifel beseitigt. Ehe wir uns diesem
sozialistische Massentötungen durch Giftgas, in dem kurzen, Dokument zuwenden, wollen wir aber hervorheben, daß die
diesem Lager gewidmeten Abschnitt:7 offizielle Geschichtsschreibung über den Bau und die Ver-
»Nach der Aussage des Sachsenhausener Kommandanten wendung dieser Kammer bezeichnenderweise nichts weiß. In
Kaindl, der vom August 1942 an das Lager bis zu dessen Nationalsozialistische Massentötungen durch Giftgas wird
Auflösung 1945 leitete, regte der damalige Inspekteur der unumwunden eingeräumt:13
Konzentrationslager, Glücks, die Kommandanten an, nach »Über den Zeitpunkt der Einrichtung der Gaskammer gibt
dem Vorbild von Auschwitz auch in den anderen Konzen- es unterschiedliche Aussagen. [...] Beim gegenwärtigen
trationslagern Gaskammern einzurichten.« Stand der Kenntnisse ist es nicht möglich, auch nur annä-
Anschließend wird in diesem Buch ein Auszug aus dem Pro- hernd die Zahl derjenigen anzugeben, die durch Giftgas in
tokoll des Sachsenhausen-Prozesses vor dem Militärgerichts- Sachsenhausen ermordet worden sind.«
hof der sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland vom
23.10. bis 1.11.1947 zitiert, bei dem der angeklagte Sachsen- 7. Die sowjetische Expertise über die Gaskammer
hausen-Kommandant Anton Kaindl „gestanden“ hatte:9 Zwischen dem 10. und dem 22. Juni 1945 untersuchte eine
»Ich habe Mitte März 1943 die Gaskammern [sic] als Mas- sowjetische Expertenkommission, bestehend aus Oberst
senvernichtungsstätte eingeführt.« Vlochin sowie den Ingenieuren Teljaner und Grigorev, das
Kaindl führte des weiteren aus:10 Krematorium des KL Sachsenhausen mitsamt den ihm an-
»Im Jahre 1942 wurden auf Befehl des Inspekteurs der SS geblich angegliederten Tötungsanlagen (Gaskammer und Er-
KZ, Glücks, in den deutschen Lagern in weitem Ausmaße schießungsraum). Anschließend erstellten die Experten ein
zur Tötung von Menschen sogenannte „Gaskammern“ an- mit Zeichnungen versehenes Gutachten. Bezüglich der an-
gewandt. Im Jahre 1943 faßte ich den Entschluß, bei mir geblichen Menschentötungsgaskammer heißt es da:14
eine Gaskammer zur Massentötung von Häftlingen zu bau- »Gaskammer.[15]
en. Ich bekam vom SS-Hauptamt das Baupersonal, welches Es handelt sich um einen rechteckigen Raum von 2,75 x 3
im Herbst 1943 die Einrichtung der Gaskammer auf den m Größe, der zwei Eingänge aufweist: Einen von der Ga-
Gelände des Lagers im Krematoriumsgebäude fertigstell- rage aus, den anderen vom Entkleidungsraum aus. 1,5 m
te.« über dem Fußboden befindet sich an der Nordwestwand
Dieses Geständnis ist aus einer ganzen Reihe von Gründen ein Fensterchen von 75 x 100 cm Größe, welches eine
unglaubwürdig. Erstens spricht Kaindl von »Gaskammern« Scheibe aus Panzerglas besitzt und durch ein Metallgitter
im Plural, obgleich in der offiziellen Geschichtsschreibung geschützt ist. An der Nordostwand ist 2,20 m über dem
lediglich von einer Gaskammer die Rede ist. Zweitens wäre Fußboden ein Ventilator zur Lüftung des Raumes instal-
die angebliche Gaskammer, wie wir bald sehen werden, für liert; dort gibt es auch ein Fensterchen mit Panzerglas-
eine Massenvernichtung viel zu klein gewesen. Drittens ist scheiben und Metallgitter. Alle vier Wände sind bis in eine
der Glücks-Befehl, auf den sich Kaindl beruft, eine reine Er- Höhe von anderthalb Metern mit feinen Kacheln bedeckt.
findung. Viertens wäre das Baupersonal für die Errichtung An den Wänden sowie an der Decke ist eine Wasserleitung
einer Menschengaskammer von der SS-Bauleitung Sachsen- mit sechs Duschköpfen angebracht. Der Fußboden besteht
hausen gestellt worden und nicht vom
SS-Hauptamt.11
Beim eben erwähnten Prozeß gegen
Kaindl begingen die Ankläger die Un-
vorsichtigkeit, die Struktur der »Gas-
kammer« genau schildern zu lassen:12
»Während des Prozesses beschrieben
sowohl Kaindl als auch der ehemali-
ge Häftling Sakowski, der als Henker
des Lagers im Krematoriumskomplex
arbeitete und bei Vergasungen zuge-
gen war, die Gaskammer, die eine
Vorrichtung zur mechanischen Öff-
nung der Gasbehälter enthielt, den
sogenannten Druckventilator. Er be-
fand sich an einer Außenwand der
Gaskammer. Der Gasbehälter wurde
in ihn hineingestellt, mechanisch ge-
öffnet, und der Ventilator trieb das
Gas durch ein heizbares Rohrsystem
in die Gaskammer. Die SS-Leute
brauchten daher in Sachsenhausen
im Gegensatz zu vielen anderen La-
gern keine Gasmasken zu benutzen.«
Diese Beschreibung läßt bereits erken- Dok. 2: Veränderungsmeldung der sowjetischen Kriegsgefangenen (18.10-
nen, worum es sich bei der vermeintli- 8
30.12.1941).

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 179


aus Zement. Im Fußboden befindet sich eine Öffnung, die schoben, aus welcher die Zyklon-B-Granulate auf ein darun-
das Abfließen des Wassers ermöglicht. ter befindliches Netz (4) fielen; unter diesem war ein Heiz-
Anläßlich einer genauen Inspektion der an die Garage an- körper (5) aufgestellt, der die Verdunstung des Zyanwasser-
grenzenden Wand der Gaskammer wurden die Spuren ei- stoffgases beschleunigte.
ner geschlossenen Öffnung gefunden, wo der Metallappa- Der auf dem Fußboden angebrachte Ventilator (7) sog durch
rat zur Verflüchtigung des bei der technischen Ermittlung das Verbindungsrohr (6) das Gasgemisch ein und verbreitete
untersuchten Zyanwasserstoffgases installiert gewesen es durch die entsprechende Röhre (8) im Raum. In der ge-
war. Dieser Apparat [vgl. Dok. 3] besteht aus einer herme- genüberliegenden Ecke des Raums befand sich die Öffnung
tischen Kammer, einer elektrischen Vorrichtung zur Erhit- (10) eines Saugrohrs (11), das mit der Öffnungsvorrichtung
zung der Luft, einem Ventilator zur Einführung von Heiß- für die Zyklon-B-Büchsen verbunden war. Aufgrund des
luft sowie einem Verbindungsrohr. Die Einführung der Zy- durch den Ventilator bewirkten Unterdrucks wurde das Gas-
anwasserstoffdämpfe in die Gaskammer erfolgte auf fol- gemisch durch die Öffnung sowie das Netz, auf dem die Zy-
gende Art und Weise: Man stellte in der Kammer eine klei- klon-B-Granulate lagen, von dieser Apparatur eingesogen
ne Flasche mit Zyklon „A“ auf, die zu 30% mit Zyanwas- und trat durch das Rohr von neuem aus.
serstoffgas gefüllt war. Das Fassungsvermögen des Behäl- Bei jedem Durchgang erwärmte sich das Gasgemisch und be-
ters betrug 150 Gramm. schleunigte die Verdampfung des Zyanwasserstoffgases.
Anmerkung. Sieben Behälter mit Zyanwasserstoffgas – dem Dieses System gewährleistete eine Recyclierung des Gasge-
Präparat Zyklon „A“ – wurden im Gebäude des Kremato- misches, was das zentrale Prinzip des Degesch-Kreislaufsy-
riums in einer Nische der Leichenkammer gefunden, in der stems war. Nach Abschluß der Entwesungsoperation betätig-
Nähe der Erschießungsanlage. Am gleichen Ort wurde ei- te man die äußere Öffnungsvorrichtung (3), wodurch die Zy-
ne große Anzahl kaputter Behälter mit Zyklon „A“ vorge- klon-B-Büchse herausgezogen wurde; anschließend ver-
funden. schloß man die Verbindung der vertikalen Saugröhre mit die-
Ein solcher Behälter wurde mit Hilfe eines Flaschenöffners ser Vorrichtung (12) und setzte beide Ventilatoren in Betrieb.
geöffnet, und mittels der Erhitzung der Luft in der elektri- Auf diese Weise sog der Kreislaufventilator frische Luft von
schen Vorrichtung wurden die Zyanwasserstoffdämpfe außen ein, und der Entlüftungsventilator stieß sie aus dem
durch ein Metallgitter […es folgt ein unleserliches Wort] Raum hinaus.
in den Raum der Gaskammer geleitet.« Theoretisch hätte man diese Entwesungsgaskammer – wie
Die von den sowjetischen Experten beschriebene und ge- jede ähnliche Anlage in jedem beliebigen anderen Konzen-
zeichnete Anlage war mit Sicherheit eine dem betreffenden trationslager – gewiß zur Tötung von Menschen benutzen
Raum angepaßte Degesch-Kreislaufanlage für Entlausung können, doch ihre Größe (2,75 m × 3 m = 8,25 m²) führt die
mit Zyklon B. Ein Vergleich zwischen der sowjetischen in Kaindls Geständnis aufgestellte Behauptung ad absurdum,
Zeichnung (vgl. Dok. 3) und der Zeichnung einer Degesch- sie sei »zur Massentötung von Häftlingen« eingesetzt wor-
Kreislaufanlage räumt jeden Zweifel daran aus (vgl. Dok. 5). den.
Da die Installierung eines Ventilators in der Decke des be- Noch abstruser ist die von den sowjetischen Experten ge-
schriebenen Raum nicht möglich war, wurde die Degesch- machte Angabe, die Gaskammer sei mit Zyklon-A-Behältern
Kreislaufanlage so modifiziert, daß die beiden essentiellen betrieben worden. Zyklon A (Cyankohlensäureester) wurde
Funktionen des Ventilators von zwei Ventilatoren innerhalb nämlich schon zu Beginn der dreißiger Jahre nicht mehr her-
des Raumes erfüllt wurden (siehe Dok. 4): der erste, ein gestellt und wurde außerdem gar nicht in »Behältern« auf-
Kreislaufventilator (7), wurde auf dem Fußboden montiert bewahrt. Ein Entwesungsfachmann, Gerhard Peters, hatte
und mündete in eine offene Röhre zur Verbreitung der Luft hierzu im Jahre 1933 festgehalten:16
(8); der zweite, ein Entlüftungsventilator (9), war an der »Die Anwendungsweise des „Zyklon A“ war außenordent-
Decke installiert und mit einem außerhalb des Raumes lie- lich einfach: es brauchte nur mit einem Pflanzenspritze
genden Kamin verbunden. Der Zyklon-B-Behälter wurde in ähnlichen Apparat unter 5-10 Atmosphären Druck mittels
die dafür bestimmte gasdichte Öffnungsvorrichtung einge- einer metallischen oder anderen Leitung (etwa durch das
Schlüsselloch) in den zu entwesenden Raum einge-
blasen und fein zerstäubt zu werden.«
Somit erforderte der Einsatz von Zyklon A eine Zer-
stäubung, die mit einem einfachen Ventilator gar
nicht zu erreichen war. Es folgt daraus, daß die Ver-
wendung dieses Mittels in der Entwesungskammer
von Sachsenhausen technisch nicht möglich gewesen
wäre.

8. Menschenvergasungen in Sachsenhausen: Eine


falsche Zeugenaussage
Die betrügerische sowjetische Expertise über die an-
gebliche Menschentötungsgaskammer von Sachsen-
hausen diente als Grundlage beim Prozeß gegen den
früheren Lagerkommandanten. Die Existenz dieser
Gaskammer wurde als offenkundige Tatsache ange-
Abb. 3: Überreste des 1952/53 abgerissenen Hygienegebäudes im nommen und vom Zeugen Sakowski bestätigt, so daß
vormaligen KL Sachsenhausen. Im Vordergrund: Duschraum, heute Kaindl nichts weiter übrig blieb, als zu „gestehen“.
fälschlich als „Gaskammer“ bezeichnet.

180 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2


Ein Mißbrauch der Entwesungskammer zur Menschentötung man sie in den dafür bestimmten Dosenöffner hätte einsetzen
mit Zyklon B wäre, wie bereits betont, grundsätzlich möglich müssen. Schließlich konnte der Entlüftungsventilator (»Ex-
gewesen, doch liegt hierzu keinerlei Dokument vor, und so- haustor«) seine Aufgabe, d.h. das Herauspumpen der Luft,
weit wir wissen, gibt es lediglich eine einzige Schilderung nicht erfüllen, wenn der Kreislaufventilator (»Druckventila-
einer solchen Menschenvergasung. Sie wurde im Urteil des tor«) ausgeschaltet war.
sowjetischen Prozesses gegen Anton Kaindl zitiert. Ange-
sichts der Tatsache, daß der Verfasser des etwas über drei 9. Die Beseitigung der „Beweise“
Seiten langen Abschnitts über Sachsenhausen im Sammel- Als die Sowjets das Lager Sachsenhausen befreiten, war das
band Nationalsozialistische Massentötungen durch Giftgas Krematorium praktisch intakt. Selbst die Verbrennungsöfen
ihr fast eine ganze Seite widmet, wird man wohl davon aus- waren noch vorhanden und wurden von den sowjetischen
gehen dürfen, daß sie die einzige ihrer Art ist. Es geht dabei Experten mit großer Präzision gezeichnet.20 (Vgl. Abb. 4.)
um acht oder neun Fremdarbeiter, die im Oktober oder No- Die Website der Gedenkstätte und des Museums Sachsen-
vember 1944 in Berlin bei der Plünderung bombengeschädig- hausen berichtet über die weitere Geschichte des Lagers fol-
ter Häuser ertappt und zum Tode verurteilt worden waren. gendes:21
Man schickte sie zur Exekution nach Sachsenhausen. Laut »Am 22./23. April 1945 wurde das Lager durch sowjeti-
dem Zeugen Höhn, der die betreffende Episode beschrieben sche und polnische Einheiten der Roten Armee befreit. Von
hat, wurden die Todgeweihten in die Gaskammer geführt. August 1945 bis März 1950 dienten das ehemalige Schutz-
Danach sei folgendes geschehen:19 haft- und das ehemalige Sonderlager des Konzentrations-
»Die Tür sei vom Umkleideraum aus, in welchem er, der lagers dem sowjetischen Geheimdienst NKWD als Spezi-
Angeklagte, sich mit den genannten Teilnehmern an der allager für kleine Nazis, aber auch für willkürlich Verhaf-
Exekution befunden habe, verschlossen worden, Wessel tete und politisch Mißliebige. 60000 Menschen waren hier
habe den Druckventilator, der an den Wand zwischen dem inhaftiert, mindestens 12000 von ihnen starben an Hunger
Umkleideraum und dem Gasraum in Bodennähe eingebaut und Krankheiten. Ein Gedenken an die KZ-Opfer am au-
war, in Gang gesetzt, habe sich sodann – von wem wisse er thentischen Ort war somit unmöglich. Folglich fanden Ge-
nicht mehr – eine Kapsel geben lassen, die, wie er, der An- denkveranstaltungen außerhalb des Lagers, z.B. am Schloß
geklagte, gewußt habe, das verflüssigte Giftgas enthalten Oranienburg, statt. 1950, mit der Übernahme des Gelän-
habe, und habe sie in der Mitte des Ventilators eingesetzt. des durch die Kasernierte Volkspolizei (KVP), begannen
Schon nach kurzer Zeit sei der Druckventilator wieder ab- seine Verwahrlosung und Zerstörung. 1952/53 erfolgte die
gestellt und der in einer Außenwand des Gasraumes einge- Sprengung der „Station Z“ (Krematorium und Vernich-
baute Exhaustor in Betrieb gesetzt worden; als der Gas- tungsstätte) durch die KVP, die ausgerechnet in diesem
raum hinreichend entlüftet gewesen sei, sei die Tür geöff- Bereich einen „Schießgarten“ plante. Der Bevölkerung
net worden, und er, der
Angeklagte, habe die
durch das Gas getöte-
ten Häftlinge gesehen.
Der anwesende Arzt
habe ihren Tod festge-
stellt.«
Man begreift nicht recht,
weswegen die acht oder
neun zum Tode Verur-
teilten nicht im angebli-
chen Hinrichtungsraum Dok. 3: Sowjetische Zeichnung der
des Krematoriums oder in Kreislaufanlage der angeblichen Men-
17
der Erschießungsanlage schengaskammer (Juni 1945).
füsiliert worden sind.
Dok. 4: Nachzeichnung der so-
Sonnenklar ist hingegen, wjetischen Zeichnung aus Dok.
daß der Zeuge die von 3 (Carlo Mattogno)
ihm geschilderten Ge- 1) Vorrichtung zur Öffnung der
schehnisse niemals gese- Zyklon-B-Büchsen.
hen hat. Seine Beschrei- 2) Büchsenöffner
bung beruht nämlich auf 3) Deckel der Vorrichtung
der betrügerischen sowje- 4) Netz zum Auffangen der Zy-
tischen Expertise über klon-B-Granulate.
Vergasungen mit Zyklon 5) Heizkörper
A, spricht er doch von ei- 6) Verbindungsrohr
ner »Kapsel«, die »ver- 7) Kreislaufventilator
flüssigtes Giftgas« ent- 8) Diffusionsrohr
halten habe. Der Zeuge 9) Entlüftungsventilator
fügt hinzu, die Kapsel sei 10) Mündung des Saugrohrs
»in die Mitte des Ventila- 11) Saugrohr
tors eingesetzt« worden, Dok. 5: Längsschnitt durch eine Entlausungskammer mit Kreis- 12) Verschlußklappe des Saug-
was unsinnig ist, weil 18 rohrs.
laufeinrichtung.“

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 181


dienten die Baracken als Bau- und
Brennmaterial.«
Somit starben unter dem Sowjetregime
in Friedenszeiten in Sachsenhausen
12.000 von 60.000 oder 20% der dort
inhaftierten Deutschen. Während der
nationalsozialistischen Herrschaft wa-
ren in siebeneinhalb Jahren – davon
fünf Kriegsjahren – 21.200 Häftlinge
umgekommen, was 16% der Internier-
ten entspricht.
Die Zerstörung des Krematoriums sei-
tens der Kasernierten Volkspolizei, die
nicht ohne Befehl von oben erfolgen
konnte, mutet mehr als befremdlich an,
wenn man sich vor Augen hält, daß
sich die DDR stets als Gralshüterin des
„Antifaschismus“ verstanden hat. Eine
denkbare Erklärung wäre, daß im Kre-
matorium von den NKWD-Agenten Abb. 4: Krematoriumsöfen des vormaligen KL Sachsenhausen
Gefangene ermordet worden waren und
die DDR-Regierung später die Spuren dieser Missetaten man die entwesten Gegenstände herausholte.
verwischen wollte. 1961 wurde am Ort, wo das Krematorium Der im sowjetischen Bericht als Menschengaskammer be-
gestanden hatte, ein Mahnmal errichtet, dessen Gedenktafel zeichnete Raum wies eine echte Wasserleitung mit sechs ech-
folgende Aufschrift trug (vgl. Abb. 5): ten Duschen auf. Um ein Abfließen des Wassers zu ermögli-
»„Station Z“ Fundament des 1942 erbauten Krematoriums chen, war auf dem Fußboden eine Rinne angebracht. Die
mit 4 Verbrennungsöfen, einer Gaskammer und Genick- Wände waren bis in eineinhalb Meter Höhe mit Kacheln be-
schußanlage.« deckt. Die Größe des Raums war recht gering: 2,75 m × 3 m
Nun ja, das Krematorium mitsamt seiner „Gaskammer“ und = 8,25 m².
seiner „Genickschußanlage“ sind für immer verschwunden, All dies findet sich mit verblüffender Ähnlichkeit in der an-
aber schuld daran sind nicht die Nationalsozialisten! geblichen Menschentötungsgaskammer von Mauthausen
wieder! Dieser Raum befindet sich neben dem Krematori-
10. Exkurs: Die Gaskammer von Mauthausen um,22 hat zwei gasdichte Türen, eine echte Wasserleitung mit
In den vorhergehenden Abschnitten haben wir den Nachweis sechzehn echten Duschen, eine Rinne zum Abfließen des
erbracht, daß die Gaskammer des KL Sachsenhausen eine Wassers, und die Wände sind bis in ca. anderthalb Meter
Zyklon-B-Entwesungskammer mit angepaßter Degesch- Höhe mit Kacheln bedeckt. Auch dieser Raum ist ziemlich
Kreislaufanlage war. Daß sie sich im Krematorium befand, klein (3,59 m × 3,87 m = 13,98 m²); seine Höhe beträgt 2,42
hatte keine sinistre Bedeutung, denn auch in Dachau wurden m.23 Ferner enthält er eine aus fünf horizontalen Röhren be-
fünf Degesch-Kreislauf-Gaskammern des Standardmodells stehende Heizungsvorrichtung (vgl. Abb. 7ff.).
im gleichen Gebäude wie das Krematorium erbaut, und eine Laut Hans Marsalek, dem offiziellen Mauthausen-Historiker,
Vergasung von Häftlingen in diesen Kammern wird von handelte es sich bei diesem Raum um eine Menschentötungs-
niemandem geltend gemacht, vgl. Abb. 6. gaskammer, die auf ausgesprochen eigentümliche Weise
Die Sachsenhausener Entwesungskammer besaß zwei Türen, funktionierte:24
eine für die „unreine Seite“, von der aus man das Begasungs- »Am einer Wandseite, oberhalb der Fliesen, befand sich
gut hereinbrachte, sowie eine für die „reine Seite, von der ein Heizkörper, weiters waren eine Beleuchtung, in einer

Abb. 5: Gedenktafel in den Überresten des ehemaligen Hy- Abb. 6: 5 Degesch-Kreislauf-Entlausungskammern im


gienegebäudes des vormaligen KL Sachsenhausen. Hygienegebäude des vormaligen KL Dachau.
© Carlo Mattogno.

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Abb. 7-12: Detailaufnahmen des Duschraumes im KL Mauthausen, fälschlich als „Menschengaskammer“ bezeichnet:
7: Eingang, 8, 10 & 11: Duschen & Heizung, 9: Abflußgully, 11: Entlüftungsöffnung, 12: Entlüftungskamin. © Carlo Mattogno.
der Plafonddecken eine elektrische Ventilation (5) und ein Zu guter Letzt wäre zur wirksamen Lüftung der Gaskammer
zirka 1 m langes emailliertes Rohr (6) vorhanden. Dieses das Öffnen einer der beiden Türe oder gar beider erforderlich
Rohr hatte auf der Wandseite, nicht sichtbar, eine einen gewesen, weil die Entlüftung mittels Absaugen der Luft aus
halben Zentimeter breite und 80 cm lange Schlitzöffnung der »Gaszelle« durch das »Gaseinfüllungsgerät« und die 80
und war mit dem in der Gaszelle (2) befindlichen Gasein- cm lange, aber nur einen halben Zentimeter breite
füllungsgerät (3) verbunden. Alle Schalter (7) – für Licht, »Schlitzöffnung« im Rohr viel zu lange gedauert hätte.
Wasserzufuhr und Ventilator – befanden sich außerhalb Und dieser ganze Aufwand soll betrieben worden sein, um
der Gaskammer (1). Auf einer Schaufel wurde der heiße dreißig Häftlinge zu vergasen, die man ungleich rascher und
Ziegelstein herangebracht und auf den Boden des Gasein- ohne jede Schwierigkeiten hätte erschießen können! Zudem
füllungsgerätes gelegt. Nun schüttete der mit einer Gas- begreift kein Mensch, weshalb man in einer Gaskammer eine
maske versehene SS-Mann aus der Dose das Zyklon-B-Gift funktionstüchtige Duschvorrichtung und eine Heizung hätte
auf den Ziegelstein. Sofort wurde der Behälter mit dem ab- einrichten sollen. Die Geschichte ist oberfaul.
gedichteten Deckel versehen und mittels zwei vorhandener Schließlich ist noch folgender, scheinbar eigentümlicher
Flügelschrauben luftdicht verschlossen. Die aufsteigende Sachverhalt der Erwähnung wert: Auf keinem der offiziellen
Wärme des erhitzten Ziegelsteines erwirkte die schnelle Pläne des KL Mauthausen erscheint eine Entwesungsanlage
Entbindung des Giftes.« – kann man sich wirklich vorstellen, das Stammlager habe
In einem anderen Buch schreibt derselbe Verfasser:25 ohne eine dermaßen wichtige Einrichtung auskommen müs-
»Befand sich genügend Gas in der Kammer, trat in etwa 10 sen und sei auf die entsprechende Anlage im Nebenlager
bis 20 Minuten der Erstickungstod ein. […]. Der gesamte Gusen angewiesen gewesen?27
Vorgang der Vergasung, von einer Gruppe mit etwa 30 Andererseits ist die Ähnlichkeit zwischen der Entwesungs-
Personen, beginnend mit der Entkleidung, der sogenannten kammer von Sachsenhausen und der angeblichen Menschen-
ärztlichen Untersuchung, Ermordung, Entlüftung und Ab- tötungsgaskammer von Mauthausen allzu frappierend, um
transport der Leichen, dauerte 1 ½ bis 2 ½ Stunden.« bloßer Zufall sein zu können: Ganz offensichtlich handelte es
Ein solches System wäre primitiv, gefährlich und ineffizient sich in beiden Fällen um Räume, die vorher anderen Zwek-
gewesen. Das Ausschütten einer Zyklon-B-Büchse auf einen ken gedient hatten und dann in Räumlichkeiten mit Doppel-
erhitzten Ziegelstein im nahen Krematorium hätte sofort ei- funktion als Entwesungskammer und Dusche umgewandelt
nen Schwaden von Zyanwasserstoffdämpfen erzeugt (so wie worden waren. Die Kammer von Mauthausen war sicherlich
das Ausschütten von Wasser auf das heiße Gemäuer eines mit einem modifizierten Degesch-Kreislaufsystem ausgestat-
Ofens Dampfschwaden hervorruft), und die Dämpfe hätten tet, das jenem von Sachsenhausen ähnelte. Die Vorrichtung
sich im Keller des Krankenreviers verbreitet, wo es keine zur Öffnung der Zyklon-B-Büchsen befand sich im angren-
Ventilationsmöglichkeit gab. zenden Raum (heute »Gaszelle« genannt), und vor ihr, inner-
Andererseits ist folgendes zu beachten: In den angeblichen halb des Raums, war auf dem Fußboden der Kreislaufventila-
Menschentötungsgaskammern der Krematorien von Birkenau tor mit den entsprechenden Röhren installiert. Der Entlüf-
sollen laut offizieller Geschichtsschreibung »nach einigen – tungsventilator befand sich in der gegenüberliegenden Ecke
höchstens 20 – Minuten, alle Opfer tot gewesen« sein.26 Un- in der Decke, wo man noch heute seine durch einen runden
ter diesen Umständen begreift man nicht so richtig, warum in Deckel verschlossene Öffnung erkennen kann, und war mit
Mauthausen ein erhitzter Ziegelstein und ein Gaseinfüllgerät einem auf dem Dach des Raumes befindlichen Kamin ver-
nötig waren, um so mehr, als der Raum heizbar war und die bunden, so daß das Cyanwasserstoffgas auf einer für Men-
Heizung benutzt werden konnte, um die Verdampfung des schen ungefährlichen Höhe austraten (vgl. Abb. 11f.).
Zyanwasserstoffgases zu beschleunigen. Es unterliegt somit keinem Zweifel, daß wir es auch hier mit

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 183


einer Blausäure-Entwesungskammer samt Degesch-Kreis- Dieser Wert ist genügend hoch, um zu belegen, daß in die-
laufsystem zu tun haben. sem Raum tatsächlich Blausäure zum Einsatz gelangt ist,
Dies liefert eine einleuchtende Erklärung dafür, daß auf kei- doch liegt er weit unter den in den Bauwerken 5a und 5b von
nem bekannten Plan des KL Mauthausen eine Entwesungs- Birkenau ermittelten Werten, weil die Blausäure in Mauthau-
kammer verzeichnet ist und daß niemals ein Originalplan die- sen mit Kreislaufsystem eingesetzt wurde.
ses Lagers veröffentlicht worden ist. Schließlich erklärt sich Natürlich hätte auch diese Gaskammer zu Menschentötungs-
dadurch auch der Umstand, daß in den von Fred Leuchter zwecken mißbraucht werden können, doch wird in keiner
entnommenen Mörtelproben aus diesem Lokal Zyanidkon- Zeugenaussage das Kreislaufsystem beschrieben, das als ein-
zentrationen von maximal 32 mg/kg gemessen worden sind.28 ziges funktionstüchtig gewesen wäre.

Sachsenhausen – Workuta
Von Gerhart Schirmer
»Über den Bau einer Gaskammer und Erschießungs-Anlage [im KL Sachsenhausen] im Oktober/November 1945
durch acht Gefangene, unter denen auch ich war, liegt eine notariell beglaubigte Eidesstattliche Erklärung vor (An-
lage 4). Kurz beschrieben war die »Gaskammer« eine Duschbaracke mit 25 Brauseköpfen an der Decke. Es sollte der
Anschein erweckt werden, daß darin die Vergasung vorgenommen sei. Daran wurde von uns eine Extrakammer an-
gebaut mit einem Durchbruch, vor dem der Deliquent saß mit dem Gesicht zur gegenüberliegenden Seite, um von
hinten den Genickschuß zu empfangen. So jedenfalls mußte der Vorführer erzählen. Das war unser Fritz Dörrbeck,
der als Dolmetscher dieses Theater spielen mußte, weil er - in Rußland geboren - perfekt russisch sprach. […]
Nach der Rückkehr von Heimkehrern wurde ermittelt, daß gleichzeitig zu den Bauten von Vergasungs- bzw. Er-
schießungsanlagen in der Sowjetzone auch in den Westzonen nach Kriegsende solche Anlagen gebaut worden
sind. Warum nun haben die Siegermächte diese Anlage etwa gleichzeitig in den von ihnen weitergeführten KZ ein-
bauen lassen? Das mußte doch einen Sinn haben. Ich habe keinen anderen gefunden, als den, daß diese Sieger-
mächte dem deutschen Volk eine weit überhöhte Zahl von Morden aufbürden wollten. Oder welche Erklärung gibt es
sonst dafür? Hier will ich festhalten, unter welchen Mühen und Opfern diese oben genannten Zahlen festgehalten
worden sind. […]
Und warum ließen alliierte Sieger erst nach dem Kriege Gaskammern in den ehemaligen KLs einbauen? So unter
anderem die Amerikaner in Dachau.
Hat dafür einer nur eine plausible Erklärung? Jedenfalls hatte ich persönlich das »Vergnügen«, im russischen Lager
Oranienburg (Sachsenhausen) im November 1945 eine – bis dahin nicht vorhandene – Gaskammer und Erschie-
ßungsanlage mit anderen Häftlingen zusammen einzubauen (siehe Eidesstattliche Erklärung im Anhang 4).«

Das obige Zitat stammt von den Seiten 10, 13 und 37 der gleichnamigen, 1992 im Grabert Verlag, Tübingen, erschie-
nenen Broschüre. Wegen dieser und ähnlicher Passagen wurde diese Veröffentlichung auf Beschluß des Amtsgerichts
Tübingen (Az. 4 Gs 937/02) vom 21. 8. 2002 wegen »Volksverhetzung« eingezogen.
Dieser Akt behördlicher Willkür ist selbstverständlich schärfstens abzulehnen.
Es darf aber dennoch kritisch angemerkt werden, daß Schirmers Beschreibung bezüglich der Errichtung einer Gas-
kammer und Genickschußanlage im KL Sachsenhausen durch deutsche Kriegsgefangene nach Kriegsende sehr ober-
flächlich ist. Sie ähnelt in ihrer Flüchtigkeit den vielen Aussagen aus der Kriegszeit, die von der Errichtung solcher
Anlagen durch die SS berichten, und ist daher aus den gleichen Gründen von ähnlicher Qualität und Glaubhaftigkeit.
Schirmers auf seine angeblichen eigenen Erfahrungen aufbauende allgemeine Behauptung vom Bau ähnlicher Anla-
gen in anderen ehemaligen Lagern ist sodann ohne jeglichen Beleg und daher völlig wertlos. Am Ende dieser Bro-
schüre druckte Schirmer einen Brief des seinerzeitigen Bundestagsabgeordneten Peter Petersen ab, der gut zusam-
menfaßt, was Schirmer hätte tun sollen, wenn seine Aussage irgendeinen Sinn ergeben sollte:
»Sie müssen bitte ausführlicher schildern, wie das war mit den Vergasungsanlagen, die Sie aufzubauen hatten. Ich
würde vorschlagen, daß Sie das so wie einen Erlebnisbericht machen. Sie wurden also verhaftet, in ein von Hitler ge-
bautes KZ nach Oranienburg gebracht und mußten dort so und soviel Stunden am Tag oder unter solchen und solchen
Bedingungen arbeiten und dann mußten Sie offenbar irgendwelche Gestelle aufbauen. Woher wissen Sie, daß das Ver-
gasungsanlagen waren? Haben Sie sich darüber mit Ihren Kameraden unterhalten? Sie merken, worauf ich hinaus
will. Dann schildern Sie, daß Sie nach ’56 „stellte ich fest…“ Wie haben Sie das festgestellt, daß zur gleichen Zeit in al-
len KZs des Reichsgebietes diese Anlagen von deutschen Gefangenen eingebaut wurden? Wer hat Ihnen das erzählt?«
(S. 63)
Schon mehrfach wurden Revisionisten durch Kriegsveteranen mit ähnlichen Aussagen konfrontiert. Die meisten be-
richteten vom Hörensagen, und wenn doch einmal einer aus angeblich eigenem Erleben berichtete, so war er entweder
nicht in der Lage, genauere Angaben zu machen, oder die gemachten Angaben ließen sich oft durch dokumentarische
Belege und sachliche Einwände widerlegen. Es geschieht sogar bisweilen, daß der Versuch, solche Aussagen kritisch zu
hinterfragen, von den Zeitzeugen als Affront empfunden wird, da diese verlangen, man müsse ihnen unkritisch glau-
ben. Insofern unterscheiden sich „entlastende“ Aussagen deutscher Kriegsveteranen im Prinzip nicht von „belasten-
den“ Aussagen: Sie sind in der Regel von äußerst geringem Beweiswert. So leider auch die von Gerhart Schirmer. Als
Mitmensch bin ich zwar durchaus geneigt zu glauben, als Wissenschaftler aber muß ich auf Beweise bestehen. Anders
kann man Ungläubige nicht überzeugen. Germar Rudolf

184 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2


15
Anmerkungen GARF, 7021-104-3, S. 7: Plan des Krematoriums von Sachsenhausen.
1
Sowjetische Zeichnung (Juni 1945), dort Nr. 2. Dieses Dokument ist von
H. Jäckel, P. Longerich, J.H. Schoeps (Hg.), Enzyklopädie des Holocaust. so schlechter Qualität, daß wir es hier nicht reproduzieren können. Es
Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden. Argon Verlag, wird im Internet ausgehängt werden.
Berlin 1993, Bd. 3, S. 1270-1271. 16
G. Peters, Blausäure zur Schädlingsbekämpfung. Sammlung chemischer
2
Leni Yahil äußert sich vorsichtiger; er schreibt, 1938 seien 300 Juden und chemisch-technischer Vorträge. Verlag von Ferdinand Enke in Stutt-
umgekommen (»perished«). L. Yahil, Jews in Concentration Camps in gart, 1933, S. 57.
Germany prior to World War II, in: The Nazi Concentration Camps. Yad 17
GARF, 7021-104-3, S. 23.
Vashem , Jerusalem 1984, S. 94. 18
Ludwig Gaßner, »Verkehrshygiene und Schädlingsbekämpfung«, Ge-
3
Winfried Meyer, »Britischer oder sowjetischer Sachsenhausen-Prozeß?«, sundheits-Ingenieur, 66(15) (1943), S. 174ff.
in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. Nr. 45 (1997), S. 987. 19
Nationalsozialistische Massentötungen durch Giftgas, aaO. (Anm. 7), S.
4
Enzyklopädie des Holocaust, aaO. (Anm. 1), S. 1270. 256.
5
Genauer gesagt, laut einem Teil der orthodoxen „Holocaust“-Historiker. 20
GARF, 7021-104-3, pp. 5-6.
Raul Hilberg spricht in seinem Standardwerk Die Vernichtung der euro- 21
www.members.aol.com/PetGroth/Seite02htm
päischen Juden nirgends von Menschenvergasungen in Sachsenhausen; 22
Dieser Raum befindet sich wie der Topf-Zweimuffelofen im Keller des
Anmerkung des Übersetzers. Krankenreviers.
6
Enzyklopädie des Holocaust, aaO. (Anm. 1), S, 1270. 23
Vom Verfasser dieses Artikels an Ort und Stelle vorgenommene Mes-
7
Nationalsozialistische Massentötungen durch Giftgas. Eine Dokumenta- sung.
tion. Herausgegeben von Eugen Kogon, Hermann Langbein, Adalbert 24
H. Marsalek, Die Vergasungsaktionen im Konzentrationslager Mauthau-
Rückerl u.a., Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/Main 1983, S. 254. sen. Österreichische Lagergemeinschaft Mauthausen, Wien 1988, S. 10.
8
GARF, 7021-104-4, S. 149f. 25
H. Marsalek, Die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen. Do-
9
Ebenda. S. 255. kumentation. Österreichische Lagergemeinschaft Mauthausen, Wien
10
Ebenda, S. 322. 1980, S. 211.
11
Das KL Sachsenhausen unterstand der Bauinspektion der Waffen-SS und 26
F. Piper, Gas Chambers and Crematoria, in: Y. Gutman und M. Ber-
Polizei Reich Nord, die drei Zentralbauleitungen (Berlin, Ravensbrück enbaum Editors, Anatomy of the Auschwitz Death Camp. Indiana Univer-
und Goslar) sowie 11 Bauleitungen umfaßte, darunter eben jene von sity Press, Bloomington and Indianapolis 1994, S. 170.
Sachsenhausen. 27
In Gusen gab es eine Zyklon-B-Entwesungskammer mit Saugventilator.
12
Nationalsozialistische Massentötungen durch Giftgas, aaO. (Anm. 7), S. 28
Der zweite Leuchter Report. Dachau, Mauthausen, Hartheim. Samisdat
255. Pub., Hamilton, Ontario, 1989, S. 34.
13
Ebenda, S. 322, S. 257.
14
GARF, 7021-104-3, S. 2-4.

Verbrennungsexperimente mit Tierfleisch und Tierfett


Zur Frage der Grubenverbrennungen in den angeblichen Vernichtungslagern des 3. Reiches
Von Carlo Mattogno

»Während in den Öfen der Krematorien mit Hilfe der Ventilatoren eine dauerhafte Gluthitze erhalten werden konn-
te, wenn die Leichen richtig Feuer gefangen hatten, brannte das Feuer in den Gruben nur so lange, als die Luft
zwischen den Leichen zirkulieren konnte. Da der Leichenhaufen immer mehr in sich zusammensackte und von au-
ßen keine Luft mehr bekam, mußten wir Heizer die brennende Masse in der Grube ständig mit Öl, Methanol und
Menschenfett begießen, das sich in den Auffangbehältern an den beiden Stirnseiten der Grube reichlich angesam-
melt hatte und dort am Sieden war. Mit langen Rundeisen, die am unteren Ende wie der Griff eines Spazierstocks
gebogen waren, wurde das brutzelnde Fett mit Eimern herausgeschöpft, die wir mit dicken Fäustlingen anfaßten.
Wenn das Fett an allen möglichen Stellen in die Grube geschüttet wurde, schlugen Stichflammen unter heftigem Zi-
schen und Prasseln in die Höhe.« Filip Müller1

1. Einleitung strittene Kompetenz auf diesem Feld hatte mich bereits be-
Mein 1993 in Zusammenarbeit mit dem hochverehrten Dr.- eindruckt, als ich ein anderes ungemein bedeutsames Werk
Ing. Franco Deana entstandener Artikel »Die Krematoriums- aus seiner Feder las.6 Die Kadaver-Vernichtungsanlagen ent-
öfen von Auschwitz-Birkenau«2 präsentierte die ersten Ergeb- hält einen Abschnitt über »Die Verbrennung in Gruben«, der
nisse einer allgemeinen Studie der Kremierung. Abschnitt für die Untersuchung des Themas »Verbrennungsgruben in
6.2. dieser Studie war dem Problem des »Verbrennungspro- Birkenau« von größtem Interesse ist.
zesses in einer Verbrennungsgrube« gewidmet. Ich verfocht Parallel dazu ist meine Dokumentation über Auschwitz ab
dort die Ansicht, das System der Verbrennung3 in einer Gru- 1995 sehr viel umfangreicher geworden, so daß die erste
be sei grundsätzlich technisch ineffizient und das vom Zeu- Version meines Artikels einer radikalen Umgestaltung be-
gen Filip Müller4 beschriebene Verbrennungssystem »wär- durfte. Eine solche konnte in der zweiten Version noch nicht
metechnisch unmöglich«. erfolgen; dort mußte ich mich mit einigen summarischen Be-
Nach der Veröffentlichung dieses Beitrags habe ich meine richtigungen begnügen. Vorsichtshalber habe ich dort auf
Studien fortgesetzt und mich insbesondere in das wichtige den Abschnitt über den »Verbrennungsprozeß in einer Ver-
Buch Die Kadaver-Vernichtungsanlagen5 von Ingenieur Wil- brennungsgrube« verzichtet.7 Dieses Thema erforderte mitt-
helm Heepke vertieft. Heepke war während der ersten vier lerweile eine gesonderte Studie, die ich dem Leser erst heute
Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts einer der namhaftesten deut- vorlegen kann, da das fundamentale Problem der Höhe des
schen Fachleute auf dem Gebiet der Kremierung. Seine unbe- Grundwasserpegels in Birkenau inzwischen geklärt ist.8

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 185


Im vorliegenden Artikel werden nun die experimentellen Da- und Quere nach übereinander zu schichten und zur Her-
ten präsentiert, auf die ich mich in meiner kommenden Studie beiführung einer schnellen, sicheren Verbrennung vor dem
über das spezifische Thema der Leichenverbrennung unter Einlegen mit Petroleum zu tränken. Dieses erfolgt am ein-
freiem Himmel in Birkenau stützen werde. fachsten, indem man ein hohes Gefäß, eine enge Tonne
oder einen hohen Eimer, mit Petroleum füllt und jeden
2. Die Kadaver-Verbrennung in Gruben laut W. Heepke Scheit mit seinen beiden Enden in das Gefäß taucht. Vor-
2.1. ALLGEMEINE PRINZIPIEN teilhaft ist es auch, die vier Seitenwände der Grube mit
Bezüglich der Verbrennung von Tierkadavern in Gruben derartig präparierten Scheiten senkrecht und dicht auszu-
führt Heepke aus:9 setzen. Auf den Holzstoß wird der Kadaver mit geöffnetem
»Dieselbe stellt die gebräuchlichste und modernste Einzel- Bauche nach unten gelegt. Ein von jeder Schmalseite der
verbrennung dar und ergibt bei sachlicher Durchführung Grube aus dem Grunde derselben nach außen schräg auf-
Resultate, welche wohl beachtenswert sind. Die Kadaver steigender Kanal von Spatenstichbreite gestattet ein be-
werden in oder über Gruben verbrannt, welche den Zweck quemes Entzünden des Holzes von zwei Seiten. Sofort nach
haben, einmal die Wärme möglichst auf das Objekt zu kon- demselben müssen die oberen Kanalmündungen durch
zentrieren, also durch Erzielung eines höheren Heizeffektes Erdschollen zugeworfen werden. Die sich sehr bald ent-
das Verfahren rationell zu halten, dann eine Sezierung des wickelnde starke Glut, welche seitlich nur unbedeutend ab-
Kadavers vornehmen zu können, ohne Krankheitsübertra- geleitet wird, wirkt energisch auf den allmählich nachsin-
gung durch Umherspritzen des Blutes und Beiseitelegen kenden Kadaver ein und verbrennt selbigen vollständig. In
herausgenommener Teile befürchten zu müssen. Betreffs den ersten Stunden des Prozesses ist ein Nachwerfen von
der Anlegung der Gruben gilt hier im großen und ganzen weiterem Brennstoff erforderlich, wenn auch dem Ver-
dasselbe wie bei Verscharrungsverfahren. Wegen der sich brennungsherde neue Nahrung durch das nach unten sik-
in der Grube ansammelnden Asche ist jene um 0,5-1,0 m kernden flüssige Fett zugeführt wird.
tiefer zu halten, als wie oben angegeben, also 1,5-2 m. Für Zur Verbrennung eines großen Kadavers von 250-300 kg
die Wahl des Grubenplatzes ist hier vor allem die Wind- Gewicht in angegebener Weise ist bei 5-6 stündiger Dauer
richtung maßgebend. ein Brennstoffaufwand von ~ 2,5 m3 gutem Brennholz und
Die einfachste Ausführung ist die, daß man eine Grube von ~ 35 Liter Petroleum erforderlich.«
2,5 m Länge, 1,5 m Tiefe und Breite, welche in möglichster
Nähe des Kadavers anzulegen ist, fast ganz mit ~ 1 m lan- 2.2. DIE »MEILERVERBRENNUNG«
gen Scheithölzern auslegt. Zur Erreichung eines guten Zu- Hier schildert Heepke »die Meilerverbrennung, wie selbige
ges sind die Scheite längenweise abwechselnd der Länge seit Jahren von dem Gouvernementstierarzt Fabritius in
Finnland angewandt wird«.10 Für uns ist dieser Teil seiner
Ausführungen nicht von Belang, weil dieses System in Bir-
kenau niemals zur Anwendung gelangt ist.

2.3. DIE VERBRENNUNG AUF EISENROSTEN


»Eine weitere Methode zur Verbrennung einzelner Kada-
ver auf freiem Felde ist die Verbrennung auf Eisenrosten.
Der Hauptvorteil dieser Durchführung liegt darin, daß die
Obduktion des Kadavers bequem an Ort und Stelle vorge-
nommen werden kann, ohne daß Krankheitsübertragungen
durch das herausfließende Blut, die herausfallenden
Fleischteile und Exkrete zu befürchten sind: eine Rostver-
brennung eignet sich daher vorzugsweise für verseuchte
Kadaver, welche vor der Vernichtung untersucht werden
müssen.
Bei einem älteren, unwirtschaftlicheren Verfahren wird der
Kadaver auf einem Rost gelagert, der aus 2 oder 3 eiser-
nen Trägern, T-Eisen oder Eisenbahnschienen besteht und
auf den Längsrändern der Grube ruht. Diese ist mit Brenn-
stoff ausgefüllt, der Boden zuvor mit dichtem Stroh be-
deckt. Der Wind drückt hier aber die Flamme beträchtlich
zurück und von dem Objekte ab, ein großen Teil der ent-
wickelten Wärme geht verloren.
Eine bessere Anordnung zeigt Abb. 2. [Siehe Dokument 1.]
Die 1,5 tiefe Grube ist in der unteren Hälfte nur 1,0 m
breit, so daß sich in Höhe von 0,75 m zu beiden Längssei-
ten 0,5 m breite Auflager für die Eisenträger ergeben. Be-
vor der Kadaver auf dem Rost gelagert wird, ist die unter-
ste Grubensohle mit einer dichten Schicht von Stroh und
leichten brennbaren Stoffen auszulegen und der untere
Raum bis zur Trägerebene mit dem Hauptbrennstoff auszu-
Dokument 1: Schemazeichnung einer Grube mit Eisenro- füllen. Zur bequemeren Sektion wird der freie Raum zwi-
sten zur Tierkadaververbrennung. schen den beiden Trägern mit genügend starken Brettern

186 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2


abgedeckt. Die herausgenommenen, schwerbrennbaren kommt, Brennstoff nach Bedarf darüber geworfen und das
Eingeweide und Organe sind auf den erdigen Seitenrän- Stroh auf der Sohle der Grube in Brand gesetzt.«11
dern aufzuhäufen, von wo sie später nach vorgeschrittener
Verbrennung nach und nach in die Glut gestoßen werden. 2.4. DIE PRAKTISCHEN EXPERIMENTE
Nach Beendigung der Obduktion sind die Bohlen unter »Nach beiden Methoden der Rostverbrennung sind im Jah-
dem Kadaver hinwegzuziehen und zum Mitverbrennen re 1902 von den Departementstierärzten Dr. Lothes und
gleich in der Grube zu belassen. Das Tier wird alsdann Dr. Profé-Köln mehrere Versuche durchgeführt worden,
gedreht, damit der geöffnete Bauch nach unten zu liegen deren Hauptdaten in der Tabelle I verzeichnet sind. [Siehe

Dokument 2 & 3: Versuchsergebnisse von Tierkadaververbrennungen auf Eisenrosten aus dem Jahre 1902.

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 187


Dokument 4: Versuchsergebnisse in Tierkadaververbrennungsöfen.

Dokument 2.] Man erkennt aus dieser, daß die zweite Me- Windschirm, der jene von allen Seiten umschloß, gestellt.
thode gemäß der Versuche IV, V und VI mit der Ro- Der Schirm tritt hier also an Stelle der fehlenden Gruben-
stanordnung in der Grube der ersteren vorzuziehen ist, da tiefe von 0,75 m; einer nachteiligen Wärmetransmission
sich bei geringerem Brennstoffverbrauche die Dauer des läßt sich durch Umwerfen mit Erdreich energisch genug
Prozesses um das Eineinhalbfache kürzer stellt als bei den begegnen. Diesbezügliche Versuche, wie selbige unter C:
ersten 3 Versuchen. Außerdem ist bei einer Zeitersparnis VII, VIII und IX in Tabelle II [siehe Dokument 3] aufge-
im Auswerfen der Grube eine gewisse Unabhängigkeit vom nommen sind, ergaben auch äußerst befriedigende Resulta-
Winde gegeben. So wie so muß schon angenommen wer- te, welche denen der Methode B fast gleichkommen. In der-
den, daß zur Zeit der Versuche I-III besonders niedrige selben Tabelle II sind dann zum Vergleich noch 2 Versuche
Winde auf den Prozeß nicht einwirkten, denn sonst hätten unter D: X und XI verzeichnet, bei denen Kadaver in 0,50-
sich sicherlich noch weit schlechtere Resultate für I-III er- 0,75 m tiefen Gruben direkt auf dem Brennstoff liegend
geben müssen. ohne Verwendung von Schienen und Windschirm verbrannt
Da sich eine stärkere Rauchentwicklung nur zu Beginn des wurden.
Prozesses bemerkbar macht und ein belästigender Geruch Zieht man jetzt aus obigem die Quintessenz, so muß man zu
in der Windrichtung über 100 m kaum wahrnehmen läßt, dem Schlusse kommen, daß Kadaver auf freiem Felde ra-
so ist der Grubenplatz in der Wahl nicht zu sehr be- tionell, ökonomisch und in relativ kurzer Zeit verbrannt
schränkt.«12 werden können; es sind dann aber nur die Verfahren nach
B und C in Betracht zu ziehen. Nach diesen beiden Metho-
2.5. DIE VERBRENNUNGSGRUBEN IN SUMPFIGEM GEBIET den kann man gemäß der Tabellen I und II zur Verbren-
Für unser Thema sind die folgenden Darlegungen zweifels- nung von 1 kg Kadaver rechnen:
frei am interessantesten:13 – eine aufzuwendende Brennstoffmenge von 0,5 kg Holz,
»Nun ergeben sich aber sehr viele Kadaververnichtungen – mit einer Verdampfungskraft von 4,5 kg,
gerade in sumpfigen Gegenden, auf Wiesen, in Mooren, in – " " Heizkraft von 775 WE,
Flußniederungen. An diesen Plätzen kann man mit Rück- – ferner die Dauer des Prozesses zu 45 Sekunden
sicht auf das hohe Grundwasser die Grube nicht mehr 1,5 – und die Kosten zu 1,33 Pfennig.«
m tief ausheben, und man müßte zur radikalen Vernichtung Die wichtigste Information, die sich diesen Versuchen ent-
der Kadaver auf ein rationelles Verfahren wie etwa nach B nehmen läßt, besteht in der Tatsache, daß die Gruben auf-
Tabelle I verzichten. Um jedoch auch für sumpfige Gegen- grund ihrer geringen Tiefe (0,75 m) mit einem Eisenblech-
den eine solche Methode vorteilhaft durchführbar zu ge- Windschirm von einem Meter Höhe umgeben werden muß-
stalten, gingen Dr. Profé und Dr. Lothes bei ihren [...] Ver- ten. Ohne diese Vorrichtung hätte sich ihre Effizienz wegen
suchen im Jahre 1903 in der Weise vor, daß der Kadaver des größeren Wärmeverlustes merklich verringert. Daraus er-
auf Trägern gelagert wurde, welche eine Grube von nur gibt sich, daß man in einer solchen Grube ohne Eisenblech-
0,75 m Tiefe überbrückten. Um Kadaver und Grube wurde Windschirm nur eine einzige Brennstoffschicht sowie eine ein-
dann ein etwa 1 m hoher, zusammenlegbarer Eisenblech- zige auf dieser liegende Leichenschicht unterbringen könnte.

188 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2


3. Zweck und Art der von Ing. W. Heepke beschriebenen – Gesamter Innenraum: B: 27 cm; T: 60 cm; H: 75 cm
Experimente – Brennkammer: Höhe: 27cm
Aus den von Ing. Heepke beschriebenen Experimenten läßt – Feuerungsraum: Höhe: 39 cm
sich folgern, daß das Verhältnis zwischen Brennstoff und – Feuerungsrost: 27 cm × 53 cm, Gitter von 1×2 cm²
Fleisch stets geringer als 1 ist. Mit anderen Worten: die Ver- – Aschenraum: Höhe 13 cm.
brennung von einem Kilogramm Fleisch bedarf weniger als – Rost der Brennkammer: Längsstäbe in 1 cm Abstand, 39
ein Kilogramm Brennstoff, genauer gesagt zwischen 0,39 cm über dem Feuerungsrost gelegen.
und 0,8 kg. Es gilt freilich festzuhalten, daß der Zweck dieser – Nutzfläche des Rostes: 50 cm × 27 cm = 1.350 cm²
Experimente einzig und allein darin bestand, zu ermitteln, – Kamin: Innenmaße: 27 cm × 20 cm; Höhe: 70 cm vom
wie man die Kadaver von an Seuchen eingegangenen Tieren Gewölbe der Brennkammer aus, 97 cm vom Rost der
unschädlich machen kann, und dazu bedarf es lediglich einer Brennkammer aus.
mehr oder weniger vollständigen Verkohlung. – Schließungsvorrichtung der Brennkammer: 2 vertikale,
Daß das Ergebnis keinesfalls eine vollständige Einäscherung übereinander liegende Tuffsteinblöcke (siehe Foto 3).
war, geht auch aus den Tabellen hervor, mit denen Heepke Das Experiment wurde mit 6,5 kg Rindfleisch durchgeführt
seine Ausführungen über die von der Berliner Firma Kori (siehe Foto 4).
konstruierten Tier-Verbrennungsöfen veranschaulicht und Technische Daten:
welche Aufschluß über die praktische Kapazität dieser Ein- – Temperatur: 19°C
richtungen vermitteln, siehe Dokument 4. Ihnen läßt sich – In Stücke geschnittenes Rindfleisch: 6,5 kg; Zusammenset-
entnehmen, daß der größte solche Ofen – Modell 4b – inner- zung: Knochen 3,0 kg; Fett 1,0 kg; Knorpel 0,2 kg; Mus-
halb von zwölfeinhalb Stunden mit 300 kg Steinkohle 900 kg kelfleisch 0,6 kg; Innereien 1,7 kg
Tierfleisch einäschern konnte, was bedeutet, daß auf ein Kilo – Trockenes Eichenholz und Föhrenzweige: 6,5 kg
Tierfleisch 0,3 kg Steinkohle kamen. Steinkohle besitzt je- – Beginn des Experiments: 15:45
doch einen 2,5 mal größeren Heizwert als gewöhnliches Ergebnisse des Experiments:
Brennholz. Somit wäre der Brennstoffbedarf dieses Ofens bei – Dauer: 1 h 15 min.
der Verwendung von Holz gleich groß oder noch größer ge- – Fleischasche 0,65 kg (=10% des Anfangsgewichts) (siehe
wesen wie derjenige bei einer der oben zitierten Grubenver- Foto 7, großes Gefäß)
brennung, was natürlich eine Unmöglichkeit darstellt. – Holzverbrauch: 17,1 kg
Zwecks Erlangung zuverlässigerer Daten habe ich eine Reihe – Holzasche: 0,45 kg (= 2,6% des Anfangsgewichts) (siehe
von Experimenten durchgeführt, die ich in den folgenden Foto 7, kleines Gefäß)
Abschnitten schildern will. – Verhältnis Brennstoff/Fleisch: 17,1/6,5 = 2,63 (das Ge-
wicht des Brennstoffs ist 2,63 mal größer als jenes des ein-
4. Die Verbrennungsexperimente C. Mattognos geäscherten Fleisches).
(Oktober-November 1994 sowie Februar 1995) Bemerkungen:
4.1. EINÄSCHERUNGSEXPERIMENT IN EINEM KREMATORI- Bedienung des Ofens: Anfängliche Beladung: 5,1 kg (eine 30
UMSOFEN AUF FREIEM FELD cm hohe Holzschicht) (siehe Foto 5). Anschließend wurde al-
Zur Durchführung der in diesem Artikel geschilderten Expe- le 6 bis 7 Minuten Holz nachgeschichtet. Während der Ver-
rimente habe ich einen Feldofen mit Tuffsteinblöcken gebaut, brennung war die Öffnung der Brennkammer mit zwei verti-
dessen Struktur aus den Fotos 1-3 ersichtlich ist. kal eingefügten Tuffsteinblöcken geschlossen, welche die
Maße des Ofens: Öffnung des Aschenraums frei ließen, in dem sich zwei

Fotos 1-3: Bauweise des Mattognoschen Kremierungsofens.

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 189


Aluminiumbehälter zum Auffangen der selben Roste verwendet wie beim vorher-
Asche befanden. gehenden Experiment.
Verbrennungsprozeß: Der Kamin rauchte Bedienung des Ofens: Anfängliche Bela-
nur sieben bis acht Minuten nach der Ent- dung: 4,5 kg; darauffolgende Beladungen
zündung des Herdes; darauf wurde die je nach Tempo des Verbrennungsprozes-
Verbrennung sehr intensiv (siehe Foto 6), ses.
das Fett begann mit großer Geschwindig- Verbrennungsprozeß: Der Ofen rauchte
keit zu schmelzen, und bereits nach 8 Mi- während der ganzen ersten Stunde intensiv,
nuten schossen Flammenzungen von rund wobei der Rauch anfangs von dunkelgrau-
30 cm aus dem Kamin empor. Die Ver- er und dann von bläulicher Farbe war; dar-
brennung blieb fast während des ganzen auf quoll der Rauch weniger heftig. Wäh-
Experiments höchst intensiv und nahm erst rend der ersten Stunde erfolgte die Ver-
gegen dessen Ende hin ab; in der Anfangs- brennung des Holzes in unregelmäßigen
phase der Verbrennung, nach ungefähr 10 Phasen; nach dreißig Minuten erschienen
Minuten, rannen kleine Fettmengen in die Foto 4: Präpariertes Opferrind leichte Flammen über dem Fleisch. Das in
im Aschenraum aufgestellten Behälter, wo das Fett fast au- das Gefäß im Aschenraum gesickerte Fett entzündete sich
genblicklich Feuer fing. sogleich und entfachte eine lodernde Flamme (siehe Foto 9,
Asche: Die Asche bestand aus einigen verhältnismäßig gro- das nach 15 Minuten aufgenommen wurde). Das Fleisch ge-
ßen Stücken, vielen kleineren Stücken sowie einer Masse von riet nach einer Stunde in Brand. Nach zwei Stunden brannte
Schlacken und sehr kleinen Fragmenten; die Knochenrück- es noch intensiv. Um der häufigen Verringerung der Ver-
stände waren größtenteils weiß, sehr porös und leicht zer- brennungsintensität entgegenzuwirken, habe ich nach Ablauf
brechlich, zu einem geringen Teil schwarz. Sämtliche Rück- der ersten halben Stunde begonnen, das Holz in dünnere Tei-
stände zerbröckelten schon bei leichtem Fingerdruck. le zu spalten. Ich habe das Feuer immer wieder mit einem
metallenen Haken geschürt, und auch das Fleisch habe ich
4.2. EINÄSCHERUNGSEXPERI- häufig aufgerührt, wobei ich es
MENT IN EINEM OFFENEN OFEN während des Austrocknungs-
Der Versuch wurde mit 10,8 und Verbrennungsprozesses
kg Rindfleisch in einer vorne allmählich in den hinteren Teil
und oben offenen Brennkam- der Brennkammer schob. (Als
mer durchgeführt (siehe Foto Folge des Ofenzugs konzen-
8: Versuchsbeginn). trierten sich die Flammen nach
Technische Daten: der ersten halben Stunde im
– Ofen: B: 27 cm; T: 74 cm; hinteren Teil der Brennkam-
Abstand Brennkammer- mer.)
/Feuerungsrost: 23 cm Geruch: Nicht sonderlich in-
– Temperatur: 17°C tensiver Gestank verbrannten
– In Stücke geschnittenes Fleisches während des gesam-
Rindfleisch: 10,8 kg; Zu- ten Versuchs.
sammensetzung: Knochen Asche (siehe Foto 10): Die Foto 8
Foto 5 und Knorpel: 4,1 kg; Fett: Asche bestand aus verhältnis-
2,1 kg; Muskelfleisch: 1,9 mäßig dicken Knochenrück-
kg; Innereien: 2,7 kg ständen, die außen weiß und
– Trockenes Eichenholz und innen schwarz waren; diese
Föhrenzweige Rückstände waren teils zer-
– Beginn des Experiments: brechlich, teils relativ hart.
14:00 Nach Abschluß des Versuchs
Ergebnisse des Experiments: habe ich die Temperatur der
– Dauer: 2 Stunden 40 Minu- Glut (ohne Flamme) mit einem
ten Ofenthermometer gemessen,
– Asche des Rindfleischs: 0,55 welches 10 cm über der Glut
kg (= 5,1 % des Ausgangs- angebracht war: Während der
gewichts) ersten Minuten hielt sich die
– Holzverbrauch: 33,5 kg Temperatur um 270°C.
– Holzasche: 0,85 kg (= 2,5%
des Ausgangsgewichts) 4.3. VERBRENNUNGSEXPERI- Foto 9
Foto 6 – Verhältnis Brenn- MENT IN EINER AUF OFFENEM
stoff/Fleisch: 33,5/10,8 = 3,1 FELD AUSGEHOBENEN GRUBE
(das Gewicht des verwende- (21. FEBRUAR 1995)
ten Brennstoffs ist dreimal Technische Daten
höher als das des einge- – Grube von 0,85 m Länge,
äscherten Fleisches). 0,50 m Breite und 0,60 m
Bemerkungen: Tiefe (siehe Foto 11).
Foto 7 Für den Versuch wurden die- – Rindfleisch: 15 kg, größten- Foto 10

190 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2


teils organische Teile aus der Brusthöhle reste auf der Glut lagen.
und dem Unterleib (siehe Foto 12) Temperatur der Luft vor der Grube: Nach 50
– Brennstoff: 52,5 kg: Trockene Föhrenzap- Minuten brachte ich ein Ofenthermometer an
fen: 1,5 kg; Trockene Föhrenäste: 3,0 kg; einem Metallhaken an, den ich vor der Grube
Brennholz (Eiche), in 40 bis 60 cm lange in den Boden rammte. Ich bog den Haken
Stücke mit 4-6 cm Durchmesser gespalten: nach vorn, so daß sich das Thermometer in 90
48,0 kg; Alkoholäthyl: 1,5 l cm Höhe auf die Vertikale des Grabenrands
– Temperatur: 14°C befand (siehe Foto 15). Gemessene Höchst-
– Beginn des Experiments: 1600 Foto 11 temperatur: 120°C. Die Fläche des mit kurzer
Vorbereitung des Experiments Flamme verbrennenden Holzes war rund 40
Auf dem Grund der Grube brachte ich die cm unter die Höhe des Erdbodens gesunken.
Föhrenzapfen an, auf welche ich dann die Temperatur der Glut: Ich begann um 16 Uhr
Föhrenäste schichtete; dann türmte ich das mit dem Versuch. Nach dem Erlöschen der
Holz darauf, wobei ich die Stücke abwechs- Flammen habe ich den Graben bis zum Abend
lungsweise in Längs- und Querrichtung an- beobachtet. Am folgenden Morgen (22. Fe-
ordnete, bis der Haufen schließlich die Erd- bruar), um 8 Uhr (Temperatur: 5°C) führte ich
oberfläche um ein paar Zentimeter überragte. den Haken des Ofenthermometers in die Glut
Mit dieser Anordnung habe ich eine Art Holz- ein und maß die Temperatur jede Stunde. Um
rost mit sehr breiten Zwischenräumen für die 8 Uhr, sechzehn Stunden nach Experimentbe-
Luft aufgebaut. Gesamtgewicht des Holzes: 42 Foto 12 ginn, belief sich die Temperatur der Glut auf
kg. rund 320°C, und sie blieb bis 13 Uhr über 300
Ich legte das Fleisch so auf das Holz, daß es Grad. Um 16 Uhr, also 24 Stunden nach dem
etwas mehr als die Hälfte der Grubenoberflä- Entzünden des Scheiterhaufens, lag sie immer
che einnahm. Dann tränkte ich das Holz mit noch bei 280 Grad. Nachdem ich die Glut mit
dem Alkohol und steckte es in Brand. einem Metallhaken geschürt hatte, schnellte
Phasen des Verbrennungsprozesses die Temperatur auf 340 Grad hoch und hielt
Das Feuer loderte unten (wo sich der am leich- sich dann noch ungefähr zwei Stunden über
testen entzündbare Brennstoff befand) sofort 300 Grad; um 23 Uhr, also nach 31 Stunden,
und mühelos auf und verbreitete sich langsam Foto 13
betrug sie immer noch 160 Grad.
nach oben. Ergebnisse
– Nach 5 Minuten war der Verbrennungspro- Am folgenden Morgen (23. Februar) entnahm
zeß voll in Gang gekommen. ich der Grube die Asche (siehe Foto 17). Die
– Nach 25 Minuten hatte der Verbrennungs- Ergebnisse präsentierten sich wie folgt:
prozeß seine volle Intensität erreicht, doch Holzasche: 4,2 kg (= 8% des Gesamtgewichts
war das Fleisch noch annähernd unversehrt des verbrannten Holzes). Volumen: ca. 12.500
(siehe Foto 13). cm³; spezifisches Gewicht: ca. 0,34
– Nach 30 Minuten, als die Höhe des Holzsta- Fleischasche und -überreste: 0,6 kg (= 4% des
pels bereits um ca. 20 cm geschrumpft war, Gesamtgewichts des verbrannten Fleisches)
ordnete ich die übrigen Holzstücke (10,5 kg) Foto 14 Knochensplitter (von sehr geringer Größe):
auf dem Stapel an, indem ich sie auf das Kleine, poröse und leicht zerbröselnde Split-
Fleisch legte. ter, außen weiß, innen schwarz
– Nach 45 Minuten starke Flammen, die aus Weiche Teile: Von den drei Überresten waren
der Grube hervorschossen (siehe Foto 14). zwei verkohlt und zerbröckelten leicht; innen
– Verbrennung mit kurzer Flamme nach 50 sahen sie verkohlt aus wie Ruß. Das dritte,
Minuten. eiförmige Stück (Größe: ca. 13 cm × 7 cm,
– Verbrennung mit kurzer Flamme nach 60 Gewicht rund 0,3 kg) war sehr kompakt und
Minuten; die Fleischreste waren noch mit hart; unter der schwarzen, von der Verkohlung
Brennholz und brennender Holzkohlenglut herrührenden Kruste ähnelte es einem Stück Er-
bedeckt. de.
– Als fast kein Holz mehr übriggeblieben war,
tauchten die Fleischreste auf. Die Flammen 4.4. SCHLUSSFOLGERUNGEN
waren fast erloschen. Auf der Glut lagen noch Die vom Brennstoff erzeugte Hitze, die in der
drei große Stücke verkohlten Fleisches. Foto 15 Grube nicht nach außen gelangen und sich
– Die Flammen erloschen nach einer Stunde dort verflüchtigen konnte, konzentrierte sich
35 Minuten. oben auf das Fleisch, und dies erklärt die beträchtliche Effi-
– Foto 16 zeigt die Überreste nach einer Stunde 45 Minuten. zienz dieses Systems: 3,5 kg Brennstoff reichten zur Ver-
Rauch: Leichte Rauchentwicklung beim Entzünden sowie in brennung von 1 kg Fleisch aus.
den darauffolgenden Minuten; danach, mit der Intensivierung Das Verbrennungsexperiment mit Rindfleisch in einem vorne
des Verbrennungsprozesses, nahm der Rauch merklich ab. und oben offenen Ofen ergab, daß zur Einäscherung eines
Während der folgenden Stunden entstieg den Fleischrück- Kilogramms Rindfleisch 3,1 kg Holz erforderlich waren und
ständen sehr leichter Rauch. daß 5,1% Fleischasche und 2,5% Holzasche zurückblieben.
Geruch: Schwacher Geruch, kein eigentlicher Gestank, wäh- Hinsichtlich der Fleischasche muß man sich freilich vor Au-
rend des Verbrennungsprozesses und darauf, als die Fleisch- gen halten, daß es sich ausschließlich um Knochenasche

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 191


handelte, während beim Verbrennungsexperi- zen müssen.
ment in der Grube fast nur Asche der Weich- Die technischen Ausgangsdaten beim Studium
teile zurückblieb. Der Versuch mit dem Ofen einer Massenverbrennung in auf sumpfigem
dauerte 2 h 40 min. Nach dieser verhältnismä- Gelände ausgehobenen Gruben sind also die
ßig langen Zeitspanne waren auch die letzten folgenden:
Überreste auf dem Rost eingeäschert. In der – eine einzige Leichenschicht;
Grube hörte der Verbrennungsprozeß zwar – eine Dichte von 1,5 Leichen pro Quadratme-
schon nach 1 h 35 min auf, doch war das Re- ter (1 Leichnam = 0,66 m²);
sultat eine unvollständige Einäscherung. – ein Holzverbrauch von ca. 200 kg pro
Der Vergleich zwischen diesen beiden Experi- Leichnam.
menten belegt, daß sich die Effizienz der beiden
Anlagen in derselben Größenordnung bewegt, 4.5. DIE VERBRENNUNG VON LEICHEN AUF
daß jedoch die größere Verbrennungskapazität SCHEITERHAUFEN
bei gleicher Fläche für den Ofen spricht; dieser Die oben dargelegten Schlußfolgerungen ste-
kann nämlich fortlaufend betrieben werden, hen voll und ganz in Übereinklang mit der
während die Grube den Nachteil hat, daß die Foto 16 praktischen Erfahrung. In Indien ist die Ver-
Glutasche zu lange eine sehr hohe Temperatur brennung von Leichen auf Scheiterhaufen
aufweist und nach ihrer Erkaltung vom Gru- noch heute gängige Praxis. In Chandigarth,
bengrund entfernt werden muß. Sektor 25, werden zur täglichen Einäscherung
Soll das System mit der Verbrennungsgrube von sieben bis acht Leichnamen ca. 35 Zentner
effizient funktionieren, so ist die Anordnung Holz verbraucht, im Schnitt 437-500 kg pro
des Holzes höchst wichtig: die Stücke müssen Leichnam.16 Laut der Zeitschrift Hindustan
Foto 17
von geringem Durchmesser sein, so daß sie Today:17
leicht und vollständig verbrennen können, und sie müssen »Zur Einäscherung der 21.000 Hindus, die täglich sterben,
rostförmig aufgeschichtet werden. Beim oben beschriebenen werden 18 Millionen Pfund Holz, oder 259 Hektar Wald,
Versuch betrug die Anfangsbeladung der Grube 42 kg mit verbraucht.«
einem Volumen von 0,255 m³, was rund 165 kg/m³ ent- Dies bedeutet, daß zur Verbrennung von 21.000 Leichen et-
spricht. Soll ein reibungsloser Ablauf garantiert werden, wird wa 8.200 Tonnen Holz benötigt werden, womit sich der
man wohl einen Stapel von 150 bis 200 kg Holz pro Kubik- durchschnittliche Holzbedarf für eine Kremierung auf 390 kg
meter Grube ansetzen müssen. Holz beläuft. In einem Bericht über den Holzbedarf in den
Damit der Scheiterhaufen rasch und dauerhaft in Brand gerät, städtischen Zonen Indiens heißt es:18
ist es nicht minder wichtig, auf dem Grubengrund eine dünne »Ein der Hindu-Religion angehörendes Volk braucht
Schicht leicht brennbaren Materials anzubringen und den ge- Brennholz zur Feuerbestattung der Toten. Ca. 5,54 Zentner
samten Stapel mit flüssigem Brennstoff zu übergießen. Der Brennholz sind im Durchschnitt zur Einäscherung eines
Verbrennungsprozeß muß zudem sorgfältig überwacht und Leichnams vonnöten.«
gesteuert werden. Da die Hindubevölkerung nicht gewillt ist, die Tradition der
Das Verbrennungsexperiment im Feldofen ergab, wie leicht Leichenverbrennung auf Scheiterhaufen aufzugeben, wurde
vorauszusehen war, bezüglich des Brennstoffverbrauchs ein unlängst ein sogenanntes »brennstoffsparendes Krematori-
besseres Resultat: 2,63 kg Holz zur Einäscherung von einem um« eingeführt, bei welchem es sich in der Praxis um einen
Kilo Fleisch. Dies heißt, daß zur Verbrennung eines Leich- offenen Ofen der Art handelt, den ich bei dem in 4.2. be-
nams von ca. 58 kg Gewicht14 rund 152 kg Holz nötig sind. schriebenen Experiment verwendet habe. Diese Anlage benö-
Da der (auf dem Prinzip der direkten Verbrennung beruhen- tigt für eine Kremierung die Hälfte der laut diesem Artikel
de) Gorini-Ofen zur Kremierung einer normalgewichtigen bei einer Scheiterhaufenverbrennung nötigen Holzmenge von
Leiche 100–150 kg Holzbündel benötigte,15 funktionierte der 400 bis 600 kg, also 200 bis 300 kg.19
Feldofen bei diesem Experiment nach der Art eines holzbe- Im Januar 2002 wurden einige Öfen dieses Typs in zehn Dör-
triebenen Krematoriumsofens, und der Verbrauch von 152 kg fern des Bezirks Ludhiana installiert. In einer Zeitungsmel-
zur Verbrennung eines Leichnams muß als theoretisches Mi- dung dazu heißt es, daß bei dieser neuen Technologie »nur
nimum betrachtet werden. In der Tat wären in einem größe- zwei bis drei Zentner Holz verbraucht werden«20 Somit wirkt
ren Ofen, wie er zur Kremierung einer Leiche von 58 kg Ge- der oben angesetzte Bedarf von 200 kg Holz für die Ver-
wicht notwendig ist, die Wärmeverluste durch Ausstrahlung brennung einer Leiche in einer Grube eher unter- als über-
und Leitung sowie durch die fühlbare Wärme der Verbren- trieben!
nungsgase (größerer Luftüberschuß) auf jeden Fall höher, so
daß auch der Brennstoffverbrauch stiege. 5. Verbrennungsexperimente mit Tierfett (Schmalz)
Was die Einäscherung in einer Grube anbelangt, so kann das Die oben geschilderten Verbrennungsexperimente wurden
Verhältnis Brennstoff/Fleisch nicht unter dem beim Experi- von mir durchgeführt, um die Glaubhaftigkeit der Zeugen-
ment ermittelten Wert von 3,5 liegen, weil bei den in kleinem aussagen über das Abschöpfen von kochendem Menschenfett
Rahmen durchgeführten Experimenten kleingehacktes und aus den angeblichen Verbrennungsgruben von Birkenau zu
leicht entzündbares Holz verwendet worden ist und die Be- überprüfen.
dienung auf eine Weise durchgeführt wurde, wie sie bei Ver- Der Zeuge, welcher die ausführlichste Schilderung dieser an-
brennungsaktionen größeren Ausmaßes praktisch unmöglich geblich zur Anwendung gelangten Prozedur geliefert hat, ist
zu erreichen ist. Filip Müller. Dieser schrieb, im Nordhof des Krematoriums
Zur Verbrennung einer Leiche von 58 kg Gewicht wird man V seien zwei Gräben von 40 bis 50 m Länge, 8 m Breite und
demnach einen Mindestverbrauch von ca. 200 kg Holz anset- 2 m Tiefe (sowie drei andere, deren Maße er nicht angibt)

192 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2


ausgehoben worden; auf dem Grund der Grube seien, vom drei Meter kommen konnte.24
Zentrum ausgehend, parallel zu dieser zwei 25 bis 30 cm Trotzdem habe ich zwecks Ve-
breite, an den Seiten abschüssige Kanäle gegraben worden, rifizierung der behaupteten
die in zwei noch tiefere, an den beiden Enden der Grube ge- Abschöpfung des Fetts drei
legene Löcher – von Müller »Auffangbehälter« genannt – Experimente durchgeführt, die
mündeten. Laut dem Zeugen dienten die beiden Kanäle zum ich im folgenden beschreiben
Auffangen des Menschenfetts, das während der Verbrennung werde.
in die Auffangbehälter floß; aus diesen sei das kochende Fett
mittels an Metallstangen befestigten Eimern geschöpft und 5.1. EXPERIMENT MIT DIREK-
als zusätzlicher Brennstoff auf den Scheiterhaufen gegossen TER ERHITZUNG
worden.21 Auf den Verbrennungsrost ei-
Eine solche Schilderung ist aus mehreren Gründen absurd: nes vorne und oben offenen
a. Der Siedepunkt von Tierfett liegt im Bereich von 200°C, Ofen stellte ich ein Alumini- Foto 21
also oberhalb seines Flammpunkts von 184°C.22 Das heißt, umgefäß mit 500 Gramm
daß siedendes Tierfett bei Anwesenheit von Flammen oder Schmalz (siehe Foto 18). Der
Funken zu brennen anfängt. Verbrennungsrost befand sich
b. Tierfett hat einen Zündpunkt von ca. 280°C, entzündet 25 cm oberhalb des Feue-
sich also ohne den Einfluß von Feuer oder Glut bei sol- rungsrostes. Nach der Entzün-
chen Temperaturen von selbst. Die Mindesttemperatur bei dung des Holzes in der Feue-
einer Verbrennung beträgt allerdings 600-700°C. Unter rung verflüssigte sich das
solchen Bedingungen finge Schmalz rasch und begann zu
Fett selbst dann zu brennen sieden; die Dämpfe fingen
an, wenn es nicht mit Feuer und erzeugten sehr dich- Foto 22
Flammen oder Glut in Kon- te, bis zu ca. 80 cm hohe Flammen (siehe Foto 19). Die Ver-
takt käme. Ist die Tempera- brennung dauerte rund 2 Minuten.
tur niedriger, so erfolgt »zu
Beginn der Verbrennung 5.2. EXPERIMENT MIT ERHITZUNG DURCH AUSSTRAHLUNG
eine Destillation der orga- Das Experiment wurde in einem vorn und oben offenen Ofen
nischen Substanz unter aus Tuffsteinblöcken durchgeführt.
gleichzeitiger Verko- Auf den Boden des Aschenraums stellte ich ein Aluminium-
kung«.23 gefäß mit 250 Gramm Schmalz. Der Rost der Feuerung be-
c. Eine weitere, nicht minder fand sich 25 cm über dem Boden des Aschenraums. Der Rost
grelle Absurdität besteht der Feuerung bestand aus einem Metallnetz mit Maschen von
darin, daß die Angehörigen 2 cm × 1 cm Größe, so daß lediglich kleine Stücke Glut in
des sogenannten Sonder- das Gefäß fallen konnten. Das im Behälter befindliche
Foto 18 kommandos das Menschen- Schmalz verflüssigte sich und begann vor allem aufgrund der
fett ohne jede Schutzvor- von der Feuerung ausgestrahlten Hitze zu sieden; die Dämp-
richtung am Rand einer fe, die sich aus dem Fett bildeten, gerieten rasch in Brand und
Verbrennungsgrube hätten loderten hell auf (siehe Foto 20).
abschöpfen müssen, die ei-
ne wenigstens 320 Qua- 5.3. EXPERIMENT MIT ERHITZUNG DURCH LEITUNG (UND
dratmeter große und minde- AUSSTRAHLUNG)
stens 600 Grad heiße Ober- Das Experiment wurde in einem vorne und oben offenen
fläche aufwies! Ofen aus Tuffsteinblöcken durchgeführt (siehe Foto 21).
Wie wir gesehen haben, er- Genau wie beim vorherigen Experiment stellte ich ein Alu-
reichte die Temperatur selbst miniumgefäß mit 250 Gramm Schmalz auf den Boden des
bei meinem Experiment am Aschenraums, jedoch brachte ich 28 cm über dem Boden des
Rand der kleinen Grube Aschenraums einen Rost aus Metallnetz mit größeren Ma-
120°C! schen (10 cm × 10 cm) an. Anschließend steckte ich das Holz
Foto 19 Bei einem unter der Obhut von auf dem Rost der Feuerung in Brand. Als der Verbrennungs-
Dr. Alistair J. Marschall prozeß intensiv wurde, begannen Glutstücke in das darunter
durchgeführten Experiment liegende Gefäß zu fallen; das dort befindliche Schmalz ver-
zum Studium prähistorischer flüssigte sich zunächst, verband sich dann mit der Asche und
Scheiterhaufen wurde auf ei- brannte mit weniger starker, jedoch längerer Flamme (etwa
nem Scheiterhaufen, zu dessen 15 Minuten lang), so wie der Docht einer Öllampe brennt
Erstellung eine Tonne Holz (siehe Foto 22).
gebraucht worden war, der
Kadaver eines Schafes ver- 5.4. SCHLUSSFOLGERUNGEN
brannt. Dem entsprechenden 1. Die durchgeführten Experimente haben bestätigt, daß
Bericht zufolge stieg die Tem- Tierfett, wenn es den bei der Verbrennung des Holzes ent-
peratur binnen einer Stunde stehenden Temperaturen ausgesetzt wird, leicht brennt.
dermaßen an, daß man dem 2. Experiment 3 hat erhärtet, daß Tierfett beim Kontakt mit
Foto 20 Scheiterhaufen nicht näher als der Glut brennt. Folglich würde in einer Verbrennungs-

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 193


6
grube das sich von den Leichen absondernde Fett beim W. Heepke, Die Leichenverbrennungs-Anstalten (Die Krematorien). Ver-
Sickern durch das brennende Holz, spätestens aber beim lag von Carl Marhold, Halle a. S. 1905.
7
The Crematoria Ovens of Auschwitz and Birkenau, in: Ernst Gauss (Hg.),
Erreichen der Glutschicht auf dem Grund der Grube, ver- Dissecting the Holocaust, Theses & Dissertations Press, Capshaw, Ala-
brennen, ohne je bis zum vorgesehenen Sammelpunkt zu bama, 2000, S. 373-412.
gelangen. Dies wurde ferner durch den oben geschilderten 8
C. Mattogno, »“Verbrennungsgruben” und Grundwasserstand in Bir-
Versuch mit der Verbrennung in einem offenen Ofen be- kenau«, in: VffG, 6(4) (2002), S. 421-424.
9
W. Heepke, Die Kadaver-Vernichtunganstalten, aaO., S. 28-29.
legt, bei dem das aus dem Fleisch in den Behälter des 10
Ebenda, S. 29.
Aschenraums geflossene Fett sofort Feuer fing und ver- 11
Ebenda, S. 32f.
brannte. 12
Ebenda, S. 33.
13
3. Experiment 2 beweist, daß flüssiges Fett, auch wenn es 14
Ebenda, S. 33, 36.
unter der Glut in die dazu gegrabenen Kanäle flösse, durch Das Durchschnittsgewicht zweier Erwachsener und eines Kindes. Siehe
Die Krematoriumsöfen von Auschwitz-Birkenau, aaO., S. 398.
die Ausstrahlung der Hitze von der Glut sowie durch den 15
G. Pini, La crémation en Italie et à l’étranger de 1774 jusqu’à nos jours.
Kontakt mit dieser in Brand geriete. Ulrico Hoepli, Mailand 1885, S. 151.
16
4. Experiment 1 liefert den Beweis dafür, daß man das Men- Reeta Sharma, »The environmental cost of cremation by wood«, in: The
schenfett selbst unter der Annahme, daß es in den Auf- Tribune, online Ausgabe, Chandigarh, 4. April 2001.
www.tribuneindia.com/2001/20010404/edit.htm#8
fangbehälter flösse, nicht abschöpfen, ja nicht einmal an 17
Hinduism Today, June 1994,
den Rand der Grube herantreten könnte, weil bei der Ver- www.hinduismtoday.com/archives/1994/6/1994-6-14.shtml.
brennung des Fetts hohe Flammen emporschössen. 18
»Urban requirement of wood in M.P.« http://www.learnnature.com/forest
19
Council for advancement of peoples action and rural technology. Rural
Technology Division, »Fuel Efficient Crematorium«.
Anmerkungen
www.ruraltechindia.org/fec.htm
20
Aus dem Italienischen übersetzt von Jürgen Graf. »New crematoriums for 10 villages«. Tribune News Service. Ludhiana
1
Filip Müller, Sonderbehandlung. Drei Jahre in den Krematorien und Tribune online. www.tribuneindia.com/2001/20010122/ldh1.htm#11
21
Gaskammern von Auschwitz, Verlag Steinhausen, München 1979, S. 217. F. Müller, Sonderbehandlung. Drei Jahre in den Krematorien und Gas-
2
In: Ernst Gauss (Hg.), Grundlagen zur Zeitgeschichte. Ein Handbuch kammern von Auschwitz. Verlag Steinhausen, München 1979, S. 207.
22
über strittige Fragen des 20. Jahrhunderts. Grabert Verlag, Tübingen J.H. Perry, Chemical Engineer’s Handbook. Wilmington, Delaware,
1994, S. 281-320. 1949, S. 1564.
3 23
Ich verwende den Ausdruck „Verbrennung“, weil technisch gesehen von P. Schläpfer, »Betrachtungen über den Betrieb von Einäscherungsöfen«,
einer „Kremierung“ lediglich in einem Krematoriumsofen die Rede sein in: Schweiz. Verein von Gas- und Wasserfachmännern. Monatsbulletin,
kann. Zürich, XVIII(7) (Juli 1938), S. 151.
4 24
Die Krematoriumsöfen von Auschwitz-Birkenau, aaO. (Anm. 2), S. 318. »Experimental cremation of prehistoric type«,
5
Verlag von Carl Marhold, Halle a. S. 1905. www.bradford.ac.uk/acad/archsci/field_proj/amarsh/cremexp.htm

Persönlichen Angriffe gegen Revisionisten


Von Prof. a.D. Dr. Robert Faurisson
In einem Gedankenwettbewerb kann ein Angriff auf die Per- suchen, die Erklärungen der Revisionisten zu widerlegen,
son des Gesprächspartners manchmal gerechtfertigt sein, oder wäre es angebrachter, diese Männer zu entlarven, also
wenn dieser Art des Angriffs explizit oder implizit eine Be- darzulegen, daß es sich hier nur um Rassisten und Antisemi-
weisführung in der Substanz vorausgeht. Andererseits verrät ten handele? Er führt weiter aus:1
ein purer und einfacher persönlicher Angriff, ohne daß noch »Das Versäumnis, die spezifischen Tatsachenbehauptun-
etwas Handfestes hinzukommt, nur die absolute Unfähigkeit, gen der Holocaust-Leugner aufzugreifen, setzt den Entlar-
die Beweisführung des Gegners zu widerlegen. Das ist der vungsansatz der Beschuldigung aus, ein persönlicher An-
Fall bei all jenen, die den betreffenden Historiker der revisio- griff zu sein.«
nistischen Schule der Geschichtsforschung selbst verbal an-
greifen, weil sie unfähig sind, die Erkenntnisse des histori- Zwei kürzlich erfolgte persönliche Angriffe
schen Revisionismus beweiskräftig zu widerlegen. Falls not- Mein eigenes Los ist nicht mit dem von E. Zündel zu verglei-
wendig, so entnimmt diese Form des feigen Angriffs ihre chen, denn alles in allem bin ich doch immer noch besser
Munition aus Gerüchten, Geschichten und böswilligem Ge- dran als er. Wie jeder, der in eine derart lebhafte Auseinan-
schwätz, deren Quellen, ob wahr oder falsch, nur selten ge- dersetzung verwickelt ist, habe auch ich viel zu häufig erlebt,
nannt werden. Das reicht von Tatsachenverdrehung bis hin daß ein Gegner mir Gedankengänge, Worte oder Handlungen
zur reinen Fälschung. Kein Revisionist, so scheint es mir, andichtet, die wenig oder überhaupt nichts mit der Wirklich-
war Gegenstand von so vielen dümmlichen Gerüchten wie keit zu tun haben. Und dennoch sind mir bislang niederträch-
der Deutsch-Kanadier Ernst Zündel. In einer Anwandlung tige Gerüchte und Geschwätz zumindest in gedruckter Form
von Offenheit machte der jüdisch-amerikanische Anwalt Ro- erspart geblieben. Aber in diesen Tagen haben zwei Bücher
bert A. Kahn kürzlich so etwas wie ein Eingeständnis, wenn diese Lücke sozusagen gefüllt, eines in englischer und eines
auch ein vorsichtiges. Er fragte in bezug auf die Strategie vor in französischer Sprache, so daß jetzt auch Angriffe auf die
Gericht, die E. Zündels Gegner bei ihren Prozessen gegen Person aus niedrigen Beweggründen nicht mehr fehlen.
diesen in Toronto (1984-1985 und 1988) an den Tag gelegt Wenn ich mich nun dazu entschlossen habe, darüber zu be-
hatten, welche Verteidigungslinie die Juden angesichts des richten, dann nicht etwa, um mich zu beschweren, sondern
revisionistischen Ansturms verfolgen sollten: sollten sie ver- um den Leser zu unterrichten – und zu unterhalten –, indem

194 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2


ich ihn über die Methoden aufkläre, auf welche die Gegner tigkeit aufgefallen. Groß von Statur, glatzköpfig, 1998 etwa
der Revisionisten nun glauben zurückgreifen zu müssen. fünfzig Jahre alt, mit einer Jüdin verheiratet – wie er mir ver-
riet – und selbst vielleicht auch Jude – wie er mir zu verste-
Ein BBC-Journalist: Nicholas Fraser hen gab –, hatte dieser Sohn eines Engländers und einer
Im Dezember 1997 bat mich Nicholas Fraser, der sich als Französin mir gegenüber den Eindruck eines Menschen er-
Journalist des Fernsehsenders BBC ausgab, um ein Treffen. weckt, der mit sich selbst nicht im Frieden lebt. Beunruhigte
Ich machte seine Bekanntschaft in der 17. Kammer des Pari- ihn meine Anwesenheit? Stand er unter Drogen? In einem Fall
ser Strafgerichts, wo sich Roger Garaudy damals wegen eini- ging ich gar so weit, ihn zu fragen, ob ihm schlecht sei. Wir
ger Schriften verantworten mußte, deren revisionistische Na- werden weiter unten sehen, daß meine Frage berechtigt war.
tur er auf Biegen und Brechen zu bestreiten versuchte; ich
machte dem britischen Journalisten gegenüber keinen Hehl Porträt eines Revisionisten
aus meiner Einstellung zu einem solchen Verhalten. Unser In zwei Passagen seines Buches beschreibt N. Fraser mich als
zweites Treffen fand am 13. Februar 1998 in meiner Heimat- Träger einer Baskenmütze. (S. 117, 127); er stellt auch fest,
stadt Vichy statt. N. Fraser drehte damals einen Film, in dem daß ich die Kriegsjahre in der tiefsten Ecke der verschlafenen
ich seiner Ansicht nach unbedingt erscheinen sollte. Er gab französischen Provinz verbracht habe (119f.). Seltsam! Ich
an, ein unparteiischer Forscher zu sein. In seinem „Doku- habe nie im Leben eine Baskenmütze getragen, und dieser
mentarfilm“ wolle er keine revisionistischen Argumente vor- BBC-Mensch kann mich nur mit einer blauen Burton-Mütze
tragen, denn das berge das Risiko von Strafverfahren in sich, gesehen haben: Was meine Kriegsjahre anbelangt, so ver-
sondern er wolle ganz einfach darlegen, daß ein Revisionist brachte ich diese in Angoulême, Marseille und Paris, in die-
auch menschliche Züge haben kann. Leider ging N. Fraser ser Reihenfolge, und hielt mich nur in den Sommerferien auf
während seiner Schauspielerei ziemlich tolpatschig vor. Mir dem Lande auf.
wurde klar, daß sich sein Film mit der äußersten Rechten in Er dichtet mir einen älteren Bruder an (S. 120), obwohl ich
Europa befassen würde und daß ich darin nur eine Statisten- ihm auf seine Bitte hin genau geschildert hatte, daß ich das
rolle bekleiden sollte. Der Revisionismus, der eine Methode älteste von sieben Kindern bin.
ist und keine Ideologie, würde auf diese Weise mit einer In Vichy glaubt N. Fraser gesehen zu haben daß ich in einem
wohl abgewogenen Menge bestimmter politischer Gedanken Haus aus roten Ziegelsteinen wohne (S. 129), aber das besag-
vermengt. Nach seinem kurzen Aufenthalt in Vichy ließ ich te Haus ist in Wirklichkeit rauh verputzt und weiß, mit grü-
ihn wissen, daß ich es ablehne, ihn noch einmal mit seinem nen Fensterläden.
BBC-Team in meinem Haus zu empfangen. Ich schrieb: Er führt aus, meine Studie enthalte »entweder Fotografien
»In Ihrem Film würde ich im großen und ganzen so darge- von toten, zu tötenden oder hungerleidenden Juden« (S.
stellt werden, als verträte ich politische Meinungen, die 130); tatsächlich ist kein derartiges Foto dort zu finden, außer
nicht meine sind, und ohne die revisionistischen Überzeu- in den Seiten von holocaustischen Produktionen, die meine
gungen, die ich in der Tat vertrete (die ich aber nicht vor- Bücherregale füllen.
tragen konnte, ohne strafrechtliche Verfahren zu riskieren). Er gibt auch an, daß meine Frau, die ein Talent fürs Malen
Dies ähnelt meiner Meinung nach ein bißchen zu sehr der hat, »kleine provinzielle Szenen von schaurigen leeren Stra-
Geschichte von dem Messer-ohne-Griff-mit-zuvor-entfern- ßen« malt (S. 129), wohingegen ihre Gemälde ziemlich leb-
ter-Schneide.« haft und hell sind.
Als der „Dokumentarfilm“ fertig war und ausgestrahlt wurde, Vichy wird als einer verlassene Stadt beschrieben, deren Be-
erwies er sich tatsächlich als Hetzwerk, in dem Persönlich- völkerung in den 50er Jahren scheinbar von einer Neutro-
keiten und Ansichten des rechten Flügels als Karikaturen nenbombe vernichtet worden sei (S. 121), doch gegen ein
verzeichnet werden, die zu hassen als angemessen unterstellt Uhr mittags, also zur Mittagszeit, und insbesondere an einem
wird. Am 25. März 1999 strahlte der Fernsehsender Arte die Februartag nehme ich an, daß viele französische Kleinstädte
Sendung »Voyage au bout de la droite« (Reise zum äußer- den gleichen Eindruck vermitteln können.
sten Rand der Rechten) aus, präsentiert als Produktion von Ich erfahre aus diesem Buch, daß mein Verteidiger Éric
Christian Poveda und N. Fraser. Von erbärmlicher Qualität Delcroix auch mein Schwiegersohn sei (S. 118), wohingegen
mit fast nicht vorhandenem Inhalt, zeigte dieser selbsternann- wir weder direkt noch indirekt auch nur die geringste familiä-
te »politische Dokumentarfilm« einen heuchelnden, gestiku- re Beziehung zueinander haben. An zwei Stellen des Textes
lierenden, gequälten N. Fraser, einen Mann hohler Worte. wird der gleiche Rechtsanwalt, der diesen Journalisten be-
Der amüsanteste Gesichtspunkt war, daß sich der Journalist reitwillig in seinem Pariser Büro empfing, mit dem Namen
immer wieder von den von ihm interviewten Personen zu- Delcourt angegeben (S. 324, F. 8, zweimal).
rechtweisen lassen mußte: Von einem jungen dänischen Na- Pierre Guillaume wird als Drucker und als Trotzkist bezeich-
tionalsozialisten, dann von Jean-Marie Le Pen und schließ- net (S. 117f.), wohingegen er ein Verleger und Libera-
lich von David Irving. Ohne Namen zu nennen, erklärte Fra- list/Freisinniger ist.
ser, er habe schon andere »Holocaust-Leugner« getroffen Paul Rassinier wurde angeblich nach Ravensbrück deportiert
und setzte in bezug auf diese hinzu: »Sie sind verrückt! Sie (S. 122), doch Ravensbrück war im wesentlichen ein Frauen-
sind verrückt!«. lager, und Rassinier wurde nach Buchenwald und Dora de-
Nach dem Film brachte er ein Buch heraus: The Voice of portiert.
Modern Hatred / Encounters with Europe’s New Right (Die Als ich Auschwitz, Majdanek und Dachau besuchte, habe ich
Stimme des modernen Hasses / Begegnungen mit der Neuen angeblich Proben entnommen (zur Analyse von Steinen, Zie-
Rechten Europas).2 Die fünfzehn Seiten darin, die mir ge- geln und Verputz im Labor, S. 121f); hier werde ich mit dem
widmet sind (117-131), geben mir bezüglich des geistigen Amerikaner Fred Leuchter verwechselt.
Zustandes und der psychischen Gesundheit dieses Herrn ein Als ich unserem Journalisten etwas ins Ohr sagte, soll ich ein
Rätsel auf. In Paris wie auch in Vichy war mir seine Unste- »zischendes Geräusch wie eine kleine Schlange« gemacht

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 195


haben (S. 118); nun, es ist vielleicht zweckmäßig, den Leser unter dem Deckmantel rührseliger Redensarten, aber von der
darauf hinzuweisen, daß ich während des Prozesses gegen Rastlosigkeit eines Propheten besessen, die Rolle von Brand-
Roger Garaudy dem neben mir sitzenden Engländer, dem ich stiftern gespielt und ihr jeweiliges Wirtsvolk zu Kreuzzügen,
bestrebt war, die anarchische Entwicklung eines Prozesses Kriegen und Revolutionen aufgehetzt haben. Zu diesem Zeit-
auf französische Art zu erklären, lediglich beiläufig ein paar punkt stellte ich bei meinem Gast so etwas wie ein körperli-
Worte ins Ohr geflüstert habe. ches Unbehagen fest:
Laut Fraser soll ich mich auch über mein Schicksal beklagt »[Faurisson] fragte mich besorgt ob es mir wohl ergehe.
und dabei geheult haben (S. 129); statt dessen erinnere ich „Sie sehen nicht gut aus“« (S. 129)
mich daran, ihm meine Probleme und Sorgen mit einer ge- Ich kann, glaube ich, ehrlich sagen, daß unser Engländer eine
wissen Voltaireschen Fröhlichkeit beschrieben zu haben. Stunde zuvor bei Tisch gut behandelt worden ist. Er hatte
Ich soll ihm mit einfältigem Grinsen gesagt haben, daß mein insbesondere einen Käseauflauf genossen, der in seinem
Grabstein folgende Inschrift tragen werde: »Faurisson hat Buch zum Gemüseauflauf wird, und beim Nachtisch trank er
über etwas sehr Wichtiges die Wahrheit gesagt – und er starb einen seltenen Sauternes-Wein mit. Als er nach dem Imbiß
daran« (S. 127); in Wirklichkeit bin ich sicher, ihm anver- und dem Rundgang durch Vichy zu meinem Hause zurück-
traut zu haben, daß mein Nachname niemals auf meinem gekehrt und ihm auf seinen Wunsch hin eine weitere Lektion
Grabstein eingeschrieben sein wird; dann setzte ich cum über Revisionismus erteilt worden war, und als ihn nach die-
grano salis hinzu, daß die namenlose Inschrift den Wortlaut ser Sitzung ein Taxi zum Bahnhof bestellte, glaubte ich, die
haben könnte: »Er sagte eine kleine exakte Sache – und er Sache sei erledigt. Aber dem war überhaupt nicht so. Auf
starb daran«. Seite 130 seines Buches teilt mein Besucher uns mit, daß er
Der Grund schließlich, warum ich den Gedanken fallen ge- im Laufe des Tages, mehr oder weniger angewidert durch
lassen habe, in dem „Dokumentarfilm“ aufzutreten, sei laut meine Bemerkungen, ein ununterdrückbares Ekelgefühl in
Fraser der gewesen, daß ich befürchtete, in der Öffentlichkeit sich aufsteigen fühlte. Am Bahnhof angekommen, so läßt er
erkannt und als Folge dessen körperlich angegriffen zu wer- uns wissen, sei er direkt zur Toilette geeilt, und er kann sich
den (S. 131). Das geht nun entschieden zu weit. Hier stellt N. nicht zurückhalten, uns folgendes darzulegen:
Fraser mich als furchtsames Wesen dar, das ich nicht bin; »Ich stand auf Händen und Knien und übergab mich in die
laut ihm fürchtete eine rein imaginäre Gefahr, da er auf den veraltete und malerische Stehtoilette hinein.«
fünfzehn Seiten, die er mir widmet, die zehn körperlichen
Angriffe, denen ich ausgesetzt war, nicht ein einziges Mal Ein Freund von Vidal-Naquet: Adrien Le Bihan
erwähnt. Diese Angriffe sind ihm bekannt, und auch, wie Der Franzose Adrien le Bihan widmet mir ebenfalls einen
schwerwiegend einige davon waren. Und dennoch läßt er in kleinen Abschnitt in dem Büchlein, das er gerade über die in
dieser Hinsicht kein Wort fallen, weil es sehr wahrscheinlich dem »Auschwitz-Besucherbuch« gefundenen handschriftli-
für seine Absichten besser ist, den Eindruck zu erwecken, chen Eintragungen herausgebracht hatte. Oft mit einem über-
daß ich lediglich ein Feigling bin. drüssigen und langatmigen Unterton, greift er die Gedanken-
Was den Rest dieses Kapitels betrifft, so ist fast alles darin gänge von Charles de Gaulle, Helmut Schmidt, Jacques Cha-
mit mehr oder weniger gravierenden Irrtümern angefüllt. Ab- ban-Delmas, François Mitterrand, des Dalai-Lama, Johannes-
gesehen von zwei oder drei Ausnahmen sind alle mir zuge- Paul II. und einer Vielzahl andere berühmter und unbekann-
schriebenen Bemerkungen, einschließlich der Angaben von ter Besucher heraus und nimmt dazu Stellung. Da ich meine
Daten, Orten oder Zahlen, entweder falsch oder schlichtweg Unterschrift nicht in diesem »livre d’or« (Goldbuch) hinter-
erfunden. Um zu beweisen, daß ich nicht weiß, wie ein Do- lassen habe, ist die Frage wohl berechtigt, aus welchem An-
kument ausgelegt wird, und daß ich unfähig sei zu erkennen, laß ich in seinem Buch erscheinen sollte. Darüber hinaus er-
daß der deutsche Begriff „Sonderaktion“ nur, so will er es scheint die mir gewidmete Passage lächerlicherweise zwi-
haben, Massenmord innerhalb einer „Gaskammer“ bedeutet, schen den beiden Passagen, die Kurt Waldheim bzw. Valéry
unterläßt es unser Hobby-Historiker, eine Übersetzung des an Giscard d’Estaing gewidmet sind. (Die Nähe zum letzteren,
den Begriff „Sonderaktion“ angehängten deutschen Wortes eine reine Aufschneiderei, verärgert mich ziemlich). Das
»draußen« zu Papier zu bringen. Diese »Sonderaktion drau- Pamphlet trägt den Titel Auschwitz Graffiti und beinhaltet ein
ßen« bezog sich unter den waltenden Umständen darauf, daß exaltiertes Vorwort von Pierre Vidal-Naquet.3 A. Le Bihan,
ein Lagerarzt eine Gruppe von Neuankömmlingen unter frei- dessen Stil von fader klassischer Natur ist, soll ein Buch über
em Himmel empfing. „De Gaulle, Schriftsteller“ verfaßt haben. Was er über mich
erzählt, scheint das Ergebnis einer Untersuchung zu sein, die
N. Fraser übergibt sich er offensichtlich über meinen zweiten Besuch in Krakau und
N. Fraser hält mich für »ganz und gar pervers« oder »schlim- Auschwitz im Jahre 1976 gemacht hat.
mer als pervers« (S. 123, 124). Die besonnene Art, mit der
ich meine Ansichten vortrug oder zu Dokumenten Stellung Mein Besuch in Krakau und Auschwitz 1976
nahm, verursachte anscheinend, daß ihm schlecht wurde. Als In der Tat war ich 1975 in Majdanek und Auschwitz und
ich ihm während eines Rundgangs das Vichy der Jahre 1940- kehrte im darauffolgenden Jahr nach Auschwitz zurück. Es
1944 erläuterte und wir am Platz des Kriegsdenkmals vorbei- war mir in dem Jahr gelungen, einer Einladung der Universi-
kamen, brachte ich den Wunsch zum Ausdruck, den die tät von Krakau zu folgen, um dort einige Vorlesungen und
Mehrheit der Franzosen Ende der 30er Jahren hegten, näm- Gesprächsrunden über französische Literatur zu veranstalten.
lich ein neues Gemetzel zwischen Franzosen und Deutschen Die junge Polin, die vom kommunistischen Regime damit
zu vermeiden. Als Reaktion auf diesen Wunsch, so sagte ich beauftragt worden war, mich zu begleiten, sprach ein köstli-
ihm, bliesen jüdische Kreise die Fanfare zu einem deutsch- ches Französisch voller Feinheiten; sie war mit einem Juden
feindlichem Kreuzzug; ich wagte es, die These zu äußern, verheiratet. In ihrer Begleitung traf ich nach erheblichen
daß die Juden während ihrer gesamten eigenen Geschichte Schwierigkeiten auf Stanislas Mucha, den ersten Fotografen,

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der das Lager Auschwitz nach dem Abzug der Deutschen nen derartigen Irrsinn versprühen? Soll den Menschen zu
und vor dem Einmarsch der Sowjets (»Alles Trunkenbolde«) verstehen gegeben werden, daß ich, im erzkatholischen Po-
erkundet hatte. Er teilte mir einige interessante Gedanken- len, einem satanischem Ritus frönte, indem ich einige dämo-
gänge über die Möglichkeiten fotografischer Fälschungen nische Kritzeleien entzifferte? Oder aber – und diese Hypo-
und über die Umwandlung des Standorts durch die Kommu- these wurde mir von jemandem mitgeteilt, der bestens mit
nisten mit. Aus Vorsicht vermied ich es, irgend etwas über dem Lande vertraut ist – war ich durch einen der Stromaus-
den Zweck meiner Forschung zu erwähnen, so daß weder S. fälle, die in allen „Volksrepubliken“ so häufig vorkamen, da-
Mucha noch meine charmante Dolmetscherin noch irgend- zu gezwungen worden, eine Kerze anzuzünden, um mit dem
welche andere Personen (polnische oder französische), mit Durcharbeiten meiner Unterlagen fortzufahren? Zwanzig
denen ich während der Zeit meines Lehrauftrags in Berüh- Jahre danach gestehe ich, daß ich mich nicht mehr daran er-
rung kam, meine „bösen“ revisionistischen Beweggründe innern kann. Immer noch den „Zeugen“ folgend, scheint es
erahnen konnten. Nachdem eine junge Kollegin an der Uni- außerdem so zu sein, daß ich den Damen den Hof gemacht
versität von Krakau erfahren hatte, daß ich Auschwitz besu- habe, zweifellos so wie Faust seiner Margarete, und daß ich
chen wollte, bot sie mir an, mich dorthin mitzunehmen, und ihnen … Liebesgedichte schrieb. Dabei muß ich wohl, wie
ihr Vater erklärte sich bereit, mir Unterkunft zu gewähren. Goethes Held, verborgene dunkle Beweggründe gehabt ha-
Der gute Mann, ein Taxifahrer, hatte gerade seine Frau verlo- ben. Aber lesen Sie selbst:
ren. Er wirkte sehr niedergeschlagen. Er machte jedoch er- »Zeugen haben ausgesagt daß Faurisson in Krakau den
hebliche Anstrengungen, sich auf die freundlichste Art und Damen gern den Hof machte, aber nur bis zu einem gewis-
Weise um mich zu kümmern. Ich litt ein paar Tage lang unter sen Punkt. Er schrieb ihnen Liebesgedichte. Die Frau, die
einer bösen Erkältung: Ich wurde von einer Ärztin betreut. ihn in Krakau begleitete, erinnert sich daran, daß „seine
Eine liebenswürdige polnische Dame, deren Bekanntschaft Konversation brillant und intelligent war“, obwohl durch-
ich im Auschwitz-Museum gemacht hatte und die dort arbei- setzt mit judenfeindlichen Meinungen wie: „Die Juden ha-
tete, bot mir an, mir alle Dokumente zu holen, die ich suchte. ben eine dicke Intelligenz“.« (ebenda)
Mein Gastgeber hatte während des Krieges im Lager selbst Somit wußte ich, vergleichbar dem Mephistopheles, wie man
gearbeitet; er zog es aber vor, mir darüber nichts mitzuteilen. mit den Damen spricht, sie sogar mit Zaubersprüchen der
Ich stellte ganz einfach fest, daß er aller Wahrscheinlichkeit Muse betört, aber nicht, ohne einige gräßliche Bemerkungen
nach nichts von den Schrecken gesehen hatte, die heutzutage über die Juden in ihrem Gemüt abzuladen. Ich muß hier die
mit dem Namen Auschwitz verbunden werden. Wie alle sei- Wahrscheinlichkeit anerkennen, daß ich jene Bemerkungen
ne Mitbürger, so litt auch er unter Angstzuständen vor der über die Söhne und Töchter Zions tatsächlich gemacht habe
Polizei, so daß ich mich entschied, ihm keine verfänglichen und vielleicht sogar hinzugefügt habe, daß ich glaube, daß
Fragen zu stellen. Wieder nach Frankreich zurückgekehrt, Lous-Ferdinand Céline recht hatte, der in ihnen natürlich viel
versuchte ich, ihm dadurch meine Dankbarkeit für seine Sensibilität sah, aber eine „blecherne Sensibilität“ im Gegen-
Gastfreundschaft zu erweisen, daß ich ihm ein Geschenkpa- satz zu einer bronzenen, die tiefgehend ist.
ket schickte, aber ich weiß nicht, ob er es jemals erhalten hat. Angeblich soll ich nach meiner Rückkehr aus Auschwitz
Meine anschließenden Briefe blieben unbeantwortet. Ich meinen Gastgeber als »primitiv, begriffsstutzig, grobschläch-
mußte lange Zeit auf einige wertvolle Fotografien aus dem tig und vulgär« geschildert (S. 48) und mich daran gemacht
Museum warten, die ich im voraus bezahlt hatte; ich schrieb haben, meine damalige Begleiterin mit endlosen Ersuchen zu
an meine Reisebegleiterin und bat sie, in meinem Namen »quälen«, sich an das Auschwitz-Museum zu wenden, um
einmal dort anzufragen, was sie, nehme ich an, auch wohl ge- die zugesagten Dokumente zu bekommen (S. 49).
tan hat, denn schließlich erhielt ich meine Bestellung.
Wenn ich es für notwendig erachte, so ins Einzelne zu gehen, Der polnische Geheimdienst
dann deswegen, damit der Leser sich vorstellen kann, wie Bihan weiß nicht, ob es mir damals gelang, an die fraglichen
sehr ich von der Entdeckung der Seiten 48-50 des Buches Dokumente heranzukommen. Er sollte aber dennoch wissen,
von A. Le Bihan enttäuscht war. daß sie mir in der Tat zugeschickt wurden und daß ich dank
dieser Papiere der Erste war, der Reproduktionen der deut-
Seltsame und beunruhigende „Zeugenaussagen“ schen Baupläne veröffentlichte, aus denen hervorgeht, was
Laut Aussage der anonymen „Zeugen“, die A. Le Bihan ge- die zu »Gaskammern« umgetauften Örtlichkeiten in Au-
troffen hat, soll ich mich in Polen wie ein teuflischer Charak- schwitz und Birkenau in Wirklichkeit waren. Sein Unwissen
ter benommen haben, gefühllos und undankbar gegenüber zu diesem Punkt hindert ihn nicht daran, eine Theorie zusam-
meinem Gast und meiner Begleiterin, aber dubios galant ge- menzubrauen: Faurisson sei durch den polnischen Geheim-
genüber den Damen: dienst zu judenfeindlichen Zwecken manipuliert worden:
»[Eines] Abends überraschte der Taxifahrer Faurisson in »Erhielt Faurisson die Dokumente, die er gerne haben
einer merkwürdigen Pose in seinem Zimmer. Er hatte die wollte? Wenn ja, dann könnte das bedeuten, daß der polni-
elektrische Lampe ausgeschaltet und Kerzen angezündet. sche Geheimdienst ein bestimmtes Ziel im Auge hatte, denn
Welche Art von schwarzer Messe hielt der Professor bei er war regelmäßig mit dem Diebstahl und der Beschlag-
Kerzenlicht? Welche Art von Papieren schaute er sich bei nahmung von Dokumenten aller Art befaßt. Es ist nicht un-
Kerzenlicht an? Das ist bislang ein Geheimnis geblieben.« plausibel, daß diese Agenten insgeheim die Theorie förder-
(S. 48) ten, nach der die Gaskammern nicht vorhanden gewesen
Ich hoffe, der Leser ist so gut, mir zu glauben, wenn ich sage, sind, während ihre politischen Herrscher die deutschen
daß ich den Schlüssel zu diesem Geheimnis auch nicht besit- Revanchisten in Bausch und Bogen verdammten […]« (S.
ze. Der Volksmund sagt: „Wo Rauch ist, da ist auch Feuer“, 49)
aber ich muß zugeben, daß ich hier auch nicht den Schatten Teuflisch bis in die Fingerspitzen, wie er nun mal ist, gelang
eines Feuers oder einer Flamme sehe. Welcher Geist kann ei- es Faurisson auch, dem „Radar“ des Kulturdienstes der fran-

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zösischen Botschaft zu entgehen. Beunruhigend, schätzen A. du négationnisme en France veröffentlicht hat.4 Darin sam-
Le Bihan und P. Vidal-Naquet, beunruhigend und ungerecht: melte die junge Dame pflichtgemäß beunruhigende Berichte
»Wenn man sich ins Gedächtnis zurückruft, daß der Kul- über mich, so wie den nachstehenden des Pariser Buchhänd-
turdienst der französischen Botschaft in Belgrad etwa zehn lers Bela Elek:
Jahre nach dieser Reise [Faurissons ins kommunistische »Ich traf Faurisson einmal [ca. 1979]. Er kam mit Pierre
Polen] wünschte, daß Vidal-Naquet sich bei seinen Konfe- Guillaume in meinen Buchladen. Ich war sehr bestürzt,
renzen in Jugoslawien an das Thema der antiken Mittel- weil ich eine jüdische Enzyklopädie in hebräischer Sprache
meer-Welt halten und somit den algerische Krieg aus dem hatte. Sie lag auf dem Boden. Faurisson nahm sie in die
Programm heraushalten sollte, ist es beunruhigend, daß es Hand, aber mit der falschen Seite nach oben. Das war
einem Faurisson in Polen gelungen ist, dem Radar eines nicht so schlimm. Er begann aber, sie verkehrt herum zu
Kulturdienstes gleicher Art zu entgehen.« (S. 50) lesen, und rief aus: „Oh, wie interessant!“. Ich wunderte
mich, wer dieser Kerl sei. Später sprachen wir über andere
Die derzeitige Betroffenheit der Antirevisionisten Dinge. Er verhielt sich dümmlich. Er wollte sich als großer
Wie uns ein französischer Moralist versichert, ist es besser, Spezialist für die Judenfrage präsentieren. Es war lächer-
etwas Schlechtes über sich selbst zu hören als gar nichts. In lich und außerdem wenig hilfreich. Ich sagte Guillaume,
meinem eigenen Fall stören mich dieses „Schlechte“, diese daß sein Freund ein wenig eigenartig sei. Guillaume war
Beleidigungen und Verleumdungen nicht, denn sie erhellen völlig überrascht. Er hatte eine interessante Erklärung ge-
nur die schiere Unfähigkeit unserer Gegner, irgendwelche funden.« (S. 343)
handfesten Gegenargumente vorzutragen. Persönliche An- Was mich betrifft, so erinnere ich mich nicht an diese Episo-
griffe, speziell auf dem Niveau, das heutzutage von einem N. de. Ich habe P. Guillaume gefragt, und er sieht darin lediglich
Fraser, einem A. Le Bihan oder einem P. Vidal-Naquet prak- eine jener Halluzinationen »à la Bela Elek«, eines gequälten,
tiziert wird, untermauert unsere Ansicht, daß das Jahr 2000 in wenn nicht gar verstörten Charakters.
die Geschichte der Großen Lüge in der Tat als ein schlechter
Jahrgang eingehen wird. Für P. Vidal-Naquet und Konsorten Anmerkungen
sehe ich in naher Zukunft noch dunklere Zeiten nahen. Die © 30. Oktober 2000. Übersetzt von Hans Rudolf von der Heide.
revisionistische Intifada wird weh tun. 1
»Rebuttal versus Unmasking: Legal Strategy in Regina versus Zündel«,
Patterns of Prejudice, Institute for Jewish Policy Research, London, Juli
Nota bene: Ein revisionistischer Freund, G.D., vertritt die 2000, S. 3.
2
MacMillan, Picador, 2000, 327 S.
Auffassung, daß ich gut daran täte, den Namen Nicholas Fra- 3
Librio, Flammarian, Juni 2000, 128 S.
ser, André Bihan und Pierre Vidal-Naquet auch noch den von 4
Seuil, 701 S.
Valérie Igounet hinzufügen, die im März 2000 eine Histoire

Die Verfolgung der Revisionisten in Kanada


Von Paul Fromm

Die Bürger der USA betrachten ihren nördlichen Nachbarstaat Kanada allgemein als liberale, weltoffene „Demo-
kratie“, wo die Menschen dieselben Rechte genießen wie in den Vereinigten Staaten. Die Wirklichkeit sieht anders
aus. Der folgende Artikel gibt einen bei der dritten Internationalen Konferenz der Barnes Review zum Thema »Au-
thentische Geschichte und First Amendment«1 in Washington, DC, gehaltenen Vortrag wieder. Der kanadische
Journalist und Forscher Paul Fromm schildert, mit welch harten und repressiven Mitteln das in Kanada herrschende
Regime die Gedanken seiner Bürger zu kontrollieren versucht, und welche Interessengruppen in den USA hierin
ein Vorbild für eine künftige Einschränkung der Freiheit in Amerika sehen.

Es ist mir eine große Freude, heute vor Ihnen sprechen zu ten. Mit Ausnahme der „politisch korrekt“ Denkenden, für
dürfen, die Sie wie ich an die Freiheit der Rede und For- die alle weißen Männer Unterdrücker sind, feiern die Ameri-
schung sowie an eine wahrheitsgetreue Geschichtsschreibung kaner alljährlich den Kolumbus-Tag mit großer Begeisterung
glauben. Mein Thema ist die Verfolgung der Revisionisten in und gedenken des Cristobal Colon alias Kolumbus, der, wie
Kanada, also jener Menschen, welche die Geschichte unter es heißt, Amerika „entdeckt“ haben soll. Tatsächlich haben
einem anderen Blickwinkel betrachten als dem offiziellen. die Schulkinder vor einem Jahrhundert im Unterricht den
Seriöse Historiker sind stets bestrebt, die Wahrheit über die Kehrreim gelernt:
Vergangenheit immer genauer zu ermitteln; sie gehen den »In fourteen hundred and ninety-two
Ursachen der vergangenen Ereignisse sowie ihren Folgen für Columbus sailed the ocean blue«
die Gegenwart nach. Die Geschichtsschreibung muß in ste- Im vierzehnhundertzweiundneunziger Jahr
tem Fluß bleiben und darf nicht versteinern. Kolumbus auf dem blauen Ozean war.
Neue Entdeckungen – Urkundenfunde, archäologische Aus- Als ich in den fünfziger Jahren die Schule besuchte, hatten
grabungen, forensische Ermittlungen – veranlassen uns im- uns der historische Revisionismus sowie neue Entdeckungen
mer wieder, die Vergangenheit in neuem Lichte zu betrach- auf dem Gebiet der Archäologie und Literatur bereits dazu

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bewogen, unsere Ansichten kritisch zu überprüfen. Wir wuß- als sechs Millionen Juden ums Leben gekommen. Die mei-
ten nun, daß die Wikinger vor dem Jahre 1000 n. Chr. in sten Menschen wären erfreut, erführen sie, daß weniger An-
Amerika gelandet waren. In jüngster Vergangenheit gemach- gehörige ihres Volkes gestorben sind als angenommen. In
te Funde, insbesondere der Kennewick Mann, also das 9.000 Kanada haben wir eine zahlenmäßig starke irischstämmige
Jahre alte Skelett eines europiden Menschen, weisen darauf Bevölkerungsgruppe, Nachfahren jener Hunderttausenden
hin, daß Menschen weißer Rasse schon vor rund 10.000 Jah- von Iren, welche vor der großen „Kartoffelhungersnot“ von
ren auf amerikanischem Boden siedelten. 1846-1848 sowie den anschließenden Elendsjahren geflohen
Historiker wie David Irving haben die Archive durchforstet. waren. Die mörderischen Folgen dieser Hungersnot stellen
Irving hat keinerlei dokumentarische Hinweise auf einen Hit- für Kanadier irischer Abstammung bis zum heutigen Tage
ler-Befehl zur Ausrottung der Juden vorgefunden. Andere ein Trauma dar. Doch kann ich mir kaum vorstellen, daß sie
meinen, es habe in den Lagern zwar vereinzelte Fälle von entrüstet wären, würde ein Historiker die Meinung vertreten,
Morden und Hinrichtungen gegeben, jedoch keinen allge- es seien vielleicht weniger Iren verhungert als allgemein an-
meinen Plan zur Ausrottung aller Insassen. Sie vertreten die genommen. Würden sie denn tatsächlich sagen: „Nein, wir
Ansicht, die Juden seien als feindselige und politisch unzu- wollen, daß mehr unserer Landsleute umgekommen sind“?
verlässige Elemente von der Bevölkerung abgesondert wor- Allein schon der Gedanke ist absurd. Warum darf man also
den. Es gab, so argumentieren sie, keinen wesentlichen Un- die Opferzahlen des „Holocaust“ nicht kritisch untersuchen?
terschied zur Politik Kanadas und der USA, welche viele an Wir sind nun bei der Frage angelangt, welche Funktion das
der Westküste lebende Japaner und Deutsche im allgemeinen pseudoreligiöse Dogma des „Holocaust“ hat. Es ist eine
internierten, da sie fürchteten, diese Minderheiten könnten Glaubenssache und darf nicht hinterfragt werden. In Nord-
eine künftige Invasion des nordamerikanischen Festlandes amerika dient es dazu, den Staat Israel für sakrosankt zu er-
durch das japanische Kaiserreich unterstützen. Natürlich ist klären. Insbesondere in den USA ist jede ernsthafte Kritik an
diese Invasion nie gekommen. Israel verpönt. Schließlich lehrt uns der „Holocaust“, daß die
Diese Denkschule verficht die These, die Todesfälle in den Juden Opfer der grausigsten Untat der Geschichte waren.
NS-Konzentrationslagern seien hauptsächlich auf Typhus Im Mai 2002 sagte der stellvertretende israelische Außenmi-
und Hunger zurückzuführen, die in den letzten Kriegsmona- nister Michael Melchior:2
ten wüteten, weil die deutsche Infrastruktur als Folge der alli- »Man nahm Hitler nicht ernst, und darum wurden wir zum
ierten Bombardierungen sowie des sowjetischen Vormar- Opfer des schlimmsten Menschheitsverbrechens der Ge-
sches zusammenbrach. schichte.«
Oft wird auch darauf hingewiesen, daß die Opferzahlen Wenn das »schlimmste« Verbrechen eine Frage der Zahl ist,
höchst umstritten sind. Jahrelang wurde behauptet, in Au- dann könnte ein nüchtern denkender Mensch einwenden, das
schwitz seien 4 Millionen Menschen ums Leben gekommen. absichtliche Verhungernlassen von acht bis zehn Millionen
Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs reduzierten die polni- Ukrainern unter Stalin sei sicherlich eine „schlimmere“
schen Behörden diese Ziffer ohne viel Aufhebens auf 1,5 Schandtat gewesen.
Millionen. Logischerweise müßten von den angeblich 6 Mil- Falls der „Holocaust“ wirklich die größte Abscheulichkeit
lionen jüdischen Opfern unter diesem Umständen 2,5 Millio- der Geschichte war, läßt sich argumentieren, daß seine Opfer
nen abgezogen werden, doch die Hollywood-Version der Ge- Anspruch auf Sonderrechte haben. Sie dürften dann mit Fug
schichte zog es vor, diese Revisionen nicht zur Kenntnis zu und Recht einen sicheren Staat und einen Zufluchtsort ver-
nehmen. langen. Eine vernünftig denkende Person wird da einwenden,
1988 beauftragte Ernst Zündel, ein in Toronto ansässiger was den Zionisten, deren Ahnen fast zweitausend Jahre lang
deutschstämmiger Publizist, den amerikanischen Spezialisten nicht mehr in Palästina gelebt haben, eigentlich das Recht
für Hinrichtungstechnologie Fred Leuchter damit, nach Au- gibt, dieses Land zu erobern und die seit vielen Jahrhunder-
schwitz zu fahren und dort forensische Ermittlungen anzu- ten dort ansässigen Palästinenser, Christen und Moslems zu
stellen. Leuchter gelangte zu der Schlußfolgerung, die soge- knechten oder zu vertreiben?
nannten Hinrichtungsgaskammern hätten nicht zur Massentö- Den Nordamerikanern werden Schuldgefühle für den „Holo-
tungen mit Giftgas benutzt werden können. caust“ eingeflößt, obgleich Kanada seit 1939 und die USA
In den sechziger und siebziger Jahren rückte die Erinnerung seit 1941 aktiv gegen das nationalsozialistische Deutschland
an den Zweiten Weltkrieg immer mehr in die Ferne. Einige kämpften, dem der „Holocaust“ vorgeworfen wird. Diese Art
Hollywood-Filme, insbesondere The Desert Fox mit James von Schuldkomplex ist irrational. In einem Leitartikel hieß es
Mason, ein Porträt von Feldmarschall Erwin Rommel, boten zur Pro-Israel-Hysterie in den USA:3
sogar gute Ansätze zu einem ausgewogeneren Bild des Zwei- »In den Vereinigten Staaten […] ist das Thema Israel ein
ten Weltkriegs. Doch ab den achtziger Jahren mußten wir uns Tabu. Allzu viele Kreise neigen dazu, die Handlungen Is-
an einen neuen Ausdruck gewöhnen, nämlich „Holocaust“. raels zu rechtfertigen, egal, wie die Sharon-Regierung die
Dieser Begriff wandelte sich rasch zu einem pseudoreligiösen Palästinenser behandelt. Wenn Sie in den USA eine be-
Dogma. kannte Person sind und eine politisch unkorrekte Meinung
Der „Holocaust“ durfte nicht angezweifelt oder debattiert zu den Palästinensern oder Israel ausdrücken, so müssen
werden. Das Dogma, die Hollywood-Version des Zweiten Sie sich auf allerlei Scherereien gefaßt machen. Man muß
Weltkriegs, beharrte darauf, daß sechs Millionen Juden größ- damit rechnen, auf eine Stufe mit jenen gestellt zu werden,
tenteils in Gaskammern umgekommen seien, und zwar auf- die wirre rassistische Theorien über die Juden als Volk äu-
grund von Befehlen, die dem wahnsinnigen Haß Hitlers und ßern.«
der Nazis entsprungen seien. Ich muß freimütig einfügen, daß Der „Holocaust“ als unsäglichste Greueltat der Geschichte
ich kein Experte für den Zweiten Weltkrieg bin. Doch war schützt die Juden sehr effizient vor Kritik und unangenehmen
ich stets erstaunt über die nackte Wut, die jüdische Vertreter Fragen, denen andere Gruppen ausgesetzt wären, wenn sie
an den Tag legten, wenn jemand behauptete, es seien weniger sich wie die Juden benähmen. So haben diese seit 1945 in

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Nordamerika, vor allem in den Vereinigten Staaten, enorme man entzog ihm sein Lehrerdiplom. Doch das war für die
Macht in den Medien, im Universitätsleben sowie in der Poli- „Niemals wieder“-Meute noch nicht genug. Die Zionisten
tik gewonnen, doch hat sie ihr Status als Opfer schlechthin verlangten die gerichtliche Bestrafung Keegstra nach Absatz
infolge des „Holocaust“ vor Kritik abgeschirmt. 319 des Strafgesetzes. Dabei handelt es sich um das kanadi-
Unter diesen Umständen ist es durchaus nicht erstaunlich, sche Gesetz gegen »Aufstachelung zum Haß«. Das »gezielte
daß die Nutznießer dieses Opferstatus gar keine Freude emp- Schüren von Haß« gegen eine identifizierbare Rasse, Religi-
finden, wenn man den „Holocaust“ lediglich als ein histori- on oder Ethnie kann einen für zwei Jahre hinter Gitter brin-
sches Thema unter anderen behandelt – ein »Detail der Ge- gen.
schichte«, wie Jean-Marie Le Pen sich ausgedrückt hat –, das Die Wahrheit oder aufrichtige religiöse Überzeugungen wer-
man hinterfragen, neu bewerten und in seinen historischen den nach diesem Gesetz nicht als entlastende Umstände ge-
Kontext einbetten darf. Gewiß, die Verfolgungen, unter de- wertet. 1985 beschloß eine Jury, Keegstras tiefen christlichen
nen die Juden von 1939 bis 1945 zu leiden hatten, waren für Glauben sowie die Tatsache, daß seine Ansichten dokumen-
sie furchtbar schmerzlich, egal wie hoch die Zahl der Opfer tiert waren, nicht zu berücksichtigen. Er wurde schuldig ge-
war und unter welchen Umständen der Tod eintrat. Doch sprochen. Berufungen an jeweils höhere Gerichte bis hin zum
müssen sich andere Völker die jüdische Trauer voll und ganz Obersten Gerichtshof Kanadas sowie ein neuer Prozeß ende-
zu eigen machen und den „Holocaust“ als das schlimmste ten damit, daß der Schuldspruch aufrecht erhalten und Keeg-
Verbrechen aller Zeiten betrachten? stra zu gemeinnützigen Arbeiten verurteilt wurde. Beim dem
Was mich betrifft, so empfinde ich tiefes Bedauern über die 1985 stattgefundenen Prozeß machte sein Anwalt Douglas
Leiden anderer Nationen, doch schmerzt es mich noch mehr, Christie vor der Jury folgende Aussage:
daß in dem irrsinnigen, brudermörderischen Völkerringen, »Zum Holocaust und überhaupt zum Thema des Zweiten
das man den Ersten Weltkrieg nennt, 66.000 kanadische Sol- Weltkriegs hat der Angeklagte eine abweichende Meinung
daten zugrunde gingen, bei einer damaligen Bevölkerung von geäußert; es geht ihm darum, den Haß gegen das deutsche
nur 7,5 Millionen. Die besten und intelligentesten Söhne un- Volk aus der Welt zu schaffen. […] Keegstra hat sich ge-
seres Volkes starben auf den Feldern Flanderns, bei Ypern gen die stereotype Charakterisierung der Deutschen, der
und an der Somme. Der genetische Schaden war kolossal, Palästinenser sowie in gewissem Umfang auch der Chris-
und seither ist Kanada meist von Menschen mit geringem Ta- ten gewandt.«
lent geleitet worden. Doch das ist ein anderes Thema. Ein zweiter Fall ist derjenige des englischen Historikers Da-
Dies, so scheint mir, hat Le Pen gemeint, als er die Gaskam- vid Irving. Er hatte in ganz Kanada Vorträge gehalten, wel-
mern mit gallischer Nüchternheit als »Detail der Geschichte« che seitens der zionistischen Organisationen auf wütende Ab-
bezeichnete. Sicherlich waren sie für die Juden sehr wichtig, lehnung stießen. Viele Vorträge mußten im letzten Moment
wollte er wohl sagen, doch als französischer Nationalist hatte aufgrund von Drohungen, Protesten und Druck abgesagt
er Sorgen, die ihn mehr bedrückten: Die massenhafte Dritt- werden. 1992 war es so weit, daß die Gegner der Gedanken-
welteinwanderung in Frankreich, aber auch der Verlust der freiheit die kanadische Regierung dazu bewegen konnten, Ir-
französischen Souveränität an die Europäische Union und die ving das Betreten Kanadas zu verbieten, und zwar unter dem
Neue Weltordnung. Diese Art kräftiger, gesunder Nationa- Vorwand, er sei in Deutschland wegen Verletzung eines Ge-
lismus ist der Todfeind der Holocaust-Industrie. setzes verurteilt worden, das die »Verunglimpfung des An-
Ich gehe jede Wette ein, daß in meinem eigenen Land die denkens Verstorbener« verbietet. Ein solch lächerliches Ge-
meisten Leute die Standard-Antwort auf die Frage „Wie viele setz gibt es in Kanada natürlich nicht, und im allgemeinen
Juden starben im Zweiten Weltkrieg?“ kennen, ich bezweifle betrachten wir Handlungen in anderen Staaten nur dann als
jedoch, daß mehr als fünf Prozent wissen, wie viele Kanadier Verbrechen, wenn sie auch nach unseren Maßstäben solche
im Zweiten Weltkrieg umgekommen sind. (Es waren 44.927, sind.
bei einer Landesbevölkerung von 12 Millionen.) Der dritte Fall, den ich erwähnen möchte, ist jener eines an-
In der westlichen Welt haben viele angeblich „demokrati- deren Hochschullehrers, Malcolm Ross aus Moncton, New
sche“ Staaten das bloße Infragestellen des „Holocaust“ zum Brunswick. Er ist ein gläubiger christlicher Traditionalist,
Verbrechen erklärt. Man darf ruhig die Existenz Gottes be- dessen Ansichten den Lehren von Papst Pius IX entsprechen.
streiten sowie bezweifeln, daß die Erde rund ist, doch in Seiner Ansicht nach besteht ein ernsthafter Konflikt zwi-
Deutschland oder Österreich riskiert man eine Freiheitsstrafe, schen dem Christentum und dem organisierten Judentum. In
wenn man nicht an den „Holocaust“ glaubt. den siebziger und achtziger Jahren schrieb er eine Reihe von
Kanada greift nicht zu solch unverhüllter Repression, doch Zeitungsartikeln und Büchern, darunter eines zum Thema der
auch dort sehen sich jene, welche die neue Zivilreligion na- Abtreibung. Sein Titel war »The Real Holocaust. The Attack
mens „Holocaust“ öffentlich attackieren, allerlei Schikanen on Unborn Children« (Der wahre Holocaust. Der Angriff auf
ausgesetzt. Ich möchte Ihnen nun einige Opfer dieser Hexen- ungeborene Kinder). Seine freimütigen Schriften stießen
jagd auf „Gedankenverbrecher“ vorstellen. Das erste Opfer freiheitsfeindlichen Gruppen sauer auf wie z.B. dem Atlantic
war James Keegstra. Er unterrichtete an einer Hochschule in Council of the Canadian Jewish Congress. Sie ließen nichts
Eckville, Alberta. Ende der siebziger sowie Anfang der acht- unversucht, um seine Entlassung als Lehrer zu erzwingen. Im
ziger Jahre legte er seinen Geschichtsstudenten im Unterricht Gegensatz zu James Keegstra hatte Malcolm Ross seine An-
dar, daß es eine große zionistische Verschwörung zur Be- sichten niemals im Klassenzimmer kundgetan. Trotzdem
herrschung der Welt gebe, und daß die behauptete Zahl von wurde er zur Zielscheibe einer wüsten Pressehetze. Der da-
sechs Millionen jüdischen Opfern während des Zweiten malige Premier der Provinz New Brunswick, Frank McKen-
Weltkriegs enorm übertrieben sei. Er forderte seine Studen- na, erklärte:
ten auf, der etablierten Geschichtsversion kritisch zu begeg- »Die Regierung von New Brunswick verurteilt die Versu-
nen und selbständig zu denken und zu forschen. Unter star- che von Malcolm Ross aufs schärfste, seine antijüdische
kem jüdischem Druck wurde Keegstra 1983 entlassen, und Kampagne zu erneuern. Wir befürchten, daß die fortgesetz-

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te Kontroverse unser Erziehungssystem, ja unsere Provinz, 1985 wurde er zum Ziel eines weit bösartigeren Angriffs. Sa-
in Verruf bringt.« bina Citron, eine lettische Jüdin und selbsternannte „Holo-
1990 wurde seitens eines Menschenrechtstribunals ein Unter- caust-Überlebende“, verklagte Zündel anhand eines obskuren
suchungsgremium gegründet. Ross wurde vorgeworfen, Gesetzes gegen »falsche Nachrichten«, weil er Richard Har-
durch seine bloße Anwesenheit im Schulsystem die »Atmo- woods Broschüre Did Six Million Really Die? (Starben wirk-
sphäre vergiftet« zu haben. Kronzeugin gegen ihn war Yona lich sechs Millionen?) verbreitet hatte. Dieses uralte Gesetz
Attis, die Tochter von David Attis, dem Vorsitzenden des At- untersagte die »bewußte Verbreitung falscher Nachrichten«,
lantic Jewish Council, der die Beschwerde eingereicht hatte. die der öffentlichen Ordnung abträglich waren. Es war ur-
Sie behauptete, einige junge Studenten hätten sie u.a. als »Ju- sprünglich dazu gedacht, Spekulanten an der Manipulierung
denschlampe« und »Judenhexe« beschimpft. des Marktes durch Verbreitung erlogener Meldungen über
Obgleich diese Frau die Schule, wo Malcolm Ross unterrich- Dürren oder Warenschwemmen in anderen Landesteilen zu
tete, nicht besucht und ihn überhaupt nicht als Lehrer gekannt hindern. Der Prozeß, bei dem Douglas Christie wiederum als
hatte, entschied das Menschenrechtstribunal, die bloße An- Verteidiger auftrat, wurde zum Prozeß gegen den „Holo-
wesenheit von Ross stelle eine »Vergiftung der Atmosphäre« caust“. Das erste Verfahren fand 1985, das Revisionsverfah-
dar. 1991 wurde er aus dem Schuldienst entlassen, und es ren 1988 statt. Zündel wurde beide Male schuldig gesprochen
wurde ihm untersagt, seine Ansichten in Wort und Schrift zu und zu Gefängnisstrafen verurteilt, reichte jedoch beim Ober-
verbreiten. Dieses Verbot wurde dann freilich durch das Be- sten Gerichtshof Berufung ein. Dieser hob das Urteil auf und
rufungsgericht aufgehoben. Ross bekam eine Anstellung in erklärte das Gesetz über die Verbreitung falscher Nachrich-
der Verwaltung, die er aber später auch verlor. Obgleich er ten für verfassungswidrig. Doch führte die pausenlose Me-
bis zum Obersten Gericht klagte, wurde seine Bestrafung dienkampagne gegen den „Holocaust-Leugner“ Zündel dazu,
aufrechterhalten. Zwar gewährleistet die kanadische Charta daß dieser fast alle seine Kunden verlor. Viele davon teilten
über Rechte und Freiheiten die freie Glaubensausübung so- ihm mit, sie wüßten zwar seine Arbeit zu schätzen, doch der
wie die Religionsfreiheit, doch machte der Oberste Gerichts- jüdische Druck mache es ihnen unmöglich, ihm weitere Auf-
hof des Landes rasch klar, daß diese Garantien nicht für tra- träge zu erteilen.
ditionalistische Christen gelten, die – wie Malcolm Ross – Den Feinden der Gedankenfreiheit war dies allerdings nicht
das »Königreich Jesu Christi in der Gesellschaft« verkünden. genug. Ab Mitte der neunziger Jahre bediente sich Zündel
Der Gerichtshof entschied: des Internet. Diese Neuerung war die bahnbrechendste auf
»Die Meinung, die hier Schutz verlangt, hat bestenfalls ei- dem Gebiet der Kommunikation, seitdem Gutenberg den
ne entfernte Beziehung zu den fundamentalen Werten der Buchdruck erfunden hatte. Das Internet ist billig und kann
Meinungsäußerungsfreiheit. Die religiösen Überzeugungen von den Medienmoguln sowie den einer bestimmten Minder-
von Ross, welche den Glauben anderer anschwärzen und heit angehörenden Zensoren nicht kontrolliert werden, wel-
verleumden, unterminieren die Grundlage der Charta. Die che die gedruckten und elektronischen Medien in Nordame-
religiösen Ansichten von Ross zielen darauf ab, den Juden rika in ihrem unerbittlichen Würgegriff halten. Die Feinde
den Anspruch auf Würde und Gleichheit abzusprechen.« der Rede- und Forschungsfreiheit fühlten sich durch Websi-
Somit beschnitt der Oberste Gerichtshof die Glaubensfreiheit tes wie die Zundelsite zur Weißglut gereizt.
ausdrücklich und erkannte nur das Recht an, „freundliche“ 1996 reichte unsere alte Freundin Sabina Citron bei der ka-
und „tolerante“ religiöse Ansichten zu verfechten. Christen, nadischen Menschenrechtskommission Klage gegen Zündel
insbesondere traditionalistische Christen, haben allen Grund ein, weil dieser angeblich via Internet Material verbreitete,
zur Besorgnis. welches »zur Schürung von Haß oder Verachtung« gegen ei-
Der sicherlich bekannteste Fall ist derjenige von Ernst Zün- ne gewisse Gruppe beitrug, nämlich die Juden. Paragraph
del, auf den ich bereits eingegangen bin. Ernst Zündel wur- 13.1 des kanadischen Menschenrechtsgesetzes verbietet näm-
de 1939 in Deutschland geboren und kam mit 21 Jahren lich die Verwendung der »telefonischen Kommunikation«,
nach Kanada. Er ist ein begabter graphischer Künstler und d.h. von Anrufbeantwortern und dergleichen, zur Verbreitung
hat dank seiner beruflichen Fähigkeiten, besonders auf dem solcher Botschaften. Dieser Absatz war 1978 eingeführt wor-
Feld der Fotoretuschierung, ein Vermögen erworben. Poli- den, also lange vor der Erfindung des Internet. Eine Anzahl
tisch aktiv wurde er in den späten sechziger Jahren. Immer kleiner rechtsorientierter Gruppen war für schuldig befunden
zielstrebiger arbeitete er darauf hin, den guten Ruf des worden, durch umstrittene Botschaften auf ihren Telefonbe-
deutschen Volkes wiederherzustellen, der um so tiefer in antwortern gegen diesen Absatz verstoßen zu haben. Die
den Schmutz gezogen wurde, je länger der Krieg zurücklag. Anwendung dieses Absatzes auf das Internet war rechtlich
Ein nie versiegender Strom deutschfeindlicher Filme, Fern- gesehen ein unkalkulierbares Abenteuer. Was die Anklage
sehsendungen, Comics und Bücher schürte den Deutschen- gegen Zündel noch närrischer machte, war die Tatsache, daß
haß. Zündel begann, die Hauptanklage gegen das deutsche die Zundelsite in Kalifornien liegt, also außerhalb Kanadas;
Volk anzugreifen, nämlich den „Holocaust“. Er wurde sie gehört Ingrid Rimland, einer damals in Kalifornien leben-
weltweit zu einem der emsigsten Verbreiter revisionisti- den US-Bürgerin, und wurde von ihr verwaltet.
schen Materials: Flugblätter, Bücher, Broschüren, Kasset- Unterstützt von meiner eigenen Gruppe, der Canadian As-
ten und Videos. Er verfügte über einen Kurzwellen-Rund- sociation for Free Expression (Kanadischer Verband für freie
funksender und über eine eigene Fernsehschau, die höchst Meinungsäußerung), focht Zündels Verteidigung den Ge-
professionell geführt wurden. Dadurch machte sich Zündel richtsbeschluß an. Das Internet, so argumentierte sie, sei kein
jüdische Gruppen zum Feind. Man verbot ihm willkürlich, »telefonisches Kommunikationsmittel«. Man braucht kein Te-
Post zu versenden und zu empfangen, weil er seine lefon, um sich ins Internet einzuschalten, und der bloße Be-
Aussendungen angeblich zur »Verbreitung von Haß« miß- sitz eines Telefons ermöglicht noch keinen Zugang zum
brauchte. Zündel leitete rechtliche Schritte gegen diese Weltnetz. Außerdem machten wir geltend, daß die Zundelsite
Schikanen ein. außerhalb des Bereichs der kanadischen Rechtssprechung

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lag. Das Verfahren zog sich über sechs Jahre lang hin, bis nimmt diese Kriegspropagandalüge noch für bare Münze.
zum Januar 2002, wobei wir beim Nationalen Gerichtshof Doch das Gericht entschied, daß auch dieser Artikel Haß
sowie beim Berufungsgericht zahlreiche Anträge einreichten. oder Verachtung für die Juden schüre.
Die Kosten für Zündel beliefen sich auf weit über 100.000 1993 hatte Ernst Zündel die kanadische Staatsbürgerschaft
Dollar, während die kanadische Regierung Millionen ausgab. beantragt, doch der CSIS (Canadian Security and Intelligence
Das Gericht war allem Anschein nach hoffnungslos vorein- Service, Kanadischer Sicherheits- und Nachrichtendienst) er-
genommen. Eines seiner Mitglieder, die Jüdin Reva Devins, klärte ihn zum Sicherheitsrisiko: nicht etwa, weil er je Ge-
war Angehörige der Menschenrechtskommission von Ontario walt angewendet oder befürwortet hätte, sondern weil angeb-
gewesen, die 1988 in einer Presseerklärung ihre Genugtuung lich nicht ausgeschlossen werden könnte, daß einige seiner
über Zündels Verurteilung wegen der »Verbreitung falscher Anhänger zu gewaltsamen Methoden greifen würden. Gegen
Nachrichten« geäußert hatte. Ein Richter entschied, unter diese unverkennbar politische Entscheidung legte Zündel
diesen Umständen sei die »Furcht vor Voreingenommenheit« durch mehrere Instanzen hindurch Berufung ein. Kanadas
in ihrem Fall begründet. Die Regierung geriet in Rage, legte stark politisierte Gerichte machten ihm aber klar, daß er die
Berufung ein und gewann. Reva Devins bekam ihren Platz Staatsbürgerschaft nie erhalten werde.
im Gericht zurück. Sowohl sie als auch der Gerichtsvorsit- Im Jahre 2000 wanderte Ernst Zündel daher in die USA aus,
zende Claude Pensa unterhielten enge Beziehungen zur re- wo er die US-Bürgerin Ingrid Rimland heiratete. Zündel war
gierenden Liberalen Partei, die zahlreiche Drohungen an regelrecht aus Kanada verjagt worden. Er war nie kanadi-
Zündels Adresse gerichtet hatte. Als Zündels Anwälte Exper- scher Bürger geworden und immer ein stolzer Deutscher ge-
ten in den Zeugenstand treten lassen wollten, wurde ihnen blieben.
mitgeteilt, die Wahrheit sei keine Verteidigung. Vor einem Aufgrund eines Formfehlers in seinem Einbürgerungsverfah-
kanadischen Menschenrechtstribunal zählen ausschließlich ren in den USA wurde er allerdings Mitte Februar 2003 von
die verletzten Gefühle von Minderheiten: Die Wahrheit oder der US-Einwanderungsbehörde willkürlich verhaftet und
historische Fakten gelten nichts. nach Kanada deportiert. Seither ist er dort in einem Hochsi-
Im Januar 2002 fällte das Gericht sein Urteil. Es wurde ent- cherheitsgefängnis inhaftiert, und die kanadische Regierung
schieden, Absatz 13.1 sei auf das Internet anwendbar; die versucht, ihn entgegen der Beweislage als Unterstützer von
Tatsache, daß die Zundelsite außerhalb Kanadas liege, sei Gewalt und Terrorismus einzustufen, um ihn so als Sicher-
nicht von Belang, und ein großer Teil des auf der Zundelsite heitsrisiko ohne weitere Gerichtsanhörungen nach Deutsch-
einsehbaren Materials, darunter die Schrift Did Six Million land deportieren zu können. Unter dem drakonischen Gesetz
Really Die?, deren Verbreitung vom obersten Gerichtshof Deutschlands riskiert Ernst Zündel eine fünfjährige Gefäng-
Kanadas für nicht strafbar erklärt worden war, schüre »Haß nisstrafe.
oder Verachtung« gegen die Juden. Eines der für illegal er- Das letzte Opfer der kanadischen Hexenjagd auf „Gedanken-
klärten Dokumente auf der Zundelsite war ein Artikel, in verbrecher“, das ich Ihnen vorstellen möchte, ist Bernard
dem die alte Legende widerlegt wurde, die Nationalsoziali- Matt, ein Internet-Serviceprovider aus Oliver, British Co-
sten hätten Seife aus Judenleichen hergestellt. Kein seriöser lumbia. Matt ist ein mutiger Mann mit sehr eigenständigen
Gelehrter, kein seriöser Anhänger der Judenausrottungsthese Ansichten. Er nimmt das Prinzip der Redefreiheit ernst. Eine
jener Organisationen, die verbissen auf die Knebelung des
Internet hinarbeiten, ist das in Los Angeles ansässige Simon
Wiesenthal Center, das über einen außerordentlich aktiven
kanadischen Ableger verfügt. Am 10. Januar 1998 schrieb
Sol Littman, der kanadische Vertreter des Simon Wiesenthal
Center, an Ujial Dosanjh, den Staatsanwalt von British Co-
lumbia:
»Mit Bedauern muß das Simon Wiesenthal Center be-
kanntgeben, daß Oliver, B.C., rasch zur Haß-Hauptstadt
Kanadas wird. Insbesondere obliegt es uns, auf die zahl-
reichen Haß-Websites hinzuweisen, die von Fairview
Technology in Oliver betrieben werden und Eigentum eines
Herrn Bernard Matt sind.«
Einige der von Matt betriebenen Websites beschäftigten sich
vor allem mit der Rassenfrage; andere waren revisionistisch
orientiert. Nach Auffassung des geistigen Brandstifters Litt-
mann verbreiteten sie allesamt „Haß“. Littmann machte kein
Hehl aus der Tatsache, daß eine mächtige Lobby aktiv Zen-
sur betreibt:
»Überall in Kanada haben Provider die Verträge mit be-
Paul Fromm ist Lehrer und Schriftsteller. Sein wissenschaft- kannten Haßgruppen ohne viel Aufhebens gekündigt. Infol-
liches Thema waren englische Sprache, Literatur und Lin- gedessen ist Matt buchstäblich der einzige Provider, der
guistik. Er hat einen Abschluß von der Universität Toronto immer noch Material von Haßgruppen verbreitet.«
und danach an den Universitäten von Waterloo und San In der kleinen Gemeinde, wo Bernard Matt wohnt, übten der
Francisco sowie am Webster College in St. Louis geforscht.
aufgehetzte Bürgermeister sowie die Lokalverwaltung bruta-
Heute ist er Vorsitzender der Canadian Association for Free
Expression, der wichtigsten Gruppierung, die sich in Kanada len Druck auf ihn aus. Schuldirektionen sowie andere kün-
für die Redefreiheit einsetzt und viele Opfer der Hexenjagd digten ihre Verträge mit ihm. Ungeachtet aller gesellschaftli-
4 chen und finanziellen Einschüchterungsversuche gab Matt
auf Andersdenkende verteidigt hat.

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nicht klein bei. Doch schließlich stellte ihm der Telefondienst rechtens gewesen, weil ich »öffentlich Umgang mit bekann-
von British Columbia das Ultimatum, entweder die rechtliche ten Rassisten gepflegt, öffentlich rassistische Kommentare
und finanzielle Verantwortung für alle von ihm bedienten gemacht und öffentlich das Recht bekannter Rassisten auf
Gruppen zu übernehmen oder aber von den telefonischen rassistische Kommentare verteidigt« habe.
Diensten abgeschnitten zu werden, und er mußte seine Tätig- Kanadas Nationalhymne »O Canada« rühmt mein Land als
keit als Internet-Serviceprovider einstellen. den »wahren Norden, stark und frei«. Leider bietet es mir
Zum Schluß sei mir noch eine Bemerkung zu meiner Person wenig Anlaß zum Stolz, Ihnen sagen zu müssen, daß Kanada
gestattet. Ich wurde im Jahre 1997 zum Opfer der äußerst ak- durchaus kein starkes Engagement für freie Forschung und
tiven kanadischen Zensurlobby. Damals verlor ich nach 24- offene historische Debatten an den Tag legt, und daß unsere
jähriger Lehrtätigkeit meine Stelle als Englischlehrer in Peel Freiheit unerbittlich dahinschwindet.
Country. Der kanadische Jüdische Kongreß sowie die B’nai-
B’rith-Menschenrechtsliga hatten jahrelang meine Entlassung Anmerkungen
betrieben. Mein Verbrechen bestand nicht darin, revisionisti- Mit freundlicher Genehmigung entnommen der Barnes Review, 8(6), S. 71-
sches Material veröffentlicht zu haben. Ich bin, wie bereits 75 (645 Pennsylvania Ave. SE, Suite 100, Washington, D.C., 20003, USA);
betont, kein Historiker. Ich hatte die fluchwürdige Untat be- aus dem Englischen übersetzt von Jürgen Graf. Der Abschnitt über Ernst
gangen, die Redefreiheit von Revisionisten und anderen zu Zündel wurde auf den neuesten Stand gebracht.
1
Am 14. & 15. Juni 2002; der erste Verfassungszusatz der USA garantiert
verteidigen. 1996 hatte ich in Vancouver die Second Cana- die Meinungsfreiheit; Anmerkung des Übersetzers.
dian Free Speech Conference organisiert. Ferner wurde mir 2
Jerusalem Post, 13. Mai 2002.
angekreidet, daß ich 1994 in Urbana, Illinois, an einer Ge- 3
The Hartford Courant, 5. Mai 2002.
4
denkfeier für den verstorbenen Professor Revilo P. Oliver Hier bei einem Treffen der „Friends of the British National Party“ im
teilgenommen hatte, einen großen amerikanischen Patrioten März 2000; www.nizkor.org/hweb/people/f/fromm-
paul/images/mrch00a.jpg
und Schriftsteller. Ein gewerkschaftlicher Schlichtungsaus-
schuß hat vor kurzem entschieden, meine Entlassung sei

Der Fall Hayward und seine Nachwehen


Von Dr. Fredrick Töben

Neuseeland ist nicht gerade ein Land, das in der Weltpresse für Schlagzeilen sorgt, und auch keines, von dem man
annehmen würde, daß die Meinungs- und Forschungsfreiheit von Akademikern dort eingeschränkt wird. Doch ge-
nau dies ist in den letzten Jahren in der Tat geschehen. In den frühen neunziger Jahren schrieben zwei junge Histo-
riker ihre Magisterarbeiten zu umstrittenen Fragen des Zweiten Weltkriegs. Ihre Studien wurden von den Professo-
ren, unter deren Ägide sie entstanden waren, mit hohem Lob bedacht, doch mehrere Jahre später erklärten – vor-
wiegend jüdische – Interessengruppen sie zum Ärgernis, und zwar einfach, weil diese Juden mit den Schlußfolge-
rungen der betreffenden Studien nicht einverstanden waren. Sie verlangten sogar, den beiden Junghistorikern ihre
akademischen Würden abzuerkennen. Mit diesem Ansinnen setzten sie sich glücklicherweise nicht durch, doch
wurden die beiden jungen Gelehrten zu Opfern eines regelrechten Kesseltreibens, und es wurde ein Exempel für
Historiker statuiert. Diesen wurde drastisch vor Augen geführt, daß sie zum Abschuß freigegeben werden, wenn sie
sich erdreisteten, bei ihren Forschungen zu anderen Ergebnissen zu gelangen als den von den jüdischen Interessen-
gruppen erwünschten. Diese Ereignisse belegen einmal mehr, daß echte akademische Freiheit kaum noch irgendwo
existiert, nicht einmal im abgelegensten Winkel des Erdballs.

1. Einleitung den neuseeländischen Juden enthielt und arge Zweifel an der


Im Dezember 2000 hoffte man an der Universität Canterbury akademischen Integrität der Verfasser aufkeimen läßt.
im neuseeländischen Christchurch, in den Augen der jüdi- Der kleinen, aber äußerst lautstarken Judenlobby des Insel-
schen Gemeinschaft Neuseelands Gnade gefunden zu haben. staates war es sauer aufgestoßen, daß Joel Stuart Hayward für
Die Universitätsleitung hatte nämlich nichts unversucht ge- seine Studie über den Revisionismus1 einen Magistergrad mit
lassen, um eine gegen ihre Alma Mater gerichtete Klage zu der Note „summa cum laude“ erhalten hatte. Dadurch, so ar-
entschärfen. Diese Klage war 1993 von der jüdischen Ge- gumentierte die Lobby, werde die sogenannte „Holocaust-
meinschaft angestrengt worden, weil die Universität einem Leugnung“ zu einem respektablen Zweig der akademischen
ihrer Studenten den Magistergrad für eine Arbeit verliehen Forschung aufgewertet. Genau das konnten diese Dogmatiker
hatte, in welcher der „Holocaust“ anders als üblich dargestellt aber unter keinen Umständen zulassen! Für sie besteht das
wird. Nun, sieben Jahre später veröffentlichte die Universi- akademische Ideal in der Aufrechterhaltung von Tabus, die
tätsleitung den Bericht einer Kommission zur Untersuchung sie selbst errichtet haben und die ihre eigene intellektuelle
des Falles Joel Hayward (Report by the Joel Hayward Wor- Erbärmlichkeit kaschieren helfen. Respekt für objektive Wis-
king Party), der eine unterwürfige Entschuldigung gegenüber senschaft ist diesen Leuten ganz und gar fremd.

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2. Zum Hintergrund der Kontroverse der Juden unternommen haben. Insbesondere hält er die
Die ersten Hinweise dafür, daß sich an der Universität etwas Beweise für den Bau und Einsatz von Gaskammern zu Aus-
zutrug, das jüdisch-zionistischen Interessen möglicherweise rottungszwecken für nicht überzeugend. Seine Argumenta-
abträglich sein konnte, waren acht Jahre zuvor erschienen. tion in dieser Schlüsselfrage beruht auf einem außerge-
Am 5. Mai 1992 sandte eine Gruppe in Christchurch, die sich wöhnlich sorgfältigen Studium der dokumentarischen,
selbst »Opposition to Anti-Semitism Incorporated« nannte, mündlichen und wissenschaftlichen Beweise. Es kann na-
ein Protestschreiben an die Verwaltung der Universität Can- türlich sein, daß er sich irrt, aber meiner Ansicht nach
terbury zu Händen eines A. W. Hayward. In diesem Schrei- wird seine Argumentation weder durch die Verwendung
ben nahm der Vorsitzende der Gruppe, Kingsley N. McFar- unhaltbaren Beweismaterials noch durch extreme Formu-
lane, Bezug auf eine Diskussion, welche die Gruppe mit dem lierungen getrübt. Im Gegenteil: Er verdient Anerkennung
Geschichtsstudenten Joel Hayward geführt hatte, und zitierte für seinen wissenschaftlichen Umgang mit Fragen, vor de-
eine seiner Aussagen. Demzufolge hatte Professor Dr. Vin- ren Untersuchung die meisten Historiker zurückgeschreckt
cent Orange, unter dessen Obhut Hayward damals seine Ma- sind. Beispielsweise: Wieviele Menschen können auf einer
gisterarbeit anfertigte, im November 1991 gegenüber Hay- bestimmten Fläche untergebracht werden, oder wieviel
ward gesagt: Zeit erfordert die vollständige Verbrennung einer Leiche?«
»O.K.! Ich bin damit einverstanden, daß es keine Gaskam- Daß seine Studie auf Widerspruch stoßen würde, hatte Hay-
mern gab.« ward vorausgesehen. Bereits
Am 25. Mai 1992 schrieb der 1991 hatte er für Without Preju-
Leiter der historischen Fakultät, dice, die Zeitschrift des Austra-
Prof. W. David McIntyre, in ei- lian Institute of Jewish Affairs,
nem Brief an die Verwaltung:2 einen Artikel über den Holo-
»Unter Bezugnahme auf unser caust-Revisionismus in Austra-
Telefongespräch über Joel lien verfaßt, dem er den Titel
Haywards Magisterarbeit und »The Thinking Man’s Antisemi-
die Verfolgung, der er sich tism?« gab (Antisemitismus des
ausgesetzt sieht, […] betone denkenden Menschen?). Darin
ich, wie wichtig es ist, daß die legte er den Schwerpunkt ein-
Universität diesen Leuten ge- deutig auf den politischen
mäßigt im Ton, aber deutlich Aspekt des Revisionismus und
in der Sache antwortet, denn äußerte recht unverhohlene Kri-
die von ihnen versuchte Ein- tik am britischen Historiker Da-
mischung ist unerträglich. Der vid Irving sowie dem französi-
im Brief an Sie enthaltene schen Professor Robert Fauris-
Hinweis auf die Unterhaltung son, weil diese den (angebli-
mit Vincent Orange war ver- chen) nationalsozialistischen
mutlich ganz illegal, weil der Völkermord an sechs Millionen
Wortlaut einem illegal herge- Juden bestritten hatten.
stellten Film entnommen wur- Zwei Jahre später, nach der Ein-
de, der gegenwärtig Gegen- reichung seiner Magisterarbeit,
stand einer Untersuchung ist.« verlangte Hayward, diese solle
Eine nicht minder couragierte für drei Jahre unter Verschluß
Stellungnahme gegen jüdische gehalten werden. Obgleich dies
Erpressung erschien auch im ein recht unübliches Ansinnen
»Externen Untersuchungsbe- war angesichts des Publikati-
richt«. Dieses Dokument wurde onsdrucks, unter dem Akademi-
am 15. April 1993 von Prof. ker allgemein stehen, erteilte
Dr. Joel Hayward, 1998
John H. Jensen von der histori- Prof. Vincent Orange seine Zu-
schen Fakultät der Universität Waikato erstellt und hielt fest:3 stimmung. Haywards Befürchtungen lassen sich ohne weite-
»Diese Studie stellt einen kühnen Versuch dar, auf kühle und res begreifen, wenn man bedenkt, daß er am Schluß seiner
kritische Weise eines der emotionalsten und politisch brisan- Arbeit geschrieben hatte:
testen Themen unseres Jahrhunderts anzupacken. Dem Kan- »Eine sorgfältige und unparteiische Untersuchung des ver-
didaten ist zu dem Mut zu gratulieren, den er dabei an den fügbaren Beweismaterials zu den Nazigaskammern ergibt,
Tag gelegt hat. Ich habe mich aber bemüht, die Studie so zu daß auch diese anscheinend in die Kategorie der Greuel-
bewerten, wie ich es mit jeder anderen getan hätte, indem ich propaganda gehören.«
ihre politischen Implikationen unberücksichtigt ließ und le- 1996 ersuchte Hayward um die Verlängerung der Sperrfrist
diglich beurteilte, in welchem Umfang der Verfasser seiner und bat darum, man möge seine Arbeit bis zum 1. Januar
Verantwortung als Historiker gerecht wurde.« 1999 unter Verschluß halten. Wiederum wurde seinem
Prof. Vincent Orange, Historiker an der Universität Canter- Wunsch stattgegeben.
bury, brachte in seiner am 23. März 1993 erfolgten Stellung- Anfang Oktober 1998 stellte Hayward seine Studie dem Ade-
nahme einige Punkte zur Sprache, die bei Antirevisionisten laide Institute zu, damit dieses Fotokopien erstellen konnte,
blankes Entsetzen auszulösen pflegen:4 und teilte mit, man dürfe nach freiem Ermessen darüber ver-
»Haywards These ist, daß die Nazis während des Zweiten fügen. Im folgenden wurden Kopien an alle Mitarbeiter des
Weltkriegs keinen Versuch zur systematischen Ausrottung Adelaide Institute geschickt. Auch die Angehörigen der au-

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stralischen Kommission für Menschenrechte und Chancen- Arbeit mit einem Zusatz zu versehen, was er auch tat. In die-
gleichheit, die über eine gegen Fredrick Toben und Olga sem – zwei Seiten langen – Zusatz schrieb er, seine Magi-
Scully eingereichte Klage zu entscheiden hatten, wurden mit sterarbeit enthalte »mehrere faktische Irrtümer und Fehlin-
einer Kopie bedacht. Ebenfalls im Oktober 1998 erwog Joel terpretationen«.9 In einem Brief an den New Zealand Jewish
Hayward sogar, sich Ernst Zündel bei einem Prozeß in To- Chronicle, der in der Ausgabe vom Februar 1999 auf S. 7
ronto als Zeuge zur Verfügung zu stellen.5 Aus seiner Sicht veröffentlicht wurde, äußerte sich Hayward wie folgt:
bestand das Dilemma darin, daß er sich möglicherweise ge- »Zuerst verletzte Dr. Toben meine Autorenrechte, indem er
nötigt sehen würde, etwas zu sagen, daß Zündel schaden eine Kopie meiner Magisterarbeit aus dem Jahre 1993 an
würde, beispielsweise daß der Revisionismus »dem Antisemi- die Kommission für Menschenrechte und Chancengleich-
tismus Vorschub leisten kann (auch wenn ich natürlich nicht heit in Sydney sandte. Er tat dies, obwohl ich ihm in einem
meine, daß er seinem Wesen nach antisemitisch ist)«.6 Schreiben vom 17. Oktober ausdrücklich untersagt hatte,
Dr. Faurisson hatte dies in einem seiner Kommentare voraus- meine Arbeit ganz oder teilweise zu kopieren oder zu ver-
gesehen. Hayward, meinte Faurisson, sei der Ansicht,7 teilen. […] Ich beteilige mich nicht an der heftigen Debatte
»daß die Revisionisten recht haben, jedoch kein Herz besit- zwischen den Holocaust-Revisionisten und deren Widersa-
zen und den Juden seelisches Leid zufügen. Er glaubt an chern. Ich finde diesen Streit widerlich und will mich nicht
Babi Jar und allerlei ähnliches dumme Zeug. Sein Auftritt darin verwickeln lassen. Als Wissenschaftler bin ich dafür
als Zeuge könnte sich vor einem „Menschenrechtstribu- viel zu beschäftigt, als Mensch viel zu sensibel. Eine Kopie
nal“ als sehr schädlich erweisen, weil diese Art von „Tri- dieses Briefes geht an Herrn Jeremy Jones, den Vizepräsi-
bunalen“ meint, die Wahrheit sei „keine Verteidigung“. denten des Exekutivrats des australischen Judentums.«
Hayward könnte geradezu ein Traumzeuge für die Anklage Hayward ging noch weiter, um den Schaden unter Kontrolle
sein, nach dem Motto: Zündel ist ganz besonders gefähr- zu halten. Am 8. Dezember 1999 schickte er einen »streng
lich, weil er recht hat!« vertraulichen« Brief an den Vizekanzler der Canterbury-
An Toben schrieb Faurisson:8 Universität, in dem er u.a. schrieb:
»An der Magisterarbeit ist, wenigstens heute, gar nichts »Gegen Ende 1998 versuchte ein australischer Rassist na-
Geheimes mehr, da ich 1996 selbst eine Kopie gekauft ha- mens Dr. Fredrick Tobin [sic], der in Deutschland eben ei-
be. Hayward bat mich um das Geld [für die Kopie], bekam ne Haftstrafe wegen Holocaustleugnung abgesessen hatte,
es und ersuchte mich nie, die ganze Sache geheim zu hal- der Kommission für Menschenrechte und Chancengleich-
ten. Er fragte mich nach meiner Meinung zu seiner Arbeit. heit in Sydney eine Kopie meiner Magisterarbeit als Be-
Ich sandte ihm meinen Entwurf und stellte ihm zwei Fra- weis dafür zuzustellen, daß der Holocaust nicht stattgefun-
gen: den habe. Ich wandte mich sogleich schriftlich an die
Geht man recht in der Annahme, daß die Revisionisten An- Kommission und ersuchte sie, die Arbeit aus ihren Akten zu
fang 1993 Ihrer Ansicht nach vernunftmäßig im allgemei- entfernen. Sie erklärte sich freundlicherweise dazu bereit.«
nen recht hatten, doch gefühlsmäßig unrecht? Die Kommissionsangehörige Cathleen McEvoy, heute Deka-
Ich habe gehört, Sie seien jüdischer Abstammung. Stimmt nin an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität
dies? Adelaide, informierte Toben nie über diesen Schritt Hay-
Ich stellte ihm diese Fragen am 24. August, 18. November wards, und dieser unterließ es, Toben eine Kopie seines
und 27. November. Ich teilte ihm mit, ich sei mit Arbeit völ- Briefs zuzustellen; freilich sandte er ihm eine E-Mail, in dem
lig überlastet und benötige seine Antwort auf meine erste er ihn bat, seine Magisterarbeit nicht weiter zu verwenden.
Frage, ehe ich mich an die sorgfältige Lektüre seiner Stu- Graeme Wake, Dekan für postgraduierte Studien und Profes-
die machen könne. Er sandte mir schließlich eine ziemlich sor für angewandte Mathematik an der Universität Canterbu-
rüde Entgegnung, ohne jedoch auf meine beiden Fragen ry, antwortete in einem zwar auf den 3. Mai 2000 datierten,
einzugehen.« doch mit dem handschriftlichen Zusatz »Heute, im Januar
Faurisson unterstrich ferner, daß laut Haywards Magisterar- 2000, abgeschickt« versehenen Brief:
beit »Wir teilen Ihre Abneigung gegenüber dem Treiben rassi-
»die Revisionisten offenbar darauf abzielen, die Gefühle stischer Personen wie der von Ihnen erwähnten. Nichtsde-
jüdischer Menschen zu verletzen. Wenn er wirklich dieser stoweniger obliegt es uns als namhafter Universität, freien
Auffassung ist, welche Argumente führt er dafür ins Feld, Zugang zu dem Forschungsmaterial zu gewähren, das zum
und außerdem, ist es die Aufgabe des Historikers, solche Erwerb eines akademischen Grads eingereicht und akzep-
Fragen zu erörtern? […] Er nimmt nicht zur Kenntnis, daß tiert worden ist. Ein anderes Vorgehen könnte uns den
die Revisionisten niemals irgendwelche physische Gewalt Vorwurf der Vertuschung einbringen und auch sonst kom-
gegen Juden ausgeübt haben.« promittieren. So haben wir uns Gedanken über eine Alter-
Im New Zealand Jewish Chronicle (Ausgabe vom Dezember native gemacht (die wir mit Ihnen am Telefon erörtert ha-
1998/Januar 1999) stand ein Artikel mit dem Titel »Neusee- ben).
ländische Fährte im Internet-Volksverhetzungsfall«. Dort Im Interesse aller, und insbesondere der Opfer des Holo-
konnte man lesen: caust, fordert die Universität Sie auf, einen kurzen Zusatz
»Zu dem von Dr. Toben einige Tage vor dem Hearing ein- zu Ihrer Magisterarbeit zu verfassen. Dieser würde vermut-
gereichten Beweismaterial gehörte eine 500-seitige Magi- lich Ihre aktuellen Ansichten und Erkenntnisse zu dieser
sterarbeit über den Holocaust-Revisionismus, die von Joel Frage widerspiegeln und die Ergebnisse allfälliger seit
Hayward stammt, einem Studenten an der neuseeländi- 1993 von Ihnen unternommenen Forschungen zusammen-
schen Canterbury-Universität.« fassen, die möglicherweise zu anderen Schlußfolgerungen
Als Hayward 1999 um eine abermalige Verlängerung der gelangen als jenen, die Sie in Ihrer Magisterarbeit aufge-
Sperrfrist ersuchte, wurde sein Antrag von der Universität stellt haben. Er würde außerdem Ihren Stand gegenüber
abgelehnt, doch wurde ihm die Möglichkeit geboten, seine Leuten wie Dr. Fredrick Toben und Konsorten stärken.«

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Am 15. Dezember 1999 schrieb Hayward in einem Brief an worden, zu ermitteln, ob Hayward arglistig vorgegangen
Greg Raven vom IHR:10 sei und ihm deshalb der Magistergrad entzogen werden
»Ich danke Ihnen dafür, daß Sie mich über den Versuch müsse. Sie kam zu dem Ergebnis, daß dies nicht der Fall
dieses Strolches informiert haben, meine alte Magisterar- war. Sie vertrat die Auffassung, Hayward sei nicht gehal-
beit im Internet zu publizieren. Ich weiß Ihre Freundlich- ten gewesen, seine persönliche Meinung zur Frage nach
keit zu schätzen. Es ist mir freilich gelungen, den Server dem Wert des Beweismaterials in der Holocaust-Debatte
zur Entfernung meiner Arbeit aus dem Internet zu veran- zu äußern, und die Magisterarbeit sei zu lang. Doch hätte
lassen, nachdem diese mysteriöse Person sie das letzte Mal es die Kommission selbst unterlassen sollen, des langen
dort postiert hatte, und ich will dasselbe auch diesmal ver- und breiten unfundierte Kritik an Revisionisten und dem
suchen.« Revisionismus zu äußern, und zwar auf der Grundlage von
Immer noch im Jahre 2000 betrat ein neuer Protagonist die Kommentaren, die seitens des Judenrats sowie in dessen
Szene, nämlich Prof. Dov Bing, Dozent für Politologie an der Interesse eingereicht worden waren. Stellungnahmen von
Waikato Universität in Hamilton. Bing hatte im Rundfunk anderer Seite wurden nicht akzeptiert. […] Ungeachtet der
bekanntgegeben, daß Hayward seine Magisterarbeit an Fau- Empfehlungen zweier geachteter neuseeländischer Gelehr-
risson, Irving und Toben weitergeleitet hatte. Nun entfachte ter hat die Magisterarbeit nach Ansicht der Kommission
der New Zealand Jewish Chronicle vom April 2000 einen „das ihr gezollte hohe Lob nicht verdient“. Somit wurde
Sturm, der internationale Dimensionen annehmen sollte. das Urteil der beiden hochangesehenen und erfahrenen
Hayward entschuldigte sich bei der jüdischen Gemeinschaft neuseeländischen Wissenschaftler mißachtet und statt des-
Neuseelands: sen dem jüdischen Ethnozentrismus und dessen Verbünde-
»Ich habe mich schwer geirrt. Meine Schlußfolgerungen ten – einem ganz und gar nicht unvoreingenommenen eng-
waren falsch. […] Ohne jeden Zweifel sind rund sechs Mil- lischen Professor namens Evans – Tribut gezollt.«
lionen Juden während des Zweiten Weltkriegs umgekom- Derselbe Professor Evans trat im Jahre 2000 als „Zeuge der
men. Sie wurden von den Nazis und ihren Verbündeten er- Verteidigung“ bei David Irvings Ehrverletzungsprozeß gegen
mordet. Die Täter bedienten sich bei diesem monströsen Deborah Lipstadt in London auf. Evans ist Dozent für deut-
Verbrechen einer Vielzahl von Mitteln, darunter Gaskam- sche Geschichte an der Universität Cambridge.
mern, Erschießungen, physische Entkräftung sowie Aus- Die Treibjagd auf Hayward flaute nun merklich ab.
hungerung.«
K. R. Bolton, ein neuseeländischer Beobachter der Kontro- 3. Zur Abwechslung eine Hetzjagd auf ein anderes Opfer
verse, resümiert den 89 Seiten langen und mit 29 Anhängen So wie die Canterbury-Universität ihre liebe Not mit der jü-
versehenen Report der Untersuchungskommission im Fall dischen Gemeinschaft Neuseelands und deren „Holocaust“-
Hayward so:11 Besessenheit hatte, blieb auch die Universität von Waikato
»Nach rund fünfmonatiger Tätigkeit, die Kosten in Höhe von ähnlichem Unbill nicht verschont. Dort hatte die jüdische
von 200.000 Dollar verschlang, gelangte ein aus namhaf- Gemeinschaft nämlich einen „Rechtsextremisten“ aufgestö-
ten Persönlichkeiten bestehendes Tribunal zu Schlußfolge- bert, der einen Themenvorschlag für seine Doktorarbeit ein-
rungen, die dermaßen voraussehbar und klischeehaft sind, gereicht hatte:12
daß man dasselbe Resultat hätte erreichen können, wenn »Der in Berlin geborene Hans-Joachim Kupka wählte zum
man sich einen Tag lang beim Kaffee zusammengesetzt und Thema seiner Dissertation die Rolle, welche die deutsche
dabei fünf Dollar ausgegeben hätte. Sprache im heutigen Neuseeland spielt. Kritiker wenden
Die Kommission entschied, daß Dr. Joel Hayward, heute ein, dies werde dazu führen, daß er deutschsprachige Ho-
prominenter Militärhistoriker und Dozent, 1993 für seine locaust-Überlebende befragen müsse. Kupka, früherer
Arbeit The Fate of Jews in German Hands […] an der Can- stellvertretender Vorsitzender des bayrischen Landesver-
terbury Universität keinen Magistergrad mit Summa cum bandes der rechtsextremen Partei Die Republikaner, zog
laude verdient hat. Die Kommission wandte sich an einen das Thema angesichts der dadurch ausgelösten Kontrover-
Juristen, doch gelang es ihr nicht, eine Aberkennung des se zurück.«
Magistergrads zu erreichen, wie es der Judenrat von Neu- Die rastlosen, paranoiden Führer der jüdischen Gemeinschaft
seeland verlangt hatte, weil der Nachweis nicht erbracht gaben sich mit diesem Rückzieher nicht zufrieden. Sie ver-
werden konnte, daß Hayward arglistig gehandelt hatte. langten seitens der Universität eine Untersuchung und Ent-
Doch wurde die Auffassung vertreten, Hayward habe eine schuldigung und setzten sich mit diesem unverschämten An-
solche Auszeichnung nicht verdient. Die Kommission kam sinnen prompt durch.
zum Schluß, Hayward habe zwar bemerkenswerte Fähig-
keiten als Forscher an den Tag gelegt und seine Magister- 4. Zur alten Besessenheit gesellt sich eine neue
arbeit außergewöhnlich geschickt aufgebaut, doch seien Am 9. Oktober 2002 veröffentlichte die Universität von
seine Schlußfolgerungen mit schweren Mängeln behaftet. Waikato einen Bericht mit dem Titel »Eine Übersicht über
Er hätte sich einer Stellungnahme zur Frage, welche Seite den Fall Hans Joachim Kupka«.13 Der von einem Bill Ren-
– die Revisionisten oder die orthodoxen Historiker – im wick erstellte Bericht schilderte das Vorgehen der Universität
Lichte des vorliegenden Beweismaterials bei der Holo- im Fall Kupka. Ein regionales Blatt, die Waikato Times, griff
caust-Debatte recht habe, enthalten sollen. Gerügt wurde das Thema auf, und Prof. Dov Bing gab prompt seinen Senf
auch, daß Haywards Magisterarbeit dreimal länger war dazu. Doch hielt sich das allgemeine Interesse an der Affäre
als verlangt. […] Was den Judenrat verärgerte, war, daß Kupka in Grenzen, und nüchterne Beobachter erkannten so-
die Verleihung der Magisterwürde mit Summa cum laude gleich, daß die Führer der jüdischen Gemeinschaft bloß einen
an Hayward dem Holocaust-Revisionismus allem Anschein Sturm im Wasserglas entfacht hatten. Dies paßte Bing an-
nach akademische Legitimität verliehen hatte. […] Die Un- scheinend gar nicht in den Kram. Er erließ eine Presseerklä-
tersuchungskommission war lediglich damit beauftragt rung und schickte diese an die Waikato Times. Ein Journalist

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namens Lester Thorley machte daraus einen Artikel, der am machen“.[14] Die Leiter dieser Website geben an, Ansichten
23. Oktober 2002 erschien: publizieren zu wollen, die anderswo „unterdrückt“ wür-
den.
»PROFESSOR: ESSAY WAR REVISIONISTISCH Herrn Eatons Magisterarbeit, der zufolge die Nürnberger
Von Lester Thorley Kriegsverbrecherprozesse von 1945 illegal waren, brachte
Ein Professor an der Universität Waikato glaubt, an der ihm einen Magistergrad mit Auszeichnung ein. Eaton dankt
Canterbury-Universität auf eine Studie gestoßen zu sein, in Hayward, der ihn „zuerst auf das Thema Nürnberg hinge-
welcher der Holocaust-Revisionismus gebilligt wird. wiesen“ habe, und fährt fort: „Er hat meinen Enthusias-
Dov Bing, Professor für Politologie an der Universität mus für dieses Thema geweckt.“
Waikato, während der Holocaustleugnungsaffäre Kupka Prof. Bing hielt fest: „Der Holocaust-Revisionismus ist ein
Wortführer empörter jüdischer Akademiker, verlangt von Thema von erheblichem öffentlichem Interesse, besonders
der Canterbury-Universität eine Stellungnahme zur an der wenn er auf dem Gelände einer Universität Einzug hält.“
historischen Fakultät eingereichten Magisterarbeit Judge- Im Jahre 2000 wurde eine Untersuchung über die Hay-
ment over Nuremberg [Urteil über Nürnberg] von Steven ward-Magisterarbeit angestellt, die dazu führte, daß sich
[recte: Daniel] Eaton. die Canterbury Universität bei der jüdischen Gemeinde für
Die Dissertation wurde ein Jahr nach der Hayward- die Annahme einer „mit ernstlichen Mängeln behafteten“
Magisterarbeit von 1993 eingereicht, die mit ihrer Schluß- Magisterarbeit entschuldigte. Eine Untersuchungskommis-
folgerung, die Nazis hätten keinen systematischen Mas- sion gelangte zum Schluß, die Meßlatte sei „in diesem ei-
senmord an Juden in Gaskammern begangen, weltweit für nen Fall zu niedrig angelegt worden.“
Aufsehen gesorgt hat. Phyllis Guthardt, Rektorin der Canterbury Universität, ließ
Prof. Bing sagte, die Magisterarbeit von der Canterbury- gestern verlautbaren, die Ermittlungen im Fall Hayward
Universität sei auf einer Website der Holocaust- seien beendet. „Vom Standpunkt der Universität aus ist das
Revisionisten in Alabama, USA, gepriesen worden. Die Dossier geschlossen.“ Die Universität werde keine Ermitt-
Homepage von Theses and Dissertation Press wurde ihren lungen zu Herrn Eatons Magisterarbeit einleiten, es sei
eigenen Angaben zufolge 1994 errichtet, um „zwei unver- denn, es lägen klare Beweise für Betrug oder Arglist vor.
öffentlichte Magisterarbeiten in Geschichte von einer aus- Prof. John Jensen, der heute nicht mehr an der Universität
ländischen Universität der Öffentlichkeit zugänglich zu Waikato unterrichtet, hatte Haywards Studie mit der Note
J.S.A. HAYWARD, THE FATE OF JEWS IN GERMAN HANDS: AN HISTORICAL INQUIRY INTO THE DEVELOP-
MENT AND SIGNIFICANCE OF HOLOCAUST REVISIONISM (MAGISTERARBEIT, 1993)
[…] Haywards […] "Verständnis der Grundsätze historischer Forschung sowie seine Fähigkeit
zu deren Anwendung" werden mit außergewöhnlichem Fleiß, mit Geschick und Urteilsvermögen
auf Schritt und Tritt demonstriert. Seine Arbeit ist die überzeugendste, die mir auf dieser
Stufe je vorgelegt worden ist, und stellt in der Tat einen positiven Beitrag zur Wissens-
vermehrung dar. […]
Hayward hat ein außergewöhnlich breites Spektrum von Quellen ausgewertet. […] Diese Quellen
meistert er vollständig und verbindet sie geschickt miteinander. Er argumentiert stichhal-
tig und strebt angesichts des äußerst heiklen Charakters seines Thema bewußt und beharrlich
nach einem ausgewogenen Urteil. […] Er schreibt klar und flüssig. Alles in allem verleihen
die Breite und Tiefe seiner Forschungen, die Reife seines Urteils sowie seine Fähigkeit,
Material zu absorbieren, in den Kontext einzubetten und zu präsentieren, seiner Arbeit das
Niveau einer Doktordissertation. Sein echter Enthusiasmus für die historische Forschung ist
bereits so formvollendet und diszipliniert, daß er meiner Ansicht nach fraglos das Zeug für
eine erfolgreiche akademische Karriere hat.
Haywards These ist, daß die Nazis keinen Versuch zur systematischen Ausrottung der Juden
während des Zweiten Weltkriegs unternommen haben. Insbesondere findet er das Beweismaterial
dafür, daß zu diesem Zweck Gaskammern gebaut und benutzt wurden, nicht überzeugend. Seine
Argumente zur Klärung dieser Schlüsselfrage beruhen auf einem detaillierten, sorgfältigen
Studium der Dokumente sowie der mündlichen und wissenschaftlichen Beweise. Es kann natür-
lich sein, daß er sich irrt, doch meiner Auffassung nach wird sein Urteil nirgends durch
die Verwendung unbrauchbaren Beweismaterials oder durch extreme sprachliche Formulierung
getrübt. Ganz im Gegenteil, er verdient Anerkennung für den wissenschaftlichen Umgang mit
Themen, vor denen die meisten Historiker zurückgeschreckt sind. Beispielsweise: wie viele
Menschen kann man auf einer bestimmten Fläche unterbringen, und wieviel Zeit erfordert die
vollständige Verbrennung eines Leichnams?
An keiner Stelle wird die Nazibrutalität in Abrede gestellt. […] Diese Verbrechen waren al-
lerdings nicht mit Völkermord gleichzusetzen. Sie sind keine einzigartigen Verbrechen; […].
[…] Hayward hebt jene triftigen Argumente hervor (und verwirft viele nicht stichhaltige Ar-
gumente), welche die Revisionisten gegen die von Juden und ihren Sympathisanten gegen die
Nazis erhobenen Anklagen ins Feld geführt haben. Er legt auch dar, daß die allermeisten Ho-
locaust-Gelehrten viele der während des Krieges sowie in den anschließenden Kriegsverbre-
cherprozessen erhobene Vorwürfe zurückgenommen haben. Das Ausmaß dieser Konzessionen ist,
wie Hayward zeigt, in populärwissenschaftlichen Werken noch nicht zur Kenntnis genommen
worden, und von der Volksmeinung noch weniger. […]
Ich empfehle viermal die Note A+ […]. In ihrer Gesamtheit rechtfertigt diese Magisterarbeit
die Benotung Summa cum laude voll und ganz.
Vincent Orange, Dozent für Geschichte (Canterbury-Universität, Neuseeland, 23. März 1993).

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A+ ausgezeichnet. Wer die Arbeit Herrn Eatons benotet an der Arbeit lautgeworden, und sie ist nie einem Embargo
hat, wollte die Universität nicht enthüllen, sie gab jedoch unterworfen oder unter Verschluß gehalten worden.“ Die
bekannt, es sie nicht Prof. Jensen gewesen.« Rektorin glaubt nicht, daß andere Magisterarbeiten zu hi-
Da dieser Artikel die Hayward-Affäre erwähnte, erweckte er storischen Themen, die in den neunziger Jahren entstanden
das Interesse der Presse in Christchurch, und Amanda War- sind, Anlaß zu vergleichbaren Kontroversen bieten. Dr.
ren von der Canterbury Press fabulierte, Eatons Magisterar- Orange reagierte nicht auf Anfragen unserer Zeitung, und
beit15 habe den Holocaust zum Thema, was schlicht und ein- Herr Eaton war unauffindbar.«
fach falsch ist, und sie sei auf der Website von Dr. Robert Eine Anfrage des Adelaide Institute bei der Canterbury Uni-
Countess postiert, was ebenso wenig zutrifft, weil Dr. versität führte zu folgender Antwort seitens einer Quelle, die
Countess gar keine Website hat, und weil die Website von nicht genannt zu werden wünscht, obgleich die betreffende
Theses & Dissertations Press keine der beiden hier behandel- Person Dr. Toben im Jahre 2000 getroffen hat:17
ten Arbeiten jemals ausgehängt hatte. Hier nun der Wortlaut »Die Hayward-Magisterarbeit liegt hinter uns. Die Eaton-
des Artikels:16 Magisterarbeit befaßt sich mit den Nürnberger Kriegsver-
brecherprozessen. Sie hat nichts mit dem Holocaust zu tun.
»ZWEITE HOLOCAUST-MAGISTERARBEIT UNTER BE- Worum es an jeder Universität geht, ist die Forschungs-
SCHUSS. freiheit […] verbunden mit Taktgefühl.
Die Canterbury Universität liegt unter Beschuß, nachdem
die Behauptung lautgeworden ist, eine zweite von einem 5. Die letzten Neuigkeiten zur Hayward-Affäre
ihrer Studenten verfaßte Magisterarbeit werde von der Ho- Der eben zitierte Artikel in der Canterbury Press gab den An-
locaustleugnungsbewegung ausgeschlachtet. stoß zu einer weiteren Polemik. Diese erschien in Neusee-
Die Arbeit, deren Verfasser ein Steven Eaton ist, entstand lands größter Radio- und Fernsehzeitschrift, dem Listener
unter der Obhut von Dr. Vincent Orange, unter dessen (2.-8. November 2002). Zuerst wurde darin auf den inzwi-
Ägide auch die umstrittene Magisterarbeit von Joel Hay- schen berühmt gewordenen Ehrverletzungsprozeß eingegan-
ward entstand, in der zentrale Aspekte des Holocaust in gen, den David Irving gegen die US-Jüdin und mosaische
Frage gestellt werden […]. Theologin Deborah Lipstadt angestrengt und im Jahre 2002
In seiner Studie ficht Herr Eaton die gesetzliche Grundlage in letzter Instanz verloren hatte. Im folgenden befaßte sich
der Nürnberger Prozesse an, die von den Alliierten nach der Artikel mit den „Skandalen“ um Hayward, Kupka und
dem Zweiten Weltkrieg zur Bestrafung deutscher Kriegs- Eaton und schloß mit einer Stellungnahme von Richard
verbrecher geführt worden sind. Er gelangt zu dem Schluß, Evans von der Universität Cambridge, der in London gegen
die Alliierten hätten „offensichtlich wenig Respekt vor dem Irving ausgesagt und in einem für die Universität Massey er-
gezeigt, was man als internationales Recht bezeichnet“, stellten Bericht zum Fall Hayward vorgeschlagen hatte,
und die Urteile gegen namhafte Naziverbrecher seien Hayward seinen akademischen Grad abzuerkennen. Im Liste-
„willkürliche Machtausübung“ gewesen.
Herr Eaton, dem im Mai 1994 der Magistergrad
mit Auszeichnung verliehen wurde, argumentiert,
1945 habe kein Gesetz bestanden, das den Alliier-
ten das Recht verliehen habe, die Nazis mit voller
Härte zu bestrafen. […]
Ein Experte für internationales Recht an der Uni-
versität von Canterbury, Alex Conte, sagte, Herr
Eatons Magisterarbeit sei durchaus nicht der erste
Versuch zur Infragestellung der Nürnberger Pro-
zesse.
Eatons Studie wurde von Pfarrer Dr. Robert
Countess, einem bekannten Holocaustleugner, auf-
gegriffen, der Einzelheiten dazu auf seiner Website
veröffentlichte.
Dov Bing, Politologieprofessor an der Waikato
Universität, sagte gestern, es sei einer der zentralen
Grundsätze der Holocaustleugnungsbewegung, daß
die Nürnberger Prozesse nicht mit internationalem
Recht vereinbar gewesen und die deutschen
Kriegsverbrecher zu unrecht verurteilt worden sei-
en.
Die Canterbury-Universität hätte diese neue Kon-
troverse vermeiden können, hätte sie auf andere
Studien hingewiesen, in denen der Holocaust ge-
leugnet wird, sagte Prof. Bing.
Rektorin Phyllis Guthardt sagte, es wäre ein viel zu
aufwendiges Unterfangen, alte Magisterarbeiten zu
überprüfen. „Es wird nicht erwogen, Ermittlungen
über Herrn Eatons Arbeit einzuleiten. Es gibt keine Schriftliche Genehmigung von Daniel Eaton zur Veröffentlichung sei-
Hinweise auf Betrug oder Arglist; es ist keine Kritik ner Magisterarbeit durch Theses and Dissertations Press

208 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2


ner wurde der Dozent für deutsche Geschichte wie folgt zi- zuvor getan hatte. All dies deutet darauf hin, daß Hayward
tiert:18 Dr. Countess sowie andere Revisionisten als Freunde be-
»Es gibt einen Präzedenzfall. Evans bezieht sich auf die Af- trachtete. Doch laut dem Listener soll er gesagt haben:
färe um Henri Roques, einen Protegé des französischen »Ich hasse es auch absolut, daß diese Leute [Dr. Countess
Holocaustleugners Robert Faurisson, dem der Doktorgrad von Theses & Dissertations Press] meine akademische
für seine „revisionistische“ Arbeit 1986 vom französischen Glaubwürdigkeit dazu ausnutzen, um ihre eigene Arbeit
Kultusministerium aberkannt worden ist. Evans’ Bericht aufzuwerten, die im allgemeinen antisemitische Ziele ver-
schließt wie folgt: „Dem Werk eines Holocaustleugners ei- folgt. Ich verabscheue den Antisemitismus und andere For-
nen akademischen Grad zuzuerkennen, verleiht ihm wis- men des Rassismus.«
senschaftliche Glaubwürdigkeit. Im vorliegenden Fall ist Privaten Mitteilungen von Daniel Eaton und Joel Hayward,
dies auch von Antisemiten und politischen Extremisten in denen sie sich für diese verleumderische Sprache ent-
weidlich ausgeschlachtet worden, die dadurch Munition schuldigten, kann ich nur entnehmen, daß beide um ihre Zu-
für die Holocaustleugnung bekommen. Wird ein akademi- kunft fürchten. Sie flehten mich beide geradezu an, keine ih-
scher Titel einem Kandidaten verliehen, von dem es sich rer Schriften mehr zu publizieren, obgleich ich ihre schriftli-
dann herausstellt, daß er ein Plagiat begangen oder syste- che Zustimmung dazu besaß. Dr. Hayward ist gesundheitlich
matisch die Grundsätze der Wissenschaftlichkeit verletzt arg angeschlagen, und darauf beruft er sich zu seiner Ent-
hat, welche ein akademischer Grad doch untermauern und schuldigung. Doch sind diese beiden Akademiker den Be-
stärken soll, ist es nichts weiter als vernünftig, die betref- weis dafür schuldig geblieben, daß sie über ein Rückgrat ver-
fende Universität um die Aberkennung des ursprünglich fügen, das es ihnen ermöglicht, die Bürde der akademischen
verliehenen akademischen Grads zu ersuchen. Dies ist im Würde zu tragen.
Fall Henri Roques tatsächlich geschehen. Auch im Fall Jo-
el Hayward sollte so verfahren werden.« Anmerkungen
1
Joel S. A. Hayward, The Fate of Jews in German Hands: An Historical
6. Schlußfolgerung Inquiry into the Development and Significance of Holocaust Revisionism,
Wann immer ein ehemals von der Sowjetunion kontrollierter Magisterarbeit, University of Canterbury, Christchuch, Neuseeland 1993.
Staat der NATO beitreten will, muß er zuvor ein spezifisches Der Text der Studie war früher auf dem Internet postiert, mußte jedoch
aufgrund von Drohung durch Dr. Hayward gelöscht werden, vgl.
Gesetz erlassen, daß die „Holocaustleugnung“ unter Strafe www.aargh.vho.org/engl/hay/hayindex.html.
stellt. Polen hat ein solches Gesetz im Januar 1999 verab- 2
Appendix I, in: Report by the Joel Hayward Working Party, Dezember
schiedet und durfte dann im April NATO-Mitglied werden. 2000, Universität Canterbury.
3
Dieses Strickmuster hat sich seither wiederholt – zum Wohle Ebenda, Appendix M.
4
jener 1.500 Familien, die das florierende Geschäft namens Ebenda, Appendix L.
5
Siehe den Beitrag von Ingrid Rimland in VffG 7(1) (2003), S. 3-15.
NATO kontrollieren, sowie natürlich im Interesse des „An- 6
E-mail Haywards an F. Toben, 5. Oktober 1998.
denkens an die Opfer des Holocaust“. 7
Brief Faurissons an Zündel, 16. Oktober 1998.
8
Neuseeland ist vorderhand noch nicht so tief gesunken, doch Brief Faurissons an Toben, 18. Oktober 1998.
9
die unverfrorenen Versuche der Judenlobby, jede freie De- Report…, aaO. (Anm. 2), Appendix B.
10
www.aargh.vho.org/engl/hay/hayindex.html. Wer sich genauer über den
batte über den „Holocaust“ im Keim zu ersticken, weisen Fall Hayward informieren will, tut gut daran, Serge Thions ausführliche
darauf hin, daß eine ähnliche Entwicklung hier bereits ange- Darstellung der moralischen und intellektuellen Probleme zu lesen, die
laufen ist. Eine Kriminalisierung offener „Holocaustleug- Haywards Benehmen und mangelnde Nervenstärke aufgeworfen haben.
11
nung“ wird in Neuseeland im Moment noch nicht erwogen, Western Destiny, Februar 2001, Ausgabe 23.
12
Australian Jewish News, 5. Januar 2001.
im Gegensatz zu Australien, wo der Oberste Gerichtshof des 13
http://unipr.waikato.ac.nz/news/kupka-report.shtml
Landes am 17. September 2002 im Fall Jones versus Scully 14
Theses and Dissertations Press ist seit Sommer 2002 die englischspra-
und Jones versus Toben eine Art Holocaustleugnungsgesetz chige Buchabteilung von Castle Hill Publishers; siehe
in europäischem Stil sanktioniert hat, wenn auch vorerst noch www.tadp.org/about.html.
15
ohne gesetzliche Strafen für den Sünder. Daniel Eaton, Judgement on Nuremberg. An Historical Enquiry into the
Validity of Article Six of the London Charter as an Expression of Con-
Neuseeland ist drauf und dran, den Weg Deutschlands zu be- temporary International Law, Master Thesis, University of Canterbury,
schreiten, wo die Universität Göttingen 1983 dem Richter Christchurch, New Zealan, 1994, online:
Wilhelm Stäglich seine in den fünfziger Jahren erworbene http://vho.org/aaargh/engl/hay/bobprefaceEa.html
16
Doktorwürde aberkannte, weil er 1979 den Klassiker Der Canterbury Press, 24. Oktober 2002,
www.stuff.co.nz/stuff/0,2106,2089615a11,00.html.
Auschwitz Mythos19 verfaßt hatte. Frankreich ist Deutsch- 17
Siehe die Antwort der Universität:
lands Beispiel bereits gefolgt; in der Schweiz und Österreich, www.canterbury.ac.nz/search/intro.htm
wo Holocaust-Revisionisten ähnlich brutal verfolgt werden 18
Philipp Matthews, Special Report: Holocaust Denial and the NZ connec-
wie in Deutschland, waren bisher keine vergleichbaren Fälle tion. The continuing story why a New Zealand university refuses to dis-
honor a thesis denying the Nazi Holocaust.
der Aberkennung akademischer Grade zu verzeichnen. 19
Wilhelm Stäglich, Der Auschwitz Mythos, Grabert-Verlag, Tübingen
1979; das Bundesverfassungsgericht bestätigte die Entziehung von Stäg-
Postscriptum des Herausgebers lichs Doktortitel, Az. 1 BvR 408f./83.
20
Joel Hayward besuchte Pfarrer Dr. Robert Countess Anfang Siehe dazu R. Countess, »Die Neuseeland-Saga«, Vierteljahreshefte für
199420 und erklärte sich bereit, einige seiner Artikel bei Cast- freie Geschichtsforschung 5 (3) (2001), S. 330-333.
21
Joel S. A. Hayward, »Eine Fallstudie früherer integrierter Kriegfüh-
le Hill Publishers zu veröffentlichen.21 1994 erteilte Daniel rung«, VffG 3 (1) (1999), S. 4-16.
Eaton Theses & Dissertations Press die Genehmigung zur 22
Vgl. das reproduzierte Dokument.
Veröffentlichung seiner Magisterarbeit,22 so wie es Hayward

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 209


Deutschland: Der große Bruder wächst weiter
Von Germar Rudolf
Als direkte Folge der im Jahr 2000 durch Deutschland flu- hen, warum das eine Verbrechen anders geahndet und ver-
tenden Hysterie gegen Rechts verabschiedete der Deutsche folgt werden sollte als das andere. Der moralische Unter-
Bundestag am 30. März 2001 einen Beschluß, mit dem die schied liegt nicht in der Verwerflichkeit der Tat, sondern im
Bundesregierung aufgefordert wurde, einen Bericht über ihre Willen des Staates, die Tat zu verfolgen und zu bestrafen. Po-
Maßnahmen und Aktivitäten gegen Rechtsextremismus, litisch ist weniger die Tat als die unterschiedliche Behand-
Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Gewalt vorzule- lung des Täters durch den Staat. Oder warum sollte ein Dro-
gen. gendealer, der einen Passanten ermordet, weil dieser von ihm
Dieser Bericht wurde im Sommer 2002 vorgelegt und enthält keine Drogen kaufen will, anders strafverfolgt und bestraft
einige Passagen, die deutlich auf eine weitere Einschränkung werden als ein Skinhead, der einen Passanten ermordet, weil
der Menschenrechte in Deutschland hinweisen. Einige dieser dieser die falsche Hautfarbe hat? Es ist bekannt, daß das erst-
Passagen werden nachfolgend zitiert und kurz erläutert.1 genannte Verbrechen so gut wie nie so viel Aufmerksamkeit
erfährt wie das zweite. Moralisch besteht kein Unterschied
Definition eines politischen Delikts zwischen beiden Verbrechen, und in beiden Fällen läßt sich
»Einführung eines neuen Definitionssystems „Politisch argumentieren, daß die Bedrohung für das Bestehen der
motivierte Kriminalität“ Rechtsordnung ähnlich ist.
Eine wirksame und zielgerichtete Bekämpfung beispiels- Der Staatsschutz in Deutschland hatte ursprünglich die Auf-
weise rechtsextremistischer Tendenzen setzt deren genaue gabe, nur solche Verbrechen aufzuklären, die darauf angelegt
Kenntnis voraus. Die bisherige Bewertung und Erfassung waren, die Existenz des Staats bzw. des Systems zu schwä-
von Straftaten im Rahmen des „Kriminal-polizeilichen chen bzw. zu gefährden, wo also über das jeweilige Opfer ei-
Meldedienstes – Staatsschutz“ (KPMD-S) orientierte sich nes Verbrechens hinaus – wenn es ein solches überhaupt gibt
am Extremismusbegriff, d.h. es wurden Straftaten, die mit – der Staat als solcher angegriffen war. Es ist zwar richtig,
dem Ziel der Systemüberwindung – auch unter Anwendung daß sich die Aktivitäten des Staatsschutzes während der letz-
von Gewalt – gegen die freiheitliche demokratische ten zehn Jahre immer mehr auf Straftaten ausweiteten, die per
Grundordnung gerichtet waren, erfasst. Dies hat in der se keine Bedrohung für den Staat darstellten, jedoch erst mit
Praxis zu uneinheitlichen Bewertungen und Erfassungsde- der nun auch formell vollzogen Änderung der Definition des
fiziten geführt. Vor diesem Hintergrund haben sich Bund politischen Verbrechens ist der Staatsschutz nun mehr oder
und Länder darauf verständigt, den bisherigen Kriminal- weniger für alles gesetzwidrige Handeln zuständig, was im
polizeilichen Meldedienst „Staatsschutz“ umzugestalten Namen irgendeiner Überzeugung getan wird, einschließlich
und zu verbessern. Mit Wirkung vom 01.01.2001 wurde solcher „Verbrechen“, die lediglich aus der Äußerung von
das neue Definitionssystem „Politisch motivierte Krimina- Überzeugungen und Ansichten bestehen, die nach §130f.,
lität“ eingeführt. Zentrales Erfassungskriterium des neuen 185 und 189 verfolgt werden können. Die Palette der Ansich-
Meldesystems ist die politisch motivierte Tat. Als politisch ten, die davon betroffen sein können, ist wahrlich beängsti-
motiviert gilt eine Tat insbesondere dann, wenn die Um- gend. Im Prinzip paßt unter die oben gefaßte Definition so
stände der Tat oder die Einstellung des Täters darauf ziemlich alles:
schließen lassen, dass sie sich gegen eine Person aufgrund »wenn die Umstände der Tat oder die Einstellung des Tä-
ihrer politischen Einstellung, Nationalität, Volkszugehö- ters darauf schließen lassen, dass sie sich gegen eine Per-
rigkeit, Rasse, Hautfarbe, Religion, Weltanschauung, Her- son aufgrund ihrer politischen Einstellung, Nationalität,
kunft, sexuellen Orientierung, Behinderung oder ihres äu- Volkszugehörigkeit, Rasse, Hautfarbe, Religion, Weltan-
ßeren Erscheinungsbildes bzw. ihres gesellschaftlichen schauung, Herkunft, sexuellen Orientierung, Behinderung
Status richtet. Die erfassten Sachverhalte werden im Rah- oder ihres äußeren Erscheinungsbildes bzw. ihres gesell-
men einer mehrdimensionalen Betrachtung unter verschie- schaftlichen Status richtet.«
denen Gesichtspunkten bewertet. Hierbei werden insbe- Mit dem Gummiparagraphen der Volksverhetzung und Auf-
sondere Feststellungen zur Qualität des Delikts, zur objek- stachelung zum Haß, §130f. StGB, läßt sich nun in Verbin-
tiven thematischen Zuordnung der Tat, zum subjektiven dung mit dieser Aufgabendefinition des Staatsschutzes so
Tathintergrund, zur möglichen internationalen Dimension ziemlich jede Auffassung und Ansicht als politische Straftat
der Tat und zu einer ggf. zu verzeichnenden, extremisti- vom Dezernat Staatsschutz verfolgen, wenn nur die Massen-
schen Ausprägung der Tat getroffen.« (S. 64) medien die Gesellschaft so weit zu hysterisieren vermögen,
Wer die Verhältnisse in Deutschland kennt, den kann kaum bestimmte Ansichten als verwerflich anzusehen. Heute sind
überraschen, daß sich die Umdefinierung dessen, was unter dies rechte Ansichten mit immer großzügigerer Definition,
„Extremismus“ verstanden wird, offenbar in erster Linie ge- morgen könnten es andere Ansichten sein.
gen politisch rechtsgerichtete Anschauungen wendet, obwohl Der Unterschied zwischen dem Dezernat Staatsschutz und
die Aufzählung der als extremistisch eingestuften Ansichten den anderen Dezernaten der Polizei ist, daß der Staatsschutz
auch ein üblicherweise linkes Kriterium anführt: den gesell- als Vollstreckungsbehörde der „Politischen Korrektness“
schaftliche Status. häufiger im „positiven“ Rampenlicht steht, das heißt oft die
Verbrechen sind Verbrechen, sollte man meinen. Ob jemand volle Rückendeckung von Medien und Politik bei seinen
aus unkontrollierter Lust an Gewalt oder Habgier jemanden Verfolgungsmaßnahmen von tatsächlichen Straftätern und
zusammenschlägt und ausraubt oder weil ihm beispielsweise friedlichen „Gedankenverbrechern“ hat. Diese Rücken-
die Hautfarbe des Opfers nicht gefällt, es ist nicht einzuse- deckung geht so weit, daß auch die Staatsschutzkammern der

210 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2


Gerichte darin einbezogen sind, so daß politische Tribunale gemacht wurde. Bürger haben hierdurch die Möglichkeit,
gegen Straftäter, deren Verfahren politisiert werden, oder ge- sich im Bedarfsfall – so insbesondere auch bei Gewahr-
gen Unschuldige, die nichts weiter taten, als friedliche dissi- werden rechtsextremistischer Aktivitäten, Bedrohungen
dente Ansichten zu äußern, unvermeidlich sind. und Gewalttaten – über diese Hotline direkt an ihre zu-
ständige BGS-Dienststelle zu wenden. Die mit Stand Jah-
Aushöhlung der Länderhoheit resende 2001 weit über 8.000 eingegangenen Anrufe bestä-
»Unterstützung landespolizeilicher Maßnahmen durch Ein- tigen, dass der Bürger die Hotline angenommen hat. Hier-
satzkräfte des BGS von waren über 150 Anrufe ausschließlich Hinweise zu
Die wirkungsvolle Bekämpfung rechtsextremistischer, rechtsextremistischen Vorfällen, die sofortige Maßnahmen
fremdenfeindlicher und antisemitischer Straf- und Gewalt- zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Fremden-
taten erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen den feindlichkeit nach sich zogen.«
hiervon in besonderem Maße betroffenen Polizeibehörden Verbrechen können in Deutschland jederzeit kostenlos und
der Länder und dem Bund. Dementsprechend hat der Bun- sogar weit einfacher als durch Anwahl dieser „Hotline“ der
desinnenminister den Bundesländern angeboten, sie in ih- Polizei gemeldet werden: unter der Nummer 110. Wozu also
rem Kampf gegen rechte Gewalt mit BGS-Einsatzkräften zu diese extra Nummer, wenn nicht zur Meldung von Vorgän-
unterstützten. Auf Anforderung der Polizeien der Länder gen, die eben nicht unter „normalen“ Verbrechen subsumiert
werden darüber hinaus Kräfte des BGS regelmäßig anläss- werden?
lich von demonstrativen Aktionen rechter Gruppierungen Eines der ekelerregendsten Eigenschaften eines totalitären
eingesetzt. [...] Systems ist das Einbeziehen jedes Bürgers in ein ausgeklü-
Seit Beginn des Einsatzes werden zu besonders einsatzrele- geltes System von Spitzeln und Denunziationen, um Mitbür-
vanten Zeiten folgende Tätigkeiten durchgeführt: ger zu verpfeifen, die Gedankenverbrechen begangen haben,
- offene und verdeckte Aufklärung und Fahndung begehen, oder gehen wollen. Genau diesen Zustand hat
- verstärkte Streifentätigkeit im Bereich der Bahnanlagen Deutschland am 1.9.2000 erreicht, und die deutsche Bundes-
und Begleitung von Personenzügen mit Schwerpunkt Raum regierung ist offenbar auch noch stolz auf das Ergebnis.
Guben, Cottbus und Calau
- stehende Beobachtung/Postierung Ausweitung der Internet-Zensur
- offenes Einschreiten bereits im unteren Gefahren- und »Nach Angaben des BKA wurden im Jahr 2001 insgesamt
Strafbarkeitsbereich, insbesondere in Form von „Gefähr- 532 strafrechtlich relevante Sachverhalte mit Internetbezug
deransprachen“ und Identitätsfeststellungen aus dem Bereich „Politisch motivierte Kriminalität –
- Überwachung von Treffpunkten der rechten Szene auf rechts“, hiervon 312 Homepages mit rechtsextremistischen
dem Gebiet der Bahnanlagen. Inhalten erfasst und bewertet. [S. 72…]
Im ersten Halbjahr 2001 wurden hierbei rund 2.000 Identi- In Anbetracht dieser Problematik [First Amendment USA]
tätsfeststellungen und „Gefährderansprachen“ durchge- erfolgten im September vergangenen Jahres Absprachen
führt. In diesem Zeitraum wurden darüber hinaus 93 Straf- zur Intensivierung der bilateralen Zusammenarbeit zwi-
taten – hiervon 22 mit rechtsextremistischem Hintergrund schen dem Bundesinnenminister, den Präsidenten des BKA
(überwiegend § 86 a StGB – Verwendung von Kennzeichen und BfV mit Vertretern des FBI. Im Rahmen eines sich
verfassungsfeindlicher Organisationen) – angezeigt.« (S. hieran anschließenden Informationsaustausches zwischen
65f.) deutschen und US-amerikanischen Sicherheitsbehörden
Wieder ist zu erkennen, daß eine Gefahr offenbar nur von wurden im Rahmen der US-amerikanischen rechtlichen
rechts ausgeht. Dies ist ein Symptom einer Gesellschaft, die Möglichkeiten ermittlungsunterstützende Maßnahmen zur
selbst links steht und in gewaltsamer Opposition zu allem Identifizierung von unbekannten Betreibern inkriminierter
steht, was rechts eingeordnet wird: sie billigt gewaltsame deutschsprachiger Internetseiten vereinbart.
Demonstrationen gegen Rechte, den Einsatz der Staatsgewalt Auch die Zusammenarbeit mit international tätigen
gegen alles, was rechts ist. Eine Demonstration rechter Akti- Nichtregierungsorganisationen spielt für die Bundesregie-
visten per se ist keine Gefahr. Sie wird zu einer solchen in rung in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Eine
der Regel erst durch gewaltsame Gegendemonstrationen so- enge Zusammenarbeit des BfV mit den Menschenrechtsor-
wie durch staatliche Versuche, derartige Ausübungen der ganisationen „Simon Wiesenthal Center“ und „Anti-
Menschenrechte mit Staatsgewalt zu verhindern. Defamation-League“ hat beispielsweise dazu geführt, dass
Nach dem Kriege wurde die Polizei in Deutschland wieder diese auf eine vom BfV übermittelte Auflistung aller be-
föderal organisiert, um eine zentralisierte, mächtige Exekuti- kannt gewordenen rechtsextremistischen Internetseiten mit
ve wie im Dritten Reich zu verhindern, die sich als Unter- strafrechtlich relevantem Inhalt zugreifen können.
drückungsinstrument erweisen könnte. Der Bundesgrenz- Dies unterstützt die genannten Organisationen bei ihren –
schutz sollte lediglich Aufgaben wahrnehmen, die seinem zumindest teilweise erfolgreichen – Bemühungen, auf in
Namen entsprechen. Die Ausweitung des BGS zu einer Art den USA ansässige Provider einzuwirken, besonders ab-
Bundespolizei leitet nun deren Umfunktionieren in eine zen- stoßende Hetzparolen aus dem Internet zu entfernen.« (S.
trale halbmilitärische Einheit zur Kontrolle und Unterdrük- 75)
kung von Bürgern und Oppositionsgruppen ein. Der erste Zusatz zur Verfassung der Vereinigten Staaten ga-
rantiert die Redefreiheit. Man sollte meinen, daß die US-
Staatlich gefördertes Denunziantentum Behörden nicht nur stolz auf die durch ihre Verfassung ga-
»Schaltung einer BGS-Hotline rantierten Freiheiten sind, sondern auch alles unternehmen,
Seit dem 01. September 2000 hat der BGS darüber hinaus diese zu verteidigen. Wenn man allerdings den obigen Ab-
eine bundesweite Telefon-Hotline (01805/234566) geschal- satz liest, bekommt man den Eindruck, daß die US-Behörden
tet, auf die mit umfangreichen Plakataktionen aufmerksam den ersten Verfassungszusatz eher als Last denn als Segen

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 211


empfinden. Jedenfalls scheinen sie sich bereit erklärt zu ha- gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lage zu rechnen ist –
ben, die deutschen Zensoren nach Möglichkeit zu unterstüt- ganz im Gegenteil – wird man sich auf immer drakonischere
zen, um jene Unternehmen bzw. Individuen ausfindig zu ma- „demokratische“ Einschränkungen der bürgerlichen Freihei-
chen, die die deutschen Behörden gerne zensieren möchten. ten gefaßt machen müssen. Wir werden weiter berichten, so-
Die dann erwähnten, allgemein bekannten jüdischen Zensur- lange die Menschenrechte hier in den USA dies noch zulas-
Organisationen dienen dann der Bundesregierung als verlän- sen.
gerter Arm, um durch gesellschaftliche Verfolgung unlieb-
samer Gruppen und Individuen zum anvisierten Zensurziel Anmerkung
zu gelangen. 1
Bericht über die aktuellen und geplanten Maßnahmen und Aktivitäten der
Bundesregierung gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, Anti-
Fazit semitismus und Gewalt gem. Ziff. 21 des Beschlusses des Deutschen Bun-
Es geht weiter bergab mit den Menschenrechten in Deutsch- destages vom 30. März 2001 (Drs. 14/5456);
www.bmi.bund.de/downloadde/22125/Download.pdf
land. Da in absehbarer Zeit nicht mit einer Entspannung der

Der Fall Hans-Jürgen Witzsch


Zur menschenrechtswidrigen Verfolgung unbequemer Historiker in Deutschland
Von Johannes Heyne

Wie viele Historiker wurden im Dritten Reich in Gefängnisse oder Konzentrationslager gesperrt, weil sie eine An-
sicht zu historischen Themen vertraten, die den Machthabern mißfiel? Die Antwort ist wahrscheinlich: Keiner. So
mancher Historiker mag aus anderen Gründen gefährdet gewesen sein, aber wohl kaum wegen seiner fachlichen
Ansichten. Anders sieht es hingegen im freiheitlichsten Staat deutscher Geschichte aus. So mancher Historiker
wurde von dieser Gesellschaft an den Rand gedrängt, ausgegrenzt und verunglimpft. Aber bisher wurde noch kein
Akademiker mit einem Universitätsabschluß in Geschichte in den Kerker geworfen. Dies hat sich im Jahr 2002 ge-
ändert: Hans Jürgen Witzsch ist wohl der erste deutsche Historiker, der aufgrund seiner geschichtlichen Ansichten
im Nachkriegsdeutschland ins Gefängnis mußte. Dieser Beitrag legt seinen Fall dar, der wegen seiner Einzigartig-
keit eine Zäsur in der Geschichte der Menschenrechtsverletzungen durch die Bundesrepublik Deutschland darstellt.

Staatsdiener Witzsch zum ersten Mal Aufmerksamkeit, als er in einer


Hans Jürgen Witzsch wurde am 24. August 1939 in Fürth Fachkonferenz für Geschichte über Veränderungen in der
geboren. Die Familie des Vaters kommt aus Sachsen, die der Darstellung des Dritten Reiches u. a. auf den französischen
Mutter stammt aus Salzburg, von wo jene im 18. Jahrhundert Autor Paul Rassinier zu sprechen kommt. Rassinier hat auf-
wegen ihres protestantischen Bekenntnisses vertrieben wur- grund eigener Anschauung die Gaskammermorde in den
de. Nach dem Besuch des Melanchthon-Gymnasiums in deutschen Konzentrationslagern in Frage gestellt.
Nürnberg studiert H.-J. Witzsch in Erlangen und Wien Ger- Um die Jahreswende 1978/79 erscheinen in der größten fran-
manistik, Geschichte und Geographie, tritt noch als Student zösischen Tageszeitung, Le Monde,1 zwei Beiträge des fran-
der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bei zösischen Literaturprofessors Robert Faurisson, der glaub-
und beendet das Studium im Jahre 1964 mit dem Staatsex- haft darlegt, daß die angeblichen Gaskammern in Auschwitz
amen für Gymnasiallehrer. Ein Jahr später legt er noch eine aus technischen Gründen nicht zur Menschentötung gedient
Erweiterungsprüfung für Sozialkunde ab. Ab 1966 ist er an haben können. Daraufhin wird noch im Januar 1979 der ame-
verschiedenen Schulen der Stadt Nürnberg tätig. rikanische Spielfilm Holocaust im deutschen Fernsehen aus-
H.-J. Witzsch wird mehrfach zum Personalrat seines jeweili- gestrahlt, der dem Publikum die Gaskammermorde der Na-
gen Kollegiums gewählt. Ab 1971 ist er Fachbetreuer für Ge- tionalsozialisten mit filmischen Mitteln vor Augen führt, im
schichte, Sozialkunde und Politik. 1974 wird er zum Studi- deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Die Öffentlichkeit ist ver-
endirektor befördert und ist damit kurzfristig der jüngste Stu- unsichert und erregt.
diendirektor in Bayern. H.-J. Witzsch engagiert sich auch im H.-J. Witzsch gründet den Arbeitskreis für Zeitgeschichte
öffentlichen Leben, 1975 tritt er der CSU bei und ab 1978 und Politik e. V., in dem er als Vorsitzender Vorträge zur
vertritt er die CSU im Stadtrat Fürth. Zeitgeschichte und Politik entweder selbst zu Gehör bringt
oder von anderen Rednern zu Gehör bringen läßt. Kurz dar-
Dissident auf wird H.-J. Witzsch aus der GEW ausgeschlossen.
Nach Anweisung der Sieger des Zweiten Weltkrieges ver- Im nächsten Jahr veröffentlicht der Arbeitskreis ein Flugblatt
steht sich der deutsche Nachkriegsstaat BRD als positives zum 17. Juni, in dem u. a. die Frage der Gaskammermorde
Gegenbild des Dritten Reiches, dessen grundlegende Ver- an Juden angesprochen wird.
werflichkeit in der behaupteten Ermordung von sechs Millio- Ab 1981 betreibt H.-J. Witzsch im Staatsarchiv Nürnberg ei-
nen Juden vornehmlich in den Gaskammern der deutschen gene Forschungsarbeiten zur Zeitgeschichte. Seine Schwer-
Konzentrationslager gipfelt. Im Jahre 1977 erlangte H.-J. punkte sind die Themen: Fremdarbeiter im Dritten Reich2

212 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2


und der Pohl-Prozeß, ein Nachfolgeprozeß des Nürnberger § 189 Abs. 1 StGB
Internationalen Militärtribunals (IMT), der sich mit der SS Wer das Andenken eines Verstorbenen verunglimpft, wird
und den Konzentrationslagern beschäftigt. mit Gefängnis bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe be-
Die Nürnberger Schulbehörde eröffnet gegen H.-J. Witzsch straft.
ein Disziplinarverfahren wegen Verharmlosung, bzw. Recht- § 189 gilt in dieser Form bis heute. Er wird jedoch kaum
fertigung des Dritten Reiches. Er wird mit gekürztem Gehalt mehr zur Ehrenrettung unserer Ahnen angewendet, sondern
für siebeneinhalb Jahre vom Dienst suspendiert. mehrheitlich zum Ehrenschutz jüdischer Opfer des national-
1982 wird er wegen Verstoßes gegen das christliche Men- sozialistischen Unrechtsregimes.
schenbild aus der CSU ausgeschlossen. Damit endet seine Das Delikt der Verunglimpfung ist Antragsdelikt. Nach § 194
Mitgliedschaft als CSU-Vertreter im Stadtrat Fürth, dem er Abs. 2 StGB muß von den Nachkommen des Verunglimpften
als Vertreter einer Freien Wählergruppe jedoch noch für wei- ein Strafantrag gestellt werden. Dieses Antragsrecht wird
tere zwei Jahre zugehört. nach 1945 folgendermaßen ergänzt: Sind keine Nachkommen
Ab 1988 darf H.-J. Witzsch, vom Studiendirektor zum Ober- vorhanden, wird die Verunglimpfung von Opfern einer Ge-
studienrat herabgestuft, wieder unterrichten. walt- und Willkürherrschaft zum Offizialdelikt erklärt, d. h.,
der Staat ist berechtigt, den Strafantrag zu stellen:
Die Gesetzeslage Ȥ 194 Abs. 2 StGB
Um die Verfolgung H.-J. Witzschs durch die deutsche Justiz Ist das Andenken eines Verstorbenen verunglimpft, so steht
zu verstehen, empfiehlt es sich, den beiden ersten Verurtei- das Antragsrecht den in § 77 Abs. 2 bezeichneten Angehö-
lungen eine Darlegung der jeweiligen Gesetzeslage voraus- rigen zu. Hat der Verstorbene keine Angehörigen hinter-
zuschicken. lassen oder sind sie vor Ablauf der Antragsfrist gestorben,
so ist kein Antrag erforderlich, wenn der Verstorbene sein
GESETZESLAGE BIS 1985 Leben als Opfer einer Gewalt- und Willkürherrschaft ver-
Die dem deutschen Nachkriegsstaat unabdingbaren sechs loren hat und die Verunglimpfung damit zusammenhängt.«
Millionen Opfer der Gaskammermorde in den Konzentrati- Ȥ 77 Abs. 2 StGB
onslagern des Ostens werden durch Strafgesetze geschützt: Stirbt der Verletzte, so geht sein Antragsrecht in den Fäl-
Das Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich von 1871 kennt len, die das Gesetz bestimmt, auf den Ehegatten und die
keine Beleidigung von Verstorbenen, da nach damaliger Auf- Kinder über. Hat der Verletzte weder einen Ehegatten noch
fassung Verstorbene keine Ehre hatten. In § 189 StGB wird Kinder hinterlassen oder sind sie vor Ablauf der Antrags-
die Verleumdung eines Verstorbenen nur geahndet unter dem frist gestorben, so geht das Antragsrecht auf die Eltern
Gesichtspunkt der Verletzung der Ehre und des Pietätsge- und, wenn auch sie vor Ablauf der Antragsfrist gestorben
fühls der hinterbliebenen Familie.3 sind, auf die Geschwister und die Enkel über. Ist ein Ange-
Im Dritten Reich kommt man aufgrund der damaligen Ah- höriger an der Tat beteiligt oder ist seine Verwandtschaft
nenverehrung zu der Überzeugung, daß auch der Verstorbene erloschen, so scheidet er bei dem Übergang des Antrags-
eine eigene Ehre habe, und am 29.5.1943 wird § 189 in die- rechts aus. Das Antragsrecht geht nicht über, wenn die
sem Sinne neu formuliert:4 Verfolgung dem erklärten Willen des Verletzten wider-
spricht.«
Angriffe auf die Opfer der Gaskammermorde
beleidigen nicht nur geopferte, sondern auch
nicht geopferte, d.h., noch lebende Juden,
welche an der Opferwürde ihrer ermordeten
Stammesgenossen Anteil zu haben berechtigt
sind. Hier greifen die §§ 185, 186 StGB, die
noch von 1871 stammen:
§ 185 StGB
Die Beleidigung wird mit Freiheitsstrafe
bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und,
wenn die Beleidigung mittels einer Tätlich-
keit begangen wird, mit Freiheitsstrafe bis
zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
§ 186 StGB
Wer in Beziehung auf einen anderen eine
Tatsache behauptet oder verbreitet, welche
denselben verächtlich zu machen oder in
der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen
geeignet ist, wird, wenn nicht diese Tatsa-
che erweislich wahr ist, mit Freiheitsstrafe
bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und,
wenn die Tat öffentlich oder durch Verbrei-
ten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen
1994 überreichte der Vorsitzender des Arbeitskreis für Zeitgeschichte und Po-
ist, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren
litik e.V., Hans-Jürgen Witzsch, Germar Rudolf den »Ehrenpreis für herausra- oder mit Geldstrafe bestraft.
gende Leistungen auf zeitgeschichtlichem Gebiet« für dessen »Gutachten Auch Beleidigungen sind Antragsdelikte:
über die Bildung und Nachweisbarkeit von „Gaskammern“ von Auschwitz«. § 194 Abs. 1

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 213


Die Beleidigung wird nur auf Antrag verfolgt. Stirbt der schlachten, was aufgrund der fortschreitenden Erfolge der
Verletzte, so geht das Antragsrecht nach § 77 Abs. 2 auf revisionistischen Forschung als Mangel empfunden wird. Ei-
die Angehörigen über. ne Änderung des Antragsrechtes wird gefordert. Am 25.
Für den Fall, daß verstorbene oder lebende Juden in der Öf- April 1985 verabschiedet der Deutsche Bundestag daher das
fentlichkeit verunglimpft oder beleidigt sind, wird in den 21. Strafrechtsänderungsgesetz.9 Geändert wird § 194 Abs. 1,
60iger Jahren der von 1871 stammende Straftatbestand An- 2 StGB in dem Sinne, daß öffentliche Beleidigungen von Op-
reizung zum Klassenkampf storniert und dafür ein neuer fern der NS-Gewaltherrschaft zum Offizialdelikt erhoben
Straftatbestand geschaffen: Volksverhetzung. werden. Nicht öffentliche Beleidigungen der Opfer werden
Der ursprüngliche § 130 StGB weiterhin nur auf Antrag verfolgt.
Wer in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise § 194 Abs. 1, 2 StGB
verschiedene Klassen der Bevölkerung zu Gewalttätigkei- (1) Die Beleidigung wird nur auf Antrag verfolgt. Ist die
ten gegeneinander öffentlich anreizt, wird mit Geldstrafe Tat durch Verbreiten oder öffentliches Zugänglichmachen
oder mit Gefängnis bis zu zwei Jahre bestraft. einer Schrift (§ 11 Abs. 3), in einer Versammlung oder
bekommt eine neue Form: durch eine Darbietung im Rundfunk begangen, so ist ein
§130 StGB Antrag nicht erforderlich, wenn der Verletzte als Angehö-
Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frie- riger einer Gruppe unter der nationalsozialistischen oder
den zu stören, die Menschenwürde anderer dadurch an- einer anderen Gewalt- und Willkürherrschaft verfolgt wur-
greift, daß er de, diese Gruppe Teil der Bevölkerung ist und die Beleidi-
1. zum Haß gegen Teile der Bevölkerung aufstachelt, gung mit dieser Verfolgung zusammenhängt. Die Tat kann
2. zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen sie auffor- jedoch nicht von Amts wegen verfolgt werden, wenn der
dert oder Verletzte widerspricht. Der Widerspruch kann nicht zu-
3. sie beschimpft, böswillig verächtlich macht oder ver- rückgenommen werden. Stirbt der Verletzte, so gehen das
leumdet, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis fünf Antragsrecht und das Widerspruchsrecht auf die in § 77
Jahren bestraft. Abs. 2 bezeichneten Angehörigen über.
Die Volksverhetzung ist ein Offizialdelikt. Um einer Diskus- (2) Ist das Andenken eines Verstorbenen verunglimpft, so
sion über die Tatsächlichkeit der Judenmorde durch Gas- steht das Antragsrecht den in § 77 Abs. 2 bezeichneten An-
kammern vor Gericht aus dem Wege zu gehen, hält man sich gehörigen zu. Ist die Tat durch Verbreiten oder öffentliches
an das Vorbild des Internationalen Militärtribunals (IMT) Zugänglichmachen einer Schrift (§ 11 Abs. 3), in einer
von Nürnberg, welches die deutschen Verbrechen der Be- Versammlung oder durch eine Darbietung im Rundfunk
weispflicht enthoben hatte:5 Die Judenmorde werden in ver- begangen, so ist ein Antrag nicht erforderlich, wenn der
schiedenen Gerichtsurteilen zur offenkundigen Tatsache er- Verstorbene sein Leben als Opfer der nationalsozialisti-
klärt6 und brauchen nach § 244 StPO7 vor Gericht nicht mehr schen oder einer anderen Gewalt- und Willkürherrschaft
bewiesen zu werden. verloren hat und die Verunglimpfung damit zusammen-
Damit ist jedoch die Frage nicht geklärt, ob schon das allei- hängt. Die Tat kann jedoch nicht von Amts wegen verfolgt
nige Hinterfragen oder Abstreiten der Gaskammermorde an werden, wenn ein Antragsberechtigter der Verfolgung wi-
Juden einer Verunglimpfung der Opfer oder Beleidigung der derspricht. Der Widerspruch kann nicht zurückgenommen
Lebenden gleichkomme. Im Holocaust-Jahr 1979 wird die werden.
Frage durch den Bundesgerichtshof bejaht:8
»Die historische Tatsache selbst, daß Menschen nach den Verfolgung, erster Teil
Abstammungskriterien der sog. Nürnberger Gesetze ausge- Der Arbeitskreis für Zeitgeschichte und Politik e. V. hatte
sondert und mit dem Ziel der Ausrottung ihrer Individuali- sich mit einer Stellungnahme zu der geplanten Gesetzesände-
tät beraubt wurden, weist den in der Bundesrepublik le- rung an den grünen Bundestagsabgeordneten Schily gewandt.
benden Juden ein besonderes personales Verhältnis zu ih- Schily ist so fair, keine Anzeige zu erstatten, nimmt sich je-
ren Mitbürgern zu; in diesem Verhältnis ist das Geschehe- doch die Freiheit, die Stellungnahme rhetorisch zu verarbei-
ne auch heute gegenwärtig. Es gehört zu ihrem personalen ten: Als am 14.3.1985 die Gesetzesänderung im Bundestag
Selbstverständnis, als zugehörig zu einer durch das Schick- diskutiert wird, äußert sich Schily wie folgt:10
sal herausgehobenen Personengruppe begriffen zu werden, »[…] was soll ein Gesetz bewirken, wenn ich gestern durch
der gegenüber eine besondere moralische Verantwortung eine Zuschrift von der Existenz eines Vereins erfahre, der
aller anderen besteht, und das Teil ihrer Würde ist. Die sich Arbeitskreis für Zeitgeschichte und Politik nennt, des-
Achtung dieses Selbstverständnisses ist für jeden von ihnen sen Vorstand Mitglieder mehrerer Bundestagsparteien so-
geradezu eine der Garantien gegen eine Wiederholung sol- wie Vertreter von Vertriebenenverbänden angehören sollen
cher Diskriminierung und eine Grundbedingung für ihr und der mir eine Resolution übersandte, in der es zu dem
Leben in der Bundesrepublik. Wer jene Vorgänge zu leug- SPD-Gesetzesentwurf u. a. folgendermaßen heißt:
nen versucht, spricht jedem einzelnen von ihnen diese per- „Die Antragsteller wollen eine Verabschiedung des
sönliche Geltung ab, auf die sie Anspruch haben. Für den Gesetzes durch den Bundestag, obwohl bis heute kein
Betroffenen bedeutet das die Fortsetzung der Diskriminie- wissenschaftliches Werk vorgelegt werden konnte, in
rung der Menschengruppe, der er zugehört und mit ihr sei- dem unter Auswertung aller zugänglichen Quellen
ner eigenen Person.« und Dokumente schlüssig ein millionenfacher Mord
an Juden in der NS-Zeit nachgewiesen wurde.“
DIE STRAFRECHTSÄNDERUNG VON 1985 (Hört! Hört! Bei der SPD – Dr. Emmerlich (SPD): Un-
Da Beleidigung und Verunglimpfung jedoch Antragsdelikte glaublich!)
sind, Anträge oft unterbleiben oder nicht fristgemäß gestellt Wenn es stimmt, daß Mitglieder aus Bundestagsparteien
werden, läßt sich der Paragraph nicht genügend politisch aus- solche Verlautbarungen unterstützen, dann ist es wohl an

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der Zeit, daß wir erst einmal hier vor der eigenen Tür keh- heute noch vertreten, nirgends einer Sachdiskussion mit
ren. den Vertretern des sog. Revisionismus stellen, da ihnen of-
(Beifall bei den Grünen, der SPD und Abgeordneten der fenkundig jegliches Sachargument fehlt.
FDP)« Ehe wieder in solcher Form im Bayerischen Rundfunk in
Am 13. Januar 1993 sendet der Bayerische Rundfunk im Nachrichten oder sonstigen Sendungen berichtet wird, soll-
Bayernmagazin einen Beitrag zum Prozeß gegen den engli- ten sich die Verantwortlichen erst einmal mit den ermittel-
schen Historiker David Irving, welcher aufgrund der revisio- ten Forschungsergebnissen auseinandersetzen. Es ist uner-
nistischen Forschung die offizielle Version der Judenmorde träglich, daß jeder - selbst Ausländer und Juden - welcher
in Zweifel gezogen hatte. In einem Brief an die Rundfunkan- den Gaskammermord aufgrund der gegebenen Beweislage
stalt bezieht H.-J. Witzsch am 18.1.993 Stellung wie folgt: entschieden bestreitet, als rechtsextrem oder neonazistisch
»Bayerischer Rundfunk verleumdet wird und öffentlicher Ehrabschneidung ausge-
Rundfunkplatz 1 setzt ist.
8 München 2 Wenn die deutsche Justiz weiterhin an das Gaskammer-
dogma glaubt und Gaskammern als „offenkundige Tatsa-
Betr: Bayernmagazin vom 13.1.1993 che“ bezeichnet, ohne je dieses Problem in einem Sachgut-
achten untersucht zu haben, bzw. zuzugeben, daß bislang
Sehr geehrte Damen und Herren,
keine Sachbeweise vorgelegt werden konnten, dann erin-
Im Bayernmagazin wurde am 13. 1. über einen Prozeß, der nert dieses Verhalten an das Hexendogma der mittelalter-
gegen Irving in München geführt wurde, berichtet. Regina lichen Justiz. Wenn Historiker wie Irving in dieser herab-
Flanderl führte als Sprecherin aus, Irving sei ein rechtsex- setzenden Weise verächtlich gemacht werden, dann beweist
tremer Historiker, ein Guru der Rechten, er bestreite die dies, daß Medien, Politik und Justiz dem Artikel 1 unseres
Existenz von Konzentrationslagern und GG über die Menschenwürde wenig
von Gaskammern in Auschwitz. Bedeutung beimessen.
Es bleibt unerfindlich, warum die Spre- Diesem Personenkreis, u. a. im Bayeri-
cherin in dieser dümmlichen Art über schen Rundfunk, sei eine Warnung von
Irving berichtete, den sie noch als Prof. Erdmann von 1986 zum Nach-
rechtsextrem verleumdet, obwohl des- denken und zur Überprüfung ihrer bis-
sen Verdienste als Historiker, nament- herigen Haltung ans Herz gelegt:
lich bei der Ermittlung von Primär- „Wer auf dem Felde unseres - gewiß
quellen und Aufdeckung von Ge- hochsensiblen - Verhältnisses zur NS-
schichtsfälschungen, selbst von vielen Vergangenheit bestimmte Überlegun-
seiner Gegner unter den Historikern gen von vornherein tabuisieren oder
anerkannt werden, u. a. durch den frü- verbieten und Zuwiderhandelnde ver-
heren führenden englischen Historiker leumden und sie der öffentlichen Ver-
Prof. Taylor. Die Behauptung der achtung aussetzen will, begeht damit
Sprecherin, Irving habe die Existenz nicht nur einen fatalen Anschlag auf
von Konzentrationslagern bestritten, den Geist der Wissenschaft, sondern
ist eine Lüge; Irving hat derartigen schadet auch der politischen Kultur in
Unsinn nie gesagt. Richtig ist, daß er unserem Lande.“ […]«
die Behauptung, es habe in Auschwitz - Der Bayerische Rundfunk sieht keine
oder anderswo in der NS-Zeit - Gas- Notwendigkeit einer sachlichen Ausein-
Arno Siegfried Hamburger
kammern zum Zweck der Menschen- andersetzung. Ein Mitarbeiter der Anstalt
vernichtung gegeben, aufgrund der Forschungslage be- stellt das Schreiben der Staatsanwaltschaft der Stadt Nürn-
streitet. berg zu. Der Intendant des Bayerischen Rundfunks entschul-
Ich bin ausgebildeter Historiker und habe seit über zehn digt sich zwar später dafür bei H.-J. Witzsch, was aber den
Jahren im Staatsarchiv die Dokumente und sonstigen Be- weiteren Verlauf des Geschehens nicht mehr beeinflussen
weismittel, u. a. aus dem gesamten Pohl-Prozeß durchge- kann.
arbeitet und ausgewertet. Danach steht für mich wie für Die Staatsanwaltschaft Nürnberg fühlt sich in der Pflicht, das
viele andere Historiker außerhalb jedes vernünftigen Zwei- Schreiben, welches ein Opfer der nationalsozialistischen
fels fest, daß die Behauptung von Gaskammern in der NS- Gewalt- und Willkürherrschaft verunglimpfendes Bestreiten
Zeit als Vernichtungseinrichtungen eine Erfindung der der Gaskammermorde enthält, zur Anzeige zu bringen. Da
Kriegs-Greuelpropaganda ist, für die es keinerlei Sachbe- das Schreiben jedoch nicht öffentlich ist, sondern in der Form
weise gibt. Es ist bislang in der Geschichte Deutschlands eines Privatbriefes abgefaßt, kann es von der Staatsanwalt-
ein einmaliger Vorgang, daß eine bestimmte Geschichts- schaft nicht zur Anzeige gebracht werden. Ein Anzeigebe-
darstellung in irgendeiner Frage amtlich vorgeschrieben rechtigter, der unter seinen Vorfahren Opfer der nationalso-
werden soll, was nicht einmal in der NS-Zeit vorgekommen zialistischen Gewalt- und Willkürherrschaft aufweisen kann
ist. und diese durch das Bestreiten der Gaskammermorde als
Es ist bezeichnend, daß dieser heutige an totalitäre Staaten verunglimpfend empfindet, muß gefunden werden.
erinnernde Zustand von sonst so kritischen Journalisten Dieser wird gefunden in Gestalt des Ersten Vorsitzenden der
der Rundfunk- und Fernsehsender widerspruchslos hinge- Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, Herrn Arno Sieg-
nommen und nirgends als eines Rechtsstaates unwürdig fried Hamburger.
angeprangert wird. Bezeichnend ist ferner die Tatsache, Herr Hamburger, geb. am 15.2.1923 in Nürnberg, ist Sproß
daß sich die Historiker, die einen solchen Gaskammermord einer Mischehe. Sein Vater Adolf Hamburger ist Jude, seine

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Mutter ist Christin, vermutlich Nichtjüdin. Während die El- Das Fundament der BRD erscheint erschüttert.13 Von den
tern bis Kriegsende unangefochten in Nürnberg verbleiben verschiedensten Stellen wird darauf gedrungen, § 130 StGB
und hierselbst eines natürlichen Todes sterben, werden nach in dem Sinne zu ändern, daß das öffentliche Hinterfragen der
Angaben Herrn Hamburgers die Großeltern Berta und Samu- Gaskammermorde an Juden vollinhaltlich den Straftatbestand
el Hamburger nach Sobibor deportiert, wo sie durch national- der Volksverhetzung erfülle.
sozialistische Gewaltmaßnahmen umkommen. Arno Sieg- Am 28. 10. 1994 wird daraufhin im Bundestag die Änderung
fried wird von seinen Eltern 1939 zunächst nach Palästina, von § 130 Abs. 3 StGB beschlossen.14 Am 1.12.1994 tritt die
dann nach England verbracht und dient ab 1941 in der engli- Änderung in Kraft. § 130 Abs. 3 heißt nun wie folgt:
schen Armee. Nach Kriegsende kehrt er nach Nürnberg zu- »Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe
rück und nimmt als Dolmetscher und Übersetzer an den wird bestraft, wer eine unter der Herrschaft des National-
Nürnberger Nachfolgeprozessen teil. sozialismus begangene Handlung der in § 220a Abs. 1
Seit 1972 vertritt A. Siegfried Hamburger die SPD im Nürn- [=Völkermord] bezeichneten Art, die geeignet ist, den öf-
berger Stadtrat, ist Mitglied im Ältestenrat und arbeitet in fentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Ver-
mehreren Ausschüssen. Überdies ist er Erster Vorsitzender sammlung billigt, leugnet oder verharmlost.«
der dortigen Israelitischen Kultusgemeinde.
Herr Hamburger ist also anzeigeberechtigter Nachkomme Verfolgung zweiter Teil
von Opfern nationalsozialistischer Gewalt- und Willkürherr- Unbeeindruckt von dem noch laufenden Verfahren gegen ihn
schaft. Damit steht ihm zweierlei zu: Zum einen ist er berech- protestiert der Vorsitzende des Arbeitskreises für Zeitge-
tigt, durch jedwedes Bestreiten von Gaskammermorden an schichte und Politik e. V. im September 1994 gegen die da-
Juden seine Großeltern als verunglimpft zu empfinden, auch, mals noch nicht verabschiedete Strafrechtsänderung. Er
wenn diese nicht namentlich genannt sind, zum andern kann schreibt an den SPD-Abgeordneten des bayerischen Landta-
er jeden ihm zur Kenntnis gebrachten Privatbrief derartigen ges Peter Paul Gantzer:
Inhalts, auch wenn dieser nicht an ihn gerichtet ist, zur An- »Fürth 17. 09. 1994
zeige bringen.
Stellungnahme zum geplanten Gesetz zur Zeitgeschichte
Herrn Hamburger ist H.-J. Witzsch wohlbekannt. Schon di-
verse Male hat der Erste Vorsitzende der Israelitischen Kul- Die Mitglieder des Arbeitskreises für Zeitgeschichte und
tusgemeine versucht, den widerspenstigen Pädagogen zu Fall Politik protestieren gegen das vom Bundestag geplante und
zu bringen. Bisher vergeblich. Diesmal gelingt es. in der ersten Lesung bereits verabschiedete antidemokrati-
H.-J. Witzsch wird beim Amtsgericht Fürth wegen Verstoß sche Sondergesetz zur Zeitgeschichte in Fortsetzung des
gegen § 189 StGB angeklagt und am 25.2.1994 zu 5000,- 21. Strafrechtsänderungsgesetzes von 1985. […]
DM Geldstrafe verurteilt.11 Die »Leugnung der Gaskammer- Das Gesetz – unvereinbar mit den von der EU und der
morde« erfülle den Straftatbestand der Verunglimpfung ver- UNO garantierten Menschenrechten – ist ein eindeutiger
storbener Juden. Verstoß gegen die gültige Verfassung, da es in einem Teil-
H.-J. Witzsch geht in die Berufung. In einem zweiten Verfah- bereich Art. 5 Abs. 1 und 3 aufhebt in klarem Widerspruch
ren am Landgericht Nürnberg-Fürth stellt Richter Klaus zu Art. 19 Abs. 2 GG und damit auch ungewollt demokra-
Kriegel zwar fest, daß der Angeklagte »sich erkennbar um tiefeindlichen Kreisen eine Handhabe zu Gewaltaktionen
die Erforschung der Wahrheit bemüht« habe, bestätigt aber unter Bezug auf Art. 20 Abs. 4 liefert. Es ist erschütternd,
dennoch das Urteil des Fürther Amtsgerichts. Für diese Fest- daß sich die politischen Parteien des Bundestags bis auf
stellung wird dem Richter später vom Ersten Vorsitzenden wenige Einzelabgeordnete so weit vom rechtsstaatlichen
der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg eine öffentliche Denken entfernt und einem antidemokratischen Ungeist
Rüge erteilt. Das Urteil ist seit dem 21.2.1995 rechtskräftig. Tür und Tor geöffnet haben auf Drängen von Bubis und
Zwischenzeitlich ist ein zweites Disziplinarverfahren gegen Friedmann, die mit ihren ungezügelten Angriffen auf Urtei-
H.-J. Witzsch durchgeführt worden. Noch im Jahre 1994 le des BGH und gegen angesehene Wissenschaftler sich öf-
wird er erneut vom Schuldienst suspendiert. fentlich disqualifizierten.
Der Kerngedanke der Demokratie – siehe Lüth-Urteil des
Die Gesetzesänderung von 1994 BVG – eines ungehinderten freien Austausches von Mei-
Durch das Verfahren gegen Günter Deckert sind die Gas- nungen wird hier aufgegeben und einer Entwicklung Raum
kammermorde wieder Gegenstand erhöhter öffentlicher Auf- gegeben, an deren Ende die perverse Situation stehen
merksamkeit. Günter Deckert ist in Mannheim wegen Ver- kann, daß demokratisch gewählte Abgeordnete geschichtli-
breitung des Leuchter-Gutachtens, d. h., wegen Bestreitens che Wahrheit zum Schaden der deutschen Nation unter-
der Gaskammermorde in Auschwitz nach § 130 der Volks- drücken, um die Aufrechterhaltung von Geschichtslügen
verhetzung beschuldigt worden. Das Mannheimer Urteil wird mit den Mitteln der Staatsgewalt zu erzwingen.
dem Bundesgerichtshof (BGH) vorgelegt. Dieser entscheidet Es ist bezeichnend für den Zustand der Diskussion unter
am 15.3.1994 jedoch, den Abgeordneten, daß sich keiner von ihnen in den jewei-
daß das bloße Bestreiten der Gaskammermorde den Tatbe- ligen Debatten von 1984, 1985 und 1994 darauf berufen
stand der Volksverhetzung nicht erfüllt:12 hat, als Historiker oder interessierter Laie die unterschied-
»Auch der Gesetzgeber ist bei der Neuregelung des […] § lichen Beweismittel der Orthodoxen für und der Revisioni-
194 StGB durch das 21. Strafrechtsänderungsgesetz, die sten gegen die sog. Gaskammern sorgfältig geprüft zu ha-
dem Leugnen des unter der Herrschaft des Nationalsozia- ben. Können oder wollen sie nicht erkennen die totalitäre
lismus begangenen Unrechts strafrechtlich begegnen soll Gesinnung, die aus diesem Gesetz in erschreckender Weise
[…], davon ausgegangen, daß das bloße Bestreiten der sy- spricht?
stematischen Tötung von Juden nicht den Tatbestand des § Allein die Zahlen[de]flation der Auschwitzopfer, die sich in
130 StGB erfüllt.« den letzten beiden Jahren von über 4 Millionen auf jetzt 80

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000 verringert haben, sollten auch den geschichtlich nicht zur Kasse gebeten wird“ und doch schon soviel bezahlt
informierten Volksvertretern die Fragwürdigkeit dieses hat.
Gesetzesvorhabens vor Augen geführt haben. Diese Kritiker müssen wissen: Hitler-Deutschland hat die-
Bis heute scheint auch kein Abgeordneter daran Anstoß sen Menschen und den Nachbarstaaten viel mehr geraubt,
genommen zu haben, daß noch nicht einmal ein Gutachten als es je bezahlt hat und bezahlen wird.
der Justiz zur Tatwaffe der sog. Gaskammern erstellt wor- Deutschland lebt vom guten Willen der Welt, denn es will
den ist, was allein schon die Behauptung der angeblichen in die Welt exportieren. Unsere Banken wollen mit der
Offenkundigkeit ad absurdum führt. Die mit selektiver Mo- Welt und in der Welt handeln. Dafür brauchen sie dieses
ral entscheidenden Abgeordneten haben noch nicht einmal Abkommen.
die naturwissenschaftlichen Gutachten von Leuchter, aus Es sichert Arbeitsplätze – und ist moralisch. Was will man
Krakau, von Lüftl und insbesondere von Germar Rudolf mehr?«
zur Kenntnis genommen, deren Ergebnisse im Widerspruch Am 30.9. des gleichen Jahres deckt Prof. Wolffsohn in der
zum heutigen Geschichtsbild stehen. Es sei beispielhaft für Nr. 40 der Neuen Revue die »Sieben ewigen Nazi-Lügen«
vieles darauf hingewiesen, daß verschiedene chemische auf. Es werden nachfolgende die drei von den sieben Nazi-
Analysen von Auschwitz ergeben haben, daß sich in den Lügen zitiert, auf die H.-J. Witzsch in seinem Brief einging:
sog. Gaskammern keine Rückstände von Zyaniden aus Zy- »DIE SIEBEN EWIGEN NAZI-LÜGEN
klon B finden ließen, die dort hätten gefunden werden müs- Die Nationalsozialisten haben im Dritten Reich überhaupt
sen, während sie in hoher Dosis in den Entlausungskam- keine Juden umgebracht.
mern für Wäsche – naturwissenschaftlichen Gesetzen ent- Tatsache: Neue wissenschaftliche Ergebnisse zeigen: Die
sprechend – festzustellen waren. Nationalsozialisten haben mehr als 6 Millionen europäi-
Warum haben Abgeordnete nicht den Mut, solche funda- sche Juden ermordet. Es sind allein mehr als 4,5 Millionen
mentalen Zweifel am bisherigen Geschichtsbild unvorein- ermordete Juden namentlich bekannt.
genommen überprüfen zu lassen, ehe sie ein übereiltes und Hitler hat vom Judenmord nichts gewußt. Wenn er es ge-
mit rechtsstaatlichem Denken unvereinbares Gesetz be- wußt hätte, hätte er ihn verhindert.
schließen?« Tatsache: Hitler wollte den Judenmord. Er befahl ihn und
Am 6.2.1995, als die Strafrechtsänderung schon verabschie- wußte natürlich davon. Er hat ihn zwar nicht schriftlich[!],
det ist, geht das gleiche Schreiben an die Adresse des Baden- wohl aber mehrfach mündlich nachweislich befohlen. Von
Württembergischen Justizministers Thomas Schäuble. oben und den NS-Aktivisten von unten wurde der Juden-
Keiner der Briefempfänger hat die geforderte Courage. Die mord gewollt und organisiert.
beiden gleichlautenden Schreiben nehmen den schon bewähr- Die Juden sind schuld am Kommunismus. Als Kapitalisten
ten Weg zur Staatsanwaltschaft Nürnberg, von dort zu A. haben sie ihn finanziert.
Siegfried Hamburger, von dort in Form einer Anzeige zum Tatsache: Das ist Unsinn. Es gab Juden, die Kommunisten
Gericht. waren, aber das waren die wenigsten. Außerdem waren
Am 27.2.1996 wird H.-J. Witzsch mit vom Amtsgericht weder Lenin noch Stalin Juden. Genauso wenig sind die
Fürth wiederum wegen Verunglimpfung Verstorbener verur- Juden am Kapitalismus schuld. Es gab und gibt jüdische
teilt, diesmal zu 4 Monaten Freiheitsstrafe auf drei Jahre Be- (und nichtjüdische), anständige und weniger anständige.
währung und zur Zahlung von 1500,- DM.15 Das Urteil ist Das ist keine Frage der Religion oder der Herkunft.«
nach Ausschöpfung des Rechtsweges seit 1.8.1997 rechts- Der Vorsitzende des Arbeitskreises für Zeitgeschichte und
kräftig. Politik e. V. nimmt zu den Artikeln Prof. Wolffsohns in ei-
nem weiteren Brief an diesen Stellung:
Verfolgung, dritter Teil »3.12.1999
Trotz der zweimaligen Verurteilung beobachtet der Arbeits- Bundeswehrhochschule München
kreis für Zeitgeschichte und Politik e. V. weiterhin das Zeit- z. Hd. Herrn Professor Dr. Michael Wolffsohn
geschehen mit kritischer Aufmerksamkeit. Dabei kommen Werner-Heisenberg-Weg 39
Ignaz Bubis und der jüdische Professor an der Bundeswehr- 85579 Neubiberg
hochschule in Neubiberg bei München, Prof. Dr. Michael
Sehr geehrter Herr Professor Wolffsohn!
Wolffsohn, ins Visier. H.-J. Witzsch wendet sich zunächst
brieflich an Ignaz Bubis mit Fragen zu den Judenmorden. Lange Zeit schienen Sie einer der wenigen in der Öffent-
Herr Bubis nimmt das Schreiben ernst und richtet an den lichkeit Deutschlands wirkenden Juden zu sein, die für ein
Briefschreiber ein dreiseitiges Antwortschreiben. Prof. offenes und unvoreingenommenes Miteinander von Deut-
Wolffsohn hingegen beantwortet keines der von H.-J- schen und Juden eingetreten sind. Dies änderte sich
Witzsch an ihn gerichteten Schreiben. schlagartig, als Sie am 24. 01. 1995 in der FAZ u. a. zur
Am 17.2.1999 meldet sich Prof. Wolffsohn in BILD zum Befreiung von Auschwitz politische und historische Ansich-
Thema Entschädigung der Zwangsarbeiter im Dritten Reich ten äußerten, die sachlich nicht nachvollziehbar waren.
zu Wort: War es schon verwunderlich, daß Sie sich bei Ihrer bishe-
»NS-Entschädigung, Nicht zuviel rigen Einstellung nicht zu dem Sondergesetz für Zeitge-
Endlich! Alle noch lebenden Opfer des teuflischen NS- schichte mit Widerspruch zu Wort gemeldet hatten, ob-
Regimes bekommen Entschädigung. Spät genug, aber bes- schon dadurch nicht nur ein Verfassungsbruch begangen
ser spät als gar nicht. wurde, sondern auch eine sachliche Klärung offener Fra-
Moralisch ist das Unrecht ohnehin nicht gutzumachen. gen zur NS-Judenverfolgung nicht mehr möglich war, so
Diesen Menschen hat Deutschland das Leben zerstört, haben Sie in der Folgezeit gezeigt, der Linie des herr-
auch, wenn sie überlebt haben. schenden Zeitgeistes folgen zu wollen. Über die Gründe für
Gewiß werden manche denken, daß Deutschland „wieder Ihren Sinneswandel wollen wir nicht spekulieren.

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 2 217


Doch sollten falsche und historisch unhaltbare Behauptun- dem Krieg haben Zehntausende auch völlig unbelasteter
gen aus Ihrer Feder nicht unwidersprochen bleiben, was NS-Funktionsträger in eidesstattlichen Erklärungen oder
wir an zwei Beispielen belegen wollen. So meinten Sie zur in beeideten Aussagen vor Gericht versichert, bis Kriegs-
NS-Entschädigung im BILD v. 17. 02. 1999 u. a.: […Es ende nichts von einem Judenmord gewußt zu haben. Keiner
folgt der Text des Bild-Artikels.] der in Nürnberg angeklagten Spitzenvertreter der deut-
Zunächst verwundert, wenn ein Historiker, der sich eigent- schen Reichsregierung hat bekannt, etwas von einem mas-
lich durch sachliches Abwägen auszeichnen sollte, das Ad- senhaften Judenmord gewußt zu haben. Auch nicht in den
jektiv teuflisch für ein von ihm abgelehntes System wählt. Schlußworten unter dem Galgen.
War die damalige Reichsregierung in ihrem politischen Zu 3.
Handeln schrecklicher als ihre Gegner, sofern wir nicht eo Dürfen wir Sie an das erinnern – über die Erfinder der
ipso dem Sieger zubilligen, stets das Recht auf seiner Seite marxistischen-kommunistischen Theorie wollen wir gar
zu haben? nicht reden –, was am 24. Mai 1990 Arno Lustiger in der
Von den hier in Frage stehenden historischen Tatsachen Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung geschrieben hat:
scheinen Sie keinerlei Kenntnisse zu haben. Sonst müßte „Nicht zu unrecht identifizierte man den Bolschewismus
Ihnen bekannt sein, daß die ausländischen Fremdarbeiter mit den Juden. Drei von fünf Mitgliedern des Komitees zur
aus den besetzten Gebieten im Deutschen Reich in Entloh- revolutionären Verteidigung Petrograds waren Juden:
nung, Unterbringung, Verpflegung, sozialer und medizini- Uritzkij, Goldstein und Drabkin, Vorsitzender der Sowjets
scher Betreuung usw. den deutschen Arbeitskräften gleich- dort war Trotzki, später Sinowjew und Uritzkij, alles Ju-
gestellt waren. den. […] Von den acht Mitgliedern des revolutionären
Die Lebensverhältnisse für die Fremdarbeiter waren in Kriegsrates der Republik sind fünf Juden: Trotzki, Skljans-
Deutschland in der Regel besser als in deren Heimatlän- kij, Gussejew, Kamenew und Unschlicht. Das erste Staats-
dern, weshalb diese Menschen auch den Angeboten der oberhaupt der Sowjetunion wird der Jude Swerdlow. Das
deutschen Werbung folgten und in der Regel freiwillig bis Politbüro des Jahres 1922 besteht aus sieben Personen,
Kriegsende hier geblieben sind. davon drei Juden.“
Im Gegensatz zu Ihrer Meinung haben diese Menschen in Vergleichen Sie dies mit dem winzigen Anteil der Juden an
ihrer Mehrheit gute Erinnerungen an Deutschland bis hin der Gesamtbevölkerung der Sowjetunion.
zu Äußerungen von der schönsten Zeit ihres Lebens. Was Die russische Jüdin Margolina schrieb in ihrem Buch
hat Deutschland nun diesen Menschen geraubt? Was ist an „Das Ende der Lügen“: „Die Juden waren die Elite der
den erhobenen Forderungen moralisch? Ist es nicht im Revolution, und sie waren ihre Gewinner. (S. 106)… Der
Gegenteil höchst unmoralisch, ungerechtfertigte Forde- russische Mensch hat jetzt einen Juden sowohl als Richter
rungen zu erheben und andererseits den Millionen tatsäch- als auch als Henker vor sich.“ (S. 60)
licher deutscher Zwangsarbeiter, soweit sie die erbärmli- Eine Normalisierung des Verhältnisses zwischen Deut-
chen Lebensbedingungen im Ausland nach dem Krieg nicht schen und Juden setzt den Willen zur geschichtlichen
mit dem Tode bezahlt haben, öffentliche Anteilnahme zu Wahrheit voraus und verlangt, daß nicht nur der einen Sei-
versagen? te vorgehalten wird, wofür sie die Verantwortung trägt,
Ähnliche Fehler enthält Ihr Artikel in der Neuen Revue v. sondern auch die andere Seite ihren negativen Beitrag zur
30. September 1999, in dem Sie sieben Tatsachen „brau- Zeitgeschichte nicht unterschlägt. Dazu gehört auch öffent-
nen Legenden“ entgegensetzen wollten, von denen wir nur lich bekundete Dankbarkeit der jüdischen Seite für die rie-
die ersten drei kurz ansprechen wollen. sigen materiellen Leistungen, die Deutschland seit 1945 für
Zu 1. Juden erbracht hat und noch erbringt. Nicht zuletzt gehört
In Wirklichkeit ist die 6 Millionenzahl eine reine Propa- dazu auch eine klare Distanzierung der jüdischen Seite von
gandazahl, die kein ernsthafter Historiker heute mehr ver- Erfindungen der Kriegs- und Nachkriegsgreuelpropaganda
tritt. Schon ein oberflächlicher Blick auf Bevölkerungssta- gegen Deutschland, soweit diese direkt oder indirekt Juden
tistiken und die Tatsache der etwa 600 000 Juden, die aus betrifft.
dem Osten in die UNRA-Lager kamen,[16] widerlegt solche Sie, Herr Professor Wolffsohn, könnten dazu einiges bei-
Meinungen. Ebensowenig ist der seriösen Forschung etwas tragen, wenn Sie auf falsche und fragwürdige Behauptun-
von 4,5 Millionen namentlich bekannter ermordeter Juden gen zu Lasten Deutschlands verzichteten und ernsthaft be-
bekannt. Beschäftigen Sie sich doch einmal mit der San- müht wären, den tatsächlichen Forschungsstand der Zeit-
ning-Studie, wenn Sie ablehnen sollten, was dazu der jüdi- geschichte kennenzulernen.«
sche Schriftsteller J. G. Burg