Seit Noam Chomsky Mitte der sechziger Jahre seinen Elfenbeinturm als
Linguist am Massachussetts Institute of Technologie (MIT) verließ, um
gegen den Vietnamkrieg Stellung zu beziehen, hat er eine Vielzahl von
Büchern und Artikeln publiziert, unzählige Vorträge gehalten. In diesem
Buch, das zum vielgerühmten Dokumentarfilm »Manufacturing Consent«
entstand, wird zum erstenmal ein Überblick über das Denken und den
Werdegang dieses faszinierenden Menschen gegeben. Besonderes
Augenmerk gilt dabei Noam Chomskys luzider Medienanalyse, deren
manipulative Methoden er aufgezeigt hat. Dieses auch an Bildmaterial reiche Buch ermuntert den Leser, sich der Desinformation im Alltag zu entziehen, kritisch und selbständig zu denken sowie Widerstand zu leisten.

Ein biografischer Edelstein. The Sunday Times
Ein funkelndes, provozierendes Porträt. The Guardian
Eine faszinierende Einführung in das Denken
eines der anregendsten Köpfe Amerikas. The New York Times

ISBN 3 927527 72 6

Noam Chomsky Wege zur intellektuellen
Selbstverteidigung
Medien, Demokratie und
die Fabrikation von Konsens
Herausgegeben von Mark Achbar
Aus dem Englischen von
Helmut Richter

Für Marjorie, Ben und Francine Achbar

Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme
Noam Chomsky - Wege zur intellektuellen Selbstverteidigung :
Medien, Demokratie und die Fabrikation von Konsens / hrsg. von
Mark Achbar. Aus dem Engl. von Helmut Richter. - Dt.-sprachige
Erstausg. - München : Marino-Verl. ; Grafenau : Trotzdem Verl.., 1996
Einheitssacht.: Manufacturing consent - Noam Chomsky and the
media <dt,>
ISBN 3-927527-72-6

NE: Achbar, Mark [Hrsg.]; Chomsky, Noam; EST
ISBN 3 927527 72 6 (Marino Verlag)
und 3 922209 88 2 (Trotzdem Verlag)
Der Originaltitel lautet
Manufacturing Consent
Noam Chomsky and the Media

und ist 1994 bei Black Rose Books
Montreal, Kanada, erschienen
© Necessary Illusions, 1994
Aus dem Englischen von Helmut Richter
© der deutschsprachigen Erstausgabe 1996
Marino Verlag
Theresienstr. 40
D-80333 München
Tel. 089/2802096
In Zusammenarbeit mit dem Trotzdem Verlag, Grafenau
Gesamtherstellung dm druckmedien, München
Printed in Italy
Scan, OCR und digitale Nachbearbeitung by Cats&Paws Prod.

27 Der Schimpanse Nim Chimpsky Der (Nicht-)Zusammenhang mit der Politik 20 28-29 Die Gesellschaftsordnung Bildungswesen 157-158 Anarchismus und Libertärer Sozialismus Widerstand und kritische Analyse 33-34. 206-208 Die Medien Gedankenkontrolle Das Propagandamodell Der Golfkrieg 16. Meyer (New York Times) 54-55. »Firing Line«) David Frum (Washington Post) 66-67 116 Jeff Greenfield (TV. 78 69-77 Fallstudie Kambodscha/Osttimor Kürze als strukturelle Einschränkung »Noam Chomskys Sport-Rap« Die Kabale der Verschwörungsgegner Die Medien in Media Alternativ-Medien 91-115 147-160 88-90 58-60. 106. 23. Buckley (TV. 85. 40-42.Inhalt Einführung 7 Projektablauf 10 Der Mensch Noam Chomsky Frühe Einflüsse 42-48. 132-133 198-203 Der Linguist Noam Chomsky Grundannahmen 21. »Nightline«) 146-149 Karl E. 63-68 19. 18. 215-217 192-196 Kritik aus den Medien William F. 62-63 Wendepunkt Vietnam Seine Rolle 32. 108-111 Peter Worthington (Ottawa Sun) 5 162 . 192-193.6 1 . 131 80-82. 49-51 51 .

178. 139-144 Der Film und das Buch Chomskys Reaktionen 9. 180 29-31 Yossi Olmert (Professor) 186-188 John Silber (Universitätspräsident) 139-144 Tom Wolfe (Schriftsteller) N. eine zählebige Kampagne 175-191 Der Nahe Osten Die Rechte der Palästinenser Nach dem Abkommen von Oslo 117. 175.Sonstige Kritik aus der Eliteschicht Frits Bolkestein (Verteidigungsminister) Michel Foucault (Philosoph) 128-131. (Student) 59 134 L'affaire Faurisson. N. 86 Widmung für Emile de Antonio 229-231 Chronologie der Entstehung des Films 232-233 Die Macher des Films und des Buchs Dank 234 235 Eine Medienauswahl Auswahlbibliografie 6 236-238 239 . 119-120 121-123 Mittelamerika Die Invasion Panamas Nicaragua 74-75 150 El Salvador 119.

eichenvertäfelte Vortragssaal der Universität Toronto war überfüllt. Der langgestreckte. einen Vortrag an der Concordia-Universität in Montreal. der damals gerade mit seinem Film If You Love This Planet (nach einem Vortragstext der Anti-Atom-Aktivistin Helen Caldicott). wovon er spricht. so soll auch dieses Buch zu den entsprechenden Werken von Chomsky. die an den zweieinhalb Stunden noch nicht genug hatten. und wie viele Male sollten noch folgen! Ich fand mich einem toleranten.auf einem Niveau. Ich suchte nach Chomsky in den Medien . wenigstens in den »richtigen« Buchhandlungen. Es enthält zunächst die vollständige Abschrift des Tonteils des Films. einfühlsamen Menschen gegenüber. im Jahre 1987. Ich brach das ehrfürchtige Schweigen und drängte mich mit meinem Mikrofon in seine persönliche Sphäre. Zwei Jahre lang hörte ich mir die Kassetten von jenem Abend wieder und wieder an. folgte Chomsky einer Einladung von Dimitrios Roussopoulos (Verleger des »Black Rose Books»-Verlags). seine Spur in der Magnetschicht meiner Kassette . Er predigt seine egalitäre Weltanschauung nicht nur. der sich geduldig dazu bereit erklärte. Der Redner hieß Noam Chomsky. »Vielleicht kann ich ja für Noam das tun. aber präsent war er eigentlich nirgends. und danach zu handeln. versuchte ich etwas schüchtern. einer etwas düsteren Ironie und einem Faktenwissen.nur kein Wort verpassen! An diesem Abend wurde meine politische Haltung von Grund auf und unabänderlich neu fixiert.und in meinem Verständnis des Machtmißbrauchs in der Welt . was ich meinte. meistens handelt es sich dabei um andere Texte. Auch dieses Mal war der Saal zum Bersten voll. einen Oscar gewonnen hatte und in Schulen und TV-Programmen sehr erfolgreich war. zusammen mit einigen anderen. wie ich es noch bei niemandem erlebt hatte. wo ich damals lebte. zu verstehen. Alle 45 Minuten wendete ich hastig die Kassette oder legte eine neue ein . Vorträge oder Interviews von Chomsky. und seine Antwort bewegte sich . In diesem Augenblick zeigte sich mir zum erstenmal überdeutlich. Herman und anderen hinführen sowie auf diverse Organisationen aufmerksam machen. Was mich sofort beeindruckte.aber das wurde mir erst später klar . Zwar konnte man seine Bücher auftreiben. ergänzt um einige zum jeweiligen Thema passende Passagen aus weiteren Quellen. nicht aber die von ihm vertretenen Ansichten.Einführung Anfang der 80er Jahre war ich in der Friedens. Meine Frage war nicht gerade elegant formuliert. Es war das erstemal.jedoch vergeblich. was Terri für Helen geschafft hat«. Ich hatte kaum mein Aufnahmegerät neben dem Rednerpult gestartet. Chomsky ging ans Pult. mir war zwar der Name geläufig. aber Chomsky erfaßte sofort. Wie der dazugehörige Film. von diesem Mann mit der unaufgeregten Stimme. an den freundlich wirkenden Redner heranzukommen. Endlich. ging es mir durch den Sinn. Einen Augenblick lang sprach keiner auch nur ein Wort.und Anti-Atomkraft-Bewegung aktiv. Neben mir saß Terri Nash. Daher erweckte 1985 eine Vortragsankündigung über den »Weg zum globalen Krieg« meine Aufmerksamkeit. Edward S. Beifall. war das völlige Fehlen jeglicher Art von Herablassung. was ich noch häufig erleben und im Film dokumentieren sollte: Chomskys Glaube an die sogenannten einfachen Menschen und an ihre Fähigkeit.zu hinterlassen. die dem Leser zusätzliche Erkenntnisse vermitteln und in ihm oder ihr . Als er fertig und der wohl minutenlang anhaltende Applaus verklungen war. als der Vortragende auch schon mit einer mächtigen Laudatio eingeführt wurde. und jetzt wurde es ernst. er sucht sie wirklich zu leben. zu halten. als ob ihn ein Geschichtswis- 7 senschaftler für die BBC interviewt hätte.

Seine persönlichen Erlebnisse sind bedeutsam . aber sie sind gleichzeitig auch viel komplexer. Auch wenn wir ihn nicht gewählt haben. Wer den Film schon kennt. akustischen und musikalischen Tricks und Techniken sollen dem Betrachter die gerade stattfindende Manipulation 8 bewußt machen. zeigt sich in seinen Taten. Natürlich sind Chomskys Schriften präziser und detaillierter als die improvisierte Rede dies sein kann.durchaus wertvollen . Die verschiedenen optischen. Mark Achbar . sondern weil wir sie sozusagen metaphorisch auf unsere eigenen Erfahrungen übertragen können.und Interviewtexte. Als wir Chomsky baten. erklärte er. von denen wir einige wörtlich abgedruckt haben.und die anderen sollten nach Mitteln und Wegen suchen. Wir wollten das auch gar nicht. die dann geradezu wie Stars behandelt werden und deren rein persönliche Züge mit Bedeutungen befrachtet werden. ihn anzusehen. daß die Wiedergabe gesprochener Rede einen Gedankengang ebenso gut vermitteln könne wie schriftlich konzipierte Artikel oder Bücher. Obgleich doch schon mehrere Vortragssammlungen.also Peter Wintonick und mir . unseren ersten Entwurf zu beurteilen.nicht weil es seine sind. Als er 1970 im niederländischen Fernsehen auftrat. wie soll es dann uns gelingen? Der Film nutzt mehrere simultane Kommunikationskanäle. so daß viele Menschen gerade beim Nachlesen seiner mündlichen Äußerungen Zugang zu seinem Denken gewinnen. aus der sich diese Ideen herausbildeten. die die Konventionen der kommerziellen Medien und der herkömmlichen Dokumentarfilme ironisch verletzt. wie etwa der nachfolgend wiedergegebene Auszug aus einem Interview mit ihm zeigt.« Andererseits zeigt der Film. bezweifelte er zu meiner Überraschung. Interviews usw. daß ein Vortrag vor Massenpublikum das Persönliche nicht unabdingbar ausschließen muß. sondern auch sein Verhältnis zu ihnen. Wie ernst jemand seine Werte nimmt. es ihm in der vielschichtigen Sprache des Films gleichzutun. Chomsky hatte auch ein ungutes Gefühl über die »Personalisierung«. selbst grammatisch sehr kompliziert aufgebaut.ein Dilemma. Chomsky nimmt in seinen Schriften gelegentlich sarkastisch den Tonfall seiner Gegner an. Es erschien uns unmöglich. Hieraus erwuchs den Filmemachern . Und deshalb haben wir sein Handeln in den Film. so spricht er doch für die vielen unter uns. schrieb er uns. zählen. Der Film untersucht nicht nur Chomskys Überlegungen die Medien betreffend. in dem Film eine Trennlinie zwischen dem Menschen Chomsky und seinen Ideen einerseits und seiner persönlichen Lebensgeschichte. brachte er Bedenken gegen die vorgesehene Darstellungsform an. Man kann in seinen Erfahrungen eine Fallstudie dafür erblicken. wir haben versucht. und im Falle Chomskys kann man aus seinem Vorbild sehr viel lernen. beide Ausdrucksformen haben ihren eigenen Wert und verstärken sich gegenseitig. vor dem wir dann auch bei dem Buch standen.wozu auch Chomskys eigene Vorbehalte. Unser Kriterium war stets: Ist ein biographisches Ereignis von Belang für Chomskys politischen Werdegang? Wir suchten eine Lösung für dieses Problem vermittels des selbstreferentiellen Stils des Films . wobei sich zwischen den USA und dem Ausland große Unterschiede zeigen. die Irrelevanz des Persönlichen betreffend.vielleicht Neugier auf die Quelle selbst erwecken. und sie setzen häufig ein umfangreiches Vorwissen voraus. wie in einer Gesellschaft die Medien mit abweichenden Stimmen umgehen. von ihm gedruckt vorlagen. und also in das Buch. Ich meine. die das Gefühl nicht loswerden: Wenn nicht einmal er sich Gehör verschaffen kann. voller Verweise. »Veröffentlicht werden üblicherweise sehr sorgfältig formulierte Textversionen. Beigefügt waren acht eng getippte Seiten mit . Chomsky kann seine Ideen einfach und dennoch mit beeindrukkender Klarheit formulieren. er sei »eigentlich ein Gegner dieses Hochstilisierens von Menschen in der Öffentlichkeit. Davon zeugt auch der Erfolg seiner bislang publizierten Vortrags. einschließlich einer Personalisierung. übernommen. sollte sich dessen bewußt sein .Verbesserungsvorschlägen für das Buch. und dies ist bei weitem vorzuziehen«. andererseits zu ziehen.

Das ist aber genau die falsche Zielrichtung.04. mit dem Titel Manufacturing Consent. sie tun die Arbeit. nicht angesehen. und ich will's auch nicht. Movie Guide. Er ist dem Titel eines Buches entlehnt.na ja.Manufacturing Consent. die für sie spricht. 9 und diese Aufgabe übernehme ich gern. Dafür gibt es mehrere Gründe. sie haben sich viel Mühe gegeben. ja überall auf der Welt viele. ist: Nehmt euer Leben selbst in die Hand. und da sollte man nichts personalisieren und mit einem Einzelnen verbinden. haben Sie sich diesen Dokumentarfilm über Sie.Eleanor Levine Chomsky Wie Sie sagten. und doch hinterläßt der Film diesen Eindruck . auch persönliche. daß sein Name an erster Stelle genannt ist.die Rezensionen haben es mir gezeigt. Ich weiß. Bloß. ganz einfach deshalb. Ich habe die größten Probleme. die mich fragen: Wie kann ich Ihrer Bewegung beitreten? Ich weiß ja. und da kommt meiner mit C vor seinem mit H.1993 . aber irgendwie ergibt sich das automatisch aus dem Medium. Aber sie stehen an der Front. mit dem ganzen Projekt zurechtzukommen. weil ich dann sofort darüber nachsinne. ich erhalte dann so Briefe von Leuten. Aber es gibt auch noch tieferliegende Gründe. ich hab' ihn ja nicht gesehen . Basisstrukturen aufzubauen. Warum nicht? Wollen Sie das noch nachholen? Ich habe ihn nicht gesehen. Gut. Hier steckt schon der Haken: Wir haben alles in Kooperation geschaffen. bezieht sich auch zum größten Teil auf sein Werk. sich zu engagieren. es gäbe da einen Anführer oder Sprecher oder sonst jemanden. Darauf hatte ich ausdrücklich bestanden. nicht ich. Schon dieser Filmtitel ... Warum nun der Film überhaupt . das Edward Herman und ich geschrieben haben. was ich alles hätte anders machen sollen. Sie sind es. viele Menschen sich jeden Tag damit abmühen. weil das Buch überwiegend von ihm stammt. Ja. Wenn Sie das Buch nun in die Hand nehmen. Nehmen wir nur diese Sache mit der Personalisierung von Sachfragen. die Filmemacher wollten diesen Eindruck nicht vermitteln. der die Sache organisiert und vorantreibt. Was man wirklich vernehmen sollte. und was nun über den Film geschrieben wird.) Wenn nun aber der Eindruck entsteht. (. Aber in diesem speziellen Fall wollte ich seinen Namen vorn sehen. sich weiterzubilden. dann ist das die absolut falsche Botschaft.wissen Sie. der Film hinterläßt so einen Eindruck . dann werden Sie sehen. Sie brauchen aber eine Stimme. die etwas bewirken.. Wir geben sonst bei unseren gemeinsamen Büchern unsere Namen in alphabetischer Folge an. mir macht's Spaß und für sie ist es auch nicht schlecht.. Ich mag mich einfach nicht selbst hören oder sehen. 16. Aber warum tue ich das? Weil überall im Land. Man glaubt zu hören: Folgt eurem Führer. ich vermute es mal. also ich hielt damals an verschiedenen Orten Vorträge.

die Zuschauer durch einen Kommentator an die Hand nehmen zu lassen. denen wir Dank schulden. und indem wir ihn seine Argumente in seinen eigenen Worten vortragen ließen. waren etwa 120 Stunden Film. Wir verwendeten überwiegend das 16-mm-Format. Unsere Kameras haben dann Chomskys Vorträge. 3/4". sich am falschen Ort wähnte.versuchen wir zu vermitteln. Einige Statements stammen von anderen Aktivisten sowie von Kritikern und Kommentatoren. der das Bewußtsein. daß es auch auf seine Meinung ankommen würde. hier finde eine nur indirekte Vermittlung statt. die Band 1 des Buches von Chomsky und Herman aus Protest verbrannten . sondern wir verwendeten auch Animation.ein flammendes Zeugnis für die Durchschlagskraft dieses Werkes und für die Mittel. wie Menschen mit unkonventionellen Ideen ankommen oder wie sie marginalisiert werden . brauchten wir es nicht in zeitlicher Folge anzuordnen . Ich sage ausdrücklich »unsere Kameras« und nicht »wir«. die Möglichkeit. durch den Einsatz diverser audiovisueller Techniken verstärken möchte. sobald unsere surrenden Kameras ihn einmal nicht auf irgendeinem Flughafen begrüßten. Dabei brachten wir nicht nur das technische Personal und die Ausrüstung ins Bild. was du gerade zur Hand hast. Themen. in der Chomsky einen Vortrag halten sollte. »die größte fest in einem Einkaufszentrum installierte Videowand«. um die Wendungen des Films zu neuen Themenkreisen einzuleiten. durch Texte. Vorträgen und Medienbegegnungen bildet das theoretische und informatorische Rückgrat des Films und dient als auditives Sprungbrett zu visuellen Expeditionen in die Medien und ihre Mechanismen. Manufacturing Consent ist ein selbstreflek- tierender Film über die Medienwelt.die Frage. Die Liste derer. Dramatisierung und Kontextverschiebung. Berichte. . wir müßten wohl »500 Stunden Film« aufgenommen haben. Obgleich das Material einen Zeitraum von 25 Jahren abdeckt. so daß nicht weniger als 600 Menschen dazu beitrugen. Übergängen sowie vom Gefühls. als Chomsky dort den angesehenen KyotoPreis verliehen bekam. Ein Extrakt aus Interviews.Was Chomsky explizit in Worte faßt . dem Film seine endgültige Form zu verleihen. 1/2" und 8mm Videoband. Was ihm wie 500 Stunden voller Lampen. dabei aber stets einen gewissen humoristischen Geist durchscheinen zu lassen. setzten wir ein. Einmal verwerteten wir sogar eine Kassette aus einer Überwachungskamera. aber da unsere ästhetische Medienregel lautete: Schieß mit allein.dank Chomskys konsistenter Gedankenweh und Vor- 10 tragstechnik. 185 verschiedenen Quellen. metaphorisches Material usw. Durch Synthese vieler verschiedener Filmstile versuchten wir. In einem anderen Fall erhielten Freunde aus Washington. So waren wir beispielsweise nicht in Japan. Bei der Vorbereitung wie auch bei der Realisierung von Manufacturing Consent streb- ten wir ein demokratisches Vorgehen unter Einbezug anderer Beteiligter an. dient uns als Elektronengehirn. wir besuchten 23 Städte in 7 Ländern. Kameras und Mikrofonen erschien. zu denen manche Leute greifen. daß er. bis Manufacturing Consent endlich fertig war. Jeder von ihnen konnte sich dadurch motiviert fühlen. mit Chomskys aufreibenden Terminverpflichtungen einigermaßen Schritt zu halten. denn es kam vor. Wir brachten ihn schließlich so weit. September 1987 vor der Convocation Hall der Universität Toronto. auf dem normalerweise radikale Experimentalfilme vor dem Hintergrund eines hypermodernen Einkaufsparadieses laufen. immer in der Hoffnung. die über Videotechnik verfügten. so meinten wir. das den Ablauf des Films steuert. beim Betrachter den Sinn für das kritische Engagement zu schärfen. Schnitt und Montage waren mit zahlreichen Probevorführungen vor Publikum verbunden. Aber wir kamen doch ziemlich viel herum in unserem Bemühen. daß sie die Reise ohne uns machten.DER PROJEKTABLAUF Zu Beginn des Films äußert Chomsky die Vermutung. Durch die Perspektive des Mediums im Medium suchen wir die Prozesse der medialen Konstruktion sichtbar zu machen. Die ersten Aufnahmen den Film entstanden am 25. wenn sie ihnen durch unterschiedliche Kanäle angeboten werden: durch das Auge. Menschen können Informationen am besten aufnehmen. Chomsky. die Chomsky von Interviewern oder aus dem Publikum gestellt wurden. Dieser Schirm. könne für sich selbst sprechen. das Ohr. Diskussionen und Begegnungen mit Medienvertretern vier Jahre lang begleitet. Einige Szenen projizieren wir auf dem riesigen Schirm einer scheinbar einem Science Fiction-Alptraum entstammenden Medien»landschaft«. würde die Subjektivität des Films stärker hervortreten.und Erzählzusammenhang bei der Verknüpfung einzelner Szenen. Fragen. So ließen wir uns weniger von visueller Kontinuität leiten als vielmehr von Ideenlinien. Alles in allem benötigten wir fünf Jahre für den Film. indem wir ihn im Kontext einer ungewöhnlichen Umgebung auftreten lassen. dem Film eine Wirkung auf all diesen Ebenen zu verschaffen. machten wir auch Aufnahmen mit Betacam. Etwa ein Drittel der 120 Stunden sind Archivbild.und Tondokumente aus ca. um es zu unterdrücken. Sehr bald verwarfen wir den Gedanken. aber wir konnten uns den Trip nicht leisten und mußten am Ende eine Truppe vor Ort per Fax dirigieren. die Amtseinführung von George Bush aus erster Hand einzulangen und uns die Aufnahmen dann zukommen zu lassen. Der Verzicht fiel uns schwer. umfaßt mehr als 300 Personen und Organisationen. Es gab dort eine Gegendemonstration von Vietnamesen.

TEIL 1 Denkverbote in der demokratischen Gesellschaft .

Die den Menschen die Augen ausstachen zeihen sie jetzt der Blindheit John Milton (1642) .

• Durch neuartige alternative Verbreitungsund Vorführmethoden neue Hörer. Im Jahre 1989 stieß Francis Miquet dazu. ONTARIO.ERIN MILLS TOWN CENTRE. 13 . Wenn Flook nicht gerade Ausschnitte aus Manufacturing Consent abspielt.zwei . NECESSARY ILLUSIONS Mark Achbar und Peter Wintonick waren zusammengenommen schon mehr als dreißig Jahre als Medienproduzenten tätig gewesen. gründeten sie eine Organisation. Ganz besonders herzlich begrüßen möchte ich bei dieser Gelegenheit das Aufnahmeteam von »Necessary Illusions«. dem Haus mit der weltweit größten. ZIELE • In der Öffentlichkeit den kritischen Sinn für die Macht und die Rolle der großen Medien und ein Gefühl für die Möglichkeiten alternativer Medien. • Strategien zur Vermehrung unabhängiger Produktionen entwickeln und anwenden. Zuschauerschichten erschließen. Guten Morgen. entwickeln.eins: Die zweite. samstags vormittags auch Zeichentrickfilme für die Kleinen.bzw. kooperativen. KANADA Kelvin Flook Drei . Willkommen im Erin Mills Town Centre. um sie während der Einkäufe ihrer Eltern zu beschäftigen. dem entgegenzuwirken. Sportberichte. als sie sich 1985 kennenlernten und ihre geistige Übereinstimmung konstatierten. Da sie einen Bedarf an Alternativmedien zur Verbesserung dieser Situation erkannten. • In der eigenen Tätigkeit einen demokratischen. Wir haben heute eine erstklassige Folge von Fernsehprogrammen für Sie vorbereitet. also steigen wir gleich mal ein. Diese bedeckt 4 Wände und ist das Herz des Einkaufszentrums »Erin Mills Town Centre« westlich von Toronto. Mein Name ist Kelvin Flook und ich werde heute den ganzen Tag lang Ihr Gastgeber hier auf EMTV sein. am Ort aufgenommene Modeschauen. deren Ziele sich aus dieser Sorge ableiteten. fest in einem Einkaufszentrum installierten Videowand. • Einzelpersonen und Gruppen bei der Herstellung von Medienprodukten zur Förderung des gesellschaftlichen Fortschritts unterstützen. bringt er gewöhnlich Werbespots für Geschäfte im Einkaufszentrum. ERIN MILLS. vor allem in ihrer Sorge über Militarismus und Umweltzerstörung sowie über die Rolle der großen Medien bei der Aufrechterhaltung der einschlägigen Mythen. einer nonstop laufenden Videoinstallation aus 264 Bildschirmen. • Freie und kreative Ausdrucksmöglichkeiten auf allen Medientypen fördern und sichern. Kelvin Flook ist Schauspieler und Moderator bei Erin Mills Television (EMTV). egalitären und hierarchiefreien Arbeitsprozeß entwickeln.

USA Marci Randall Miller Wie lange haben die beiden eigentlich an diesem Dokumentarfilm gearbeitet? Chomsky Oh Gott. sie waren in Japan . wie lange die daran gearbeitet haben . Laramie. was sie tun. aber wenn ich irgendwo hinkomme.wirklich überall.also ich weiß es nicht. Marci Randall Miller Sie sind mit dabei.VIDEOWAND DES EINKAUFSZENTRUMS Marci Randall Miller interviewt Noam Chomsky im Radiosender KUWR. wer jemanden eine Stunde lang reden hören möchte. 14 . Sie müssen wohl mittlerweile 500 Stunden Film haben. sind sie immer schon da. die werden schon wissen. Wyoming. Marci Randall Miller Wow! Wetten daß sie am Ende mit einem echten Knaller herauskommen? Chomsky Ich kann mir nicht vorstellen. aber ich denke. oder wie? Chomsky Sie waren in England.

das ein Zitat trägt: »Mein Leben wurde von drei ganz einfachen. Im Arts and Humanities Citation Index ist er mit seinen 3874 Zitaten zwischen 1980 und 1992 der meistzitierte lebende Autor und steht insgesamt an achter Stelle. zusammengestellt von E. die führende linguistische Autorität des MIT.« Aus Tech Talk. nicht. niemand könne einen Fachaufsatz schreiben. aber unbezähmbaren Leidenschaften beherrscht: Von dem Verlangen nach Liebe. was es bedeutet. Aristoteles. ob irgendjemand zur Kenntnis nimmt. Nr.auch hier wahrscheinlich der meistzitierte Lebende. allerdings ist diese Auswertung noch nicht abgeschlossen. 36. Außerdem weist er im Science Index der Jahre 19741992 insgesamt 1619 Zitate auf. daß Marx. Hegel. Chomsky. Mao und Castro in Zitatindizes der westlichen Literatur hohe Ränge einnehmen). wo kommt ihr denn her? Die Schüler Florida.04. wenn diese Ränge etwas aussagten. Jahrhunderts: Bertrand Russell. Die letzte Auflage seiner Bibliographie (die dritte. Er befindet sich dort wirklich in bester Gesellschaft.27. daß sie [die Zitatindizes] auch nur annähernd stimmen können. die die Zahlen ermittelt hat. Cicero. der sicher zu den Meistzitierten gehören müßte. wer Noam Chomsky ist? Die Schüler Neee . die sich fragen. die gebunden erschienen ist) enthält über 700 Eintragungen. sie könnte aber nach eigener Aussage noch jemanden übersehen haben. Lenin. — NC 15 . Aus einer kürzlich durchgeführten Auswertung von drei verschiedenen Zitat-Indices ergab sich. wenn er oben rangiert? Hier werden genau die falschen Schlußfolgerungen suggeriert. A Personal Bibliography 19511986. von der Golfküste. »Das bedeutet. Noam Chomsky. ohne Noam Chomsky zu zitieren. daß Professor Chomsky in den Veröffentlichungen der letzten 20 fahre zu den am häufigsten zitierten Personen gehört. Tobin. Bd. wären sie ohne Bedeutung (Man stelle sich vor. Konrad Koerner und Matsuji Tajima unter Mitarbeit von Carlos P. Peter Wintonick Florida? Die Schüler Ja. Im Social Science Citation Index der Jahre 1972-1992 wird Professor Chomsky 7449 mal zitiert . die Bibel. der Suche nach Wissen und einem unerträglich starken Mitgefühl mit der leidenden Menschheit. Platon. Die Schüler (Kichern) Peter Wintonick Wir drehen hier einen Film über Noam Chomsky. Otero (John Benjamins. Bislang hat aber niemand ihr Ergebnis korrigiert]. 1986) Ich bezweifle. und fügt hinzu: »Man konnte fast meinen. Und das ist noch nicht alles.« resümiert Theresa A. 15. was sie schreiben. Dieses Problem hat Professor Noam Chomsky. direkt hinter dem berühmten Psychologen Sigmund Freud und noch vor dem Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel.. Und falb sie stimmen und etwas aussagen.1992 Im Eingangsraum seines Büros hat Chomsky ein Poster von Bertrand Russell aufgehängt. Shakespeare. MIT. Etwas mehr als die Hälfte behandeln politische Themen. Lenin. Sind seine Ansichten über die nukleare Abrüstung nur dann wichtig. Und falls sie stimmen. [Theresa Tobin hat die Statistiken für 40 der wichtigsten Autoren in den Sozialwissenschaften ausgewertet. Bibliothekarin im Humanities-Bereich. quer über die Fachgebiete wird er sehr stark gelesen und werden seine Arbeiten in den Forschungen verwendet.. Groß ist die Zahl der Autoren. F. Peter Wintonick Ihr redet ja wie im Chor. Freud. dann wären sie für jedes hier behandelte Thema irrelevant. Weiß irgend jemand.VOR DEM WEISSEN HAUS. WASHINGTON Peter Wintonick geht mit einem riesigen Stielmikrofon auf eine Gruppe von Schülern zu Peter Wintonick Na. Nehmen wir eine wirklich wichtige Persönlichkeit des 20.« Nach Aussage seiner Sekretärin hat Chomsky bis zum Jahre 1993 insgesamt 72 Bücher geschrieben. Die zehn im genannten Zeitraum meistzitierten Autoren waren: Marx.

Die Trilateral Commission wurde 1973 eingesetzt und erhielt die Aufgabe. was schon alles an Belegen darüber vorliegt. Siehe auch den Hinweis auf The Clinton Vision auf S. sich doch mal genauer anzuschauen. Watanuki (New York Unversity 1975). 3) »das internationale System zu erneuern«. Den Anstoß zur Bildung der Kommission lieferte David Rockefeller. . den ich hiermit bei uns begrüße. Unser heutiger Gast ist der bekannte Intellektuelle Noam Chomsky. was auch einen »Überschuß an Demokratie« bedeutet. Quelle: Trilateralism. Die Public-Relations-Branche setzt gewaltige Geldmittel ein. das Fernsehen usw. 2) für ihre Mitgliedsländer eine Innen. wie es bereits vor 80 Jahren ein AT&T-Manager formulierte. daß bislang marginalisierte Bevölkerungsschichten sich organisieren und ihre Forderungen energischer vorbringen und daß die entsprechende Überlastung des Demokratieprozesses dessen Funktionieren gefährdet. Nehmen wir mal an. Necessary Illusions S. was meinen Sie denn mit Kontrolle. ich würde ihr raten. der im Inland »die Autorität der Regierung beeinträchtigt« und folglich »im Ausland den Einfluß der Demokratie sinken läßt«. Unternehmen gegenübersieht«. >Denkverboten<? Ich bilde mir meine Meinung doch selbst. 1) die Zusammenarbeit zwischen Nordamerika. 16. welche Meinungen geäußert werden. WYOMING. P. welcher Quellen sie sich bedienen. Crozier.RADIO KUWR. der sich unser. Sie sind vor allem nach Wyoming gekommen. Die Kommission umfaßte ursprünglich 180 Mitglieder. 2-3. wie die großen Medien die die nationalen Themen bestimmen . um über »Denkverbote in einer demokratischen Gesellschaft« zu diskutieren. Chomsky Ich freue mich. die »einzige ernsthafte Gefahr. Aber vor allem sollte sie darauf achten. wie sich die demokratische Öffentlichkeit an den Rand drängen und unter Kontrolle halten läßt. wie die PR-Branche arbeitet. dann wird sie in Bezug auf unser demokratisches System einige Überraschungen erleben. von M. ich bin Lieschen Müller und sage: »Also. Holly Sklar (Black Rose Books 1980) HINWEIS: Zur Vermeidung von Wiederholungen sind alle bibliographischen Daten über die von Noam Chomsky und Edward S. J. USA Marci Randall Miller Guten Tag allerseits und willkommen bei «Wyoming Talk». Eine Studie der Trilateral Commission über die »Regierbarkeit der Demokratien« von 1975 kommt zu dem Ergebnis. um »dem amerikanischen Volk die wirtschaftlichen facts of life beizubringen« und so ein für die Geschäftswelt günstiges Klima zu schaffen. Ihr obliegt es. Hrsg.« Was würden Sie antworten? Chomsky Ja nun. 162 dieses Buches. mit. daß die Medien zu einer »nicht unwichtigen neuen Machtquelle« geworden sind. um die nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene globale Machtstruktur gerechter zu machen. das »allgemeine Denken« zu steuern. Herman verfaßten Bücher nur in der Literaturübersicht aufgeführt. Marci Randall Miller Ich glaube. Ich entscheide doch über mein eigenes Schicksal. welche Informationen an die Öffentlichkeit kommen. S. LARAMIE.also die überregionale Presse. 16 . Nach Ansicht der Kommission rührt diese allgemeine »Demokratiekrise« daher. Westeuropa und Japan (also den sogenannten höchstentwickelten Regionen) durch den Kontakt zwischen prominenten Privatpersonen zu fördern. Necessary Illusions S. Die obigen Zitate stammen aus The Crisis of Democracy: Report on the Governability of Democracies to the Trilateral Commission. war aber bis 1980 bereits auf 300 Köpfe angewachsen. Wenn Lieschen das tut.wie die also bestimmen. wir haben doch eine demokratische Gesellschaft.und Außenpolitik zu entwickeln. um den Demokratieüberschuß abzubauen und so die Krise zu meistern. Die Studie spricht sich daher für mehr »Mäßigung in der Demokratie« aus. The Trilateral Commission and Elite Planning for World Management. Huntington und J. usw. wie die Medien arbeiten. der damit die Hoffnung verband. daß man schon seit einer Ewigkeit darüber nachsinnt. in ihr würden »die größten Geister der Menschheit sich den Problemen der Zukunft zuwenden«. hier zu sein.

BRITISH COLUMBIA. Ich kann euch leider nicht in die Augen sehen. der Innovation und dem Einfluß seiner Gedanken könnte man Noam Chomsky als den bedeutendsten Intellektuellen der Gegenwart bezeichnen. dann findet man zwar diesen Satz tatsächlich in der New York Times. verstanden werden können. Es stimmt schon. NANAIMO.1979 17 . und seine Schoßhunde. Wenn es allerdings diesen zweiten Satz nicht gäbe. wovon vieles nur dem professionellen Linguisten oder Philosophen zugänglich ist. 25. die New York Times. denn wenn man die betreffende Stelle mal nachliest. wie diese beiden Bereiche zueinander passen. aber oftmals ärgerliche Vereinfachungen bieten. ich sehe euch halt nicht. zu erklären. müßte ich mich fragen. der Originalität und dem Einfluß seiner Gedanken könnte man Noam Chomsky als den bedeutendsten Intellektuellen der Gegenwart bezeichnen. der des Lesens mächtig ist. Vor einigen Jahren schrieb die New York Times Book Review über Professor Chomsky: »Gemessen an der Kraft. aber ich denke doch. Man muß bei solchen Sachen auch immer ganz genau hinsehen (Gelächter). Das ist kein Witz. Vielleicht sollte ich zuerst mal etwas klarstellen. die von jedem. bloß etwas Schwarzes. wenn man den Mund aufmacht. KANADA Gary Bauslaugh (Studienleiter des Malaspina College) Ich begrüße euch alle zu unserer heutigen Vortragsveranstaltung. Chomsky Ich kann zwar nur eine schwarze Wand sehen. wie kann er dann so schlimme Sachen über die amerikanische Außenpolitik schreiben?» . der Spannweite. daß dahinter einige Leute sitzen. der Spannweite. z.MALASPINA COLLEGE. Er ist allerdings auch ein unangenehm zwiespältiger Intellektueller. daß der Kaiser keine Kleider anhat. aber es geht dann weiter: «Wenn das stimmt.« The New York Times Book Review. auf der anderen Seite steht eine ebenso reichhaltige Sammlung politischer Schriften. finden es auch nicht so gut.und dieser Satz wird nie zitiert.02. ob ich irgend etwas falsch mache.« Professor Noam Chomsky bitte. stammt aus einem Klappentext eines meiner Verlage. Auf der einen Seite findet sich ein umfangreiches Opus voller umwälzend neuer und extrem spezialisierter linguistischer Erkenntnisse. »Gemessen an der Kraft. was man nie liest: Diese Passage über «der Welt bedeutendsten Intellektuellen» usw. Das >Chomsky-Problem< besteht darin. nur mag der Kaiser das überhaupt nicht gern hören. B.

daß wir in Südvietnam eingefallen sind. noch nicht verloren. daß die amerikanische Intervention zeitlich lange vor jeglicher Einmischung Nordvietnams erfolgte und stets ein weit größeres Ausmaß als diese hatte. PBS TV.klarmachen.) Wirtschaftlich gesehen ist dies eine äußerst schädliches Verfahren. daß die amerikanische Intervention nicht im technischen Sinne kriminell ist. daß unser Militär . würden sie es ablehnen. Wer je- 18 doch hier die Argumente pro und contra genau studiert. Aber er hat den Glauben an die Kraft des gemeinen Volkes. Das »oberste Gesetz des Landes« (in diesem Fall repräsentiert durch die Charta der Vereinten Nationen.. muß beweisen. sind historische Fakten. ganz im Gegenteil. zwar wird die Produktion angeregt. Oder die Tatsache. Also müssen wir dafür sorgen. Es gibt noch viele derartige Wahrheiten. die unbestritten und meines Erachtens schlagend belegen. die Fortschritte in der Abrüstung verhindern oder jedenfalls jahrelang verhindert haben. Aus Chomskys Essay On the Limits of Civil Dis- obedience. insbesondere die Frage: Stehen die USA in kollektiver Selbstverteidigung gegen einen bewaffneten Angriff Nordvietnams? In dieser Sache kann sich auch der Laie ein Urteil bilden. enthalten in der Essaysammlung The Berrigans. daß die USA hier nicht etwa in kollektiver Selbstverteidigung gegen einen bewaffneten Angriff handeln. Wenn man die Menschen direkt darum bitten würde. in der die elementarsten Wahrheiten problemlos unter den Teppich gekehrt werden können. wir seien in einem Spinnennetz unablässiger Täuschung gefangen und lebten in einer indoktrinierten Gesellschaft. Oder die Tatsache... was in einer Diktatur die Gewalt ist. aber doch weitgehend .wie ich glaube . Die Frage nach der Legitimität der amerikanischen Intervention ist zum einen eine grundsätzliche Frage. zum Beispiel die Tatsache. daß wir weder das Recht noch die Fähigkeit besitzen. Nun zeigen aber die Akten eindeutig.AUS »A WORLD OF IDEAS«. Heute abend will ich mich mit einem Mann unterhalten. Dieser Grundsatz hat sogar Gesetzeskraft.. USA (1988) Bill Moyers Guten Abend. Europa gleichfalls. Es sind genügend Dokumente verfügbar. Wir können nicht zulassen. weiterhin diese Art von kostspieliger Ankurbelung der Wirtschaft zu betreiben. daß eine gewaltsame Intervention nur mit Zustimmung des Sicherheitsrats oder in »kollektiver Selbstverteidigung« gegen einen bewaffneten Angriff zulässig ist.) Es gibt zahlreiche Dokumente. nur weil irgend jemand befürchtet. der darüber nachgedacht hat. In seinen Augen ist die Propaganda in einer Demokratie das. 39-41 (Avon Books 1971) (siehe hier Seite 152) Das Militär der USA ist im wesentlichen ein von der Regierung garantierter Absatzmarkt für Hochtechnologieprodukte (. uns mit militärischen Mitteln in die inneren Angelegenheiten Indochinas einzumischen. Reagans Programm bestand darin.) Japan ist so ein Rivale. daß durch Interventionen der Regierung die Nachfrage nach Waffen und Hochtechnologie steigt. für die Wahrheit einzutreten.) Es ist kein konservatives Programm..der dicke Knüppel oder die dicke Lüge? Beide sind schon von der einen oder anderen Regierung gegen das eigene Volk eingesetzt worden. Es legt fest. also muß man sie durch Täuschung dazu bringen. Die Fürsprecher der amerikanischen Politik bringen häufig vor.) Praktisch bedeutet dies. William Van Etten Casey SJ und Philip Nobile. also einen gültigen Vertrag) läßt in dieser Hinsicht keine Zweideutigkeiten zu. errungen trotz kräftiger (illegaler) direkter amerikanischer Einmischung..also nicht ausschließlich. daß wir es sind. wie man die Entstehung der Lüge verfolgen kann. Ich bin Bill Moyers. durch den die Allgemeinheit unfreiwillig die Hochtechnologiebranche subventioniert. wenn wir gleichzeitig im Welthandel . daß wir in einer kollektiven Selbstverteidigung Südvietnams gegen einen bewaffneten Angriff aus dem Norden agieren. wie sogar das Pentagon zugibt (. daß auch unsere Konkurrenten ihre Wirtschaft etwa ebenso stark schädigen wie wir unsere. den Staatsanteil am staatskapitalistischen System mit klassischen Mitteln auszuweiten (.. Wer also argumentiert. Was wären denn zum Beispiel solche elementaren Wahrheiten? Chomsky Nun.einen Mechanismus darstellt... Im Grundsatz erscheint es mir völlig klar. aber um den Preis einer großen Verschwendung. die . Hrsg. der Grund war der Sieg der Nationalen Befreiungsfront im internen Bürgerkrieg. wodurch ein Schub ausgelöst wird (. und kein verantwortungsbewußter Bürger wird davor zurückscheuen.. findet nur wenige Divergenzen juristischer Art. Sie haben gesagt. die Angelegenheit sei für sein Verständnis zu esoterisch. sondern daß sie Anfang 1965 ihre schon länger andauernde gewaltsame Intervention in Vietnam zu einer regelrechten Invasion Südvietnams ausweiteten. daß der amerikanische Krieg auch im streng technischen Sinne ein Verbrechen ist. juristische Fragen seien zu komplex für Laien und sollten besser den Experten überlassen bleiben. zum andern betrifft sie den Charakter des amerikanischen Krieges. Was ist gefährlicher . denn andernfalls würde es schwierig für uns (. S. aber wir machen sie uns nicht klar. Was zur Debatte steht.

ganz alltäglich. von denen sie sich wirklich betroffen fühlen.92 in einem Brief an John Schoeffel . aber sie müssen sich schon darum bemühen.Bill Moyers Glauben Sie an die Vernunft der Menschen? Ich meine damit.. so verständnisvoll über das gemeine Volk reden hört.. nachgedruckt in Language and Politics S.) Entscheidend ist. daß es hier überhaupt nicht um eine militärische Bedrohung geht . Offensichtlich hungern die Menschen geradezu nach allem. Bill Moyers Es scheint irgendwie nicht zusammenzupassen. einen Gelehrten.. Einen kommerziellen Nutzen hat es bestenfalls zufällig (. Ich glaube. die häufig in der Öffentlichkeit auftreten. wie das ausgeht (.. daß die Wissenschaft jedenfalls auf meinem Gebiet .. Und natürlich steht der größte Teil der »Intellektuellengemeinde« auf die eine oder andere Weise im Dienste der Macht.. Aus meinen eigenen Forschungen über die Sprache und die menschliche Erkenntnisfähigkeit ergibt sich als allererstes. die ihn vor allen anderen.. konkurrenzfähig sein wollen (. Ich selbst kann nicht mal einen Bruchteil davon annehmen und bin gewöhnlich schon Jahre im voraus ausgebucht. Chomsky Ich meine aber. Allein daß die Menschen miteinander sprechen können . daß die Menschen die Fähigkeit besitzen.deutet auf sehr tiefliegende kreative Züge im Menschen hin. daß die einfachen Menschen über eine beachtliche Kreativität verfügen. So ist hier eine gähnende Lücke aufgerissen. 19 Als mir das US-Fernsehen einmal wirklich etwas Zeit zum Reden ließ (in der Hill Moyers Show).) Das japanische System ist auf den kommerziellen Markt ausgerichtet (. einen angesehenen Linguisten. jedenfalls wohl mehr als man irgendwann sonst bekommen hatte.gerade zu den entgegengesetzten Schlußfolgerungen führt. und diese Ressourcen fehlen dann bei den Dingen. Chomsky Aber klar glaube ich an die Cartesische Vernunft.) Unser System hingegen arbeitet ganz anders. es ist ja das Pentagon-System.. die aber aus der öffentlichen Diskussion weitgehend ausgeschlossen bleiben. 350-353. den sie umgebenden Betrug zu durchschauen. höre ich dasselbe (vor allem von Alex Cockburn und Howard Zinn). und gleichzeitig die japanischen Ingenieure an besseren Kleincomputern und ähnlichen Sachen arbeiten.) Wir stekken unsere Ressourcen in die Waffenproduktion. und diese wenigen werden mit Einladungen überhäuft. wenn man einen Mann aus dem Elfenbeinturm des MIT. sind Sie ein . Von Freunden. liefen nach der ersten Ausstrahlung dieses Interviews mehr Bitten um den gedruckten Text ein als bei jeder anderen der über 50 Folgen der Serie »A World of Ideas«... die diese Wünsche erfüllen können.. Unglücklicherweise sind wir nur wenige. 91 Nach Angaben der Produzentin.in keiner Weise.12. Noam Chomsky am 09. gab es eine Flut von Zuschauerpost. Die «Linksintellektuellen« (oder wie man sie bezeichnen soll) sind entweder in unverständliche postmoderne Exerzitien versponnen (meiner Meinung nach überwiegend unsinnige) oder sie reden nur gegenseitig aufeinander ein. an die 1000 Briefe. Gail Pellett. was von dem immer stärker doktrinär eingezwängten ideologischen Gerüst abweicht und die Fragen aufgreift.. die man verkaufen kann und mit denen Konsumnachfrage befriedigt werden kann (. nichts irgendwie Kompliziertes .) Wenn unsere Ingeniere an einer neuen Technik arbeiten. White und Elaine Smoot in National Forum. was sich meines Erachtens gerade heute besonders bemerkbar macht. wie es hieß. Aus einem Interview mit Stephen W. uns bekannten biologischen Systemen auszeichnen. Siehe auch Deterring Democracy S. dann können Sie sich ja denken. um eine Rakete 3 Millimeter näher ans Ziel zu bringen.

keine Bevorzugung des Sprechens erkennen ließen. »Warum zogen diese Kinder. Oklahoma. Petitto und ihre Kollegen hatten keine Ahnung davon. Entgegen der Vereinbarung lieferte die Primatenkolonie die vier Schimpansen an das Krebsforschungsinstitut in New York. die grundlegenden Gehirnmechanismen sowie die Umweltfaktoren zu identifizieren. geschickt. Als sie mit Nim zusammenzog. die sowohl der Zeichensprache als auch der Wortsprache ausgesetzt waren. mit Tieren zu kommunizieren. Reporter Hier sehen Sie Nim Chimpsky. ist doch das Steuerzentrum für die (zeichensprechenden) Hände in einem anderen Bereich des Gehirns lokalisiert als das Zentrum für die (verbal sprechende) Zunge. wie er die Welt sieht. selbst wenn man es ihnen ermöglicht. .etwa indem man ihnen eine Art natürlicher Zeichensprache beibringt. nach denen im menschlichen Gehirn keine Veranlagung für Sprache existieren sollte. stellte Petitto die verbreiteten Hypothesen über den menschlichen Spracherwerb in Frage. sondern beide Sprachformen so lernten. es hätte keinen Zweck. um herauszufinden. Nim selbst fand eine neue Heimat bei Cleveland Amory. wo er den Rest seiner Erdentage verbringen sollte. Nim. Petitto leitete aus dieser Unstimmigkeit die Hypothese ab. mit ihren Händen »lallen« wie normal hörende Kinder dies während des Spracherwerbs verbal tun . einem Tierrechtler in Texas. Andererseits gelingt es ihnen nicht. vor allem die. Petitto zu der Studentenzei- 20 tung McGill News. KANADA (1975) Ansager Heute abend: Wissenschaftler sprechen zu Tieren . derzufolge dem menschlichen Gehirn ein biologischer »Strukturerkennungsmechanismus« angeboren ist. Aufgrund der Erkenntnisse. Barbara Frum (Moderatorin) Die Wissenschaft unternimmt ernsthafte Versuche. und zwar zusätzlich zum Sprech- und Hörmechanismus an sich und zusätzlich zu unserer allgemeinen Fähigkeit zur kognitiven Symbolverarbeitung. die man im Alter zwischen 6 und 24 Monaten sowohl mit verbaler als auch mit Zeichensprache konfrontierte. wo man sie für Tierversuche einsetzte. daß normal hörende Kinder. Mehr über die Arbeit von Laura Ann Petitto in Science März 1991. Weiterhin fand sie heraus. bis ihnen ein Journalist aus Norman einen Tip gab. Nach dem Auslaufen des Projekt Nim wurde Nim Chimpsky und drei seiner Brüder zu einer Primatenkolonie in Norman. die sie an Nim gewonnen hatte. sie blieb dreieinhalb Jahre bei ihm. daß gehörlose Kleinstkinder.eine überraschende Erkenntnis. die innerhalb der Sprache verschlüsselt war. Dieses kam jedoch zu spät für Nims Brüder. ihre Unfähigkeit zum Hervorbringen von Sprachlauten zu umgehen . wodurch Kleinstkinder eher für bestimmte Aspekte der Struktur natürlicher Sprachen empfänglich sind als für das verbale Sprechen an sich. Sofort erwirkten sie ein gerichtliches Verbot weiterer Versuche. daß sie nicht nach der Sprache an sich suchten. Kürzlich hat sie eine Theorie formuliert. der etwas ironisch nach dem großen Linguisten Noam Chomsky benannt wurde. auf die mittels Zeichensprache »eingeredet« wird. als ob sie zwei Sprachen parallel lernten. bestimmte Schlüsselfunktionen der menschlichen Sprache zu meistern. war in den siebziger Jahren die große Hoffnung der Tier-Kommunikatoren. die bereits zu krank waren und starben. CBC TV.« Petittos weitere Untersuchungen konzentrierten sich darauf. Vier Jahre lang unterrichteten Petitto und andere ihn in der Zeichensprache. Laura Ann Petitto Ich hätte mich ja liebend gern mit Nim unterhalten. war sie 18. Laura Ann Petitto ist Associate Professor an der McGill University in Montreal. sondern nach der Struktur. Nim konnte zwar um Dinge bitten. nicht die Wortsprache vor? Das läßt darauf schließen. Nim stellte die Wissenschaftler vor eine Herausforderung: Einerseits verfügen Schimpansen über beeindruckende kommunikative und kognitive Fähigkeiten. Petitto entdeckte. aber das war auch schon fast alles. doch am Ende kamen sie zu dem Schluß. durch die der Spracherwerb ausgelöst wird.AUS »THE JOURNAL«. die Menschen verfügten vielleicht über etwas Besonderes.aber antworten die auch? »The Journal« mit Barbara Frum und Mary Lou Findley. Das Projekt Nim wurde von der Regierung mit mehreren Millionen Dollar gefördert. Er hat es mir aber nicht verraten. Dabei haben wir ihm jede Möglichkeit dazu gegeben.

die ein Kind das Sprechen »lehren«. der den Geist als ein »leeres Zimmer« bezeichnete. Philosophen des 17. Mit dem Wort »Erfahrung« wollte er ausdrücken.1972 . Chomsky wendet sich leidenschaftlich gegen diese Ansicht: »Diese empiristische Sichtweise auf das menschliche Denken ist bei uns so tief verwurzelt.« In seiner Theorie geht er so weit. was viele als die Chomskysche Revolution der Linguistik bezeichnen. sie seien letztlich dem menschlichen Geist genetisch so einprogrammiert wie eine Maschinensprache einem Computer.eine unendliche Anzahl von Sätzen hervorbringen. Jahrhunderts haben es formuliert. Dies führte ihn später zu der Auffassung. Gleich einem Kopernikus unserer Tage zeigte Chomsky eine radikal neue Sichtweise auf die Theorie der Grammatiken auf. bevor das erste Wort über seine Lippen kommt. hat eine ungewöhnliche Karriere hinter sich. dann in der Regel zusammenhängend und situationsgemäß. RADIO BBC-3. Ein Kind . Hierbei wird ein weiterer Aspekt der Kreativität sichtbar: Wir können . wenn es physisch und emotional gereift ist. daß »alle Naturgesetze und alle körperlichen Aktivitäten uns ausnahmslos nur durch Erfahrung zugänglich« seien.einander wechselseitig befördern. und doch entwickelt das Kind in kürzester Zeit beträchtliche linguistische Fähigkeiten. The New York Times Magazine. bildet sich »die Kenntnis einer Sprache aus dem Zusammenspiel von angeborenen Strukturen des Geistes mit Reifungsprozessen und in Wechselwirkung mit der Umgebung«. Sprache . unabhängig von den Personen oder den Umständen des Sprachgebrauchs. was man aussprechen kann. und 18. Ich kenne nichts Vergleichbares in der jüngeren amerikanischen Geschichte. Diejenigen. Es scheint. Demnach entspringt alles Wissen der Erfahrung. diese Systeme seien dem Menschen angeboren und gehörten zu den charakteristischen Zügen seiner biologischen Art. Nach Chomskys Meinung »kennt« ein Kind die Grundelemente der Sprache. der mit Nachdruck feststellte. verwirrt oder in Hast . was wir wollen. Also: Wir haben die Freiheit. daß diese beiden Karrieren . liefern ihm relativ spärliche sprachliche »Informationen« dieser Art. über das alle Benutzer der Sprache verfügen. was wir hören. lächeln die Eltern. Das heißt.aber jeder normale Mensch besitzt dieses gemeinsame Wissen. Wie Chomsky betont.vielleicht sind wir müde. Chomsky erarbeitete die formalen Gesetze einer universellen Grammatik. oder David Hume. wir können einen noch nie zuvor gehörten Satz hören. zu sagen. Chomsky nennt es »Spachkompetenz«. er nennt sie »invariante Eigenschaften«. was wir wollen. was wir denken. die noch nie gesprochen wurden. daß eine Grammatik ein Grundwissen darstellt. Sie gelten für alte und neue Sprachen. bei einem Fehler runzeln sie die Stirn und sprechen den Satz noch einmal vor. genetisch determinierten Grundeigenschaften zu postulieren.die des Gelehrten und die des Propagandisten . daß unser gesamtes Wissen uns nur durch unsere Sinne zuwächst. Sprachtheoretiker und politischer Aktivist. Ist die Nachahmung richtig. sehen oder berühren. 3. aus denen die speziellen Regeln der lebenden und überhaupt aller natürlichen Sprachen sich abgeleitet haben. seinen Sinn erfassen und auch beurteilen. Zwar können uns jederzeit Fehler unterlaufen . Zwei Beobachtungen auf sprachlichem Gebiet liegen Chomskys Theorien zugrunde. ob er grammatisch korrekt ist oder nicht. für jede der rund 4000 bekannten Sprachen dieselben. Und so beginnt das Kind zu sprechen .« Aus »The Chomskyan Revolution« von Daniel Yergin. wir können sagen. Im Jahre 1957 veröffentlichte er Syntactic Structures und initiierte damit das. und wenige Beispiele aus anderen Zeiten oder Ländern.was ist das? Wie erlernen und wie benutzen wir sie? Die herkömmliche Erklärung der Sprache. »Diese Kreativität«. daß unser Sprachgebrauch im Grunde kreativ ist.AUS »THIRD EAR«.so würde ein Empirist sagen lernt die Sprache wie eine Gewohnheit. der Komplexität und der enormen Spannweite dessen. wurde vor 300 Jahren von den Empiristen präsentiert.theoretisch . »zeigt sich in dem Reichtum. also durch das. und schließlich spricht das Kind es ihnen nach.sagen die Empiristen. Die erste besagt. Seine Eltern wiederholen ein Wort wieder und wieder. Es muß zunächst sehr viel lernen und kann alle Feinheiten der Sprache erst erfassen. wie überhaupt allen menschlichen Wissens. etwa John Locke. daß sie geradezu einem Aberglauben gleicht. und wir können denken. Natür- 21 lich ist dem Kind nicht die Beherrschung einer bestimmten Sprache angeboren.12. »linguistische Universalelemente« oder »universelle Grammatik«. Und wenn wir sprechen. bemerkt Chomsky. Die zweite hält fest. Er hat das Gebiet der Linguistik buchstäblich umgepflügt Und gleichzeitig ist er zu einem der konsequentesten Kritiker der Machtpolitik in all ihren proteusartigen Verkleidungen geworden. LONDON Jonathan Steinberg (Historiker an der Universität Cambridge) Noam Chomsky. mit Hilfe dieser Grundstrukturen lernt es die Grammatik seiner eigenen Sprache.

Wie Piaget gezeigt hat. daß die Sprachentwicklung ein Spiegelbild der sensomotorischen Fähigkeiten darstelle. Aus einer schriftlichen Antwort auf Fragen von Dr. Eine andere Möglichkeit sieht aber auch niemand (. Celia Jacubowicz. so ist uns kein Analogem dazu in anderen kognitiven Bereichen bekannt. sehr zum Ärger (und unter heftigstem Widerspruch) der Konferenzteilnehmer. was wir wissen. Vielmehr hat Harvard University Press das so zusammengestückelt. auch von mir . Hrsg. Die insgesamt 24 Stunden umfassende Videoaufnahme wird an der LavalUniversität in Quebec aufbewahrt. daß das Sprechen sich auf einem intern determinierten Pfad entwickelt und daß dabei interne Mechanismen des Sprachsystems ins Spiel kommen. 384-385 Diese »Debatte« über Piaget ist irrelevant.. Wenn ich es richtig verstanden habe. die an der University of Windsor Kommunikationswissenschaft unterrichtet. von denen jedes einzelne einen weitgehend einheitlichen Charakter besitzt. Demnach läuft die Entwicklung in genetisch determinierten Schritten in immer derselben Reihenfolge ab. Es stellen sich nun zwei Fragen: 1) Trifft dies zu? 2) Wie gelangt ein Kind von einer Stufe zur nächsten? Was nun (1) angeht. und Die Entwicklung der physikalischen Mengenbegriffe beim Kinde. ein Schweizer Psychologe. Das Erwachen der Intelligenz beim Kinde. so scheinen die wissenschaftlichen Beobachtungen diese Annahme zu widerlegen. FRANKREICH (1975) Aus einer Debatte zwischen Chomsky und Jean Piaget während einer mehrtägigen Veranstaltung unter Beteiligung anderer Psychologen und Philosophen Chomsky Mein Ansatz scheint mir im allgemeinen ziemlich einfach und unkompliziert zu sein .nur um den Verkauf des Buches zu fördern. dennoch und trotz allem. welches also in dieser Hinsicht Analogien zu einem physischen Organ aufweist. Natürlich muß sich niemand für diese Frage interessieren..) Im Hinblick auf (2) meine ich. Wenn wir die Grundlagen des Sprechens nehmen. Er schrieb auch über die Anwendung der Dialektik und des Strukturalismus auf die Verhaltensforschung und bemühte sich um eine Synthese von Physik. Biologie.ROYAUMONT. wurde durch seine Beiträge zur Kinderpsychologie bekannt. Ich will vielleicht mal die Tafel benutzen. so erfolgt auch hier die Entwicklung in Wechselwirkung mit der umgebenden Welt. denken Kinder anders als Erwachsene und sind häufig nicht in der Lage. scheint mir darauf hinzudeuten. ist purer Dogmatismus (. Wie beim visuellen und bei anderen Systemen. die Genfer Schule steht . Quelle: The Concise Columbia Encyclopedia. Unter seinen Büchern finden sich. die in einem bestimmten Bereich (etwa dem sprachlichen) herrschen.) Was wir bis jetzt wissen. wie sich denn die Übergänge vollziehen. 1983 ..und doch richtig. Erstens ist sie nicht filmisch dokumentiert und zweitens war es überhaupt keine »Debatte«. logische Begründungen zu verstehen. abgedruckt in Language and Politics S. Ein Übergang ereignet sich entweder infolge neuer Informationen (was man bestreitet) oder aus einem inneren Reifeprozeß heraus (was man ebenfalls bestreitet). geht Piaget davon aus. Wir 22 müssen uns das Detailwissen erarbeiten und die Grundregeln herausfinden und natürlich dies alles mit den physischen Gehirnmechanismen verknüpfen. dieselben wie in einem anderen Bereich (etwa dem des Problemlösens). wie ist in dieser Hinsicht die Natur des Menschen beschaffen? Die Diskussion mit Piaget und anderen wurde zwar nicht gefilmt. Mich jedenfalls interessiert sie. -NC Gemeint ist hier das Buch Language and Learning: The Debate Between Jean Piaget and Noam Chomsky. vor allem durch seine Theorie der kognitiven und der Intelligenzentwicklung. Massimo Piatelli-Palmaroni (Harvard University Press 1979) Jean Piaget (1896-1980). daß die kognitive Entwicklung eine Reihe von Stadien durchläuft. Auf jeder Stufe sind also die Prinzipien. darauf zu bestehen..selbst wenn man eine Reihe von »kognitiven Stadien« für möglich hielte -vor dem selbstgestellten Dilemma. Psychologie und Epistemologie. Unter diesem Blickwinkel ist die interessante Frage: Wie sieht der Anfangszustand aus? Das heißt. Dies ist der organisatorischen Arbeit von Rhonda Hammer zu verdanken. aber glücklicherweise auf Video aufgenommen.

nun das erste »ist« nach vorn ziehen und sagen würde: »Ist der Mann.AUF EINEM SCHULHOF IN MONTREAL.e. als man bisher vermutet hatte . aus deren Wechselwirkung miteinander und mit den Eigenschaften von Wörtern die gesamte Komplexität der Sprache entsteht. so schwierig sie auch sein mögen.. Er schreibt: »Der Begriff >klettern< stellt nur einen Teil davon dar. Er vergleicht die Sprache mit einem kompliziert verdrahteten Schaltkasten . So verlangt etwa das Wort »schlagen« die Angabe sowohl des Handelnden wie dessen.). ohne jemals explizit darüber unterrichtet worden zu sein. wie Begriffe und Syntax ineinandergreifen. Fertigkeit. ist hier?« Chomsky zufolge machen aber Kinder niemals diesen Fehler. schwer .. erstaunliche .t. Chomskys Lehrer. daß ein Kind.. AUS »THIRD EAR« Jonathan Steinberg (im Off) Hieraus nun erklärt sich die erstaunliche Fertigkeit..tee Peter Wintonick . unglaublich schnell lernen. liest ihrem Vater vor Mira Burt-Wintonick Hieraus nun erklärt sich . schwierig . mit der Kinder die Regeln der natürlichen Sprache. daß die Sprache weit komplexer ist. Peter Wintonick . welches gerade das einfachere Muster gelernt hat... schwierig . auch Zelig Harris... sondern verlegen stets das Hauptverb. der groß und humpelt. Um beispielsweise den Satz »Der Mann ist hier« in einen Ja-Nein-Fragesatz zu verwandeln. das Kernwissen über die meisten Worte existiere vor aller Erfahrung.wobei die Einstellung der Schalter durch die Erfahrung vorgenommen wird. Nach Chomsky bestimmt der Eintrag eines Wortes im Lexikon nicht nur seinen Klang und seine syntaktische Rolle (Verb. der die Handlung empfängt. bevor wir diese Erfahrung real gemacht haben.. Du weißt doch. ist in beiden Fällen dieselbe.... Durch den Einsatz dieses Instrumentariums konnte Chomsky zeigen..) figuriert eine universelle Grammatik als eine Menge einfacher Prinzipien. setzt man einfach das Verb vor das Subjekt: »Ist der Mann hier?« Wie steht es aber mit dem etwas komplizierteren Satz »Der Mann.k.. und zwar aufgrund von unvollkommenen und häufig sogar fehlerhaften Beispielen. der groß ist und humpelt.. die sechsjährige Tochter von Christine Burt und Peter Wintonick. Im Chinesischen nehmen sie bestimmte Stellungen ein. ist hier«? Man könnte ja vermuten. Und doch können Kinder sie anwenden...ee.r. die . nicht das erste Verb. und wie kommt er an dieses Wissen? In Verfolgung dieser Frage entwickelte Chomsky ein Regelsystem zur Generierung grammatischer Sätze.i. sondern auch gewisse Kernelemente seiner Bedeutung.die Wurzelbegriffe (»root concepts«) und die grammatikalischen Grundregeln . Chomsky geht sogar so weit zu behaupten. was »schwierig« heißt? Daß etwas schwierig ist.g. ist diese Regel ziemlich subtil und auch schwierig als linguistische Formel oder als Computerprogramm auszudrücken.. seine sogenannte generative Grammatik übertraf an Strenge und Spannweite alle Vorläufer.. Der Theorie liegt auch ein noch mächtigeres Lexikon oder Wörterverzeichnis zugrunde. Aber die Grundlage dessen. um vollständig gelernt zu werden. John Horgan: »Free Radical: A Word (or Two) about Linguist Noam Chomsky«.. Das hatten schon andere Linguisten getan.« Nach Chomsky besteht die allen Sprachen zugrundeliegende universelle Grammatik aus derartigen Prinzipien. im Englischen eben andere. Mira Burt-Wintonick Was weiß unser Geist. Wie Chomsky betont. Präposition usw. Chomsky jedoch bediente sich der Mathematik und der formalen Logik.. Versuch mal das nächste Wort. Peter Wintonick . Aus David Berrebys Rezension des Buches The Linguistic Wars von Randy Allen Harris (Oxford University Press 1994) in The Sciences Jan/Feb 1994 . Peter Wintonick Das ist ein schwieriges Wort.. an den Satzanfang.i.. Scientific American Mai 1990 . Mira Burt-Wintonick . 23 In Chomskys jüngstem Modell (. wenn er eine Sprache kennt.seiner Meinung nach zu komplex.. wie wir eine uns zugängliche Erfahrung bereits interpretieren können.. Nomen.. KANADA Mira Burt-Wintonick. Mira Burt-Wintonick f.

Jakobovits and M. L. daß alle Sprachen im wesentlichen dieselbe Grundstruktur aufweisen müssen. Wenn Sie mein Kind hier in Japan erziehen. 26-58). A. 35 1959. aber die scheinbare Variationsbreite unter ihnen ist nur oberflächlich. dann doch dies: Die Menschen sind nicht genetisch für eine bestimmte Sprache vorprogrammiert. Otero in Noam Chomsky: Critical Assessments (Routledge 1993). Lassen Sie ein japanisches Baby in Boston aufwachsen . S. Katz (Prentice-Hall 1964) oder . S. Diese wurde auch vielfach nachgedruckt. Fodor und J. Gut. dann wären wir allerdings arm dran. es gibt natürlich die verschiedenen Sprachen. Wenn eines feststeht. JAPAN Chomsky Denn falls unser Geist wirklich eine leere Schiefertafel wäre.es wird Bostoner Englisch sprechen.mit einer lesenswerten Vorbemerkung aus Chomsky Feder . Mirion (PrenticeHall 1967). daß unsere Sprache das Ergebnis eines automatisch ablaufenden genetischen Programms ist. J. Also drängt sich die Hypothese auf. die nur von der Erfahrung beschrieben würde. 24 . KYOTO. A. Carlos P. Da ist es doch nur logisch.AUS »ENGLISH STREET«. Hrsg. Die erste Kritik der Schwachstellen der behavioristischen Psychologie findet sich in Chomskys umfangreicher Besprechung von Skinners Verbal Behavior in Language (Bd. KBS TV. J. so etwa in The Structure of Language: Readings in the Philosophy of Language.in Readings in the Psychology of Language. Hrsg. Diese Rezension sollte eine erhebliche Wirkung entfalten (für manche läutete sie dem Behaviorismus das Totenglöcklein). spricht es Japanisch.

und Verhaltenswissenschaften vollziehen (.und Schöpfungsakt erblicken. im Gegensatz zur Struktur der Physik. sie werden diejenigen dem Menschen innewohnenden Züge zu bestimmen suchen. es darf aber ohne weiteres dadurch beeinflußt werden. Konzernmanagern.Wir Wissenschaftler müssen versuchen herauszufinden. Ich bin übrigens sicher. werden hoffen. einer erweiterten Fassung von Chomskys Besprechung von B. Alle. für Erkenntnis. die im Denken des Menschen nicht so direkt angelegt ist. Unser Gehirn ist nicht so konstruiert.) (. Ich bin sicher. Skinners Beyond Freedom and Dignity (Alfred A. wohingegen unsere Genies Jahrhunderte benötigt haben. was sie sagen müssen. F. was genau diese Grundlagen sind. um durch Beförderung »verstärkt« zu werden.) Ich denke. für die ethische und ästhetische Urteilsfähigkeit usw. er würde dieser Leistung denselben Rang zuweisen wie etwa dem Aufstellen eines Lehrsatzes der theoretischen Physik aufgrund der einem Physiker zugänglichen Daten. 155 . die wir dann nur noch niederschreiben müssen. was die Kulturbestimmer für angebracht halten (. machen wir sogar »die Welt sicherer« und dienen so dem Ziel der behavioristischen Technik (Beyond Freedom and Dignity S.so würde dieser Marsmensch den rationalen Schluß ziehen. daß jedes normale Kind diesen schöpferischen Akt meistert. Priester. 81).71 erschien. wenn wir einen einschneidenden und radikalen Bruch mit einem Großteil unserer heutigen Sozial.12. ohne innere geistige Strukturen und ohne angeborene kulturelle oder soziale Bedürfnisse. daß dies nicht zutrifft.und Interpretationsmechanismen. 25 Denken wir noch einmal an das Menschenkind: In seinem Kopf beherbergt es irgendeinen Mechanismus. nebst den entsprechenden Durchsetzungsinstrumenten und Gesetzestafeln. die ursprünglich in The New York Review of Books vom 30. auf denen die Sprachbeherrschung sich unter bestimmten Bedingungen so entwickelt.womit nicht gesagt sein soll. die genau das äußern. daß man beispielsweise die guten Jobs für diejenigen reserviert. er müßte darin einen ungeheuren Erfindungs. So ist unser Geist nicht gestaltet. von dem abhängt..dieses riesige. wie sich eine Kultur aufbaut (wir erfahren dort ohnehin so gut wie nichts) . Eigentümer. 74 u. Knopf 1971). Chomsky Reader S.. ausgeklügelte Wissenssystem erworben wird. Gemäß Skinners Methode sollte zwar eine Beeinflussung des gesprochenen Wortes durch direkte Bestrafung vermieden werden.. um den kreativen Schritt von der Beobachtung zur wissenschaftlichen Theorie zu tun .also an Polizisten. Aus Reflexive Water: The Basic Concerns of Mankind.. Dies ist nun ein völlig normaler Vorgang.und ist doch eine äußerst kreative Handlung. komplexe. wie es geschieht. in dem — aufbauend auf einer lächerlich geringen Datenmenge . Sollte einmal ein Marsbewohner diesen Prozeß verfolgen. daß uns Skinner über seine Absichten völlig im Dunkeln ließe. die den Entwicklungsrahmen für die Intelligenz. Da nun aber unser hypothetischer Marsbewohner feststellen würde. Falls die Menschen wirklich unbeschränkt formbare plastische Wesen sind. Hrsg. Es macht einige Erfahrungen und kennt dann sehr rasch die Sprache. Fons Elders (Souvenir Press 1974) S. Aus »Psychology and Ideology«..) Nehmen wir die Redefreiheit. die sich mit den Erfahrungen verknüpft. 155). ein besseres Verständnis dieser Dinge können wir nur erreichen. die sich noch einen Rest von Vertrauen in die Menschheit bewahrt haben..« (Beyond Freedom and Dignity S. also ein Beweis normaler Intelligenz . daß dies auch für andere Aspekte der menschlichen Intelligenz gilt. 154. daß die Struktur des mit der Sprache erworbenen Wissens eine innere Eigenschaft des menschlichen Geistes sein muß. das ethische Bewußtsein. Therapeuten usw. und alle auf dieselbe problemlose Weise. Lehrer. die kulturelle Potenz und das Teilhaben an einer freien Gemeinschaft bieten (.. dann sind sie auch ein geeignetes Ziel für eine »Verhaltensformung« seitens staatlicher Autoritäten.) Indem wir den Menschen genaue Regeln für das liefern. Technokraten oder Zentralkomitees. daß daraus beim Betrachten der Erscheinungen in der Welt um uns herum die theoretische Physik hervorquillt. Seiner Meinung nach muß nämlich »die Steuerung einer Gesamtbevölkerung an Spezialisten übertragen werden . Aus den Grundlagen der Skinnerschen »Wissenschaft« erfahren wir nichts darüber. welche Art von Sprache es erlernen kann..

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über die Literaturkritik und die Logik hinweggefegt. Howard Lesnik Dies ist ein hochinteressanter Satz . die Erziehungswissenschaften.dann klingt es überhaupt nicht englisch. ob er eine Bedeutung hat oder nicht. scheint es nicht besonders darauf anzukommen.zeigt er doch.« Scheinbar ohne Sinn und Zusammenhang. und hört sich doch an wie ein englischer Satz. 27 . Liest man ihn rückwärts furiously sleep ideas green colorless . Aus The Human Language. sondern nur darauf.. ob er eine Bedeutung hat oder nicht (. daß ihre Anordnung den Regeln der Syntax gehorcht. Ja. Debatten usw. daß sich Syntax und Semantik.AUS «THIRD EAR» Jonathan Steinberg Die Auswirkungen dieser Lehren sind wie eine Flutwelle über die Psychologie.) Howard Lesnik Damit ein Satz. nämlich dem Satz »Colorless green ideas sleep furiously« fast eine Industrie hervorgegangen. daß die Struktur eines Satzes nicht nur davon bestimmt wird. Chomsky Chomsky Und so ist aus einem einzigen linguistischen Beispiel. strukturell gesehen. und daran sehen wir. die Soziologie und Philosophie. er hat den Anstoß für Gedichte. ein englischer Satz ist. Musik. einer Reihe von einstündigen Filmen über »The menschliche Sprache: Was sie ist und wie sie funktioniert« Die Struktur eines Satzes wird nicht nur davon bestimmt. geliefert.. was die Worte bedeuten oder ob sie zusammen einen Sinn ergeben. daß sich Form und Bedeutung voneinander trennen lassen. »Colorless green ideas sleep furiously.

müsse man erst die entsprechenden Vorbedingungen erfüllen. Wo ist denn nun der Zusammenhang zwischen Linguistik und Politik bei Ihnen geblieben? Chomsky Hm. Ich habe wirklich eine sehr ungewöhnliche Laufbahn hinter mir. eine Brücke von Ihrer Linguistik zu Ihrer Politik zu schlagen. Sie sollten sich fragen. Der eine beruht auf der Annahme. ob es sinnvoll ist. Denn das ist eine naturwissenschaftliche Hochschule. Man kann sich nicht bloß deshalb bei einem Völkermord engagieren. gerade auch positiven. Professor Chomsky. man könne nicht einfach nur ein Mensch sein wollen. Und dann wird unterstellt. zwischen meinen eigenen anarchistischen Überzeugungen auf der einen Seite und andererseits dem. weil Sie ja ein Linguist sind? Chomsky Das ist eine interessante Frage. Ich habe keine ordentliche Fachausbildung genossen. was ich .jedenfalls sieht es so aus. 269 28 Chomsky Sie sollten nicht darauf achten. Ich habe keine offiziellen Examina durchlaufen. weil man Völkermord ablehnt. Aber der ist doch inzwischen out . intellektuell befriedigende Verbindungen zu entdecken. NIEDERLANDE (1971) Chomsky Ich wäre auch sehr froh. Allenfalls lassen sich einige schwache Berührungspunkte finden.über das Wesen der menschlichen Intelligenz aufzeigen oder zumindest erahnen kann. So kommt es zu zahlreichen Rezensionen. Es ist schon eine merkwürdige Frage. und anwenden kann ich dieses Wort erst recht nicht.VERLAG »SERPENT'S TAIL« LONDON Chomsky wird von Mitarbeitern der Zeitschrift Radical Philosophy interviewt Jonathan Rée In den fünfziger und sechziger Jahren bestand die Brücke von Ihrer theoretischen zu Ihrer politischen Arbeit wohl im Angriff auf den Behaviorismus.. warum diese Frage jedesmal kommt. an einer normalen Universität wäre ich nie angekommen. diesen Zusammenhang habe ich immer . man könne über eine Sache nur reden. also um die Wahrheit zu sagen. wie er da mittels der Linguistik die Ideologie dekonstruiert. Ich weiß nicht mal. es muß noch was anderes dahinterstecken. Dem MIT war das egal. was »dekonstruieren« bedeutet. David Barsamian Student Sie werden bei Vorträgen und Interviews immer wieder gebeten. NOS TV.. Das ist gar nicht so witzig. weil ich kein ausgebildeter Linguist sei . Mich interessiert eher. ob ich recht oder unrecht hatte. Sie könnten mich ebensogut als Linguisten anzweifeln.was sogar stimmt. Als ob es einen Beruf »Gesellschaftskritiker« gäbe. Chronicles of Dissent S. was erwidern Sie Ihren Kritikern. die Ihre Sozialkritik in Frage stellen. Deshalb lehre ich ja am MIT. Ich werde Ihnen diese Frage jetzt nicht stellen. was für eine phantastische Propagandaanalyse. wenn man ein Experte dafür ist. Was auf dem Diplom steht.wie ich glaube . dort kam es nur darauf an. ich habe nicht die üblichen Vorlesungen besucht. überzeugende Querverbindungen zwischen diesen beiden Bereichen herauszufinden. die ein Buch von mir mit den Worten kommentieren: Herrgott. Und doch sind meine Arbeiten überall verbreitet. Aber ich schaffe es einfach nicht. oder so ähnlich. Aus einer öffentlichen Diskussion im Anschluß an eine Podiumsdiskussion an der Universität von Wyoming . ich hab' da eigentlich nie einen besonderen Zusammenhang gesehen. wenn es mir gelänge. von linken Aktivisten. und um einer sein zu dürfen. Ich habe keine professionelle Ausbildung in der Linguistik. interessiert die Leute dort nicht. Es gibt wohl zwei Gründe dafür. ob ich etwas als Linguist sage oder in einer anderen Eigenschaft.

im Klassenkampf usw. in Produktionsbedingungen. in der die Menschen nicht in die Rolle von Werkzeugen oder von Rädchen im Getriebe gepreßt werden müssen. wie ich glaube. Ich frage mich. Ich habe nun ein Problem . 193-194 . Hrsg. Unter dem Anarchosyndikalismus verstehe ich ein föderiertes.Michel Foucault Kreativität ist nur innerhalb eines RegelSystems möglich.. ob sich dieses einschränkende Regelsystem. Und ein derartiges System ist meiner Meinung nach die richtige Organisationsform für eine technisch fortgeschrittene Gesellschaft. Computer ermöglichen einen extrem schnellen Informationsfluß. Die Automatisierung kann zu allererst mal die Menschen von einem Berg stupider Arbeit entlasten und ihnen so die Freiheit für anderes verschaffen. abgedruckt in Language and Politics. S. das eine Wissenschaft erst ermöglicht. daß der Drang nach schöpferischem Arbeiten oder schöpferischem Forschen. In den im Zuge der »Aufklärung« entstandenen neuen Wissenschaften und Institutionen erblickte er den Wissensaspekt der Macht und in der modernen Gefängnisaufsicht vermittels des »Panopticon« die gleiche Technik. James McGillivray Siehe auch Reflexive Water: The Basic Concerns of Mankind. dezentrales System freier Assoziationen einschließlich ökonomischer und gesellschaftlicher Institutionen. dann folgt daraus selbstverständlich. um diese Aufgabe zu erfüllen. Chomsky nicht ganz überein . überhaupt nach schöpferischer Freiheit ohne die einschränkende Willkür institutioneller Zwänge. verinnerlichten Zwangs.. bedarf seiner Meinung nach der noch relativ junge »demokratische« Staat eines sublimierten.. daß eine anständige Gesellschaft diesem menschlichen Grundzug ein Maximum an Betätigungsmöglichkeiten eröffnen müßte. in der gegenwärtigen Epoche bietet unser technisches Niveau uns enorme Möglichkeiten zur Abschaffung repressiver Institutionen (.wenn er diese Beschränkungen irgendwo im Geist oder in der Natur des Menschen verortet. Fons Elders (Souvenir Press 1974) S. 147. Demokratische Entscheidungen könnten unmittelbar von allen Betroffenen herbeigeführt werden (. aufgrund des technischen Fortschritts müßten wir die Herrschaft über die Institutionen zwangsläufig einer kleinen Managergruppe übertragen. Chomsky Wenn es. Alle könnten über weitaus mehr relevante Informationen als bisher verfügen. Ich glaube. ein grundlegendes Element der menschlichen Natur ist.) Natürlich wird diese Technik in Wirklichkeit nicht hierfür eingesetzt. zutrifft. Im Gegensatz zum monarchischen Staat.) Man hört oft die Meinung. mit welcher der moderne Staat die gesamte Gesellschaft beherrscht. Aus einem Interview mit der New Left Review.und da stimme ich mit. Irrenanstalt und Krankenhaus. sondern für destruktive Ziele. in gesellschaftlichen Strukturen. 29 Der französische Philosoph Michel Foucault (1926-1984) erforschte mit einem »genealogischen« und »archäologischen« Ansatz die Geschichte der Sexualität sowie die Institutionen Gefängnis. der seine Untertanen mit brutaler Gewalt kontrolliert.. Das ist völliger Blödsinn. nicht vielmehr außerhalb des menschlichen Geistes finden ließe.

Genau diese Fakten müssen wir also verstehen . aber meine eigenen Aktivitäten liegen jedenfalls dort. dann sind wir klarerweise noch weit von der Demokratie entfernt. das muß man aber im Licht ihrer autokratischen Macht sehen. sich auf vielfache Weise verwirklichen können (. indem das andere vollständig aufgedeckt wird.) In einer Gesellschaft wie der unsrigen sehe ich die eigentliche politische Aufgabe darin. daß hinter der Regierung oder dem Staatsapparat eine herrschende Klasse steht. Zunächst deswegen. da stimme ich sofort zu. über die ich gerade sprach. die nur scheinbar neutral und unabhängig sind sie derart zu kritisieren und anzugreifen. Und wenn wir dann wirklich an eine soziale Transformation oder Umwälzung denken. die Vision einer kommenden gerechten Gesellschaft zu erschaffen. Es gibt Zentren. im einzelnen darstellen wollten. sie fortdauern zu lassen. Wenn man diese Stützpunkte der Klassenmacht nicht erkennt. sondern auch in der Praxis.) Fan Elders (Moderator) Herr Foucault. ich glaube nicht im geringsten.. die sich in ihnen seit jeher im Verborgenen betätigt hat. also die Wirtschafts-. die möglichst in einem tragfähigen und humanistischen Begriff vom Wesen oder von der Natur des Menschen gründet. und dazu gehört auch die spezielle Form der autokratischen Kontrolle. einfach festzustellen. Dies sind im Grunde die Institutionen der Unterdrückung. ich glaube. wenn Sie diese Worte von Herrn Chomsky hören. des Zwangs und der autokratischen Herrschaft. eine . ich kann nicht definieren . Dieser Zustand kann und muß überwunden werden. die weder in sich gespalten noch hierarchisch in Klassen gegliedert ist.wie ein ideales Funktionsmodell unserer wissenschaftlich-technischen Gesellschaft aussehen soll (. die sich unter Einsatz von Gewalt durchsetzt.) Es besteht keine gesellschaftliche Notwendigkeit mehr dazu. die . Unterdrückung.sie ist das Instrument und weitgehend auch die Vorbedingung dafür... in der diese Grundzüge sich entfalten und in der die Menschen ein sinnerfülltes Leben führen können. wenn wir darüber eine etwas abstraktere philosophische Aufgabe beiseiteschieben würden. liegt darin. und wirkliche Ausdauer und Härte beweist sie vielleicht gerade dort. in das wir den Hauptteil unserer Energie investieren. Die andere besteht darin. Die eine. dann wäre es natürlich absurd. Handels. Das eine läßt sich nur beseitigen. ihre Tarnkappe einbüßt. Vielleicht genügt es nicht. glauben Sie dann.. Wenn man unter Demokratie die tatsächliche Ausübung der Macht durch eine Bevölkerung versteht. wo man es nicht erwartet hätte. Es ist doch überdeutlich. aber es gibt auch unsichtbare. Menschen im Produktionsprozeß als mechanische Glieder zu behandeln. Insoweit kann von einer Demokratie bei uns keine Rede sein (. Gut. Und dann kann man sie bekämpfen.humanistische Gesellschaftstheorie. Terror und Zerstörung in unserer eigenen Gesellschaft verstehen zu lernen. also in der Macht einer Klasse. daß sich diese Klassenmacht auch nach einem scheinbar revolutionären Vorgang von neuem etabliert. unser politisches Engagement. aber über die Richtung. und dort wird der Schöpferdrang.Chomsky (. das Wirken von Institutionen zu kritisieren. daß man unsere Gesellschaft als demokratisch ansehen kann (lacht). Würde und Kreativität und anderen menschlichen Grundzügen herzustellen sowie diesen mit dem Modell einer Gesellschaftsstruktur in Beziehung zu setzen. Diese Kritik und dieser Kampf sind für mich von zentraler Bedeutung. dann läuft man Gefahr. und das gilt wohl auch für alle anderen.. und dann kann es uns passieren. wir müssen sie bekämpfen. mögen sich diese Gewaltinstrumente auch in Verfassungen und Institutionen verkörpern. die in einer egalitären Gesellschaft aus der Herrschaft über die Kräfte des Marktes resultiert. muß in jedem Fall auf diesem Feld liegen. nämlich einen Zusammenhang zwischen einem Menschenbild der Freiheit. Und doch wäre es jammerschade. man könne unsere Gesellschaft überhaupt als demokratisch bezeichnen? Michel Foucault Nein. wir leben in einer Demokratie des Marktes. Das ist also die eine Aufgabe.wenn Sie wollen . und dafür gibt es mehrere Gründe. und sie sind nicht neutral. nicht nur in der Theorie. ganz klar den Charakter von Macht. Ja. das wir anstreben. Das schließt 30 natürlich auch die von Ihnen erwähnten Institutionen ein und ebenso die zentralen Institutionen jeder Industriegesellschaft. Diese Herrschaft ist nicht einfach nur der politische Ausdruck der ökonomischen Ausbeutung .und schon garnicht konkretisieren . denen wir übrigens in diesem Moment gerade sehr nahe sind [gemeint ist der Philips-Konzern in Eindhoven]. Ich möchte hier garnicht persönlich werden. durch eine Gesellschaft der Freiheit und des freien Zusammenschlusses. die Orte und Formen der Herrschaftsausübung identifizieren. der meiner Meinung nach in der menschlichen Natur angelegt ist. wenn wir das Ziel.mehr noch. weil die politische Macht viel weiter reicht als man allgemein vermutet... man muß vielmehr die Ansatzpunkte. wir leben unter einer Klassendiktatur. Es gibt also zwei intellektuelle Aufgaben.und Finanzinstitutionen und seit neuestem vor allem die großen multinationalen Konzerne. Chomsky Ja. ganz gleich was sie sagen.) Zugegeben.. daß die politische Gewalt. kaum bekannte Stützpunkte.

) Wie die Natur des Menschen beschaffen ist. zu wissen. Foucault Hab' ich Zeit für eine Antwort? Reflexive Water: The Basic Concerns of Mankind.. Zwar glaube auch ich. kann man nur schwer sagen. diese Natur des Menschen ..die gleichzeitig ideal und real ist und die bislang unterdrückt und verborgen war . oder auch als Walle gegen diese Macht. aber ihnen wohnt auch ein tastendes Suchen nach wahrhaft menschlichen. und diese halte ich für real (. Da bin ich anderer Meinung. Chomsky (. auf unsere Zivilisation. Genau das ist der Punkt. welche unerreichbaren Ziele wir dadurch verfolgen. Für diese Extrapolation kann ich einfach keine historische Rechtfertigung sehen. wertvollen Vorstellungen von Gerechtigkeit. von Gerechtigkeit. ist durch unsere charakterlichen Schwächen und durch die Schranken unserer Geisteskultur beeinträchtigt. denn beschreiben kann ich es nicht .. aner spielen.liegen wir nicht im Streit..auf die Theorie reduziert . riskiert man dann nicht.) Foucault (. Besteht hier nicht die Gefahr. Auch wenn Sie anderer Meinung sind. Und doch ist es von entscheidender Bedeutung.) Ich will hier mal etwas den Nietzsche- Chomsky Hier möchte ich nun wirklich widersprechen. in mancher Hinsicht weit daneben zu liegen (. schon die Idee der Gerechtigkeit ist in Wirklichkeit eine erfundene und wurde in den verschiedenen Gesellschaftsformen als Instrument einer bestimmten politischen und ökonomischen Macht eingesetzt.. Ich halte es für voreilig.. Meiner Meinung nach gibt es so etwas wie ein absolutes Fundament . zu glauben. zu spekulieren und Gesellschaftstheorien auf bruchstückhaftes Wissen zu bauen und gleichzeitig für die Möglichkeit. daß sie Klassenunterdrückungssysteme und andere Unterdrückungselemente enthalten. daß all diese Begriffe von menschlicher Natur.) Foucault Wieviel? Denn . Und so bedauerlich das auch sein mag: Man kann nicht mit diesen Begriffen einen Kampf beschreiben oder rechtfertigen.) Sicherlich ist unser Menschenbild begrenzt. und daß sie demzufolge einen Bestandteil unseres Klassensystems darstellen. Fons Elders (Souvenir Press 1974) S. Chomsky Absolut richtig. das ist jetzt ungerecht [ allgemeines Gelächter].. Vielmehr entstanden die Meinungsverschiedenheiten bei der Diskussion der Probleme von Menschenbild und Politik. käme ich in Schwierigkeiten. Chomsky Chomsky Ja.das im letzten aus grundlegenden Eigenschaften des Menschen besteht. Anstand.nur unter Rückgriff auf unsere Gesellschaftsordnung. nach der Art unseres Wissens und unserer Philosophie. 170-187 Elders Ja. daß wir einige der erreichbaren anstreben.) Und ich bin auch nicht sicher. und dieser werden von der heutigen Gesellschaftsordnung das Recht und die Möglichkeit verweigert.. in dieser kurzen Zeit will ich nicht anworten. aber lauert hier nicht eine Gefahr? Sie sagen doch. Foucault Nein. Freundschaft und Sympathie inne. und hierin gründet auch der »wahre« Gerechtigkeitsbegriff. ist zum Teil gesellschaftlich bedingt..) Das sagten Sie doch wohl. Elders Zwei Minuten [Foucault lacht] Foucault Also ich muß sagen.daß sie alle im Rahmen unserer Zivilisation aufgestellt wurden.. es gibt eine bestimmte Natur des Menschen.. sollten wir doch einiges wissen. 31 . auf unsere Kultur zu definieren? (. Foucault Ja... sich zu entfalten (. Liebe. der Begriff der Gerechtigkeit an sich dient in einer Klassengesellschaft der unterdrückten Klasse als Anspruch und als Begründung für eben diese. Chomsky Ganz klar. Aber ich meine jedenfalls. von der innersten Selbstverwirklichung der Menschen .also wenn Sie jetzt zu sehr nachbohren würden.. niemand kann mich daran hindern.. ob wir uns in einer klassenlosen Gesellschaft noch dieses Gerechtigkeitsbegriffs bedienen würden.wir einschlagen.. Ich denke also. Ich möchte nur sagen. Hrsg. der im Prinzip die Fundamente unserer Gesellschaft umstürzen muß. über dieses Problem der menschlichen Natur . Wir müssen also die Kühnheit besitzen. und das erfahren wir vielleicht aus einer solchen Theorie. in die Irre geführt zu werden? (. ja die erdrückende Wahrscheinlichkeit offen zu sein. all unsere Rechtssysteme als bloße Systeme der Klassenunterdrückung zu charakterisieren. Foucault Foucault Doch wenn man so vorgeht.

dort. Aber dieses eigentliche Demokratieverständnis ist so weit von unseren Vorstellungen entfernt. die das Weltreich seinen Kolonien entrissen hatte. in diesem Symbol des bösartigsten Imperialismus auf der Welt. und wenn der Staat etwas für euch tut. Man muß festhalten. Der Staat bestimmt also über dich. Darin beschuldigt er uns Akademiker innerhalb der Friedensbewegung der Undankbarkeit. Waffenkonstrukteuren.. der Staat ist nur ein Instrument. dann mußt du aber auch nett zu ihm sein. auf solche faschistischen Ideen hereinzufallen (. Denn euch allen steht es natürlich frei. heißt es. Nach dieser Logik hätte Karl Marx seine Studien nicht im Britischen Museum betreiben dürfen. Es war richtig. Dieses Prinzip liegt dem zugrunde. durch die er sich äußerst unbeliebt gemacht hat. Ich meine. Seine Kritik. allerdings kleinere Aktionen plante und in die Tat umsetzte. gegen diese nutzte. Es existiert ein starker Anreiz. S. denke ich. obwohl wir doch ihre Geldmittel annehmen. kritisiert er ihn. andernfalls bist du undankbar. der den Krieg in Vietnam und andere. Der Staat ist euer Herr und Meister. derzufolge wir die Herren sind und der Staat unser Diener ist. Und das gilt auch in diesem Fall. unter ihnen Michael Albert. Aufstandsbekämpfungs-Experten und anderen praktischen Planern des amerikanischen Weltreichs anzuschließen. 747 32 Eine andere Frage ist. der uns etwas zukommenläßt. weil wir gegen die Regierung arbeiten. die ich noch nie verstanden habe. Mir fällt ein Buch ein von Norman Podhoretz. 195 . Hierin spiegelt sich ein äußerst aufschlußreiches Bild vom Staat. Wo immer er den Mißbrauch der Macht entdeckt. gegen die Unterwürfigkeit der Intellektuellen und gegen die Fehlentwicklungen im Zionismus wie gegen die Verzerrungen in den Medien und die Selbsttäuschungen in den herrschenden Ideologien. dort zu arbeiten. praktisch ein faschistisches Staatsverständnis. daß wir häufig dazu neigen. sondern das Volk. jeder Radikale solle sich von repressiven Institutionen fernhalten — eine Logik. Reflexive Water: The Basic Concerns of Mankind. AUS »MIT PROGRESSIONS« (1969) Chomsky spricht auf den Stufen des MIT in Cambridge (USA) zu einer Gruppe von Studenten. der Herausgeber des Z Magazine Chomsky Unter den liberal-progressiven Regierungen der sechziger Jahre war es der Club der akademischen Intelligenz. Manche behaupten. Language and Politics S. wo alle Schätze aufgehäuft lagen. richtete sich ebenso gegen die amerikanische Politik.) Aus einem Interview mit David Barsamian.ja. Diese spezielle Gemeinschaft sollten wir gerade hier im MIT ins Auge fassen.AUS »THIRD EAR« Jonathan Steinberg Seit den sechziger Jahren vertritt Noam Chomsky eine ausgeprägt rationalistische und libertäre Richtung des Sozialismus. daß dies die genaue Gegenposition zur Theorie der Demokratie ist. du bist sein Sklave. wie ich das MIT ertragen kann. daß er die Hilfsmittel. dann müßt ihr auch nett zu ihm ein. ihr werdet geradezu dazu gedrängt und eingeladen. und sollte er mal nett zu dir sein und dir etwas zukommen lassen. euch dieser Gemeinschaft aus technischer Intelligenz. Die Verführung ist wirklich sehr stark. dieser Gemeinschaft beizutreten . einem rechtsstehenden Publizisten. die er zu überwinden trachtete. Nicht der Staat ist es.. Karl Marx tat völlig recht daran. überhaupt die liberalen Werte derselben Zivilisation.

. (zu einem wartenden Studenten) Komme sofort. Das wird nicht mehr lange auf sich warten lassen.. David Barsamian (Chef einer unabhängigen Radiostation) OK? Dann wollen wir anfangen. daß die Herrschaftsformen. In Ihrem Essay Language and Freedom schreiben Sie: »Jede gesellschaftliche Handlung muß von einer Vision der zukünftigen Gesellschaft beflügelt werden. Ich will zum Beispiel nicht sagen. manchmal sind sie legitim. CAMBRIDGE. die Scheinwerfer usw. Es gibt auch einige andere Arten [von Zwängen]. also wir hatten doch im Grunde ein totalitäres System.. bemerkt. Sicher. USA Chomsky Jamie. 33 . ich habe meine eigenen Vorstellungen davon. Zum Bei- Hierdurch würde ein Angriff auf die Grundstruktur des Staatskapitalismus geführt. wir sollten nach Erscheinungsformen der Herrschaft und der Autorität suchen und dann deren Legitimität hinterfragen. immer noch da sind) Mein Gott. daß das Filmteam. und unter Kriegsbedingungen hielt ich das schon zu einem gewissen Grade für gerechtfertigt. die hier während des zweiten Weltkriegs .« Ich habe mich gefragt: Welche Vision der zukünftigen Gesellschaft beflügelt denn Sie? Chomsky Nun. das geht in Ordnung. die sind ja immer noch mit ihren Kameras . das hier ist mit der Post gekommen. MASSACHUSETTS. etwa wenn es ums Überleben geht. (betritt das Büro. wie eine Gesellschaft der Zukunft aussehen sollte. ich habe das auch veröffentlicht. Ich denke.BÜRO IM MIT.. Ganz allgemein gesprochen denke ich.

was wir heute erblicken. und denen sollten wir uns stellen. wenn es dazu kommt. Dieses Bild zeigt allerdings nur einen Teil der Zukunftsgesellschaft. . Das ist ganz realistisch. Jahrhunderts sind noch nicht vollendet. Hierdurch würde ein Angriff auf die Grundstruktur des Staatskapitalismus geführt. immer weniger Fremdbestimmung und immer mehr Mitwirkung aller. vor allem in einer industriell fortgeschrittenen Gesellschaft. aber sie kann geschaffen werden. usw. Die letzteren sind vielleicht zu tief verwurzelt. einige Zwänge in Frage zu stellen.und Autoritätsformen müssen abge- 34 schafft werden. Viele Gedanken wurden schon im 18. Die Revolutionen des 18. davon. die ganz totalitär von oben herab die Wirtschaft kontrolliert. es muß wieder zum Leben erweckt werden.spiel die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern . Hier geht es um äußerst aktuelle Fragen. Fortsetzung dieses Interviews rechts Ausgehend von dem. Ein Bild der zukünftigen Gesellschaft. Also versucht man. oder den Staatsbürokratismus à la Sowjetunion mit einer bürokratisch-militärischen Managerelite. die Investitionsentscheidungen usw. Ich denke. Die kulturelle Basis dafür ist noch sein begrenzt. und die bildet gerade den Kern des Herrschaftssystems: Das ist die private Verfügungsgewalt über die Ressourcen. Bisher gab es entweder den Staatskapitalismus. oder man wird sie gar nicht gewahr. das geht in Ordnung. bestimmen. was man darunter und unter den Grundsätzen der menschlichen Natur verstehen möchte. Das wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. die verändert werden können. Unser eigenes System wird derzeit von innen heraus nicht infragegestellt. Und die meisten sind überhaupt nicht zu rechtfertigen. Dieses System bricht nun zum Glück gerade zusammen. Unter diesem Blickwinkel sieht die Vision der künftigen Gesellschaft so aus. diejenigen Autoritäts. Jahrhundert geäußert. Hier liegt der Kern des klassischen Liberalismus. das geht in Ordnung. läßt sich immer zeichnen. Ich denke. Aber jede Art von Zwang und Kontrolle bedarf eben der Rechtfertigung. heutzutage das Wichtigste? Einiges wird ja schon angegangen . auch andere Hierarchie. in der es immer mehr Freiheit und Gerechtigkeit gibt. die häufig sogar den fundamentalen Menschenrechten entgegenstehen oder jedenfalls dem. Aber das ist alles vergessen. die daraus entsteht. Aber eine ganz wichtige Sache nimmt niemand ernsthaft ins Visier. In der Geschichte der menschlichen Zivilisation ist es zu manchen Zeiten möglich gewesen. Wir: Das meint die Wohngemeinden. Hierdurch würde ein Angriff auf die Grundstruktur des Staatskapitalismus geführt. Das wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. die die Dinge innerhalb eines weiteren Rahmens integrieren. die Personalräte der Betriebe. daß wir über die Produktion. Schön. daß die Menschen nur unter Zwang arbeiten dürfen anstatt aus eigenem Antrieb und daß sie den Arbeitsprozeß nicht bestimmen können. wünsche ich mir für die Zukunft eine Gesellschaft. Und was ist z. der Hochschulen oder der sonstigen Organisationen . Diese Vorstellungen sind sämtlich umsetzbar.föderative Strukturen.die erfordern auch einen gewissen Druck. andere wiederum nicht. selbst in den klassischen liberalen Werken und später dann zumindest in den libertären Flügeln der sozialistischen und der anarchistischen Bewegung. der sich zuweilen rechtfertigen läßt. in der sich dieser Prozeß fortsetzt.etwa von der feministischen Bewegung. Anderes von der Bürgerrechtsbewegung. Schon die Texte des klassischen Liberalismus sprechen von der Lohnsklaverei. wie wir ihn ja gut kennen. die keine Legitimation besitzen.B. dies müßte aber geschehen.und Herrschaftsformen zu identifizieren. Wir müssen nicht einmal besonders neuartige Ideen dazu entwickeln. die Betriebe.

Doch mit diesen 26 magischen Symbolen werden Tag für Tag Millionen von Wörtern geschrieben. aber bis es auf der Türschwelle liegt. daß keine einzige Phase der Regierungstätigkeit dem scharfen Auge der Presse entgeht. als er feststellte. AUS »DEMOCRACY'S DIARY« (1948) Eine gesunde Demokratie ist darauf angewiesen. Sie hatte z. daß der Kongreß 35 . Nichts bleibt dem amerikanischen Zeitungsleser lange verborgen. wie es überhaupt dort h i n k o m m t . USA Chomsky Zur Rolle der Medien in der Demokratie gibt es eine Lehrmeinung. GEORGETOWN UNIVERSITY. daß die Medien die Politik wirksam kontrollieren kann. hergestellt. Wir konnten unseren Zuschauern einige seltene Einblicke in die Festung New York Times verschaffen. Unsere Reporter werden auf Sachen angesetzt. die von schicksalhafter Bedeutung für manchmal alle Länder sind. die Medien seien unverzichtbar dafür.das gilt für das gesamte Geistesleben. »Democracy's Diary« entstand im Auftrag der New York Times. Medien und Gedanken herrschen muß . daß in einer Demokratie freier Zugang zu Informationen. Die American Archives of the Factual Film haben hunderte solcher Filme gesammelt AUS „JOURNALISM« (1940) Sprecher Das Alphabet hat nur 26 Buchstaben. der Oberste Bundesrichter Powell im Sinn. Im Innenbereich der New York Times wurden bisher nur ganz wenige Filme gedreht. 85 AUS »DEMOCRACY'S DIARY« (1948) Sprecher Nirgendwo sonst sind die Menschen so abhängig vom gedruckten Wort. Zwar kommt unser tägliches Morgenblatt unauffällig daher. Bei öffentlichen Führungen sind Kameras verboten. Im Ersten Verfassungszusatz heißt es.dahinter verbirgt sich eine der wichtigsten Seiten des Journalismus. steht auf S. Wie wir dort Zutritt erhielten.»Journalism« wurde als Teil der Serie »Your Life Work« von Vocational Guidance Films Inc. B. um an Informationen zu gelangen. Damit kommt zum Ausdruck. denn man trifft dort bei der Zulassung von Filmteams anscheinend eine besonders strenge Auswahl.

alles mögliche.. Er kritisierte die radikalen Demokraten. Necessary Illusions S. nach Gleichberechtigung der Frau. »in der Welt das unterste zuoberst zu kehren«.. daß viele der grundlegenden Fragen. auf die sich später die französischen und amerikanischen Revolutionäre berufen sollten (. stellen wir mit Erstaunen . daß diese nie mehr die Demut zeigen werden. die sich Levellers nannten. Viele radikale Ideen wurden veröffentlicht. nach einem dem Volk verantwortlichen Parlament und nach öffentlicher Versorgung im Gesundheits. Aber wie es in vielen Revolutionen so geht. das vor allem den Landadel und die Kaufmannschaft vertrat.fest.) vor die Plebs hingeworfen (wie Perlen vor die Säue). über die wir heute noch debattieren. Dadurch haben sie die Menschen so neugierig und so arrogant gemacht. UNIVERSITY OF WYOMING.und mit tiefer Befriedigung .und im Schulwesen. Ihnen gelang die strukturierte Formulierung von Verfassungsprinzipien. die das forderten. nämlich zur Englischen Revolution im 17. und haben die Soldaten und das Volk gelehrt. In seiner Verurteilung der Radikaldemokraten. 131-132. Aus Britain 's First Socialists: The Levellers. an denen das Volk beteiligt ist. Jahrhundert damit gedroht hatten.. das die Freiheit der Presse beeinträchtigen würde. eingeschlossen die Forderung nach gemeinschaftlichem Eigentum an Grund und Boden. schon damals von einer Gruppe von Männern und Frauen aufgeworfen und streitbar vertreten wurden. Jahrhunderts] kam es zu Diskussionen und Kämpfen über einige politische Grundsatzfragen.. weil sie die Menschen so neugierig und so arrogant gemacht hätten.. die das Feudalsystem niedergehalten hatte. Jahrhundert. es gab ja seit kurzem die Druckerpresse. 357 In Zuge der Englischen Revolution [des 17. daß diejenigen. gab es auch hier viel Unruhe im Volk.) Wenn wir über mehr als drei Jahrhunderte hinweg auf die Vorgänge jener Zeit zurückschauen. die . oder »Wahren« Levellers. überhaupt das Recht auf Herrschaft. LARAMIE Chomsky Man sollte aber nicht vergessen. beklagt sich im Jahre 1661 der Historiker Clement Walker: Sie haben alle Mysterien und Geheimnisse der Regierung (..wie fast alle Revolutionen . daß diese nie mehr die Demut zeigen würden.das Verhältnis zwischen Herren und Knechten. die sich gegen alle derartigen Gruppen richtete. Und der Oberste Amtsinhaber öffnet persönlich die Türen des Weißen Hauses für die Journalisten.) Noch beachtlicher waren die Diggers. nun die offene Bühne betraten (. Siehe auch »The Bewildered Herd and its Shepherds« in Deterring Democracy S. die in klaren Umrissen einen demokratischen Sozialismus entwarfen. Dies führte dazu.kein Gesetz verabschieden darf.eine komplizierte Sache war. was wir als Demokratie bezeichnen würden. sich unter ein bürgerliches Regiment zu beugen. Diese gegenteilige Meinung ist sogar in unserer Kultur weit verbreitet und tief verwurzelt. Manche Volksbewegungen stellten alles in Frage . genau hineinzuschauen und jegliche Regierungsmacht auf die Grundsätze der Natur zurückzuführen. daß es auch die gegenteilige Meinung gibt. und den Royalisten. Und dieser Kampf wurde ausgefochten. Dies nun war für die Eliten beider Parteien beunruhigend. sich unter ein Bürgerliches Regiment zu beugen. Es gab einen Machtkampf zwischen dem Parlament. Agitators and Diggers of the English Revolution von Fenner Brockway (Quartet Books 1980) S. Sie führt auf die Ursprünge der modernen Demokratie zurück. ix-x 36 . Ein zeitgenössischer Historiker hat sich 1660 dazu geäußert. die während der Englischen Revolution im 17. hinter denen andere Teile der Eliten standen.

alles wurde geteilt.. da mobilisierte man zu aktuellen Anlässen binnen weniger Stunden gewaltige Demonstrationszüge (. Necessary Illusions S. Jahrhundert. solange unsere Gesetze von Rittern und Edelleuten gemacht werden.. wie eine Flugschrift der Levellers es ausdrückte..) Die Diggers vertraten ihre sozialistischen Prinzipien nicht nur. 23. Da wurden Petitionen im Untergrund gedruckt.) Nach jeder Landbesetzung wurden egalitäre Gemeinschaften gebildet. aber die Sorgen des Volkes nicht kennen.« Nach der entscheidenden Niederlage der Demokraten stellte sich... die des Königs oder die des Parlaments. die ihren Rang allein der Furcht verdanken. da das tägliche Leben autoritär und bürokratisch geprägt war (. das sie für ihre Viehzucht an sich gerissen hatten. 60. 71 . heimlich gedruckt und weitgestreut verteilt (. dann meinen wir nicht die verwirrte und sittenlose Volksmasse.. die unsere Bedürfnisse kennen. Britain 's First Socialists S. »wessen Sklaven die Armen sein werden«.) Erstaunlich war das Tempo. einer Zeit. sie setzten sie auch in die Tat um (.. jeder arbeitete.. dann 10.000 Unterschriften innerhalb von zwei Tagen gesammelt und am dritten Tag im Parlament vorgelegt.« Doch das Parlament und die Prediger hatten eine ganz andere Vision: »Wenn wir vom Volke sprechen. daß das Gemeindeland. weil diese erbost darüber waren. nur noch die Frage. für alle dasein sollte (.. Zitate aus The World Turned Upside Down von Christopher Hill (Penguin 1984) S. »Die Welt wird niemals gut sein. die uns nur unterdrücken.) Am Ende unterlagen sie dem Staat und den Gerichten. sie wandten sie auch auf ihre eigene Organisation an — abermals ungewöhnlich im fernen 17. da wurden laufend Streitschriften der Anführer aus den Gefängnissen geschmuggelt. die die Grundbesitzer gedungen hatten. 145-151 37 Die Radikaldemokraten der Englischen Revolution des 17. Jahrhunderts vertraten die Ansicht.).. wenn wir ein Parlament von Landleuten wie wir haben. das jeder Bereich der Partei bei seiner Tätigkeit vorlegte. Es wird erst dann gut um uns stehen. Tapfer trotzten sie den Überfällen durch Gangster.Die Levellers forderten Demokratie nicht nur für die Gesellschaft.

die viel bedeutsamer ist als jede ökonomische Machtverschiebung. STUDENTENRADIO »AMERICAN FOCUS«. daß die Wirklichkeit der Gesellschaft sich überdeutlich gegen die ichbezogenen Meinungen abzeichnen würde.) Es zeigt sich. der Demokratie eine neue Wendung gegeben. und sie ist nur für die erzielten Ergebnisse rechenschaftspflichtig. Public Opinion S. und die manipulativen Möglichkeiten. wir uns nicht auf Intuition. Er beschreibt dort etwas. Sie ist aber nicht ausgestorben. die Lehren. das er die »Fabrikation eines Kon senses« nennt.selbstverständlich zu ihrem eigenen Besten. Es läuft auf eine Steuerungstechnik hinaus.und Ausland. von den Medien usw. weil näm- Niemand wird wohl bestreiten können. ablenken und unter Kontrolle halten . Sie ist schon sehr alt und galt eigentlich mit dem Aufkommen der Demokratie als ausgestorben. alles andere sind rhetorische Phrasen. obwohl kompromißlos den Grundsätzen der Demokratie verpflichtet. sind einigermaßen klar geworden. Diese Klasse ist bar jeder Verantwortung. hatte es bis dahin im amerikanischen Journalismus noch nicht gegeben. 195 Walter Lippmann (1889-1974) war politischer Philosoph und Journalist. Sie ist vielmehr technisch sehr verbessert worden. liegen auf der Hand. Seiner Meinung nach ist dies auch nützlich und notwendig.. Das Diktum der Gründerväter der amerikanischen Demokratie lautete. über die die Allgemeinheit nicht verfügt.GEORGETOWN UNIVERSITY. Ein solches Maß an Gelehrsamkeit. und dies ist der Intellektuelle. Die Generation. Während seines gesamten Berufslebens bewahrte er sich seine unabhängige und kritische Hallung zu den Vorgängen im In. wenn es um die Welt außerhalb unserer direkten Einflußmöglichkeit geht. Dieselben Grundsätze galten auch in den nordamerikanischen Kolonien. die muß man marginalisieren. die herrschende Norm. Er war zweifellos einer der tiefgründigsten und kultiviertesten Zeitungsleute. aber nicht für die ignorante Masse.dieser Vorgang ist sicherlich noch komplexer. die es je gab (. Public Opinion von Walter Lippmann (Free Press 1965. der die Sache einmal verstanden hat. Da es an den Institutionen und an der Bildung fehlt. daß das Wissen. entgeht das Gemeinwohl der Öffentlichen Meinung fast vollständig. im Verein mit der modernen Kommunikationstechnik. daß die Konsensproduktion ziemlich weit entwickelt werden kann. WASHINGTON Elizabeth Sikorovsky Hier ist Washington. Gewissen oder zufällig gerade vorzufindende Meinungen verlassen können. stützt sie sich doch heute auf Analysen statt auf Faustregeln. die jedem. dem das Land gehört. WASHINGTON Chomsky Nun liegt dieser weitverbreiteten Doktrin ein ganz bestimmter Demokratiebegriff zugrunde. die wir daraus ziehen sollten.« Ich denke. Was will denn dieser Buchtitel besagen: Manufacturing Consent? Chomsky Also der Titel ist einem Buch von Walter Lippmann entlehnt. daß dann. und in Situationen.. Und so hat die psychologische Forschung. erstmals erschienen 1922) S. denn sie handelt auf der Grundlage von Informationen. so kann man wohl ohne Risiko prophezeien. sollte es auch regieren. deren sich diese garnicht bewußt wird. Auch wenn niemand von uns auch nur im geringsten die Konsequenzen daraus abschätzen kann. das er so um 1921 geschrieben hat. deren persönliche Interessen über den Tellerrand hinausreichen. offenstehen. doch ein feines Gespür für die pragmatischen Grenzen realer politischer Situationen besaß. und erblickt darin eine »Revolution der demokratischen Praxis«. Buchautor und Linguist Noam Chomsky. wobei er. daß aus der Überredung eine bewußte Kunst und ein anerkanntes Organ der Volksregierung geworden ist.) In den zwanziger Jahren kreiste Lippmanns Denken um das Verhältnis von Wissen und . Wie die Öffentliche Meinung eigentlich entsteht . Seine Schriften begleiteten fast 6 Jahrzehnte lang ununterbrochen und scharfsichtig das öffentliche Leben in den USA. Das Herbeiführen von Konsens ist keineswegs eine junge Kunst. heutzutage ist bei den Eliten die gegenteilige Auffassung vom geistigen Leben. Hier findet eine Revolution statt. Demokratie ist ein Spiel für die Eliten. die heute an den Schalthebeln sitzt.. wie er es in die Diskussion und Analyse der gesellschaftlichen und politischen Probleme einbrachte. in den Worten John Jays: »Das Volk.. hat es erlebt. es kann infolgedessen nur einer Klasse von Spezialisten anvertraut werden. als es hier erscheinen mag. 158 Ich denke. wie man Konsens schafft. jede politische Überlegung verändern und jede politische Prämisse beeinflussen wird (. durch die uns die Welt um uns 38 herum so gut vermittelt werden könnte.

James Press 1987) 39 DAS INGENIEURMÄSSIGE VORGEHEN Hierunter soll einfach nur verstanden werden. als die Fakten und Querverbindungen zu erklären.) Man kann heute die Bedeutung des systematischen Konsensaufbaus gar nicht hoch genug veranschlagen. als Heilmittel gegen die Auswüchse der Mehrheitsherrschaft und als Gegengift zu den Gefahren des Elitarismus. vereinfachte und überzeichnete politische Episoden verbreiten.. In seinen Büchern Liberty and the News. Presse-. die Menschen zur Unterstützung von Ideen und Plänen zu bewegen. Sie müssen daher einer. März 1947. Lippmann entwickelte Zweifel. diese Zustimmung zu einem Plan oder Ziel systematisch aufzubauen (. »Klasse von Spezialisten vorbehalten bleiben. ob man dem Bürger überhaupt in ausreichendem Maße die objektiven Kenntnisse vermitteln könne. Vorschläge überzeugend präsentieren zu können..von der Allgemeinheit »nicht begriffen« werden können. 16-17 .also die Dinge. Aus »The Engineering of Consent« von Edward Bernays. der seine gesellschaftlichen Ziele erreichen will.) Jeder verantwortungsbewußte politische Führer.und Versammlungfreiheit.lich »das Gemeinwohl« . Die Aufgabe der Bürger bestünde darin.. Petitions. S. betrifft er doch praktisch jeden Lebensbereich.. politischen Entscheidungsträgern und Detailexperten vor. Die Nachrichtenmedien so Lippmann . Jeder Einzelne. muß daher unablässig die Möglichkeit subversiver Gegenaktionen im Auge behalten. Lippmann schlug ein systematisches Zusammenwirken zwischen Beamten.. gehören zu den wertvollsten Verfassungsrechten der Vereinigten Staaten (. die hinter diesen Ereignissen stehen. Die Rede-. die den Konsensaufbau ermöglichen.reißen diese Kluft noch weiter auf. Meinen in der Massengesellschaft. daß man an die Aufgabe. wie ein Ingenieur herangeht indem man sich nämlich ausschließlich auf eine gründliche Kenntnis der Situation und auf die Anwendung wissenschaftlicher Grundsätze und bewährter Verfahren verläßt. 114-115. die Entscheidungsprozesse dieser gutinformierten Herrscher zu überwachen. zählt er zu den wertvollsten Mitteln. um das effiziente Funktionieren der modernen Gesellschaft sicherzustellen (. sieht sich also vor das Problem gestellt. In An Enquiry into the Principles of the Good Society stellt er das Prinzip des von Eigeninteressen freien Staatsmanns vor. Public Opinion und The Phantom Public demonstriert Lippmann seinen Pessimismus bezüglich der Vereinbarkeit der Demokratie mit den sozialen Bedingungen der modernen Gesellschaft. Als einer der ersten Gesellschaftswissenschaftler erkannte er die zunehmende Kluft zwischen den Stereotypen.die Freiheit.) Der systematische Aufbau von Konsens ist das Herzstück des demokratischen Prozesses . indem sie lieber vorgefilterte. Alan Waters in Thinkers of the Twentieth Century (St.. also die Freiheiten. Siehe auch Necessary Illusions S. Für gesellschaftliche Belange eingesetzt. die alle betreffen . Die Allgemeinheit kann eben nicht mit ihnen umgehen. deren es für eine Selbstregierung im Sinne Jeffersons bedarf. in Annals of the American Academy of Political and Social Science. Er muß seine Kraft dafür einsetzen. wie er es nannte. um im Interesse aller seine Gegner auszumanövrieren. jede Organisation ist im Grunde auf Zustimmung durch die Allgemeinheit angewiesen. mit denen die Menschen ihre politische Umgebung wahrnehmen. das operationelle Knowhow des Konsensaufbaus zu erlangen. und den komplexen Realitäten der modernen Gesellschaft.

Sein Verdienst um eine gesunde Weltkirche lag vor allem darin. vor allem zur Außenpolitik der USA. Eine Arbeiterklasse. Eine Version verdanken wir dem hoch angesehenen Ethiker und Theologen Reinhold Niebuhr. an soziale Probleme mit dem christlichen Blick für den Menschen und seine Geschichte heranzugehen (. der Mythenschöpfer liefert sie und hält damit den gemeinen Mann bei der Stange. zuerst 1932 erschienen) S. die über Außenpolitik nachdachten. daß die USA stattdessen ihre Macht in der Nachkriegswelt verantwortungsbewußt gebrauchen sollten.nur so kann sie der Macht der Starken energisch genug die Stirn bieten. könnte sich niemals die Freiheit von den herrschenden Klassen erkämpfen. Ronald Stone in Thinkers of the Twentieth Century (a.. Diese sind mindestens so wichtig wie wissenschaftliche Genauigkeit. In seinen Augen »liegt die Rationalität bei den kühlen Beobachtern«. daß sie sich im Rahmen ihres kirchlichen oder weltlichen Berufs aktiv dafür engagieren würden. Ihr Glaube an die gerechte Sache und den absehbaren Sieg muß stärker sein. daß er die Theologiestudenten auf ihre gesellschaftliche Verantwortung vorbereitete. unter den Menschen. Moral Man and Immoral Society: A Study in Ethics and Politics (Charles Scribner's Sons 1960. Reinhold Niebuhr. WASHINGTON Chomsky Beachten Sie bitte. während der »beschränkte Durchschnittsmensch« nicht der Vernunft folgt.) Nach dem Zweiten Weltkrieg waren seine Gedanken zu internationalen Fragen. a. xv-xvi 40 Reinhold Niebuhr hielt Vorlesungen über Theologie.« Er kritisierte die Allmachts.) .) Er bestand zwar unverändert auf der traditionellen Trennung von Staat und Kirche in den USA. erwartete jedoch von seinen Studenten. als eine wertfreie Wissenschaft ihr zugestehen würde . der großen Einfluß auf die maßgebenden Politiker seiner Zeit ausübte.GEORGETOWN UNIVERSITY. die sich restlos auf die »experimentellen Methoden« unserer heutigen Lehrer verließe. weit verbreitet..und Unschuldsphantasien der USA und drängte darauf. daß dies dem üblichen Demokratieverständnis diametral entgegensteht. Vier Jahrzehnte lang lehrte er Christliche Sozialphilosophie am Union Theological Seminary in New York (. sondern dem Glauben. George Kennan bemerkte dazu in einer Betrachtung der sogenannten »realistischen« Richtung in der Außenpolitik: »Er war unser aller Vater.. Bei gesellschaftlichen Auseinandersetzungen benötigt jede Seite Kampfmoral. Dieser naive Glauben wiederum verlangt nach »notwendigen Illusionen und gefühlsbetont übertriebenen Vereinfachungen«. Kampfmoral aber erwächst aus den richtigen Dogmen und Symbolen sowie aus emotional aufreizenden Vereinfachungen.. O.

Schaffung notwendiger Illusionen. Es ist immer dasselbe . 41 .also muß die Kon. was die Leute denken. Die Sache ist doch so: In einem Militärstaat. trolle sich auf das Denken der Menschen erstrecken. daß sie nicht mehr so demütig sind. Wenn aber ein Staat über keine Knüppel mehr verfügt. oder man versetzt sie auf die eine oder andere Weise in Apathie. der hierzu gewöhnlich eingeschlagen wird. Unter diesen Umständen können sie so neugierig und so arrogant werden.ein Wesenszug der Demokratie. WASHINGTON Chomsky Es wäre naiv anzunehmen. Fabrikation eines Konsenses.entweder man marginalisiert die Allgemeinheit. Sie ist vielmehr . wie wir das heute nennen. Den Ausweg. Man kann ihnen eins mit dem Knüppel über den Kopf geben.nach Meinung dieser ganzen Denkschule . wenn man das Handeln der Menschen nicht mehr gewaltsam beeinflussen kann und wenn ihre Stimme vernehmbar ist.AMERICAN UNIVERSITY. totalitären Staat kommt es nicht darauf an.. Indoktrinierung vertrage sich nicht mit Demokratie. sich unter eine bürgerliche Herrschaft zu beugen . dann hat man ein Problem. pflegte man in ehrlicheren Zeiten Propaganda zu nennen. man hat ihr gesamtes Tun unter Kontrolle. einem Feudalstaat oder einem.

Wenn ich einkaufen gehen wollte. durch die Literatur aller Zeiten ein tieferes Verständnis gewinnen. die dann geradezu wie Stars behandelt werden und deren rein persönliche Züge mit Bedeutungen befrachtet werden. JAPAN (1988) Prestige und Volumen ($350. Aber letzten Endes muß man die Welt doch im Licht anderer Quellen sehen . Wirklich. Ich kann mich an Bierparties erinnern. Seine Frau heißt Carol. Nur: Wenn ich zum Beispiel das Wesen Chinas und seiner Revolution verstehen will. 3-4. Aus »Israel. Die Eliteeinrichtungen erlebten noch die Nachwehen einer langen Periode des weißangelsächsisch-protestantischen Antisemitismus. Dort war der Antisemitismus äußerst real. kann sie nicht liefern. eher grundsätzliche Punkt liegt darin. Als jüdisches Kind bekam er den Antisemitismus seiner Zeit zu spüren. the Holocaust. daß ich mich an nichts mehr erinnern kann . Wenn er sich an seine Kindheit erinnert. in dem ich aufwuchs. nämlich im Licht der Öffentlichkeit und des Medieninteresses zu stehen. Der zweite. waren wir praktisch die einzige jüdische Familie (. konnte ich nur bestimmte Wege nehmen. Zweifellos haben sich bei mir . Japanischer Übersetzer (kommentiert die Diaschau zur Preisverleihung) Avram Noam Chomsky wurde 1928 als Ältester von 2 Brüdern in Philadelphia. Damals gab es dort nur ganz wenige jüdische Professoren. Sehen Sie. da gab es die hebräische Literatur. Der Antisemitismus ist ein anderer geworden . als ich Anfang der 50er Jahre dort hinkam. geboren.wie bei jedem Menschen . In dem Viertel von Philadelphia. und die Leute in dem Viertel waren ganz offen für die Nazis.000) des KyotoPreises sind mit dem Nobelpreis verglichen worden. NOS TV (1971) Chomsky Ich möchte meiner Frau und meinen Kindern ungern einen Lebensstil aufzwingen. als Kind habe ich zum Beispiel Rickshaw Boy gelesen.jedenfalls seit meiner Jugend. waren aber noch sehr dünn gesät. Die Inamori-Stiftung vergibt nur drei derartige Preise. daß wir über das. als Paris gefallen war . und das hat mich natürlich beeinflußt. wirklich ungeheuer beeindruckt. daß ich ein Gegner dieses Hochstilisierens von Menschen in der Öffentlichkeit bin. und ich glaube auch daran. das noch weitere aufschlußreiche Hintergrundgedanken Chomskys enthält. wenn ich nicht verprügelt werden wollte. aber wohl mehr so wie andere Vorurteile auch. wo ich aufwuchs. sieht er sich auf dem Sofa zusammengerollt und im Lesen versunken. Zweifellos gibt es immer noch Antisemitismus. neben sich bis zu 12 Bücher aus der Leihbibliothek.auch später noch. USA.) in einem irisch und deutsch geprägten.solcher. Sie tauchten hier und da auf. überwiegend katholischen Milieu. er las amerikanische und englische Literatur sowie Übersetzungen französischer und russischer Klassiker.solche Sachen. All dies hat sich in den letzten dreißig Jahren radikal verändert.nur an die Wirkung. den sie sich selbst nicht ausgesucht haben. aber doch unangenehm genug. Besonders interessierte ihn ein Buch seines Vaters über die Grammatik des mittelalterlichen Hebräisch. 96 42 James Peck Sie haben mal irgendwo gesagt: »Es spricht manches dafür. als wissenschaftlicher Forschergeist sich jemals erhoffen konnte. was einige >den vollwertigen Menschen< nennen. Die Literatur kann meine Phantasie anregen und mein Verständnis vertiefen. Ich gehe sogar noch weiter: Es ist so gut wie sicher. herrschte ein wirklich militanter Antisemitismus . Auch in Harvard war der Antisemitismus noch spürbar. Aus einem Interview in The Chomsky Reader S. ich will sie davor bewahren. In dem Viertel..« Chomsky Richtig. ihn selbst faszinierte die Literatur schon in jungen Jahren. die russische Literatur usw. Ich glaube nicht. aus denen ich meine Schlußfolgerungen ziehen und erhärten kann. sie haben 3 Kinder. Es war zwar nicht mit dem Leben unter Hitler vergleichbar. Das war in den späten dreißiger fahren.. and Anti-Semitism« in Chronicles of Dissent S. daß er stärker ausgeprägt ist als etwa die Ablehnung von Italienern oder Iren. Das aber bedeutete einen Umschwung binnen einer Generation. wie ich ihn eben selbst erlebt habe und wie er quer durch die Gesellschaft sichtbar geworden ist. aber die Fakten. die man beurteilen kann.durch das viele Lesen die Einstellungen verändert und der Blick geschärft. dann muß ich gegenüber literarischen Darstellungen vorsichtig sein. Chomsky wurde für seine Leistungen in der Grundlagenxuissenschaft geehrt. Beide Eltern lehrten Hebräisch.KYOTO-PREIS FÜR GRUNDLAGENWISSENSCHAFT. . Es liegt schon so weit zurück.

43 .

Zum erstenmal in der Geschichte der Industriegesellschaft ist das Gefühl verbreitet. Ich sah die Verzweiflung dieser Menschen. 223. ging auf ein hebräisches College. Er zielte genau auf diese Underdogs ab. daß Sie kritisch wurden und Unterschiede bemerkten .89 Am Straßenrand stehen Männer mit Schildern »Biete Arbeit gegen Essen«. Ich gehörte zu dem Zweig der zionistischen Bewegung. die Polizisten würden Scham empfinden und von ihnen ablassen. um die damalige Lage in Palästina und so weiter. wie sich diese Frauen ihre Kleider vom Leibe reißen in der Hoffnung.da kamen Leute an die Tür. Das heißt also. was ziemlich ungewöhnlich war. die verkauften Lumpen. In diesem Milieu bin ich aufgewachsen. das dürfen Sie nicht vergessen. scheint die Hoffnungslosigkeit viel tiefer zu sein.wie kam es zu diesem Wandel? Chomsky Nun. Sie sind zur Schule gegangen. daß keine Besserung zu erwarten ist und daß es keinen Ausweg gibt. die 7 Bänder umfassende Aufnahme ist bei Alternative Radio erhältlich. MASSACHUSETTS. Das erinnert mich an die dunkelsten Tage der großen Depression. jeder unterliegt ja in seinem Leben allen möglichen ganz persönlichen Faktoren. ROWE CONFERENCE CENTER. 60 Personen ein dreitägiges Frage-und-Antwort-Seminar. haben einen guten Abschluß gemacht und . Sie haben aber weitergeprügelt. Ich sehe es noch vor mir. Zu den Reaktionen einer Teilnehmerin siehe S. ROWE. Als Kind habe ich Hitler im Radio gehört. Vor allem wuchs ich während der Weltwirtschaftskrise auf. ihre Erniedrigung. Ich kann mich erinnern .. na ja. Sie wären genauso wie wir. wurde Hebräischlehrer. ich lernte Hebräisch. Also über Underdogs wußte ich sehr früh Bescheid. USA Chomsky Es war nun so. . wie die Polizei streikende Textilarbeiterinnen vor der Fabrik zusammenschlug. und doch gibt es einen wichtigen Unterschied zu damals: Obwohl die jetzige Rezession lange nicht so schlimm ist. daß meine Eltern beide noch Arbeit hatten.05. daß Sie. die jüdisch-arabische Zusammenarbeit und andere schöne Ziele eintrat. ich ging auf eine hebräische Schule. ich hatte Jugendgruppen.. Diese ausgreifende Diskussion wurde von Wintonick und Achbar festgehalten. In Philadelphia mußte ich einmal mit ansehen. Junge Frau Sie haben gesagt. leitete hebräische Ferienlager. der voll für einen binationalen Sozialismus. Bei ihnen drehte sich alles um ihr Judentum. Sie lehrten Hebräisch an der Schule und konnten zur unteren Mittelklasse gerechnet werden. Wie kam es dann dazu.EMPFANGSRAUM IN LARAMIE Tontechnikerin Empfangsraum die erste. alles was es so gab. 281 44 Chomsky veranstaltete im Rowe Conference Center mit ca. Aus »Conversations« von Marian Christy im Boston Globe 31. Year 501: The Conquest Continues S. Ums Hebräische.

Was ich damit meine. als Sie sich in einen Zug gesetzt haben und nach New York gefahren sind. sehr radikal. um sich dort in den anarchistischen Buchläden der Vierten Avenue herumzudrücken und sich mit Ihren Verwandten aus der Arbeiterklasse zu unterhalten? Chomsky Die hatten nichts dagegen. wußten zu kämpfen. Dann gab es Intellektuelle. Vor allem war es eine Kultur der Arbeiterklasse mit deren Wertvor- stellungen. Es herrschte. Dinge zu bewirken . es würde schon irgendwann besser werden. wenn auch unbestimmt.alles irgendwie Hoffnungszeichen. solche Dinge. uns zu organisieren. Sozialismus. Ich kann mich natürlich in meinen Kindheitserinnerungen täuschen. waren von Institutionen umgeben. 45 .die Familie stiebte ja auseinander. ist: Wir lebten in einer Struktur. aber . Es war eine höchst lebendige intellektuelle Kultur. das Gefühl vor.BÜRO IM MIT David Barsamian Was haben Ihre Eltern denn dazu gesagt. assimiliert und an der Arbeiterklasse orientiert. Wie in so vielen jüdischen Familien gingen die Interessen auch hier in ganz verschiedene Richtungen. Da gab es die UltraOrthodoxen. Und zu diesen fühlte ich mich natürlich hingezogen. Solidarität.

Wenn ich mich zu erinnern suche. so eine vom Dewey-Typ. kreatives Denken unterdrückt und blockiert wird. der mit seinen pädagogischen Schriften im 19. Sollten diese Annahmen. Aber so ist es wohl immer mit der Schulzeit. Wichtig wäre das schon. Aber für noch schlimmer halte ich die Art und Weise. Quelle: Encyclopedia Britannica 1990 A.). und im Ergebnis entstehen falsche Überzeugungen. Darüber hinaus war er auch in vielen Clubs aktiv. was eben dort nötig war. auf eine Versuchsschule zu gehen. so ist da nur ein dunkler Fleck. Ein solches Ziel müßte ja willkürlich und autoritär festgelegt werden. vor allem im Grundschulbereich. Natürlich sind nicht alle Schulen gleich. dann müssen wir einen großen Teil unserer modernen Bildimgspraxis in Frage stellen. sowas wie gute oder schlechte Schüler. die wirklich gut war. es gab noch 'ne Menge anderer Sachen aber vielleicht war ich auch nur zu kritisch. Wir gehen gewiß nicht fehl. Aus »Toward a Humanistic Conception of Education« in: Walter Feinberg u.UNIVERSITY OF WYOMING. weil ich da alles tun mußte. die mit ihm zu tun hatten. daß ich ein guter Schüler war. The Child and the Curriculum (1902) und Democracy and Education (1916. So etwas wie Konkurrenz gab's da gar nicht. sondern man soll besser sein als der andere. Jahrhundert Neuland betrat. obwohl angemessen umgesetzt. Henry Rosemont (Hrsg. die Entwicklung des Kindes auf ein vorbestimmtes Ziel hin zu steuern. Aber vorher war es eigentlich ein freies. Erziehung müßte sich vielmehr vornehmen. wie unabhängiges. Seine Theorien legte er in seinen Werken School and Society (1889).kam und plötzlich entdeckte. Da wird reglementiert und befohlen. bis ich auf die High School . nur fürchte ich. aber durchweg sieht es wohl so aus. Sie wurde von der Universität betrieben. beliebt gemacht. Seine gefällige Art hat ihn bei allen. wenn wir »Chum« eine brillante Forscherkarriere in der Chemie prophezeien.. LARAMIE Chomsky Und dann hatte ich das Glück. die ich besuchte. Sollten sie aber richtig sein. welch ausgezeichneter Tutor er war. wie man kann. The Odyssey. Demokratie und Erziehung) dar. um aufs College zu kommen. Ich hab' die High School gehaßt.d. Mit dieser humanistischen Erziehungsaulfassung sind natürlich einige Annahmen über die innere Natur des Menschen verbunden. Also ich meine das ganz wörtlich . dann wären die- 46 se speziellen Schlußfolgerungen zur pädagogischen Theorie und Praxis eben nicht bewiesen. Notwendig ist das alles nicht. und sie müßte eine vielseitige Umgebung dafür schaffen. Seine Ideen beeinflußten das Erziehungswesen weltweit und sind auch heute noch wirksam. Meiner Meinung nach könnte man die Schule ganz anders aufziehen.in meinem Fall die akademische High School . sich als unzutreffend erweisen. sie müßte diesen Prozeß durch Empathie. Aus einem Interview mit James Peck in The Chomsky Reader S. was ich damals erlebt habe. Jahrgang hätte keinen besseren Schüler als »Chum« hervorbringen können. eine auf autoritäre hierarchische Institutionen gegründete Gesellschaft würde wohl kaum längere Zeit ein derartiges Schulsystem tolerieren. Ermunterung und Herausforderung fördern. Als Tutorenpräsident konnte er seine organisatorischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Work Technology and Education: Dissenting Essays in the Intellectual Foundations of American Education (Univer- sity of Illinois Press 1975) John Dewey: Philosoph. dem sich entfaltenden Lebensprinzip seinen eigenen Weg zu öffnen. vor allem über die zentrale Rolle des kreativen Antriebs. und frühen 20.. Auf allen Wissensgebieten stand er in unserer Schule in vorderster Reihe. denn die Schule. war beispielsweise überhaupt nicht so. dt. wie man Höchstleistungen fordert . Oak Lane Country Day School 1945 . recht offenes System. Viele der Jüngeren werden bezeugen können. wie man für Hierarchie und Konkurrenz sorgt. Naja. teils sogar regelrecht indoktriniert. 6 Das Erziehungsziel (. Er begründete den philosophischen Pragmatismus.) kann doch nicht darin liegen.der ganze Begriff »Guter Schüler« blieb mir fremd. NOAM CHOMSKY Der unsterbliche 110. man soll nicht so gut sein. h.

Wann finden Sie eigentlich die . Seine neueste Arbeit.91 an Mark Achbar 47 Gemeint ist die Besprechung »Objectivity and Liberal Scholarship« im Chomsky Reader S. würde es nicht stimmen. der behandelte die drohende Ausbreitung des Faschismus. 83-120 (aus American Power and the New Mandarins) Zu den sehr aufschlußreichen Vorurteilen. wann ich diesen Artikel geschrieben habe? Jonathan Steinberg Ja. Chomsky Sie wollen wissen. Meinen allerersten Artikel schrieb ich für die Schülerzeitung. Habe ich das wirklich so gesagt ? Falls ja. nachdem Barcelona gefallen war. aber mehr erfuhr ich über den Anarchismus in Spanien erst Anfang der vierziger Jahre aus den entsprechenden Berichten. Soweit ich mich erinnern kann. Chomsky in einem Brief vom 10. The Spanish Revolution. 83-120 (aus American Power and the New Mandarins) Chomsky schreibt: »Grand Camouflage von Burnett Bolloten war ein wichtiges Werk.. unverzichtbar für jeden. da steckt ein Haufen Arbeit drin. Das ist wirklich ein respektables Stück Geschichtswissenschaft. ich hätte die Grundlagen dafür bereits in der Schülerzeitung gelegt. vgl. unter anderem. wann war das? Chomsky Den habe ich Anfang der vierziger Jahre geschrieben. worden. Was mein frühes Interesse am Spanischen Bürgerkrieg angeht. denen die offizielle Geschichtsschreibung über den Spanischen Bürgerkrieg unterliegt.09. Dort stieß ich auf Veröffentlichungen über alle möglichen Themen. Zwar haben mich linkslibertäre. wofür der Fall von Barcelona nur das jüngste Beispiel darstellte.AUS »THIRD EAR« Jonathan Steinberg Mich als Historiker hat Ihre lange Besprechung des Buches Spanish Civil War von Gabriel Jackson fasziniert. da war ich so etwa zwölf. 244 . so auch über die Anarchisten im spanischen Bürgerkrieg. der heute wohl nur mit dem allergrößten Glück wieder aufzutreiben sein dürfte. Etwa ab 1941 fuhr ich regelmäßig nach Nerv York (mit der Bahn natürlich) und trieb mich in den Antiquariaten auf der Vierten Avenue. auch »Objectivity and Liberal Scholarship« im Chomsky Reader S. Aber davon kann nichts in dem Schülerartikel von 1939 zu finden sein. ich kann das beurteilen. Ich soll also in einem BBC-Interview gesagt haben. Das war also A nfang 1939. Ich beklagte darin den Aufstieg des Faschismus im Jahre 1939. der sich mit dem Spanischen Bürgerkrieg beschäftigt. war es so. aber vielleicht ist ja auch im Zuge des Interviews etwas verwechselt. herum oder im Büro der Anarchistenzeitschrift »Freie Arbeiterstimme. Ideen schon damals fasziniert. ist womöglich noch bedeutender. daß ich nach dem Fall von Barcelona in der Klassenzeitung einen Artikel schrieb.«. so muß da wohl irgendwas durcheinandergeraten sein.« Zitiert in Radical Priorities S..

'Ne Menge Typen stehen herum. ich! Chomsky Sie kennen den also? Sehen Sie. und genau dort lag sein Stand (Lachen). Kennt jemand den Kiosk an der 72. 48 . Besonders abends war es so eine Art literarisch-politischer Salon. einer der Menschen. Es gab aber noch zwei andere Stände an der Rückseite.ROWE CONFERENCE CENTER Chomsky Ich glaube übrigens. dann bei der Linken politisch aktiv. und mein größter Kick war. Und doch war da immer viel los. die mich am meisten beeinflußt haben. 72. Er hatte eine bewegte Vergangenheit: erst kriminell. reden. Und auf der Seite gab es zwei florierende Zeitlingsstände. Einige hier sind doch bestimmt aus New York. alles mögliche. es gab viele Emigranten und so .es gab damals eine Art Hilfsprogramm für Körperbehinderte .das war ja in den dreißiger Jahren. dort habe ich meine politische Bildung erhalten.12 Jahren. Weil er nun aber einen Buckel hatte .bekam er einen Zeitungsstand in New York. der es selbst nie weiter als bis zur vierten Klasse gebracht hatte. war ein Onkel von mir. da hinten kommt nie jemand hoch. Bloß.man kommt da aus der U-Bahn hoch. Also dort hing immer ein Haufen Leute herum. im Zeitungsstand den Verkäufer zu spielen. Straße. diskutieren. er war ein heller Kopf. Straße . und dazwischen ich mit meinen 11. Straße? Frau Ja. und alle laufen in Richtung 72.

Diese stellen auch die Inhaber der wichtigsten Regierungsämter. die wichtigste Funktion der Massenmedien in den USA sei es.in den Händen eines Netzwerks aus großen Konzernen. aber in unserer Gesellschaft liegen die wesentlichen Entscheidungen über das. Sie beherrschen das Wirtschaftsleben. 49 .unser eigenes oder jedes andere . Produktion. schon prinzipiell und auch noch durch die Gesetze. Ihnen gehören die Medien. unterliegt unser politisches und ideologisches System äußerst scharfen Beschränkungen. Sie besitzen geradezu übermächtige Gewalt ü b e r . wenn man verstehen will. was hier ablaufen soll . sie können die eigentlichen Entscheidungen fällen. die Öffentlichkeit zur Unterstützung derjenigen Sonderinteressen zu bewegen. SEATTLE Ross Reynolds In Manufacturing Consent schreiben Sie. wie es zu funktionieren hat. wie ein Gesellschaftssystem funktioniert . Distribution usw. Welche Interessen sind denn das? Chomsky Also. LARAMIE Chomsky Die einzelnen Gesellschaftssysteme unterscheiden sich voneinander. welche die Regierung und den privaten Sektor beherrschen. unser Leben — also über das. wer in welcher Position darüber entscheiden kann. was in den Gesellschaft passiert. UNIVERSITY OF WYOMING. Multis und Finanzunternehmen.dann muß man als erstes herausfinden. . Da sie alle Ressourcen kontrollieren und überall ihre Interessen durchsetzen wollen.Investitionen.KUOW (HÖRERRADIO).

und deren Beitritt zu dem Konsens ist von entscheidender Bedeutung. Da ist einmal das. Bereits im Jahre 1947 stellte ein PR-Spezialist des US-Außenministeriums fest. Die öffentliche Meinung »ist nicht von allein nach rechts gedriftet. Die sollen vor allem gehorchen und nicht nachdenken oder sich um irgend etwas kümmern — sie sind es allerdings. die gebildet sind. Wessen Konsens wird denn da fabriziert? Chomsky Zunächst geht es da um zwei Gruppen. B. daß sie am Leben der Gesellschaft in irgendeiner Weise partizipieren . aber grob besehen wendet sich die Propaganda an zwei Zielgruppen. So.einzig die USA sind zu einem Gegner der Arbeiterbewegung und des sozialen und wirtschaftlichen Wandels geworden. Bleiben noch die restlichen 80 Prozent der Bevölkerung. in der Politik oder der Kultur. daß »clevere Öffentlichkeitsarbeit sich immer lohnt«. hat Arbeiterparteien an die Regierung gebracht und liberale Gesetze verabschiedet . Von denen wird erwartet.nach rechts bewegt (. Sie gehen vermutlich auch zur Wahl.sei es als Manager. Schriftsteller usw.« Necessary Illusions S. Diese umfaßt die ca. Wir können später mehr ins Detail gehen. was manche Leute als die politische Klasse bezeichnen.BÜRO IM MIT David Barsamian Wir reden hier über die Fabrikation eines Konsenses. sondern sie wurde . sie spielen eine Rolle im Wirtschaftsleben. Diese Gruppe muß also ganz heftig indoktriniert werden.. 20 Prozent der Bevölkerung.ganz geschickt . 31 50 . sei es als Kulturschaffende wie z. sich ausdrücken können und einen gewissen Einfluß auf die Entscheidungen ausüben. Lehrer..) Die ganze Welt ist nach links gewandert. die meistens die Zeche bezahlen müssen.

wird schon durch die monopolistische Medienkontrolle . also von denen. der Wirtschaft und den von diesen Machtzentren alimentierten und approbierten »Experten« geliefert werden (4) »Flak« als Mittel zur Disziplinierung der Medien (5) »Antikommunismus« als nationale Religion und als Kontrollmechanismus. ROCHESTER. doch wird nicht immer so explizit Bezug darauf genommen wie in den beiden genannten Büchern. 1-2*) *) Mit der Literaturangabe Manufacturing Consent ist im folgenden stets das Buch Manufacturing Consent: The Political Economy of the Mass Media von Herman und Chomsky gemeint. als dieses Buch oder der Film es vermitteln kann . ihre Botschaft an den Mann und an die Frau zu bringen. aber wir nennen es ein Propagandamodell. was überhaupt einen Neuigkeitswert besitzen soll. Könnten Sie die mal kurz umreißen? Chomsky Es ist im Grunde eine Institutionsanalyse der wichtigsten Medien. sowie ihre Gewinnorientierung (2) die Werbung als Haupteinnahmequelle der Massenmedien (3) die Abhängigkeit der Medien von den Informationen. wenn die Medien miteinander konkurrieren. die ihnen von der Regierung. Aus »A Propaganda Model« in Manufacturing Consent S. nach denen sich die übrigen mehr oder weniger richten.AUS »TV DINNER« (OFFENER KANAL). die die Grundsätze für Diskurs und Interpretation festlegen und die definieren. die das Propagandamodell stützen. die die Propaganda passieren muß. unterhalten und informieren. Aus ihnen erklären sich auch die Gründe und die Abläufe regelrechter Propagandafeldzüge. das jeweils Druck- 51 bare herauszusieben. abweichende Meinungen an den Rand zu drängen und es der Regierung und den vorherrschenden Privatinteressen zu ermöglichen. in regelmäßigen Abständen Mißstände in der Regierung oder im Big Business anprangern. die ihn in die institutionellen Strukturen der Gesellschaft integrieren. für druckbar erachtete Rest übrigbleibt. über die Kapital und Macht in die Lage versetzt werden. Wo aber die Medien sich in Privatbesitz befinden und es keine formelle Zensur gibt. Buch oder Film Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media sind stets komplett angegeben.häufig noch durch eine offizielle Zensur verstärkt . Die wichtigsten Komponenten unseres Propagandamodells oder »Nachrichtenfilter«Sets sind: (1) die Größe der wichtigsten Mediengesellschaften. durch deren Einsatz man Zugang zu den Privatmedien gewinnen und ihr Verhalten beeinflussen kann. Sie sollen amüsieren. Das Modell zeichnet die Wege nach.Noam: Sie haben ein Modell skizziert. sich also massiv als Vorkämpfer für das Recht der freien Rede und überhaupt für die Interessen der Gemeinschaft in Szene setzen. NEW YORK. Wir reden dabei in erster Linie von den überregionalen Medien. daß die Medien den Zielen der herrschenden Elite dienen. Wer die Argumente. Diese Komponenten wirken zusammen und verstärken sich gegenseitig. Zwar spiegeln alle poli- tischen Veröffentlichungen von Chomsky und Herman das Modell wider. Ein Propagandamodell Die Massenmedien dienen als System zur Übermittlung von Symbolen und Botschaften an die breite Masse. genauer kennenlernen will . die sozusagen die Themen setzen. In einer Welt konzentrierten Reichtums und heftiger Klassenkämpfe bedarf es zu dieser Rolle einer systematischen Propaganda. Professor Chomsky . Dabei bleibt verborgen (und wird in den Medien auch nie angesprochen). soweit sie sich überhaupt mal mit nationalen oder internationalen Angelegenheiten befassen. Das primäre Nachrichtenmaterial muß eine Folge von Filtern durchlaufen. Es sind diese Komponenten. von den Filtern.jedenfalls besser. und sie sollen jedem diejenigen Werte. Ein Propagandamodell faßt diese ungleiche Verteilung von Macht und Reichtum ins Auge und ebenfalls die vielfältigen Auswirkungen dieser Ungleichheit auf die Interessengebiete und die Themenauswahl der Massenmedien.deutlich. daß dieser Kritik enge Grenzen gezogen sind und daß die Mittel. da ist das Wirken eines Propagandasystems viel schwieriger zu verfolgen ganz besonders. Glaubenssätze und Verhaltensregeln einflößen. bis der gesäuberte. Solange die Macht über ein Land in der Hand einer staatlichen Bürokratie liegt. extrem ungleich verteilt sind. ehe sie die Öffentlichkeit erreicht. . USA Ron Linville Also.der möge sie in Manufacturing Consent und in Necessary Illusions: Thought Control in Democratic Societies nachlesen. die Konzentration und das Vermögen ihrer Eigentümer.

also bei 35 .und Zeitungsbetrieben.. und die lokalen Medien passen sich dann dieser Struktur mehr oder weniger an. Nach Meinung der Autor/inn/en Hegt der Kern einer Nachricht in ihrer Relevanz für die Kontrolle abweichenden Verhaltens. B. Das heißt. sowie jedes Verlassen der von der Bürokratie vorgegebenen Wege.. die großen TV-Kanäle usw.also unserer. was der gesunde Menschenverstand glaubt. fällt für die Medien unter das Verdikt »Abweichung« auch jede Verletzung dessen. Nachrichtenleiter Also ich . Visualizing Deviance: A Study of News Organization (University of Toronto Press 1987) Diese Untersuchung stützt sich auf ausgedehnte Feldstudien in Radio. die New York Times. Ericson. P. der das Propagandamodell in Aktion zeigt. die bei ABC News für The World Is Watching gemacht wurden — einen außergewöhnlichen einstündigen Film. daß es da einen Brückenkopf gibt. die Washington Post. wir haben eine Minute insgesamt.. die sozusagen die Themen setzen. Direktor Es heißt in diesem kurzen Ausschnitt. V. SEATTLE Chomsky Also die Elitemedien. innerhalb der ABC TV News ungehindert filmen zu dürfen. sechs ist ein guter Anfang. J. M.. 6:28 ist prima. Nachrichtenleiter Ja. Peter . Sie begleiteten ein Filmteam in Nicaragua und dokumentierten gleichzeitig die redaktionelle Bearbeitung im ABC-Nachrichtenraum in New York.. 52 ..Dieses Insidergespräch wurde aus dem Abfall von Aufnahmen montiert. Baranek. Peter Jennings Ich denke. Peter Jennings Ich liebe diesen Ausschnitt. ich meine. NEW YORK Mann (spricht ins Telefon) Hier World News. Vgl.. ich denke. ich glaube .. aber ich glaube . Redakteur Ich denk' schon. RADIO KUOW. Wie die Untersuchung zeigt. Die bestimmen den allgemeinen Rahmen. L.. Nachrichtenleiter Hier ist der entscheidende Ausschnitt für uns .. daß wir's schaffen könnten... ABC TV NEWS. Chan. Die Filmemacher erhielten die einmalige Chance. wie die Journalisten einer Meldung ihren Neuigkeitswert zuordnen und dadurch einen erheblichen Einfluß auf die gesamtgesellschaftlichen Werte ausüben. auch: R. Sie analysiert. das sind die.

Sendeleiter Noch zweieinhalb Minuten bis zur Sendung. Aber die New York Times hat noch eine spezielle Rolle. vielleicht sogar der ganzen Welt. bis zu welchen Grenzen die Debatte sich erstrecken darf. aus dem wechselnden Webmuster des Lebens. Peter Jennings (auf Sendung) Derzeit richten sich besonders aufmerksame Blicke auf die fünf mittelamerikanischen Staaten. die Nennung von Problempunkten. AUS »DEMOCRACY'S DIARY« (1948) Sprecher Hier ist «Democracy's Diary». ihre Redakteure empfinden das wohl auch als schwere Bürde. Nach mehreren Telefonanrufen der Vertriebsfirma Zeitgeist Films druckte die New York Times am nächsten Tag eine Berichtigung. Die New York Times spielt eine enorme Rolle dabei. gebildeten Schichten wahrgenommen wird. die zur Wahl gehen . und ich denke. sie gestalten. ven. das Filtern von Informationen. das Wahlvolk aus dem Schlaf zu rütteln und zu aktivieren. den Fehler in den noch nicht gedruckten Exemplaren zu beheben. Um 3 Uhr früh des Erscheinungstags machte Mark Achbar das Blatt auf seinen Freudschen Ausrutscher aufmerksam. die Festlegung. Als der Film im New Yorker Film Forum Premiere hatte. Chomsky (im Off) Hierzu bedienen sie sich der verschiedensten Methoden: die Auswahl der Themen. wie unsere Welt von den politisch akti- 53 Ob man ihm zustimmt oder nicht. Hier ist der große Journalismus . Chomskys Interpretation der Verhältnisse in den USA hat einiges für sich: Die Regierung richtet sich vor allem nach den Wünschen der Minderheit von Bürgern. AUS »PAPER TIGER TV« (OFFENER KANAL). Führer durch die Gegenwart und Schlüssel zur Zukunft. NEW YORK (1978) Chomsky Die New York Times ist bestimmt die wichtigste Zeitung der USA. Chomsky betrachtet es als seine Mission.alles im Dienste der Interessen der herrschenden gesellschaftlichen Eliten. Sie bestimmen. Im Datenteil. sie wählen aus.03. wo Mitwirkende. aufgeführt sind. noch 45 Sekunden. brachte die Zeitung es fertig. sie kontrollieren. sie beschränken .Zeugnis der Vergangenheit.übrigens auch eine der Kernaussagen in John Kenneth Galbraiths neuestem Buch The Culture of Contentment. Hier können wir aus Triumphen und Katastrophen lernen. so daß dieser lautete »MANUFACTURING CONSENT AND THE MEDIA«. der Nachtredakteur versuchte.93 . Spieldauer usw. das Hervorheben bestimmter Gesichtspunkte. druckte die New York Times diese Besprechung. Aus einer Rezension von Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media von Vincent Conby in New York Times 17. daß nämlich die New York Times in einem gewissen Sinn Geschichte bewirkt. Noam Chomskys Namen im Filmtitel wegzulassen.

Unser kritisches Material stammt von über hundert Korrespondenten . was man in den Archiven der New York Times findet. daß bestimmte Sachen dort vorkommen und andere nicht. BEI DER NEW YORK TIMES Karl E. sie sollen uns von ihrem Umgang mit den Medien berichten. die Zeitung. PAPER TIGER TV Chomsky Geschichte ist also das. Eine leitende Redakteurin von Newsweek wiederum meinte auf dieselbe Frage höflich.und Kommentarentwürfe sowie Leserbriefe in den Massenmedien nicht zum Zuge gekommen sind. von denen die Berichterstattung geprägt ist. der geht zur New York Times. die Geschichte schreibt. Wir haben auch einige der Gruppen. es ist aber auch die New York Times.« Gesetzgebung ist wie Wurstmachen — je weniger man darüber weiß. . Ende der sechziger Jahre vermittelte Harrison Salisbury einmal ein Treffen zwischen Chomsky und einigen Redakteuren der New York Times. desto besser schmeckt sie einem. welche Presseerklärungen. hängt vielleicht mit dem zusammen. Ein unbezahlbares Archiv der Ereignisse und der Menschen. Meyer wurde gefragt. desto besser schmeckt sie einem.also all die Einseitigkeiten. daß bestimmte Fragen gestellt und andere übergangen werden. Wenn also die Geschichte passend zurechtgeformt werden soll. dann ist es ganz wichtig. meistzitiertes Nachrichtenmedium der USA. und in wessen Interesse wird die Geschichte in dieser Weise zurechtgeformt? Die Antwort dürfte wohl nicht allzu schwer fallen. und daß die Dinge in einen ganz bestimmten Rahmen gestellt werden. uns an Ihren Erfahrungen mit den Medien teilhaben zu lassen -wobei Sie sich natürlich nicht nur auf die New York Times beschränken sollten. in der wir leben. Und genauso ist es in unserem Metier. wenn Sie nur Manufacturing Consent gelesen hätten. unsere Leserinnen und Leser. »DIE ZEITSCHRIFT FÜR WAHRHEITSGEMÄSSE BERICHTERSTATTUNG« Lies Of Our Times Willkommen bei Lies Of Our Times. Seine Doktorarbeit in Princeton behandelt die Politik der Loyalität. Lies Of Our Times Januar 1990 54 Karl E. Wie Chomsky berichtet. verfügbar gehalten. In der Bibliothek der Times werden Millionen Ausschnitte aufbewahrt. indexiert. Und »Lies« meint nicht nur die direkte Unwahrheit. Na.AUS »DEMOCRACYS DIARY« (1948) Sprecher Was vor Jahren passiert ist. Sie kennen doch den Spruch über die Gesetzgebung: Gesetzgebung ist wie Wurstmachen -je weniger man darüber weiß. um Unterstützung gebeten. warum sie die Bombardements in Laos totschwiegen. die für Menschenrechte und Allgemeininteressen eintreten. Meyer (Leitartikler) Wie die Menschen hierbei im einzelnen zu ihren Entscheidungen kommen. bitten wir herzlich. Artikel. die sie ausgelöst haben. er lehnte jedoch von vornherein ab. Journalisten. der Monatszeitschrift für Medienkritik. aber es gelang mir doch. ob die Redaktionsleitung der New York Times einer Diskussion mit Noam Chomsky zustimmen und diese abdrucken würde. Besonders aufmerksam werden wir verfolgen. Sie. ist erheblich geheimnisvoller als Sie glauben würden. was morgen eintritt. wer wissen will. »Our Times« . Nach 15 Jahren bei der Washington Post wechselte er zur New York Times. Literaten und politische Aktivisten. daß Lies Of Our Times mit den Jahren zu wesentlich mehr Wahrheit in der Berichterstattung beitragen wird. Wir hoffen aber doch. Er ist auch Autor mehrerer Bücher. Zweifellos können wir die Flut von Lügen und Verzerrungen in den Medien nur gerade ein wenig anzapfen. wir sollten es doch mal bei Time versuchen. Meyer stammt aus Wisconsin. was passiert ist. »wollten diese Leute nur über Linguistik reden. Und genau so ist es in unserem Metier.das ist die Zeit. einige Fragen darüber einzuschmuggeln.darunter neben Medienkritikern auch Wissenschaftler. dazu zählen Vernachlässigung von Themen und Heuchelei ebenso wie irreführendes Hervorheben und unausgesprochene Voraussetzungen .

die den TV-Sender um Dokumente ersuchen. Sie erfahren respektvolle Aufmerksamkeit.000 Dollar im Jahre 1971 auf 1.) Die Flak der Mächtigen kann direkt oder indirekt auftreten. die sich gegen die Medien richten. sobald sie sich einmal nicht an die außenpolitische Linie halten. Parlamentsreden. die ihrem Ziel. Und ich meine.oder Strafmittel (. damit sie den Vorgaben der Wirtschaft folgen und für eine knallharte rechte Außenpolitik eintreten. Mindestens acht Ölgesellschaften unterstützten AIM in den frühen 80ern..ich zitiere . Firmenstiftungen und reichen Erben. von 1951 bis 1963 als Wirtschaftswissenschaftler Mitglied im Zentralbankrat des Federal Reserve System in Wash- ington. bei jeglichem Verstoß gegen die Normen der rechten Vorurteile mit Ärger (und mit Kosten) zu rechnen (. sie können rechtslastige Überwachungs. Zur direkten Variante gehören Briefe oder Anrufe aus dem Weißen Haus an Dan Rather oder William Paley [CBS-Größen]. Meyer Merkwürdigerweise gibt es da so eine Art Spiegelbild. zusammen mit Cliff Kincaid).) Obgleich die Flakmechanismen die Medien pausenlos aufs Korn nehmen. Manufacturing Consent S. Er ist Mitglied im Verband der Zeitungs.das Zeug muß raus ..) Flak . 27-28 .. werden sie von diesen stets gut behandelt. Prozesse.vor allem wenn sie Geld kostet und als Drohung wirksam sein soll . durch die dem amerikanischen Volk liberale Ideen zu nationalen und internationalen Fragen übergestülpt werden sollen. indem Chomsky genau mit Reed Irvine vom rechten Rand des Spektrums übereinstimmt. sie stammen hauptsächlich von Großunternehmen. durch einstweilige Verfügungen.Media Mischief and Misdeeds (1984) und Profiles of Deception (1990.»Themen setzen«.) Manufacturing Consent S. wie die großen Medien die . US-Behörde für Funk und Fernsehen]. Filter: Flak dient der Disziplinierung der Medien Unter Flak versteht man negative Reaktionen auf Äußerungen oder Programme der Medien. 26-28 55 Der Medienkritiker Reed John Irvine (geb.. In Wirklichkeit ist der Zeitdruck so enorm . hier würde über ganz wichtige Fragen leichtfertig und oberflächlich entschieden.können nur die praktizieren. den Medien möglichst jeden Gedanken an Abweichung auszutreiben. Auflage 1992 AIM wurde 1969 gegründet und erlebte in den 70er Jahren einen spektakulären Aufstieg. oder aufgebrachte Werbeagenten oder Sponsoren verlangen von den Medienchefs Sendezeit für eine Gegendarstellung oder drohen Vergeltungsaktionen an. Flak kann in Form von Briefen oder Telegrammen erfolgen. dann hätten Sie bestimmt den Eindruck. darüber. o d e r das FCC [Federal Communications Commission. AIM drängt die Medien.. sie können entsprechende Annoncen placieren. Quelle: Who's Who in America 47. AIM dient dazu. Gesetzentwürfe.daß man zu einer Art Stenographie greift. Karl E. So werden sie darauf konditioniert. wieviele Bereiche der Wirtschaft unter den Sponsoren vertreten sind. direkt dienlich sein werden (. während ihre Propagandarolle und ihre Verpflichtung auf die übergeordneten Zielvorstellungen ihrer jeweiligen Organisation kaum jemals erwähnt oder analysiert werden. der sagt nämlich haargenau dasselbe wie er über den suggestiven Einfluß der Presse. Die Einnahmen stiegen von 5. Natürlich erblickt Reed Irvine darin eine linke Verschwörung.Wenn Sie mal in so eine Konferenz hineinhorchen könnten. Schließlich können sie Wahlkampagnen finanzieren und damit solchen konservativen Politikern zur Macht verhelfen. Druck. 1922) ist seit 1971 Präsident der konservativen Organisation »Accuracy in Media« und seit 1985 Chefredakteur des AIM Report. Man muß ja die Zeitung jeden Tag voll kriegen.5 Mio Dollar Anfang der 80er Jahre.oder Analyseoperationen finanzieren. die einer bestimmten Sendung zugrundeliegen. auch so eine beliebte Wortblase unserer Tage. die solche Nachrichten vernehmen.. und es ist beeindruckend.und Rundfunkkommentatoren sowie Verfasser zweier Bücher .. den Medien Dampf zu machen und Druck auf sie auszuüben. hier wie dort liegt darin wirklich eine Beleidigung der Intelligenz der Menschen. sich für Kommunistenjagden zu begeistern. Die Mächtigen können aber auch indirekt auf die Medien einwirken: Sie können sich in ihren Kreisen (etwa bei ihren Aktionären oder Angestellten) über die Medien beklagen. die über Macht verfügen (. wo festgelegt wird. und prangert ihre angeblichen Unterlassungssünden an. was auf die Seite 1 kommt und was nicht. Von 1963 bis 1977 war Irvine internationaler Finanzberater. oder sonstige Beschwerde-.. per Telefon.

Die Medien wären dann praktisch das Sprachrohr für die Botschaft: Bis hierher und nicht weiter. werden diejenigen unterstützt und gewählt. In beiden Wahlkämpfen. bezeichnete die Reagan-Regierung die Demokraten als »die Partei der Sonderinteressen«. Sie umreißen die Grenzen des Diskurses — für diejenigen. Und an dieser Stelle wäre dann das gut funktionierende System auch nicht unparteiisch. 56 . wie das Denken durch eine ganz bewußte Auswahl und Uminterpretation von Begriffen manipuliert wird .falls möglich und nötig auch mit Gewalt.GEORGETOWN UNIVERSITY. 1980 und 1984. C-Span ist ein Info-Kanal. AMERICAN UNIVERSITY. Denn gerade wenn es scheinbar eine liberale Färbung hat. man geht einfach stillschweigend davon aus. ein Aggressor.innerhalb desselben Systems von Annahmen agiert. Werktätige.nur damit es den Menschen schwer wird zu verstehen. ethnische Minderheiten . dann vertritt das Volk Sonderinteressen.) • Die USA haben das natürliche Recht darauf. Hier haben wir ein typisches Beispiel dafür. die Konzerne aber das Gesamtinteresse. Jugendliche. selbst im eigenen Land. den Boden unter den Füßen verlieren müßte.89 an der American University wurde auch über den Sender CSpan ausgestrahlt. 126 Einige grundlegende Aussagen des außenpolitischen Diskurses: • Die Außenpolitik der USA wird von der »Sehnsucht nach Demokratie« und überhaupt den besten Absichten geleitet (. und weil jeder für das Gesamtinteresse und gegen Sonderinteressen ist. WASHINGTON Chomsky Damit keine Verwirrung entsteht: All dies hat nichts mit der jeweiligen liberalen oder konservativen Grundeinstellung zu tun. vertreten diese doch nach ihren eigenen Maßstäben das Gesamtinteresse der Nation. der für ungekürzte politische Berichterstattung bekannt ist. in regelmäßigen Abständen den bewundernswerten Edelmut unserer Ziele zu preisen. der schaue sich die Kritiker und ihre stillschweigenden Annahmen genau an. dann wurden sie aufgezählt: Frauen. so progressiv. daß bei den Medien sowohl der liberale als auch der konservative Flügel . daß die Grundannahmen. Beinahe immer finden sich hier die Lehren der Staatsreligion. sogar die Grenzen dessen. Alte. Den Wahlreden zufolge lag hier selbstverständlich kein Sonderinteresse vor.. daß jeder. 59 Der Vortrag vom 16. was ja etwas Schlechtes sein muß. was in der Welt vorgeht. was überhaupt gedacht werden kann. wenn die Presse wirklich so aufsässig. abgedruckt im Chomsky Reader S. Das Propagandamodell besagt.strenggenommen die gesamte Bevölkerung. Man muß diese Lehrsätze nicht eigens verkünden.04. der noch darüber hinausgehen wollte.. Eine Gruppe fehlte allerdings bei den Sonderinteressen: die Konzerne. Denkt man es also zu Ende.) • Gewalt kann nur zur Selbstverteidigung angewendet werden (.was immer das besagen mag . sollte das System sogar eine liberale Färbung haben oder wenigstens diesen Eindruck erwecken. Arme. die bei den liberalen Medien gelten. also so schlimm ist . Chronicles of Dissent S.. es genügt. um wessen Sonderinteressen es dabei ginge. daß sie gelten. sakrosankt sind . • Kein Land hat gegen die USA ein Recht auf Selbstverteidigung (. In anderen Worten. sind wir doch alle gegen Sonderinteressen. die die richtige Ausbildung genossen haben. Daraus folgt.. Schaute man aber genauer hin und erkundigte sich. wer Widerstand leistet.wie kann ich denn da noch weiter gehen wollen? Sie sind doch schon so extrem kritisch gegenüber der Macht. die gegen das Volk eingestellt sind und für die Konzerne arbeiten. ihren Willen durchzusetzen . Necessary Illusions S. WASHINGTON Chomsky Um gut zu funktionieren. 48 Hier eine nützliche Faustregel: Wer etwas über das Propagandasystem erfahren will.) Folglich ist. konditioniert es das Denken nur um so wirkungsvoller. Aus »The Manufacture of Consent«..weiter geht's nicht. Nein..

dann findet man einige besonders wichtige Einflußfaktoren. wenn man relativ einleuchtende Marktverhältnisse ohne Fremdeinflüsse annimmt? Schaut man auf ihre Produkte. Wem gehören diese großen Medien. Westinghouse. Filter: die Größe und Gewinnorientierung der maßgeblichen Medien sowie die Konzentration und das Vermögen ihrer Eigentümer 57 . General Electric usw. B.z. die die Themen setzen . Darüber hinaus sind sie in noch größeren Konzernen bis hin zu Multis eingebunden oder gehören denen ganz . Ein Beispiel hierfür sind die Besitzverhältnisse. Und diese bezeichnen wir als Filter. wirklich riesige Unternehmen.AUS »TV DINNER« Chomsky Wir fragen nun: Was würde man von diesen Medien erwarten.was sind sie letztlich? Was für gesellschaftliche Institutionen? Also in erster Linie sind es Großbetriebe.

dann habt ihr sofort die ganze hiesige Geschäftswelt auf dem Hals. denen das Land gehört. Gut.. Sie brauchen sie gar nicht zu kontrollieren . und die sorgen dafür. so wie .. und die Universität erhält Drohungen. Aber ich kann dir eines sagen: Ihr braucht in eurer Studentenzeitung nur einmal irgend etwas Unkonventionelles zu riskieren. die Macht haben. das kann auch passieren. wissen Sie. ich meine. Aber sobald ihr an einen Punkt kommt. wie die Eliten das machen. auf anderer Ebene. Es gibt Menschen. vielleicht nimmt überhaupt niemand Notiz von euch. die Reporter und so. 58 . ich meine . denen das Land gehört. ich arbeite in der Studentenzeitung mit.IN NANAIMO Student Ich würde gern mal wissen. Ich meine.sie gehört ihnen ja.. Chomsky Das ist so. Es gibt Menschen.. General Motors ist eine Institution der Eliten. Chomsky Die Eliten kontrollieren nicht die Studentenzeitungen. als ob man fragt: Wie kontrollieren die Eliten General Motors? Warum wird diese Frage nicht gestellt? Nun. die Macht haben. wo man doch von euch Notiz nimmt.. Denn es gibt nun mal Menschen. daß sie die Kontrolle darüber nicht verlieren. daß sie die Kontrolle darüber nicht verlieren. kommt der Druck.. Es gibt Menschen. daß sie die Medien kontrollieren . Student Bloß. und die sorgen dafür.

aus diesem oder jenem Grunde etwas Bestimmtes zu tun. dann versteht er. Und anschließend legen Sie sich ein Glaubenssystem zurecht.) Wie kann Wolfe oder sonst jemand meinen.Wissen Sie. Juli 1993 war Chomsky eine Stunde lang Studiogast in der Reihe. An den Universitäten ist das ja jetzt die große Mode..j e d e r kennt es ja bei sich selbst.) bis hinauf zu den Redakteuren der Prawda. den ich je gehört habe.. daß .. Nachdem ihm der nebenstehende Ausschnitt aus einem Gespräch zwischen Tom Wolfe und Bill Moyers vorgespielt worden war. die die Fäden in der Hand hält. die alte Verschwörungstheorie.. dem stimme ich zu.) Jeder von ihnen ist völlig von seiner Sache überzeugt..) Ich stimme Ihnen darin zu. Chomsky Moment mal . . sie könnten nicht weitermachen wie bisher (.. Posner Gehört Tom Wolfe auch zur Klasse der Kommissare? Chomsky Ja natürlich. Wenn ich also sage. Das hieße ja. es gibt viele ehrliche Menschen. sagte er: Chomsky Ja. 131... Noam Chomsky. Und da ist es schon interessant zu sehen. sie glauben an den Bösen irgendwo. was ich in der Sowjetunion als die Kommissars- 59 klasse bezeichnen würde. daß er nicht zur Klasse der Kommissare gehört. und deshalb sage ich ja das genaue Gegenteil davon (. die ihm sagt: »Jawohl. so daß Sie sich sagen können: »Ich habe recht gehabt. ich stelle doch nicht in Frage .. es ginge da zu wie in der Sowjetunion. daß es sich um ein geschlossenes Glaubenssystem handelt.. es wäre wirklich idiotisch zu glauben. Es ist wirklich absoluter Blödsinn und sicher nur eine Mode.ich meine damit.) Meinen Sie nicht. Wissen Sie. wir hätten in den Vereinigten Staaten ganz oben eine Kabale. Angenommen.. die ganz fest daran geglaubt haben (. Bill Moyers Sie selbst gl. und ich selbst bin dabei völlig frei und unabhängig.. Also die Leute. Posner Und Sie gefährden diese Ideale. was ihm beigebracht worden ist? Weil dies hier für ihn Demokratie und Freiheit ist? Genauso war es doch bei den vielen Menschen. welche Dinge man in den USA nicht mehr zur Kenntnis nehmen kann.. Genau so arbeiten eben diese Systeme.wie viele absolute Zyniker wären wohl darunter? Posner Nicht sehr viele. Sie be . Da steht in einem Raum so ein Tisch mit einem großen Tuch drauf und drum herum sitzt ein Haufen Kapitalisten und zieht die Fäden.. Solche Räume gibt es nicht . und 27. Die Sache liegt völlig anders.also Sie sind anderer Meinung.ich sag's nicht gern. Es ist so eine Art Fundamentalismus. daß sie nicht einmal mehr die Worte richtig aufnimmt. ich hätte von Verschwörung gesprochen? In Wirklichkeit fühlt sich die Klasse der Kommissare durch jede analytische Bemerkung über die Struktur unserer Institutionen derartig bedroht. Chomsky Ja sehen Sie. und am Ende stehen dann die Menschen. die innerhalb eines Macht. Sie könnten denen in die Seele schauen . als Gastkommentator der New York Times oder als KZ-Wächter (. Posner . darunter auch Tom Wolfe. Chomsky Nein. dies ist alles richtig und gerecht. Jeder hat sich seine Glaubenswelt zurechtgelegt. .sei es als PrawdaRedakteur... daß es eine gibt. »Posner & Donahue« des Senders CNBC. wo man kritische Analysen einfach nicht mehr zur Kenntnis nehmen kann.. Am 22. Die meisten haben wirklich an alles geglaubt.AUS »A WORLD OF IDEAS« (1988) Bill Moyers Was sagen Sie dazu? Tom Wolfe (Schriftsteller) Das ist wieder die . die fest daran glauben. na ja. Chomsky Stimmt. Sie beschreiben das. aus dem sich Ihre Handlungen begründen lassen. Mehr über die Verschwörungstheorien auf S.« Wären sie nicht im Besitz dieses Glaubenssystems. Auch er versteht ja nicht einmal mehr die Worte.. oder? Tom Wolfe Ich halte das für den größten Quatsch... Posner & Donahue Transcripts. wie solche Glaubenssysteme entstehen . Wenn Sie mal wirklich darüber nachdenken. Sehen Sie. daß er die Worte nur deshalb nicht hören kann. Da beschließen Sie. In gewisser Weise denken die Intellektuellen hier wie die Pfarrer ..« So.und Autoritätssystems funktionieren . es gibt da oben keine Kabale. Posner Aber meinen Sie nicht auch. Daß er eben doch seine Ideale hat. die wie ich in der Kommunistischen Partei waren und die zutiefst an die Lehre geglaubt haben und sich nur unter Schmerzen davon freimachen konnten (.. weil er so fest an das glaubt.

in einigen halten sie praktisch ein Monopol. wie die immer noch gemeinsamen Ziele am besten zu verfolgen seien.. daß sie die Welt durch die gleiche Brille betrachten und von denselben Einflüssen motiviert oder gebremst werden. Es sind dies: Bertelsmann Buena Vista Films (Disney) Capital Cities/ABC CBS Cox Communications Dow Jones Gannett General Electric Harcourt Brace Jovanovich Hearst Ingersoll International Thomson Knight Ridder Media News Group (Singleton) Newhouse News Corporation Ltd. Manufacturing Consent S. wobei es natürlich nicht um direkte staatliche Zensur ging. d. Wo es unter den Mächtigen selbst Differenzen gibt. Aufl. so liegt das daran.500 Buchverlage 23 Großunternehmen kontrollieren jeden dieser Bereiche mindestens zu 50 Prozent. Die meisten der Vorurteile. The Media Monopoly (Beacon Press. da werden auch im Kampf der Medien die taktischen Meinungen darüber auseinandergehen. wie die Medien bei umstrittenen Themen verzerrt berichten oder ganz kneifen. folgen aus der Vorauswahl der Personen mit dem richtigen Denken und aus der Verinnerlichung von Grundbegriffen. . alles ergibt sich weitgehend aus dem Wirken der Marktkräfte. 358 Die Statistik auf dieser Seite beruht auf den Angaben in: Ben Bagdikian. denen die Medien unterliegen.000 Zeitschriften 11. die ihnen durch die Eigentumsverhältnisse.In Nordamerika gibt es: 7 große Filmgesellschaften sowie jeweils mehr als 1. wie wir sie in dem Buch [Manufacturing Consent: The Political Economy of the Mass Media] vorbringen. wenn sie ihre Artikel schreiben oder sich geschlossen ausschweigen. außerdem haben sich die Medienleute an die Schranken angepaßt. Übrigens stellen die Massenmedien nicht in jeder Frage einen monolithischen Block dar.000 Fernsehsender 2. h.. Aber das ist nur eine Ausrede. 4. Also handeln sie auch unausgesprochen als Kollektiv oder folgen ihrem Anführer.800 Tageszeitungen 11. den Markt und die politischen Machtverhältnisse gesetzt sind. Im Jahre 1987 ging der erste Preis an Ben Bagdikian für eine Untersuchung über diese Dinge. 1992).) alle Medienführer sich gleichartig verhalten. sondern darum.000 Rundfunksender 2. die Organisation. (Murdoch) New York Times Paramount Communications Reader's Digest Association Scripps-Howard Times Mirror Time Warner Tribune Company Kritik an Institutionen. wird gewöhnlich von den etablierten Kommentatoren als »Verschwörungstheorie« abgetan. In unserer Erklärung der Rolle der Massenmedien benutzen wir keinerlei »VerschwörungsHypothese«. xii 60 Alljährlich versammelt Carl Jensen eine Gruppe von Medienkritikern um sich und läßt sie »die 10 am stärksten zensierten Texte des Jahres« auswählen. Wenn fast immer (. Vielmehr beruht unsere Analyse eher auf der Prämisse »Freier Markt«. Wir haben die auf die USA beschränkte Analyse auf ganz Nordamerika ausgedehnt. Necessary Illusions S.

Man will ein Qualitätsprodukt verkaufen. der »seine Unterstützung durch Gulf & Western einbüßte. Geld verdienen sie einzig und allein mit ihren Werbekunden.fragen Sie nur mal Ihre Freunde in der Werbebranche. Die Firma Domino's Pizza entzog der NBC-Sendung »Saturday Night Live« ihr Werbebudget mit der Begründung. notiert der Londoner Economist am 5. jede kritische Analyse wird Mißfallen bei denen erwecken. Unreliable Sources: A Guide to Detecting Bias in News Media (Carol Publishing Group 1990) S. mit den Bedürfnissen. daß WNET denselben Lapsus heute noch einmal begehen würde.87. So funktionieren Institutionen nicht. Lee. hält sich an das »patriotische Schema«. heftig zu reagieren. bescheinigte der Gulf-Präsident dem Sender. das sind die Werbekunden. eines. Es gibt aber noch mehr Faktoren. 60 Filter: Werbung als Haupteinnahmequelle der Massenmedien 61 . Sich gegen die Machtzentren zu stellen. das nicht auf Förderung durch die Wirtschaft hoffen kann. M. die daraus entstehen. Manchmal üben die Werbekunden einen viel direkteren Einfluß aus. sind nicht die Leser. Den Holzfällerfirmen erschien dieser Film. Ancient Forests: Rage Over Trees. die sich alle in dieselbe Richtung auswirken. Chomsky Wir haben hier also vor allem einige Großunternehmen. Einige Abschnitte wurden auf der Videowand des Erin Mills Einkaufszentrums erneut aufgenommen. fallen höchstwahrscheinlich bald wieder heraus. Welche Weltsicht wird sich also hieraus ergeben? Ich kann wohl ohne weitere Zusatzannahmen vorhersagen. ist anstrengend und kostspielig. Im Interesse der besseren Lesbarkeit wurde die Tonspur hier zusammengefaßt. zu radikal. die dazu beitragen. um Abweichler. Menschen. Aber es gibt noch zahlreiche andere Faktoren. also andere Firmen. Denn Ausfälle gegen den offiziellen Feind müssen weder besonders begründet werden noch irgendwelche Gegendarstellungen fürchten. Salomon. A. Der Grund: Auf Druck der Holzindustrie hatten acht Werbekunden ihre Aufrage storniert. der Käufer und des Produkts übereinstimmen werden. das die Werbepreise hochtreibt . aber nicht über diese Sichtweise verfügen. um nicht zu sagen antiamerikanisch. und weiter: »Die Sender reagieren inzwischen äußerst sensibel auf die empfindlichen Gefühle der Konzerne. sind Institutionen. Interessen und Sichtweisen der Verkäufer. Unternehmen und Konzerne.« Andere ebenso wenig .« »Ein Freund tut so etwas nicht«. Wie alle anderen Unternehmen bieten auch sie ein Produkt auf dem Markt an. die Sendung verkünde angeblich eine antichristliche Botschaft. N. wir reden hier von den Elitemedien. 8 Im Jahre 1989 mußte ein im Besitz von Turner Broadcasting System befindlicher Kabelsender ein TV-Feature. zu belohnen oder zu strafen. daß die Auffassungen und die Weltanschauung. Was die Medien am Laufen hält. das die National Audubon Society produziert hatte. kann man letztere doch als Fürsprache für Verbrecher abtun.« Das Blatt erwähnt dann den Fall des TV-Senders WNET. die anderen Unternehmen privilegierte Zielgruppen verkaufen.12. ohne einen einzigen dazwischengeschalteten Werbespot ausstrahlen. die den Wald vor Bäumen nicht sieht. Necessary Illusions S. Wer lieber billig davonkommen will. Hörer oder Zuschauer. aus Radio KUWR in Laramie und aus dem Auditorium der University of Wyoming in Laramie. Man will also seine Zielgruppe in Richtung auf Elite und Wohlstand verändern. sie machen die Institution als ganze funktionsunfähig. Was wir also am Ende haben. Nun bedenken Sie aber. denn dann steigen auch die Preise für Werbung. stirbt im allgemeinen schon kurz nach der Geburt«.die implizite Warnung genügt. daß die Medien sich den Wünschen der verbündeten Staatsund Wirtschaftskreise beugen. »Ein Programm. wie die Multis in der Dritten Welt riesige Ländereien aufkaufen.Die folgenden Aufnahmen stammen aus der University of Washington in Seattle. Sie tun vielmehr alles. denn diese stören die Funktion. Schließlich wird sich keine Institution frohen Mutes einen Mechanismus zur Selbstzerstörung bauen. Alternativmeinungen und dergleichen auszuschließen. nachdem er in einem Dokumentarfilm mit dem Titel >Profithunger< gezeigt hatte. die in der Lage sind.« Schlußfolgerung des Economist »Es ist kaum anzunehmen. dieser Film sei »massiv wirtschaftsfeindlich. die ihrerseits zu noch größeren Konzernen gehören. Der Markt. die in das System hineinwol- len. an den Rand zu drängen oder zu eliminieren. alle Belege und Argumente müssen gänzlich abgesichert sein.

daß ich .. Geist und das Wesen dieser DemonstratioDiese Initiative führte zur Gründung von nen mit großartigem Scharfblick eingefanRESIST . aber nicht getan habe. über den sich alle lustig machten. Aber ich kann mich daran erinnern. Da gab es das übliche Dickerchen. die gen »5 Bostoner« wegen Verschwörung. Ich glaube. aus der vordersten Reihe. na ja. Chomsky Oh ja. Ich meine. als mit der DemonMailers Roman S. Von Chomsky heißt es dort. entkommen? Chomsky Ich selbst? Karine Kleinhaus Ja.1967 vor dem PenRoman. (Zitate aus American Poter Mitverschwörer galt. hat in seinem in der New York Review of Books erschien und Buch The Armies of the Night (1968) »den von Tausenden unterschrieben wurde. dem Prozeß gegen Dr. der am 12. Eben- BÜRO IM MIT David Barsamian Also wie war das mit dem kleinen Noam auf dem Schulhof? Chomsky Das sehe ich als Privatsache an. Das interessiert doch niemanden. Sie spielte auch eine wichtige Rolle in als einen »schlanken Mann mit scharfen. Mailer beschreibt ihn treffend tete. David Barsamian Sie haben daraus aber auch gewisse Schlüsse gezogen. der Roman als Geschichte«). keine angenehme Erfahrung. die ich hätte tun sollen. ich war sechs. die ihren Blick und gelte »im MIT wegen seiner Entauf den außenpolitischen Imperialismus deckungen auf dem Gebiet der Linguistik und die innenpolitische Repression richals Genie«. auf dem Schulhof. Spock und die übriasketisch wirkenden Gesichtszügen. WASHINGTON Karine Kleinhaus Was glauben Sie: Sind Sie persönlich der ideologischen Indoktrinierung durch die Medien und durch die Gesellschaft.diese Demonstration. da 62 . also wenn ich so zurückschaue und an Sachen denke. an diesem Abend illegitime Herrschaft«. die als »ungesetzten Essay »The Responsibility of wöhnliches und unvergeßliches Bekenntnis Intellectuals«.. jeder Hinsicht mit Leib und Seele Lehrer« siehe Quellenverzeichnis]. in der Sie aufgewachsen sind. Seinen Ruf als Dissident begründete Chomtagon eine Wendemarke überschritten wursky mit seinem berühmten. das hat mich sehr beeinflußt. gleichzeitig Sanftmut und moralische Intewobei Chomsky als (noch) nicht angeklaggrität austrahlen«. Ich weiß noch. Er stand auch in wer and the New Mandarins S. bis 21. er sei »in [übrigens immer noch im Widerstand aktiv.. an der »nach manchen SchätMonate später war er einer der Unterstützer zungen Hunderte von Menschen beteiligt« des ersten »Aufrufs zum Widerstand gegen waren. dann ist das ziemlich .. Einige net wurde. der im Frühjahr 1966 in der der Opposition gegen den Krieg« bezeichNew York Review of Books erschien. Oktober Chomskys Zellengenosse. in der ersten Klasse. Chomsky Häufig nicht. vielfach überde .10. 203 (»Geschichte als stration vom 19. 367 bzw. Norman Mailer.»AMERICAN FOCUS«.einer landesweiten Organisation gen«.

denn sie waren unser einziger Schutz gegen einen gewaltsamen Tod. manche wollten in ihm sogar einen Helden oder Guru der Neuen Linken erblicken. also für uns ein ganz Großer. daß ich hätte ausharren sollen. Aus der Einleitung zu Noam Chomsky: Critical Assessments Bd. Seitdem sitzt das in mir drin . 1964.dem Schwächeren beistehen. »The Responsibility of Intellectuals« wurde im folgenden Jahr in dem Buch The Dissenting Academy von Theodore Roszak abgedruckt. Ich hab' eher außen vor gestanden. 223-302. irgendjemand muß ihm doch helfen. als Gesellschaftskritiker und als Kämpfer. Es waren meistens Studenten. und der wollte ihn verprügeln oder so. ziemlich. hatten sich einen Namen gemacht und eine tolle Karriere vor sich .. Manufacturing Consent S.man genierte sich beinahe. uns umzubringen. Noch ehe das Jahrzehnt zu Ende ging. The Chomsky Reader S. Daß das Buch auf Anhieb einschlug. 1990 . und ich muß sagen. Aus »The MIT Interviews « Febr.) 63 Chomsky Am 15.»zum MIT fliegen mußte«). erschien 1969 und stellt wohl die schärfste je erschienene Anklage der US-Invasion Indochinas dar. wir waren sehr froh darüber. Oktober 1965 kam es zum erstenmal dazu. a. sie auszusprechen. daß er einmal wöchentlich von Oxford« . genoß er internationale Bewunderung und einen Ruf als eloquenter Sprecher der Antikriegsbewegung. und einer brachte sogar seinen älteren Bruder an. Dabei waren unsere Forderungen wirklich sehr zahm .stand er direkt vor der Klassenraum und ein Haufen Kinder hänselte ihn.. faßten Sie den Ent- so genau trifft die Formulierung von den »dichtgepackten Begriffswindungen des Chomskyschen Erkenntnisprozesses«.wo er die Locke Lectures gab . es sei »das erste überragende Produkt des gesellschaftlichen und politischen Denkens in der Folge der Vietnam-Katastrophe« und »der erste Entwurf zu einer Unabhängigkeitserklärung der Intellektuellen«. Wir sagten nämlich nur: »Stoppt die Bombardierung von Nordvietnam. März 1969 sein Arbeitsprogramm am MIT eingestellt wurde.heißt das also. wie ich mich neben ihm aufgebaut und gedacht habe. Sie fühlten keine Sympathie für die vorherrschenden Strömungen in den USA. die den Dienst in einem verbrecherischen Krieg verweigern«). sah man »seine Präsenz dort als so wichtig an. The Nation begrüßte damals das Buch mit den Worten. die von der Universität herüber kamen und drauf und dran waren. eine Sammlung historischer und politischer Essays. Sie waren Professor am MIT. Es waren wohl 200-300 Polizisten da. 3 (a. nämlich in American Power and the New Mandarins (»den muti- gen jungen Männern gewidmet. AUS »THIRD EAR« Jonathan Steinberg Sie standen ja schon ganz gut da. Jonathan Steinberg Sie fühlten sich isoliert. Die Menge war überaus feindselig eingestellt. (Vgl. 2. verdankt es zum Teil der geradezu ehrfurchtgebietenden Diskutierstärke seines Autors (in Wort und Schrift) sowie seiner fast übermenschlichen Fähigkeit. Dieses Buch. und dann habe ich mich sehr geschämt deswegen und mir gedacht: Also das passiert mir nicht wieder. 169-296 Politics). Und die Scham ist immer noch da . und dann blieb ich eine Weile dort. nicht aus der ersten. Sie waren bis dahin immer brav gewesen? Oder waren Sie schon von jeher so etwas wie ein Rebell? Chomsky Doch. O. Dann kriegte ich aber Angst und verzog mich. das war auf dem Boston Common. vielleicht aus der drillen Klasse. von seiner eigenen Brillianz gar nicht zu reden. auch Oteros Einführung zu Language and Zum Indochinakrieg vgl. (Bevor am 4. politischer Aktivist zu werden. die Argumente seiner Gegner logisch zu zerpflücken. auch The Political Economy of Human Rights Bd. kurz darauf auch in Chomskys erstem »Nicht-Fachbuch«. Und dann Plötzlich. den die Institution anscheinend nicht ausgesiebt hat .« Denn was war mit den dreimal so intensiven Bombardements in Südvietnam? Davon durfte man nicht einmal sprechen. Das ist doch nun der klassische Fall eines. Aber das geht vielen anderen auch so. Und ich weiß noch. daß ich auf einer öffentlichen Kundgebung unter freiem Himmel das Wort ergriff.und dann beschlossen Sie.

damals ging es nicht nur um ein paar Vorträge. meine Kinder wuchsen heran. Wann immer wir über eine Widerstands. Aus einem Gespräch an der McMaster University. in Guatemala oder Harlem vorlegen. weil wir dachten. Zur Überzeugungsarbeit zählen Taten so sehr wie Worte. Dies alles mag ein ferner Wunschtraum sein. und wir müssen wahrscheinlich gesellschaftliche oder institutionelle Einheiten schaffen. Meine Arbeit machte mir Spaß. Das war also schon eine echte Entscheidung. hat kaum unter Repression zu leiden. und seien sie noch so klein. die unsere hiesige Gesellschaft in Not und Elend gestürzt hat und niederhalten will und die sich aus diesem Elend zu befreien suchen. sieht sich aufgerufen. aber wenn es uns ernst damit ist. Als Repression würde ich das nicht bezeichnen. Wir haben an den gesellschaftlichen Privilegien teil und genießen deren Vorrechte.oder was man so nennt. durch die uns die Gesellschaft fester an der Kandare hat als irgendein totalitärer Staat. müssen wir den Aufbau der Bewegung gegen Krieg und Unterdrückung im Auge behalten. ich hatte eine schöne Wohnung. das Arbeitsgebiet war ein Erfolg. Ich hatte eine sehr begünstigte Stellung. was danach passieren würde. Nur: Wer privilegiert ist. wenn man die Spielregeln verletzt. Jeder von uns.dann würde es ziemlich ungemütlich werden. müssen ein so starkes geistig-moralisches Potential entwickeln. aber klare Strafen gibt es doch dafür. Ich war Mitverschwörer.oder Protesttaktik nachdenken. Mir war auch klar. Und mir war klar. müssen wir uns die Frage nach den zu erwartenden Folgen für die Menschen in Vietnam. Kanada (1988) . sie müsse demnächst die Kinder ernähren.. Bitte. Meine Frau ging sogar wieder als Lehrerin arbeiten. unser Institut quirlte vor Leben. aber das hatte nicht viel zu bedeuten (. wenn ich mich wieder diesen Interessen zuwenden würde . Ich wußte nämlich. ich machte mich auf Jahre im Gefängnis gefaßt. stand aber noch nicht unter Anklage. Ich stieg direkt in den Widerstand ein. So etwas kann man nicht Repression nennen.schluß: Ich muß was tun. im Privatleben lief alles bestens. bleibt uns nichts anderes übrig. Alles erschien perfekt. Natürlich wird man hier in den USA nicht in eine psychiatrische Anstalt gesteckt oder einem Todeskommando ausgeliefert. Mitgefühl zu zeigen und denjenigen Ermunterung und tätige Hilfe zu erweisen. in voller Verantwortung für die Opfer des Machtgebrauchs durch die USA einzutreten. American Power and the New Mandarins S. daß breite Schichten darin ihre menschlichen Grundbedürfnisse erfüllt sehen . schließlich verstießen wir ganz offen gegen die Gesetze . Wir müssen nach Wegen suchen. wie wir weite Kreise unseres Volkes von diesem Ziel überzeugen und diese Überzeugung in Aktionen umsetzen können. die wir diesen ideologischen und sozialen Strukturen gegenüberstellen wollen. an deren Ende eine Gesellschaft ohne Furcht und Schande steht.wozu nicht zuletzt das natürliche Streben zählt. mit denen wir diesen Konkurrenzgeist und diese engstirnige Selbstsucht überwinden können. die wir noch eine gewisse Freiheit in der Wahl unserer Mittel haben und nicht buchstäblich in der Schußlinie stehen. all dies würde ich aufgeben.die ja meine eigene Jugend geprägt hatten . So sahen damals unsere Erwartungen aus. aber ein Zurückschrecken wäre mir damals einfach als hoffnungslos unmoralisch erschienen. die mir keineswegs leicht gefallen ist.. 397-398 64 Ich selbst stand auch auf Nixons Schwarzer Liste.) Ich sollte für 5 Jahre ins Gefängnis und nur die Tet-Offensive hat mich davor bewahrt. Was hat Sie dazu gebracht? Chomsky Das war eine sehr bewußte Entscheidung. Hamilton. Die Alternativen. und fast wäre es auch dazu gekommen.

ob diese er- 65 kennbar aus tiefen philosophischen Überzeugungen erwächst (. müssen wir uns außerhalb des allgemein akzeptierten Rahmens stellen.. Aus Chomskys Beitrag zu einem Artikel unter dem Titel »Views on disobedience in the light of its being increasingly urged by critics of the Vietnam war«... Ich glaube inzwischen.. man kann den Preis der amerikanischen Aggression in Übersee erhöhen. Jawohl . im zivilen Ungehorsam uneingeschränkt gewaltlos zu bleiben (..und um den geht es mir hier vor allem . Vgl. und wenn er dann den Versuch.AUS »THE NEWSREEL« (1968) Chomsky Ich heiße Noam Chomsky und bin Dozent am MIT.die USA wie ein Verbrecher handeln. indem man sich nicht beteiligt.. der seinem Gewissen verpflichtet ist. Es gibt eine Grenze. sowie danach. ist es doch eine Schöpfung der Staaten und ihrer Vertreter. So verbietet das Völkerrecht etwa die Anwendung von Gewalt unter Staaten.) Wie weit man mit dem zivilen Ungehorsam geht.und nicht dem Abweichler . Aber auch die erzielbare Wirkung und die moralischen Überzeugungen spielen eine Rolle. Ziviler Ungehorsam läßt sich nur dort rechtfertigen. Und um die zu korrigieren. ja selbst die Drohung damit.) Ich muß hier nicht mehr beschreiben.) Zuweilen ist es nur eine symbolische Konfrontation mit der Kriegsmaschinerie (. die effektivste politische Aktionsform. so trifft das Gegenteil zu (. Seit einigen Jahren beteilige ich mich immer stärker an der Antikriegs-Bewegung. O. New York Times 26. auch »On the Limits of Civil Disobedience« in For Reasons of State S.) Aus »Human Nature: Justice versus Power« in Reflexive Water (a. was wir anrichten. sehr ernste Fehler und Schwächen unserer Gesellschaftsordnung.67 Auch wenn jedermann das Recht haben sollte. welche Konsequenz bei vorbedachtem schweren zivilen Ungehorsam angezeigt ist: die Deportation. die die Teilnahme ablehnen.) Es kann aber auch erheblich darüber hinausgehen (. daß dieser ihn fälschlicherweise als kriminell einstuft. so etwa in den Grundsätzen von Nürnberg und in der Charta der Vereinten Nationen. gegen den man sich wenden will.. daß Befehle von oben nicht immer befolgt werden müssen. Meines Erachtens verlangen diese Elemente von jedem Bürger. Einen Verbrecher darf man aber an einem Mord hindern.. und deshalb bin ich dafür. Worte reichen nicht aus. und man kann diejenigen unterstützen. ist der direkte Widerstand: Also man kann sich weigern. Reden gehalten. dann ist ziviler Ungehorsam in der Tat mehr als gerechtfertigt. Nach Dachau und Auschwitz weiß jeder. Ich meine.) Ich denke. wir müssen zu neuen politischen Aktionsformen finden. Vor allem die landesweite Kriegsdienstverweigerung... über die Sanktionen zu entscheiden. hängt vor allem von der Schwere des Mißstands ab.wenn wir das schändlichste Kapitel in der Geschichte der Vereinigten Staaten endlich beenden wollen.. In einer aufgeklärten Gesellschaft sollten diese Sanktionen je nach Art der Widersetzlichkeit gewählt werden. mit Abgeordneten gesprochen usw. aus dem Weg auszuscheren. Das kann ganz passiv ablaufen (. illegal nennt. die einem verantwortungsbewußten und engagierten Bürger jetzt noch offensteht. Daraus folgt. es sollte klar sein...) [Dennoch finden sich] im Völkerrecht interessante Elemente. wir erkennen doch jetzt ganz deutlich einige sehr. an Kriegsverbrechen teilzunehmen (für mich sind es jedenfalls welche). als im Lauf der Zeit der jetzt gültige Korpus des Völkerrechts entstand (. Gleichwohl wäre sein Handeln legal. die beispielsweise auf den Vietnamkrieg nicht zutreffen. und genau dort beginnt der zivile Ungehorsam..11. Ausnahmen sind nur unter sehr eingeschränkten Voraussetzungen zulässig.überlassen bleiben. Ich denke. Buckley zu dem oben zitierten Artikel der New York Times Das Völkerrecht ist in vieler Hinsicht ein Instrument der Mächtigen. so muß es doch der Gemeinschaft . aber dann bin ich nach und nach immer mehr in verschiedene Widerstandshandlungen reingerutscht. Ländliche Massenbewegungen waren jedenfalls nicht beteiligt. a. Aus dem Beitrag von William F. wir würden damit die Opfer unserer Gewalt und unserer moralischen Feigheit nur beleidigen. 154. derart gegen seinen eigenen Staat zu handeln. ihm Einhalt zu gebieten. wo ein unerträgliches Übel vorliegt.) Mehr zu den Grundsätzen von Nürnberg auf S.. daß speziell im Vietnamkrieg . 285-297 . Zuerst habe ich Artikel geschrieben. den seine Gemeinschaft eingeschlagen hat. um wiederzugeben. was doch allgemein bekannt ist. unserer Kultur und unserer Institutionen.

Das stimmt . daß diese Geißel der Zerstörung endlos weiterwütet. Chomsky Uns alle eingeschlossen .. wenn allein Ruhe und Ordnung geherrscht hätten... Dieser Krieg ist einfach obszön. wieviel Überwindung Sie das kostet. American Power and the New Mandarins S. sonst würde ich Ihnen nämlich eins in die Fresse geben. Buckley Klar. Aber vielleicht nicht gerade heute abend. mich zu beherrschen. 66 denn wir haben es zugelassen. Buckley Und weiter .. aber es muß sein . Chomsky Es mag eine Zeit gegeben haben. verübt von schwachen. verächtlichen Männern. Buckley . Chomsky Das ist ein guter Grund. Auch wir zählen dazu. USA (1969) William F. 9 . Auch wir hätten geschwiegen.. Man kann das inzwischen ebensowenig wie über den Krieg der Italiener in Abessinien oder über die Unterdrückung der Ungarn durch die Russen. Aber das ist lange vorbei. das auszusprechen. Es fällt mir schwer.AUS »FIRING LINE«.. Buckley Da bin ich aber froh. er ist eine verderbte Tat. und eine Sache wie diese . Buckley Sie nennen den Krieg einfach obszön eine verkommene Tat elender Schwächlinge. Ihnen geht's prima.. Buckley Heute vielleicht nicht. und Ihnen geht's gut. daß Sie hier über die Vietnamfrage diskutieren wollen..um der Wahrheit willen.mich selbst nicht ausgenommen. da man über die Vietnam-Politik der USA noch geteilter Meinung sein konnte. vor allem wenn ich sehe. Chomsky Also manchmal werde ich wütend... Chomsky Das stimmt.

um an diesen zu arbeiten oder sie sogar gänzlich durch eine bessere Gesellschaftsordnung zu ersetzen. nicht dazu nutzen würden. also das glaube ich nun nicht. Und ebenso trügerisch ist der Schrei nach der »Revolution«. Es kann jedoch auch ein Hemmschuh für wirksames Handeln sein . die uns nicht weniger schwächt als die Apathie von einst.dieser Gedanke ist ja nicht neu. Buckley Hm. die den meisten von uns selbst in diesen unvollkommmenen Institutionen offenstehen. 67 ... Wissen Sie. Chomsky .Chomsky Einschließlich aller . Es ist ungeheuer leicht. die am lautesten »Schlagt alles kaputt!« schreien. Chomsky Nein. später selbst an den Schalthebeln eines neuen Repressionsapparats sitzen. der sich auch nur ein wenig mit Geschichte beschäftigt.. alle sind an allem schuld. ist der eigentliche . also in diesem Satz . Buckley . wenn die Leute. glaube ich . das glaube ich nicht ... aber ebenso unverzeihlich wäre es. Buckley Ja doch ..... wenn er zu einer Zeit ertönt. also mir erscheint es jedenfalls so. mit dem sich der Alltag einer Gesellschaft grundlegend verändern ließe. Die gravierenden Mißstände und Schwachstellen innerhalb unserer Institutionen dürfen wir keinesfalls übersehen... Chomsky . weil dieses ja auch nur ein Element der Repressionsgesellschaft war. also was ich unter anderem damit sagen wollte ...dann nämlich. das Bekennen einer erdrückenden Schuld: Dies alles mag ja einen gewissen therapeutischen Wert besitzen. wenn dieses angesichts der Schwere des Verbrechens heruntergeredet wird.. wird überrascht sein. also ich meine .. Sie halten jeden für schuldig.klar doch... dann ist niemand an irgend etwas schuld. 17-18 Buckley Das ist gewissermaßen eine theologische Aussage. ja. Ed Turner Ja ja ja . für mich ist gewissermaßen der erschreckendste Aspekt unserer Niemand. American Power and the New Mandarins S.. das steht im nächsten Satz .. um wieviel weniger das moralische und politische Bewußtsein. eine gewisse Befriedigung empfinden... Ärger. Wir müssen uns vor jener revolutionären Rhetorik hüten. die einen Karl Marx das Britische Museum hätte anzünden lassen. Sollte es in den USA derzeit überhaupt so etwas wie eine »Revolution« geben. aber . Daß die Menschen über ritualisierte Schuldbekenntnisse geradezu daran gehindert werden können zu tun. denn wenn jemand sagt. in eine Selbstbezogenheit anderer Art zu verfallen. dann könnte das nur ein Schritt in Richtung auf eine Art Faschismus sein. Man kann sogar. was ich damit aufzeigen will. da neue Institutionen nicht einmal im Keim existieren. Chomsky In diesem Fall stimmt das. ich sage das an anderer Stelle in dem Buch [American Power and the New Mandarins] .... wenn wir die erheblichen Spielräume... was getan werden muß .. na ja. Hier liegt wirklich eine Gefahr. Wut. oder? Chomsky Nein.. indem man über das Böse in sich nachsinnt.

Was nun die Verantwortung der Intellektu- ellen angeht. Aus »The Responsibility of Intellectuals«. Da die Intellektuellen diese Vor- 68 rechte genießen dürfen. von Ideologie und Klasseninteressen . vernünftige Menschen solche Vorgänge anschauen. einsichtigen. die Lügen der Regierung aufzudecken und deren Handlungen im Hinblick auf Auslöser. sie laden nämlich alles viel zu schnell auf den Schultern einiger Extremisten und Gewalttäter ab.) Den Intellektuellen obliegt es. Die Intellektuellen sind in der Lage. 60 (abgedruckt aus American Power and the New Mandarins) . mit der geistig gesunde. über eine gewisse Macht. als wenn mal gelegentlich ein Hitler oder LeMay [Curtis LeMay: General der US Air Force während des Vietnamkriegs] oder so jemand auf- taucht. die eigentlich . die sie der politischen Freiheit verdanken.. zumindest im Westen. Motive und . um hinter dem Schleier von Propaganda und Verzerrung.häufig verborgene Absichten zu erforschen. Und deshalb glaube ich. reicht ihre Verantwortung viel weiter als das. Ich halte das für schlimmer.also die zu einem erheblichen Teil mitschuldig sind. toleranten Menschen sind.Gesellschaft . dem Zugang zu Informationen und dem freien Wort. die Wahrheit zu benennen und die Lüge zu demaskieren. so stellen sich dort noch andere.anderer übrigens auch die distanzierte Gleichgültigkeit. nicht minder beunruhigende Fragen. Auch verfügen sie. das Instrumentarium und die Ausbildung.. was [Dwight] Macdonald die »Verantwortung der Völker« nennt (. Solche Leute könnten überhaupt nichts bewirken ohne diese Apathie und Gleichgültigkeit. daß es in einem gewissen Sinne gerade die vernünftigen.nach der Wahrheit zu suchen. The Chomsky Reader S. Ihnen als privilegierter Minderheit verschafft die westliche Demokratie immerhin die Muße.durch den allein wir die Dinge der Zeit wahrnehmen dürfen .

000 geschätzt. Im Irak liegt infolge des Krieges die wirtschaftliche Infrastruktur darnieder. die zu vielfältigen Überlegungen Anlaß gibt. 12-15 .06. aber hier war man über alles so ziemlich auf dem laufenden. während ausströmendes Rohöl den Persischen Golf verseuchte. sowie Chronicles of Dissent Kap. Ich meine. aber es war doch ganz gut. zeichnet Kellner ein Bild unserer Gesellschaft und unserer Institutionen. CFCF TV. KONFETTIPARADE IN NEW YORK Mann rechts Ja. KANADA (10. Doug Kellner. The Persian Gulf TV War (Westview Press 1992) S. Die Amerikaner begrüßten ihre Truppen bei der Heimkehr aus dem Krieg am Persischen Golf.AUS »PULSE NEWS«. Die ganze Region wurde ökologisch verwüstet. Peters (Hrsg. hat der Golfkrieg nur neue Zwietracht und Spannung gebracht.« Vgl. MONTREAL. da muß man doch froh sein. 1 Chomsky beurteilt The Persian Gulf TV War so: »In seiner sorgfältigen Analyse der Realitäten des Golfkriegs und der Vorstellungen. der Mangel an Medikamenten und Ausrüstung verhinderte selbst die einfachste medizinische Hilfe. Collateral Damage (South End Press 1992) S. Wissen Sie. in Vietnam damals. ihre Aussichten sind Das fand ich gut. da sieht man doch. daß man hier lebt. man war informiert und das finde ich gut.nach Milliardenschäden und ohne daß es zu nennenswerten Reformen gekommen wäre — wieder das alte autoritäre Regime eingesetzt. wir sind das stärkste Land der Welt. vorbeikommt. Der Irak selbst muß weiter die Diktatur der Baathpartei ertragen. egal was passiert. die man uns davon vermittelt hatte. Kinder starben an Hunger und Krankheiten. 69 ungewiß. welche positiven Auswirkungen der Golfkrieg überhaupt hatte. Katherine Asals (Reporterin) Und was sagen Sie dazu. 420) Die Kurden und andere Volksgruppen. Eine beeindruckend starke Untersuchung. an dem niemand. daß wir eine mächtige Nation sind. Die politische Stabilität im Nahen Osten ist bedrohter als je zuvor.91) Lynn Desjardins Zwölf Millionen Pfund Konfetti wurden in der sogenannten »Heldenschlucht« in New York verstreut. Millionen Menschen hat der Krieg zu Flüchtlingen gemacht und um ihre berufliche Existenz gebracht. da gab es so vieles. wie die Medien über den Krieg berichtet haben? Mann links Im Rückblick bleibt unklar.und Typhusepidemien sowie anderen tödlichen Krankheiten zu leiden. (Als Folge der amerikanischen Politik des »Jetzt bomben. später sterben« hatte das irakische Volk unter Cholera.). dem unser Land am Herzen liegt. auch: »What We Say Goes« in: C. über alles Bescheid zu wissen. In Kuweit wurde . Ich meine. das ist prima gelaufen. die den Sturz Saddam Husseins anstrebten. S. von dem man nichts wußte. und die Verluste an Menschenleben werden auf 243. 49-92. und das bleibt auch so. Nach einiger Zeit wurde es einem etwas zuviel. anstatt die Probleme der Region zu lösen. die Ölquellen loderten monatelang. Dennoch bestand Bush unvermindert auf dem Wirtschaftsboykott des Irak. hat man im Stich gelassen.

je häufiger sie während der Krise vor dem Fernseher gesessen hatten. Hier ist Rick Salinger live aus Riyadh mit dem Neuesten. Reporter. a. Aber das muß guten Journalismus nicht beeinträchtigen. daß dieser Krieg unpopulär wurde (. Stattdessen organisierten die Militärs Gruppenreisen für die Journalisten zu eigens ausgewählten Orten. Schnelle.) Dies führte dazu. richtig benennen: die Patriot. die gegen den Truppeneinsatz eingestellt wa- 70 ren. Egal welche Wahrheit. hatten die Streitkräfte die Berichterstattung über die Entsendung der Truppen und die nachfolgenden Militäroperationen praktisch völlig in der Hand. Reporter. und daß sie auch den Krieg um so entschiedener bejahten. daß die Menschen um so weniger über die Hintergründe des Golfkrieges wußten.. Redakteur 2 . genau. verschließen sich. zu verschwinden. weil aus Vietnam zu negativ berichtet worden war und man der Presse die Schuld dafür gab. Weil wir ein Nachrichtensender sind. ATLANTA. daß »die auffälligsten Wissenslücken bei den Menschen solche Informationen betrafen.das braucht der Reporter.also einer Militärzensur . wir stünden jetzt vor der Kamera und wären kein Nachrichtendienst mehr. hingegen konnten 81 Prozent den Flugkörper..CNN TV. Redakteur 1 Bleib dran. sondern Showbusiness.) So fiel es der überwiegenden Mehrzahl der Befragten schwer. USA Ed Turner (Präsident von CNN) Dank des technischen Fortschritts waren wir zum erstenmal in der Lage. Friedensbemühungen praktisch zurückgewiesen.. dann erweist sich ihr völliges Versagen. so gerade deshalb.« . Fairness. erhielten weder Zugang zur Militärführung noch zu den Pressegruppen. nach denen ca.. GEORGIA. daß die Medienkonsumenten zwar über amerikanische Erfolgswaffen Bescheid wußten.. allgemeine Fragen zum Nahen Osten und zur Außenpolitik der USA zu beantworten. die vielleicht Fragen bezüglich der Politik der Bush-Regierung provozieren könnte.. wurden entweder festgenommen oder bei ihrer Rückkehr aufgefordert. OK? Ah. der wurde mit Rundreisen und Interviews belohnt.. wenn er die Wahrheit vermitteln will. Jede Meldung... Ed Turner Genauigkeit. Vom ersten Tag der Entsendung der amerikanischen Truppen an wurde der Presse der direkte Kontakt mit den Soldaten verwehrt. einige wurden sogar verprügelt.. ohne das man das Wie und Warum nicht verstehen kann. die sich auf eigene Faust hinauswagten.) Kein Reporter durfte sein Material nach Hause übermitteln.. In Saudi-Arabien steht noch ein Türchen offen. dem von ITN . Wenn das Militär nun zum Mittel der Gruppenfahrten griff. Nie zuvor ist die Berichterstattung über die amerikanische Kriegführung so massiv eingeschränkt worden. Wer sich während des Krieges nicht der Disziplin der Reisegruppen unterwarf. Präsident Bush und Premierminister Major haben. die zu dem Krieg geführt hatten. bevor es nicht einer »Sicherheitsüberprüfung« . ich geb' mal 'nen Einstieg zu Salinger.. nicht aber über unsere außenpolitischen Widersprüche. OK. können wir den nötigen Zeitaufwand treiben.) S.. die Politik der USA und die Ereignisse. daß die breite Öffentlichkeit nicht etwa unwissend ist. Redakteur 1 Ja . galt als unerwünscht.) Da außerdem alle Berichte und Filmdokumente der Zensur unterlagen.Israel nach dem Krieg. wie gut sie die Öffentlichkeit informieren. Ed Turner David Brinkley hat einmal gesagt. und im Zweiten Weltkrieg wie auch in Vietnam stand unsere Kriegsberichterstattung auf hohem Niveau. verschließen sich praktisch .. der Öffentlichkeit in den USA vorenthalten blieben. die die Regierungspolitik in einem ungünstigen Licht hätten erscheinen lassen können« (. und auch dort durften Interviews mit Soldaten nur in Gegenwart von »Aufpassern« geführt werden (.unterzogen worden war.. 70 Prozent der Bevölkerung mit der Kriegsberichterstattung sehr zufrieden waren. stellte das Forscherteam fest. O. oder haben die sowjetischen Friedensvorschläge. äh. Mißt man hingegen die Qualität der Medien daran. 80-83 Die Medien haben sich selbst auf die Schulter geklopft und Umfrageergebnisse ver- kündet. The Persian Gulf TV War (a. Bei der Frage nach Grundkenntnissen über die Region. verschließen sich praktisch . daß die heftigen Debatten. an vielen Stellen der Erde live dabei zu sein. Die Tatsache. Ehrlichkeit und Beharrlichkeit . Wer sich aber geneigt zeigte. läßt es für die Forschergruppe »als naheliegend erscheinen. Stimme Gib dem letzten Ding 'ne ID. äh. Das Center for Studies in Communication der Universität von Massachusetts fand kürzlich heraus. sondern selektiv fehlinformiert wird. mit dem wir die irakischen Scud-Raketen abschießen konnten. um dem Zuschauer den ganzen Kontext bieten zu können. Darunter verstehe ich das institutionelle Gedächtnis. Sonst hatten die Journalisten sich stets frei unter den Fronttruppen bewegen können. verlor seinen Presseausweis (. die unter den in Saudi-Arabien stationierten Soldaten um den Sinn und Zweck ihres Einsatzes kreisten..

Economic Sanctions Reconsidered (Institute for International Economics. In ten Ziele zu erreichen. 71 Im Gegensatz hierzu blockieren die Sanktionen gegen den Irak die Handels. Auch als wir das dam Hussein muß gewaltsam aus Kuwait Modell (im Hinblick auf den extrem tyranverjagt werden. Schott.ist zwanzigmal größer als der entsprechende Durchschnittswert von allen erfolgreichen Sanktionsfällen und immerhin noch dreimal so hoch wie der höchste bislang in einem Land bewirkte wirtschaftliche Schaden.. Harvard als 80 Prozent ermittelte.und Kapitalbeziehungen des Landes praktisch zu 100 Prozent. seltene Einmütigkeit tende . auch: G. die einen wäre allenfalls für einige Monate möglich. es gäbe keine Beweise für die Wirksamkeit von Sanktionen. Beitrag zum Erfolg von Sanktionen liefern. und vieles spricht dafür. Globe And Mail 15. 4 Nr. vor allem dem Fernsehen. Präsident von Turner Broadcasting System. bestünde Fälle Wirtschaftssanktionen dazu beitrugen. der Muttergesellschaft von CNN . San Ling streitmacht in der arabischen Wüste zu Lam.01.) Da der Irak über weitaus geringere Reserven verfügt als die Sowjetunion. der erste. der UNO-spezifische Ansatz zur die jeweils zwischenstaatlich damit verfolgAbwehr der Aggression in Sanktionen. daß dies auch hier in maximal 12 Monaten der Fall sein könnte. würde sich in erfolgreichen Sanktionen ein viel attraktiveres Modell für eine globale Zusammenarbeit anbieten. je stärker formal zu testen. die von Erfolg gekrönt waren. Elliott. die Sündenfälle kleinerer Länder auszubügeln. Eine größere Invasionsnisse eines Harvard-Ökonomen. der sein Volk jeden Preis zahlen läßt. benutzten wir Erkenntsie zahlenmäßig ist.8 Prozent des BSP. Wie oft noch wollen die USA. Der durchschnittliche Rückgang des Handelsvolumens hatte University 19.schließlich zählt die Verbreitung ausgewogener Informationen nicht zu ihren Aufgaben.A15 Vgl. denn ihnen obliegt es.durchaus zu erwarSanktionen betreiben. sie hätten nur solche Fakten veröffentlicht. Gulf Policy. Dies ist allein den Medien anzulasten. ohne je eine echte Chance gehabt zu haben. A.übersteigt bei weitem alles bisher ist diese ganze Geschichte hochmoralisch Dagewesene.91 S.um so weniger. Sanktionen könnten nichts gegen einen rücksichtslosen Diktator ausrichten. Der Einbruch im irakischen Bruttosozialprodukt . Dem wird nun von Kritikern entgegengehalten. Noam Chomsky on U. können wir uns unmöglich modifizierten und die Kostenschätzung auf noch zurückziehen. Es sind aber Sanktionen mit Erfolg gegen Diktatoren aller Schattierungen angewandt worden . Somit lag die erwartete Eraufgeladen und als Auftrag von geradezu folgswahrscheinlichkeit ursprünglich prakkosmischer Bedeutung zu verstehen: Sadtisch bei 100 Prozent.Die Untersuchung kommt zu dem Schluß. S. Hufbauer und K. A. ist nicht verwandt mit Ted Turner. Leider wird dieses Modell verworfen. Elliott. sei es. C. nur um einen regionalen Tyrannen zu disziplinieren. die Öffentlichkeit mit allen relevanten Fakten zu versorgen. der dem Irak enthen oder einsetzen. sind hier die Erfolgschancen weitentfalten. Das erfordert die Logik der gab 12 Fälle. seits kann nicht beliebig lange einsatzbereit Um unsere Schlußfolgerungen auch streng gehalten werden . ist schon schwierig genug und modells zur Analyse der Faktoren. Da die Sache nun so hoch nischen Charakter des Saddam-Regimes) aufgehängt ist. wenn es künftig darum geht.and Soon« von G. Da im Fall des Irak diesem Fall wäre es allerdings denkbar. J. Ein Abzug ist aber polistehen würde . phlet Series) S. betrug die Erfolgspen eingesetzt werden. bei denen das Modell ebenfalls Situation. schließlich produkts .11. Hufbauer. also wird es einen chance immer noch mehr als 85 Prozent. J.. 3 Mai 1991 Diejenigen. Washington) Ed Turner. Nur durch einen Krieg könne sichergestellt werden. daß die Iraker Kuwait räumen.48 Prozent . C. daß sie gestürzt wurden (. und das liegt seit Anfang August eine Erfolgswahrscheinlichkeit von mehr praktisch auf der Hand. man könne »der Bush-Regierung und dem Pentagon nicht den Vorwurf machen. Es Krieg geben. Man wird also vor die Wahl gestellt: AbzieDer geschätzte Schaden. der Präsident von CNN.Wirksamkeit erst nach und nach herrscht. die zu ihren Gunsten sprechen . Dabei gibt es zahllose Beispiele für Sanktionen.90 (Open Magazine Pamdabei nicht mehr als 36 Prozent betragen. daß in 34 Prozent der Der Logik der Situation folgend. K. daß unter den Staaten. Eine Invasionstruppe andereraus größer. welche die umfassenden die Sanktionen ihre . Also werden die Trup24 Prozent halbierten. 1 und der Durchschnittswert für den erzielten Schaden lag bei mageren 3. im Alleingang vorgehen und dabei selbst eine militärische Konfrontation riskieren? Aus »Sanctions Will Work .sei es.« Extra!-Sonderausgabe Bd. behaupten immer wieder. für die Entwicklung eines Computerunterhalten. die sich für eine militärische Lösung der Kuwaitkrise einsetzen.48 Prozent des Bruttosozialtisch so gut wie ausgeschlossen. Wir haben in einer umfangreichen Studie 115 Fallbeispiele bis zurück zum Ersten Weltkrieg untersucht und sind zu dem Ergebnis gekommen. daß sie sich zu einer Änderung ihre Politik genötigt sahen.

versehen mit einer Einführung von Howard Zinn..müssen sie den passenden Hintergrund ausbreiten.die Argumente der Friedensbewegung allein aus dem Mund zufällig herausgegriffener Protestler vernehmen läßt.man redete nicht einmal mit ihnen. ist objektiv . die Chance einer friedlichen Lösung. die für die wahre neue Ordnung voranstürmen. Wirklich. 72 . 338 Chomskys Vorträge über »The New World Order«.wenn sie zum Krieg entschlossen ist . IM MIT Chomsky Nur ganz selten einmal behandelten die Nachrichtensendungen die Lage unter einem regierungskritischen Blickwinkel. und alles marschiert los. CBS und NBC geht hervor.. Architekten. Die Menschen über alles. daß unter den 878 direkt gesendeten Äußerungen nur eine einzige von einem Vertreter der Friedensbewegung stammte: Bill Monning von der Organisation »Ärzte gegen den Atomkrieg«. 3 Mai 1991 Rein theoretisch ist es in einer demokratischen Gesellschaft so. Es gibt diese Opposition. oder im Z Magazine. daß die politische Führung . Stattdessen wurde über die Friedensbewegung wie über den Naturschutz berichtet . der bringt die Bewegung um ihre klügsten und ausdrucksstärksten Sprecher. Mehr noch. sogar einen Truppenrückzug. daß über sie auch nur ein einziges Wort gedruckt wurde -jedenfalls habe ich nichts finden können. An diesem Punkt nun müssen die Medien es ermöglichen . wogegen in der US-Presse Blackout herrschte. es sind angesehene Persönlichkeiten.. In den Medien wurden sie geschnitten..) Aus einer von FAIR [Gruppe für kritische Medienbeobachtung] vorgenommenen Analyse der Abendnachrichten von ABC. »US Gulf Policy« und »Media Control: The Spectacular Achievements of Propaganda« erschienen in einer Schriftenreihe des Open Magazine und fanden mehr als 40. warum: Sie waren immer gegen die Politik der USA eingestellt. wir ziehen jetzt in den Krieg.wie die großen Fernsehsender .aus dem »Habitat« der Demonstranten unter freiem Himmel (.na ja. und man versteht auch..was in Washington sehr ungnädig aufgenommen wurde. Extra!-Sonderausgabe Bd. denn sie wollten nicht. Aber allein 7 Super-Bowl-Footballspieler durften den Krieg vor der Kamera kommentieren (. B.alle anderen sind voreingenommen (. unter dem Titel Open Fire: An Anthology zusammengefaßt (New Press 1993).000 Käufer. um Unterstützung für eine parlamentarische Demokratie im Irak zu gewinnen . AUS »THE WAR FOR MEN'S MINDS« (KANADISCHE NATIONALE FILMBEHÖRDE 1943) Sprecher (Lome Greene) Und da wir nun über die Waffe der menschlichen Brüderlichkeit verfügen. Die Faustregel der Medien lautete: Wer den Krieg unterstützt. wenn es eine gibt. Londoner Bankiers. so geschah dies jedenfalls so gut wie nie im Rahmen fundierter Studiodiskussionen. wie sich beim letzten Mal gezeigt hat.IM MIT Chomsky Nun ist ein Kriegseintritt eine ernste Sache. ich glaube nicht.Gründe dafür liefern muß und eine verdammt schwere Beweislast tragen muß. und dann müssen sie . Doch zu lesen war darüber nur in deutschen oder britischen Zeitungen. Sie forderten eine politische Lösung. Vor August 1990 waren sie gegen die Unterstützung. Eine Weltordnung mit den Menschen an erster Stelle. Sie kamen hierher. Sie müssen z.) Wenn überhaupt einmal kritische Stimmen zu Wort kamen. darlegen. Aber in den Medien kommen sie niemals zu Wort. Chronicles of Dissent S. daß ihr Land zerstört würde. Als dann zwischen August 1990 und Februar 1991 die Kriegsvorbereitungen liefen. die wissen. die Saddam Hussein von George Bush erfuhr . 4 Nr. was sie sagen. alles Menschen. sehen wir in dem Kampf um die Köpfe der Menschen nicht so sehr eine Schlacht zwischen Wahrheit und Lüge. sprachen sie sich dagegen aus. In einer totalitären Gesellschaft braucht der Diktator nur zu verkünden.. denn ein Krieg ist eine katastrophale Sache. sondern vielmehr ein immerwährendes Bündnisversprechen mit den Abermillionen. ihre Einstellung ähnelt der der Friedensbewegung.) Wer . 13 dieser Schriften von Chomsky und anderen Autoren wurden. ein Forum Die demokratische Opposition des Irak lebt im Exil [seit Saddam Hussein an der Macht ist].

bieten. na ja. daß in neunundneunzigkommaneun Prozent der Fälle von der Option einer friedlichen Beilegung nicht die Rede war. Man hat niemals . um . Sprecher (Lome Greene) Die erste Waffe dieser weltweiten Wahrheitsstrategie ist die große Informationsmaschine. und über die Kanäle. also wenn ich »niemals« sage. wie sie die freie Presse darstellt ..verfügt sie doch über die Macht. und um ihn zu gewinnen. Unser Büro wird sein Bestes tun.im In. 73 .die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu verkünden. um neuartige Ideen unter den kämpfenden Nationen rund um den Erdball zu verbreiten.. Elmer Davis Dies ist ein Volkskrieg. AUS »THE WAR FOR MEN'S MINDS« (1943) Sprecher (Lome Greene) Eine der wichtigsten und konstruktivsten Aufgaben in diesem Krieg wird vom Office of War Information in Washington wahrgenommen. dann meine ich. sollte das Volk so viel wie möglich darüber wissen. das Denken der Öffentlichkeit zu formen und ihre Handlungen zu steuern. der Hunderttausende das Leben kosten und zwei Länder verwüsten kann usw.und Ausland . also ein Diskussionsforum über diesen furchtbaren Entschluß zum Krieg ermöglichen. Dazu ist es aber nie gekommen.

10-12 . Jetzt ist der Moment gekommen. Statt sich darauf zu beschränken. wie er sich für die Diplomatie ins Zeug gelegt hätte. Hier wird Bezug auf die Verhandlung vor dem Internationalen Gerichtshof genommen.« Deterring Democracy S... erschien ebenfalls fraglich.. warum nicht schon damals? (..IM MIT Chomsky Sehen Sie. z.) Man mußte natürlich die traditionellen Klienten der USA wieder an die Macht bringen. sich mit der örtlichen Oligarchie und der gehobenen Geschäftswelt anzulegen.. als die Medien den Hinweis auch schon aufgriffen und eine Kampagne starteten. es ist auch im Völkerrecht nicht genau definiert. war er vollends unnütz geworden. Aggressionen dürften nicht belohnt werden. und gelegentlich wird die US-Regierung sogar aktiv.und kann uns somit nicht mehr von Nutzen sein.) Tarnkappenjäger vom Typ F-117A flogen zum erstenmal Kampfeinsätze. jedesmal wenn George Bush mit den Worten auftrat: »Es wird keine Verhandlungen geben«. oder tritt sogar den Interessen der USA zu nahe. sondern die Medien nannten ihn »einen Mann mit phantastischen Grundsätzen« . der in Panama eingefallen ist.. vor den zu nehmend skeptischen Kongreßabgeordneten die immensen Ausgaben für die Tarnkappentechnik zu rechtfertigen. das einer Aggression schuldig gesprochen wurde. Dieser Typ war CIA-Boss während der Aggression in Timor.) Es fällt nicht schwer. daß die F117A . um Abhilfe zu schaffen (.. und als dann schließlich die Iran-Contra-Affäre platzte. daß die Herrschaft über die Wasserstraße am Neujahrstag 1990 zu großen Teilen.. Wie weit er sich noch bei den Kämpfen in Nicaragua engagierte. die ihn plötzlich als den teuflischsten Verbrecher seit dem Hunnenkönig Attila erscheinen ließ (. die wahren Gründe für 74 die Invasion auszumachen.. dann gab es am nächsten Tag in Hunderten von Kommentaren großes Lob dafür.) Noriegas Aufstieg und Fall verlief nach dem üblichen Schema..auch in low-intensity-Konflikten operieren kann. daß er den . In der Zeitschrift Aviation Week and Space Technology [konnte man die Vermutung lesen]: »Wenn die Air Force jetzt gezeigt hat. die US-Truppen hätten »hochentwickelte. Sie wurde nämlich nicht wie üblich damit begründet.abgesehen von ihrem eigentlichen Daseinszweck. beginnt er. wo dann die Reagan-Bush-Regierung der »ungesetzlichen Gewaltanwendung« für schuldig erklärt wurde. in panamaische Hände übergehen sollte (. und die Medien klatschen nur Beifall. daß eine unmittelbare sowjetische Bedrohung gegeben sei (. 144-166 Vgl. und wenige Jahre später vollständig. teilweise noch nie unter Kampfbedingungen erprobte Waffensysteme gegen eine unbewaffnete Zivilbevölkerung eingesetzt« (. die Armen auszuplündern und für ein sicheres Wirtschaftsklima zu sorgen. In einem Bericht der CODEHUCA (Mittelamerikanische Menschenrechtskommission) wird behauptet.. über die man zuvor großzügig hinweggegangen war. auch Chronicles of Dissent Kap. dem Angriff auf stark verteidigte sowjetische Ziele . in der ganzen Dritten Welt. -NC In einem Punkt kommt der amerikanischen Invasion in Panama historische Bedeutung zu.. dann gab es nicht etwa brüllendes Gelächter wie in zivilisierten Weltgegenden. Plötzlich hören wir von Menschenrechtsverletzungen.. Schon seit den fünfziger Jahren arbeitete Manuel Noriega aufs beste mit dem US-Geheimdienst zusammen (. und dann sagt er.ihn.) Kaum war das Weiße Haus zu der Ansicht gelangt. wissen Sie. da man in Washington zu schwanken beginnt. also beschlossen sie. B. dann läßt sich die ganze Aktion dazu nutzen. ihn abzusetzen. (. nicht aber 1985? Warum müssen wir ihn gerade jetzt stürzen. wird dieser von einem bestimmten Zeitpunkt an zu selbständig und zu raffgierig .von den USA erbittert bekämpften . das einzige Staatsoberhaupt. Freund Noriega würde wohl langsam zu groß für seinen Laufstall und müsse daher verschwinden. Nun war aber im Vertrag über den Panamakanal festgelegt.Contadora-Prozeß zur Befriedung Mittelamerikas befürwortete. und da war keine Zeit zu verlieren.. Immer wenn die USA einem gewalttätigen Gangster Rückendeckung bieten. man dürfe einen Aggressor nicht belohnen. Das Wort »Aggression« taucht dort nicht auf. also mit Washingtons natürlichen Verbündeten.. Wenn er sagte.) Warum haßten die Amerikaner Noriega im Jahre 1989.) Einer der Flecken auf Noriegas Weste war.. daß die USA seine Rolle in einem neuen Licht sahen.) Etwa 1985/86 war es soweit.

b) der US-Invasion in Panama (Veto der USA. in denen alle Staaten zur Beachtung des Völkerrechts aufgerufen und die USA wegen des illegalen Embargos gegen Nicaragua und wegen ihrer Unterstützung der Contras kritisiert wurden. es wird überall riesig gefälscht. Sie bringen ihre Erfahrung mit schneller Berichterstattung über große Ereignisse mit. Jordanien und Ägypten vorgeschlagen und von der PLO mitgetragen. oder wie es in der New York Times heißt. In beiden Fällen gab es zwei Gegenstimmen: von den USA und von Israel. um Menschenrechtsverletzungen oder Terrorismus. um das Drama und die Gesichtspunkte im Hintergrund ins Blickfeld zu rücken. nicht wahr. sowie Selbstbestimmung für die Palästinenser. Während die sowjetische Invasion Afghanistans mehrfach scharf verurteilt wurde. Beim Einlegen von Vetos im Sicherheitsrat und beim Ablehnen von UNO-Resolutionen in wichtigen Fragen nehmen die USA seit 1970 mit großem Abstand den ersten Platz ein. Hier standen sie kurz vor der Erkenntnis. Die Menschen wollen keinen Krieg. und The New World Order. . Eine weitere Entschließung richtete sich gegen erzwungenen Landerwerb: Stimmenverhältnis 151 zu 3 (USA. Eine solche Lösung wurde von Syrien. ihre Reporter finden wir in allen strategischen Zentren und Stützpunkten. Dominikanische Republik).einmal mehr eine Lösung des arabisch-israelischen Konflikts mit diplomatischen Mitteln gefordert. daß es nicht sein mußte.unter Einbeziehung der Resolution 242 . 51-66. einschließlich ver- 75 schiedener Grenz. Die Isolation der USA hätte sogar noch stärker sichtbar werden können. Ob es um Aggressionen oder Annexionen geht. In diesen entscheidenden Kampf um die Köpfe der Menschen haben sich auch die Radiosender eingereiht. erschienen in der Schriftenreihe des Open Magazine. einige schwerwiegende Probleme gar nicht erst auf der Tagesordnung erscheinen zu lassen.und Sicherheitsgarantien. wir sind regelrecht wie ein totalitärer Staat in diesen Krieg gezogen. wie sich jüngst wieder erwiesen hat. Deterring Democracy S. IM MIT Chomsky Im Ergebnis haben wir einen Medienkrieg. Israel. c) von israelischen Übergriffen in den besetzten Gebieten (US-Veto). Und alles dank der Unterwürfigkeit der Medien. Es handelte sich dabei um Verurteilungen a) des amerikanischen Angriffs auf die nicaraguanische Botschaft in Panama (US-Veto und Enthaltung Englands) . Das haben die Medien verhindert . und sie unterrichten uns über ihre Erfahrungen mit neuen Taktiken und Methoden der Kriegsführung. in Letters from Lexington: Reflections on Propaganda S. Das heißt. unmittelbar vor der »wunderbaren Wendung«. Englands und Frankreichs). um Abrüstung oder um die Einhaltung völkerrechtlicher Prinzipien: Wieder und wieder haben die USA Resolutionen des Sicherheitsrats und der Vollversammlung und UNO-Initiativen blockiert. In dieser Resolution wurde . den Indochinakrieg zu behandeln.und das bedeutet. Die Vetos wurden mit verbissenem Gesicht. Die einzige wunderbare Wendung war. implizit also deren Eigenstaatlichkeit. aber in perfektem Englisch ausgesprochen. hingegen stimmte die UdSSR in der Regel so ab wie die große Mehrheit. daß die USA eine Sicherheitsratsresolution gegen eine Aggression ausnahmsweise mal nicht mit ihrem Veto gestoppt haben. praktisch allein dastehen. Endlich erfüllt die UNO ihren Auftrag. Gegen drei Sicherheitsratsentschließungen wurden Vetos eingelegt.AUS »THE WAR FOR MEN'S MINDS« (1943) Sprecher (Lorne Greene) Dann ist da die Filmindustrie mit ihren Wochenschau-Aufnahmetrupps in der ganzen Welt . 199 Mehr über die Rolle der UNO und das dortige Abstimmungsverhalten in »UN = US« und »Riding Moynihan's Hobby Horse«. wenn es nicht sein muß. Hier liegt für mich der Hund begraben. An zweiter Stelle steht Großbritannien. »die wunderbare Wendung«. Die Vollversammlung verabschiedete zwei Resolutionen.ganz unersetzlich. hauptsächlich weil es das rassistische Regime in Südafrika stützt. ließ sich die UNO nie darauf ein. doch mit ihrem gewaltigen Einfluß gelang es ihnen. womit sie. Ein vielsagendes Beispiel liefern die UNOSitzungen vom Winter 1990. die USA legten im Januar 1976 ihr Veto dagegen ein und blockieren sie seitdem ununterbrochen.

) Am 17. 76 . ihre Familie habe andernfalls Repressalien von den Irakern zu befürchten..) Sehr wahrscheinlich haben also die Regierungen Kuwaits und der USA gemeinsam einen Manipulations.. Januar 1992 wurde in der ABC-Sendung »20/20« enthüllt. es hieß.) Im Verlaufeines ein/igen Monats erwähnte Bush sie sechsmal (.. der bezeugt hatte. BushAnhänger und während dessen Vizepräsiden tschaft sein Stabschef.. daß es sich bei der anonymen Zeugin um die Tochter des kuwaitischen Botschafters in den Vereinigten Staaten gehandelt hatte. Januar 1992 enthüllte der Herausgeber der Zeitschrift Harper's. John MacArthur.. Der Name des Mädchens wurde nicht genannt.) Doch in einem Gastkommentar der New York Times vom 6. die je geführt worden sind (. wo sie starben. Präsident von Hill & Knowlton war Craig Fuller. Diese Geschichte vom Babymord trug dazu bei. ein militärisches Eingreifen der USA populär zu machen (. irakische Soldaten hätten in einem Krankenhaus 15 Säuglinge aus ihren Brutkästen genommen und auf den Fußboden geworfen.und Propagandafeldzug gestartet mit dem Ziel. die von Soldaten aus den Brutkästen gerissen worden waren«. war dies eine der kostspieligsten PRKampagnen. daß ein angeblicher »Arzt«.) Die Schätzungen sprechen von 11 Millionen Dollar (.. Die PR-Agentur Hill & Knowlton hatte die Anhörungen im Ausschuß organisiert. Wie man hört... nachdem sie zuvor das Mädchen als Zeugin aufgebaut hatte. das amerikanische Volk für den Golfkrieg einzunehmen.. als ein junges Mädchen tränenüberströmt vor dem Menschenrechtsausschuß des Abgeordnetenhauses bezeugte. Es war Oktober 1990. auch er hatte die Finger in dieser PR-Kampagne (..Die vielleicht übelste Propagandalüge der Bush-Administration und der kuwaitischen Regierung bediente sich gefälschter Berichte über irakische Greueltaten in Kuwait. er habe »14 Neugeborene beerdigt.

was sie besonders bewegt oder aufbringt.) S. der in Wirklichkeil Zahnarzt war. daß er die Babies überhaupt nicht untersucht hatte und daher auch nicht wissen konnte. und so baute die Agentur diese Geschichte in die Kampagne ein. nämlich um die Frage: Stehst du hinter unserer Politik? Aber man möchte nicht. 67-71 77 Wer möchte schon gegen die Amerikanische Idee sein? Oder wer gegen Harmonie? Und wie hieß es im Golfkrieg: »Unterstützt unsere Truppen«. Die PR-Kampagne trug jedoch zu einem Meinungsumschwung bei und mobilisierte die Öffentlichkeit zugunsten militärischer Gewaltanwendung gegen Irak. a.hier also des Konsenses über die Politik der Bush-Regierung. Denn was bedeutet es. das medizinische Klinikpersonal bestritt. was er bedeutet . Er ist in erster Linie dazu gedacht. die sie im Auftrag der Kuwait-Befreiungs-Initiative durchführte (. oder soll ich Nein sagen? Es liegt kein Sinn darin und das ist genau der Punkt: Werbesprüche wie »Unterstützt unsere Truppen« sind ohne jeden Sinn. Wer könnte wohl dagegen sein? Oder wer wäre gegen die gelben Schleifchen? Lauter absolut nichtssagende Sachen.er ist ja sinnlos. hatte Hill & Knowlton eine Umfrage mit Focusgruppen durchgeführt. erschienen in der Schriftenreihe des Open Magazine . O. Es gehörte zu jenem feingesponnenen Netz aus Täuschung. daß die Menschen anfangen.. Aus Media Control: The Spectacular Achieve- ments of Propaganda. Somit stellt das Greuelmärchen von den toten Babies einen klassischen Fall von Propaganda zur Fabrikation eines Konsenses dar . wenn mich jemand fragt: Unterstützen Sie die Leute in Iowa? Kann ich mit Ja antworten. um herauszufinden. Natürlich ging es dabei um eine wichtige Sache. wie sie zu Tode gekommen waren (. über diese Frage nachzudenken. daß die Iraker Frühgeburten umgebracht hätten) (. die Aufmerksamkeit von der wirklich bedeutsamen Frage abzulenken: Stehst du hinter unserer Politik? Denn zu dieser Frage darf man sich natürlich nicht äußern.. Sie sind genau so sinnvoll wie die Frage. Desinformation und groben Lügen. gab später zu. Der Arzt. wo alle dafür sind und niemand dagegen ist.. Gute Propaganda zielt immer nur auf eines ab: Man sucht nach einem Slogan.) Zu Beginn des Kuwait-Propagandafeldzugs von Hill & Knowlton stand die amerikanische Öffentlichkeit einer Militärintervention im Nahen Osten mehrheitlich ablehnend gegenüber. ob man die Leute in Iowa unterstützt. Besonders heftig reagierte die betreffende Gruppe auf die Baby-Greuel.. The Persian Gulf TV War (a.) (Nach dem Krieg fand man die Brutkästen in den kuwaitischen Krankenhäusern noch an ihrem Ort vor..ebenfalls gelogen hatte.) Wie ABC ebenfalls enthüllte. Niemand weiß. und auch der Kongreß war einer militärischen Option eher abgeneigt.. dabei werden Menschen gruppenweise zusammengebracht. mit denen man der Öffentlichkeit den Krieg schmackhaft machte.

. Auf diese Weise weiß jeder. ich spreche von den nationalen Medien. Nachtredakteur des NYT-Nachrichtendienstes ist Pat Ryan (Tel. was die wichtigen Nachrichten sind.Z:U:V:DC31:BC:BC NYT .NYT FRONTPAGE < Es folgen die Beiträge.RADIO KUWR. An diesem Tag begann die Vorabmeldung wie folgt: Anfang: ! Achtung: S:A:9775:TAF . VON OBEN: Aufmacher: MILITÄR/IRAK (Vereinte Nationen) Die Regierung setzt ihre Gespräche mit der saudischen Führung über eine Verstärkung der US-Truppen fort (. nicht in jedem Detail. für Seite 1 vorsieht. Sept.BC . ob sie diesen Dienst auch in Anspruch nimmt. lesen Sie mal die Nachmittags-Telexe von AP.FRONTPAGE . 212-556-1927). das ist das Wichtigste. 27. Wenn Sie hier in Laramie eine Nachrichtensendung machen. da finden Sie die erste Seite der New York Times vom nächsten Morgen. Und so übertragen sich die Blickwinkel und die Ansichten von oben nach unten. LARAMIE Chomsky Also nochmal. aber das allgemeine Bild wird ziemlich flächendeckend verbreitet. daß Sie in der neuesten New York Times nachsehen und sich sagen.) 78 . ich rede hier nicht von einer kleinen Radiostation in Laramie. Und in der Tat läuft auch hier täglich die Titelseite der New York Times für den Folgetag ein. dann ist es ziemlich sicher. die die Themen setzen. Mehr noch.. Wir fragten die Montreal Gazette. die die Redaktion der New York Times für Freitag..

Bob. Lloyd Bochner Und du mußt es dann vermutlich aussieben. Der Redakteur hier ist Bob Hanley. du bekommst viel mehr Auslandsmeldungen. Lloyd Bochner Schön. Bob Hanley Allerdings. 79 . gebe ich weiter an einen der anderen Redakteure. Was übrigbleibt. und auf diesem Plan hier setze ich dann die Seite zusammen . als du jemals in der Zeitung verwerten kannst. Ich nehme doch an.AUS »ON THE SPOT« (NFB-1954) Lloyd Bochner Die Auslandsmeldungen landen auf diesem Auslandsschreibtisch. Bob Hanley Wir haben hier sozusagen ein »Auslesezentrum«. wir kriegen viel mehr. Von da kommt es wieder zu mir.also Seite 1 und 2. als wir an einem Tag unterbringen können. Bob. vielen Dank auch.

im Südosten von Pennsylvania. Mann Ach. und wir sind hier in Media. also ich heiße Bodhan Senkow. Wissen Sie. PENNSYLVANIA. Peter Wintonick Es ist ein schönes Städtchen...und es lag am Weg. Sowas durften wir nicht auslassen. daß die Menschen sich den Anspruch. wird man Ihnen überall freundlich begegnen und Sie werden sehen. GEWERBEAMT IN MEDIA Peter Wintonick Vielleicht stellen Sie sich zunächst vor. und da dachten wir. Wir hatten ohnehin auch »den Mann und die Frau auf der Straße« einbeziehen wollen und trafen nun auf einige Ortsansässige. Bodhan Senkow Ja. im County Delaware. Ich leite hier die Hauptstraßen-Initiative und unser Gewerbeamt. Sie möchten wissen.Wir entdeckten Media auf der Landkarte. wir halten hier bewußte Promotion für sehr wichtig. als wir gerade von Washington nach Hause fuhren. die kluge und offenherzige Ansichten über die Medien äußerten. MEDIA. wir drehen gerade einen Film über die Massenmedien. ruhiges Städtchen. wirklich zu eigen gemacht haben. Media wird auch »Jedermanns Heimat« genannt. Mann Ist ein nettes. 80 . USA Mann Und warum wollen Sie einen Film über Media drehen? Peter Wintonick Also. Wenn Sie in Media durch die Straßen gehen. Das wurde als Werbespruch für die Gemeinde erfunden. wo die den Namen herhaben. in jedermanns Heimat zu leben. dies sei ein hübscher Ort für uns. GERICHTSGEBÄUDE. Da war unser Thema .

denn wir arbeiten auch hart genug. Talk of the Town . im Town Talk gibt es nur lokale Meldungen.. was in der Schule los ist und solche Sachen. genau wie die großen Tageszeitungen und die großen Radiosender. um Geld zu verdienen. Frau Town Talk Peter Wintonick Lesen Sie das? Frau Ja. er ist interessant. und dann macht es auch mehr Spaß . Diese Ausgabe hier . Zu Recht.. daß wir in einer Woche mehr als 100 Seiten haben. na ja. MEDIA Ed Berman (Herausgeber des »Town Talk«) Wir sind im Geschäft. es gibt fünf verschiedene Ausgaben 81 . ich lese den Town Talk.Sie müssen bedenken...also er liest sich leichter. so sieht das in dieser Woche aus. Es ist wasserdicht in Kunststoff eingeschweißt und wird an jede Haustür gehängt. Es kommt sehr oft vor. Hier zeige ich Ihnen mal ein Exemplar. CHEFBÜRO DES TOWN TALK. Man liest was über die Nachbarn. Peter Wintonick Wie unterscheidet sich denn Ihrer Meinung nach der Town Talk vom Wall Street Journal? Frau Oh je . und wir stehen ganz gut da.BAHNHOF IN MEDIA Peter Wintonick Hier gibt's doch dieses Lokalblatt.

Berman. He Jungs. sagt mal Hallo! Drei Angestellte Hi allerseits! Ed Berman Wir haben hier einen Stadtplan. so Mr.überall wo ein Laden ist. grüne oder gelbe . Und dann haben wir Computerlisten von allen Läden und sehen uns die mit den roten Punkten an.ist die für das Central Delaware County. . also die Bösen. 82 . der Kaufleute und Dienstleister jede Woche bei uns inserieren. Dann hätten wir keine roten Punkte mehr. und aus diesen roten Punkten versuchen wir gelbe und später dann grüne zu machen. die ab und zu mal eine Anzeige schalten. Mehr über die Probleme der New York Times auf der nächsten Seite. daß wir am Ende viel mehr grüne als rote haben werden. dann würden 100 Prozent der Läden. aber ich hoffe doch stark. die jede Woche was drin haben. da finden Sie die Meldungen aus Media. und die gelben kriegen die Läden. Die roten Punkte kommen auf die Läden. Die grünen kommen auf die. Anzeigen und redaktioneller Text beim Town Talk im Verhältnis 65:35. Und hier sehen Sie die Anzeigenabteilung und den Satz. Wenn erst mal alle Punkte grün sind. was bei der Anzeigenabteilung der New York Times durchaus Neidgefühle erwecken könnte.Übrigens stehen. Ein paar rote Punkte werden wohl noch bleiben. und da kleben wir farbige Punkte drauf . die überhaupt nie bei uns inserieren.rote.

VOR DEM GEBÄUDE DER NEW YORK TIMES Jim Morgan spricht in die Kamera Jim Morgan Hi. 31 Regionalzeitungen. waren es im vergangenen Jahr nur noch 77 Millionen. was teils auf die örtliche Wirtschaftsflaute.92 . ich heiße Jim Morgan und arbeite in der PR-Abteilung der New York Times. 28. So. zwei Zeitungsvertriebe. Denn während das Blatt vor 5 Jahren noch 123 Mio Werbezeilen drucken konnte. einen Holzverarbeitungsbetrieb und einen Informationsdienst. Das Bild wird SCHWARZ. aber der Umfang der Werbung ist seit 1987 um 40 Prozent zurückgegangen. ihm zu folgen. betitelt »Opening up the Times«.06. Arthur Sulzberger. einen Mittelwellen. in The New Yorker. den Boston 83 Globe (für den sie 1. Morgan bedeutet dem Filmteam. Für das Jahr 1992 mußte die Muttergesellschaft der New York Times einen Verlust von 44. Derzeit besitzt die Gesellschaft 5 Fernsehsender.1 Mrd Dollar bezahlt hat). 20 Zeitschriften. Zwar hat die Auflage der New York Times 1992 die Rekordhöhe von 1. teils auf Verschiebungen bei den Werbeetats und Anzeigenpreislisten zurückgeführt wurde. allerdings hat sich das Tempo des Rückgangs inzwischen verlangsamt.500 erreicht. und geht durch eine Drehtür ins Gebäude der New York Times. Aus einem Artikel von Ken Auletta über die New York Times und ihren Herausgeber.7 Mio Dollar vermelden. dann wollen wir mal. Ich werde Sie jetzt durch die New York Times führen.und einen UKWSender.181.

84 .

damit ist unser Rundgang durch die New York Times zu Ende.Mark Achbar Wie ist das Verhältnis Text zu Anzeigen? Jim Morgan 60 Prozent Anzeigen. Auf der Besichtigungstour mit Jim Morgan waren uns Kameras untersagt. die sollten wir aber nicht aufnehmen. und im Film werden mehrere Redaktionsbüros gezeigt. Unsere Bilder zeigen ihn am Beginn und am Ende der Tour. Aber da Mr. genau genommen sogar unterm Durchschnitt. Es gibt Tage. (Jim Morgan kommt wieder durch die Drehtür und spricht in die Kamera) So. steckten wir den Kopf durch verschiedene Türen und fragten. aber wenn man die Zeitung insgesamt und über viele Tage hinweg nimmt. Wir führten dort ja das oben wiedergegebene Interview mit Karl F. daß sein Rundgang auf Tonband mitgeschnitten wurde. mit Spielzeugpinguinen als Kegel. ob wir mal filmen dürften. haben wir eben genommen. Da niemand etwas dagegen hatte. Meyer. Ich hoffe. dann hat sie 60:40 Anzeigen zu Text. weshalb wir keine Bilder aus dem Saal der Nachrichtenredaktion oder aus anderen Betriebsbereichen zeigen konnten. Ein Redaktionsmitglied hatte in seinem Büro eine kleine Bowlingbahn aufgebaut. Als wir nämlich nach dem Interview auf dem Weg zum Ausgang waren. 85 . Das hört sich viel an ist aber normal. daß uns der Zugang zur New York Times doch noch gelungen ist. was wir kriegen konnten. schwenkten wir mit unseren Kameras durch die Räume. Aufmerksame Leserinnen und Leser wer- den bemerkt haben. ob dünn oder dick. Morgan nichts dagegen hatte. da sind vielleicht unter den 60 Prozent allein 20 Seiten nur Kleinanzeigen und in der übrigen Zeitung dann natürlich ein viel höherer Anteil an Text. denn außerhalb der Festung New York Times hatte er keine Einwände dagegen. Sie fanden es informativ und lesen ab heute jeden Tag für den Rest Ihres Lebens die New York Times.

wie ich manchmal vorgebe. als Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media in San Francisco Pre- Da hat Chomsky wohl recht. Viel eher sehen sich die Menschen als Opfer. warum Noam Chomsky Manufacturing Consent: Chomsky bestreitet. was für eine Sendung »Saturday Night Live« eigentlich ist [seit 25 Jahren die populärste Samstagabend- Unterhaltungsshow in den USA]. die . oder er will einer werden. mußte ihm allerdings erstmal erklären. die eine ganz andere Rolle in der Gesellschaft spielen: die der Ablenkung. An dem WoZunächst gibt es dafür einige eher unwichtige und rein persönliche Gründe. Dowell Was . bei denen der Durchschnittsmensch sich überhaupt sinnvoll in die Politik einbringen kann. Young. . daß ich mich ungern selbst sprechen höre und auch immer gleich darüber nachsinne. als den Leuten das Gehirn verkleistern.Noam Chomsky im Kino? In einem Fellini-Film? Dowell Chomsky Doch doch. oder so. aber wie und wo ich lebe. mit einem Gesicht verbinden können. die Person als Träger und Übermittler einzusetzen. Es ist schon o. Aber mich bedrückte das. Chomsky Es gibt doch nur ganz wenige Organisationsformen. da ist ein bestimmter Mensch . er hört keinen Rock'n'roll. wenn sie darin die Ideen. ins Kino geht er vielleicht einmal im Jahr.92 Chomsky Es gab eine Zeit. sondern den vielen. du bist im Fernsehen!«. und ich fand das auch richtig. Aus der Einführung zu »A Rolling Stone Interview with Noam Chomsky« von C. Die Filmemacher konnten sich noch soviel Mühe geben .93 . dies alles hat damit nichts zu tun.und das ist der Anführer einer Massenbewegung. Chomsky hat nämlich keine Ahnung von der Popkultur. Vor allem meine Frau hatte es zur eisernen Regel gemacht. sondern um Gedanken und Prinzipien. dann erblickte ich wieder diese beiden freundlichen Gesichter.na ja. ich bin der Populärkultur nicht ganz so entrückt. so etwa. so daß jeder den Eindruck gewinnen muß. M. Dowell Chomsky chenende. Diese Medien sollen nichts weiter tun.05. Dowell Allerdings durften Achbar und Wintonick ihm auch nicht überallhin folgen. Wenn dann aber mal jemand kommt und etwas in Worten ausdrückt.eine gute Werbung. wenn ich da an irgendeinem Ort der Welt ankam und aus dem Flug- sicher auch getan . Chomsky Kürzlich trug jemand in der TV-Sendung »Saturday Night Live« ein deutlich erkennbares Exemplar des Chomsky Reader mit sich herum . Rolling Stone 28.05. Er hat eben kaum Zeit für private Vergnügen. die sich an vorderster Front abmühen und die kaum einer kennt. k. dann verdanke sie das nicht einem Anführer. Dowell Woraus sich vielleicht auch erklärt. wenn man mal von Ein unmoralisches Angebot absieht. Er sieht nie fern. Die Gründe sind aber auch noch allgemeinerer Natur. die der offiziellen Lesart widersprechen. Das sind die wahren Massenmedien.und haben es 86 miere hatte. Wenn eine soziale Reformbewegung erfolgreich ist. jeder von ihnen ist zunächst mal isoliertes Opfer einer Propaganda. dann leben sie auf. ich kam mir ein wenig vor wie in der ersten Szene von La dolce vita. was sie eigentlich irgendwie schon lange geglaubt oder im Bauch gespürt haben. dann stehen sie nicht mehr allein. die haben Otto Normalverbraucher im Auge. wie ich etwas hätte besser machen können. daß keiner der beiden auch nur in die Nähe unseres Hauses oder der Kinder. gingen mehr Leute in den Film als in irgendeinen anderen. überhaupt unseres Privatlebens kommen durfte. Noam Chomsky and the Media weder gesehen hat noch sich ansehen wird. Schließlich geht es hier nicht um die Person. Er gesteht allerdings zu. was meine Kinder machen usw. zeug stieg.ERIN MILLS TOWN CENTRE Auf der Videowand sieht man Chomsky zuerst mit Marci Randall Miller von Radio KUWR aus Laramie und dann an der University of Washington Chomsky Dann gibt es auch noch Medien. Michael Albert [vom Z Magazine] rief sofort Chomsky an: »Hey. Interview mit Pat Dowell in der Sendung »Morning Edition« des US-Senders National Public Radio am 24.in diesem Fall also ich . diese Rolle zu spielen. dann fühlen sie sich angesprochen. daß man die Menschen dann besonders gut über ein Medium erreichen kann.bei diesem Medium wird einfach unausweichlich alles personalisiert. .

eine internationale Cafeclique von Aristokraten und Prominenten. MARCELLO Inzwischen müßtest du doch daran gewöhnt sein. schnell! Wohin gehst du.. von Millionären und Päderasten. MARCELLO Los. Der weiße Cadillac schießt die Via Veneto hinunter. MADDALENA Nein. Als Maddalena und Marcello den Nachtclub verlassen. Marcell'? PARADISI Was denkst du denn. sondern folgende: 3. Maddalena öffnet die Tür ihres Autos. auf einem knappen Kilometer. Hier trotten die Touristen entlang und starren alles an. um zu trinken. von was wir leben sollen? Wir verlieren unsern Job. Können die denn nie genug kriegen? MARCELLO Hallo. des Süßen Lebens. sie ist fotogener als jeder Filmstar. wo willst du hin? Verrat' mir doch.. Signorina Maddalena .mit Fotos garniert . CERUSICO Marcell'..Vermutlich hatte Chomsky nicht die wirkliche Auftaktszene aus La dolce vita vor Augen (dort schwebt eine Christusstatue an einem Seil unter einem Hubschrauber bei Rom über die Landschaft). PAPARAZZO Maddalena . während die Fotografen immer noch wie wild knipsen. MADDALENA Aha.. Aus Fellinis La Dolce Vita (1961) 87 . Die Fotografen schießen Bilder von dem Wagen. Szene: VIA VENETO BEI NACHT Via Veneto . CERUSICO Hey Marcell' . all die schlüpfrigen Kleinigkeiten zu erhaschen. werden sie von den Fotografen erkannt und umringt. Paparazzo. Du stehst nun mal im Rampenlicht. die er dann . hier streichen die Fotoreporter wie Schakale umher . Maddalena eilt wütend an ihnen vorbei. eines offenen weißen Cadillac. wohin du mit ihr willst.Maddalena . EINE STIMME Hallo. wo er seine Nächte damit zubringt. zwischen Airline-Agenturen und teuren Läden. zu tratschen und dem eigenen Überdruß zu entfliehen. verschwinde.hier ist das Zentrum der »dolce vita«.hier trifft sich. deine Freunde stehen schon zum Angriff bereit. Bitte! Lassen Sie mich in Ruhe.den sensationslüsternen Lesern seines Boulevardblatts serviert. Marcello gleitet neben sie. in schicken Nachtclubs und Straßencafes.wofür hast du dich denn so schick gemacht? Ach. CERUSICO Sie ist wieder da! Da geht sie! Seht nur. Alle wimmeln aufgeregt herum und fotografieren. DORIA Schnell. MADDELENA Jeden Abend dasselbe. Hier ist Marcellos Jagdrevier. von Maddalena. von Marcello und ihr.

Year 501: The Conquest Continues S. Hauptsache.nicht viel für eine 2-MillionenKubikmeter-Kulisse! . 64 AUS »JOURNALISM« (1940) Sprecherin Für den Sport gibt es eine eigene Abteilung. Chomskys Video »Sports Rap« von der riesigen Videowand des Olympiastadions von Montreal abzufilmen. Ein Sportreporter muß ein Spezialist auf seinem Gebiet sein. entschlossen wir uns. Und da ist erstmal wichtig.UNIVERSITY OF WASHINGTON. Sie sollen die Football-Bundesliga sehen. SEATTLE. Oder ins Horoskop gucken.MA .doch je erfolgreicher die Isolationsstrategie ist und je weiter der Zusammenbruch der organisatorischen Strukturen voranschreitet. was da vorgeht . Seine Story holt er sich direkt vor Ort. sie sollen die »Mutter mit sechsköpfigem Kind« bedauern oder erfahren. Oder irgendwelchen Bibelgläubigen nachlaufen oder so. aber diese ca. man baut Verschwörungstheorien auf. 88 Um aus einer Vortrags-Anekdote ein filmisches Ereignis zu machen. oft schickt er sie nach jedem einzelnen Spiel an seine Zeitung. die uns bisher nicht gerade viel Glück gebracht hat. sie sind aus dem Weg und kümmern sich nicht um die Sachen. daß der Öffentlichkeit unklar wäre. um so desorientierter und selbstmörderischer sind die Reaktionen: Man himmelt lächerliche Messiasfiguren aus der Milliardärsschicht an. Nicht. auf die es ankommt. Wir erhielten für zwei Stunden Zutritt zum Stadion und mußten nur für den elektrischen Strom bezahlen. USA Chomsky Ich vereinfache mal stark. Das aber ist eine Mixtur. WASHINGTON. man pflegt den Mythos von edelmütigen Anführern aus einer unbelasteten Vergangenheit. daß sie nicht mehr so viel nachdenken können. Das Licht im »Großen O« der Montrealer wurde eingeschaltet und 400 Dollar waren fällig . was es im Supermarkt gibt. oder man verfällt enttäuscht in einen diffusen Skeptizismus. 80 Prozent sollen nur auf andere Gedanken gebracht werden.

einstecken müssen. sagen doch jetzt: »Chomsky . Da hab' ich mich eines Tages gefragt. »worauf es wirklich ankommt«. Zum einen deswegen. es lenkt die Aufmerksamkeit der Menschen auf eine absolut unwichtige Sache.. ihrer Gefühle.« Was ihm aber auffällt .na ja. mal darüber nachzudenken . Denn die Menschen haben 89 nun mal Gehirne und wollen sie auch benutzen. und andererseits der Kompetenz. Ich denke.. daß er sich schon mal ein Basketballspiel (im Fernsehen) ansehe und es ihn nicht störe. sein. aber oft wird es schon pathologisch. ein Korpsgeist unter einer Führung. HAMILTON. schon um es den »normalen Jungs und Mädels« gleichzutun und somit derartige Vorurteile zu widerlegen. dann verbindet sich meist ein Zweck damit. Zwar hält er in der Tat den Sport für geeignet. die haben nichts mit mir zu tun.MCMASTER UNIVERSITY. ONTARIO. Ich bin wirklich beeindruckt davon. Bücherwürmer. ich kenne doch niemanden aus der Mannschaft.« Aber falls man sich nun vornähme. die Sache zu unterstützen und aufrechtzuerhalten. Unamerikanische Jammerlappen. die eigene Mannschaft anzufeuern. das ist auch so ein Kernstück des Indoktrinierungssystems. aber dann geht er nach Hause und denkt nicht weiter daran. die kei- nen Ball treffen. vor allem auf dem der Politik. KANADA Chomsky Nehmen wir mal den Sport . er feuert die lokale Mannschaft an. dann erhitzen sie sich eben darüber.« Er erwähnt auch.« Andererseits brütet der Sportfanatismus.) . dem fachlichen Wissen und dem Selbstvertrauen auf dem Gebiet des Sports..) Manche. die beim Aufstellen der Basketballmannschaft noch länger als Janis Ian [in ihrem Song »At seventeen«] warten mußten. der tut sowas nicht. der was gegen Sport hat?« Das ist so nicht ganz richtig. was wirklich wichtig für sie ist und wie sie vielleicht dazu etwas beitragen könnten.auch dann werden sie sich vielleicht für Sport interessieren. Und wenn ihnen keine konstruktiven Möglichkeiten dafür geboten werden.. Ihr müßt bloß mal die Anrufer im Radio hören . Außer National Public Radio hat ihn auch Phil Donahue gefragt. die in dem Film kurz zur Sprache kommen. ob er mit unserem nationalen Zeitvertreib nicht etwas zu harsch ins Gericht geht (. ihres ganzen Lebens . dieser ganz offene Chauvinismus: Es mag ja o. »Dieses MachoImage. Trauerweiden. wieviel Gehirnschmalz hier eingesetzt wird.. Wäre es Otto also egal.er sagt das in dem Film und in einem Buchauszug in Harper's Magazine . hat dieser Intellektuelle und Friedenskämpfer schon einige Spitzen über seine unsportlichen Kommentare. k. Und da trägt die Presse zweifellos viel zu bei. um Otto Normalverbraucher dort zu halten. ob die Footballmannschaft meiner Schule gewinnt oder nicht? Ich meine. Und deshalb wird so ein Aufwand betrieben. wenn man bei diesen Sachen mal genauer hinsieht.ist das Denkniveau in anderen Gebieten.« Seiner Meinung nach wird dieses übersteigerte Interesse am Sport systematisch gefördert. wieviel Intelligenz die Leute beim Sport entwickeln. Der Mann aus der Mittelklasse hat andere Möglichkeiten. Kurz gesagt.« Wie alle anderen Teenager hatte sich auch Chomsky für Sport interessiert. also mal darüber nachzudenken.die haben die ausgefallensten Kenntnisse und den Durchblick bei den abgelegensten Gebieten.) die erschreckende Diskrepanz zwischen der Unsicherheit. »eine irrationale Unterwerfungshaltung gegenüber den Autoritäten zu fördern. Seit im Frühjahr der Film Manufacturing Consent: Noam Chom- sky and the Media herauskam.ihres Denkens. deshalb zahlen die Werbesponsoren dafür. hier wird ein irrationaler Hurrapatriotismus antrainiert. Doch gerade viele Linke sind gern sportlich aktiv.< Wenn die Menschen sich betrinken.. auch sein ganz eigenes Virus aus. bis man sie endlich nahm. usw. weil . »wenn die Leute ihren Spaß im Stadion haben. selbst wenn er die meiste Zeit auf dem Sofa zusammen- . die sonst nichts von ihm wissen. Ich erinnere mich an die High-SchoolZeit.ich denke. Da legen in Italien die Liverpool-Fans los und schlagen alle anderen zusammen. aber sie werden dabei nicht zu Fanatikern. der Unwissenheit und dem Gefühl von Hilflosigkeit und Frustration auf Gebieten wie der Politik. Nicht so Noam Chomsky. wo er hingehört. auf der einen Seite. Auf diese Weise entwickelt sich nämlich eine irrationale Unterwerfung unter eine Autorität. wieso macht es mir eigentlich was aus. Hält sie davon ab. Auch das gehört zum Wettkampfsport.. liegt das wirkliche Problem woanders. wenn sie eine gewisse Freiheit spüren. der die Menschen von dem ablenkt. Gut. »(. die ja in das Leben des Einzelnen eingreifen.dann zeigt das an. Wenn der Sport sich ihrer total bemächtigt . »dann wäre das so. wenn ihm das keiner vorbeten würde? »Wenn die Menschen ein sinnerfülltes Leben führen können. vielleicht werden die Leute dann seriös. als ob man sagt: >Verbietet das Bier. wer auf der dritten spielt. daß irgend etwas schiefgegangen ist. Verlierertypen.. wenn sie mit über die Schule und die Gesundheit ihrer Kinder bestimmen können (.ist das nicht der Typ. Es ist doch echt beeindruckend. wer auf der dritten few« spielen soll. wieso juble ich denen zu? Die Sache ist die: Es gibt eben doch einen Sinn. Otto vom Sport zu entwöhnen und ihn stattdessen für die Krankenversicherung der Alleinerziehenden zu begeistern.

Der Film war vier Tage zuvor in Toronto angelaufen.aber jedenfalls wissen einige von ihnen sehr genau. sich anzusehen. nahm ein volles Drittel des Artikels ein. hatte meine Notizblätter gefressen. wie also Mclnnis' Hund seine Notizen fraß.« Als »Jockbeat« ihn einlud. die dort aufwachsen mußten. Schrecklich. Ich werde das Gefühl nicht los. was aber mehr ist als nur ein guter Gag. so hatte das vielleicht damit zu tun.und mit welchen Worten. Ich hab' ja gar nicht gewußt. Immerhin enthielt die Rezension von Mclnnis eine Formulierung. der zwar kein Geständnis ablegte. am Donnerstag der Vorwoche. »(. dann ziehen das vielleicht manche Leute als erneuten Beweis dafür heran. Wir verstießen damit kurzzeitig gegen die altertümliche (und zum Teil immer noch geltende) Sprachgesetzgebung in Quebec. welcher Tiefstand da schon erreicht ist. daß ausgerechnet in seiner Jugend die beiden wichtigsten Vereine in Philadelphia am Boden herumkrebsten. im Football.« Er beruft sich auch noch auf zwei Zeugen .gerollt saß und las. auf denen dem Publikum signalisiert wird.den Hund nicht gerechnet. lehnte Chomsky höflich ab. daß unsere Footballfans nützliche Idioten des militärisch-industriellen Komplexes sind . wobei er einräumt: »Wenn nun diese Rezension erst in der Montagsausgabe erschienen ist. dessen Überschrift dann auch noch lautete: »Böser Hund. daß wir damit bei einigen Zuschauern einen Nerv treffen würden. sieben runs machen und uns 10 zu 7 schlagen. durch welches dein Recht auf freie Meinungsäußerung (oder ein anderes verbrieftes Recht) suspendiert wird. Ich kann mich lebhaft an mein erstes Baseballspiel erinnern. Samstag oder Sonntag. diesen Passus in den Film aufzunehmen. Diese Yankees verließen aber auch jedes Spiel als Sieger. aber sich schuldzerknirscht aufgeführt haben soll. Das Stadion ist zu diesem Zeitpunkt leer. Da sitze ich in der Mitte. daß alle Jungen meiner Altersgruppe. beschrieb er doch Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media als eine »intelligente.« Diese Sache. blendend gestaltete und wirklich abgerundete Dokumentation. wie die großen Medien die Theorien des Außenseiter-Soziologen Noam Chomsky >marginalisieren<.« Aus »Out in Leftist Field« von Mark Schone in seiner »Jockbeat«-Kolumne in The Village Voice 13. was im Kern bedeutet: Ungeachtet deines Rechts auf freie Meinungsäußerung (oder eines anderen verbrieften Rechts) werden wir jetzt ein verfassungswidriges Gesetz beschließen. Er war seit 1950 in keinem Baseballspiel mehr gewesen..« Wenn er später Vorbehalte gegen den Sport entwickelte. wo die Verbreitung schwächer ist als am Freitag. wann es Beifall brüllen soll .« Schon möglich. in den dreißiger Jahren. Als Erklärung für dieses Versäumnis gegenüber seinen Lesern hatte er nur zu sa- 90 gen: »Byng. dann würde dieser kleine dürre Trottel wohl kaum lebend die Straße erreichen. In Kanada dürfen die Provinzregierungen verbriefte Bürgerrechte mittels der sogenannten »Ungeachtet-Klausel« suspendieren. »Damals. daß sein Artikel so spät erscheint. Sollte nämlich jemand Chomsky während eines ausverkauften Footballspiels auf dem Jumbotron über Sport reden lassen.173 . derzufolge in der Außenwerbung die Verwendung des Englischen nicht erlaubt ist. Mehr über die freie Meinungsäußerung ab S. Byng! Du böser böser Hund! Sorry..« Mclnnis entschuldigt sich dann dafür. wie er gerade über die Sünden des bezahlten Sports herzieht. Es mag ja sein. Eine Rezension am Montag kann aber für die Besucherzahlen des vergangenen Wochenendes nicht mehr viel bewirken. lassen die Filmemacher sein Gesicht auf dem Jumbotron eines Stadions erscheinen. und dann sehe ich.93 Da die Menschen ihren Sport so furchtbar ernst nehmen. »Du spinnst wohl. daß es inzwischen in den Stadien Anzeigetafeln gibt. bildete Philadelphia das Schlußlicht . besser als jeder andere über Baseball Bescheid zu wissen. die wir als Werbespruch zitieren konnten. wie die Yankees von hinten aus dem siebten Inning kommen.« Am Schluß dieser Szene setzten wir auf die große Anzeigetafel an der Außenseite des Stadions die Worte: TODAY'S TOPIC: TRAINING IN IRRATIONAL JINGOISM [HEUTE: KURSUS IN IRRATIONALEM CHAUVINISMUS]. einen Minderwertigkeitskomplex entwickelten.) Um die wohlbekannte Abneigung des Sozialwissenschaftlers gegen den Berufssport zu dokumentieren. unmittelbar klar. Daher war er sehr überrascht zu hören. mein Hund. war uns schon bei der Entscheidung. direkt hinter Joe DiMaggio. Dies zeigte sich sogar in seinem Artikel in der Schulzeitung über den Aufstieg des Faschismus: »Die jungen jüdischen Immigranten der ersten Generation sahen einen Teil ihrer Amerikanisierung darin. Filmkritiker beim Toronto Star. wie die Yankees sein jetziges Heimteam einmachen. Unser erster Preis geht dabei an Craig Mclnnis. wie man hochnäsige Intellektuelle beim Kragen packt und geradewegs ins MIT zurückschleudert.07. Noam. überall.im Baseball.

F A L L S T U D I E .

sie sei »einer der ganz seltenen Versuche.) FERNSEHWERBUNG Aufgenommen auf einem Fernseher im Schaufenster Ansager Wenn Sie denken. 1. »The Propaganda Model: Some Methodological Considerations«.89. daher machten wir zwei 30-Minuten-Termine aus und fingen bei Adam und Eva an. das wir mit Chomsky für den Film führten. dann täuschen Sie sich. Anh. Es enthält auch seine oben wiedergegebenen Ansichten zum Golfkrieg.01. 137-180. Besonders naheliegend wäre es. hier also von den USA. S. Eine weiter ausgreifende Kritik findet sich unter dem Titel »Knowledge. Ansager Peter Jennings berichtet von den Feldern des Todes . wie es jeder ehrliche unbeteiligte Beobachter tun würde. Amerikas militärisches Engagement in Südostasien sei zu Ende. eine Kritik. Enthält (auf S. Wir wollten aber lieber eine durchgehend zusammenhängende und auch akustisch befriedigende Darstellung gewinnen. in denen Grausamkeiten oder andere Exzesse auf beiden Seiten begangen werden . a. aber manchmal fehlt nicht viel daran.nächsten Donnerstag. Zwar besaßen wir schon einige Aufzeichnungen aus Vorträgen und Diskussionen über Osttimor und Kambodscha. mit denselben Fragen und Kriterien an die Fälle auf beiden Seiten heran. Necessary Illusions. Wie geht man da vor? Chomsky Nun. Die Frage ist dann: Schlucken die Medien die Konstruktion der Regierung. oder gehen sie in derselben Weise. abgedruckt in Noam Chomsky: Critical Assessments (a. Es gibt in der Geschichte keine kontrollierten Experimente. 148151) auch eine Erwiderung auf Walter LaFebers Kritik des Propagandamodells in The New Republic 9.IM MIT Peter Wintonick Ich möchte Sie vor allem nach der Untersuchungsmethode zum Propagandamodell fragen. das kann auf verschiedene Weise geschehen. 92 . Vgl. Das Gespräch im Fernsehstudio des MIT war das einzige formelle Interview. Anonyme Stimme Die Roten Khmer sind die schlimmsten Massenmörder der Welt. So lassen sich Fälle finden.sowohl vom amtlichen Feind als auch von Verbündeten oder Freunden oder von dem von uns bevorzugten Staat selbst. O. Morality and Hope: Chomsky's Social Thought« in New Left Review 1992. ungefähr passende Vergleichsbeispiele zu finden. der Chomsky bescheinigt. auf das Propagandamodell mit echten Argumenten und nicht nur mit Beschimpfungen zu reagieren« und belege »die Geisteskraft eines hervorragenden und ungebunden denkenden Historikers«.

Mann links Wo? Katherine Asals Osttimor. NEW YORK Katherine Asals Haben Sie schon mal von einer Gegend namens Osttimor gehört? Mann rechts Könnt' ich nicht sagen. mit einem einzigen Unterschied: Wir waren dafür verantwortlich . ich glaube. 93 . Haben Sie schon mal von einer Gegend namens Osttimor gehört? Mann links Nee. es läßt sich kein vergleichbar entsetzliches Beispiel finden. «OPERATION WELCOME HOME» KONFETTIPARADE NACH DEM GOLFKRIEG.ganz ähnlich. Und in diesem Fall hat der geschichtliche Zufall tatsächlich ein kontrolliertes Experiment durchgeführt. Hier haben wir also ein solches Verbrechen. trug sich genau zur gleichen Zeit ein anderes Verbrechen zu . IM MIT Chomsky Wie nämlich der Zufall so spielt.Pol Pots Regime von 1975 bis 1978 und seine Brutalitäten.IM MIT Chomsky Nehmen wir den Genozid der jüngsten Vergangenheit .nicht Pol Pot. bei dem die Entrüstung so getobt hat usw.

konnte man doch damit die Tragödie augenfällig machen. zwischen dem Indischen Ozean und dem Pazifik. Was das Besondere 94 . 1975 sind die Indonesier in dieses Land eingefallen. daß das. Elaine Brière ist Mitbegründerin des East Timor Alert Network. was in Osttimor geschah.bis sie Chomskys Essay »Genocide on the Sly« in Towards a New Cold War las. Also schrieb sie an Noam Chomsky und sprach auch mit ihm. Wo liegt es überhaupt? Elaine Brière Osttimor liegt hart nördlich von Australien. Nach dem Massaker von Dili im Jahre 1991 unterstützte das East Timor Alert Network die Gründung des East Timor Action Network in den USA. was dort passiert ist und warum die internationale Gemeinschaft die Hilfe verweigert. vor allem wenn es um Auslandshilfe und um Krieg ging und um eine neue Weltordnung. »Mir war überhaupt nicht bewußt. warum die UNO . Doch sie fühlte sich hilflos . Elaine Brière Hi. Die Menschen haben sich gefragt. dann wissen Sie ja. immer wieder gegen UNO-Resolutionen zur Beendigung der Besetzung gestimmt. Wenn Sie uns in den letzten Monaten regelmäßiger zugehört haben. Für die UNO-Menschenrechtskommission schrieb sie Jahresberichte. da die meisten Menschen nichts über Osttimor wissen. Heute wollen wir uns Osttimor genauer ansehen. es gab Berichte über Verbrechen am Volk von Timor. und auch die Invasion von 1975 war ihr nicht entgangen. hier ist das «Mittagsradio» mit Louise Penney. Sie hat die Osttimor-Alarmkette gegründet. Und dennoch hat Kanada. MONTREAL Louise Penney Hallo. Im Jahre 1974 hatte Frau Brière Osttimor bereist. Dieses entstand 1986 und sollte sich gegen die indonesische Invasion und Repression in Osttimor stellen.CBC RADIO. Louise Penney Die Tragödie ist besonders tragisch. Direkt südlich von Osttimor verläuft ein Tiefseegraben und bildet einen idealen Durchschlupf für amerikanische UBoote.nichts tut. etwa 420 km entfernt. daß die Sprache mehrfach auf Osttimor gekommen ist.« Ihr wurde auch klar. Dreimal trat sie vor dem UNO-Entkolonisierungsausschuß auf. Eine der eifrigsten Aktivistinnen ist Elaine Brière. um für das Selbstbestimmungsrecht des Volkes von Osttimor zu werben. Und dann gibt es da noch riesige Erdöllagerstätten.wenn sie es mit der neuen Weltordnung ernst meint . und ich begrüße sie bei mir im Studio. zusammen mit anderen Ländern. die sie noch vor der Invasion gemacht hatte. um Osttimor zu helfen. dann machte sie sich an die praktische Arbeit. wie wertvoll die Fotos vom Dorfleben auf Timor waren. Wollen sehen. auch andere Menschen betroffen machte und daß wir durchaus etwas dagegen tun konnten. Bildjournalistin aus Britisch Columbia.

Sofort griff Indonesien ein.ein Jahr.000 Menschen. und es entstanden verschiedene Gruppierungen. der mit dem Sieg der FRETILIN endete. Die Kinder wuchsen in einer gesunden. stimulierenden und nährenden Umgebung auf. Das war eine dieser Gruppen. sie galt als Populistisch und katholisch und führte eine ziemlich linke Propaganda im Munde. viel mehr auf die Aufteilung von Macht und Wohlstand bedacht. viel egalitärer. Sie waren dagegen. Die alten Leute spielten die Rolle der Universität. und sie sprachen 30 verschiedene Sprachen und Dialekte. 95 . nachdem ich die Insel verlassen hatte erfuhr. Im August 1975 brach ein Bürgerkrieg aus. daß ein kleines unabhängiges Land der Region zum Vorbild werden könnte. IM MIT Chomsky Osttimor war eine portugiesische Kolonie. Vor der indonesischen Invasion lebten die meisten Menschen dort in kleinen Dörfern. Indonesien konnte keine Ansprüche darauf geltend machen und hat das auch offen zugegeben. Während der Kolonialzeit wurden die Menschen dort ziemlich politisiert. daß die Indonesier dort eingefallen waren. als ich . Ich war entsetzt. Es waren 700. Sie existieren außerhalb des Weltwirtschaftssystems. praktisch als Selbstversorger. Sie gaben das Stammeswissen von einer Generation zur anderen weiter. Heute lebt nicht einmal mehr fünf Prozent der Weltbevölkerung so wie die Menschen von Osttimor.an Osttimor ist: Dort hat eine der letzten urzeitlichen Kulturen dieser Region überlebt. Solche kleinen Gesellschaften wie die auf Osttimor sind viel demokratischer.

Danach hat man sie verbrannt. daß sie völlig stumm blieben. als der Ort bombardiert wurde. Personal Testimonies 19421992 S. ehe sie selbst umgebracht wurden. Indonesische 96 Soldaten zwangen ihn. Unter ihnen zwei Ehepaare. Zuerst waren die Einwohner von Balibo geflohen. dicht an unserer Grenze. Er hat kurzgeschnittene. weil wir in Dili schon Erfahrungen mit dieser Art von Grausamkeit hatten machen müssen.12. Die Journalisten schrien: »Australier. daß ich einmal in Australien sein würde oder daß mich jemand danach fragen würde. Ich schenkte ihnen Glauben. leicht ergraute Haare. und die nicht begreifen können. eines mit kleinen Kindern. denn ich mochte keine Fragen stellen.von jedem separat. Er redete auf sie ein: »Nicht Fretilin . Ich glaube ihnen auch deswegen. das wir nie vergessen werden. Zeugnis von »Leong« in Telling: East Timor. Er trug braune Shorts und ein cremefarbenes Oberhemd sowie eine Sonnenbrille. die dort ermordet wurden. an die müssen wir dann ein Rohr binden. am 16. denn diese Sache schien sie ziemlich zu bedrücken. Ich konnte ja nicht wissen. war auch ein Australier. was die Indonesier verlangen. begleitet von indonesischen Soldaten. Sie selbst waren Zivilisten. 96 Am 8. die Leichen mit Eisenrohren zu beschweren und ins Meer zu werfen: »Wir hatten gerade diese Leichen versenkt.wir waren zu sechst . Wir saßen also auf Bastmatten unter einem Blätterdach in einer Hütte ohne Wände. so 17 oder 18 Menschen. Sie wurden in einem Haus mit Messern umgebracht und dann mit Benzin verbrannt. eine Gruppe nach der anderen. Sie wurden zu zweit. wo ich arbeitete. Dann knallen die Indonesier ihn einfach ab. Einige der Todeskandidaten mußten uns . vom 15.« Er sprach Englisch. Die Soldaten stießen ihn herum. denn gelegentlich kamen Australier in den Laden. die aber die Erschießungen nicht direkt beobachten konnten. aber was sollen wir machen. Außerhalb des Piers standen viele Menschen. sie sind wie Dolche.helfen. es gibt dafür einen Augenzeugen: »Mr. Die Befehle gaben die Soldaten. Sie kamen. und auf uns prasselten die Fragen herab . Wir wollen es aber versuchen. Personal Testimonies 1942-1992 S. Ich kannte sie alle. UNBEKANNTES DORF AUF TIMOR Filmdokument von Greg Shackleton des Senders Channel 7. wußten aber nicht. Manche fallen ins Wasser. Ich erfuhr es in Dili . Ich kenne drei Männer. daß wir drei geradezu meinten. wir tun. Unter den Leuten aus Colmera. sich zum Meer zu wenden . in Dili umgebracht.« Telling: East Timor. die sind nicht nur zum Spaß da. warum die übrige Welt sich nicht um sie kümmert. wir verlieren fast den Verstand. sie mit dem Messer umzubringen. man hörte kein Weinen. Sie stoßen ihn nach vorn. andere zu fesseln. Genaueres weiß ich nicht. Wir zittern.Australier. Die bereiten eine große Aktion vor. Denn mehr wollen sie gar nicht: Die UNO soll Notiz von dem nehmen. was hier vorgeht. daß sie vielleicht schon morgen sterben müssen. da kam eine Gruppe timoresischer Chinesen aus Colmera. Oktober 1975 von indonesischen Truppen ermordet. die mir erzählten. Diese Messer werden am Gürtel getragen. die dann von Verwandten aufgenommen wurden. wie sie die australischen Journalisten in Balibo ermordet haben. sieben Schiffe gleichzeitig. GREG SHACKLETON GARY CUNNINGHAM MALCOLM RENNIE BRIAN PETERS TONY STEWART Journalisten. die übrigen waren Männer. das uns tief aufgewühlt hat. Roger East. befehlen ihm. Sechs. was vorging. das andere schon älter. sie in der wannen Nacht mit Händen greifen zu können. es waren Freunde oder Nachbarn. Siong«. Die Gefühle hier waren so intensiv gestern abend. nichts. sie vernahmen zwar die Geräusche. Das war so fremd. wurden erschossen und ins Meer geworfen. Meine Freunde kehrten dann aus Atambua dorthin zurück.er weigert sich. Australien. Sie hatten so viel Angst. Wissen Sie. was sie mir erzählt haben. ich konnte ihn verstehen.AUF OSTTIMOR (OKTOBER 1975) Interviewer Wie ist die Lage? Wann sind diese Schiffe gekommen? José Ramos-Horta Die kommen seit Montag. Melbourne. zu dritt oder zu viert an die Kaimauer geführt und dort erschossen. An jenem Tag wurden auch zahlreiche Timoresen hingerichtet. Ob er Schuhe anhatte. Australier!« Ein indonesischer Anführer ließ die Journalisten fesseln und befahl dann. 104 . Er sieht kräftig aus. Greg Shackleton auf Portugiesisch Timor in einem unbekannten Dorf.75 wurde ein weiterer australischer Journalist. So weiß ich nur das. so absolut neuartig für uns Australier. andere auf den Boden. die wissen. und er fällt ins Wasser. hatten aber indonesische Waffen.Fragen von Menschen. habe ich nicht gesehen. daß wir es Ihnen kaum vermitteln können. Oktober 1975 Greg Shackleton Hier ist etwas passiert.

und hier ist wohl auch der Hauptgrund für den Aufstand im August zu suchen (. sich plötzlich schwerbewaffneten Soldaten... vielleicht 3000 Köpfe zählenden Elite Timors neben einigen kleineren Gruppierungen drei politische Parteien formierten: Die UDT. Von den drei politischen Parteien. meist kleine Grundbesitzer oder Beamte...Die Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen garantiert das Recht.) In die internationale Presse gelangte über all diese Vorgänge nur das. daß seiner Meinung nach »der Bürgerkrieg in Osttimor durch einen Putsch der UDT ausgelöst wurde. der seinerseits vom indonesischen Geheimdienst eingefädelt worden war« .. und es waren auch weniger Menschen umgekommen« (Hill S. vom September 1975 bis zur indonesischen Invasion am 7. Natürlich waren die Umstände ungewöhnlich. Aber auch private Gruppen oder Einzelpersonen Drogenhändler. galt sie als die kleinste. Wir können nur unabhängig sein. »fand offensichtlich nur wenig Unterstützung. die Beachtung der Pressefreiheit weltweit zu überwachen und zu fördern. Untergrundkämpfer.. DER HINTERGRUND DER INVASION Kaum hatte Portugal seine Absicht verkündet. »sich durch alle Medien und über alle Grenzen hinweg um Informationen zu bemühen.) Bestätigt wird dies vom »Komitee zum Schutz der Journalisten«. Das CPJ wurde 1981 mit dem Ziel gegründet..womit er den Augustaufstand meinte (..« Als einzige sprach sie sich für die Vereinigung mit Indonesien aus. 12). um den freien Informationsfluß zu beeinträchtigen (. die FRETILIN und die APODETI (. wenn wir uns an die politische Linie Indonesiens halten. daß diese schon Anfang 1975 als größte Partei angesehen wurde (. schrieb über seine Erfahrungen: »Es gelang der FRETILIN-Regierung überraschend schnell. Dezember. Wie ausländische Besucher später feststellten. Zu Beginn der neunziger Jahre kamen innerhalb von 18 Monaten 54 Journalisten in Ausübung ihres Berufs ums Leben.) Einen sehr positiven Bericht über das kurze Zwischenspiel der Fast-Unabhängigkeit. Auch in Friedenszeiten suchen viele Regierungen den freien Informationsfluß zu behindern. wenn es darum geht. die dritte Partei.. mit der Folge. in der sich zu Anfang vor allem die städtische Intelligenz engagierte und deren Vorsitzender aus einem katholischen Priesterseminar kam (.. die Wahrheit vor anderen zu verbergen. Ursächlich für diese Verschiebung war nicht nur das Versagen der UDT. Im August versuchte die UDT dann.. »hatten sich erheblich weniger Kämpfe ereignet. von juristischen Klagen bis hin zu physischen Attacken (.wenden Gewalt oder Einschüchterung gegen Journalisten an. als sich innerhalb der winzigen. wird die Unabhängigkeit nur eine Woche oder einen Monat andauern (.. sei es um sich überhaupt an der Macht zu halten. die journalistische Berichterstattung zu verhindern.) APODETI. Anfänglich galt sie als die einflußreichste der drei Parteien. gleichzeitig mußten über 1000 von ihnen sich Angriffen der unterschiedlichsten Art erwehren. wandten sich viele Anhänger der FRETILIN zu. wozu die Regierungen und auch manche Bürger fähig sind.. aber »da sie kaum konkrete Pläne vorlegte.). lieferten die Australier..) Der UDT-Vorsitzende Lopes da Cruz stellte nach dem Treffen von Kupang fest: »Wir sind Realisten. Ehrenvorsitzender ist Walter Cronkite [der Altmeister der amerikanischen TV-Nachrichtenmoderatoren]. In Dili hatte . 62). sie zu empfangen und weiterzugeben. vom Committee to Protect Journalists. die »in diesem Gebiet das Informationsmonopol besaßen« (Hill S. mit dem ancien régime in Verbindung gebracht wurde und überhaupt dem Endziel der völligen Unabhängigkeit zunächst zurückhaltend gegenüberstand. Während des Golfkriegs von 1991 schränkten die USA den Zugang von Reportern zum Frontgebiet ein und verhängten über deren Berichte eine Vorzensur... im April 1974 seine Kolonien in die Unabhängigkeil zu entlassen. iv. sondern auch der Erfolg der FRETILIN (..) Unmittelbar vor dem Putsch hatte ein Treffen auf höchster Ebene [zwischen Vertretern Indonesiens und der UDT] staltgefunden (. UDT und FRETILIN bildeten im Januar 1975 eine Koalition.. James Dunn. Ruhe und Ordnung wiederherzustellen und die Grundversorgung der größeren Städte zu sichern. Falls nicht. was den Indonesiern genehm war. 97 die darauffolgenden blutigen Auseinandersetzungen endeten wenige Wochen später mit dem vollständigen Sieg der FRETILIN (. Die obengenannte Statistik belegt. korrupte Geschäftsleute .... die sich in Osttimor aufhielten. die allerdings im Mai infolge des Austritts der UDT wieder platzte. die Macht im Handstreich an sich zu reißen.) Die Anhängerschaft der UDT war seit Anfang 1975 ständig geschrumpft. 12) (. sei es um öffentliche Entrüstung oder einen Skandal zu vermeiden.« Im Widerspruch hierzu sind Regierungen überall in der Welt darauf aus.. Aus Dangerous Assignments: A Study Guide S.) »An der Spitze der UDT standen hauptsächlich Katholiken. mächtigen Politikern oder auch den aufgebrachten Zielpersonen seiner Recherchen gegenüberzusehen.) Jeder Journalist muß damit rechnen.)«. die im Mai 1974 existierten.) Die FRETILIN war eine gemäßigt reformorientierte nationale Front.. als berichtet worden war.« Benedict Anderson sagte vor dem US-Kongreß aus.« (Jolliffe S. im Oktober Leiter des australischen Hilfskorps..

...<« [Los Angeles Times 7.) Obgleich die FRETILIN-Regierung viele Schwachpunkte hatte. die Invasion so lange aufzuschieben. weil es ihnen sonst zu peinlich gewesen wäre. hat Shepard Forman [Professor für Anthropologie an der Universität von Michigan. Seit dem frühen Morgen fielen Bomben auf Dili [die Hauptstadt von Osttimor]. ist einfach eine der größten Untaten in der Geschichte. Dezember die Invasion. dennoch wurde es.12.. Australien.)« [UPI 8. 133-143 Jill Holliffe. Dezember besuchten Präsident Ford und Henry Kissinger Djakarta. East Timor: Nationalism and Colonialism (University of Queensland Press 1978) Helen Hill. nachdem sie wieder weg waren. DUNKELKAMMER Elaine Brière Was sich am 7. wie wir noch sehen werden. den Gegnern der FRETILIN in Timor Beistand leisten zu wollen.. Soweit wir es beurteilen können. als Indonesien auch schon die bewaffnete Intervention einleitete . Henry Kissinger. D. im Westen allgemein geglaubt. was sie damit in Gang setzte.) Bei seiner Landung in Hawaii wurde Ford von Reportern nach seiner Meinung über die Invasion Timors gefragt. Wenige Stunden.)«. sie brachten die Menschen einfach um... bis sie das Land wieder verlassen hätten.. »Diese Drohungen belegen. während andere darin schlichtweg einen Genozid erblicken. September (. der in den Jahren 1973-74 unter den Bergvölkern Timors lebte] als »Vernichtung von einfachen Gebirglern« bezeichnet.. »Wie Journalisten in Djakarta von ihm erfuhren.12. hatten sie die Indonesier ersucht.. erfolgte dann am 7. 1 S. Dezember abspielte.) Am 6.. alle noch in Dili verbliebenen Australier umzubringen . und zwar auch bei früheren Anhängern der UDT (. >Die Vereinigten Staaten haben für die indonesische Position in dieser Frage Verständnis. drei Wochen lang nichts als . Nur einen Tag später führte die indonesische Armee den erwarteten Großangriff durch. war ihr Rückhalt in der Bevölkerung offensichtlich sehr stark. das Gebiet noch vor der Invasion von ausländischen Beobachtern zu säubern. Er lächelte und sagte: »Darüber werden wir später reden (... The Political Economy of Human Rights Bd. sich das Leben schon Mitte Oktober mehr oder weniger normalisiert (.) Das indonesische Militär drohte damit. würden die USA die von der FRETILIN ausgerufene Republik nicht anerkennen. Wie wir wissen. 156 98 .IM MIT Chomsky Ford und Kissinger besuchten Djakarta . 1 S.unter dem Vorwand.) Inzwischen rechnete man allgemein mit einer massiven indonesischen Invasion (.75].ich glaube. auch nicht das Rote Kreuz (. Kaum hatte der Bürgerkrieg mit dem Sieg der FRETILIN geendet. The Timor Story (Timor Information Service.75] The Political Economy of Human Rights Bd..eine Nachricht.. Und dann gab es zwei.« Keinesfalls durften unabhängige Zeugen vor Ort sein. am 5.) Durch den ganzen Oktober und November zogen sich heftige Nahkämpfe zwischen Militäreinheiten Indonesiens und der FRETILIN hin (. o.. der ihn begleitete. hatte seine Reaktion schon zuvor formuliert. Dezember. von der Australien umgehend das Internationale Rote Kreuz in Kenntnis setzte. war dies völlig aus der Luft gegriffen. als die Stadt Einwohner hat. Dann marschierten mehr Soldaten ein. Die ersten Grenzverletzungen durch die Indonesier erfolgten am 14. daß den Indonesiern alles daran lag.

»seit Beginn des Bürgerkriegs« im August seien »etwa 60. Vgl.: José Ramos-Horta. jede reale Auswirkung zu verhindern. das sich mit Hitlers Untaten in Osteuropa vergleichen läßt. den die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg entrichten mußte.mit beträchtlichem Erfolg.wie Blätter. Emissär bei der UNO wurde RamosHorta. In dem Bestreben. mit einer Einleitung von Noam Chomsky (Red Sea Press 1986) . daß jegliche UN-Maßnahmen wirkungslos zu bleiben hätten. und dann spürte ich. Mitglied im Zentralkomitee der FRETILIN. and Western Compliance. beschloß die Regierung. Ich beschmierte mir das ganze Gesicht mit Blut. NEW YORK Jose Ramos-Horta (Vertreter von Osttimor bei der UNO) Der Rat muß die indonesische Aggression gegen Osttimor als vorrangigen Diskussionspunkt betrachten.« Moynihan hält sich hier also etwas zugute. The Chomsky Reader S. Er zitiert einen seiner indonesischen Freunde in Timor. er vertritt Osttimor dort noch immer. Repression. Moynihan ließ auch keinen Zweifel daran. Es war der Wunsch des Außenministeriums. die Kugel war geradewegs hindurchgegangen. Die Hand fühlte sich an. der Mutter — es war entsetzlich Ich lag am Boden. alle übrigen nach der indonesischen Invasion im Dezember . Daniel Patrick Moynihan (damals US-Vertreter in der UNO] Chomsky (im Off) Nach dem indonesischen Einfall reagierten die Vereinten Nationen in der üblichen Weise. also mit einer Verurteilung. wie die Körper auf mich niederfielen . aber die USA waren offensichtlich entschlossen. Brown 1978) IN DER UNO. der Forderung nach Sanktionen usw.000 Personen ums Leben gekommen« — davon aber nur 2-3000 während des eigentlichen Bürgerkriegs. lag still und stellte mich tot. (ausgeblendet: Die Vollversammlung und der Sicherheitsrat haben Indonesien aufgefordert. als ob sie am Boden festklebte. man rief nach der Frau. 308 Zitate aus: Patrick Moynihan. Suzanne Weaver. A Dangerous Place (Little. Die indonesische Invasion in Osttimor stellt eine Verletzung des Völkerrechts und der UNO-Charta dar). und ist auch noch stolz darauf. die noch in den Kinderschuhen steckte. Unterstützung für die Sache der timoresischen Unabhängigkeit zu gewinnen. Diesen Auftrag setzte ich um .und fährt fort: »Das sind 10 Prozent der Bevölkerung. daß er genau wußte. Die Menschen schrien. der im Februar 1976 geschätzt hatte. East Timor Debacle: Indonesian Intervention. die Entsendung von Vertretern nach Westeuropa und Afrika sowie zur UNO. als Indonesien in Timor einfiel. prozentual also beinahe so viel wie der Blutzoll. Einige verwässerte Entschließungen wurden verabschiedet. Ich zerrte die Hand an mich heran und schmierte mir das Blut über das Gesicht. 99 Jose Ramos-Horta war.AUS »BURIED ALIVE« (1989) Carlos Alfonso (Flüchtling aus Osttimor) Als ich den Befehl »Feuer!« hörte. unverzüglich sämtliche Truppen aus dem Gebiet zurückzuziehen. was er angerichtet hatte. warf ich mich zu Boden. Meine Hand war getroffen worden.

der Aul1 standsbekämpfung dienenden Waffen versorgt. In krassem Widerspruch zu den ausdrücklichen Feststellungen von General Fish. Kanada.jeder. Solange sich die Kanadier in dieser Rolle wohlfühlen. 14). gaben Beamte des 100 Außenministeriums und des Pentagons auch offen zu. schreibt Lee Lescaze [in der Washington Post]. gibt es eine einfache Antwort. Nichtsdestoweniger wurde Kanada zum weltgrößten Waffenexporteur pro Kopf der Bevölkerung. der FRETILIN oder einer anderen Oppositionspartei anzugehören. demzufolge während des angeblichen Lieferstopps neue Angebote für Militärausrüstungen erfolgten. Zwar gab es während des Vietnamkriegs in Kanada ziemlich viel Opposition dagegen. The Political Economy of Human Rights Bd. Unmittelbar nach der Invasion wurden die Waffenlieferungen noch verstärkt. Fish vor dem Kongreß aussagte (March Hearings S. Sobald sie aber auf die Konsequenzen schauen. 483 . Daher müssen die Menschen in Kanada sich fragen. Als den Indonesiern 1978 die Waffen auszugehen begannen.000 Menschen umgekommen. Um die Jahreswende 1977-78 richteten die Indonesier »Auffangzentren« für diejenigen Timoresen ein. entwickelt worden waren. Man lehnt sich zurück und macht mit dem Leid und Elend anderer seine Geschäfte. die in der Zeit des Vietnamkriegs speziell zur Aufstandsbekämpfung gegen einen Gegner. Außerdem war das Ganze ein Betrug. war das »Militärhilfe-Embargo« so geheim. »Diese vorübergehende Sanktion war weder angekündigt noch vorher durchgesickert«. ob sie sich als Komplizen eines Massenmords eigentlich wohlfühlen. 1 S. war da. die mit einer weißen Flagge aus dem Dschungel auftauchten. Bisher ist das noch der Fall: Die Kanadier fühlen sich wohl. werden sie entdecken. Jeder. was unter Präsident Ford begann. Aber die eigentliche strategische Waffe damals war der Hunger. Im Westen regt sich niemand über Die Regierung behauptet. Nach Schätzungen der Kirche und anderer Quellen waren etwa 200. Die USA standen voll dahinter. Richard Holbrook. nur um sich des Gehorsams seiner Bevölkerung sicher sein zu können. wurde weiter an Indonesien ausgeliefert. 144-145 Verglichen mit anderen Ländern gehören Kanada und die Vereinigten Staaten eher zu denjenigen. wo sich die indonesischen Soldaten ihrer bedienen durften. hat viele Möglichkeiten. und man vernahm heftige rhetorische Verurteilungen. sogar Babies. Daß man sich über die eigene Geheimpolitik hinweggesetzt hatte. Aus einem Interview mit Richard Titus. Holland . Mr. wie sie dem Ausschuß versicherten. erhielt die indonesische Regierung während des zwischen Januar und Juni 1976 verhängten »offiziellen Lieferstopps« wenigstens vier verschiedene Angebote über militärisches Gerät. Language and Politics S. es gäbe einen »vom Verteidigungsministerium bestätigten Bericht [über Waffenverkäufe ins Ausland]«. Oakly sowie des Unterstaatssekretärs für Ostasien und den Pazifik. werden sie sie nicht aufgeben. um ihnen zu ermöglichen. Auch Kinder wurden umgebracht. den die Indonesier für überdurchschnittlich gebildet hielten oder im Verdacht hatten. Denn wie man sieht. Die Frauen schaffte man beiseite und flog sie in Hubschraubern nach Dili. wurde sofort umgebracht. »nahmen wir keine neuen Bestellungen mehr entgegen. Indonesien wird seitdem praktisch unverändert mit den Broncos und anderen. Auf die Frage. etwas zu tun.« Und Benedict Anderson gab zu Protokoll (February 1978 Hearings). Dieses umfaßte vor allein Flugzeuge vom Typ OV10 Bronco (nebst Ersatzteilen). sie habe von Dezember 1975 bis Juni 1976 die Militärhilfe an Indonesien eingefroren. England. daß Indonesien nie etwas davon erfahren sollte. IM MIT Chomsky Im Jahre 1978 hatte es die Ausmaße eines Völkermords angenommen. kam die Carter-Regierung ihnen zu Hilfe und erhöhte den Umfang der Waffenverkäufe. »das Außenministerium keinesfalls bewußt eine Täuschung oder einen Gesetzesbruch unternommen. daß sie sich damit genau so verhalten wie die von uns gebrandmarkten »guten Deutschen« unter dem Nazismus. wir haben Waffen nach Indochina geschickt und uns an der Zerstörung des Landes bereichert. der nicht über wirksame Flugabwehr verfügte. Was aber schon im Rohr war.« In der Tat wurden die Indonesier von ihnen nicht getäuscht. Zum Schutz Indonesiens vor einem äußeren Feind konnten sie absolut nichts beitragen. Sie lieferten 90 Prozent der Waffen. der schnell Geld verdienen wollte. Wie General Howard M. wo der Staat nicht zu Gewaltexzessen greift. warum Indonesien die »Besorgnis« der US-Regierung überhaupt nicht zu spüren bekam. Das gleiche taten andere westliche Länder. noch mehr Timoresen umzubringen.DUNKELKAMMER Elaine Brière Danach flüchteten die Timoresen zu Tausenden in den Dschungel. Allerdings habe. Auch wer kein Held ist. setzt die Carter-Regierung fort.

Das wird nirgends so deutlich wie in diesem Fall. Grausamkeiten. deren bestimmender Faktor die Roten Khmer sind. von denen die letzte noch unserer Gegenwart den Stempel dieser furchtbaren fahre aufdrückt: Phase 1 (1969-April 1975): Nach Bombardierungen durch die US-Luftwaffe. hat diese Periode als »Jahrzehnt des Völkermords« bezeichnet. pflegen wir andernorts. Man muß wissen.buchstäblich auf Null. er habe »nichts gegen amerikanische Bomben auf kommunistische Ziele innerhalb unserer Grenzen . 6) 101 Bis März 1970 wurde das Land von Prinz Sihanouk regiert. wird mit chinesischer und amerikanischer Hilfe im Grenzgebiet zu Thailand und auf thailändischem Boden wieder aufgebaut.. Einige gab es noch. bis diese durch den vietnamesischen Einmarsch nach Kambodscha im Dezember 1978 gestürzt werden. 1978.Aggression. auf.. die Rechte kurz zu halten (. Es war auch nicht so. Was sie jetzt in Kambodscha betreibt. Gleichwohl bleibt die DK-Koalitionsregierung.. das einzige militärische Machtinstrument des DK-Regimes. verurteilte die kambodschanische Regierung öffentlich die Angriffe mit Bomben und Bordwaffen. doch das Gemetzel geht mit amerikanischer Beteiligung weiter.) Am 18. wo ich es genauer nachgeprüft habe . Die Guerilla-Armee der Roten Khmer. und einem von den USA angeheizten Bürgerkrieg ist das Land völlig zerstört.« (.. Das Ausmaß der Untaten war ungefähr gleich .außer vom Ostblock . Es gibt wohl kaum ein Land.. mit denen »amerikanische Flugzeuge nahezu täglich (. (Mehr dazu auf S. als diese geradezu den Charakter eines Völkermords annahmen.. das Geschehen aufzuarbeiten. vietnamesische Kleinbauern und Untergrundkämpfer Zuflucht im kambodschanischen Grenzgebiet suchten. DK). 103) Phase 3: Vietnam setzt die Regierung Heng Samrin ein. daß etwa noch nie jemand von Osttimor gehört hatte. ertönte in Washington und in den Medien die zynische Warnung vor einer kommunistischen Unterwanderung des neutralen Kambodscha (. Die finnische Untersuchungskommission. die von allen Ländern . In seiner Regierungszeit führte Sihanouk nach innen und außen einen schwierigen Balanceakt aus. aber nur aus Sicht des US-Außenministeriums und des indonesischen Militärs.ich meine sogar. daß vor der Invasion die New York Times und andere viel über das Land gebracht hatten.allein anerkannte Vertreterin Kambodschas. für das aber wir verantwortlich gewesen waren. bis schließlich im April 1975 die Roten Khmer die Macht übernehmen. die den Versuch unternahm.03.1978): In dieser Zeit steht Kambodscha unter der mörderischen Herrschaft der Roten Khmer (»Demokratisches Kampuchea«.) Außenpolitisch suchte er in dem um sich greifenden Indochinakrieg ein gewisses Maß an Neutralität zu bewahren. setzte die Berichterstattung völlig aus. Kaum waren die Indonesier einmarschiert. vor allem nach den mörderischen Militäroperationen der USA Anfang 1967 in Südvietnam. auf die Gesamtbevölkerung bezogen war es in Timor noch erheblich schlimmer. März trat Prinz Sihanouk in einer Pressekonferenz auf und dementierte ganz entschieden Meldungen. Manufacturing Consent S.03. mit dem Wort »Terrorismus« zu bezeichnen. Phase 2 (April 1975 . Dahinter stand damals die Sorge über den Zusammenbruch des portugiesischen Kolonialreichs und was das für Folgen haben könnte. hörten die Berichte auf.) Am 28. Eine Woche darauf. Verletzungen der Menschenrechte usw. wie es sie in der Geschichte noch nie gegeben hat. wenn nur genügend Profit in Sicht ist.69 wurden die berüchtigten »geheimen Bombenangriffe« aufgenommen.. da er von diesem Krieg nur einen Sieg der Kommunisten erwartete. In den Vereinigten Staaten und bei ihren Verbündeten stieß Sihanouk mit seinem neutralistischen Vorgehen auf wenig Gegenliebe (. Innerhalb des Landes schlug er Aufstandsversuche der Linken und der Kleinbauern nieder und versuchte gleichzeitig.. All dies spielte sich nun exakt zur selben Zeit ab.) die kambodschanische Grenzbevölkerung heimsuchen. das so leiden mußte wie Kambodscha in den siebziger Jahren. bis dieser Opfer eines von den USA unterstützten Putsches wurde. auch Kap. Sie umfaßt insgesamt 3 Phasen. Zwar setzt der Kongreß im August 1973 per Gesetz den Bombardements ein Ende. auf dem Höhepunkt der Gewaltakte.69.. am 26. Man befürchtete eine Unabhängigkeitsbewegung. Ein Flüchtling aus Timor war nie zu vernehmen.. Als später. wenn die Zielscheibe eine mit uns befreundete Regierung ist. die Hunderte das Leben kosteten.) Seit Anfang der sechziger Jahre gab es immer heftigere Angriffe der amerikanischen und südvietnamesischen Streitkräfte gegen kambodschanische Grenzposten und Dörfer. als die gewaltige Protestwelle in Sachen Kambodscha rollte. Genau genommen hatte sich auch in Kambodscha schon vorher .1973-75 ein vergleichbares Verbrechen ereignet. die in den USA umliefen und die besagten. eine Einflußnahme Rußlands oder was weiß ich. 260-261 (vgl. wenigstens in den USA und in Kanada.

) Der Bürgerkrieg. und damit meine ich nicht nur die Zahl der Toten und die riesigen materiellen Verwüstungen. daß sie stattfanden. unter welchem Vorwand sie erfolgen. 267-273 102 Als nach dem Sieg der Roten Khmer die westlichen Korrespondenten aus Phnom Penh evakuiert wurden. was da vorging. Auch nachdem die USA ihre Truppen aus Kambodscha abgezogen hatten. ganz gleich.) Die Bomben der amerikanischen B52 haben das Land umgepflügt und ganze Städte oder Dörfer dem Erdboden gleichgemacht.. daß der Terror der Kommunisten [in den Siebzigern] »zweifellos eine Reaktion auf die furchtbaren Bombenangriffe [der US-Luftwaffe] in den von den Kommunisten gehaltenen Gebieten« darstellte. er diente »innenpolitischen Interessen« und genoß zumindest »indirekte Unterstützung durch die USA« (.oder was davon übrig geblieben ist regieren und die so gar nicht kambodschanisch wirken. entweder direkt durch die amerikanischen Bomben oder durch den von uns unterstützten Krieg. Wie mir berichtet wurde. daß anschließend Hunger und Krankheit vielleicht eine Million Tote fordern würden. entwickelten diese sich zu einer nicht mehr zu übersehenden Kraft. wie sie Schüler von Marx oder Mao sind (.03. David Chandler. Nach amerikanischen Regierungsquellen sowie nach Meinung von Wissenschaftlern spricht übrigens viel dafür. Wie eine Untersuchungskommission des Obersten Rechnungshofes feststellte. aber sie wollten gar nicht so genau wissen..« (Sunday Times. wurde der Bombenkrieg mit unverminderter Härte fortgesetzt. sondern ein Putsch der Oberschicht». weil das Land in Trümmern lag. Ich fand nicht eine einzige Pagode unbeschädigt vor.05.) Wie überall. daß die intensiven Bombardements ein wesentlicher Grund — vielleicht der Hauptgrund — dafür waren.. daß infolge der Bombardements »Tausende junger Kambodschaner zwangs- . die jetzt das Land . Diese schwarz gekleideten Männer. Seine Eindrücke faßte der britische Korrespondent John Swain mit folgenden Worten zusammen: »Die Vereinigten Staaten haben hier große Schuld auf sich geladen. die vorher nur eine Randerscheinung gewesen waren. 278 Milton Osborne. kaum steht noch irgendwo ein heiles Haus.. wo wir gewesen sind. Ein anderer Kenner des Landes. Mehr noch: Bis heute wird dieses Material zurückgehalten. etwa ein Drittel der Bevölkerung von 7 Millionen sei auf der Flucht.) Im März 1970 schließlich wurde Kambodscha endgültig in das Schlachthaus Indochina hineingezerrt. haben die meisten Bewohner die Kriegsjahre aus Furcht vor den Bomben fast ununterbrochen in unterirdischen Bunkern verbracht (. in denen ihr Geist zu Stahl geschmiedet wurde. denn die Medien wollten sie geheimhalten. Und Kambodscha wurde in einem solchen Zustand hinterlassen. einzuwenden. Am 18.70 wurde Sihanouk gestürzt.. Man weiß sehr wenig darüber. und das ist eben die falsche Story. Die Brücken sind sämtlich zerstört. Indem Kambodscha systematisch zerstört wurde und die Landbevölkerung im Innern immer stärker unter dem US-Terror zu leiden hatte und sich daher auf die Seite der bis dahin ganz unbedeutenden — Rolen Khmer schlug.. wurde auf beiden Seiten mit zunehmender Grausamkeit geführt. Sie wußten zwar. Sehen Sie. sind in ihrer schauerlichen Strenge ebenso sein ein Produkt der amerikanischen Flächenbombardements. 11. weist darauf hin. nämlich daß ich mich uneingeschränkt gegen alle Bombenangriffe auf kambodschanisches Gebiet wende.« Dann wandte er sich an die internationale Presse mit den Worten: »Ich bitte Sie dringend. Manufacturing Consent S.. sie erreichten ihren Höhepunkt 1973 und gingen noch bis 1975 weiter.. abgesehen von vereinzelten Publikationen am Rande des politischen Spektrums (. Nach Schätzungen des CIA kamen in diesen fünf Jahren an die 600. London. kommt zu dem Schluß. Sie richteten sich gegen das Landesinnere. Es war »keine Revolution. hat auch hier [auf dem Lande] der Krieg alles ruiniert. im Ausland die eindeutige Haltung Kambodschas bekanntzumachen.« Daß dieser Appell fruchtlos blieb. Spezialist in Sachen Kam- bodscha. der jetzt in Kambodscha entflammte. konnten sie sich nur in aller Eile ein Bild von dem machen. daß hohe US-Beamte schon absehen konnten. waren die amerikanischen und südvietnamesischen Bombenabwürfe »eine wesentliche Ursache für Fluchtbewegungen und Todesopfer unter der Zivilbevölkerung». Das ist schon ein ziemliches Blutopfer. wird niemanden überraschen.Chomsky Die Offensive der USA gegen Kambodscha begann mit den Luftangriffen Anfang der siebziger Jahre. was auf dem flachen Land vorgegangen war.000 Menschen ums Leben.85) Manufacturing Consent S. daß die Landbevölkerung sich auf die Seite der Roten Khmer schlug.

32 S.) oder wie man einen möglichen kausalen Zusammenhang zwischen den Schrecken der Phase 2 und dem Krieg der USA gegen eine bäuerliche Gesellschaft in Phase 1 in Betracht zog... »wer genau irgendeinen unmenschlichen Satz von sich gegeben hat« (. zumal sie alle Todesursachen mit einschließt. Bereits nach wenigen Wochen beschuldigte die USPresse sie »barbarischer Grausamkeiten« und einer »Politik des Völkermords«. um sie zu sabotieren..und Geschäftskreisen in Thailand und verfügen über einigen Einfluß. die Roten Khmer hätten sich selbst damit gebrüstet. Hier beging der amtliche Feind die Greueltaten. wie man schon damals mit Fakten umzuspringen pflegte. vergleichbar »dem Archipel Gulag und der Ausrottung der Kulaken in der Sowjetunion. Ob die Roten Khmer wirklich besiegt sind. Die bemerkenswerteste Aus- . Das waren dramatische Fakten. Bis zum 17.. Andere. -NC Über die Bevölkerungsstudie der CIA sagt Chomsky: »Die Annahmen darin sind von A bis Z politisch beeinflußt. Anfang 1977 stand die Behauptung im Raum.) Allerdings stimmte nicht jedermann in diesen Chor ein. vermuten noch höhere Werte. Einer. Schon wenige Wochen nach der Machtübernahme durch die Roten Khmer beschuldigte die New York Times sie des Völkermords . Nun waren die Verbrechen . und dann setzte ein furchtbarer Holocaust ein.. daß 50. nicht anders steht es mit seiner anschließenden Feststellung. April 1975 war dies ein Land voll friedlicher und lächelnder Menschen gewesen. läufig zu Kämpfern in einem antiamerikanischen Kreuzzug« wurden — hatten die Angriffe doch »das Geflecht der kambodschanischen Vorkriegsgesellschaft schwerbeschädigt und so der GPK [den Roten Khmer] die psychologischen Zutaten zu einer gewalttätigen. Seitdem amtiert eine provisorische Regierung. es lohne sich nicht nachzuforschen.. Ben Kiernan. als Lacouture sie wenige Wochen später widerrief und eingestand.000 bis 100. Nach jüngsten Berichten unterhalten sie beste Beziehungen zu Regierungs. Der CIA gibt an. bedurfte keiner Beweise. Dieser Rat war eine Frucht des von der UNO vermittelten und in Paris abgeschlossenen Friedensvertrags von 1991.« Vgl. ist Michael Vickery.) Manufacturing Consent S. konnte Fotos fälschen . der die Sache besonders genau untersucht hat. Umgehend stand die Zahl der Toten bei 2 Millionen. allerdings bislang ohne Detailuntersuchungen. hier konnte man sich ungeheuer entrüsten. konnte übertreiben. Aus dieser Äußerung geht wohl deutlich hervor. wie sie amerikanische Beamte und Helfer vor Ort durchaus vorhersahen. als vielleicht einige hundert oder tausend Menschen umgebracht worden waren. Die Wahlbeteiligung war mit 90 Prozent unglaublich hoch .zwar schlimm. B. letzterer ein Sohn des Prinzen Sihanouk.alles war erlaubt. wenn es einerseits um den Tod Tausender oder andererseits um den »Stolz« über die Ermordung von zwei Millionen Menschen geht. Doch setzen viele ihre Friedenshoffnungen auf Prinz Sihanouk selbst. Gedanken gemacht hatte (. Diese Zahl blieb von nun an unverrückbar stehen. der als gleichberechtigte Premierminister Hun Sen und Prinz Norodom Ranaridhb vorstehen.zu einem Zeitpunkt. Die echte Zahl läge eher im Tausenderbereich. während über die mehr als eine halbe Million Toter der ersten Phase des Genozids nichts dergleichen zu vernehmen gewesen war. steht keineswegs fest. obwohl die Roten Khmer die Wahlen nicht nur boykottierten. Es war schlimm genug. [die Roten Khmer] seien nach eigenen Aussagen »stolz« darauf. und er setzt die Zahl der Toten auf 750. diese Differenz unerheblich.. denn nun waren ja die Bösen die Täter.000 über der normalen Sterbeziffer an. zwei Millionen Menschen ermordet zu haben.« Nun hatte es bis dahin vielleicht einige Tausend Opfer gegeben.000 Menschen umgebracht wurden und daß vielleicht eine Million aus anderen Gründen starben. sondern alles taten. also das schwankt.die tatsächlich verübten Verbrechen . 264 Im Mai 1993 fanden in Kambodscha Wahlen unter Aufsicht der UNO statt. Jedenfalls war es furchtbar. man schätzt ja .. aber für den gewünschten Zweck noch nicht schlimm genug. z. an die 2 Millionen Menschen abgeschlachtet zu haben (Jean Lacouture in der New York Times). die Schätzung der Nachkriegsbevölkerung ist fehlerhaft. auch dann noch. und im übrigen erschiene ihm. der den Vorsitz in dem aus vier Fraktionen bestehenden Obersten Nationalrat führt. ebenso wenig wie man sich über die Folgen unserer Kriegsführung.Chomsky Nach 1975 ging das Gemetzel weiter. und plötzlich war es die richtige Story.und dies. die Todesrate daher ohne Aussagekraft. rachsüchtigen und unerbittlichen Revolution geliefert« (. Und von dem Moment an wurde getrommelt und gebrüllt: Völkermord! Der Bestseller über das Kambodscha Pol Pots trägt den Titel Murder in a Gentle Land. 383384 103 Mit der Machtübernahme durch die Roten Khmer im April 1975 setzte Phase 2 des »Jahrzehnts des Völkermords« ein. er habe seine Quelle (Ponchaud) falsch interpretiert. Manufacturing Consent Anm. Es hieß sogar.

vorwiegend infolge Krankheit. wie die Berichte aussagen. Cambodia: Year Zero (Holt. 382 Anm.). daß es eher die krasseren Urteile waren. Die Antwort ist eindeutig und hängt nicht davon ab. 1985). abgedruckt in The Chomsky Reader • Manufacturing Consent S.in Bezug auf deren Grundtendenz meine Unschuld beteuern. wer genau irgendeinen unmenschlichen Satz von sich gegeben hat. Sollen wir wirklich. wenn wir auf etwas so Monströses wie das derzeitige Regime in Kambodscha schauen. denn wir brauchen uns nur die Reaktionen auf Verbrechen anzusehen. beziffern die Gesamtzahl der Opfer auf »einige Zehntausend. 266-270 Als Antwort auf Chomsky schreibt Jean Lacouture. oder ob die Mordaktion »Speedy Express« im Mekong-Delta nur 5000 oder aber 500. sondern auch gerade die Sache. zumal sie aus fragwürdigen Quellen stammten. 280-283 Michael Vickery.so könnten wir fortfahren . die zu Informationen aus Kambodscha den besten Zugang hatten. in den USA jedoch — ebenso wie der Bericht der finnischen Untersuchungskommission — praktisch völlig übergangen«. Aber ich möchte doch . »Decade of Genocide in Review«. die der Wahrheit entsprachen.000 Polen erschießen ließ? »Cambodia: Corrections« New York Review of Books (26. stellt er nicht nur meinen Respekt vor Texten und vor der Wahrheit überhaupt in Frage. das Hauptproblem darin sehen. Es war schlicht und einfach Betrug. Ihre Angaben. Denn indem er schwere Zitierfehler aufzeigt.) Sie wurden eben in jener Zeit nicht für nützlich erachtet.77) Oder ob vielleicht . für die ich hatte eintreten wollen. Cambodia: 1975-1982 (South End Press 1984): Chomsky nennt dieses Buch »die wichtigste Untersuchung über die Herrschaft der Roten Khmer (. nämlich die KambodschaExperten des Außenministeriums.. Unterernährung und eines »brutalen Umbruchs der Lebensverhältnisse« und nicht etwa als Folge eines »massenhaften Genozids«. es wurde in einem Ausmaß gelogen.. oder aber Zehntausende umkamen. oder ob das Regime nun einige Tausend oder nur einige Hundert Unglücklicher auf dem Gewissen hat? Ist es für die Geschichtsschreibung von Belang.wie nämlich die verwendeten Daten ausgewählt. Anthony Paul. vielleicht auch einige Hunderttausend«. Doch selbst dies würde nichts an unserer Einschätzung der zentralen Frage verändern .IM MIT Chomsky Und es wurde gewaltig gelogen . Ich habe Ponchauds Buch überhastet und unter emotionaler Spannung durchgelesen und auch die für polemische Bemerkungen geeigneten Stellen voreilig ausgewählt.in My Lai Hunderte. was vielleicht noch über Kambodscha ans Tageslicht kommt. für die die USA verantwortlich waren. nahme bildeten genau diejenigen. im Ausland allgemein von den anerkannten Indochina-Experten gelobt. Murder in a Gentle Land (Reader's Digest Press 1977) • »The >Not-So-Gentle< Land: Some Relevant History«.will sagen. 149 Am Ende könnte sich herausstellen. Rinehart and Winston 1978) in der New York Review of Books besprochen halte: Noam Chomskys Korrekturhinweise haben mir heftige Kopfschmerzen bereitet.000 oder 500. manchmal auch aus der Luft gegriffen wurden. ob in Dachau die Zahl der Opfer 100. Besonders bedauere ich die erwähnten irreführenden Belegangaben. The Political Economy of Human Rights Bd. daß es Betrug war.000 betrug? Oder ob Stalin in Katyn 1000 oder 10. Manufacturing Consents. 293 . auch • Noam Chomsky.bei aller Verantwortung für die fehlerhaften Details meiner 104 Rezension . nur um der Allgemeinheit ein ganz bestimmtes Bild zu vermitteln.. 2 S. Manufacturing Consents. das selbst einen Stalin hätte erröten lassen. Inside Asia (London Febr. Vgl. und seinen Autor »einen der wenigen wirklichen Kambodscha-Spezialisten« .05. ich hätte die Daten über die Zahl der Opfer genauer überprüfen sollen. der das Buch: Francois Ponchaud. 2 S. Wir wissen. modifiziert.000 zivile Opfer forderte? Wenn es doch auf einen Faktor 100 gar nicht ankommt? Wenn Tatsachen so wenig zählen. die sich auf die zu jener Zeit greifbaren Belege (hauptsächlich aus dem Nordwesten des Landes) stützten. warum dann überhaupt angebliche Tatsachen herauskehren? The Political Economy of Human Rights Bd.. Diese vorsichtig formulierten Erkenntnisse wurden aber in den Medien fast völlig ignoriert (. 22 • John Barron.

The Political Economy of Human Rights Bd. 6. insbes. Manufacturing Consent Kap. Über Kambodscha vgl. um die vielen tausend Artikel herauszusuchen. während diejenigen. Der Platz auf Kanadas größter Bühne reichte knapp für den ausgerollten Streifen über Kambodscha: etwa 29 Meter. Wieviel an Wert dabei jeweils zugemessen wird. daß es sich dabei um die Spaltenlänge der Eintragungen im Index handelt. und nun das beeindruckende Medienecho: NEW YORK TIMES INDEX 1975-1979: »TIMOR« GESAMTE SPALTENLÄNGE 170 CM »KAMBODSCHA« GESAMTE SPALTENLÄNGE 2900 CM In einigen Rezensionen von Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media wur- den diese Zahlenwerte als die Spaltenlängen der in diesem Zeitraum erschienenen Beiträge selbst mißverstanden. die in Feindstaaten Unrecht erdulden müssen. S. Nefarious and Mythical«. auch: »Bloodbaths in Indochina: Constructive. 337-354. läßt sich an Art und Ausmaß der Aufmerksamkeit und der Entrüstung ablesen. Wir verfügten nicht über die Mittel. Ja. Man kann aber sehen. Die Indexlisten lagen uns als l:l-Kopien aller Eintragungen zu den Stichworten Timor und Kambodscha vor und wurden aneinandergeklebt. keinen Wert repräsentieren. zu kopieren und abzumessen. »The Indochina Wars (II). als wertvolle Opfer dargestellt.Chomsky Kambodscha und Timor in den frühen Siebzigern sind ein geeignetes Vergleichspaar. 1. 105 . wohinter sich natürlich weit mehr Spalten der eigentlichen Texte verbergen. die auf der eigenen Seite vielleicht noch härter angefaßt werden. Laos and Cambodia« In einem Propagandasystem werden grundsätzlich die Menschen.

umgesetzt wird. . USA Im Rahmen einer internationalen Tagung zum Thema «Die USA und der Antikommunismus: Vorgeschichte und Konsequenzen«. daß die indonesische Regierung 1975 diese ehemalige portugiesische Kolonie annektierte. wo es überhaupt nicht um Antikommunismus geht. unterstützt vom Institute of Media Analysis Karl E. vor allem dasjenige Element der Ideologie in den Vordergrund stellen.1988. vielleicht hätten wir das wirklich tun sollen. McChesney ist Assistant Professor an der School of Journalism and Mass Communication der Universität von Wisconsin in Madison. das die Besitzenden verfolgt. läßt sich eine Unterstützung des Faschismus als kleineres Übel rechtfertigen. dessen politische Absichten irgendwelche Besitzinteressen bedrohen oder die Akzeptanz der kommunistischen Staaten oder eines radikalen Gedankenguts implizieren. Manufacturing Consent S. ihren Antikommunismus unter Beweis stellen zu müssen. CAMBRIDGE. also ihm »in die Hände spielt«. Und wenn man das beispielsweise mit Kambodscha vergleichen würde. Aus einem Interview in Monthly Review Jan. gerade wenn es um die Filter geht. Herman Das scheint mir ein vernünftiger Vorschlag zu sein. Sollte es einer von ihnen gestellten Regierung unter- Filter: Antikommunismus als Nationalreligion und Steuerungsinstrument 106 laufen. sie sehen dadurch ihre Klassenposition und ihren gehobenen Status im innersten bedroht. wohl aber um die Interessen der Führungsschicht.PODIUMSDISKUSSION IN DER HARVARD UNIVERSITY. Warum soll dieser Name treffender sein. Ebenso wird man gegen eine Sozialdemokratie eingestellt sein. In diesem.11. 11.-13. und somit in die Defensive gedrängt. als wenn man einfach von »der herrschenden Ideologie« sprechen würde? Man könnte dann nämlich dieses Filter auch dort diagnostizieren. 1989 Robert W. Von jeher ist der Kommunismus das abso- lute Böse und das Gespenst gewesen. Wo der Triumph des Kommunismus das größte vorstellbare Unheil ist. daß irgendwo im Lande eine kommunistische Idee . Edward S. Wir kommen in dem Buch ja auch mehrfach auf andere Aspekte der herrschenden Ideologie zu sprechen . welches von der politischen Ökonomie der USA zu ihrem wichtigsten Steuerungs.oder auch nur eine als solche hingestellte . McChesney Sie haben für dieses ideologische Filter die Bezeichnung »Antikommunismus« gewählt. vom Antikommunismus wie von einer Religion beherrschten kulturellen Milieu der USA sehen sich die Linksliberalen unablässig unter den Vorwurf gestellt. Das hat mich nun schon interessiert. dann sei das eine eben ein kommunistischer Greuel und das andere kein kommunistischer Greuel. über die wir nichts bringen. oder daß privates Unternehmertum etwas Gutes sei. sie seien prokommunistisch oder zumindest nicht genügend antikommunistisch. Die Revolutionen in Rußland.« Und er sagte: »Da haben Sie völlig recht. Dies war auch so einer. MASSACHUSETTS. die Presse hätte die Tatsache heruntergespielt. auf der Welt passieren ein Dutzend Greuel.etwa daß unsere eigene Regierung immer nur das Beste wolle. China und Kuba haben die westlichen Eliten traumatisiert. Da auch die wenigen Liberalen. und das hatte seine Gründe. Sie trägt demnach auch zur Spaltung der Linken und der Arbeiterbewegung bei und dient als politischer Lenkungsmechanismus. die in Sachen Kommunismus nicht genügend Härte zeigt. Mittels dieser Ideologie kann man die Massen gegen einen Feind mobilisieren. Wir wollten aber. Infolge der ständigen Konflikte und der — noch dazu hochgespielten — Mißstände in den kommunistischen Staaten ist die Opposition gegen den Kommunismus zum obersten Prinzip der westlichen Ideologie und Politik geworden.des Inhalts. 29 Robert W.und Disziplinierungsinstrument gemacht worden ist. verhalten sie sich geradezu wie echte Reaktionäre. wo kilometerlang Berichte erschienen. Und da trat nun Chomsky vor den Studenten auf und trug ein leidenschaftliches Plädoyer vor . Meyer (Leitartikler der New York Times) Im Jahre 1980 hielt ich eine Vorlesung an der Tufts University. und so habe ich den damaligen stellvertretenden außenpolitischen Ressortleiter der New York Times angesprochen. dann müssen sie dafür teuer bezahlen. ständig meinen. unsere Berichterstattung auf dem Gebiet war sehr schwach.« Da bin ich der Sache nachgegangen. um jeden aufs Korn nehmen zu können. die diese Religion noch nicht verinnerlicht haben. Ich habe zu ihm gesagt: »Wissen Sie. der im übrigen undeutlich genug bleibt.

10.trachteten auch später danach. für die Katholische Kirche in Osttimor. zur Washington Post und zum Boston Globe. jeder in seinem Umkreis über verschiedene Kanäle und Gremien. die Geldmittel waren minimal. obgleich das eigentlich aussichtslos schien. Es handelt sich dabei um einen damaligen Cornell-Studenten höheren Semesters. MONTREAL Arnold Kohen (Journalist) Ich war damals als Reporter und Texter an einem kleinen alternativen Radiosender irgendwo im Staat New York tätig . Nun ist mein Name ja recht bekannt. daß derartige Presseorgane auf die Sache aufmerksam würden und möglichst viele Fakten veröffentlichten. daß wir Infoblätter zusammenstellten und verschiedene Gruppen und Personen im ganzen Land damit zu aktivieren suchten. 1980 ging die Gruppe ein. wie es im Geistesleben zugeht: Es gibt wichtige Leute. der sich mit Haut und Haaren der Aufgabe verschrieben hat. zu denen auch ich zählte. weil wir professionell vorgingen. N.und es macht sich wirklich bezahlt. Ich stamme ja aus New York . Diese wollte Vorfälle und Entwicklungen aufgreifen und dokumentieren.MCGILL UNIVERSITY. ich war über Freunde dazugestoßen. Literaturstudenten und Südostasien-Spezialisten . der in meinen Augen den Friedensnobelpreis verdient hätte. wo sie jemanden brauchten. und doch ist er der Anführer und ich folge ihm nur. höflich blieben und uns strikt an die Tatsachen hielten.praktisch überhaupt nicht . Man kann daran sehen. An der arbeitete ich mit. Kurz nach dem indonesischen Einfall in Osttimor im Jahr 1975 lichtete eine kleine Gruppe von Cornell-Leuten. ihn aber kennt keiner.aber das ist wirklich nur eine helfende Rolle. Wir arbeiteten alle ehrenamtlich. das ging ja in den siebziger Jahren vielen so. sie stützte sich hauptsächlich auf Hochschulkreise.Rest of the News«.06. .genau genommen aus dem Stadtteil Queens. den Gang der Dinge zu verfolgen und vielleicht nach und nach die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das zu lenken. Arnold Kohen In den USA lebt jemand. was natürlich nicht der Fall ist. der mich dazu brachte. Aus Chomskys Interview mit Joop van Tijn im Sender »Humanist TV«. Infolge des amerikanischen Eingreifens in Indochina und anderen Ländern Südostasiens war ich sehr an dieser Region interessiert. Y. So nahmen wir unter anderem Verbindung zur New York Times auf. wenn der einen Sinn hätte. Wir haben uns dann mit ein paar Leuten zusammengetan. dort mit einzusteigen. So etwas ist durch nichts zu ersetzen . wir wollten versuchen. Wir fingen damit an. Als nächstes versuchten wir es bei den großen Medien. so deswegen.unter anderem Juristen. denn es erschien uns wichtig. die an einer wichtigen Sache arbeiten und dabei an einen Punkt kommen. daß in den großen amerikanischen Medien sowenig . eine regelmäßige Rundfunksendung namens »Ithaka. der ihnen in den Lichtkegel der Öffentlichkeit verhilft. Nun beherbergt aber Ithaka die Gornell-Universität. 1975. Und da gibt es dann wiederum Menschen wie mich.über diese Massenmorde der Indonesier berichtet wurde. war ein Netzwerk von Kontakten. was sich in Osttimor abspielte. und diese wiederum verfügt über das wahrscheinlich beste Südostasien-Institut auf der ganzen Welt. für Menschenrechtsgruppen und andere Organisationen als nützlich erweisen sollte. Diese Ithaka-Gruppe löste sich zwar 1979 auf. das sich später für Flüchtlinge. ihr Augenmerk auf diese Insel. Es gab damals. doch die meisten ihrer Mitglieder . Niederlande. Wenn wir überhaupt Erfolg hatten. die von den großen Medien stiefmütterlich behandelt wurden.Wir bekamen Tonaufnahmen von Interviews mit timoresischen Führungsleuten und waren sehr überrascht (wo doch die USA so stark darin verwickelt waren). Das ist uns natürlich nicht immer gelungen. Er war es auch. aber was dabei schließlich her- 107 auskam. das Ohr der amerikanischen Öffentlichkeit zu erreichen. diese Dinge an die Öffentlichkeit zu bringen. die diese Hilfe leisten können .89 .

er lief schließlich über 6 Wochen lang in New York und wurde in der New York Times. Ich erwiderte. den immer noch andauernden Bluttaten Einhalt zu gebieten. Im Ausland wurde der Film. Sie kamen beispielsweise auch zu mir. Chomskys Aussage über Osttimor vor der UNO im Oktober 1978 wurde in einer leicht überarbeiteten Fassung in Inquiry 19. PODIUMSDISKUSSION.) So schließt sich der Kreis: Zuerst unterdrücken die Medien eine wichtige Story. .79 (»East Timor: The Press Cover-up«) und in Radical Priorities S. erstens läßt sich daran viel mehr erkennen. daß sich das Parlament damit befaßte. 3.02. Karl F. daß Fakten darüber ausgebreitet würden.. 471 Anm. die sich mit großem Engagement der Aufgabe widmeten. Alles was wir darüber wissen .] bat mich die Columbia Journalism Review um einen Artikel über die Behandlung Kambodschas in den amerikanischen Medien. besagte Unterdrückung zu untersuchen. Wenigstens eine kanadische Fernsehanstalt (Radio Canada. gar nicht zu reden von den mehr als 225 Städten im ganzen Land. Diese wurden gelesen. einige Kongreßabgeordnete griffen die Sache auf. Timor sei doch völlig unbedeutend und daher für die Leserschaft uninteressant (. Sie sind an einige Kongreßabgeordnete herangekommen. Toward a New Cold War S. und das führte dazu. Sonst gibt es so gut wie nichts. Nach einigem Hin und Her lehnte man diesen Vorschlag mit der Begründung ab. Dabei ist der Film ja nicht nur von einschlägigem Interesse. der frankophone Landessender) setzt ihn bei der journalistischen Mit- 108 arbeiterschulung ein. Meyer Zuerst schrieb ich einen Kommentar mit dem Titel »Der ungerechte Krieg in Osttimor«. wo immer er aufgeführt wurde. sie wurden in die Kongreßakten aufgenommen. ebenso wie Hunderte von Hochschulen in ihren Vorlesungen über Journalismus und Kommunikation. diese Berichte an die Öffentlichkeit zu bringen. und dann weigert sich eine Zeitschrift für Analysen des Medienverhaltens. dazu beitragen. HARVARD UNIVERSITY Etwa zu der Zeit [da ich vor der UNO aussagte. wo er gezeigt wurde und wo alle größeren Zeitungen sowie die örtliche und überregionale Alternativpresse sich mit ihm beschäftigten. und zweitens konnte ja schon allein die Tatsache. den Film zu rezensieren oder auch nur zu erwähnen. in The Village Voice und in der New York Post rezensiert. ich würde Osttimor vorziehen. und so konnte ich vor der UNO aussagen und einiges darüber schreiben. was dort passiert war.BÜRO IM MIT Chomsky Es waren buchstäblich nur ein halbes Dutzend Leute.. eben weil diese so erfolgreich gewesen ist. von den großen Zeitungen und auch von der journalistischen Fachpresse rezensiert. 84-94 abgedruckt.das verdanken wir praktisch alles ihrer Arbeit. Weder der persönliche Besuch eines Regisseurs von Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media im New Yorker Büro der Columbia Journalism Review noch die Ablieferung einer Videokopie des Films brachten deren Redaktion dazu. Er enthielt eine Landkarte und beschrieb genau. Und sie ließen nicht ab und ließen nicht ab. Wir brachten dann noch ein Dutzend anderer Beiträge dazu.

Diese Berichte seien. September 1975 in der Londoner Times erschienen war. durch die Brille verängstigter und erschöpfter Flüchtlinge gefiltert oder sogar von portugiesischen. Meyer Nimmt man die diversen Theorien wörtlich.interessanterweise . dann müßte man annehmen. aber ohne den internationalen Druck wäre alles noch viel schlimmer.von unseren Meistern in Washington zu spüren bekommen. sich auf bestimmte Sachen zu konzentrieren und andere Sachen zu ignorieren.MCGILL UNIVERSITY. den Berichten über schrankenlose Verwüstungen und Gewaltakte auf den Grund zu gehen. Allerdings erfuhren wir . »australischer TV-Journalist und wahrscheinlich der erste Reporter. worin die Überarbeitung durch die New York Times bestand.« Allerdings ist dieser Artikel nur eine überarbeitete und gekürzte Version eines längeren Berichts. der am 2. es gab auch noch andere positive Effekte. daß das indonesische Militär seit 1979 nicht noch viel mehr Menschen umgebracht hat. aber ohne den internationalen Druck wäre alles noch viel schlimmer. Im wesentlichen stellte er folgendes fest: Auf der Fahrt durch Dili konnten wir ohne Mühe erkennen. dann würden wir sofort eine Reaktion . Die würden zu uns sagen: »He. der damals vor dem Kongreß aussagte. die infolge der indonesischen Blockade jeden Monat zu Tausenden verhungerten. daß die Stadt schwer gelitten hat. Später gab es noch andere Anhörungen. dem besten Osttimor-Spezialisten der australischen Regierung. die es wis- sen müssen.« Wir bekamen aber absolut nichts zu hören. Abgedruckt wurde davon kein Wort. 109 . Ihr habt wohl aus den Artikeln zitiert. wie in diesem Krieg übertrieben und verzerrt wird. daß humanitäre Hilfslieferungen aus dem Ausland schließlich doch die Menschen erreichten. Wahr ist. euch zu Osttimor zu äußern? Das wollten wir doch unter der Decke halten. Nach anderen Quellen ist es allein diesem jahrelangen Druck zu verdanken. Doch die Hauptgebäude stehen noch. Und der US-Kongreß? Wie ich von Mitarbeitern des Außenministeriums. Worum wir uns so lange bemüht halten. daß diese Hilfe endlich durchkam. MONTREAL Arnold Kohen Als nun die New York Times am Heiligen Abend diesen Kommentar brachte. Doch so wichtig es war.eine scharfe Reaktion . 1977 veranstaltete der Kongreß aufschlußreiche Anhörungen. die sämtlich von der FRETILIN nicht gerade das Beste zu erwarten hatten. die ich darüber geschrieben habe.nämlich das Wissen um die Tatsache. Natürlich herrschen in Osttimor furchtbare Zustände. so Stone. übte der Kongreß in den Jahren 1979-80 so viel Druck auf Indonesien aus. In den letzten fahren hat der Kongreß sich nicht auf Anhörungen beschränkt. daß sich in Osttimor eine Tragödie großen Ausmaßes ereignete. die Professor Chomsky vorbringt. September 1975 brachte die New York Times einen Bericht von Gerald Stone. was fällt euch denn ein. erhielt jetzt einen hohen Grad an Legitimität . Es ist nun aufschlußreich zu sehen. Man hat die militärische Ausbildung gekürzt (was Clinton allerdings mißachtet) und ebenso die Waffenlieferungen. So fanden wir ein Hotel. sah die Sache für uns schon ganz anders aus. indonesischen und australischen Beamten lanciert worden. Das heißt: Sollten wir etwa die Spielregel verletzen. viele Häuser weisen Einschußlöcher auf. Arnold Kohen Diese Initiativen werden in Bd. es gäbe zwischen der etablierten Presse und der Regierung in Washington eine stille Verschwörung mit dem Ziel.daß es da einen Typ namens Arnold Kohen gab und daß der eine Ein-Mann-Lobby gebildet hatte. IN DER NEW YORK TIMES Karl F. der seit dem Ausbruch [des Bürgerkriegs nach Osttimor] hineingelassen wurde. Natürlich herrschen in Osttimor weiterhin furchtbare Zustände. erfuhr. -NC WAS HAT DIE NEW YORK TIMES AUS DEM ARTIKEL DER LONDONER TIMES HERAUSGESTRICHEN? Am 4. Breiten Raum in dem Times-Artikel nehmen Stones Bemühungen ein. Die New York Times führte ein langes Interview mit James Dunn. welche die indonesische Propaganda der FRETILIN anlastete und die bis heute die Berichterstattung färben. 1 von The Political Economy of Human Rights behandelt.

haben eines gemeinsam: Die meisten von ihnen haben noch nie für eine Zeitung gearbeitet.Portugal.wäre dies nicht gewesen. Dann kommt die Zeitschrift auf »einen Bericht von Gerald Stone über das Blutbad« in der New York Times zu sprechen. und ein damit verknüpftes Interesse in den Nachrichtenmedien . mit engagierten Bürgern usw. den hat die New York Times aus dem Text der Times gestrichen. wie wenig Anlaß zur Sorge Newsweek später in dem eigentlichen Blutbad nach dem Einmarsch der Indonesier sehen sollte. wie es in einer Zeitung zugeht. Anlaß zu Besorgnis« gäben — was nun seinerseits bemerkenswert ist. Die Hauptgebäude stehen noch. Als Chomsky da auftrat. zitiert zunächst die beiden oben wiedergegebenen Sätze über die »Fahrt durch Dili« und fährt dann fort: Weiter berichtet Stone über Leichen. aber um einen Absatz gekürzt.ein Interesse daran zu haben.09. die in der New York Times. mit anderen kirchlichen Gruppen. daß viele der verbreiteten Berichte nicht nur übertrieben. die trotz ihrer schweren Verletzungen ohne ärztliche Hilfe geblieben waren. über die grauenvollen Verhältnisse in den Krankenhäusern der FRETILIN (die Portugiesen hatten den einzigen Militärarzt abgezogen.MCGILL UNIVERSITY... ich stieß fast durchweg nur auf Berichte vom Hörensagen. die er in seinem Interview über mich gesagt hat. dieser entscheidende Absatz hier gegen Ende. Stone sieht also alle drei Regierungen in diesen Propagandafeldzug verwickelt. dann hätte man zu keiner Zeit irgend etwas erreichen können.) Unbestreitbar hat es Ausschreitungen in großer Zahl gegeben . mit Menschenrechtsgruppen. und was er über das Ausmaß der Zerstörungen sagt. aber ich muß doch der Vorstellung widersprechen. die solche Analysen der Presseorgane veranstalten. mit der amerikanischen katholischen Bischofskonferenz. der alles auf den Punkt bringt. die ihr dabei in die Hände gefallen . Seltsamerweise scheinen alle drei beteiligten Regierungen . MONTREAL Arnold Kohen Also wissen Sie.auf beiden Seiten. allerdings weisen viele Häuser Einschußlöcher auf. zieht man in Betracht.75) greift nämlich Stones Artikel in der New York Times auf und schreibt zunächst. Ob diese aber mit Vorbedacht begangen und von der Führung der FRETILIN oder der UDT gedeckt waren. es hätte da eine EinMann-Lobby oder sowas gegeben. Meyer Professor Chomsky und viele der Leute.. geht jedoch noch weiter.. und schon gar nicht hätten wir die Sache so lange in Gang halten können. Denn ich glaube. den gewünschten Gang der Geschichte herzustellen. daß »die Verwüstungen. wird durch geschickte Bearbeitung umgefärbt. Was hat nun aus den hier zitierten Texten die Bearbeitung in der New York Times überlebt? Auf der Fahrt durch Dili konnten wir erkennen. Der Prozeß.. die Lage so chaotisch und verfahren wie möglich erscheinen zu lassen (. Indonesien und Australien .« das angeblich niedergebrannt worden war. und andere Ärzte gab es nicht . einem Vorfall auf den Grund zu gehen. die auf der Straße liegen. Newsweek (International Edition 15. ich bin Karl Meyer ja dankbar für die schönen Sachen. Er nahm es dann ganz genau: War zum Beispiel in der Londoner Times etwas über Osttimor erschienen und hatte die New York Times das übernommen. und viele haben keine Ahnung. hatte er eine Sammlung mit allen Artikeln. bis auf die zerstörten Fensterscheiben unversehrt vor (. Oft habe ich versucht. wie es dann geschah. die der Kampf der rivalisierenden Gruppen um die Vorherrschaft auf Timor hinterläßt. sondern geradezu Teil einer geplanten Lügenkampagne sind (Hervorhe- bung von uns). wenn es kein weit gespanntes Netz gegeben hätte. ist doch sehr fraglich. und über Zivilpersonen. IN DER NEW YORK TIMES Karl F. hat die marxistische FRETILIN-Partei die gemäßigte Timoresische Demokratische Union (UDT) aus der Hauptstadt vertrieben und die vielen Gefangenen. 110 Stones Feststellungen zu den gezielten Propagandalügen Indonesiens und der westlichen Regierungen fällen gänzlich unter den Tisch.) Im Licht dieser Erfahrungen bin ich davon überzeugt. daß die Stadt durch die Kämpfe schwer gelitten hat.. Wie er weiter enthüllt. der Washington Post und anderen Blättern über Osttimor erschienen waren. Nicht gestrichen haben die Redakteure der New York Times Stones anschließende Wiedergabe von Berichten Gefangener über das Verscharren von Leichen.) sowie über »Prügelspuren« (so der einzige Zwischentitel im gesamten Artikel) und andere Gefangenenmißhandlungen seitens der FRETILIN. dann sagte er: »Seht mal..

daß die Invasion. sondern sogar ein Produkt gezielter Propaganda sind. was wir glauben sollen: Von »marxistischen« Terroristen sind nur Gewaltakte zu erwarten. Da sucht ein Journalist ein Gebiet auf. weil die Indonesier das Gegenteil behaupten und die gesamte US-Presse sich dem anschließt.so wie die New York Times ihn gebracht hatte ..[*]: In seinem Bericht an das australische Parlament teilt James S. 1 S.von Newsweek aufgegriffen. The Political Economy of Human Rights Bd.. 135-137 111 . und kommt zu dem Schluß.. Dunn mit. Genau so sehen es auch alle anderen wohlinformierten Beobachter. auf allgemeines Verständnis stößt. Und zum Schluß kann Newsweek feststellen. durch die das indonesische Militär mit amerikanischer Unterstützung »die Ordnung wiederherstellt«. Und so wird dafür gesorgt. »waren die Führer von Anfang an bemüht. ihre Partei stuft er als »katholisch-populistisch« ein.)«. Der wurde dann . und Befreiungsbewegungen sind ein Graus. Bestärkt wird das. Dann sorgt die New York Times durch sorgfältige Bearbeitung dafür. waren.. sie hat ihn überarbeitet und ihm eine völlig neue Färbung gegeben. wir erwähnen das hier nur. systematischen Mißhandlungen unterworfen (.) So werden durch Stones Reportage die Erzählungen der mittlerweile 4000 Flüchtlinge aus Timor erhärtet. Wie er weiter hervorhebt. zwischen ihrer Partei und der kommunistischen Bewegung und ihrer Ideologie eine Trennlinie zu ziehen (. Sie hat nicht nur einen einzelnen Absatz weggelassen. In der Londoner Times gab es einen ziemlich zutreffenden Bericht. Zum Schluß war es eine einzige Weißwäsche. daß die BÜRO IM MIT Führungsschicht der FRETILIN überwie- Chomsky gend »aus gläubigen und praktizierenden Katholiken« besteht. Den hat die New York Times radikal verändert. der Reporter habe den Wahrheitsgehalt der Berichte bestätigt gefunden. aus dem Verwüstungen und Ausschreitungen »der marxistischen FRETILIN-Partei« [*] berichtet werden. daß seine wichtigsten Schlußfolgerungen verschwinden und andere abgewandelt werden. daß die Berichte weitgehend nicht nur unzutreffend. Diese Episode lehrt uns einiges über die Machenschaften der Freien Presse.

die der britische TV-Journalist Max Stahl aus dem Lande schmuggelte.. Durch Filmdokumente von dem Massaker. aber durch das Medienecho auf das Massaker von Dili sahen sich doch einige der Länder.und gerade in diesem Fall ohne eine einzige Ausnahme. den Zeitdruck bis zum Redaktionsschluß usw.es ist ständig vorgekommen. würde ich Ihnen ja zustimmen. 93 . bei dem 273 Timoresen starben. die Wirtschaftsinteressen in Indonesien hatten. Ein anderer Zeuge der Massaker. Dollar unangetastet. und 112 Hunderte verschwanden in den beiden folgenden Monaten).] Zwar regt man sich bei uns gewöhnlich nicht darüber auf. Quellen: Elaine Brière. die Hast. Das ist systematisch und konsequent. ich kenne diese Branche. Meyer Und ich habe zu ihm gesagt: »Es könnte doch sein.. Außerdem wurden ca. was dann zur Gründung des East Timor Action Network/US (ETAN/US) führte. zu einer Reaktion genötigt. die von einem Jahr auf das andere ihre Hilfe um 200 Mio.Verwundeten waren auch zwei US-Journalisten: Alan Nairn von der Zeitschrift New Yorker und die WBA-Reporterin Amy Goodman (WBA ist eine progressive New Yorker Hörerstation). Dollar aufstockte. Die kanadische Regierung fror Entwicklungshilfe in Höhe von 30 Mio. Aber. 160 Personen verletzt. November 1991. daß durch die internationale Presseberichterstattung Druck ausgeübt wird.Meyer. wenn es nur ein oder zwei oder drei Mal vorkäme. dann muß es da noch etwas anderes geben. [Wir hätten gern einiges von diesem Material in unseren Film übernommen. Mr. zweimal. Unter den . Upstream Journal März/April 1993. zeigte sich an dem Massaker vom 12. Dafür sprang dann die Indonesien-Konsultativgruppe der Weltbank ein. ETAN/US Newsletter No. Meyer Ich sagte: »Professor Chomsky. fünfmal. Dollar ein. hundertmal vorgekommen . viele andere »verschwanden«.« BÜRO IM MIT Chomsky Und es ist nicht einmal. . aber Yorkshire TV verlangte dafür 4000 Dollar ganz im Gegensatz zu fast allen anderen Quellen oder Archiven. das war kein unbeabsichtigter Ausrutscher. auch andere Staaten kürzten ihre Hilfsprogramme. Wissen Sie. der Standfotograf Steve Cox. Wie wichtig es ist. also die USA wurden nur reingewaschen.es sind eben unvollkommene Institutionen. daß Sie die Unkenntnis.PODIUMSDISKUSSION. wenn es ein dutzendmal passiert. erfuhr die Weltöffentlichkeit von den Verbrechen. drei davon sind im Film zu sehen. Eine weitere Folge der damaligen OsttimorBerichte in den Medien war ein gesteigertes Interesse für die Unterstützergruppen. Es passiert ein dutzendmal .« Worauf er sagte: »Ja. geschah das aus Sicht der .durch Schläge . IN DER NEW YORK TIMES Karl F. die uns ihr Material gegen Erstattung der Kopierkosten und Erwähnung im Abspann frei überließen. HARVARD UNIVERSITY Karl F. 7 Sept. ließ allerdings die laufenden Programme im Umfang von 46 Mio. mißverstehen und darin eine Art bewußtes Handeln zur partiellen Unterdrückung einer Geschichte zu erkennen glauben.« BÜRO IM MIT Chomsky Und als man dann darüber berichtete. wenn Timoresen umgebracht werden (drei Tage später starben weitere 80 junge Männer und Frauen. stellte uns großzügigerweise alle seine Aufnahmen zur Verfügung.

Die Soldaten waren in dunkelbraune Uniformen gekleidet und hielten genaue Formation ein. Das Ganze war ganz einfach ein geplanter Massenmord. hat manchmal enorme Auswirkungen. Und am nächsten Tag äußerte sich der indonesische Militärkommandeur lobend über das Massaker: Es sei die Politik der Armee. Sie exekutierten Schulmädchen.eine der schlimmsten unserer Tage . die noch laufen konnten. die sich den Boden aneignen. war das indonesische Militär ausgeschwärmt und verhaftete in Städten und Dörfern jeden Timoresen. unter Namen wie »Operation Ausrottung« oder »Operation Ausfegen«. Als der Zug am Friedhof ankam. sie würden alle umbringen. In Hunderten von Versammlungen im ganzen Land drohten die Indonesier. Zitternd vor Angst oder schreckensstarr stürzten die Menschen blutend zu Boden. Als wir nach rechts die Straße entlang schauten.also die Völkergemeinschaft . Bei meiner Rückkehr nach Osttimor im letzten Oktober war die Atmosphäre des Terrors noch drückender und die Repression noch härter. widerspenstige Timoresen zu erschießen. der vielleicht die Beherrschung verlor. Schätzungsweise ein Drittel der Bevölkerung haben die Indonesier umgebracht.. na ja. über Unterdrücker. auch nicht irgendeinen Hitzkopf. den man im Verdacht hatte. war nicht mehr und nicht weniger als eine kaltblütige Hinrichtung.. dann versetzten sie ihr Faustschläge ins Gesicht und in den Magen. die noch Widerstand leisten. das indonesische Militär würde sich angesichts der Präsenz von Ausländern zurückhalten und nicht angreifen. doch die meisten blieben draußen. Da kamen indonesische Soldaten anmarschiert. was denkt die Bevölkerung. Was ich da mit ansehen mußte. Die Straße war von Blut bedeckt. ein Massaker an unbewaffneten und schutzlosen Menschen.ungehindert ihren Fortgang..IN DER NEW YORK TIMES Karl F. dann werden sie Osttimor schlucken und . Wir glaubten nämlich. wie die Soldaten über die Leichen am Boden sprangen und diejenigen jagten. Es hatte keine Provokationen gegeben. versuchten sie unter ängstlichen Rufen zurückzuweichen. die sich irgendwie selbst . Die Frauen in Timor zwingen sie zur Geburtenkontrolle. Es gab überhaupt keine Konfrontation.den Indonesiern erlauben.etwa 3000-5000 Menschen. geschah das Unvorstellbare. Aber noch nirgends hat eine Regierung so viele Menschen derart in Angst und Schrecken versetzt wie hier. Wenn wir . die mit der Delegation sprechen würden. verprügelten uns und nahmen unsere Fotoapparate und Kassettenrecorder weg. stellten sich in Formation auf und eröffneten schlagartig das Feuer auf eine friedliche.aus Mittelamerika. ihre M16-Gewehre trugen sie vor der Brust. gingen sie mit den Gewehrkolben ihrer M16 auf meinen Kopf los. Als die Menschen 113 diese nicht enden wollende Kolonne unaufhaltsam näher rücken sahen. so daß ich einen Schädelbruch davontrug.und Militärregimes zu berichten . als die Schüsse einsetzten. was schreiben die Zeitungen. CBC RADIO. manchmal aber überhaupt keine. auf der Straße zu demonstrieren oder den geringsten Widerstand zu zeigen. sie möchten es einfach als Beutemasse ansehen. war er bereits sehr lang . führen sie großangelegte Militäroperationen durch. wehrlose Menschenmenge. Viele sind in Konzentrationslagern eingesperrt. Einige schritten in langer Reihe zu Sebastiaos Grab. Ich sah. Gegen diejenigen.) Zuerst zerstreute sich die Menge. während das Schießen nicht nachließ. Und wenn mal einige Menschen den Mut aufbringen. Sie marschierten um die Ecke. Meyer Das läuft alles viel hintergründiger ab als in der Dampfhammer-Rhetorik dieser Leute. Ich habe schon ein Dutzend fahre damit verbracht. die Menge verhielt sich ruhig und wich zurück. (. werden sie sofort massakriert. junge Männer und alte Leute. in Osttimor zu bleiben. zwischen der Straße und der Friedhofsmauer. Südafrika und dem Nahen Osten. ohne auch nur einen Moment stehenzubleiben. Als ich mich über sie warf. die da zwischen A und B eine Gleichung aulstellen: Was tut die Regierung. Amy packten sie bei den Haaren. Doch als wir noch dastanden und die Soldaten geradewegs auf uns zukamen. Ich ergriff Amy Goodman von Radio WBAI/ Pacifica und stellte mich mit ihr an der Straßenecke zwischen den Timoresen und den Soldaten auf.. keine Steinwürfe. sie schossen sie gezielt in den Rücken. Darüber hinaus holen sie ständig indonesische Siedler ins Land. erblickten wir eine lange Marschkolonne. Gleichzeitig fielen einige Soldaten über Amy und mich her. und überall lagen Tote und Verletzte. Was die New York Times schreibt. die sich langsam näherte. vielleicht mit der Delegation Kontakt aufnehmen zu wollen. Da eine portugiesische Parlamentsdelegation im Auftrag der UNO das Land in Kürze besuchen sollte. legten an und schossen Salven in die Menge. aber dann strömten die Menschen auf die Straße. MONTREAL Elaine Brière Und so nimmt diese Tragödie in Osttimor . Es war eben keine unklare Situation.

92 vor dem UNO-Entkolonisierungs-Sonderausschuß (Nairn schreibt für die Zeitschrift The New Yorker) 114 Organisierter und koordinierter Druck von unten macht sich nach und nach durchaus bemerkbar.. tragen sie einen wesentlichen Teil der Schuld an einem der . »ihnen auf einer Landkarte gezeigt. darunter auch Menschenrechtsfragen. Dollar.3 Mio. wurden sie abgewiesen. sobald die Untersuchung des Massakers abgeschlossen sei. man hatte sich bei der ursprünglichen Lieferung der Flugzeuge an Jordanien diesen Zustimmungsvorbehalt gesichert (. angeheizt hätte und am Ende außer Kontrolle geraten wäre. Außerdem habe er. hier wird keineswegs nur gezeigt. dann gäbe es Proteste und Druck. die Timoresen standen nur still oder versuchten. Dollar an Djakarta geliefert wurde. so ein Beamter des Ministeriums.nicht ohne dabei von der Bush-Regierung und von Großunternehmen wie etwa AT&T Widerspruch zu ernten.07. auch wenn dies einen Rückgang gegenüber den Siebzigern und Achtzigern bedeutet. Das sieht man im Fall der amerikanischen Indonesienpolitik an dem Verhalten diverser Regierungsorgane. In diesem Fall sind sie regelrecht Komplizen des Völkermords.also vielleicht an dem schlimmsten Völkermord seit dem Holocaust [bezogen auf die Gesamtbevölkerung].« Präsident Suharto reagierte auf das Massaker auf seine Weise: Er ließ die Osttimoresen in einem betont lächerlichen Licht erscheinen. weil niemand etwas davon weiß. man ließ die Timoresen auf der Straße verbluten. doch hatte hier der Kongreß zum ersten Mal Sanktionen gegen Indonesien wegen der Timorfrage verhängt (. Dezember setzte derselbe General Sutrisno noch hinzu. Als Nonnen herbeieilten. Indem also die Medien die Fakten unterdrücken.« Aus Alan Nairns Aussage am 27. sich zu entfernen. Ende 1992 strich der Kongreß die im Budget 1992/93 für Indonesien vorgesehenen Mittel im Rahmen der Militärischen Ausbildung im Ausland . In seinem Munde waren die Opfer von Dili »Kleinkram«.. Der letzte Kongreßbericht schätzt. Die entsprechende Resolution . dieses Osttimor lag. daß die Kolonne bereits vorher den Befehl zu einem Massaker erhalten hatte. Solche Agitatoren und ähnliche Übeltäter gehören erschossen. Zwar stellten diese 2. um sie zu stoppen.. wie sich die Medien der Macht unterwerfen. In einer Rede vor Absolventen des Nationalen Verteidigungsinstituts verkündete der Oberbefehlshaber der indonesischen Streitkräfte. Sie eröffneten das Feuer auf ein Zeichen hin.. Und über dieses winzige Ding gibt es so viel Aufregung. »alle separatistischen Elemente auslöschen. als einige Regierungschefs ihn darauf ansprachen. amerikanische FSE-Jagdflugzeuge an die indonesischen Streitkräfte zu verkaufen. Zwischen ihnen und der Menge hatte es überhaupt noch keine Verwicklungen gegeben. »zerschmettert werden müssen. man werde.IM MIT Chomsky Ich denke. So beliefen sich die Waffenverkäufe der USA an Indonesien im Jahre 1991 immer noch auf mehr als 100 Mio. Nachdem die Armee die Timoresen niedergemäht hatte.) Ende Juli [1993] gab das Außenministerium bekannt.) Im März 1993 verurteilte die UNO-Menschenrechtskominission in Genf die indonesischen Menschenrechtsverletzungen in Osttimor. wo diese winzige Insel.) Man könne. Wenn etwas darüber bekannt würde. Die Lieferungen umfassen sowohl modernste Flugzeuge als auch das [bei dem Massaker in Dili eingesetzte] Automatikgewehr M16. Da haben alle gelacht. für weitere 32 Mio. die sich vor dem Friedhof versammelt hatten. General Try Sutrisno. Dollar versorgte Indonesien sich auf dem freien Waffenmarkt der USA. sperrte sie das Gelände ab.. daß Timoresen wie die. dem Handel nicht zustimmen« (. daß 1993 im Rahmen des Regierungsprogramms für Waffenverkäufe US-Gerät im Wert von 11 Mio. welche die Ehre der Regierung besudelt haben. ohne Vorwarnung. Jordanien würde keine Genehmigung erhalten. Das Verhalten der Soldaten läßt nicht den geringsten Zweifel daran aufkommen. können diese Verbrechen ungehindert weitergehen. um Erste Hilfe zu leisten. »infolge verschiedener sensibler Punkte. Denn nur.« Und am 9. Dollar nur einen Bruchteil der gesamten US-Hilfe dar. und dafür werden wir sorgen..

Es müssen sich nur genügend viele Menschen bereit finden.. Alles. Radical Priorities S.. daß Indonesien über den Hebel der Entwicklungshilfe zur Beachtung von Völkerrecht und Menschenrechten veranlaßt werden sollte. Dollar erhalten. ist das Ergebnis von Entscheidungen.war von der Clinton-Regierung mit eingebracht worden . Winter 1993). die den sofortigen Abzug der indonesischen Truppen forderten. Der Präsident muß fortan vor jeder Genehmigung größerer Waffengeschäfte die Zustimmung des Kongresses einholen. vielleicht sogar tiefgreifend umgestaltet werden. Man vergaß nur zu erwähnen. die Institutionen können verändert. wonach kanadische Hilfsdollars nur für kanadische Produkte ausgegeben werden dürfen. 7 Unter den Empfängerländern kanadischer Entwicklungshilfe steht Indonesien an zweiter Stelle. Die militärischen Güter. mutig und ehrlich an der Herbeiführung von Gerechtigkeit und Freiheit zu arbeiten. eine Organisation zur Förderung des Asienhandels. Issues. Es dürfte das erste Mal sein. 7 No. Asia Pacific Foundation of Canada. Die kanadische Regierung stellte sich angesichts des indonesischen Einfalls in Osttimor blind.. 1. Kanada gibt mehr Hilfe an Indonesien als die USA. die von Menschen und in menschlichen Institutionen gefallt werden.) Aber ganz gleich. von der kanadischen Politik der Lieferbindung profitieren. ETAN/US Network News No. 1993 S.) Zur Zeit hängt das Gesetz irgendwo im parlamentarischen Verfahren (. 1-3 Was kann nun ein junger Mensch da tun? Alles. Das Land hat seit 1985 jährlich zwischen 45 und 75 Mio. Mehr als 300 kanadische Unternehmen sind dort in Industrie. und daß zweitens eine denkbare indonesische Reaktion auf den kanadischen Druck sich wiederum schmerzhaft auf die kanadischen Wirtschaftsinteressen in Indonesien auswirken könnte (vgl. Importgeschäften und im Consulting tätig. Bd.ein bemerkenswerter Kurswechsel gegenüber der früheren Blockadehaltung der USA zu ähnlichen Entschließungsentwürfen. Japan gibt übrigens am meisten. was da geschieht. wandte sich dagegen. Nichts von alledem folgt aus unüberwindlichen physikalischen Gesetzmäßigkeiten. 277 . Elaine Brière. The Indonesia Kit. also die kanadische Geschäftswelt. enthielt sich Kanada der Stimme. Die Asia Pacific Foundation. Diese Entscheidungen können beeinflußt. Kaum 6 Monate nach der Invasion gewährte man Indonesien ein Hilfspaket im Wert von 200 Mio. zu diesen zählen auch zehn Waffenhersteller. Transportflugzeuge sowie Triebwerke vom Typ Pratt&Whitney für die in Indonesien montierten Bell-Hubschrauber. Fahrzeuge. in dem weitere Waffenverkäufe an Indonesien an die Beachtung der Menschenrechte in Osttimor geknüpft wer- 115 den. Bei UNO-Anträgen. East Timor Alert Network Es ist ein Schritt von historischer Bedeutung. daß Waffenverkäufe an einen unserer Verbündeten von Menschenrechtsbedingungen abhängig gemacht werden (. daß erstens die Träger dieser Organisation. ob es nun in diesem Jahr noch in Kraft tritt oder nicht: Der Antrag hat bereits jetzt der Sache Osttimors in Washington — ja im ganzen Land — Auftrieb gegeben. Dollar. ETAN/US Network News No. daß der Außenpolitische Senatsausschuß jetzt einstimmig einen Antrag verabschiedet hat.. Dieses bizarre Verhalten hat seine Wurzeln in der Vergangenheit: 1970 wurde Indonesien von Kanada zu einem »Brennpunktland« für Hilfsprogramme und Handelsbeziehungen erklärt. die Kanada seit 1975 an Indonesien geliefert hat. 8 Nov. umfassen Munition.

Außerdem sind unsere Studios zu klein für die vielen Personen und ihr Gerät. Ich habe mit einigen Kollegen darüber gesprochen und meine. daß die Videoaufnahmen unsere eigenen Aufnahmen zu sehr stören würden (. zweigten wir den Ton im Kontrollraum hinter der Bühne ab und postierten unsere Kameras in der Projektorkabine hinter Doppelfenstern an der Rückwand des Saals. Die von »Ideas« produzierten Radiodokumentarsendungen gehören zu den besten der Welt.MA . zum Glück sagen Sie sowas nicht. Chomsky Natürlich tue ich sowas nicht und würde es auch nie fordern.Greuel begehen. Für die Veranstaltung wurde geworben. Und Sie postulieren einen Test der moralischen Ehrlichkeit. Leiter der Abteilung für Journalismus an der Uni- 116 versität. die wir uns bei dem Film gesetzt hatten. diese öffentliche Veranstaltung zu filmen. Ich sage doch gerade das Gegenteil . die an der Decke des Hörsaals angebracht war. schrieb uns: »(. Max Allen . die sich über eine Woche erstrecken und Kanadas angesehenstes Rundfunkforum darstellen. Chomsky Das behaupte ich keineswegs. KANADA David Frum (Journalist) Nach Ihren Worten ignorieren die Medien bestimmte Greueltaten. Chomsky Das ist völlig falsch. die Öffentlichkeit hatte Zutritt. Wir baten um Filmerlaubnis bei der Aufnahme der Vorträge und der Abschlußdiskussion. Für den Runden Tisch mit den Journalisten war ein Hörsaal der Ryerson-Universität in Toronto vorgesehen. die keiner Seite anzulasten sind und die mit Ihrer ideologischen Position nichts zu tun haben.. der Produzent. daß Sie nicht nur die Opfer der anderen Seite ignorieren. Um die Reflexionen zu vermindern. . dabei erhält ein Denker von Rang an fünf Abenden je eine Stunde Sprechzeit. Die Massey Lectures von 1988 durfte Noam Chomsky halten. wenn die andere Seite . CBC RADIO. Alljährlich werden dort auch die Massey Lectures veranstaltet. Der Filmemacher Dan Garson setzte sich in den Saal und stellte seine 8mmVideokamera mittels eines Mini-Stativs auf seinen Klapptisch. Bernd Lucht.unsere Feinde . Chomsky Nach den gleichen Grundsätzen. verdunkelten wir die Kabine.) Ich lehne das ab. Nach einem Gespräch mit ihm beschlossen wir.verwehrte unseren Kameras den Zutritt zu den CBC-Studios. daß im Prinzip alle Toten gleich sind. David Frum Ihre Methode sieht also so aus. würde die für uns unverzichtbare Intimität verletzt. Hinter der ablehnenden Haltung von Lucht und Allen dürfte der Wunsch stehen. deren Studios ein Viertel der Größe der CBC-Räume aufweisen und die uns ebenso mit offenen Armen empfing wie buchstäblich jeder winzige Lokalsender auf der Welt. sie enthielten auch eine Fragerunde mit kanadischen Journalisten.. der mit den Zielen. Als Moderator der Podiumsdiskussion war Stuart McLean vorgesehen. spielen es aber ungeheuer hoch. David Frum Ich meine. So hatten wir bei diesem Anlaß schließlich vier Kameras im Einsatz.aktives Mitglied einer Organisation für »Gesellschaftliche Verantwortung in den Medien« .AUS »IDEAS«. David Frum Aha. indem man sozusagen die Leichen gleich behandeln müsse. denn Sie tun's ja auch nicht.) Wenn neben den unmittelbar Beteiligten auch noch ein Videoteam dabei wäre. doch der Chef der Serie. sympathisierte.« Man vergleiche dies mit der BBC in England. sondern auch alle Leichen. Als weiteren Videokanal aktivierten wir eine ferngesteuerte Uberwachungskamera. Da wir die Bedenken des Produzenten gegen jede Störung ernst nahmen. die exklusive und uneingeschränkte Kontrolle über alles zu behalten.daß wir nämlich in erster Linie die Verantwortung für unsere eigenen Handlungen übernehmen sollten... die von uns oder unseren Freunden begangen werden.

dann will ich Ihnen ein Beispiel nennen.27. fragen Sie mal die Kurden . die wir als »harmlose Blutbäder« bezeichnen und die allen egal sind. Man ist für die voraussehbaren Konsequenzen der eigenen Handlungen verantwortlich. Das sind aber in der großen Mehrzahl der Fälle solche. ich bin doch nicht Amnesty International.ich meine die Leute. wie Sie es formuliert haben. On Power and Ideology S. Ethisch ist es doch eine ganz einfache Sache: Man ist für die zu erwartenden Konsequenzen der eigenen Handlungen verantwortlich. Einmal die.. was wir alles geschrieben haben. Das Prinzip. Wie moralisch das eigene Handeln ist. Für die zu erwartenden Konsequenzen der Handlungen anderer ist man nicht verantwortlich. die sich auf Menschen auswirken.also wissen Sie. und schließlich die abscheulichen Blutbäder. Wir behandeln darin drei Arten von Greueln.. 51 117 Zur Palästinenserfrage vgl. the United States. Sinn und Nutzen haben immer solche politischen Aktionen. 2. Kap. Sie engagieren sich ja stark für die palästinensische Sache. Oder lesen Sie mal. die kommen zu mir. Aber schauen Sie beispielsweise mal in das Buch. die uns zusagen. lautet nicht so. was Sie und ich beeinflussen können. Das ist nicht moralischer. Interviews 9.36 • Diverse Aufsätze in Z Magazine bis Oct. Das ist völlig falsch. die man selbst beeinflussen kann . nach dem wir uns meiner Meinung nach richten sollten. ich unterschreibe ihre Auf rule usw. The Fateful Triangle: Israel. »Rejectionism and Accommodation« Vgl. das Edward Herman und ich zu diesem Thema geschrieben haben. Also über das. Jahrhundert verübt wurden. die da mitmachen . dann die konstruktiven Blutbäder. werfen Sie nur mal einen Blick . sowie bereits früher in Peace in the Middle East (1974) . als Verbrechen zu verurteilen. Ich arbeite schon jahrelang in kurdischen Unterstützergruppen. Die Verbrechen anderer zu verurteilen. über die Folgen unserer Handlungen nachzudenken. Ich meine. mit welchen Auswirkungen man dabei rechnen muß. ich kann nicht alles machen. 93 über das Friedensabkommen. hängt davon ab. Für die voraussehbaren Konsequenzen der Handlungen anderer ist man nicht verantwortlich. 371-405 (aus The Fateful Triangle) • Pirates and Emperors: International Terrorism in the Real World • Towards a New Cold War • Necessary Illusions • Chronicles of Dissent. und jede palästinensische Leiche lastet schwer auf Ihrem Gewissen. Ich bin nur ein einzelner Mensch. Chomsky Das stimmt überhaupt nicht. Für mich und für Sie ist es am wichtigsten.in meinem Fall also die Handlungen der Vereinigten Staaten. also was die Bösen anrichten. fällt nicht schwer. and the Palestinians.6 • Language and Politics.David Frum Gut. Eine kurdische Leiche aber nicht. auch • The Chomsky Reader S. die im 18.

Aus einem Briefwechsel mit Dr. Celia Jakubowicz. denn die wären ja entsetzt. in die wir verwickelt sind. in die wir als Bürger einer demokratischen Gesellschaft direkt verwickelt sind und für die wir Verantwortung tragen. 374 118 . diesem Verbrechen ein Ende zu setzen.) Der einzelne US-Bürger ist aber kein Gangster. Wir haben es mit realen Menschen zu tun. wenn sie das Blut erkennen würden..dann wäre er entsetzt und würde sofort nach besten Kräften versuchen.. Und die Medien sorgen nun dafür. nur weil sie es zulassen. Würde er sich klarmachen. So würde sicher kaum jemand einem halbverhungerten Kind die Mahlzeit rauben. was er da tut . Folglich muß man verhindern.nicht einmal die Wünsche der Menschen in Amerika. daß statt der Bedürfnisse der leidenden Menschen die Interessen der Macht berücksichtigt werden . So haben beispielsweise die USA in Mittelamerika für eine Steigerung der Agrarproduktion gesorgt. Der Grund: Die Erträge des Bodens befriedigen nicht die Bedürfnisse der einheimischen Bevölkerung. Und doch rauben die Amerikaner in großem Umfang hungrigen Kindern das Essen. und zwar infolge einer Politik.IM MIT Chomsky Dies muß man im Auge behalten. daß wir unserer Verantwortung nicht gerecht werden. nicht erwischt oder bestraft zu werden. Wir analysieren nicht die Medien auf dem Mars oder die des 18. würde mit Recht als pathologischer Fall eingestuft werden. daß er über diesen Aspekt der Wirklichkeit Klarheit gewinnt. die leiden oder sterben müssen. Man kann es doch so sagen: Die meisten Menschen sind keine Gangster. Wir machen hier doch keine akademischen Übungen. Wer es doch täte. während zur selben Zeit die Ernährungssituation sich verschlechterte und Millionen von Menschen Mangel leiden oder sogar verhungern. Jahrhunderts oder dergleichen. die gefoltert werden oder verhungern. abgedruckt in Language and Politics S. sondern dienen den Exportinteressen der Agrarindustrie (. auch wenn er selbst Hunger hätte und sicher sein könnte. das an ihren Händen klebt. vom System derartig irregeleitet und manipuliert zu werden. und in diesem Sinne sind eben nur wenige Menschen pathologisch.in großem Umfang hungrigen Kindern das Essen rauben .

.UNION HALL. müssen wir hier in den USA Unruhe stiften. es erweckt geradezu Ehrfurcht. Doch wir verstehen es sehr gut. so moralisch und so mutig sein. unterstützt von den USA und ihrem Vasallen Israel.ich verstehe es gar nicht. Feuer. Der Mut dieser Menschen ist wirklich beeindruckend. Mißhandlungen und Folter erleiden. Und nachmittags würden wir im Radio vernehmen. »die ihre Ketten ihnen gewähren. ENGLAND Chomsky Was ist mit der Dritten Well? Nun. Und von uns wiederum hängt es ab. an die Nieren gehenden Geschichte des Terrors und der 119 Tortur in unseren Protektoraten stellen einer Geschichte. in Dörfern in Südostasien und Mittelamerika und kürzlich auch im besetzten Westjordanland davon Zeuge zu sein. dann meine ich. Unsere ideologischen Institutionen sind so effektiv. aber vor allem benötigen sie unsere Hilfe. welche Freiheit und Gerechtigkeit für die Ruhe und den Frieden hingegeben hätten. Einigen gelang die Flucht. der ihnen durch Unruhe und Dissens innerhalb der herrschenden Systeme geschaffen wird.eine Aktion.. behaupten können. Für sie hängt alles von dem Spielraum zum Überleben ab. sogar ihre eigenen Familienmitglieder mit Messern oder Knüppeln zu Tode zu bringen. Wir würden morgens das Radio anstellen und den Bericht über eine Aktion der guatemaltekischen Armee in der Provinz Quiche anhören .also wenigstens mich beeindruckt es . was vorgefallen war . Um ihnen einen Überlebensspielraum zu verschaffen. vergewaltigten und ermordeten die Frauen und massakrierten die Kinder. 17. auch für diesen Angriff erfolgte die Feuerleitung von einem amerikanischen Militärflugzeug aus. What Uncle Sam Really Wants S. die wir an ihnen verüben. die Schreie der Opfer unseres Handelns oder unseres Unterlassens zu vernehmen. und es ist in der Tat erstaunlich. hat sehr wenig von der Welt verstanden. MALASPINA COLLEGE. es steht Sklaven nicht zu. ENDE TEIL 1 Die wahren Opfer der hier beschriebenen Politik sind die Millionen. indem sie ihre Köpfe an einem nahegelegenen Fluß gegen die Felsen schmetterten. uns von dieser brutalen Wahrheit abzuschotten. CAMBRIDGE. weil diese auf der Seite der Widerstandsbewegung standen. sinken wir auf ein Niveau der Feigheit und moralischen Verkommenheit herab. die in El Salvador einen Bombenangriff auf ihr Dorf oder auf eine Flüchtlingskolonne überlebt hatten. Survival International und andere angesehene Menschenrechtsorganisationen zusammengetragen haben. America's Watch. Kurz. daß wir dies höchstens noch sporadisch wahrnehmen. 100-101 . wir müßten uns eigentlich der ganzen. das von einem Stützpunkt in Honduras oder Panama aufgestiegen war. Ob sie sich gegen die Gewalt. was ein portugiesischer Priester aus Timor uns mitteilt: Dort konnte die indonesische Armee. wie groß dieser Spielraum ist.) Ich denke dabei immer an eine verächtliche Bemerkung Rousseaus über die Europäer. Indem wir das aber tun. Im Verlauf dieser Aktion besetzten die Soldaten eine Kleinstadt und trieben die gesamte Bevölkerung in ein zentral gelegenes Gebäude. Mehr noch: Wir fachen damit ein Feuer an. sie berichteten. Ich selbst habe mehrmals das Privileg genossen (und es ist gewiß ein Privileg). die in der Dritten Welt Entbehrungen. Wir müßten eigentlich Tag für Tag so ehrlich.aber nicht uns. sich über die Freiheit auszulassen. trotz allein Schlimmen und Häßlichen ist dieser Kampf noch nicht zu Ende. Schwert und Tod ertragen. wie sie Amnesty International. wie die Scharen splitternackter Wilder mit Verachtung auf die verwöhnten Europäer blicken und um ihrer Unabhängigkeit willen Hunger. Der Kampf um Freiheit und Unabhängigkeit hört nie ganz auf.. es bewegt und inspiriert einen auch. das sich zu einem Flächenbrand steigern und aller Wahrscheinlichkeit nach am Ende auch uns verschlingen wird.« Rousseau weiter: »Wenn ich sehe. das in der heutigen Welt seinesgleichen sucht. Bewohner eines Dorfes dazu zwingen. Welch phantastischen Mut bezeugen sie doch (. Aus »The Drift towards Global War« in Studies in Political Economy Bd. Sommer 1985 Die Menschen in der Dritten Welt benötigen unsere Sympathie und unser Verständnis. Dann schlugen sie den Männern die Köpfe ab. die nur dank ständiger militärischer und diplomatischer Rückendeckung durch die USA existieren kann. was hier bei uns passiert. Abends schließlich könnten wir dann einigen der Opfer zuhören.« Wer dies für leere Worte hält. hängt zu einem großen Teil davon ab. NANAIMO Chomsky Es ist immer beeindruckend .

Nun. Was man auch aufnehmen mag: Bis der Film herauskommt. Wäre nämlich der Nahe Osten mehr als nur ganz peripher zur Sprache gekommen. nämlich . die 1993 kurz nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens entstand. tragen wir gerade durch die jüngsten Entwicklungen bei uns ein erhebliches Maß an Verantwortung dafür. und sollte ich mal wieder danach gefragt werden. hoffentlich überzeugend. einmal zeigen wir schon etwas. . Wir selbst wären sofort dazu bereit. Daher erschien es uns unmöglich. Wir haben die Fallstudien für den Film sehr sorgfältig ausgewählt und uns dabei an Chomskys eigenen Aktivitäten orientiert. vor allem in den USA höchst erfolgreiche. wie ich finde. Vergleichbares habe ich nirgends erlebt). ohne irgendwas über Israel zu lesen. aber ich bin mit dem einverstanden. Und dann konnten wir wohl auch nicht gut einen Film über die Medien in den neunziger Jahren machen und dabei den . das sich über fünf Jahre erstreckt. es betreibt eine. die sich in den USA 120 äußern. Doch diese Darstellung ist in zweierlei Hinsicht schief. 3-4 Ich werde häufig gefragt. vergeht mindestens ein Jahr. die über Chomskys nahöstliches Engagement im Bilde sind. Erstens geht es hier nicht um die komplette Geschichte Israels. die beim Aufdecken unangenehmer Wahrheiten in der eigenen Gesellschaft und Regierung ungewöhnlich hohen selbstgesetzten . nach der die Leute in die Pause gehen und über den Film diskutieren können. für deren Inhalt wir selbst verantwortlich sind oder die wir doch tolerieren. den ich nur widerwillig übernehme.Golfkrieg außen vor lassen.dafür hätten die mächtigen und fanatischen Kommissare schon gesorgt. Das ist mit Timor ganz anders. bringen wir hier im Buch einen Ausschnitt aus The Fateful Triangle: Israel.eine Passage über seine Solidarität mit Kritikern der israelischen Besatzungspolitik. verdanke ich der Arbeit kluger und mutiger israelischer Journalisten. warum der Film nichts über den Nahen Osten enthält. dann wäre das ganze. wenn uns jemand das Geld dafür bereitstellen würde.sogenannten .Ansprüchen genügt. Propaganda (die ihm. Wenn ich recht habe.eine ganz bewegende Szene. eher schadet). sondern allein um das. und inzwischen ist alles überholt. sind in hohem Grade von Personen geprägt. Als wir ihm seinerzeit mitteilten. the United States. Nötig wäre eigentlich eine ganze Serie über seine verschiedenen Interessen. Überhaupt weist der Film noch mehr Lücken in Bezug auf Chomskys Aktivitätsfelder auf denken wir nur an Mittelamerika.im Zusammenhang mit den Konflikten in der Dritten Welt . daß wir eine Fallstudie über Timor versus Kambodscha vorhätten sowie einen Abschnitt über den Golfkrieg. ich weiß es nicht. kann man keine letzte Aktualität anstreben. In Israel nun ändern sich die Verhältnisse beinahe jede Woche. einer Arbeit. sie leuchten mir ein. Allein zu diesem Thema könnte man leicht einen ganzen Film mit ihm drehen. denn in meinen Augen sollten sie sich richtiger als »Förderer des moralischen Verfalls und schließlichen Untergangs Israels« bezeichnen. The Fateful Triangle S. und nicht auch um das. Um einen gewissen Ausgleich zu schaffen. Vieles von dem. jedenfalls einige der wichtigsten. nimmt Israel recht kritisch ins Visier: Israel sperrt sich grundsätzlich gegen jede politische Lösung. Ich sage dann. war er einverstanden. Aber man kann doch heute keine Zeitung aufschlagen. was die Filmemacher beschlossen haben. Die Meinungen. Diese Passage steht sogar unmittelbar am Schluß des ersten Teils . (Positiv bewerte ich unter anderem die hebräisch schreibenden Zeitungen. Was ich jetzt sagen werde. Die Vorführung löste auch die Gründung zahlreicher Initiativen aus. Gewiß verzerrt der Film die relative Bedeutung der Gebiete. Bedenkt man dieses ideologische Klima und die daraus erwachsenden Aktionen der USA. Bei einem Filmprojekt. Sehr viele Menschen wurden durch den Film zum erstenmal mit dieser Sache konfrontiert. die sich »Förderer Israels« nennen .und Arbeitsgebiete. die Gründe hierfür werde ich später ausführen.Warum bringt der Film nichts über Israel? Diese Frage stellen uns gelegentlich Zuschauer. es praktiziert seit vielen Jahren Repression und Staatsterrorismus.ein Terminus. dann läßt Israels Politik und sein Verhältnis zu den USA nicht viel Gutes erwarten. daß mein eigentliches Anliegen die Politik der USA ist. and the Palestinians (1984) sowie eine Anmerkung von Chomsky. Zweitens läßt die Konzentration auf die Aktionen und Vorstöße Israels leicht vergessen. die auf eine Anerkennung der nationalen Rechte der dort heimischen Bevölkerung hinausläuft. innerhalb des zeitlichen Rahmens des Films Chomskys Nahost-Analysen gerecht zu werden. was ich für falsch und unhaltbar ansehe. was ich weiß.NC .Projekt eines raschen Todes gestorben . werde ich sie weitergeben. Insofern bin ich für Eure Begründungen dankbar. was ich akzeptiere.

Diese legte fest. Dies ist also die dritte Frage. was in der fer- . in denen nationale Rechte für die Palästinenser gefordert werden. Man betrachtete alle Widerstandshandlungen gegen das israelische Regime . daß inzwischen niemand mehr sie daraus hervorzuholen vermag. und so weiter und so fort.. Die USA machten ihre offizielle Haltung dazu unverzüglich klar.die arabischen Staaten. daß alle Staaten in der Region ein Recht auf Frieden und Sicherheit haben. in der die USA eine andere Position einnehmen als der Rest der Welt . Das hieß: Vollständiger Friede gegen vollständigen Rückzug. Sie behandelte den Terrorismus und verurteilte ihn in jeglicher Form. Dieses Abkommen übernimmt nun die amerikanische Blockadehaltung zu hundert Prozent. seit Mitte der siebziger Jahre der internationale Rahmen für eine Regelung sich insofern änderte. Europa. die PLO. Warum kleines schmutziges Geheimnis? Nun. seine Besatzungstruppen zurückzuziehen. gingen die USA erfolgreich dazwischen. In diesem Monat brach die Intifada los. wie eine Friedensregelung aussehen müßte. unsere NatoVerbündeten. Um diese Zeit war also ein diplomatischer Lösungsvorschlag perfekt: zweistufiges Vorgehen. Also praktisch einstimmig gegen Israel und die USA. es gab da einen unannehmbaren Abschnitt. Jede Abstimmung ging gleich aus: etwa 150 zu 2. selbst die USA.ich glaube. In dieser Frage nahmen die USA schon 1971 eine isolierte Haltung ein. Sie mußten dann alljährlich in der Generalversammlung dagegen stimmen.Es gibt ein kleines schmutziges Geheimnis. Alle hatten zugestimmt .nämlich mit solchen. In dieser ganzen Zeit herrschte eine gewisse Übereinstimmung in Bezug auf die Frage. dem hatten alle zugestimmt.als »gegen Israel gerichtete terroristische Akte«.beispielsweise Steuerboykotts . von vielen anderen mußten wir natürlich auch blockieren. Es ging gar nicht darum. Es war wirklich ein massiver Schritt gegen den Terrorismus. Die Abstimmung ergab 153 zu 2 (Israel und die USA) bei einer Enthaltung (Honduras). Israel und die USA legten die Generalversammlung praktisch lahm. Sie erklärte eine gewaltsame Landnahme ausdrücklich für unzulässig und forderte Israel auf. sondern auf das. Hierzu gab es ebenfalls eine wichtige UNO-Entschließung . Dann aber modifizierten die USA ihre Position. Israels Besatzungsregime traf auf offenen Widerstand. der den Interessen dieser beiden Staaten dient? Seit Dezember 1987 existiert noch eine dritte Frage. das man im Hinterkopf haben muß und das da lautet: Der Friedensprozeß im Nahen Osten wurde etwa 20 Jahre lang durch die Verhinderungspolitik der USA blockiert und zwar in jeder Hinsicht. könnte man meinen. bis vor kurzem das Abkommen von Oslo unterzeichnet wurde. im Jahre 1986. nur: Auch sie darf bei uns nicht ausgesprochen werden. haben das seinerzeit auch so verstanden. von der PLO. Vermutlich sind sie demnächst sogar für die Geschichtswissenschaft verloren. daß neben Israel auch die Palästinenser eine rechtmäßige Nation sein sollten. also einen Teilrückzug. Das haben die USA natürlich abgelehnt. vollends aber. Viele fahre lang standen also zwei Fragen im Raum. wodurch sich der Rat aus diesem diplomatischen Prozeß verabschiedete. Erstens: Geht es um Rechte nur für existierende Staaten oder auch für die Palästinenser? Anders gesagt: Gilt nur UN 242 oder gelten auch die anderen Resolutionen? Zweitens: Was ist mit einem Truppenabzug gemeint? Bedeutet das den Rückzug auf die internationalen Grenzen. eine Entschließung des Sicherheitsrats vom November 1967. Es ist nämlich die falsche Botschaft. Respektierung der international anerkannten Grenzen gemäß Resolution 242. die Drittweltländer usw. Israels Lebensrecht und seine Sicherheit anzuerkennen. Und mehr oder weniger aus den gleichen Gründen. Zu diesem Zweck mußten sie 1976 im Sicherheitsrat ihr Veto einlegen. daß die Entschließung sich nicht gegen das Menschenrecht auf Widerstand gegen rassistische Regimes und militärische Besatzung richten sollte. Garantien für die Sicherheit aller Staaten in der Region. Alle. Und die USA isolierten sich auch hier von der übrigen Welt. Hier gab es nun Widerstand gegen eine militärische Besatzung.. Wieso mußten die USA sich ausgerechnet einer Entschließung gegen den Terrorismus widersetzen? Nun. indem sie nur noch einen Teilrückzug verlangten . also eine zwischenstaatliche Vereinbarung.mit ganz wenigen Ausnahmen. nur weil wir nicht akzeptieren wollten. wie alle es sehen (bis 1971 auch die USA) ? Oder bedeutet das einen Rückzug nach dem Gusto Israels und der USA.was immer Israel darunter verstehen mochte. weil niemand die Sprache darauf bringen darf. die Russen. auch sie wird totgeschwiegen. Nur die Vereinigten Staaten stellten sich quer. das war kein Problem mehr.): Welcher Status kommt dem Widerstand gegen eine mili- 121 tärische Besatzung zu? Nun hat die Welt durchaus eine Meinung zu dieser Frage. Sie sollte sich auf die UNO-Resolution 242 stützen. Jedesmal. wie ich hinzufügen darf. Die Fakten werden unterdrückt und die Gedächtnislücke. als die allseits unbestrittene Resolution 242 mit anderen UNO-Resolutionen verknüpft wurde . die sofort aufhören müßten. nämlich bei der Frage (. in der sie versunken sind. wenn jemand einen diplomatischen Lösungsversuch unternahm. Nazideutschland im Jahre 1943 hätte wahrscheinlich das gleiche getan. Mit der Intifada nahm diese Frage praktische Gestalt an. Schaut man nämlich nicht auf die kurzfristigen Vereinbarungen.aus Arabien. Auf diesem Stand blieben die Dinge. ist so tief. welcher besagte. Vorstöße anderer Länder .

sondern von »Umgruppierung« im Gazastreifen. daß man und das schon seit 1968 . aber ein Briefwechsel zwischen Rabin und Arafat läßt auch hier keinen Zweifel aufkommen. wo die israelischen Siedlungen liegen. sie liefern einen beträchtlichen Teil der israelischen Exporte. darauf werde ich noch zu sprechen kommen. und das meiste ist Wüste. wertvoll ist nur der Küstenstreifen. dann dient als ausschließliche Grundlage nur noch UN 242. hängt sogar sehr stark von dem ab. daß die Intifada.einen beträchtlichen Teil der Westbank. Vielmehr werden gerade neue Wasserleitungen dorthin gebaut. jetzt nehmen wir mal eine Landkarte des Gazastreifens und schauen uns an. Vieles kann sich ändern. daß es nur einen Teilrückzug geben würde . Nur täuscht dieser Eindruck: Wenn man dort »Jerusalem« sagt. das hat auch Ministerpräsident Rabin deutlich gemacht. wissen wir nicht. als ob die New Yorker Polizei sich aus Harlem zurückzieht. Die Israelis könnten also ohne Probleme einen Abzug ankündigen. muß auf den existierenden Straßen meist israelisches Gebiet durchqueren. So heißt es allgemein. Gaza ist nur wenige Kilometer tief. annektiert worden. Wie israelische Experten festgestellt haben. dabei aber die größeren palästinensischen Bevölkerungszentren auszugrenzen. Es gibt dort auch große Touristenhotels mit künstlichen Teichen und ähnlichem. etwa 40 Prozent der Küste von Gaza umschließt.all das ist Bestandteil des Entwicklungsplans. Die Küste ist aber das einzig Wichtige am Gazastreifen. nämlich gegen den Widerspruch des Sicherheitsrats. Alles andere könnten die Israelis nach Belieben für sich behalten. meint man das sogenannte Großjerusalem. so sind diese für Israel sehr wichtig. Sie erzeugen damit etwa die Hälfte der israelischen Tomatenexporte und einen Großteil der Blumenexporte. benötigen sie viel Wasser . Mit anderen Worten. Man kann nicht vorhersagen. Wir aber nehmen uns alles. sich aus Groß-Jerusalem zurückzuziehen. Da sie in der Wüste liegen. und dann ziehen wir um diese eine Linie. Die andere legt fest. Die eine spricht von Abzug — genaugenommen nicht einmal von Abzug. Dann erkennen Sie. was die USA 20 Jahre lang gefordert haben. vor allem um Gush Kauf im Süden. Das stimmt aber nicht. denn für die Wüste interessiert sich niemand. den Straßen. was die Zukunft bringt. Sie genießen eine hohe Priorität. Jedenfalls werden sie aus Gaza-Stadt abziehen. aber bei genauerer Betrachtung sieht es doch etwas anders aus. daß Israel sich im Grunde im Gazastreifen frei bedienen kann. einschließlich einiger hunderttausend Palästinenser. ist die gesamte Siedlungspolitik der Arbeitspartei seit Anfang der siebziger Jahre stark hydro- . OK. Über die Frage des Truppenabzugs wird übrigens viel geredet. Was nun die Gush-Katif-Siedlungen im Süden betrifft. Israel leitet fünf Sechstel der Wasserreserven der Westbank auf sein Gebiet [und deckt damit ein Drittel seines Wasserbedarfs]. heute ist es offiziell dreimal so groß wie vor dem Krieg von 1967. Und in der Westbank sieht es genau so aus. Sie müssen sich nur mal in den Entwicklungsplänen für die Westbank 122 ansehen. Alles nutzbare Land. daß diese Objekte geräumt werden.auch dies also ein Sieg für die USA. Was kommen wird. Das ist ungefähr so. Am Ende steht also UN 242 und nur diese. Israel könnte überzeugend darlegen. daß eine solche Linie um seine Siedlungen herum. Und das dritte Gebiet-Jerusalem: Wie steht es damit? Jerusalem war seinerzeit illegal. Von den übrigen Resolutionen zugunsten der Rechte der Palästinenser auf Selbstbestimmung und Heimat ist nicht mehr die Rede. wir sind in der Wüste.und das. wo die Straßen und die Siedlungen liegen. man möchte nicht länger als Zielscheibe dienen. das Jordantal . In der Frage des Truppenabzugs wurde von Anfang an klargestellt. den Siedlungen und so weiter . daß wir für diese Bevölkerung keine Verantwortung übernehmen wollen. also genau das. den Mülldeponien. Ich wiederhole. Arafat übernimmt die Verantwortung dafür. Doch zur Zeit bestimmt das Abkommen. die natürlich in irgendwelche Winkel verbannt sind. Man findet in dem Vertrag zwei sich gegenseitig widersprechende Aussagen. Israel habe sich zur Räumung des Gazastreifens verpflichtet. der 40 Prozent des Territoriums ausnimmt. ob sie das wirklich tun werden. die hübschen Vororte in den Hügeln um Tel Aviv und Jerusalem. daß Israel die Kontrolle über die israelischen Siedlungen und die Zugangswege zu diesen behält. was uns nützlich erscheint. große Teile dieses Gebiets in die israelische Wirtschaft zu integrieren. Wir sind uns aber alle darin einig. während sie den Friedensprozeß aufhielten. vor allem das Wasser.neren Zukunft darauf folgen soll. Dementsprechend verlaufen die Hauptstraßen. Da gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. Sie sollen sich selbst verwalten und am Leben erhalten. Ob Sie es glauben oder nicht. Und ebenso natürlich beabsichtigt Israel nicht.das langfristige Ziel verfolgt. so gut sie können. Großjerusalem aber umschließt zusammen mit seiner Infrastruktur . Über die Intifada ist im Abkommen selbst nichts gesagt. Wer also von einer palästinensischen Stadt in eine andere will. so haben sogar einige israelische Kommentatoren bemerkt.also den Wasserleitungen. der in den Augen der USA ein gegen Israel gerichteter Terrorismus ist. Es ist kaum anzunehmen. mit deren Absatz in Europa das Land viel Geld verdient.ein Widerstand. rauben sie praktisch dem übrigen Gazastreifen. daß überhaupt jegliche Form des Widerstands gegen das israelische Regime eingestellt wird . was wir selbst tun.

und auch dort geht es einmal mehr um Marktbeherrschung. Mehr zum Friedensabkommen in Z Magazine Oct. als dies bisher schon der Fall war. Bleibt noch Europa . Seit der Errichtung der Neuen Weltordnung im Jahre 1945 hatten die USA stets darauf gedrungen. wie es noch einen Rest der Welt gab. daß sie die Wasserreserven kontrollieren. Erstens ist es nun. die sich wie eine gewaltige Woge in den achtziger fahren über die Erde gewälzt hat. eine politische Lösung. mit der Bündnisfreiheit zu Ende. Das heißt. das wiederum hat viel mit der Entwicklung der Weltlage zu tun. wichtigere Grund liegt aber in der kapitalistischen Katastrophe. Die Europäer dürfen zwar noch amerikanische Verhinderungspläne realisieren denn nichts anderes hat Norwegen im August getan . die Monroe-Doktrin auch auf den Nahen Osten auszudehnen. Sie hat die Dritte Welt ruiniert und in ein einziges Notstandsgebiet verwandelt. der für diese Dinge offen ist. Die USA beherrschen die Erde inzwischen so uneingeschränkt wie nie zuvor. schreibt er. Nach dem Golfkrieg war es damit vorbei. Nie gab es Vergleichbares in der Geschichte. Auch die Dritte Welt ist teilweise aus dem Spiel. was hier bei uns geschieht. Die letzte Abstimmung in der Generalversammlung erfolgte im Dezember 1990. Man forderte. wichtig genug wäre es. Wie konnte es überhaupt dazu kommen? Die eifrigsten Verfechter der israelischen Sache machen daraus gar kein Hehl. sie konnten aber ihre eigene Verhinderungspolitik so lange nicht endgültig durchsetzen. wie zuvor. Die USA konnten bis heute den Friedensprozeß entscheidend blockieren. nachdem diese Frage zuvor regelmäßig auf die Tagesordnung gekommen war. Erinnern Sie sich: Die USA konnten zwar alle diplomatischen Aktivitäten blockieren. Nach dem Golfkrieg erfolgte ein gewaltiger Umschwung. unabhängige Initiativen für politische Lösungen starten. und zwar aus zwei Gründen. zu beziehen bei Alternative Radio. Aus »Keeping the Rabble in Line«. über die wir gerade gesprochen haben.aber auch viele Chancen.09. in vieler Hinsicht noch stärker als 1945. Die Sowjetunion ist nicht mehr im Spiel. hängt vor allem davon ab. bedeutet es. Ob aber diese Möglichkeiten genutzt werden können. Der andere. Darin liegen viele Gefahren verborgen . Leider reicht dafür meine Zeit nicht. und manche davon mögen zu Hoffnungen Anlaß geben.nicht aber. was in dieser Halbwüste lebenswichtig ist. Jetzt hat Europa es schließlich doch akzeptiert. Europa hat den Nahen Osten praktisch den Amerikanern überlassen. die Menschen in den Vereinigten Staaten. aufgenommen am 26. Thomas Friedman hat es in der New York Times völlig zutreffend benannt: »Die Kapitulation der Palästinenser«. Zwar gibt es einige Unterschiede. ganz im Sinne der übrigen Länder. da die Welt unipolar geworden ist. Kein Gedanke also an irgendeine Initiative aus dieser Richtung. daß es auf unser Handeln noch mehr ankommt. Ja.logisch beeinflußt. jetzt haben sie ihr Ziel erreicht. Für uns. Vorher hatte es Initiativen von seilen europäischer Staaten gegeben. Aber wie kam es dazu? Nun. vergleichbar etwa der Lage um 1985. und diesen Rest der Welt gibt es nun nicht mehr. Seitdem tut sich nichts mehr. weil das amerikanische Volk dabei stillgehalten hat. Arafat. die Siedlungen werden so angelegt. Dies nun könnte sich ändern. trägt also eine große Verantwortung. Wir sind also beinahe wieder beim Status quo angelangt. doch es war ihnen nie ganz gelungen. Ein weiterer Faktor ist der gravierende innere Zerfall der PLO. Jeder. Sie konnten es aber nur.93 in New York. 1993 123 . hat die weiße Fahne gehißt. es gäbe Möglichkeiten in Fülle.

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TEIL 2 Ermutigung zum Andersdenken .

Die Lippenbewegungen stimmen. Damit werden die Szene und die Aufnahme an ihren Nummern sichtbar identifiziert. Was ist denn für Sie der Unterschied zwischen einem Dokumentarfilm und einem Spielfilm? Eine einzige und allumfassende Definition des Begriffs »Dokumentarfilm« existiert nicht (.. Fred Davis Heute wollen wir uns mal anschauen. Arlene Moscovitch.AUS »ON THE SPOT« (NFB-1954) Ansager Und jetzt bringen wir Ihnen »On the spot«.im Studio zusammengefügt werden können.wie jeder Film . zusammenhängende. Bob. durch die man versucht. National Film Board of Canada 1993) . Constructing Reality: Exploring Media Issues in Documentary (Buch +9 Stunden Film.gehen wir mal hin. daß der Dokumen- Bob Oh. sondern eine vermittelte Konstruktion ist. Auch enthalten die Dokumentarfilme immer eine Botschaft. so daß dann die einzelnen Filmabschnitte . Erstens stellt sie die Konzentration des Dokumentarfilms auf die Wirklichkeit heraus. wird das zu jeder Szene vor die Kamera gehalten? Bob Genau. da gibt es eine Menge. 126 tarfilm . das ist eine Klappe. Zum Beispiel die Länge. die Klappe stimmt . und sie ist aus zwei Gründen wohl auch die brauchbarste. Dokumentarfilme sind meist erheblich kürzer als Spielfilme. Fred Davis Und dieses Ding hier. Man könnte statt Dokumentarfilm auch »Film über die Wirklichkeit« sagen. Bob.alles läuft prima synchron.) Am häufigsten findet sich John Griersons Formulierung von der »kreativen Verwendung der Aktualität« zitiert.nicht etwa ein vollkommen durchsichtiges Fenster zur Wirklichkeit bietet. durchdachte und hoffentlich auch leidenschaftliche Interpretationen der Realität zu liefern. also seine Orientierung an realen Ereignissen und Menschen. Sie sprechen hier also von einem »Dokumentarfilm«. der unzählige Einzelentscheidungen zugrunde liegen.. sie sollen gezielt informieren.Sie haben's ja am Ton gemerkt . Der Regisseur und seine Leute arbeiten gerade an einem Dokumentarfilm . wie es hinter den Kulissen einer Filmproduktion zugeht. Zweitens aber läßt sie auch erkennen.

Hauptsache. zutreffende Berichte. Aus: «Noam Chomsky: Media. was sie wiedergeben. Die andere Frage lautet dann: Wie läuft das ab? FLUGHAFEN AMSTERDAM Chomsky kommt durch die automatische Tür Patrick Barnard (freierJournalist) Ich bin der Zeitungsmann.MA 127 . Das sind die einzigen. Kaum ein soziologischer Lehrsatz ist so gut belegbar wie dieser.RADIO KUWR. Das eine Beispiel. müssen eben alle Fakten kennen. Was haben Sie denn so? Patrick Barnard Die Financial Times? Chomsky Die Financial Times? Also wirklich! (Barnard lacht). LARAMIE aufgenommen auf der Videowand des Erin Mills Einkaufszentrums Marci Randall Miller Vor der Pause sagten Sie. Dazu bedürfte es noch vieler anderer Hinweise. das hier von den Medien gezeichnet wird? Dazu muß man sich die Indizien ansehen. Die eine lautet: Trifft das Bild zu. und nicht nur dort. Was hätten Sie denn gern? Ich habe hier eine International Herald Tribune. das ich genannt habe. die die Wahrheit schreiben. Dieses Lob hat die Financial Times unseres Wissens in ihrer Eigenwerbung noch nie zitiert. daß wir auf ihrer Seite stehen? Warum klappt das so gut? So findet man in der Wirtschaftspresse.93. Und da kann meiner Meinung nach jeder wirklich schlagende Beweise finden. die über die Macht verfügen. . Chomsky Egal. häufig sehr gut geschriebene. Ich habe das nicht so ganz verstanden: Wie bewirkt die Machtelite das? Wie kommt es. wenn sie im eigenen Interesse entscheiden wollen. in einer westlichen Sprache. Diejenigen. ist ja noch kein überzeugender Beweis. die Medien würden sich in dem. erhältlich bei Alternative Radio) Chomsky Es geht hier wirklich um zwei verschiedene Fragen. Knowledge and Objectivity» (Interview mit David Barsamian vom 10.6. immer nach der Machtelite richten.

Ich habe mich darüber ziemlich gewundert. wobei die Teilnehmer gelegentlich ihre momentane Rolle vergaßen und sich sagen lassen mußten. Bei einer Debatte. Daneben fungierte er als Vizepräsident der Atlantik-Kommission und gehörte dem Königlichen Institut für Auswärtige Angelegenheiten an. jedenfalls dauerte sie 2 Stunden und lief nach einem merkwürdigen. Anläßlich einer. war 1978-82 und 1986-88 Mitglied der liberalen »Volkspartei für Freiheit und Demokratie« sowie in den Jahren 1982-86 Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. So gab es Abschnitte »mit Unterbrechung« und solche »ohne Unterbrechung«. vertreten einige Leute etwas und andere sprechen sich dagegen aus. Moderator Mr. Frits Bolkestein Es ist wohl ziemlich ungewöhnlich. nämlich die Fabrikation von Konsens. Debatte oder nicht. Bevor er in die Politik ging. denn es gibt da einige Probleme. wenn ein Kabinettsmitglied in der Öffentlichkeit mit einem Professor debattiert. Chomsky schickte eine Antwort. heute abend steht also eine Debatte auf dem Programm. In Holland hat es sowas noch nicht gegeben. Bolkestein. So wurde beispielsweise keine These aufgestellt. NIEDERLANDE Im Film sind in die folgende Sequenz Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Boxkämpfen einmontiert Chomsky So. daß man auf Beispielen allein keine Theorie aufbauen kann. und woanders wohl auch nicht allzu häufig. starren Schema ab. die ebenso abgedruckt wurde wie Bolkesteins Erwiderung darauf und Chomskys erneute Reaktion. an der Chomsky teilnahm. wie ich sie verstehe. ehemaliger Verteidigungsminister der Niederlande. organisierte die Zeitung eine »Debatte«. Diese »Debatte« wurde von NRC Handels- blad gesponsert. ob sie nun gerade unterbrachen oder aber sprachen. Bolkestein Nun. vom International Philosophers Project veranstalteten philosophischen Tagung zum Thema »Wissen und Sprache«.ein Thema zur Diskussion gestellt.Peter Wintonick Haben Sie die mit der großen Debatte? Chomsky Das NRC Handelsblad Peter Wintonick Han-dels-blad GRONINGEN. daß die Theorie eine innere Logik 128 Frederick (Frits) Bolkestein. . war er (1973-76) als Chemie-Direktor in Paris für den ShellKonzern tätig gewesen. es ist allgemein bekannt. Sie haben das Wort. Man hat stattdessen und das finde ich vernünftiger . Man muß vielmehr zeigen. Frits Bolkestein hatte in diesem »Mitte-links-Blatt mit Niveau« einen in eine ganzseitige Buchbesprechung gekleideten Angriff auf Chomsky geführt.

Bolkestein Die Dinge liegen aber nicht so einfach. sondern rational vorgehen muß. zu denen jeder unverbildete Mensch gelangt.wir haben es mit Osttimor verglichen. Bolkestein Es gibt hier im Westen viele Intellektuelle.besitzt. Wir haben diese beiden Fälle direkt nebeneinandergestellt. als wir diesen Riesenbetrug über Kambodscha aufdeckten und dem dann auch noch das Stillschweigen gegenüberstellten. Moderator Professor Chomsky bitte. wenn er sagt. das über die Greuel ver- 129 . Die Schlüsse. die einfach der Wahrheit nicht ins Gesicht sehen wollen. Chomsky Natürlich haben sich viele Leute geärgert. was wir über Kambodscha finden konnten. die verweigern sie einfach. An einer Stelle befaf3t er sich mit der Berichterstattung der westlichen Presse über Kambodscha. Das aber hat Professor Chomsky nicht getan. daß man nicht einfach nur Beispiele nennen kann. Deshalb haben wir ja unsere Beispiele miteinander verglichen. wie Professor Chomsky behauptet. In The Political Economy of Human Rights stehen auf ca. Chomsky Wir haben Kambodscha nicht diskutiert . Chomsky Er hat natürlich völlig recht. 300 Seiten sämtliche Einzelheiten inklusive der Quellenangaben zu allem. Und da gerät er auf einen bösen Holzweg (vereinzeltes Lachen im Publikum).

den die Welt kennt. stammt aus Berichten von Menschenrechtsgruppen und Kirchen. das Denken einzuschüchtern. Wo Professor Chomsky von manipulierter Zustimmung spricht. woher meine Kenntnisse darüber stammen. die just zur selben Zeit mit amerikanischer Hilfe in Timor verübt wurden. aus Befragungen von Flüchtlingen.hängt wurde. Zuerst baut er einen Pappkameraden auf. Hier in Holland heißt das Grondslag. aus Staatsraison lügen zu dürfen. aber das stimmt nicht. vor allem aber aus der australischen Presse. Doch Pro- 130 . Was Professor Chomsky hier betreibt. Bolkestein Woher weiß er denn überhaupt etwas von Verbrechen in Osttimor oder in Mittelamerika? Doch wohl aus derselben freien Presse. ist der älteste Debattentrick. Sowas mögen die Leute nicht. denn dort herrschte Schweigen. da nenne ich das »einen Konsens schaffen«. Chomsky Wenn Sie wissen wollen. Denn erstens stellten wir das Recht in Frage. also Fundament. Professor Chomsky hält es für Betrug. wie reale Untaten entschuldigt und sogar noch unterstützt wurden. dann lesen Sie mal meine Fußnoten. Die US-Presse ist nicht vertreten. das ist ein Versuch. Bolkestein Herr Vorsitzender. und dann schlägt er auf ihn ein. für die er nur Hohn und Spott übrig hat. und zweitens enthüllten wir. In einer repräsentativen Demokratie hat es die Bedeutung: die Menschen für die eigene Auffassung gewinnen. Was ich weiß. Das sind ja Feldwebelmethoden. Beliebt macht man sich damit nicht.

Es hat mir wirklich leid getan. JFK.. hunderte. die es zu bewahren gilt. Chomsky Raten Sie doch mal. Da überlegt sich also der CIA: Wie könnten wir diese ganzen Volksbewegungen unterminieren und kaputtmachen? Na. Barsamian Um was ging es denn da? den. die an der Linken nagen. sondern an die direkte Demokratie. weil der Tag nur 24 Stunden hat. aber ich mußte sagen: Sorry. Dann jagen sie eben irgendwelche unwichtigen Säue durchs Dorf. ich kann wirklich nicht antworten« behelfen. die uns die Geschichte wieder und wieder vor Augen gestellt hat. Übrigens. weitab von jeder Realität. Ich konnte einfach nicht mehr darauf antworten. Chomsky Alle. Sowas läuft ziemlich oft ab.fessor Chomsky glaubt ja wohl Überhaupt nicht an die repräsentative Demokratie. Chomsky Chomsky Genau. die an Freiheit und Demokratie glauben. alle Fakten sprechen doch dagegen. aber hören wir mal. daß ein Teil unserer sogenannten »Linken« sich ausgerechnet auf so etwas kapriziert. wir haben es hier mit dem schon erwähnten Gefühl von Machtlosigkeit und Isolation zu tun.wenn Sie mich bitte entschuldigen wollen. müssen sie für deren Opfer eintreten.also nicht daß jemand meint. setzen wir sie doch auf irgendeine verrückte Sache an. Denn Freiheit und Demokratie sind nicht mehr nur hehre Werte. Denn wenn jemand einer Verschwörungstheorie anhängt. Herr Vorsitzender.. daß da irgendwo einer auf ihn lauert. Wenn ich darauf hinweise. Sie kennen sicher auch so jeman- David Barsamian. 131 . Gelächter) Vorsitzender Also wenn eines sicher ist. Diese Vision ist aber ein Kindertraum. daß General Motors seinen Gewinn und seinen Marktanteil zu maximieren sucht. Barsamian Läßt sich aus diesem Interesse an Verschwörungstheorien etwas über die politische Kultur ableiten? Chomsky Man erfährt daraus etwas über Dinge. spontanen. (Beifall. Moderator Ja bitte? Chomsky Ich erhalte viele Briefe. Anstatt den Mächtigen und Privilegierten zu dienen. Barsamian Barsamian Eigentlich ist es doch merkwürdig. oder sie betreiben akademische Kulte. selbststeuernden Kraft der Massenaktion. Wenn die Leute glauben. dann ist das keine Verschwörungstheorie. dann dies: Heute abend wurde kein Konsens fabriziert.. für ihre Rechte zu kämpfen und die demokratischen Ziele zu erreichen. die realen Probleme wüchsen ihnen über den Kopf. vielleicht sogar tausende (. Bei einem Anlaß mußte ich mich sogar mit einem Formbrief des Inhalts »Sony. sondern eine Institutionsanalyse. Keeping the Rabble in Line (Common Courage Press 1994) Bolkestein Ich muß jetzt leider nach Amsterdam . auch bei den Linken. Ich denke. dann erwartet er eben. Genau wie Rosa Luxemburg sehnt er sich nach der Anarchistenvision von der kreativen. diesen Problemen aus dem Weg zu gehen. es geht nicht. Ich meine. sehen sich vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Dann sind sie still. sondern sie sind vermutlich überlebenswichtig geworden.. Bolkestein Das ist ja die reinste Verschwörungstheorie. das wird funktionieren. wo sie dann mit einem Riesenaufwand Analysen und immer genauere Analysen von völlig unwichtigen Dingen betreiben. und für den hätte ich ein schönes Beispiel . aber gut geeignet als Schutz vor der bösen Welt. ich glaubte selbst daran. dann finden sie auch Wege. sie müssen vor allem den verachteten »kleinen Leuten« dabei helfen. Verschwörungstheorien.) Viele davon sind sehr ernst und nachdenklich.

STRASSE IN MEDIA Mann (links) Sie sagen aber nicht immer . sie sagen nicht immer die Wahrheit. John. was Sie in dieser Zeitung lesen. oder? John (ganz rechts) Da hast du recht. vielleicht etwas gefärbt ist? Frau Aber sicher. BAHNHOF IN MEDIA Peter Wintonick Glauben Sie. und dem. daß das.GERICHTSGEBÄUDE IN MEDIA Peter Wintonick Was glauben Sie: Besteht ein Zusammenhang zwischen dem. So ist es doch.sozusagen die liberale und die konservative. Sie bringt beide Seiten der Medaille . was wir aus den Medien erfahren? Mann (Bildmitte) Es ist nicht wie bei den Kommunisten.nicht wahr. aber in gewisser Weise hat sie schon ein Auge darauf. 132 . BAHNHOF IN MEDIA Mann Im großen und ganzen ist sie wohl ganz gut. was wir nach Meinung der Regierung wissen sollen.

und alle Sender bringen dasselbe Highlight. Die haben doch nur 20. und dann wählen sie eben nur das Highlight aus. Muß los. daß die irgendwie einseitig.GERICHTSGEBÄUDE IN MEDIA Frau (rechts) Man erhält doch kein ausgewogenes Bild. Peter Wintonick Glauben Sie. und mehr bekommt man nicht zu sehen. 30 Sekunden für ein Thema. Bis später... BAHNHOF IN MEDIA Schaffner Man kriegt nur das zu hören.. Schaffner Hm . was man hören soll.. 133 .

Vielleicht haben Sie es nicht gehört. Chomsky Also zunächst mal habe ich mit keinem Wort behauptet. vielleicht stieß man sich an seinen Ansichten über den Nahen Osten. daß nach dem Ende des Krieges sein Radikalismus nicht mehr gefragt war. oder? Nur. und andere liberale Zeitschriften taten es ihr nach. Man marginalisiert sie. Israel. Es gibt einen Haufen Länder. und man sorgt dafür. das zu einer bestimmten Sichtweise auf die Welt führt. In den sechziger Jahren war Chomsky eine angesehene Persönlichkeit. Je stärker er an den Rand gedrängt wurde. wie sie ihm vorschwebt . daß sie den Eliten.ich wäre glücklich darüber. Aber wenn dies seine Verwandlung auch erklärt. gegen die er ankämpft. Also worüber jammern Sie? Wir lassen Sie frei sprechen. die Sie fortzerren. nicht hereinreden. für schäbige Fehlinterpretationen seiner Äußerungen zu Kambodscha. Die New York Review of Books ließ ihn stillschweigend fallen. daß die Regierung und die Eli ten mittels »Gedankenkontrolle« Radikale wie Sie von der Öffentlichkeit fernhalten.ja. Heutzutage behandelt man Chomsky mit einer seltsamen Mischung aus Beschimpfung und Mißachtung. nun sind Sie hier. daß Sie kommen wollten. Ich kann keine CIA-Leute sehen. Seine Bü- 134 cher werden kaum noch rezensiert . Die New York Review of Books druckte seine Artikel über den [Vietnam-] Krieg ab. um so schriller und starrer ist er geworden. erschossen worden. von daher stammt die Galle in seiner Stimme. Wenn er nur in seine Arbeit wieder die Sanftheit und Großherzigkeit einer Welt einbringen könnte.MAIASPINA COLLEGE. ich kann da keine Gedankenkontrolle erkennen. ist auf ihn übergegangen. da finden Sie Tausende anderer Beispiele. Das hat nichts mit mir zu tun.sooo wichtig ist er doch nun auch wieder nicht. damit ich da unten überhaupt jemanden sehen kann? UNIVERSITY OF WYOMING. Und bestimmt schreiben Sie auch in dieser Zeitung. Vielleicht lag dies daran. Und nun . Norman Mailer sprach von den »dichtgepackten Begriffswindungen des Chomskyschen Erkenntnisprozesses». da wären Sie für das. den Holocaust und so fort findet sich in jeder Zeitung immer mal wieder eine Spalte.« All dies änderte sich Mitte der Siebziger. Es betrifft die Allgemeinheit. aber ich sagte. NANAIMO Chomsky Läßt sich die Beleuchtung etwas heller einstellen. Ich habe dafür auch ein Beispiel gegeben. . die hier über alles bestimmen sollen. es läuft hier über ein System der Formung und Steuerung. für Hitchens trug »sein Name eine Art Gütesiegel. Ich denke. ich selbst würde von der Öffentlichkeit ferngehalten. Das läuft hier ganz anders. Sie standen in der Zeitung nur daher wissen wir. so rechtfertigt es sie doch nicht. Den Rest besorgten dann die Fälle Kambodscha und Faurisson. LARAMIE Student Sie jammern nun seit 1 Stunde und 41 Minuten. was Sie heute getan haben. Zuviel von der Härte der Welt. Also worüber jammern Sie? Ich kann keine Gedankenkontrolle erkennen. Ich kann Ihnen Quellen nennen.

05.« »Chomsky Then and Now« von Brian Morton. Wenn ich nachlese. Seine Heiserkeit ist unserer Gepflegtheit allemal vorzuziehen. Da Chomsky gerade The Fateful Triangle veröffentlicht hatte. WASHINGTON Karine Kleinhaus In einer Rezension des Chomsky Reader heißt es: »Je stärker er an den Rand gedrängt wurde.) denn er /diente der Freiheit des Menschengeschlechts. die Sache mit dem Rand . wenn Morton hier bei Chomsky eine gewisse Grobheit diagnostiziert. schildert Chomsky seine Reaktion auf eine nicht ganz alltägliche Ausstellung im Chicagoer Museum für Naturwissenschaft und Technik: »Was soll man von einem Land halten. desto schriller und harscher ist er geworden. American Power and the New Mandarins. ich selbst glaub's eigentlich nicht.. beides Sozialdemokraten mit engen Bindungen an Israel und seit jeher mit Chomsky verfeindet. . und fühlen Sie sich als Opfer dieses von Ihnen beschriebenen Prozesses? Chomsky Na ja. also ob ich schrill geworden bin. Man sollte auch beachten.und muß doch zögern. Aber das mit dem Anden-Rand-gedrängt-werden stimmt. In seiner ersten Sammlung politischer Essays. die Yeats über Swift schrieb: »Wagt doch. über meine Kritik Genugtuung empfinden könnten. müssen andere beurteilen.. die Chomsky so gern in einem falschen Licht erscheinen lassen. Faurisson und die Verleumdungskampagne» : Morton ist leitender Redakteur bei Dissent. In Wirklichkeit komme ich jetzt viel leichter in die großen Medien als vor zwanzig Jahren. er kann sich immer noch entrüsten. Herman in dem Essay »Pol Pot. mit dem der Besucher sich in einen Hubschrauber versetzen und mit einem Maschinengewehr auf vietnamesische Bauernhütten feuern kann. Wenn seine Stimme nach 20 Jahre heiser klingt wer wollte es ihm verübeln? Wer sich über ihn erheben? Niemand hat seine Kraft so vollständig wie er dem Kampf gegen die Schrecken unserer Zeit geweiht.« Halten Sie diese Einschätzung Ihrer jüngsten Veröffentlichungen für zutreffend. nachdem man eine zunächst bei David Finkel bestellte Rezension des Chomsky Reader als zu positiv abgelehnt hatte (zusammen mit Hermans Essay in Noam Chomsky: Critical Assessments (a. eine vernichtende. daß gerade diejenigen. Ich sollte wohl unmißverständlich aussprechen. verwundert es nicht.»AMERICAN FOCUS«. wo so etwas auch nur in Gedanken erwogen werden kann? Über ein solches Land kann man doch nur weinen.) abgedruckt).. was ich soeben niedergeschrieben habe.« Durch Chomskys sämtliche Schriften zieht sich seine Fassungslosigkeit darüber. bestens mit Dokumenten untermauerte Abrechnung mit der Politik der USA und Israels. daß The Nation erst auf Morton zukam. und bei jedem Treffer leuchtet eine Lampe auf? Was kann man von einem Land sagen. es ihm nachzutun (. Wieder kommen mir die Zeilen in den Sinn. und diese Zeitschrift stand lange Zeit unter dem Einfluß von Irving Howe und Michael Walzer. was die Mächtigen den Machtlosen anzutun imstande sind. daß ich ihn für den besten Kritiker der US-Macht halte und mich überhaupt nur deswegen mit ihm auseinandersetze. was da angedeutet wird. O. Er ist nicht abgestumpft. finde ich es richtig .. a. Nur ist es gerade das Gegenteil von dem.88 135 Hierzu bemerkt Edward S. wo sich in einem großstädtischen naturwissenschaftlichen Museum ein Exponat findet. The Nation 7. Nur ungern stelle ich mir vor.

den Niederlanden. denn wir können ja nicht alles verfolgen. der deutsch. aus der auch Ross Perot während seiner Präsidentschaftskandidatur ständig zitiert hat). Die Datenbank enthält nicht alles. kam Chomsky in der CNBC-Show »Posner & Donahue« zwei Stunden lang zu Wort. Gut. also über Chomskys linguistische Theorien • 1 aus der Jerusalem Post Nur 5 entstammten US-Medien: • 2 bezogen sich auf den Film.und das gilt nicht nur für Noam Chomsky. zuvor bei der kanadischen Nachrichtenagentur Canadian Press tätig. und zwar in einer Rezension eines Cyberpunk-Buches (Showcrash von Neal Stephenson). Schweden. aber so hatten die Bürger mit Kabelanschluß doch wenigstens einen Abend lang mal eine Auswahl. Bill Moyers Genießen Sie es. Damit wurde ein breiter Bevölkerungsquerschnitt angesprochen. die würde ich heute anders anfassen. Wenn die Medien die bevorzugten Wahrheiten in Frage stellen ließen. Am 19. Mexiko. und dies wiederum verschaffte seinen Gedanken ein größeres Publikum. die Presse 136 hat Hunderte von Rezensionen und längeren Artikeln gebracht. warum . daß Sie sich für bestimmte Dinge eingesetzt oder bestimmte Sachen geschrieben haben. Bedauern Sie es da nicht manchmal. a. März 1993 hielten die Filmemacher einen Workshop an der New School for Social Research in New York. Das Funk. da Ingrid Abramovitch LexisNexis abfragte. George Steiner und .in Konkurrenz zur CBCHauptnachrichtensendung Prime Time News von 20 bis 21 Uhr. wenn inzwischen die wichtigeren nordamerikanischen TV-Kanäle Chomsky wieder etwas mehr Zugang gewähren. Chomsky Das ist doch auch völlig klar. den Mark und Peter gemacht haben • 1 kündigte eine Signierstunde in Boston an • 1 stammte aus der Mun-Zeitung Washington Times • Die letzte schließlich fand sich in Newsday. Ich tippte also »Noam Chomsky« ein und sah mir die ersten 30 Referenzen an. wobei Filmausschnitte gezeigt wurden und man darüber diskutierte. . Norwegen. Belgien. Sobald man anfängt.AUS »A WORLD OF IDEAS« (1988) Bill Moyers Sie haben einige unbequeme Wahrheiten verkündet und sind infolgedessen ziemlich vereinsamt.fast völlig ignorieren. es gibt Sachen. Die einführenden Worte sprach Ingrid Abramovitch. Der Film bot ein Sprungbrett. Spanien und Ungarn den Film erworben und Millionen Menschen ihn gesehen. Solchen Leuten schenkt das Medium überhaupt nicht viel Gehör. Nachdem der Film 1993 herausgekommen war. ist mit einer Streuwirkung zu rechnen. Es könnte demnach auch dem Film zu verdanken sein. Ich startete also eine Suche im Nexis-System (Das ist eine Medien-Datenbank über Artikel der großen Zeitungen und Zeitschriften. über etwas nachzudenken. wer alles zuschaut? Bei Redaktionsschluß dieses Buches [der Originalausgabe 1994] haben Fernsehanstalten in Australien. würden sie ja ihrer Rolle in der Gesellschaft nicht gerecht.Noam Chomsky gewidmet ist. muß die Berichterstattung auf lokaler Ebene sehr ausführlich gewesen sein. man hätte eher auf Sie gehört? Chomsky Nein. Inzwischen ist der Film weltweit in mehr als 300 Städten öffentlich gezeigt worden. Ascherach. die uns immer noch faszinieren«. Finnland. Es stört mich sogar erheblich. die Chomsky und wir erhielten.und italienischsprachigen Schweiz. Ingrid Abramovitch Anfang dieser Woche ging ich einer der schwerwiegendsten Behauptungen der Filmemacher nach. Bill Moyers In diesem Medium hat man nämlich nicht viel für abweichende Meinungen übrig . Sobald das Fernsehen einsteigt. England.und Fernseh-Echo ist natürlich schwieriger zu quantifizieren. um Tempelprostitution in einem Kult geht. einiges wurde auch landesweit verbreitet. in dem es u.der schließlich einer der bedeutendsten Intellektuellen des Landes ist . Kanada.man fragt sich. war Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media erst einige Monate in den amerikanischen Kinos gelaufen. Der kanadische Nachrichtenkanal Newsworld gab ihm eine Stunde . umstritten zu sein? Chomsky Nein. Portugal. Aber allgemein gesprochen. möchte man es anders machen. manches erscheint eher zufällig. Natürlich findet Newsworld nicht so viele Zuschauer wie die Nachrichtensendungen der großen Anstalten. oder wünschten Sie. das nicht. Österreich. Denn weiß man. Redakteurin der Zeitschrift Success. bedauere ich eigentlich nichts. darunter die Times mit einem Beitrag über »Die Affen. Doch nach den Unmengen von Interviewwünschen zu urteilen. Zu der Zeit. von wo aus große Teile der Diskussion sich entfalteten. über 225 davon in den USA. Es waren • 21 aus kanadischen Zeitungen • 3 aus der britischen Presse.MA . der dem antiken Sumer. der überwiegend noch nie etwas von Noam Chomsky gehört hatte. daß nämlich die USMedien Chomsky .

daß man darin das einzige Mittel sieht. künstlich erzeugte Furcht. ist von einer Gesellschaft zur anderen unterschiedlich (. indem diese der zynischen Politik der Elite ein moralisches Mäntelchen umhängen. denn darin erblickt man natürlich eine viel geringere Bedrohimg. Und eine derartige Machteinbuße brächte die Elite nicht über sich. die sein bereits ergrautes Alter Lügen straft. die bei der Wahrnehmung der Tagesereignisse hinter einem Schleier aus Verzerrung. hinter dem sich die Mordmaschine verborgen hielt. Nichts scheint seine innere Sicherheit zu beeinträchtigen. VERLAG »SERPENT'S TAIL« Martin Woollacott (schreibt für die Londoner Zeitung The Guardian) Ihrer Ansicht nach rührt also die Militarisierung der amerikanischen Wirtschaft vor allem daher. entgeht ihm die Komplexität aller menschlichen Dinge. 14. sondern wiederholt sich nur noch. B.01. Chomsky Wissen Sie. Und weiter: Zwar steuern alle Staaten das Verhalten ihrer Massen mittels Propaganda.in seinen Schriften undenkbar! .so dies nicht der Fall ist .) Alle realen Staaten besitzen eine Machtstruktur. um nach der Wahrheit suchen zu können . aber je freier eine Gesellschaft ist.. und in jedem politischen Schwenk sieht er ausschließlich den Machiavellismus am Werk. Er schreibt: »In den westlichen Demokratien erhält eine privilegierte Minderheit durchaus die Muße. Auch wer ihm in seiner Sicht der Machtfrage oder in seinen marxistischanarchistischen Vorstellungen nicht zu folgen vermag. Indem er eine allzu krasse Antithese zwischen einer von Grund 137 auf amoralischen Elite und der von Grund auf moralischen Masse aufstellt.und vermutlich jedes anderen Staates . Schon weil ich hauptsächlich von den Vereinigten Staaten spreche.kann er nichts abgewinnen. Aus »Deliver Us From Evil« von Martin Woollacott. Er kann sogar witzig sein . wird doch aus dieser raren Verbindung moralischer Visionen und intellektueller Präzision Nutzen ziehen können. reichlich trocken und künstlich. Er selbst scheint für die Motive der Mächtigen nur Zynismus übrig zu haben. Und genau darin liegt seine Stärke und sein Wert für uns alle. noch Bedauern. oder der eine oder andere moralisch noch gefestigte Intellektuelle »schmuggelt« sie ein. denn man könnte ebenso wenig gegen ihn argumentieren wie gegen einen Jesaja oder Hesekiel. Chomsky stützt sich in seiner analytischen Arbeit auf diese Annahmen. Chomskys Botschaft lautet im Kern: Macht ist von Übel. bei den Massakern in Timor oder beim israelischen Einfall in Südlibanon Chomsky hat den Vorhang heruntergerissen. Wer ihm widerspricht. Verfälschung. die Chomsky uns hier entwirft. Sitzt man ihm aber direkt gegenüber. die Ausbildung und die Mittel. würde — so Chomsky — dieses selbe Volk auch ein Mitentscheidungsrecht verlangen. Ideologie und Klasseninteressen verborgen bleibt. die die Geschicke der USA . Ob beim Vietnamkrieg. denn er entwickelt darin seine früheren Ideen nicht mehr weiter.leiten.89 . Der Frage. Geliefert wird diese Propaganda von einer »weltlichen Priesterkaste« aus Journalisten und anderen Intellektuellen. wird entweder ..PICCADILLY CIRCUS. jugendlich wirkenden Erscheinung. LONDON Chomsky (im Off) Nur. Sobald man in Amerika die hohen Militärausgaben in andere Dinge investieren wür- de und das Volk darüber diskutieren dürfte. entweder wird sie aus praktischen Gründen noch benötigt. bitte. und ihm allein will er dienen. desto öfter muß man zu solchen Tricks greifen wie z. Dies zeigt sich vor allem in seinen jüngeren Veröffentlichungen. sobald ich das Land verlasse.und sein Beharren auf den Fakten beeindruckt jeden. Und wenn er mal in kurzen Worten auf alternative Gesellschaftsformen zu sprechen kommt. wirkt er auch nicht sehr überzeugend. Dabei schimmert gelegentlich die Wahrheil noch durch. aber besonders wichtig ist dies in den Demokratien. Man fühlt sich angesprochen von seiner fragilen. so spürt man seine sanfte Gegenwart und die Aura eines freundlichen und gleichzeitig fähigen Lehrers. das Volk unter Kontrolle zu halten. Für ihn finden sich bei denen. durchgehen läßt er ihnen nichts.es klingt paradox.niedergemacht. und dafür gibt es verschiedene Gründe. weder Moral noch Gefühle. auch wenn in einigen wenigen das Volk über wirksame Kontrollmittel verfügt. in einer demokratischen Gesellschaftsordnung . stimmt das so nicht mehr. Wie die Elite die Masse beherrscht.also gutes Verhalten in einer schlechten politischen Umwelt . Er steht sozusagen in der Tradition der Propheten. ob es nicht vielleicht auch »Gutes im Bösen« gibt . Man muß aber danach suchen und sie häufig auch erst entschlüsseln.so ihm guter Wille unterstellt wird . The Guardian. Ich komme in jedem Land der Erde leicht in die Medien.die Wahrheit. In einem Zeitalter der Täuschung und der moralischen Verwirrung kennt Chomsky das Gute.« Zweifellos erscheint die Welt.höflich korrigiert oder aber .

Illusionen. Herr Professor. die diese nur zu bald wieder verlieren sollten. 7 An den Vier Freiheiten und an der AtlantikCharta läßt sich gut illustrieren. die Freiheit des Raubes und der Ausbeutung zu garantieren. die Gelegenheit geboten wird.im nationalen Fernsehen zu äußern. Sein Interesse für TV-Technik ist eher unterentwickelt. In dieser Maschine wird mittels eines halbdurchlässigen Spiegels der abzulesende Text direkt vor die Kameralinse projiziert. Solche hehren Formulierungen trugen nicht nur zum Zusammenhalt während der schwierigen Kriegsjahre bei. Turning the Tide S. (im Off) Wenn die Medien in Ländern wie Kanada oder Belgien offener sind. in der Öffentlichkeit müßten »die Interessen anderer hervorgekehrt werden«. ich stimme dem zu. Chomsky (in die Studiokamera) In Kriegszeiten waren sich die Strategen darüber einig. der stört. daß die USA außenpolitisch im wesentlichen das Ziel verfolgen. die ihm genügend Redezeit gewähren.LONDON John Lawton (Produzent der Sendung »Opinions« im TV- Kanal Channel Four. Ähnlich hochfliegend las sich auch die im August desselben Jahres von Roosevelt und Churchill unterzeichnete Atlantik-Charta. LONDON John Lawton Also. in der Menschen. 45 Opinions ist eine 30-Minuten-Serie. Chomsky darüber aufzuklären. Man könnte ihn als den bedeutendsten lebenden Intellektuellen ansehen.. was man dort denkt. dann auch deshalb. Ihre Zeit läuft. weil es gar nicht so sehr darauf ankommt. dieser wiederum setzt im allgemeinen volles Vertrauen in Medienleute (wie uns). und als er nun 90 Minuten vom Teleprompter vorgelesen hatte und die Aufnahme fertig war. ist das Denken und Handeln der politisch Gebildeten in dem Land. die Freiheit von Not und Furcht kämpften. Doch es gibt noch so etwas wie eine Fünfte Freiheit.) (ausgeblendet: Sie drängten darauf.) OK. sich . 138 . die Religionsfreiheit. also den Zuschauer. die etwas zu sagen haben. On Power and Ideology S. das alles überragt. daß die Alliierten für die Redefreiheit. Offensichtlich hatte niemand es unternommen. dann auch deshalb. Worauf es ankommt. daß die wahren Kriegsziele nicht bekanntwerden sollten (. fragte er den Produzenten John Lawton: »Wo war denn eigentlich die Kamera die ganze Zeit über?« Wenn die Medien in Ländern wie Kanada oder Belgien offener sind. die Präsident Franklin Delano Roosevelt bei der Proklamation seiner berühmten Vier Freiheiten ausgelassen hatte. Um es nun brutal auf den Punkt zu bringen: Für die Dritte Welt bedeutet dies. Ich würde ihm liebend gern in meinem Programm eine halbe oder dreiviertel Million Hörer verschaffen. Aber gerade deshalb würden natürlich viele gern hier arbeiten. mit allen Mitteln aus dem Weg zu räumen). Entsprechend vage und idealistisch klangen also die AtlantikCharta und Roosevelts »Vier Freiheiten«. was man dort denkt.. sondern sie wurden auch in anderen Weltgegenden von leidenden und unterdrückten Völkern ernstgenommen . worin die wahre Bedeutung und der eigene Nutzen hehrer Ideale liegen. Nachrichtensprecher wie Präsidenten nutzen gleichermaßen dieses Gerät. auszubeuten. THE BRITISH ACADEMY. Im Januar 1941 verkündete Präsident Roosevelt. anzublicken. weil es gar nicht so sehr darauf ankommt. weil das »einen besseren Propagandaeffekt« haben würde. um ablesen zu können und dabei doch scheinbar die Kamera. Ich habe dies bei anderer Gelegenheit als die »Fünfte Freiheit« bezeichnet. aber die findet sich nur in internen Dokumenten und als Lektion der Geschichte: die Freiheit zu rauben. zu herrschen und jeden. Die Produzenten von Opinions mußten auf exaktes Timing achten und schrieben daher Chomsky die Benutzung eines Teleprompters vor.ohne unterbrochen zu werden . also in den USA.

die in Mittelamerika ein Sicherheitsrisiko diagnostizierte. . RADIO WGBH. und wenn der Senat der Vereinigten Staaten dies erkennt. denen sie praktisch alle demokratischen Rechte genommen haben.schon von der Struktur der Medien her . zur Zerstörung der Presse und so fort.John Lawton OK. Der totalitäre Charakter dieses Regimes ist seit September 1979 offenkundig. begründen Sie nun in einer kurzen Ansprache an den Senat. nur daß er dort zu Massakern an Zigtausenden geführt hat. Mehr noch. ebenso jegliche Pressefreiheit. daß sie weder ein politisches Programm vorgelegt noch politischen Rückhalt im Lande selbst gewonnen hat. Darf ich zuerst Sie bitten. Nach wie vor versetzen sie die Menschen in Schrecken. vertritt in seinem neuesten Buch Turning the Tide die These. Winden Sie sich an diejenigen im US-Senat. warum Sie Geldzahlungen an die Contras ablehnen. war Mitglied der Kissinger-Kommission. Schnitt. unsere Intervention in Mittelamerika sei nur ein aktuelles Beispiel für den allgemeinen Mißbrauch und das Mismanagement. Oktober geht viel weiter und ist viel einschneidender als derjenige. Ihre bisherigen militärischen Erfolge sind im wesentlichen bestens dokumentierte. Wenn es dabei bleiben soll. Dieser Erlaß vom 15. Präsident der Boston University. Noam Chomsky. der Senat der Vereinigten Staaten hat von jeher auf der Seite der demokratischen Kräfte gestanden und sich gegen totalitäre Bestrebungen gewandt. dann wird man für die Contras und gegen die Sandinisten stimmen. 139 Chris Lydon Und Sie. Diese Politik ist grausam und brutal. Oktober das Verbot von Hausdurchsuchungen ohne Durchsuchungsbefehl sowie das Postgeheimnis aufgehoben und stattdessen die Postzensur zugelassen. sollen die Contras vor allem die Sozialreformen in Nicaragua bremsen oder ihren Abbau bewirken. Chomsky Ich habe mich versprochen. Chomsky Nun. Präsident Silber. aber doch wohl in sehr milder Form. mit denen wir die Dritte Welt überziehen. Verstümmelungen und anderen Greueln. die seit Anfang 1980 in El Salvador in Kraft ist. daß schließlich ihre militärische Führungsspitze fast durchweg aus Offizieren Somozas besteht. wie es amerikanische Intellektuelle nur sein können. Februar 1933 das Ende der Weimarer Republik besiegelte. Auch das freie Versammlungsrecht haben sie suspendiert. die noch unschlüssig sind (wenn es sie denn geben sollte).so gut wie unmöglich. Wie in Regierungskreisen inzwischen ganz. die Stützpunkte im Ausland hat und Nicaragua von dort aus angreift. daß es sich dabei um eine Stellvertreter-Armee handelt. Die Sandinisten haben am 15. BOSTON (1986) Chris Lydon Unsere heutigen Gäste liegen in ihrer Beurteilung der Contras so weit auseinander. schreckliche Serien von Folterungen. Sprachtheoretiker am MIT. und sie sollen ganz allgemein die Öffnung dieser Gesellschaft verhindern. mit dem Hitler am 28. und jeder dort bis hinauf zum amerikanischen Botschafter wird Ihnen bestätigen. jede Art kritischer Diskussion ist dort . Noam Chomsky. Machen wir den Abschnitt noch mal? Chomsky (im Off) Allgemein herrscht in den USA ideologisch eine viel borniertere Geisteshaltung als in anderen Ländern. dann muß er auch die Demokraten unterstützen. er hält weiterhin an. und wir sollten damit Schluß machen. daß das Land politisch ziemlich offen ist. daß diese Armee ihre Instruktionen und ihr Material allein von ihren Auftraggebern erhält. In der Tat herrscht seit letztem Herbst Belagerungszustand. selbst die wärmsten Befürworter der Contras geben inzwischen zu. die Sozialreformen zu verzögern und die Entwicklungsmöglichkeit einer offenen Gesellschaft einzuschränken. AUS »THE TEN O'CLOCK NEWS«. (die fett gedruckten Passagen sind im Film enthalten) John Silber. offen eingestanden wird. Warum würden Sie für die Finanzhilfe an die Contras stimmen? Silber Nun. Der Belagerungszustand selbst entspricht etwa der Regelung. Weiter siehe rechte Seite. In Nicaragua hingegen handelt es sich um die Reaktion auf einen Krieg. den wir gegen das Land führen und der darauf abzielt. wo die vollständige Diskussion wiedergegeben ist.

in der Nationalgarde gedient hat. daß ich . der Stellvertretende Kommandeur der sandinistischen Luftwaffe. Silber ... daß von seinen 48 Spitzenleuten 46 . Hier müßte mal langsam jemand . oder? Nun lassen Sie ihn doch mal selbst argumentieren. Und was die Armeeführung der Contras angeht. Chris Lydon Noam Chomsky sollte jetzt unter anderem auf die Herkunft der totalitären .. zu den Fakten: 46 der 48 obersten Militärführer der Contras waren Offiziere unter Somoza. Silber Keineswegs. stammt beinahe die gesamte militärische Spitze der Contras aus der Führung der Nationalgarde Somozas. Calero oder Chamorro sind und waren keine Somozisten.. Wie ich schon sagte. die dem Aquino zur Macht verhol- Edgar Chamorro. hat selbst angegeben. Marcos . ich besäße ein Monopol auf die Desinformation der amerikanischen Presse.. nein. Silber .. Silber Chomsky .. er kennt nämlich die Wahlheil. Chris Lydon Chomsky Entschuldigen Sie mal. zu meinen. dann erzeugen Sie ein falsches Bild... Chomsky Chomsky Mr. daß ich hier rede . 140 Chomsky Was? Ich soll die amerikanische Presse beherrschen? Also nochmal von vorn.. Wenn Sie hier also auf die Nationalgarde losgehen. jetzt lassen Sie mich mal eben ausreden... Marcos.. Cruz. Sie können aber auch Edgar Chamorro fragen. Das steht im Kongießbericht. denn die Garde bestand nicht nur aus Somozisten . also der Oberbefehls- fen haben. was ich .. Somozas Armee . Chomsky Es ist doch wohl lächerlich. so als ob das alles Somozisten gewesen wären. Silber Silber Sie verfälschen hier reihenweise die Wahrheit.. Chomsky Also erstmal reden wir über die Fakten. Nur. Chomsky Darf ich bitte? Chris Lydon Mr... Robelo. Silber So.. Chomsky Könnte ich vielleicht einmal Gelegenheit bekommen zu sagen. weil Sie hier die Wahrheit lange genug verbogen haben. Sehen Sie. Silber Chomsky Jedenfalls bin ich derjenige.. verübt von den Sandinisten. die Gelegenheit ergreifen.. schlimmer als alles. Man hat dort eine regelrechte Diktatur errichtet. liegen genügend Beweise vor. In Nicaragua hat es durchaus Massaker gegeben an den Miskito-Indianern. so gehen Sie vor. daß auch Modesta Rojas.. was wir bisher aus Mittelamerika oder überhaupt aus Lateinamerika kennen. solange Sie noch da sind . jetzt dürfen Sie wieder die Wahrheit fälschen. den der CIA . daß die Opposition . Es ist doch . Silber Aber nicht doch..Silber Wollen Sie diese Reihe platter Unwahrheiten fortsetzen? Noch nie habe ich so viele Unwahrheiten auf einmal gehört. Silber . das ist nur. der Ihr Monopol auf Desinformation zerstört hat. Ihre Geschichtsfälschungen richtigzustellen. mit denen die Sandinisten ihre Diktatur durchsetzen. den Contras erfundene Greueltaten anzuhängen. und auch über die Versuche der Sandinisten. wenn Ihnen das nicht paßt -es gibt keinen Grund dafür. ist eine schlichte Fälschung. Silber hat allen Grund..... dagegen zu sein. also die Soldaten sind .dann weise ich Sie daraufhin. Es herrscht massive Repression. Es war doch Marcos und seine Armee. Silber . nein.... ..... Hier reihen sich Fälschungen und Verzerrungen aneinander. ja. so stammen einige in der Tat aus der Nationalgarde. haber der Armee. daß sich unter den Anhängern der Sandinisten ebenfalls viele Mitglieder der Nationalgarde finden. ebenso ein großer Teil jener Blockwarte. Ein schönes Muster für Totalitarismus: Man sorgt dafür. Und die Führer der Contras als Anhänger Somozas hinzustellen.... Und dann übersehen Sie auch. und da will er natürlich nicht... ich hab' Sie doch auch ausreden lassen. Chomsky .

1200 Lastwagen.000 Menschen umgebracht. aber die Entwicklungweist in diese Richtung. daß diese ausgebaut wird. die Sandinisten hätten vergleichbare Massaker verübt wie die. Denen hat man übel mitgespielt. bei denen wir Hilfestellung . Wir müssen das Feuer nicht selbst löschen. in ihm eine Bedrohung zu erblicken. Wenn die Menschen nicht einmal soviel Verstand haben.000 Menschen Massakern zum Opfer gefallen. Nun. kostete uns der Sieg über ihn sechs Jahre und viele Millionen Tote. Zuerst blokkierten wir alle anderen Waffenlieferungen. wie Hitler in seinen Reden von der Bedrohung Deutschlands durch Polen sprach und daß Deutschland sich dagegen verteidigen müsse. dann erwächst daraus das Silber Also erstmal bin ich dagegen. Zweifellos geschehen auch bei den Sandinisten Verbrechen.also das ist nun wirklich umwerfend! Seit 1978.. Silber hat Hitler erwähnt. Ich frage Sie. Der eine ist das Sicherheitsrisiko. was unsere Regierung will: Sie ziehen Mittel aus dem Reformprozeß ab . um mich daran zu erinnern. Dem stehen aber 5-6000 Menschen gegenüber. Dann hat Mr. Menschen zu helfen. die Luxemburg für die Sowjetunion darstellt. und es ist die reine Wahrheit. Chris Lydon Aber wieso soll darin ein Sicherheitsrisiko für die USA liegen? Risiko eines Krieges. das die Sandinisten in Nicaragua für die USA und die ganze Hemisphäre darstellen. und wenn wir zulassen.dort als Sprecher eingesetzt hat. war er eine ernstzunehmende Bedrohung. ca. mit der sandinistischen Diktatur in Mittelamerika aufzuräumen. Genau «las habe ich gesagt. sowie 150 Kampf panzer. und jetzt tun sie genau. Nicht mal 1936. Chris Lydon Ich möchte doch nochmal auf zwei Punkte zurückkommen. die sich hier gezeigt haben. als er am 28. und sprechen Sie sich dafür aus? sche Soldaten stationiert sind. nicht per se.den wir nun allerdings wirklich fürchten . einzusehen.. wofür es genaueste Beweise gibt. Und warum? Weil eine gewisse Supermacht ganz bewußt jede andere Lieferquelle verstopft hat. Februar 1933 den Deutschen ihre Freiheiten nahm. Aber wenn es dann heißt. ohne einen einzigen Amerikaner aufs Spiel zu setzen. ich bin alt genug. Ich bin dagegen. als wir in El Salvador massiv eingriffen. Dann haben wir den Krieg weiter intensiviert. daß wir es den sogenannten Demokraten und unserem Demokratiebegriff schuldig sind. Doch falls wir zuwarten und so lange nichts tun. Mr. bis die Sowjets dort eine Landbasis errichtet haben. sondern weil aus kleinen Feuerchen leicht große Brände werden können. Der andere besagt. Wir brauchen nur die Feuerwehr zu bezahlen. Im Augenblick sind wir noch in der Lage. Silber die Miskito-Indianer angesprochen. mit besonderer Begeisterung gerade jetzt. als er das Rheinland remilitarisierte. John Silber: Sind diese beiden Argumente gleichrangig. als würde man die Bedrohung untersuchen. Denn es brennt wirklich dort unten. ich glaube. Waffen bezog es von überall her. daß die Sowjetunion 24 voll ausgerüstete Kampfhubschrauber an Nicaragua geliefert hat. Natürlich ist Nicaragua hochgerüstet und voller sowjetischer Waffen. Gegenwärtig besteht die Bedrohung noch nicht. Verstümmelung und Mord. Silber Noch ist es ja keins. und dort hat man etwa 100. Bis zur Verhängung des Embargos im Mai letzten Jahres wickelte Nicaragua 20 Prozent seines Handels mit dem Ostblock ab. dann haben sie aus der Geschichte nichts gelernt. die unseren Standard in dieser Region einführen möchten. es gab so 60 bis 70 Tote.und mit Umbringen meine ich nicht die vornehme Art.und stecken sie in die Rüstung. Chomsky Wenn man Nicaragua als ein Sicherheitsrisiko hinstellt.. Hitler war auch noch kein Sicherheitsrisiko. die wir in Mittelamerika angerichtet haben . sondern Folter.die Länder Lateinamerikas sehen allein in dem Gedanken nichts als hysterischen Wahnsinn. sind dort an die 60. die von unserer Seite umgebracht wurden . Und selbst dieses Beispiel ist noch unfair gegenüber Hitler. man bittet uns ja um Geld für die Feuerwehr. 300 . nein 1979. Die Contadora-Länder. auch die Län- . daß auch ein kleines Feuer in einem Zimmer eine Gefahr darstellt. dann ist das ungefähr so. Als aber die Alliierten endlich dahin gekommen waren.. daß in Nicaragua an die 6500 kubanische und sowjeti- 141 Chris Lydon Und jetzt Noam Chomsky zur Frage der Gefahr für die Sicherheit der USA und unserer Hemisphäre. Nicaragua uns angreifen . Oder Guatemala: Dort haben wir ja ununterbrochen Militärhilfe geleistet. aber die verschwinden doch im Vergleich zu den Verbrechen.

die Sie nannten. wie sie ist.. die sich der sandinistischen Diktatur widersetzen. genossen seine Gegner auch keine offene Unterstützung mehr. extremistischen Wirtschaftskreise in Nicaragua. wie Sie wohl sagten. kein Wort. und mit diesem hochgespielten Blödsinn ankommt. Also stimmt an der Behauptung. Es wäre ganz einfach.alle fordern uns auf. wenn die USA endlich mal damit beginnen würden. den Kräften der Demokratie zu Hilfe zu kommen? Chomsky Also zunächst wäre ich ja wirklich froh.ging es los mit der Repression. Deshalb hat das Gesundheitsniveau einen Sprung nach oben gemacht. Es war doch so: Nach dem Sieg ihrer Revolution Ende Juli 1979 kamen die Sandinisten nach Washington. Sie. Chomsky. die demokratischen Kräfte in Mittelamerika zu unterstützen. Chris Lydon Aber die Frage war doch: Sind die Contras geeignet. vollkommene Demokraten bezeichnet habe. Ihnen ist nämlich völlig klar. Chris Lydon Wir haben schon so sehr überzogen. Von denen. Mr.mit der Landreform vorangekommen und haben die Subsistenzwirtschaft verbessert und den Nahrungsmittelkonsum erhöht. Man hat sie ausgesprochen gut behandelt. vorher hatten sie der Organisation Amerikanischer Staaten zugesagt..mit der Demokratie hatte das überhaupt nichts zu tun. sie hätten Greueltaten begangen. ist allerdings einer doch darin verwickelt. was erwidern Sie auf diesen Appell. die uns zuneigen. Colero . demokratisch eingestellte Persönlichkeiten. Das ist ein Mythos und ei- Wenn die Contras zur Zeit im nicaraguanischen Volk nicht offen unterstützt werden. so muß ich sagen.. Mr.als einzige weit und breit . Mr. Um aber wieder auf Nicaragua zurückzukommen. den wirksamsten der ganzen Hemisphäre. werden sich die Nicaraguaner wieder dem zuwenden. Sobald wir den Krieg beenden. dann liegt der Grund dafür doch auf der Hand. Nur dadurch sind sie . 1979 . und setzt die Region der Gefahr eines noch größeren Krieges aus. die anerkannt haben. die Jesuiten und all die anderen. die die Verbrechen begehen.äh. Diese beiden sitzen doch in Washington und tun überhaupt nichts. die Demokratie im Gepäck zu tragen? Silber Absolut. und die Regierung weiß das auch.. von der Weltbank. Es ist einfach Quatsch. ebenso die Alphabetisierung. angeführt von der Nationalgarde. sich zu militarisieren.nämlich ihren Reformen. und Mr.alles wichtige. Ich habe nur die Weltbank zitiert. daß wir auch einfach weilermachen können. Aber zuerst wollen wir mal mit diesem Mythos aufräumen. Wer jetzt versucht. In Nicaragua hingegen gibt es ein Führungsteam: Robelo. Dort findet man höchstens einige isolierte Gruppen von Neinsagern. daß das dort alles wunderbare Demokraten waren.. Und nur deshalb haben wir sie angegriffen .. Es sind die Contras. von der Interamerikanischen Entwicklungsbank. die Demokratie voranzubringen? Silber Chris Lydon Unsere Sendezeit . freie Wahlen abzuhalten. auch von der Weltbank und durch Vermittlung der USA. Chomsky spielt hier 1984 . nämlich Colero. also auf die Welt. für die sie sehr gelobt wurden. Nachdem Hitler die Macht in Deutschland ergriffen hatte. Silber. ein rechtsextremer Geschäftsmann und Vertreter der engstirnigen. diese Menschen als totalitär abzutun. Und hinter dieser Führung stehen buchstäblich Tausende. von Organisationen wie OXFAM. die wir zusammengeschustert haben. Ich möchte Sie jetzt mal auf die Demokratiefrage hinlenken und auf unsere Verantwortung für die Förderung der Demokratie. aber würden Sie wirklich den Contras bescheinigen. daß die Nicaraguaner ihre knappen Mittel zum Nutzen der armen Bevölkerungsmehrheit eingesetzt haben. also auch alle relativ demokratischen lateinamerikanischen Länder . was dieser Krieg bewirkt: Er zwingt das Land dazu. im September 1939 . die paar russischen Panzer und die kubanischen Berater aus Nicaragua herauszubekommen. Aber dann. Das ist einfach eine Lüge. daß ich niemals die Sandinisten als. denn einzig unser Angriff hat diese Reformen gebremst und gestoppt.der. . bis wir sie durch unseren Widerstand den Sowjets in die Arme trieben. liefert nur ein besonders schönes Beispiel für Orwellsches 142 Zwiedenken. haben ja die Sandinisten kritisiert.er ist ja schon in der ganzen Welt dafür bekannt. Cruz. Das sind ja nur Galionsfiguren. Chomsky . Chomsky weiß das auch ganz genau. die in 76 Entwicklungsländern nicht so etwas erlebt hatten wie dort . erst wir hätten sie an die Seile der Kommunisten gedrängt. OXFAM. ne Geschichtsfälschung. In einem totalitären Staat hat die Opposition keine vernehmbare Stimme auch nicht in der Sowjetunion. Chamorro. die schon in der Opposition gegen Somoza aktiv waren und von denen viele im Gefängnis gesessen hatten. Daraufhin erhielten sie Kredite in Höhe von 117 Millionen Dollar. Chris Lydon Und Sie. Und dann habe ich auch nicht behauptet. Cruz und Robelo hätten Ausschreitungen verübt. anstatt ständig gegen zu sie zu arbeiten. den Krieg gegen Nicaragua einzustellen. womit sie vor unserem Angriff beschäftigt waren .

. was Sie hier sagen ..nämlich in den USA. daß er schließlich Botschafter der Sandinisten in Washington gewesen war. Sie sind ein Scharlatan. als ihm ihr restlos totalitäres Wesen klar wurde.. und daß er der Spitzenbanker der Sandinisten war .. Sie lügen nämlich schon wieder. Chomsky Also jetzt ist wohl klar.. warum Sie mich hier aus der Diskussion herausmanövrieren wollen . daß Cruz sich an der Wahl . weil er pleite war . Chomsky Wie bitte?? Silber Und wenn Sie hier behaupten.. man bringt ihn gleich um. Silber Stimmt überhaupt nicht. in den Sie sie stellen.... Silber Merken Sie eigentlich nicht. In El Salvador beispielsweise beschimpft man den Erzbischof nicht.. 143 . Chomsky Ich spreche hier . man vernichtet sie.. Silber .... und sind diese Sachen nun passiert oder nicht? Silber Es waren die Turbas [pro-sandinistische Straßenmiliz]... Mister. Er hätte sich zur Wahl stellen können . Man zensiert die Presse nicht. zum Teil deswegen. Der kirchliche Rundfunksender wurde von der Armee in die Luft gesprengt. Silber Also in dem Zusammenhang.. die verhindert haben... Den Herausgeber der unabhängigen Zeitung fand man in einem Graben.. dann vergessen Sie.. Wir haben nur diesen Quatsch satt! Chomsky Also bitte. oder verbreiten Sie Ihre Lügen im Fernsehen lieber systematisch? Silber Nein. und daß er immer . Chomsky Aber ich hab' doch noch gar nichts gesagt. verstümmelt und mit Macheten zerhackt. Chomsky . wenn es uns auch nur im geringsten um die Demokratie ginge — was in unserer Außenpolitik noch nie der Fall war — dann würden wir uns mal Ländern wie El Salvador zuwenden. Chomsky Genau . bis er schließlich mit den Sandinisten brach. Chomsky Allerdings. und es wird höchste Zeit. Chomsky Darf ich bitte fortfahren? Ich habe Sie auch nicht unterbrochen..Wissen Sie. Dann hat man ihn als Politfigur zurück nach Nicaragua geschickt. Arturo Cruz sei bloß eine Galionsfigur und täte überhaupt nichts.... Silber Und warum war er hier? Chomsky Er war in den USA und ist hier desertiert. sind sie jedenfalls nicht passiert. daß die Leute Ihr Geschreibsel auch mal so einschätzen.ich .... ich habe doch gesagt. weil . weil die dortigen oppositionellen Geschäftskreise keinen überzeugenden Kandidaten hatten. daß das ganz alte Hüte sind. er konnte es nicht... Silber Sie sind ein systematischer Lügner . Chris Lydon Ich muß Ihnen jetzt leider beiden das Wort entziehen.. Silber . Chomsky Entschuldigen Sie mal. Chomsky Darf ich bitte weiterreden? Silber .... auf die wir wirklich Einfluß haben..ich spreche hier über neunzehnhundert.. Arturo Cruz war in den USA und man hat ihn .hat er aber nicht. Silber Merken Sie eigentlich nicht . Silber . das war neunzehnhundert.

) Inzwischen hatte man auch die unabhängigen Medien durch Bomben und anderen Terror ausgeschaltet . dem Marionettenregime durch »freie Wahlen« eine Legitimation zu verschaffen.. die Vernichtung der Volksorganisationen und die Verhinderung jeglicher Unabhängigkeit besonders am Herzen. daß sie im Oktober 1979 einen Putsch reformistischer Offiziere unterstützte. die sich gegen die Organisationen des Volkes richtet. unter den zahlreichen Toten war auch der Rektor. Turning the Tide S.) Nun lagen der US-Politik aber gerade die Verschärfung der Repression. der Junta keine Militärhilfe zu gewähren. Jedenfalls haben Sie es Präsident Reagan für Sonntag abend verdammt schwer gemacht. Chris Lydon Geht leider nicht.. Ge- werkschaften und dergleichen.) Die Reaktion der Carter-Regierung auf diese Gefahren in El Salvador bestand darin. Anschließend wurde die Universität geschlossen (. Bischof Rivera y Damas.... nur weil diese um ihre elementarsten Menschenrechte kämpfen« (... Es entstand die furchterregende Aussicht. es könnte auch in El Salvador die dortige brutale Diktatur gebrochen werden und somit auch dieses Land sich dem Einfluß der USA entwinden. bei seiner Vereidigung den Streitkräften seine Anerkennung »für ihren mannhaften Kampf Seite an Seite mit dem Volk gegen die Subversion« aussprach. Newsweek oder CBS News] ließen während der sal- vadorianischen Wahlen (. daß die reaktionärsten Vertreter des Militärs auf ihren maßgeblichen Posten verblieben (. Also ignorierte Carter den Appell des Erzbischofs und schickte seine Lieferungen.Chomsky Das ist auch wieder gelogen.so stellte er fest-»wird hiermit Sicherheit das Unrecht vermehren und die Repression verschärfen.1980 verurteilte Erzbischof Romeros Nachfolger. Unsere Sendezeit ist um.) Im Februar 1980 richtete Erzbischof Romero an Präsident Carter die dringende Bitte.) Im März 1980 erlag Erzbischof Romero einem Mordanschlag. 129 .auch dies eine Voraussetzung dafür. Im kirchlichen Radiosender explodierten mehrfach Bomben..) Die Schlußfolgerung des Richters Ramirez lautete: »Es kann keinen Zweifel daran geben.) Am 26. Die Leichen des Herausgebers und eines Redakteurs [der Zeitung La Crónica del Pueblo} fand man von Macheten zerhackt vor.. die Mörder gedungen zu haben. nicht ohne gleichzeitig sicherzustellen. zerstörten den Sender und durchwühlten die Räume der Zeitung (.. kurz nach Reagans Wahl stürmten Truppen das erzbischöfliche Gebäude. Nachdem er den Organisator der Todesschwadronen und US-Liebling General Medrano sowie den rechten Flügelmann Roberto d'Aubuisson beschuldigt hatte... erhielt er Todesdrohungen. Duarte. denn diese .. eine andere Zeitung [El Independiente] stellte ihr Erscheinen ein.)« 144 Im Juni überfiel die Armee die Universität plünderte und verwüstete sie. 102-107 [Weder die New York Times noch Time. wir danken Ihnen. nachdem es gegen den Herausgeber drei Mordanschläge gegeben und seine Familie Drohungen erhalten hatte. die sich unter Anleitung der Kirche in Selbsthilfegruppen verwandelten. El Salvador könnte sich zu einer wirklich sinnerfüllten Demokratie entwickeln und womöglich das Volk spürbar am politischen Prozeß beteiligen (.. Eine noch größere Gefahr aber erblickte man in der zunehmenden Ausbreitung der »Organisationen des Volkes«.. John Silber und Noam Chomsky.. Der Richter Atilio Ramirez übernahm die Leitung einer gerichtlichen Untersuchungskommission.. überlebte nur knapp einen Mordversuch und floh schließlich ins Ausland (.. Der Sturz Somozas [des nicaraguanischen Diktators] im Jahre 1979 ließ in Washington die Besorgnis aufkommen.OK. die Armee und »ihren Ausrottungsfeldzug und Völkermord an der wehrlosen Zivilbevölkerung«. Chomsky Ja .. oder von Kleinbauern-Organisationen. den Mord zu decken (. daß man sich von Anfang an dazu verschworen hatte.) auch nur ein Wort darüber fallen. die Redaktion von Soldaten besetzt war und Mitarbeiter verhaftet und gefoltert worden waren. während einige Wochen später der zivile Präsident der Junta. »um die Schlüsselrolle der Armee im Reformprozeß zu stärken« (. daß La Crónica und El Independiente das Opfer von Mord und physischer Gewalt geworden oder daß Journalisten umgebracht worden waren. Manufacturing Consent S. etwa von Bibelkreisen.. Aber jetzt zurück zu .10.

Filmmeter) und Paramount News (2. die USA legten einer politischen Lösung Hindernisse in den Weg. Wir zogen es vor zu passen. • 00:02:55:21 • Sagt. WASHINGTON Frage aus dem Publikum Als Sie zuletzt hier waren. Israels Sicherheit würde zunehmen.000 Videokassetten eingelagert. haben Sie davon gesprochen. diesen Streifen in Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media zu Kassette 1 von 2 • 00:01:31:27 • Chomsky behauptet. d. Die Medienbeobachter von FAIR haben »Nightline« mal analysiert. NOAM KRIEG: ARABISCH-ISRAELISCHER KONFLIKT DATUM = 88/04/08 LAGERORT = NEW YORK PROGRAMM: ISRAEL SPEZIAL / »NIGHTLINE« IM HEILIGEN LAND AUFGENOMMEN IN: CAMBRIDGE. h. Seit 1963. die gesamte weltweite Nachrichtenproduktion von ABC. Ich hatte wohl einen anderen Vortragstermin oder so — und. es ist mir auch ziemlich egal. Meter). Mindestabnahme 1800 Dollar. Hai sich da irgend etwas geändert? Sind Sie schon mal zu »Nightline« oder »Brinkley« eingeladen worden? Chomsky Doch. man hat mich mehrfach gebeten. Demnach ist das Spektrum dieser Sendung geradezu lächerlich schmal. wenn es einer politischen Lösung mit den Palästinensern nähertritt. 25 Mio. Kassette 2 von 2 • 00:00:33:21 • Chomsky spricht über die Gründe. . INDEX: PERSONEN CHOMSKY. Menschen nicht zu unterdrücken oder zu terrorisieren. wollte man uns pro Sekunde 90 Dollar berechnen. Einmal ist Chomsky doch für »Nightline« interviewt worden. um ganz ehrlich zu sein. Über den Sender ging aber nichts davon. Außerdem betreut das Archiv Pathé News (3 Mio. Für das Recht. mit interessanten Ergebnissen.5 Mio. als ABC Network News zum erstenmal ausgestrahlt wurde. das man mit Chomsky im April 1988 für eine sich über Wochen erstreckende Reihe von Sonderprogrammen «Nightline im Heiligen Land« aufgenommen hatte. warum die palästinensischen Jugendlichen weiterhin gegen Israel rebellieren. der Holocaust müsse als Lehre dienen. in »Nightline« aufzutreten. • 00:16:18:02 Schnitt. wurden bei Sherman Grinberg ca. jedenfalls wenn man europäische oder überhaupt internationale Maßstäbe anlegt. zuhause aber wohl weniger. • 00:15:46:09 • Behauptet. Eine Suche in der Datenbank des ABC-Archivs »Sherman Grinberg Film Library« führte auf ein Interview von .'59 Minuten Länge. • 00:10:38:08 145 verwenden. da sie seiner Meinung nach die der Gewalt zugrunde liegenden Faktoren nicht wiedergeben. daß Ihnen die Massenmedien zwar im Ausland offenstehen. die Israel zu einer Politik der Besetzungen und der militärischen Konfrontation treibt. Skizziert Beispiele der amerikanischen Einmischung in den Friedensprozeß. Filmmeter und über 400. Ich konnte es aber nicht machen. die größte Bedrohung der israelischen Sicherheit stelle die jüdische Gemeinde in den USA dar.GEORGETOWN UNIVERSITY. katalogisiert und in Computern erfaßt. • 00:19:17:10 • Chomsky kritisiert die Berichterstattung in den Medien über die gewaltsamen Unruhen in den besetzten Gebieten. seit 17 Jahren blokkierten die USA eine friedliche Lösung des israelisch-arabischen Konflikts. MASSACHUSETTS REPORTER: JORDAN KAMERA: WORDEN INHALT: INTERVIEW MIT PROFESSOR NOAM CHOMSKY VOM MASSACHUSETTS INSTITUTE OF TECHNOLOGY (MIT) ÜBER DIE KRISE IN DEN ISRAELISCH BESETZTEN GEBIETEN • Bezeichnet die derzeitigen Bemühungen der USA um einen Frieden im Nahen Osten als mangelhalt. • 00:06:38:00 • Macht geltend. • 00:04:55:25 • Behauptet.

Weil PolitShows wie »Nightline« häufig live gesendet werden. der die in seiner Show angesprochenen Probleme zu lösen sucht. Die Studie schließt mit der Empfehlung »Nightline« möge »Durchschnittsbürger/innen aus allen Bevölkerungsschichten und Berufen« mit einbeziehen und dadurch seine Repräsentativität verbessern. die sich auch in der begrenzten Auswahl der Gäste widerspiegelt und bestärkt fühlt. Wie sich zeigte. waren die Gäste in ihrer großen Mehrheit weiß. 1-4 Der FAIR-Report über »Nightline« ließ die Frage aufkommen. wie gut wohl im Vergleich dazu andere TV-Nachrichtenmagazine in Bezug auf Vielfalt und Spannweite ihrer Gästelisten abschneiden. Beide Berichte bei FAIR erhältlich. Selbstverständlich erhebt »Nightline« den Anspruch.01. standen die USA als ein Land ohne nennenswerte innere Verwerfungen da. die durch die Show vermittelt wurde. war das Gästespektrum bei »MacNeil/Lehrer« politisch gesehen noch schmaler als das von »Nightline« . kommt es entscheidend auf die Gäste an. die schon jetzt die Macht innehaben.04. All the Usual Suspects: MacNeil/Lehrer and Nightline. Zu diesem Zweck wurden die »Nightline«-Niederschriften aus 40 Monaten ausgewertet (1. hohe Regierungsbeamte oder Vertreter von Großfirmen Obgleich »Nightline« eines der wichtigsten Nachrichtenmagazine der USA ist. deshalb hat sich die Studie diesem Aspekt gewidmet. wohingegen der Rest der Welt als »erschreckend instabil« galt. männlich und Vertreter mächtiger Institutionen. wenn Ted Koppel als »Diplomat« auftritt. Infolge seiner Weltsicht. Aus dem Folgebericht von FAIR. 146 .88). ist »Nightline« ein im Grunde konservatives Politik-Programm im Dienste derer. In der Weltsicht. Wie sich zeigte. David Croteau. William Hoynes. Daher standen auch die in »Nightline« aufgegriffenen Themen »in einem engen Zusammenhang mit der aktuellen Politik der US-Regierung«. war die Reihe vor dem Erscheinen dieses Reports noch kaum analysiert worden. die von der Regierung und aus der Wirtschaft geliefert werden sowie von Experten.Die Organisation FAIR (Fairness and Accuracy in Reporting) hat 865 »Nightline«-Programme untersucht. Von den 1530 Gästen aus den USA waren 92 Prozent weiß 89 Prozent Männer 80 Prozent Freiberufler. eine möglichst breites Spektrum zu präsentieren. Diesem Ziel steht es jedoch entgegen. Also stellte FAIR 1989 sechs Monate lang einen Vergleich zwischen »Nightline« (ABC) und der »McNeil/Lehrer«-Show von PBS an. A Special FAIR Report: Are You on the Nightline Guest List? An Analysis of 40 Months of Nightline Programming (Boston College 1989) S. die ihrerseits auf Anerkennung und Finanzierung durch diese primären Organe und Quellen der Macht angewiesen sind. obwohl doch »MacNeil/Lehrer« über einen Öffentlichen Kanal geht.und dies.85-30. Filter: Die Abhängigkeit der Medien von Informationen.

« Quelle: Contemporary Authors Bd. 24 (1988) Jeff Hansen Er ist einer der größten Intellektuellen auf der ganzen Welt. Ich war vorher schon zigmal auf dem Sender gewesen. die Medien hätten einen Einfluß auf den Ausgang der Präsidentschaftswahlen. 147 . wenn Noam Chomsky nie auftritt? Jeff Greenfield Also . 1943) 1968 B. Ich war im Studio eines Hörerradios in Madison. JEFF GREENFIELD (geb. WISCONSIN.GEORGETOWN UNIVERSITY. So heißt es dort: »Dieses Buch vertritt die These. Der Typ hieß Jeff Greenfield oder so ähnlich . Yale University 1967-68 Parlamentarischer Berater von Senator Robert Kennedy 1968-70 Assistent des New Yorker Bürgermeisters John Lindsay 1970-76 Consultant bei Garth Associates Schriftsteller. er habe »einen geschulten Blick dafür..« (. Dieser Mann ist wirklich gut. Wisconsin. daß das Fernsehen und die Medien praktisch keinen Einfluß auf den Ausgang der Wahl von 1980 hatten.. und in seinen Schriften stören die zahllosen Hervorhebungen. was ich selbst erlebt habe. A. Er spielte mir also ein Band mit einem Interview vor.) Larry Sabato schrieb in der New York Times Book Review über Greenfield. wie man mit gefälligen Anekdoten und aufschlußreichen Bildern wichtige Begriffe verdeutlichen kann. das er gerade geführt und auch gesendet hatte. Kritiker für Politik und Medien bei CBS und ABC In seinem Buch The Real Campaign: The Media and the Battle for the White House erschüt- tert Greenfield die verbreitete Annahme. WASHINGTON Chomsky Ich will euch jetzt mal etwas erzählen.also das kann ich nun auch nicht sagen. RADIO WORT. MADISON. B. ein ganz guter Lokalsender. University of Wisconsin 1967 LL. und ich bin Jeff Greenfield. Allerdings neigt er zur Jovialität. mit einem dieser Wichtigtuer von »Nightline«. Regionalfunk WORT] interviewt. und wurde vom Nachrichtenleiter [Jeff Hansen.sagt jemandem der Name was? TV-BILD IN EINEM SCHAUFENSTER Jeff Greenfield Hier ist »Nightline« in New York. er trifft die verschiedensten Leute. die zu »Nightline« eingeladen werden. USA Jeff Hansen Was ist denn eigentlich gerecht an der Auswahl der analytischen Köpfe. meist übers Telefon.

Jeff Greenfield

Ich weiß es wirklich nicht, aber ich
könnte ja mal vermuten. Vielleicht ist er
einer der großen Intellektuellen, die
sich nicht auf Fernsehauftritte verstehen. Da gibt es bestimmte Regeln, die
für uns enorm wichtig sind. Wenn die
ganze Show 22 Minuten hat, und
jemand wird nach 5 Minuten erst so
langsam warm - weiß nicht, ob das auf
Chomsky zutrifft - also so jemand ist
out. Warum haben wir bei »Nightline«
immer die üblichen Verdächtigen?
Weil, wenn man jemanden für eine
Show einplant, muß man sicher sein,
daß der oder die Betreffende innerhalb
der vom TV-Medium diktierten Grenzen
auf den Punkt kommen kann. Wem das
nicht paßt, der sollte sich mal merken:
Wer für eine Antwort acht Minuten
braucht, der ist genauso fehl am Platz
wie einer, der kein Englisch spricht.
Natürlich ist das, wie üblich, kulturabhängig. Bei uns müssen die Leute
eben Englisch sprechen. Und sich kurz
fassen.

GEORGETOWN UNIVERSITY,
WASHINGTON
Chomsky

Dieser Greenfield, oder wie er heißt,
trifft den Nagel auf den Kopf. Denn nur
in den US-Medien - nur dort müssen
sich alle kurz fassen. Was man sagt, darf
600 Worte lang sein und muß zwischen
zwei Werbespots passen. Und nun
kommt's: Das Schöne an der Kürze des
Ausdrucks - nicht wahr, man bringt zwischen zwei Commercials gerade mal
einige Sätze hervor - also das Schöne
daran ist nämlich, daß man auf diese
Weise nur Gemeinplätze wiederkäuen
kann.

(Wir baten Chomsky um seine Meinung zu der
Behauptung, daß nicht nur die amerikanischen,
sondern alle kommerziellen Medien Inhalte verkürzen)
Ich bin mir nicht sicher, ob kommerziell gesteuerte
Medien außerhalb der USA »Kürze« erzwingen kann sein, kann auch nicht sein. Beim britischen
Kommen-Fernsehen ist es jedenfalls nicht so; die
sollen sogar noch erheblich offener sein als die
BBC. Das ist auch meine Erfahrung; war nicht
das Opinions-Programm, das Ihr gefilmt habt,
auf einem kommerziellen Kanal? Aber entscheidend ist, daß außerhalb der USA die Radio- und
Fernsehwelt im allgemeinen nicht-kommerziell ist;
also stellt sich Eure Frage so überhaupt nicht. Und

selbst bei den kommerziellen Sendern läuft es anders ab bei uns. Nehmen wir Italien: Da brachte
das Femsehen - jedenfalls vor 15 Jahren, als ich
dort war - zwar massenhaft Reklame, aber alle
Spots lagen in den Lücken zwischen den verschiedenen Programmen. Nicht wie hier bei uns, wo
alle paar Minuten unterbrochen wird (vor allem
im Radio). Wahrscheinlich ist der ganze Begriff
der »Kürze« etwas Amerikanisches und greift über

die kommerzielle Bedingtheit hinaus. Aber um
ganz sicher zu sein, müßte man das erst einmal
richtig untersuchen. Ich selbst spreche nur aus
eigener Erfahrung; geforscht habe ich nicht darüber. Übrigens unterwirft man sich sogar im
Öffentlichen Radio oftmals diesen Einschränkungen. Während des Golfkriegs durfte ich mal im
National Public Radio einen Kommentar sprechen. Dieser mußte vorher eingereicht werden,
und er hatte genau 2 1/2 Minuten zu dauern.
Als der Text abgenommen war, sollte ich ihn im
Studio aufzeichnen lassen. Da aber meine erste
Lesung 2 Minuten 36 Sekunden dauerte, mußte
ich die Aufnahme wiederholen, damit die Zeitgrenze eingehalten war. Sowas habe ich noch von
nirgendwo vernommen. - NC

148

RADIO WORT, MADISON
Jeff Greenfield

Vor 20 Fahren habe ich Chomsky mal
gelesen. Für mich sind seine Vorstellungen ... hat er nicht mal ... war er nicht
Co-Autor eines Buches mit dem Titel
Engineering Consent oder The Manufacturing of Consent? Auf mich wirken solche
Dinge, als ob sie vom Neptun kommen.
FOTOS DES PLANETEN NEPTUN
VON DER NASA-RAUMSONDE
»VOYAGER«
Sprecher

Zum erstenmal zeigt sich hier Neptun
so deutlich dem menschlichen Auge.
Voyagers jüngste Leistung - vor wenigen
Stunden nahm er diese Fotos auf.
Jeff Greenfield

Klar, es steht ihm frei, zu behaupten,
auch ich würde alles durch ein Prisma
sehen. Aber was er da über die Grenzen
der Diskussionsfreiheit bei uns vorbringt, halte ich für absoluten Quatsch.

Jeff Greenfield hat übrigens Chomsky nicht
nur gelesen, er war sogar zusammen mit ihm
im Fernsehen - nämlich in jungen Jahren
1969 als Hilfsfrager bei William F. Buckley,
als der in seiner »Firing Line« Chomsky
interviewte.
Zu Ghaddafi, den amerikanischen Bombenangriffen auf Libyen und das Medienecho
darauf vgl. auch:
• Culture of Terrorism; Pirates and Emperors;
Chronicles of Dissent Kap. 3
• Necessary Illusions Anh. 5.2
• Language and Politics Interview 33
• »International Terrorism«, Audioband
von Alternative Radio
Zu Khomeini, Iran und zum religiösen Fanatismus vgl. auch Language and Politics
S. 740-741
Zur Medienberichterstattung über die sowjetische Invasion in Afghanistan und die
amerikanische in Vietnam, vgl. Manufacturing Consent Kap. 5

GEORGETOWN UNIVERSITY,
WASHINGTON
Chomsky

Nehmen wir mal an, ich würde mich da
in »Nightline« hinstellen, man gibt mir,
sagen wir, zwei Minuten, und ich verkünde dann, daß Gaddhafi ein Terrorist
ist und Khomeini ein Mörder, daß die
Russen nach Afghanistan eingefallen
sind und so weiter und so fort - dafür
muß ich keine Beweise bringen, weil
jeder das abnickt.
Nun nehmen wir aber mal an, ich täte
etwas anderes, als die üblichen Predigten abzuspulen. Ich würde etwas
äußern, das auch nur im geringsten
unerwartet oder umstritten ist.
Beispielsweise ...

149

INTERVIEW MIT DER
SEATLLE TIMES,
SEATTLE, USA

»Die größten internationalen Terrorunternehmen, die
wir kennen, werden von Washington aus gesteuert.«
Das Handbuch der U. S. Army über die
Bekämpfung dieser Pest [des internationalen Terrorismus] versteht unter Terrorismus »den kalkulierten Einsatz von Gewalt,
oder eine Drohung damit, in Verfolgung
politischer, religiöser oder ideologischer
Ziele. Dies geschieht durch Einschüchterung, Zwang oder die Erzeugung von
Furcht« (...)
Zu den offiziellen Instrumenten der USA
zählt die LIC-Doktrin [Low Intensity Conflict] . Während sie in El Salvador trotz eines
furchtbaren Blutzolls fehlschlug, hat sie sich
in Nicaragua bewährt und konnte dort eine
unabhängige Entwicklung erfolgreich verhindern. Es muß festgehalten werden, daß
LIC (...) kaum mehr als ein Euphemismus
für internationalen Terrorismus ist; denn es
wird dabei Gewalt eingesetzt, aber unterhalb der Schwelle der Aggression, die als

Kriegsverbrechen unter das Urteil von
Nürnberg fallen würde. Unter den vielen
terroristischen Staaten auf der Erde nehmen die Vereinigten Staaten einen Sonderplatz ein, denn sie betreiben den internationalen Terrorismus offiziell, und das in
einem Ausmaß, das alle Konkurrenten vor
Scham versinken läßt (...)
Necessary Elusions S. 271-273
Es ist eine grundlegende Tatsache, daß die
USA ein neo-kolonialistisches System von
Satellitenstaaten fördern und protegieren,
die hauptsächlich durch Terror regiert werden und den Interessen einer kleinen inund ausländischen Wirtschafts- und Militärelite dienen. Gemäß ihrem wichtigsten
Glaubenssatz, der eigentlich ein ideologischer Vorwand ist, fühlen sich die USA
weltweit der Sache der Demokratie und der
Menschenrechte verpflichtet — gelegentliche Fehltritte vorbehalten.
Zumindest während der letzten 25 Jahre hat
der offizielle Terror weit mehr Tod und Folter mit sich gebracht als sein Gegenstück im
Untergrund. Mehr noch, die Waage des
Schreckens neigt sich anscheinend immer
stärker der Seite des Westens und seiner
Verbündeten zu, wobei die USA als Quelle
und Förderer das Tempo bestimmen. Die
radikalnationalistischen Aufstände im Gefolge des Zweiten Weltkriegs, der die alte
Kolonialwelt zertrümmerte, bildeten eine
Bedrohung für die überlieferte Hegemonie
des Westens und für seine Wirtschafts- und
Geschäftsinteressen. Um diese Gefahr einzudämmen, verbündeten sich die USA mit
den Eliten und Mililärkasten in der Dritten
Welt, die seitdem die Rolle eines Dammes
gegen die Flut des Wandels übernommen
haben. Diem und Thieu spielten seinerzeit
diese Rolle in Vietnam ebenso wie heute
noch unsere Verbündeten, für die Namen
wie Mobutu in Zaire, Pinochet in Chile oder
Suharto in Indonesien stehen. Ein neofaschistischer Nationaler Sicherheitsstaat und

150

andere autoritäre Regimes sind in der Dritten Welt zur Regel geworden, häufig genug
mit aktiver Unterstützung durch die USA.
Diese konterrevolutionären Regimes, die
nicht nur eifrige Antikommunisten sein,
sondern sich auch für ausländische Einflüsse offen halten müssen, empfangen westliche Waffen (meist aus den USA), mit denen
sie dann nach Herzenslust foltern und töten
können.
Nun sind die Errichtung und Unterstützung
solcher Militärjuntas mit ihren sadistischen
Quälereien und Blutbädern kaum mit Demokratie, Menschenrechten und anderen
vorgeblichen westlichen Weiten vereinbar.
Daher wird erheblicher Druck auf die Medien und die Intelligenz der USA und Westeuropas ausgeübt, an der Begründung der
staatlichen Politik mitzuwirken. Gelöst wird
dieses Problem vor allem durch Unterdrükkung der Fakten; man verschließt also die
Augen vor allen unappetitlichen Einzelheiten, als da sind: die verbreiteten Morde und
Folterungen, der Rassismus - auch in Israel -, die systematische Errichtung immer
neuer autoritärer Regimes und schließlich
die Rolle der USA als Schirmherr der Führungsschicht in diesem Weltreich faschistischer Satellitenstaaten.
The Political Economy of Human Rights Bd. 1
S.ix,8,ll
Zum internationalen Terrorismus vgl. auch
Edward S. Herman, The Real Terror Network:
Terrorism in Fact and Propaganda (South
End, Black Rose Books 1982)
Edward S. Herman, Gerry O'Sullivan, The
»Terrorism« Industry: Structure, Linkages, and
Role in Western Ideological Mobilization (Pantheon 1989)
Chomsky: Culture of Terrorism, Pirates and
Emperors, Chronicles of Dissent Kap. 3, Language and Politics Interviews 35,38, und »Terrorism Strikes Home: The Mideast, Fundamentalism, Terrorism, and U. S. Foreign
Policy«, in Z Magazine May 1993

MALASP'INA COLLEGE, NANAIMO

Überlegen Sie doch mal: Warum könnte
eine Regierung überhaupt einen verdeckten
Krieg führen wollen? Warum gibt es Operationen im Untergrund? Vor wem sollen sie
g e h e i m g e h a l t e n werden? (...) Vor d e n O p -

»...In den achtziger Jahren mußte
die amerikanische
Regierung im
Untergrund
operieren...«

fern offensichtlich nicht, die wissen sowieso
Bescheid. Zum Beispiel die Erkenntnisse
aus den Iran-Contra-Anhörungen - für keinen der Söldnerstaaten war das ein Geheimnis (...) Der Witz ist: Sie sollten nur vor der
amerikanischen Bevölkerung verborgen
bleiben - das ist alles. Eine Regierung sucht
regelmäßig dann Zuflucht zu verdeckten
Operationen, wenn sie von ihrem eigenen
Volk in den Untergrund getrieben wird.
Kann man seine Bevölkerung nicht mit Gewalt unter Kontrolle halten und auch nicht
genügend indoktrinieren, dann muß man
in den Untergrund gehen (...) Das amerikanische Volk ist eben immer noch zu wenig
angepaßt; aller Gehirnwäsche und Indoktrinierung zum Trotz wollen die weniger gebildeten, weniger elitären Schichten der Bevölkerung einfach nicht mitziehen.
Aus einem Interview mit David Barsamian,
abgedruckt in Language and Politics S. 735

151

wenn man ihm von einer russischen Invasion Afghanistans erzählen würde.) Ich möchte bezweifeln. schwer Verständliches. gegen Banditen. Dieses Regime hatte die im Genfer Friedensabkommen von 1954 geforderte politische Lösung blockiert und seitdem an die 80. um zu begreifen.. 34 . Schon die Formulierung ist ungewöhnlich (. aber es war eine amerikanische Invasion Südvietnams.000 Menschen umgebracht. Ich kenne die öffentliche Meinung in Rußland nicht besonders gut.. ganz zu schweigen davon. während des Krieges dieser Ausdruck gefallen ist. Oder ich sage. Andererseits würde derselbe Mann wohl unschwer verstehen. um das Land zu besetzen und den Widerstand im Lande zu brechen.mörderische Bombenangriffe auf vietnamesische Dörfer.was sie wirklich getan haben.. Aber kein Mensch hat darin eine amerikanische Invasion Südvietnams sehen wollen. daß die Aktivitäten der Vereinigten Staaten in Vietnam eine Invasion darstellen. Und doch fand in Südvietnam ebenso eine amerikanische Invasion statt wie jetzt eine russische in Afghanistan. daß wir später ein Expeditionskorps hingeschickt haben. und so weiter. ohne den Widerstand unter Kontrolle bringen zu können.« Schauen wir mal auf die russische Invasion in Afghanistan . jeder x-beliebige Mann auf 152 der Straße wäre höchst überrascht.. IARAMIE ». ja selbst in einer linken Zeitung.. nicht etwas Söldner . ob auch nur in einer einzigen großen Zeitung. um einer Widerstandsbewegung den Boden zu entziehen. The Chomsky Reader S. Man versteht es auch ohne Kenntnis der Geschichte Afghanistans.. die ihre Existenz überhaupt nur der Repression durch das von uns eingesetzte Satellitenregime verdankte. Das blieb damals völlig unbeachtet. Schließlich verteidigt man Afghanistan gegen kapitalistische Anschläge. darin liegt nichts Verborgenes.eine klare Sache. Man be- nötigt keine besonderen Vorkenntnisse.RADIO KUWR. Das war eben so. hinter denen der CIA steht. Also: Es gab bereits Anfang der 60er Jahre eine Aggression der USA gegen Südvietnam. daß die Sowjetunion in Afghanistan eingefallen ist. Und schauen wir nun auf die amerikanische Invasion in Südvietnam. Zweck dieser Angriffe war die Zerstörung der ländlichen Sozialstruktur in Südvietnam. Bereits 1962 flogen amerikanische Piloten .echte Militärflieger. daß die USA in Südvietnam einfallen . aber ich kann mir gut vorstellen. Man muß darüber nicht diskutieren.

MIT

»Faule und korrupte politische
Führer - das sind
die besten.«

Meiner unmaßgeblichen Meinung nach war
Kennedy wahrscheinlich der gefährlichste
Präsident, den wir je hatten (Beifall). Er
hatte einen wirklich gefährlichen, macho-

haften, geradezu fanatischen Zug an sich.
Zur Zeit kommt ja gerade so einiges in den
Berichten über die kubanische Raketenkrise ans Tageslicht - wirklich sehr aufschlußreich. Es scheint sogar noch schlimmer zu sein, als man vorher angenommen
hatte. Denn daß er damals bereit war, die
Welt an den Rand der Zerstörung zu treiben, hatte verdammt viel damit zu tun, daß
er sein Macho-Image retten wollte. So etwas
ist echt gefährlich. ... Also faule und korrupte politische Führer, das sind die besten.
Gefährlich sind die, die nur auf Macht aus
sind. Wer bloß schlafen oder vor dem Fernseher sitzen will oder so, der ist unproblematisch. Und das läßt sich auch über die
Korruption sagen. Korruption in einer Regierung ist etwas ungemein Positives; man
sollte immer dafür sein. Solange sich diese
Leute nur bereichern oder im Bett amüsieren wollen oder dergleichen, sind sie nicht
an der Macht interessiert. Die Typen, die
hinter der Macht her sind, das sind die
Gefährlichsten. Und ich sage, Kennedy war
so einer. Außerdem kommt Korruption
rasch ans Licht. Und warum? Ganz einfach:
Wer korrupt ist, bestiehlt üblicherweise
andere, die viel Geld haben. Diese Figuren
blockieren sich also gegenseitig, und wenn
ihre Korruption aufgedeckt wird, schwächt
das wieder ihre Macht. So kann man sich
auch dagegen schützen. Genau so ist es übrigens mit diesen Evangelisationspredigern.
Wenn die auf Macht aus wären, hätten wir
wirklich ein Problem. Solange sie bloß vergoldete Cadillacs und Sex und so wollen, ist
alles in Butter.
Aus einem Vortrag »Necessary Illusions« im
MIT, 10.05.89

153

ST. MICHAEL'S COLLEGE, WINOOSKI,
VERMONT, USA

»Wenn es nach den
Nürnberger Gesetzen gegangen wäre,
dann hätte man
seitdem jeden USPräsidenten
gehenkt.«

Unter einer Verletzung der Nürnberger Gesetze verstehe ich ein Verbrechen von der
Art, für die man in Nürnberg Menschen

gehenkt hat. Nürnberg steht übrigens auch
für Tokio. Muß man sich also zunächst einmal in Erinnerung zurückrufen, wofür in
Nürnberg und Tokio Menschen gehenkt
wurden. Tut man dies, dann ist alles blitzschnell klar. So wurde zum Beispiel unter
den schlimmsten Fällen in Tokio der General Yamashita zum Tode durch den Strang
verurteilt. Begründung: Auf den Philippinen hatte es Kriegsverbrechen gegeben,
und die dafür verantwortlichen Truppenteile hatten formal unter seinem Oberbefehl gestanden (das war aber im Endstadium das Krieges, er hatte überhaupt keinen Kontakt mehr zu diesen Truppen, die
da auf den Philippinen umherzogen). Und
für diese Verbrechen wurde er gehenkt.
Also wenn man das allgemein anwenden
würde, bliebe niemand mehr übrig.
Aber blicken wir mal tiefer in die Prozesse
von Nürnberg und Tokio hinein. Nehmen
wir Tokio und Truman: Es gab da einen
angesehenen, unabhängigen asiatischen
Richter, einen Inder — übrigens der einzige
des ganzen Gerichtshofs, der sich im Völkerrecht auskannte. Dieser Mann distanzierte sich von dem Urteil, überhaupt von
dem ganzen Prozeß, und er verfaßte ein
wichtiges Minderheitsvotum - 700 Seiten
stark. Es findet sich in der juristischen
Bibliothek von Harvard - da habe ich es
jedenfalls her, vielleicht ist es auch noch
anderswo vorhanden - und es ist äußerst
lesenswert. Er geht die Gerichtsprotokolle
durch und beweist m. E. überzeugend, daß
der Prozeß eine Farce war. Am Ende zieht er
etwa folgendes Resume: Wenn es auf dem
pazifischen Kriegsschauplatz überhaupt ein

Verbrechen gab, das sich mit denen der in
Nürnberg gehenkten Nazis vergleichen
läßt, dann war das der Abwurf der beiden
Atombomben. Und den in Tokio Angeklagten könne nichts Derartiges vorgeworfen

154

werden. Ich denke, wenn man den Hintergrund betrachtet, ist das völlig plausibel.
Truman hat dann in Griechenland eine große Aufstandsbekämpfungsaktion gestartet,
mit dem Erfolg: 160.000 Tote, 60.000 Vertriebene, 60.000 Gefolterte, Kollaps des politischen Systems. Am Ende stand eine Regierung der Rechten, und dann kamen die
amerikanischen Konzerne und bemächtigten sich des Landes. Gemäß den Nürnberger Statuten ist das für mich ein Verbrechen.
Und dann, wie war das mit Eisenhower? Es
gibt Gründe dafür, den durch ihn eingeleiteten Sturz der Regierung von Guatemala
als Verbrechen einzustufen. Es gab eine
vom CIA unterstützte Armee, die dort einrückte, Bomben warf und schließlich diese
kapitalistische Demokratie untergrub, alles
begleitet von Drohungen aus den USA. Das
halte ich für ein Verbrechen. Oder der Einmarsch im Libanon 1958 - ich weiß nicht,
auch da ließe sich Ähnliches vorbringen,
denn viele Menschen fanden den Tod.
Oder der erfolgreiche Putsch gegen die
Regierung im Iran - dahinter stand allerdings der CIA. Jedenfalls gab es unter Eisenhower viele Fälle, aber Guatemala reicht
schon.
Kennedy ist leicht. Die Invasion Kubas war
eine direkte Aggression. Übrigens war sie
bereits unter Eisenhower geplant worden,
auf dessen Konto geht also noch, daß er in
eine Verschwörung zum Angriff auf ein
fremdes Land verwickelt war. Im Anschluß
an die Invasion startete Kennedy eine gewaltige terroristische Operation gegen Kuba,
die dort ernste Folgen hatte. Das ist kein
Witz. Bomben gegen Industrieanlagen und
Hotels, viele Tote, Fischerboote versenkt,
Sabotageakte. Später - unter Nixon - hat
man sogar Vieh vergiftet und dergleichen.
Es war eine dicke Sache. Und dann kam
Vietnam; er ist dort eingefallen. Er hat die
Air Force mit Bomben hingeschickt. OK.
Soviel zu Kennedy.

Johnson ist trivial. Die Dominikanische Republik können wir ruhig beiseite lassen allein der Krieg in Indochina war schon ein
schweres Kriegsverbrechen.
Nixon - dasselbe. Er ist in Kambodscha eingefallen. Die Bombardements Anfang der
70er Jahre unter Nixon und Kissinger unterschieden sich nicht sonderlich von den
Greueltaten der Roten Khmer - gut, es war
etwas weniger, aber nicht viel. Und das gilt
auch für Laos. Also bei diesen beiden
könnte ich leicht einen Fall nach dem anderen hernehmen.
Ford war ja nur kurz im Amt, da konnte er
nicht so viele Verbrechen verüben, aber ein
größeres ist ihm doch gelungen. Er unterstützte den indonesischen Einmarsch in
Osttimor. Dieser war eine Art Völkermord;
im Vergleich dazu mutet Saddam Husseins
Einfall in Kuweit wie ein Kaifeekränzchen
an. Und der entscheidende Rückhalt dafür
kam aus den USA, sowohl auf diplomatischer Ebene als auch in Form von Militärhilfe. Unter Carter ging das dann weiter.
Carter war unter den amerikanischen Präsidenten der, der am wenigsten zur Gewalt
neigte. Doch selbst er tat einige Dinge, die
wohl mit Sicherheit unter die Nürnberger
Statuten lallen würden. Denn genau zu der
Zeit, da das Wüten der Indonesier die Ausmaße eines Völkermords annahm, verstärkte Carter die Hilfe aus den USA. Ihr Maximum erreichte sie 1978, gleichzeitig mit
den Mordaktionen. Das reicht für Carter;
alles andere vergessen wir mal.
Reagan: Keine Frage - da genügt ja schon
Mittelamerika. Und dann die Unterstützung der israelischen Invasion im Libanon,
wo die Zerstörung und die Zahl der Opfer
abermals Saddam Hussein vergleichsweise
harmlos aussehen lassen. Das reicht.
Nun zu Bush. Gibt es da überhaupt noch
etwas zu sagen? Es gab in der Reagan-Zeit
ein Urteil des Internationalen Gerichtshofs
gegen Reagan und Bush wegen »unerlaubten Einsatzes von Gewalt«. Man könnte in

einigen Fällen unterschiedlicher Meinung
sein, aber wenn man sich an die Urteile von
Nürnberg und Tokio hält, dann hat man
einen ziemlich sicheren Stand. Meiner Meinung nach fallen alle amerikanischen Präsidenten in diese Kategorie.
Ich muß darauf hinweisen, daß die Grundsätze von Nürnberg auch kritisch gesehen
werden sollten. Als Vorbild will ich sie
bestimmt nicht hinstellen. Das fängt damit
an, daß sie ex post facto waren. Die Sieger haben bestimmt, was ein Verbrechen war, und
zwar nach dem Sieg. Das wirft schon die
eine oder andere Frage auf. Bei unseren
Präsidenten war nämlich nichts ex post facto.
Was heißt überhaupt »Kriegsverbrechen»?
Wie hat man diese Frage in Nürnberg und
Tokio beantwortet? Die Antwort ist ebenso
einfach wie unbequem. Es gab nämlich eine
Art operationelles Kriterium: Etwas galt als
Kriegsverbrechen, wenn der Gegner es begangen hatte und nicht beweisen konnte,
daß wir das Gleiche getan hatten. So galt das
Bombardement von städtischen Ballungsräumen nicht als Kriegsverbrechen, denn
das hatten wir stärker betrieben als die
Deutschen und die Japaner. Wir legen
Tokio in Schutt und Asche? So viel Schutt,
daß man nicht mal mehr eine Atombombe
draufwerfen kann, man würde ja keinen
Unterschied bemerken - nur darum hat
man nicht Tokio dafür genommen. Kein
Kriegsverbrechen - das waren ja wir. Wir
haben Dresden bombardiert, also war das
auch keines. Den deutschen Admiral Dönitz
(er befehligte wohl die U-Boote) stellte man
wegen des Versenkens von Handelsschiffen
oder ähnlicher Sachen vor Gericht. Als die
Verteidigung den US-Admiral Nimitz als
Zeugen aufbot, sagte der aus, die USA hätten praktisch dasselbe getan; damit war
Dönitz diese Anklage los. Man kann wirklich
alle Akten hernehmen - ein Kriegsverbrechen lag immer dann vor, wenn wir es ihnen
anlasten konnten, aber sie uns nicht. Da
stellen sich doch einige Fragen. Übrigens

155

wird dies interessanterweise von den Beteiligten offen zugegeben und sogar als moralisch vertretbar angesehen. Oberster Ankläger in Nürnberg war Telford Taylor, ein
ehrenwerter Mann. Er hat ein Buch geschrieben, Nuremberg and Vietnam, und er

geht darin auf die Frage ein, ob es in Vietnam Verbrechen gegeben habe, die unter
die Nürnberger Statuten fallen. Wie zu erwarten findet er keine, aber es ist interessant, wie er diese Grundsätze formuliert.
Er tut es genau so, wie ich gesagt habe; ich
könnte ihn direkt zitieren. Nur sieht er darin nichts Kritikwürdiges, sondern stellt einfach fest: Jawohl, so haben wir das damals
gemacht, und das war auch gut so.
Im Yale Law Journal gibt es einen Artikel darüber; wer sich dafür interessiert, findet ihn
auch in einem Buch abgedruckt [gemeint
ist Chomskys ausgezeichnete Untersuchung
über Vietnam und Kriegsverbrechen »Review Symposium: War Crimes, the Rule of
Force in International Affairs«, The Yale Law
Journal Bd. 80 Nr. 7 Juni 1971].
Ich meine, zu den Prozessen von Nürnberg
und Tokio - besonders zu letzterem - sollten eine Menge Fragen gestellt werden. Der
Prozeß von Tokio war in vieler Hinsicht eine
Farce. Für das, was die dort Verurteilten
begangen hatten, hätte man auch eine
Menge Leute auf der anderen Seite verurteilen können. Darüber hinaus hat man in
den USA - genau wie bei Saddam Hussein von vielen besonders schlimmen Verbrechen kaum Notiz genommen. Denn die
übelsten Bluttaten der Japaner ereigneten
sich in den dreißiger Jahren in China, aber
das hat in den USA nicht sonderlich interessiert. Daß Japan aber daran ging, den chinesischen Markt abzuschotten - das hat uns
interessiert. Das fanden wir nicht so gut,
weniger das Abschlachten von ein paar
Hunderttausend Menschen in Nanking.
Das ist ja nichts Besonderes.
Aus einem Vortrag am St. Michael's College,
Winooski, Vermont, USA

ROWE CONFERENCE CENTER

»Unter all unseren klassischen
Büchern steht wohl
die Bibel am meisten für Völkermord.«

Es ist doch ganz natürlich, daß die Geschichte voranschreitet: Zuerst ist die Skla-

verei legitim, später nicht mehr. Es wäre
überraschend, wenn diese Entwicklungsrichtung für längere Zeit umgekehrt würde.
Zu allen Zeiten war es doch so, daß die
Dinge, die man in einer bestimmten Periode als vernünftig und moralisch akzeptierte, später nur noch Verachtung und Entsetzen hervorriefen. Das trifft auch auf
unsere eigenen Überlieferungen zu. Unter
all unseren klassischen Büchern steht wohl
die Bibel am meisten für Völkermord; lesen
Sie nur mal darin. Damals war es Gott, der
seinem auserwählten Volk den Auftrag gab,
die Amalakiter mit Mann, Frau und Kind
auszurotten. Heutzutage würden die Menschen sich weder auf so etwas einlassen
noch es ihrem Gott zuschreiben wollen.
Hierin zeigt sich doch ein gewisser moralischer Fortschritt.
Aus einem Interview mit Richard Beckwith
und Matthew Rispoli, abgedruckt in Language and Politics S. 468

156

Mil der Bildung in den USA steht es ja so. wie es in Mittelamerika zugeht. was die Leute denken. war die Einstellung der Eliten. dieser Krieg sei nicht nur ein Fehler.. Wenn man nach dem Vietnamkrieg fragt und mehrere Antworten möglich sind. Student Aber beziehen Sie sich da nicht schon wieder auf ein ganz spezifisches Bevölkerungssegment? Auf Collegestudenten und Friedensaktivisten? Chomsky Nein. OK. Davon wiederum verstehen 157 die Leute im Harvard Faculty Club so gut wie nichts. die dem Jesuitenzentrum Spenden für die Hurrikanopfer geschickt haben. Ich glaube. LARAMIE Student Ich möchte mal eine Frage zur Wahrnehmung und Dauer dessen stellen. wir wissen also ganz. Die wollen ja gerade. Und bei den wortgewandten Intellektuellen fällt sie praktisch auf Null. denn diese Menschen wissen. Student Aber der Gedanke . die Geld für die Hurrikanopfer im Jesuitenzentrum spenden. Chomsky Also gut. wovon Sie gesprochen haben. daß die Masse dumm und unwissend ist. Wie ich bereits erwähnte. Sie haben aus meinen Zitaten über die dumme und unwissende Masse nicht etwa den Schluß gezogen. sondern grundfalsch und unmoralisch gewesen. was los ist. dann sagt seit 1969/70 bis jetzt die überwältigende Mehrheit der Befragten .also ich selbst bin ja anderer Meinung . weil sie viel zu sehr indoktriniert sind. wie sich auch in der Umfrage des National Geographie gezeigt hat: Es ist erschütternd.etwa 70 Prozent -.ich selbst bin ja anderer Meinung daß dieses Bild von der ignoranten Masse so zählebig ist? Chomsky »Das Ausbildungssystem beruht auf verordneter Unwissenheit. Als die Opposition gegen den Krieg ihren Höhepunkt erreichte.UNIVERSITY OF WYOMING. dann müssen wir die Frage so stellen: »Welches ist die richtige Haltung?« . gut. Ist es da nicht verständlich .wenigstens bei vielen wichtigen Fragen. Aber sie haben verstanden. geriet unsere Bevölkerung während des Vietnamkriegs außer Kontrolle. Damit bezeugt doch die unwissende Masse ein tieferes Verständnis der Realität als die gebildete Elite. Bei uns werden ja dauernd Umfragen veranstaltet. Befragt man aber die Meinungsführer oder was man so nennt . nein.dann liegen die entsprechenden Zahlen viel niedriger. Hierfür hat es einen sehr guten Beweis gegeben. dann würden Sie sicherlich die besseren Antworten von denen bekommen. oder nicht einmal diesen Namen. Nun gibt es aber nicht einen einzigen Beweis dafür. als wenn Sie diese Frage den Leuten stellen würden. daß die Durchschnittsbevölkerung bei wichtigen Angelegenheiten dümmer oder uninformierter wäre als die gebildeten Eliten.« Ich hoffe doch.. Sie haben verstanden. ich meine schon die Bevölkerung der USA. Beispielsweise würden Sie auf die Frage »Auf welchem Breitengrad liegt die Hauptstadt von Honduras?« die richtige Antwort bestimmt mit größerer Wahrscheinlichkeit im Harvard Faculty Club erhalten. ich glaubte selbst daran. eher trifft das Gegenteil zu . Was ich da beschrieb. wie viele Amerikaner nullt einmal über Grundkenntnisse in Geographie usw. verfügen. Vielleicht kennen sie die geographische Breite von Tegucigalpa nicht. hielten sie ihn allerhöchstens für einen Fehler. Meine Zahlen betreffen die Gesamtbevölkerung. worauf es ankommt. Wenn Sie aber andererseits etwas über die Welt wissen wollen.

dann muß er auch einen Grund. das den Menschen die Fähigkeit austreibt. wie viele Fakten sie kennen. aber ich persönlich stimme in dieser Sache nun mal mit der überwältigenden Mehrheit der Amerikaner überein. weil es nicht ihrer Interessenlage entsprechen würde. Damit will ich mich natürlich nicht für Bildungsmängel aussprechen. Denn dort würden sie sich in der Tat so anhören. WASHINGTON Chomsky Die Leute möchten doch gern wissen. die Physikverständnis besitzen und eine Vorstellung davon haben. Andererseits steht eben 158 denjenigen. die dem Indoktrinationssystem weniger ausgeliefert sind. die weniger Zugang zu dieser Indoktrination hatten. wie gut jemand spezielle Testfragen beantwortet. Noam Chomsky. Ich fände es schon nicht schlecht. den man beim nächsten Mal besser vermeiden sollte? Oder sollten wir von einem Angriff auf ein anderes Land. . wenn sie Dissidenten häufiger in ihre Programme hineinließen. Man kann doch nehmen.« Man kann da verschiedener Meinung sein. Deshalb finde ich in vielen Dingen bei denjenigen. sondern grundfalsch und unmoralisch. Nehmen wir an. wer etwas von der Physik versteht. David Ransom (TV-Reporter des australischen Senders ABC) Vielen Dank.) wo Tegucigalpa liegt. dann erwischen Sie die Bürokraten.VERLAG »SERPENT'S TAIL« Chomsky Im Grunde ist die Weltpolitik heute nicht moralischer als in den Zeiten von Dschingis Khan. die amerikanische Invasion Südvietnams für einen Fehler zu halten. dann deshalb... Wenn die Eliten das anders sehen. Wenn er schon sowas Aufregendes vorträgt.tunlichst eine Menge Beweise. es ist ein System der Indoktrination. eine Sache wirklich zu verstehen. nicht aber diejenigen. GEORGETOWN UNIVERSITY. als kämen sie vom Neptun. Wenn diese Personen eine Detailinformation benötigen.. erhält man ein Ergebnis. Warum sagt er das jetzt? Sowas habe ich ja noch nie gehört. was man meint. Die Naturwissenschaftler unter Ihnen kennen das aus ihren Grenzgebieten. Ich denke sogar. wenn die Leute wüßten (. der drei Länder verwüstet und einige Millionen Tote hinterlassen hat. eine freiere Weltsicht offen. einen erheblich schärferen Blick. Sie möchten wissen. Ist es richtig. In der Frage des Weltverständnisses ist es auch nicht viel anders. Das Ausbildungssystem beruht auf verordneter Unwissenheit. die Leute von »Nightline« und ähnlichen Shows wären bessere Propagandisten. da kann man einfach keine Beweise liefern. Aus einer Fragestunde im Anschluß an einen Vortrag »Necessary Illusions« in der University of Wyoming in Laramie Im Grunde ist die Weltpolitik heute nicht moralischer als in den Zeiten von Dschingis Khan. nicht eher sagen: »Das war nicht nur ein Fehler. Würden Sie alle Wissenschaftler mit der Frage testen.. muß Beweise dafür haben . Wo man sich aber so kurz fassen muß. was man will: Mißt man die Bildung daran. und genau darin liegt der geniale Kern dieser systematischen Beschränkung. Wenn er das sagt. das wäre durchaus hilfreich. gibt es ein gänzlich anderes Ergebnis. wie sie funktioniert. dann schlagen sie in einem Handbuch nach. sobald man sie aber am Weltverständnis mißt. Man hat es nur mit anderen Faktoren zu tun .

hier abbrechen. . aber wir müssen leider hier aufhören. Robert MacNeil Verzeihung. sofern Israel gleichzeitig dasselbe macht.. 159 . Die richtige Wahl -AT&T. uns an. das bedeutet für uns: Qualität in der Information/Qualität in der Kommunikation.eine gute Verbindung..500 Gäste auf. USA (1990) (Chomsky insgesamt 11 Minuten 52 Sekunden im Bild) Jim Lehrer Und jetzt unser Gespräch über die Nahostkrise . Unsere Zeit ist zu Ende. PBS.. Chomsky Im Verlauf von sechzehn Jahren traten im MacNeil/Lehrer-Nachrichtenmagazin über 10.heute mit dem Schriftsteller und politischen Aktivisten. das wir abgelehnt haben: Im April boten die Irakis . Robert MacNeil (nicht im Bild) OK.. Professor Noam Chomsky..AUS »MACNEIL/LEHRER NEWSHOUR«. daß Sie hier waren. denn . ihre Bestände an chemischen und anderen nicht-konventionellen Waffen zu beseitigen. WERBESPOT DES AT&T-KONZERNS Sprecher Seit 1983 sponsert AT&T die »MacNeil/Lehrer NewsHour«. Noam Chomsky wurde dabei genau 1 mal interviewt. Chomsky Wir haben das Angebot zurückgewiesen.. Robert MacNeil . aber ich meine. Vielen Dank. Chomsky Und auch hier liegt ein Angebot auf dem Tisch.. leider muß ich . man sollte darauf zurückkommen. Professor Chomsky. daß ich Sie unterbreche..

ja? Ach ja. daß man sieht. Auf geht's! 160 . David Ransom Also. David Ransom.. Ich frage Sie was. dann kann ich das Ding auch noch . wo Sie dasitzen und mir zuhören. weil ich eine Einstellung brauche. Diese Aufnahme können wir für Ihre Vorstellung nehmen..ich erkläre es ganz. Chomsky (zu Mark Achbar) Weißt du. David Ransom (zum Kameramann) Gut. hier hängt soviel Zeug herum .. aber was ist mit dem . da wo wir sagen. wie ich zu Ihnen spreche und Sie mir zuhören. ich will lieber nach oben gehen. Sie sagen kein Wort und überlassen alles mir. die den Zuschauern üblicherweise verborgen bleiben. Chomsky Ich kenne das schon .VERLAG »SERPENT'S TAIL« David Ransom OK. weil . Das machen wir nur. Chomsky Einverstanden. ich brauche Sie nur einen Moment für eine kurze Szene mit uns beiden. wer Sie sind und warum Sie einen Platz in meiner Sendung haben.. das geht am leichtesten .. wie ich Ihnen eine Frage stelle.. vielen Dank für Ihre Geduld. man sieht nur. Und wenn Sie selbst gar nichts sagen.. aber Sie antworten nichts. Reporter für ABC Australia... Alles klar? OK. uns einige Details der Techniken des TV-Journalismus ausplaudern zu lassen.. Alles andere machen wir dann anschließend. machen keine Mundbewegung. daß ich Ihnen eine Frage stelle. weil . also wir machen diese Aufnahme deshalb. Mark. hatte dankenswerterweise Chomsky um eine Analyse gebeten und war dann auch noch so offenherzig. David Ransom Also bei dieser Aufnahme geht es nur darum.wir machen das.

Will sagen. aber gesagt habe ich es bestimmt sehr oft. Chomsky Naja. vielleicht kommt es nicht so rüber.ist es in vieler Hinsicht das freieste Land der Welt. Ich sage doch dauernd. wenn doch die Meinungsvielfalt hier geringer ist und man viele Meinungen nur schlecht vertreten kann? Chomsky Also erstens ist es mein Land.ich sagte es ja schon . WASHINGTON Elizabeth Sikorovsky Warum leben Sie eigentlich in den USA. und zweitens . auch heute abend. und ich habe es auch schon tausendmal geschrieben: In den 161 . Chomsky Das tue ich doch. Peter Worthington Bei Ihnen wirkt das aber anders. CBC RADIO Chomsky In den USA unterliegt der Staat den vergleichsweise stärksten Beschränkungen.. Peter Worthington . es gibt wahrscheinlich nirgends so viele Chancen zur Veränderung wie gerade hier.»AMERICAN FOCUS«.. AUS »IDEAS«.. Peter Worthington (Ottawa Sun) Aber sollten Sie nicht gerade da eher einen vergleichenden .. als einen absoluten Maßstab anlegen? Chomsky Natürlich.

dt.oder was sie darunter verstanden -zu »verkaufen«. einschließlich der damals wie heute gratis einspringenden privatwirtschaftlich organisierten Medien. wie gut die USA in der Welt dastehen . Zwischen der inneren Freiheit einer Gesellschaft und ihrem Verhalten nach außen besteht . den Sozialismus sowie auf bestimmte politische Parteien und Gewerkschaften.dann müßte hier doch der allgemeine Wohlstand. oder? Hier muß ja kein Widerspruch liegen. Foreign Policy: Enlargement.erbittert und weitgehend erfolgreich bekämpft. Arbeiterrechte und andere Abweichungen von dem rechten Wege durch. die . schloß man doch in diesen Ländern eine Art »Gesellschaftsvertrag« ab und setzte so unsittliche Ideen wie medizinische Versorgung. um dem amerikanischen Volk das Amerikanische Wirtschaftssystem .wir stellen böse Sachen in der Welt an. Tut es aber nicht. Einzig die Krankenversicherung hat man jetzt wieder aufgegriffen. in deren Verlauf sie die ihnen ausgelieferten Mitarbeiter/-innen in »Wirtschaftlichen Fortbildungskursen« versammelten und auf ihre Loyalität gegenüber dem System des »freien Unternehmertums« . Spanien etc. den wir als Türhüter und Muster bewachen. Wenn man mal bedenkt.nicht nur im eigenen Land .also auf ihren »Amerikanismus« . Nach einer Umfrage der American Management Association waren für viele Wirtschaftsführer »Wirtschaftserziehung« und »Propaganda« zu Synonymen geworden. Irland. um in der Allgemeinheit grassierende Abweichungen auszutilgen . Aber . (Wall Street Journal. In der Säuglingssterblichkeit liegen die USA unter zwanzig Industriestaaten auf Platz 20. die unter Einsatz von 100 Millionen Dollar eine Kampagne über alle Medien laufen ließen.: Clintons Vision (Trotzdem Verlag 1994) S. In der Kindersterblichkeit nehmen wir unter den 20 Industrieländern den letzten Platz ein.wenn überhaupt . 19. Mit athenischen Maßstäben gemessen.nur eine äußerst schwache Korrelation. Dies geschah in einem »atemberaubenden« Umfang (so der damalige FortuneRedakteur Daniel Bell) und war nichts anderes als der Versuch der Unternehmer. In den USA selbst brach sich die Reformwelle an der intensiven Gegenpropaganda der Handelskammer und des Werberats.10.Vereinigten Staaten gibt es sehr viel Freiheit . das auf Kosten der Allgemeinheit geht und vor allem den Interessen einiger mächtiger Versicherungsgesellschaften dient. aber auch hier sind es die USA allein. einzig in Europa und Japan verfehlten die Attacken auf die Demokratie und die Arbeiterbewegungen zum Teil ihr Ziel. Und . S. Hier hat der amerikanische Kapitalismus in einen Skandal geführt. besaß auch Griechenland eine freie Gesellschaft.ein rückständiges (nämlich nicht auf Steuern gegründetes) System durchdrücken. nachdem die Wirtschaft das überbürokratisierte und ineffiziente private System als eine allzu drückende Belastung zu empfinden begonnen hatte.« Wie das führende Wirtschaftsmagazin Fortune berichtete. der Bevölkerung der USA die wirtschaftlichen >Tatsachen des Lebens< beizubringen. »Viele Arbeitgeber erblickten darin einen >Kampf um die Herzen< mit den Gewerkschaften« . bedenkt man die verfügbaren Mittel. Wie das AMA ebenfalls berichtete. and Free Markets« in Z Magazine Dezember 1993.ein ziemlich ungleicher Kampf. 8 In früheren Jahren hatte es gewaltige Propagandafeldzüge gegeben. »daß unsere Leute richtig denken«. »zielten diese Kampagnen häufig gleichzeitig« auf den Kommunismus. Aber dieser Reichtum beleuchtet doch auch einen Skandal. 26 .The Rationale and Rhetoric of U. die es aufziehen und verwalten werden. 357 Anm. den Demokratisierungsimpuls aus der Zeit der großen Depression zu stoppen und die ideologische Hegemonie des »freien Unter- 162 nehmertums« wiederherzustellen. Und doch war es bösartig in seiner imperialistischen Politik.und auch sehr viel Reichtum. als eine Welle von Sozialreformen über die Erde ging. noch hinter Ostdeutschland. wollten sie doch erreichen.testeten.so reich an Mitteln und so arm an Feinden . setzten die Großunternehmen »umfangreiche Indoktrinationsprogramme für ihre Angestellten« in Gang.vor allem kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. um eine Größenordnung über dem Rest der Welt liegen.wiederum gegen eine weitverbreitete Opposition . Offiziell nannte man diese Kampagne »ein wichtiges Projekt. Diese wurden von den USA . »The Clinton Vision .88) Necessary Illusions S. Democracy.wir sind eine freie Gesellschaft. Das Ergebnis war unübersehbar: Die USA schlössen sich auf dem Feld der sozialen Fragen und der menschlichen Grundrechte aus der Gemeinschaft der übrigen Industrieländer aus. Stimmt doch. das Gesundheitsniveau usw.

Chomsky Also es trifft zwar zu.. man muß richtig anfangen. Buckley Was sollen diese Zahlen? Chomsky Darf ich mal ausreden? Buckley Aber gewiß doch.. und durch Unterdrückung der Freiheit zu diesem Blutvergießen beitragen. On Power and Ideology. Buckley Sie beginnen Ihre Argumentationskette an einem für Sie günstigen Zeitpunkt der Geschichte . Zur Situation in den USA vgl. 3 (San Francisco 1989) Edward S. Managing Public Opinion: The Corporate Offensive (MS. University of New South Wales 1986). 113-135 Chomsky Darf ich mal was sagen? Buckley Sicher. vielleicht zu zehn Prozent. 275-288 »The Home Front«. Buckley . S.AUS »FIRING LINE« (1969) William F. Und nicht nur das .was schon traurig genug ist .. liegt doch darin. Man muß richtig anfangen . daß der stalinisti- 163 ..).. leicht verändert in: S. Als eingehendere Behandlung empfiehlt Chomsky hierzu: Alex Carey...sondern sie haben anscheinend auch Sie um Ihre rationale Beobachtungsgabe gebracht... S. Herman und Noam Chomsky haben Manufacturing Consent Alex Carey gewidmet. Chomsky Drum sage ich immer.. Jedenfalls stimmt es . Year 501: The Conquest Continues. daß die kommunistischen Imperialisten durch Terrorismus und .. Chomsky Das stimmt etwa zu fünf Prozent und . S. ausschnittsweise in City Lights Review Nr. Union Strategy and Industrial Change (New South Wales University Press 1978). na ja. Frenkel (Hrsg.. Deterring Democracy. Chomsky Klar.: »The Third World at Home«.. 69-88 »The Domestic Scene«.. Buckley Das Drama der Nachkriegszeit ist doch .

Buckley Dann fragen Sie doch mal einen Tschechen . S.fragen Sie jemanden aus Südvietnam oder aus Thailand oder aus .aber in anderen großen Regionen haben wir genau dasselbe gemacht. Es gibt im Kalten Krieg eine Wechselwirkung. 1 S. (Glocke) Buckley Tut mir leid. Buckley Zum Kalten Krieg vgl... was Sie da gerade vorgeführt haben.: The Political Economy of Human Rights. 242-250 Year 501: The Conquest Continues.. was die Sowjets in Prag gemacht haben . S. Kap. diese . Deterring Democracy. 1 S. Chomsky Wo liegt denn der Unterschied? Buckley . und sie immer noch beherrscht . ließ aber Chomsky nicht mehr zu Ende kommen. sondern schaltete um. Wissen Sie. Bd. Nach dem Ende der Unterbrechung ging er auf Chomskys Argumentation nicht mehr ein. 9-68 Zu Guatemala vgl.. Buckley machte dann seinen Punkt..... Also wenn Sie nicht mal erkennen. daß ein Unterschied besteht zwischen unserer Aktion in Guatemala und dem. vor allem in Osteuropa. The Political Economy of Human Rights. mit dem er offensichtlich das Zeichen zum Umschalten auf Werbung oder Pause geben konnte.sche Imperialismus sich Teile der Erde brutal unterworfen hat. 233-235 Zu Thailand vgl.. Turning the Tide und On Power and Ideology Zur Dominikanischen Republik vgl. 164 »The Fruits of Victory: The Caribbean«. inzwischen aber dem Stand der Forschung völlig widerspricht.. das ist doch ein Kalter-Kriegs-Mythos. der vielleicht vor 10 Jahren vertretbar war. als Chomsky. Im Film ist zu erkennen. Chomsky Und fragen Sie doch mal einen Guatemalteken oder einen Dominikaner — einen Bürger der Dominikanischen Republik . wie sein Daumen genau in dem Moment über dem Knopf schwebt. der im Verlauf der Sendung mehrmals unterbrochen worden war. Chomsky Erklären Sie mir doch mal den Unterschied. 218-229 . darum bat. "Cold War: Fact and Fancy«. endlich seinen Satz zu Ende führen zu dürfen. dann haben wir wohl wirklich ein Problem. Bd. Deterring Democracy. 7-8 In der linken Hand hielt Buckley einen Knopf.

Kanada Chomsky Wie läßt sich erreichen. aber damit können die Mächtigen leben. denn das wäre der Umsturz der Gesellschaftsordnung. Anders ist es. die Grenzen des Systems zu verschieben. was in der Politik Faschismus genannt wird.das wäre etwa so. dann Schnitt zum Coast Bastion Inn. Ich will damit nicht sagen. als wollte man die Konzerne demokratisieren. Es geht nicht spurlos unter. Man kann immer versuchen. wenn anhaltender und wachsender Druck ausgeübt wird. dann ist das zwar auch etwas. um es beim nächsten Mal besser zu machen: Damit können sie nicht leben. dann kann das schon mal eine gewisse Wirkung haben. daß man es nicht versuchen sollte. Wenn man mal in einer Demonstration mitläuft und dann wieder nach Hause geht. Solange man aber eine solche Revolution . daß die Medien demokratischer werden und besser reagieren? Viel Spielraum gibt es da nicht .. also wenn z. jemand von der Kirche in einer Aktionärsversammlung lautstark gegen Investitionen in Südafrika polemisiert. so lange behalten die Medien ihre heutige Struktur und vertreten dieselben Interessen wie heute.also eine Verlagerung der Macht .B. wenn die Menschen Lehren aus ihren Erfahrungen ziehen.ERIN MILLS TOWN CENTRE Zunächst weißes Bild. What Uncle Sam Really Wants S. Ihre Entscheidungsstruktur ist top-down aufgebaut: Jemand gibt Befehle. wenn Organisationen die Sache in Gang halten. Da gibt es wirklich nur eines: sie abschaffen.. Natürlich. die dann weiter unten ausgeführt werden. Nanaimo.nicht ernsthaft will. Fortsetzung (nicht im Film gezeigt) Schließlich bilden Großbetriebe und Konzerne auf dem Gebiet der Wirtschaft das Gegenstück zu dem. wenn jemand viel Macht repräsentiert. 98 165 . läßt sich schon . aber die wahren Machtverhältnisse tastet man dadurch nicht an.

166 .BÜRGERINITIATIVE. der vorher schon mal aufkam. Die Welt ist nun mal kompliziert und nicht monolithisch. andererseits besitzen sie ein Berufsethos. und das führt uns auf einen Punkt zurück. braucht man nichts weiter als ein oder zwei Menschen. Chomsky Genau. Auch die einzelnen Massenmedien sind komplex und nicht ohne innere Widersprüche. NANAIMO Junger Mann Um eine gute Presse zu haben. Einerseits sollen sie indoktrinieren und entmündigen. die sich als anständige Journalisten verstehen. Das ist wichtig.

Niederlande. finden sich der Women of Conscience Award des Nationalen Frauenrats (1983) und der erste Presidents Award for Journalism in Washington der Nationalen Journalistinnen-Vereinigung (1990). Es gibt dort gewiß ein hohes berufliches Niveau im engeren Sinn -will sagen. denn ihre Professionalität ist beachtlich. es ist sehr gut. Neben der Arbeit für ihre Nachrichtenagentur liefert sie Beiträge für Esquire. Humanist TV. WASHINGTON Sprecher Sie ist ihre eigene Chefin. Informationen herauszukitzeln. Aus einem Interview mit Joop van Tijn. ihre Fragen auf die großen Tiere ab. Darf ich Sie vielleicht auf ein ernstes Problem ansprechen? Sprecher McClendons unverwechselbare und häufig schockierende Fragen zielen vor allem darauf ab. Seit nahezu 40 Jahren schießt diese Texanerin mit der Lederlunge. daß Sarah wieder auftaucht. daß Sie das allgemeine Interesse auf diese Frage lenken..President. Sie arbeitet für ein ganzes Sammelsurium kleinerer Abnehmer überall im Land.SARAH MCCLENDON NEWS SERVICE. seitdem hat sie über drei weitere berichtet. Ich habe eigentlich eine hohe Meinung von den US-Medien. Sarah McCIendon Ich möchte Sie . 167 Die Journalistin und Autorin Sarah Newcomb McClendon wurde 1910 geboren. Penthouse. (der Rest geht im allgemeinen Gelächter unter) Sprecher Kenntnisreich und hartnäckig. wie seiner Meinung nach die Öffentlichkeit. dann würde ich wohl im großen und ganzen dem Bericht des Amerikaners den Vorzug geben. daß wir keine Pressekonferenzen abgehalten hätten. Mr. Ronald Reagan Nicht. 1946 gründete sie in Washington den Sarah McCIendon News Service. Wenn ich also bei einem Ereignis irgendwo auf der Welt die Wahl hätte zwischen einem erfahrenen amerikanischen Reporter und einem Reporter aus einem der anderen. . in ihren stillschweigenden Annahmen. 1978 erschien ihr Buch My Eight Presidents. Diplomat und andere Zeitschriften. Sie hat auch im Weiblichen Armeekorps gedient und im Beratungsausschuß für Frauen in den Streitkräften mitgearbeitet.89 Sarah McCIendon Sehr freundlich. vielen Dank auch. wenigstens im engeren technischen Sinn. es wird nicht gelogen.und Ihren neuen Mann da . mir vertrauten Länder. 10.06. in den Hervorhebungen. Aber ich habe die ganze Zeit darauf gewartet. Falsch liegen sie eben in der Auswahl der Themen.fragen. Sarah McCIendon Heutzutage hat so mancher junge Mann hierzulande jede Illusion über die Regierung verloren. was passiert ist (immer im engen technischen Sinn). wie sie auch genannt wird. schreibt Zeitungsartikel und Rundfunkkommentare. kann sie ihre Zielperson gewöhnlich festnageln. wie sie ist. Unter den zahlreichen Auszeichnungen.. die in die Berichterstattung einfließen. aber übers Ganze gesehen wollen unsere Reporter doch herausfinden. Richard Nixon Nun. einige tun auch das. den Untertönen usw. Gut. die ihr verliehen wurden.

Sie möchten ehrlich sein. wem man verpflichtet ist.. was täten Sie . Ich habe viele Freunde bei der Presse. Was würden Sie da als Reporter tun? Chomsky Also viele Journalisten leisten in meinen Augen ganz hervorragende Arbeit. WASHINGTON Sarah McCIendon Versetzen Sie sich mal in die Lage eines Journalisten. die sind spitzenmäßig. Aber Sie. 168 .. die sind gut oder versuchen es wenigsten. und sehen dieses schwächliche Weiße Haus und diesen schwächlichen Kongreß. von wo der Druck kommt. Es erschienen etwa 40 Menschen.. darunter nicht ein einziger Vertreter der großen US-Zeitungen.. Man muß wissen. um einmal gegenüber dem Medienkritiker Noam Chomsky »den Spieß umzudrehen«. wie krank es ist. und Sie grämen sich zu Tode über Ihr Land. Was Sie da . Diese Pressekonferenz war von FAIR eigens für die in Washington tätigen Medien organisiert worden. welche Wege offen und welche versperrt sind.IM NATIONAL PRESS CLUB. Chomsky Also zunächst mal muß man das System durchschaut haben. und Sie sehen. obgleich diese sämtlich eingeladen worden waren. Gute Journalisten können das. Sarah McCIendon Ich weiß.

eine Repräsentantin der Macht. 213 169 Zu Watergate vgl. die bis heute im dunkeln liegen. 175-177 . Die Anhörungen haben also das Grundprinzip vorgeführt. eine Truppe. über die man vorher nicht mal zu sprechen gewagt hätte.« Chronicles of Dissent S. jetzt könnte man doch Berichte über Sachen durchdrücken. ROCHESTER Chomsky Zum Beispiel unmittelbar nach den Anhörungen über die Iran-ContraAffäre. Mann Nach Watergate auch. Aber dann wird alles wieder dicht gemacht . die Parteiaktivitäten zu stören und vor allem die Mitgliederlisten zu entwenden. das da lautet: »Die Mächtigen wissen sich zu schützen. da ging vielen guten Reportern auf: Hoppla. Zeitgleich mit den Anhörungen zu Watergate wurde im Zuge diverser Gerichtsverfahren und durch Berufung auf das »Freedom of Information Act« [Gesetz. die geradewegs aus der »Police Academy« hätte kommen können. S. das den von Aktivitäten der Regierung incl. 6 »Watergate: Small Potatoes«. Soweit das eigentliche Vergehen. mit diesen konnte man dann die Neueingetretenen einschüchtern.AMERICAN CIVIL LIBERTIES UNION. Ziel war es. Watergate hat der Demokratischen Partei nicht geschadet. Kam dazu etwas bei den Watergate-Anhörungen zur Sprache? Nicht ein Wort. daneben gab es noch einige Begleitaffären.bis zum nächsten Mal. Dies war eine viel ernstere Sache. sondern die politische Polizei der Nation. Im Falle von Watergate bestand das Verbre- chen darin. Wo liegt der Unterschied? Einfach darin: Die Demokratische Partei ist. Chomsky Nach Watergate genauso.verübt hatte. jetzt geht einige Monate lang alles etwas offener zu. in das Hauptquartier der Demokratischen Partei einzudringen.einer legalen politischen Partei . daß die Republikanische Partei aus Gründen. sie um ihre Arbeitsplätze bringen usw. Und nicht irgendein übereifriger Kampfhahn hatte es betrieben. 136-137 Mehr zur Iran-Contra-Affäre auf S. der Geheimdienste Betroffenen ein Recht auf Akteneinsicht gibt] ent- hüllt.: Manufacturing Consent Kap. schließlich war hier nicht ein Grüppchen kleiner Gauner am Werk gewesen. daß das FBI bereits seit 12 oder 13Jahren regelmäßig Einbrüche in Büros der Socialist Workers Party . Radical Priorities. sondern verschiedene Regierungen hielten systematisch daran fest.im Gegensatz zur Socialist Workers Party . hier aber wurde eine legale politische Partei in die größten Schwierigkeiten gebracht. beauftragt hatte.

»AMERICAN FOCUS«. der Herrin über die Gedanken und die Indoktrinierung. aber etwas anderes sagen. Das ist überall so. Das ist ganz einfach und funktioniert fast immer: Hat man seine Werte erst einmal verinnerlicht. and Politics S. Es dürfte kaum einen Menschen geben. WASHINGTON Chomsky Ich glaube. ob unten oder oben. schon weil es gar nicht anders geht. Aus einem Interview mit David Barsamian. dann kann man sich . man besäße Handlungsfreiheit. 653-654 170 . Man fühlt sich genötigt. gewisse Dinge zu sagen. Language. die meisten Menschen verinnerlichen die Werte. daß darin ein Privileg liegt. und sehr bald glaubt man selbst daran. Täuschung und Verzerrung bereits verinnerlicht und ist ein williges Mitglied der privilegierten Elite geworden.einbilden. Weil es nützlich ist. der diese sogenannte »kognitive Dissonanz« aushalten kann: an etwas glauben. was man sagt. Man paßt sich ein wenig an und spürt.in einem gewissen Sinne sogar zu Recht . In diesem Augenblick hat man das System aus Indoktrinierung. glaubt man bald selbst an das.

derselben privilegierten Eliteschicht an. deren Einstellungen. solange sie sich dem ideologischen Druck nicht beugen. Was ich erfahre.90) Sprecher Also auf zum Weißen Haus. an das man nicht glaubt. wird alsbald vermittels der bekannten Mechanismen ausgesiebt. Außerdem gehören die Inhaber der Spitzenpositionen sowie diejenigen.BILDSCHIRM IN EINER TV-WERKSTATT WÄHREND DES GOLFKRIEGS (18. um wie der Präsident einen Blick auf die vielen Karten und Diagramme dort zu werfen. wie sich darin ihre eigenen Klasseninteressen widerspiegeln. wo unser kampferprobter Korrespondent Frank Sesno uns wohl etwas über Selbstzensur erzählen kann. Necessary Illusions S. Es fällt schwer. und wer sich nicht anpaßt. Frank? Frank Sesno (CNN-Reporter) Es gibt keine Selbstzensur. daß ich nicht auch mal gern im Oval Office wäre. 8 171 . werden kaum erfolgreich sein. Ich behaupte ja nicht. etwas zu sagen. was gewöhnlich dadurch geschieht. daß sie die entsprechenden Wertvorstellungen verinnerlichen. Die Eigentumskonzentration bei den Medien ist sehr hoch und nimmt immer noch zu. die neu in diese Welt einsteigen. Dieses Trägheitsnavigationssystem bleibt doch immer eingeschaltet.01. unrealistisch und wahrscheinlich auch gar nicht wünschenswert. gebe ich weiter . Journalisten. die als Kommentatoren zu Ansehen kommen. Blickwinkel und Ziele sie vermutlich ebenso teilen. oder? Wie sieht das aus mit der offiziellen Zensur. Aber das ist unmöglich.sofern nicht wirklich zwingende Gründe dagegen sprechen.

AUS »JOOP VAN TIJN IN GESPRECK
MET«, HUMANIST TV, NIEDERLANDE
Joop van Tijn (Journalist)

Hallo.
Chomsky

Hi, wie geht's?
Joop van Tijn

Bestens. Wenn Sie dort bitte Platz nehmen würden. Willkommen in Holland.
Zunächst werde ich Sie mal kurz vorstellen.
(in die Kamera, auf Niederländisch)

Professor Chomsky, Noam Chomsky,
ist 60 Jahre alt und so ziemlich der
umstrittenste Intellektuelle in den USA.
Das ist zwar eigentlich eine Binsenwahrheit, aber genau so wird er immer
bezeichnet.

172

MELDUNG ÜBER EINE BÜCHERVERBRENNUNG
Nachrichtensendung von City TV (Toronto,
Kanada) vom 25.09.87
Thalia Assuras (Reporterin)

Man hat Chomsky den Einstein der
modernen Linguistik genannt. Für die
New York Times ist er »vielleicht der
bedeutendste Intellektuelle der Gegenwart.« Und doch hat sein Auftreten hier
zu Protesten geführt.
Bui Son (Vereinigung Freier Vietnamesen in
Kanada)
Dieses Buch vergiftet die Welt, es steckt
voller Lügen, und wir Vietnamesen wollen es hier verbrennen.
Alle Demonstranten
Vietnam! Vietnam!
Khanh Lekim (Vietnamesisches Menschenrechtskomitee)
Er sagt, in Vietnam würden keine Menschenrechte verletzt und in Kambodscha keine Verbrechen begangen. Er
hat unrecht.
Bui Son

Aufgrund seiner beruflichen Stellung ...
unter Hinweis darauf vergiftet Chomsky
die Welt - und dagegen protestieren
wir.

Vollständiger Text
Thalia Assuras
Mit Empörung haben Mitglieder der vietnamesischen und kambodschanischen Gemeinde auf einen Vortrag reagiert, den ein
weltberühmter Gelehrter an der Universität
Toronto gehalten hat. Der Vortrag lief in
der Reihe des Toronto Star, und die 1700
Plätze in der Convocation Hall waren heute
nachmittag ausverkauft. Redner war der
Buchautor Noam Chomsky. Man hat Chomsky den Einstein der modernen Linguistik
genannt. Für die New York Times ist er »vielleicht der bedeutendste Intellektuelle der
Gegenwart.« Und doch hat sein Auftreten
hier zu Protesten geführt.
Bui Son
Dieses Buch vergiftet die Welt, es steckt voller Lügen, und wir Vietnamesen wollen es
hier verbrennen.
Alle Demonstranten
Vietnam! Vietnam!
Thalia Assuras
Das Buch, um das es geht, hat er zusammen
mit Edward S. Herman geschrieben. Es
heißt After the Cataclysm: Imperial Ideology and
Post-War Reconstruction in Indochina [Der Titel wird hier verdreht, er lautet richtig: After
the Cataclysm: Postwar Indochina and the Reconstruction of Imperial Ideology (The Political Economy of Human Rights Bd. 2) ]
Khanh Lekim
Er behauptet, niemand sei in irgendein Lager gekommen. Wir haben solche Gefangene hier unter uns. Er behauptet, wenn Leute aus Vietnam flüchten, dann nicht wegen
des Kommunismus, sondern aus anderen
Gründen. Er sagt, in Vietnam würden keine
Menschenrechte verletzt und in Kambodscha keine Verbrechen begangen. Er hat
unrecht.

173

Bui Son
Aufgrund seiner beruflichen Stellung ...
unter Hinweis darauf vergiftet Chomsky die
Welt - und dagegen protestieren wir.
Thalia Assuras
Nach Chomskys Aussage verfolgt das Buch
unter anderem das Ziel, das wahre Ausmaß
der in Kambodscha und anderen Ländern
verübten Greueltaten zu ermitteln. Auch
vergleicht es die veröffentlichten Zahlen
mit anderen Quellen.

»THIRD EAR«
Chomsky
Bei Kambodscha bestand die allgemein
übliche Darstellung in den Medien darin,
daß Pol Pot zugegeben - sich sogar gerühmt
- hätte, zwei Millionen Menschen in einer
einzigen Genozidaktion umgebracht zu haben. Nach den damaligen Erkenntnissen
des US-Geheimdienstes betrug die Zahl der
Toten aber nur einige Zehn- oder allenfalls
Hunderttausende, und sie waren auch keinem Genozid zum Opfer gefallen, sondern
extrem schlechten Lebensbedingungen, Erschöpfung und so weiter. Unsere Aussage ist
dann, daß das nach unserer Meinung die zuverlässigste Schätzung sein dürfte,
(zu Kambodscha siehe auch ab S. 92)

Zu anderen Lügen und Verleumdungen,
denen Chomsky ausgesetzt war, vgl. : »The
Chorus and Cassandra: What Everyone
Knows About Noam Chomsky« von Christopher Hitchens in Grand Street Herbst 1985

AUS »THIRD EAR«
Chomsky

Ich habe nichts dagegen, wenn ich
angegriffen werde. Was mich stört, sind
die Lügen. Intellektuelle können wirklich wunderbar lügen - sie sind geradezu Profis auf diesem Gebiet. Verleumdung ist nämlich ein phantastischer
Trick, weil man nicht darauf reagieren
kann. Was soll ich denn sagen, wenn
mich jemand einen Antisemiten nennt?
Daß ich keiner bin? Oder man schimpft
Sie einen Rassisten oder einen Nazi
oder sonstwas - Sie ziehen immer den
Kürzeren. Sie können auf solche
Angriffe einfach nichts entgegnen, und
deshalb gewinnt immer der, der den
Schmutz geworfen hat.

... deshalb gewinnt immer der,
der den Schmutz geworfen hat.

174

GRONINGEN

Frits Bolkestein (niederländischer
Verteidigungsminister)
Professor Chomsky scheint für alle
Menschen, an denen er etwas auszusetzen hat, nur zwei Schubladen
bereitzuhalten: Entweder sie lügen oder
sie sind dumm. Jetzt passen Sie mal auf:
Ich nehme den Fall Robert Faurisson
her. Wie war das doch gleich?

Wer kennt nicht Noam Chomsky vom MIT entweder als Linguist oder wegen seiner linken politischen Aktivitäten. Aber nur in

Frankreich ist bekannt, daß er auch enge
Verbindungen zur aktuellen Neonazi-Szene
unterhält, ja gewissermaßen der oberste
Schutzpatron dieser Bewegung ist. Es geht
ihm wie einem Bigamisten: Wie dieser seine
beiden Familien voreinander verbergen
muß, so muß auch Chomsky darauf sehen,
daß seine liberalen und linken Leser und
Zuhörer nichts über seine Neigung zu den
Neonazis erfahren.
Chomsky macht geltend, seine Kontakte mit
den Neonazis bezögen sich ausschließlich
darauf, für deren Redefreiheit einzutreten.
Er stünde auch nicht hinter dem wichtigsten Glaubensartikel der Neonazis, demzufolge der Holocaust nie stattgefunden habe.
Allerdings haben ihn derartige Dementis
nicht von seiner wiederholten und langandauernden Zusammenarbeit mit der Neonazi-Bewegung abgehalten. Und was besonders den französischen Neonazis geholfen
hat: Er wirbt für ihre Gruppen mit seinem
wissenschaftlichen Ruf.
Werner Cohn, The Hidden Alliances of Noam
Chomsky (40-seitige Kampfschrift der »Americans for a Safe Israel« 1988)

Wer jemals in seine eigene FBI-Akte Einblick genommen hat, der weiß, daß die meisten Geheimdienste völlig unfähig sind.

Deshalb geht ja bei denen auch so viel
schief. Es klappt einfach nicht, und dafür
gibt es viele Gründe. Zum Teil hängt es damit zusammen, wie sie mit den Informationen umgehen. Die Weitergabe geschieht
üblicherweise durch ideologische Fanatiker, die alles auf ihre eigene abseitige Weise
mißverstehen. Schaut man beispielsweise in
die eigene Akte, wo man ja die Fakten
kennt, dann stellt man fest: Ja, die Angaben
stehen in einer losen Beziehung zu den Tatsachen; man kann rekonstruieren, wovon

175

die Rede ist. Doch bis das Material erst mal
seinen Weg durch den ideologischen Fanalismus der Geheimdienste gemacht hat,
sind die merkwürdigsten Verzerrungen eingetreten.
Aus »Noam Chomsky: Questions and Answers with Community Activists, University
Common Ministry, Laramie, Wyoming«
10.02.89

HUMANIST TV, NIEDERLANDE
Joop van Tijn

Einzelheiten ersparen wir uns, weil ...
Chomsky

Die sind aber wichtig.
Joop van Tijn

Ich möchte nur eine Frage zum Fall
Faurisson stellen.
Chomsky

Also kommt es nun auf die Fakten an
oder nicht?
Joop van Tijn

Natürlich, ja.
Chomsky

So, dann möchte ich Ihnen bitte die
Fakten vorlegen.
Joop van Tijn
Hm.

BATTERSEA ARTS CENTRE,
LONDON
Zorniger Mann

Jawohl - Faurisson hat gesagt, daß der
Massenmord an den Juden im Holocaust eine Geschichtslüge ist ...
Frau aus dem Publikum

Könnten wir bitte die nächste Frage
hören?
Zorniger Mann

Nein.
Chomsky

Doch, doch, das ist schon wichtig,
das hat auch viel mit unserem Thema
zu tun.
Frau aus dem Publikum

Verschwinden Sie!

176

RADIO KUOW, SEATTLE
Ross Reynolds

Sie sind ja sehr umstritten. Aber den
schärfsten Widerspruch haben sie doch
wohl geerntet, als Sie diesen französischen Intellektuellen verteidigten,
der behauptet hatte, es habe im Zweiten
Weltkrieg überhaupt keine Nazi-Todeslager gegeben, und der deswegen
seinen Job an der Uni verlor.

CAFE IN PARIS
Robert Faurisson

Ich heiße Robert Faurisson. Ich bin
60 Jahre alt und Professor an der Universität von Lyon. Dort hinter mir sehen
Sie das Pariser Gerichtsgebäude, das
Palais de Justice. Dort wurde ich zu

Beginn der achtziger Jahre viele Male
verurteilt; verklagt hatten mich neun
- zumeist jüdische - Vereinigungen.
Ich wurde beschuldigt, Haß zu schüren,
d. h. Rassenhaß, sowie Rassendiskriminierung und Geschichtsfälschung
betrieben zu haben.

Die seit 30 Jahren andauernden Forschungen revisionistischer Autoren haben ergeben:
1. Hitlers »Gaskammern« hat es nie gegeben.
2. Der »Völkermord« (auch »versuchter
Völkermord«) an den Juden hat nie
stattgefunden. In anderen Worten:
Hitler hat weder den Befehl noch die
Erlaubnis gegeben, jemanden wegen
seiner Rasse oder Religion zu töten.
3. Die sogenannten »Gaskammern« und
der sogenannte »Völkermord« sind eine
einzige Lüge.
4. Diese hauptsächlich von den Zionisten
in die Welt gesetzte Lüge hat einen riesigen politischen und finanziellen Betrug
möglich gemacht, dessen Hauptnutznießer der Staat Israel ist.
5. Die Opfer dieses Betruges sind in der
Hauptsache das deutsche Volk (nicht
die Regierung) sowie das gesamte palästinensische Volk.
6. Durch die gewaltige Macht der offiziellen Informationsmedien konnte bislang
der Erfolg dieser Lüge gesichert und die
Redefreiheit derjenigen, die ihr widersprechen, beschnitten werden.
7. Die Nutznießer dieses Betruges wissen,
daß dessen Tage gezählt sind. So verfäl-

177

sehen sie Ziel und Art der revisionistischen Forschung. Das durchdachte und
gerechtfertigte Bemühen um die historische Wahrheit wird bei ihnen mit den
Etiketten »Wiederaufflammen des Nazismus« und »Geschichtsfälschung« belegt.
Robert Faurisson, »The >Problem of the
Gas Chambers« (o. D.)

GRONINGEN
Frits Bolkestein

Damals unterschrieb Professor Chomsky
zusammen mit anderen Intellektuellen
eine Petition; in der heißt es, Faurisson
sei ein angesehener Literaturprofessor,
der nichts weiter getan habe, als seine
Forschungsergebnisse zu publizieren.

Der Begriff »Ergebnisse« an sich ist völlig
neutral. Es liegt kein Widerspruch in einer
Aussage wie der folgenden: »Die Forschungsergebnisse, die er publizierte, wurden als wertlos/irrelevant/gefälscht erachtet...«
»His Right to Say It« von Noam Chomsky in
The Nation 28.02.81 S. 231.
Weitere Auszüge aus diesem Artikel auf
S. 188-190

AM PANTHEON, PARIS
Mark Achbar

Vielleicht fangen wir einfach mal mit
der Faurisson-Sache an. Welche Rolle
spielten Sie dabei?
Pierre Guillaume (Faurissons Verleger)

Es gab über 500 Unterschriften, wohl
eher 600. Zumeist von — äh - universitaires ...
Serge Thion (Indochina-Experte)

Hochschullehrer.
Pierre Guillaume

... Hochschullehrern.
Mark Achbar

Und die anderen vierhundertneunundneunzig? Wieso redet man immer nur
über Chomskys Unterschrift?
Serge Thion

Na ja, wohl weil Chomsky für sich allein
schon so etwas wie eine politische Macht
darstellt.
HUMANIST TV, NIEDERLANDE
Chomsky

Ich unterschrieb eine Petition an das
Gericht, es solle Faurissons Bürgerrechte respektieren. Die französische
Presse - der anscheinend die Redefreiheit nichts bedeutet - zog daraus
den Schluß, nur weil ich mich für seine
Bürgerrechte einsetzte, verträte ich
auch seine Theorien.

Pierre Guillaume gibt die Zeitschrift Annales
d'Histoire Revisionniste heraus, zu der er
auch Beiträge liefert. Er verlegt Faurissons
Werke in Frankreich.
Über Serge Thion sagt Chomsky, er sei »ein
libertär-sozialistischer Wissenschaftler und
für seine Opposition gegenüber dem Totalitarismus in jeglicher Form bekannt«.
Gemeinsam mit Guillaume veröffentlichte
er zahlreiche Artikel über »Die FaurissonAffäre«. In jüngster Zeit bestreitet er, Initiator der Petition gewesen zu sein, und benennt stattdessen den amerikanischen Revisionisten Mark Weber vom Institute for Historical Review in Kalifornien.

Im Pantheon liegt Voltaire begraben.

178

Noch rückständiger ist man in Europa. Die Jeffersons mußten um 1800 erst selbst Zielscheibe solcher repressiven Maßnahmen werden. So hatte 179 das Gericht endlich . daß die angestammten Autoritäten sich nur halten konnten. schloß sich der Auffassung an.. Ein krasser Fall ist Frankreich. gleich ob real oder nur gedacht«. bevor die Exekutive sich das Recht zur Einmischung nehmen darf. eine freie Regierung müsse es »Unzufriedenen« gestatten. die Autoritäten besonders stark in Verruf zu bringen. Die Freiheit. Im England des spaten 17. das Land leistet sich ja sogar zu seiner Schande ein Gesetz gegen Gotteslästerung. nicht im Tun« begangen habe. Ein kritischer Punkt ist die Staatsverleumdimg. Falsche oder lächerlich wirkende Angriffe stellen kein Problem dar. die man als die führenden Libertären kennt. also der Gedanke..mit den Worten des Rechtshistorikers Harry Kalven »das Markenzeichen aller geschlossenen Gesellschaften der Welt«. Eine der zentralen Fragen. durch Gesetze zu verhindern. gewaltsam zu unterdrücken (Leonard Levy). Er war sich mit den übrigen Gründervätern darin einig. Washington. Im übrigen verfährt man in unserer freisinnigeren Gegenwart mit Abweichlern ganz ähnlich. daß das Gesetz in England ausschließlich die heimischen Autoritäten vor Kritik schützt. daß in der Frage der Unabhängigkeit ernsthafte politische Meinungsunterschiede nicht toleriert werden konnten und daß die einzige akzeptable Haltung die vollständige Hingabe an die patriotische Sache war. Als Salman Rushdie wegen Staatsverleumdung und Gotteslästerung angeklagt wurde.« Gleich beim Ausbruch der Revolution forderte der Kontinental-Kongreß die Einzelstaaten auf. gleich Null. sie mag noch so viele gute Eigenschaften aufweisen. war er doch geeignet. das gesetzliche Verbot der Gotteslästerung gelte nur innerhalb der christlichen Kirche.Der Kampf für die Freiheit der Rede ist von entscheidender Bedeutung. Stalin. Jahrhunderts wurden Menschen für dieses Vergehen verstümmelt. daß »verräterische oder respektlose Äußerungen« gegen die Autorität des Nationalstaats oder der Einzelstaaten kriminell seien. Auch Großbritannien zieht der Redefreiheit enge Grenzen. war unbegrenzt . weil jeder sich an sie gewöhnt hat. der Staat könne allein durch das gesprochene Wort kriminell angegriffen werden . und Staatsverleumdung liege auch nur vor. Ein Wahrheitsbeweis war keine Entschuldigung. ist frei. ehe sie sich zu ihrem eigenen Schutz entschlossen.sie zu kritisieren. der in dieser Entscheidung des Obersten Gerichtshofs formuliert wird. geköpft und gevierteilt. ist jener gewissenlose Mensch.« Der Grad an Freiheit. »Der gemeine Bürger kann nicht Richter seiner Oberherrn sein (.zweihundert Jahre nach der Revolution . hat in meinen Augen in der Welt nicht seinesgleichen. freiheitlichere Gedanken zu entwickeln .und falls ja. schrieb ein Verleger. Somit hat das Gericht zwar konzediert. diese zu preisen.was sie freilich nicht an einer Kehrtwendung hinderte. Thomas Jefferson.) Eine restriktive oder zumindest vorsichtige Haltung zu dieser Frage findet sich selbst bei denen. ausgenommen aktive Rebellion.j e n e Position eingenommen. nicht aber für den Islam. dort herrscht eine besonders breite Kluft zwischen der selbstgefälligen Rhetorik und einer verbreiteten repressiven Praxis. Auch in den nordamerikanischen Kolonien hielt man am Grundsatz der Staatsverleumdung fest.. die nur deswegen niemandem auffällt. aus der heraus Jeremy Bentham 1776 gefordert hatte. Strafe habe auch der verdient. »ihren Unmut zu äußern. Keine Gesellschaft. politisch Verdächtige ließ er internieren. der »Verrat in Gedanken. Paine sowie die beiden Adams überzeugt davon. gegen die Regierung Ihrer Majestät oder gegen eine andere staatliche Institution« richteten. solange sie Gesetze gegen Staatsverleumdung duldet. führender Streiter für die Freiheit in Amerika. entschied der Oberste Gerichtshof.) Denn dies würde jegliches Regiment verstören«.. welchem ansonsten Khomeini. Leonard Levy schreibt: »Während der Revolution waren Jefferson. daß die Menschen »getäuscht und zu einer irrigen Meinung verleitet« würden. weil dies nach einem Gesetz von 1275 zum Schutz des Königs strafbar ist. In den Jahren der Revolution herrschte notorische Intoleranz. in welchen Killen? (. solange alle umstürzlerischen Diskussionen unterblieben. lautet: Darf der Staat den Inhalt von Mitteilungen verbieten . In einem Urteil von 1969 schließlich garantierte der Gerichtshof die völlige Redefreiheit mit der einzigen Ausnahme der »Aufforderung zu sofortigem gesetzlosen Handeln«. sobald sie ihrerseits an die Macht gekommen waren. Noch bis zum Ersten Weltkrieg stand die Redefreiheit in den USA auf sehr schwachen Füßen. Goebbels und ande- . So wird man etwa in Kanada immer noch für die Verbreitung »falscher Nachrichten« eingesperrt. sondern galt im Gegenteil als noch verbrecherischer als eine falsche Anschuldigung. und es dauerte bis 1964. wenn sich die verbalen Angriffe »gegen Ihre Majestät persönlich. wovor die Gesellschaft geschützt werden muß. der mit seiner Kritik unbequeme Wahrheiten öffentlich macht. Jahrhundert bestand Konsens darüber. ihre Pläne zu entwickeln und überhaupt Opposition in jeglicher Form zu betreiben. Im gesamten 18. kastriert. die in der Moderne abgehandelt werden. bildet diese doch das Herzstück eines ganzen Systems von Freiheiten und Rechten. im übrigen aber ein Prinzip bestätigt. auch sei »jegliche Beeinträchtigung des guten Rufs der Regierung. bis der Oberste Gerichtshof den Straftatbestand der Staatsverleumdung abschaffte. Besonders springen hier die Reaktionen der sogenannten »Konservativen« in der RushdieAffäre ins Auge.

Hier würde wohl auch Conor Cruise O'Brien Unterstützung erfahren. eine Ausstrahlung zu verweigern. 180 nicht vor Tyrannei«. »die Nigger zu begraben« und »die Juden nach Israel zurückzuschicken. IN EINEM AUTO IN PARIS Robert Faurisson Ein Kommunist ist ein Mensch. nachdem auf einer Versammlung bewaffneter Kapuzenmänner um ein Flammenkreuz Rufe ertönt waren. dem wir in den USA die Redefreiheit verdanken. wo es um besonders abscheuliche oder inakzeptable Äußerungen ging. sofern diese nach Ansicht des Ministers »geeignet ist. daß es nicht etwa der Erste Verfassungszusatz ist. Schließlich sollte man sich noch in Erinnerung rufen. der als irischer Minister für Post und Fernmeldewesen durch eine Abänderung des Rundfunkgesetzes es der Anstalt ermöglicht hat. man gewinnt und sichert sie nur durch Kampf. Bloße Worte können keine Rechte garantieren.speziell in Gaskammern oder Gaswagen. Er nennt darin Faurisson »einen ziemlich unpolitischen Liberalen«. 398-401 . Mark Achbar Wo würden Sie sich politisch einordnen? Robert Faurisson Bei gar nichts.und Antikriegsbewegung der sechziger Jahre. daß Fortschritte für das Recht auf freie Rede häufig gerade dort erkämpft wurden. ein Jude ist ein Mensch. sondern daß es hierzu langer und intensiver Anstrengungen des Volkes bedurfte. schreibt James Madison.GRONINGEN Frits Bolkestein Und dann schrieb Faurisson ein Buch. re Feinde der Freiheit huldigten. die Staatsautorität zu untergraben. in dem er den Beweis zu führen suchte. IN EINEM AUTO IN PARIS Robert Faurisson Wir bestreiten die Tatsache eines Ausrottungsplans und der Ausrottung . die Gaskammern der Nazis habe es nie gegeben.« Wir sollten auch bedenken. So stellte das Urteil des Obersten Gerichtshofs von 1969 den Ku Klux Klan von Verfolgung frei. und ich bin ein Mensch.« Deterring Democracy S. vor allem durch die Arbeiterbewegung sowie die Bürgerrechts. »Ein Pergament schützt GRONINGEN Frits Bolkestein Zu diesem Buch hat Professor Chomsky ein Vorwort geschrieben. ein Nazi ist ein Mensch. Mark Achbar Sind Sie Nazi? Robert Faurisson Ich bin kein Nazi.

dann ist das eine Folge davon. Zorniger Mann (brüllt) Sie sind doch Linguist . Niemand stellte seine Bürgerrechte in Frage. Und wenn ich schreibe. Wie Chomsky ebenfalls vermerkt hat. »Pol Pot. In einem Beitrag unter dem Titel »The Judgment of History« schreibt Gitta Serenyi im New Statesman vom 17. wo Faurisson .. und noch seine abseitigsten Ideen wurden selbst von den schärfsten Widersachern nicht zu einer cause célèbre gemacht. wie Serenyi so argumentieren konnte. die den Holocaust als >Schwindel< bezeichnen. man würde dadurch nur einen Propagandisten. O.. denn ich habe nie ein Vorwort geschrieben.. Siehe S.« Man versteht nicht. also bitte . die sich in dieser Sache auf Chomsky berufen. sondern als jemand. dem ein Bürgerrecht verweigert wurde . Chomsky Er spielt auf eine Äußerung von mir über Bürgerrechte an. in Noam Chomsky: Critical Assessments (a. 175 . völlig ignoriert und blieb daher ohne Wirkung in der Öffentlichkeit. a.. die in ein Buch übernommen winde. den niemand ernst nehmen kann.07. daß er »gestellt« wurde. Faurissons Ansichten zu teilen oder ihn gar aktiv zu unterstützen. Ähnlich attackiert. Faurisson kam ja eben dadurch. 181 Der »zornige Mann« hielt ein Exemplar von The Hidden Alliances of Noam Chomsky in der Hand... Herman... zu seiner großen Publizität. wurde beispielsweise der Holocaust-Leugner Arthur Butz. würde auch Butz diesen Nutzen ernten. LONDON Zorniger Mann Sie haben doch dieses Vorwort geschrieben. daß man ihn durch bewußt falsche Darstellung seines Standpunkts als Anhänger Faurissons erscheinen ließ und dadurch auch Faurisson selbst mehr Kredit verschafft hat. und zwar eine positive Beurteilung dieser Ansichten! Chomsky Chomsky hat unablässig bestritten. zu stellen.. Faurisson. Wie jedoch der Fall Faurisson gezeigt hat. wenn Sie also schreiben. ja . Arthur Butz. Auch Faurisson wurde nicht etwa durch seine Ergebnisse »aufgewertet«. Wenn es daher Menschen geben sollte. .. Chomsky Nein. Und Sie wissen das auch ganz genau. Zorniger Mann Und wenn Sie jemanden als unpolitischen Liberalen bezeichnen. Chomsky Jawohl! Zorniger Mann ..auch das eine Folge der offenen Auseinandersetzung. dessen Ansichten durch seine Worte.81: »Im April schlug ich vor.. aufwerten«. Es hieß dann aber in den akademischen Kreisen.. der auch zu denen gehört. Ergebnisse oder Schlußfolgerungen Gewicht erhalten. Zorniger Mann Ja. dann stellt das ein Urteil dar. Edward S..BATTERSEA ARTS CENTRE. and the Process of Derogation«. Vidal Naquet . nur um in Wirklichkeit Chomsky aufs Korn nehmen zu können.. dann bedeuten Ihre Worte auch etwas! Chomsky Stimmt.) Aber ganz im Gegenteil .. ist ein solches Urteil fragwürdig. Dozent an der Northwestern University.. Das ist nicht mein Vorwort. und da ..

Auf der Umschlagseite von Faurissons Buch Mémoire en Defense . Urteil. PARIS Serge Thion Pierre hat also ein Buch herausgebracht mit all den Argumenten. ob ich dafür eintrete. Es gibt doch aber wohl einige Fakten. OK. Der Mensch. oder ob ich mich dem anschließe. NIEDERLANDE Chomsky Kann ich mit den Fakten fortfahren? Joop van Tijn Gewiß. die .. na ja. 182 ..Der Titel des Buches lautet Mémoire en Defense contre ceux qui m'accusent de falsifier l'Histoire (Plädoyer zur Verteidigung gegen jene. Warnung.. die Faurisson vor Gericht vorbrachte. daß jemand seine Meinung frei äußern kann. Chomsky Also dieses sogenannte Vorwort. die betitelt war »Einige grundsätzliche Bemerkungen zur Redefreiheit«. Dabei sollte es auch darum gehen. Und wir dachten dann. was Sie wollen. Ich habe ihm dann gesagt: »Machen Sie damit. Im Text heißt es dann »Vorwort«. der diese Petition organisiert hatte. stundenlang können Sie das. bat mich um ein Statement zur Redefreiheit. was er da vorbringt.« AM PANTHEON.. wird Chomskys Beitrag als avis bezeichnet (Meinung. es wäre doch eine gute Idee. Notiz). daß es hier um die Redefreiheit geht. daß es einen Unterschied macht. diesen Text von Noam Chomsky als eine Art Warnung zu verwenden. Ich habe mich also hingesetzt und eine ziemlich triviale Erklärung verfaßt. Rat. als ein Vorwort. die mich der Geschichtsfälschung bezichtigen) HUMANIST TV. um die Gedankenfreiheit und auch um die Freiheit der Forschung.

wie die Dinge sich entwickelt haben. Chomsky Ist es nicht.von dem Buch hatte ich nichts gewußt dann würde alles nur noch schlimmer. Joop van Tijn Aber das ist doch das einzig Wichtige.. und dies auf dem Höhepunkt des Vietnamkriegs .. es zurückzuziehen. ist die französische Intelligenzschicht schlichtweg unfähig. Man mag ja von Faurisson halten. es zurückzuziehen? Joop van Tijn Damit haben Sie doch sagen wollen. Chomsky Also das ist das einzige.. den immer noch bestehenden Rassismus erneut anzuheizen. Man soll das tun. der wurde bekannt.HUMANIST TV. Sehen Sie. Leute wie Alan Dershowitz. und überhaupt genießt er nicht einmal einen winzigen Bruchteil des Rückhalts. Was habe ich denn damals . Chomsky Sie meinen. was man für richtig hält.. 183 . daß man so vorgehen sollte. die ich für wirkliche Kriegsverbrecher halte.ich weiß es nicht. Wenn nun meine Äußerungen über die Redefreiheit in das Buch übernommen würden . 308-323 Ist es nicht. Taktische Gründe mögen also vielleicht dafür gesprochen haben. auch »The Treachery of the Intelligentsia: A French Travesty«. mit dem Versuch. wo die Schwarzen nur wenig Gutes erlebt haben und wo derartige Lehren geeignet sind. Gut. Chomsky Im nachhinein gesehen. Language and Politics. Es hat schon viel umstrittenere Fälle gegeben. was man will. Chronicles of Dissent S. das Ganze zu verstehen. nicht die mindeste Kritik hervorrief. was ich dabei bedauere. worum es geht.oder bei Wissenschaftlern... die auch weiterhin die meinen sind. Radical Priorities S. es . Das ist . und dies in einem Land. in denen ich für diesen Grundsatz eingetreten bin.. Sie hielten es für falsch . Beispielsweise bei Personen.und Redefreiheit bekämpfen.. Chomsky Stimmt nicht. die in Sachen arabisch-israelischer Konflikt jegliche Gedanken.. ich schrieb einen Brief. aber ich finde nicht. nicht nur was einem einen taktischen Vorteil einbringt. der in diesen anderen Fällen zu registrieren ist . aber niemand wirft ihm schwere Kriegsverbrechen vor noch bezeichnet er die Juden als genetisch minderwertig. S. Joop van Tijn Ist es doch. hätte ich es [den Rückziehversuch] vielleicht doch nicht machen sollen. und darin heißt es: So. hätten dadurch weniger Ansatzpunkte gehabt . 264 Vgl..bei denen im übrigen meine Verteidigung der Grundsätze. 16 Die französische Intelligenzschicht ist schlichtweg unfähig zu verstehen. NIEDERLANDE Joop van Tijn Warum haben Sie in letzter Sekunde versucht. die Schwarze für genetisch minderwertig halten. Joop van Tijn Aber damit haben Sie doch .

wenn man sie mit meinen anderen Äußerungen zur Redefreiheit vergleicht. UNIVERSITY OF WASHINGTON. die beiden Sachen deutlich zu trennen. dann ist das eine Redefreiheit für Meinungen. die Sie widerlich finden. SEATTLE Chomsky Meiner Meinung nach hat der Staat kein Recht. Ich hätte lieber sagen sollen: Gut. und alle zu bestrafen. daß es jemals Gaskammern gegeben hat? Chomsky Natürlich nicht. und dann alle zu bestrafen.ganz abgesehen davon. Dieses Recht werde ich dem Staat nicht gewähren.. darüber zu bestimmen. wie die geschichtliche Wahrheit lauten soll. Nur . Im Rückblick finde ich nun allerdings. die davon abweichen. selbst wenn vielleicht jemand behauptet. sehe ich diese Sache nicht nur als trivial an. Meiner Meinung nach hat der Staat kein Recht. Was ich sagen will. dann bedeutet das die Freiheit. ist folgendes: Wenn man an die Redefreiheit glaubt. wäre es daher besser.Um Klarheit zu schaffen. Zur Redefreiheit kann man nur zwei Haltungen einnehmen. 184 . Wenn Sie also für Redefreiheit eintreten.. die einem nicht gefallen. die ihm paßten. darüber zu bestimmen. Goebbels war auch für die Redefreiheit . Andernfalls wären Sie überhaupt nicht für Redefreiheit. wie die geschichtliche Wahrheit lauten soll. Stimmt's? Stalin genauso. ich hätte das vielleicht doch nicht tun sollen. sondern als geradezu winzig. Denn das sollte es auf jeden Fall. eine Meinung zu äußern. Student Bestreiten Sie nun.bei Ansichten. die davon abweichen. es soll so veröffentlicht werden. und jeder trifft seine Wahl.

vor Leute. Ich vertrete aber gar nicht seine Meinung . Da bin ich ganz sicher. ich sage doch nicht. der Staat soll ihn einsperren. Jahrhundert haben das auch alle verstanden . Necessary Illusions S. und spätestens seit dem 18.dann sagt bestimmt jeder Kommissar zu mir: Sie vertreten dieselben Ansichten wie jener Mensch. oder? Frau Sicher. Chomsky Ich unterstütze ihn doch gar nicht. Wenn jemand eine wissenschaftliche Abhandlung publiziert und ich anderer Meinung bin.ich vertrete sein Recht. 185 . dann sage ich doch auch nicht. die wirklich übelste Vorstellungen verbreiten . Aber Sie müssen ihn doch nicht so direkt unterstützen . 123-133 sowie S. 337-355 UNIVERSITY OF WASHINGTON..nur die Faschisten nicht. Zur Diskussion über Redefreiheit.. daß ich seine Ansichten verteidige. Das ist wirklich der entscheidende Unterschied. SEATTLE Frau Aber es gibt doch so etwas wie Objektivität oder wissenschaftliche Objektivität oder Realität? Wie können Sie als Wissenschaftler diesen Standpunkt einnehmen? Chomsky Sehen Sie mal. sie zu äußern. LONDON Chomsky Wenn ich mich vor die anstößigsten Äußerungen stelle .BATTERSEA ARTS CENTRE. Staatsverleumdung (Kritik an der Regierung) und Zensur vgl.ich meine.

. Chomsky Ja. In dieser Sendung im Jahre 1985 diskutierte Chomsky mit Professor Yossi Olmert von der Universität Tel Aviv (nachmals israelischer Regierungssprecher) über die Nahostkrise. Frau Also wann haben Sie diesen Text. Frau Aber er stand doch nicht vor Gericht. Und überhaupt habe ich ihn nur in der Weise unterstützt. Chomsky Oh. also gut.. Jetzt nehmen wir mal an. was er will... die Redefreiheit gelte auch für ihn Punkt. 186 . TVOntario ist das nicht-kommerzielle Bildungsfernsehen der kanadischen Provinz Ontario.ich meine dieses . aber .12. Chomsky Als er vor Gericht gestellt wurde. und sagen.. geschrieben . ich unterstütze ihn. weil . in dem Sie sich vor ihn stellen.. weil jeder das Recht haben soll.. zu sagen. AUS »SPEAKING OUT: CRISIS IN THE MIDDLE EAST« TVOntario (Bildungskanal) 12..Frau . Und genau das ist doch in . daß ich gesagt habe.. ist zweifellos ein ganz typisches Beispiel. Dann verteidige ich ihn. selbst wenn ich anderer Meinung bin als er.. er wird wegen Fälschung vor Gericht gestellt..85 Yossi Olmert Diese Sache mit dem Holocaust. Chomsky Aber nein! Frau . da sind Sie aber im Irrtum.. »Speaking Out« ist eine einstündige Livesendung über aktuelle Themen mit telefonischer Zuschauerbeteiligung. den es angeblich gar nicht gegeben hat.

Yossi Olmert Nehmen wir ein anderes Beispiel .321 Yossi Olmert Sofort. Berater der israelischen Regierung. Die Debatte war so hitzig. ANRUFE (ZUGESCHALTET) Toronto 3 Burlington 1 (21.. Korrespondent zahlreicher Zeitungen. haben wir ihre Vermittlungszentrale überlastet. nur um die Sendezeit einzuhalten. Autor von THE FATEFUL TRIANGLE und anderer Bücher. Chomsky Größer als Null? ANRUFE (NICHT ZUGESCHALTET) Toronto 10 Ottawa 1 NACHTRÄGLICH Toronto 12 Ottawa 1 IMPULSZÄHLER (VERSUCHE.484 31.. was meinen Sie.ich komme gleich darauf. Wie die Bell-Telefongesellschaft uns wissen ließ.809 5. oder gibt es irgendeine Zeitung.. wir konnten schon über die vier froh sein.. die ihn nicht als Verrückten bezeichnet hätte? Anmerkung Bei Studiogästen dieses Kalibers ist es so gut wie unmöglich. Chomsky Größer als Null? Abstimmungsfrage der Telefonwahl: HABEN DIE PALÄSTINENSER EIN ANRECHT AUF SELBSTBESTIMMUNG IN EINEM TEILGEBIET DES EHEMALIGEN PALÄSTINA? Ja 3.857 Yossi Olmert Sofort .und Fernsehanstalten Noam Chomsky. Wie stark der Ansturm war.nehmen Faurisson ernst? Wie viele sind es in Frankreich . Wir mußten sogar den POSTKORB-Teil halbieren und den Rest im Eiltempo abwickeln.aus dem Nahen Osten. Chomsky Haben Sie jemals in irgendeiner Zeitung irgend etwas darüber gelesen .85 ISRAEL UND DER NAHE OSTEN Gäste: Prof... 187 .12. daß es bei dem komplexen und sensiblen Thema besonders lange dauerte. daß fast alle Anrufe.627 Nein 1..oder sonstwo .. Yossi Olmert Telefonbericht . blendeten wir die Telefonnummer erst um 21:30:15 Uhr ein. Yossi Olmert Sie fragen dauernd.SPEAKING OUT .00 Uhr) Als ich damals .. Um sicherzugehen. Univ. bis das Signallicht durchkam. Chomsky . die binnen 25 Minuten vom Impulszählei registrierten Anrufversuche stellen ebenfalls eine Rekordzahl dar. und ich versuche zu antworten.. schreibt in der Presse und hält häufig Vorträge. wieviel Prozent? Yossi Olmert Sofort.Chomsky TVOntario Wie viele . Funk. Professor für Linguistik am MIT.. überhaupt Anrufer in die Sendung hineinzunehmen. die uns überhaupt erreichten. Chomsky . Josef Olmert.. Chomsky Wie viele Zeitungen in Amerika . Ortsgespräche waren.12. läßt sich daraus erschließen. Tel Aviv. IN DIE SENDUNG ZU GELANGEN): TELEFONWAHL-STIMMEN: GESAMTZAHL ANRUFE: 25. Die Anzahl der abgegebenen Telefonstimmen bildet einen Spitzenwert für diese Saison (und unter Berücksichtigung der veränderten Sendezeit auch für die vorhergehenden Perioden). daß sich in der Sendung vorher genügend Substanz angesammelt hatte.

Er 188 gibt darin eine genaue technische Beschreibung der Konstruktion und Funktionsweise der Gaskammern und Verbrennungsöfen. ob die Nazis diese Greuel wirklich begangen haben.. ein ehemaliger Anhänger Faurissons. Als erster Vertreter eines westlichen Landes hatte Pressac Einblick in die umfangreichen Auschwitz-Akten erhalten. die ich vor einigen Jahren in einer Stimmung grimmiger Faszination gelesen habe.. welche 1945 den Sowjets in die Hände gefallen waren.. als ich die Sache vor 5 oder 6 fahren verfolgte. Einleitung zu American Power and the New Mandarins S.Yossi Olmert OK. sie möchten »Robert Faurissons Sicherheit und freie Ausübung seiner gesetzlichen Rechte« garantieren. die notwendigerweise aufgewühlt werden. LONDON Chomsky Ich habe in der Vergangenheit in Bezug auf die Personen. sollte ich vielleicht kurz die Tatsachen aus meiner Sicht darlegen und auch einige Worte über die Grundsatzfragen verlieren.und zum Teil auch hier . die sich hier stellen (..10. fand ich mich in diesen Morast wahnwitziger Rationalität hineingezogen und legte mir Argumente zurecht. »der von Chomsky erlassene Aufruf« verteidige Faurissons Ansichten.93) berichtet Pressac. dann kann ich dem zustimmen. der hat schon dadurch seine Humanität preisgegeben. wie diese Forschungen seine schon vorher aufgekommenen Zweifel an Faurissons Behauptungen bekräftigten. als ich die Sache verfolgt habe . wissenschaftlich und objektiv zu bleiben und die menschlichen Reaktionen zu unterdrükken. Sabrina Matthews Der Artikel in der New York Times über meine Verwicklung in die »Faurisson-Affäre« trug die Überschrift »Französischer Sturm im Cognacglas«. Chomsky Das ist doch eine ganz einfache Frage. begeben wir uns bereits in die Erörterung technischer Probleme mit der Nazi-Intelligenz: Ist es überhaupt technisch möglich.die Tinte in Strömen geflossen. Der Autor hatte sich alle Mühe gegeben. Mir fällt eine ausgezeichnete Untersuchung über Hitlers Osteuropa-Politik ein. kühl. (. ein libertärsozialistischer und für seine Opposition gegenüber dem Totalitarismus in jeglicher Form bekannter Wissenschaftler.. Ich meine. 8-9 Im September 1993 veröffentlichte JeanClaude Pressac. bis 06.es Crématoires d'Auschwitz. dann dürfte das gewiß nicht schwerfallen. I. Lesen Sie mal meine allerersten Artikel. und weil die Berichterstattung nicht gerade erhellend war. erfuhr ich. das die Lebenskraft des deutschen Volkes zerfrißt? Und so weiter und so weiter. BATTERSEA ARTS CENTRE. die den Holocaust leugnen. Wer die Anmaßung. damit die neue Hochkultur zum Nutzen der Menschheit erblühen kann? Sind die Juden wirklich ein Krebsgeschwür. Ganz ohne es zu merken. sobald man sich auch nur auf eine Diskussion darüber einläßt. wenn man mit dem Plan konfrontiert ist. Millionen menschlicher Wesen zu versklaven oder zu vernichten und so die Erben der geistigen Kulturwerte des Okzidents in die Lage zu versetzen. die Vorgänge hätten nicht einmal die Bezeichnung »Sturm im Wasserglas« verdient. Sobald wir aber diese elementaren menschlichen Reaktionen unter Kontrolle halten.) Diese Petition stieß auf lebhaften Protest. Wenn damit gemeint war. Roy stellte meinen Standpunkt als einen Versuch dar. ungestört eine höhere Gesellschaftsform zu errichten. Er veröffentlicht derartige Untersuchungen seit 10 Jahren und findet seine Forschungsergebnisse durch die Moskauer Dokumente bestätigt.09.ich versuch's mal. da sage ich.. weil man in seinem Verhalten eine antiisraelische Kampagne sah. gewisse Fragestellungen dürften rational diskutiert werden. Aber wenn jemand unbedingt Faurisson widerlegen möchte. Im Nouvel Observateur (30. für legitim hält und sich somit auf die Ebene von Argument und Gegenargument. eine weit extremere Haltung eingenommen als Sie hier. von Taktik und technischer Realisierbarkeit. Im Nouvel Observateur schrieb Claude Roy.) Im Herbst bat Serge Thion. Wenn Sie also meine Meinung dazu hören wollen: Sie sollten über diese Sache nicht mal diskutieren. Yossi Olmert ... Millionen von Leichen zu beseitigen? Soll man sie an Ort und Stelle verscharren oder in ihre »natürliche Heimat im Osten« zurückschicken. mich um meine Unterschrift unter eine Petition an die französischen Behörden. um die Konstrukte der Bormanns und Rosenbergs zum Einsturz zu bringen. man verhält sich bereits unmenschlich. daß Noam Chomsky sogar von einigen seiner Anhänger heftig kritisiert wurde. Ich versuch's mal . den Unterschied zwischen den Vereinigten Staa- . Dennoch ist dazu in Europa . von Zitaten und Fußnoten begibt.

. man muß die Belege nachprüfen usw. aber auch dies hat nichts mit seinen Bürgerrechten zu tun). Der Begriff »Ergebnisse« an sich ist völlig neutral. um die Veröffentlichung noch zu stoppen (. Die gleiche Haltung habe ich in Bezug auf Wissenschaftler eingenommen. dann muß man es zumindest sorgfältig gelesen haben. in dem Faurisson sich gegen eine gerichtliche Anklage zu verteidigen suchte. Es liegt kein Widerspruch in einer Aussage wie der folgenden: »Die Forschungsergebnisse.. um die es ging. mögen die darin präsentierten Erkenntnisse auch noch so gespenstisch sein.) Nach einer weitverbreiteten Meinung sollte ein besonderer Skandal darin liegen. jemals wegen solcher Schritte kritisiert worden zu sein. oder mit in den Chor derjenigen einfallen. die eine genetisch bedingte Unterlegenheit der Schwarzen »bewiesen« haben wollen. die fraglichen Äußerungen zu studieren oder auch nur zur Kenntnis zu nehmen. waren ganz andere (. Gegen all diese doch erheblich umstritteneren Aktionen erhob sich auch nicht der leiseste Einspruch. die erheblich kontroverser waren. aber niemand wirft ihm vor. Ich kann mich nicht erinnern. Etwas später erfuhr ich dann. In meiner Antwort schloß ich mich seinem Urteil an. wo ich mich für Bürgerrechte und die akademische Freiheit stark gemacht habe. Daß ich selbst in schärfster Opposition zu ihm stehe. Im Jahre 1969 schrieb ich sogar. die ich auch vielfach in Büchern vertreten habe. Hier muß ich aber noch etwas anmerken. Man kann sehr leicht den verteidigen. wo der Holocaust als »der phantastischste Ausbruch kollektiven Wahnsinns in der Geschichte der Menschheit« bezeichnet wird). denn würde man sich danach richten.über einen amtlichen Feind und Menschenrechtsverletzer herfallen. hat dazu jede Möglichkeit. daß meine Erklärung in ein Buch aufgenommen werden sollte. die einmütig . auch wenn diese zu Mord und Zerstörung führen heute wäre ich mir da übrigens nicht mehr so sicher. ich habe indem ich dies verweigerte . bat mich jedoch dringend. daß man die Freiheit des Wortes (und das schließt die akademische Freiheit mit ein) nicht auf Äußerungen beschränken darf. Dies hatte zwar nicht in meiner Absicht gelegen. dann übernehme doch ich keine besondere Verpflichtung dafür. zumal ich sie in einigen Fällen für ziemlich abstoßend halte.stimmte er mir zwar im Grundsatz zu. was man will. Wer ihn widerlegen oder verdammen will. die in meinen Augen wirkliche Kriegsverbrecher waren.mein Desinteresse an 6 Millionen ermordeter Juden verraten. denn es würden darin »seine »Schlußfolgerungen als echte Entdeckungen vorgestellt«. Will man ein Buch mit rationalen Gründen verurteilen. schwere Kriegsverbrechen propagiert oder die Juden als genetisch minderwertig bezeichnet zu haben (er schreibt übrigens von dem »heroischen Aufstand des Warschauer Ghettos« und rühmt jene. daß ich mich für Faurissons Recht auf das freie Wort eingesetzt hatte.. die ich gegeben hatte.und häufig zu Recht . an den Universitäten die Forschungen zur Aufstandsbekämpfung zu verbieten. die das Recht auf ungestrafte Meinungsäußerung nicht gel- . Einer der bizarrsten Anwürfe lautete. (so etwa in Peace in the Middle East?. aber da war es bereits zu spät. und das in einem Land. denn die Fragen. die »todesmutig für die gerechte Sache und gegen den Nazismus kämpften». diese Kritik würde allerdings jeden treffen.ten und Nazideutschland wegzuinterpretieren.Fay war ein bekannter antifaschistischer Schriftsteller und Aktivist . In einem Brief. andernfalls würde man bei dem in Frankreich herrschenden Klima meinen Kampf um Faurissons Recht auf freie Meinungsäußerung als inhaltliche Parteinahme interpretieren. aber es widersprach auch nicht den Anweisungen. Man mag ja von Faurisson halten. Doch es ist von geradezu elementarer Bedeutung. meinen Text zurückzuziehen.. den mir Jean-Pierre Fay schrieb . dann gäbe es für unpopuläre Meinungen überhaupt keinen Rechtsschutz. daß diejenigen. gab es einige. ich verlangte. ohne mir vorher seine Arbeiten genauer angeschaut zu haben. meine Erklärung solle nicht erscheinen. steht in diametralem Gegensatz zu meinen Überzeugungen.) Was Faurisson vorträgt. der dieser Hilfe gar nicht bedarf. aus politischen oder ideologischen Gründen die Lehrbefugnis zu entziehen.. die er publizierte. Beispielsweise habe ich Petitionen zugunsten gefährdeter 189 osteuropäischer Dissidenten unterschrieben (und mehr als das). ist . was ich aber niemals verlauten lasse. wo die Schwarzen nur wenig Gutes erfahren haben und wo derartige Lehren von Rassisten und Neonazis aufgegriffen werden. der sich genau so wenig für Faurissons Arbeiten interessiert wie ich.«. in dem es hieß: »Seit der Veröffentlichung seiner Ergebnisse mußte Professor Faurisson . Daher muß diese Freiheit gerade für solche Meinungen besonders engagiert verteidigt werden. eben weil es absolut nichts mit der Kernfrage zu tun hat).. Personen. das beweist doch. Die Petition sagte nichts über die Qualität von Faurissons Arbeiten aus.. wurden als wertlos/irrelevant/ gefälscht erachtet. Unter den Fällen..wie ich bereits sagte . weder auf die Presse noch in der Wissenschaft.«.belegt. Pierre Vidal-Naquet beurteilte die Petition in Esprit als »skandalös«. es sei fälsch. die überwiegend auf Ablehnung und Verachtung treffen. Das halte ich nun allerdings für eine merkwürdige Lehre. Wenn ich das Recht der freien Meinung verteidige. die einem zusagen. ohne viel über ihre Ansichten zu wissen (sie interessieren mich auch nicht. Faurisson besitzt nicht den geringsten Einfluß in Frankreich. VidalNaquet hatte einen Satz in der Petition mißverstanden. So sprach ich mich auf dem Höhepunkt des Vietnamkriegs dagegen aus. Nun.

92. Läge die bessere Antwort nicht vielmehr darin. die in meiner Verteidigung seiner Bürgerrechte einen Skandal erblicken wollte (. Ich habe im Laufe der Zeit mit verschiedenen Überlebenden gesprochen. Aufmerksamkeit zu erregen. die wie Faurisson und die anderen Revisionisten dieses überwältigende Beweismaterial ablehnen.. dürfte die Antwort klar sein. Seiner Meinung nach muß man sich nur wie ein Laserstrahl auf eine genügend enge Auswahl von Beweisen konzentrieren.schließlich wußte er über meine Abstammung Bescheid. Faurisson habe dadurch ausgerechnet in einer Zeit des wachsenden Antisemitismus Publicity erhalten.) Was nun das von PEN beklagte Wiederaufleben des Antisemitismus und der rassistischen Ausschreitungen angeht. und auch die Lyoner Universität legt vermutlich einen gewissen Qualitätsmaßstab bei der Auswahl der dort tätigen Personen an. wenn eine Organisation. für jeden.. Hast Du auch nur einen Funken Interesse irgendwo bemerkt? Was schließt Du daraus? Natürlich spricht Alexander hier gar nicht von den Juden. um schließlich nicht einmal mehr an die Existenz der Schwerkraft zu glauben. mit dem Entzug von Bürgerrechten zu beantworten. gleichzeitig umgebracht wurden. »His Right to Say It« in The Nation 28. und niemand zuckt auch nur mit der Wimper. vor allem seit dem Artikel von Alex Cockburn in The Nation vom 17.93. Faurisson verdankt seine Publicity in erster Linie seinem Prozeß und einer Presse. um zu verstehen. woher wir eigentlich wissen. der die als fundamental angesehenen Ideale der westlichen Demokratie hochhält und um die wirklichen Übel besorgt ist. sprach ich mit ihm über das Faurisson-Phänomen.02. . Es mutet merkwürdig an. Sollte er derartige Gefühle hegen. Hat sich irgendwer darüber erregt ? Jeder weiß davon. etwa von Raoul Hilberg. was da vorgeht. aus denselben Gründen und etwa im gleichen Verhältnis zu ihrer Gesamtzahl. als Faurissons Verteidigung gegen seine Ankläger das Ohr der Öffentlichkeit erreicht. Das beste Beispiel ist der Artikel von Edward Alexander. in einem parallelen Universum. sich dann aufregt. Als ich einmal zwischen zwei Interviews mit Chomsky im Zug nach Holland saß. Vielleicht war ich auch betäubt vor Entsetzen über seine Behauptungen. diese »Phantasiegeschichten sind geplatzt". Interessant ist auch. der die Leichen aus den Gaskammern holte.81 S. so erhebt sich doch die Frage. immer anstößigere Behauptungen aufzustellen. Geradezu unheimlich wurde die Sache dadurch. mit vielen Aussagen anderer Zeugen und Überlebenden der Nazigreuel.ten lassen wollen und auf jede Verteidigung dieses Rechts mit Abscheu reagieren. darunter Sarah Nomberg Prytzyk.(18. Jedenfalls ist dies der weitaus bekannteste und prominenteste Fall einer Entlastung der Nazis und Leugnung des Holocaust. was wir zu wissen glauben. Glauben sie. Und doch 190 zu können. wo er den Holocaust und andere Naziverbrechen mit der Bemerkung abtut. Er wollte nur eines: mich überzeugen.NC . die für die Freiheit der Schriftstellerei eintritt. mit dem Bericht eines Mannes. Zweifel am Holocaust sind schließlich weit verbreitet. diese beiden Varianten der Holocaust-Lüge lägen moralisch auf einer Ebene: Es ist allemal viel schlimmer. besteht darin. Autorin des Buches Auschwitz: True Tales of a Grotesque Land (University of North Truth Shall Set You Free zu sehen). Aus jüngerer Zeit kommt einem natür- konnte ich bei ihm keinen inneren Judenhaß erkennen. Er suchte pausenlos Streit. sondern von den Roma. daß er ja kein dumpfer Irrer ist. Man braucht nicht lange über all dies nachzudenken. Seine Methode. Veröffentlichungen. durch die rassistische Gewalt und Unterdrückung bestärkt werden könnten. wie der PEN-Club in Paris reagiert hat. im Congress Monthly. 175]. und dem Briefwechsel vom 15. Ich habe die Werke angesehener Historiker über den Holocaust gelesen.MA [Wie Du schreibst] kannst Du nicht verstehen. Und jetzt also Pressac mit seinen Dokumenten. die Naziverbrechen an den Roma abzustreiten. scheint das Wissen sozusagen angeboren zu sein. die. die uns bedrohen. Mitarbeiter von Werner Cohn [siehe S. drohte er mir. PEN verurteilte meinen Beitrag mit der Begründung. dann hat er sie jedenfalls vor mir gut verborgen . Was weiß ich über die Gaskammern? Da ich jüdisch erzogen bin und schon als Kind an unzähligen Wohltätigkeitsaktionen unter dem Banner »Nie wieder!« beteiligt war. wir hatten ja darüber gesprochen. alles wirkt so gespenstisch. die Deutschen hätten alle wahrheitsliebenden Juden umgebracht und nur einige Lügner übriggelassen? Ich selbst könnte um nichts in der Welt Faurissons Denkweise nachvollziehen. 231-234 Carolina Press 1985). reichlich selektiv vorgehen. der auch in Shoah auftritt. Mir erscheint das gar nicht so ungewöhnlich. Ich will damit nicht suggerieren. was diese Holocaust-Revisionisten eigentlich antreibt. zurück zu den osteuropäischen Pogromen. denn man ist ja nicht grundsätzlich dagegen. und welche Anforderungen wir an Beweise stellen.02. Fr hält beklatschte Vorträge vor Grüppchen von Neonazis (einer ist in dem schwedischen Film The Seit diesem einen Tag mit Faurisson überlege ich mir ernsthaft. denn die werden weiterhin gnadenlos verfolgt und sogar noch aus Deutschland ausgewiesen. »Ich mache aus Ihnen schon noch einen Revisionisten«. Anscheinend leben die Leute. . um dann seine Geschichtsversion wiederkäuen lich Claude Lanzmanns Shoah-Dokumentation in den Sinn: mit den Geständnissen von Nazis. Er vermittelt zumindest einen Anschein von Rationalität. ob es wirklich angemessen ist. nach den Gründen für diese unheilvollen Entwicklungen zu suchen und diese nach Möglichkeit abzustellen? Ich denke. und zwar auf dieselbe Weise.

Ein Sprecher des Krankenhauses in der zentralfranzösischen Großstadt Clermont-Ferrand. die sich »Söhne des Gedenkens an die Juden« nennt (.CAFE IN PARIS Robert Faurisson Redefreiheit und das ganze Zeug läßt mich kalt. Hüte sich jeder. mehrere Rippenbrüche sowie schwere Kopfverletzungen. der [den Holocaust] ableugnet.« Zu dem Überfall bekannte sich eine bislang unbekannte Gruppe. daß im Zweiten Weltkrieg sechs Millionen Juden in den Konzentrationslagern der Nazis vergast worden seien.) [In einer Erklärung der Gruppe] heißt es: »Professor Faurisson war der erste.« Faurisson ist ein führendes Mitglied der revisionistischen Schule in der Geschichtswissenschaft. es gäbe keine Beweise dafür. daß er operiert werden mußte. . Und ich werde auch gewinnen.09. der Erste Hilfe geleistet hatte. wenn man eine zentrale Doktrin ihrer Mörder übernimmt. bezeichnete seinen Zustand als stabil.. Er erlitt einen Kieferbruch. »Sein Kiefer war zerschmettert. wurde gestern so schwer zusammengeschlagen. Ich muß gewinnen — nur darauf kommt es an. Diese Schule vertritt die Auffassung. aber er wird nicht der letzte gewesen sein. »Er war bei Bewußtsein. Anti-Holocaust-Historiker von Jugendlichen zusammengeschlagen Clermont-Ferrand (Reuter) Ein französischer Historiker. berichtete ein Feuerwehrmann aus Vichy. als er in Vichy seinen Hund ausführte. wo- hin der Verletzte zwecks Operation überführt wurde..89 191 Den Opfern des Holocaust ist nicht damit gedient. Der Sechzigjährige namens Robert Faurisson war von drei Jugendlichen angegriffen worden. der den Tod von Millionen Juden im Nazi-Holocaust abstreitet. Mark Achbar (zum Kameramann) Schnitt. konnte aber nicht sprechen«. Montreal Gazette 19. sie haben ihm das ganze Gesicht zerschlagen.

in dem noch der Hauch der Sklaverei hing. aber die Bürgerrechtsbewegung bestand nicht nur aus ihm allein. Wie in allen Demonstrationen. die die Veränderungen bewirken. Turning the Tide S. deren Namen wir nie erfahren werden. das den vielen Rückschlägen und den dünn gesäten Erfolgen gewachsen ist und das von der Hoffnung auf eine lichtere Zukunft lebt. das überwältigt . die vielleicht sogar umgebracht wurden. Wenn die Bücher über Martin Luther King berichten können. Ich möchte nun ganz praktisch fragen: Was meinen Sie. In denen gibt es nur ein paar Führergestalten . Natürlich war Martin Luther King ein bedeutender Mann. erblickte er vor sich einen etwa neunjährigen farbigen Jungen. was Sie tun. Das soll nicht heißen. die vergessen sind.Menschen.000 farbigen Einwohnern von Albany landeten über 1000 im Gefängnis . Von den 22. Organisation. einem Städtchen im tiefsten Süden. »Wie heißt du?« Der Junge sah ihm gerade in die Augen und antwortete: »Freedom.. jedesmal ist es so abgelaufen. das entweder die Kosten staatlicher Gewaltanwendung in die Höhe treibt oder die Grundlagen für Veränderungen in den Institutionen schafft. was Sie wollen. wo sie auch sein mögen. eine ganze Generation lernte zu handeln. die in der Folgezeit über den Süden hinwegrollten. wo man seine Energie am besten einsetzen soll? Denn das hier heute abend. Die Geschichtsbücher vermitteln davon ein falsches Bild. waren auch hier kleine Kinder beteiligt. das der Desillusionierung trotzt.. Das tun sie: in ihrer Gemeinde. 192 In Albany. 253 Chomsky Die Welt verändert sich. ein Handeln. Lernen. Bei Ihnen sieht ja jeder.Menschen wie George Washington oder Martin Luther King. So legen sie das Fundament für die Massenbewegungen. Denken Sie an die Abschaffung der Sklaverei oder an die demokratischen Revolutionen — Sie können nehmen.« Howard Zinn. Es gibt zur Lösung unserer Probleme weder Zaubersprüche noch Wunderrezepte. dann deshalb. sondern nur die altbekannten Methoden: Ehrli- che Suche nach Erkenntnis. Als nach einer der Massenverhaftungen der Polizeichef von Albany die Namen der vor ihm aufgereihten Häftlinge aufnahm. Es ist noch nie anders gewesen. 446 .wegen ihrer Umzüge. wenn viele Menschen unablässig daran arbeiten. fanden im Winter 1961/62 und im folgenden Jahr Massendemonstrationen statt. Versammlungen und Proteste gegen Rassentrennung und Diskriminierung. weil viele Menschen in den Südstaaten aktiv waren .COAST BASTION INN. A People's History of the United States (Harper and Row 1980) S. Georgia. Freedom. warum ich nichts getan habe. schließlich jenes niemals nachlassende Engagement. NANAIMO. das kommt mir alles so riesig vor. an ihrem Arbeitsplatz. daß diese Personen unbedeutend waren. KANADA Frau Ich bin nur eine ganz normale Mutter und möchte nicht eines Tages mit meinen Enkelkindern dastehen und etwas Entsetzliches erleben und mich dann fragen. man kann doch nicht mal dran kratzen.

Die.in den USA hauptsächlich die des Militär-Keynesianismus. Jahrhundert in den USA und in Großbritannien eine Art »Eigentümerkapitalismus«. Trübe. und ihr Mut und ihre Beharrlichkeit sind erstaunlich. Viele wollen das ja auch. ich sitze 20 Stunden pro Woche über Briefen aber all das zielt nicht etwa auf die Politiker oder auf die Intelligenz. Das geht nur. so wird es auch eintreten.INTERVIEW MIT PAUL ANDREWS IN DER SEATTLE TIMES Chomsky Zuerst müssen mal Aktivisten da sein. nur müssen sie erst mal verstehen . mit Gewißheit zu sagen. Es verrät Realismus. Nach dem Krieg nahm die Entwicklung unterschiedliche Formen an . die Gründe dafür habe ich vielfach dargelegt. Jahrhunderts der Manager-Kapitalismus in der USA und noch später der kontrollierte Staatskapitalismus in Japan und in den ostasiatischen Schwellenländern. Ich erwarte nämlich von diesen Menschen nicht mehr als das. die Betroffenheit empfinden. die in praktisch allen florierenden Branchen zu finden ist. NIEDERLANDE Chomsky Ich halte wohl jedes Jahr Hunderte von Vorträgen. Die Verdammten dieser Erde kämpfen weiter für ihre Rechte. und sie sollen ihren positiven Antrieben folgen. S. strategisch mit den Regierungen zusammenarbeiten und eigene regierungsähnliche Institutionen betreiben. Wer ist so klug. wenn manche dieses System als »Konzern-Merkantilismus« bezeichnen. Es gab im 19. so können wir diesem Ziel immerhin näherkommen. HUMANIST RADIO. aber doch nicht ganz ohne Hoffnung. 48 • »The Function of the University in a Time of Crisis« in For Reasons of State S. Technology.wenn man darunter ein System freier Marktwirtschaft versteht in den entwickelten Ländern schon früher kaum jemals gegeben und gibt es jetzt noch viel weniger. 64 Einen »Kapitalismus« hat es . Es wäre völlig verfehlt. Bereits in den 30erJahren befanden sich praktisch alle kapitalistischen Länder auf dem Weg in einen faschistoiden Staatskapitalismus. blicken in eine trübe Zukunft. In den Industrieländern andererseits. wie die Macht der Einzelnen abnimmt. Ihm folgte Anfang des 20. auch: • Auszug aus »Toward a Humanistic Conception of Education« in Work. so weise ich den Leuten eigentlich nur den Kurs zur geistigen Selbstverteidigung. nehmen wir aber den Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit auf.ganz abgesehen von der starken militär-keynesianischen Komponente. also was das betrifft.. wo der Bolschewismus zusammenbricht und der Kapitalismus schon längst aufgegeben ist. die ausgedehnte Oligopole bilden. 309-321 193 . Deterring Democracy S. and Education S. sondern es ist für den sogenannten »Mann auf der Straße« bestimmt. Seit 30 Jahren wird das System mehr und mehr durch massive staatliche Interventionen am Laufen gehalten . eröffnen sich neue Chancen für ein Wiederaufleben bislang verschütteter libertär-sozialistischer und radikaldemokratischer Ideale über die Mitsprache der Menschen am Arbeitsplatz und bei den Investitionen.. die sich für eine Sache oder sogar für eine andere Gesellschaftsordnung einsetzen. Es sind noch ferne Hoffnungen. wenn die anderen die Arbeit tun. also über mehr Demokratie für das Volk in dem Maße. Menschen. aber auch nicht ferner. 157 Vgl. was menschliche Willenskraft erreichen kann? Wir müssen eine Art Pascalscher Wette abschließen: Rechnen wir mit dem Schlimmsten. so etwas ab »Kapitalismus« zu bezeichnen. ich schreibe Bücher. Außerdem haben sich die Spielregeln gewaltig durch das Aufkommen der transnational Konzerne gewandelt. -NC Zur Rolle der Schulen siehe S. was sie bereits sind. 298-315 • »Some Thoughts on Intellectuals and the Schools« in American Power and the New Mandarins. die von jeher die Opfer waren. als vor 250 Jahren die Möglichkeit einer parlamentarischen Demokratie und einer Verfügung über elementare Bürgerrechte zu liegen schienen. Sie sollen die Welt zu verstehen suchen. Erst danach können Leute wie ich auf den Plan treten und als Prominente wirken.

wie wenig sie über die wirklich drängenden Menschheits. wie man einen Atomreaktor baut (.) So können wir uns wirksam vor der zu erwartenden Propaganda schützen und die wahre Natur der Tricks erkennen. um nationale oder andere Sonderinteressen zu fördern und gleichzeitig zu tarnen. Physikern und Ingenieuren erzählen zu wollen.. sondern an der Macht und deren möglichst wirksamer Ausübung (. daß aus den Vereinigten Staaten ..). mit deren Hilfe diese sich vor der ständig anrollenden Welle der Regierungspropaganda und vor der naturgegebenen Einseitigkeit der Massenmedien schützen können.) Den Intellektuellen ist stets die Rolle eines leidenschaftslosen Kritikers zugekommen — zumindest haben sie sich so sehen wollen.und Außenpolitik verborgen bleiben soll. die eingenommene Position .und Verhaltenswissenschaften verdienen ernsthaft studiert zu werden. pflegt man sie dann zu »akzeptieren« (. weil sie auch per se Interessantes zu bieten haben. muß die Schule in demselben Maße praktisch eine Selbstverteidigungshaltung ihnen gegenüber einnehmen (. LYNN.) Man sollte vielleicht nicht darüber lächeln. Da sie aber diese Rolle weitgehend eingebüßt haben.) Die Gesellschafts.. wie wenig sie über die wirklich drängenden Menschheits.. genau wie große Teile der amerikanischen Intelligenz ihr Leben nicht an Wahrheit und Gerechtigkeit auszurichten.. Im Zeitalter von Naturwissenschaft und Technik wird ganz selbstverständlich deren Prestige als ideologisches Instrument eingesetzt.) den Schülern Abwehrtechniken zu vermitteln.) Auch besteht in dieser Phase die Versuchung.) In jedem Lehrplan einer zivilisierten Gesellschaft müßte die Geschichte des Imperialismus und seiner Apologeten . Doch darüber hinaus ist damit zu rechnen.und Verhaltenswissenschaften.. (.und Gesellschaftsprobleme aussagen (..und Verhaltenswissenschaften bedient. weil sie auch per se Interessantes zu bieten haben. Insbesondere bedient man sich in der Politik gern der Gesellschafts.. Zwar sind zum einen 194 in einer Gesellschaft. American Power and the New Mandarins... Und um zum Thema zurückzukommen: Sie sollten sich auch vor der ebenso naturgegebenen Neigung schützen. anstatt die im In..die vielleicht immerhin historisch gerechtfertigt werden kann . wenn ich den Schulen vorschlage. Aber auch andere Aspekte der intellektuellen Selbstverteidigung sollten nicht übersehen werden. sondern weil uns dadurch erst klar wird. die ihnen Prestige und Wohlstand verspricht. durch die uns der eigentliche Gehalt von Innen. Die Gesellschaftsund Verhaltenswissenschaften verdienen ernsthaft studiert zu werden..und Gesellschaftsprobleme aussagen.. nicht nur. MASSACHUSETTS. die Intellektuellen der heftigen Versuchung ausgesetzt.in Toynbees Worten Ader Anführer einer weltweiten antirevolutionären Bewegung zum Schutz egoistischer Interessen« geworden ist.mit einer sehr allgemeinen ideologischen Rechtfertigung zu untermauern.eine zentrale Stellung einnehmen.. sondern weil uns dadurch erst klar wird. |Es liegt eine Tragik darin. USA Ed Robinson Was meinen Sie denn damit? Was für Kurse sollen das denn sein? Chomsky Also in die Schule wollte ich sie eigentlich nicht schicken.möglichst unter dem Blickwinkel derjenigen.. nicht nur..und Ausland existierende Machtverteilung und die sich daraus ergebenden politischen Realitäten kritisch zu hinterfragen oder gar an ihrer Veränderung zu arbeiten. auf die seine Waffen gerichtet sind . 313-318 . S. eine sogenannte »pragmatische Haltung« einzunehmen (. daß die politische Elite sich der Terminologie der Gesellschafts.. denn da lernen sie's bestimmt nicht. Eigentlich müßten die Schule und die Intellektuellen in Amerika ihren Blick vor allem auf diese unbeschreibliche Tragödie richten (. um ihre Handlungsweise gegen kritische Analysen zu immunisieren schließlich wird sich ja auch kein Laie anmaßen.AUS »NON-CORPORATE NEWS« (OFFENER KANAL).

zeigt sie Wirkung. aber verdammt selten. Jeder Mensch sitzt allein vor seiner Glotze. die dieselben Sorgen haben . Hier gibt es viele Gemeinsamkeiten. Ihr erfahrt etwas über eure eigenen Wertvorstellungen. solange man allein ist. Aus einem Interview mit Open Road (Vancouver. Sehr viele Menschen sind im Grunde anständig. Ihr müßt in eurer Gemeinde nach Ausgangspunkten für alternative Aktionen suchen. Kanada). NANAIMO Chomsky Es ist durchaus sinnvoll. abgedruckt in Language and Politics S. und sie werden sich alsbald aus dem Fangnetz der Doktrinen befreien und beginnen. auf d i e eine oder andere Weise Menschen beizustehen. wie sie sich gegen fremde Mächte zur Wehr setzen können. Unter diesen Bedingungen kann man aber Ideen oder Gedanken nur schwer entwickeln.und dies alles geschieht gemeinsam. Es geht nur. zu beobachten. aber im Kern mit vergleichbaren Wertvorstellungen. auch wenn sie schlecht informiert und heftiger Propaganda ausgesetzt sind.wenn auch vielleicht auf unterschiedlichen Gebieten.und das ist der Witz bei der Sache. unter die Oberfläche dringt allerdings kaum etwas. die besondere Not und Unterdrückung erleiden müssen. und sich daran zu orientieren. Allerdings ist das ungeheuer schwer. Solange niemand der Propaganda entgegentritt. Denn auf was sie aus sind. so bedarf es dazu eines politischen und organisatorischen Umfelds. 195 . Und die ebenfalls den Leuten beibringen möchten. bringen wir sie zusammen.TV-SCHIRM IN EINER HOCHHAUSWOHNUNG Chomsky Dazu muß man einen unabhängigen Geist entwickeln. daß sie Fragen stellen und ihre Intelligenz und ihren instinktiven Anstand einsetzen. Bei vielen genügt es schon. Man kann auch nicht als Einzelner gegen die ganze Welt kämpfen. Wenn sie die Menschen voneinander isolieren wollen. wenn man sich organisiert. es kommt vor. das müssen wir bekämpfen. 389 BÜRGERINITIATIVE. und die ihr Lebe in die eigene Hand nehmen und anderen Menschen beistehen wollen. euch zu verteidigen . Unser System isoliert aber den Einzelnen . ihr lernt. Gut. Will man also geistige Selbstverteidigung lernen. was die Institutionen tun. nach Menschen.

Wer auch nur eine Minute über die Probleme unserer Gesellschaft nachdenkt.so der Bericht . die Macht im Staat ergreifen und wie durch ein Wunder die Revolution herbeiführen. Wirtschaftskorrespondent des BBC World Service . Das Potential für eine solche Bewegung ist mit Sicherheit vorhanden. Oder wie wäre es mit der UNCTADSchätzung der NTB-Auswirkungen [nontariff barriers. das auf freie und offene Diskussion setzt und vielfältige Aktionsmöglichkeiten eröffnet. So trägt ein Leitartikel der Financial Times Autor ist James Morgan. daß die armen Länder jetzt Jahr für Jahr mehr als 21 Mrd Dollar in die Tresore der Reichen transferieren.) Und um den Kampf gegen den Imperialismus — wie auch gegen die der Gesellschaft von den immer stärker werdenden internationalen Wirtschaftsinstitutionen drohenden Zwänge und Eingriffe führen zu können. unüberlegte Aktionen und taktische Manipulationen können gefährlich werden (.auf die Politik der Weltbank und des Währungsfonds zurückzuführen sowie darauf.« Year 501: The Conquest Continues S. die nur kollektiv zu definieren sind. bleiben vielleicht nur noch Tyrannei und Unglück (. ist es am besten.das hat schon André Gorz richtig gesehen.. soviel hat sich inzwischen herumgesprochen. die »immer mehr haben wollen« und die Ruhe der Reichen stören. und zwar auch in ihrem kulturellen Selbstverständnis. eine Bewegung für gesellschaftlichen Wandel aufzu- bauen und dieser ein positives und weitgespanntes Programm zu geben. dem IWF.weil ein auf Profit und maximales Wachstum gegründetes System gegenüber der Maximalversorgung mit Gütern für den persönlichen Gebrauch eine insgesamt bessere Lebensqualität völlig vernachlässigt und somit Bedürfnissen. Oder mit der Schätzung der Weltbank. Offen bleibt. »Jahrzehntelange Entwicklungskredite haben nur dazu geführt.) Was die Wirtschaftswissenschaftler »externe Kosten« nennen. demzufolge durch den Protektionismus der Industrieländer das Einkommen der Länder des Südens doppelt so stark geschmälert wird. Lokale Statthalter dürfen am Wohlstand teilhaben.den Untertitel »Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks herrschen IWF und G7 über die Welt und können ein neues imperiales Zeitalter eröffnen. überhaupt nicht gerecht werden kann. wenn sie sich über das Wesen der heutigen Gesellschaft im klaren ist und die Mehrheit mit ihrer Zukunftsvision überzeugt (..« Endlich naht sich also die Erfüllung von Churchills Vision: Wir werden nicht mehr von diesen »hungrigen Völkern« bedrängt. Wenn wir hier versagen. Radical Priorities S. muß sich die radikale Bewegung international organisieren. Oder nehmen wir den Jahresbericht 1992 des UN Human Development Program über den wachsenden Abstand zwischen Reich und Arm in der Menschheit: die reichste Milliarde verfügt über 83 Prozent des Gesamtvermögens. daß die Führer der Entwicklungsländer in das Geflecht der neuen Herrscherklasse eingebunden werden« — daß es die alle ist.. die herrschende Ordnung beizubehalten. das zu bestreiten wäre unsinnig. läßt sich nicht mehr in Fußnoten verstecken. sollte nicht überraschen. im Norden aber nur auf 18 Prozent. auch Fraktionskämpfe. sie erfüllen ihre Pflichten gegenüber 196 den wahren Herren. vorausgesetzt. Denn es droht ja nicht nur die Repression von außen. der Weltbank und dem GATT«. daß die NTBs sich auf 31 Prozent der Industrieprodukte des Südens auswirken. 221-223 Oft nehmen die Herrschenden und ihre Ideologen gar kein Blatt vor den Mund. Dogmatismus. wobei »eine indirekte Herrschaft dadurch ausgeübt wird.4 Prozent. daß in einer fortgeschrittenen Industriegesellschaft die Massen erheblich mehr zu verlieren haben als nur ihre Ketten. Er hätte auch den Bericht der Weltbank erwähnen können.. kann mehr konsumieren). Morgan verkennt auch nicht »die Heuchelei der reichen Nationen.. mit der fortschreitenden Uniweitzerstörung und der völlig irrationalen Nutzung unserer technischen Mittel verbunden sind . aber ihre eigenen abschotten«. Ihnen wird vielmehr sehr daran gelegen sein. eine »Avantgardepartei« könne alle Wahrheit und Tugend bei sich bündeln. dann ist das ..) Jeder weiß. Immer nur die Litanei von der Ungerechtigkeit und der Unterdrückung herzubeten. hierzu zählen auch die USA mit ihrer Reagan-Revolution (Verdoppelung des Anteils der von Schutzmaßnahmen betroffenen Importe). die mit Produktion und Konsum. wenn sie von der Dritten Welt die Öffnung der Märkte verlangen. über die Zollschranken hinausgehende Handelshemmnisse]: 20 Prozent Export- rückgang der Dritten Welt im Jahreswert von mehreren Milliarden Dollar. kann nicht genügen (.) Eine linke Bewegung kann auf lange Sicht nur dann auf Erfolg hoffen. wie die gesamte Entwicklungshilfe beträgt. wird auf die sozialen Kosten stoßen. Jede ernstzunehmende radikale Bewegung muß daher ein hohes geistiges Niveau anstreben . Düsteres Fazit des Economist. Und wenn sich dieser Abstand seit 1960 verdoppelt hat. daß von den 24 Industrieländern 20 heute einen stärkeren Protektionismus ausüben als vor 10 Jahren. die ärmste über gerade 1.. 61-62 .. die ohnehin zum größten Teil nur in Exportförderung besteht und auf die bessergestellten Schichten der »Entwicklungsländer« zielt (wer mehr hat.. Jetzt also obliegt »die Errichtung einer neuen Weltordnung der G7. ob sie eines Tages Wirklichkeit wird.) Die Bewegung darf auch nicht in die Illusion verfallen.. worauf dann endlich die Gesellschaft auf der Grundlage demokratischer Strukturen und vertretbarer Wertvorstellungen erblühen wird (.Wenn man die bürgerlichen Freiheiten verteidigen will.

Natürlich könnte ich irgend etwas nennen. sondern wie man liest. Die Menschen müssen sich klarmachen. was ich gerade für gut halte. aber ich wüßte nicht. denn darauf gibt es wohl keine Antwort. Nur wenn Menschen miteinander in Wechselwirkung treten können. muß viel lesen. Richtig ist immer das. Aus einem Interview mit David Barsamian im MIT. Das soll nicht heißen. NANAIMO Frau Welchen Einfluß . was Sie als richtig empfinden. oder? Ich bin doch nicht der liebe Gott. um diese Filter in unserer Presse zu umgehen? Könnten Sie da einen oder zwei Titel nennen? Nicht was man liest ist wichtig. und unter alternativen Medien . schaffen sie etwas Konstruktives. als Durchschnittsmensch denn lesen. Was ich sage. ist vielleicht alles falsch. Chomsky Genau. . Könnte doch sein. MAIASPINA COLLEGE. daß die Fakten nicht auch verfügbar wären.oder welches Potential . warum Sie das besonders ernst nehmen sollten. 197 Man muß die Medien nur kritisch und zynisch genug verfolgen. muß die Vorgänge durchschallen. Das müssen Sie schon selbst herausbekommen. daß immer und immer wieder versucht wird. sondern von den Bürgern kontrolliert werden. Chomsky Also zu dieser Frage: »Von welchen Medien kann ich die richtigen Antworten erwarten?« will ich nichts sagen. Aus einem Interview mit Paul Andrews.ich will das definieren verstehe ich Medien. Februar 1990.haben Ihrer Ansicht nach die alternativen Medien? Ich meine vor allem das Potential. Seattle Times. das hat die Menschen immer verbunden. LARAMIE Frau Was könnte ich als Biologin.UNIVERSITY OF WYOMING. sie zu manipulieren. daß einem eine ganz bestimmte Brille aufgedrängt werden soll dann kann man sich auch wehren. muß sich nur bewußt werden. die nicht vom Staat oder von der Wirtschaft.

Klassen und Geschlechtern und über andere innenpolitische Probleme abzuhelfen. BOSTON Mark Achbar Erzählt uns doch mal was über das Z Magazine.gegen die Konzentration der Macht werden sie hart zu kämpfen haben. aber selbst die erfordern von den Beteiligten einen unglaublichen Einsatz. sondern darüber nachdenkt.000 Abonnenten und setzt 8-9000 Exemplare im freien Verkauf ab. Aber es wird sehr schwer werden. die politischen Beziehungen. Was ist das und worin unterscheidet es sich von anderen Zeitschriften? Michael Albert (zu Lydia Sargenl) Fang du an. in der alle Aspekte der Politik zur Sprache kommen: die Wirtschaft. Michael Albert und Lydia Sargent gründeten South End Press im Jahre 1978. Sie teilen sich in die Redaktions.und Produktionsarbeiten. Z Magazine Michael Albert Wir wollten eine Zeitschrift machen. die Rassenfrage. um dem in den USA bestehenden Mangel an progressiven Veröffentlichungen über die Beziehungen zwischen den Rassen. regionaler oder nationaler Verbreitung. aber gemacht wird sie von genau zwei Leuten ohne finanzielle Reserven. was man anstreben sollte 198 . die soweit wie möglich gefördert und vorangetrieben werden muß. Das ist eine überregionale Zeitschrift. was da vorgeht. Wir wollten sie aber auch so gestalten. BÜRO DES Z MAGAZINE. die sich für das Verlagswesen interessieren. Z Magazine ist eine Vierteljahreszeitschrift über Strategien und Visionen. Eric ist Lydias Sohn). und Z Magazine ist eines davon. daß die Leserschaft nicht nur versteht. Lydia Sargent.BÜRO IM MIT Chomsky Ich habe das immer für eine gute Sache gehalten. bei anderen Pflichten geht ihnen Eric Sargent zur Hand (sie leben zusammen. einen Blick auf die Struktur von South End Press. daß das Z-Kollektiv nicht ohne weiteres als Vorbild dienen kann. Looking Forward: Participatory Economics for the Twenty-first Century (South End Press 1991). es liefert eine genaue Beschreibung des ideellen Hintergrunds und der praktischen Aktivitäten eines fiktiven Verlages namens Northstart Press (zu dem South End Press Modell gestanden hat). Insgesamt gibt es in Amerika über 500 alternative Blätter mit lokaler. Nehmen wir beispielsweise das Z Magazine. die Geschlechterfrage. Auch wenn Albert sofort einräumt. so empfiehlt er doch denen. Zehn Jahre darauf gründeten die beiden das Z Magazine. Lydia Sargent Ich anfangen? Nein danke. die Herrschaftsfrage. Die Alternativmedien mögen noch so wichtig sein . Zwar gibt es auch kleinere Erfolgserlebnisse. Es hat 15. Zusammen mit Robin Hahnel hat er ein Buch geschrieben.

South End Press hat furchtbar kämpfen müssen. Ich habe ja kein Forschungsbudget für diese Sachen. kriege auch keinen Sonderurlaub dafür. N e h m e n wir etwa den Boston Globe (. daß jemand den Preis zweimal bekommen hatte. er wird alljährlich für die beste Entlarvung einer gespaltenen Zunge verliehen.Journalistin für den Boston Globe ein Interview mit dem Menschen. Allerdings gab es eine auffällige Lücke: Ausgerechnet die Gewinner dieses Jahres blieben unerwähnt. man kann es übrigens im Publisher's Weekly nachlesen. machte eine .. . Die haben eben keinen hellwachen Typ in Israel sitzen.oder besser gesagt. Also nichts in der Art von Ted Koppel — es war eine Medienkritik. welche Kompensationsmöglichkeiten es gibt. und das- 199 selbe tun sie für mich. nämlich einen aktivistischen Schwerpunkt setzen und damit den vielen Bewegungen im Land Won Nutzen sein. Ihnen muß ich das ja nicht erzählen.und was man verbessern kann. hat bislang überlebt. Ted Koppel und andere. Februar 1990.) Manchmal ist es geradezu komisch . Es sollte ein Magazin sein. Ich zum Beispiel stehe stundenlang am Kopierer und produziere Papiere für Freunde im Ausland.so eine Zeitschrift war nirgends zu finden. die die Leute begeistern und ihnen eine Art Strategie oder sogar eine Vision vom besseren Leben vermitteln kann .. bis endlich mal eines ihrer Bücher rezensiert wurde. ohne Zugriff auf die lautstarken Medien hat man nur eine äußerst begrenzte Reichweite. der die hebräischen Zeitungen für sie durchsieht. ich glaube im November. Eine Zeitschrift. Die Nationale Vereinigung der Englischlehrer hat einen sogenannten »Orwell-Preis« gestiftet. Nur mit harter Arbeit läßt sich dann überhaupt etwas erreichen. die wichtigen Sachen ausschneidet und analysiert und das Ergebnis herschickt — aber ich schon. So ist es eben. und es ist wichtig zu wissen. Sie führte dann auch einige Namen von Preisträgern aus den letzten Jahren auf.zum Beispiel im letzten Herbst. nicht mehr und nicht weniger. das den Menschen etwas bedeutet. Aus einem Interview mit David Barsamian im MIT. Lydia Sargent Und dann wollten wir etwas bieten. So besteht zwischen vielen Dissidenten eine Kooperation. Es las sich alles sehr positiv: Tolle Idee. Und darüber konnte sie natürlich nichts bringen. Doch obwohl darunter viele gute Bücher sind. Nun war es meines Wissens das erstemal. Ohne Geldmittel. und doch habe ich auf diese Weise einen besseren Zugang zu den Quellen als die etablierten Wissenschaftler-oder auch als der CIA. ohne Rückhalt bei Inserenten. ein Buch von South End mal irgendwo rezensiert zu bekommen. die dort in derselben Lage sind wie ich hier. bringt aber eine Menge Bücher heraus. und zwei Jahre zuvor hatte ich ihn für mein Buch On Power and Ideology erhalten.übrigens ziemlich linksliberale . der für diesen Preis zuständig ist. es ist so gut wie unmöglich. das wir bei den bereits existierenden Zeitschriften vermißt haben. aus dem sie etwas für sich gewinnen können und in das sie sich einbringen können. Etwa zur selben Zeit. Und Kultur und Humor wollten wir auch noch anbieten. IM MIT Chomsky South End Press ist erfolgreich . Nun also bekamen Ed Herman und ich ihn für Manufacturing Consent. Der Verlag bildet eine kleine Kooperative und verfügt auch nur über sehr begrenzte Mittel. Und dann handelten die beiden derart ausgezeichneten Bücher auch noch von den Medien. so einen Preis gegen gespaltene Zungen zu verleihen.

175 Titel wur- den bereits produziert. Gemeinsam mit 7.die Arbeit auch alle gemeinsam und lernen dabei alles Mögliche. und unsere Produktentscheidungen richten sich danach. und alle Entscheidungen allein treffen will. BOSTON Karin Aguilar-San Juan Unsere Titelauswahl und Geschäftspolitik beruht auf Grundsätzen. Wir besorgen uns die Manuskripte. Speak Out! (ei- ner Rednervermittlungsagentur). legen wir auf diese Kriterien besonderen Wert.wenn ein Buch produziert wird . Die Bücher des Verlages sollen der Förderung kritischen Denkens und konstruktiven Handelns in den entscheidenden sozialen und ökologischen Fragen im In. dem Publishers Support Project und dem New Liberation News Service arbeitet South End Press im Institute for Social and Cultural Change an der Ver- breitung von Informationen und kritischen Analysen. bei den vielen Fusionen und Übernahmen. ob die Menschen sich unsere Bücher leisten können und ob ein Buch herauskommen sollte. steuern alle ihre Intelligenz bei. nicht nur. vor allem für solche Leser zu arbeiten. wer zufällig die längste Erfahrung besitzt oder die »beste« Schule besucht hat und deswegen meint. Magazine. dies zu erreichen. die für die Bewegung relevant sind. weil vielleicht tausend Leute daraufwarten. auch wenn wir damit kein Geld verdienen können. aber jeder von uns hat Einfluß und kann zu den übrigen sagen: »Das sehe ich aber anders. Ähnliche Ziele werden auch von anderen progressiven Organisationen in vielen Ländern verfolgt. Auch sollen sie den unterschiedlichsten demokratischen Bewegungen in der Gesellschaft eine Stimme verleihen und Alternativen zu den Produkten der Großverlage anbieten. 200 . Gerade heutzutage. Wir büßen dabei zwar etwas an Produktivität ein. der »beste« Redakteur zu sein. Seit seiner Gründung im Jahre 1978 versucht der Verlag. Loie Hayes Und dann machen wir . die für die großen Verlage mit ihren Bindungen an die Großunternehmen nicht in Frage kommen. South End Press ist ein gemeinnützig arbeitendes Buchverlags-Kollektiv.« Wenn solche Entscheidungen anstehen. die die Gesellschaft von Grund auf verändern möchten oder die nach Wegen suchen.und Ausland dienen.VERLAG »SOUTH END PRESS«.

Auch in manchen Regionen [der USA] läßt sich der potentielle Wert nicht-kommerzieller Stationen ausmachen. ist Teil einer florierenden Bewegung lokaler nicht-kommerzieller Sender mit unabhängigen Produzenten. Chomsky In so einem Hörerradio wird den Leuten Tag für Tag ein neuer Blick auf die Welt und ein anderes Verständnis der Dinge geboten und nicht nur das. sondern mit der Vernunft«. Sie können es sich nicht nur anhören.immer noch eine mögliche Alternative dar. wie dies erreicht werden kann. Ich selbst produziere und vertreibe jede Woche ein politisches 60-Minuten-Programm. verbunden mit einem verbessertem Zugang. sei es für das Radio wichtig. können die Leute einschalten und ihm zuhören. was die großen Medien ihnen vorführen wollen. die jeder kennt. Seit 1978 bin ich ein solcher Einmischer. Eine demokratische politische Ordnung bedarf auf lange Sicht einer erheblich ausgeweiteten Einwirkungsmöglichkeit auf die Medien. sie sind vielleicht das am schnellsten wachsende Medium. sondern spricht über Dinge. so etwa bei Radio Pacifica. denn im Gegensatz zum Fernsehen. sie können selbst darauf Einfluß nehmen. Alternative Radio. Er bringt ja auch keine exotischen oder esoterischen Sachen. können ihre Gedanken einbringen. denn wir spielen seine Bandaufnahmen ab. Es ist für die ganze Fortschrittsbewegung wichtig. Es wird von über 100 Sendern in . der sich dem Propagandasystem entgegenstellen will. das der progressiven Kooperative Longo Mai in der Haute Provence gehört und rund um die Uhr sendet. Und auch die Öffentlichen Kanäle *1) stellen . So übernehmen sie ihre menschliche Rolle als Beteiligte im politischen und gesellschaftlichen System. »anders zu denken. intensiv zu diskutieren.trotz der Rückschläge. Berichtsniveau und Diskussionsfreiheit kaum eines der großen Medien mithalten kann. Wir sehen es ja in Boulder (Colorado). mit dessen Weltsicht. Gründe dafür gibt es viele. und wenn er dann selbst nach Boulder kommt. eine grundlegende Medienreform muß in die politischen Programme Eingang finden. In Frankreich verfügen viele lokal operierende Gruppen über eigene Radiosender. und so werden die Menschen zu wahren Menschen. können Erfahrungen machen und so fort. wo man ständig hinter dem effektvollen Filmschnipsel her ist. deren Wiederbelebung und Stärkung jedem am Herzen liegen sollte. die vorher keinen Zugang zu diesem Medium hatten. Noam Chomsky ist in den letzten sechs Jahren wohl dreimal dort gewesen und hat eine riesige Zuhörerschaft angezogen. 307 *1) Public radio/TV: Mit öffentlichen Mitteln arbeitender Sender *2) Publicly-owned station: Staatseigener Sender 201 Warum brauchen wir das Radio? Edward Said hat es »die oppositionelle Form« genannt. Ja. Er hat das übrigens auch schon selbst bemerkt. aber vor allem ist es enorm billig und erreicht Gemeinden.BÜRO DES Z MAGAZINE. Auch die anhaltende Kommerzialisierung der Öffentlich-rechtlichen Sender *2) müßte entschieden bekämpft werden. »Conclusions« in Manufacturing Consent S. Einer der bekanntesten ist Radio Zinezine. BOSTON David Barsamian Seit etwa 10 Jahren weisen die Hörerradios in den USA einen erheblichen Zuwachs auf. wir übertragen seine Interviews und seine Vorträge. die sie in der Ära Reagan/Bush hinnehmen mußten . Meine »Organisation«. Im Radio kann man sich einmischen. über die viele zuvor isoliert lebende Landwirte informiert und aktiviert werden können. nämlich linear . Dieser Sender ist zu einer bedeutenden Gemeinschaftseinrichtung geworden.nicht in Bildern zu denken. Das aber ist teilweise dem Sender KGNU zu verdanken. ein Kämpfer im Äther.

schließlich möchte ich ja. (202) 393-2355. 3575 Blvd. und ich unternahm damals etwas Unerhörtes: Ich buchte auf dem Satelliten einen Block von dreieinhalb Stunden Noam Chomsky . mit den Worten von William Barlow von der Howard University. OR 97440. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. einen nützlichen Ratgeber zur Produktionstechnik. Es war eben das sprichwörtliche Lehrgeld. Das Programm muß kurz vor der vereinbarten Zeit am uplink bereitstehen. können also die Sendungen über ihre Schüsseln empfangen. durch den Direktverkauf von Audiokassetten und Niederschriften an die Hörer.oder Hörerradio bietet. Das Lokal. C. erscheint es mir doch aus psychologischen wie politischen Gründen erforderlich. sollte sich an folgende Adresse wenden: National Federation of Community Broadcasters. Und es ist dasjenige. Australien usw. Die Technik ist einfach. Mein Ziel ist es. 20001. daß die meisten Sender nur halbstündige oder allenfalls einstündige Blöcke bringen. daß wir eines schönen Tages endlich über ein globales Netz verfügen. Den Sendern berechne ich nichts. Die Einspeisung von Programmen erfolgt über ca. Ein Thema kann in einer Stunde gut abgehandelt werden.wie bei mir . die verschiedenen Ansichten und Blickwinkel zu verbreiten. Das Arbeiten mit den vom Satelliten gesetzten Terminen ist wie ein unablässiger Reiz. Außerhalb der USA kann man sich an 202 AMARC wenden. nämlich vom Sender Radio for Peace International.und Dienstleistungsorganisation für Lokal. Die einzelnen Stationen rufen das Programm dann vom Satelliten ab und strahlen es zu einer bestimmten Uhrzeit aus. Tel. Im ersten Heft der Z Papers schreibt Edward Herman: »Eine umfassende Demokratisierung der Medien kann nur in Verbindung mit einer durchgreifenden politischen Revolution erfolgen.und Regionalsender. Betrieben wird das Ganze vom National Public Radio. Ganze Berge von Papier belegen die Beherrschung der Medien durch Wirtschaft und Industrie. H2X 2T7. Sende.« Genau davon reden wir. .ist es sowieso ideal. Suite 704. Nie habe ich auch nur einen Pieps zum Inhalt eines meiner Programme von denen vernommen.Kanada und den USA ausgestrahlt und gelangt außerdem über Kurzwelle in mehr als 70 Länder. »mehr demokratische Möglichkeiten als jedes andere Massenmedium in den USA. dem Rassismus und den Rechten der indigenen Völker. Nähere Auskünfte über das Satellitensystem und seine Benutzung erteilt NPR.der Weg für AR war vorgezeichnet. (202) 822-2323. Dies ist für uns lebenswichtig . Das ist natürlich teuer und unpraktisch und auch schlecht für die Tonqualität. An diesem Satellitensystem hängen Hunderte von Sendern wie an einer elektronischen Nabelschnur.und Frequenzpläne können angefordert werden bei RPI. niemand hatte mir gesagt. Leider ist das Satellitensystem auf die USA beschränkt.und Mobilisationsmedium ernsthaft in Erwägung ziehen. positive Alternativen aufzuzeigen. Aber keine Angst . der US-Außenpolitik. muß ich also Bänder verschicken. NFCB ist eine zentrale Vertretungs. Mehr als 400 Stationen haben downlinks. Das Radio hat etwas Intimes.das Radio bietet uns die Möglichkeit dazu. geschrieben vom Radiozauberer Randy Thom. Und wie trägt sich das alles? Nun. Ich warte wirklich darauf. Sie vertreiben auch Audio Craft. 20 uplinks. C. David Barsamian. Der Trend zur immer stärkeren Konzentration von Macht und Kapital setzt sich fort. Bruce Girard von AMARC hat ein Buch mit dem Titel A Passion for Radio herausgegeben. das mir am meisten zusagt. PO Box 10869. Alternative Radio nahm einen bizarren Anfang. spanischer und französischer Sprache. »Alternative Radio .« Alle politisch Engagierten sollten das Radio als Aktions.die wollen nur unser Geld. Für das gesprochene Wort . mit der Umwelt sowie mit Wirtschaftsthemen wie NAFTA/GATT und anderem. es bemächtigt sich nicht der Vorstellungskraft seiner Hörer. Zweifellos ist das Radio unter allen elektronischen Medien das billigste. Washington. Die ARProgramme befassen sich mit den übrigen Medien. Er steht in Santa Ana. also muß für die Stationen alles möglichst einfach und schmerzlos sein. Costa Rica. Man hat sozusagen ständig ein Magnetband als Damoklesschwert über dem Kopf schweben. Washington. Gerade wird die Fusion zwischen Bell Atlantic und TCI angekündigt. St. Es war 1986. wenn ich ein Programm produziere und es dann ein Ladenhüter wird? Wer mehr wissen oder eine lokale Radiostation aufziehen möchte. die Kosten niedrig. daß die Programme ausgestrahlt werden. die World Association of Community Broadcasters. D. Bei all ihren Medienproblemen haben die USA doch unter allen Ländern das am besten ausgebildete Netz von Regional.ein Vortrag von 90 Minuten. Canada. Was habe ich davon. das über die Situation der lokalen Radios in verschiedenen Ländern informiert.oder Hörerradios. D. Immerhin wurde die Ausstrahlung durch das Pacifica-Netz verbreitet und löste eine gewaltige Hörerreaktion aus . nach Kanada. Es war meine erste landesweite Sendung. USA. 20036. 2025 M Street NW. USA. In Ermangelung eines guten örtlichen Senders kann man progressive Programme auch über Kurzwelle empfangen. USA. 666 11 th Street NW. Eugene. Tel. Man kann auch live über den Satelliten senden. Montreal. Que. AMARC verfügt auch über Fachliteratur in englischer. Laurent.Audio Combat« in Z Papers (Oktober/Dezember 1993). und obwohl solche Kritik auch noch weiter geäußert werden kann. zum Beispiel bei den Nachrichten oder bei besonderen Anlässen wie Hearings oder Demonstrationen. gefolgt von vier Interviews zu je 30 Minuten.

Es gibt auch schon Produzenten von Programmen.000 Stunden lokaler Programme laufen. der soll sein eigenes Video machen und das ausstrahlen lassen. die nicht ins Kino gehen. An dem hiesigen Kabelsender hängen drei Gemeinden. Ausschnitte daraus sind auch in Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media zu sehen. Es gibt in den USA bereits an die 3000 Offene Kanäle. und wir verwendeten 90 Prozent unserer Sendezeit auf professionelle Videos. dadurch die Leute zu erreichen.oder war es Anfang der 70er . Ich solle doch unbedingt Warner Communications davon in Kenntnis setzen. Ich bat ihn damals. Mein Name ist Ed Robinson. entwickeln sie vielleicht ein ganz neues Weltbild. Wir kommen also zu denen ins Haus. d. Wenn ich an einen alten Freund schreibe. Wer die Zeit dafür hat. Jetzt haben wir die Neunziger. und zwar genau die. andererseits dürfen die Kabelgesellschaften diese Kanäle bei unzureichender Auslastung auch anderweitig verwenden. daß er im Warmer Cable zu sehen sein werde. Ich versprach mir mehr Spaß an der Sache. schrieb ich an Noam und schickte ihm einen Zeitungsausschnitt mit der entsprechenden Programmankündigung auf dem Kanal Warner Cable. Anfangs hatte ich geglaubt.vielleicht auch 30. So könnte also zu geringe Nutzung dazu beitragen.000 Haushalte. Offene Kanäle anzufordern.schrieb Abbie Hoffman Steal This Book. B. die natürlich alle unter Geldnot leiden. mit zusammen 30. 307 heißt es: »Die Kommunikation über Kabel und Satelliten war nur am Anfang rein kommerziellen Interessen ausgeliefert. und lud ihn außerdem zu einem Vortrag an der University of Massachusetts ein. Über Offene Kanäle ist das kostenlos. Als das Video sendereif war. ich könnte mich auf Originalmaterial beschränken.ich bin mir da nicht ganz sicher.reagierte er binnen einer Woche.000 Menschen . Das mag etwas über meine Freunde oder über Noam Chomsky aussagen . und bei denen ich mir ähnliche Reaktionen wünschte. Wir würden nicht nur einen Film zeigen.« . und vielleicht könnten andere dabei mitmachen. h. da bin ich mir nicht ganz sicher . ich hoffte. Ich wollte selbst etwas ausdrücken. Damals erschien mir dieser Vorschlag ungewöhnlich. Swampton und Salem. der für Beiträge aus dem Publikum offen sein muß. Dies stellte sich aber sofort als unmöglich heraus. In seiner Antwort teilte er mir mit. und man kann auch kostenlos lernen. Ich selbst verwandelte mich in Laufe der Zeit in einen geradezu fanatischen Copyright-Verletzer.aber jedenfalls können das viele Leute sehen. denn schon für die Produktion der 30 Sekunden kurzen Einleitung benötigte ich zusammen mit zwei Studenten . außerdem Hunderte lokaler Produzenten. Als ich 1986 zum ersten Mal an Noam Chomsky schrieb . Diese hätten nämlich 1974 den Vertrieb eines seiner Bücher abgewürgt (Näheres dazu in einer Vorbemerkung zu Band 1 von The Political Economy of 203 Human Rights). LYNN Ed Robinson Hallo. inzwischen hat ihre wachsende Verbreitung das Netz-Oligopol geschwächt und ermöglicht eine verstärkte Nutzung durch lokale Gruppen. die wir vom American Friends Service Committee ausgeliehen hatten. Was ist Non-Corporate News und warum brauchen wir diese Sendung? (im Off) Ich wollte nicht schon wieder so eine Filmvorführung in einer Stadtbücherei machen. sondern selbst einen machen.vier Stunden. Lynn. wie das geht. In einer Fußnote zu Manufacturing Consent schreiben Herman und Chomsky: »Das Verkabelungsgesetz (Cable Franchise and Telecommunications Act) von 1984 gibt den Städten das Recht. Es dauerte nicht lange.ich hatte gerade sein Buch Turning the Tide gelesen . es veränderte mein gesamtes Weltbild und machte mich zu einem politischen Aktivisten. ich schloß mich der Central America Solidarity Association an der Universität an. daß die Offenen Kanäle sterben. 1990 gründete ich den Sender Non-Corporate News. In den 60er Jahren . dauert es gewöhnlich mindestens sechs Wochen. mir andere vergleichbare Bücher zu empfehlen. er habe ein »besonderes Verhältnis« zu Warner Communications (die jetzt zu TimeWarner gehören). um noch in Vorträge zu gehen. Als erstes brachte Non-Corporate News natürlich ein Interview mit Noam Chomsky. Ed Robinson (November 1993) *) In den USA verbreitete Form eines öffentlich lizenzierten Privatkanals. und da solltet ihr alle dem Rat folgen: »Kopiert dieses Video« und es über euren lokalen Offenen Kanal*) schicken. hier ist »Non-Corporate News«. über die allwöchentlich 20. und wenn sie dann durch die Kanäle zappen.« Und auf S. Sein Buch warf mich förmlich um. Deep-Dish Television).AUS »NON-CORPORATE NEWS«. bis ich eine Antwort erhalte. die abends zu müde sind. die landesweit über Satellit ausgestrahlt werden (z.

vor allem zum ersten Kapitel. Chomsky hatte die Kapitel 5 und 6 und schrieb auch den ersten Entwurf für Kapitel 7. wer das Schlußkapitel übernehmen würde. ich plante ein Buch über die Medien.und benötigte Hilfe bei der Klärung und Ausarbeitung. intelligent und kritisch durchforstet. Jeder lieferte auch die jeweiligen Anhänge zu seinen Kapiteln. und genau dabei wollte der andere mitwirken. Persönlich haben wir uns kaum je gesehen. in dem ein Modell vorgestellt wurde. Hier habe ich zum Beispiel einen Stoß Papier. Auf diese Weise brauche ich nicht die ganzen Filmrezensionen zu lesen oder den lokalen Klatsch und bekomme doch die Perle. waren wir beide mit anderen Projekten für den Pantheon-Verlag im Verzug. aber danach schrieben wir die zwei Bände. den ein Freund von mir in Los Angeles zusammengestellt hat. gemeinsam vorzugehen. ziemlich bald verkleinern mußten. Er verfolgt die gesamte Los-Angeles-Presse und liest auch viele britische Zeitungen und wertet sie aus. Einer hatte vielleicht eine Idee . Da wird viel über die Post kommuniziert. Meine Chomsky-Akte mißt beinahe einen Meter. HARVARD UNIVERSITY Edward S. Skizzen und Gliederungen tauschten wir laufend aus. desgleichen die Worte. praktisch ohne uns zu sehen.oder einen ganzen Schwärm davon . es ergab sich einfach von selbst und wirkte offensichtlich ebenso effizienzsteigernd wie psychologisch aufbauend. weil ihm die Sache grundsätzlich gefiel. aber es gab eine intensive Korrespondenz mit Artikeln. daß wir den Bereich. wenn man viele Zeitungen sorgfältig. das im folgenden Anwendung finden sollte. da ist jemand. unklar blieb nur. Die Manuskripte zu jedem Kapitel wurden ausgetauscht. mit einem Vergleich des Medienbildes der terroristischen Staaten Libyen und Südafrika) sowie weitere über einige innenpolitische Fragen (Reaganomics. ich bin also mit meinen Ideen nicht völlig ausgegrenzt. Als wir beschlossen. den das Buch abdecken sollte. und zwar in kürzerer Zeit und auf einem höheren Niveau. Chomsky eines über Medienfragen. unsere Kräfte zu bündeln und dadurch ein einziges Werk über die Medien zu schaffen. was draußen ablief. alles lief übers Telefon. als es jeder für sich allein vermocht hätte. Am tiefsten war die gegenseitige Durchdringung beim Vorwort. ursprünglich hatten wir nämlich auch noch ein umfangreiches Kapitel über den Terrorismus vorgesehen (u. wir konnten unsere Texte gegenlesen und überhaupt gemeinsam alles schneller voranbringen. dem Chomsky weitgehend zustimmte. Meine Zusammenarbeit mit Chomsky erwuchs aus gemeinsamen Interessen und An- sichten. Gedanken und Kommentaren zu dem. Wir hatten sogar schon so 204 viel Material vorliegen. Damit beschäftigen sich nun eine Menge Leute. Sobald wir mit der Arbeit an den ersten Kapiteln begannen. a. die sich auch untereinander austauschen. dem meine Gedanken zusagen. über Briefe und über den Austausch von Manuskripten. und um welche Frage es dabei ging. Und indem wir so über unsere Probleme reden. und auch auf anderen Gebieten hatte jeder von uns Vorarbeiten geleistet und genauere Kenntnisse erworben. Herman (Co-Autor von Manufacturing Consent: The Political Economy of the Mass Media und The Political Economy of Human Rights) Wir haben also dieses zweibändige Werk geschrieben. kommt uns beiden gleichzeitig der Gedanke. blähten die sich auf wie Luftballons . wer als erster den Vorschlag machte. Auch psychologisch liegt in gelegentlichen gemeinsamen Aktivitäten eine Stütze: Ich weiß. Ganz zu Anfang trafen wir uns einige Wochen lang. Mir schwebte bereits ein Kapitel über ein theoretisches Modell vor (»Propagandamodell«). Zu Kapitel 1 gab es also ungewöhnlich viele Diskussionen und Abstimmungen. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern.BÜRO IM MIT Chomsky Es entwickelt sich so eine Art kooperativer Netzwerke. Abwürgen der Umweltpolitik).wir kamen um tiefe Einschnitte wirklich nicht herum. die gelegentlich dabei ist und die man erwischt. Wir legten sogleich eine Verteilung der Zuständigkeiten fest und behielten diese bis zum Schluß bei. Außerdem verspürten wir die Synergieeffekte der Zusammenarbeit: Unsere Gedanken flössen ineinander. Manufacturing Consent gemeinsam anzugehen. Im übrigen blieb es jedem überlassen. sie auszudrücken. Ich hatte das Vorwort und die ersten vier Kapitel. bei seiner Arbeil die Kommentare des . bei Kapitel 1 und in den Schlußfolgerungen.

ein Seminar über Vorurteile in den Medien lief bis 1992. Ich engagierte mich. sollten sich die USA wirklich aus Vietnam zurückziehen). eines über »Wahlen durch Demonstrationen« und noch einige andere. alles begann mit einem Artikel in Ramparts: »Saigon Corruption Crisis: The Search for an Honest Quisling«). In den 80ern und frühen 90ern habe ich weiter über außenpolitische Frage geschrieben: Zwei Bücher über den Terrorismus... Ansporn erfuhr ich dabei durch mein wachsendes Interesse an der Außenpolitik. 1988 nahmen wir mit Manufacturing Consent unsere Zusammenarbeit erneut auf. Herman . es behandelt die Zentralisierung und Steuerung der großen US-Konzerne sowie die Chancen einer Reform von innen heraus (die mir gering erschienen). 1973 produzierten wir auch einen schmalen Band über das heiße Eisen der »Blutbäder« (man erwartete allgemein ein solches. In dieser Zeit lernte ich Chomsky kennen. Nachzulesen ist diese Episode im Vorwort zu unserem Buch The Washington Connection and Third World Fascism .und Monopolfragen). 1966 und 1971 veröffentlichte ich Bücher zum Vietnamkrieg. erschienen 1979 bei South End Press und Black Rose Books. Über das fertige Werk bestanden kaum noch Meinungsunterschiede.) War die Außenpolitik vorher nur ein Interessengebiet unter mehreren gewesen. wie die Medien mit außenpolitischen Fragen umgehen (. Corporate Power (Cambrid- ge University Press 1981). D. Ich hielt auch Seminare über Medien an der dortigen Annenberg School. das Propagandamodell habe allein schon deshalb einen künstlich-mechanischen Charakter.dieses eine überar- beitete und erweiterte Fassung des vernichteten Vorläuferbandes. Damit stand er zwar nicht allein. Während meiner Wharton-Zeit habe ich viele Bücher über Finanzinstitutionen und -kontrollen geschrieben. aber diese Meinung ist in mehrfacher Hinsicht absurd. der in seinem Land mit Besatzern kollaboriert. Noch etwas in Parenthese: In einer besonders dummen Besprechung von Manufacturing Consent. Die Zusammenarbeit war einfach angenehm und effizient. In diesem Feld habe ich dann hauptsächlich auf den Gebieten Geld. in Wirtschaftswissenschaften gemacht. aber ich bin mir nicht sicher. Herman auf Fragen des Journalisten David Peterson (unveröffentlicht) Ich habe an der University of California in Berkeley meinen Ph. eine neu zu schreibende Geschichte des Vietnamkriegs. Jeder fühlte sich durch die sorgfältigen Korrekturen und Anmerkungen des anderen in seiner Arbeit bestärkt. insbesondere in einer Marionettenregierung]. ist Corporate Control. Dieses Büchlein sollte später eine gewisse Berühmtheit erlangen. Meine Themen verschoben sich nach und nach fast automatisch von den Finanzinstitutionen und ihrer Macht über das Konzernsystem als solches bis hin zu den Medien. als die Muttergesellschaft (Warner) unseres Verlegers (Warner Modular) aus lauter Abscheu über unser Produkt nicht nur das Buch vernichten ließ.und Kreditwesen (da gibt es viele). sondern gleich die ganze Tochterfirma liquidierte. denn wir hatten das gleiche Interesse und dieselben Ansichten über den Krieg und die 205 Außenpolitik. so nahm sie in den Jahren des Vietnamkriegs den zentralen Platz ein. [Fin Quisling ist ein Verräter. Mein vielleicht wichtigstes Buch. vor allem weil ich wirklich der Hauptverantwortliche für das Modell war und es viel enger an meine früheren Analysen in Corporate Control. Außerdem schreibe ich regelmäßig für Z Magazine und Lies of Our Times. wollte meine Meinung zu Gehör bringen und herausfinden. Aus Antworten von Edward S. weil es aus Chomskys linguistischen Theorien abgeleitet worden sei.anderen zu berücksichtigen.und Bankwesen. dazu gehörte auch eine Untersuchung über die Treuhandfunktion der Banken und eine andere über Interessenkonflikte im Spar. Corporate Power an- knüpft als an irgendeine andere Quelle. Edward S. die in Tikkun erschien. auch für die Allgemeinheit. versuchte Carlin Romano mit großem Aufwand nachzuweisen. damals setzte auch unsere Zusammenarbeit ein (ich glaube.}. Von 1958 bis zu meiner vorgezogenen Emeritierung lehrte ich an der Wharton School of Economics der Universität von Pennsylvanien. Seit einigen Jahren reden wir gelegentlich über ein weiteres gemeinsames Projekt. ob es jemals dazu kommt. Gleichzeitig erschien im selben Verlag ein Folgeband mit dem Titel After the Cataclysm: Postwar Indochina and the Reconstruction of Imperial Ideology [Beide Bände bilden zusammen The Political Economy of Human Rights. Finanzinstitutionen sowie Struktur und Politik der Konzerne gearbeitet (einschließlich Konkurrenz.

können auch Menschen etwas tun. was doch auf der Hand liegt. daß das Volk sie auch kennt. wie sie wohl kein Geheimdienst hat. Denn sehen Sie mal. dann benötigt man natürlich eine reale Basis . der viel Zeil und Energie darauf verwendet. Aber eigentlich denken Sie dabei an eine Machtübernahme durch die Armee? Kimche Doch. Im Oktober 1980 wurde der Iran von seinem Nachbarn Irak angegriffen. Philip Tibenham (BBC Reporter) So stellten der Sturz des Schah und die Rückkehr Khomeinis für Israel eine Katastrophe dar.. die mitmachen und etwas riskieren.82 Tibenham Vgl. was ich vorhin schon sagte. die Informationen hätten gedruckt vorgelegen. auch The Fateful Triangle S.BÜRO IM MIT Chomsky Am Ende verfügt man dann über Möglichkeiten. Hier war die ideale Chance für Israel. Also die Informationen sind schon da. vormals Vizechef des Geheimdienstes Mossad) oder den Gang der Dinge zu beeinflussen. Menschen. Sie sagten doch. die man gern im Iran an der Macht gesehen hätte (. 458-459 und Das heißt also: Insoweit Israel gern die iranische Armee gestärkt sähe. der einen großen Teil seiner Zeit und Energie darauf verwendet.. Informationen können gedruckt vorliegen und trotzdem für die Menschen nicht verfügbar sein. denn das waren genau die Leute.so jemand. geschweige denn ein Wissenschaftler. Granaten. HUMANIST TV.) David Kimche (israelischer Außenminister. würde es israelischen Interessen dienen. von der gesamten Bevölkerung zu erwarten. dann meine ich nicht. Also: Wenn man kein Geld hat. aber eben nur für einen Fanatiker. Ihr größtes Problem ist derzeit: Ihnen fehlen Ersatzteile und amerikanische Waffen. wir hätten gern eine starke Armee im Iran. was sie in dieses Spiel mit einbringen können. alles zu durchforschen. Das ist eine echte Forschungsaufgabe. Jetzt gab es plötzlich ein weiteres antizionistisches Moslemregime. möglicherweise (. 174 Kimche Chomsky Wenn ich sage. wenn die USA dieses Material an den Iran lieferten? The Culture of Terrorism S. 01. ich möchte hier nicht direkt aussprechen. sie zusammenzutragen und ihre Bedeutung herauszufin- . der auf die Ölfelder von Khusistan aus war. Naja. und es wäre völlig sinnlos. um einen Regierungswechsel herbeizuführen 206 Chomsky Ich möchte noch mal betonen. Bomben usw.) Richard Helms (ehemals CIA-Chef und US-Botschafter im Iran) Wenn man einen Putsch inszeniert. Beispielsweise gab es Informationen über Waffenverkäufe der USA an den Iran. Ich habe unsere Position deutlich gemacht. Die USA suchen ganz zweifellos herauszufinden. daß sie sich in jeder Einzelfrage so etwas auflädt. die Fakten seien verfügbar. BBC »Panorama«. und dann habe ich auch irgendwo ein Interview mit einem israelischen Botschafter gelesen und wiederum irgendwas in israelischen Zeitungen. dem iranischen Militär Beistand zu leisten. Den Israelis war dringend an einer Wiederherstellung des früheren Verhältnisses zum Iran gelegen. Da liegen ihre größten Probleme. die Lügen von heute mit der Wahrheit von gestern zu vergleichen und so weiter.also Waffen..02. Ja. Joop van Tijn Tibenham Entschuldigung. All das ist nötig. denn wir leben in der Praxis und spielen kein theoretisches Modell durch. wer findet die gedruckte Information? Der fleißige Forscher. NIEDERLANDE Chomsky Die Waffenlieferungen an den Iran beispielsweise habe ich in Niederschriften von BBC-Sendungen entdeckt. Gruppen.. Außerdem benötigen sie Munition.

denn dann sind sie in der Lage.bezahlt gemacht?« Und er antwortet: »jawohl. Um die Regierung zu stürzen.also amerikanische Waffen .« Dann weiß man auch über einen Untersuchungsausschuß des Repräsentantenhauses Bescheid. Also dieses Buch soll eine Hilfe sein. dann muß ich wissen: Was geschah in Chile? Und was in Indonesien? Welche klassischen politischen Mittel setzt man ein. die Frage ist doch. in dem dargelegt wurde. wie das System die Tatsachen verzerrt. stützen wir immer die Armee. auf die man immer dann zurückgreift. erklären.beispielsweise wie die USA bei Allende in Chile vorgegangen sind. worum es in unserem Buch [Manufacturing Consent] geht. wenn man eine Regierung stürzen will. Wenn Sie auch nur ein wenig von der Geschichte wissen.aha! das paßt genau ins klassische Schema.nämlich die Politik. wie erreicht man. 10. Niederlande. der findet heraus. Aber man kann doch nicht erwarten. ]oop van Tijn Aber entschuldigen Sie.in den Iran schikken. Wenn zum Beispiel in einer einstündigen BBC-Sendung von 1982 dieselben hochrangigen Beamten. dann kann ich das alles zusammenfügen und etwas daraus machen. wenn man eine Regierung zu Fall bringen möchte? Was hat der israelische Botschafter gesagt? Was haben Kimche und Jacob Nimrodi gesagt? Man muß all diese Detailinformationen auffinden und ins Auge fassen können und dann . Und wenn ich dann weiter lese. sondern es soll den Menschen zu erkennen helfen. daß Verteidigungsminister McNamara sich das hinterher auch gutgeschrieben hat. Aus einem Interview mit Joop van Tijn in Humanist TV. daß der Durchschnittsbürger sich diese ganze Arbeit macht. die Grundlagen für den Putsch seien unter anderem auch durch die Verbindungen der USA zum indonesischen Militär gelegt worden. Statt uns mit einer Regierung direkt anzulegen.89 . warum sie Waffen . Für die große Mehrheit existiert die Information einfach nicht. Und wer fleißig genug gräbt.06. daß der israelische Botschafter irgendwo in einem Interview gesagt hat: »Unsere Waffenlieferungen an den Iran« (das war 1982) »erfolgen in Abstimmung auf höchster Ebene mit den USA«. fügt sich alles zusammen. die USA verfolgen hier nur eine ganz. dann erkennen Sie das Muster. Um eine Regierung zu Fall zu bringen. was sich in den Iran-Contra-Anhörungen abspielte. Wenn ich durchschauen will. die wir dann später in den Iran-ContraAnhörungen wieder zu Gesicht bekommen sollten. Dieselbe Politik wurde mit Sukarno in Indonesien verfolgt. daß das amerikanische Volk genau so gut informiert ist wie Sie. bewaffnet man am besten die Armee des betreffenden Landes. Fragt ihn ein Kongreßabgeordneter: »Welchen Sinn hatte es. klassische Poli- tik . Ich hab's ja gerade angedeutet. in anderen Fällen diese Verzerrungen zu kompensieren. Waffen nach Indonesien zu schicken? Hat es sich 207 Einer muß es eben tun. bewaffne man das Militär. und ich lese das: Dann weiß zwar ich es. daß es auch alles so gut zusammensetzen kann? Chomsky den. Ich investiere viel Arbeit und mir wird klar. Sie haben vorhin gefragt. aber doch nicht das amerikanische Volk. es soll nicht unbedingt bestimmte Einzelfälle erklären. Wenn man das tut. es hat sich bezahlt gemacht. genau so privilegiert.

Ich weiß.HUMANIST TV. daß wir gerade deshalb so leicht von den Mächten manipuliert werden können. denn es ist ein tödliches System. das ist so.soweit man das überhaupt kann. daß gerade weil jeder unbedingt aufs eigene Land stolz sein will . mehr nicht. über die Sie hier gesprochen haben. daß es Staaten geben muß.zum Beispiel Analysen. Die Menschen erfahren ja viele Einblicke überhaupt nicht. Über den Staat zu diskutieren.zumindest für eine gewisse Zeit. Forschung. als würde man fragen: Welches Feudalsystem wäre das beste für uns? Welche Form der Sklaverei wäre die beste? In einer bestimmten historischen Phase mochte es durchaus sinnvoll gewesen sein. Und wenn man dabei mithelfen oder mitmachen kann.also ganz naive Menschen . Chronicles of Dissent S.ich möchte es nicht. könnte es nicht lange überleben. sie von meiner Wahrheit zu überzeugen. Im großen und ganzen ist meinen Zuhörern das wohl auch klar. Und auch wenn dieses System auf Dauer angelegt wäre. wenn sie sich von einer ihnen gemäßen Wahrheit überzeugen lassen. doch noch lieber ist es mir. NIEDERLANDE Chomsky Ich bin kein Freund von falscher Bescheidenheit. was ich denke.. Sie wissen schon.) Jetzt hängen wir im Staatssystem drin . Man sollte es auch nicht. in Language and Politics. als würde man fragen: Welches Feudalsystem wäre das beste für uns? Welche Form der Sklaverei wäre die beste? 208 . daß es den Staat geben muß..eines Tages wieder stolz auf die Vereinigten Staaten sein können? Sollte man sich das überhaupt wünschen? Denn es könnte ja sein. 119 UNIVERSITY OF WASHINGTON.also jedenfalls nicht auf unsere Regierung. wie es in der Welt zugeht . was man mit dem eigenen Land meint. Es wird nicht andauern . 745 Davon auszugehen. und hoffe natürlich. Ich bin wirklich nicht darauf aus. was ich kann und was ich besonders gut kann . nach der besten Form der Sklaverei . das ist so. Ich sage ihnen. Ich möchte. daß die Welt irgendwo ein kleines Stück besser wird. daß man jemals darauf stolz sein kann (Beifall) oder auf irgendeine Regierung . Aus einem Interview mit David Barsamian. Staaten sind David Barsamian Was denken Sie vom Staat? Sind Sie ein Isolationist? Wie würden Sie sich politisch charakterisieren? Chomsky Vermutlich gehen Sie davon aus. Und genau so hing die Welt für eine gewisse Zeit im System der Sklaverei. Sie sind aber nicht notwendig (. die sich aktiv organisieren und dafür engagieren.. S. denn sie setzt die Notwendigkeit von Zwang und Fremdbestimmung voraus.. Man konnte dann über die verschiedenen Arten von Sklaverei diskutieren und nach der besten suchen.. dann ist das . Darum kommen sie. daß Menschen wie ich . Denn wenn man damit die Regierung meint. Und genau die möchte ich liefern. daß die Menschen sich selbst überreden können.zu fragen. Also sowas kann ich. Chomsky Also zunächst muß man sich fragen. und ich glaube auch so ungefähr zu verstehen. dann glaube ich nicht. und ich will auch den Grund dafür nennen. das wollen sie hören..der am wenigsten schrecklichen . die sie durch bestimmte Informationen gewinnen könnten. Dies ist nun aber eine äußerst nützliche Quelle für die Menschen. die Leute zu irgend etwas zu überreden . Studien. dann fühlt man sich belohnt. So ist die Frage einfach falsch gestellt.soviel ist zu erwarten. SEATTLE Frau Können Sie sich eigentlich vorstellen. Diese stellen aber in der Geschichte eine temporäre Phase dar.

daß das. Näherungsweise könnte man sagen. daß man jetzt so langsam mal über die Tatsachen nachdenken kann. Zum Beispiel an die Tatsache. daß sie über eine hochentwickelte Kultur verfügten. das man gern weitererzählen würde. In jedem Land. Noch in den 60er Jahren hat man immer nur an Cowboys und Indianer gedacht. ohne dieser Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Sogar die Wissenschaft konnte erst in den 70ern ernsthaft an die Fakten rühren.gegeben hatte. daß es viel mehr Eingeborene vielleicht 10 Millionen mehr . was sich dann abspielte. Wir haben zweihundert Jahre durchlebt.da gibt es nichts. Wenn ihr euch nur mal die Geschichte Amerikas anschaut .gewalttätige Institutionen. an Völkermord grenzte. daß die Staaten um so mehr (lewalt ausüben. steht die Regierung für eine bestimmte Machtstruktur. je mächtiger sie sind. Das ist doch schon ein Fortschritt. Die 60er haben immerhin bewirkt. als immer behauptet wurde. und sie wendet dabei normalerweise (lewalt an. Wie kommt es denn. 209 . Keine schöne Sache. nicht nur bei uns. daß wir hier sind? Weil an die 10 Millionen Eingeborene ausgerottet wurden.

der zaghafte Widerstand.. diese Täuschungsmanöver.) und es hat sich ein Arsenal von Instrumenten herausgebildet. Die Solidarität mit der Dritten Welt bestand in den 60ern auch nur in sehr eingeschränktem Maße. und das spricht für sie. Dazu zählen bösartige Reden ebenso wie eine Flut von Bestsellern voller mehr oder weniger zurechtgebastelter Geschichten über angebliche Horrorzustände an den Universitäten sowie von Zeitungsartikeln.) So kann der nächste Schritt für den. es gibt eine Kampagne zur Stärkung des konservativer Einflusses auf die ideologisch bedeutsamen Sektoren der Hochschulen (. und so wenden sich viele lieber wieder ihren Privatangelegenheiten zu . als einen weiteren Propagandafeldzug zu starten und zu behaupten. um Indochina vor der völligen Vernichtung zu bewahren. ist heute ganz selbstverständlich. Zuerst gab es eine Periode intensiver ideologischer Auseinandersetzungen um die politischen und Lehrinstitutionen. Was lag nun näher. Man muß bedenken. Massenhaft entstehen rechtslastige Denklabors. die wirklich aktiv werden. in andere Bereiche der Gesellschaft und auf anderen Problemfeldern. WASHINGTON Elizabeth Sikorovsky Glauben Sie. sich damit ab- zufinden.diese Schlächtereien. Und dann war das alles in den 60ern eine reine Studentenbewegung. Das sind gewaltige. die schmachvollen Rechtfertigungen . Nehmen Sie nur den Feminismus: In den 60ern gab es ihn kaum. wie viele ihrer Vorgänger sich mit Stalins Säuberungen arrangieren konnten. Heute ist das anders .. 234 Es gibt wirklich eine furchtbare Hysterie in Sachen »political correctness«. Die Ökologiebewegung setzte in den 70ern ein.»AMERICAN FOCUS«.sich werden verändern müssen. daß diese Aktionen. Ein wichtiges Element der Klassenkämpfe in der Nach-Wohlstands-Gesellschaft ist die weitgehende Übernahme der ideologischen Führerschaft durch die Rechte.aber nicht 210 aus Apathie. die ebenfalls nach Unabhängigkeit streben. mit wieviel Kraft und Durchhaltevermögen sie sich engagieren müssen.. eigentlich ging es nur um Vietnam. Kommentaren (. Vieles von dem. oder mit Hiroshima und Nagasaki.haben sie erkannt. Anscheinend gelingt es vielen amerikanischen Intellektuellen ebenso.) Dieses Phänomen ist aber keineswegs aus dem Nichts entstanden.und diese Erfahrung wird sich noch lange auswirken. wie oft gesagt wird. soll nicht ein ähnliches Schicksal andere Gemeinschaften treffen. Aber die Aktionen haben erhebliche kulturelle Veränderungen mit sich gebracht.heute ist es der Mainstream in den USA.. ihre prägende Erfahrung war Vietnam . Year 501: The Conquest Continues S. die mit einem eindrucksvollen Sieg der Wirtschaftslobby und der Rechten endete.. sich bis in unsere Zeit in der Gesellschaft auswirken? Chomsky Die Institutionen wurden dadurch nicht verändert. Radical Priorities S. aber überwiegend -jedenfalls ist das meine Erfahrung . daß mit den technischen Mittel der USA die Bauerngesellschaft Indochinas systematisch zerstört wird. Ich vermute. keine Überraschung mehr bedeuten. heute ist er im allgemeinen Bewußtsein verankert. vielmehr können diejenigen. aus einem Reservoir aus Sympathie und Unterstützung schöpfen. Auf die Jugend der sechziger Jahre trifft dies nicht mehr zu. der in das Management kultureller Hintergründe Einblick hat. fast erdrückend schwere Aufgaben. Linksfaschisten hätten das Kommando über das gesamte Kulturleben ergriffen und ihm ihre radikalen Nonnen aufgezwungen..ihre Institutionen und ihre gesamte Kultur . Zwar mündet ihr Abscheu gelegentlich in eine Anti-Haltung zu Technik und Wissenschaft oder sogar in Irrationalismen. Sportberichten. was damals die Leute schockierte. Es herrscht eben nicht die Apathie der fünfziger Jahre. daß diese Bewegungen aus den 60er Jahre in den 70ern und 8()ern immer weiter um sich gegriffen haben. Nachrichten. die vor 20 Jahren abliefen. mit denen das Denken und Reden möglichst eng auf das reaktionäre Ende des ohnehin schmalen Spektrums beschränkt werden soll (. und wie tiefgreifend die Vereinigten Staaten . 53-54 .

Sie glauben nicht. Parteien gibt es nicht. dann sind die Menschen schon intelligent genug zu merken. daß ihre wahren Interessen. Also versuchen sie. Aus einem 1984 geführten Interview mit dem finnischen Rundfunkjournalisten Hannu Reime. Sie sehen sich auch nicht in sinnvoller Weise am politischen System beteiligt. 45 Prozent . Chomsky Sehr gut gesagt. was sie eigentlich tun. S. Sorgen und Nöte sich in den organisierten Institutionen überhaupt nicht wiederfinden. daß ihre Stimme zu den wirklich wichtigen Dingen überhaupt nicht gefragt ist.bereits eingeschränkten . außerhalb der etablierten Institutionen etwas zu tun. Und daß diese nicht zur Wahl gehen. daß die Medien ihnen die Wahrheit sagen oder auch nur ihre Sorgen aufgreifen. daß sie sich nicht vertreten fühlen. also für die Sozialdemokraten. Die Zusammensetzung dieser Wähler entspricht ungefähr der Gruppe der Nichtwähler in den USA. die Labour Party. aber wenn man sich das sozio-ökonomische Spektrum derjenigen Hälfte unserer Bevölkerung . daß ihre wahren Interessen. Statt dessen stimmen sie für Coca-Cola oder Pepsi-Cola.ca. aber wir wissen immer weniger. Den meisten Menschen ist klar geworden. Ist eine Gesellschaft einmal entpolitisiert.anschaut. wo die Allgemeinheit sie als Wahlentscheidung überhaupt nicht mehr ernst nimmt. Sehen Sie. nicht einmal im . liegt wahrscheinlich daran. 600 Bill Moyers Wir bekommen zwar unsere gewählten Führer immer öfter zu Gesicht. Sorgen und Nöte sich in den organisierten Institutionen überhaupt nicht wiederfinden. 211 . die nicht zur Wahl gehen. wenn es doch auch in Ihrer Erinnerung früher viel weniger Konformismus gab als heute? Chomsky Weil den meisten Menschen klar geworden ist. die in Europa für eine reformistische Arbeiterpartei stimmen. abgedruckt in Language and Politics. daß die Menschen sich isoliert fühlen. (In die Kamera) Und das bewirkt dieses Medium. die Kommunisten.AUS »A WORLD OF IDEAS« (1988) Bill Moyers Warum schreiben Sie eigentlich immer noch. Ich will die Verhältnisse in Westeuropa gewiß nicht überbewerten. die Präsidentenwahl ist doch fast an einem Punkt angelangt.westeuropäischen Sinn. dann sind das fast genau die gleichen Schichten.

will sagen. ja? Zu den Leuten reden.und Wirtschaftspolitik eher staatlichen Interventionen zu (. 2. 138-166) ..) Aus »The Carter Administration: Myth and Reality« in Radical Priorities S. daß in den USA das Spektrum des politischen Diskurses und die Basis der politischen Macht außerordentlich schmal sind und daß dies unser Land von vielen anderen demokratischen Industriestaaten unterscheidet. 212 sind. außenpolitisch waren wir ein Einparteienstaat. Man darf nicht vergessen. Junge Ich meine. Es gibt zwei politische Parteien. WASHINGTON Peter Wintonick mitten in einer Gruppe von Jungen Peter Wintonick Was haltet ihr denn davon. Junge Sie müßten rauskommen. und 2. neigen die Demokraten in der Sozial. es ist zu sehr abgeschirmt. die auch nur die vorsichtigsten Reformvarianten des Sozialismus vertreten würde.VOR DEM WEISSEN HAUS. was im Weißen Haus vorgeht? 1.. die von einigen ziemlich zutreffend als zwei Fraktionen ein und derselben »Partei des Eigentums« charakterisiert werden und die sich in ihrer Festlegung auf kapitalistische Institutionen und Ideologien einig Peter Wintonick Wer soll zu den Leuten reden? 1. Ihre Außenpolitik seit dem Zweiten Weltkrieg galt fast durchweg als »überparteilich« . 137 (auch S. Ihre gelegentlichen Meinungsverschiedenheiten beschränken sich auf die Rolle des Staates: Während die Republikaner generell größeres Gewicht auf den Einfluß der Privatwirtschaft legen. Die USA sind das einzige Land ohne eine organisierte Bewegung. Junge George Bush.

Während der Ära Reagan hat die kapitalistische Demokratie beachtliche Fortschritte gemacht. dann müßte ich auch bei der Vorbereitung der Entscheidung einbezogen sein. Das ist nicht ganz unwichtig. mit seiner sympathischen Stimme vom Teleprompter abzulesen. Irgendwie scheinen die Leute gar nicht zu erkennen. Deterring Democracy S. die Kandidaten wählen ihre Worte auf der Grundlage von Querschnittstests ihrer Wirkung. ganz gleich. ein paar Witze zu erzählen und die Zuschauer in ihrem erwünschten Tiefschlaf zu halten. war es ein offenes Geheimnis. Ich gehe dann in die Wahlkabine und drücke einen von zwei Knöpfen. hat er überhaupt davon gewußt?« Aber diese Frage konnte eben gar nicht ernstgenommen werden. Reagan hatte das ja schon jahrelang getan. Wenn im Gefolge der Bosse Berge verstümmelter Leichen in den Massengräbern der salvadorianischen Todesschwadronen zurückbleiben oder Hunderttausende von Obdachlosen auf der Straße. Seine Eignung für das Präsidialamt bestand allein darin. die über seine Lippen kommen.das wäre dann wirklich demokratisch. 73-74 . Wir sind ja sogar auf dem besten Wege. er genoß Prunk und Pomp der Macht und darf sich jetzt des angenehmen 213 Ruhesitzes erfreuen. Das ist natürlich eine eingeschränkte Form der Demokratie. Sobald ihn sein Stab einmal nicht sorgfältig genug gebrieft hatte. Denn obwohl die gebildeten Kreise sich die größte Mühe gaben. und Spaß schien er auch noch daran zu finden. gar nicht mehr ratifizieren . sie beteiligen sich überhaupt nicht mehr an dem Prozeß. gab er Äußerungen von sich. So verbrachte er alles in allem eine schöne Zeit. also bei der Formulierung der Alternativen . was jemand sagen darf. die Ratifizierung aufzugeben. Die Iran-ContraAnhörungen wurden von der Frage beherrscht: »Konnte Reagan sich an das Vorgehen seiner Behörden erinnern. Wenn eine Demokratie einen echten Sinn haben soll. die PR-Branche bestimmt. Es wäre ausgesprochen unfair. Man macht einen Schauspieler eben nicht für den Inhalt der Worte haftbar.schlimmer noch. Reagan sei seinerzeit in die illegalen Aktionen zugunsten der Contras verwickelt gewesen. sie machen sich nicht einmal mehr die Mühe einer Ratifizierung. den seine dankbaren Wohltäter ihm hergerichtet haben. was er oder sie in der Wahlkabine tut Moyers Was wäre denn eine Ratifizierung? Chomsky Bei einer Ratifizierung stünde ich als Wähler vor zwei Alternativen. weil sie sowieso niemand ernst nahm. Jeder geht davon aus. Davon sind wir aber noch weit entfernt. daß die Entscheidungen ohnehin durchgezogen werden. Die Wahlen sind ein inszeniertes Theater. die politischen Systeme funktionieren zunehmend ohne Input aus der Allgemeinheit. dann ist das eigentlich gar nicht sein Bier. Seine Leistungen fanden den Beifall seiner Zahlmeister. den Menschen Ronald Reagan für die in seinem Namen betriebene Politik verantwortlich zu machen. Im übrigen zeigt sich ein gewisser Realismus in dem Desinteresse der Öffentlichkeit an Enthüllungen von der Art.AUS »A WORLD OF IDEAS« (1988) Chomsky Das bedeutet also. die Formalien mit der gebotenen Würde ablaufen zu lassen. gehört mit zur Verschleierung. daß die Menschen die Entscheidungen. wieviel Verachtung sie damit der Demokratie bezeigen. je nach meiner Präferenz. die ihnen vorgelegt werden. was die Reichen ihm aufschrieben und wofür sie gut bezahlen. Acht Jahre lang funktionierte die US-Regierung de facto ohne Chef. Reagan hatte zu lächeln. die nur deshalb nicht peinlich wirkten. Es läuft immer mehr darauf hinaus. wo er doch (laut seinen eigenen Worten im Kongreß) nichts davon gewußt haben will. Daß das Gegenteil behauptet wurde. daß er lesen konnte. daß Reagan von der Politik seiner Regierung nur die nebulösesten Vorstellungen hatte.

schreiten können. Wer aber die Hand ausstreckt. die die Los Angeles Times nicht bringt. zum Schutz des Friedens.wie die Außenpolitik mehr und mehr bestimmt wird. Wir werden stark bleiben. »freien« Unternehmertum und zur »Demokratie« in der Dritten Welt vgl. von keiner Staatsmacht behinderter Ausübung ihres Willens. 3. dann ist das keine Freiheit.nur pflegt man das in der Presse und in gelehrten Kreisen geflissentlich zu übersehen. wir können sie aus uns selbst heraus abrufen. Aber zunächst wird Don Quayle vereidigt. Große Nationen sind auf dem Weg zu Demokratie. WASHINGTON Reporter Der feierliche Augenblick naht. George Bush (in seiner Antrittsrede) Zum erstenmal in diesem Jahrhundert. die Quellen der Macht im Lande bleiben im Grunde unverändert. die sich auf Konzerninteressen spezialisiert haben. An den Schaltstellen der Exekutive. Das ist aber eine ziemlich einseitige Sicht der Freiheit. 11 Wir müssen nicht mehr nächtelang über die beste Regierungsform diskutieren. Es wird also niemanden überraschen. Wir müssen nicht mehr nächtelang über die beste Regierungsform diskutieren. Wenn die einzige Freiheit darin besteht. Unser aller Wille ist heute: Der Nation ein freundlicheres Antlitz. Deterring Democracy Kap. freier Rede. wo es höchsten moralischen Grundsätzen gehorcht. kann sie nur schwer zur Faust ballen. Da reden die Leute vom »freien Markt«. um auf der anderen Seite der Tür jene moralische und geistige Genugtuung zu finden. in Language and Politics S. 477-486 Zum »freien« Markt. Auch der Welt draußen verheißen wir neue Aktionen und ein erneuertes Gelöbnis. 4 Zur Demokratie in der Industriegesellschaft vgl. Niemand wird uns daran hindern. Aus einem Interview mit David Barsamian in Language and Democracy S. eine Autofabrik aufzumachen und gegen General Motors zu konkurrieren. Der Grundsatz ist schon richtig. sie durchschreiten das Tor zur Freiheit. wenn dem Staat im wesentlichen die Aufgabe verbleibt. Keinem König müssen wir Gerechtigkeit abringen. so verkünden die Mächtigen. 2. Heute ist die Zukunft eine Tür. freier Wahlen und freier. wie wir allen Menschen mehr Gerechtigkeit und Wohlstand sichern können: mittels freier Märkte. genannt »die Zukunft«. daß man objektiv keine andere Möglichkeit hat. sagen wir mal. eine Zeitung gründen und darin Sachen schreiben. Sie und ich können völlig frei beschließen. muß die Menschheit nicht mehr nach einem System suchen.und in dem begrenzten Rahmen dieser Optionen. Kanada. Niemand hindert uns daran. Die Völker der Welt fordern Redefreiheit und Gedankenfreiheit. das ihr Überleben garantiert. Wir wissen. durch die wir ungehindert in den Raum. die innen. Doch diese Freiheit ist ohne Bedeutung. Ausrufer Bitte begeben Sie sich auf Ihre Plätze.und außenpolitischen Entwicklungen gemäß den Interessen der Privatwirtschaft und ihrer Oberen zu steuern . wo die Innen. 758 Wie die Wahlen auch ausgehen mögen. soll Freiheit herrschen. sitzen zum größten Teil Vertreter der Großunternehmen und einiger Anwaltskanzleien. Nur sind ganz zufällig die Machtverhältnisse so.IM KAPITOL. Aus einem Interview mit dem Telekonferenz-Techniker Richard Titus an der Athabasca University in Edmonton. daß nur bestimmte Optionen offenstehen . als sich irgendeinem Machtsystem anzupassen. Aber klar doch. ja vielleicht in der Geschichte. wie sich die Freiheit auswirken kann. Durchgesetzt werden also weniger die Bereichsinteressen des einen oder anderen Sektors der Privatwirtschaft als vielmehr die übergreifenden Interessen des Konzernkapitalismus. der Weh ein angenehmeres Aussehen. aber es hängt von den gesellschaftlichen Strukturen ab. wie sie nur die Freiheit bieten kann. Oder wir könnten. George Bush 214 . Year 501: The Conquest Continues Kap. Amerika ist nur da heilig.

daß die Menschen sich selbst vermieten müssen. nur um zu überleben. von den Gemeinden. Es darf doch nicht sein. Nun. Da frage ich mich nun. in denen sie angesiedelt sind. daß Menschen sich selbst vermieten müssen. was für ein System Sie an seine Stelle setzen würden .. seit Hunderten von Jahren sprechen wir von der »Lohnsklaverei«.UNIVERSITÄTSGELÄNDE. das auch funktioniert.also eines. um überleben zu können. Mann Wenn jemand die Macht besäße. daß man dem Kapitalismus entkommen oder ihn abschaffen müßte. so etwas in Gang zu setzen . Chomsky Ich? Nun. und wohl auch über freie Zusammenschlüsse. ich würde . also von den Beteiligten.wozu würden Sie ihm raten? Chomsky Es darf doch nicht sein. LARAMIE Mann Ich komme noch mal auf Ihre frühere Bemerkung zurück. und die jedenfalls ist unerträglich. Meines Erachtens müßten die Wirtschaftsunternehmen demokratisch betrieben werden. 215 ..

denn ich war ein radikaler Anti-Leninist und Nonkonformist. sich ganz ohne Zwang und Führung zu organisieren und ihr Leben höchst erfolgreich selbst in die Hand zu nehmen. empfand ich es einfach als eine erfolgreich funktionierende libertäre Gemeinschaft. in dem wir damals wohnten. Meine Frau wollte damals auf jeden Fall wieder dorthin. also nicht sehr kopfstarke Gruppierungen. Und ein gutes Beispiel .AUS »THE JAY INTERVIEW«. Herbst 1990/Frühjahr 1991. daß eine mittellose Arbeiterschaft dazu fähig war.ob es heute noch der Fall ist. Allerdings gab es auch Dinge. Gewerbe. Dienstleistungen und Privatleben bildeten eine Einheit.eigentlich das beste. auch: »Notes on Anarchism« in For Reasons of State S. aber solange sie im Gange war. daß sie außerordentlich erfolgreich waren. Wenn ich mal vom gesamten Umfeld absah. alle beteiligten sich aktiv und egalitär an der Selbstverwaltung. S. 139-155 Vgl. Aber es gibt auch einige Beispiele für libertäre Revolutionen in großem Maßstab und mit weitgehend anarchistischem Charakter. The Chomsky Reader S. WEEKEND TV. Ich hoffte auch auf eine gesunde Mischung von körperlicher und geistiger Arbeit. 169-175 »Noam Chomsky's Anarchism« von Paul Marshall in Our Generation Bd. 370-384 Die Debatte Chomsky/Foucault in Reflexive Water (a. Man weiß leider nicht. Hier bei uns gab es nichts. die darin ganz erfolgreich waren.eigentlich noch zu wenig waren die Exklusivität und der institutionalisierte Rassismus. weiß ich nicht . Demgegenüber interessierten mich die Kibbuzim sehr. Aber es gefiel mir in vielerlei Hinsicht. Auf eine akademische Karriere konnte ich nicht rechnen. a. denke ich vor allem an die israelischen Kibbuzim. mir war auch nicht viel daran gelegen. was mich besonders gehalten hätte. Es gab nur harte Arbeit und wenig zu essen. The Chomsky Reader S. Bei den ersteren. Landwirtschaft. die mir weniger gefallen hatten. denn es hatte mir dort gut gefallen. Eigentlich hielt mich also nichts zurück. das ich kenne . Ich meine schon. demonstrierte sie doch in überzeugender Weise. 245-261 Zur »Lohnsklaverei« vgl.nach anarchistischen Prinzipien betrieben. 22 Nr.) S. war etwa 20 Jahre alt und sehr arm. 9 216 »The Jay Interview« ist abgedruckt unter dem Titel »The Relevance of Anarcho-Syndicalism« in Radical Priorities S. Es gab also eine direkte Leitung durch die Werktätigen. daß wir es getan hätten. was dort noch hätte kommen können. Diese wurden über lange Jahre .für eine wirklich große anarchistische oder doch stark anarchistisch geprägte Umwälzung ist die Spanische Revolution von 1936. 1+2. O. und viel fehlte nicht daran. was mich außerdem störte . Insbesondere herrschte ein erschreckender ideologischer Konformismus. LONDON (1974) Peter Jay Hat es in der Geschichte schon einmal nennenswerte und länger andauernde Annäherungen an das anarchistische Gesellschaftsideal gegeben? Chomsky Es gab kleine. denn diese anarchistische Revolution wurde ja gewaltsam unterdrückt. 1-15 . Ich hätte vermutlich nicht lange in dieser Umgebung leben können. also den kleinen langlebigen Einheiten. Das Kibbuz.

die wiederum neue Züge in ihnen erblühen lassen. sondern in meinen Augen dient der libertäre Sozialismus allein dem Ziel. auch indem neue soziale Bindungen und Interaktionen zwischen den Menschen zu neuen. im Altruismus. Die. denn ihre Grundbedürfnisse können innerhalb der überkommenen gesellschaftlichen. zum Erschaffen. Anarchism (Monthly Review Press 1970) Rudolph Rocker. will die Fellowship for Intentional Communities als Netzwerk zur gegenseitigen Vertrauensbildung und Information unter diesen Gemeinschaften dienen. zum Produzieren und zum Forschen.) zu einem Wandel im Charakter unserer Arbeit und unserer schöpferischen Tätigkeiten. die berufsmäßig Wissen ansammeln und anwenden. So sehe ich die Evolution des Sozialismus. Also zu eben jener geistigen Wende. sei es nun in seiner Motivation. die in Gemeinschaften leben oder damit sympathisieren und die Verbindung und Kooperation suchen. damit wäre auch Marx grundsätzlich einverstanden. 19-23 Chomskys Einleitung zu: Daniel Guérin. die überall ent- standen sind. der die in der linksmarxistischen Tradition stehenden Denker .und Handarbeitern. also bei der Setzung der Ziele. 756 Zur linksmarxistischen Tradition vgl. hätten kein bevorzugtes Anrecht auf die Führung der Gesellschaft. so daß auch diejenigen. Das gesamte einstündige Interview ist abgedruckt in Radical Priorities S.) Im Original-Interview fährt Chomsky fort: (.wie sehr hängt das dann davon ab.. keine privilegierte Rolle bereit. sich an uns wenden können. Ein anarchistisch geprägtes Gesellschaftsmodell hält für die organisierte Geisteswelt. der Organisation.stets so großes Gewicht beimaßen. daß den alternativen Gemeinschaften überall auf der Erde bewußt wird. allein aus der Tatsache. in denen die befreiten Menschen mitarbeiten können. zum Entscheiden. könnten weder Macht noch Prestige abgeleitet werden. ökonomischen und technischen Strukturen nicht mehr gestillt werden. in einer anständigen Gesellschaftsordnung müßte es eine Mischung der Aufgaben geben. dazu gibt es Bücher. der Planung usw. Für diejenigen. The Chomsky Reader »Interview« S. 468. Es gibt aber durchaus lebensfähige Alternativen.von Rosa Luxemburg bis zu den Anarchosyndikalisten . Institutionen führen. The Chomsky Reader S. das die Menschen von sich selbst haben. Wir möchten.. Ich meine aber. die eben mehr mit dem Kopf als mit den Händen arbeiten. 148-149 »Humboldt« in Language and Politics S. Wir wollen auch der Welt von Erfahrungen mit Kooperation in der Praxis berichten. wie zahlreich sie schon sind. hierzu einen Beitrag zu leisten. 566. Diskussionsforen und andere Projekte. und in ihrer Fähigkeit zum Handeln.. nämlich genau zu jener großen Wende in dem Bild. die mit einer solchen Kooperative arbeiten möchten oder für sich persönlich dort eine Heimat suchen. Workshops. Aus einer Information der Fellowship for Intentional Communities . in seinen Kenntnissen oder auch in seiner Raffinesse? Chomsky Nicht nur hängt es von dieser Umstellung ab. Man ist also einerseits auf den Geisteswandel angewiesen und will andererseits Institutionen aufbauen. Natürlich üben derartige Ansichten nicht gerade eine besondere Anziehungskraft auf die Intelligenzschicht aus. »Language and Freedom« in The Chomsky Reader S. Hieraus entstehen dann weitere libertäre Gebilde. Er wird zu einem geistig-spirituellen Wandel beitragen. von denen eine Linderung dieser Probleme erwartet werden kann. daß der Mensch seine Natur grundlegend verändert. 386. die zu diesem Wandel beitragen (. »Interview«. 21 217 Millionen von Menschen auf der ganzen Welt suchen nach besseren Lebensverhältnissen. für die Berufsintellektuellen.. sondern führt zu einer Verwischung der Unterschiede zwischen Kopf. 245-261 Zu Humboldts »Freiheitsinstinkt« beim Menschen vgl.Peter Jay Wenn der libertäre Sozialismus oder Anarchismus als Lebensweise Erfolg haben soll . Anarcho-Syndicalism (Pluto Press 1989) James Peck (Herausgeber des Chomsky Reader) Welche Rolle würde denn in einer anarchistischen Gesellschaft den Intellektuellen zukommen? Chomsky Das wären Arbeiter des Geistes-Menschen. Ein Beleg dafür sind die Tausende erfolgreicher intentional communities. Letztere sollen auch aktiv bei der geistigen Bewältigung ihrer Arbeitsprozesse mitmachen. daß sie diese Ausbildung oder Begabung haben.

7:1. Die meisten dieser Begriffe haben ja praktisch jede Bedeutung verloren. wie man kann. allerdings eine. die Regionalplanung usw. denn in ihnen verkörpern sich die Ideale der politischen Revolutionen des 18.. die anfangs gestellt wurde. daß der Kern einer ernsthaften Befreiung des Menschen . je nachdem. die diesen Namen verdient . Wenn man unter Sozialismus und Kommunismus versteht. Dann ergibt sich ein enormes Übergewicht zugunsten der Sozialausgaben: 4:1. Doch bedenken Sie bitte: Hier in den USA kann man darüber nicht einmal diskutieren. aus denen sich dann über föderale Gebilde eine hochintegrierte Gesellschaft definierte. man müsse so produktiv arbeiten. Würden diese Dinge in unsere Lehrpläne Eingang finden. Jahrhunderts . Die Menschen haben die merkwürdigsten Vorstellungen über die Verfassung.« 75 Prozent [glaubten. zu der sie zurückkehren und in der sie leben (. 245-249 . ihn zu nehmen. Das ist sehr wichtig. Was halten die Leute davon? Man kann fragen: »Was ist Ihnen lieber.so lange bestimmen Zwang und Repression derart das Bild.. Ein einfacher Gedanke (die obige Formulierung stammt von Karl Marx). Sowas wird einem natürlich im Staatsbürgerkunde-Unterricht nicht erzählt. Infolge der Industrialisierung und des allgemeinen technischen Fortschritts bieten sich jetzt Möglichkeiten für Selbstverwaltung in einem nie zuvor gekannten Ausmaß.nur in einer demokratischen Mitbestimmung über die eigene produktive Sphäre liegen kann. Gesundheit aufteilen. Die Werktätigen können ohne weiteres über ihre eigenen Angelegenheiten am Arbeitsplatz bestimmen. Es gibt ja oft Umfragen über alles mögliche. und es führt uns auf die Frage zurück.was schlimmer ist . was in ihr vorgeht. und würde dafür das erhalten. aufgenommen von David Barsamian an der University of Wyoming. dürfte man darüber nachdenken und reden und seine unausgesprochenen Gefühle äußern. es stünde drin].Student Was halten Sie vom Sozialismus und Kommunismus? Chomsky Das kommt darauf an. aber dies geschieht durch Delegierte. So hat man 1987 gefragt. Manchmal werden auch Fragen zur Verfassung gestellt. und doch hält die große Mehrheit es für ein so gutes Prinzip. die gesellschaftlichen Institutionen. Erstens herrscht in diesem System ein zentrales Machtmonopol des Staates. dann würde man für die etablierten Mächte sofort eine Bedrohung darstellen. wir müssen das also erst mal festlegen. sondern ganz gemäßigte Sozialdemokratie. darüber hinaus können sie aber auch weiterreichende Entscheidungen über die Wirtschaftsstruktur. die sich stets ihrer jeweiligen Gemeinschaft zugehörig fühlen. B. es stünde in der Verfassung. wofür sie einmal standen.) Gegen die repräsentative Demokratie wie etwa in den USA oder in Großbritannien richten Anarchisten dieser Richtung eine zweifache Kritik. und zweitens beschränkt sich . Und darum verschließt sich unser Bildungssystem vor ihnen.) vorschwebte. eine rationale Planung der Gesellschaft. wie die Frage formuliert wurde. wenn man damit Demokratie meint. man darf es gar nicht aussprechen.Ideale. die Ergebnisse sind ziemlich erheiternd.02. das Ende der Lohnsklaverei. daß man nur in einem äußerst eingeschränkten Sinn von Demokratie sprechen kann wenn überhaupt. jeder nach seinen Fähigkeiten etc. niemand hat sich damit zu befassen.89 Was Bakunin und Kropotkin und auch anderen (. Hier liegt nämlich der rational begründbare Weg einer komplexen Industriegesellschaft. der beliebt. dann halte ich alle diese Dinge für gut und wünschenswert. daß sie glaubt. Sozialausgaben oder Militärausgaben?« Die Regierung hat also X Dollars und soll sie zwischen Militär und z. was Sie damit meinen. Man kann sich auch andere Bereiche anschauen . aber nie geglaubt wurden. Es können 218 auch vielfältige und weitreichende Entscheidungen getroffen werden. die auf organischen Einheiten oder Gemeinschaften aufgebaut war. Radical Priorities S. Wenn Sozialismus und Kommunismus das bedeuten. was man benötigt.: Ja. sich auf dem Arbeitsmarkt an jeden zu verdingen. Die Bevölkerung tendiert insgesamt zu einer liberalen Sozialdemokratie à la New Deal. solange der Einzelne in der Produktion nur die Rolle eines Hilfswerkzeugs spielen kann . Niemand sagt es.. 21.beispielsweise die Sozialpolitik. Für diese Anarchisten war immer klar. ob sich in der Verfassung das folgende Gesellschaftsprinzip findet: »Jeder nach seinen Fähigkeiten.. Das ist nun weder Kommunismus noch Sozialismus. Genau das aber ist Kommunismus. Eine derartige Entwicklung hielte ich für sehr gesund. aus der sie kommen. war eine durchorganisierte Gesellschaftsform. jeder demokratischen Praxis. »Fragen und Antworten für SoziologieAnfänger«. fällen. Solange also der Einzelne gezwungen ist. Hierunter verstand man im allgemeinen den Arbeitsplatz und das Wohnviertel. die zwar formuliert. dann bin ich sehr dafür .die repräsentative Demokratie auf die politische Ebene und bleibt ohne nennenswerten Einfluß auf die wirtschaftliche Ebene. im nationalen Rahmen oder sogar darüber hinaus.und die überwältigende Mehrheit der Amerikaner auch. jedem nach seinen Bedürfnissen. Laramie. Im Kommunismus gilt für die Gesellschaft das Prinzip. daß die Werktätigen über die Produktion entscheiden und jede Gemeinde über das.ja.

es sei tot.»AMERICAN FOCUS«. Wer sich also als Marxist oder Freudianer oder so etwas sieht. Und an diesen simplen Dingen wird sich wohl auch nicht viel ändern. In meinem Hauptgebiet. und die die vorhandenen materiellen und zivilisatorischen Mangelerscheinungen . der betet nur vor irgendeinem Altar. dem nicht auch irgendwelche Fehler unterlaufen wären und dessen Resultate nicht umgehend von anderen verbessert worden sind. 91 . dann unterliegt es keinem rationalen Diskurs. Er war ein fähiger Journalist. ich denke.. die uns aus einer früheren Periode überliefert sind. Wie ist denn das nun mit Ihren Ideen .was glauben Sie. dann findet man in seinen gesammelten Werken vielleicht fünf Sätze. Wir wissen doch noch kaum etwas über die Natur des Menschen und über die Bandbreite der gesellschaftlichen Möglichkeiten. gut. daß er eine ganz interessante Theorie über ein ziemlich abstraktes Modell des Kapitalismus im 19. formlos. Genauso wäre es verrückt. 371 Ein Experte ist ein Mensch. sei überhaupt mil den Realitäten einer komplexen Gesellschaft unvereinbar. In Wirklichkeit gibt es eben Individuen. Aber wenn man nach Aussagen darüber sucht. sondern ist eben Religion. Er sei utopisch.. die zur rechten Zeit am rechten Ort waren oder vielleicht zufällig die richtigen Gehirnwellen hatten. ich lese den Artikel eines Studenten. zur Absicherung oder zur ökonomischen Entwicklung nicht mehr benötigt werden. Aber ich kenne keinen.« Towards a New Cold War S. In den gesellschaftlichen und politischen Fragen andererseits meine ich.eher noch verstärken. Auch zu Fragen der Geschichte hatte er einige reizvolle Ideen. daß er den Konsens auf hohem Niveau definiert und ausgearbeitet hat. primitiv.05. Auf der anderen Seite haben wir zu allen Zeiten Anlaß. Für mich gehört der Marxismus in die Geschichte der organisierten Religionen. Beispielsweise .92 S. und so erlebe ich den Fortschritt. Inzwischen bin ich weiter. würde ich vermuten. tun ihn leichthin ab. daß man sie erstens richtig versteht und zweitens von den darin befindlichen Irrtümern säubert. man müsse an die Geistesprodukte begabter Köpfe immer so herangehen. ist alles ganz einfach zu verstehen.also man muß schon unterscheiden. die wir empfinden sollten. sich einen Chomskianer zu nennen. was wird wahrscheinlich untergehen und was wird von den Denkern der Zukunft aufgegriffen werden? Chomsky Na. wenn man uns irgendwelche Formen von Unterdrückung oder autokratischer Herrschaft mit der »Natur des Menschen« oder mit den »Bedingungen der Effizienz« oder mit der »Komplexität des modernen Lebens« zu begründen sucht. wie die jeweils anzustrebenden Ziele unverändert bleiben können. Man könnte überhaupt die Faustregel aufstellen: Ist ein Begriffssystem nach einem Menschen benannt. dann gibt es kein jetzt und für alle Zukunft gültiges Rezept für gesellschaftlichen Wandel. Wenn dies aber so ist. Kein Physiker bezeichnet sich als Einsteinianer. Young in Rolling Stone 28. so daß bei jeder Doktrin mit Langzeit-Anspruch äußerste Skepsis angebracht ist. wie eine postkapitalistische Gesellschaft aussehen könnte. Ich glaube nicht einmal. und die dann etwas Interessantes unternommen haben. wenn ich da immer noch auf dem Stand von vor 10 Jahren wäre. Jahrhundert aufgestellt hat. die sich über den Anarchismus äußern. vielleicht sind einige Sachen wirklich schwierig und kompliziert. Was wir von der Gesellschaft wissen. inzwischen aber zum Überleben. nach bestem Wissen an der jeweils gerade aktuellen Umsetzung und Weiterführung dieses eindeutigen Trends der Menschheitsentwicklung mitzuwirken. fast alles wird untergehen. WASHINGTON Karine Kleinhaus Sie haben ja mal geschrieben. 47 Wie Henry Kissinger einmal treffend be- merkt. Von Marx weiß ich. daß ich etwas ändern muß. diejenigen Formen von Autorität und Unterdrückung zu beseitigen. Denn schließlich ist er ja gerade dadurch zum Experten geworden.statt sie zu lindern . so wenig. deren Interessen die allgemein verbreiteten Meinungen zu dienen haben. 219 »Noam Chomsky: Anarchy in the USA« von Charles M. daß . For Reasons of State S. daß die einfachen Dinge einigermaßen klar sind. hat in unserem »Zeitalter der Experten auch der Experte seine Wählerschaft nämlich diejenigen. ich sehe. Es ist dieselbe Skepsis. Viele. Nur könnte man gerade andersherum argumentieren: Wir sehen uns in jeder Phase der Geschichte vor die Aufgabe gestellt. aber die haben wir jedenfalls noch nicht verstanden. der den Konsens der Mächtigen in Worte faßt.

Die genaue Distanz war mit einem Computerprogramm von David Verrall so berechnet worden. unser Animationsspezialist. der Kameraassistent. Bildzählung) übertraf alle modernen Heimgeräte. LYNN (1990) Chomsky Der Punkt ist doch: Jeder muß arbeiten. den es kostet. daß die gesamte »Bewegung« der Kamera in drei Phasen zerfiel: eine Beschleunigungsphase. Die Qualität des altmodischen PanasonicVideogerätes (Standbildstabilität. oder man überfliegt die Schlagzeilen in der Zeitung und dann guckt man die Sportsendung. Der entstehende starke visuelle Effekt illustriert Chomskys Aussage. kostete uns 2 Wochen Vorbereitungszeit und beschäftigte 6 Personen 15 Stunden lang. Indem die Kamera langsam zurückfährt. Robin Bain. die erforderlich ist. Anschließend erfolgt ein Schnitt zum Blickwinkel der Videokamera: Chomsky erscheint auf einem TV-Schirm. Und so sind wir vorgegangen: Brian Duchscherer. Auf eine Schiene. werden auf einer Videowand 39 andere TV-Schirme sichtbar. man kommt von der Arbeit. Videobild übersprungen. Nach jedem Einzelbild (F8. Pro Einzelbild benötigten wir etwa 30 Sekunden. sie umgeben das Bild. um in der Flut von Information und Desinformation die sinnvollen Inhalte zu erkennen. So funktioniert im Grunde diese systematische Indoktrinierung. eine Phase mit konstanter Rückwärtsgeschwindigkeit und eine Abbremsphase. aber es kostet eben Mühe. Und genau deshalb ist das Propagandasystem so erfolgreich. hatte die technische Leitung dieser Aufnahme. Während nun aber Chomsky normal spricht. die 40 Sekunden läuft. und daß bei 220 jeder Begegnung mit den Medien kritische Wachsamkeit geboten ist — Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media nicht ausgenommen. und sind sämtlich auf verschiedene Sender eingestellt. auf dem Chomsky spricht.MA . man ist müde nach dem harten Tag.AUS »NON-CORPORATE NEWS«. er spricht über die geistige Disziplin. . derweil liefen auf den 39 umgebenden Bildschirmen die großen TVProgramme normal weiter. 1 sec) verschob Brian die Kamera von Hand um einige Millimeter auf der Schiene nach hinten. scheinen die Programme der 39 übrigen Geräte im Zeitraffer abzulaufen. Natürlich sind die anderen Sachen auch vorhanden. sie aufzufinden. man sitzt abends nicht noch über einem Forschungsprojekt— also stellt man die Glotze an und denkt sich nichts dabei. hatten wir eine Einzelbild-Filmkamera montiert. um die von Leuten wie MacNeil/Lehrer oder Dan Rather aufgerichteten Denkbarrieren zu überwinden. oder 4. um solchen Figuren wie MacNeil/Lehrer oder Dan Rather zu entkommen. daß es großer Anstrengungen bedarf.und Filmkamera (30/sec gegenüber 24) wurde jedes 3. Wer hat schon die Zeit und die Energie und das Engagement für diesen ständigen Kampf. achtete auf die Scharfeinstellung. Der nebenstehende Ausschnitt aus einem Interview mit »Non-Corporate News« wurde von uns wie folgt zubereitet: Zunächst sieht man die Kamera auf ihrem Gestell sowie den Kameramann. Die gesamte Szene. also aus 960 Einzelbildern besteht. Da ist es doch viel leichter. die auf die Videowand zuführte. Das Videoband mit Chomsky auf dem zentralen Schirm winde für jede Aufnahme der Filmkamera um ein Standbild weitergeschaltet. Zum Ausgleich der Bildfrequenzen von Video.

Der Raubkapitalismus hat ein komplexes Industriesystem und eine hochentwickelte Technik hervorgebracht. das dem Economist zugespielt worden war und in dem es [aus der Feder des Weltbank-Chefökonomen Lawrence Summers] heißt: »Mal ganz unter uns: Müßte nicht die Weltbank eigentlich eine verstärkte Verlagerung von schmutzigen Industrien [in die Dritte Welt] fördern?« Summers erklärt uns auch.beides allerdings mit Einschränkungen. Sie kann mit der inhärenten Ungerechtigkeit und allem Leiden nur so lange existieren. In unserer Epoche kann nur eine von zwei Alternativen eintreffen: Entweder nimmt das Volk seine Geschicke selbst in die Hand. Mitgefühl und Anteilnahme leiten oder bald wird niemand mehr ein Geschick in die Hand nehmen können. das nur Reichtum und Macht für sich zu maximieren sucht und sich den Marktbeziehungen. wo 20 Prozent der Menschen vor Vollen- .und erst recht. LIBERTIES UNION. 139-155) Im Wirtschaftsteil der New York Times findet sich eine Notiz über ein vertrauliches Memorandum der Weltbank. warum das sinnvoll wäre: So würde beispielsweise ein krebserregender Schadstoff viel schlimmere Folgen »in einem Land haben. der Ausbeutung und verschiedenen Herrschaftsansprüchen unterwirft. Wir wissen aber seit langem. sich im Lauf der Zeit selbst zerstören muß. in dem man Prostatakrebs bekommt. denn wie der Klassiker gesagt hat: Das Laster des einzelnen dient dem Nutzen aller. denen sie dient. die sich nur kollektiv definieren lassen. 153 (Vgl. auch S. stattdessen verkündet es die zutiefst unmenschliche. Menschliche Bedürfnisse. ROCHESTER Chomsky Die Entwicklung der modernen industriellen Zivilisation vollzieht sich innerhalb eines Systems passend gewählter Mythen. dieses wird für legitim. bestimmt sein.AMERICAN CIVIL. kann es nicht befriedigen. stellt das Interesse der Gemeinschaft in den Vordergrund und läßt sich durch Werte wie Solidarität. Das System paßt einfach nicht mehr in die Mitte des 20. als in einem Land. wo die Männer das Alter erreichen. Er hat demokratische Praktiken verbreitet und einige liberale Wertvorstellungen gefördert . Aus Language and Freedom. wie sie glauben machen kann. die auf diesem Grundsatz aufgebaut ist. Aber ein autokratischer Staat ist auch keine annehmbare Ersatzlösung. wenn Gerechtigkeit herrschen soll . so wenig wie der in den USA hervorgetretene milita- 221 ristische Staatskapitalismus oder der bürokratische Wohlfahrtsstaat das Wunschziel menschlichen Trachtens sein kann.und das ist heute die Menschheit als ganzes. Jahrhunderts. unerträgliche Lehre vom Menschen als Konkurrenzwesen. Solange eine spezialisierte Klasse über Macht verfügt.dann benötigen wir eine rationale Planung der Gesellschaft unter Berücksichtigung der Interessen der Gemeinschaft . sogar für lobenswert angesehen. zwar seien der menschlichen Zerstörungskraft Grenzen gesetzt. daß jede Gesellschaft. wird ihre Politik von den Partialinteressen. Angetrieben wird sie vom Gewinnstreben des Einzelnen. die Erde hingegen sei eine unerschöpfliche Rohstoffquelle und eine Mülltonne von unbegrenztem Fassungsvermögen. die in/wischen unter Druck stehen und eines Tages beseitigt werden müssen. Wenn wir aber überleben wollen . abgedruckt im ChomskyReader S.

GRONINGEN Chomsky Es stellt sich also die Frage: Dürfen privilegierte Eliten die Massenkommunikationsmittel beherrschen. Wir können entweder dieses Argument als reductio ad absurdum auffassen.) Wie wahr. und dort müßte man auf solche »Irrwege« wie etwa die Bemühungen um wirtschaftliche Entwicklung oder um den Schutz der Bevölkerung verzichten. er hätte damit nur »die Diskussion etwas in Schwung bringen wollen». der nicht der Kontrolle durch privilegierte Eliten unterliegt.nämlich um notwendige Illusionen zu schaffen und um die dumpfe Mehrheit zu manipulieren. 391 222 Es leuchtet ein. ist es nur vernünftig. die zu bewahren sind? dung des fünften Lebensjahres sterben«. daß zwar der einzelne Mensch als Produktionswerkzeug austauschbar ist.) Als man Summers das Memorandum vorhielt. bei anderer Gelegenheit sollte es eine »sarkastische Reaktion« auf einen anderen Textentwurf der Weltbank gewesen sein. daß aber die Existenz der Umwelt sichergestellt werden muß. Kanada). dann dürfte es [den Staat] nicht zerstören. Einer der wesentlichsten Kritikpunkte der Anarchisten am Marxismus wurde von Bakunin so formuliert: »Würde das Volk der Theorie des Herrn Marx folgen. abgedruckt in Language and Politics S. oder es logisch zu Ende führen. The Chomsky Reader S. die über das angeblich dazu erforderliche Wissen verfügen.. Autorität und Herrschaft gibt es nicht nur im Kapitalismus.. Intellektuelle werden demnach in Fragen der Geschichte oder Politik einer elitären Position zuneigen: Sie werden Volksbewegungen. ablehnen und sich stattdessen dafür stark machen. die für eine Mitwirkung der Massen an Entscheidungen eintreten. eine tragende Rolle. also als gegen die Ideologie gerichtet. und dürfen sie diese Macht so einsetzen. Vormunde und Lehrer legen . hinter der sich das Eigeninteresse verbirgt. die Aufsichtsfunktion über den gesellschaftlichen Wandel denen zu übertragen. also von Herrn Marx und seinen Freunden. zu täuschen und von der politischen Bühne fernzuhalten? Oder kürzer formuliert: Stellen Demokratie und Freiheit Risiken dar. daß eine Ideologie im allgemeinen die Maske liefert. Dann müßten die reichen Länder schon aus ökonomischer Ratio ihre Umweltverschmutzung in die Dritte Welt exportieren.. oder sind es Werte. denn sie soll ja durch die Herren von Wirtschaft und Politik ausgebeutet werden. welche dann die Befreiung [der Menschheit] auf ihre Weise herbeiführen werden. 83-85 .)« Auch in der liberalen Ideologie unserer Zeit spielt die Abneigung gegenüber Massenbewegungen und insbesondere gegen jede Art gesellschaftlichen Wandels.. Da die armen Länder »unter-verschmutzt« sind. Aus einem Interview in Open Road (Vancouver. erwiderte er. 107-108 Der Kapitalismus kann sich ohne weiteres mit dem Gedanken befreunden... wie es angeblich geboten ist . Die Zügel der Regierung werden einer starken Hand übergeben. die abgewendet werden müssen. Radikal-emanzipatorische Bewegungen sind nicht notwendig antikapitalistisch. Der Kapitalismus jedenfalls könnte so die Umweltkrise überstehen (. Year 501: The Conquest Continues S. bedarf doch das unwissende Volk einer äußerst gestrengen Vormundschaft (.der Führer der Kommunistischen Partei. sondern müßte ihn im Gegenteil stärken und gänzlich in die Hände seiner Wohltäter. den »schmutzigen Industrien« einen Umzug dorthin nahezulegen (.

was andere als Spiritualität bezeichnen. ROWE CONFERENCE CENTER Linda Trichter-Metcalf Er ist da oben und denkt nach. 223 . eine Art innerer Intelligenz sehen. diese voneinander zu unterscheiden . Und da ist in mir der Wunsch erwacht. und dadurch erweckt er in einem das Gefühl: Das kannst du auch. Und man meint zu spüren. Vielen Dank. Bewegung und Kraftausübung orientiert.. Analog zur Propriozeption wollen Trichter Metcalf und Simon in dem. na ja. die uns den Zugang zu unseren eigenen Gedanken verschafft und uns erlaubt. Ihrer Auffassung nach ist es diese innere Intelligenz. die bestimmte Nerven (Propriorezeptoren) zum Gehirn leiten. für die Leute. Mit Hilfe der Signale. durch die wir uns selbst erkennen können.. die wir hochhalten müssen . nahm an einem Seminar im Rowe Conference Center teil. sind Freiheit und Demokratie nicht nur Werte. ein . .. wird der Körper über seine eigene Stellung. da ist eine Quelle. Hierunter versteht man in der Physiologie die Kinästhesie oder Tiefensensibilität . ein Sammelpunkt. es gibt also doch einen Schlüssel dazu.also Empfindungssignale aus dem Körperinnern. D. bei denen man aber keinen Sammelpunkt sieht. Er entschlüsselt diesen tonnenschweren Informationsblock und bringt ihn in ein Ordnungssystem. Ph. die eine eigene Meinung haben. D. die vielleicht das Endstadium der Menschheit darstellt. der ich doch 30 fahre lang völlig entfremdet Linda Trichter Metcalf.sie könnten Vorbedingung für unser Überleben sein. hält sie am Rowe Center Seminare über Texte zur sogenannten Propriozeption. bei dem 60 Menschen drei Tage lang mit Noam Chomsky diskutierten. Zusammen mit Tobin Simon.Chomsky In unserer Zeit. Ph.kurz. noch einmal in die politische Szene einzusteigen.

und ich muß sagen. Sie schlagen sich mit Massakern in Osttimor und Invasionen in Panama herum. das hieß. man kann sich auch demotivieren lassen . Aber das ist eben eine .dann konnten wir nur hoffen. angekündigt . ja selbst als noch vor 10 fahren. Aber über die Verbesserung bei den übrigen kann es gar keinen Zweifel geben. sah es absolut hoffnungslos aus. das war ein internationaler Protesttag gegen den Indochinakrieg. Oder wenn wir damals eine öffentliche Versammlung an der Universität machten . oder ich kam in eine Kirche und da war ein Betrunkener und einer. Es waren meistens Studenten. Dabei waren unsere Forderungen wirklich sehr zahm . sich Mut zuzusprechen. man wäre von Studenten . wie das meiste damals. ich dachte mir. die so aktiv und engagiert waren. Es war wirklich die erste größere öffentliche Ver- 224 sammlung.ich weiß noch.man braucht nur an das geradezu geologisch langsame Kriechtempo der Entwicklung denken und an den endlosen Weg.und anderen . Es waren wohl 200 bis 300 Polizisten da. auch mit einem Demonstrationszug zum Common. aber auch hier frage ich mich. daß sie besser Bescheid wußten als ich selbst. mit Todesschwadronen und anderen Schrecklichkeiten. die von der Universität herüber kamen und drauf und dran waren. fand im Oktober 1965 auf dem Boston Common statt. also das Diskursniveau und der Kenntnisstand der Öffentlichkeit. Ich habe mich damals total hilflos gefühlt.man genierte sich beinahe. Einen Vortrag zu halten. der noch vor uns liegt. am MIT hatten wir etwas über Vietnam. jemand lud zwei Nachbarn ein und ich unterhielt mich mit denen im Wohnzimmer. Die Menge war überaus feindselig eingestellt. das hat doch alles keinen Zweck. Venezuela usw.« Denn was war mit den dreimal so intensiven Bombardements in Südvietnam? Davon durfte man nicht einmal sprechen. In vieler Hinsicht liegen die Dinge jetzt besser als früher. wenn Sie mal verzweifelt sind? Chomsky Na ja. Sicher. organisiert von Studenten. immer weiterzumachen? Brennen Sie nicht langsam aus? Fortsetzung rechts (die fett gedruckte Passage ist im Film enthalten) Chomsky Ich könnte jetzt etwas über meine persönlichen Gefühle sagen. David Barsamian Auf welches Reservoir in Ihrem Inneren greifen Sie zurück. bis sich das Ganze in der praktischen Politik bemerkbar macht. sondern ist eine Sache der Persönlichkeil. So ging das bis Mitte 1966. Freilich nicht bei den gebildeten Schichten . denn sie waren unser einziger Schutz gegen einen gewaltsamen Tod.BÜRO IM MIT David Barsamian Sie geben doch Hunderte von Interviews und Vorträgen. und das wirkt natürlich ermutigend. der auf mich losgehen wollte. man möchte doch noch in den Spiegel schauen können. wenn es mal nötig ist. sie auszusprechen. Beispielsweise hätte ich vor 20 fahren nicht in irgendeinem Nest in Kansas auf Leute treffen können.umgebracht worden. David Barsamian Und jetzt haben Sie also mehr Hoffnung? Chomsky Ob man mehr Hoffnung hat oder nicht. auf der ich sprach. Es gibt immer Möglichkeiten. uns umzubringen. daß wenigstens mehr Zuhörer als Organisatoren kommen würden. Ich denke. hängt nicht von den Gegebenheiten ab. das allgemeine kulturelle Niveau im Lande ist erheblich gestiegen. und sonst nur noch die Organisatoren. ob das irgend jemanden interessiert. Wie schaffen Sie es. Versammlungen unter freiem Himmel in Boston waren unmöglich. Wir sagten nämlich nur: »Stoppt die Bombardierung von Nordvietnam.da hat sich nichts geändert. Und dann diese wahnsinnige Feindseligkeit. Als ich so um 1964 mit meinen Vorträgen anfing. Heute ist es doch schon viel besser als vor 25 Jahren. wir waren sehr froh darüber. Die erste öffentliche Versammlung unter freiem Himmel.

nicht der objektiven Realität. um den Lauf der Dinge zu ändern. was passieren wird. Ich muß los. (Peter klopft ans Mikrofon) Bumm. Ich meine auch nicht.ganz gleich. Klopf doch mal ans Mikro.BAHNHOF IN MEDIA Schaffner Uff. was wir anstellen. Schaffner OK. VOR DEM GERICHTSGEBÄUDE IN MEDIA Mann Vielen Dank. Andererseits könnte man doch wenigstens versuchen. Man steht eben vor der Alternative: Tut man nichts. Muß die Leute in die Stadt bringen. lassen sich gute Argumente dafür angeben.« abgedruckt in Chronicles of Dissent Mark Achbar Nee. Denn auch wenn man gar nichts tut. Tut man aber etwas. dann weiß man schon vorher. David Barsamian Und Sie treten dafür ein. Peter Wintonick OK. Einsteigen bitte! Peter Wintonick Bye bye! Schaffner Bye bye! (Abspann setzt ein) PETER WINTONICK FUMMELT AN DER KLAPPE HERUM Piep! (Die Glühbirne an der elektronischen Klappe leuchtet nicht) Sache der Stimmung. irgend etwas zu unternehmen. In der Umwelt zum Beispiel: Objektiv gesehen. Ich hab' nichts gesehen. daß man sich groß darüber den Kopf zerbrechen sollte. dann hat man vielleicht eine Chance. Unter dem Titel »Substitutions for the Evil Empire. daß es in hundert oder zweihundert Jahren nur noch Küchenschaben geben wird. Vielleicht könnten Sie für uns »Einsteigen bitte!« rufen. Good bye. etwas zu tun. Das ist gut möglich . Chomsky Ich versuche es. geht man doch eine Art Pascalscher Wette ein. Kanada! Frau Bye! 225 .

. die sich von der Arbeiterschaft abwendet und lieber an ihrer Kon- 226 trolle mitwirkt. dann würd's aber anders. HUMANIST TV. das kann mir nur recht sein.im Staatskapitalismus westlicher Prägung also den staatlichen und privaten Mächten.. für das Wissen und die Ausbildung zu sorgen. es sei denn. daß ihr nicht die Gefahr droht. sie mache sich die modernsten geistigen und technischen Errungenschaften zu eigen und wurzele in den produktivsten und kreativsten Volksschichten. Wissenschaftler und andere Kopfarbeiter eine Rolle in der Produktion spielen. Chomsky Oh. In dem Maße. Joop van Tijn Oh ja . sich der neuen herrschenden Klasse anzuschließen . Chomsky Dann gäb's 'ne Revolution. RADIO KUWR. Täuschung und Ungerechtigkeit auf immer stärkeren Widerstand stoßen werden. LARAMIE Marci Randall Miller Tut mir leid.) In einer modernen Industriegesellschaft besteht ein Bedarf an vergleichsweise freien und offenen Zentren des Studierens und des Denkens. was los ist. NIEDERLANDE Mann Als Sie ihn vorstellten. daß Irrationalismen. er käme von Harvard. Wir werden's rausschneiden. Sind wir in zwei Minuten durchgekommen. Dies bedeutet jedoch. Chomsky Ist schon OK. Wenn frühere Revolutionen ihren Verheißungen untreu geworden sind. Außerdem gibt es dadurch weniger Sport. Jede Initiative für sozialen Wandel muß erfolglos bleiben. autokratische Strukturen. schon überzogen. gleichzeitig werden sie sich über die Aussichten auf ein sinnerfülltes gesellschaftliches Handeln »radikalisieren«. daß es so kommt. wie die Intelligenzschicht ihre Rolle sieht: als Sozialingenieure oder aber als Teil der Werktätigen. durch eine Avantgarde-Intelligenz verraten zu werden. was Sie hier heute erzählt haben. NATIONAL PRESS CLUB. dann häufig infolge der Bereitschaft der Intelligenz. ein hinreichendes Maß an Freiheit und Offenheit bieten (. WASHINGTON Sarah McCIendon Diese armen Menschen da draußen die haben doch keine Ahnung. 234-235 . daß ich Ihnen nur so wenig Zeit zum Antworten lassen konnte.. Dazu müssen sie aber dem nicht unbeträchtlichen Teil der Jugend. die wir vereinbart hatten.BÜRO IM MIT Ed Robinson Jetzt habe ich die Stunde. Die Universitäten haben die Aufgabe. Neu wäre an dieser Bewegung insbesondere. der sie durchläuft. Ich danke Ihnen. Radical Priorities S. könnte eine neue revolutionäre Massenbewegung entstehen. Sarah McCIendon Vielen Dank. Wenn die wüßten. wie in der Industriegesellschaft zunehmend Facharbeiter. Es ging ja. das hab' ich bemerkt. wir sind ganz gut zurechtgekommen. oder . Man möchte wenigstens hoffen.. Marci Randall Miller Doch. direkt oder unter Einsatz der von ihr selbst entwickelten ideologischen Hilfsmittel. ohne die eine hochentwickelte Industriegesellschaft nicht überleben kann. Ingenieure.tatsächlich. Nachschub an Menschen und Ideen wird aus diesen Zentren in die radikalen oder reformistischen sozialen Bewegungen fließen. Viel wird insbesondere davon abhängen. sagten Sie.

Präsident zu werden? (Gelächter) Chomsky Wenn ich Präsidentschaftskandidat wäre. würden Sie ihn bitte gehen lassen? Chomsky Danke. Professor Chomsky. VOR DEM MIT Carol Chomsky Dieser Mensch muß jetzt nach Hause. würde ich den Leuten als erstes empfehlen.. GEORGETOWN UNIVERSITY. Mann Und die Leute halten immer noch die Boston Celtics für die Weltmeister.. WASHINGTON Mann Haben Sie schon mal daran gedacht. mich nicht zu wählen. es war irgendwie . aber wirklich. Carol Chomsky Könnten Sie .hat sich alles ziemlich technisch angehört. Und es hat auch keinen Rhythmus gehabt.AUS »THIRD EAR« Jonathan Steinberg Und in diesem optimistischen Ton haben Sie vielen herzlichen Dank. »AMERICAN FOCUS«. 227 . WASHINGTON Bill Turnley Na. wie ist es denn gelaufen? Elizabeth Sikorovsky Ich glaube.

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d entstammt privilegierten Kreisen. er war gleichermaßen Archivar und Anthropologe. er wußte die Reichen zu umspielen und schlug sich doch nicht leichter durch als wir alle. Während seiner Militärzeit las er viel. als ich noch jung war. der sich seiner »linken politischen Einstellung nie schämte«. die wir leidenschaftliche lieben müssen und mit der zugleich unterzugehen wir bereit sein müssen. das Blatt. es ist unsere eigene Zeit. Lehrer. Glücklicherweise lebten zwei von ihnen lange genug. las ich einmal einen Essay über Descartes von Sartre. Zuweilen legte er sich mit dem gesamten Hofstaat an.das war der unablässige Kampf für die Freiheit und Unabhängigkeit der Meinungsäußerung. Jeder der vielen jungen politischen Filmemacher. können wir das Absolute erreichen. wo er sich einige Tage aufhielt. Er sah sich selbst als einen »Marxisten unter Kapitalisten«. Binnenschiffer. Seine einleuchtenden Ideen über Filmstrukturen hinterließen ihre Spuren in meinem Kopf und auch in dem Film. dann wäre ein progressiver General de Antonio an der Spitze der »Kampfgruppe Medien« in die Schlacht gegen die Unterdrücker marschiert. Ich selbst habe de Antonio ein wenig anders in Erinnerung. die nur dank ihrer negativen Leere die Jahrhunderte überdauern. gewinnen wir das ewige Leben. in der wir leidenschaftlich kämpfen müssen. konnte auf seinen Beistand zählen.MA . Robert 229 Die Idee zu einem Film über Noam Chomsky war drei Männern unabhängig voneinander gekommen: Emile de Antonio. und dem Volk von Osttimor ist unser Film gewidmet. Als einziger Filmemacher stand er auf Richard Nixons Liste Amtlicher Feinde. De Antonio war ein geborener Kämpfer. der die verborgenen Wahrheiten sichtbar macht und dadurch die überlieferte.er attackierte das System«.DE ANTONIO. Berühmte und berüchtigte Namen der New Yorker Kunstszene waren unter seinen Freunden -John Gage. Der Boston Globe nannte ihn ein »radikales Leuchtfeuer«. Nein. um mit uns zusammen Ron Manns Film Poetry in Motion fertigzustellen. Hafenarbeiter. in großen Lettern verkündete: »Dokumacher de Antonio mit 70 gestorben . Zum erstenmal begegnete ich dem »maitre d« vor einigen Jahren in Toronto. Agent eines Künstlers und eines Fotografen. EMILE (1920-1989) Nennt mich einfach »d« Emile de Antonio. um den Plan in die Tat umzusetzen. <« ds weitere Karriere stellt sich so dar: Doktorand für Englische Literatur. Aus den Nachrufen und offiziellen Personalien erfahren wir. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte er in der US Army gegen die Faschisten. in Harvard gehörte er demselben Jahrgang an wie John F. gibt er ein gutes Feindbild ab. die offizielle Geschichtsschreibung zu Fall bringt und der die Katastrophe stoppt. ist in der ganzen Welt nur als »d« bekannt. Die New York Times. nicht in der Abarbeitung ausgedörrter Prinzipien. . die ständig in seinem New Yorker Büro auftauchten. »Vor vielen Jahren. Dem. Seine Stärke lag in seinem Sinn für den historischen Augenblick und in seiner Liebe zum Leben. Kennedy (1940). brachte eine Notiz über den Herztod eines 70jährigen unorthodoxen Filmemachers vor seiner Wohnung in East Village. Dezember 1989 starb. Wo immer die Theorie von den »Großen Männern« unpopulär geworden ist. während der zweite Schiedsrichter in Geschmacksfragen. Hätte es jemals den radikalen Heerzug gegeben. daß er am 15. Wiederum gab es Zeiten. (Doch später distanzierte er sich vom orthodoxen Marxismus bereits zu einem Zeitpunkt. da er einzig gegen seine persönlichen Dämonen kämpfte. wurde Mitglied der Liga Junger Kommunisten und der John Reed Society. der es nicht mehr erleben sollte. Es war der Krieg. die Filmzeitschrift Variety. Er konnte wunderbar erzählen. Übersetzer von Opernlibretti. Peter Wintonick und mir. der mit den Worten schließt: >Nicht indem wir der Unsterblichkeit nachjagen. Sein Krieg . in dem Geschichte geschrieben wird. die eine wildgewordene Staatsmacht auslöst. der Erzvater des politischen Dokumentarfilms. als das noch längst nicht zum guten Ton gehörte).

Trotz gerichtlicher Strafandrohungen verweigerten d und seine Leute die Herausgabe des Films..) Wir haben geradezu die Pflicht. das wäre ihm faschistisch und herablassend vorgekommen. der sich mit Hunger. kein Industrieprodukt. streitige. Fehler zu machen. 101 Min..) Die Tatsache. In Millhouse: A White Comedy (1971. ein S/W-Film über den Wahlkampf von 1965 um das New Yorker Bürgermeisteramt. die enormen Widerhall in der Öffentlichkeit fand. In einem reichen Gewerbe muß er eine arme Kunstgattung darstellen. ein Film. neue Formen zu entdecken. Der Film behandelt die Anhörungen. Er muß das Geschöpf eines einzelnen sein. In Los Angeles gab es einen Einbruch in das Kino.Frank. die unter anderen die Unterschriften von Warren Beatty. In dem Klassiker In the Year of the Pig (1969. oder er ist überhaupt nichts. Das FBI suchte nach den Kontaktpersonen der Filmemacher und schreckte dabei auch nicht vor Personenüberwachung..lebender Beweis. C. dieser Film sei apolitisch. Ich bin nicht immer konsequent (... erwiderte er: »Ob das politisch ist? Das Leben besteht nicht nur aus Politik. Sein Leben war das eines Bohémien. als er sich dem Filmen zuwandte . bedeutete für mich eine größere Ehre als jeder Academy Award. Frank Stella und und und.. Niemand sollte sich davor fürchten. Als er mit ansehen mußte. Es war ein brillant aufgebautes Plädoyer und wurde für einen Academy Award nominiert. Es war der erste Nachkriegs-Dokumentarfilm ohne Sprecher. Ich bin nicht Lenin. kreiste um Alkohol und Frauen.meine Freunde nennen so etwas l'art brut. wir sollten es gar nicht erst versuchen. Johns. S/W). Warhol drehte einmal einen Film darüber.« America Is Hard to See (1970. Objektiv zu sein.und dann fast an Alkoholvergiftung starb.. für das er bis dahin nie etwas übrig gehabt hatte. ich lese. zutiefst politische Themen aufzugreifen. 88 Min.« Gleich sein erster Film war ein großer Erfolg: Point of Order (1963. Und er muß arm bleiben. Daraufhin sagte der Veranstalter die Vorführung ab. . einen Sprecher gab es nicht.« Seine Filme bezeichnete er als »politisches Theater. Wohnungselend.. Zunächst arbeitete er vorhandenes Material in komplexe Collagen um. Ich bin nicht hingegangen. auf Nixons Liste Amtlicher Feinde zu kommen.« In Painters Painting (1972. Telefonabhören und Einbrüchen zurück. Grundlage waren 188 Stunden Verschnitt der CBS-Tagesschau und die Hilfe des Verleihers Dan Talbot.. 1968 der Hoffnungsträger der Demokratischen Partei. mit Haskell Wexler und Mary Lampson) entstand unter konspirativen Bedingungen in einem Fluchtversteck für untergetauchte Mitglieder der Revolutionsbewegung Weather Underground. Ich habe den Preis auch nicht bekommen (. in einer Solidaritätserklärung. Dann kam Rush to Judgment (1967. S/W und C) treten die modernen Künstler aus ds Freundeskreis auf: Rauschenberg.93 Min. die der rechte Senator Joseph McCarthy 1954 in der Armee veranstaltete. alles in Frage zu stellen. Er war mehrmals verheiratet. S/W). wie die Medien demokratische Prozesse manipulieren können. das zeigen übrigens auch die meisten Filme. war nichts weniger als eine komplette Neudefinition des Genres »Dokumentarfilm«.. Was er schließlich fertigbrachte. die im Weißen Haus so viel Furore gemacht haben. Stella. 116 Min. Dazu d: »Kann man nicht die Filme.. imperialistischen Kriegen und einer alles zerfressenden Drogenkultur arrangiert hat (. er bediente sich dazu des Mediums Film. 101 Min. S/W) wurde anhand von Nixons Karriere demonstriert. ich habe auch getrunken und bin ins Schwimmbad gegangen. Es gilt.. herrscht abstrakte technische Perfektion. Über diese »Ehre« sagte d: »Ich sollte einen schwarzen Schlips tragen und ein Lächeln aufsetzen.. sondern in allen >gut gemachten< Filmen. Ich liebe meine Frau.)« Underground (1976. Auf Kritik. wie er in Echtzeit einen ganzen Liter Whisky herunterkippte . Für mich liegt die wichtigste Opposition in der Form. S/W) hob d die Kunst der Collage auf eine neue Ebene. denn er darf sich nicht am Eskapismus der Reichen beteiligen.. an einer Hand aufzählen? (. er verdankte sich wesentlich John Cages Idee. Sally Field und Jack Nicholson trug. nicht nur in Hollywood. Hollywood eilte ihnen zu Hilfe.) Wo kein Freiraum für Fehler offensteht. Gelegentlich lösen Dokumentarfilme ja wirklich ehrliche Kritik aus.. ist ein Ding der Unmöglichkeit. daß alles Kunst sein könne.also die Männer und Frauen. denn Fehler sind Lehrmeister (. So schreibt er einmal: »Der Dokumentarfilm ist entweder politisch und subversiv. die New York zur internationalen Kunstmetropole gemacht hatten.. Darum lasse ich meine Filme absichtlich roh und ungezuckert . 97 Min. richtete er seine radikalen Überzeugungen gegen die amerikanische Regierung. Warhol usw.. man ruinierte die Leinwand mit Teer durch das Wort VER- 230 RÄTER. Der Film löste eine Schlacht mit dem FBI aus. chaotisch. Wie kein Film davor oder danach durchdringt er die Vorgeschichte und den Charakter der kriegerischen Verwicklung der USA in Vietnam. wie Kennedy dem Gipfel der Macht zustrebte. Er hatte bereits die Midlife-40 erreicht. daß niemand die Hoffnung aufgeben sollte. wurde das Vorge- . Mir ist die art brut immer lieber gewesen als alles Polierte. ) 10 Min. der die falschen Fragen zu Kennedys Ermordung und zu dem diesbezüglichen Bericht der Warren-Kommission stellte und der ihm Nachstellungen von selten des FBI und diverser Polizeitruppen einbrachte.) Hätte ich ihn bekommen. S/W) drehte sich um die Präsidentschaftskandidatur Eugene McCarthys. wäre der Krieg vielleicht früher zu Ende gegangen. 1966 entstand That's Where the Action Is. aggressiv zu sein.

der an der Wurzel ansetzt. legt de Antonio eine Art Autobiographie vor. den dieses Land zu meinen Lebzeiten hervorgebracht hat. Für mich ist das einfach der obszönste Gedanke. das er der Welt als Beispiel und als Anstoß zum Nachdenken hinterlassen hat. die Welt auszulöschen. Es war dies eine Gruppe radikaler Katholiken. die ihm aufgrund des Freedom of Information Ad offenbart worden waren. die Verkleidungen an der Spitze zweier Atomraketen zu zerstören. unsichtbaren Idee willen alles andere preisgeben würde. wählte aber aus einem schicksalhaften Irrtum heraus seine Büronummer. Filme über jedes beliebige Thema zu drehen. Seiner Inspiration haben wir es zu danken. Hier zeigt d sich und die Form des Mediums Film .« Meine Erinnerungen bleiben frisch wie ds Worte. ein Radikaler. in unseren Filmen kompromißlos die Wirklichkeit zu durchleuchten. der um einer abstrakten. Ein radikaler Lösungsvorschlag ist nicht etwas Verrücktes.doch nicht dauerhaft. C. Also sollen die Armen leiden. Er beruht auf ds Lebensgeschichte sowie auf 10. Gegen solche Ideen kämpfe ich. Eine solche radikale Lösung brauchen wir in diesem Land. Mr. die den Ausdrucksformen unserer eigenen Visionen Grenzen setzt. wenn wir jetzt die hohlen Ideale der bürgerlichen Filmkunst hinterfragen und uns lieber darauf konzentrieren. und zwar indem sie den Reichen dienen. die als Ausdruck ihres zivilen Ungehorsam versucht hatten. Es ist Allgemeingut geworden. desto tugendhafter. das ist jemand.. Und sollte es mein Leben kosten.. Peter Wintonick 231 .000 Blatt seiner FBI-Akten.den der >Grundlage<. Er lebt weiter in seinem großen Werk. abseitigen.« d mochte seinen Körper und diesen Planeten verlassen haben . am Kern der Sache. Der Anrufbeantworter tönte gespensterhaft: »Hier spricht Emile de Antonio. Eine Woche nach seinem Tod wollte ich seine Witwe Nancy anrufen. »In den USA versieht man das Wort >radikal< mit dem Anstrich des Unausgeglichenen. Video/35mm) wird der Prozeß gegen die »Plowshares 8« nachgestellt.. Ich bin gerade nicht da . mit ihnen den Unterdrückten dieser Erde zu dienen und zugleich die selbstauferlegte Unterdrückung aufzuheben. Dabei läßt sich >radikal< auf einen völlig akzeptablen lateinischen Begriff zurückführen . 92 Min. Er war ein großartiger Lehrer. In dem Streifen In the King of Prussia (1983.Hoover and I. in dem die Wirtschaft in Trümmer fällt und die Außenpolitik auf der Drohung ruht. sondern ist einer.heu der Regierung bedauert und das Recht verteidigt.sozusagen nackt. dann war es das wert jedenfalls mein Leben. die Tugend in Geld zu messen: Je reicher. In seinem letzten Film.

doch findet er den einst von der New York Times als »möglicherweise bedeutendsten Intellektuellen der Gegenwart« bezeichneten Chomsky geradezu entwaffnend zugänglich. Die Zusammenarbeit 232 scheitert jedoch schmerzhaft an grundsätzlichen Meinungsunterschieden. In Japan wird mit Hilfe eines örtlichen Drehteams gefilmt. nachdem dieser seinen Vortrag mit dem Titel »Auf dem Weg zum globalen Krieg« beendet hat. Gemeinsam mit Freunden (und ohne Wissen von Wintonick) beginnt Achbar in Toronto. Im Oktober erstehen die Filmemacher aus Regierungsbeständen eine motorisierte 16mm-Filmkamera. 1984: Peter Wintonick und Mark Achbar begegnen sich zum erstenmal in Toronto bei einem Treffen der Mitwirkenden an Peter Watkins' 14-stündigem Filmprojekt »The Journey«. wie Chomsky den mit 350. das Filmprojekt von Montreal aus weiterzuführen. Sie lassen ihre Produktionsfirma unter dem Namen Necessary Illusions registrieren und verbringen den Rest desJahres damit. hört Peter Wintonick von der Verhaftung des berühmten amerikanischen Kinderarztes Benjamin Spock (während einer Protestveranstaltung gegen den Vietnamkrieg vor dem Pentagon in Washington). Wintonick erhält 5. Oktober 1967: Gerade den Kinderschuhen entwachsen. 1988: Im August begeben sich die beiden Filmemacher mit zwei handbetriebenen I6mm-Bolex-Kameras im Gepäck nach Long Island. daß die Massenmedien Chomsky weitgehend totschweigen. die zuvor den kanadischen »Mounties« gedient hatte. Der US-Schauspieler Ed Asner schickt einen begeisterten Unterstützerbrief und 250 US-Dollar.« 1988: Wintonick und Achbar entdecken bei einer Flasche Scotch endlich die Gemeinsamkeit ihrer Absichten und beschließen. Unterstützerbriefe zu sammeln und Förderanträge auszufüllen. Schriftsteller Norman Mailer und Linguist Noam Chomsky teilen sich eine Gefängniszelle. um den Druck des Buches Manufacturing Consent: The Political Economy of the Mass Media zu filmen. . 1986: Peter Wintonick ist (ohne Achbars Wissen) unter den Zuhörern eines Vortrags von Chomsky an der Universität von Kingston. Daraufhin schlägt er einem Produzenten bei der Nationalen Filmbehörde (NFB) »ganz nebenbei« einen Film über Chomsky vor. der Vorschlag wird »ganz nebenbei« abgelehnt. entgegennimmt. 1987: Mark Achbar ist davon überzeugt.000 kan. Mai 1987: Chomsky begrüßt den Vorschlag für einen Film über seine politischen Analysen: »Ich habe mit Interesse von Ihrem Filmprojekt gehört.Chronologie der Entstehung des Films 21.000 USDollar dotierten Kyoto-Preis.000 kan. 1985: An der Unversität Toronto erfolgt ein erstes Gespräch zwischen Mark Achbar und Noam Chomsky. Dollar. wo Chomsky die angesehenen »Massey Lectures« für das CBC-Rariio aufzeichnet (später unter dem Titel Necessary Illusions: Thought Control in a Democratic Society ein kanadischer Paperback-Bestseller). den höchsten japanischen Wissenschaftspreis. Achbar ist zunächst recht nervös. Filmentwürfe zu schreiben. nachdem sie sich zusammen mit einigen hundert Demonstranten trotz mehrmaliger Aufforderung weigern. Drehorte sind Toronto und Hamilton. 11. Der staatliche kanariische Kulturfonds gibt Achbar 16. das vom atomaren Frieden und den Massenmedien handelt. einen Film über Chomsky zu entwerfen. »sich zu entfernen«. Dollar von einem Privatmann. Ich freue mich selbstverständlich darüber und halte es für eine nützliche Idee.

auf dem der »Schwerhörige« ein Baseballspiel verfolgt. während das niederländische. die Bilder ans Licht zu bringen. Anfang 1992: Die Filmemacher stellen fest. Das Hörgerät stellt sich als Walkman-Radio heraus. aber unentwickeltem Filmmaterial stapeln sich in Achbars Wohnzimmer. der an der Zeremonie kein Interesse zu haben scheint. wie entscheidende Passagen vor dem Abdruck in der New York Times zensiert wurden. In einem Abschnitt kleiden sich die Filmemacher in Arztkittel und »sezieren« einen ursprünglich in der Londoner Times erschienenen Artikel über Osttimor. steigt bei Necessary Illusions ein. Zwischendurch bemühen sie sich um weitere Finanzquellen. Während des Internationalen Filmfestivals in Guelph. 18. was bei den NFB-Technikern ziemliche Verwirrung hervorruft. aber bestimmt ab. CBC und Coca-Cola lehnen höflich. einer gemeinnützigen Spendenverwaltungsorganisation in New York. machen einige verschwommene Polaroidfotos davon und schicken diese an die Studiochefs des NFB. den Niederlanden sowie in den USA und im kanadischen Nanaimo. Anschließend vergessen sie. er arbeitet als Koordinator. Nach dem Interview filmt das Team im Gebäude heimlich weiter. werden die frei gestalteten Szenen entworfen und gedreht. . In den Film werden Tricksequenzen eingearbeitet. als Kameramann. Eine Lizenzvorauszahlung löst weitere Beiträge von Investoren aus. sowie in ähnlicher Weise von der kirchlichen TV-Station Vision/TV in Kanada. Außerdem steuern Hunderte von Organisationen und Einzelpersonen Anteile bei. Leider sollte Nick Laidlaw die Vollendung des Films nicht mehr erleben. Der Schnitt des Films zieht sich ein weiteres Jahr hin. zusammen mit einem Bittbrief. Manufacturing Consent erhält unter 47 Filmen den Publikumspreis . beim Ton und Schnitt. Ein Gespräch mit dem Redakteur Karl E. Kanada. die in einem nahegelegenen Einkaufszentrum zu finden sein soll. 233 1991-1992: Während Wintonick weiter am Film schneidet. in Archiven. Juni 1992: Die erste Kopie des Films erlebt ihre Premiere beim Internationalen Filmfestival in Sydney. Meyer wird jedoch gestattet. setzen die Suche nach weiterem Archivmaterial fort und kümmern sich um die Urheberrechte. George Lucas. der mittlerweile am Tonschnitt arbeitet. Steven Spielberg. Die beiden bauen die Dosen ansprechend auf. man möge doch helfen. und bereits vorliegende Szenen werden in neue Zusammenhänge gebracht oder auf öffentlichen Bildschirmen in Einkaufszentren oder im Sportstadion abgefilmt.dem auf weit über 50 Festivals weltweit noch viele Preise folgen werden. Dutzende von Filmdosen mit abgedrehtem. Sportler und Intellektuelle unterstützt hat. Es ist der Philantrop Nick Laidlaw.an alle erdenklichen Firmen und Privatstiftungen. Bei einem zufälligen Gespräch mit dem Vorführer fällt der Hinweis auf die »weltweit größte fest installierte Kaufhaus-Videowand«. an wohlhabende Filmproduzenten sowie an sämtliche nordamerikanische und europäische Fernsehanstalten. Die beiden Filmemacher erhalten von ihm ein Jahr lang monatlich je 1000 kan. Frankreich. finnische und norwegische Fernsehen den Film blind bestellen (»Zahlung bei Lieferung«). sie stellen damit grafisch dar. Der Film verlängert sich von 75 auf 165 Minuten und erhält eine Pause. ein Schüler Wintonicks.März 1989: Wintonick und Achbar treffen während der kanadischen Filmpreisverleihung auf einen Mann mit Hörgerät. 1990-1991: Die Filmemacher verzichten auf die Hälfte ihres ohnehin mageren Gehalts und drehen sporadisch in Großbritannien. Am PC wird eine 40-seitige Projektbeschreibung entworfen. erhält eine zweieinhalbstündige Video-Grobfassung des Films den höchsten Publikumszuspruch. daß sie genügend Filmmaterial für einen abendfüllenden Dokumentarfilm und für eine mehrteilige Fernsehserie haben. 4000 persönlich gehaltene Schreiben gehen an kanadische Adressen und ins Ausland . sich wieder umzuziehen. Zu einer Besichtigung des Redaktionsgebäudes der New York Times im Februar 1991 sind Kameras nicht zugelassen. der in der Vergangenheit Künstler. Schnittassistentin Katharine Asals und Francis Miquet. die Filme können endlich entwickelt werden. Deutschland. in der Finanzierung. CBS. Sie erhalten Unterstützung von Media Network. Januar 1990: Das NFB stellt seine technischen Dienste zur Verfügung. Dollar. schließlich als Zweiter Produzent. April 1989: Francis Miquet. Oktober 1989: Den Filmemachern geht das Geld aus.

ebenfalls für den Schnitt verantwortlich bei Ron Manns Experimentalfilm Comic Book Confidential (»Best Documentary« Kanada. als Kameramann und Associate Producer in Jim Morris' Stag Hotel über das Leben in einem verkommenen Hotel (»Bester Dokumentarfilm« Athen). Das Buch wurde mit dem begehrten »Olive Branch« ausgezeichnet. Produzent.und technischen Tätigkeiten (Kamera. Autor. In Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media verbindet er seine Erfahrungen in verschiedenen Bereichen des Filmemachens und seinen politischen Aktivismus mit seinem Interesse an den Medien. unabhängigen Filmemachern bei der Produktion und beim Schnitt mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Entwicklungspolitik und die Medien. Schließlich arbeitete er drei Jahre lang an Peter Watkins' Friedensepos The Journey mit. Für Kanadas führende Filmzeitschrift Cinema Canada schrieb er viele geistvolle Beiträge über neue Trends im jungen unabhängigen Film und über die Zukunft der kanadischen Filmindustrie. In einer Reihe von Produktionen (Experimentalfilme und -videos. Zudem gehörte er der Auswahljury des International Festival of New Cinema & Video in Montreal an. Seitdem arbeitet er kampffilmen des damaligen Premierministers Pierre Trudeau. »Unsere Bombe«. interviewte. Produzent und Regisseur von The New Cinema. er filmte. einer Videodokumentation über den Unabhängigen Film (»Blue Ribbon Award« des American Film Festival). Schnitt) bei: Family Bay. Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media ist Marks erster abendfüllender Dokumentarfilm. An der dortigen Universität hält er Vorlesungen über Filmgeschichte. Zweitausendeins 1988). ein Bild. When We First Met für den US-Sender HBO. Kameramann und (-utter. Zudem recherchierte. Dokumentationen zur gesellschaftlichen Aufklärung. etwa: als Kameramann bei Keith Hladys There Is a Rally über die große Friedensdemonstration 1982 in New York. erfolgte seine Einführung in die Welt des Films und der Politik durch den Schnitt von Wahl- Channel. für den Schnitt verantwortlich bei Peter Monets East Timor. »Hugo Award« Chicago). AssociateProducer und für den Schnitt verantwortlich bei Nettie Wilds A Rustling of Leaves: Inside the Philippine Revolution über die Situation auf den Philippinen (»Beliebtester Film« Berlin 1989. einer Familienserie für das kanadische öffentliche Fernsehen CBC und den amerikanischen Disney 234 kontinuierlich mit kritischen Filmemachern zusammen. Videos und Büchern unter Beweis gestellt. Mikrofon. koordinierte und redigierte er das Buch At Work in the Fields of the Bomb von Robert Del Tredici (dt. Spread Your Wings. . Ganz früher führte er Regie bei Industriefilmen und anderen audiovisuellen Produktionen. außerdem hat er Spielfilme geschnitten. kümmerte sich um die Finanzierung und entwarf das EDV-System. In den letzten Jahren war er: Produzent für die kanadischen Drehaufnahmen und Leiter der Nachbereitung von Peter Watkins' 14-stündigem Mega-Dokumentarfilm The Journey über den nuklearen Frieden. Peter hat im Lauf der Jahre vielen jungen.Peter Wintonick ist seit über zwanzig Jahren im Filmgeschäft. einem Werbefilm für die staatliche kanadische Entwicklungshilfeorganisation. Er begann mit Verwaltungs. Nachdem er das Filmhandwerk am Algonquin College in Ottawa gelernt hatte. Sein Filmdiplom erwarb Mark an der Syracuse University (USA). anschließend überstand er seine Lehrzeit in Hollywood bei Bill Daily 's Hocus Pocus Gang. selbst Industriefilme) agierte er in unterschiedlichen Kombinationen als Regisseur. recherchierte. Mark Achbar hat seine umfassenden kreativen und technischen Fähigkeiten seit 1975 in über 50 Filmen. Der Film errang auch den Gemini-Preis als »Best Entertainment Special« und wurde für einen »International Emmy« nominiert. Betrayed But Not Beaten (mit Noam Chomsky) über Kanadas Rolle beim Völkermord in Osttimor.und Textband über die Wasserstoffbombe. Partners in Development. Während seiner Zeit im Dschungel des kommerziellen Filmgeschäfts arbeitete er an der Seite einiger der dort heimischen Tiger (und auch einiger Schlangen). 1986 wurden Mark und sein Mitautor und Regisseur Robert Boyle mit ihrem 75-Minuten-Film The Canadian Conspiracy (über eine satirisch-fiktive kanadische Machtergreifung in den USA) für einen Fernsehpreis für das »Beste Drehbuch« nominiert. einer kreativitätsfördernden Jugendserie für das CBC. »People's Choice« Montreal 1989).

David Barsamian für seine Interviews.dort vor allem Steven Morris. die so viel für den Film und das Buch bedeuten. und an Noam Chomsky. . der diesem Buch zugrundeliegt. die bereitwillige Beantwortung aller Fragen und Bitten und schließlich die distanzierte Toleranz.Dank Dieses Buch verdankt seine Entstehung vielen Menschen. Christine Burt für taktvolle Urteile. Mein besonderer Dank gilt: Peter Wintonick und Francis Miquet. Caroline Voight. die uns großzügig Familienfotos für den Film überließ und uns sehr bei der Bearbeitung der Rohfassungen unterstützte. die das Leben der »Simpsons« am Bildschirm verfolgten. Herman. für seinen Zuspruch. Linda Barton und Dimitrios Roussopoulos von Black Rose Books für Vertrauen und Zuspruch.für Kooperation und technische Hilfe. Merrily Weisbord und Robert Del Tredici. Carol Chomsky. außerdem Jason Levy für seinen Zeitaufwand. seine unerschöpfliche Energie. deren Neugier die Auswahl des Hintergrundmaterials bestimmte und deren Energie den Laden am laufen hielt. David Pollack von Inframe Productions sowie Colin Pearson für ihre großzügige technische Unterstützung bei der Umwandlung von Videobildern. meine Freunde und Partner. die mich in die Printmedien einwiesen. Stacy Chappel und Roben Kwak für ihre Tastenkunst am Satzcomputer sowie Susan Grey für zusätzliche Recherchen. dessen Kapitel in Manufacturing Consent >The Political Economy of the Mass Media< unserem 235 Film ein inhaltliches Konzept lieferten. Cha Cha Da Vinci und Leah Leger. dessen Lebenswerk sechs Jahre lang im Zentrum meiner Arbeit stand. Elaine Shatenstein und Cleo Paskai für wertvolle redaktionelle Hinweise. Martine Cote und Kate McDonell für Hilfe bei der Bildverarbeitung. Edward S. John Schoeffel für laufende nützliche Anregungen. Carlos Otero für sein Vorbild und für die Scheidung des Wichtigen vom Unwichtigen. Sabrina Mathews. für den Einsatz der knappen Mittel von Necessary Illusions in diesem Projekt. Maurice Paradis und David Verrall . Rodolfo Borello und Andrew Forster für einfühlsame und professionelle Gestaltungsarbeit unter unmenschlichem Zeitdruck. Jane Broderick für die Schlußredaktion und die Erstellung des Index unter demselben Zeitdruck. mit der er unsere Kameras ertrug und dadurch den Film erst möglich machte. Blake Gulband und Nat Klym für praktische Ratschläge. Trevor Gregg. dem National Film Board of Canada .

HH. 205 D-53111 Bonn Widerspruch Zurlindenstr. 59. alternative Medien ak Rombergstr. 3. 10 D-28203 Bremen AG SPAR Publikationen Adlzreiter Strasse 23 D-80337 München 236 . 14/15 D-28195 Bremen Graswurzelrevolution Karlstr. 14a D-26123 Oldenburg ILA Heerstr. 3 D-39108 Magdeburg Schwarzer Faden PF 1159 D-71117 Grafenau Spezial Schöneworth 18a D-30167 Hannover Tatblatt Gumpendorferstr. Stock D-10965 Berlin IZ3W PF 5328 D-79020 Freiburg Alternative Verlage Kassiber St. 10 D-20255 Hamburg AKAZ Birkenfelderstrasse 13 D-54497 Morbach Bahamas Schulterblatt 23e D-20357 Hamburg Die Heule Hinter der Schönen Aussicht 11 D-60311 Frankfurt Contraste PF 10 45 20 D-69035 Heidelberg Direkte Aktion Fischerstr. 42 D-60318 Frankfurt Ohne uns Klopstockstr. 157/11 A-1060 Wien Tranvia PF 30 36 26 D-10727 Berlin Der Wahrschauer Harsdörferweg 21 D-14089 Berlin Forum Buchstr. 94 D-47055 Duisburg OkoLinx Neuhofstr. 214 CH-8003 Zürich Wildcat PF 360 527 D-10975 Berlin ZAG Yorckstr.Eine Medienauswahl Linke. Paulistr.

25 D-10997 Berlin Unrast Verlag Postfach 8020 D-48043 Münster Schweizerisches Sozialarchiv Stadelhoferstr. 118 D-67433 Neustadt/W. 2a D-10961 Berlin Trotzdem Verlag Postfach 1159 D-71117Grafenau Transit Verlag Gneisenaustraße 2 D-10961 Berlin Anarchiv Haupstr. 23 D-12055 Berlin Anares-Nord Otto-Heise-Straße 2 D-31319 Sehnde Verlag Klemm & Oelschläger Postfach 8267 D-4400 Münster Berliner Verlags-Syndikat Oranienstrasse 45 D-10969 Libertad Verlag Berlin/Köln Postfach 440 349 D-12003 Berlin ab Verlag Bohl Andreas Weissenburgerstraße 17 D-81667 München Verlag Schwarzer Nachtschatten Alte Salzstraße 1 D-24306 Bösdorf Harald Kater-Verlag Görlitzer Straße 39 D-10997 Berlin Edition Nautilus Am Brink 10 D-21029 Hamburg Archiv für soziale Bewegungen Rote Flora Schulterblatt 1 D-20357 Hamburg Verlag Engstier Peter Oberwaldbehrungen 13 D-97645 Ostheim Medienvertrieb Syndikat A Bismarckstrasse 41a D-47443 Moers CIRA Av. 46 D-10997 Berlin Archiv der deutschen Frauenbewegung Sommerweg lb D-43125 Kassel Archiv für soziale Bewegungen Wilhelmstr. de Beaumont 24 CH-1012 Lausanne Kunsthaus Lübeck Erich-Mühsam-Gesellschaft e. V. Antifaschistisches Pressearchiv Falckensteinstr. Königstrasse 20 D-23552 Lübeck Topos Verlag Industriestraße FL-9491 Ruggell ID-Archiv c/o IISG Cruquiusweg 31 NL-1019 AT Amsterdam Agipa-Press Eichenbergerstraße D-28215 Bremen 9 Verlag Schwarze Risse/Rote Straße Gneisenaustr. 12 CH-8001 Zürich 237 . 15 D-79098 Freiburg Papiertiger Kuckucks Bibliothek Cuvrystr.Klartext Verlag Dickmannstraße 2-4 D-45143 Essen Zambon Verlag Leipziger Straße 24 D-60487 Frankfurt/Main Anares/Commenius Postfach CH-3008 Bern IBDK-Verlag/ALive Postfach 167 D-63703 Aschaffenburg Bibliotheken/Archive Anares-Medien Postfach 25 03 46 D-50519 Köln Karin Kramer Verlag Braunschweigerstr.

35 D-80797 München Tel. wurde verzichtet. 12 A-8010 Graz FAU Regionalkoordination Ost c/o Infoladen Kellnerstraße 10a D-06108 Halle 238 ist erhältlich bei: ARTHAUS Video Schwere Reiter Str. erfragt werden. 089/3000850 Fax 30008517 .20 D-79100 Freiburg Computernetze Manufacturing Consent Noam Chomsky und die Medien Freie Radios Freies Radio Schwäbisch Hall Lange Str. Auf die Angabe der Originalquellen. 22 D-10437 Berlin Video/Medien Werkstätten Jugend-Umwelt Projektwerkstatt Am Bürgerpark 2 D-23843 Bad Oldesloe Rote Hilfe c/o Buchladen Rotestr. 76 D-53111 Bonn Mailbox: 0228-241715 SpinnenNetz c/0 DFG/VK Vogelsbergerstr.Studienbibliothek zur Geschichte der Arbeiterbewegung Quellenstr. 13 D-74523 Schwäbisch Hall SpinnenNetz c/o Buchladen Le Sabot Breite Str. 25 CH-8031 Zürich Umweltbibliothek Schliemannstr. München. oder beim Trotzdem Verlag. sie können beim Marino Verlag. die zum Teil im Buch genannt sind. Grafenau. Das Video Medienwerkstatt Freiburg Konradstr. 17 D-60316 Frankfurt Mailbox: 069-703929 Organisationen ARGE für Kriegsdienstverweigerer Rechbergstr. 10 D-37073 Göttingen UNITED for Intercultural Action Postbus 413 NL-1000 AK Amsterdam Das Quellenverzeichnis führt eine Auswahl bekannterer und weniger bekannter Organisationen im deutschsprachigen Raum auf und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

1969 Schöne neue Weltordnung Frankfurt a. M.Freiheit Wien 1988 Regeln und Repräsentationen Frankfurt a. M. 1981 Sprache und Geist Frankfurt a. Über Macht und Ideologie Hamburg 1988 Thesen zur Theorie der Generativen Grammatik Weinheim 1995 Sprache als Organ . 1973 Strukturen der Syntax Berlin 1973 Die Verantwortlichkeit der Intellektuellen Frankfurt a. M.Auswahlbibliografie Aspekte der Syntaxtheorie Frankfurt a. M. 1973 Vom politischen Gebrauch der Waffen Wien 1988 Reflexionen über Sprache Frankfurt a. M. M. M. M. Im Krieg mit Asien (2 Bde. 1973 Cartesianische Linguistik Aus Staatsraison Tübingen 1971 Frankfurt a. M. M. 1981 Die fünfte Freiheit. 239 Clintons Vision Grafenau 1994 Dinge der Zeit Grafenau 1994 . M.Sprache als Lebensform Frankfurt a. 1972/73 Studien zu Kragen der Semantik Berlin Über Erkenntnis und Freiheit Frankfurt a.) Frankfurt a.Sprache . 1995 Probleme sprachlichen Wissens Weinheim 1996 Die neue Weltordnung und der Golfkrieg Grafenau 1992 Was Onkel Sam wirklich will Zürich 1993 Wirtschaft und Gewalt Lüneburg 1993 Die Herren der Welt Berlin 1993 Die Herren der Welt Berlin 1993 Amerika und die neuen Mandarine Frankfurt a. 1977 Arbeit .

: 05521/735 02 Fax: 05521/735 03 Kaufkassette VÖ: 02.95 Bestellnummer: AH 00204 Titel: Manufacturing Consent Noam Chomsky und die Medien FSK: 12 Regie: Mark Achbar und Peter Wintonick Länge: 164 Min.09. .1996 EVP: DM 49. In einer eindrucksvollen Montage von Bildern und Worten stellt dieser fesselnde Film Werdegang und Denken des kontroversen Autors.Der große Intellektuelle und Kritiker dieses Jahrhunderts: NOAM CHOMSKY. BESTELL-HOTLINE ARTHAUS Tel. Linguisten und radikalen Denkers vor.

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