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Islamexpertin fordert härteres Vorgehen

Kein Aufenthaltsrecht ohne Integrationswillen

Von Franziska Laur

Basel. Das Urteil aus Strassburg hat Aziz Osmanoglu auf Tauchstation gehen lassen. Auch gestern war der extremistische Familienvater für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Zur Erinnerung: Seine kleinen Töchter besuchten von 2008 bis 2016 in Basel die Primarschule. Die Eltern, schweizerisch-türkische Doppelbürger, verboten ihren Kindern, am Schwimmunterricht teilzunehmen. Gespräche fruchteten nicht, ebenso wenig das Angebot, die Kinder dürften im Ganzkörperanzug baden. Das Basler Erziehungsdepartement büsste die Familie darauf mit 1400 Franken. Diese Busse übernahm jedoch der Riehener Theologe Johannes Czwalina, der auch weitere von insgesamt 5000 Franken bezahlte.

Die Familie wehrte sich vor Gericht gegen den Bussenentscheid. Am Dienstag wies jedoch auch Strassburg die Beschwerde ab. Der Europäische Gerichtshof entschied, der Besuch des gemischtgeschlechtlichen Schwimmunterrichts dürfe für muslimische Mädchen als obligatorisch erklärt werden.

Die BaZ wollte von Saïda Keller-Messahli, Präsidentin vom Forum für einen fortschrittlichen Islam, wissen, wie mit solchen Querulanten umzugehen sei. «Man muss konsequent reagieren», sagt sie. Migranten würden in der Schweiz Sicherheit und Freiheit erhalten. Im Austausch müssten sie die Grundregeln der Gesellschaft akzeptieren, und dazu gehöre nun mal Gleichberechtigung von Mann und Frau und die Möglichkeit für Mädchen, ein gesundes Verhältnis zu ihrem eigenen Körper und zum anderen Geschlecht aufbauen zu können. Nach dem Gerichtsurteil nahm auch die News-Sendung «10vor10» das Thema auf. Porträtiert wurde eine Schule in Kreuzlingen, die einen Anteil von fast 25 Prozent muslimischen Schülern hat. Dort wehrt sich ebenfalls ein Vater mit Händen und Füssen gegen die Teilnahme seiner Tochter am Schwimmunterricht. Wie Schulleiter Michael Zogg ausführt, gehe die Schule ansonsten Problemen aus dem Weg. So würden beispielsweise am Räbeliechtliumzug lediglich Pouletwürste serviert, und in Ferienlagern gebe es kein Schweinefleisch. Ist das die Lösung?

Kritisch hinterfragen «Das ist lediglich Pflästerlipolitik», sagt Keller-Messahli. Die 59-jährige Tunesien- Schweizerin, die in einer muslimischen Grossfamilie aufwuchs, will zu einem weltoffenen und humanistischen Islam beitragen. Wenn sich eine Familie derart kategorisch weigere, die Regeln an einer Schule zu respektieren, schade das auch allen Muslimen. Man müsse über den Integrationswillen sprechen und dürfe durchaus den Entzug des Aufenthaltsrechts thematisieren. Ihrer Meinung nach sollte es kein Tabu mehr sein, die Doppelbürgerschaft abzusprechen und integrationsunwillige Familien des Landes zu verweisen.

Keller-Messahli warnt vor der Gefahr, die von einem radikalen Islam ausgehen kann, und ruft dazu auf, kritisch hinzusehen. Am 3. Dezember erhielt sie den Menschenrechtspreis. Doch ihre Arbeit ist noch lange nicht zu Ende. Und sie stellt sich ihr mutig, auch wenn sie stets bedroht wird.