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Epheserbrief

.w elcher sei der

R eichtum seines herrlichen Erbes“, diese B itte w ird näm lich wie­ der aufgenom m en, w enn es jetzt in dem G ebet zu dem, der der

.dass

ihr erkennen m öget m it allen Heiligen, welches da sei die Breite und die Länge und die Tiefe und die Höhe (näm lich des him m ­ lischen Erbes), auch erkennen die Liebe Christi, die doch alle

rechte V ater ist über alles, was da K inder heisst, lau tet: „

brochene Bitte, „

gen w aren. Die schon

.dass ihr erkennen m öget,

richtet,

von Eph.

dessen

E ingangsw orten

wir

ausgegan­

u n te r­

1, 18 aufgeklungene

u n d

d an n

G E rkenntnis ottesfülle“

irdischer

V aterschaft, dass sie das K ind hinführen darf zu diesem him m li­ schen Vater. Und es gilt auch angesichts der darin beschlossenen

die

V erantw ortung das W ort Jesu

ih r arg seid, k ö nnt dennoch euren K indern gute G aben geben, wieviel m ehr wird euer V ater im Him m el G utes geben denen, die

ihn

18-19). auf dass

Das ist die tiefste E rfüllung

übertrifft,

(Eph.

3,

ih r

erfüllet

werdet

m it

allerlei

und

(M atth.

der höchste

7,

11):

Segen

denn

„So

ihr,

b itten .“

H. Tappenbeck,

*

Die

Evangelisch-lutherische

Bibelschule

von

Espirito

Santo.

Vortrag

D elegierten

von

Pastor

Artur

Schmidt

der Kreissynode von

Espirito

gehalten

Santo

vor

6. 7.

den

Pastoren

und

am

1956 in

Limoeiro.

Das m ir von H errn K reispfarrer P. Roelke für diesen V ortrag gestellte Thema lau tet: B egründung und B edeutung der Bibel­ schule am Lagoa. G em eint ist dam it die G ründung und Bedeu­ tu n g der Evangelisch-lutherischen Bibelschule von Espirito Santo. Über dieses T hem a w urde bereits in der Mai- und Juninum m er des H eim atboten, sowie in der M ainum m er von O Castelo Forte berichtet. Es darf wohl angenom m en werden, dass die m eisten der H erren D elegierten unsere G em eindeblätter lesen, sodass hier n ich t alles w iederholt zu w erden braucht, was darinnen steh t und was alle schon wissen. Trotzdem gibt es noch eine Fülle von F ra ­ gen und Problem en, die zum T hem a Bibelschule behandelt wer­ den m üssen, wenn m an ihr G ründung, ihre Aufgaben und Ziele verstehen will.

Zum

Verständnis

des Namens

Evangelisch-lutherische

Bibel­

schule von Espirito Santo ist folgendes zu sagen: Dieser Name will zum A usdruck bringen, dass die Bibelschule n ich t als ein privates U nternehm en betrach tet werden m öchte. W enn es auch zunächst den A nschein h at, als wäre die Bibelschule au fgrund privater In i­ tiative entstanden, was in gewisser H insicht wohl auch den T at­ sachen entspricht, so m uss auf der anderen Seite doch darauf hingew iesen werden, dass die G ründung der Bibelschule nicht

im Interesse einer Privatperson oder im Interesse einer Einzel­ gem einde erfolgt ist, sondern als A usdruck eines allgem einen Be­

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dürfnisses gew ertet werden m uss. Dass es sich tatsächlich um ein allgem eines Bedürfnis handelt, geht auch aus den früheren

B

seiner L ehrerpräparandenschule vor etw a 15 Jah ren ähnliche Ziele verfolgte. Auch der V ortrag von Pastor H ans H em pfling auf der

D

auf dieses allgem eine Bedürfnis hingewiesen, ebenso der V ortrag von Pastor Georg B urger 1954 in L aran ja da T erra. D arum will die Bibelschule als eine gesamtkirchliche Angelegenheit verstan­ den werden, weil sie m it ihrer A rbeit der G esam tkirche dienen will.

W enn

1952 in Palm eira de S an ta Joana h a t

em ühungen von Pastor Paul K noch in Limoeiro hervor, der m it

elegiertenversam m lung

n u n

diese

so

Bibelschule

kom m t

als

dadurch

eine

evangelisch-lutherische

A usdruck,

Santo

dass

sie

dienen

be­

will,

der

E vangelisch-lutherischen

die auf dem Boden des reinen W ortes G ottes und der rechten Sa- kram entsverw altung steht, wie es uns D. M artin L u th er und die

B

Diese Evangelisch-lutherische Kirche von Espirito Santo lieben wir, weil uns G ott, der H err, in den D ienst an dieser K irche ge>- stellt h a t und uns dadurch m it reichem geistlichem Segen be­

schenkt. Die Bibelschule ist aus der grossen Not unserer Kirche heraus entstanden. M an k ann die G ründung der Bibelschule, sowie ihre Aufgaben und Ziele n u r d ann verstehen, w enn m an etwas von dieser Not weiss, w enn m an die Not unserer Kirche k en n t und spürt. W enn hier von der Not unserer K irche die Rede ist, so

m einen

wir dam it nicht eine wirtschaftliche Not, wie sie durch

K rankheit,

G em eindeglieder kom m en

unserer K irche liegt. W ir m einen hier vielm ehr die grosse geist­ liche Not, die unsere K irche drückt und belastet u n d die sich

zeichnet

wird,

zum

K irche

von

Espirito

ekenntnisschriften

dieser K irche erk lärt und ausgelegt haben.

schlechte

E rnte

oder

k an n

eigenes

die

V erschulden

dann

unsere

dadurch auch auf

auf

und

im m er wieder als ein starkes H indernis fü r die E ntfaltu n g der geistlichen G aben erweist, die G ott auch unserer K irche geschenkt h a t und von denen bei uns so wenig zu sehen und zu spüren ist. Diese geistliche Not m uss von den P farrern und G em einden in gleicher Weise gesehen un'd erk an n t werden. E rst d ann ist es

m öglich,

käm pfen. W enn m an als junger, unerfahrener Pfarrer von Deutschland nach B rasilien kom m t, merkt man nicht immer gleich etwas von dieser drückenden geistlichen Not. M an ist zunächst stark beein­ druckt von dem grossen Erleben, dass m an hier n ach einer halben

W eltreise

evangelisch-lutherische G em einden vorfindet, die sich trotz Krieg

und Verfolgung erhalten haben u n d im Laufe der Zeit n ich t u n ­

tergegangen

viel gelesen und gehört h a t über die L utherische K irche in B ra­

silien, so ist m an doch überrascht, dass m an hier M enschen mit deutscher Sprache und deutschen S itten an trifft, deren Leben

sie

m it

G ottes

Hilfe

tatk räftig

und erfolgreich zu be­

im

frem den

sind.

U nd

L and

w enn

inm itten

m an

einer

frem den

in

Um gebung

vorher

D eutschland auch

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von einer m ehr oder weniger starken K irchlichkeit geprägt ist und die zum grossen Teil noch an den K ultur- und G laubensgü­ tern der alten H eim at festhalten, auch w enn sie diese n ich t im m er recht verstehen. Als aufm erksam er B eobachter sieht m an n a tü r­ lich von A nfang an sofort diesen oder jenen Schönheitsfeier in den G em einden und m an nim m t diese als notw endige übel hin, weü m an weiss, dass es überall auf der W elt m enschlich zugeht und weil m an im m er wieder von den älteren A m tsbrüdern er­

deutschen M assstäben zu

messen. M an w ird deshalb noch n ich t gleich von einer sehr grossen Not der K irche sprechen, besonders dann nicht, w enn m an im ei­

genen Leben schon m it w irklicher Not B ekanntschaft gem acht

h at. Aber je länger m an

den und die G em eindeglieder kennen lernt, je genauer m an h in ter

die K ulissen schauen kann, um so grösser wird das Erschrecken über die tatsächliche Not, in der unsere K irche in Brasilien und besonders hier in Espirito Santo leben m uss; um so stärk er wird die E rkenntnis, dass unsere K irche, unsere Gem einden, unser kirchliches Leben an einer K ran k h eit leiden, die lebensgefährlich ist, und die über kurz oder lang zum Tode führen kann, w enn sie n ich t richtig e rk an n t wird, w enn n ich t m it allen K räften dagegen angekäm pft wird. Es ist aber n ich t n u r eine G efahr für die jüngeren Pfarrer, dass sie am A nfang ihrer hiesigen G em eindearbeit die tatsächliche Not unserer K irche noch n ich t richtig erkennen. Es besteht auch eine Gefahr für die älteren Amtsbrüder, dass sie sich im Laufe der Jah re so an die hiesigen Notstände gewöhnen, dass sie diese n ich t

m

m ah n t

wird,

in

B rasilien

n ich t

n ach

im

Lande ist, je besser m an

die Gem ein­

ehr m it der nötigen Sorgfalt beachten und n ich t genügend ernst

nehm en. W enn m an jahrelang m it den besten Vorsätzen und erkennen Zielen seine m uss, K räfte dass in m den an — D ienst m enschlich einer K gesehen irche stellt — eigentlich und m an auf oft einem verlassenen Posten steht, frag t m an sich im m er wieder, ob sich all die treue und aufopferungsvolle T ätigkeit eines G em einde­ pfarrers in Espirito Santo überh au p t lohnt. M an k an n m it der Zeit m üde und resigniert werden. M an k ann sich so an die Not der K irche gewöhnen, dass m an m eint, hier in Brasilien ist es n u n einm al so wie es ist und m an ist d ann froh, w enn alles im alten gew ohnten Geleise w eiterläuft. M an k an n sich m it dem gefährlichen Schlagw ort zufrieden geben, dass m an die G em ein­ den in der H and habe und dass das genug sei. M an k an n sich den vom G eist G ottes gew irkten E rkenntnissen, die heute die ganze C hristenheit bewegen verschliessen in der M einung, alles das gehe uns in Espirito Santo nichts an, weil hier eben alles ganz

anders W enn ist. hier von der Not der K irche die Rede ist, so ist das eine Sache, die zuerst die T räger des geistlichen Amtes dieser Kirche angeht. Das N ichterkennen der geistlichen Not aufgrund fehlender E rfahrung ist ebenso gefährlich für die gesunde Entw icklung einer

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K irche wie die m üde, resignierte

liche Zustände. G ottes W ort allein darf der M asstab sein fü r die

B eurteilung

W ort allein darf uns die geistlichen Im pulse geben, die wir für die G em eindearbeit brauchen. Und w enn wir uns im G ehorsam u n ter dieses schöpferische göttliche W ort stellen, werden wir im m er wieder erfahren dürfen, dass m anches m öglich wird, was

m an

G ew öhnung

an

absolut ungeist­

unserer

E rfahrungen

in der G em eindearbeit. G ottes

aufgrund

w ird

seiner

E rfahrungen

dass

sich

fü r

unm öglich

gehalten

ändern nim m t.

hat;

lässt,

an

m

enn

w

erkennen,

n u r

m anches

tatsächlich

auf

sich

Rede

m an

das W agnis

des G laubens

W enn hier von

der Not unserer Kirche die

ist,

so geht

das aber n ich t n u r die P farrer an, sondern auch unsere Gemein­ den. Darum m uss hier ein klares und deutliches W ort an die H er­ ren Delegierten und Vorsteher gesagt werden, die als die von den

dieser K onferenz teilnehm en

u nd durch ihre E ntscheidungen das Leben in unserer K irche m it­ bestim m en sollen. Vielleicht wird jetzt m ancher der H erren De­ legierten und V orsteher denken und sagen: „W ir wissen wohl, dass in unseren G em einden n ich t alles so ist, wie es sein m üsste. Des­ halb ist es aber noch lange nicht so schlimm mit unserer Kirche, wie das vorher behauptet wurde. Die G em eindeglieder gehen doch zum G ottesdienst, zum Heiligen A bendm ahl und zu den Bibel­ stunden; sie bezahlen ihr P farrgehalt und geben ihre E rntedank­ gaben, sie bauen K irchen und P farrhäuser, sie kaufen und lesen christliche B ücher und B lätter und w enn K onferenz ist, kom m en sogar so viele M enschen zusam m en, dass m an sie gar n ich t zählen

G em einden

gew ählten

M änner

an

kann. Das alles ist richtig und wir sind froh und dankbar dafür, dass die B eteiligung am kirchlichen Leben in Esplrito S anto trotz aller Nöte der V ergangenheit noch so rege ist. Doch dürfen wir uns dadurch n ich t täuschen lassen, die W irklichkeit zu übersehen und an ih r vorbeizugehen. Das ist ja gerade unsere grösste Not, dass die allerm eisten Gem eindeglieder die tatsächliche Not der

K irche

alles in bester O rdnung. W enn m an einen P farrer h at, den m an

im N otfall rufen kann, der einem die K inder ta u ft und konfir­

m iert,

P aare tra u t und die Toten beerdigt, der

einem das Heilige A bendm ahl geben kann, d ann m eint m an alles schon in bester O rdnung zu haben. Dass m an aber trotz T eilnah­

m e an

gem A bendm ahl sehr weit vom Reiche G ottes en tfe rn t sein kann, weil m an n u r an der gew ohnten Ä usserlichkeit hängen bleibt und n ichts weiss von der aiakoniscnen und m issionariscnen Verpflich­

tu n g

w ird

gar

der

n ich t

die

erkennen

und

in

den

Tag

hineinieben,

als

sei

jungen

G ottesdienst,

Bibelstunde, Taufe, K onfirm ation

u n d

Heili­

jedes einzelnen C hristen und jeder christlichen Gemeinde,

von

unserer G em eindeglieder n ich t beach­

den

allerm eisten

te

W enn den H erren D elegierten und V orstehern die Not unserer Kirche gezeigt werden soll, so k ann das hier aus Zeitm angel leider

t u n d übersehen, obwohl es die H auptsache ist.

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n ich t in der Weise geschehen wie es notw endig wäre. Doch soll diese Not an einigen klaren Beispielen deutlich gem acht werden. Es ist eine Not, dass unsere Kirchen und Kapellen die meiste Zeit leer und unbenutzt dastehen, obwohl G ottes W ort fordert,

dass jeder S onntag durch die christliche Gem einde geheiligt w er­ den soll. Es ist eine Not, dass sich die m eisten Gem eindeglieder an diesen Z ustand gew öhnt haben und oft gar n ich t m ehr G ottes­ dienste haben wollen als sie der P farrer m it seinen vielen Predigt­ plätzen h alten kann. Es ist eine Not, dass unsere G em einden so unreif sind, dass kaum einer aus ihren Reihen bereit und fähig ist, a n Stelle des m it A rbeit überlasteten P farrers regelm ässige Lesegottesdienste zu halten, weil einfach das notw endige Ver­ ständnis dafür fehlt. W ir bilden uns etwas darauf ein, dass w ir als evangelisch-lutherische K irche die K irche der reinen W ortverkün­ digung sind. T atsächlich ist es aber so, dass wir in der Praxis in vielen Fällen von der Röm ischen K irche und den Sekten über­ troffen werden, die jede W oche m indestens einm al, in vielen Fällen auch m ehrm als ihre G ottesdienste und V ersam m lungen halten, auch w enn kein P farrer da ist. Sollte das, was in der Röm ischen K irche u n d bei den Sekten m öglich ist, n ich t auch in unserer evangelisch-lutherischen K irche m öglich sein? G ottes W ort sagt uns auf jeden Fall, dass es nötig ist. Es ist eine Not, dass unsere Jugend nicht richtig im Sinne unserer Kirche unterrichtet und erzogen w erden kann. Dass das in den V orkriegsjahren anders gewesen ist, weil sich die älteren P astoren dam als m it grösser K raft dafür eingesetzt haben, muss hier besonders betont und gew ürdigt werden. Es ist auch allen bekannt, dass uns der letzte Krieg m it seinen Folgen gerade auf schulischem Gebiet schw eren Schaden zugefügt h at. Es ist eine Not, dass unsere Jugend w eithin am Rande der Gem einde steh t und sich im m er m ehr von ihrer K irche innerlich und äusserlich

entfernt.

gen K onfirm andenunterricht eingesegnet werden m uss. Es ist eine Not, dass sich unsere Jugend nach der K onfirm ation selbst über­ lassen bleibt und von der K irche in vielen Fällen n ich t m ehr erreicht wird. Es ist eine Not, dass unsere Jugend n ich t m ehr richtig singen und beten k an n und dass sie kaum eine Verpflich­ tu n g vom W orte G ottes her verspürt. Es k an n einem angst und bange w erden bei dem G edanken, dass diese m üde, lahm e, füh- rungs- und haltlose Jugend die Gem einde von m orgen ist, die in einer Zeit von w eltgeschichtlichen U m w älzungen das Erbe unserer L utherischen K irche in B rasilien an treten soll. G ottes W ort und die L ebenserfahrung zeigen deutlich, dass christliche Jugend ohne

lebendige Beziehung zu ihrer K irche verkom m t und dass die K irche ohne Jugend dem U ntergang preisgegeben ist. Es ist eine Not, dass m an in unseren G em einden so wenig sieht und spürt von dem diakonischen Geist der Bibel, der zu den K ennzeichen einer lebendigen K irche gehört. Es ist eine Not, dass

Es ist eine

Not, dass unsere

Jugend

nach

einem

d ürfti­

17

m

obwohl Jesus C hristus das Vorbild des D ienens gewesen ist und seinen Jü n g ern den D ienst der christlichen Liebe d urch das Üben der W erke der B arm herzigkeit dringend anbefohlen h at. Es gibt in Espirito Santo genügend K rankheitsnot und unübersehbare

M

Es ist eine Not, dass unsere K irche die von C hristus befohlenen

W

an den D ienst der K irche beansprucht, ohne selber m itzudienen,

öglichkeiten zum D ienst der barm herzigen Liebe im

aus unseren

G em einden

bereit ist, sich

dafür

Sinne Jesu.

ausbilden

zu

erke der B arm herzigkeit n ich t befriedigend üben kann, weil nie­

and

m

lassen. Es ist eine Not, dass wir so oft vergeblich in den G em ein­ den nach M itarbeitern suchen m üssen, die m it dem Herzen dabei sind, w enn es gilt für die Gemeinde Zeit und K raft einzusetzen.

Es ist eine Not, dass viele lieber a n der K irche verdienen wollen,

zu Es ist eine Not, dass m an in unseren G em einden so wenig sieht und spürt von der missionarischen Verpflichtung, die Jesus

C

nis hinterlassen hat. Es ist eine Not, dass die m eisten n ich t einm al

wissen, was Mission überhaupt bedeutet. Es ist eine Not, dass unsere K irche aus M angel an A rbeitskräften u n d M itteln ihre einfachsten m issionarischen V erpflichtungen n ich t erfüllen kann,

obwohl das Land Brasilien direkt n ach Volks- u n d Heidenm ission schreit. M an nim m t gerne die m anigfaltigen H ilfen der M issions­ gem einden aus dem arm en und zerstörten D eutschland an, ist aber n ich t bereit, selber die leiseste V erpflichtung auf diesem Gebiet zu erkennen. Entw eder gilt der M issionsbefehl Jesu Christi oder er gilt nicht. W enn er aber gilt, und d aran w ird hof­ fentlich w enigstens in diesem Kreise kein, Zweifel bestehen, dann gilt er auch bei uns in Brasilien und in Espirito Santo u n d es er­ geben sich daraus Folgen von um w älzender und W eittragender

B

dettelsau sind der sichtbare Beweis dafür, dass die oft gestellte

A

n sta tt

a

ih r

im

Sinne

Jesu

dienen.

hristus seiner C hristenheit als letztes und w ichtigstes V erm ächt­

edeutung. Die grossen christlichen A nstalten B ethel u n d Neuen-

lternative

ich t

n

bereit

Innere

sind,

oder

das

Äussere

M ission

V erständnis

falsch

für

ist!

W enn wir

aufzu­

nötige

die

M ission

bringen, brauchen wir uns auch n ich t darüber w undern, wenn die G em einden kein V erständnis für die Diakonie zeigen. Es ist eine alte E rfahrung, die m an auch in Brasilien m achen kann,

dass die G em einden fü r die Nöte der eigenen K irche genau so viel

E

ständnis fü r die Nöte und A ufgaben der M ission geweckt wird. Diakonie und Mission gehören zusam m en. Beides erw ächst aus dem lebendigen G lauben heraus. U nd w enn es in Espirito Santo so wenig V erständnis für die A ufgaben und V erpflichtungen von Diakonie und Mission gibt, so ist das ein alarm ierendes Zeichen dafür, dass es w eithin am rechten lebendigen G lauben fehlt, der ernst m ach t m it dem W orte G ottes. D arum ist es unsere unbe­ dingt notw endige Pflicht, ernstlich um eine Erw eckung in unseren Gem einden zu beten, dam it der rechte G laube u n ter uns lebendi­

rkenntnis

und

H ilfsbereitschaft

aufbringen,

als

ihnen

das Ver­

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ger werde. Dieser lebendige G laube ist das F undam ent der K irche,

it dem sie steh t und fällt. D eshalb ist es eine der elem entarsten Existenzfragen an unsere K irche und Gem einden, ob wir bereit sind, der Mission den Platz einzuräum en, der ih r aufgrund g ö tt­ licher V ollm acht gebührt. G erade von der Mission her w ird uns deutlich, wie m üde und kraftlos unsere G em einden sind und was

m

uns

den Weg aus

In diesem Z usam m enhang ist es interessant, den Brief von Missionsinspektor Dr. Christian Keysser aus Neuendettelsau zu

beachten, den er am 8. Septem ber 1947 an H errn Präses Schlün-

zen arbeiterm schrieb, angel in

Not eingeht und zu dem er w örtlich folgendes bem erkt: „W ir in

N euguinea

prom pt überall dieselben Z ustände wie in den H eim atkirchen und

auf die

Praxis der U rkirche und der Apostel, da wurde es anders. Die

N euguineagem einden

verhältnisse oft ausserordentlich schwierig. Und da h a tte n wir für

G em einden

Hochgebirge

M issionare

Brasilien und andersw o die Mode ist. W ir sahen als M issionare in der ungeheueren A rbeitsfülle eine göttliche F ührung. W ir dachten an Paulus, der G em einden gründete und sie alsbald auf eigene Füsse stellte, w ährend er als eine A rt O berhirte die L eitung in

n u r

und sind etwa in 30, 40, 50 D örfern zu finden. Und

G em einden bekom m en. Als wir uns aber dann

alles an

Lebendigkeit

unseren

fehlt.

Die

Mission ist

heraus

es auch,

zeigen

die

uns

geistlichen

Nöten

kann.

dem

als

dem er

zuerst

auf

den

grossen

Zeichen

Pfarrer-

unserer

und

M it­

sichtbarsten

kirchlichen

haben

es zuerst der H eim atkirche nachgem acht und

um stellten

sind sehr gross und

zerstreut und

die Weg­

10.000,

20.000,

M issionar.

30.000

Die

Seelen,

z.

Leute

leben

Ü berlastung,

wie das

T.

im

in

noch

Heiden,

keiner der

D eutschland,

m it

einen

einzigen

jam m ert wegen

der H and behielt u n d Briefe an die G em einden schrieb. M an m uss in der Not eine göttliche G elegenheit sehen, die vorw ärts weist

und

W oher

m einde k an n

Und

sind

die G aben und K räfte offenbar geworden in den G em einden, und es ist n u n so, dass unsere kleine Mission geradezu beispielhaft da­ steh t in der gesam ten M issionswelt. W ir haben in unserer Mission

m ehr

u n ter allen U m ständen

gerade dadurch,

neue

Wege

em p fie h lt

In

N euguinea

in

haben

auch

anfangs

W ir

. die B rüder oft sehr geseufzt und

brauchen

M issionare nehm en und

die H eim at geschrieben:

M issionare!

A ntw ort:

M issionare,

M issionare,

wer soll sie un terh alten ?

Die M issionsge­

Ih r

m üsst

das Geld einfach n ich t m ehr aufbringen.

dass

sehen, dass ihr

wir

alleine

fertig

zu

werden

H ilfskräfte

als

jede

andere

Mission.

alleine fertig werdet!

suchten,

eingeborene

U nd

da­

durch sind die N euguineagem einden lebendig geblieben und haben

die ungeheuere V ersuchung des Krieges überw unden, obwohl

ihnen die Jap an er G ottesdienste, Schulen, sogar das Singen und Beten verboten und die C hristen fu rch tb ar bedrückt haben. Sie

haben

von

M issionsinspektor Dr. Keysser.

durchgehalten!“

Soweit

der

Auszug

aus

dem

Brief

19

Selbstverständlich k ann m an die V erhältnisse von N euguinea n ich t ohne weiteres nach Brasilien übertragen. Trotzdem zeigt uns Dr. Keysser sehr w ichtige Dinge, die bisher offensichtlich zu wenig bei uns beachtet worden sind und deren Befolgung durch­ aus eine Ä nderung in dem stark unbiblisch geprägten N achkriegs­ statu s unserer K irche erw irken könnte. W enn uns von anderswo her in unseren kirchlichen N öten n ich t geholfen w erden kann, m üssen wir uns eben so gut wie m öglich selber helfen. Es genügt nicht, dass w ir unsere kirchlichen Nöte erkennen. W ir m üssen alle K räfte m obilisieren und alle vorhandenen M öglichkeiten ausnützen und alle die G aben in unseren G em einden wecken, die

sind, wenn sie auch noch verdeckt und

verborgen schlum m ern. Eine solche M öglichkeit der Selbsthilfe für Espírito Santo ist die Bibelschule. Und wenn in diesem V ortrag bisher so viel von der Not unserer K irche die Rede war, so w ar das durchaus keine Abschweifung vom Them a, sondern die notw endige V oraussetzung, ohne die die ganze B ibelschulangelegenheit n icht richtig verstan­ den w erden kann. Vielleicht h a t sich m ancher schon gefragt: W ozu brauchen wir denn üb erh au p t eine Bibelschule, w enn es bald m it dem In ter­ natsbau in Vitória vorw ärts geht? Es ist im m er wieder d arau f h in ­ gewiesen worden und ich m öchte es hier ausdrücklich u n terstrei­ chen, dass die Intem atsangelegenheit in V itória eine wichtige Sache fü r unsere Kirche in Espírito Santo ist, die keine Verzöge­ rung, erleiden darf. Aber wir m üssen uns auch darüber im klaren sein, dass die unserer K irche notw endige geistliche Verlebendigung nich t zuerst von einem In te rn a t erw artet w erden kann, dessen Schüler wohl in der H auptsache einm al in w eltlichen B erufen tätig sein werden. Die Aufgabe des künftigen In tern ates wird wohl darin bestehen, den höheren Schülern aus unseren Landgem ein­ den in der S tad t eine H eim stätte zu bieten, dam it sie vor den schlechten Einflüssen einer frem den U m gebung bew ahrt werden und durch evangelische Erziehung und B eeinflussung ihrer K ir­ che erhalten bleiben. W ir brauchen aber auch eine Schuleinrich- tung, in der die Schüler aus dem passiven Z ustand des B ew ahrt­ werdens herausgerissen werden in den aktiven D ienst an K irche und Gemeinde. Um es m it m ilitärischen A usdrücken zu sagen:

W ir dürfen uns n ich t zufrieden geben m it der V erteidigung einer Stellung, sondern m üssen zum A ngriff übergehen. Einen solchen D ienst will die Bibelschule tu n . D arum heisst es in der B ibelschulnum m er des H eim atboten: Das w ichtigste Ziel der Bibelschule m uss es sein, junge M enschen zu Jesus C hri­ stus zu führen, sie im G lauben zu stärken, ihnen den D ienst für ihre K irche gross und lieb zu m achen, dam it sie später im rechten diakonischen und m issionarischen Geist ihrem H errn dienen kön­ nen. Dazu m uss ihnen auch das notw endige R üstzeug durch eine einfache, aber gründliche Ausbildung m itgegeben werden. Zur

auch

bei uns

vorhanden

20

Erreichung dieses Zieles zeichnen sich vorerst fünf verschiedene

M

G em eindehelferausbildung;

dungskursus; 3) der einjährige V orbereitungskursus fü r São Leo­

poldo; 4) die diakonische A usbildung und 5) die M ädchenausbil­ dung. Auf diese fünf Ausbildungszweige b rau ch t hier n ich t n äh er eingegangen zu werden, da darüber bereits im H eim atboten be­ richtet w urde und dort nachgelesen werden kann. D afür sollen hier noch einige Problem e und F ragen behandelt werden, über die noch n ich t berichtet wurde. Das ist um so besser m öglich, als w ir schon das erste Sem ester h in ter uns haben und dadurch aus der Praxis heraus urteilen können. Die Aufnahmebedingungen sind folgende: Die Schüler müssen bereits konfirmiert sein. Vor der K onfirm ation können keine auf­ genom m en werden, da sie sonst noch zu jung sind. Die bisherige E rfahrung zeigt, dass Schüler im N achkonfirm ationsalter trotz den G efahren der P ubertät aufnahm efähiger und einfügungsbe­ reiter sind als ältere Schüler. W ir dürfen n icht übersehen, dass unsere Schüler im N achkonfirm ationsalter in einer ganz anderen

in

D eutschland.

E rziehungssituation

D eutschland sind solche B urschen bereits durch

die Erziehung von m indestens acht V olksschuljahren, durch K in­ dergottesdienst und Jugendkreise gegangen u n d in gewisser Weise dadurch geprägt. In Brasilien bedeutet der E in tritt in die Bibel­ schule etwas vollkom m en Neues, fü r das es im bisherigen Leben

der Schüler keine V ergleichspunkte gibt. D urch den E in tritt in die Bibelschule werden die Schüler aus ihren bisherigen Gewohn­ heiten herausgenom m en und in ganz neue Lebensbedingungen gestellt. Selbstverständlich dürfen unsere Schüler ihrer bisheri­ gen H eim at n ich t entfrem det werden, aber es ist trotzdem nötig, dass sie diesen starken W echsel im positiven Sinn spüren und em pfinden, w enn unsere E rziehungsarbeit n ich t von vorne herein von Erfolglosigkeit bedroht sein soll. F ü r ältere Schüler ist dieser W echsel selbstverständlich viel schwerer, weil sie sich schon m ehr an gewisse G egebenheiten der hiesigen Jugend gew öhnt haben, die sie in der Bibelschule aber

n ich t

M öglichkeit

eine gewisse L ebenserfahrung und Reife verfügen. Doch darf bei der allgem einen hiesigen Erziehung auch hier n ich t allzuviel er­ w artet werden. Auf jeden Fall bedeutet der E in tritt und das Blei­ ben eines älteren Schülers eine gewisse E ntscheidung. W er n u r deshalb kom m t, „dam it er sich n ich t m ehr auf der Roça m it den Ameisen abplagen m uss“, der wird es n ich t lange bei uns aus- halten, weil m an sich auch bei uns plagen und anstrengen muss. Unsere Schüler sollen ja n icht zur F aulheit und zur Bequem lich­ keit erzogen werden, sondern zum D ienst in K irche und Gemeinde. Dieser D ienst ist oft ein sehr m ühsam er und anstrengender. F au l­

öglichkeiten ab, die bereits praktiziert werden: 1) die zweijährige

2)

der einjährige allgem eine Fortbil­

stehen

wie

gleichalterige

Jugendliche

In

fortsetzen

auch

können.

legen w ir W ert darauf, nach

ältere Schüler aufzunehm en, die bereits über

Trotzdem

21

pelze und H ochstapler können wir dazu n ich t brauchen. D arum verlangen wir von allen Schülern, besonders aber von den älteren, dass sie ausser genügender Begabung auch den W illen zum Ler­ nen, E inordnen und Dienen m itbringen, d. h. dass sie bereit sind sich in die G egebenheiten einzufügen. An schulischen Voraussetzungen m uss verlangt werden, dass N eueintretende w enigstens einigerm assen in D eutsch oder P o rtu ­ giesisch lesen und schreiben können. In der K ürze der Ausbil­ dungszeit können wir uns im norm alen A usbildungsgang nicht auch noch m it den G rundbegriffen des Lesens und Schreibens aufhalten. W er trotz ausreichender Begabung aus vorherigem Fehlen einer Lernm öglichkeit als A nalphabet aufgenom m en wer­ den soll, m uss einen Vorkurs durchlaufen und kan n erst entspre­ chend später in den allgem einen Lernbetrieb eingeschaltet werden. Von den zwei A nalphabeten des ersten Sem esters h a t einer n ich t durchgehalten, w ährend es dem anderen sehr schwer gefallen ist, der bisherigen Ausbildung einigerm assen zu folgen. Der Idealzu­ stan d ist, w enn N eueintretende die P rim arschule durchlaufen haben und so eine gute A nfangsbasis m itbringen. Von allen Schü­ lern m uss aber die K enntnis m indestens des K leinen K atechism us von D. M artin L uther in D eutsch oder Portugiesisch verlangt

werden. Zu den A ufnahm ebedingungen gehört auch, dass die ersten drei M onate der Bibelschulausbildung als Probezeit gerechnet werden m üssen, dam it ungeeignete Schüler uns wieder verlassen können oder rechtzeitig von uns ausgeschieden werden. Im ersten Sem ester haben zwei Schüler von dieser G elegenheit G ebrauch gem acht, w ährend die anderen Schüler m it Freuden geblieben sind. Es liegt uns sehr viel daran, dass unsere Schüler freiwillig und m it Freuden bei uns sind. Allen anderen Schülern können wir n u r den rechtzeitigen A ustritt empfehlen. Der Lehrplan für das 1. Jahr will die Schüler h au p tsäch lich m it Biblischer Geschichte, K atechism us und G esangbuch ver­ tra u t m achen,' weshalb in diesen F ächern täglich u n terrich tet wird. Von A nfang an werden unsere Schüler auch zum täglichen selbständigen in Form von Lebensbildern B ibelstudium dargeboten angehalten. m it K besonderer irchengeschichte Berücksich­ wird tigung des Lebens von D. M artin L uther, Paul G erhard und an ­ derer christlicher Persönlichkeiten. Der U nterricht in K irchen­ kunde soll den Schülern das notw endige V erständnis für die litu r­ gischen A ngelegenheiten unserer K irche verm itteln. Die allgem ei­ nen Fächer wie R echnen (vier G rundrechnungsarten, Prozent- und K örperberechnungen), Geografie, Brasilkunde, D eutsch und Portugiesisch sollen zu einer gewissen A llgem einbildung verhel­ fen.

Zur Methode des Unterrichtes ist zu sagen, dass die deutsche und portugiesische Sprache m öglichst nebeneinander benutzt

werden, weshalb sowohl deutsche als auch

portugiesische

Lehrbü-

22

eher verw endet werden. Im K atechism usunterricht ist es beispiels­ weise so, dass zuerst säm tliche Vokabeln eines Lernstückes in deutsch und portugiesisch aufgeschrieben und gelernt werden.

D ann

chism usteiles abgeschrieben, der K atechism ustext in beiden Spra­ chen gelernt und entsprechende schriftliche E rklärungen gegeben, sodass jeder Schüler den K atechism us in L ernstücken, F ragen und

A ntw orten

Ein w ichtiger P u n k t in der Erziehung unserer Schüler ist die aktive Beteiligung am Gemeindeleben. Die Bibelschule darf nicht neben der Gem einde stehen, sondern m itten darin. D arum betei­

ligen

B ibelstunden

gen kirchlichen V eranstaltungen. W enn die praktischen Ü bungen

der eigentlichen G em eindehelferausbildung auch erst im zweiten

U

es fü r unsere Schüler auch im ersten S chuljahr genügend Gele­ genheit zur praktischen B etätigung in der Gemeinde. Sie haben im ersten Sem ester bereits m itgeholfen im K onfirm andenunter­

einnehm en, der ihnen gebührt, so gibt

und

wird

eine

deutsche

Ü bersetzung

als

des portugiesischen K ate­

deutsch

besitzt.

sowohl portugiesisch

auch

sich

unsere

der

Schüler

n ich t

n u r

an

den

G ottesdiensten

an

allen

Lagoagem einde,

sondern

auch

sonsti­

n terrich tsjah r den R aum

richt, sie haben H ausgottesdienste fü r Alte und K ranke vorberei­

te t und

ren G ebieten innerhalb der Gemeinde nützlich erwiesen, wodurch

bei den Schülern selber eine innere zu neuem D ienst zu spüren war.

in

ach t H äusern

gehalten, sie haben

sich

auch

auf ande­

B ereicherung und Freudigkeit

H ier

dass

ein

sich

eine

Schüler

nach

Sehr w ichtig ist auch

unserer

Die

die Frage nach den künftigen Einsatz­

bieten

ganze

seiner

Ausbildung zurückkehrt in seine H eim atgem einde, seine K olonie­

arbeit w eiterführt und sich je nach M öglichkeit und Notwendig­ keit seiner Gemeinde sonntags oder auch sam stags zum K onfir­

m andenunterricht,

Falls er darauf angewiesen ist und diesen D ienst n ich t ehrenam t­ lich ausführen könnte, m üsste ihm von der jeweiligen Gem einde

möglichkeiten

Reihe von

Bibelschüler.

ist

die,

M öglichkeiten.

Möglichkeit

erste

Lesegottesdiensten

u.

a.

zur

V erfügung

stellt.

eine gewisse V ergütung gegeben w erden, was in vielen Fällen heute schon den n ich t ausgebildeten H ilfskräften gew ährt wird.

Bibelschü­

ler im N otfall auch hau p tam tlich den V olksschuldienst überneh­

m en

Ge­

haltszahlung

frü h er

aufbringen, wie das ja

werden

m üsste

Ein

zweite Möglichkeit besteht

wobei

herangezogen

in

m anchen

die

jeweilige

darin,

dass

sogar

unsere

der

Im

können,

eben

Fällen

S ta a t

anderen

zur

könnte.

das

gewesen

Falle

Schulgeld

Gem einde

notw endige

ist.

P farrer

auch

Eine dritte M öglichkeit wäre, dass sich

Dass

Einsatz

gibt,

genügend

ist wohl

ihn

ein

einen

Bi­

belschüler ins H aus nim m t und

braucht.

zum

es

gerade

N otw endigkeiten

dieses

in dem von unserer allgem einen Not die Rede war, genug deutlich

da einsetzt, wo er ihn

und

Teil

G elegenheiten

aus

dem

ersten

Vortrages,

23

geworden.

grenzte

Es gibt noch eine Fülle von kombinierten Möglichkeiten, auf die hier n ich t n äh er eingegangen werden kann, sei es, dass der eine als O rganist eingesetzt wird, wie das z. B. bei unserem Schü­ ler von Ribeirão da Costa der Fall ist, oder sei es zu irgend einem anderen notw endigen Dienst.

Es

ist

klar,

dass

würde.

es

sich

hierbei

um

eine gewisse be­

Zeit

handeln

noch

berichtet werden. Ich m eine den Einsatz als hauptam tliche diako-

nische Kraft, zu der die zw eijährige Bibelschulausbildung selbst­ verständlich n ich t ausreichen kann. Im gleichen Masse wie wir

in

chen,

Von einer w ichtigen

Brasilien bodenständige

so brauchen

wir

Einsatzm öglichkeit

soll

hier

aber

Pfarrer, Diakonissen

bodenständige

und

Lehrer b rau ­

D urch

die

Bibelschule haben wir einen verheissungsvollen A nfang auch in dieser R ichtung, der entsprechend ausgebaut w erden m uss und kann. Und w enn m ancher m eint, dass es in Espírito Santo n ich t genug E insatzm öglichkeiten für hauptam tliche diakonische K räfte gibt, so sei darauf hingewiesen, dass m an uns auch ausserhalb von Espírito Santo solche heute schon m it Freuden abnehm en würde, w enn wir bloss welche h ätten . Hier zeigt sich uns eine M öglichkeit m it grossen V erheissungen für die Z ukunft. W ir wissen heute noch nicht, wie sich unsere B ibelschularbeit entw ickeln wird, da sie noch ganz in den A nfängen steckt. Aber das eine wissen wir heute schon, dass es sich n ich t um eine k ü n st­ lich konstruierte A ngelegenheit handelt, die aufgrund persönli­ cher, egoistischer Motive heraus entstanden ist, wie das leider anscheinend von m anchen angenom m en wird. Die Not unserer Kirche ru ft und zw ingt uns dazu, die sich uns bietenden M öglich­ keiten auszunutzen. Freilich ist die Fülle der A rbeit und M öglich­ keiten so gross, dass wir sie n ich t allein tu n können. D urch den B eginn der M ädchenausbildung, die von A nfang an gar n ich t vor­ gesehen w ar und sich ganz von selber ergeben h a t und durch die A nm eldungen für das S chuljahr 1957 stehen wir jetzt schon vor der Notwendigkeit, m ehr Platz für die Bibelschule zu schaffen. W enn es uns gelingt, die nötigen w irtschaftlichen H ilfskräfte zu finden, können wir im neuen S chuljahr die Schülerzahl auf 20 erhöhen. D urch den geplanten P farrhausneubau könnte die Schü­ lerzahl für das übernächste S chuljahr sogar auf 30 erhöht werden. A nm eldungen für die Bibelschule sind genügend vorhanden oder zu erw arten. W enn wir uns auch bem ühen, den m it der Bibelschule ver­ bundenen W irtschaftsbetrieb nach M öglichkeit aus eigenen M it­ teln zu finanzieren, was uns im ersten Sem ester auch gelungen ist, so sind wir doch auf Hilfe von aussen angewiesen. W ir wollen in unserer Bibelschule auch arm en Schülern die M öglichkeit zur Ausbildung geben, w enn sie n u r die nötige Begabung und innere E instellung m itbringen. Es ist eine alte E rfahrung, dass es auch u n ter den arm en Gem eindegliedern im m er wieder K inder m it

auch

Diakone.

24

guter B egabung

gel n ich t verloren

notw endigen E inrichtungsgegenstände wie B etten, Tische, Stühle.

Schränke,

m it

Ü bungsharm onium

m en

m ussten Dinge angeschafft werden, die m an

haben Leben

gibt, deren

gehen

K räfte

unserer K irche

Vor allem

fehlen

und

vieles

spielen

in

lernen,

das

diesen

Trotz

w enn

bisher

aus

uns

G eldm an­

noch

die

D a­

ein

dürften.

G eschirr,

Schüler

H aushaltgegenstände

auch

bestellt

H arm onium

werden,

werden

andere.

m usste

unsere

w ird

T agen

seine

ankom ­

grösster Sparsam keit

täglichen

O rdnung

Unsere Bibelschule ist sehr arm , da wir m it vollkom m en leeren

und

bezahlt

m uss.

einfach im

alles

soll. einer solchen

angefangen

im

Schule

haben

braucht,

und

die

q u ittiert

H änden

die

em pfangenen

zum

Gaben,

Notwendig­

auch

H eim atboten

sind,

gerade

sten ausgereicht haben. Weil w ir m it unserer Arbeit der K irche und den G em einden von Espirito Santo dienen wollen, m einen wir

auch das R echt u n d die Pflicht zu haben, unsere Gem eindeglieder zur praktischen M ithilfe aufrufen zu dürfen. D arum m öchte ich

hier

unseres Nordkreises jährlich w enigstens eine Kollekte für die Bibelschule gesam m elt wird. D arüber hinaus m öchte ich alle die, die etw as sehen und spüren von der grossen kirchlichen Not in

Espirito Santo, und

sam

Bibelschule

angekäm pft werden m uss, auffordern, dem Freundeskreis der

Gem einden

in

aller

Form

den

A ntrag

stellen,

dass

in

allen

die davon überzeugt sind, dass dagegen

der

M itglieder

heute

des

durch

diesen

V ortrag

Freundeskreises

w irk­

beizutreten,

wird.

Die

offiziell

durch

A rbeit der Bibelschule

verständlich werden alle diese G aben sorgfältig und gew issenhaft

die

einzelnen Freundeskreism itglieder haben das R echt, die richtige Verwendung dieser G aben zu kontrollieren. W ir hoffen, dass sich

nich t n u r die anw esenden P astoren zu diesem Freundeskreis a n ­

m elden werden, sondern

unseren

G em einden ist, dass wir für unsere A rbeit Freunde bekom m en, die

m it ihrem

allerm eisten brauchen wir die F ü rb itten der Gemeinden, dam it

eine

wenn

G ott uns in den letzten vier M onaten täglich die notwendige K raft und Freudigkeit zum D ienst geschenkt h at, so w ar das ein sicht­ bares Zeichen seiner G nade und Barm herzigkeit, so w ar das auch ein sichtbares Zeichen seines Segens, den er auf unsere kleine Bibelschule gelegt hat. D adurch bekom m en wir auch die Freudig­

grosse und schwere V erantw ortung, die auf uns lastet, und

wir unsere A rbeit in der rechten Weise tu n

gegründet

einen jährlichen freiwilligen B eitrag

sollen

dazu helfen, dass w ir fü r die

M ittel bekom m en.

Selbst­

als

auch

die notw endigen

sowohl

die

verwendet

werden

und

Synodalleitung

auch

als

alle

m it ihren

recht viele der Delegierten, Vorste­

finanziellen

G aben

aus

G ebeten

h in ter

uns

stehen.

können.

Es

ist

Am

her und

Gemeindeglieder.

aber

und

Viel w ichtiger

Herzen

keit, m it allen K räften an dem W erk zu stehen, das uns G ott hier vor die Füsse gelegt hat.

25

Jesus C hristus spricht: Die E rnte ist gross, aber wenige sind der A rbeiter; darum b ittet den H errn der E rnte, dass er Arbeiter­ in seine E rnte sende! Gebe G ott, dass wir in gläubigem Gehorsam

m it

G ottes

uns im H inblick auf alle noch ungelösten Problem e und F ragen der Bibelschule zu dem Weg, den uns H erm ann von Bezzel zeigt

m

ich danke dir, G ott, dass du m ich arbeiten lassest. W i e die Arbeit gerät und w a s aus ih r entstehe, das überlasse ich getrost dir!

W ilhelm

Segen

Löhe

kanns

sprechen

zu

können:

T un

w ir

n u r

ein

Kleines,

Grossem

m achen!

D arum bekennen wir

it den W orten: Es ist etw as Grosses um

*

die Geduld, welche sagt:

Zum

Problem

des

Selbstverständnisses

unserer

Synode

und des Bundes der Synoden.

Wir fragen nach dem Selbstverständnis unserer Synode und des Bundes der Synoden, also n ich t danach, was sie unseren Ge­ danken und W ünschen nach sein könnten oder sollten. W ir fragen nach ihrem Sein und Leben, wie es im Laufe ihrer G eschichte ge­ worden ist und wie es sich darstellt in den O rdnungen, die sie sich gegeben und in denen sie an ihrem jeweiligen O rt ih r Selbst­ verständnis zum A usdruck gebracht haben. H insichtlich der E ntstehung der R iograndenser Synode wäre es n ich t richtig zu sagen, sie sei aus der A ltpreussischen Union- hervorgegangen. Es w ar n ic h t die A. P. U. als solche, sondern Einzelne und V ereinigungen, vorwiegend innerhalb der A. P. U., die sich um eine kirchliche B etreuung der aus D eutschland Aus­

gew anderten bem ühten, und zwar gilt das fü r die Zeit bis zur Ja h r­ hundertw ende, und erst dann setzte eine B etreuung durch die

A.

grandenser Synode von A nfang an sich in besonderer Weise m it der A. P. U. verbunden w usste, u n d allen G ru n d h a t, ihre Ver­

zu

irgendeinem Z eitpunkt sich selber als U nionskirche verstanden

hätte. Es ist vielm ehr ganz deutlich, dass sie, von A nfang an, als werdende K irche, das Gefälle einer lutherisch bestim m ten K irche h at, die sich allerdings ihrer besonderen Lage und Aufgabe als

K

irche der evangelischen Einw anderer in Brasilien bewusst ist und

darum allen aus der evangelischen C hristenheit in D eutschland und ändern L ändern kom m enden M enschen kirchliche H eim at zu

P. U. (O berkirchenrat) ein. Aber es ist rich tig , dass die Rio­

D ankbarkeit zu bezeugen.

aber nicht,

dass

die

R iograndenser

Synode,

bundenheit und

Das

bedeutet

sein bestrebt war.

Schon

bei der K onstituierung

der

ersten

Synode

1868 findet

sich in § 1 der Synodalordnung die B estim m ung: „Die D eutsch- Evangelische Synode der Provinz Rio G rande do Sul bekennt sich auf dem alleinigen G rund der Hl. S chrift zu den H auptbekennt­ nissen der Reform ation, insbesondere der A ugsburgischen K on­

fession.“