Seit Noam Chomsky Mitte der sechziger Jahre seinen Elfenbeinturm als
Linguist am Massachussetts Institute of Technologie (MIT) verließ, um
gegen den Vietnamkrieg Stellung zu beziehen, hat er eine Vielzahl von
Büchern und Artikeln publiziert, unzählige Vorträge gehalten. In diesem
Buch, das zum vielgerühmten Dokumentarfilm »Manufacturing Consent«
entstand, wird zum erstenmal ein Überblick über das Denken und den
Werdegang dieses faszinierenden Menschen gegeben. Besonderes
Augenmerk gilt dabei Noam Chomskys luzider Medienanalyse, deren
manipulative Methoden er aufgezeigt hat. Dieses auch an Bildmaterial reiche Buch ermuntert den Leser, sich der Desinformation im Alltag zu entziehen, kritisch und selbständig zu denken sowie Widerstand zu leisten.

Ein biografischer Edelstein. The Sunday Times
Ein funkelndes, provozierendes Porträt. The Guardian
Eine faszinierende Einführung in das Denken
eines der anregendsten Köpfe Amerikas. The New York Times

ISBN 3 927527 72 6

Noam Chomsky Wege zur intellektuellen
Selbstverteidigung
Medien, Demokratie und
die Fabrikation von Konsens
Herausgegeben von Mark Achbar
Aus dem Englischen von
Helmut Richter

Für Marjorie, Ben und Francine Achbar

Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme
Noam Chomsky - Wege zur intellektuellen Selbstverteidigung :
Medien, Demokratie und die Fabrikation von Konsens / hrsg. von
Mark Achbar. Aus dem Engl. von Helmut Richter. - Dt.-sprachige
Erstausg. - München : Marino-Verl. ; Grafenau : Trotzdem Verl.., 1996
Einheitssacht.: Manufacturing consent - Noam Chomsky and the
media <dt,>
ISBN 3-927527-72-6

NE: Achbar, Mark [Hrsg.]; Chomsky, Noam; EST
ISBN 3 927527 72 6 (Marino Verlag)
und 3 922209 88 2 (Trotzdem Verlag)
Der Originaltitel lautet
Manufacturing Consent
Noam Chomsky and the Media

und ist 1994 bei Black Rose Books
Montreal, Kanada, erschienen
© Necessary Illusions, 1994
Aus dem Englischen von Helmut Richter
© der deutschsprachigen Erstausgabe 1996
Marino Verlag
Theresienstr. 40
D-80333 München
Tel. 089/2802096
In Zusammenarbeit mit dem Trotzdem Verlag, Grafenau
Gesamtherstellung dm druckmedien, München
Printed in Italy
Scan, OCR und digitale Nachbearbeitung by Cats&Paws Prod.

6 1 . 192-193. Buckley (TV. 108-111 Peter Worthington (Ottawa Sun) 5 162 . 78 69-77 Fallstudie Kambodscha/Osttimor Kürze als strukturelle Einschränkung »Noam Chomskys Sport-Rap« Die Kabale der Verschwörungsgegner Die Medien in Media Alternativ-Medien 91-115 147-160 88-90 58-60. 63-68 19. 131 80-82. 23. 215-217 192-196 Kritik aus den Medien William F. 132-133 198-203 Der Linguist Noam Chomsky Grundannahmen 21. 206-208 Die Medien Gedankenkontrolle Das Propagandamodell Der Golfkrieg 16. Meyer (New York Times) 54-55. 106. »Firing Line«) David Frum (Washington Post) 66-67 116 Jeff Greenfield (TV.Inhalt Einführung 7 Projektablauf 10 Der Mensch Noam Chomsky Frühe Einflüsse 42-48. 62-63 Wendepunkt Vietnam Seine Rolle 32. 49-51 51 . »Nightline«) 146-149 Karl E. 27 Der Schimpanse Nim Chimpsky Der (Nicht-)Zusammenhang mit der Politik 20 28-29 Die Gesellschaftsordnung Bildungswesen 157-158 Anarchismus und Libertärer Sozialismus Widerstand und kritische Analyse 33-34. 85. 18. 40-42.

180 29-31 Yossi Olmert (Professor) 186-188 John Silber (Universitätspräsident) 139-144 Tom Wolfe (Schriftsteller) N. 178. eine zählebige Kampagne 175-191 Der Nahe Osten Die Rechte der Palästinenser Nach dem Abkommen von Oslo 117.Sonstige Kritik aus der Eliteschicht Frits Bolkestein (Verteidigungsminister) Michel Foucault (Philosoph) 128-131. 175. 139-144 Der Film und das Buch Chomskys Reaktionen 9. 119-120 121-123 Mittelamerika Die Invasion Panamas Nicaragua 74-75 150 El Salvador 119. (Student) 59 134 L'affaire Faurisson. N. 86 Widmung für Emile de Antonio 229-231 Chronologie der Entstehung des Films 232-233 Die Macher des Films und des Buchs Dank 234 235 Eine Medienauswahl Auswahlbibliografie 6 236-238 239 .

wenigstens in den »richtigen« Buchhandlungen. der sich geduldig dazu bereit erklärte. ging es mir durch den Sinn. mir war zwar der Name geläufig. an den freundlich wirkenden Redner heranzukommen. Der Redner hieß Noam Chomsky.jedoch vergeblich. Beifall. folgte Chomsky einer Einladung von Dimitrios Roussopoulos (Verleger des »Black Rose Books»-Verlags). Wie der dazugehörige Film. als ob ihn ein Geschichtswis- 7 senschaftler für die BBC interviewt hätte. meistens handelt es sich dabei um andere Texte. seine Spur in der Magnetschicht meiner Kassette . und seine Antwort bewegte sich . Was mich sofort beeindruckte. Chomsky ging ans Pult. einen Oscar gewonnen hatte und in Schulen und TV-Programmen sehr erfolgreich war. zu halten. war das völlige Fehlen jeglicher Art von Herablassung. Es enthält zunächst die vollständige Abschrift des Tonteils des Films. Herman und anderen hinführen sowie auf diverse Organisationen aufmerksam machen. zu verstehen. aber Chomsky erfaßte sofort. Daher erweckte 1985 eine Vortragsankündigung über den »Weg zum globalen Krieg« meine Aufmerksamkeit. einer etwas düsteren Ironie und einem Faktenwissen.Einführung Anfang der 80er Jahre war ich in der Friedens.aber das wurde mir erst später klar . Es war das erstemal.zu hinterlassen. Vorträge oder Interviews von Chomsky. Edward S. eichenvertäfelte Vortragssaal der Universität Toronto war überfüllt. Einen Augenblick lang sprach keiner auch nur ein Wort. und wie viele Male sollten noch folgen! Ich fand mich einem toleranten. Als er fertig und der wohl minutenlang anhaltende Applaus verklungen war. »Vielleicht kann ich ja für Noam das tun. wo ich damals lebte. zusammen mit einigen anderen. aber präsent war er eigentlich nirgends. Ich hatte kaum mein Aufnahmegerät neben dem Rednerpult gestartet. einen Vortrag an der Concordia-Universität in Montreal. von diesem Mann mit der unaufgeregten Stimme. einfühlsamen Menschen gegenüber. was ich noch häufig erleben und im Film dokumentieren sollte: Chomskys Glaube an die sogenannten einfachen Menschen und an ihre Fähigkeit. und danach zu handeln.nur kein Wort verpassen! An diesem Abend wurde meine politische Haltung von Grund auf und unabänderlich neu fixiert. Auch dieses Mal war der Saal zum Bersten voll. nicht aber die von ihm vertretenen Ansichten. Ich suchte nach Chomsky in den Medien . was ich meinte. Zwei Jahre lang hörte ich mir die Kassetten von jenem Abend wieder und wieder an. In diesem Augenblick zeigte sich mir zum erstenmal überdeutlich. der damals gerade mit seinem Film If You Love This Planet (nach einem Vortragstext der Anti-Atom-Aktivistin Helen Caldicott). er sucht sie wirklich zu leben. im Jahre 1987. wovon er spricht. Der langgestreckte. die dem Leser zusätzliche Erkenntnisse vermitteln und in ihm oder ihr . Neben mir saß Terri Nash. versuchte ich etwas schüchtern.und in meinem Verständnis des Machtmißbrauchs in der Welt . was Terri für Helen geschafft hat«. Alle 45 Minuten wendete ich hastig die Kassette oder legte eine neue ein . ergänzt um einige zum jeweiligen Thema passende Passagen aus weiteren Quellen. Ich brach das ehrfürchtige Schweigen und drängte mich mit meinem Mikrofon in seine persönliche Sphäre.auf einem Niveau. Er predigt seine egalitäre Weltanschauung nicht nur. wie ich es noch bei niemandem erlebt hatte.und Anti-Atomkraft-Bewegung aktiv. Meine Frage war nicht gerade elegant formuliert. als der Vortragende auch schon mit einer mächtigen Laudatio eingeführt wurde. die an den zweieinhalb Stunden noch nicht genug hatten. so soll auch dieses Buch zu den entsprechenden Werken von Chomsky. und jetzt wurde es ernst. Endlich. Zwar konnte man seine Bücher auftreiben.

wie etwa der nachfolgend wiedergegebene Auszug aus einem Interview mit ihm zeigt. Obgleich doch schon mehrere Vortragssammlungen. selbst grammatisch sehr kompliziert aufgebaut. Es erschien uns unmöglich. Chomsky kann seine Ideen einfach und dennoch mit beeindrukkender Klarheit formulieren. die die Konventionen der kommerziellen Medien und der herkömmlichen Dokumentarfilme ironisch verletzt. Davon zeugt auch der Erfolg seiner bislang publizierten Vortrags. Chomsky hatte auch ein ungutes Gefühl über die »Personalisierung«. vor dem wir dann auch bei dem Buch standen.also Peter Wintonick und mir . zählen.und Interviewtexte. einschließlich einer Personalisierung. in dem Film eine Trennlinie zwischen dem Menschen Chomsky und seinen Ideen einerseits und seiner persönlichen Lebensgeschichte. Ich meine. Als er 1970 im niederländischen Fernsehen auftrat. akustischen und musikalischen Tricks und Techniken sollen dem Betrachter die gerade stattfindende Manipulation 8 bewußt machen. es ihm in der vielschichtigen Sprache des Films gleichzutun. so daß viele Menschen gerade beim Nachlesen seiner mündlichen Äußerungen Zugang zu seinem Denken gewinnen. wir haben versucht. Hieraus erwuchs den Filmemachern .ein Dilemma. und dies ist bei weitem vorzuziehen«. Wie ernst jemand seine Werte nimmt.vielleicht Neugier auf die Quelle selbst erwecken.durchaus wertvollen . schrieb er uns. die Irrelevanz des Persönlichen betreffend. wie soll es dann uns gelingen? Der Film nutzt mehrere simultane Kommunikationskanäle. Wer den Film schon kennt. Der Film untersucht nicht nur Chomskys Überlegungen die Medien betreffend. Natürlich sind Chomskys Schriften präziser und detaillierter als die improvisierte Rede dies sein kann.wozu auch Chomskys eigene Vorbehalte. zeigt sich in seinen Taten. und also in das Buch. wie in einer Gesellschaft die Medien mit abweichenden Stimmen umgehen.nicht weil es seine sind. Wir wollten das auch gar nicht. Mark Achbar . er sei »eigentlich ein Gegner dieses Hochstilisierens von Menschen in der Öffentlichkeit. aber sie sind gleichzeitig auch viel komplexer. Beigefügt waren acht eng getippte Seiten mit . unseren ersten Entwurf zu beurteilen. übernommen.Verbesserungsvorschlägen für das Buch. von ihm gedruckt vorlagen. Seine persönlichen Erlebnisse sind bedeutsam . Chomsky nimmt in seinen Schriften gelegentlich sarkastisch den Tonfall seiner Gegner an. »Veröffentlicht werden üblicherweise sehr sorgfältig formulierte Textversionen. so spricht er doch für die vielen unter uns. Auch wenn wir ihn nicht gewählt haben. Unser Kriterium war stets: Ist ein biographisches Ereignis von Belang für Chomskys politischen Werdegang? Wir suchten eine Lösung für dieses Problem vermittels des selbstreferentiellen Stils des Films . aus der sich diese Ideen herausbildeten. Interviews usw. und im Falle Chomskys kann man aus seinem Vorbild sehr viel lernen.und die anderen sollten nach Mitteln und Wegen suchen. von denen wir einige wörtlich abgedruckt haben. bezweifelte er zu meiner Überraschung. ihn anzusehen. voller Verweise. die das Gefühl nicht loswerden: Wenn nicht einmal er sich Gehör verschaffen kann. erklärte er. Und deshalb haben wir sein Handeln in den Film. sollte sich dessen bewußt sein . wobei sich zwischen den USA und dem Ausland große Unterschiede zeigen. andererseits zu ziehen. beide Ausdrucksformen haben ihren eigenen Wert und verstärken sich gegenseitig. die dann geradezu wie Stars behandelt werden und deren rein persönliche Züge mit Bedeutungen befrachtet werden. Man kann in seinen Erfahrungen eine Fallstudie dafür erblicken. Als wir Chomsky baten. daß ein Vortrag vor Massenpublikum das Persönliche nicht unabdingbar ausschließen muß. daß die Wiedergabe gesprochener Rede einen Gedankengang ebenso gut vermitteln könne wie schriftlich konzipierte Artikel oder Bücher. und sie setzen häufig ein umfangreiches Vorwissen voraus. sondern auch sein Verhältnis zu ihnen.« Andererseits zeigt der Film. Die verschiedenen optischen. sondern weil wir sie sozusagen metaphorisch auf unsere eigenen Erfahrungen übertragen können. brachte er Bedenken gegen die vorgesehene Darstellungsform an.

Darauf hatte ich ausdrücklich bestanden.. und ich will's auch nicht. Schon dieser Filmtitel . Ich weiß.Manufacturing Consent. Aber es gibt auch noch tieferliegende Gründe. sich weiterzubilden. ganz einfach deshalb.) Wenn nun aber der Eindruck entsteht. sich zu engagieren.na ja. Er ist dem Titel eines Buches entlehnt. Man glaubt zu hören: Folgt eurem Führer. Aber sie stehen an der Front. die mich fragen: Wie kann ich Ihrer Bewegung beitreten? Ich weiß ja. Aber warum tue ich das? Weil überall im Land. Warum nun der Film überhaupt . Nehmen wir nur diese Sache mit der Personalisierung von Sachfragen. Wir geben sonst bei unseren gemeinsamen Büchern unsere Namen in alphabetischer Folge an. Ich habe die größten Probleme. daß sein Name an erster Stelle genannt ist. Movie Guide. die für sie spricht.. haben Sie sich diesen Dokumentarfilm über Sie. der Film hinterläßt so einen Eindruck . ich vermute es mal. Ja. sie tun die Arbeit. Basisstrukturen aufzubauen. (. Wenn Sie das Buch nun in die Hand nehmen. und was nun über den Film geschrieben wird. auch persönliche. und da kommt meiner mit C vor seinem mit H. Sie sind es. Aber in diesem speziellen Fall wollte ich seinen Namen vorn sehen. es gäbe da einen Anführer oder Sprecher oder sonst jemanden. Das ist aber genau die falsche Zielrichtung. sie haben sich viel Mühe gegeben. ist: Nehmt euer Leben selbst in die Hand. Ich mag mich einfach nicht selbst hören oder sehen. und doch hinterläßt der Film diesen Eindruck . und da sollte man nichts personalisieren und mit einem Einzelnen verbinden. Gut. Sie brauchen aber eine Stimme. bezieht sich auch zum größten Teil auf sein Werk.04. nicht angesehen. Warum nicht? Wollen Sie das noch nachholen? Ich habe ihn nicht gesehen.. nicht ich. die etwas bewirken. Bloß. 9 und diese Aufgabe übernehme ich gern.die Rezensionen haben es mir gezeigt. weil ich dann sofort darüber nachsinne. was ich alles hätte anders machen sollen. mit dem ganzen Projekt zurechtzukommen.. Dafür gibt es mehrere Gründe. 16. ja überall auf der Welt viele. mit dem Titel Manufacturing Consent. ich erhalte dann so Briefe von Leuten. Was man wirklich vernehmen sollte. dann werden Sie sehen. ich hab' ihn ja nicht gesehen . weil das Buch überwiegend von ihm stammt. das Edward Herman und ich geschrieben haben. aber irgendwie ergibt sich das automatisch aus dem Medium. mir macht's Spaß und für sie ist es auch nicht schlecht.Eleanor Levine Chomsky Wie Sie sagten. Hier steckt schon der Haken: Wir haben alles in Kooperation geschaffen.1993 . die Filmemacher wollten diesen Eindruck nicht vermitteln.wissen Sie. dann ist das die absolut falsche Botschaft. also ich hielt damals an verschiedenen Orten Vorträge. der die Sache organisiert und vorantreibt. viele Menschen sich jeden Tag damit abmühen.

»die größte fest in einem Einkaufszentrum installierte Videowand«. Wir verwendeten überwiegend das 16-mm-Format.DER PROJEKTABLAUF Zu Beginn des Films äußert Chomsky die Vermutung. 1/2" und 8mm Videoband. als Chomsky dort den angesehenen KyotoPreis verliehen bekam. September 1987 vor der Convocation Hall der Universität Toronto.die Frage. und indem wir ihn seine Argumente in seinen eigenen Worten vortragen ließen.versuchen wir zu vermitteln. aber wir konnten uns den Trip nicht leisten und mußten am Ende eine Truppe vor Ort per Fax dirigieren. Chomsky. wenn sie ihnen durch unterschiedliche Kanäle angeboten werden: durch das Auge. sondern wir verwendeten auch Animation. Bei der Vorbereitung wie auch bei der Realisierung von Manufacturing Consent streb- ten wir ein demokratisches Vorgehen unter Einbezug anderer Beteiligter an. die Amtseinführung von George Bush aus erster Hand einzulangen und uns die Aufnahmen dann zukommen zu lassen. wie Menschen mit unkonventionellen Ideen ankommen oder wie sie marginalisiert werden . mit Chomskys aufreibenden Terminverpflichtungen einigermaßen Schritt zu halten. wir besuchten 23 Städte in 7 Ländern. Kameras und Mikrofonen erschien. Übergängen sowie vom Gefühls. Einige Statements stammen von anderen Aktivisten sowie von Kritikern und Kommentatoren. sobald unsere surrenden Kameras ihn einmal nicht auf irgendeinem Flughafen begrüßten. aber da unsere ästhetische Medienregel lautete: Schieß mit allein. indem wir ihn im Kontext einer ungewöhnlichen Umgebung auftreten lassen. Ich sage ausdrücklich »unsere Kameras« und nicht »wir«. Ein Extrakt aus Interviews.und Erzählzusammenhang bei der Verknüpfung einzelner Szenen. das Ohr. was du gerade zur Hand hast. umfaßt mehr als 300 Personen und Organisationen. hier finde eine nur indirekte Vermittlung statt. Einige Szenen projizieren wir auf dem riesigen Schirm einer scheinbar einem Science Fiction-Alptraum entstammenden Medien»landschaft«. so daß nicht weniger als 600 Menschen dazu beitrugen. Berichte. Dieser Schirm. machten wir auch Aufnahmen mit Betacam. Sehr bald verwarfen wir den Gedanken. durch Texte. dient uns als Elektronengehirn. sich am falschen Ort wähnte. so meinten wir. Fragen. dabei aber stets einen gewissen humoristischen Geist durchscheinen zu lassen. Es gab dort eine Gegendemonstration von Vietnamesen. Aber wir kamen doch ziemlich viel herum in unserem Bemühen. um es zu unterdrücken. setzten wir ein. könne für sich selbst sprechen. der das Bewußtsein. zu denen manche Leute greifen. Die ersten Aufnahmen den Film entstanden am 25. die Chomsky von Interviewern oder aus dem Publikum gestellt wurden. Obgleich das Material einen Zeitraum von 25 Jahren abdeckt. Vorträgen und Medienbegegnungen bildet das theoretische und informatorische Rückgrat des Films und dient als auditives Sprungbrett zu visuellen Expeditionen in die Medien und ihre Mechanismen. waren etwa 120 Stunden Film.und Tondokumente aus ca. Menschen können Informationen am besten aufnehmen. würde die Subjektivität des Films stärker hervortreten. Dramatisierung und Kontextverschiebung. denn es kam vor.dank Chomskys konsistenter Gedankenweh und Vor- 10 tragstechnik. die Zuschauer durch einen Kommentator an die Hand nehmen zu lassen. auf dem normalerweise radikale Experimentalfilme vor dem Hintergrund eines hypermodernen Einkaufsparadieses laufen. In einem anderen Fall erhielten Freunde aus Washington. Der Verzicht fiel uns schwer. Dabei brachten wir nicht nur das technische Personal und die Ausrüstung ins Bild. die Band 1 des Buches von Chomsky und Herman aus Protest verbrannten .ein flammendes Zeugnis für die Durchschlagskraft dieses Werkes und für die Mittel. Wir brachten ihn schließlich so weit. die über Videotechnik verfügten. Manufacturing Consent ist ein selbstreflek- tierender Film über die Medienwelt.Was Chomsky explizit in Worte faßt . metaphorisches Material usw. So ließen wir uns weniger von visueller Kontinuität leiten als vielmehr von Ideenlinien. Jeder von ihnen konnte sich dadurch motiviert fühlen. 185 verschiedenen Quellen. in der Chomsky einen Vortrag halten sollte. Was ihm wie 500 Stunden voller Lampen. . denen wir Dank schulden. Themen. beim Betrachter den Sinn für das kritische Engagement zu schärfen. Durch die Perspektive des Mediums im Medium suchen wir die Prozesse der medialen Konstruktion sichtbar zu machen. dem Film eine Wirkung auf all diesen Ebenen zu verschaffen. bis Manufacturing Consent endlich fertig war. dem Film seine endgültige Form zu verleihen. Diskussionen und Begegnungen mit Medienvertretern vier Jahre lang begleitet. durch den Einsatz diverser audiovisueller Techniken verstärken möchte. Unsere Kameras haben dann Chomskys Vorträge. Durch Synthese vieler verschiedener Filmstile versuchten wir. das den Ablauf des Films steuert. daß es auch auf seine Meinung ankommen würde. Die Liste derer. So waren wir beispielsweise nicht in Japan. um die Wendungen des Films zu neuen Themenkreisen einzuleiten. wir müßten wohl »500 Stunden Film« aufgenommen haben. daß sie die Reise ohne uns machten. immer in der Hoffnung. Einmal verwerteten wir sogar eine Kassette aus einer Überwachungskamera. Schnitt und Montage waren mit zahlreichen Probevorführungen vor Publikum verbunden. Etwa ein Drittel der 120 Stunden sind Archivbild. brauchten wir es nicht in zeitlicher Folge anzuordnen . 3/4". die Möglichkeit. Alles in allem benötigten wir fünf Jahre für den Film. daß er.

TEIL 1 Denkverbote in der demokratischen Gesellschaft .

Die den Menschen die Augen ausstachen zeihen sie jetzt der Blindheit John Milton (1642) .

Kelvin Flook ist Schauspieler und Moderator bei Erin Mills Television (EMTV). Da sie einen Bedarf an Alternativmedien zur Verbesserung dieser Situation erkannten. bringt er gewöhnlich Werbespots für Geschäfte im Einkaufszentrum. Willkommen im Erin Mills Town Centre. Wenn Flook nicht gerade Ausschnitte aus Manufacturing Consent abspielt. • Einzelpersonen und Gruppen bei der Herstellung von Medienprodukten zur Förderung des gesellschaftlichen Fortschritts unterstützen. vor allem in ihrer Sorge über Militarismus und Umweltzerstörung sowie über die Rolle der großen Medien bei der Aufrechterhaltung der einschlägigen Mythen. egalitären und hierarchiefreien Arbeitsprozeß entwickeln. NECESSARY ILLUSIONS Mark Achbar und Peter Wintonick waren zusammengenommen schon mehr als dreißig Jahre als Medienproduzenten tätig gewesen. Diese bedeckt 4 Wände und ist das Herz des Einkaufszentrums »Erin Mills Town Centre« westlich von Toronto. KANADA Kelvin Flook Drei .bzw. um sie während der Einkäufe ihrer Eltern zu beschäftigen. • Durch neuartige alternative Verbreitungsund Vorführmethoden neue Hörer. fest in einem Einkaufszentrum installierten Videowand. als sie sich 1985 kennenlernten und ihre geistige Übereinstimmung konstatierten.ERIN MILLS TOWN CENTRE. ZIELE • In der Öffentlichkeit den kritischen Sinn für die Macht und die Rolle der großen Medien und ein Gefühl für die Möglichkeiten alternativer Medien. gründeten sie eine Organisation. also steigen wir gleich mal ein. • Freie und kreative Ausdrucksmöglichkeiten auf allen Medientypen fördern und sichern. Zuschauerschichten erschließen. Guten Morgen.zwei . • Strategien zur Vermehrung unabhängiger Produktionen entwickeln und anwenden. Sportberichte. dem Haus mit der weltweit größten. Ganz besonders herzlich begrüßen möchte ich bei dieser Gelegenheit das Aufnahmeteam von »Necessary Illusions«. am Ort aufgenommene Modeschauen. kooperativen. entwickeln. ONTARIO. samstags vormittags auch Zeichentrickfilme für die Kleinen. ERIN MILLS. Mein Name ist Kelvin Flook und ich werde heute den ganzen Tag lang Ihr Gastgeber hier auf EMTV sein. dem entgegenzuwirken. • In der eigenen Tätigkeit einen demokratischen.eins: Die zweite. 13 . deren Ziele sich aus dieser Sorge ableiteten. Wir haben heute eine erstklassige Folge von Fernsehprogrammen für Sie vorbereitet. Im Jahre 1989 stieß Francis Miquet dazu. einer nonstop laufenden Videoinstallation aus 264 Bildschirmen.

was sie tun.VIDEOWAND DES EINKAUFSZENTRUMS Marci Randall Miller interviewt Noam Chomsky im Radiosender KUWR. sind sie immer schon da. oder wie? Chomsky Sie waren in England. wer jemanden eine Stunde lang reden hören möchte. sie waren in Japan . Laramie.also ich weiß es nicht. USA Marci Randall Miller Wie lange haben die beiden eigentlich an diesem Dokumentarfilm gearbeitet? Chomsky Oh Gott. 14 .wirklich überall. Wyoming. Sie müssen wohl mittlerweile 500 Stunden Film haben. Marci Randall Miller Wow! Wetten daß sie am Ende mit einem echten Knaller herauskommen? Chomsky Ich kann mir nicht vorstellen. aber ich denke. aber wenn ich irgendwo hinkomme. die werden schon wissen. Marci Randall Miller Sie sind mit dabei. wie lange die daran gearbeitet haben .

. F. WASHINGTON Peter Wintonick geht mit einem riesigen Stielmikrofon auf eine Gruppe von Schülern zu Peter Wintonick Na. daß Marx. wenn diese Ränge etwas aussagten. Die Schüler (Kichern) Peter Wintonick Wir drehen hier einen Film über Noam Chomsky. »Das bedeutet. Die zehn im genannten Zeitraum meistzitierten Autoren waren: Marx. Konrad Koerner und Matsuji Tajima unter Mitarbeit von Carlos P. wer Noam Chomsky ist? Die Schüler Neee . Und falls sie stimmen. zusammengestellt von E. Chomsky. der Suche nach Wissen und einem unerträglich starken Mitgefühl mit der leidenden Menschheit. die sich fragen.04. daß Professor Chomsky in den Veröffentlichungen der letzten 20 fahre zu den am häufigsten zitierten Personen gehört. Otero (John Benjamins. daß sie [die Zitatindizes] auch nur annähernd stimmen können. Peter Wintonick Ihr redet ja wie im Chor. die führende linguistische Autorität des MIT. Und falb sie stimmen und etwas aussagen. quer über die Fachgebiete wird er sehr stark gelesen und werden seine Arbeiten in den Forschungen verwendet. sie könnte aber nach eigener Aussage noch jemanden übersehen haben. Cicero. Außerdem weist er im Science Index der Jahre 19741992 insgesamt 1619 Zitate auf. wo kommt ihr denn her? Die Schüler Florida. aber unbezähmbaren Leidenschaften beherrscht: Von dem Verlangen nach Liebe. wenn er oben rangiert? Hier werden genau die falschen Schlußfolgerungen suggeriert. was es bedeutet. allerdings ist diese Auswertung noch nicht abgeschlossen. direkt hinter dem berühmten Psychologen Sigmund Freud und noch vor dem Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel. die Bibel. Etwas mehr als die Hälfte behandeln politische Themen. Sind seine Ansichten über die nukleare Abrüstung nur dann wichtig.1992 Im Eingangsraum seines Büros hat Chomsky ein Poster von Bertrand Russell aufgehängt. A Personal Bibliography 19511986. 15. ohne Noam Chomsky zu zitieren. die die Zahlen ermittelt hat. — NC 15 . Platon. Freud. Aristoteles. Mao und Castro in Zitatindizes der westlichen Literatur hohe Ränge einnehmen). dann wären sie für jedes hier behandelte Thema irrelevant. Nehmen wir eine wirklich wichtige Persönlichkeit des 20. 36. Shakespeare. Hegel. Die letzte Auflage seiner Bibliographie (die dritte. [Theresa Tobin hat die Statistiken für 40 der wichtigsten Autoren in den Sozialwissenschaften ausgewertet. und fügt hinzu: »Man konnte fast meinen. Er befindet sich dort wirklich in bester Gesellschaft. Aus einer kürzlich durchgeführten Auswertung von drei verschiedenen Zitat-Indices ergab sich. wären sie ohne Bedeutung (Man stelle sich vor.27.auch hier wahrscheinlich der meistzitierte Lebende. nicht. Dieses Problem hat Professor Noam Chomsky. Lenin. Im Arts and Humanities Citation Index ist er mit seinen 3874 Zitaten zwischen 1980 und 1992 der meistzitierte lebende Autor und steht insgesamt an achter Stelle.. Und das ist noch nicht alles. Bd. das ein Zitat trägt: »Mein Leben wurde von drei ganz einfachen. Bislang hat aber niemand ihr Ergebnis korrigiert]. was sie schreiben. Bibliothekarin im Humanities-Bereich. MIT. der sicher zu den Meistzitierten gehören müßte. die gebunden erschienen ist) enthält über 700 Eintragungen. ob irgendjemand zur Kenntnis nimmt.« Nach Aussage seiner Sekretärin hat Chomsky bis zum Jahre 1993 insgesamt 72 Bücher geschrieben. niemand könne einen Fachaufsatz schreiben.VOR DEM WEISSEN HAUS. Weiß irgend jemand. Lenin. Tobin.« Aus Tech Talk. Jahrhunderts: Bertrand Russell.« resümiert Theresa A. Groß ist die Zahl der Autoren. von der Golfküste. Im Social Science Citation Index der Jahre 1972-1992 wird Professor Chomsky 7449 mal zitiert . Nr. Peter Wintonick Florida? Die Schüler Ja. Noam Chomsky. 1986) Ich bezweifle.

welche Informationen an die Öffentlichkeit kommen. Westeuropa und Japan (also den sogenannten höchstentwickelten Regionen) durch den Kontakt zwischen prominenten Privatpersonen zu fördern. Die Public-Relations-Branche setzt gewaltige Geldmittel ein. den ich hiermit bei uns begrüße. Die Trilateral Commission wurde 1973 eingesetzt und erhielt die Aufgabe. >Denkverboten<? Ich bilde mir meine Meinung doch selbst. ich würde ihr raten. ich bin Lieschen Müller und sage: »Also. Nehmen wir mal an. Crozier.« Was würden Sie antworten? Chomsky Ja nun. dann wird sie in Bezug auf unser demokratisches System einige Überraschungen erleben. Wenn Lieschen das tut. das »allgemeine Denken« zu steuern. Eine Studie der Trilateral Commission über die »Regierbarkeit der Demokratien« von 1975 kommt zu dem Ergebnis. usw. welcher Quellen sie sich bedienen.also die überregionale Presse. Unternehmen gegenübersieht«. hier zu sein. mit. Siehe auch den Hinweis auf The Clinton Vision auf S. wie die großen Medien die die nationalen Themen bestimmen . P. Necessary Illusions S. USA Marci Randall Miller Guten Tag allerseits und willkommen bei «Wyoming Talk». welche Meinungen geäußert werden. Die obigen Zitate stammen aus The Crisis of Democracy: Report on the Governability of Democracies to the Trilateral Commission.wie die also bestimmen. 16 . Necessary Illusions S. Watanuki (New York Unversity 1975). die »einzige ernsthafte Gefahr. der sich unser. Hrsg. J. um den Demokratieüberschuß abzubauen und so die Krise zu meistern. Die Studie spricht sich daher für mehr »Mäßigung in der Demokratie« aus. LARAMIE. daß bislang marginalisierte Bevölkerungsschichten sich organisieren und ihre Forderungen energischer vorbringen und daß die entsprechende Überlastung des Demokratieprozesses dessen Funktionieren gefährdet. Ich entscheide doch über mein eigenes Schicksal. das Fernsehen usw. Unser heutiger Gast ist der bekannte Intellektuelle Noam Chomsky. Chomsky Ich freue mich. . The Trilateral Commission and Elite Planning for World Management. daß man schon seit einer Ewigkeit darüber nachsinnt. der damit die Hoffnung verband.RADIO KUWR. wie die Medien arbeiten. was schon alles an Belegen darüber vorliegt. Holly Sklar (Black Rose Books 1980) HINWEIS: Zur Vermeidung von Wiederholungen sind alle bibliographischen Daten über die von Noam Chomsky und Edward S. 2-3. war aber bis 1980 bereits auf 300 Köpfe angewachsen. Huntington und J. Sie sind vor allem nach Wyoming gekommen. 162 dieses Buches. wir haben doch eine demokratische Gesellschaft. Quelle: Trilateralism. Ihr obliegt es. Den Anstoß zur Bildung der Kommission lieferte David Rockefeller. in ihr würden »die größten Geister der Menschheit sich den Problemen der Zukunft zuwenden«. wie es bereits vor 80 Jahren ein AT&T-Manager formulierte. Aber vor allem sollte sie darauf achten. was meinen Sie denn mit Kontrolle.und Außenpolitik zu entwickeln. WYOMING. von M. wie sich die demokratische Öffentlichkeit an den Rand drängen und unter Kontrolle halten läßt. 3) »das internationale System zu erneuern«. sich doch mal genauer anzuschauen. wie die PR-Branche arbeitet. Nach Ansicht der Kommission rührt diese allgemeine »Demokratiekrise« daher. um über »Denkverbote in einer demokratischen Gesellschaft« zu diskutieren. 16. um die nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene globale Machtstruktur gerechter zu machen. Herman verfaßten Bücher nur in der Literaturübersicht aufgeführt. 2) für ihre Mitgliedsländer eine Innen. was auch einen »Überschuß an Demokratie« bedeutet. Marci Randall Miller Ich glaube. der im Inland »die Autorität der Regierung beeinträchtigt« und folglich »im Ausland den Einfluß der Demokratie sinken läßt«. 1) die Zusammenarbeit zwischen Nordamerika. um »dem amerikanischen Volk die wirtschaftlichen facts of life beizubringen« und so ein für die Geschäftswelt günstiges Klima zu schaffen. S. daß die Medien zu einer »nicht unwichtigen neuen Machtquelle« geworden sind. Die Kommission umfaßte ursprünglich 180 Mitglieder.

»Gemessen an der Kraft. wie diese beiden Bereiche zueinander passen. der Originalität und dem Einfluß seiner Gedanken könnte man Noam Chomsky als den bedeutendsten Intellektuellen der Gegenwart bezeichnen. müßte ich mich fragen. B. Ich kann euch leider nicht in die Augen sehen. 25. daß der Kaiser keine Kleider anhat. Auf der einen Seite findet sich ein umfangreiches Opus voller umwälzend neuer und extrem spezialisierter linguistischer Erkenntnisse. ob ich irgend etwas falsch mache. aber oftmals ärgerliche Vereinfachungen bieten. Das >Chomsky-Problem< besteht darin. nur mag der Kaiser das überhaupt nicht gern hören.1979 17 . aber ich denke doch.MALASPINA COLLEGE. der Spannweite. dann findet man zwar diesen Satz tatsächlich in der New York Times. ich sehe euch halt nicht. die von jedem. aber es geht dann weiter: «Wenn das stimmt. und seine Schoßhunde. verstanden werden können. BRITISH COLUMBIA. Chomsky Ich kann zwar nur eine schwarze Wand sehen. auf der anderen Seite steht eine ebenso reichhaltige Sammlung politischer Schriften. was man nie liest: Diese Passage über «der Welt bedeutendsten Intellektuellen» usw. Wenn es allerdings diesen zweiten Satz nicht gäbe. Das ist kein Witz. zu erklären. Er ist allerdings auch ein unangenehm zwiespältiger Intellektueller. KANADA Gary Bauslaugh (Studienleiter des Malaspina College) Ich begrüße euch alle zu unserer heutigen Vortragsveranstaltung. die New York Times. daß dahinter einige Leute sitzen. finden es auch nicht so gut. Vielleicht sollte ich zuerst mal etwas klarstellen. denn wenn man die betreffende Stelle mal nachliest. wie kann er dann so schlimme Sachen über die amerikanische Außenpolitik schreiben?» . Es stimmt schon.02. z. wovon vieles nur dem professionellen Linguisten oder Philosophen zugänglich ist.und dieser Satz wird nie zitiert.« The New York Times Book Review. Man muß bei solchen Sachen auch immer ganz genau hinsehen (Gelächter). stammt aus einem Klappentext eines meiner Verlage. der Innovation und dem Einfluß seiner Gedanken könnte man Noam Chomsky als den bedeutendsten Intellektuellen der Gegenwart bezeichnen. wenn man den Mund aufmacht. der des Lesens mächtig ist. NANAIMO. bloß etwas Schwarzes. Vor einigen Jahren schrieb die New York Times Book Review über Professor Chomsky: »Gemessen an der Kraft. der Spannweite.« Professor Noam Chomsky bitte.

also einen gültigen Vertrag) läßt in dieser Hinsicht keine Zweideutigkeiten zu. Die Fürsprecher der amerikanischen Politik bringen häufig vor. daß eine gewaltsame Intervention nur mit Zustimmung des Sicherheitsrats oder in »kollektiver Selbstverteidigung« gegen einen bewaffneten Angriff zulässig ist. wie sogar das Pentagon zugibt (. der darüber nachgedacht hat.. daß auch unsere Konkurrenten ihre Wirtschaft etwa ebenso stark schädigen wie wir unsere. die . die Fortschritte in der Abrüstung verhindern oder jedenfalls jahrelang verhindert haben. Wenn man die Menschen direkt darum bitten würde. den Staatsanteil am staatskapitalistischen System mit klassischen Mitteln auszuweiten (.) Praktisch bedeutet dies.) Wirtschaftlich gesehen ist dies eine äußerst schädliches Verfahren. daß der amerikanische Krieg auch im streng technischen Sinne ein Verbrechen ist.einen Mechanismus darstellt. der Grund war der Sieg der Nationalen Befreiungsfront im internen Bürgerkrieg. daß die amerikanische Intervention nicht im technischen Sinne kriminell ist. daß die amerikanische Intervention zeitlich lange vor jeglicher Einmischung Nordvietnams erfolgte und stets ein weit größeres Ausmaß als diese hatte. würden sie es ablehnen. Im Grundsatz erscheint es mir völlig klar. zum Beispiel die Tatsache. findet nur wenige Divergenzen juristischer Art. uns mit militärischen Mitteln in die inneren Angelegenheiten Indochinas einzumischen. Das »oberste Gesetz des Landes« (in diesem Fall repräsentiert durch die Charta der Vereinten Nationen. Dieser Grundsatz hat sogar Gesetzeskraft. was in einer Diktatur die Gewalt ist.. also muß man sie durch Täuschung dazu bringen. wir seien in einem Spinnennetz unablässiger Täuschung gefangen und lebten in einer indoktrinierten Gesellschaft. wodurch ein Schub ausgelöst wird (. Also müssen wir dafür sorgen. sondern daß sie Anfang 1965 ihre schon länger andauernde gewaltsame Intervention in Vietnam zu einer regelrechten Invasion Südvietnams ausweiteten. Aus Chomskys Essay On the Limits of Civil Dis- obedience. Sie haben gesagt. daß die USA hier nicht etwa in kollektiver Selbstverteidigung gegen einen bewaffneten Angriff handeln.. daß wir es sind. weiterhin diese Art von kostspieliger Ankurbelung der Wirtschaft zu betreiben..) Es ist kein konservatives Programm. daß unser Militär . Reagans Programm bestand darin. denn andernfalls würde es schwierig für uns (.wie ich glaube . ganz im Gegenteil. Es gibt noch viele derartige Wahrheiten. wenn wir gleichzeitig im Welthandel . Aber er hat den Glauben an die Kraft des gemeinen Volkes.. Wer je- 18 doch hier die Argumente pro und contra genau studiert.also nicht ausschließlich. muß beweisen. sind historische Fakten. noch nicht verloren. aber um den Preis einer großen Verschwendung. die Angelegenheit sei für sein Verständnis zu esoterisch. S. juristische Fragen seien zu komplex für Laien und sollten besser den Experten überlassen bleiben.. William Van Etten Casey SJ und Philip Nobile. zwar wird die Produktion angeregt.klarmachen. Es sind genügend Dokumente verfügbar.. Die Frage nach der Legitimität der amerikanischen Intervention ist zum einen eine grundsätzliche Frage. daß durch Interventionen der Regierung die Nachfrage nach Waffen und Hochtechnologie steigt. Oder die Tatsache. für die Wahrheit einzutreten. Wer also argumentiert.) Japan ist so ein Rivale. Hrsg. 39-41 (Avon Books 1971) (siehe hier Seite 152) Das Militär der USA ist im wesentlichen ein von der Regierung garantierter Absatzmarkt für Hochtechnologieprodukte (. PBS TV. zum andern betrifft sie den Charakter des amerikanischen Krieges. Es legt fest.AUS »A WORLD OF IDEAS«. Heute abend will ich mich mit einem Mann unterhalten. Wir können nicht zulassen. daß wir in Südvietnam eingefallen sind. in der die elementarsten Wahrheiten problemlos unter den Teppich gekehrt werden können. nur weil irgend jemand befürchtet. daß wir weder das Recht noch die Fähigkeit besitzen.) Es gibt zahlreiche Dokumente. Oder die Tatsache. daß wir in einer kollektiven Selbstverteidigung Südvietnams gegen einen bewaffneten Angriff aus dem Norden agieren. Europa gleichfalls. Was wären denn zum Beispiel solche elementaren Wahrheiten? Chomsky Nun. Was zur Debatte steht. errungen trotz kräftiger (illegaler) direkter amerikanischer Einmischung. Was ist gefährlicher . enthalten in der Essaysammlung The Berrigans. aber wir machen sie uns nicht klar. insbesondere die Frage: Stehen die USA in kollektiver Selbstverteidigung gegen einen bewaffneten Angriff Nordvietnams? In dieser Sache kann sich auch der Laie ein Urteil bilden. USA (1988) Bill Moyers Guten Abend. die unbestritten und meines Erachtens schlagend belegen. In seinen Augen ist die Propaganda in einer Demokratie das.der dicke Knüppel oder die dicke Lüge? Beide sind schon von der einen oder anderen Regierung gegen das eigene Volk eingesetzt worden. Ich bin Bill Moyers... aber doch weitgehend . wie man die Entstehung der Lüge verfolgen kann.. und kein verantwortungsbewußter Bürger wird davor zurückscheuen. Nun zeigen aber die Akten eindeutig. durch den die Allgemeinheit unfreiwillig die Hochtechnologiebranche subventioniert.

wie das ausgeht (. Und natürlich steht der größte Teil der »Intellektuellengemeinde« auf die eine oder andere Weise im Dienste der Macht.deutet auf sehr tiefliegende kreative Züge im Menschen hin. höre ich dasselbe (vor allem von Alex Cockburn und Howard Zinn). einen Gelehrten. nichts irgendwie Kompliziertes . Bill Moyers Es scheint irgendwie nicht zusammenzupassen. Siehe auch Deterring Democracy S. und diese wenigen werden mit Einladungen überhäuft. sind Sie ein .12.) Wenn unsere Ingeniere an einer neuen Technik arbeiten. jedenfalls wohl mehr als man irgendwann sonst bekommen hatte... White und Elaine Smoot in National Forum. es ist ja das Pentagon-System. den sie umgebenden Betrug zu durchschauen.. die diese Wünsche erfüllen können.) Unser System hingegen arbeitet ganz anders. konkurrenzfähig sein wollen (. und diese Ressourcen fehlen dann bei den Dingen. die aber aus der öffentlichen Diskussion weitgehend ausgeschlossen bleiben. 350-353. Von Freunden. liefen nach der ersten Ausstrahlung dieses Interviews mehr Bitten um den gedruckten Text ein als bei jeder anderen der über 50 Folgen der Serie »A World of Ideas«.) Entscheidend ist. die häufig in der Öffentlichkeit auftreten. daß die Wissenschaft jedenfalls auf meinem Gebiet . daß es hier überhaupt nicht um eine militärische Bedrohung geht . an die 1000 Briefe. daß die Menschen die Fähigkeit besitzen. Noam Chomsky am 09. gab es eine Flut von Zuschauerpost. und gleichzeitig die japanischen Ingenieure an besseren Kleincomputern und ähnlichen Sachen arbeiten. Gail Pellett. die man verkaufen kann und mit denen Konsumnachfrage befriedigt werden kann (. Chomsky Ich meine aber.Bill Moyers Glauben Sie an die Vernunft der Menschen? Ich meine damit.) Das japanische System ist auf den kommerziellen Markt ausgerichtet (. Ich selbst kann nicht mal einen Bruchteil davon annehmen und bin gewöhnlich schon Jahre im voraus ausgebucht. Die «Linksintellektuellen« (oder wie man sie bezeichnen soll) sind entweder in unverständliche postmoderne Exerzitien versponnen (meiner Meinung nach überwiegend unsinnige) oder sie reden nur gegenseitig aufeinander ein. dann können Sie sich ja denken. Aus meinen eigenen Forschungen über die Sprache und die menschliche Erkenntnisfähigkeit ergibt sich als allererstes. Unglücklicherweise sind wir nur wenige. um eine Rakete 3 Millimeter näher ans Ziel zu bringen. 91 Nach Angaben der Produzentin.. Einen kommerziellen Nutzen hat es bestenfalls zufällig (. was sich meines Erachtens gerade heute besonders bemerkbar macht.. wenn man einen Mann aus dem Elfenbeinturm des MIT. so verständnisvoll über das gemeine Volk reden hört.ganz alltäglich.. nachgedruckt in Language and Politics S. die ihn vor allen anderen. Allein daß die Menschen miteinander sprechen können . was von dem immer stärker doktrinär eingezwängten ideologischen Gerüst abweicht und die Fragen aufgreift.. uns bekannten biologischen Systemen auszeichnen. Offensichtlich hungern die Menschen geradezu nach allem. So ist hier eine gähnende Lücke aufgerissen..in keiner Weise. aber sie müssen sich schon darum bemühen.. daß die einfachen Menschen über eine beachtliche Kreativität verfügen.. einen angesehenen Linguisten.gerade zu den entgegengesetzten Schlußfolgerungen führt.) Wir stekken unsere Ressourcen in die Waffenproduktion..92 in einem Brief an John Schoeffel . von denen sie sich wirklich betroffen fühlen. Aus einem Interview mit Stephen W.. wie es hieß. 19 Als mir das US-Fernsehen einmal wirklich etwas Zeit zum Reden ließ (in der Hill Moyers Show). Chomsky Aber klar glaube ich an die Cartesische Vernunft. Ich glaube.

Laura Ann Petitto Ich hätte mich ja liebend gern mit Nim unterhalten. ihre Unfähigkeit zum Hervorbringen von Sprachlauten zu umgehen . geschickt. wo man sie für Tierversuche einsetzte. Andererseits gelingt es ihnen nicht. sondern beide Sprachformen so lernten. auf die mittels Zeichensprache »eingeredet« wird. die man im Alter zwischen 6 und 24 Monaten sowohl mit verbaler als auch mit Zeichensprache konfrontierte. vor allem die. Petitto und ihre Kollegen hatten keine Ahnung davon. Oklahoma. sie blieb dreieinhalb Jahre bei ihm. wodurch Kleinstkinder eher für bestimmte Aspekte der Struktur natürlicher Sprachen empfänglich sind als für das verbale Sprechen an sich. Reporter Hier sehen Sie Nim Chimpsky. es hätte keinen Zweck. daß gehörlose Kleinstkinder. die sie an Nim gewonnen hatte. stellte Petitto die verbreiteten Hypothesen über den menschlichen Spracherwerb in Frage. um herauszufinden. Vier Jahre lang unterrichteten Petitto und andere ihn in der Zeichensprache. daß normal hörende Kinder. die bereits zu krank waren und starben. die innerhalb der Sprache verschlüsselt war. Er hat es mir aber nicht verraten. der etwas ironisch nach dem großen Linguisten Noam Chomsky benannt wurde. CBC TV. Dabei haben wir ihm jede Möglichkeit dazu gegeben. Petitto entdeckte. war sie 18. wie er die Welt sieht. ist doch das Steuerzentrum für die (zeichensprechenden) Hände in einem anderen Bereich des Gehirns lokalisiert als das Zentrum für die (verbal sprechende) Zunge. Mehr über die Arbeit von Laura Ann Petitto in Science März 1991.aber antworten die auch? »The Journal« mit Barbara Frum und Mary Lou Findley. Nim konnte zwar um Dinge bitten.etwa indem man ihnen eine Art natürlicher Zeichensprache beibringt. Petitto leitete aus dieser Unstimmigkeit die Hypothese ab. war in den siebziger Jahren die große Hoffnung der Tier-Kommunikatoren. Nach dem Auslaufen des Projekt Nim wurde Nim Chimpsky und drei seiner Brüder zu einer Primatenkolonie in Norman. und zwar zusätzlich zum Sprech- und Hörmechanismus an sich und zusätzlich zu unserer allgemeinen Fähigkeit zur kognitiven Symbolverarbeitung. mit Tieren zu kommunizieren. Barbara Frum (Moderatorin) Die Wissenschaft unternimmt ernsthafte Versuche. einem Tierrechtler in Texas. wo er den Rest seiner Erdentage verbringen sollte.eine überraschende Erkenntnis. Kürzlich hat sie eine Theorie formuliert. Laura Ann Petitto ist Associate Professor an der McGill University in Montreal. bis ihnen ein Journalist aus Norman einen Tip gab. die sowohl der Zeichensprache als auch der Wortsprache ausgesetzt waren. Das Projekt Nim wurde von der Regierung mit mehreren Millionen Dollar gefördert. derzufolge dem menschlichen Gehirn ein biologischer »Strukturerkennungsmechanismus« angeboren ist. »Warum zogen diese Kinder. doch am Ende kamen sie zu dem Schluß. Entgegen der Vereinbarung lieferte die Primatenkolonie die vier Schimpansen an das Krebsforschungsinstitut in New York. bestimmte Schlüsselfunktionen der menschlichen Sprache zu meistern. Aufgrund der Erkenntnisse. KANADA (1975) Ansager Heute abend: Wissenschaftler sprechen zu Tieren . keine Bevorzugung des Sprechens erkennen ließen.« Petittos weitere Untersuchungen konzentrierten sich darauf. . Dieses kam jedoch zu spät für Nims Brüder. durch die der Spracherwerb ausgelöst wird. nach denen im menschlichen Gehirn keine Veranlagung für Sprache existieren sollte. selbst wenn man es ihnen ermöglicht. Als sie mit Nim zusammenzog. Nim selbst fand eine neue Heimat bei Cleveland Amory. die grundlegenden Gehirnmechanismen sowie die Umweltfaktoren zu identifizieren. als ob sie zwei Sprachen parallel lernten.AUS »THE JOURNAL«. mit ihren Händen »lallen« wie normal hörende Kinder dies während des Spracherwerbs verbal tun . aber das war auch schon fast alles. daß sie nicht nach der Sprache an sich suchten. Petitto zu der Studentenzei- 20 tung McGill News. die Menschen verfügten vielleicht über etwas Besonderes. sondern nach der Struktur. Nim stellte die Wissenschaftler vor eine Herausforderung: Einerseits verfügen Schimpansen über beeindruckende kommunikative und kognitive Fähigkeiten. Weiterhin fand sie heraus. Nim. nicht die Wortsprache vor? Das läßt darauf schließen. Sofort erwirkten sie ein gerichtliches Verbot weiterer Versuche.

über das alle Benutzer der Sprache verfügen. Im Jahre 1957 veröffentlichte er Syntactic Structures und initiierte damit das. Wie Chomsky betont. für jede der rund 4000 bekannten Sprachen dieselben. Mit dem Wort »Erfahrung« wollte er ausdrücken.eine unendliche Anzahl von Sätzen hervorbringen. hat eine ungewöhnliche Karriere hinter sich. Diejenigen. Chomsky erarbeitete die formalen Gesetze einer universellen Grammatik. Jahrhunderts haben es formuliert. bemerkt Chomsky. zu sagen. seinen Sinn erfassen und auch beurteilen.« Aus »The Chomskyan Revolution« von Daniel Yergin. genetisch determinierten Grundeigenschaften zu postulieren. ob er grammatisch korrekt ist oder nicht.vielleicht sind wir müde. wir können sagen.aber jeder normale Mensch besitzt dieses gemeinsame Wissen. Dies führte ihn später zu der Auffassung. der mit Nachdruck feststellte.die des Gelehrten und die des Propagandisten . daß diese beiden Karrieren . oder David Hume. was wir denken.so würde ein Empirist sagen lernt die Sprache wie eine Gewohnheit. The New York Times Magazine. und schließlich spricht das Kind es ihnen nach. Und wenn wir sprechen. wenn es physisch und emotional gereift ist. also durch das. Die zweite hält fest.12. Die erste besagt. Es scheint.was ist das? Wie erlernen und wie benutzen wir sie? Die herkömmliche Erklärung der Sprache. was wir wollen. Chomsky nennt es »Spachkompetenz«. bevor das erste Wort über seine Lippen kommt.AUS »THIRD EAR«. daß eine Grammatik ein Grundwissen darstellt. aus denen die speziellen Regeln der lebenden und überhaupt aller natürlichen Sprachen sich abgeleitet haben. was wir wollen. »linguistische Universalelemente« oder »universelle Grammatik«. sie seien letztlich dem menschlichen Geist genetisch so einprogrammiert wie eine Maschinensprache einem Computer. Es muß zunächst sehr viel lernen und kann alle Feinheiten der Sprache erst erfassen. lächeln die Eltern. wie überhaupt allen menschlichen Wissens. daß sie geradezu einem Aberglauben gleicht. daß »alle Naturgesetze und alle körperlichen Aktivitäten uns ausnahmslos nur durch Erfahrung zugänglich« seien.einander wechselseitig befördern. Und so beginnt das Kind zu sprechen . Sprachtheoretiker und politischer Aktivist. LONDON Jonathan Steinberg (Historiker an der Universität Cambridge) Noam Chomsky. »Diese Kreativität«. Das heißt.sagen die Empiristen. Zwar können uns jederzeit Fehler unterlaufen . Ist die Nachahmung richtig. diese Systeme seien dem Menschen angeboren und gehörten zu den charakteristischen Zügen seiner biologischen Art. und wenige Beispiele aus anderen Zeiten oder Ländern. Sie gelten für alte und neue Sprachen.« In seiner Theorie geht er so weit. und 18. 3. der den Geist als ein »leeres Zimmer« bezeichnete. wurde vor 300 Jahren von den Empiristen präsentiert. »zeigt sich in dem Reichtum. was wir hören. bei einem Fehler runzeln sie die Stirn und sprechen den Satz noch einmal vor. Seine Eltern wiederholen ein Wort wieder und wieder. er nennt sie »invariante Eigenschaften«. liefern ihm relativ spärliche sprachliche »Informationen« dieser Art. daß unser Sprachgebrauch im Grunde kreativ ist. Philosophen des 17. Sprache . Natür- 21 lich ist dem Kind nicht die Beherrschung einer bestimmten Sprache angeboren. verwirrt oder in Hast . Nach Chomskys Meinung »kennt« ein Kind die Grundelemente der Sprache. daß unser gesamtes Wissen uns nur durch unsere Sinne zuwächst. etwa John Locke. dann in der Regel zusammenhängend und situationsgemäß. wir können einen noch nie zuvor gehörten Satz hören. die noch nie gesprochen wurden.1972 . sehen oder berühren. Gleich einem Kopernikus unserer Tage zeigte Chomsky eine radikal neue Sichtweise auf die Theorie der Grammatiken auf. der Komplexität und der enormen Spannweite dessen. unabhängig von den Personen oder den Umständen des Sprachgebrauchs. was viele als die Chomskysche Revolution der Linguistik bezeichnen. und doch entwickelt das Kind in kürzester Zeit beträchtliche linguistische Fähigkeiten. mit Hilfe dieser Grundstrukturen lernt es die Grammatik seiner eigenen Sprache. die ein Kind das Sprechen »lehren«. bildet sich »die Kenntnis einer Sprache aus dem Zusammenspiel von angeborenen Strukturen des Geistes mit Reifungsprozessen und in Wechselwirkung mit der Umgebung«. Hierbei wird ein weiterer Aspekt der Kreativität sichtbar: Wir können .theoretisch . und wir können denken. was man aussprechen kann. Ein Kind . Zwei Beobachtungen auf sprachlichem Gebiet liegen Chomskys Theorien zugrunde. Er hat das Gebiet der Linguistik buchstäblich umgepflügt Und gleichzeitig ist er zu einem der konsequentesten Kritiker der Machtpolitik in all ihren proteusartigen Verkleidungen geworden. Ich kenne nichts Vergleichbares in der jüngeren amerikanischen Geschichte. Chomsky wendet sich leidenschaftlich gegen diese Ansicht: »Diese empiristische Sichtweise auf das menschliche Denken ist bei uns so tief verwurzelt. RADIO BBC-3. Also: Wir haben die Freiheit. Demnach entspringt alles Wissen der Erfahrung.

logische Begründungen zu verstehen. wurde durch seine Beiträge zur Kinderpsychologie bekannt. Eine andere Möglichkeit sieht aber auch niemand (. Wir 22 müssen uns das Detailwissen erarbeiten und die Grundregeln herausfinden und natürlich dies alles mit den physischen Gehirnmechanismen verknüpfen. Das Erwachen der Intelligenz beim Kinde. FRANKREICH (1975) Aus einer Debatte zwischen Chomsky und Jean Piaget während einer mehrtägigen Veranstaltung unter Beteiligung anderer Psychologen und Philosophen Chomsky Mein Ansatz scheint mir im allgemeinen ziemlich einfach und unkompliziert zu sein . von denen jedes einzelne einen weitgehend einheitlichen Charakter besitzt. denken Kinder anders als Erwachsene und sind häufig nicht in der Lage. Aus einer schriftlichen Antwort auf Fragen von Dr. scheint mir darauf hinzudeuten. Wenn ich es richtig verstanden habe. daß die Sprachentwicklung ein Spiegelbild der sensomotorischen Fähigkeiten darstelle. Die insgesamt 24 Stunden umfassende Videoaufnahme wird an der LavalUniversität in Quebec aufbewahrt.selbst wenn man eine Reihe von »kognitiven Stadien« für möglich hielte -vor dem selbstgestellten Dilemma. Wie Piaget gezeigt hat. Es stellen sich nun zwei Fragen: 1) Trifft dies zu? 2) Wie gelangt ein Kind von einer Stufe zur nächsten? Was nun (1) angeht. Massimo Piatelli-Palmaroni (Harvard University Press 1979) Jean Piaget (1896-1980). Dies ist der organisatorischen Arbeit von Rhonda Hammer zu verdanken. Quelle: The Concise Columbia Encyclopedia. so erfolgt auch hier die Entwicklung in Wechselwirkung mit der umgebenden Welt. Erstens ist sie nicht filmisch dokumentiert und zweitens war es überhaupt keine »Debatte«.. vor allem durch seine Theorie der kognitiven und der Intelligenzentwicklung. wie sich denn die Übergänge vollziehen. und Die Entwicklung der physikalischen Mengenbegriffe beim Kinde. so ist uns kein Analogem dazu in anderen kognitiven Bereichen bekannt. die an der University of Windsor Kommunikationswissenschaft unterrichtet. darauf zu bestehen. ein Schweizer Psychologe. ist purer Dogmatismus (. abgedruckt in Language and Politics S. Er schrieb auch über die Anwendung der Dialektik und des Strukturalismus auf die Verhaltensforschung und bemühte sich um eine Synthese von Physik. 1983 . auch von mir . aber glücklicherweise auf Video aufgenommen. Unter diesem Blickwinkel ist die interessante Frage: Wie sieht der Anfangszustand aus? Das heißt. sehr zum Ärger (und unter heftigstem Widerspruch) der Konferenzteilnehmer. Demnach läuft die Entwicklung in genetisch determinierten Schritten in immer derselben Reihenfolge ab.ROYAUMONT. so scheinen die wissenschaftlichen Beobachtungen diese Annahme zu widerlegen. dieselben wie in einem anderen Bereich (etwa dem des Problemlösens). die Genfer Schule steht . Mich jedenfalls interessiert sie.) Im Hinblick auf (2) meine ich. Wie beim visuellen und bei anderen Systemen. Hrsg. Biologie. -NC Gemeint ist hier das Buch Language and Learning: The Debate Between Jean Piaget and Noam Chomsky. 384-385 Diese »Debatte« über Piaget ist irrelevant. Vielmehr hat Harvard University Press das so zusammengestückelt. Auf jeder Stufe sind also die Prinzipien. was wir wissen.) Was wir bis jetzt wissen.. dennoch und trotz allem. geht Piaget davon aus.nur um den Verkauf des Buches zu fördern. Celia Jacubowicz. die in einem bestimmten Bereich (etwa dem sprachlichen) herrschen. Ein Übergang ereignet sich entweder infolge neuer Informationen (was man bestreitet) oder aus einem inneren Reifeprozeß heraus (was man ebenfalls bestreitet). wie ist in dieser Hinsicht die Natur des Menschen beschaffen? Die Diskussion mit Piaget und anderen wurde zwar nicht gefilmt. welches also in dieser Hinsicht Analogien zu einem physischen Organ aufweist. Psychologie und Epistemologie... Wenn wir die Grundlagen des Sprechens nehmen. Natürlich muß sich niemand für diese Frage interessieren.und doch richtig. daß das Sprechen sich auf einem intern determinierten Pfad entwickelt und daß dabei interne Mechanismen des Sprachsystems ins Spiel kommen. daß die kognitive Entwicklung eine Reihe von Stadien durchläuft. Unter seinen Büchern finden sich. Ich will vielleicht mal die Tafel benutzen.

Versuch mal das nächste Wort. sondern verlegen stets das Hauptverb.. welches gerade das einfachere Muster gelernt hat. Peter Wintonick Das ist ein schwieriges Wort. der groß ist und humpelt. auch Zelig Harris. Der Theorie liegt auch ein noch mächtigeres Lexikon oder Wörterverzeichnis zugrunde.. AUS »THIRD EAR« Jonathan Steinberg (im Off) Hieraus nun erklärt sich die erstaunliche Fertigkeit. der die Handlung empfängt. ist hier?« Chomsky zufolge machen aber Kinder niemals diesen Fehler. John Horgan: »Free Radical: A Word (or Two) about Linguist Noam Chomsky«..tee Peter Wintonick . KANADA Mira Burt-Wintonick.. und zwar aufgrund von unvollkommenen und häufig sogar fehlerhaften Beispielen. unglaublich schnell lernen. bevor wir diese Erfahrung real gemacht haben. setzt man einfach das Verb vor das Subjekt: »Ist der Mann hier?« Wie steht es aber mit dem etwas komplizierteren Satz »Der Mann. erstaunliche .. liest ihrem Vater vor Mira Burt-Wintonick Hieraus nun erklärt sich ..k..ee. so schwierig sie auch sein mögen. ist diese Regel ziemlich subtil und auch schwierig als linguistische Formel oder als Computerprogramm auszudrücken. Peter Wintonick . Peter Wintonick . Chomsky jedoch bediente sich der Mathematik und der formalen Logik.i. Mira Burt-Wintonick Was weiß unser Geist. Nach Chomsky bestimmt der Eintrag eines Wortes im Lexikon nicht nur seinen Klang und seine syntaktische Rolle (Verb.. Chomsky geht sogar so weit zu behaupten. als man bisher vermutet hatte .. daß ein Kind.t. mit der Kinder die Regeln der natürlichen Sprache. wie Begriffe und Syntax ineinandergreifen..« Nach Chomsky besteht die allen Sprachen zugrundeliegende universelle Grammatik aus derartigen Prinzipien. Das hatten schon andere Linguisten getan. Präposition usw..) figuriert eine universelle Grammatik als eine Menge einfacher Prinzipien. an den Satzanfang.i. ist hier«? Man könnte ja vermuten. Du weißt doch.AUF EINEM SCHULHOF IN MONTREAL. Wie Chomsky betont. die sechsjährige Tochter von Christine Burt und Peter Wintonick.. ist in beiden Fällen dieselbe. im Englischen eben andere. sondern auch gewisse Kernelemente seiner Bedeutung.. schwierig . Und doch können Kinder sie anwenden. Mira Burt-Wintonick f. der groß und humpelt.die Wurzelbegriffe (»root concepts«) und die grammatikalischen Grundregeln . wenn er eine Sprache kennt. nicht das erste Verb. Aber die Grundlage dessen.r.. schwierig .. die .seiner Meinung nach zu komplex. das Kernwissen über die meisten Worte existiere vor aller Erfahrung. nun das erste »ist« nach vorn ziehen und sagen würde: »Ist der Mann....g.wobei die Einstellung der Schalter durch die Erfahrung vorgenommen wird.. Fertigkeit. was »schwierig« heißt? Daß etwas schwierig ist.. Um beispielsweise den Satz »Der Mann ist hier« in einen Ja-Nein-Fragesatz zu verwandeln. um vollständig gelernt zu werden. schwer .. Er vergleicht die Sprache mit einem kompliziert verdrahteten Schaltkasten .). Im Chinesischen nehmen sie bestimmte Stellungen ein. 23 In Chomskys jüngstem Modell (. wie wir eine uns zugängliche Erfahrung bereits interpretieren können... Scientific American Mai 1990 . daß die Sprache weit komplexer ist.. seine sogenannte generative Grammatik übertraf an Strenge und Spannweite alle Vorläufer. Durch den Einsatz dieses Instrumentariums konnte Chomsky zeigen.. ohne jemals explizit darüber unterrichtet worden zu sein. Mira Burt-Wintonick . So verlangt etwa das Wort »schlagen« die Angabe sowohl des Handelnden wie dessen.e. und wie kommt er an dieses Wissen? In Verfolgung dieser Frage entwickelte Chomsky ein Regelsystem zur Generierung grammatischer Sätze. Chomskys Lehrer. Er schreibt: »Der Begriff >klettern< stellt nur einen Teil davon dar. Aus David Berrebys Rezension des Buches The Linguistic Wars von Randy Allen Harris (Oxford University Press 1994) in The Sciences Jan/Feb 1994 . Nomen.. aus deren Wechselwirkung miteinander und mit den Eigenschaften von Wörtern die gesamte Komplexität der Sprache entsteht.

L. Wenn eines feststeht. Da ist es doch nur logisch. S. 26-58). Mirion (PrenticeHall 1967). Lassen Sie ein japanisches Baby in Boston aufwachsen . aber die scheinbare Variationsbreite unter ihnen ist nur oberflächlich. Diese wurde auch vielfach nachgedruckt.in Readings in the Psychology of Language. Katz (Prentice-Hall 1964) oder . dann wären wir allerdings arm dran. Otero in Noam Chomsky: Critical Assessments (Routledge 1993). Die erste Kritik der Schwachstellen der behavioristischen Psychologie findet sich in Chomskys umfangreicher Besprechung von Skinners Verbal Behavior in Language (Bd. J. S. daß unsere Sprache das Ergebnis eines automatisch ablaufenden genetischen Programms ist. dann doch dies: Die Menschen sind nicht genetisch für eine bestimmte Sprache vorprogrammiert. so etwa in The Structure of Language: Readings in the Philosophy of Language. Wenn Sie mein Kind hier in Japan erziehen.AUS »ENGLISH STREET«. J. Carlos P.mit einer lesenswerten Vorbemerkung aus Chomsky Feder . KBS TV. Fodor und J. KYOTO. Hrsg. es gibt natürlich die verschiedenen Sprachen. Gut. 35 1959. spricht es Japanisch. Jakobovits and M. Diese Rezension sollte eine erhebliche Wirkung entfalten (für manche läutete sie dem Behaviorismus das Totenglöcklein). Also drängt sich die Hypothese auf. daß alle Sprachen im wesentlichen dieselbe Grundstruktur aufweisen müssen. JAPAN Chomsky Denn falls unser Geist wirklich eine leere Schiefertafel wäre. Hrsg. 24 . A. A.es wird Bostoner Englisch sprechen. die nur von der Erfahrung beschrieben würde.

die im Denken des Menschen nicht so direkt angelegt ist. Eigentümer. Gemäß Skinners Methode sollte zwar eine Beeinflussung des gesprochenen Wortes durch direkte Bestrafung vermieden werden. im Gegensatz zur Struktur der Physik. also ein Beweis normaler Intelligenz . um durch Beförderung »verstärkt« zu werden.) Indem wir den Menschen genaue Regeln für das liefern.71 erschien. Fons Elders (Souvenir Press 1974) S.Wir Wissenschaftler müssen versuchen herauszufinden.) (. er würde dieser Leistung denselben Rang zuweisen wie etwa dem Aufstellen eines Lehrsatzes der theoretischen Physik aufgrund der einem Physiker zugänglichen Daten. Seiner Meinung nach muß nämlich »die Steuerung einer Gesamtbevölkerung an Spezialisten übertragen werden . wohingegen unsere Genies Jahrhunderte benötigt haben.. auf denen die Sprachbeherrschung sich unter bestimmten Bedingungen so entwickelt. 155). in dem — aufbauend auf einer lächerlich geringen Datenmenge . daß uns Skinner über seine Absichten völlig im Dunkeln ließe. Hrsg.) Ich denke. für die ethische und ästhetische Urteilsfähigkeit usw. So ist unser Geist nicht gestaltet. Aus den Grundlagen der Skinnerschen »Wissenschaft« erfahren wir nichts darüber. was sie sagen müssen.. von dem abhängt. Knopf 1971). Konzernmanagern. welche Art von Sprache es erlernen kann. für Erkenntnis. die sich mit den Erfahrungen verknüpft. Da nun aber unser hypothetischer Marsbewohner feststellen würde. werden hoffen. Unser Gehirn ist nicht so konstruiert. komplexe. Therapeuten usw. Es macht einige Erfahrungen und kennt dann sehr rasch die Sprache. daß die Struktur des mit der Sprache erworbenen Wissens eine innere Eigenschaft des menschlichen Geistes sein muß. die genau das äußern. Technokraten oder Zentralkomitees. er müßte darin einen ungeheuren Erfindungs. die wir dann nur noch niederschreiben müssen. 74 u. Lehrer.und Interpretationsmechanismen. Ich bin sicher. daß daraus beim Betrachten der Erscheinungen in der Welt um uns herum die theoretische Physik hervorquillt. einer erweiterten Fassung von Chomskys Besprechung von B. Dies ist nun ein völlig normaler Vorgang. Chomsky Reader S.. machen wir sogar »die Welt sicherer« und dienen so dem Ziel der behavioristischen Technik (Beyond Freedom and Dignity S. 25 Denken wir noch einmal an das Menschenkind: In seinem Kopf beherbergt es irgendeinen Mechanismus.12. was genau diese Grundlagen sind. Aus Reflexive Water: The Basic Concerns of Mankind. F. daß dies nicht zutrifft.dieses riesige.und Verhaltenswissenschaften vollziehen (. was die Kulturbestimmer für angebracht halten (. 155 .so würde dieser Marsmensch den rationalen Schluß ziehen. daß dies auch für andere Aspekte der menschlichen Intelligenz gilt. 81).. wie es geschieht. Sollte einmal ein Marsbewohner diesen Prozeß verfolgen. dann sind sie auch ein geeignetes Ziel für eine »Verhaltensformung« seitens staatlicher Autoritäten.also an Polizisten. Skinners Beyond Freedom and Dignity (Alfred A. Alle. ausgeklügelte Wissenssystem erworben wird. die kulturelle Potenz und das Teilhaben an einer freien Gemeinschaft bieten (. die sich noch einen Rest von Vertrauen in die Menschheit bewahrt haben. die den Entwicklungsrahmen für die Intelligenz. wenn wir einen einschneidenden und radikalen Bruch mit einem Großteil unserer heutigen Sozial. die ursprünglich in The New York Review of Books vom 30.« (Beyond Freedom and Dignity S. Aus »Psychology and Ideology«. wie sich eine Kultur aufbaut (wir erfahren dort ohnehin so gut wie nichts) . 154. nebst den entsprechenden Durchsetzungsinstrumenten und Gesetzestafeln.womit nicht gesagt sein soll. sie werden diejenigen dem Menschen innewohnenden Züge zu bestimmen suchen.. das ethische Bewußtsein. daß man beispielsweise die guten Jobs für diejenigen reserviert. und alle auf dieselbe problemlose Weise. daß jedes normale Kind diesen schöpferischen Akt meistert.und ist doch eine äußerst kreative Handlung.. ein besseres Verständnis dieser Dinge können wir nur erreichen. Priester... ohne innere geistige Strukturen und ohne angeborene kulturelle oder soziale Bedürfnisse. es darf aber ohne weiteres dadurch beeinflußt werden. Falls die Menschen wirklich unbeschränkt formbare plastische Wesen sind. um den kreativen Schritt von der Beobachtung zur wissenschaftlichen Theorie zu tun .und Schöpfungsakt erblicken. Ich bin übrigens sicher.) Nehmen wir die Redefreiheit.

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die Soziologie und Philosophie.) Howard Lesnik Damit ein Satz. er hat den Anstoß für Gedichte. daß ihre Anordnung den Regeln der Syntax gehorcht. Howard Lesnik Dies ist ein hochinteressanter Satz . einer Reihe von einstündigen Filmen über »The menschliche Sprache: Was sie ist und wie sie funktioniert« Die Struktur eines Satzes wird nicht nur davon bestimmt.zeigt er doch. »Colorless green ideas sleep furiously. und hört sich doch an wie ein englischer Satz. ob er eine Bedeutung hat oder nicht. scheint es nicht besonders darauf anzukommen. strukturell gesehen..« Scheinbar ohne Sinn und Zusammenhang. sondern nur darauf. Chomsky Chomsky Und so ist aus einem einzigen linguistischen Beispiel.AUS «THIRD EAR» Jonathan Steinberg Die Auswirkungen dieser Lehren sind wie eine Flutwelle über die Psychologie. ein englischer Satz ist. Aus The Human Language. Liest man ihn rückwärts furiously sleep ideas green colorless . Debatten usw.. daß die Struktur eines Satzes nicht nur davon bestimmt wird. nämlich dem Satz »Colorless green ideas sleep furiously« fast eine Industrie hervorgegangen.dann klingt es überhaupt nicht englisch. was die Worte bedeuten oder ob sie zusammen einen Sinn ergeben. die Erziehungswissenschaften. über die Literaturkritik und die Logik hinweggefegt. daß sich Syntax und Semantik. geliefert. 27 . ob er eine Bedeutung hat oder nicht (. daß sich Form und Bedeutung voneinander trennen lassen. Musik. und daran sehen wir. Ja.

Professor Chomsky. 269 28 Chomsky Sie sollten nicht darauf achten. wenn es mir gelänge. Ich habe keine professionelle Ausbildung in der Linguistik. weil ich kein ausgebildeter Linguist sei . NIEDERLANDE (1971) Chomsky Ich wäre auch sehr froh. Allenfalls lassen sich einige schwache Berührungspunkte finden. gerade auch positiven. intellektuell befriedigende Verbindungen zu entdecken. diesen Zusammenhang habe ich immer . ob ich etwas als Linguist sage oder in einer anderen Eigenschaft. was erwidern Sie Ihren Kritikern. was ich . es muß noch was anderes dahinterstecken. Ich werde Ihnen diese Frage jetzt nicht stellen. David Barsamian Student Sie werden bei Vorträgen und Interviews immer wieder gebeten. zwischen meinen eigenen anarchistischen Überzeugungen auf der einen Seite und andererseits dem. und anwenden kann ich dieses Wort erst recht nicht.was sogar stimmt.jedenfalls sieht es so aus. Aus einer öffentlichen Diskussion im Anschluß an eine Podiumsdiskussion an der Universität von Wyoming . was »dekonstruieren« bedeutet. was für eine phantastische Propagandaanalyse. von linken Aktivisten. Aber der ist doch inzwischen out . Sie sollten sich fragen. ob es sinnvoll ist. Es gibt wohl zwei Gründe dafür. man könne nicht einfach nur ein Mensch sein wollen. Sie könnten mich ebensogut als Linguisten anzweifeln. überzeugende Querverbindungen zwischen diesen beiden Bereichen herauszufinden. man könne über eine Sache nur reden. Chronicles of Dissent S. So kommt es zu zahlreichen Rezensionen. Es ist schon eine merkwürdige Frage. Denn das ist eine naturwissenschaftliche Hochschule. Ich habe keine offiziellen Examina durchlaufen. weil man Völkermord ablehnt. Mich interessiert eher. wie er da mittels der Linguistik die Ideologie dekonstruiert. wenn man ein Experte dafür ist. Ich weiß nicht mal. Ich habe wirklich eine sehr ungewöhnliche Laufbahn hinter mir. ob ich recht oder unrecht hatte. müsse man erst die entsprechenden Vorbedingungen erfüllen. Aber ich schaffe es einfach nicht. die Ihre Sozialkritik in Frage stellen. Das ist gar nicht so witzig.wie ich glaube . Was auf dem Diplom steht. eine Brücke von Ihrer Linguistik zu Ihrer Politik zu schlagen. also um die Wahrheit zu sagen. Ich habe keine ordentliche Fachausbildung genossen. Und dann wird unterstellt. dort kam es nur darauf an. und um einer sein zu dürfen. ich habe nicht die üblichen Vorlesungen besucht.über das Wesen der menschlichen Intelligenz aufzeigen oder zumindest erahnen kann. an einer normalen Universität wäre ich nie angekommen. Deshalb lehre ich ja am MIT.. oder so ähnlich. ich hab' da eigentlich nie einen besonderen Zusammenhang gesehen. interessiert die Leute dort nicht. Dem MIT war das egal.. weil Sie ja ein Linguist sind? Chomsky Das ist eine interessante Frage. NOS TV. Als ob es einen Beruf »Gesellschaftskritiker« gäbe.VERLAG »SERPENT'S TAIL« LONDON Chomsky wird von Mitarbeitern der Zeitschrift Radical Philosophy interviewt Jonathan Rée In den fünfziger und sechziger Jahren bestand die Brücke von Ihrer theoretischen zu Ihrer politischen Arbeit wohl im Angriff auf den Behaviorismus. Und doch sind meine Arbeiten überall verbreitet. die ein Buch von mir mit den Worten kommentieren: Herrgott. warum diese Frage jedesmal kommt. Der eine beruht auf der Annahme. Man kann sich nicht bloß deshalb bei einem Völkermord engagieren. Wo ist denn nun der Zusammenhang zwischen Linguistik und Politik bei Ihnen geblieben? Chomsky Hm.

Aus einem Interview mit der New Left Review. wie ich glaube. bedarf seiner Meinung nach der noch relativ junge »demokratische« Staat eines sublimierten. S.. aufgrund des technischen Fortschritts müßten wir die Herrschaft über die Institutionen zwangsläufig einer kleinen Managergruppe übertragen. Und ein derartiges System ist meiner Meinung nach die richtige Organisationsform für eine technisch fortgeschrittene Gesellschaft..) Natürlich wird diese Technik in Wirklichkeit nicht hierfür eingesetzt. daß der Drang nach schöpferischem Arbeiten oder schöpferischem Forschen. Hrsg. Ich frage mich.. Alle könnten über weitaus mehr relevante Informationen als bisher verfügen. Ich habe nun ein Problem . daß eine anständige Gesellschaft diesem menschlichen Grundzug ein Maximum an Betätigungsmöglichkeiten eröffnen müßte. dezentrales System freier Assoziationen einschließlich ökonomischer und gesellschaftlicher Institutionen. überhaupt nach schöpferischer Freiheit ohne die einschränkende Willkür institutioneller Zwänge.Michel Foucault Kreativität ist nur innerhalb eines RegelSystems möglich. 193-194 . im Klassenkampf usw. Irrenanstalt und Krankenhaus. Im Gegensatz zum monarchischen Staat. mit welcher der moderne Staat die gesamte Gesellschaft beherrscht. ob sich dieses einschränkende Regelsystem. nicht vielmehr außerhalb des menschlichen Geistes finden ließe. das eine Wissenschaft erst ermöglicht. in der gegenwärtigen Epoche bietet unser technisches Niveau uns enorme Möglichkeiten zur Abschaffung repressiver Institutionen (. dann folgt daraus selbstverständlich. der seine Untertanen mit brutaler Gewalt kontrolliert. James McGillivray Siehe auch Reflexive Water: The Basic Concerns of Mankind. in gesellschaftlichen Strukturen. Unter dem Anarchosyndikalismus verstehe ich ein föderiertes. Das ist völliger Blödsinn. Ich glaube. sondern für destruktive Ziele.. Die Automatisierung kann zu allererst mal die Menschen von einem Berg stupider Arbeit entlasten und ihnen so die Freiheit für anderes verschaffen. 29 Der französische Philosoph Michel Foucault (1926-1984) erforschte mit einem »genealogischen« und »archäologischen« Ansatz die Geschichte der Sexualität sowie die Institutionen Gefängnis. 147.) Man hört oft die Meinung. Fons Elders (Souvenir Press 1974) S. In den im Zuge der »Aufklärung« entstandenen neuen Wissenschaften und Institutionen erblickte er den Wissensaspekt der Macht und in der modernen Gefängnisaufsicht vermittels des »Panopticon« die gleiche Technik. Computer ermöglichen einen extrem schnellen Informationsfluß. in der die Menschen nicht in die Rolle von Werkzeugen oder von Rädchen im Getriebe gepreßt werden müssen. Chomsky Wenn es. um diese Aufgabe zu erfüllen.wenn er diese Beschränkungen irgendwo im Geist oder in der Natur des Menschen verortet.und da stimme ich mit. Demokratische Entscheidungen könnten unmittelbar von allen Betroffenen herbeigeführt werden (. zutrifft. Chomsky nicht ganz überein . abgedruckt in Language and Politics. ein grundlegendes Element der menschlichen Natur ist. in Produktionsbedingungen. verinnerlichten Zwangs.

die . ich glaube. wenn wir darüber eine etwas abstraktere philosophische Aufgabe beiseiteschieben würden.. Ja. dann wäre es natürlich absurd. daß hinter der Regierung oder dem Staatsapparat eine herrschende Klasse steht.Chomsky (. liegt darin.und schon garnicht konkretisieren . Wenn man diese Stützpunkte der Klassenmacht nicht erkennt. und das gilt wohl auch für alle anderen. über die ich gerade sprach. die nur scheinbar neutral und unabhängig sind sie derart zu kritisieren und anzugreifen. sie fortdauern zu lassen. Das schließt 30 natürlich auch die von Ihnen erwähnten Institutionen ein und ebenso die zentralen Institutionen jeder Industriegesellschaft.und Finanzinstitutionen und seit neuestem vor allem die großen multinationalen Konzerne. da stimme ich sofort zu. in der diese Grundzüge sich entfalten und in der die Menschen ein sinnerfülltes Leben führen können. Dieser Zustand kann und muß überwunden werden.) In einer Gesellschaft wie der unsrigen sehe ich die eigentliche politische Aufgabe darin. ganz gleich was sie sagen.wenn Sie wollen . daß die politische Gewalt. die weder in sich gespalten noch hierarchisch in Klassen gegliedert ist. durch eine Gesellschaft der Freiheit und des freien Zusammenschlusses. Diese Herrschaft ist nicht einfach nur der politische Ausdruck der ökonomischen Ausbeutung . also die Wirtschafts-. Die eine. muß in jedem Fall auf diesem Feld liegen. dann läuft man Gefahr.. des Zwangs und der autokratischen Herrschaft. wir leben unter einer Klassendiktatur. Unterdrückung. Die andere besteht darin. wir leben in einer Demokratie des Marktes. die sich in ihnen seit jeher im Verborgenen betätigt hat. die Orte und Formen der Herrschaftsausübung identifizieren. eine . das wir anstreben. man könne unsere Gesellschaft überhaupt als demokratisch bezeichnen? Michel Foucault Nein.) Zugegeben. Vielleicht genügt es nicht. und sie sind nicht neutral. nämlich einen Zusammenhang zwischen einem Menschenbild der Freiheit. Das eine läßt sich nur beseitigen.. Und wenn wir dann wirklich an eine soziale Transformation oder Umwälzung denken. die sich unter Einsatz von Gewalt durchsetzt. nicht nur in der Theorie. also in der Macht einer Klasse. Wenn man unter Demokratie die tatsächliche Ausübung der Macht durch eine Bevölkerung versteht. kaum bekannte Stützpunkte. sich auf vielfache Weise verwirklichen können (. und wirkliche Ausdauer und Härte beweist sie vielleicht gerade dort. und dann kann es uns passieren. Es ist doch überdeutlich. Genau diese Fakten müssen wir also verstehen . Und doch wäre es jammerschade. die in einer egalitären Gesellschaft aus der Herrschaft über die Kräfte des Marktes resultiert. Handels.humanistische Gesellschaftstheorie. Würde und Kreativität und anderen menschlichen Grundzügen herzustellen sowie diesen mit dem Modell einer Gesellschaftsstruktur in Beziehung zu setzen. Das ist also die eine Aufgabe. das muß man aber im Licht ihrer autokratischen Macht sehen. Terror und Zerstörung in unserer eigenen Gesellschaft verstehen zu lernen. Zunächst deswegen.wie ein ideales Funktionsmodell unserer wissenschaftlich-technischen Gesellschaft aussehen soll (. weil die politische Macht viel weiter reicht als man allgemein vermutet. Dies sind im Grunde die Institutionen der Unterdrückung. sondern auch in der Praxis. wenn wir das Ziel. daß man unsere Gesellschaft als demokratisch ansehen kann (lacht). aber über die Richtung. im einzelnen darstellen wollten.) Es besteht keine gesellschaftliche Notwendigkeit mehr dazu. dann sind wir klarerweise noch weit von der Demokratie entfernt. das Wirken von Institutionen zu kritisieren. Diese Kritik und dieser Kampf sind für mich von zentraler Bedeutung.. einfach festzustellen. Chomsky Ja. unser politisches Engagement. wo man es nicht erwartet hätte. Es gibt Zentren.sie ist das Instrument und weitgehend auch die Vorbedingung dafür. aber meine eigenen Aktivitäten liegen jedenfalls dort. Und dann kann man sie bekämpfen. glauben Sie dann. ich kann nicht definieren . man muß vielmehr die Ansatzpunkte. wenn Sie diese Worte von Herrn Chomsky hören. denen wir übrigens in diesem Moment gerade sehr nahe sind [gemeint ist der Philips-Konzern in Eindhoven]. die Vision einer kommenden gerechten Gesellschaft zu erschaffen. der meiner Meinung nach in der menschlichen Natur angelegt ist.. ich glaube nicht im geringsten. und dort wird der Schöpferdrang. daß sich diese Klassenmacht auch nach einem scheinbar revolutionären Vorgang von neuem etabliert. und dazu gehört auch die spezielle Form der autokratischen Kontrolle. Gut. und dafür gibt es mehrere Gründe. Insoweit kann von einer Demokratie bei uns keine Rede sein (.. in das wir den Hauptteil unserer Energie investieren. aber es gibt auch unsichtbare. mögen sich diese Gewaltinstrumente auch in Verfassungen und Institutionen verkörpern. ganz klar den Charakter von Macht. ihre Tarnkappe einbüßt. Ich möchte hier garnicht persönlich werden.. Menschen im Produktionsprozeß als mechanische Glieder zu behandeln.) Fan Elders (Moderator) Herr Foucault. Es gibt also zwei intellektuelle Aufgaben. wir müssen sie bekämpfen. indem das andere vollständig aufgedeckt wird..mehr noch. die möglichst in einem tragfähigen und humanistischen Begriff vom Wesen oder von der Natur des Menschen gründet.

zu wissen. Elders Zwei Minuten [Foucault lacht] Foucault Also ich muß sagen. Foucault Hab' ich Zeit für eine Antwort? Reflexive Water: The Basic Concerns of Mankind. daß sie Klassenunterdrückungssysteme und andere Unterdrückungselemente enthalten.. Chomsky (. ja die erdrückende Wahrscheinlichkeit offen zu sein. Anstand..nur unter Rückgriff auf unsere Gesellschaftsordnung.) Foucault (. in mancher Hinsicht weit daneben zu liegen (. über dieses Problem der menschlichen Natur . Wir müssen also die Kühnheit besitzen.) Ich will hier mal etwas den Nietzsche- Chomsky Hier möchte ich nun wirklich widersprechen. Freundschaft und Sympathie inne.. in die Irre geführt zu werden? (...also wenn Sie jetzt zu sehr nachbohren würden. und hierin gründet auch der »wahre« Gerechtigkeitsbegriff. zu spekulieren und Gesellschaftstheorien auf bruchstückhaftes Wissen zu bauen und gleichzeitig für die Möglichkeit. Meiner Meinung nach gibt es so etwas wie ein absolutes Fundament .) Das sagten Sie doch wohl. das ist jetzt ungerecht [ allgemeines Gelächter].. und das erfahren wir vielleicht aus einer solchen Theorie. und diese halte ich für real (. Foucault Ja. Und doch ist es von entscheidender Bedeutung.. aner spielen. Auch wenn Sie anderer Meinung sind. von der innersten Selbstverwirklichung der Menschen .liegen wir nicht im Streit. Hrsg. Vielmehr entstanden die Meinungsverschiedenheiten bei der Diskussion der Probleme von Menschenbild und Politik. ob wir uns in einer klassenlosen Gesellschaft noch dieses Gerechtigkeitsbegriffs bedienen würden. Chomsky Ganz klar.) Foucault Wieviel? Denn . 31 .. wertvollen Vorstellungen von Gerechtigkeit. Besteht hier nicht die Gefahr. Genau das ist der Punkt. ist zum Teil gesellschaftlich bedingt. Foucault Foucault Doch wenn man so vorgeht.. ist durch unsere charakterlichen Schwächen und durch die Schranken unserer Geisteskultur beeinträchtigt. Aber ich meine jedenfalls. Ich halte es für voreilig. zu glauben.. auf unsere Zivilisation. in dieser kurzen Zeit will ich nicht anworten.. es gibt eine bestimmte Natur des Menschen. kann man nur schwer sagen. der im Prinzip die Fundamente unserer Gesellschaft umstürzen muß.. Da bin ich anderer Meinung.auf die Theorie reduziert . all unsere Rechtssysteme als bloße Systeme der Klassenunterdrückung zu charakterisieren. daß all diese Begriffe von menschlicher Natur.. aber lauert hier nicht eine Gefahr? Sie sagen doch.) Und ich bin auch nicht sicher. Für diese Extrapolation kann ich einfach keine historische Rechtfertigung sehen. 170-187 Elders Ja.. Chomsky Absolut richtig. welche unerreichbaren Ziele wir dadurch verfolgen.daß sie alle im Rahmen unserer Zivilisation aufgestellt wurden. niemand kann mich daran hindern. sich zu entfalten (. denn beschreiben kann ich es nicht . und dieser werden von der heutigen Gesellschaftsordnung das Recht und die Möglichkeit verweigert.wir einschlagen..die gleichzeitig ideal und real ist und die bislang unterdrückt und verborgen war . auf unsere Kultur zu definieren? (. schon die Idee der Gerechtigkeit ist in Wirklichkeit eine erfundene und wurde in den verschiedenen Gesellschaftsformen als Instrument einer bestimmten politischen und ökonomischen Macht eingesetzt. sollten wir doch einiges wissen. Liebe. riskiert man dann nicht. Fons Elders (Souvenir Press 1974) S.. Foucault Nein. von Gerechtigkeit.das im letzten aus grundlegenden Eigenschaften des Menschen besteht. der Begriff der Gerechtigkeit an sich dient in einer Klassengesellschaft der unterdrückten Klasse als Anspruch und als Begründung für eben diese. Ich denke also. käme ich in Schwierigkeiten. Ich möchte nur sagen. Chomsky Chomsky Ja. nach der Art unseres Wissens und unserer Philosophie. daß wir einige der erreichbaren anstreben. Zwar glaube auch ich. aber ihnen wohnt auch ein tastendes Suchen nach wahrhaft menschlichen. und daß sie demzufolge einen Bestandteil unseres Klassensystems darstellen.) Sicherlich ist unser Menschenbild begrenzt. oder auch als Walle gegen diese Macht. diese Natur des Menschen . Und so bedauerlich das auch sein mag: Man kann nicht mit diesen Begriffen einen Kampf beschreiben oder rechtfertigen.) Wie die Natur des Menschen beschaffen ist.

obwohl wir doch ihre Geldmittel annehmen. 747 32 Eine andere Frage ist. unter ihnen Michael Albert. daß dies die genaue Gegenposition zur Theorie der Demokratie ist. Language and Politics S. durch die er sich äußerst unbeliebt gemacht hat. Mir fällt ein Buch ein von Norman Podhoretz. wie ich das MIT ertragen kann. praktisch ein faschistisches Staatsverständnis. euch dieser Gemeinschaft aus technischer Intelligenz. einem rechtsstehenden Publizisten. S.AUS »THIRD EAR« Jonathan Steinberg Seit den sechziger Jahren vertritt Noam Chomsky eine ausgeprägt rationalistische und libertäre Richtung des Sozialismus. derzufolge wir die Herren sind und der Staat unser Diener ist. Die Verführung ist wirklich sehr stark. kritisiert er ihn. der Herausgeber des Z Magazine Chomsky Unter den liberal-progressiven Regierungen der sechziger Jahre war es der Club der akademischen Intelligenz. Man muß festhalten. jeder Radikale solle sich von repressiven Institutionen fernhalten — eine Logik. 195 .) Aus einem Interview mit David Barsamian. und sollte er mal nett zu dir sein und dir etwas zukommen lassen. Seine Kritik. wo alle Schätze aufgehäuft lagen. weil wir gegen die Regierung arbeiten. Reflexive Water: The Basic Concerns of Mankind. Hierin spiegelt sich ein äußerst aufschlußreiches Bild vom Staat. Wo immer er den Mißbrauch der Macht entdeckt. Denn euch allen steht es natürlich frei. Karl Marx tat völlig recht daran. Dieses Prinzip liegt dem zugrunde. daß er die Hilfsmittel. der uns etwas zukommenläßt. richtete sich ebenso gegen die amerikanische Politik. Nicht der Staat ist es. andernfalls bist du undankbar. du bist sein Sklave. Aufstandsbekämpfungs-Experten und anderen praktischen Planern des amerikanischen Weltreichs anzuschließen. daß wir häufig dazu neigen. denke ich. der Staat ist nur ein Instrument. der den Krieg in Vietnam und andere. sondern das Volk. dort zu arbeiten. Waffenkonstrukteuren. AUS »MIT PROGRESSIONS« (1969) Chomsky spricht auf den Stufen des MIT in Cambridge (USA) zu einer Gruppe von Studenten. Nach dieser Logik hätte Karl Marx seine Studien nicht im Britischen Museum betreiben dürfen. dort. Diese spezielle Gemeinschaft sollten wir gerade hier im MIT ins Auge fassen. Der Staat bestimmt also über dich. dieser Gemeinschaft beizutreten . die das Weltreich seinen Kolonien entrissen hatte. allerdings kleinere Aktionen plante und in die Tat umsetzte. die ich noch nie verstanden habe.. Es war richtig. Ich meine. Aber dieses eigentliche Demokratieverständnis ist so weit von unseren Vorstellungen entfernt. Der Staat ist euer Herr und Meister. Und das gilt auch in diesem Fall.ja. Darin beschuldigt er uns Akademiker innerhalb der Friedensbewegung der Undankbarkeit. dann mußt du aber auch nett zu ihm sein. in diesem Symbol des bösartigsten Imperialismus auf der Welt. ihr werdet geradezu dazu gedrängt und eingeladen. gegen die Unterwürfigkeit der Intellektuellen und gegen die Fehlentwicklungen im Zionismus wie gegen die Verzerrungen in den Medien und die Selbsttäuschungen in den herrschenden Ideologien. überhaupt die liberalen Werte derselben Zivilisation.. Manche behaupten. dann müßt ihr auch nett zu ihm ein. die er zu überwinden trachtete. auf solche faschistischen Ideen hereinzufallen (. und wenn der Staat etwas für euch tut. gegen diese nutzte. heißt es. Es existiert ein starker Anreiz.

immer noch da sind) Mein Gott. Ich will zum Beispiel nicht sagen. die hier während des zweiten Weltkriegs . die Scheinwerfer usw. MASSACHUSETTS. daß die Herrschaftsformen. die sind ja immer noch mit ihren Kameras . wir sollten nach Erscheinungsformen der Herrschaft und der Autorität suchen und dann deren Legitimität hinterfragen. bemerkt. Ich denke. Es gibt auch einige andere Arten [von Zwängen].BÜRO IM MIT. USA Chomsky Jamie. also wir hatten doch im Grunde ein totalitäres System.. In Ihrem Essay Language and Freedom schreiben Sie: »Jede gesellschaftliche Handlung muß von einer Vision der zukünftigen Gesellschaft beflügelt werden. daß das Filmteam. etwa wenn es ums Überleben geht. das geht in Ordnung. Zum Bei- Hierdurch würde ein Angriff auf die Grundstruktur des Staatskapitalismus geführt. (zu einem wartenden Studenten) Komme sofort. (betritt das Büro.« Ich habe mich gefragt: Welche Vision der zukünftigen Gesellschaft beflügelt denn Sie? Chomsky Nun. und unter Kriegsbedingungen hielt ich das schon zu einem gewissen Grade für gerechtfertigt. das hier ist mit der Post gekommen.. 33 . wie eine Gesellschaft der Zukunft aussehen sollte. David Barsamian (Chef einer unabhängigen Radiostation) OK? Dann wollen wir anfangen.. Sicher.. Ganz allgemein gesprochen denke ich. ich habe das auch veröffentlicht. ich habe meine eigenen Vorstellungen davon. Das wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. CAMBRIDGE. manchmal sind sie legitim.

spiel die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern .und Herrschaftsformen zu identifizieren. der Hochschulen oder der sonstigen Organisationen . oder man wird sie gar nicht gewahr. Ich denke. daß die Menschen nur unter Zwang arbeiten dürfen anstatt aus eigenem Antrieb und daß sie den Arbeitsprozeß nicht bestimmen können. auch andere Hierarchie. die Personalräte der Betriebe. aber sie kann geschaffen werden. Ich denke. Das ist ganz realistisch. es muß wieder zum Leben erweckt werden. und die bildet gerade den Kern des Herrschaftssystems: Das ist die private Verfügungsgewalt über die Ressourcen. Das wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. was wir heute erblicken. Anderes von der Bürgerrechtsbewegung. das geht in Ordnung. vor allem in einer industriell fortgeschrittenen Gesellschaft.B. Aber das ist alles vergessen. Also versucht man. usw. oder den Staatsbürokratismus à la Sowjetunion mit einer bürokratisch-militärischen Managerelite. Die Revolutionen des 18. selbst in den klassischen liberalen Werken und später dann zumindest in den libertären Flügeln der sozialistischen und der anarchistischen Bewegung. das geht in Ordnung.und Autoritätsformen müssen abge- 34 schafft werden. Wir: Das meint die Wohngemeinden. dies müßte aber geschehen. der sich zuweilen rechtfertigen läßt. was man darunter und unter den Grundsätzen der menschlichen Natur verstehen möchte. Und die meisten sind überhaupt nicht zu rechtfertigen. Das wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Jahrhundert geäußert. Die kulturelle Basis dafür ist noch sein begrenzt. heutzutage das Wichtigste? Einiges wird ja schon angegangen . andere wiederum nicht. in der es immer mehr Freiheit und Gerechtigkeit gibt. Schön. Aber jede Art von Zwang und Kontrolle bedarf eben der Rechtfertigung. Dieses System bricht nun zum Glück gerade zusammen. und denen sollten wir uns stellen. Viele Gedanken wurden schon im 18. diejenigen Autoritäts. Bisher gab es entweder den Staatskapitalismus. die ganz totalitär von oben herab die Wirtschaft kontrolliert. die Betriebe. die verändert werden können. davon. Hier liegt der Kern des klassischen Liberalismus. Dieses Bild zeigt allerdings nur einen Teil der Zukunftsgesellschaft. Hier geht es um äußerst aktuelle Fragen. wenn es dazu kommt. Ein Bild der zukünftigen Gesellschaft. Hierdurch würde ein Angriff auf die Grundstruktur des Staatskapitalismus geführt. in der sich dieser Prozeß fortsetzt. In der Geschichte der menschlichen Zivilisation ist es zu manchen Zeiten möglich gewesen. wünsche ich mir für die Zukunft eine Gesellschaft. immer weniger Fremdbestimmung und immer mehr Mitwirkung aller. die keine Legitimation besitzen. läßt sich immer zeichnen. Jahrhunderts sind noch nicht vollendet. die die Dinge innerhalb eines weiteren Rahmens integrieren. die daraus entsteht. Hierdurch würde ein Angriff auf die Grundstruktur des Staatskapitalismus geführt. Diese Vorstellungen sind sämtlich umsetzbar. die häufig sogar den fundamentalen Menschenrechten entgegenstehen oder jedenfalls dem. Wir müssen nicht einmal besonders neuartige Ideen dazu entwickeln. einige Zwänge in Frage zu stellen.etwa von der feministischen Bewegung. bestimmen. Und was ist z. daß wir über die Produktion. Unter diesem Blickwinkel sieht die Vision der künftigen Gesellschaft so aus. wie wir ihn ja gut kennen. Schon die Texte des klassischen Liberalismus sprechen von der Lohnsklaverei. Aber eine ganz wichtige Sache nimmt niemand ernsthaft ins Visier.föderative Strukturen. Die letzteren sind vielleicht zu tief verwurzelt.die erfordern auch einen gewissen Druck. die Investitionsentscheidungen usw. Fortsetzung dieses Interviews rechts Ausgehend von dem. . Unser eigenes System wird derzeit von innen heraus nicht infragegestellt.

Wie wir dort Zutritt erhielten. Damit kommt zum Ausdruck.»Journalism« wurde als Teil der Serie »Your Life Work« von Vocational Guidance Films Inc. daß keine einzige Phase der Regierungstätigkeit dem scharfen Auge der Presse entgeht. Im Ersten Verfassungszusatz heißt es. »Democracy's Diary« entstand im Auftrag der New York Times. Unsere Reporter werden auf Sachen angesetzt. wie es überhaupt dort h i n k o m m t .dahinter verbirgt sich eine der wichtigsten Seiten des Journalismus. 85 AUS »DEMOCRACY'S DIARY« (1948) Sprecher Nirgendwo sonst sind die Menschen so abhängig vom gedruckten Wort. Zwar kommt unser tägliches Morgenblatt unauffällig daher. Im Innenbereich der New York Times wurden bisher nur ganz wenige Filme gedreht. Wir konnten unseren Zuschauern einige seltene Einblicke in die Festung New York Times verschaffen. der Oberste Bundesrichter Powell im Sinn. B. Nichts bleibt dem amerikanischen Zeitungsleser lange verborgen. Doch mit diesen 26 magischen Symbolen werden Tag für Tag Millionen von Wörtern geschrieben. die von schicksalhafter Bedeutung für manchmal alle Länder sind. Bei öffentlichen Führungen sind Kameras verboten. Medien und Gedanken herrschen muß . daß in einer Demokratie freier Zugang zu Informationen. die Medien seien unverzichtbar dafür. AUS »DEMOCRACY'S DIARY« (1948) Eine gesunde Demokratie ist darauf angewiesen. daß der Kongreß 35 . um an Informationen zu gelangen. Die American Archives of the Factual Film haben hunderte solcher Filme gesammelt AUS „JOURNALISM« (1940) Sprecher Das Alphabet hat nur 26 Buchstaben.das gilt für das gesamte Geistesleben. daß die Medien die Politik wirksam kontrollieren kann. Sie hatte z. GEORGETOWN UNIVERSITY. USA Chomsky Zur Rolle der Medien in der Demokratie gibt es eine Lehrmeinung. denn man trifft dort bei der Zulassung von Filmteams anscheinend eine besonders strenge Auswahl. aber bis es auf der Türschwelle liegt. hergestellt. als er feststellte. steht auf S.

Sie führt auf die Ursprünge der modernen Demokratie zurück. UNIVERSITY OF WYOMING. Jahrhundert damit gedroht hatten. stellen wir mit Erstaunen . sich unter ein bürgerliches Regiment zu beugen. hinter denen andere Teile der Eliten standen. Dies führte dazu. oder »Wahren« Levellers.eine komplizierte Sache war. Und der Oberste Amtsinhaber öffnet persönlich die Türen des Weißen Hauses für die Journalisten.. 357 In Zuge der Englischen Revolution [des 17. beklagt sich im Jahre 1661 der Historiker Clement Walker: Sie haben alle Mysterien und Geheimnisse der Regierung (. Agitators and Diggers of the English Revolution von Fenner Brockway (Quartet Books 1980) S. die sich Levellers nannten. und den Royalisten. daß diese nie mehr die Demut zeigen werden. ix-x 36 .und im Schulwesen.. Ein zeitgenössischer Historiker hat sich 1660 dazu geäußert. Jahrhunderts] kam es zu Diskussionen und Kämpfen über einige politische Grundsatzfragen.) Noch beachtlicher waren die Diggers. LARAMIE Chomsky Man sollte aber nicht vergessen. In seiner Verurteilung der Radikaldemokraten. die . Jahrhundert.. daß diese nie mehr die Demut zeigen würden.) Wenn wir über mehr als drei Jahrhunderte hinweg auf die Vorgänge jener Zeit zurückschauen.) vor die Plebs hingeworfen (wie Perlen vor die Säue). 131-132. Dies nun war für die Eliten beider Parteien beunruhigend.. daß diejenigen. sich unter ein Bürgerliches Regiment zu beugen.das Verhältnis zwischen Herren und Knechten.fest.und mit tiefer Befriedigung . Er kritisierte die radikalen Demokraten. das vor allem den Landadel und die Kaufmannschaft vertrat. Manche Volksbewegungen stellten alles in Frage . und haben die Soldaten und das Volk gelehrt. Diese gegenteilige Meinung ist sogar in unserer Kultur weit verbreitet und tief verwurzelt. die sich gegen alle derartigen Gruppen richtete. Siehe auch »The Bewildered Herd and its Shepherds« in Deterring Democracy S. die das Feudalsystem niedergehalten hatte. nach einem dem Volk verantwortlichen Parlament und nach öffentlicher Versorgung im Gesundheits. daß viele der grundlegenden Fragen. weil sie die Menschen so neugierig und so arrogant gemacht hätten. die das forderten. »in der Welt das unterste zuoberst zu kehren«. Es gab einen Machtkampf zwischen dem Parlament. Aus Britain 's First Socialists: The Levellers. Und dieser Kampf wurde ausgefochten. gab es auch hier viel Unruhe im Volk.. nach Gleichberechtigung der Frau. Dadurch haben sie die Menschen so neugierig und so arrogant gemacht. die während der Englischen Revolution im 17. nämlich zur Englischen Revolution im 17. an denen das Volk beteiligt ist. Necessary Illusions S.. auf die sich später die französischen und amerikanischen Revolutionäre berufen sollten (. das die Freiheit der Presse beeinträchtigen würde. was wir als Demokratie bezeichnen würden. eingeschlossen die Forderung nach gemeinschaftlichem Eigentum an Grund und Boden. Viele radikale Ideen wurden veröffentlicht. genau hineinzuschauen und jegliche Regierungsmacht auf die Grundsätze der Natur zurückzuführen. die in klaren Umrissen einen demokratischen Sozialismus entwarfen.kein Gesetz verabschieden darf. daß es auch die gegenteilige Meinung gibt. Aber wie es in vielen Revolutionen so geht. über die wir heute noch debattieren. schon damals von einer Gruppe von Männern und Frauen aufgeworfen und streitbar vertreten wurden. nun die offene Bühne betraten (. alles mögliche.wie fast alle Revolutionen . es gab ja seit kurzem die Druckerpresse. überhaupt das Recht auf Herrschaft. Ihnen gelang die strukturierte Formulierung von Verfassungsprinzipien.

sie setzten sie auch in die Tat um (. die uns nur unterdrücken. 60.. dann meinen wir nicht die verwirrte und sittenlose Volksmasse. da wurden laufend Streitschriften der Anführer aus den Gefängnissen geschmuggelt.) Erstaunlich war das Tempo. wie eine Flugschrift der Levellers es ausdrückte. Da wurden Petitionen im Untergrund gedruckt. weil diese erbost darüber waren. die ihren Rang allein der Furcht verdanken.Die Levellers forderten Demokratie nicht nur für die Gesellschaft.. heimlich gedruckt und weitgestreut verteilt (. Jahrhundert. Necessary Illusions S..« Doch das Parlament und die Prediger hatten eine ganz andere Vision: »Wenn wir vom Volke sprechen. alles wurde geteilt. dann 10.. einer Zeit.. Britain 's First Socialists S.) Am Ende unterlagen sie dem Staat und den Gerichten. 71 . aber die Sorgen des Volkes nicht kennen.« Nach der entscheidenden Niederlage der Demokraten stellte sich..) Die Diggers vertraten ihre sozialistischen Prinzipien nicht nur. »Die Welt wird niemals gut sein. sie wandten sie auch auf ihre eigene Organisation an — abermals ungewöhnlich im fernen 17. 23. da das tägliche Leben autoritär und bürokratisch geprägt war (. das jeder Bereich der Partei bei seiner Tätigkeit vorlegte..000 Unterschriften innerhalb von zwei Tagen gesammelt und am dritten Tag im Parlament vorgelegt.). »wessen Sklaven die Armen sein werden«. das sie für ihre Viehzucht an sich gerissen hatten. nur noch die Frage.. da mobilisierte man zu aktuellen Anlässen binnen weniger Stunden gewaltige Demonstrationszüge (. solange unsere Gesetze von Rittern und Edelleuten gemacht werden. daß das Gemeindeland. jeder arbeitete. die unsere Bedürfnisse kennen. Zitate aus The World Turned Upside Down von Christopher Hill (Penguin 1984) S.) Nach jeder Landbesetzung wurden egalitäre Gemeinschaften gebildet. 145-151 37 Die Radikaldemokraten der Englischen Revolution des 17. die die Grundbesitzer gedungen hatten. wenn wir ein Parlament von Landleuten wie wir haben.. die des Königs oder die des Parlaments.. Es wird erst dann gut um uns stehen. für alle dasein sollte (. Tapfer trotzten sie den Überfällen durch Gangster. Jahrhunderts vertraten die Ansicht.

Hier findet eine Revolution statt. und erblickt darin eine »Revolution der demokratischen Praxis«. weil näm- Niemand wird wohl bestreiten können. Das Herbeiführen von Konsens ist keineswegs eine junge Kunst. 158 Ich denke. entgeht das Gemeinwohl der Öffentlichen Meinung fast vollständig.. der Demokratie eine neue Wendung gegeben. Das Diktum der Gründerväter der amerikanischen Demokratie lautete. WASHINGTON Elizabeth Sikorovsky Hier ist Washington. wir uns nicht auf Intuition. über die die Allgemeinheit nicht verfügt. Er war zweifellos einer der tiefgründigsten und kultiviertesten Zeitungsleute. hat es erlebt. Sie ist schon sehr alt und galt eigentlich mit dem Aufkommen der Demokratie als ausgestorben. Wie die Öffentliche Meinung eigentlich entsteht . Seiner Meinung nach ist dies auch nützlich und notwendig. die jedem. als es hier erscheinen mag. Was will denn dieser Buchtitel besagen: Manufacturing Consent? Chomsky Also der Titel ist einem Buch von Walter Lippmann entlehnt. durch die uns die Welt um uns 38 herum so gut vermittelt werden könnte. sollte es auch regieren.) Es zeigt sich. daß dann. offenstehen. daß das Wissen. jede politische Überlegung verändern und jede politische Prämisse beeinflussen wird (. und dies ist der Intellektuelle. die Lehren. Public Opinion S. 195 Walter Lippmann (1889-1974) war politischer Philosoph und Journalist. Die Generation. die muß man marginalisieren. und sie ist nur für die erzielten Ergebnisse rechenschaftspflichtig. und in Situationen. von den Medien usw. wie er es in die Diskussion und Analyse der gesellschaftlichen und politischen Probleme einbrachte. Und so hat die psychologische Forschung. Sie ist vielmehr technisch sehr verbessert worden. die wir daraus ziehen sollten. Da es an den Institutionen und an der Bildung fehlt. Während seines gesamten Berufslebens bewahrte er sich seine unabhängige und kritische Hallung zu den Vorgängen im In.) In den zwanziger Jahren kreiste Lippmanns Denken um das Verhältnis von Wissen und . daß die Wirklichkeit der Gesellschaft sich überdeutlich gegen die ichbezogenen Meinungen abzeichnen würde. hatte es bis dahin im amerikanischen Journalismus noch nicht gegeben. WASHINGTON Chomsky Nun liegt dieser weitverbreiteten Doktrin ein ganz bestimmter Demokratiebegriff zugrunde.dieser Vorgang ist sicherlich noch komplexer..selbstverständlich zu ihrem eigenen Besten. erstmals erschienen 1922) S. daß aus der Überredung eine bewußte Kunst und ein anerkanntes Organ der Volksregierung geworden ist. die heute an den Schalthebeln sitzt. daß die Konsensproduktion ziemlich weit entwickelt werden kann.GEORGETOWN UNIVERSITY. obwohl kompromißlos den Grundsätzen der Demokratie verpflichtet. Gewissen oder zufällig gerade vorzufindende Meinungen verlassen können. denn sie handelt auf der Grundlage von Informationen. dem das Land gehört. Seine Schriften begleiteten fast 6 Jahrzehnte lang ununterbrochen und scharfsichtig das öffentliche Leben in den USA. die herrschende Norm. ablenken und unter Kontrolle halten . so kann man wohl ohne Risiko prophezeien. alles andere sind rhetorische Phrasen. deren persönliche Interessen über den Tellerrand hinausreichen. Diese Klasse ist bar jeder Verantwortung. Demokratie ist ein Spiel für die Eliten. und die manipulativen Möglichkeiten. in den Worten John Jays: »Das Volk. im Verein mit der modernen Kommunikationstechnik. wobei er. das er die »Fabrikation eines Kon senses« nennt. Auch wenn niemand von uns auch nur im geringsten die Konsequenzen daraus abschätzen kann. aber nicht für die ignorante Masse.« Ich denke. das er so um 1921 geschrieben hat. doch ein feines Gespür für die pragmatischen Grenzen realer politischer Situationen besaß. wenn es um die Welt außerhalb unserer direkten Einflußmöglichkeit geht. liegen auf der Hand. Sie ist aber nicht ausgestorben. der die Sache einmal verstanden hat... sind einigermaßen klar geworden. Buchautor und Linguist Noam Chomsky. heutzutage ist bei den Eliten die gegenteilige Auffassung vom geistigen Leben. wie man Konsens schafft. deren sich diese garnicht bewußt wird.und Ausland. die es je gab (. STUDENTENRADIO »AMERICAN FOCUS«. Es läuft auf eine Steuerungstechnik hinaus. Er beschreibt dort etwas. stützt sie sich doch heute auf Analysen statt auf Faustregeln. Ein solches Maß an Gelehrsamkeit. die viel bedeutsamer ist als jede ökonomische Machtverschiebung. Dieselben Grundsätze galten auch in den nordamerikanischen Kolonien. Public Opinion von Walter Lippmann (Free Press 1965. es kann infolgedessen nur einer Klasse von Spezialisten anvertraut werden.

Petitions. Sie müssen daher einer. Meinen in der Massengesellschaft. gehören zu den wertvollsten Verfassungsrechten der Vereinigten Staaten (. Siehe auch Necessary Illusions S. als Heilmittel gegen die Auswüchse der Mehrheitsherrschaft und als Gegengift zu den Gefahren des Elitarismus. Jeder Einzelne. indem sie lieber vorgefilterte. Presse-. S. Die Rede-. um im Interesse aller seine Gegner auszumanövrieren. und den komplexen Realitäten der modernen Gesellschaft. sieht sich also vor das Problem gestellt.) Jeder verantwortungsbewußte politische Führer. In seinen Büchern Liberty and the News.. 16-17 . der seine gesellschaftlichen Ziele erreichen will. Alan Waters in Thinkers of the Twentieth Century (St. in Annals of the American Academy of Political and Social Science. die alle betreffen .und Versammlungfreiheit. Als einer der ersten Gesellschaftswissenschaftler erkannte er die zunehmende Kluft zwischen den Stereotypen. daß man an die Aufgabe. das operationelle Knowhow des Konsensaufbaus zu erlangen. Lippmann schlug ein systematisches Zusammenwirken zwischen Beamten. Die Aufgabe der Bürger bestünde darin. Für gesellschaftliche Belange eingesetzt. Er muß seine Kraft dafür einsetzen. Die Nachrichtenmedien so Lippmann . Aus »The Engineering of Consent« von Edward Bernays. März 1947. also die Freiheiten.die Freiheit. zählt er zu den wertvollsten Mitteln. jede Organisation ist im Grunde auf Zustimmung durch die Allgemeinheit angewiesen. James Press 1987) 39 DAS INGENIEURMÄSSIGE VORGEHEN Hierunter soll einfach nur verstanden werden.von der Allgemeinheit »nicht begriffen« werden können. um das effiziente Funktionieren der modernen Gesellschaft sicherzustellen (. muß daher unablässig die Möglichkeit subversiver Gegenaktionen im Auge behalten. ob man dem Bürger überhaupt in ausreichendem Maße die objektiven Kenntnisse vermitteln könne.. »Klasse von Spezialisten vorbehalten bleiben. deren es für eine Selbstregierung im Sinne Jeffersons bedarf.) Man kann heute die Bedeutung des systematischen Konsensaufbaus gar nicht hoch genug veranschlagen. wie ein Ingenieur herangeht indem man sich nämlich ausschließlich auf eine gründliche Kenntnis der Situation und auf die Anwendung wissenschaftlicher Grundsätze und bewährter Verfahren verläßt. Die Allgemeinheit kann eben nicht mit ihnen umgehen. wie er es nannte. die hinter diesen Ereignissen stehen.also die Dinge.reißen diese Kluft noch weiter auf. die den Konsensaufbau ermöglichen. In An Enquiry into the Principles of the Good Society stellt er das Prinzip des von Eigeninteressen freien Staatsmanns vor. Vorschläge überzeugend präsentieren zu können. politischen Entscheidungsträgern und Detailexperten vor...) Der systematische Aufbau von Konsens ist das Herzstück des demokratischen Prozesses . vereinfachte und überzeichnete politische Episoden verbreiten. 114-115. mit denen die Menschen ihre politische Umgebung wahrnehmen.. die Menschen zur Unterstützung von Ideen und Plänen zu bewegen.lich »das Gemeinwohl« .. Public Opinion und The Phantom Public demonstriert Lippmann seinen Pessimismus bezüglich der Vereinbarkeit der Demokratie mit den sozialen Bedingungen der modernen Gesellschaft. betrifft er doch praktisch jeden Lebensbereich. Lippmann entwickelte Zweifel. diese Zustimmung zu einem Plan oder Ziel systematisch aufzubauen (. als die Fakten und Querverbindungen zu erklären. die Entscheidungsprozesse dieser gutinformierten Herrscher zu überwachen.

daß sie sich im Rahmen ihres kirchlichen oder weltlichen Berufs aktiv dafür engagieren würden.. vor allem zur Außenpolitik der USA.nur so kann sie der Macht der Starken energisch genug die Stirn bieten. Eine Arbeiterklasse. Reinhold Niebuhr. Ronald Stone in Thinkers of the Twentieth Century (a.) Nach dem Zweiten Weltkrieg waren seine Gedanken zu internationalen Fragen. In seinen Augen »liegt die Rationalität bei den kühlen Beobachtern«.« Er kritisierte die Allmachts.. O.) Er bestand zwar unverändert auf der traditionellen Trennung von Staat und Kirche in den USA. unter den Menschen.. Moral Man and Immoral Society: A Study in Ethics and Politics (Charles Scribner's Sons 1960. die über Außenpolitik nachdachten. Ihr Glaube an die gerechte Sache und den absehbaren Sieg muß stärker sein. daß dies dem üblichen Demokratieverständnis diametral entgegensteht. an soziale Probleme mit dem christlichen Blick für den Menschen und seine Geschichte heranzugehen (.) . während der »beschränkte Durchschnittsmensch« nicht der Vernunft folgt. der Mythenschöpfer liefert sie und hält damit den gemeinen Mann bei der Stange. Sein Verdienst um eine gesunde Weltkirche lag vor allem darin. Vier Jahrzehnte lang lehrte er Christliche Sozialphilosophie am Union Theological Seminary in New York (. daß die USA stattdessen ihre Macht in der Nachkriegswelt verantwortungsbewußt gebrauchen sollten.GEORGETOWN UNIVERSITY.und Unschuldsphantasien der USA und drängte darauf. erwartete jedoch von seinen Studenten. xv-xvi 40 Reinhold Niebuhr hielt Vorlesungen über Theologie. der großen Einfluß auf die maßgebenden Politiker seiner Zeit ausübte. könnte sich niemals die Freiheit von den herrschenden Klassen erkämpfen. WASHINGTON Chomsky Beachten Sie bitte. Kampfmoral aber erwächst aus den richtigen Dogmen und Symbolen sowie aus emotional aufreizenden Vereinfachungen. sondern dem Glauben. Eine Version verdanken wir dem hoch angesehenen Ethiker und Theologen Reinhold Niebuhr. a. als eine wertfreie Wissenschaft ihr zugestehen würde . die sich restlos auf die »experimentellen Methoden« unserer heutigen Lehrer verließe. weit verbreitet. zuerst 1932 erschienen) S. daß er die Theologiestudenten auf ihre gesellschaftliche Verantwortung vorbereitete. George Kennan bemerkte dazu in einer Betrachtung der sogenannten »realistischen« Richtung in der Außenpolitik: »Er war unser aller Vater.. Bei gesellschaftlichen Auseinandersetzungen benötigt jede Seite Kampfmoral. Diese sind mindestens so wichtig wie wissenschaftliche Genauigkeit. Dieser naive Glauben wiederum verlangt nach »notwendigen Illusionen und gefühlsbetont übertriebenen Vereinfachungen«.

trolle sich auf das Denken der Menschen erstrecken. Den Ausweg. oder man versetzt sie auf die eine oder andere Weise in Apathie. daß sie nicht mehr so demütig sind. dann hat man ein Problem. was die Leute denken. Indoktrinierung vertrage sich nicht mit Demokratie. sich unter eine bürgerliche Herrschaft zu beugen .nach Meinung dieser ganzen Denkschule .ein Wesenszug der Demokratie. 41 . WASHINGTON Chomsky Es wäre naiv anzunehmen.entweder man marginalisiert die Allgemeinheit. Es ist immer dasselbe .also muß die Kon.. Wenn aber ein Staat über keine Knüppel mehr verfügt. Sie ist vielmehr . totalitären Staat kommt es nicht darauf an. Die Sache ist doch so: In einem Militärstaat. man hat ihr gesamtes Tun unter Kontrolle. der hierzu gewöhnlich eingeschlagen wird. wie wir das heute nennen. Fabrikation eines Konsenses. wenn man das Handeln der Menschen nicht mehr gewaltsam beeinflussen kann und wenn ihre Stimme vernehmbar ist. Unter diesen Umständen können sie so neugierig und so arrogant werden. einem Feudalstaat oder einem. pflegte man in ehrlicheren Zeiten Propaganda zu nennen.AMERICAN UNIVERSITY. Man kann ihnen eins mit dem Knüppel über den Kopf geben. Schaffung notwendiger Illusionen.

neben sich bis zu 12 Bücher aus der Leihbibliothek. waren wir praktisch die einzige jüdische Familie (. and Anti-Semitism« in Chronicles of Dissent S. dann muß ich gegenüber literarischen Darstellungen vorsichtig sein.. nämlich im Licht der Öffentlichkeit und des Medieninteresses zu stehen. und ich glaube auch daran. wenn ich nicht verprügelt werden wollte. sie haben 3 Kinder.KYOTO-PREIS FÜR GRUNDLAGENWISSENSCHAFT. wirklich ungeheuer beeindruckt.jedenfalls seit meiner Jugend. aber die Fakten. als wissenschaftlicher Forschergeist sich jemals erhoffen konnte. das noch weitere aufschlußreiche Hintergrundgedanken Chomskys enthält. NOS TV (1971) Chomsky Ich möchte meiner Frau und meinen Kindern ungern einen Lebensstil aufzwingen. Wenn er sich an seine Kindheit erinnert. daß wir über das. daß ich mich an nichts mehr erinnern kann . Es war zwar nicht mit dem Leben unter Hitler vergleichbar. Die Inamori-Stiftung vergibt nur drei derartige Preise. aus denen ich meine Schlußfolgerungen ziehen und erhärten kann. durch die Literatur aller Zeiten ein tieferes Verständnis gewinnen. den sie sich selbst nicht ausgesucht haben. Ich glaube nicht. in dem ich aufwuchs. kann sie nicht liefern. er las amerikanische und englische Literatur sowie Übersetzungen französischer und russischer Klassiker.solche Sachen. Chomsky wurde für seine Leistungen in der Grundlagenxuissenschaft geehrt. als ich Anfang der 50er Jahre dort hinkam. wie ich ihn eben selbst erlebt habe und wie er quer durch die Gesellschaft sichtbar geworden ist. die man beurteilen kann. daß er stärker ausgeprägt ist als etwa die Ablehnung von Italienern oder Iren.) in einem irisch und deutsch geprägten. In dem Viertel. sieht er sich auf dem Sofa zusammengerollt und im Lesen versunken. waren aber noch sehr dünn gesät.solcher. überwiegend katholischen Milieu.nur an die Wirkung. ihn selbst faszinierte die Literatur schon in jungen Jahren. eher grundsätzliche Punkt liegt darin. JAPAN (1988) Prestige und Volumen ($350. als Kind habe ich zum Beispiel Rickshaw Boy gelesen. Ich kann mich an Bierparties erinnern. Wenn ich einkaufen gehen wollte. und die Leute in dem Viertel waren ganz offen für die Nazis. Es liegt schon so weit zurück.« Chomsky Richtig.000) des KyotoPreises sind mit dem Nobelpreis verglichen worden. da gab es die hebräische Literatur. die dann geradezu wie Stars behandelt werden und deren rein persönliche Züge mit Bedeutungen befrachtet werden. Als jüdisches Kind bekam er den Antisemitismus seiner Zeit zu spüren. Das war in den späten dreißiger fahren. Beide Eltern lehrten Hebräisch. Aus »Israel. Der zweite. ich will sie davor bewahren. geboren. und das hat mich natürlich beeinflußt. Damals gab es dort nur ganz wenige jüdische Professoren. Der Antisemitismus ist ein anderer geworden . Ich gehe sogar noch weiter: Es ist so gut wie sicher.. Sehen Sie. In dem Viertel von Philadelphia. Sie tauchten hier und da auf. was einige >den vollwertigen Menschen< nennen. Besonders interessierte ihn ein Buch seines Vaters über die Grammatik des mittelalterlichen Hebräisch. Dort war der Antisemitismus äußerst real. Die Eliteeinrichtungen erlebten noch die Nachwehen einer langen Periode des weißangelsächsisch-protestantischen Antisemitismus. Seine Frau heißt Carol. Aber letzten Endes muß man die Welt doch im Licht anderer Quellen sehen . the Holocaust. daß ich ein Gegner dieses Hochstilisierens von Menschen in der Öffentlichkeit bin.wie bei jedem Menschen . Das aber bedeutete einen Umschwung binnen einer Generation. 3-4. aber wohl mehr so wie andere Vorurteile auch. Auch in Harvard war der Antisemitismus noch spürbar.auch später noch. die russische Literatur usw. Aus einem Interview in The Chomsky Reader S. Zweifellos gibt es immer noch Antisemitismus. Wirklich. Zweifellos haben sich bei mir . als Paris gefallen war . herrschte ein wirklich militanter Antisemitismus . Japanischer Übersetzer (kommentiert die Diaschau zur Preisverleihung) Avram Noam Chomsky wurde 1928 als Ältester von 2 Brüdern in Philadelphia.durch das viele Lesen die Einstellungen verändert und der Blick geschärft. konnte ich nur bestimmte Wege nehmen. aber doch unangenehm genug. USA. All dies hat sich in den letzten dreißig Jahren radikal verändert. . wo ich aufwuchs. 96 42 James Peck Sie haben mal irgendwo gesagt: »Es spricht manches dafür. Die Literatur kann meine Phantasie anregen und mein Verständnis vertiefen. Nur: Wenn ich zum Beispiel das Wesen Chinas und seiner Revolution verstehen will.

43 .

da kamen Leute an die Tür. die verkauften Lumpen.. Ich sah die Verzweiflung dieser Menschen. wie sich diese Frauen ihre Kleider vom Leibe reißen in der Hoffnung. alles was es so gab. In diesem Milieu bin ich aufgewachsen. ich ging auf eine hebräische Schule. Year 501: The Conquest Continues S. daß keine Besserung zu erwarten ist und daß es keinen Ausweg gibt. jeder unterliegt ja in seinem Leben allen möglichen ganz persönlichen Faktoren. ging auf ein hebräisches College. der voll für einen binationalen Sozialismus. na ja. wurde Hebräischlehrer. wie die Polizei streikende Textilarbeiterinnen vor der Fabrik zusammenschlug. die Polizisten würden Scham empfinden und von ihnen ablassen. und doch gibt es einen wichtigen Unterschied zu damals: Obwohl die jetzige Rezession lange nicht so schlimm ist. USA Chomsky Es war nun so. ROWE. Aus »Conversations« von Marian Christy im Boston Globe 31. Bei ihnen drehte sich alles um ihr Judentum. Ich gehörte zu dem Zweig der zionistischen Bewegung. 223. um die damalige Lage in Palästina und so weiter. ich lernte Hebräisch. Wie kam es dann dazu. MASSACHUSETTS. Vor allem wuchs ich während der Weltwirtschaftskrise auf. Er zielte genau auf diese Underdogs ab. In Philadelphia mußte ich einmal mit ansehen. . die 7 Bänder umfassende Aufnahme ist bei Alternative Radio erhältlich..89 Am Straßenrand stehen Männer mit Schildern »Biete Arbeit gegen Essen«. Junge Frau Sie haben gesagt. Ums Hebräische. leitete hebräische Ferienlager. die jüdisch-arabische Zusammenarbeit und andere schöne Ziele eintrat. Sie sind zur Schule gegangen. Ich kann mich erinnern . ihre Erniedrigung. scheint die Hoffnungslosigkeit viel tiefer zu sein. Zum erstenmal in der Geschichte der Industriegesellschaft ist das Gefühl verbreitet. haben einen guten Abschluß gemacht und . Sie wären genauso wie wir. daß meine Eltern beide noch Arbeit hatten. daß Sie. Diese ausgreifende Diskussion wurde von Wintonick und Achbar festgehalten. 60 Personen ein dreitägiges Frage-und-Antwort-Seminar. ROWE CONFERENCE CENTER.05.EMPFANGSRAUM IN LARAMIE Tontechnikerin Empfangsraum die erste. 281 44 Chomsky veranstaltete im Rowe Conference Center mit ca. Zu den Reaktionen einer Teilnehmerin siehe S. das dürfen Sie nicht vergessen. Das heißt also. Ich sehe es noch vor mir. Sie lehrten Hebräisch an der Schule und konnten zur unteren Mittelklasse gerechnet werden. was ziemlich ungewöhnlich war. Als Kind habe ich Hitler im Radio gehört.wie kam es zu diesem Wandel? Chomsky Nun. daß Sie kritisch wurden und Unterschiede bemerkten . Das erinnert mich an die dunkelsten Tage der großen Depression. Also über Underdogs wußte ich sehr früh Bescheid. Sie haben aber weitergeprügelt. ich hatte Jugendgruppen.

wußten zu kämpfen. assimiliert und an der Arbeiterklasse orientiert. um sich dort in den anarchistischen Buchläden der Vierten Avenue herumzudrücken und sich mit Ihren Verwandten aus der Arbeiterklasse zu unterhalten? Chomsky Die hatten nichts dagegen. Da gab es die UltraOrthodoxen. ist: Wir lebten in einer Struktur.BÜRO IM MIT David Barsamian Was haben Ihre Eltern denn dazu gesagt. das Gefühl vor. Was ich damit meine. Sozialismus. Vor allem war es eine Kultur der Arbeiterklasse mit deren Wertvor- stellungen. sehr radikal. als Sie sich in einen Zug gesetzt haben und nach New York gefahren sind. Dinge zu bewirken .die Familie stiebte ja auseinander. aber . Es war eine höchst lebendige intellektuelle Kultur. Ich kann mich natürlich in meinen Kindheitserinnerungen täuschen. waren von Institutionen umgeben. Solidarität. Wie in so vielen jüdischen Familien gingen die Interessen auch hier in ganz verschiedene Richtungen. Dann gab es Intellektuelle. es würde schon irgendwann besser werden. solche Dinge. uns zu organisieren. wenn auch unbestimmt. Es herrschte. Und zu diesen fühlte ich mich natürlich hingezogen.alles irgendwie Hoffnungszeichen. 45 .

weil ich da alles tun mußte. Viele der Jüngeren werden bezeugen können. was ich damals erlebt habe.der ganze Begriff »Guter Schüler« blieb mir fremd. welch ausgezeichneter Tutor er war. sich als unzutreffend erweisen. Aber für noch schlimmer halte ich die Art und Weise. denn die Schule. dt. LARAMIE Chomsky Und dann hatte ich das Glück. wie man kann. die ich besuchte. dem sich entfaltenden Lebensprinzip seinen eigenen Weg zu öffnen.) kann doch nicht darin liegen. Aber so ist es wohl immer mit der Schulzeit. Jahrgang hätte keinen besseren Schüler als »Chum« hervorbringen können. beliebt gemacht. obwohl angemessen umgesetzt. wie man Höchstleistungen fordert . Wir gehen gewiß nicht fehl. Meiner Meinung nach könnte man die Schule ganz anders aufziehen. wie man für Hierarchie und Konkurrenz sorgt. Oak Lane Country Day School 1945 . war beispielsweise überhaupt nicht so. Seine Theorien legte er in seinen Werken School and Society (1889). h. Aber vorher war es eigentlich ein freies. wenn wir »Chum« eine brillante Forscherkarriere in der Chemie prophezeien. The Child and the Curriculum (1902) und Democracy and Education (1916. so eine vom Dewey-Typ. aber durchweg sieht es wohl so aus. Ich hab' die High School gehaßt. Jahrhundert Neuland betrat. sie müßte diesen Prozeß durch Empathie. teils sogar regelrecht indoktriniert. Sollten sie aber richtig sein. Als Tutorenpräsident konnte er seine organisatorischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Sie wurde von der Universität betrieben. Natürlich sind nicht alle Schulen gleich. vor allem über die zentrale Rolle des kreativen Antriebs. und sie müßte eine vielseitige Umgebung dafür schaffen. nur fürchte ich. Auf allen Wissensgebieten stand er in unserer Schule in vorderster Reihe. Erziehung müßte sich vielmehr vornehmen. der mit seinen pädagogischen Schriften im 19. Wichtig wäre das schon. Seine Ideen beeinflußten das Erziehungswesen weltweit und sind auch heute noch wirksam. The Odyssey. Er begründete den philosophischen Pragmatismus. Notwendig ist das alles nicht. die Entwicklung des Kindes auf ein vorbestimmtes Ziel hin zu steuern.d.. Naja. Aus »Toward a Humanistic Conception of Education« in: Walter Feinberg u. dann wären die- 46 se speziellen Schlußfolgerungen zur pädagogischen Theorie und Praxis eben nicht bewiesen. um aufs College zu kommen. daß ich ein guter Schüler war. vor allem im Grundschulbereich. Aus einem Interview mit James Peck in The Chomsky Reader S.). Work Technology and Education: Dissenting Essays in the Intellectual Foundations of American Education (Univer- sity of Illinois Press 1975) John Dewey: Philosoph. Also ich meine das ganz wörtlich . So etwas wie Konkurrenz gab's da gar nicht.. und frühen 20. so ist da nur ein dunkler Fleck. bis ich auf die High School . es gab noch 'ne Menge anderer Sachen aber vielleicht war ich auch nur zu kritisch. NOAM CHOMSKY Der unsterbliche 110.in meinem Fall die akademische High School .UNIVERSITY OF WYOMING. sondern man soll besser sein als der andere.kam und plötzlich entdeckte. und im Ergebnis entstehen falsche Überzeugungen. wie unabhängiges. Ermunterung und Herausforderung fördern. die mit ihm zu tun hatten. dann müssen wir einen großen Teil unserer modernen Bildimgspraxis in Frage stellen. eine auf autoritäre hierarchische Institutionen gegründete Gesellschaft würde wohl kaum längere Zeit ein derartiges Schulsystem tolerieren. man soll nicht so gut sein. Darüber hinaus war er auch in vielen Clubs aktiv. Mit dieser humanistischen Erziehungsaulfassung sind natürlich einige Annahmen über die innere Natur des Menschen verbunden. kreatives Denken unterdrückt und blockiert wird. die wirklich gut war. Da wird reglementiert und befohlen. Seine gefällige Art hat ihn bei allen. recht offenes System. Demokratie und Erziehung) dar. was eben dort nötig war. Wenn ich mich zu erinnern suche. 6 Das Erziehungsziel (. Sollten diese Annahmen. Quelle: Encyclopedia Britannica 1990 A. Henry Rosemont (Hrsg. auf eine Versuchsschule zu gehen. Ein solches Ziel müßte ja willkürlich und autoritär festgelegt werden. sowas wie gute oder schlechte Schüler.

«. daß ich nach dem Fall von Barcelona in der Klassenzeitung einen Artikel schrieb. worden. Wann finden Sie eigentlich die . der heute wohl nur mit dem allergrößten Glück wieder aufzutreiben sein dürfte. der behandelte die drohende Ausbreitung des Faschismus. herum oder im Büro der Anarchistenzeitschrift »Freie Arbeiterstimme. Habe ich das wirklich so gesagt ? Falls ja. 83-120 (aus American Power and the New Mandarins) Chomsky schreibt: »Grand Camouflage von Burnett Bolloten war ein wichtiges Werk. Dort stieß ich auf Veröffentlichungen über alle möglichen Themen. Chomsky Sie wollen wissen.. so muß da wohl irgendwas durcheinandergeraten sein. Meinen allerersten Artikel schrieb ich für die Schülerzeitung. wann ich diesen Artikel geschrieben habe? Jonathan Steinberg Ja. ich hätte die Grundlagen dafür bereits in der Schülerzeitung gelegt. vgl. ich kann das beurteilen. unter anderem. würde es nicht stimmen. da war ich so etwa zwölf. nachdem Barcelona gefallen war. Etwa ab 1941 fuhr ich regelmäßig nach Nerv York (mit der Bahn natürlich) und trieb mich in den Antiquariaten auf der Vierten Avenue. Das war also A nfang 1939. Soweit ich mich erinnern kann. wann war das? Chomsky Den habe ich Anfang der vierziger Jahre geschrieben. unverzichtbar für jeden.AUS »THIRD EAR« Jonathan Steinberg Mich als Historiker hat Ihre lange Besprechung des Buches Spanish Civil War von Gabriel Jackson fasziniert. da steckt ein Haufen Arbeit drin. Das ist wirklich ein respektables Stück Geschichtswissenschaft.09. wofür der Fall von Barcelona nur das jüngste Beispiel darstellte. so auch über die Anarchisten im spanischen Bürgerkrieg. Seine neueste Arbeit. aber mehr erfuhr ich über den Anarchismus in Spanien erst Anfang der vierziger Jahre aus den entsprechenden Berichten. Ich beklagte darin den Aufstieg des Faschismus im Jahre 1939. 244 .91 an Mark Achbar 47 Gemeint ist die Besprechung »Objectivity and Liberal Scholarship« im Chomsky Reader S. Aber davon kann nichts in dem Schülerartikel von 1939 zu finden sein. Zwar haben mich linkslibertäre. Chomsky in einem Brief vom 10. 83-120 (aus American Power and the New Mandarins) Zu den sehr aufschlußreichen Vorurteilen.« Zitiert in Radical Priorities S. The Spanish Revolution. war es so. Was mein frühes Interesse am Spanischen Bürgerkrieg angeht. ist womöglich noch bedeutender. auch »Objectivity and Liberal Scholarship« im Chomsky Reader S. Ich soll also in einem BBC-Interview gesagt haben. Ideen schon damals fasziniert. denen die offizielle Geschichtsschreibung über den Spanischen Bürgerkrieg unterliegt.. der sich mit dem Spanischen Bürgerkrieg beschäftigt. aber vielleicht ist ja auch im Zuge des Interviews etwas verwechselt.

bekam er einen Zeitungsstand in New York. Bloß. und genau dort lag sein Stand (Lachen). 72. da hinten kommt nie jemand hoch. alles mögliche. Es gab aber noch zwei andere Stände an der Rückseite. reden. und mein größter Kick war. Und auf der Seite gab es zwei florierende Zeitlingsstände.es gab damals eine Art Hilfsprogramm für Körperbehinderte . im Zeitungsstand den Verkäufer zu spielen. Besonders abends war es so eine Art literarisch-politischer Salon. Straße. einer der Menschen. Kennt jemand den Kiosk an der 72.man kommt da aus der U-Bahn hoch. 48 .das war ja in den dreißiger Jahren. Weil er nun aber einen Buckel hatte . es gab viele Emigranten und so . und dazwischen ich mit meinen 11. Straße .ROWE CONFERENCE CENTER Chomsky Ich glaube übrigens. 'Ne Menge Typen stehen herum. Und doch war da immer viel los. Er hatte eine bewegte Vergangenheit: erst kriminell.12 Jahren. dann bei der Linken politisch aktiv. war ein Onkel von mir. er war ein heller Kopf. und alle laufen in Richtung 72. Also dort hing immer ein Haufen Leute herum. der es selbst nie weiter als bis zur vierten Klasse gebracht hatte. dort habe ich meine politische Bildung erhalten. Einige hier sind doch bestimmt aus New York. diskutieren. ich! Chomsky Sie kennen den also? Sehen Sie. die mich am meisten beeinflußt haben. Straße? Frau Ja.

KUOW (HÖRERRADIO). LARAMIE Chomsky Die einzelnen Gesellschaftssysteme unterscheiden sich voneinander. Diese stellen auch die Inhaber der wichtigsten Regierungsämter.Investitionen. Distribution usw. unterliegt unser politisches und ideologisches System äußerst scharfen Beschränkungen. Da sie alle Ressourcen kontrollieren und überall ihre Interessen durchsetzen wollen. Welche Interessen sind denn das? Chomsky Also. wer in welcher Position darüber entscheiden kann. was in den Gesellschaft passiert. Ihnen gehören die Medien. welche die Regierung und den privaten Sektor beherrschen. aber in unserer Gesellschaft liegen die wesentlichen Entscheidungen über das. die Öffentlichkeit zur Unterstützung derjenigen Sonderinteressen zu bewegen.unser eigenes oder jedes andere . 49 . . die wichtigste Funktion der Massenmedien in den USA sei es. Produktion. wenn man verstehen will.dann muß man als erstes herausfinden. sie können die eigentlichen Entscheidungen fällen. wie es zu funktionieren hat. Sie besitzen geradezu übermächtige Gewalt ü b e r . Sie beherrschen das Wirtschaftsleben. unser Leben — also über das.in den Händen eines Netzwerks aus großen Konzernen. SEATTLE Ross Reynolds In Manufacturing Consent schreiben Sie. UNIVERSITY OF WYOMING. wie ein Gesellschaftssystem funktioniert . Multis und Finanzunternehmen. was hier ablaufen soll . schon prinzipiell und auch noch durch die Gesetze.

Wir können später mehr ins Detail gehen.. Von denen wird erwartet.) Die ganze Welt ist nach links gewandert. hat Arbeiterparteien an die Regierung gebracht und liberale Gesetze verabschiedet .« Necessary Illusions S.BÜRO IM MIT David Barsamian Wir reden hier über die Fabrikation eines Konsenses. Lehrer. Wessen Konsens wird denn da fabriziert? Chomsky Zunächst geht es da um zwei Gruppen. Diese Gruppe muß also ganz heftig indoktriniert werden.. 20 Prozent der Bevölkerung.einzig die USA sind zu einem Gegner der Arbeiterbewegung und des sozialen und wirtschaftlichen Wandels geworden. Bereits im Jahre 1947 stellte ein PR-Spezialist des US-Außenministeriums fest. 31 50 . Sie gehen vermutlich auch zur Wahl. sei es als Kulturschaffende wie z. Bleiben noch die restlichen 80 Prozent der Bevölkerung. B. daß »clevere Öffentlichkeitsarbeit sich immer lohnt«.sei es als Manager. Die öffentliche Meinung »ist nicht von allein nach rechts gedriftet. Da ist einmal das. die gebildet sind. sondern sie wurde . sich ausdrücken können und einen gewissen Einfluß auf die Entscheidungen ausüben. Diese umfaßt die ca.ganz geschickt . daß sie am Leben der Gesellschaft in irgendeiner Weise partizipieren . die meistens die Zeche bezahlen müssen. was manche Leute als die politische Klasse bezeichnen. Schriftsteller usw. So. Die sollen vor allem gehorchen und nicht nachdenken oder sich um irgend etwas kümmern — sie sind es allerdings. aber grob besehen wendet sich die Propaganda an zwei Zielgruppen.nach rechts bewegt (. und deren Beitritt zu dem Konsens ist von entscheidender Bedeutung. in der Politik oder der Kultur. sie spielen eine Rolle im Wirtschaftsleben.

Diese Komponenten wirken zusammen und verstärken sich gegenseitig. Die wichtigsten Komponenten unseres Propagandamodells oder »Nachrichtenfilter«Sets sind: (1) die Größe der wichtigsten Mediengesellschaften. Wir reden dabei in erster Linie von den überregionalen Medien. NEW YORK. Sie sollen amüsieren. genauer kennenlernen will . und sie sollen jedem diejenigen Werte. extrem ungleich verteilt sind. von den Filtern. Das Modell zeichnet die Wege nach. Glaubenssätze und Verhaltensregeln einflößen. das jeweils Druck- 51 bare herauszusieben. 1-2*) *) Mit der Literaturangabe Manufacturing Consent ist im folgenden stets das Buch Manufacturing Consent: The Political Economy of the Mass Media von Herman und Chomsky gemeint. die Konzentration und das Vermögen ihrer Eigentümer. USA Ron Linville Also. die die Grundsätze für Diskurs und Interpretation festlegen und die definieren. sowie ihre Gewinnorientierung (2) die Werbung als Haupteinnahmequelle der Massenmedien (3) die Abhängigkeit der Medien von den Informationen. Das primäre Nachrichtenmaterial muß eine Folge von Filtern durchlaufen. unterhalten und informieren. Aus »A Propaganda Model« in Manufacturing Consent S. sich also massiv als Vorkämpfer für das Recht der freien Rede und überhaupt für die Interessen der Gemeinschaft in Szene setzen. abweichende Meinungen an den Rand zu drängen und es der Regierung und den vorherrschenden Privatinteressen zu ermöglichen. doch wird nicht immer so explizit Bezug darauf genommen wie in den beiden genannten Büchern.Noam: Sie haben ein Modell skizziert. Zwar spiegeln alle poli- tischen Veröffentlichungen von Chomsky und Herman das Modell wider. der Wirtschaft und den von diesen Machtzentren alimentierten und approbierten »Experten« geliefert werden (4) »Flak« als Mittel zur Disziplinierung der Medien (5) »Antikommunismus« als nationale Religion und als Kontrollmechanismus. die ihn in die institutionellen Strukturen der Gesellschaft integrieren. Ein Propagandamodell faßt diese ungleiche Verteilung von Macht und Reichtum ins Auge und ebenfalls die vielfältigen Auswirkungen dieser Ungleichheit auf die Interessengebiete und die Themenauswahl der Massenmedien. wenn die Medien miteinander konkurrieren. was überhaupt einen Neuigkeitswert besitzen soll.häufig noch durch eine offizielle Zensur verstärkt . für druckbar erachtete Rest übrigbleibt. die sozusagen die Themen setzen.der möge sie in Manufacturing Consent und in Necessary Illusions: Thought Control in Democratic Societies nachlesen. Wo aber die Medien sich in Privatbesitz befinden und es keine formelle Zensur gibt. ROCHESTER. Dabei bleibt verborgen (und wird in den Medien auch nie angesprochen). die ihnen von der Regierung. Könnten Sie die mal kurz umreißen? Chomsky Es ist im Grunde eine Institutionsanalyse der wichtigsten Medien. als dieses Buch oder der Film es vermitteln kann . soweit sie sich überhaupt mal mit nationalen oder internationalen Angelegenheiten befassen. durch deren Einsatz man Zugang zu den Privatmedien gewinnen und ihr Verhalten beeinflussen kann. also von denen. daß die Medien den Zielen der herrschenden Elite dienen. . Solange die Macht über ein Land in der Hand einer staatlichen Bürokratie liegt. Wer die Argumente. über die Kapital und Macht in die Lage versetzt werden. bis der gesäuberte. ihre Botschaft an den Mann und an die Frau zu bringen. in regelmäßigen Abständen Mißstände in der Regierung oder im Big Business anprangern. die das Propagandamodell stützen. Ein Propagandamodell Die Massenmedien dienen als System zur Übermittlung von Symbolen und Botschaften an die breite Masse. Aus ihnen erklären sich auch die Gründe und die Abläufe regelrechter Propagandafeldzüge. daß dieser Kritik enge Grenzen gezogen sind und daß die Mittel. Professor Chomsky .jedenfalls besser. In einer Welt konzentrierten Reichtums und heftiger Klassenkämpfe bedarf es zu dieser Rolle einer systematischen Propaganda. wird schon durch die monopolistische Medienkontrolle . da ist das Wirken eines Propagandasystems viel schwieriger zu verfolgen ganz besonders. ehe sie die Öffentlichkeit erreicht.deutlich. aber wir nennen es ein Propagandamodell. Es sind diese Komponenten. Buch oder Film Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media sind stets komplett angegeben. nach denen sich die übrigen mehr oder weniger richten. die die Propaganda passieren muß.AUS »TV DINNER« (OFFENER KANAL).

sechs ist ein guter Anfang. innerhalb der ABC TV News ungehindert filmen zu dürfen. Nachrichtenleiter Also ich .. Direktor Es heißt in diesem kurzen Ausschnitt. sowie jedes Verlassen der von der Bürokratie vorgegebenen Wege. Sie analysiert. J. RADIO KUOW. Nachrichtenleiter Ja.. Das heißt. daß es da einen Brückenkopf gibt. aber ich glaube . fällt für die Medien unter das Verdikt »Abweichung« auch jede Verletzung dessen..also unserer. Nach Meinung der Autor/inn/en Hegt der Kern einer Nachricht in ihrer Relevanz für die Kontrolle abweichenden Verhaltens.. Baranek.. also bei 35 . NEW YORK Mann (spricht ins Telefon) Hier World News. ich glaube . wir haben eine Minute insgesamt. 52 . Die bestimmen den allgemeinen Rahmen. auch: R. Vgl. ich denke. ich meine. Ericson. Peter Jennings Ich liebe diesen Ausschnitt. 6:28 ist prima... was der gesunde Menschenverstand glaubt.und Zeitungsbetrieben. die New York Times. die Washington Post.Dieses Insidergespräch wurde aus dem Abfall von Aufnahmen montiert. ABC TV NEWS.. Wie die Untersuchung zeigt. P... Redakteur Ich denk' schon. V. die sozusagen die Themen setzen. Nachrichtenleiter Hier ist der entscheidende Ausschnitt für uns . wie die Journalisten einer Meldung ihren Neuigkeitswert zuordnen und dadurch einen erheblichen Einfluß auf die gesamtgesellschaftlichen Werte ausüben. und die lokalen Medien passen sich dann dieser Struktur mehr oder weniger an. die großen TV-Kanäle usw. Visualizing Deviance: A Study of News Organization (University of Toronto Press 1987) Diese Untersuchung stützt sich auf ausgedehnte Feldstudien in Radio. SEATTLE Chomsky Also die Elitemedien. L. M. der das Propagandamodell in Aktion zeigt.. das sind die. B. Sie begleiteten ein Filmteam in Nicaragua und dokumentierten gleichzeitig die redaktionelle Bearbeitung im ABC-Nachrichtenraum in New York.. die bei ABC News für The World Is Watching gemacht wurden — einen außergewöhnlichen einstündigen Film. Die Filmemacher erhielten die einmalige Chance. Chan. Peter . Peter Jennings Ich denke. daß wir's schaffen könnten.

Sie bestimmen. sie wählen aus. Führer durch die Gegenwart und Schlüssel zur Zukunft. die zur Wahl gehen . gebildeten Schichten wahrgenommen wird. Noam Chomskys Namen im Filmtitel wegzulassen. das Hervorheben bestimmter Gesichtspunkte. NEW YORK (1978) Chomsky Die New York Times ist bestimmt die wichtigste Zeitung der USA. die Nennung von Problempunkten. das Filtern von Informationen. wie unsere Welt von den politisch akti- 53 Ob man ihm zustimmt oder nicht. aus dem wechselnden Webmuster des Lebens.Sendeleiter Noch zweieinhalb Minuten bis zur Sendung. Hier ist der große Journalismus . Als der Film im New Yorker Film Forum Premiere hatte. sie gestalten. bis zu welchen Grenzen die Debatte sich erstrecken darf. Nach mehreren Telefonanrufen der Vertriebsfirma Zeitgeist Films druckte die New York Times am nächsten Tag eine Berichtigung. sie beschränken . so daß dieser lautete »MANUFACTURING CONSENT AND THE MEDIA«. noch 45 Sekunden. aufgeführt sind. AUS »DEMOCRACY'S DIARY« (1948) Sprecher Hier ist «Democracy's Diary». ven. AUS »PAPER TIGER TV« (OFFENER KANAL). der Nachtredakteur versuchte. die Festlegung.übrigens auch eine der Kernaussagen in John Kenneth Galbraiths neuestem Buch The Culture of Contentment. das Wahlvolk aus dem Schlaf zu rütteln und zu aktivieren. Hier können wir aus Triumphen und Katastrophen lernen. Spieldauer usw. vielleicht sogar der ganzen Welt. druckte die New York Times diese Besprechung. Die New York Times spielt eine enorme Rolle dabei. daß nämlich die New York Times in einem gewissen Sinn Geschichte bewirkt.Zeugnis der Vergangenheit. Aus einer Rezension von Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media von Vincent Conby in New York Times 17. ihre Redakteure empfinden das wohl auch als schwere Bürde. brachte die Zeitung es fertig. Aber die New York Times hat noch eine spezielle Rolle.93 . sie kontrollieren. Chomsky (im Off) Hierzu bedienen sie sich der verschiedensten Methoden: die Auswahl der Themen. wo Mitwirkende. und ich denke.alles im Dienste der Interessen der herrschenden gesellschaftlichen Eliten.03. Um 3 Uhr früh des Erscheinungstags machte Mark Achbar das Blatt auf seinen Freudschen Ausrutscher aufmerksam. Peter Jennings (auf Sendung) Derzeit richten sich besonders aufmerksame Blicke auf die fünf mittelamerikanischen Staaten. Im Datenteil. Chomskys Interpretation der Verhältnisse in den USA hat einiges für sich: Die Regierung richtet sich vor allem nach den Wünschen der Minderheit von Bürgern. Chomsky betrachtet es als seine Mission. den Fehler in den noch nicht gedruckten Exemplaren zu beheben.

Ende der sechziger Jahre vermittelte Harrison Salisbury einmal ein Treffen zwischen Chomsky und einigen Redakteuren der New York Times. wir sollten es doch mal bei Time versuchen. desto besser schmeckt sie einem. Seine Doktorarbeit in Princeton behandelt die Politik der Loyalität. Artikel. der geht zur New York Times. ist erheblich geheimnisvoller als Sie glauben würden. der Monatszeitschrift für Medienkritik. bitten wir herzlich.das ist die Zeit. wer wissen will. BEI DER NEW YORK TIMES Karl E. Und genau so ist es in unserem Metier. Literaten und politische Aktivisten. »DIE ZEITSCHRIFT FÜR WAHRHEITSGEMÄSSE BERICHTERSTATTUNG« Lies Of Our Times Willkommen bei Lies Of Our Times. verfügbar gehalten. Meyer (Leitartikler) Wie die Menschen hierbei im einzelnen zu ihren Entscheidungen kommen. Wenn also die Geschichte passend zurechtgeformt werden soll. meistzitiertes Nachrichtenmedium der USA. Eine leitende Redakteurin von Newsweek wiederum meinte auf dieselbe Frage höflich. warum sie die Bombardements in Laos totschwiegen. Und »Lies« meint nicht nur die direkte Unwahrheit. aber es gelang mir doch. Zweifellos können wir die Flut von Lügen und Verzerrungen in den Medien nur gerade ein wenig anzapfen. daß Lies Of Our Times mit den Jahren zu wesentlich mehr Wahrheit in der Berichterstattung beitragen wird. Sie. welche Presseerklärungen. was passiert ist. PAPER TIGER TV Chomsky Geschichte ist also das.darunter neben Medienkritikern auch Wissenschaftler. die für Menschenrechte und Allgemeininteressen eintreten. In der Bibliothek der Times werden Millionen Ausschnitte aufbewahrt. ob die Redaktionsleitung der New York Times einer Diskussion mit Noam Chomsky zustimmen und diese abdrucken würde. unsere Leserinnen und Leser. Ein unbezahlbares Archiv der Ereignisse und der Menschen. was morgen eintritt. es ist aber auch die New York Times. in der wir leben. Lies Of Our Times Januar 1990 54 Karl E. indexiert. desto besser schmeckt sie einem. Wie Chomsky berichtet. daß bestimmte Sachen dort vorkommen und andere nicht. Besonders aufmerksam werden wir verfolgen. von denen die Berichterstattung geprägt ist. daß bestimmte Fragen gestellt und andere übergangen werden. einige Fragen darüber einzuschmuggeln. sie sollen uns von ihrem Umgang mit den Medien berichten. »wollten diese Leute nur über Linguistik reden. dann ist es ganz wichtig. Meyer stammt aus Wisconsin. uns an Ihren Erfahrungen mit den Medien teilhaben zu lassen -wobei Sie sich natürlich nicht nur auf die New York Times beschränken sollten. »Our Times« . Journalisten. Wir haben auch einige der Gruppen.und Kommentarentwürfe sowie Leserbriefe in den Massenmedien nicht zum Zuge gekommen sind. wenn Sie nur Manufacturing Consent gelesen hätten. Unser kritisches Material stammt von über hundert Korrespondenten . . hängt vielleicht mit dem zusammen. Nach 15 Jahren bei der Washington Post wechselte er zur New York Times.« Gesetzgebung ist wie Wurstmachen — je weniger man darüber weiß. und daß die Dinge in einen ganz bestimmten Rahmen gestellt werden. er lehnte jedoch von vornherein ab. Sie kennen doch den Spruch über die Gesetzgebung: Gesetzgebung ist wie Wurstmachen -je weniger man darüber weiß.AUS »DEMOCRACYS DIARY« (1948) Sprecher Was vor Jahren passiert ist. Meyer wurde gefragt. Na. Wir hoffen aber doch. die Geschichte schreibt. Er ist auch Autor mehrerer Bücher. was man in den Archiven der New York Times findet. dazu zählen Vernachlässigung von Themen und Heuchelei ebenso wie irreführendes Hervorheben und unausgesprochene Voraussetzungen .also all die Einseitigkeiten. und in wessen Interesse wird die Geschichte in dieser Weise zurechtgeformt? Die Antwort dürfte wohl nicht allzu schwer fallen. um Unterstützung gebeten. die sie ausgelöst haben. die Zeitung. Und genauso ist es in unserem Metier.

sich für Kommunistenjagden zu begeistern. zusammen mit Cliff Kincaid).) Die Flak der Mächtigen kann direkt oder indirekt auftreten. hier würde über ganz wichtige Fragen leichtfertig und oberflächlich entschieden. 27-28 . die einer bestimmten Sendung zugrundeliegen. werden sie von diesen stets gut behandelt.Wenn Sie mal in so eine Konferenz hineinhorchen könnten.000 Dollar im Jahre 1971 auf 1. AIM dient dazu. wo festgelegt wird. Filter: Flak dient der Disziplinierung der Medien Unter Flak versteht man negative Reaktionen auf Äußerungen oder Programme der Medien.) Obgleich die Flakmechanismen die Medien pausenlos aufs Korn nehmen. von 1951 bis 1963 als Wirtschaftswissenschaftler Mitglied im Zentralbankrat des Federal Reserve System in Wash- ington. der sagt nämlich haargenau dasselbe wie er über den suggestiven Einfluß der Presse. und prangert ihre angeblichen Unterlassungssünden an. Zur direkten Variante gehören Briefe oder Anrufe aus dem Weißen Haus an Dan Rather oder William Paley [CBS-Größen].) Manufacturing Consent S. per Telefon. Prozesse.oder Analyseoperationen finanzieren. wieviele Bereiche der Wirtschaft unter den Sponsoren vertreten sind. AIM drängt die Medien.»Themen setzen«. und es ist beeindruckend. direkt dienlich sein werden (. die solche Nachrichten vernehmen. indem Chomsky genau mit Reed Irvine vom rechten Rand des Spektrums übereinstimmt.. hier wie dort liegt darin wirklich eine Beleidigung der Intelligenz der Menschen. 26-28 55 Der Medienkritiker Reed John Irvine (geb. was auf die Seite 1 kommt und was nicht. Natürlich erblickt Reed Irvine darin eine linke Verschwörung. Flak kann in Form von Briefen oder Telegrammen erfolgen. den Medien möglichst jeden Gedanken an Abweichung auszutreiben.und Rundfunkkommentatoren sowie Verfasser zweier Bücher . sie können rechtslastige Überwachungs.. Die Mächtigen können aber auch indirekt auf die Medien einwirken: Sie können sich in ihren Kreisen (etwa bei ihren Aktionären oder Angestellten) über die Medien beklagen. wie die großen Medien die . Er ist Mitglied im Verband der Zeitungs. durch die dem amerikanischen Volk liberale Ideen zu nationalen und internationalen Fragen übergestülpt werden sollen. den Medien Dampf zu machen und Druck auf sie auszuüben. o d e r das FCC [Federal Communications Commission. bei jeglichem Verstoß gegen die Normen der rechten Vorurteile mit Ärger (und mit Kosten) zu rechnen (.das Zeug muß raus . 1922) ist seit 1971 Präsident der konservativen Organisation »Accuracy in Media« und seit 1985 Chefredakteur des AIM Report. US-Behörde für Funk und Fernsehen].. Mindestens acht Ölgesellschaften unterstützten AIM in den frühen 80ern. die den TV-Sender um Dokumente ersuchen. Meyer Merkwürdigerweise gibt es da so eine Art Spiegelbild. sie stammen hauptsächlich von Großunternehmen. durch einstweilige Verfügungen.können nur die praktizieren. Sie erfahren respektvolle Aufmerksamkeit. Firmenstiftungen und reichen Erben.. Druck. Schließlich können sie Wahlkampagnen finanzieren und damit solchen konservativen Politikern zur Macht verhelfen. Man muß ja die Zeitung jeden Tag voll kriegen. oder aufgebrachte Werbeagenten oder Sponsoren verlangen von den Medienchefs Sendezeit für eine Gegendarstellung oder drohen Vergeltungsaktionen an. Manufacturing Consent S. Und ich meine. So werden sie darauf konditioniert. dann hätten Sie bestimmt den Eindruck. die ihrem Ziel. sie können entsprechende Annoncen placieren. während ihre Propagandarolle und ihre Verpflichtung auf die übergeordneten Zielvorstellungen ihrer jeweiligen Organisation kaum jemals erwähnt oder analysiert werden. Parlamentsreden. In Wirklichkeit ist der Zeitdruck so enorm . die über Macht verfügen (.oder Strafmittel (..Media Mischief and Misdeeds (1984) und Profiles of Deception (1990.daß man zu einer Art Stenographie greift.vor allem wenn sie Geld kostet und als Drohung wirksam sein soll .. Auflage 1992 AIM wurde 1969 gegründet und erlebte in den 70er Jahren einen spektakulären Aufstieg. damit sie den Vorgaben der Wirtschaft folgen und für eine knallharte rechte Außenpolitik eintreten.. darüber. oder sonstige Beschwerde-. sobald sie sich einmal nicht an die außenpolitische Linie halten.ich zitiere . Von 1963 bis 1977 war Irvine internationaler Finanzberater. Karl E. auch so eine beliebte Wortblase unserer Tage. die sich gegen die Medien richten.) Flak . Die Einnahmen stiegen von 5..5 Mio Dollar Anfang der 80er Jahre. Gesetzentwürfe. Quelle: Who's Who in America 47.

Alte.weiter geht's nicht. daß die Grundannahmen.falls möglich und nötig auch mit Gewalt..wie kann ich denn da noch weiter gehen wollen? Sie sind doch schon so extrem kritisch gegenüber der Macht.04. was in der Welt vorgeht. C-Span ist ein Info-Kanal. Daraus folgt. selbst im eigenen Land. 126 Einige grundlegende Aussagen des außenpolitischen Diskurses: • Die Außenpolitik der USA wird von der »Sehnsucht nach Demokratie« und überhaupt den besten Absichten geleitet (. dann wurden sie aufgezählt: Frauen. Man muß diese Lehrsätze nicht eigens verkünden. 48 Hier eine nützliche Faustregel: Wer etwas über das Propagandasystem erfahren will. Arme. sakrosankt sind . wer Widerstand leistet. Und an dieser Stelle wäre dann das gut funktionierende System auch nicht unparteiisch. Nein.. in regelmäßigen Abständen den bewundernswerten Edelmut unserer Ziele zu preisen. die gegen das Volk eingestellt sind und für die Konzerne arbeiten. ihren Willen durchzusetzen . daß bei den Medien sowohl der liberale als auch der konservative Flügel .) • Gewalt kann nur zur Selbstverteidigung angewendet werden (.) • Die USA haben das natürliche Recht darauf. • Kein Land hat gegen die USA ein Recht auf Selbstverteidigung (. Hier haben wir ein typisches Beispiel dafür. werden diejenigen unterstützt und gewählt.nur damit es den Menschen schwer wird zu verstehen.innerhalb desselben Systems von Annahmen agiert. dann vertritt das Volk Sonderinteressen. AMERICAN UNIVERSITY. Werktätige. Aus »The Manufacture of Consent«. also so schlimm ist . Beinahe immer finden sich hier die Lehren der Staatsreligion. 59 Der Vortrag vom 16. ethnische Minderheiten . man geht einfach stillschweigend davon aus. sollte das System sogar eine liberale Färbung haben oder wenigstens diesen Eindruck erwecken.strenggenommen die gesamte Bevölkerung. abgedruckt im Chomsky Reader S. so progressiv. Die Medien wären dann praktisch das Sprachrohr für die Botschaft: Bis hierher und nicht weiter. was überhaupt gedacht werden kann. wenn die Presse wirklich so aufsässig. wie das Denken durch eine ganz bewußte Auswahl und Uminterpretation von Begriffen manipuliert wird .. der für ungekürzte politische Berichterstattung bekannt ist. Den Wahlreden zufolge lag hier selbstverständlich kein Sonderinteresse vor. Necessary Illusions S.GEORGETOWN UNIVERSITY. Chronicles of Dissent S. ein Aggressor. und weil jeder für das Gesamtinteresse und gegen Sonderinteressen ist. es genügt. Denn gerade wenn es scheinbar eine liberale Färbung hat. Denkt man es also zu Ende. Schaute man aber genauer hin und erkundigte sich. konditioniert es das Denken nur um so wirkungsvoller.. sogar die Grenzen dessen.. WASHINGTON Chomsky Um gut zu funktionieren. Jugendliche. die bei den liberalen Medien gelten. sind wir doch alle gegen Sonderinteressen. In beiden Wahlkämpfen. Eine Gruppe fehlte allerdings bei den Sonderinteressen: die Konzerne.) Folglich ist. WASHINGTON Chomsky Damit keine Verwirrung entsteht: All dies hat nichts mit der jeweiligen liberalen oder konservativen Grundeinstellung zu tun. daß jeder. daß sie gelten. die die richtige Ausbildung genossen haben. der noch darüber hinausgehen wollte..was immer das besagen mag . Sie umreißen die Grenzen des Diskurses — für diejenigen. der schaue sich die Kritiker und ihre stillschweigenden Annahmen genau an. bezeichnete die Reagan-Regierung die Demokraten als »die Partei der Sonderinteressen«. um wessen Sonderinteressen es dabei ginge. 56 . die Konzerne aber das Gesamtinteresse.89 an der American University wurde auch über den Sender CSpan ausgestrahlt. vertreten diese doch nach ihren eigenen Maßstäben das Gesamtinteresse der Nation. Das Propagandamodell besagt. den Boden unter den Füßen verlieren müßte. In anderen Worten. 1980 und 1984. was ja etwas Schlechtes sein muß.

General Electric usw. die die Themen setzen .AUS »TV DINNER« Chomsky Wir fragen nun: Was würde man von diesen Medien erwarten. Ein Beispiel hierfür sind die Besitzverhältnisse. Und diese bezeichnen wir als Filter. wirklich riesige Unternehmen. Westinghouse. Darüber hinaus sind sie in noch größeren Konzernen bis hin zu Multis eingebunden oder gehören denen ganz . wenn man relativ einleuchtende Marktverhältnisse ohne Fremdeinflüsse annimmt? Schaut man auf ihre Produkte.was sind sie letztlich? Was für gesellschaftliche Institutionen? Also in erster Linie sind es Großbetriebe.z. Wem gehören diese großen Medien. Filter: die Größe und Gewinnorientierung der maßgeblichen Medien sowie die Konzentration und das Vermögen ihrer Eigentümer 57 . B. dann findet man einige besonders wichtige Einflußfaktoren.

. als ob man fragt: Wie kontrollieren die Eliten General Motors? Warum wird diese Frage nicht gestellt? Nun. ich meine. wo man doch von euch Notiz nimmt.. denen das Land gehört. General Motors ist eine Institution der Eliten. dann habt ihr sofort die ganze hiesige Geschäftswelt auf dem Hals.sie gehört ihnen ja.. die Macht haben. vielleicht nimmt überhaupt niemand Notiz von euch. wie die Eliten das machen. so wie . denen das Land gehört. kommt der Druck. wissen Sie. und die Universität erhält Drohungen. und die sorgen dafür.. daß sie die Kontrolle darüber nicht verlieren. ich arbeite in der Studentenzeitung mit. Aber sobald ihr an einen Punkt kommt. Es gibt Menschen. Gut. daß sie die Kontrolle darüber nicht verlieren. ich meine . Student Bloß. und die sorgen dafür. die Reporter und so. Sie brauchen sie gar nicht zu kontrollieren . auf anderer Ebene.IN NANAIMO Student Ich würde gern mal wissen. Es gibt Menschen. 58 . Es gibt Menschen. Chomsky Die Eliten kontrollieren nicht die Studentenzeitungen. Ich meine.. die Macht haben. Denn es gibt nun mal Menschen. Chomsky Das ist so. daß sie die Medien kontrollieren .. das kann auch passieren. Aber ich kann dir eines sagen: Ihr braucht in eurer Studentenzeitung nur einmal irgend etwas Unkonventionelles zu riskieren.

sei es als PrawdaRedakteur. was ihm beigebracht worden ist? Weil dies hier für ihn Demokratie und Freiheit ist? Genauso war es doch bei den vielen Menschen. sagte er: Chomsky Ja. Da steht in einem Raum so ein Tisch mit einem großen Tuch drauf und drum herum sitzt ein Haufen Kapitalisten und zieht die Fäden. Chomsky Nein. . Posner Und Sie gefährden diese Ideale.) Wie kann Wolfe oder sonst jemand meinen. Die meisten haben wirklich an alles geglaubt. welche Dinge man in den USA nicht mehr zur Kenntnis nehmen kann.. daß er die Worte nur deshalb nicht hören kann. es gibt viele ehrliche Menschen. Posner Gehört Tom Wolfe auch zur Klasse der Kommissare? Chomsky Ja natürlich. Und anschließend legen Sie sich ein Glaubenssystem zurecht..) bis hinauf zu den Redakteuren der Prawda. Auch er versteht ja nicht einmal mehr die Worte..« So. Sie könnten denen in die Seele schauen . daß er nicht zur Klasse der Kommissare gehört. Wenn Sie mal wirklich darüber nachdenken.) Jeder von ihnen ist völlig von seiner Sache überzeugt.) Ich stimme Ihnen darin zu. die fest daran glauben. ... ich stelle doch nicht in Frage . aus diesem oder jenem Grunde etwas Bestimmtes zu tun. es ginge da zu wie in der Sowjetunion. ich hätte von Verschwörung gesprochen? In Wirklichkeit fühlt sich die Klasse der Kommissare durch jede analytische Bemerkung über die Struktur unserer Institutionen derartig bedroht. die alte Verschwörungstheorie. daß es eine gibt.. na ja. als Gastkommentator der New York Times oder als KZ-Wächter (. die ganz fest daran geglaubt haben (.. dies ist alles richtig und gerecht.und Autoritätssystems funktionieren .. Nachdem ihm der nebenstehende Ausschnitt aus einem Gespräch zwischen Tom Wolfe und Bill Moyers vorgespielt worden war. Also die Leute. den ich je gehört habe. Da beschließen Sie.ich meine damit..« Wären sie nicht im Besitz dieses Glaubenssystems. Und da ist es schon interessant zu sehen. An den Universitäten ist das ja jetzt die große Mode. und am Ende stehen dann die Menschen. weil er so fest an das glaubt. Am 22. und deshalb sage ich ja das genaue Gegenteil davon (. aus dem sich Ihre Handlungen begründen lassen. die ihm sagt: »Jawohl.... die innerhalb eines Macht.. Wenn ich also sage. Das hieße ja. darunter auch Tom Wolfe. oder? Tom Wolfe Ich halte das für den größten Quatsch. die die Fäden in der Hand hält.. so daß Sie sich sagen können: »Ich habe recht gehabt. Es ist wirklich absoluter Blödsinn und sicher nur eine Mode. wie solche Glaubenssysteme entstehen . Noam Chomsky. Angenommen. sie glauben an den Bösen irgendwo. was ich in der Sowjetunion als die Kommissars- 59 klasse bezeichnen würde. Sie beschreiben das. Chomsky Moment mal . Solche Räume gibt es nicht .also Sie sind anderer Meinung. Wissen Sie. es wäre wirklich idiotisch zu glauben.. daß .Wissen Sie. daß sie nicht einmal mehr die Worte richtig aufnimmt. 131. Daß er eben doch seine Ideale hat.wie viele absolute Zyniker wären wohl darunter? Posner Nicht sehr viele.. sie könnten nicht weitermachen wie bisher (. Es ist so eine Art Fundamentalismus.j e d e r kennt es ja bei sich selbst.. Sie be . Sehen Sie. Bill Moyers Sie selbst gl. wir hätten in den Vereinigten Staaten ganz oben eine Kabale. es gibt da oben keine Kabale.. Chomsky Stimmt. Chomsky Ja sehen Sie.. Mehr über die Verschwörungstheorien auf S. Posner Aber meinen Sie nicht auch. Posner & Donahue Transcripts. Die Sache liegt völlig anders.) Meinen Sie nicht. In gewisser Weise denken die Intellektuellen hier wie die Pfarrer .ich sag's nicht gern. die wie ich in der Kommunistischen Partei waren und die zutiefst an die Lehre geglaubt haben und sich nur unter Schmerzen davon freimachen konnten (. Juli 1993 war Chomsky eine Stunde lang Studiogast in der Reihe.. daß es sich um ein geschlossenes Glaubenssystem handelt. Posner .. Genau so arbeiten eben diese Systeme. dem stimme ich zu. und 27. Jeder hat sich seine Glaubenswelt zurechtgelegt..AUS »A WORLD OF IDEAS« (1988) Bill Moyers Was sagen Sie dazu? Tom Wolfe (Schriftsteller) Das ist wieder die . dann versteht er. wo man kritische Analysen einfach nicht mehr zur Kenntnis nehmen kann. »Posner & Donahue« des Senders CNBC. und ich selbst bin dabei völlig frei und unabhängig.

Wo es unter den Mächtigen selbst Differenzen gibt. 1992). 4. sondern darum. Wenn fast immer (. Übrigens stellen die Massenmedien nicht in jeder Frage einen monolithischen Block dar. h.000 Zeitschriften 11. außerdem haben sich die Medienleute an die Schranken angepaßt.000 Fernsehsender 2. wobei es natürlich nicht um direkte staatliche Zensur ging. . Vielmehr beruht unsere Analyse eher auf der Prämisse »Freier Markt«.500 Buchverlage 23 Großunternehmen kontrollieren jeden dieser Bereiche mindestens zu 50 Prozent. den Markt und die politischen Machtverhältnisse gesetzt sind. so liegt das daran.000 Rundfunksender 2. Aber das ist nur eine Ausrede. Es sind dies: Bertelsmann Buena Vista Films (Disney) Capital Cities/ABC CBS Cox Communications Dow Jones Gannett General Electric Harcourt Brace Jovanovich Hearst Ingersoll International Thomson Knight Ridder Media News Group (Singleton) Newhouse News Corporation Ltd. wird gewöhnlich von den etablierten Kommentatoren als »Verschwörungstheorie« abgetan. wenn sie ihre Artikel schreiben oder sich geschlossen ausschweigen. wie die Medien bei umstrittenen Themen verzerrt berichten oder ganz kneifen. denen die Medien unterliegen. The Media Monopoly (Beacon Press. alles ergibt sich weitgehend aus dem Wirken der Marktkräfte.800 Tageszeitungen 11. wie die immer noch gemeinsamen Ziele am besten zu verfolgen seien. die Organisation. daß sie die Welt durch die gleiche Brille betrachten und von denselben Einflüssen motiviert oder gebremst werden. in einigen halten sie praktisch ein Monopol.. In unserer Erklärung der Rolle der Massenmedien benutzen wir keinerlei »VerschwörungsHypothese«. xii 60 Alljährlich versammelt Carl Jensen eine Gruppe von Medienkritikern um sich und läßt sie »die 10 am stärksten zensierten Texte des Jahres« auswählen.. Wir haben die auf die USA beschränkte Analyse auf ganz Nordamerika ausgedehnt. da werden auch im Kampf der Medien die taktischen Meinungen darüber auseinandergehen. (Murdoch) New York Times Paramount Communications Reader's Digest Association Scripps-Howard Times Mirror Time Warner Tribune Company Kritik an Institutionen. folgen aus der Vorauswahl der Personen mit dem richtigen Denken und aus der Verinnerlichung von Grundbegriffen.) alle Medienführer sich gleichartig verhalten. die ihnen durch die Eigentumsverhältnisse. Die meisten der Vorurteile.In Nordamerika gibt es: 7 große Filmgesellschaften sowie jeweils mehr als 1. d. 358 Die Statistik auf dieser Seite beruht auf den Angaben in: Ben Bagdikian. Also handeln sie auch unausgesprochen als Kollektiv oder folgen ihrem Anführer. Im Jahre 1987 ging der erste Preis an Ben Bagdikian für eine Untersuchung über diese Dinge. Aufl. Manufacturing Consent S. Necessary Illusions S. wie wir sie in dem Buch [Manufacturing Consent: The Political Economy of the Mass Media] vorbringen.

So funktionieren Institutionen nicht. jede kritische Analyse wird Mißfallen bei denen erwecken. mit den Bedürfnissen. Den Holzfällerfirmen erschien dieser Film. Necessary Illusions S. Wer lieber billig davonkommen will. die ihrerseits zu noch größeren Konzernen gehören. 8 Im Jahre 1989 mußte ein im Besitz von Turner Broadcasting System befindlicher Kabelsender ein TV-Feature. der Käufer und des Produkts übereinstimmen werden. daß die Auffassungen und die Weltanschauung. Aber es gibt noch zahlreiche andere Faktoren. der »seine Unterstützung durch Gulf & Western einbüßte. um Abweichler. Die Firma Domino's Pizza entzog der NBC-Sendung »Saturday Night Live« ihr Werbebudget mit der Begründung. eines. Chomsky Wir haben hier also vor allem einige Großunternehmen. die daraus entstehen. Unternehmen und Konzerne. Man will also seine Zielgruppe in Richtung auf Elite und Wohlstand verändern. Geld verdienen sie einzig und allein mit ihren Werbekunden. wir reden hier von den Elitemedien. Lee. Der Grund: Auf Druck der Holzindustrie hatten acht Werbekunden ihre Aufrage storniert.Die folgenden Aufnahmen stammen aus der University of Washington in Seattle. Interessen und Sichtweisen der Verkäufer.« Andere ebenso wenig . Ancient Forests: Rage Over Trees. sind nicht die Leser. denn dann steigen auch die Preise für Werbung. nachdem er in einem Dokumentarfilm mit dem Titel >Profithunger< gezeigt hatte. und weiter: »Die Sender reagieren inzwischen äußerst sensibel auf die empfindlichen Gefühle der Konzerne. Salomon. die in der Lage sind. Alternativmeinungen und dergleichen auszuschließen. Denn Ausfälle gegen den offiziellen Feind müssen weder besonders begründet werden noch irgendwelche Gegendarstellungen fürchten. das die National Audubon Society produziert hatte. aber nicht über diese Sichtweise verfügen. Hörer oder Zuschauer. heftig zu reagieren. aus Radio KUWR in Laramie und aus dem Auditorium der University of Wyoming in Laramie. die in das System hineinwol- len. N. bescheinigte der Gulf-Präsident dem Sender. die anderen Unternehmen privilegierte Zielgruppen verkaufen. dieser Film sei »massiv wirtschaftsfeindlich. Der Markt.die implizite Warnung genügt. M. das nicht auf Förderung durch die Wirtschaft hoffen kann. hält sich an das »patriotische Schema«. Man will ein Qualitätsprodukt verkaufen. an den Rand zu drängen oder zu eliminieren. alle Belege und Argumente müssen gänzlich abgesichert sein. notiert der Londoner Economist am 5.12. sind Institutionen. Nun bedenken Sie aber. stirbt im allgemeinen schon kurz nach der Geburt«. Unreliable Sources: A Guide to Detecting Bias in News Media (Carol Publishing Group 1990) S. Im Interesse der besseren Lesbarkeit wurde die Tonspur hier zusammengefaßt. ist anstrengend und kostspielig. um nicht zu sagen antiamerikanisch. Einige Abschnitte wurden auf der Videowand des Erin Mills Einkaufszentrums erneut aufgenommen. denn diese stören die Funktion. A. Was die Medien am Laufen hält. Was wir also am Ende haben. Sich gegen die Machtzentren zu stellen. die Sendung verkünde angeblich eine antichristliche Botschaft. die dazu beitragen. die sich alle in dieselbe Richtung auswirken. Manchmal üben die Werbekunden einen viel direkteren Einfluß aus. sie machen die Institution als ganze funktionsunfähig. 60 Filter: Werbung als Haupteinnahmequelle der Massenmedien 61 . Es gibt aber noch mehr Faktoren. also andere Firmen. kann man letztere doch als Fürsprache für Verbrecher abtun.« »Ein Freund tut so etwas nicht«. die den Wald vor Bäumen nicht sieht. daß WNET denselben Lapsus heute noch einmal begehen würde.fragen Sie nur mal Ihre Freunde in der Werbebranche. daß die Medien sich den Wünschen der verbündeten Staatsund Wirtschaftskreise beugen.« Das Blatt erwähnt dann den Fall des TV-Senders WNET. ohne einen einzigen dazwischengeschalteten Werbespot ausstrahlen.87. das die Werbepreise hochtreibt . zu belohnen oder zu strafen. Wie alle anderen Unternehmen bieten auch sie ein Produkt auf dem Markt an. wie die Multis in der Dritten Welt riesige Ländereien aufkaufen. Welche Weltsicht wird sich also hieraus ergeben? Ich kann wohl ohne weitere Zusatzannahmen vorhersagen. das sind die Werbekunden. Schließlich wird sich keine Institution frohen Mutes einen Mechanismus zur Selbstzerstörung bauen. Menschen.« Schlußfolgerung des Economist »Es ist kaum anzunehmen. »Ein Programm. Sie tun vielmehr alles. fallen höchstwahrscheinlich bald wieder heraus. zu radikal.

Spock und die übriasketisch wirkenden Gesichtszügen. keine angenehme Erfahrung. Ich glaube. also wenn ich so zurückschaue und an Sachen denke. Aber ich kann mich daran erinnern. der im Frühjahr 1966 in der der Opposition gegen den Krieg« bezeichNew York Review of Books erschien. aber nicht getan habe. Chomsky Oh ja. dann ist das ziemlich .10. Eben- BÜRO IM MIT David Barsamian Also wie war das mit dem kleinen Noam auf dem Schulhof? Chomsky Das sehe ich als Privatsache an. gleichzeitig Sanftmut und moralische Intewobei Chomsky als (noch) nicht angeklaggrität austrahlen«. Sie spielte auch eine wichtige Rolle in als einen »schlanken Mann mit scharfen. Das interessiert doch niemanden. Norman Mailer. das hat mich sehr beeinflußt.. hat in seinem in der New York Review of Books erschien und Buch The Armies of the Night (1968) »den von Tausenden unterschrieben wurde. der am 12. David Barsamian Sie haben daraus aber auch gewisse Schlüsse gezogen. Geist und das Wesen dieser DemonstratioDiese Initiative führte zur Gründung von nen mit großartigem Scharfblick eingefanRESIST . jeder Hinsicht mit Leib und Seele Lehrer« siehe Quellenverzeichnis]. (Zitate aus American Poter Mitverschwörer galt. da 62 . 367 bzw. in der Sie aufgewachsen sind. an diesem Abend illegitime Herrschaft«.1967 vor dem PenRoman. Da gab es das übliche Dickerchen.»AMERICAN FOCUS«. als mit der DemonMailers Roman S. bis 21. aus der vordersten Reihe. auf dem Schulhof. Ich weiß noch. Mailer beschreibt ihn treffend tete. die als »ungesetzten Essay »The Responsibility of wöhnliches und unvergeßliches Bekenntnis Intellectuals«. Ich meine. dem Prozeß gegen Dr. über den sich alle lustig machten. 203 (»Geschichte als stration vom 19. Von Chomsky heißt es dort. entkommen? Chomsky Ich selbst? Karine Kleinhaus Ja. ich war sechs.einer landesweiten Organisation gen«. in der ersten Klasse. Er stand auch in wer and the New Mandarins S. Einige net wurde. die ich hätte tun sollen. daß ich . an der »nach manchen SchätMonate später war er einer der Unterstützer zungen Hunderte von Menschen beteiligt« des ersten »Aufrufs zum Widerstand gegen waren. der Roman als Geschichte«). vielfach überde .. die ihren Blick und gelte »im MIT wegen seiner Entauf den außenpolitischen Imperialismus deckungen auf dem Gebiet der Linguistik und die innenpolitische Repression richals Genie«. Seinen Ruf als Dissident begründete Chomtagon eine Wendemarke überschritten wursky mit seinem berühmten. Chomsky Häufig nicht. na ja. WASHINGTON Karine Kleinhaus Was glauben Sie: Sind Sie persönlich der ideologischen Indoktrinierung durch die Medien und durch die Gesellschaft. Oktober Chomskys Zellengenosse. die gen »5 Bostoner« wegen Verschwörung... er sei »in [übrigens immer noch im Widerstand aktiv.diese Demonstration.

Daß das Buch auf Anhieb einschlug. Aus »The MIT Interviews « Febr. nicht aus der ersten.und dann beschlossen Sie. Und dann Plötzlich. Dabei waren unsere Forderungen wirklich sehr zahm .. Die Menge war überaus feindselig eingestellt. den die Institution anscheinend nicht ausgesiebt hat . a.« Denn was war mit den dreimal so intensiven Bombardements in Südvietnam? Davon durfte man nicht einmal sprechen.) 63 Chomsky Am 15. ziemlich. sie auszusprechen. als Gesellschaftskritiker und als Kämpfer. »The Responsibility of Intellectuals« wurde im folgenden Jahr in dem Buch The Dissenting Academy von Theodore Roszak abgedruckt. wir waren sehr froh darüber. auch The Political Economy of Human Rights Bd. daß ich auf einer öffentlichen Kundgebung unter freiem Himmel das Wort ergriff. 169-296 Politics). sah man »seine Präsenz dort als so wichtig an. Aus der Einleitung zu Noam Chomsky: Critical Assessments Bd. 1990 . Und ich weiß noch.wo er die Locke Lectures gab . AUS »THIRD EAR« Jonathan Steinberg Sie standen ja schon ganz gut da. The Chomsky Reader S. Sie fühlten keine Sympathie für die vorherrschenden Strömungen in den USA. Es waren wohl 200-300 Polizisten da. auch Oteros Einführung zu Language and Zum Indochinakrieg vgl. und einer brachte sogar seinen älteren Bruder an. die Argumente seiner Gegner logisch zu zerpflücken. Aber das geht vielen anderen auch so. die den Dienst in einem verbrecherischen Krieg verweigern«). O. faßten Sie den Ent- so genau trifft die Formulierung von den »dichtgepackten Begriffswindungen des Chomskyschen Erkenntnisprozesses«.»zum MIT fliegen mußte«). Jonathan Steinberg Sie fühlten sich isoliert. Sie waren Professor am MIT. Manufacturing Consent S. von seiner eigenen Brillianz gar nicht zu reden. kurz darauf auch in Chomskys erstem »Nicht-Fachbuch«. Ich hab' eher außen vor gestanden. Oktober 1965 kam es zum erstenmal dazu. es sei »das erste überragende Produkt des gesellschaftlichen und politischen Denkens in der Folge der Vietnam-Katastrophe« und »der erste Entwurf zu einer Unabhängigkeitserklärung der Intellektuellen«. die von der Universität herüber kamen und drauf und dran waren. und dann habe ich mich sehr geschämt deswegen und mir gedacht: Also das passiert mir nicht wieder. eine Sammlung historischer und politischer Essays. wie ich mich neben ihm aufgebaut und gedacht habe.man genierte sich beinahe. manche wollten in ihm sogar einen Helden oder Guru der Neuen Linken erblicken. verdankt es zum Teil der geradezu ehrfurchtgebietenden Diskutierstärke seines Autors (in Wort und Schrift) sowie seiner fast übermenschlichen Fähigkeit. und der wollte ihn verprügeln oder so. Dann kriegte ich aber Angst und verzog mich. uns umzubringen. denn sie waren unser einziger Schutz gegen einen gewaltsamen Tod. Sie waren bis dahin immer brav gewesen? Oder waren Sie schon von jeher so etwas wie ein Rebell? Chomsky Doch. hatten sich einen Namen gemacht und eine tolle Karriere vor sich . 2. genoß er internationale Bewunderung und einen Ruf als eloquenter Sprecher der Antikriegsbewegung. politischer Aktivist zu werden. The Nation begrüßte damals das Buch mit den Worten.stand er direkt vor der Klassenraum und ein Haufen Kinder hänselte ihn. Es waren meistens Studenten. das war auf dem Boston Common. Und die Scham ist immer noch da . und dann blieb ich eine Weile dort. 223-302. vielleicht aus der drillen Klasse.dem Schwächeren beistehen. Dieses Buch. also für uns ein ganz Großer..heißt das also. (Vgl. 3 (a. erschien 1969 und stellt wohl die schärfste je erschienene Anklage der US-Invasion Indochinas dar. (Bevor am 4. Wir sagten nämlich nur: »Stoppt die Bombardierung von Nordvietnam. nämlich in American Power and the New Mandarins (»den muti- gen jungen Männern gewidmet. irgendjemand muß ihm doch helfen. 1964. Noch ehe das Jahrzehnt zu Ende ging. Seitdem sitzt das in mir drin . Das ist doch nun der klassische Fall eines. März 1969 sein Arbeitsprogramm am MIT eingestellt wurde. daß er einmal wöchentlich von Oxford« . und ich muß sagen. daß ich hätte ausharren sollen.

die wir diesen ideologischen und sozialen Strukturen gegenüberstellen wollen. Wir müssen nach Wegen suchen. So sahen damals unsere Erwartungen aus. hat kaum unter Repression zu leiden. Natürlich wird man hier in den USA nicht in eine psychiatrische Anstalt gesteckt oder einem Todeskommando ausgeliefert. Mir war auch klar. Und mir war klar. die wir noch eine gewisse Freiheit in der Wahl unserer Mittel haben und nicht buchstäblich in der Schußlinie stehen. American Power and the New Mandarins S. in Guatemala oder Harlem vorlegen. 397-398 64 Ich selbst stand auch auf Nixons Schwarzer Liste. ich hatte eine schöne Wohnung. die unsere hiesige Gesellschaft in Not und Elend gestürzt hat und niederhalten will und die sich aus diesem Elend zu befreien suchen. ich machte mich auf Jahre im Gefängnis gefaßt. aber wenn es uns ernst damit ist. Wir haben an den gesellschaftlichen Privilegien teil und genießen deren Vorrechte. Mitgefühl zu zeigen und denjenigen Ermunterung und tätige Hilfe zu erweisen. Als Repression würde ich das nicht bezeichnen. daß breite Schichten darin ihre menschlichen Grundbedürfnisse erfüllt sehen .dann würde es ziemlich ungemütlich werden. Kanada (1988) . Bitte. weil wir dachten.schluß: Ich muß was tun. das Arbeitsgebiet war ein Erfolg. Meine Arbeit machte mir Spaß. müssen ein so starkes geistig-moralisches Potential entwickeln. Die Alternativen. Hamilton.. meine Kinder wuchsen heran. und seien sie noch so klein. Ich stieg direkt in den Widerstand ein.. Ich hatte eine sehr begünstigte Stellung. wenn ich mich wieder diesen Interessen zuwenden würde . unser Institut quirlte vor Leben. sieht sich aufgerufen. sie müsse demnächst die Kinder ernähren. an deren Ende eine Gesellschaft ohne Furcht und Schande steht. Aus einem Gespräch an der McMaster University. durch die uns die Gesellschaft fester an der Kandare hat als irgendein totalitärer Staat. Nur: Wer privilegiert ist. und wir müssen wahrscheinlich gesellschaftliche oder institutionelle Einheiten schaffen. mit denen wir diesen Konkurrenzgeist und diese engstirnige Selbstsucht überwinden können. in voller Verantwortung für die Opfer des Machtgebrauchs durch die USA einzutreten. die mir keineswegs leicht gefallen ist. aber ein Zurückschrecken wäre mir damals einfach als hoffnungslos unmoralisch erschienen. Das war also schon eine echte Entscheidung. Wann immer wir über eine Widerstands. Zur Überzeugungsarbeit zählen Taten so sehr wie Worte. und fast wäre es auch dazu gekommen. aber das hatte nicht viel zu bedeuten (. Jeder von uns. Ich war Mitverschwörer. wie wir weite Kreise unseres Volkes von diesem Ziel überzeugen und diese Überzeugung in Aktionen umsetzen können. schließlich verstießen wir ganz offen gegen die Gesetze .oder Protesttaktik nachdenken. So etwas kann man nicht Repression nennen. im Privatleben lief alles bestens. stand aber noch nicht unter Anklage. wenn man die Spielregeln verletzt.) Ich sollte für 5 Jahre ins Gefängnis und nur die Tet-Offensive hat mich davor bewahrt. Was hat Sie dazu gebracht? Chomsky Das war eine sehr bewußte Entscheidung. bleibt uns nichts anderes übrig. all dies würde ich aufgeben. Ich wußte nämlich. Meine Frau ging sogar wieder als Lehrerin arbeiten.die ja meine eigene Jugend geprägt hatten .oder was man so nennt. müssen wir uns die Frage nach den zu erwartenden Folgen für die Menschen in Vietnam. damals ging es nicht nur um ein paar Vorträge. aber klare Strafen gibt es doch dafür.wozu nicht zuletzt das natürliche Streben zählt. Dies alles mag ein ferner Wunschtraum sein. müssen wir den Aufbau der Bewegung gegen Krieg und Unterdrückung im Auge behalten. was danach passieren würde. Alles erschien perfekt.

O..) Es kann aber auch erheblich darüber hinausgehen (. a. Seit einigen Jahren beteilige ich mich immer stärker an der Antikriegs-Bewegung. Einen Verbrecher darf man aber an einem Mord hindern.. wo ein unerträgliches Übel vorliegt. sowie danach. Ich glaube inzwischen... um wiederzugeben. daß speziell im Vietnamkrieg ..) Ich muß hier nicht mehr beschreiben.AUS »THE NEWSREEL« (1968) Chomsky Ich heiße Noam Chomsky und bin Dozent am MIT. 154.und nicht dem Abweichler . was wir anrichten. es sollte klar sein.. mit Abgeordneten gesprochen usw.. wir müssen zu neuen politischen Aktionsformen finden. aus dem Weg auszuscheren. aber dann bin ich nach und nach immer mehr in verschiedene Widerstandshandlungen reingerutscht. den seine Gemeinschaft eingeschlagen hat. derart gegen seinen eigenen Staat zu handeln. Ziviler Ungehorsam läßt sich nur dort rechtfertigen.überlassen bleiben. Ländliche Massenbewegungen waren jedenfalls nicht beteiligt. Buckley zu dem oben zitierten Artikel der New York Times Das Völkerrecht ist in vieler Hinsicht ein Instrument der Mächtigen. 285-297 .die USA wie ein Verbrecher handeln. Ich denke. wir würden damit die Opfer unserer Gewalt und unserer moralischen Feigheit nur beleidigen. Jawohl . daß Befehle von oben nicht immer befolgt werden müssen.. Das kann ganz passiv ablaufen (.) Ich denke. so trifft das Gegenteil zu (. der seinem Gewissen verpflichtet ist. dann ist ziviler Ungehorsam in der Tat mehr als gerechtfertigt... Aus dem Beitrag von William F. illegal nennt.und um den geht es mir hier vor allem . ihm Einhalt zu gebieten.. Aber auch die erzielbare Wirkung und die moralischen Überzeugungen spielen eine Rolle.11. Aus Chomskys Beitrag zu einem Artikel unter dem Titel »Views on disobedience in the light of its being increasingly urged by critics of the Vietnam war«.) Zuweilen ist es nur eine symbolische Konfrontation mit der Kriegsmaschinerie (. Vgl. man kann den Preis der amerikanischen Aggression in Übersee erhöhen.) Wie weit man mit dem zivilen Ungehorsam geht.) Mehr zu den Grundsätzen von Nürnberg auf S. und wenn er dann den Versuch. und genau dort beginnt der zivile Ungehorsam. so muß es doch der Gemeinschaft . und man kann diejenigen unterstützen.. Es gibt eine Grenze. hängt vor allem von der Schwere des Mißstands ab. Daraus folgt. Zuerst habe ich Artikel geschrieben.. auch »On the Limits of Civil Disobedience« in For Reasons of State S. Reden gehalten.wenn wir das schändlichste Kapitel in der Geschichte der Vereinigten Staaten endlich beenden wollen. an Kriegsverbrechen teilzunehmen (für mich sind es jedenfalls welche). so etwa in den Grundsätzen von Nürnberg und in der Charta der Vereinten Nationen. New York Times 26. Und um die zu korrigieren. unserer Kultur und unserer Institutionen. müssen wir uns außerhalb des allgemein akzeptierten Rahmens stellen. Ausnahmen sind nur unter sehr eingeschränkten Voraussetzungen zulässig. Nach Dachau und Auschwitz weiß jeder. Worte reichen nicht aus. Meines Erachtens verlangen diese Elemente von jedem Bürger.) Aus »Human Nature: Justice versus Power« in Reflexive Water (a. gegen den man sich wenden will. im zivilen Ungehorsam uneingeschränkt gewaltlos zu bleiben (. sehr ernste Fehler und Schwächen unserer Gesellschaftsordnung. Gleichwohl wäre sein Handeln legal. die effektivste politische Aktionsform. die beispielsweise auf den Vietnamkrieg nicht zutreffen. über die Sanktionen zu entscheiden. die einem verantwortungsbewußten und engagierten Bürger jetzt noch offensteht. ist es doch eine Schöpfung der Staaten und ihrer Vertreter. daß dieser ihn fälschlicherweise als kriminell einstuft.67 Auch wenn jedermann das Recht haben sollte. In einer aufgeklärten Gesellschaft sollten diese Sanktionen je nach Art der Widersetzlichkeit gewählt werden. Vor allem die landesweite Kriegsdienstverweigerung. und deshalb bin ich dafür. Ich meine. was doch allgemein bekannt ist. als im Lauf der Zeit der jetzt gültige Korpus des Völkerrechts entstand (. indem man sich nicht beteiligt. ob diese er- 65 kennbar aus tiefen philosophischen Überzeugungen erwächst (.. die die Teilnahme ablehnen. So verbietet das Völkerrecht etwa die Anwendung von Gewalt unter Staaten.) [Dennoch finden sich] im Völkerrecht interessante Elemente. ist der direkte Widerstand: Also man kann sich weigern. wir erkennen doch jetzt ganz deutlich einige sehr. ja selbst die Drohung damit. welche Konsequenz bei vorbedachtem schweren zivilen Ungehorsam angezeigt ist: die Deportation..

. Buckley Sie nennen den Krieg einfach obszön eine verkommene Tat elender Schwächlinge. sonst würde ich Ihnen nämlich eins in die Fresse geben. Buckley Und weiter . Es fällt mir schwer.. Auch wir zählen dazu.AUS »FIRING LINE«. vor allem wenn ich sehe. Dieser Krieg ist einfach obszön. Auch wir hätten geschwiegen. American Power and the New Mandarins S. Chomsky Es mag eine Zeit gegeben haben. wenn allein Ruhe und Ordnung geherrscht hätten. USA (1969) William F. Das stimmt . Chomsky Uns alle eingeschlossen .. das auszusprechen. Buckley Klar. daß Sie hier über die Vietnamfrage diskutieren wollen.um der Wahrheit willen. Aber vielleicht nicht gerade heute abend.. er ist eine verderbte Tat. Chomsky Also manchmal werde ich wütend. verübt von schwachen... mich zu beherrschen.. wieviel Überwindung Sie das kostet. Buckley . Man kann das inzwischen ebensowenig wie über den Krieg der Italiener in Abessinien oder über die Unterdrückung der Ungarn durch die Russen. und Ihnen geht's gut. und eine Sache wie diese .. Ihnen geht's prima.mich selbst nicht ausgenommen. daß diese Geißel der Zerstörung endlos weiterwütet. Buckley Da bin ich aber froh. Chomsky Das ist ein guter Grund.. 9 . Aber das ist lange vorbei. da man über die Vietnam-Politik der USA noch geteilter Meinung sein konnte. aber es muß sein . verächtlichen Männern.. 66 denn wir haben es zugelassen. Chomsky Das stimmt. Buckley Heute vielleicht nicht.

. wird überrascht sein. oder? Chomsky Nein. also ich meine . Buckley . Buckley Hm.. Man kann sogar. American Power and the New Mandarins S.. die den meisten von uns selbst in diesen unvollkommmenen Institutionen offenstehen.. der sich auch nur ein wenig mit Geschichte beschäftigt. die einen Karl Marx das Britische Museum hätte anzünden lassen. wenn die Leute.. Hier liegt wirklich eine Gefahr.... alle sind an allem schuld... Daß die Menschen über ritualisierte Schuldbekenntnisse geradezu daran gehindert werden können zu tun... Und ebenso trügerisch ist der Schrei nach der »Revolution«. was ich damit aufzeigen will. Chomsky In diesem Fall stimmt das. 67 ... Sollte es in den USA derzeit überhaupt so etwas wie eine »Revolution« geben. ja. also mir erscheint es jedenfalls so... das steht im nächsten Satz . na ja. Die gravierenden Mißstände und Schwachstellen innerhalb unserer Institutionen dürfen wir keinesfalls übersehen. glaube ich .. Es kann jedoch auch ein Hemmschuh für wirksames Handeln sein . um an diesen zu arbeiten oder sie sogar gänzlich durch eine bessere Gesellschaftsordnung zu ersetzen.. dann könnte das nur ein Schritt in Richtung auf eine Art Faschismus sein. Wissen Sie.. was getan werden muß . die uns nicht weniger schwächt als die Apathie von einst.. aber ebenso unverzeihlich wäre es. Chomsky . Ed Turner Ja ja ja . in eine Selbstbezogenheit anderer Art zu verfallen. ist der eigentliche . die am lautesten »Schlagt alles kaputt!« schreien. denn wenn jemand sagt. wenn wir die erheblichen Spielräume. Wir müssen uns vor jener revolutionären Rhetorik hüten. Buckley Ja doch . also das glaube ich nun nicht. Chomsky . 17-18 Buckley Das ist gewissermaßen eine theologische Aussage. mit dem sich der Alltag einer Gesellschaft grundlegend verändern ließe. das glaube ich nicht . also was ich unter anderem damit sagen wollte .. Sie halten jeden für schuldig.dann nämlich. für mich ist gewissermaßen der erschreckendste Aspekt unserer Niemand. also in diesem Satz . wenn er zu einer Zeit ertönt. um wieviel weniger das moralische und politische Bewußtsein.dieser Gedanke ist ja nicht neu. später selbst an den Schalthebeln eines neuen Repressionsapparats sitzen. das Bekennen einer erdrückenden Schuld: Dies alles mag ja einen gewissen therapeutischen Wert besitzen. weil dieses ja auch nur ein Element der Repressionsgesellschaft war. eine gewisse Befriedigung empfinden. Ärger. Es ist ungeheuer leicht. nicht dazu nutzen würden... wenn dieses angesichts der Schwere des Verbrechens heruntergeredet wird.. Chomsky Nein.Chomsky Einschließlich aller . da neue Institutionen nicht einmal im Keim existieren. ich sage das an anderer Stelle in dem Buch [American Power and the New Mandarins] .. indem man über das Böse in sich nachsinnt. Wut. aber . dann ist niemand an irgend etwas schuld...klar doch..

die Wahrheit zu benennen und die Lüge zu demaskieren. die eigentlich . zumindest im Westen. daß es in einem gewissen Sinne gerade die vernünftigen. so stellen sich dort noch andere.häufig verborgene Absichten zu erforschen.) Den Intellektuellen obliegt es. Und deshalb glaube ich. über eine gewisse Macht. Motive und . als wenn mal gelegentlich ein Hitler oder LeMay [Curtis LeMay: General der US Air Force während des Vietnamkriegs] oder so jemand auf- taucht. von Ideologie und Klasseninteressen . Da die Intellektuellen diese Vor- 68 rechte genießen dürfen. was [Dwight] Macdonald die »Verantwortung der Völker« nennt (.also die zu einem erheblichen Teil mitschuldig sind. toleranten Menschen sind. Aus »The Responsibility of Intellectuals«. Solche Leute könnten überhaupt nichts bewirken ohne diese Apathie und Gleichgültigkeit. mit der geistig gesunde.durch den allein wir die Dinge der Zeit wahrnehmen dürfen .Gesellschaft . das Instrumentarium und die Ausbildung. die Lügen der Regierung aufzudecken und deren Handlungen im Hinblick auf Auslöser.. Ihnen als privilegierter Minderheit verschafft die westliche Demokratie immerhin die Muße.nach der Wahrheit zu suchen. reicht ihre Verantwortung viel weiter als das.anderer übrigens auch die distanzierte Gleichgültigkeit. die sie der politischen Freiheit verdanken. sie laden nämlich alles viel zu schnell auf den Schultern einiger Extremisten und Gewalttäter ab. The Chomsky Reader S. Auch verfügen sie. Ich halte das für schlimmer.. um hinter dem Schleier von Propaganda und Verzerrung. vernünftige Menschen solche Vorgänge anschauen. Was nun die Verantwortung der Intellektu- ellen angeht. Die Intellektuellen sind in der Lage. nicht minder beunruhigende Fragen. dem Zugang zu Informationen und dem freien Wort. 60 (abgedruckt aus American Power and the New Mandarins) . einsichtigen.

ihre Aussichten sind Das fand ich gut. Wissen Sie. In Kuweit wurde . sowie Chronicles of Dissent Kap. Collateral Damage (South End Press 1992) S. da gab es so vieles. die Ölquellen loderten monatelang. der Mangel an Medikamenten und Ausrüstung verhinderte selbst die einfachste medizinische Hilfe. Eine beeindruckend starke Untersuchung.AUS »PULSE NEWS«. Im Irak liegt infolge des Krieges die wirtschaftliche Infrastruktur darnieder.06.). hat man im Stich gelassen. vorbeikommt. wie die Medien über den Krieg berichtet haben? Mann links Im Rückblick bleibt unklar. aber hier war man über alles so ziemlich auf dem laufenden. KONFETTIPARADE IN NEW YORK Mann rechts Ja. 1 Chomsky beurteilt The Persian Gulf TV War so: »In seiner sorgfältigen Analyse der Realitäten des Golfkriegs und der Vorstellungen. daß wir eine mächtige Nation sind. auch: »What We Say Goes« in: C. The Persian Gulf TV War (Westview Press 1992) S. daß man hier lebt. aber es war doch ganz gut. Katherine Asals (Reporterin) Und was sagen Sie dazu. man war informiert und das finde ich gut. die den Sturz Saddam Husseins anstrebten.« Vgl. da muß man doch froh sein. Millionen Menschen hat der Krieg zu Flüchtlingen gemacht und um ihre berufliche Existenz gebracht. Nach einiger Zeit wurde es einem etwas zuviel. 12-15 . die zu vielfältigen Überlegungen Anlaß gibt. 420) Die Kurden und andere Volksgruppen. Der Irak selbst muß weiter die Diktatur der Baathpartei ertragen. Dennoch bestand Bush unvermindert auf dem Wirtschaftsboykott des Irak. welche positiven Auswirkungen der Golfkrieg überhaupt hatte. zeichnet Kellner ein Bild unserer Gesellschaft und unserer Institutionen.und Typhusepidemien sowie anderen tödlichen Krankheiten zu leiden. wir sind das stärkste Land der Welt. Ich meine. Die Amerikaner begrüßten ihre Truppen bei der Heimkehr aus dem Krieg am Persischen Golf. KANADA (10. die man uns davon vermittelt hatte. Peters (Hrsg. an dem niemand. und die Verluste an Menschenleben werden auf 243. während ausströmendes Rohöl den Persischen Golf verseuchte. 49-92. CFCF TV. MONTREAL. da sieht man doch. Ich meine. egal was passiert. Kinder starben an Hunger und Krankheiten. Die politische Stabilität im Nahen Osten ist bedrohter als je zuvor. hat der Golfkrieg nur neue Zwietracht und Spannung gebracht.000 geschätzt. später sterben« hatte das irakische Volk unter Cholera. Doug Kellner. über alles Bescheid zu wissen. Die ganze Region wurde ökologisch verwüstet. 69 ungewiß. (Als Folge der amerikanischen Politik des »Jetzt bomben. von dem man nichts wußte. anstatt die Probleme der Region zu lösen. dem unser Land am Herzen liegt. und das bleibt auch so. S.91) Lynn Desjardins Zwölf Millionen Pfund Konfetti wurden in der sogenannten »Heldenschlucht« in New York verstreut. in Vietnam damals.nach Milliardenschäden und ohne daß es zu nennenswerten Reformen gekommen wäre — wieder das alte autoritäre Regime eingesetzt. das ist prima gelaufen.

sondern Showbusiness. wie gut sie die Öffentlichkeit informieren. daß die Menschen um so weniger über die Hintergründe des Golfkrieges wußten. und daß sie auch den Krieg um so entschiedener bejahten.. zu verschwinden. Wer sich während des Krieges nicht der Disziplin der Reisegruppen unterwarf.. die sich auf eigene Faust hinauswagten. sondern selektiv fehlinformiert wird. die gegen den Truppeneinsatz eingestellt wa- 70 ren. Weil wir ein Nachrichtensender sind. Stimme Gib dem letzten Ding 'ne ID. OK? Ah. genau. galt als unerwünscht. Vom ersten Tag der Entsendung der amerikanischen Truppen an wurde der Presse der direkte Kontakt mit den Soldaten verwehrt. The Persian Gulf TV War (a. Sonst hatten die Journalisten sich stets frei unter den Fronttruppen bewegen können. die zu dem Krieg geführt hatten. Schnelle.. die unter den in Saudi-Arabien stationierten Soldaten um den Sinn und Zweck ihres Einsatzes kreisten. hatten die Streitkräfte die Berichterstattung über die Entsendung der Truppen und die nachfolgenden Militäroperationen praktisch völlig in der Hand. Jede Meldung. wenn er die Wahrheit vermitteln will. Reporter. daß »die auffälligsten Wissenslücken bei den Menschen solche Informationen betrafen. Redakteur 1 Bleib dran. die Politik der USA und die Ereignisse. so gerade deshalb. Hier ist Rick Salinger live aus Riyadh mit dem Neuesten. können wir den nötigen Zeitaufwand treiben.. ohne das man das Wie und Warum nicht verstehen kann. dem von ITN . läßt es für die Forschergruppe »als naheliegend erscheinen.. Friedensbemühungen praktisch zurückgewiesen. GEORGIA. allgemeine Fragen zum Nahen Osten und zur Außenpolitik der USA zu beantworten. Bei der Frage nach Grundkenntnissen über die Region. und im Zweiten Weltkrieg wie auch in Vietnam stand unsere Kriegsberichterstattung auf hohem Niveau. und auch dort durften Interviews mit Soldaten nur in Gegenwart von »Aufpassern« geführt werden (. ATLANTA. In Saudi-Arabien steht noch ein Türchen offen. weil aus Vietnam zu negativ berichtet worden war und man der Presse die Schuld dafür gab..) So fiel es der überwiegenden Mehrzahl der Befragten schwer. OK. Präsident Bush und Premierminister Major haben.CNN TV.. richtig benennen: die Patriot..das braucht der Reporter. die die Regierungspolitik in einem ungünstigen Licht hätten erscheinen lassen können« (. Nie zuvor ist die Berichterstattung über die amerikanische Kriegführung so massiv eingeschränkt worden. stellte das Forscherteam fest. wir stünden jetzt vor der Kamera und wären kein Nachrichtendienst mehr.) S. Aber das muß guten Journalismus nicht beeinträchtigen. Wenn das Militär nun zum Mittel der Gruppenfahrten griff. um dem Zuschauer den ganzen Kontext bieten zu können. Egal welche Wahrheit.also einer Militärzensur . an vielen Stellen der Erde live dabei zu sein.. a.. je häufiger sie während der Krise vor dem Fernseher gesessen hatten. Reporter. dann erweist sich ihr völliges Versagen. Die Tatsache. Ed Turner David Brinkley hat einmal gesagt. oder haben die sowjetischen Friedensvorschläge. Wer sich aber geneigt zeigte.. Mißt man hingegen die Qualität der Medien daran. nicht aber über unsere außenpolitischen Widersprüche. verschließen sich. Das Center for Studies in Communication der Universität von Massachusetts fand kürzlich heraus. verschließen sich praktisch .Israel nach dem Krieg. äh. bevor es nicht einer »Sicherheitsüberprüfung« .unterzogen worden war. Ehrlichkeit und Beharrlichkeit . äh. daß die breite Öffentlichkeit nicht etwa unwissend ist.. die vielleicht Fragen bezüglich der Politik der Bush-Regierung provozieren könnte. Darunter verstehe ich das institutionelle Gedächtnis.) Dies führte dazu. mit dem wir die irakischen Scud-Raketen abschießen konnten. nach denen ca. daß die Medienkonsumenten zwar über amerikanische Erfolgswaffen Bescheid wußten. verschließen sich praktisch .) Kein Reporter durfte sein Material nach Hause übermitteln. 80-83 Die Medien haben sich selbst auf die Schulter geklopft und Umfrageergebnisse ver- kündet. daß dieser Krieg unpopulär wurde (.. 70 Prozent der Bevölkerung mit der Kriegsberichterstattung sehr zufrieden waren. daß die heftigen Debatten. USA Ed Turner (Präsident von CNN) Dank des technischen Fortschritts waren wir zum erstenmal in der Lage.. wurden entweder festgenommen oder bei ihrer Rückkehr aufgefordert. der wurde mit Rundreisen und Interviews belohnt. Redakteur 2 . einige wurden sogar verprügelt. Fairness. erhielten weder Zugang zur Militärführung noch zu den Pressegruppen. Redakteur 1 Ja . Ed Turner Genauigkeit. ich geb' mal 'nen Einstieg zu Salinger.) Da außerdem alle Berichte und Filmdokumente der Zensur unterlagen... der Öffentlichkeit in den USA vorenthalten blieben. Stattdessen organisierten die Militärs Gruppenreisen für die Journalisten zu eigens ausgewählten Orten. verlor seinen Presseausweis (. O. hingegen konnten 81 Prozent den Flugkörper.« .

Eine größere Invasionsnisse eines Harvard-Ökonomen. der UNO-spezifische Ansatz zur die jeweils zwischenstaatlich damit verfolgAbwehr der Aggression in Sanktionen. Globe And Mail 15. ist schon schwierig genug und modells zur Analyse der Faktoren. daß sie gestürzt wurden (. wenn es künftig darum geht. Eine Invasionstruppe andereraus größer. welche die umfassenden die Sanktionen ihre . es gäbe keine Beweise für die Wirksamkeit von Sanktionen. 1 und der Durchschnittswert für den erzielten Schaden lag bei mageren 3. S. Wie oft noch wollen die USA. im Alleingang vorgehen und dabei selbst eine militärische Konfrontation riskieren? Aus »Sanctions Will Work . 4 Nr. der Muttergesellschaft von CNN . Noam Chomsky on U. Economic Sanctions Reconsidered (Institute for International Economics.« Extra!-Sonderausgabe Bd.11.01. Dabei gibt es zahllose Beispiele für Sanktionen.8 Prozent des BSP. San Ling streitmacht in der arabischen Wüste zu Lam. Harvard als 80 Prozent ermittelte.Wirksamkeit erst nach und nach herrscht. behaupten immer wieder. würde sich in erfolgreichen Sanktionen ein viel attraktiveres Modell für eine globale Zusammenarbeit anbieten. Da die Sache nun so hoch nischen Charakter des Saddam-Regimes) aufgehängt ist. A. Gulf Policy. die zu ihren Gunsten sprechen . Hufbauer. die Öffentlichkeit mit allen relevanten Fakten zu versorgen. also wird es einen chance immer noch mehr als 85 Prozent.übersteigt bei weitem alles bisher ist diese ganze Geschichte hochmoralisch Dagewesene. Ein Abzug ist aber polistehen würde . Also werden die Trup24 Prozent halbierten. C. seits kann nicht beliebig lange einsatzbereit Um unsere Schlußfolgerungen auch streng gehalten werden ..A15 Vgl. J. Der Einbruch im irakischen Bruttosozialprodukt .48 Prozent des Bruttosozialtisch so gut wie ausgeschlossen. Nur durch einen Krieg könne sichergestellt werden. 3 Mai 1991 Diejenigen. Das erfordert die Logik der gab 12 Fälle.and Soon« von G. Somit lag die erwartete Eraufgeladen und als Auftrag von geradezu folgswahrscheinlichkeit ursprünglich prakkosmischer Bedeutung zu verstehen: Sadtisch bei 100 Prozent. daß unter den Staaten. sei es. die sich für eine militärische Lösung der Kuwaitkrise einsetzen. Sanktionen könnten nichts gegen einen rücksichtslosen Diktator ausrichten. ist nicht verwandt mit Ted Turner. die von Erfolg gekrönt waren. nur um einen regionalen Tyrannen zu disziplinieren. der dem Irak enthen oder einsetzen. die einen wäre allenfalls für einige Monate möglich. denn ihnen obliegt es.ist zwanzigmal größer als der entsprechende Durchschnittswert von allen erfolgreichen Sanktionsfällen und immerhin noch dreimal so hoch wie der höchste bislang in einem Land bewirkte wirtschaftliche Schaden. Der durchschnittliche Rückgang des Handelsvolumens hatte University 19. der Präsident von CNN. die Sündenfälle kleinerer Länder auszubügeln. In ten Ziele zu erreichen. Hufbauer und K. Es sind aber Sanktionen mit Erfolg gegen Diktatoren aller Schattierungen angewandt worden . Da im Fall des Irak diesem Fall wäre es allerdings denkbar. je stärker formal zu testen. der erste. Man wird also vor die Wahl gestellt: AbzieDer geschätzte Schaden. sie hätten nur solche Fakten veröffentlicht. vor allem dem Fernsehen. Leider wird dieses Modell verworfen.) Da der Irak über weitaus geringere Reserven verfügt als die Sowjetunion. ohne je eine echte Chance gehabt zu haben. man könne »der Bush-Regierung und dem Pentagon nicht den Vorwurf machen.Die Untersuchung kommt zu dem Schluß.schließlich zählt die Verbreitung ausgewogener Informationen nicht zu ihren Aufgaben. sind hier die Erfolgschancen weitentfalten. daß dies auch hier in maximal 12 Monaten der Fall sein könnte. Beitrag zum Erfolg von Sanktionen liefern.48 Prozent . K. können wir uns unmöglich modifizierten und die Kostenschätzung auf noch zurückziehen. betrug die Erfolgspen eingesetzt werden. benutzten wir Erkenntsie zahlenmäßig ist.sei es. Schott. daß in 34 Prozent der Der Logik der Situation folgend.durchaus zu erwarSanktionen betreiben. für die Entwicklung eines Computerunterhalten. bei denen das Modell ebenfalls Situation. Elliott. Wir haben in einer umfangreichen Studie 115 Fallbeispiele bis zurück zum Ersten Weltkrieg untersucht und sind zu dem Ergebnis gekommen. 71 Im Gegensatz hierzu blockieren die Sanktionen gegen den Irak die Handels. daß sie sich zu einer Änderung ihre Politik genötigt sahen. seltene Einmütigkeit tende . phlet Series) S. Es Krieg geben.91 S. Elliott. Washington) Ed Turner. J. A. bestünde Fälle Wirtschaftssanktionen dazu beitrugen.um so weniger. und vieles spricht dafür. C. und das liegt seit Anfang August eine Erfolgswahrscheinlichkeit von mehr praktisch auf der Hand. schließlich produkts . Auch als wir das dam Hussein muß gewaltsam aus Kuwait Modell (im Hinblick auf den extrem tyranverjagt werden.. Dies ist allein den Medien anzulasten.und Kapitalbeziehungen des Landes praktisch zu 100 Prozent. Präsident von Turner Broadcasting System. Dem wird nun von Kritikern entgegengehalten. der sein Volk jeden Preis zahlen läßt.90 (Open Magazine Pamdabei nicht mehr als 36 Prozent betragen. auch: G. daß die Iraker Kuwait räumen.

die wissen. der bringt die Bewegung um ihre klügsten und ausdrucksstärksten Sprecher. daß unter den 878 direkt gesendeten Äußerungen nur eine einzige von einem Vertreter der Friedensbewegung stammte: Bill Monning von der Organisation »Ärzte gegen den Atomkrieg«. Mehr noch.wie die großen Fernsehsender . Aber allein 7 Super-Bowl-Footballspieler durften den Krieg vor der Kamera kommentieren (. IM MIT Chomsky Nur ganz selten einmal behandelten die Nachrichtensendungen die Lage unter einem regierungskritischen Blickwinkel.wenn sie zum Krieg entschlossen ist . ich glaube nicht.müssen sie den passenden Hintergrund ausbreiten. warum: Sie waren immer gegen die Politik der USA eingestellt. 13 dieser Schriften von Chomsky und anderen Autoren wurden. daß ihr Land zerstört würde.) Wenn überhaupt einmal kritische Stimmen zu Wort kamen. und alles marschiert los. Sie forderten eine politische Lösung. die Chance einer friedlichen Lösung.. Londoner Bankiers. darlegen. B. die Saddam Hussein von George Bush erfuhr .. Doch zu lesen war darüber nur in deutschen oder britischen Zeitungen. ist objektiv . »US Gulf Policy« und »Media Control: The Spectacular Achievements of Propaganda« erschienen in einer Schriftenreihe des Open Magazine und fanden mehr als 40. sehen wir in dem Kampf um die Köpfe der Menschen nicht so sehr eine Schlacht zwischen Wahrheit und Lüge. daß über sie auch nur ein einziges Wort gedruckt wurde -jedenfalls habe ich nichts finden können. daß die politische Führung . denn ein Krieg ist eine katastrophale Sache. Eine Weltordnung mit den Menschen an erster Stelle. Chronicles of Dissent S. so geschah dies jedenfalls so gut wie nie im Rahmen fundierter Studiodiskussionen.Gründe dafür liefern muß und eine verdammt schwere Beweislast tragen muß. wenn es eine gibt. sogar einen Truppenrückzug. In den Medien wurden sie geschnitten. wir ziehen jetzt in den Krieg. Stattdessen wurde über die Friedensbewegung wie über den Naturschutz berichtet . sondern vielmehr ein immerwährendes Bündnisversprechen mit den Abermillionen. ihre Einstellung ähnelt der der Friedensbewegung. alles Menschen. Als dann zwischen August 1990 und Februar 1991 die Kriegsvorbereitungen liefen. 4 Nr.na ja. wie sich beim letzten Mal gezeigt hat.alle anderen sind voreingenommen (. was sie sagen. An diesem Punkt nun müssen die Medien es ermöglichen . Extra!-Sonderausgabe Bd. AUS »THE WAR FOR MEN'S MINDS« (KANADISCHE NATIONALE FILMBEHÖRDE 1943) Sprecher (Lome Greene) Und da wir nun über die Waffe der menschlichen Brüderlichkeit verfügen. unter dem Titel Open Fire: An Anthology zusammengefaßt (New Press 1993).000 Käufer. es sind angesehene Persönlichkeiten. versehen mit einer Einführung von Howard Zinn. In einer totalitären Gesellschaft braucht der Diktator nur zu verkünden. CBS und NBC geht hervor. oder im Z Magazine. sprachen sie sich dagegen aus. ein Forum Die demokratische Opposition des Irak lebt im Exil [seit Saddam Hussein an der Macht ist].. Sie kamen hierher. Die Faustregel der Medien lautete: Wer den Krieg unterstützt.was in Washington sehr ungnädig aufgenommen wurde.) Aus einer von FAIR [Gruppe für kritische Medienbeobachtung] vorgenommenen Analyse der Abendnachrichten von ABC. Sie müssen z.) Wer . die für die wahre neue Ordnung voranstürmen. 3 Mai 1991 Rein theoretisch ist es in einer demokratischen Gesellschaft so. denn sie wollten nicht. 338 Chomskys Vorträge über »The New World Order«.IM MIT Chomsky Nun ist ein Kriegseintritt eine ernste Sache. Aber in den Medien kommen sie niemals zu Wort. und man versteht auch. Die Menschen über alles. wogegen in der US-Presse Blackout herrschte... Es gibt diese Opposition. Wirklich. 72 .die Argumente der Friedensbewegung allein aus dem Mund zufällig herausgegriffener Protestler vernehmen läßt. Vor August 1990 waren sie gegen die Unterstützung.aus dem »Habitat« der Demonstranten unter freiem Himmel (. um Unterstützung für eine parlamentarische Demokratie im Irak zu gewinnen .. Architekten. und dann müssen sie .man redete nicht einmal mit ihnen.

und Ausland . Man hat niemals ..im In. AUS »THE WAR FOR MEN'S MINDS« (1943) Sprecher (Lome Greene) Eine der wichtigsten und konstruktivsten Aufgaben in diesem Krieg wird vom Office of War Information in Washington wahrgenommen. Dazu ist es aber nie gekommen. wie sie die freie Presse darstellt .bieten.. um . und über die Kanäle. Elmer Davis Dies ist ein Volkskrieg. dann meine ich. Unser Büro wird sein Bestes tun. der Hunderttausende das Leben kosten und zwei Länder verwüsten kann usw. um neuartige Ideen unter den kämpfenden Nationen rund um den Erdball zu verbreiten. daß in neunundneunzigkommaneun Prozent der Fälle von der Option einer friedlichen Beilegung nicht die Rede war.die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu verkünden.verfügt sie doch über die Macht. also ein Diskussionsforum über diesen furchtbaren Entschluß zum Krieg ermöglichen. sollte das Volk so viel wie möglich darüber wissen. und um ihn zu gewinnen. Sprecher (Lome Greene) Die erste Waffe dieser weltweiten Wahrheitsstrategie ist die große Informationsmaschine. das Denken der Öffentlichkeit zu formen und ihre Handlungen zu steuern. 73 . na ja. also wenn ich »niemals« sage.

wissen Sie. um Abhilfe zu schaffen (.von den USA erbittert bekämpften .. es ist auch im Völkerrecht nicht genau definiert. das einzige Staatsoberhaupt. Nun war aber im Vertrag über den Panamakanal festgelegt. dann läßt sich die ganze Aktion dazu nutzen. Sie wurde nämlich nicht wie üblich damit begründet.) Tarnkappenjäger vom Typ F-117A flogen zum erstenmal Kampfeinsätze. Dieser Typ war CIA-Boss während der Aggression in Timor. z. und wenige Jahre später vollständig.auch in low-intensity-Konflikten operieren kann. nicht aber 1985? Warum müssen wir ihn gerade jetzt stürzen. daß er den . Statt sich darauf zu beschränken. in der ganzen Dritten Welt..und kann uns somit nicht mehr von Nutzen sein. Hier wird Bezug auf die Verhandlung vor dem Internationalen Gerichtshof genommen. wo dann die Reagan-Bush-Regierung der »ungesetzlichen Gewaltanwendung« für schuldig erklärt wurde. sondern die Medien nannten ihn »einen Mann mit phantastischen Grundsätzen« . daß die Herrschaft über die Wasserstraße am Neujahrstag 1990 zu großen Teilen.) Es fällt nicht schwer.Contadora-Prozeß zur Befriedung Mittelamerikas befürwortete. sich mit der örtlichen Oligarchie und der gehobenen Geschäftswelt anzulegen... Schon seit den fünfziger Jahren arbeitete Manuel Noriega aufs beste mit dem US-Geheimdienst zusammen (. teilweise noch nie unter Kampfbedingungen erprobte Waffensysteme gegen eine unbewaffnete Zivilbevölkerung eingesetzt« (. B.) Etwa 1985/86 war es soweit. Aggressionen dürften nicht belohnt werden. die ihn plötzlich als den teuflischsten Verbrecher seit dem Hunnenkönig Attila erscheinen ließ (.) Kaum war das Weiße Haus zu der Ansicht gelangt. und da war keine Zeit zu verlieren.. in panamaische Hände übergehen sollte (. Wie weit er sich noch bei den Kämpfen in Nicaragua engagierte. jedesmal wenn George Bush mit den Worten auftrat: »Es wird keine Verhandlungen geben«. In der Zeitschrift Aviation Week and Space Technology [konnte man die Vermutung lesen]: »Wenn die Air Force jetzt gezeigt hat. wie er sich für die Diplomatie ins Zeug gelegt hätte.« Deterring Democracy S. Jetzt ist der Moment gekommen.. die wahren Gründe für 74 die Invasion auszumachen. Wenn er sagte.. und gelegentlich wird die US-Regierung sogar aktiv. über die man zuvor großzügig hinweggegangen war. also mit Washingtons natürlichen Verbündeten.abgesehen von ihrem eigentlichen Daseinszweck. erschien ebenfalls fraglich. oder tritt sogar den Interessen der USA zu nahe.. beginnt er. war er vollends unnütz geworden. und die Medien klatschen nur Beifall. Freund Noriega würde wohl langsam zu groß für seinen Laufstall und müsse daher verschwinden.. 144-166 Vgl. das einer Aggression schuldig gesprochen wurde. Immer wenn die USA einem gewalttätigen Gangster Rückendeckung bieten. In einem Bericht der CODEHUCA (Mittelamerikanische Menschenrechtskommission) wird behauptet. daß eine unmittelbare sowjetische Bedrohung gegeben sei (. und als dann schließlich die Iran-Contra-Affäre platzte. -NC In einem Punkt kommt der amerikanischen Invasion in Panama historische Bedeutung zu. also beschlossen sie. daß die F117A . der in Panama eingefallen ist. 10-12 . da man in Washington zu schwanken beginnt. auch Chronicles of Dissent Kap..IM MIT Chomsky Sehen Sie.. dann gab es nicht etwa brüllendes Gelächter wie in zivilisierten Weltgegenden. Plötzlich hören wir von Menschenrechtsverletzungen. als die Medien den Hinweis auch schon aufgriffen und eine Kampagne starteten. Das Wort »Aggression« taucht dort nicht auf. ihn abzusetzen.) Warum haßten die Amerikaner Noriega im Jahre 1989. die US-Truppen hätten »hochentwickelte. man dürfe einen Aggressor nicht belohnen.. dann gab es am nächsten Tag in Hunderten von Kommentaren großes Lob dafür. vor den zu nehmend skeptischen Kongreßabgeordneten die immensen Ausgaben für die Tarnkappentechnik zu rechtfertigen.) Einer der Flecken auf Noriegas Weste war. wird dieser von einem bestimmten Zeitpunkt an zu selbständig und zu raffgierig . warum nicht schon damals? (. die Armen auszuplündern und für ein sicheres Wirtschaftsklima zu sorgen. daß die USA seine Rolle in einem neuen Licht sahen...ihn. dem Angriff auf stark verteidigte sowjetische Ziele . und dann sagt er..) Man mußte natürlich die traditionellen Klienten der USA wieder an die Macht bringen.) Noriegas Aufstieg und Fall verlief nach dem üblichen Schema.. (.

einmal mehr eine Lösung des arabisch-israelischen Konflikts mit diplomatischen Mitteln gefordert. .AUS »THE WAR FOR MEN'S MINDS« (1943) Sprecher (Lorne Greene) Dann ist da die Filmindustrie mit ihren Wochenschau-Aufnahmetrupps in der ganzen Welt . um das Drama und die Gesichtspunkte im Hintergrund ins Blickfeld zu rücken. implizit also deren Eigenstaatlichkeit. In diesen entscheidenden Kampf um die Köpfe der Menschen haben sich auch die Radiosender eingereiht. unmittelbar vor der »wunderbaren Wendung«. Hier liegt für mich der Hund begraben. Endlich erfüllt die UNO ihren Auftrag. die USA legten im Januar 1976 ihr Veto dagegen ein und blockieren sie seitdem ununterbrochen.ganz unersetzlich. Die Vetos wurden mit verbissenem Gesicht. Während die sowjetische Invasion Afghanistans mehrfach scharf verurteilt wurde.und das bedeutet. Ein vielsagendes Beispiel liefern die UNOSitzungen vom Winter 1990. oder wie es in der New York Times heißt. wenn es nicht sein muß. »die wunderbare Wendung«. einschließlich ver- 75 schiedener Grenz. c) von israelischen Übergriffen in den besetzten Gebieten (US-Veto). daß es nicht sein mußte. wir sind regelrecht wie ein totalitärer Staat in diesen Krieg gezogen. Dominikanische Republik). ihre Reporter finden wir in allen strategischen Zentren und Stützpunkten. in denen alle Staaten zur Beachtung des Völkerrechts aufgerufen und die USA wegen des illegalen Embargos gegen Nicaragua und wegen ihrer Unterstützung der Contras kritisiert wurden. Die Vollversammlung verabschiedete zwei Resolutionen.und Sicherheitsgarantien. aber in perfektem Englisch ausgesprochen. Jordanien und Ägypten vorgeschlagen und von der PLO mitgetragen. wie sich jüngst wieder erwiesen hat. Die Menschen wollen keinen Krieg. womit sie. Es handelte sich dabei um Verurteilungen a) des amerikanischen Angriffs auf die nicaraguanische Botschaft in Panama (US-Veto und Enthaltung Englands) . Das heißt. es wird überall riesig gefälscht. den Indochinakrieg zu behandeln. um Menschenrechtsverletzungen oder Terrorismus. Gegen drei Sicherheitsratsentschließungen wurden Vetos eingelegt. Englands und Frankreichs). Israel. Ob es um Aggressionen oder Annexionen geht. Beim Einlegen von Vetos im Sicherheitsrat und beim Ablehnen von UNO-Resolutionen in wichtigen Fragen nehmen die USA seit 1970 mit großem Abstand den ersten Platz ein. erschienen in der Schriftenreihe des Open Magazine. Eine solche Lösung wurde von Syrien. sowie Selbstbestimmung für die Palästinenser. Und alles dank der Unterwürfigkeit der Medien. praktisch allein dastehen. hauptsächlich weil es das rassistische Regime in Südafrika stützt. ließ sich die UNO nie darauf ein. Die Isolation der USA hätte sogar noch stärker sichtbar werden können. Hier standen sie kurz vor der Erkenntnis. Eine weitere Entschließung richtete sich gegen erzwungenen Landerwerb: Stimmenverhältnis 151 zu 3 (USA. 51-66. 199 Mehr über die Rolle der UNO und das dortige Abstimmungsverhalten in »UN = US« und »Riding Moynihan's Hobby Horse«. nicht wahr.unter Einbeziehung der Resolution 242 . und sie unterrichten uns über ihre Erfahrungen mit neuen Taktiken und Methoden der Kriegsführung. um Abrüstung oder um die Einhaltung völkerrechtlicher Prinzipien: Wieder und wieder haben die USA Resolutionen des Sicherheitsrats und der Vollversammlung und UNO-Initiativen blockiert. einige schwerwiegende Probleme gar nicht erst auf der Tagesordnung erscheinen zu lassen. in Letters from Lexington: Reflections on Propaganda S. b) der US-Invasion in Panama (Veto der USA. An zweiter Stelle steht Großbritannien. doch mit ihrem gewaltigen Einfluß gelang es ihnen. hingegen stimmte die UdSSR in der Regel so ab wie die große Mehrheit. Die einzige wunderbare Wendung war. Sie bringen ihre Erfahrung mit schneller Berichterstattung über große Ereignisse mit. Das haben die Medien verhindert . daß die USA eine Sicherheitsratsresolution gegen eine Aggression ausnahmsweise mal nicht mit ihrem Veto gestoppt haben. In dieser Resolution wurde . Deterring Democracy S. IM MIT Chomsky Im Ergebnis haben wir einen Medienkrieg. In beiden Fällen gab es zwei Gegenstimmen: von den USA und von Israel. und The New World Order.

Diese Geschichte vom Babymord trug dazu bei. ein militärisches Eingreifen der USA populär zu machen (. auch er hatte die Finger in dieser PR-Kampagne (. Es war Oktober 1990..) Am 17..) Doch in einem Gastkommentar der New York Times vom 6... daß es sich bei der anonymen Zeugin um die Tochter des kuwaitischen Botschafters in den Vereinigten Staaten gehandelt hatte.) Die Schätzungen sprechen von 11 Millionen Dollar (. daß ein angeblicher »Arzt«. es hieß. Januar 1992 wurde in der ABC-Sendung »20/20« enthüllt. BushAnhänger und während dessen Vizepräsiden tschaft sein Stabschef... er habe »14 Neugeborene beerdigt. nachdem sie zuvor das Mädchen als Zeugin aufgebaut hatte. als ein junges Mädchen tränenüberströmt vor dem Menschenrechtsausschuß des Abgeordnetenhauses bezeugte..und Propagandafeldzug gestartet mit dem Ziel. die von Soldaten aus den Brutkästen gerissen worden waren«. Januar 1992 enthüllte der Herausgeber der Zeitschrift Harper's. irakische Soldaten hätten in einem Krankenhaus 15 Säuglinge aus ihren Brutkästen genommen und auf den Fußboden geworfen. Die PR-Agentur Hill & Knowlton hatte die Anhörungen im Ausschuß organisiert. John MacArthur. Wie man hört. der bezeugt hatte...) Sehr wahrscheinlich haben also die Regierungen Kuwaits und der USA gemeinsam einen Manipulations. die je geführt worden sind (. Präsident von Hill & Knowlton war Craig Fuller. war dies eine der kostspieligsten PRKampagnen.) Im Verlaufeines ein/igen Monats erwähnte Bush sie sechsmal (. 76 . ihre Familie habe andernfalls Repressalien von den Irakern zu befürchten. das amerikanische Volk für den Golfkrieg einzunehmen.. wo sie starben.Die vielleicht übelste Propagandalüge der Bush-Administration und der kuwaitischen Regierung bediente sich gefälschter Berichte über irakische Greueltaten in Kuwait. Der Name des Mädchens wurde nicht genannt.

daß er die Babies überhaupt nicht untersucht hatte und daher auch nicht wissen konnte. Denn was bedeutet es. dabei werden Menschen gruppenweise zusammengebracht.. a. daß die Menschen anfangen. Desinformation und groben Lügen. Somit stellt das Greuelmärchen von den toten Babies einen klassischen Fall von Propaganda zur Fabrikation eines Konsenses dar . mit denen man der Öffentlichkeit den Krieg schmackhaft machte.. Besonders heftig reagierte die betreffende Gruppe auf die Baby-Greuel. hatte Hill & Knowlton eine Umfrage mit Focusgruppen durchgeführt. daß die Iraker Frühgeburten umgebracht hätten) (. der in Wirklichkeil Zahnarzt war. und so baute die Agentur diese Geschichte in die Kampagne ein. Es gehörte zu jenem feingesponnenen Netz aus Täuschung. und auch der Kongreß war einer militärischen Option eher abgeneigt. nämlich um die Frage: Stehst du hinter unserer Politik? Aber man möchte nicht.) (Nach dem Krieg fand man die Brutkästen in den kuwaitischen Krankenhäusern noch an ihrem Ort vor. um herauszufinden. oder soll ich Nein sagen? Es liegt kein Sinn darin und das ist genau der Punkt: Werbesprüche wie »Unterstützt unsere Truppen« sind ohne jeden Sinn. wenn mich jemand fragt: Unterstützen Sie die Leute in Iowa? Kann ich mit Ja antworten.er ist ja sinnlos.. wie sie zu Tode gekommen waren (.) S. Sie sind genau so sinnvoll wie die Frage. 67-71 77 Wer möchte schon gegen die Amerikanische Idee sein? Oder wer gegen Harmonie? Und wie hieß es im Golfkrieg: »Unterstützt unsere Truppen«. was er bedeutet .hier also des Konsenses über die Politik der Bush-Regierung.. die Aufmerksamkeit von der wirklich bedeutsamen Frage abzulenken: Stehst du hinter unserer Politik? Denn zu dieser Frage darf man sich natürlich nicht äußern. die sie im Auftrag der Kuwait-Befreiungs-Initiative durchführte (. Gute Propaganda zielt immer nur auf eines ab: Man sucht nach einem Slogan. gab später zu... Er ist in erster Linie dazu gedacht. wo alle dafür sind und niemand dagegen ist. The Persian Gulf TV War (a.) Wie ABC ebenfalls enthüllte. Aus Media Control: The Spectacular Achieve- ments of Propaganda. ob man die Leute in Iowa unterstützt. O. Natürlich ging es dabei um eine wichtige Sache. das medizinische Klinikpersonal bestritt. Der Arzt. Niemand weiß. was sie besonders bewegt oder aufbringt. Die PR-Kampagne trug jedoch zu einem Meinungsumschwung bei und mobilisierte die Öffentlichkeit zugunsten militärischer Gewaltanwendung gegen Irak.) Zu Beginn des Kuwait-Propagandafeldzugs von Hill & Knowlton stand die amerikanische Öffentlichkeit einer Militärintervention im Nahen Osten mehrheitlich ablehnend gegenüber. Wer könnte wohl dagegen sein? Oder wer wäre gegen die gelben Schleifchen? Lauter absolut nichtssagende Sachen.ebenfalls gelogen hatte. über diese Frage nachzudenken. erschienen in der Schriftenreihe des Open Magazine .

für Seite 1 vorsieht.. 212-556-1927).FRONTPAGE . ob sie diesen Dienst auch in Anspruch nimmt. das ist das Wichtigste.. dann ist es ziemlich sicher. Und in der Tat läuft auch hier täglich die Titelseite der New York Times für den Folgetag ein. da finden Sie die erste Seite der New York Times vom nächsten Morgen. ich spreche von den nationalen Medien. aber das allgemeine Bild wird ziemlich flächendeckend verbreitet. was die wichtigen Nachrichten sind. nicht in jedem Detail.NYT FRONTPAGE < Es folgen die Beiträge.) 78 . die die Redaktion der New York Times für Freitag. lesen Sie mal die Nachmittags-Telexe von AP. ich rede hier nicht von einer kleinen Radiostation in Laramie. Wir fragten die Montreal Gazette. VON OBEN: Aufmacher: MILITÄR/IRAK (Vereinte Nationen) Die Regierung setzt ihre Gespräche mit der saudischen Führung über eine Verstärkung der US-Truppen fort (.Z:U:V:DC31:BC:BC NYT . An diesem Tag begann die Vorabmeldung wie folgt: Anfang: ! Achtung: S:A:9775:TAF . 27. Mehr noch.BC . Nachtredakteur des NYT-Nachrichtendienstes ist Pat Ryan (Tel.RADIO KUWR. Wenn Sie hier in Laramie eine Nachrichtensendung machen.. LARAMIE Chomsky Also nochmal. Auf diese Weise weiß jeder. Und so übertragen sich die Blickwinkel und die Ansichten von oben nach unten. daß Sie in der neuesten New York Times nachsehen und sich sagen. die die Themen setzen. Sept.

AUS »ON THE SPOT« (NFB-1954) Lloyd Bochner Die Auslandsmeldungen landen auf diesem Auslandsschreibtisch. Von da kommt es wieder zu mir. Was übrigbleibt. Ich nehme doch an. vielen Dank auch. Lloyd Bochner Schön. Bob Hanley Wir haben hier sozusagen ein »Auslesezentrum«. und auf diesem Plan hier setze ich dann die Seite zusammen .also Seite 1 und 2. Bob. Der Redakteur hier ist Bob Hanley. wir kriegen viel mehr. gebe ich weiter an einen der anderen Redakteure. als du jemals in der Zeitung verwerten kannst. als wir an einem Tag unterbringen können. Lloyd Bochner Und du mußt es dann vermutlich aussieben. Bob. 79 . du bekommst viel mehr Auslandsmeldungen. Bob Hanley Allerdings.

und es lag am Weg. Media wird auch »Jedermanns Heimat« genannt. Mann Ach. in jedermanns Heimat zu leben. USA Mann Und warum wollen Sie einen Film über Media drehen? Peter Wintonick Also. wo die den Namen herhaben. und da dachten wir. die kluge und offenherzige Ansichten über die Medien äußerten. Das wurde als Werbespruch für die Gemeinde erfunden. MEDIA.. Bodhan Senkow Ja. und wir sind hier in Media. wir drehen gerade einen Film über die Massenmedien. im Südosten von Pennsylvania. also ich heiße Bodhan Senkow. ruhiges Städtchen. Wissen Sie.Wir entdeckten Media auf der Landkarte. 80 . Mann Ist ein nettes. GEWERBEAMT IN MEDIA Peter Wintonick Vielleicht stellen Sie sich zunächst vor. als wir gerade von Washington nach Hause fuhren. dies sei ein hübscher Ort für uns. Ich leite hier die Hauptstraßen-Initiative und unser Gewerbeamt. Sowas durften wir nicht auslassen. im County Delaware. wirklich zu eigen gemacht haben. Peter Wintonick Es ist ein schönes Städtchen. wir halten hier bewußte Promotion für sehr wichtig. PENNSYLVANIA. Wenn Sie in Media durch die Straßen gehen. Wir hatten ohnehin auch »den Mann und die Frau auf der Straße« einbeziehen wollen und trafen nun auf einige Ortsansässige. wird man Ihnen überall freundlich begegnen und Sie werden sehen. Sie möchten wissen. daß die Menschen sich den Anspruch. GERICHTSGEBÄUDE. Da war unser Thema ..

Talk of the Town .BAHNHOF IN MEDIA Peter Wintonick Hier gibt's doch dieses Lokalblatt. denn wir arbeiten auch hart genug. MEDIA Ed Berman (Herausgeber des »Town Talk«) Wir sind im Geschäft. und dann macht es auch mehr Spaß . es gibt fünf verschiedene Ausgaben 81 . CHEFBÜRO DES TOWN TALK.. Hier zeige ich Ihnen mal ein Exemplar. um Geld zu verdienen. was in der Schule los ist und solche Sachen. Frau Town Talk Peter Wintonick Lesen Sie das? Frau Ja. ich lese den Town Talk. er ist interessant. na ja.. im Town Talk gibt es nur lokale Meldungen.also er liest sich leichter. Diese Ausgabe hier ... genau wie die großen Tageszeitungen und die großen Radiosender. so sieht das in dieser Woche aus. Zu Recht. Man liest was über die Nachbarn.Sie müssen bedenken. und wir stehen ganz gut da. Es ist wasserdicht in Kunststoff eingeschweißt und wird an jede Haustür gehängt. Es kommt sehr oft vor. Peter Wintonick Wie unterscheidet sich denn Ihrer Meinung nach der Town Talk vom Wall Street Journal? Frau Oh je . daß wir in einer Woche mehr als 100 Seiten haben.

überall wo ein Laden ist. also die Bösen. da finden Sie die Meldungen aus Media. Ein paar rote Punkte werden wohl noch bleiben. Wenn erst mal alle Punkte grün sind. und da kleben wir farbige Punkte drauf . grüne oder gelbe . sagt mal Hallo! Drei Angestellte Hi allerseits! Ed Berman Wir haben hier einen Stadtplan.ist die für das Central Delaware County. die ab und zu mal eine Anzeige schalten. Die grünen kommen auf die. . die jede Woche was drin haben. Anzeigen und redaktioneller Text beim Town Talk im Verhältnis 65:35.Übrigens stehen. die überhaupt nie bei uns inserieren. so Mr. Dann hätten wir keine roten Punkte mehr. und die gelben kriegen die Läden. und aus diesen roten Punkten versuchen wir gelbe und später dann grüne zu machen. Mehr über die Probleme der New York Times auf der nächsten Seite. aber ich hoffe doch stark. was bei der Anzeigenabteilung der New York Times durchaus Neidgefühle erwecken könnte. Und dann haben wir Computerlisten von allen Läden und sehen uns die mit den roten Punkten an. Die roten Punkte kommen auf die Läden.rote. 82 . daß wir am Ende viel mehr grüne als rote haben werden. dann würden 100 Prozent der Läden. Und hier sehen Sie die Anzeigenabteilung und den Satz. der Kaufleute und Dienstleister jede Woche bei uns inserieren. Berman. He Jungs.

Denn während das Blatt vor 5 Jahren noch 123 Mio Werbezeilen drucken konnte. teils auf Verschiebungen bei den Werbeetats und Anzeigenpreislisten zurückgeführt wurde. Ich werde Sie jetzt durch die New York Times führen. zwei Zeitungsvertriebe. Morgan bedeutet dem Filmteam. Arthur Sulzberger. 28.06. 20 Zeitschriften. was teils auf die örtliche Wirtschaftsflaute.VOR DEM GEBÄUDE DER NEW YORK TIMES Jim Morgan spricht in die Kamera Jim Morgan Hi. Das Bild wird SCHWARZ.und einen UKWSender. einen Mittelwellen. ich heiße Jim Morgan und arbeite in der PR-Abteilung der New York Times. einen Holzverarbeitungsbetrieb und einen Informationsdienst.7 Mio Dollar vermelden. ihm zu folgen. in The New Yorker. So. waren es im vergangenen Jahr nur noch 77 Millionen. betitelt »Opening up the Times«. aber der Umfang der Werbung ist seit 1987 um 40 Prozent zurückgegangen. Für das Jahr 1992 mußte die Muttergesellschaft der New York Times einen Verlust von 44.1 Mrd Dollar bezahlt hat).92 . allerdings hat sich das Tempo des Rückgangs inzwischen verlangsamt. und geht durch eine Drehtür ins Gebäude der New York Times.500 erreicht. den Boston 83 Globe (für den sie 1. 31 Regionalzeitungen.181. Derzeit besitzt die Gesellschaft 5 Fernsehsender. dann wollen wir mal. Zwar hat die Auflage der New York Times 1992 die Rekordhöhe von 1. Aus einem Artikel von Ken Auletta über die New York Times und ihren Herausgeber.

84 .

Morgan nichts dagegen hatte. die sollten wir aber nicht aufnehmen. und im Film werden mehrere Redaktionsbüros gezeigt. Ein Redaktionsmitglied hatte in seinem Büro eine kleine Bowlingbahn aufgebaut. Ich hoffe. steckten wir den Kopf durch verschiedene Türen und fragten. Das hört sich viel an ist aber normal. (Jim Morgan kommt wieder durch die Drehtür und spricht in die Kamera) So. Als wir nämlich nach dem Interview auf dem Weg zum Ausgang waren. denn außerhalb der Festung New York Times hatte er keine Einwände dagegen. Meyer. daß sein Rundgang auf Tonband mitgeschnitten wurde. haben wir eben genommen. dann hat sie 60:40 Anzeigen zu Text. Sie fanden es informativ und lesen ab heute jeden Tag für den Rest Ihres Lebens die New York Times. Auf der Besichtigungstour mit Jim Morgan waren uns Kameras untersagt. schwenkten wir mit unseren Kameras durch die Räume. aber wenn man die Zeitung insgesamt und über viele Tage hinweg nimmt. da sind vielleicht unter den 60 Prozent allein 20 Seiten nur Kleinanzeigen und in der übrigen Zeitung dann natürlich ein viel höherer Anteil an Text. Da niemand etwas dagegen hatte. daß uns der Zugang zur New York Times doch noch gelungen ist. ob dünn oder dick. damit ist unser Rundgang durch die New York Times zu Ende. was wir kriegen konnten.Mark Achbar Wie ist das Verhältnis Text zu Anzeigen? Jim Morgan 60 Prozent Anzeigen. ob wir mal filmen dürften. Unsere Bilder zeigen ihn am Beginn und am Ende der Tour. Wir führten dort ja das oben wiedergegebene Interview mit Karl F. Es gibt Tage. Aufmerksame Leserinnen und Leser wer- den bemerkt haben. Aber da Mr. genau genommen sogar unterm Durchschnitt. mit Spielzeugpinguinen als Kegel. weshalb wir keine Bilder aus dem Saal der Nachrichtenredaktion oder aus anderen Betriebsbereichen zeigen konnten. 85 .

wenn man mal von Ein unmoralisches Angebot absieht. sondern um Gedanken und Prinzipien. Diese Medien sollen nichts weiter tun. Er sieht nie fern. überhaupt unseres Privatlebens kommen durfte. ins Kino geht er vielleicht einmal im Jahr. was für eine Sendung »Saturday Night Live« eigentlich ist [seit 25 Jahren die populärste Samstagabend- Unterhaltungsshow in den USA].und haben es 86 miere hatte. wie ich etwas hätte besser machen können. warum Noam Chomsky Manufacturing Consent: Chomsky bestreitet. gingen mehr Leute in den Film als in irgendeinen anderen. daß keiner der beiden auch nur in die Nähe unseres Hauses oder der Kinder.na ja. Michael Albert [vom Z Magazine] rief sofort Chomsky an: »Hey. diese Rolle zu spielen. Er gesteht allerdings zu. dann leben sie auf. Wenn dann aber mal jemand kommt und etwas in Worten ausdrückt. Interview mit Pat Dowell in der Sendung »Morning Edition« des US-Senders National Public Radio am 24. was meine Kinder machen usw. dann fühlen sie sich angesprochen. Chomsky Kürzlich trug jemand in der TV-Sendung »Saturday Night Live« ein deutlich erkennbares Exemplar des Chomsky Reader mit sich herum . als den Leuten das Gehirn verkleistern. dann erblickte ich wieder diese beiden freundlichen Gesichter. wenn ich da an irgendeinem Ort der Welt ankam und aus dem Flug- sicher auch getan . Die Gründe sind aber auch noch allgemeinerer Natur. M. oder so. dann verdanke sie das nicht einem Anführer. Es ist schon o. Die Filmemacher konnten sich noch soviel Mühe geben . so daß jeder den Eindruck gewinnen muß. Schließlich geht es hier nicht um die Person. dies alles hat damit nichts zu tun.in diesem Fall also ich . dann stehen sie nicht mehr allein. mußte ihm allerdings erstmal erklären. jeder von ihnen ist zunächst mal isoliertes Opfer einer Propaganda. daß man die Menschen dann besonders gut über ein Medium erreichen kann.05.05. ich kam mir ein wenig vor wie in der ersten Szene von La dolce vita. Dowell Woraus sich vielleicht auch erklärt. wenn sie darin die Ideen. wie ich manchmal vorgebe. . daß ich mich ungern selbst sprechen höre und auch immer gleich darüber nachsinne. mit einem Gesicht verbinden können. Chomsky Es gibt doch nur ganz wenige Organisationsformen. da ist ein bestimmter Mensch . du bist im Fernsehen!«. Dowell Was . als Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media in San Francisco Pre- Da hat Chomsky wohl recht.Noam Chomsky im Kino? In einem Fellini-Film? Dowell Chomsky Doch doch. Vor allem meine Frau hatte es zur eisernen Regel gemacht.und das ist der Anführer einer Massenbewegung. und ich fand das auch richtig. er hört keinen Rock'n'roll. bei denen der Durchschnittsmensch sich überhaupt sinnvoll in die Politik einbringen kann. die eine ganz andere Rolle in der Gesellschaft spielen: die der Ablenkung. die sich an vorderster Front abmühen und die kaum einer kennt.bei diesem Medium wird einfach unausweichlich alles personalisiert. zeug stieg. Wenn eine soziale Reformbewegung erfolgreich ist. die . die Person als Träger und Übermittler einzusetzen.92 Chomsky Es gab eine Zeit. Noam Chomsky and the Media weder gesehen hat noch sich ansehen wird. sondern den vielen. die der offiziellen Lesart widersprechen. Viel eher sehen sich die Menschen als Opfer. aber wie und wo ich lebe.93 . Das sind die wahren Massenmedien. Aber mich bedrückte das. ich bin der Populärkultur nicht ganz so entrückt. . Rolling Stone 28. Er hat eben kaum Zeit für private Vergnügen. Young.eine gute Werbung. Dowell Chomsky chenende. die haben Otto Normalverbraucher im Auge. Aus der Einführung zu »A Rolling Stone Interview with Noam Chomsky« von C. oder er will einer werden. Dowell Allerdings durften Achbar und Wintonick ihm auch nicht überallhin folgen. An dem WoZunächst gibt es dafür einige eher unwichtige und rein persönliche Gründe.ERIN MILLS TOWN CENTRE Auf der Videowand sieht man Chomsky zuerst mit Marci Randall Miller von Radio KUWR aus Laramie und dann an der University of Washington Chomsky Dann gibt es auch noch Medien. so etwa. k. was sie eigentlich irgendwie schon lange geglaubt oder im Bauch gespürt haben. Chomsky hat nämlich keine Ahnung von der Popkultur.

Du stehst nun mal im Rampenlicht. Szene: VIA VENETO BEI NACHT Via Veneto . in schicken Nachtclubs und Straßencafes. Bitte! Lassen Sie mich in Ruhe.Maddalena .. EINE STIMME Hallo. MADDELENA Jeden Abend dasselbe. deine Freunde stehen schon zum Angriff bereit.. zwischen Airline-Agenturen und teuren Läden. CERUSICO Hey Marcell' . während die Fotografen immer noch wie wild knipsen. Als Maddalena und Marcello den Nachtclub verlassen. Hier ist Marcellos Jagdrevier. sondern folgende: 3. zu tratschen und dem eigenen Überdruß zu entfliehen.hier ist das Zentrum der »dolce vita«. des Süßen Lebens. PAPARAZZO Maddalena . Können die denn nie genug kriegen? MARCELLO Hallo. all die schlüpfrigen Kleinigkeiten zu erhaschen. von Marcello und ihr. DORIA Schnell. Marcell'? PARADISI Was denkst du denn. CERUSICO Marcell'. Die Fotografen schießen Bilder von dem Wagen..den sensationslüsternen Lesern seines Boulevardblatts serviert. Hier trotten die Touristen entlang und starren alles an. die er dann . schnell! Wohin gehst du. Maddalena öffnet die Tür ihres Autos. werden sie von den Fotografen erkannt und umringt. verschwinde.. auf einem knappen Kilometer. eine internationale Cafeclique von Aristokraten und Prominenten. Maddalena eilt wütend an ihnen vorbei. Paparazzo. MADDALENA Aha. sie ist fotogener als jeder Filmstar. von was wir leben sollen? Wir verlieren unsern Job. Aus Fellinis La Dolce Vita (1961) 87 . von Maddalena. Alle wimmeln aufgeregt herum und fotografieren. von Millionären und Päderasten. Signorina Maddalena . wo willst du hin? Verrat' mir doch.wofür hast du dich denn so schick gemacht? Ach. um zu trinken. hier streichen die Fotoreporter wie Schakale umher . MARCELLO Inzwischen müßtest du doch daran gewöhnt sein. Marcello gleitet neben sie.hier trifft sich. MADDALENA Nein.mit Fotos garniert . MARCELLO Los. wohin du mit ihr willst. Der weiße Cadillac schießt die Via Veneto hinunter. eines offenen weißen Cadillac.Vermutlich hatte Chomsky nicht die wirkliche Auftaktszene aus La dolce vita vor Augen (dort schwebt eine Christusstatue an einem Seil unter einem Hubschrauber bei Rom über die Landschaft). CERUSICO Sie ist wieder da! Da geht sie! Seht nur. wo er seine Nächte damit zubringt.

daß sie nicht mehr so viel nachdenken können. Year 501: The Conquest Continues S. Sie sollen die Football-Bundesliga sehen. Wir erhielten für zwei Stunden Zutritt zum Stadion und mußten nur für den elektrischen Strom bezahlen. um so desorientierter und selbstmörderischer sind die Reaktionen: Man himmelt lächerliche Messiasfiguren aus der Milliardärsschicht an. oft schickt er sie nach jedem einzelnen Spiel an seine Zeitung. Nicht. sie sind aus dem Weg und kümmern sich nicht um die Sachen. Oder irgendwelchen Bibelgläubigen nachlaufen oder so. aber diese ca. Seine Story holt er sich direkt vor Ort. was da vorgeht . WASHINGTON. USA Chomsky Ich vereinfache mal stark. oder man verfällt enttäuscht in einen diffusen Skeptizismus. Und da ist erstmal wichtig. 88 Um aus einer Vortrags-Anekdote ein filmisches Ereignis zu machen. Ein Sportreporter muß ein Spezialist auf seinem Gebiet sein. 80 Prozent sollen nur auf andere Gedanken gebracht werden.UNIVERSITY OF WASHINGTON. man baut Verschwörungstheorien auf. Das Licht im »Großen O« der Montrealer wurde eingeschaltet und 400 Dollar waren fällig .nicht viel für eine 2-MillionenKubikmeter-Kulisse! . entschlossen wir uns.doch je erfolgreicher die Isolationsstrategie ist und je weiter der Zusammenbruch der organisatorischen Strukturen voranschreitet. auf die es ankommt. Hauptsache. Oder ins Horoskop gucken.MA . man pflegt den Mythos von edelmütigen Anführern aus einer unbelasteten Vergangenheit. 64 AUS »JOURNALISM« (1940) Sprecherin Für den Sport gibt es eine eigene Abteilung. daß der Öffentlichkeit unklar wäre. Chomskys Video »Sports Rap« von der riesigen Videowand des Olympiastadions von Montreal abzufilmen. die uns bisher nicht gerade viel Glück gebracht hat. SEATTLE. was es im Supermarkt gibt. Das aber ist eine Mixtur. sie sollen die »Mutter mit sechsköpfigem Kind« bedauern oder erfahren.

vor allem auf dem der Politik. Doch gerade viele Linke sind gern sportlich aktiv. selbst wenn er die meiste Zeit auf dem Sofa zusammen- . Verlierertypen.ich denke. ob die Footballmannschaft meiner Schule gewinnt oder nicht? Ich meine. Hält sie davon ab.. KANADA Chomsky Nehmen wir mal den Sport .« Seiner Meinung nach wird dieses übersteigerte Interesse am Sport systematisch gefördert... wo er hingehört. der tut sowas nicht. um Otto Normalverbraucher dort zu halten.na ja.ist das Denkniveau in anderen Gebieten. als ob man sagt: >Verbietet das Bier. was wirklich wichtig für sie ist und wie sie vielleicht dazu etwas beitragen könnten. Der Mann aus der Mittelklasse hat andere Möglichkeiten.« Andererseits brütet der Sportfanatismus. die Sache zu unterstützen und aufrechtzuerhalten. wieviel Intelligenz die Leute beim Sport entwickeln.ist das nicht der Typ. liegt das wirkliche Problem woanders.die haben die ausgefallensten Kenntnisse und den Durchblick bei den abgelegensten Gebieten. HAMILTON. ein Korpsgeist unter einer Führung. vielleicht werden die Leute dann seriös. dieser ganz offene Chauvinismus: Es mag ja o. Otto vom Sport zu entwöhnen und ihn stattdessen für die Krankenversicherung der Alleinerziehenden zu begeistern. ich kenne doch niemanden aus der Mannschaft. Wäre es Otto also egal. die kei- nen Ball treffen.« Er erwähnt auch. die beim Aufstellen der Basketballmannschaft noch länger als Janis Ian [in ihrem Song »At seventeen«] warten mußten. der Unwissenheit und dem Gefühl von Hilflosigkeit und Frustration auf Gebieten wie der Politik. dann erhitzen sie sich eben darüber.. bis man sie endlich nahm. ONTARIO. Und wenn ihnen keine konstruktiven Möglichkeiten dafür geboten werden..) .« Aber falls man sich nun vornähme.) Manche. weil . Unamerikanische Jammerlappen. Da legen in Italien die Liverpool-Fans los und schlagen alle anderen zusammen. Wenn der Sport sich ihrer total bemächtigt . wer auf der dritten few« spielen soll. aber oft wird es schon pathologisch. »eine irrationale Unterwerfungshaltung gegenüber den Autoritäten zu fördern. wieso juble ich denen zu? Die Sache ist die: Es gibt eben doch einen Sinn. ihrer Gefühle. Nicht so Noam Chomsky. auf der einen Seite. Ich denke. Gut. das ist auch so ein Kernstück des Indoktrinierungssystems. ob er mit unserem nationalen Zeitvertreib nicht etwas zu harsch ins Gericht geht (. Kurz gesagt. er feuert die lokale Mannschaft an. die ja in das Leben des Einzelnen eingreifen. daß er sich schon mal ein Basketballspiel (im Fernsehen) ansehe und es ihn nicht störe. wenn ihm das keiner vorbeten würde? »Wenn die Menschen ein sinnerfülltes Leben führen können. Es ist doch echt beeindruckend. Und deshalb wird so ein Aufwand betrieben. Auch das gehört zum Wettkampfsport. Ich bin wirklich beeindruckt davon. Zwar hält er in der Tat den Sport für geeignet. einstecken müssen. aber dann geht er nach Hause und denkt nicht weiter daran. Auf diese Weise entwickelt sich nämlich eine irrationale Unterwerfung unter eine Autorität. dann verbindet sich meist ein Zweck damit. Außer National Public Radio hat ihn auch Phil Donahue gefragt.« Wie alle anderen Teenager hatte sich auch Chomsky für Sport interessiert. die haben nichts mit mir zu tun.er sagt das in dem Film und in einem Buchauszug in Harper's Magazine . aber sie werden dabei nicht zu Fanatikern. und andererseits der Kompetenz.« Was ihm aber auffällt . die eigene Mannschaft anzufeuern.auch dann werden sie sich vielleicht für Sport interessieren. es lenkt die Aufmerksamkeit der Menschen auf eine absolut unwichtige Sache. die in dem Film kurz zur Sprache kommen. Denn die Menschen haben 89 nun mal Gehirne und wollen sie auch benutzen. wer auf der dritten spielt.< Wenn die Menschen sich betrinken. sagen doch jetzt: »Chomsky . mal darüber nachzudenken . hat dieser Intellektuelle und Friedenskämpfer schon einige Spitzen über seine unsportlichen Kommentare. schon um es den »normalen Jungs und Mädels« gleichzutun und somit derartige Vorurteile zu widerlegen. usw. Ihr müßt bloß mal die Anrufer im Radio hören . wieso macht es mir eigentlich was aus. Da hab' ich mich eines Tages gefragt.) die erschreckende Diskrepanz zwischen der Unsicherheit. die sonst nichts von ihm wissen. daß irgend etwas schiefgegangen ist. Trauerweiden. also mal darüber nachzudenken. k. Seit im Frühjahr der Film Manufacturing Consent: Noam Chom- sky and the Media herauskam.dann zeigt das an.. »dann wäre das so. Ich erinnere mich an die High-SchoolZeit.MCMASTER UNIVERSITY. wieviel Gehirnschmalz hier eingesetzt wird. der die Menschen von dem ablenkt. wenn sie mit über die Schule und die Gesundheit ihrer Kinder bestimmen können (. sein. »wenn die Leute ihren Spaß im Stadion haben. dem fachlichen Wissen und dem Selbstvertrauen auf dem Gebiet des Sports. deshalb zahlen die Werbesponsoren dafür.. »(..ihres Denkens. der was gegen Sport hat?« Das ist so nicht ganz richtig. Zum einen deswegen. auch sein ganz eigenes Virus aus. hier wird ein irrationaler Hurrapatriotismus antrainiert. »worauf es wirklich ankommt«. wenn sie eine gewisse Freiheit spüren. Bücherwürmer. wenn man bei diesen Sachen mal genauer hinsieht. ihres ganzen Lebens . »Dieses MachoImage. Und da trägt die Presse zweifellos viel zu bei.

« Als »Jockbeat« ihn einlud.aber jedenfalls wissen einige von ihnen sehr genau. Byng! Du böser böser Hund! Sorry.« Diese Sache. war uns schon bei der Entscheidung. in den dreißiger Jahren. welcher Tiefstand da schon erreicht ist.« Aus »Out in Leftist Field« von Mark Schone in seiner »Jockbeat«-Kolumne in The Village Voice 13. wie die Yankees von hinten aus dem siebten Inning kommen. wie die Yankees sein jetziges Heimteam einmachen. lassen die Filmemacher sein Gesicht auf dem Jumbotron eines Stadions erscheinen. direkt hinter Joe DiMaggio. so hatte das vielleicht damit zu tun. Eine Rezension am Montag kann aber für die Besucherzahlen des vergangenen Wochenendes nicht mehr viel bewirken.gerollt saß und las. dann ziehen das vielleicht manche Leute als erneuten Beweis dafür heran. Ich hab' ja gar nicht gewußt. Immerhin enthielt die Rezension von Mclnnis eine Formulierung. sieben runs machen und uns 10 zu 7 schlagen. wann es Beifall brüllen soll . In Kanada dürfen die Provinzregierungen verbriefte Bürgerrechte mittels der sogenannten »Ungeachtet-Klausel« suspendieren. Er war seit 1950 in keinem Baseballspiel mehr gewesen.07.und mit welchen Worten. wie also Mclnnis' Hund seine Notizen fraß. blendend gestaltete und wirklich abgerundete Dokumentation. hatte meine Notizblätter gefressen. Da sitze ich in der Mitte. Ich kann mich lebhaft an mein erstes Baseballspiel erinnern. Als Erklärung für dieses Versäumnis gegenüber seinen Lesern hatte er nur zu sa- 90 gen: »Byng. wobei er einräumt: »Wenn nun diese Rezension erst in der Montagsausgabe erschienen ist.den Hund nicht gerechnet. Samstag oder Sonntag. der zwar kein Geständnis ablegte. Mehr über die freie Meinungsäußerung ab S. Wir verstießen damit kurzzeitig gegen die altertümliche (und zum Teil immer noch geltende) Sprachgesetzgebung in Quebec. »(. Daher war er sehr überrascht zu hören. daß wir damit bei einigen Zuschauern einen Nerv treffen würden.93 Da die Menschen ihren Sport so furchtbar ernst nehmen. lehnte Chomsky höflich ab.. daß ausgerechnet in seiner Jugend die beiden wichtigsten Vereine in Philadelphia am Boden herumkrebsten. was im Kern bedeutet: Ungeachtet deines Rechts auf freie Meinungsäußerung (oder eines anderen verbrieften Rechts) werden wir jetzt ein verfassungswidriges Gesetz beschließen. wie die großen Medien die Theorien des Außenseiter-Soziologen Noam Chomsky >marginalisieren<. sich anzusehen. Diese Yankees verließen aber auch jedes Spiel als Sieger. mein Hund. unmittelbar klar. wo die Verbreitung schwächer ist als am Freitag.« Schon möglich.im Baseball. im Football. Unser erster Preis geht dabei an Craig Mclnnis. Dies zeigte sich sogar in seinem Artikel in der Schulzeitung über den Aufstieg des Faschismus: »Die jungen jüdischen Immigranten der ersten Generation sahen einen Teil ihrer Amerikanisierung darin. Schrecklich. »Du spinnst wohl. daß alle Jungen meiner Altersgruppe. die wir als Werbespruch zitieren konnten. daß unsere Footballfans nützliche Idioten des militärisch-industriellen Komplexes sind . wie man hochnäsige Intellektuelle beim Kragen packt und geradewegs ins MIT zurückschleudert. besser als jeder andere über Baseball Bescheid zu wissen. dessen Überschrift dann auch noch lautete: »Böser Hund. wie er gerade über die Sünden des bezahlten Sports herzieht. und dann sehe ich. Noam. durch welches dein Recht auf freie Meinungsäußerung (oder ein anderes verbrieftes Recht) suspendiert wird. daß es inzwischen in den Stadien Anzeigetafeln gibt.« Wenn er später Vorbehalte gegen den Sport entwickelte.« Am Schluß dieser Szene setzten wir auf die große Anzeigetafel an der Außenseite des Stadions die Worte: TODAY'S TOPIC: TRAINING IN IRRATIONAL JINGOISM [HEUTE: KURSUS IN IRRATIONALEM CHAUVINISMUS]. die dort aufwachsen mußten. derzufolge in der Außenwerbung die Verwendung des Englischen nicht erlaubt ist. einen Minderwertigkeitskomplex entwickelten. was aber mehr ist als nur ein guter Gag. dann würde dieser kleine dürre Trottel wohl kaum lebend die Straße erreichen.« Mclnnis entschuldigt sich dann dafür.173 . Das Stadion ist zu diesem Zeitpunkt leer. daß sein Artikel so spät erscheint. überall.. beschrieb er doch Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media als eine »intelligente.) Um die wohlbekannte Abneigung des Sozialwissenschaftlers gegen den Berufssport zu dokumentieren. Der Film war vier Tage zuvor in Toronto angelaufen. nahm ein volles Drittel des Artikels ein. auf denen dem Publikum signalisiert wird. Filmkritiker beim Toronto Star. diesen Passus in den Film aufzunehmen. Es mag ja sein. »Damals. bildete Philadelphia das Schlußlicht . aber sich schuldzerknirscht aufgeführt haben soll. Ich werde das Gefühl nicht los. Sollte nämlich jemand Chomsky während eines ausverkauften Footballspiels auf dem Jumbotron über Sport reden lassen. am Donnerstag der Vorwoche.« Er beruft sich auch noch auf zwei Zeugen .

F A L L S T U D I E .

Anh. 137-180. sie sei »einer der ganz seltenen Versuche. ungefähr passende Vergleichsbeispiele zu finden. hier also von den USA. Necessary Illusions. Es gibt in der Geschichte keine kontrollierten Experimente. Ansager Peter Jennings berichtet von den Feldern des Todes . So lassen sich Fälle finden. Enthält (auf S. Das Gespräch im Fernsehstudio des MIT war das einzige formelle Interview. Amerikas militärisches Engagement in Südostasien sei zu Ende.nächsten Donnerstag. Es enthält auch seine oben wiedergegebenen Ansichten zum Golfkrieg.89. 92 . in denen Grausamkeiten oder andere Exzesse auf beiden Seiten begangen werden . eine Kritik. 1. Besonders naheliegend wäre es. abgedruckt in Noam Chomsky: Critical Assessments (a. oder gehen sie in derselben Weise. Vgl. daher machten wir zwei 30-Minuten-Termine aus und fingen bei Adam und Eva an. das wir mit Chomsky für den Film führten.IM MIT Peter Wintonick Ich möchte Sie vor allem nach der Untersuchungsmethode zum Propagandamodell fragen. Wie geht man da vor? Chomsky Nun. Morality and Hope: Chomsky's Social Thought« in New Left Review 1992. auf das Propagandamodell mit echten Argumenten und nicht nur mit Beschimpfungen zu reagieren« und belege »die Geisteskraft eines hervorragenden und ungebunden denkenden Historikers«. »The Propaganda Model: Some Methodological Considerations«. a. Eine weiter ausgreifende Kritik findet sich unter dem Titel »Knowledge.sowohl vom amtlichen Feind als auch von Verbündeten oder Freunden oder von dem von uns bevorzugten Staat selbst. Wir wollten aber lieber eine durchgehend zusammenhängende und auch akustisch befriedigende Darstellung gewinnen. Die Frage ist dann: Schlucken die Medien die Konstruktion der Regierung. Zwar besaßen wir schon einige Aufzeichnungen aus Vorträgen und Diskussionen über Osttimor und Kambodscha. 148151) auch eine Erwiderung auf Walter LaFebers Kritik des Propagandamodells in The New Republic 9. S. aber manchmal fehlt nicht viel daran. mit denselben Fragen und Kriterien an die Fälle auf beiden Seiten heran. O.) FERNSEHWERBUNG Aufgenommen auf einem Fernseher im Schaufenster Ansager Wenn Sie denken. wie es jeder ehrliche unbeteiligte Beobachter tun würde.01. das kann auf verschiedene Weise geschehen. dann täuschen Sie sich. der Chomsky bescheinigt. Anonyme Stimme Die Roten Khmer sind die schlimmsten Massenmörder der Welt.

Haben Sie schon mal von einer Gegend namens Osttimor gehört? Mann links Nee. Mann links Wo? Katherine Asals Osttimor. trug sich genau zur gleichen Zeit ein anderes Verbrechen zu .nicht Pol Pot. 93 . mit einem einzigen Unterschied: Wir waren dafür verantwortlich . NEW YORK Katherine Asals Haben Sie schon mal von einer Gegend namens Osttimor gehört? Mann rechts Könnt' ich nicht sagen.Pol Pots Regime von 1975 bis 1978 und seine Brutalitäten. bei dem die Entrüstung so getobt hat usw. «OPERATION WELCOME HOME» KONFETTIPARADE NACH DEM GOLFKRIEG.IM MIT Chomsky Nehmen wir den Genozid der jüngsten Vergangenheit .ganz ähnlich. Hier haben wir also ein solches Verbrechen. IM MIT Chomsky Wie nämlich der Zufall so spielt. Und in diesem Fall hat der geschichtliche Zufall tatsächlich ein kontrolliertes Experiment durchgeführt. ich glaube. es läßt sich kein vergleichbar entsetzliches Beispiel finden.

« Ihr wurde auch klar. Und dennoch hat Kanada. und auch die Invasion von 1975 war ihr nicht entgangen. hier ist das «Mittagsradio» mit Louise Penney.nichts tut. Für die UNO-Menschenrechtskommission schrieb sie Jahresberichte. Elaine Brière ist Mitbegründerin des East Timor Alert Network. was in Osttimor geschah. um Osttimor zu helfen. auch andere Menschen betroffen machte und daß wir durchaus etwas dagegen tun konnten. Dreimal trat sie vor dem UNO-Entkolonisierungsausschuß auf.wenn sie es mit der neuen Weltordnung ernst meint . Und dann gibt es da noch riesige Erdöllagerstätten. zusammen mit anderen Ländern. es gab Berichte über Verbrechen am Volk von Timor. wie wertvoll die Fotos vom Dorfleben auf Timor waren. Eine der eifrigsten Aktivistinnen ist Elaine Brière. »Mir war überhaupt nicht bewußt. Wo liegt es überhaupt? Elaine Brière Osttimor liegt hart nördlich von Australien. immer wieder gegen UNO-Resolutionen zur Beendigung der Besetzung gestimmt. Was das Besondere 94 . dann wissen Sie ja. um für das Selbstbestimmungsrecht des Volkes von Osttimor zu werben. vor allem wenn es um Auslandshilfe und um Krieg ging und um eine neue Weltordnung. zwischen dem Indischen Ozean und dem Pazifik.bis sie Chomskys Essay »Genocide on the Sly« in Towards a New Cold War las. Bildjournalistin aus Britisch Columbia. Also schrieb sie an Noam Chomsky und sprach auch mit ihm.CBC RADIO. Louise Penney Die Tragödie ist besonders tragisch. 1975 sind die Indonesier in dieses Land eingefallen. warum die UNO . Sie hat die Osttimor-Alarmkette gegründet. MONTREAL Louise Penney Hallo. und ich begrüße sie bei mir im Studio. da die meisten Menschen nichts über Osttimor wissen. Die Menschen haben sich gefragt. Nach dem Massaker von Dili im Jahre 1991 unterstützte das East Timor Alert Network die Gründung des East Timor Action Network in den USA. Elaine Brière Hi. etwa 420 km entfernt. Direkt südlich von Osttimor verläuft ein Tiefseegraben und bildet einen idealen Durchschlupf für amerikanische UBoote. die sie noch vor der Invasion gemacht hatte. daß die Sprache mehrfach auf Osttimor gekommen ist. Wollen sehen. Wenn Sie uns in den letzten Monaten regelmäßiger zugehört haben. Doch sie fühlte sich hilflos . daß das. Im Jahre 1974 hatte Frau Brière Osttimor bereist. konnte man doch damit die Tragödie augenfällig machen. was dort passiert ist und warum die internationale Gemeinschaft die Hilfe verweigert. Heute wollen wir uns Osttimor genauer ansehen. Dieses entstand 1986 und sollte sich gegen die indonesische Invasion und Repression in Osttimor stellen. dann machte sie sich an die praktische Arbeit.

Das war eine dieser Gruppen. praktisch als Selbstversorger. und sie sprachen 30 verschiedene Sprachen und Dialekte.ein Jahr. Im August 1975 brach ein Bürgerkrieg aus.000 Menschen. Es waren 700. daß die Indonesier dort eingefallen waren. stimulierenden und nährenden Umgebung auf. Sie gaben das Stammeswissen von einer Generation zur anderen weiter. Während der Kolonialzeit wurden die Menschen dort ziemlich politisiert. viel mehr auf die Aufteilung von Macht und Wohlstand bedacht. Indonesien konnte keine Ansprüche darauf geltend machen und hat das auch offen zugegeben. Vor der indonesischen Invasion lebten die meisten Menschen dort in kleinen Dörfern. nachdem ich die Insel verlassen hatte erfuhr. IM MIT Chomsky Osttimor war eine portugiesische Kolonie.an Osttimor ist: Dort hat eine der letzten urzeitlichen Kulturen dieser Region überlebt. als ich . viel egalitärer. der mit dem Sieg der FRETILIN endete. 95 . sie galt als Populistisch und katholisch und führte eine ziemlich linke Propaganda im Munde. daß ein kleines unabhängiges Land der Region zum Vorbild werden könnte. und es entstanden verschiedene Gruppierungen. Sie existieren außerhalb des Weltwirtschaftssystems. Solche kleinen Gesellschaften wie die auf Osttimor sind viel demokratischer. Die alten Leute spielten die Rolle der Universität. Die Kinder wuchsen in einer gesunden. Heute lebt nicht einmal mehr fünf Prozent der Weltbevölkerung so wie die Menschen von Osttimor. Sie waren dagegen. Ich war entsetzt. Sofort griff Indonesien ein.

die dann von Verwandten aufgenommen wurden. wir verlieren fast den Verstand. Manche fallen ins Wasser. Genaueres weiß ich nicht. leicht ergraute Haare. weil wir in Dili schon Erfahrungen mit dieser Art von Grausamkeit hatten machen müssen. Meine Freunde kehrten dann aus Atambua dorthin zurück. war auch ein Australier. sie mit dem Messer umzubringen. Ich kenne drei Männer. ehe sie selbst umgebracht wurden. Zeugnis von »Leong« in Telling: East Timor. andere auf den Boden. Sie stoßen ihn nach vorn. sie sind wie Dolche. daß wir es Ihnen kaum vermitteln können. sieben Schiffe gleichzeitig. Wir zittern. die mir erzählten. aber was sollen wir machen. man hörte kein Weinen. sich zum Meer zu wenden . wo ich arbeitete. Unter ihnen zwei Ehepaare. Er redete auf sie ein: »Nicht Fretilin . daß wir drei geradezu meinten. die Leichen mit Eisenrohren zu beschweren und ins Meer zu werfen: »Wir hatten gerade diese Leichen versenkt. die aber die Erschießungen nicht direkt beobachten konnten. was hier vorgeht. Ich konnte ja nicht wissen. Sie selbst waren Zivilisten. wurden erschossen und ins Meer geworfen. 96 Am 8. wie sie die australischen Journalisten in Balibo ermordet haben. Denn mehr wollen sie gar nicht: Die UNO soll Notiz von dem nehmen. Australien. am 16. Danach hat man sie verbrannt. als der Ort bombardiert wurde. Melbourne. die sind nicht nur zum Spaß da.AUF OSTTIMOR (OKTOBER 1975) Interviewer Wie ist die Lage? Wann sind diese Schiffe gekommen? José Ramos-Horta Die kommen seit Montag. 104 . Die Journalisten schrien: »Australier. Diese Messer werden am Gürtel getragen. befehlen ihm. Einige der Todeskandidaten mußten uns . und die nicht begreifen können. Er hat kurzgeschnittene. Sie wurden in einem Haus mit Messern umgebracht und dann mit Benzin verbrannt. Ich kannte sie alle. Ich schenkte ihnen Glauben.« Telling: East Timor.« Er sprach Englisch.Fragen von Menschen. es waren Freunde oder Nachbarn. warum die übrige Welt sich nicht um sie kümmert. daß sie vielleicht schon morgen sterben müssen. so absolut neuartig für uns Australier. habe ich nicht gesehen. Personal Testimonies 19421992 S. und auf uns prasselten die Fragen herab . Ich glaube ihnen auch deswegen. das uns tief aufgewühlt hat. Sie hatten so viel Angst. Wir saßen also auf Bastmatten unter einem Blätterdach in einer Hütte ohne Wände. denn ich mochte keine Fragen stellen. Sechs. Er trug braune Shorts und ein cremefarbenes Oberhemd sowie eine Sonnenbrille. Australier!« Ein indonesischer Anführer ließ die Journalisten fesseln und befahl dann. an die müssen wir dann ein Rohr binden. GREG SHACKLETON GARY CUNNINGHAM MALCOLM RENNIE BRIAN PETERS TONY STEWART Journalisten.wir waren zu sechst . Ich erfuhr es in Dili . daß sie völlig stumm blieben.Australier. Indonesische 96 Soldaten zwangen ihn. Sie kamen. nichts. dicht an unserer Grenze. was vorging. so 17 oder 18 Menschen. Wissen Sie. Dann knallen die Indonesier ihn einfach ab. Die Befehle gaben die Soldaten. Ob er Schuhe anhatte. zu dritt oder zu viert an die Kaimauer geführt und dort erschossen. Unter den Leuten aus Colmera. Das war so fremd. Außerhalb des Piers standen viele Menschen. Sie wurden zu zweit. An jenem Tag wurden auch zahlreiche Timoresen hingerichtet. Die Gefühle hier waren so intensiv gestern abend. daß ich einmal in Australien sein würde oder daß mich jemand danach fragen würde. was die Indonesier verlangen. Die bereiten eine große Aktion vor. begleitet von indonesischen Soldaten. vom 15.von jedem separat. da kam eine Gruppe timoresischer Chinesen aus Colmera. Wir wollen es aber versuchen. was sie mir erzählt haben. Oktober 1975 Greg Shackleton Hier ist etwas passiert.helfen. wir tun. das wir nie vergessen werden. Roger East. UNBEKANNTES DORF AUF TIMOR Filmdokument von Greg Shackleton des Senders Channel 7. sie vernahmen zwar die Geräusche. die wissen. und er fällt ins Wasser. Oktober 1975 von indonesischen Truppen ermordet. die übrigen waren Männer. in Dili umgebracht. die dort ermordet wurden. So weiß ich nur das.12. ich konnte ihn verstehen. denn diese Sache schien sie ziemlich zu bedrücken. eine Gruppe nach der anderen. das andere schon älter. Personal Testimonies 1942-1992 S. Greg Shackleton auf Portugiesisch Timor in einem unbekannten Dorf.er weigert sich. denn gelegentlich kamen Australier in den Laden. Zuerst waren die Einwohner von Balibo geflohen. Siong«. wußten aber nicht.75 wurde ein weiterer australischer Journalist. es gibt dafür einen Augenzeugen: »Mr. eines mit kleinen Kindern. andere zu fesseln. hatten aber indonesische Waffen. sie in der wannen Nacht mit Händen greifen zu können. Er sieht kräftig aus. Die Soldaten stießen ihn herum.

die sich in Osttimor aufhielten. Dezember. aber »da sie kaum konkrete Pläne vorlegte. Das CPJ wurde 1981 mit dem Ziel gegründet. Falls nicht... galt sie als die kleinste. Von den drei politischen Parteien. Natürlich waren die Umstände ungewöhnlich.. Im August versuchte die UDT dann. Ehrenvorsitzender ist Walter Cronkite [der Altmeister der amerikanischen TV-Nachrichtenmoderatoren]... Zu Beginn der neunziger Jahre kamen innerhalb von 18 Monaten 54 Journalisten in Ausübung ihres Berufs ums Leben.. Wir können nur unabhängig sein. um den freien Informationsfluß zu beeinträchtigen (. daß diese schon Anfang 1975 als größte Partei angesehen wurde (. Aus Dangerous Assignments: A Study Guide S. der seinerseits vom indonesischen Geheimdienst eingefädelt worden war« . 97 die darauffolgenden blutigen Auseinandersetzungen endeten wenige Wochen später mit dem vollständigen Sieg der FRETILIN (.) Die Anhängerschaft der UDT war seit Anfang 1975 ständig geschrumpft. »sich durch alle Medien und über alle Grenzen hinweg um Informationen zu bemühen... als sich innerhalb der winzigen. Die obengenannte Statistik belegt. lieferten die Australier. die im Mai 1974 existierten. wozu die Regierungen und auch manche Bürger fähig sind. die journalistische Berichterstattung zu verhindern. und es waren auch weniger Menschen umgekommen« (Hill S. wenn wir uns an die politische Linie Indonesiens halten. sei es um öffentliche Entrüstung oder einen Skandal zu vermeiden. Wie ausländische Besucher später feststellten. sei es um sich überhaupt an der Macht zu halten.. im April 1974 seine Kolonien in die Unabhängigkeil zu entlassen. die Beachtung der Pressefreiheit weltweit zu überwachen und zu fördern. Ruhe und Ordnung wiederherzustellen und die Grundversorgung der größeren Städte zu sichern. James Dunn. mit dem ancien régime in Verbindung gebracht wurde und überhaupt dem Endziel der völligen Unabhängigkeit zunächst zurückhaltend gegenüberstand.) Der UDT-Vorsitzende Lopes da Cruz stellte nach dem Treffen von Kupang fest: »Wir sind Realisten.).. gleichzeitig mußten über 1000 von ihnen sich Angriffen der unterschiedlichsten Art erwehren.. Ursächlich für diese Verschiebung war nicht nur das Versagen der UDT.womit er den Augustaufstand meinte (.wenden Gewalt oder Einschüchterung gegen Journalisten an. von juristischen Klagen bis hin zu physischen Attacken (.) Einen sehr positiven Bericht über das kurze Zwischenspiel der Fast-Unabhängigkeit.« Im Widerspruch hierzu sind Regierungen überall in der Welt darauf aus. In Dili hatte .« Als einzige sprach sie sich für die Vereinigung mit Indonesien aus. Anfänglich galt sie als die einflußreichste der drei Parteien. die FRETILIN und die APODETI (. sondern auch der Erfolg der FRETILIN (. wandten sich viele Anhänger der FRETILIN zu. und hier ist wohl auch der Hauptgrund für den Aufstand im August zu suchen (.) Jeder Journalist muß damit rechnen.) APODETI.. 12) (.) »An der Spitze der UDT standen hauptsächlich Katholiken.. Untergrundkämpfer. DER HINTERGRUND DER INVASION Kaum hatte Portugal seine Absicht verkündet. die allerdings im Mai infolge des Austritts der UDT wieder platzte. mit der Folge. wenn es darum geht. sich plötzlich schwerbewaffneten Soldaten. vom Committee to Protect Journalists.) Die FRETILIN war eine gemäßigt reformorientierte nationale Front. Auch in Friedenszeiten suchen viele Regierungen den freien Informationsfluß zu behindern.. die Wahrheit vor anderen zu verbergen... sie zu empfangen und weiterzugeben. meist kleine Grundbesitzer oder Beamte.. vom September 1975 bis zur indonesischen Invasion am 7.. Aber auch private Gruppen oder Einzelpersonen Drogenhändler.) In die internationale Presse gelangte über all diese Vorgänge nur das. die Macht im Handstreich an sich zu reißen. schrieb über seine Erfahrungen: »Es gelang der FRETILIN-Regierung überraschend schnell.. Während des Golfkriegs von 1991 schränkten die USA den Zugang von Reportern zum Frontgebiet ein und verhängten über deren Berichte eine Vorzensur. 12). die »in diesem Gebiet das Informationsmonopol besaßen« (Hill S. »hatten sich erheblich weniger Kämpfe ereignet. iv. im Oktober Leiter des australischen Hilfskorps. als berichtet worden war. die dritte Partei.. vielleicht 3000 Köpfe zählenden Elite Timors neben einigen kleineren Gruppierungen drei politische Parteien formierten: Die UDT.)«...« (Jolliffe S. korrupte Geschäftsleute .. wird die Unabhängigkeit nur eine Woche oder einen Monat andauern (.Die Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen garantiert das Recht.« Benedict Anderson sagte vor dem US-Kongreß aus. in der sich zu Anfang vor allem die städtische Intelligenz engagierte und deren Vorsitzender aus einem katholischen Priesterseminar kam (.) Unmittelbar vor dem Putsch hatte ein Treffen auf höchster Ebene [zwischen Vertretern Indonesiens und der UDT] staltgefunden (. »fand offensichtlich nur wenig Unterstützung.) Bestätigt wird dies vom »Komitee zum Schutz der Journalisten«. 62). UDT und FRETILIN bildeten im Januar 1975 eine Koalition. daß seiner Meinung nach »der Bürgerkrieg in Osttimor durch einen Putsch der UDT ausgelöst wurde. mächtigen Politikern oder auch den aufgebrachten Zielpersonen seiner Recherchen gegenüberzusehen. was den Indonesiern genehm war..

was sie damit in Gang setzte. Kaum hatte der Bürgerkrieg mit dem Sieg der FRETILIN geendet. war dies völlig aus der Luft gegriffen.eine Nachricht. als Indonesien auch schon die bewaffnete Intervention einleitete . auch nicht das Rote Kreuz (.) Das indonesische Militär drohte damit. hatten sie die Indonesier ersucht..) Bei seiner Landung in Hawaii wurde Ford von Reportern nach seiner Meinung über die Invasion Timors gefragt.. hat Shepard Forman [Professor für Anthropologie an der Universität von Michigan. »Wie Journalisten in Djakarta von ihm erfuhren. Und dann gab es zwei. Wie wir wissen. am 5. den Gegnern der FRETILIN in Timor Beistand leisten zu wollen. dennoch wurde es.. daß den Indonesiern alles daran lag. der ihn begleitete. sich das Leben schon Mitte Oktober mehr oder weniger normalisiert (.)«. 1 S. erfolgte dann am 7.. Dezember die Invasion. Soweit wir es beurteilen können.) Durch den ganzen Oktober und November zogen sich heftige Nahkämpfe zwischen Militäreinheiten Indonesiens und der FRETILIN hin (.<« [Los Angeles Times 7. Australien.75] The Political Economy of Human Rights Bd.. alle noch in Dili verbliebenen Australier umzubringen . Die ersten Grenzverletzungen durch die Indonesier erfolgten am 14. »Diese Drohungen belegen.IM MIT Chomsky Ford und Kissinger besuchten Djakarta ..) Inzwischen rechnete man allgemein mit einer massiven indonesischen Invasion (.75]. East Timor: Nationalism and Colonialism (University of Queensland Press 1978) Helen Hill... im Westen allgemein geglaubt. D. hatte seine Reaktion schon zuvor formuliert. 156 98 . weil es ihnen sonst zu peinlich gewesen wäre. Seit dem frühen Morgen fielen Bomben auf Dili [die Hauptstadt von Osttimor].« Keinesfalls durften unabhängige Zeugen vor Ort sein. bis sie das Land wieder verlassen hätten.. September (. würden die USA die von der FRETILIN ausgerufene Republik nicht anerkennen. Dezember. und zwar auch bei früheren Anhängern der UDT (. Dezember besuchten Präsident Ford und Henry Kissinger Djakarta. drei Wochen lang nichts als .unter dem Vorwand. ist einfach eine der größten Untaten in der Geschichte.. nachdem sie wieder weg waren..12. Dann marschierten mehr Soldaten ein.. >Die Vereinigten Staaten haben für die indonesische Position in dieser Frage Verständnis. das Gebiet noch vor der Invasion von ausländischen Beobachtern zu säubern.)« [UPI 8. Nur einen Tag später führte die indonesische Armee den erwarteten Großangriff durch. The Timor Story (Timor Information Service. 133-143 Jill Holliffe. sie brachten die Menschen einfach um.) Obgleich die FRETILIN-Regierung viele Schwachpunkte hatte. DUNKELKAMMER Elaine Brière Was sich am 7.. Er lächelte und sagte: »Darüber werden wir später reden (. der in den Jahren 1973-74 unter den Bergvölkern Timors lebte] als »Vernichtung von einfachen Gebirglern« bezeichnet.. war ihr Rückhalt in der Bevölkerung offensichtlich sehr stark.. als die Stadt Einwohner hat. die Invasion so lange aufzuschieben. Dezember abspielte. wie wir noch sehen werden.) Am 6. 1 S.. The Political Economy of Human Rights Bd. während andere darin schlichtweg einen Genozid erblicken. von der Australien umgehend das Internationale Rote Kreuz in Kenntnis setzte.12.ich glaube. Henry Kissinger. Wenige Stunden. o.

wie die Körper auf mich niederfielen . der Mutter — es war entsetzlich Ich lag am Boden. Diesen Auftrag setzte ich um . der im Februar 1976 geschätzt hatte. Meine Hand war getroffen worden. daß jegliche UN-Maßnahmen wirkungslos zu bleiben hätten. 308 Zitate aus: Patrick Moynihan. and Western Compliance. und ist auch noch stolz darauf. NEW YORK Jose Ramos-Horta (Vertreter von Osttimor bei der UNO) Der Rat muß die indonesische Aggression gegen Osttimor als vorrangigen Diskussionspunkt betrachten. The Chomsky Reader S. prozentual also beinahe so viel wie der Blutzoll. also mit einer Verurteilung. als Indonesien in Timor einfiel. warf ich mich zu Boden. Vgl. 99 Jose Ramos-Horta war. Es war der Wunsch des Außenministeriums. A Dangerous Place (Little.000 Personen ums Leben gekommen« — davon aber nur 2-3000 während des eigentlichen Bürgerkriegs. beschloß die Regierung. man rief nach der Frau. das sich mit Hitlers Untaten in Osteuropa vergleichen läßt. mit einer Einleitung von Noam Chomsky (Red Sea Press 1986) . und dann spürte ich. als ob sie am Boden festklebte.wie Blätter. daß er genau wußte. »seit Beginn des Bürgerkriegs« im August seien »etwa 60. Brown 1978) IN DER UNO. East Timor Debacle: Indonesian Intervention. Repression. den die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg entrichten mußte.mit beträchtlichem Erfolg. aber die USA waren offensichtlich entschlossen. Einige verwässerte Entschließungen wurden verabschiedet. alle übrigen nach der indonesischen Invasion im Dezember .: José Ramos-Horta. Moynihan ließ auch keinen Zweifel daran. Er zitiert einen seiner indonesischen Freunde in Timor. unverzüglich sämtliche Truppen aus dem Gebiet zurückzuziehen. Mitglied im Zentralkomitee der FRETILIN. der Forderung nach Sanktionen usw.und fährt fort: »Das sind 10 Prozent der Bevölkerung. lag still und stellte mich tot. die noch in den Kinderschuhen steckte. Die Hand fühlte sich an. Suzanne Weaver. Unterstützung für die Sache der timoresischen Unabhängigkeit zu gewinnen. er vertritt Osttimor dort noch immer. Daniel Patrick Moynihan (damals US-Vertreter in der UNO] Chomsky (im Off) Nach dem indonesischen Einfall reagierten die Vereinten Nationen in der üblichen Weise. jede reale Auswirkung zu verhindern. die Kugel war geradewegs hindurchgegangen. was er angerichtet hatte. Ich beschmierte mir das ganze Gesicht mit Blut. die Entsendung von Vertretern nach Westeuropa und Afrika sowie zur UNO. In dem Bestreben. Emissär bei der UNO wurde RamosHorta. Ich zerrte die Hand an mich heran und schmierte mir das Blut über das Gesicht. (ausgeblendet: Die Vollversammlung und der Sicherheitsrat haben Indonesien aufgefordert.« Moynihan hält sich hier also etwas zugute. Die Menschen schrien. Die indonesische Invasion in Osttimor stellt eine Verletzung des Völkerrechts und der UNO-Charta dar).AUS »BURIED ALIVE« (1989) Carlos Alfonso (Flüchtling aus Osttimor) Als ich den Befehl »Feuer!« hörte.

Allerdings habe. 483 . Richard Holbrook. gibt es eine einfache Antwort. Auf die Frage. die mit einer weißen Flagge aus dem Dschungel auftauchten. Zwar gab es während des Vietnamkriegs in Kanada ziemlich viel Opposition dagegen. der schnell Geld verdienen wollte. Language and Politics S. wurde weiter an Indonesien ausgeliefert. Was aber schon im Rohr war. 14). Aber die eigentliche strategische Waffe damals war der Hunger. England. was unter Präsident Ford begann. wo sich die indonesischen Soldaten ihrer bedienen durften. Oakly sowie des Unterstaatssekretärs für Ostasien und den Pazifik. der nicht über wirksame Flugabwehr verfügte. daß Indonesien nie etwas davon erfahren sollte.« Und Benedict Anderson gab zu Protokoll (February 1978 Hearings). ob sie sich als Komplizen eines Massenmords eigentlich wohlfühlen. Unmittelbar nach der Invasion wurden die Waffenlieferungen noch verstärkt. Die Frauen schaffte man beiseite und flog sie in Hubschraubern nach Dili. gaben Beamte des 100 Außenministeriums und des Pentagons auch offen zu. Das gleiche taten andere westliche Länder. Als den Indonesiern 1978 die Waffen auszugehen begannen. setzt die Carter-Regierung fort. Wie General Howard M. um ihnen zu ermöglichen. In krassem Widerspruch zu den ausdrücklichen Feststellungen von General Fish. sogar Babies. die in der Zeit des Vietnamkriegs speziell zur Aufstandsbekämpfung gegen einen Gegner. den die Indonesier für überdurchschnittlich gebildet hielten oder im Verdacht hatten. nur um sich des Gehorsams seiner Bevölkerung sicher sein zu können. Holland . wurde sofort umgebracht. Bisher ist das noch der Fall: Die Kanadier fühlen sich wohl. »nahmen wir keine neuen Bestellungen mehr entgegen. wo der Staat nicht zu Gewaltexzessen greift. »das Außenministerium keinesfalls bewußt eine Täuschung oder einen Gesetzesbruch unternommen. warum Indonesien die »Besorgnis« der US-Regierung überhaupt nicht zu spüren bekam. und man vernahm heftige rhetorische Verurteilungen. Daß man sich über die eigene Geheimpolitik hinweggesetzt hatte. Daher müssen die Menschen in Kanada sich fragen. Zum Schutz Indonesiens vor einem äußeren Feind konnten sie absolut nichts beitragen. Dieses umfaßte vor allein Flugzeuge vom Typ OV10 Bronco (nebst Ersatzteilen). 144-145 Verglichen mit anderen Ländern gehören Kanada und die Vereinigten Staaten eher zu denjenigen.000 Menschen umgekommen. entwickelt worden waren. IM MIT Chomsky Im Jahre 1978 hatte es die Ausmaße eines Völkermords angenommen. Um die Jahreswende 1977-78 richteten die Indonesier »Auffangzentren« für diejenigen Timoresen ein. »Diese vorübergehende Sanktion war weder angekündigt noch vorher durchgesickert«. daß sie sich damit genau so verhalten wie die von uns gebrandmarkten »guten Deutschen« unter dem Nazismus. noch mehr Timoresen umzubringen. Nichtsdestoweniger wurde Kanada zum weltgrößten Waffenexporteur pro Kopf der Bevölkerung. Aus einem Interview mit Richard Titus. es gäbe einen »vom Verteidigungsministerium bestätigten Bericht [über Waffenverkäufe ins Ausland]«. Sobald sie aber auf die Konsequenzen schauen. sie habe von Dezember 1975 bis Juni 1976 die Militärhilfe an Indonesien eingefroren. wir haben Waffen nach Indochina geschickt und uns an der Zerstörung des Landes bereichert. Die USA standen voll dahinter. erhielt die indonesische Regierung während des zwischen Januar und Juni 1976 verhängten »offiziellen Lieferstopps« wenigstens vier verschiedene Angebote über militärisches Gerät. Auch wer kein Held ist. Im Westen regt sich niemand über Die Regierung behauptet. Jeder. 1 S. werden sie entdecken. Mr. wie sie dem Ausschuß versicherten. Fish vor dem Kongreß aussagte (March Hearings S. werden sie sie nicht aufgeben. Außerdem war das Ganze ein Betrug. Nach Schätzungen der Kirche und anderer Quellen waren etwa 200. Indonesien wird seitdem praktisch unverändert mit den Broncos und anderen. war das »Militärhilfe-Embargo« so geheim. Auch Kinder wurden umgebracht. demzufolge während des angeblichen Lieferstopps neue Angebote für Militärausrüstungen erfolgten. war da. Denn wie man sieht. etwas zu tun. schreibt Lee Lescaze [in der Washington Post]. hat viele Möglichkeiten.« In der Tat wurden die Indonesier von ihnen nicht getäuscht. The Political Economy of Human Rights Bd. Sie lieferten 90 Prozent der Waffen. der Aul1 standsbekämpfung dienenden Waffen versorgt.DUNKELKAMMER Elaine Brière Danach flüchteten die Timoresen zu Tausenden in den Dschungel.jeder. Solange sich die Kanadier in dieser Rolle wohlfühlen. kam die Carter-Regierung ihnen zu Hilfe und erhöhte den Umfang der Waffenverkäufe. Man lehnt sich zurück und macht mit dem Leid und Elend anderer seine Geschäfte. der FRETILIN oder einer anderen Oppositionspartei anzugehören. Kanada.

) Am 28. eine Einflußnahme Rußlands oder was weiß ich. daß vor der Invasion die New York Times und andere viel über das Land gebracht hatten. auf. die in den USA umliefen und die besagten. Als später. Ein Flüchtling aus Timor war nie zu vernehmen. bis dieser Opfer eines von den USA unterstützten Putsches wurde. vietnamesische Kleinbauern und Untergrundkämpfer Zuflucht im kambodschanischen Grenzgebiet suchten.. die den Versuch unternahm. wenigstens in den USA und in Kanada.) Außenpolitisch suchte er in dem um sich greifenden Indochinakrieg ein gewisses Maß an Neutralität zu bewahren. die Rechte kurz zu halten (.. Das wird nirgends so deutlich wie in diesem Fall.03. daß etwa noch nie jemand von Osttimor gehört hatte.ich meine sogar. als die gewaltige Protestwelle in Sachen Kambodscha rollte. Einige gab es noch. Kaum waren die Indonesier einmarschiert. auch Kap. verurteilte die kambodschanische Regierung öffentlich die Angriffe mit Bomben und Bordwaffen. bis diese durch den vietnamesischen Einmarsch nach Kambodscha im Dezember 1978 gestürzt werden. ertönte in Washington und in den Medien die zynische Warnung vor einer kommunistischen Unterwanderung des neutralen Kambodscha (.1973-75 ein vergleichbares Verbrechen ereignet.. wenn die Zielscheibe eine mit uns befreundete Regierung ist. Innerhalb des Landes schlug er Aufstandsversuche der Linken und der Kleinbauern nieder und versuchte gleichzeitig. für das aber wir verantwortlich gewesen waren. März trat Prinz Sihanouk in einer Pressekonferenz auf und dementierte ganz entschieden Meldungen. (Mehr dazu auf S. vor allem nach den mörderischen Militäroperationen der USA Anfang 1967 in Südvietnam. die von allen Ländern . doch das Gemetzel geht mit amerikanischer Beteiligung weiter.) Seit Anfang der sechziger Jahre gab es immer heftigere Angriffe der amerikanischen und südvietnamesischen Streitkräfte gegen kambodschanische Grenzposten und Dörfer.allein anerkannte Vertreterin Kambodschas. Eine Woche darauf. Grausamkeiten. die Hunderte das Leben kosteten.buchstäblich auf Null.Aggression. Das Ausmaß der Untaten war ungefähr gleich .. mit dem Wort »Terrorismus« zu bezeichnen.) Am 18. aber nur aus Sicht des US-Außenministeriums und des indonesischen Militärs. Manufacturing Consent S. bis schließlich im April 1975 die Roten Khmer die Macht übernehmen.1978): In dieser Zeit steht Kambodscha unter der mörderischen Herrschaft der Roten Khmer (»Demokratisches Kampuchea«. DK). Die Guerilla-Armee der Roten Khmer.69 wurden die berüchtigten »geheimen Bombenangriffe« aufgenommen. da er von diesem Krieg nur einen Sieg der Kommunisten erwartete. am 26. Was sie jetzt in Kambodscha betreibt. er habe »nichts gegen amerikanische Bomben auf kommunistische Ziele innerhalb unserer Grenzen . 1978. und einem von den USA angeheizten Bürgerkrieg ist das Land völlig zerstört.03. wie es sie in der Geschichte noch nie gegeben hat. als diese geradezu den Charakter eines Völkermords annahmen. wo ich es genauer nachgeprüft habe .. auf dem Höhepunkt der Gewaltakte. Man befürchtete eine Unabhängigkeitsbewegung.. 6) 101 Bis März 1970 wurde das Land von Prinz Sihanouk regiert. das einzige militärische Machtinstrument des DK-Regimes.. 260-261 (vgl. In den Vereinigten Staaten und bei ihren Verbündeten stieß Sihanouk mit seinem neutralistischen Vorgehen auf wenig Gegenliebe (. auf die Gesamtbevölkerung bezogen war es in Timor noch erheblich schlimmer. Es gibt wohl kaum ein Land. In seiner Regierungszeit führte Sihanouk nach innen und außen einen schwierigen Balanceakt aus. All dies spielte sich nun exakt zur selben Zeit ab. mit denen »amerikanische Flugzeuge nahezu täglich (. Sie umfaßt insgesamt 3 Phasen.. wenn nur genügend Profit in Sicht ist. Man muß wissen. setzte die Berichterstattung völlig aus. Es war auch nicht so. Verletzungen der Menschenrechte usw. 103) Phase 3: Vietnam setzt die Regierung Heng Samrin ein.« (. das so leiden mußte wie Kambodscha in den siebziger Jahren. Gleichwohl bleibt die DK-Koalitionsregierung. pflegen wir andernorts. hat diese Periode als »Jahrzehnt des Völkermords« bezeichnet. Dahinter stand damals die Sorge über den Zusammenbruch des portugiesischen Kolonialreichs und was das für Folgen haben könnte. Genau genommen hatte sich auch in Kambodscha schon vorher ..außer vom Ostblock . wird mit chinesischer und amerikanischer Hilfe im Grenzgebiet zu Thailand und auf thailändischem Boden wieder aufgebaut. hörten die Berichte auf.69.) die kambodschanische Grenzbevölkerung heimsuchen.. Phase 2 (April 1975 . Zwar setzt der Kongreß im August 1973 per Gesetz den Bombardements ein Ende. Die finnische Untersuchungskommission. deren bestimmender Faktor die Roten Khmer sind. von denen die letzte noch unserer Gegenwart den Stempel dieser furchtbaren fahre aufdrückt: Phase 1 (1969-April 1975): Nach Bombardierungen durch die US-Luftwaffe. das Geschehen aufzuarbeiten.

. wie sie Schüler von Marx oder Mao sind (... entweder direkt durch die amerikanischen Bomben oder durch den von uns unterstützten Krieg. Diese schwarz gekleideten Männer. der jetzt in Kambodscha entflammte. im Ausland die eindeutige Haltung Kambodschas bekanntzumachen.) Wie überall.000 Menschen ums Leben.. denn die Medien wollten sie geheimhalten. Ein anderer Kenner des Landes. hat auch hier [auf dem Lande] der Krieg alles ruiniert. sind in ihrer schauerlichen Strenge ebenso sein ein Produkt der amerikanischen Flächenbombardements.) Der Bürgerkrieg. Nach Schätzungen des CIA kamen in diesen fünf Jahren an die 600. daß anschließend Hunger und Krankheit vielleicht eine Million Tote fordern würden. daß infolge der Bombardements »Tausende junger Kambodschaner zwangs- . wo wir gewesen sind. sie erreichten ihren Höhepunkt 1973 und gingen noch bis 1975 weiter. sondern ein Putsch der Oberschicht». kommt zu dem Schluß. konnten sie sich nur in aller Eile ein Bild von dem machen. 278 Milton Osborne.. daß hohe US-Beamte schon absehen konnten. die vorher nur eine Randerscheinung gewesen waren. was auf dem flachen Land vorgegangen war. Und Kambodscha wurde in einem solchen Zustand hinterlassen. Seine Eindrücke faßte der britische Korrespondent John Swain mit folgenden Worten zusammen: »Die Vereinigten Staaten haben hier große Schuld auf sich geladen. Manufacturing Consent S. er diente »innenpolitischen Interessen« und genoß zumindest »indirekte Unterstützung durch die USA« (. Am 18. David Chandler. 267-273 102 Als nach dem Sieg der Roten Khmer die westlichen Korrespondenten aus Phnom Penh evakuiert wurden. Sehen Sie. wurde auf beiden Seiten mit zunehmender Grausamkeit geführt. Nach amerikanischen Regierungsquellen sowie nach Meinung von Wissenschaftlern spricht übrigens viel dafür. Spezialist in Sachen Kam- bodscha. Sie wußten zwar. aber sie wollten gar nicht so genau wissen.« (Sunday Times. Die Brücken sind sämtlich zerstört. Es war »keine Revolution.Chomsky Die Offensive der USA gegen Kambodscha begann mit den Luftangriffen Anfang der siebziger Jahre. Wie eine Untersuchungskommission des Obersten Rechnungshofes feststellte.85) Manufacturing Consent S. Ich fand nicht eine einzige Pagode unbeschädigt vor. Mehr noch: Bis heute wird dieses Material zurückgehalten. weist darauf hin. weil das Land in Trümmern lag. unter welchem Vorwand sie erfolgen. daß sie stattfanden.. nämlich daß ich mich uneingeschränkt gegen alle Bombenangriffe auf kambodschanisches Gebiet wende. daß die Landbevölkerung sich auf die Seite der Roten Khmer schlug. Sie richteten sich gegen das Landesinnere.. kaum steht noch irgendwo ein heiles Haus.05. London. wird niemanden überraschen.) Im März 1970 schließlich wurde Kambodscha endgültig in das Schlachthaus Indochina hineingezerrt. waren die amerikanischen und südvietnamesischen Bombenabwürfe »eine wesentliche Ursache für Fluchtbewegungen und Todesopfer unter der Zivilbevölkerung». und damit meine ich nicht nur die Zahl der Toten und die riesigen materiellen Verwüstungen.70 wurde Sihanouk gestürzt. Man weiß sehr wenig darüber. wurde der Bombenkrieg mit unverminderter Härte fortgesetzt. entwickelten diese sich zu einer nicht mehr zu übersehenden Kraft. Auch nachdem die USA ihre Truppen aus Kambodscha abgezogen hatten. abgesehen von vereinzelten Publikationen am Rande des politischen Spektrums (. was da vorging. und das ist eben die falsche Story. ganz gleich. Wie mir berichtet wurde.oder was davon übrig geblieben ist regieren und die so gar nicht kambodschanisch wirken. einzuwenden. haben die meisten Bewohner die Kriegsjahre aus Furcht vor den Bomben fast ununterbrochen in unterirdischen Bunkern verbracht (. die jetzt das Land .« Daß dieser Appell fruchtlos blieb. in denen ihr Geist zu Stahl geschmiedet wurde.« Dann wandte er sich an die internationale Presse mit den Worten: »Ich bitte Sie dringend. 11. daß die intensiven Bombardements ein wesentlicher Grund — vielleicht der Hauptgrund — dafür waren. daß der Terror der Kommunisten [in den Siebzigern] »zweifellos eine Reaktion auf die furchtbaren Bombenangriffe [der US-Luftwaffe] in den von den Kommunisten gehaltenen Gebieten« darstellte. Das ist schon ein ziemliches Blutopfer. etwa ein Drittel der Bevölkerung von 7 Millionen sei auf der Flucht..) Die Bomben der amerikanischen B52 haben das Land umgepflügt und ganze Städte oder Dörfer dem Erdboden gleichgemacht.03. Indem Kambodscha systematisch zerstört wurde und die Landbevölkerung im Innern immer stärker unter dem US-Terror zu leiden hatte und sich daher auf die Seite der bis dahin ganz unbedeutenden — Rolen Khmer schlug.

Nun waren die Verbrechen . an die 2 Millionen Menschen abgeschlachtet zu haben (Jean Lacouture in der New York Times). die Schätzung der Nachkriegsbevölkerung ist fehlerhaft. der als gleichberechtigte Premierminister Hun Sen und Prinz Norodom Ranaridhb vorstehen. Der CIA gibt an.000 bis 100. läufig zu Kämpfern in einem antiamerikanischen Kreuzzug« wurden — hatten die Angriffe doch »das Geflecht der kambodschanischen Vorkriegsgesellschaft schwerbeschädigt und so der GPK [den Roten Khmer] die psychologischen Zutaten zu einer gewalttätigen. zwei Millionen Menschen ermordet zu haben. sondern alles taten. vergleichbar »dem Archipel Gulag und der Ausrottung der Kulaken in der Sowjetunion. die Roten Khmer hätten sich selbst damit gebrüstet. aber für den gewünschten Zweck noch nicht schlimm genug. zumal sie alle Todesursachen mit einschließt. Manufacturing Consent Anm. Die Wahlbeteiligung war mit 90 Prozent unglaublich hoch . [die Roten Khmer] seien nach eigenen Aussagen »stolz« darauf. diese Differenz unerheblich.000 Menschen umgebracht wurden und daß vielleicht eine Million aus anderen Gründen starben.. und im übrigen erschiene ihm. Die echte Zahl läge eher im Tausenderbereich. -NC Über die Bevölkerungsstudie der CIA sagt Chomsky: »Die Annahmen darin sind von A bis Z politisch beeinflußt. wie sie amerikanische Beamte und Helfer vor Ort durchaus vorhersahen.000 über der normalen Sterbeziffer an.und dies.zwar schlimm. es lohne sich nicht nachzuforschen.Chomsky Nach 1975 ging das Gemetzel weiter. und dann setzte ein furchtbarer Holocaust ein. 32 S. wenn es einerseits um den Tod Tausender oder andererseits um den »Stolz« über die Ermordung von zwei Millionen Menschen geht. Ben Kiernan. daß 50. 264 Im Mai 1993 fanden in Kambodscha Wahlen unter Aufsicht der UNO statt. B. der den Vorsitz in dem aus vier Fraktionen bestehenden Obersten Nationalrat führt. Die bemerkenswerteste Aus- . z. steht keineswegs fest. Und von dem Moment an wurde getrommelt und gebrüllt: Völkermord! Der Bestseller über das Kambodscha Pol Pots trägt den Titel Murder in a Gentle Land. 383384 103 Mit der Machtübernahme durch die Roten Khmer im April 1975 setzte Phase 2 des »Jahrzehnts des Völkermords« ein. vermuten noch höhere Werte. Andere.« Vgl.. ebenso wenig wie man sich über die Folgen unserer Kriegsführung. rachsüchtigen und unerbittlichen Revolution geliefert« (. und er setzt die Zahl der Toten auf 750. Das waren dramatische Fakten.zu einem Zeitpunkt. Gedanken gemacht hatte (.. als Lacouture sie wenige Wochen später widerrief und eingestand. konnte übertreiben.« Nun hatte es bis dahin vielleicht einige Tausend Opfer gegeben. Es hieß sogar..alles war erlaubt. also das schwankt. bedurfte keiner Beweise.) oder wie man einen möglichen kausalen Zusammenhang zwischen den Schrecken der Phase 2 und dem Krieg der USA gegen eine bäuerliche Gesellschaft in Phase 1 in Betracht zog.. er habe seine Quelle (Ponchaud) falsch interpretiert. die Todesrate daher ohne Aussagekraft. Jedenfalls war es furchtbar. »wer genau irgendeinen unmenschlichen Satz von sich gegeben hat« (.. letzterer ein Sohn des Prinzen Sihanouk. Bereits nach wenigen Wochen beschuldigte die USPresse sie »barbarischer Grausamkeiten« und einer »Politik des Völkermords«.) Allerdings stimmte nicht jedermann in diesen Chor ein. um sie zu sabotieren. konnte Fotos fälschen . Seitdem amtiert eine provisorische Regierung. ist Michael Vickery. auch dann noch. April 1975 war dies ein Land voll friedlicher und lächelnder Menschen gewesen. Anfang 1977 stand die Behauptung im Raum. Ob die Roten Khmer wirklich besiegt sind. als vielleicht einige hundert oder tausend Menschen umgebracht worden waren.die tatsächlich verübten Verbrechen . Aus dieser Äußerung geht wohl deutlich hervor. Nach jüngsten Berichten unterhalten sie beste Beziehungen zu Regierungs. Diese Zahl blieb von nun an unverrückbar stehen. Bis zum 17. allerdings bislang ohne Detailuntersuchungen. Einer. Doch setzen viele ihre Friedenshoffnungen auf Prinz Sihanouk selbst. Dieser Rat war eine Frucht des von der UNO vermittelten und in Paris abgeschlossenen Friedensvertrags von 1991. obwohl die Roten Khmer die Wahlen nicht nur boykottierten. Umgehend stand die Zahl der Toten bei 2 Millionen.und Geschäftskreisen in Thailand und verfügen über einigen Einfluß.. man schätzt ja . und plötzlich war es die richtige Story.) Manufacturing Consent S. Hier beging der amtliche Feind die Greueltaten. denn nun waren ja die Bösen die Täter. nicht anders steht es mit seiner anschließenden Feststellung. Es war schlimm genug.. der die Sache besonders genau untersucht hat. während über die mehr als eine halbe Million Toter der ersten Phase des Genozids nichts dergleichen zu vernehmen gewesen war. hier konnte man sich ungeheuer entrüsten. wie man schon damals mit Fakten umzuspringen pflegte. Schon wenige Wochen nach der Machtübernahme durch die Roten Khmer beschuldigte die New York Times sie des Völkermords .

149 Am Ende könnte sich herausstellen. Wir wissen. ob in Dachau die Zahl der Opfer 100. Cambodia: Year Zero (Holt.. nahme bildeten genau diejenigen. zumal sie aus fragwürdigen Quellen stammten. im Ausland allgemein von den anerkannten Indochina-Experten gelobt. abgedruckt in The Chomsky Reader • Manufacturing Consent S. 293 . nur um der Allgemeinheit ein ganz bestimmtes Bild zu vermitteln. Inside Asia (London Febr. es wurde in einem Ausmaß gelogen. Anthony Paul. 382 Anm. sondern auch gerade die Sache.. stellt er nicht nur meinen Respekt vor Texten und vor der Wahrheit überhaupt in Frage. Besonders bedauere ich die erwähnten irreführenden Belegangaben. die der Wahrheit entsprachen. ich hätte die Daten über die Zahl der Opfer genauer überprüfen sollen.000 oder 500. nämlich die KambodschaExperten des Außenministeriums. Denn indem er schwere Zitierfehler aufzeigt.will sagen. beziffern die Gesamtzahl der Opfer auf »einige Zehntausend. das Hauptproblem darin sehen.000 zivile Opfer forderte? Wenn es doch auf einen Faktor 100 gar nicht ankommt? Wenn Tatsachen so wenig zählen. die sich auf die zu jener Zeit greifbaren Belege (hauptsächlich aus dem Nordwesten des Landes) stützten.bei aller Verantwortung für die fehlerhaften Details meiner 104 Rezension . für die ich hatte eintreten wollen. Sollen wir wirklich. Manufacturing Consents. in den USA jedoch — ebenso wie der Bericht der finnischen Untersuchungskommission — praktisch völlig übergangen«. was vielleicht noch über Kambodscha ans Tageslicht kommt. wenn wir auf etwas so Monströses wie das derzeitige Regime in Kambodscha schauen.. Diese vorsichtig formulierten Erkenntnisse wurden aber in den Medien fast völlig ignoriert (. warum dann überhaupt angebliche Tatsachen herauskehren? The Political Economy of Human Rights Bd..in My Lai Hunderte. vorwiegend infolge Krankheit. »Decade of Genocide in Review«.IM MIT Chomsky Und es wurde gewaltig gelogen .000 betrug? Oder ob Stalin in Katyn 1000 oder 10. und seinen Autor »einen der wenigen wirklichen Kambodscha-Spezialisten« .77) Oder ob vielleicht . modifiziert. Vgl. die zu Informationen aus Kambodscha den besten Zugang hatten. 280-283 Michael Vickery.wie nämlich die verwendeten Daten ausgewählt. 266-270 Als Antwort auf Chomsky schreibt Jean Lacouture. Cambodia: 1975-1982 (South End Press 1984): Chomsky nennt dieses Buch »die wichtigste Untersuchung über die Herrschaft der Roten Khmer (.so könnten wir fortfahren .05. das selbst einen Stalin hätte erröten lassen. Manufacturing Consents. wie die Berichte aussagen.). 22 • John Barron. auch • Noam Chomsky. Doch selbst dies würde nichts an unserer Einschätzung der zentralen Frage verändern . daß es Betrug war. oder ob das Regime nun einige Tausend oder nur einige Hundert Unglücklicher auf dem Gewissen hat? Ist es für die Geschichtsschreibung von Belang. Aber ich möchte doch .in Bezug auf deren Grundtendenz meine Unschuld beteuern. denn wir brauchen uns nur die Reaktionen auf Verbrechen anzusehen. Die Antwort ist eindeutig und hängt nicht davon ab. 2 S. Murder in a Gentle Land (Reader's Digest Press 1977) • »The >Not-So-Gentle< Land: Some Relevant History«. 2 S. Unterernährung und eines »brutalen Umbruchs der Lebensverhältnisse« und nicht etwa als Folge eines »massenhaften Genozids«. The Political Economy of Human Rights Bd. oder aber Zehntausende umkamen. manchmal auch aus der Luft gegriffen wurden. für die die USA verantwortlich waren. vielleicht auch einige Hunderttausend«. daß es eher die krasseren Urteile waren. oder ob die Mordaktion »Speedy Express« im Mekong-Delta nur 5000 oder aber 500. wer genau irgendeinen unmenschlichen Satz von sich gegeben hat. 1985). der das Buch: Francois Ponchaud. Ihre Angaben.) Sie wurden eben in jener Zeit nicht für nützlich erachtet. Rinehart and Winston 1978) in der New York Review of Books besprochen halte: Noam Chomskys Korrekturhinweise haben mir heftige Kopfschmerzen bereitet.000 Polen erschießen ließ? »Cambodia: Corrections« New York Review of Books (26. Ich habe Ponchauds Buch überhastet und unter emotionaler Spannung durchgelesen und auch die für polemische Bemerkungen geeigneten Stellen voreilig ausgewählt. Es war schlicht und einfach Betrug.

Wieviel an Wert dabei jeweils zugemessen wird.Chomsky Kambodscha und Timor in den frühen Siebzigern sind ein geeignetes Vergleichspaar. während diejenigen. um die vielen tausend Artikel herauszusuchen. die auf der eigenen Seite vielleicht noch härter angefaßt werden. Die Indexlisten lagen uns als l:l-Kopien aller Eintragungen zu den Stichworten Timor und Kambodscha vor und wurden aneinandergeklebt. S. 6. Wir verfügten nicht über die Mittel. Manufacturing Consent Kap. The Political Economy of Human Rights Bd. und nun das beeindruckende Medienecho: NEW YORK TIMES INDEX 1975-1979: »TIMOR« GESAMTE SPALTENLÄNGE 170 CM »KAMBODSCHA« GESAMTE SPALTENLÄNGE 2900 CM In einigen Rezensionen von Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media wur- den diese Zahlenwerte als die Spaltenlängen der in diesem Zeitraum erschienenen Beiträge selbst mißverstanden. die in Feindstaaten Unrecht erdulden müssen. auch: »Bloodbaths in Indochina: Constructive. Ja. 1. 105 . Nefarious and Mythical«. wohinter sich natürlich weit mehr Spalten der eigentlichen Texte verbergen. zu kopieren und abzumessen. 337-354. Laos and Cambodia« In einem Propagandasystem werden grundsätzlich die Menschen. Der Platz auf Kanadas größter Bühne reichte knapp für den ausgerollten Streifen über Kambodscha: etwa 29 Meter. daß es sich dabei um die Spaltenlänge der Eintragungen im Index handelt. als wertvolle Opfer dargestellt. »The Indochina Wars (II). Man kann aber sehen. insbes. Über Kambodscha vgl. läßt sich an Art und Ausmaß der Aufmerksamkeit und der Entrüstung ablesen. keinen Wert repräsentieren.

Und wenn man das beispielsweise mit Kambodscha vergleichen würde. als wenn man einfach von »der herrschenden Ideologie« sprechen würde? Man könnte dann nämlich dieses Filter auch dort diagnostizieren. Und da trat nun Chomsky vor den Studenten auf und trug ein leidenschaftliches Plädoyer vor . welches von der politischen Ökonomie der USA zu ihrem wichtigsten Steuerungs. vom Antikommunismus wie von einer Religion beherrschten kulturellen Milieu der USA sehen sich die Linksliberalen unablässig unter den Vorwurf gestellt. Wir kommen in dem Buch ja auch mehrfach auf andere Aspekte der herrschenden Ideologie zu sprechen . Da auch die wenigen Liberalen. ständig meinen. Manufacturing Consent S. USA Im Rahmen einer internationalen Tagung zum Thema «Die USA und der Antikommunismus: Vorgeschichte und Konsequenzen«. Die Revolutionen in Rußland.etwa daß unsere eigene Regierung immer nur das Beste wolle. auf der Welt passieren ein Dutzend Greuel. läßt sich eine Unterstützung des Faschismus als kleineres Übel rechtfertigen. Warum soll dieser Name treffender sein. wo kilometerlang Berichte erschienen. . dann müssen sie dafür teuer bezahlen. daß irgendwo im Lande eine kommunistische Idee . 1989 Robert W. Infolge der ständigen Konflikte und der — noch dazu hochgespielten — Mißstände in den kommunistischen Staaten ist die Opposition gegen den Kommunismus zum obersten Prinzip der westlichen Ideologie und Politik geworden. dann sei das eine eben ein kommunistischer Greuel und das andere kein kommunistischer Greuel. Ebenso wird man gegen eine Sozialdemokratie eingestellt sein. 29 Robert W. vielleicht hätten wir das wirklich tun sollen. und somit in die Defensive gedrängt. vor allem dasjenige Element der Ideologie in den Vordergrund stellen. MASSACHUSETTS.umgesetzt wird. 11.« Und er sagte: »Da haben Sie völlig recht. um jeden aufs Korn nehmen zu können. China und Kuba haben die westlichen Eliten traumatisiert. McChesney ist Assistant Professor an der School of Journalism and Mass Communication der Universität von Wisconsin in Madison.« Da bin ich der Sache nachgegangen. Sollte es einer von ihnen gestellten Regierung unter- Filter: Antikommunismus als Nationalreligion und Steuerungsinstrument 106 laufen. gerade wenn es um die Filter geht. ihren Antikommunismus unter Beweis stellen zu müssen. daß die indonesische Regierung 1975 diese ehemalige portugiesische Kolonie annektierte. In diesem. wo es überhaupt nicht um Antikommunismus geht. und das hatte seine Gründe. Edward S.oder auch nur eine als solche hingestellte . McChesney Sie haben für dieses ideologische Filter die Bezeichnung »Antikommunismus« gewählt. das die Besitzenden verfolgt. Ich habe zu ihm gesagt: »Wissen Sie. Dies war auch so einer. CAMBRIDGE. verhalten sie sich geradezu wie echte Reaktionäre.1988. sie sehen dadurch ihre Klassenposition und ihren gehobenen Status im innersten bedroht. die in Sachen Kommunismus nicht genügend Härte zeigt.und Disziplinierungsinstrument gemacht worden ist. und so habe ich den damaligen stellvertretenden außenpolitischen Ressortleiter der New York Times angesprochen.-13. der im übrigen undeutlich genug bleibt. Wir wollten aber. Herman Das scheint mir ein vernünftiger Vorschlag zu sein. Das hat mich nun schon interessiert. die Presse hätte die Tatsache heruntergespielt.11. Aus einem Interview in Monthly Review Jan. Mittels dieser Ideologie kann man die Massen gegen einen Feind mobilisieren. Von jeher ist der Kommunismus das abso- lute Böse und das Gespenst gewesen.des Inhalts. sie seien prokommunistisch oder zumindest nicht genügend antikommunistisch.PODIUMSDISKUSSION IN DER HARVARD UNIVERSITY. dessen politische Absichten irgendwelche Besitzinteressen bedrohen oder die Akzeptanz der kommunistischen Staaten oder eines radikalen Gedankenguts implizieren. also ihm »in die Hände spielt«. über die wir nichts bringen. unterstützt vom Institute of Media Analysis Karl E. Meyer (Leitartikler der New York Times) Im Jahre 1980 hielt ich eine Vorlesung an der Tufts University. die diese Religion noch nicht verinnerlicht haben. unsere Berichterstattung auf dem Gebiet war sehr schwach. Wo der Triumph des Kommunismus das größte vorstellbare Unheil ist. wohl aber um die Interessen der Führungsschicht. Sie trägt demnach auch zur Spaltung der Linken und der Arbeiterbewegung bei und dient als politischer Lenkungsmechanismus. oder daß privates Unternehmertum etwas Gutes sei.

aber das ist wirklich nur eine helfende Rolle. weil wir professionell vorgingen. Und da gibt es dann wiederum Menschen wie mich. zu denen auch ich zählte. daß wir Infoblätter zusammenstellten und verschiedene Gruppen und Personen im ganzen Land damit zu aktivieren suchten. An der arbeitete ich mit. der in meinen Augen den Friedensnobelpreis verdient hätte. ihr Augenmerk auf diese Insel. Y.Wir bekamen Tonaufnahmen von Interviews mit timoresischen Führungsleuten und waren sehr überrascht (wo doch die USA so stark darin verwickelt waren). Nun ist mein Name ja recht bekannt. Wir haben uns dann mit ein paar Leuten zusammengetan. wo sie jemanden brauchten.praktisch überhaupt nicht . das Ohr der amerikanischen Öffentlichkeit zu erreichen. Literaturstudenten und Südostasien-Spezialisten . Infolge des amerikanischen Eingreifens in Indochina und anderen Ländern Südostasiens war ich sehr an dieser Region interessiert. Es gab damals. was natürlich nicht der Fall ist. 10. N. aber was dabei schließlich her- 107 auskam. den Gang der Dinge zu verfolgen und vielleicht nach und nach die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das zu lenken. Man kann daran sehen. Diese Ithaka-Gruppe löste sich zwar 1979 auf. die an einer wichtigen Sache arbeiten und dabei an einen Punkt kommen. die Geldmittel waren minimal.trachteten auch später danach. daß derartige Presseorgane auf die Sache aufmerksam würden und möglichst viele Fakten veröffentlichten.89 . . Es handelt sich dabei um einen damaligen Cornell-Studenten höheren Semesters. sie stützte sich hauptsächlich auf Hochschulkreise. Kurz nach dem indonesischen Einfall in Osttimor im Jahr 1975 lichtete eine kleine Gruppe von Cornell-Leuten. Aus Chomskys Interview mit Joop van Tijn im Sender »Humanist TV«. Diese wollte Vorfälle und Entwicklungen aufgreifen und dokumentieren. wie es im Geistesleben zugeht: Es gibt wichtige Leute. das sich später für Flüchtlinge. Niederlande. zur Washington Post und zum Boston Globe. Wir fingen damit an. wir wollten versuchen. Er war es auch. war ein Netzwerk von Kontakten. Arnold Kohen In den USA lebt jemand. der mich dazu brachte.06. MONTREAL Arnold Kohen (Journalist) Ich war damals als Reporter und Texter an einem kleinen alternativen Radiosender irgendwo im Staat New York tätig . Wir arbeiteten alle ehrenamtlich. 1980 ging die Gruppe ein. und doch ist er der Anführer und ich folge ihm nur. Wenn wir überhaupt Erfolg hatten. denn es erschien uns wichtig. der sich mit Haut und Haaren der Aufgabe verschrieben hat. und diese wiederum verfügt über das wahrscheinlich beste Südostasien-Institut auf der ganzen Welt. doch die meisten ihrer Mitglieder . ich war über Freunde dazugestoßen. der ihnen in den Lichtkegel der Öffentlichkeit verhilft. daß in den großen amerikanischen Medien sowenig . 1975. Als nächstes versuchten wir es bei den großen Medien. was sich in Osttimor abspielte. diese Dinge an die Öffentlichkeit zu bringen.MCGILL UNIVERSITY. das ging ja in den siebziger Jahren vielen so. eine regelmäßige Rundfunksendung namens »Ithaka. die von den großen Medien stiefmütterlich behandelt wurden. dort mit einzusteigen.Rest of the News«. jeder in seinem Umkreis über verschiedene Kanäle und Gremien.unter anderem Juristen. Das ist uns natürlich nicht immer gelungen. wenn der einen Sinn hätte.und es macht sich wirklich bezahlt. höflich blieben und uns strikt an die Tatsachen hielten. So etwas ist durch nichts zu ersetzen . obgleich das eigentlich aussichtslos schien. die diese Hilfe leisten können .über diese Massenmorde der Indonesier berichtet wurde. Ich stamme ja aus New York . ihn aber kennt keiner. für Menschenrechtsgruppen und andere Organisationen als nützlich erweisen sollte. für die Katholische Kirche in Osttimor.genau genommen aus dem Stadtteil Queens. so deswegen. Nun beherbergt aber Ithaka die Gornell-Universität. So nahmen wir unter anderem Verbindung zur New York Times auf.

Karl F. Meyer Zuerst schrieb ich einen Kommentar mit dem Titel »Der ungerechte Krieg in Osttimor«. wo er gezeigt wurde und wo alle größeren Zeitungen sowie die örtliche und überregionale Alternativpresse sich mit ihm beschäftigten. Wenigstens eine kanadische Fernsehanstalt (Radio Canada.79 (»East Timor: The Press Cover-up«) und in Radical Priorities S. Ich erwiderte. einige Kongreßabgeordnete griffen die Sache auf. Im Ausland wurde der Film. . ich würde Osttimor vorziehen. Sie kamen beispielsweise auch zu mir. Wir brachten dann noch ein Dutzend anderer Beiträge dazu.BÜRO IM MIT Chomsky Es waren buchstäblich nur ein halbes Dutzend Leute.das verdanken wir praktisch alles ihrer Arbeit.02.) So schließt sich der Kreis: Zuerst unterdrücken die Medien eine wichtige Story.. diese Berichte an die Öffentlichkeit zu bringen. Sie sind an einige Kongreßabgeordnete herangekommen. die sich mit großem Engagement der Aufgabe widmeten. PODIUMSDISKUSSION. gar nicht zu reden von den mehr als 225 Städten im ganzen Land. HARVARD UNIVERSITY Etwa zu der Zeit [da ich vor der UNO aussagte. in The Village Voice und in der New York Post rezensiert.. eben weil diese so erfolgreich gewesen ist. Er enthielt eine Landkarte und beschrieb genau. und so konnte ich vor der UNO aussagen und einiges darüber schreiben. daß sich das Parlament damit befaßte. Alles was wir darüber wissen . Dabei ist der Film ja nicht nur von einschlägigem Interesse. und das führte dazu. 471 Anm. daß Fakten darüber ausgebreitet würden. Timor sei doch völlig unbedeutend und daher für die Leserschaft uninteressant (. Toward a New Cold War S. besagte Unterdrückung zu untersuchen. von den großen Zeitungen und auch von der journalistischen Fachpresse rezensiert. den Film zu rezensieren oder auch nur zu erwähnen. Chomskys Aussage über Osttimor vor der UNO im Oktober 1978 wurde in einer leicht überarbeiteten Fassung in Inquiry 19. 3. dazu beitragen. Diese wurden gelesen. 84-94 abgedruckt. wo immer er aufgeführt wurde. Sonst gibt es so gut wie nichts. und zweitens konnte ja schon allein die Tatsache. den immer noch andauernden Bluttaten Einhalt zu gebieten. Und sie ließen nicht ab und ließen nicht ab. sie wurden in die Kongreßakten aufgenommen. Weder der persönliche Besuch eines Regisseurs von Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media im New Yorker Büro der Columbia Journalism Review noch die Ablieferung einer Videokopie des Films brachten deren Redaktion dazu. ebenso wie Hunderte von Hochschulen in ihren Vorlesungen über Journalismus und Kommunikation. was dort passiert war. Nach einigem Hin und Her lehnte man diesen Vorschlag mit der Begründung ab.] bat mich die Columbia Journalism Review um einen Artikel über die Behandlung Kambodschas in den amerikanischen Medien. der frankophone Landessender) setzt ihn bei der journalistischen Mit- 108 arbeiterschulung ein. und dann weigert sich eine Zeitschrift für Analysen des Medienverhaltens. er lief schließlich über 6 Wochen lang in New York und wurde in der New York Times. erstens läßt sich daran viel mehr erkennen.

interessanterweise . euch zu Osttimor zu äußern? Das wollten wir doch unter der Decke halten. viele Häuser weisen Einschußlöcher auf. »australischer TV-Journalist und wahrscheinlich der erste Reporter. Die würden zu uns sagen: »He. die es wis- sen müssen. es gäbe zwischen der etablierten Presse und der Regierung in Washington eine stille Verschwörung mit dem Ziel. so Stone. daß humanitäre Hilfslieferungen aus dem Ausland schließlich doch die Menschen erreichten. aber ohne den internationalen Druck wäre alles noch viel schlimmer. Allerdings erfuhren wir . erhielt jetzt einen hohen Grad an Legitimität . den Berichten über schrankenlose Verwüstungen und Gewaltakte auf den Grund zu gehen. In den letzten fahren hat der Kongreß sich nicht auf Anhörungen beschränkt. der am 2.von unseren Meistern in Washington zu spüren bekommen. MONTREAL Arnold Kohen Als nun die New York Times am Heiligen Abend diesen Kommentar brachte. Meyer Nimmt man die diversen Theorien wörtlich. daß diese Hilfe endlich durchkam. erfuhr. 109 . die Professor Chomsky vorbringt. sich auf bestimmte Sachen zu konzentrieren und andere Sachen zu ignorieren. der seit dem Ausbruch [des Bürgerkriegs nach Osttimor] hineingelassen wurde. aber ohne den internationalen Druck wäre alles noch viel schlimmer. was fällt euch denn ein. Worum wir uns so lange bemüht halten. übte der Kongreß in den Jahren 1979-80 so viel Druck auf Indonesien aus.nämlich das Wissen um die Tatsache. Und der US-Kongreß? Wie ich von Mitarbeitern des Außenministeriums.daß es da einen Typ namens Arnold Kohen gab und daß der eine Ein-Mann-Lobby gebildet hatte. 1 von The Political Economy of Human Rights behandelt. Es ist nun aufschlußreich zu sehen. dann müßte man annehmen. September 1975 in der Londoner Times erschienen war. Im wesentlichen stellte er folgendes fest: Auf der Fahrt durch Dili konnten wir ohne Mühe erkennen. daß sich in Osttimor eine Tragödie großen Ausmaßes ereignete. Nach anderen Quellen ist es allein diesem jahrelangen Druck zu verdanken. es gab auch noch andere positive Effekte. Ihr habt wohl aus den Artikeln zitiert. 1977 veranstaltete der Kongreß aufschlußreiche Anhörungen. -NC WAS HAT DIE NEW YORK TIMES AUS DEM ARTIKEL DER LONDONER TIMES HERAUSGESTRICHEN? Am 4. die infolge der indonesischen Blockade jeden Monat zu Tausenden verhungerten. Doch so wichtig es war. Wahr ist. sah die Sache für uns schon ganz anders aus. September 1975 brachte die New York Times einen Bericht von Gerald Stone. Doch die Hauptgebäude stehen noch.« Wir bekamen aber absolut nichts zu hören. IN DER NEW YORK TIMES Karl F.MCGILL UNIVERSITY.eine scharfe Reaktion . welche die indonesische Propaganda der FRETILIN anlastete und die bis heute die Berichterstattung färben. Die New York Times führte ein langes Interview mit James Dunn. Diese Berichte seien. die ich darüber geschrieben habe.« Allerdings ist dieser Artikel nur eine überarbeitete und gekürzte Version eines längeren Berichts. daß die Stadt schwer gelitten hat. die sämtlich von der FRETILIN nicht gerade das Beste zu erwarten hatten. Breiten Raum in dem Times-Artikel nehmen Stones Bemühungen ein. der damals vor dem Kongreß aussagte. dann würden wir sofort eine Reaktion . Man hat die militärische Ausbildung gekürzt (was Clinton allerdings mißachtet) und ebenso die Waffenlieferungen. dem besten Osttimor-Spezialisten der australischen Regierung. wie in diesem Krieg übertrieben und verzerrt wird. Arnold Kohen Diese Initiativen werden in Bd. worin die Überarbeitung durch die New York Times bestand. daß das indonesische Militär seit 1979 nicht noch viel mehr Menschen umgebracht hat. So fanden wir ein Hotel. durch die Brille verängstigter und erschöpfter Flüchtlinge gefiltert oder sogar von portugiesischen. indonesischen und australischen Beamten lanciert worden. Natürlich herrschen in Osttimor furchtbare Zustände. Abgedruckt wurde davon kein Wort. Natürlich herrschen in Osttimor weiterhin furchtbare Zustände. Das heißt: Sollten wir etwa die Spielregel verletzen. Später gab es noch andere Anhörungen.

die auf der Straße liegen. ich stieß fast durchweg nur auf Berichte vom Hörensagen. Seltsamerweise scheinen alle drei beteiligten Regierungen . allerdings weisen viele Häuser Einschußlöcher auf. wird durch geschickte Bearbeitung umgefärbt. wie wenig Anlaß zur Sorge Newsweek später in dem eigentlichen Blutbad nach dem Einmarsch der Indonesier sehen sollte.. und was er über das Ausmaß der Zerstörungen sagt. Wie er weiter enthüllt. Ob diese aber mit Vorbedacht begangen und von der Führung der FRETILIN oder der UDT gedeckt waren.75) greift nämlich Stones Artikel in der New York Times auf und schreibt zunächst.MCGILL UNIVERSITY. wenn es kein weit gespanntes Netz gegeben hätte. dieser entscheidende Absatz hier gegen Ende.09. Denn ich glaube. bis auf die zerstörten Fensterscheiben unversehrt vor (. die solche Analysen der Presseorgane veranstalten. mit anderen kirchlichen Gruppen. sondern geradezu Teil einer geplanten Lügenkampagne sind (Hervorhe- bung von uns). und andere Ärzte gab es nicht . mit Menschenrechtsgruppen.. mit der amerikanischen katholischen Bischofskonferenz. geht jedoch noch weiter. über die grauenvollen Verhältnisse in den Krankenhäusern der FRETILIN (die Portugiesen hatten den einzigen Militärarzt abgezogen. Der Prozeß. mit engagierten Bürgern usw. MONTREAL Arnold Kohen Also wissen Sie. aber um einen Absatz gekürzt. und viele haben keine Ahnung.) Im Licht dieser Erfahrungen bin ich davon überzeugt. und ein damit verknüpftes Interesse in den Nachrichtenmedien . Meyer Professor Chomsky und viele der Leute. 110 Stones Feststellungen zu den gezielten Propagandalügen Indonesiens und der westlichen Regierungen fällen gänzlich unter den Tisch. daß die Stadt durch die Kämpfe schwer gelitten hat. und schon gar nicht hätten wir die Sache so lange in Gang halten können. die ihr dabei in die Hände gefallen .) Unbestreitbar hat es Ausschreitungen in großer Zahl gegeben . daß »die Verwüstungen. einem Vorfall auf den Grund zu gehen. Nicht gestrichen haben die Redakteure der New York Times Stones anschließende Wiedergabe von Berichten Gefangener über das Verscharren von Leichen. den hat die New York Times aus dem Text der Times gestrichen. Dann kommt die Zeitschrift auf »einen Bericht von Gerald Stone über das Blutbad« in der New York Times zu sprechen.wäre dies nicht gewesen. Anlaß zu Besorgnis« gäben — was nun seinerseits bemerkenswert ist. wie es dann geschah. Stone sieht also alle drei Regierungen in diesen Propagandafeldzug verwickelt. die der Kampf der rivalisierenden Gruppen um die Vorherrschaft auf Timor hinterläßt. daß viele der verbreiteten Berichte nicht nur übertrieben. haben eines gemeinsam: Die meisten von ihnen haben noch nie für eine Zeitung gearbeitet. es hätte da eine EinMann-Lobby oder sowas gegeben. zitiert zunächst die beiden oben wiedergegebenen Sätze über die »Fahrt durch Dili« und fährt dann fort: Weiter berichtet Stone über Leichen.. Was hat nun aus den hier zitierten Texten die Bearbeitung in der New York Times überlebt? Auf der Fahrt durch Dili konnten wir erkennen. die Lage so chaotisch und verfahren wie möglich erscheinen zu lassen (.« das angeblich niedergebrannt worden war. IN DER NEW YORK TIMES Karl F..auf beiden Seiten. aber ich muß doch der Vorstellung widersprechen. und über Zivilpersonen.. wie es in einer Zeitung zugeht. dann sagte er: »Seht mal. ich bin Karl Meyer ja dankbar für die schönen Sachen. hatte er eine Sammlung mit allen Artikeln. Die Hauptgebäude stehen noch. zieht man in Betracht. Indonesien und Australien .) sowie über »Prügelspuren« (so der einzige Zwischentitel im gesamten Artikel) und andere Gefangenenmißhandlungen seitens der FRETILIN. ist doch sehr fraglich.Portugal. die trotz ihrer schweren Verletzungen ohne ärztliche Hilfe geblieben waren. die in der New York Times. dann hätte man zu keiner Zeit irgend etwas erreichen können. der alles auf den Punkt bringt.ein Interesse daran zu haben. Als Chomsky da auftrat. Er nahm es dann ganz genau: War zum Beispiel in der Londoner Times etwas über Osttimor erschienen und hatte die New York Times das übernommen. den gewünschten Gang der Geschichte herzustellen. Newsweek (International Edition 15... die er in seinem Interview über mich gesagt hat. Oft habe ich versucht. der Washington Post und anderen Blättern über Osttimor erschienen waren. hat die marxistische FRETILIN-Partei die gemäßigte Timoresische Demokratische Union (UDT) aus der Hauptstadt vertrieben und die vielen Gefangenen.

Den hat die New York Times radikal verändert. durch die das indonesische Militär mit amerikanischer Unterstützung »die Ordnung wiederherstellt«. daß die BÜRO IM MIT Führungsschicht der FRETILIN überwie- Chomsky gend »aus gläubigen und praktizierenden Katholiken« besteht. Bestärkt wird das. Dunn mit. und kommt zu dem Schluß. wir erwähnen das hier nur..) So werden durch Stones Reportage die Erzählungen der mittlerweile 4000 Flüchtlinge aus Timor erhärtet. Und so wird dafür gesorgt. Dann sorgt die New York Times durch sorgfältige Bearbeitung dafür. und Befreiungsbewegungen sind ein Graus. 135-137 111 . Genau so sehen es auch alle anderen wohlinformierten Beobachter.so wie die New York Times ihn gebracht hatte .)«. 1 S. der Reporter habe den Wahrheitsgehalt der Berichte bestätigt gefunden. systematischen Mißhandlungen unterworfen (. zwischen ihrer Partei und der kommunistischen Bewegung und ihrer Ideologie eine Trennlinie zu ziehen (. aus dem Verwüstungen und Ausschreitungen »der marxistischen FRETILIN-Partei« [*] berichtet werden.. ihre Partei stuft er als »katholisch-populistisch« ein. Der wurde dann . Zum Schluß war es eine einzige Weißwäsche.von Newsweek aufgegriffen. daß seine wichtigsten Schlußfolgerungen verschwinden und andere abgewandelt werden. auf allgemeines Verständnis stößt. »waren die Führer von Anfang an bemüht.[*]: In seinem Bericht an das australische Parlament teilt James S. Und zum Schluß kann Newsweek feststellen.. Diese Episode lehrt uns einiges über die Machenschaften der Freien Presse. The Political Economy of Human Rights Bd. daß die Berichte weitgehend nicht nur unzutreffend. waren. weil die Indonesier das Gegenteil behaupten und die gesamte US-Presse sich dem anschließt. daß die Invasion. Wie er weiter hervorhebt. Da sucht ein Journalist ein Gebiet auf. In der Londoner Times gab es einen ziemlich zutreffenden Bericht. sondern sogar ein Produkt gezielter Propaganda sind.. Sie hat nicht nur einen einzelnen Absatz weggelassen. was wir glauben sollen: Von »marxistischen« Terroristen sind nur Gewaltakte zu erwarten. sie hat ihn überarbeitet und ihm eine völlig neue Färbung gegeben.

das war kein unbeabsichtigter Ausrutscher. aber Yorkshire TV verlangte dafür 4000 Dollar ganz im Gegensatz zu fast allen anderen Quellen oder Archiven. die Hast. Quellen: Elaine Brière.« Worauf er sagte: »Ja.es ist ständig vorgekommen. wenn es nur ein oder zwei oder drei Mal vorkäme. geschah das aus Sicht der . stellte uns großzügigerweise alle seine Aufnahmen zur Verfügung. die der britische TV-Journalist Max Stahl aus dem Lande schmuggelte.es sind eben unvollkommene Institutionen. viele andere »verschwanden«. Das ist systematisch und konsequent.. also die USA wurden nur reingewaschen. würde ich Ihnen ja zustimmen. HARVARD UNIVERSITY Karl F. ließ allerdings die laufenden Programme im Umfang von 46 Mio. hundertmal vorgekommen . erfuhr die Weltöffentlichkeit von den Verbrechen. wenn es ein dutzendmal passiert. die uns ihr Material gegen Erstattung der Kopierkosten und Erwähnung im Abspann frei überließen. daß durch die internationale Presseberichterstattung Druck ausgeübt wird.Verwundeten waren auch zwei US-Journalisten: Alan Nairn von der Zeitschrift New Yorker und die WBA-Reporterin Amy Goodman (WBA ist eine progressive New Yorker Hörerstation). die Wirtschaftsinteressen in Indonesien hatten. aber durch das Medienecho auf das Massaker von Dili sahen sich doch einige der Länder. Es passiert ein dutzendmal .. Die kanadische Regierung fror Entwicklungshilfe in Höhe von 30 Mio. Außerdem wurden ca. 7 Sept. ich kenne diese Branche. Meyer Und ich habe zu ihm gesagt: »Es könnte doch sein.und gerade in diesem Fall ohne eine einzige Ausnahme. . Wissen Sie. 93 . 160 Personen verletzt. den Zeitdruck bis zum Redaktionsschluß usw. Aber. Upstream Journal März/April 1993. Mr. bei dem 273 Timoresen starben. auch andere Staaten kürzten ihre Hilfsprogramme.] Zwar regt man sich bei uns gewöhnlich nicht darüber auf. zweimal. Dollar unangetastet. drei davon sind im Film zu sehen.Meyer. ETAN/US Newsletter No. zeigte sich an dem Massaker vom 12. Unter den . November 1991.« BÜRO IM MIT Chomsky Und als man dann darüber berichtete.PODIUMSDISKUSSION. was dann zur Gründung des East Timor Action Network/US (ETAN/US) führte. dann muß es da noch etwas anderes geben. Dafür sprang dann die Indonesien-Konsultativgruppe der Weltbank ein. [Wir hätten gern einiges von diesem Material in unseren Film übernommen. die von einem Jahr auf das andere ihre Hilfe um 200 Mio. fünfmal. Eine weitere Folge der damaligen OsttimorBerichte in den Medien war ein gesteigertes Interesse für die Unterstützergruppen. und 112 Hunderte verschwanden in den beiden folgenden Monaten). Ein anderer Zeuge der Massaker. der Standfotograf Steve Cox. Dollar aufstockte. wenn Timoresen umgebracht werden (drei Tage später starben weitere 80 junge Männer und Frauen. Dollar ein. mißverstehen und darin eine Art bewußtes Handeln zur partiellen Unterdrückung einer Geschichte zu erkennen glauben. IN DER NEW YORK TIMES Karl F. zu einer Reaktion genötigt. Durch Filmdokumente von dem Massaker. Meyer Ich sagte: »Professor Chomsky. daß Sie die Unkenntnis. Wie wichtig es ist.« BÜRO IM MIT Chomsky Und es ist nicht einmal.durch Schläge .

wehrlose Menschenmenge. Darüber hinaus holen sie ständig indonesische Siedler ins Land. Wir glaubten nämlich. war das indonesische Militär ausgeschwärmt und verhaftete in Städten und Dörfern jeden Timoresen. (. dann werden sie Osttimor schlucken und .. zwischen der Straße und der Friedhofsmauer. das indonesische Militär würde sich angesichts der Präsenz von Ausländern zurückhalten und nicht angreifen. so daß ich einen Schädelbruch davontrug. die noch Widerstand leisten. die sich den Boden aneignen. Und wenn mal einige Menschen den Mut aufbringen. ihre M16-Gewehre trugen sie vor der Brust. als die Schüsse einsetzten. die mit der Delegation sprechen würden. gingen sie mit den Gewehrkolben ihrer M16 auf meinen Kopf los. Sie exekutierten Schulmädchen. Sie marschierten um die Ecke. geschah das Unvorstellbare. Viele sind in Konzentrationslagern eingesperrt. Bei meiner Rückkehr nach Osttimor im letzten Oktober war die Atmosphäre des Terrors noch drückender und die Repression noch härter.und Militärregimes zu berichten . ein Massaker an unbewaffneten und schutzlosen Menschen. aber dann strömten die Menschen auf die Straße. doch die meisten blieben draußen. Was ich da mit ansehen mußte. legten an und schossen Salven in die Menge. Es hatte keine Provokationen gegeben. auf der Straße zu demonstrieren oder den geringsten Widerstand zu zeigen. unter Namen wie »Operation Ausrottung« oder »Operation Ausfegen«. Ich ergriff Amy Goodman von Radio WBAI/ Pacifica und stellte mich mit ihr an der Straßenecke zwischen den Timoresen und den Soldaten auf. Da kamen indonesische Soldaten anmarschiert.. junge Männer und alte Leute. Amy packten sie bei den Haaren. Zitternd vor Angst oder schreckensstarr stürzten die Menschen blutend zu Boden. manchmal aber überhaupt keine. die Menge verhielt sich ruhig und wich zurück. Schätzungsweise ein Drittel der Bevölkerung haben die Indonesier umgebracht. Das Ganze war ganz einfach ein geplanter Massenmord. die noch laufen konnten. dann versetzten sie ihr Faustschläge ins Gesicht und in den Magen.IN DER NEW YORK TIMES Karl F. Als der Zug am Friedhof ankam.ungehindert ihren Fortgang. Es gab überhaupt keine Konfrontation. na ja. Ich habe schon ein Dutzend fahre damit verbracht. die sich langsam näherte.. in Osttimor zu bleiben. sie schossen sie gezielt in den Rücken. Ich sah. was denkt die Bevölkerung. auch nicht irgendeinen Hitzkopf. Als die Menschen 113 diese nicht enden wollende Kolonne unaufhaltsam näher rücken sahen. sie würden alle umbringen. während das Schießen nicht nachließ. der vielleicht die Beherrschung verlor.also die Völkergemeinschaft . Es war eben keine unklare Situation. sie möchten es einfach als Beutemasse ansehen. werden sie sofort massakriert. Gegen diejenigen. Meyer Das läuft alles viel hintergründiger ab als in der Dampfhammer-Rhetorik dieser Leute. Und am nächsten Tag äußerte sich der indonesische Militärkommandeur lobend über das Massaker: Es sei die Politik der Armee. Was die New York Times schreibt.. verprügelten uns und nahmen unsere Fotoapparate und Kassettenrecorder weg. war nicht mehr und nicht weniger als eine kaltblütige Hinrichtung. CBC RADIO.) Zuerst zerstreute sich die Menge. und überall lagen Tote und Verletzte. ohne auch nur einen Moment stehenzubleiben. Als wir nach rechts die Straße entlang schauten. Aber noch nirgends hat eine Regierung so viele Menschen derart in Angst und Schrecken versetzt wie hier. Südafrika und dem Nahen Osten. erblickten wir eine lange Marschkolonne. führen sie großangelegte Militäroperationen durch. vielleicht mit der Delegation Kontakt aufnehmen zu wollen.etwa 3000-5000 Menschen. versuchten sie unter ängstlichen Rufen zurückzuweichen. widerspenstige Timoresen zu erschießen. was schreiben die Zeitungen. den man im Verdacht hatte. wie die Soldaten über die Leichen am Boden sprangen und diejenigen jagten. Die Frauen in Timor zwingen sie zur Geburtenkontrolle. stellten sich in Formation auf und eröffneten schlagartig das Feuer auf eine friedliche. Die Soldaten waren in dunkelbraune Uniformen gekleidet und hielten genaue Formation ein. war er bereits sehr lang . Doch als wir noch dastanden und die Soldaten geradewegs auf uns zukamen.den Indonesiern erlauben. keine Steinwürfe. Da eine portugiesische Parlamentsdelegation im Auftrag der UNO das Land in Kürze besuchen sollte. Als ich mich über sie warf. In Hunderten von Versammlungen im ganzen Land drohten die Indonesier.aus Mittelamerika. hat manchmal enorme Auswirkungen. die da zwischen A und B eine Gleichung aulstellen: Was tut die Regierung. Wenn wir . Die Straße war von Blut bedeckt. über Unterdrücker. die sich irgendwie selbst . Einige schritten in langer Reihe zu Sebastiaos Grab. Gleichzeitig fielen einige Soldaten über Amy und mich her.eine der schlimmsten unserer Tage . MONTREAL Elaine Brière Und so nimmt diese Tragödie in Osttimor .

. In einer Rede vor Absolventen des Nationalen Verteidigungsinstituts verkündete der Oberbefehlshaber der indonesischen Streitkräfte. daß Timoresen wie die. dann gäbe es Proteste und Druck. sobald die Untersuchung des Massakers abgeschlossen sei. Sie eröffneten das Feuer auf ein Zeichen hin. für weitere 32 Mio.IM MIT Chomsky Ich denke. Außerdem habe er. »alle separatistischen Elemente auslöschen.« Präsident Suharto reagierte auf das Massaker auf seine Weise: Er ließ die Osttimoresen in einem betont lächerlichen Licht erscheinen. weil niemand etwas davon weiß.. Als Nonnen herbeieilten.also vielleicht an dem schlimmsten Völkermord seit dem Holocaust [bezogen auf die Gesamtbevölkerung]. Dollar versorgte Indonesien sich auf dem freien Waffenmarkt der USA. man hatte sich bei der ursprünglichen Lieferung der Flugzeuge an Jordanien diesen Zustimmungsvorbehalt gesichert (.07. dieses Osttimor lag.3 Mio. sich zu entfernen. Das sieht man im Fall der amerikanischen Indonesienpolitik an dem Verhalten diverser Regierungsorgane. Dezember setzte derselbe General Sutrisno noch hinzu. amerikanische FSE-Jagdflugzeuge an die indonesischen Streitkräfte zu verkaufen. Dollar. daß die Kolonne bereits vorher den Befehl zu einem Massaker erhalten hatte. darunter auch Menschenrechtsfragen. ohne Vorwarnung. wie sich die Medien der Macht unterwerfen. als einige Regierungschefs ihn darauf ansprachen. Dollar nur einen Bruchteil der gesamten US-Hilfe dar.. Zwischen ihnen und der Menge hatte es überhaupt noch keine Verwicklungen gegeben.nicht ohne dabei von der Bush-Regierung und von Großunternehmen wie etwa AT&T Widerspruch zu ernten. »zerschmettert werden müssen. Da haben alle gelacht. sperrte sie das Gelände ab. »infolge verschiedener sensibler Punkte. die Timoresen standen nur still oder versuchten.. Die entsprechende Resolution .) Ende Juli [1993] gab das Außenministerium bekannt. dem Handel nicht zustimmen« (. Denn nur. die sich vor dem Friedhof versammelt hatten. daß 1993 im Rahmen des Regierungsprogramms für Waffenverkäufe US-Gerät im Wert von 11 Mio.« Und am 9. wurden sie abgewiesen. wo diese winzige Insel. Dollar an Djakarta geliefert wurde. um sie zu stoppen. »ihnen auf einer Landkarte gezeigt. man werde. doch hatte hier der Kongreß zum ersten Mal Sanktionen gegen Indonesien wegen der Timorfrage verhängt (. Der letzte Kongreßbericht schätzt. Die Lieferungen umfassen sowohl modernste Flugzeuge als auch das [bei dem Massaker in Dili eingesetzte] Automatikgewehr M16. können diese Verbrechen ungehindert weitergehen. Indem also die Medien die Fakten unterdrücken. In diesem Fall sind sie regelrecht Komplizen des Völkermords. um Erste Hilfe zu leisten. Das Verhalten der Soldaten läßt nicht den geringsten Zweifel daran aufkommen.. General Try Sutrisno. auch wenn dies einen Rückgang gegenüber den Siebzigern und Achtzigern bedeutet. Zwar stellten diese 2.« Aus Alan Nairns Aussage am 27. In seinem Munde waren die Opfer von Dili »Kleinkram«. Ende 1992 strich der Kongreß die im Budget 1992/93 für Indonesien vorgesehenen Mittel im Rahmen der Militärischen Ausbildung im Ausland . angeheizt hätte und am Ende außer Kontrolle geraten wäre. Jordanien würde keine Genehmigung erhalten. So beliefen sich die Waffenverkäufe der USA an Indonesien im Jahre 1991 immer noch auf mehr als 100 Mio.) Man könne. Und über dieses winzige Ding gibt es so viel Aufregung. Nachdem die Armee die Timoresen niedergemäht hatte.. so ein Beamter des Ministeriums. man ließ die Timoresen auf der Straße verbluten. und dafür werden wir sorgen. welche die Ehre der Regierung besudelt haben.92 vor dem UNO-Entkolonisierungs-Sonderausschuß (Nairn schreibt für die Zeitschrift The New Yorker) 114 Organisierter und koordinierter Druck von unten macht sich nach und nach durchaus bemerkbar. Solche Agitatoren und ähnliche Übeltäter gehören erschossen. Wenn etwas darüber bekannt würde.) Im März 1993 verurteilte die UNO-Menschenrechtskominission in Genf die indonesischen Menschenrechtsverletzungen in Osttimor. hier wird keineswegs nur gezeigt. tragen sie einen wesentlichen Teil der Schuld an einem der .

war von der Clinton-Regierung mit eingebracht worden . Die Asia Pacific Foundation. Asia Pacific Foundation of Canada... Dollar. die von Menschen und in menschlichen Institutionen gefallt werden. Bei UNO-Anträgen. Bd. die den sofortigen Abzug der indonesischen Truppen forderten. The Indonesia Kit. Alles. daß erstens die Träger dieser Organisation. eine Organisation zur Förderung des Asienhandels. und daß zweitens eine denkbare indonesische Reaktion auf den kanadischen Druck sich wiederum schmerzhaft auf die kanadischen Wirtschaftsinteressen in Indonesien auswirken könnte (vgl. umfassen Munition. Kaum 6 Monate nach der Invasion gewährte man Indonesien ein Hilfspaket im Wert von 200 Mio. 7 Unter den Empfängerländern kanadischer Entwicklungshilfe steht Indonesien an zweiter Stelle. Kanada gibt mehr Hilfe an Indonesien als die USA. Dieses bizarre Verhalten hat seine Wurzeln in der Vergangenheit: 1970 wurde Indonesien von Kanada zu einem »Brennpunktland« für Hilfsprogramme und Handelsbeziehungen erklärt. Das Land hat seit 1985 jährlich zwischen 45 und 75 Mio. 7 No.ein bemerkenswerter Kurswechsel gegenüber der früheren Blockadehaltung der USA zu ähnlichen Entschließungsentwürfen. ETAN/US Network News No. daß der Außenpolitische Senatsausschuß jetzt einstimmig einen Antrag verabschiedet hat. Winter 1993). 277 . 1. Mehr als 300 kanadische Unternehmen sind dort in Industrie. Die kanadische Regierung stellte sich angesichts des indonesischen Einfalls in Osttimor blind.. Issues. Es dürfte das erste Mal sein. was da geschieht. wandte sich dagegen. Diese Entscheidungen können beeinflußt. 1993 S. Dollar erhalten. die Kanada seit 1975 an Indonesien geliefert hat. daß Waffenverkäufe an einen unserer Verbündeten von Menschenrechtsbedingungen abhängig gemacht werden (. Die militärischen Güter. enthielt sich Kanada der Stimme. Es müssen sich nur genügend viele Menschen bereit finden. East Timor Alert Network Es ist ein Schritt von historischer Bedeutung. Fahrzeuge. vielleicht sogar tiefgreifend umgestaltet werden.) Aber ganz gleich. Importgeschäften und im Consulting tätig. 1-3 Was kann nun ein junger Mensch da tun? Alles. von der kanadischen Politik der Lieferbindung profitieren. ob es nun in diesem Jahr noch in Kraft tritt oder nicht: Der Antrag hat bereits jetzt der Sache Osttimors in Washington — ja im ganzen Land — Auftrieb gegeben. Der Präsident muß fortan vor jeder Genehmigung größerer Waffengeschäfte die Zustimmung des Kongresses einholen. zu diesen zählen auch zehn Waffenhersteller. Radical Priorities S. Japan gibt übrigens am meisten. Elaine Brière. ETAN/US Network News No. die Institutionen können verändert. 8 Nov. Man vergaß nur zu erwähnen.) Zur Zeit hängt das Gesetz irgendwo im parlamentarischen Verfahren (. ist das Ergebnis von Entscheidungen. Transportflugzeuge sowie Triebwerke vom Typ Pratt&Whitney für die in Indonesien montierten Bell-Hubschrauber. also die kanadische Geschäftswelt. wonach kanadische Hilfsdollars nur für kanadische Produkte ausgegeben werden dürfen. Nichts von alledem folgt aus unüberwindlichen physikalischen Gesetzmäßigkeiten. mutig und ehrlich an der Herbeiführung von Gerechtigkeit und Freiheit zu arbeiten.. daß Indonesien über den Hebel der Entwicklungshilfe zur Beachtung von Völkerrecht und Menschenrechten veranlaßt werden sollte. in dem weitere Waffenverkäufe an Indonesien an die Beachtung der Menschenrechte in Osttimor geknüpft wer- 115 den.

Nach einem Gespräch mit ihm beschlossen wir. Alljährlich werden dort auch die Massey Lectures veranstaltet. die keiner Seite anzulasten sind und die mit Ihrer ideologischen Position nichts zu tun haben. wenn die andere Seite .Greuel begehen. David Frum Ihre Methode sieht also so aus.. denn Sie tun's ja auch nicht. So hatten wir bei diesem Anlaß schließlich vier Kameras im Einsatz. Als Moderator der Podiumsdiskussion war Stuart McLean vorgesehen. Leiter der Abteilung für Journalismus an der Uni- 116 versität. Außerdem sind unsere Studios zu klein für die vielen Personen und ihr Gerät. der mit den Zielen. Hinter der ablehnenden Haltung von Lucht und Allen dürfte der Wunsch stehen. zum Glück sagen Sie sowas nicht. Chomsky Das behaupte ich keineswegs. zweigten wir den Ton im Kontrollraum hinter der Bühne ab und postierten unsere Kameras in der Projektorkabine hinter Doppelfenstern an der Rückwand des Saals. Die von »Ideas« produzierten Radiodokumentarsendungen gehören zu den besten der Welt.) Ich lehne das ab.MA . Für die Veranstaltung wurde geworben. Chomsky Das ist völlig falsch. Und Sie postulieren einen Test der moralischen Ehrlichkeit. Als weiteren Videokanal aktivierten wir eine ferngesteuerte Uberwachungskamera. indem man sozusagen die Leichen gleich behandeln müsse. CBC RADIO. Ich habe mit einigen Kollegen darüber gesprochen und meine.. spielen es aber ungeheuer hoch. sondern auch alle Leichen. .aktives Mitglied einer Organisation für »Gesellschaftliche Verantwortung in den Medien« . Chomsky Natürlich tue ich sowas nicht und würde es auch nie fordern. KANADA David Frum (Journalist) Nach Ihren Worten ignorieren die Medien bestimmte Greueltaten. Chomsky Nach den gleichen Grundsätzen. Ich sage doch gerade das Gegenteil .« Man vergleiche dies mit der BBC in England.. Für den Runden Tisch mit den Journalisten war ein Hörsaal der Ryerson-Universität in Toronto vorgesehen. der Produzent. Um die Reflexionen zu vermindern. doch der Chef der Serie. Bernd Lucht. die Öffentlichkeit hatte Zutritt. deren Studios ein Viertel der Größe der CBC-Räume aufweisen und die uns ebenso mit offenen Armen empfing wie buchstäblich jeder winzige Lokalsender auf der Welt. Wir baten um Filmerlaubnis bei der Aufnahme der Vorträge und der Abschlußdiskussion. Max Allen . David Frum Aha. David Frum Ich meine.unsere Feinde .. dabei erhält ein Denker von Rang an fünf Abenden je eine Stunde Sprechzeit. die an der Decke des Hörsaals angebracht war. würde die für uns unverzichtbare Intimität verletzt. schrieb uns: »(. verdunkelten wir die Kabine. daß Sie nicht nur die Opfer der anderen Seite ignorieren.) Wenn neben den unmittelbar Beteiligten auch noch ein Videoteam dabei wäre. die exklusive und uneingeschränkte Kontrolle über alles zu behalten. Der Filmemacher Dan Garson setzte sich in den Saal und stellte seine 8mmVideokamera mittels eines Mini-Stativs auf seinen Klapptisch. sympathisierte.verwehrte unseren Kameras den Zutritt zu den CBC-Studios. die von uns oder unseren Freunden begangen werden. die wir uns bei dem Film gesetzt hatten.AUS »IDEAS«. daß im Prinzip alle Toten gleich sind.daß wir nämlich in erster Linie die Verantwortung für unsere eigenen Handlungen übernehmen sollten. sie enthielten auch eine Fragerunde mit kanadischen Journalisten. diese öffentliche Veranstaltung zu filmen. Die Massey Lectures von 1988 durfte Noam Chomsky halten. Da wir die Bedenken des Produzenten gegen jede Störung ernst nahmen. daß die Videoaufnahmen unsere eigenen Aufnahmen zu sehr stören würden (. die sich über eine Woche erstrecken und Kanadas angesehenstes Rundfunkforum darstellen.

und jede palästinensische Leiche lastet schwer auf Ihrem Gewissen. 371-405 (aus The Fateful Triangle) • Pirates and Emperors: International Terrorism in the Real World • Towards a New Cold War • Necessary Illusions • Chronicles of Dissent. fragen Sie mal die Kurden . Oder lesen Sie mal. das Edward Herman und ich zu diesem Thema geschrieben haben. Das Prinzip. Für die zu erwartenden Konsequenzen der Handlungen anderer ist man nicht verantwortlich. 93 über das Friedensabkommen. On Power and Ideology S. dann will ich Ihnen ein Beispiel nennen..in meinem Fall also die Handlungen der Vereinigten Staaten. The Fateful Triangle: Israel. Man ist für die voraussehbaren Konsequenzen der eigenen Handlungen verantwortlich. mit welchen Auswirkungen man dabei rechnen muß. ich unterschreibe ihre Auf rule usw. hängt davon ab. Ich bin nur ein einzelner Mensch. Sie engagieren sich ja stark für die palästinensische Sache. Aber schauen Sie beispielsweise mal in das Buch. the United States. and the Palestinians. Wie moralisch das eigene Handeln ist. über die Folgen unserer Handlungen nachzudenken. Ethisch ist es doch eine ganz einfache Sache: Man ist für die zu erwartenden Konsequenzen der eigenen Handlungen verantwortlich. Die Verbrechen anderer zu verurteilen.David Frum Gut. was wir alles geschrieben haben. Sinn und Nutzen haben immer solche politischen Aktionen. »Rejectionism and Accommodation« Vgl. fällt nicht schwer. die im 18. die wir als »harmlose Blutbäder« bezeichnen und die allen egal sind. Für die voraussehbaren Konsequenzen der Handlungen anderer ist man nicht verantwortlich. Wir behandeln darin drei Arten von Greueln. Das sind aber in der großen Mehrzahl der Fälle solche.27. als Verbrechen zu verurteilen. wie Sie es formuliert haben. nach dem wir uns meiner Meinung nach richten sollten. die uns zusagen. Das ist nicht moralischer. werfen Sie nur mal einen Blick . die da mitmachen . Eine kurdische Leiche aber nicht. sowie bereits früher in Peace in the Middle East (1974) .36 • Diverse Aufsätze in Z Magazine bis Oct. ich bin doch nicht Amnesty International. Interviews 9. also was die Bösen anrichten. Chomsky Das stimmt überhaupt nicht. die kommen zu mir. 2. dann die konstruktiven Blutbäder. Einmal die. Ich meine. 51 117 Zur Palästinenserfrage vgl. Kap. und schließlich die abscheulichen Blutbäder. Für mich und für Sie ist es am wichtigsten. auch • The Chomsky Reader S. lautet nicht so.ich meine die Leute. Also über das. Ich arbeite schon jahrelang in kurdischen Unterstützergruppen. die sich auf Menschen auswirken. ich kann nicht alles machen. was Sie und ich beeinflussen können. Jahrhundert verübt wurden. die man selbst beeinflussen kann .6 • Language and Politics. Das ist völlig falsch.also wissen Sie..

So haben beispielsweise die USA in Mittelamerika für eine Steigerung der Agrarproduktion gesorgt.dann wäre er entsetzt und würde sofort nach besten Kräften versuchen. So würde sicher kaum jemand einem halbverhungerten Kind die Mahlzeit rauben. Wer es doch täte. vom System derartig irregeleitet und manipuliert zu werden. 374 118 . und in diesem Sinne sind eben nur wenige Menschen pathologisch. die gefoltert werden oder verhungern.. das an ihren Händen klebt. Und doch rauben die Amerikaner in großem Umfang hungrigen Kindern das Essen. Aus einem Briefwechsel mit Dr.IM MIT Chomsky Dies muß man im Auge behalten. Wir haben es mit realen Menschen zu tun. und zwar infolge einer Politik.in großem Umfang hungrigen Kindern das Essen rauben . Wir analysieren nicht die Medien auf dem Mars oder die des 18. denn die wären ja entsetzt. diesem Verbrechen ein Ende zu setzen. Man kann es doch so sagen: Die meisten Menschen sind keine Gangster. abgedruckt in Language and Politics S. die leiden oder sterben müssen. nur weil sie es zulassen. Der Grund: Die Erträge des Bodens befriedigen nicht die Bedürfnisse der einheimischen Bevölkerung. sondern dienen den Exportinteressen der Agrarindustrie (. daß wir unserer Verantwortung nicht gerecht werden. würde mit Recht als pathologischer Fall eingestuft werden. auch wenn er selbst Hunger hätte und sicher sein könnte..) Der einzelne US-Bürger ist aber kein Gangster. Wir machen hier doch keine akademischen Übungen. Würde er sich klarmachen. Und die Medien sorgen nun dafür. Folglich muß man verhindern. in die wir verwickelt sind. nicht erwischt oder bestraft zu werden. Jahrhunderts oder dergleichen. Celia Jakubowicz. daß statt der Bedürfnisse der leidenden Menschen die Interessen der Macht berücksichtigt werden . daß er über diesen Aspekt der Wirklichkeit Klarheit gewinnt. wenn sie das Blut erkennen würden. was er da tut . in die wir als Bürger einer demokratischen Gesellschaft direkt verwickelt sind und für die wir Verantwortung tragen.nicht einmal die Wünsche der Menschen in Amerika. während zur selben Zeit die Ernährungssituation sich verschlechterte und Millionen von Menschen Mangel leiden oder sogar verhungern.

) Ich denke dabei immer an eine verächtliche Bemerkung Rousseaus über die Europäer. Wir müßten eigentlich Tag für Tag so ehrlich. die in El Salvador einen Bombenangriff auf ihr Dorf oder auf eine Flüchtlingskolonne überlebt hatten. die nur dank ständiger militärischer und diplomatischer Rückendeckung durch die USA existieren kann. Mehr noch: Wir fachen damit ein Feuer an. wie sie Amnesty International. wir müßten uns eigentlich der ganzen. Einigen gelang die Flucht. Mißhandlungen und Folter erleiden. auch für diesen Angriff erfolgte die Feuerleitung von einem amerikanischen Militärflugzeug aus. Sommer 1985 Die Menschen in der Dritten Welt benötigen unsere Sympathie und unser Verständnis. America's Watch. der ihnen durch Unruhe und Dissens innerhalb der herrschenden Systeme geschaffen wird. Ich selbst habe mehrmals das Privileg genossen (und es ist gewiß ein Privileg). Und von uns wiederum hängt es ab. MALASPINA COLLEGE. 17. Um ihnen einen Überlebensspielraum zu verschaffen. was ein portugiesischer Priester aus Timor uns mitteilt: Dort konnte die indonesische Armee.. sich über die Freiheit auszulassen. was vorgefallen war . Für sie hängt alles von dem Spielraum zum Überleben ab. NANAIMO Chomsky Es ist immer beeindruckend . es steht Sklaven nicht zu. sie berichteten. hängt zu einem großen Teil davon ab. die Schreie der Opfer unseres Handelns oder unseres Unterlassens zu vernehmen.eine Aktion. ENDE TEIL 1 Die wahren Opfer der hier beschriebenen Politik sind die Millionen. sinken wir auf ein Niveau der Feigheit und moralischen Verkommenheit herab. trotz allein Schlimmen und Häßlichen ist dieser Kampf noch nicht zu Ende.« Wer dies für leere Worte hält. Wir würden morgens das Radio anstellen und den Bericht über eine Aktion der guatemaltekischen Armee in der Provinz Quiche anhören . Der Mut dieser Menschen ist wirklich beeindruckend. unterstützt von den USA und ihrem Vasallen Israel. Feuer.also wenigstens mich beeindruckt es . indem sie ihre Köpfe an einem nahegelegenen Fluß gegen die Felsen schmetterten. das sich zu einem Flächenbrand steigern und aller Wahrscheinlichkeit nach am Ende auch uns verschlingen wird.. wie die Scharen splitternackter Wilder mit Verachtung auf die verwöhnten Europäer blicken und um ihrer Unabhängigkeit willen Hunger. vergewaltigten und ermordeten die Frauen und massakrierten die Kinder. »die ihre Ketten ihnen gewähren. Der Kampf um Freiheit und Unabhängigkeit hört nie ganz auf. es erweckt geradezu Ehrfurcht. in Dörfern in Südostasien und Mittelamerika und kürzlich auch im besetzten Westjordanland davon Zeuge zu sein. die in der Dritten Welt Entbehrungen. Abends schließlich könnten wir dann einigen der Opfer zuhören. Indem wir das aber tun. ENGLAND Chomsky Was ist mit der Dritten Well? Nun.. sogar ihre eigenen Familienmitglieder mit Messern oder Knüppeln zu Tode zu bringen. Unsere ideologischen Institutionen sind so effektiv. Im Verlauf dieser Aktion besetzten die Soldaten eine Kleinstadt und trieben die gesamte Bevölkerung in ein zentral gelegenes Gebäude. Kurz. Welch phantastischen Mut bezeugen sie doch (. daß wir dies höchstens noch sporadisch wahrnehmen. Schwert und Tod ertragen. uns von dieser brutalen Wahrheit abzuschotten. Bewohner eines Dorfes dazu zwingen. CAMBRIDGE. welche Freiheit und Gerechtigkeit für die Ruhe und den Frieden hingegeben hätten. und es ist in der Tat erstaunlich. an die Nieren gehenden Geschichte des Terrors und der 119 Tortur in unseren Protektoraten stellen einer Geschichte. behaupten können.aber nicht uns. Ob sie sich gegen die Gewalt.UNION HALL. What Uncle Sam Really Wants S. so moralisch und so mutig sein. weil diese auf der Seite der Widerstandsbewegung standen. hat sehr wenig von der Welt verstanden.« Rousseau weiter: »Wenn ich sehe. Dann schlugen sie den Männern die Köpfe ab. dann meine ich. wie groß dieser Spielraum ist. aber vor allem benötigen sie unsere Hilfe. was hier bei uns passiert. Aus »The Drift towards Global War« in Studies in Political Economy Bd. das von einem Stützpunkt in Honduras oder Panama aufgestiegen war. Doch wir verstehen es sehr gut. die wir an ihnen verüben. 100-101 . Survival International und andere angesehene Menschenrechtsorganisationen zusammengetragen haben.ich verstehe es gar nicht. müssen wir hier in den USA Unruhe stiften. es bewegt und inspiriert einen auch. Und nachmittags würden wir im Radio vernehmen. das in der heutigen Welt seinesgleichen sucht.

Die Vorführung löste auch die Gründung zahlreicher Initiativen aus.sogenannten . nimmt Israel recht kritisch ins Visier: Israel sperrt sich grundsätzlich gegen jede politische Lösung. daß wir eine Fallstudie über Timor versus Kambodscha vorhätten sowie einen Abschnitt über den Golfkrieg. Vergleichbares habe ich nirgends erlebt).im Zusammenhang mit den Konflikten in der Dritten Welt .Ansprüchen genügt. was ich weiß. wie ich finde. was ich akzeptiere. werde ich sie weitergeben. einmal zeigen wir schon etwas. Wäre nämlich der Nahe Osten mehr als nur ganz peripher zur Sprache gekommen. sind in hohem Grade von Personen geprägt. The Fateful Triangle S. sie leuchten mir ein. daß mein eigentliches Anliegen die Politik der USA ist. Wir haben die Fallstudien für den Film sehr sorgfältig ausgewählt und uns dabei an Chomskys eigenen Aktivitäten orientiert. Diese Passage steht sogar unmittelbar am Schluß des ersten Teils . die auf eine Anerkennung der nationalen Rechte der dort heimischen Bevölkerung hinausläuft. eher schadet). Die Meinungen. Vieles von dem. nach der die Leute in die Pause gehen und über den Film diskutieren können. hoffentlich überzeugend. und inzwischen ist alles überholt. Und dann konnten wir wohl auch nicht gut einen Film über die Medien in den neunziger Jahren machen und dabei den . Insofern bin ich für Eure Begründungen dankbar. Aber man kann doch heute keine Zeitung aufschlagen. und sollte ich mal wieder danach gefragt werden. den ich nur widerwillig übernehme. für deren Inhalt wir selbst verantwortlich sind oder die wir doch tolerieren. Propaganda (die ihm. und nicht auch um das. die Gründe hierfür werde ich später ausführen. was die Filmemacher beschlossen haben. nämlich . Nun. innerhalb des zeitlichen Rahmens des Films Chomskys Nahost-Analysen gerecht zu werden. das sich über fünf Jahre erstreckt. die beim Aufdecken unangenehmer Wahrheiten in der eigenen Gesellschaft und Regierung ungewöhnlich hohen selbstgesetzten . einer Arbeit. Sehr viele Menschen wurden durch den Film zum erstenmal mit dieser Sache konfrontiert. tragen wir gerade durch die jüngsten Entwicklungen bei uns ein erhebliches Maß an Verantwortung dafür. Wenn ich recht habe.ein Terminus. Was man auch aufnehmen mag: Bis der Film herauskommt. Als wir ihm seinerzeit mitteilten. Gewiß verzerrt der Film die relative Bedeutung der Gebiete. ohne irgendwas über Israel zu lesen.eine Passage über seine Solidarität mit Kritikern der israelischen Besatzungspolitik. was ich für falsch und unhaltbar ansehe. Erstens geht es hier nicht um die komplette Geschichte Israels. es betreibt eine. and the Palestinians (1984) sowie eine Anmerkung von Chomsky.NC . dann wäre das ganze. Nötig wäre eigentlich eine ganze Serie über seine verschiedenen Interessen. jedenfalls einige der wichtigsten. Bei einem Filmprojekt. verdanke ich der Arbeit kluger und mutiger israelischer Journalisten.eine ganz bewegende Szene. wenn uns jemand das Geld dafür bereitstellen würde. die sich »Förderer Israels« nennen . vergeht mindestens ein Jahr. . 3-4 Ich werde häufig gefragt. Daher erschien es uns unmöglich. Doch diese Darstellung ist in zweierlei Hinsicht schief. Zweitens läßt die Konzentration auf die Aktionen und Vorstöße Israels leicht vergessen. sondern allein um das. die 1993 kurz nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens entstand. Allein zu diesem Thema könnte man leicht einen ganzen Film mit ihm drehen. Das ist mit Timor ganz anders. bringen wir hier im Buch einen Ausschnitt aus The Fateful Triangle: Israel. Was ich jetzt sagen werde. Um einen gewissen Ausgleich zu schaffen. warum der Film nichts über den Nahen Osten enthält.Warum bringt der Film nichts über Israel? Diese Frage stellen uns gelegentlich Zuschauer. the United States.Golfkrieg außen vor lassen.dafür hätten die mächtigen und fanatischen Kommissare schon gesorgt.und Arbeitsgebiete. kann man keine letzte Aktualität anstreben. es praktiziert seit vielen Jahren Repression und Staatsterrorismus. ich weiß es nicht. die sich in den USA 120 äußern. Bedenkt man dieses ideologische Klima und die daraus erwachsenden Aktionen der USA. war er einverstanden.Projekt eines raschen Todes gestorben . aber ich bin mit dem einverstanden. dann läßt Israels Politik und sein Verhältnis zu den USA nicht viel Gutes erwarten. In Israel nun ändern sich die Verhältnisse beinahe jede Woche. Ich sage dann. Überhaupt weist der Film noch mehr Lücken in Bezug auf Chomskys Aktivitätsfelder auf denken wir nur an Mittelamerika. vor allem in den USA höchst erfolgreiche. (Positiv bewerte ich unter anderem die hebräisch schreibenden Zeitungen. Wir selbst wären sofort dazu bereit. die über Chomskys nahöstliches Engagement im Bilde sind. denn in meinen Augen sollten sie sich richtiger als »Förderer des moralischen Verfalls und schließlichen Untergangs Israels« bezeichnen.

Israel und die USA legten die Generalversammlung praktisch lahm. wie ich hinzufügen darf. Mit der Intifada nahm diese Frage praktische Gestalt an. auch sie wird totgeschwiegen.ich glaube. Sie behandelte den Terrorismus und verurteilte ihn in jeglicher Form. wenn jemand einen diplomatischen Lösungsversuch unternahm.. das man im Hinterkopf haben muß und das da lautet: Der Friedensprozeß im Nahen Osten wurde etwa 20 Jahre lang durch die Verhinderungspolitik der USA blockiert und zwar in jeder Hinsicht. In dieser ganzen Zeit herrschte eine gewisse Übereinstimmung in Bezug auf die Frage. Und mehr oder weniger aus den gleichen Gründen. Sie erklärte eine gewaltsame Landnahme ausdrücklich für unzulässig und forderte Israel auf. welcher besagte.mit ganz wenigen Ausnahmen. Viele fahre lang standen also zwei Fragen im Raum. Man betrachtete alle Widerstandshandlungen gegen das israelische Regime . Das hieß: Vollständiger Friede gegen vollständigen Rückzug. könnte man meinen. die Drittweltländer usw. Und die USA isolierten sich auch hier von der übrigen Welt. ist so tief. weil niemand die Sprache darauf bringen darf.Es gibt ein kleines schmutziges Geheimnis. Israels Besatzungsregime traf auf offenen Widerstand. Dieses Abkommen übernimmt nun die amerikanische Blockadehaltung zu hundert Prozent.die arabischen Staaten. Es war wirklich ein massiver Schritt gegen den Terrorismus. Vorstöße anderer Länder . Wieso mußten die USA sich ausgerechnet einer Entschließung gegen den Terrorismus widersetzen? Nun. Es ist nämlich die falsche Botschaft. was in der fer- . In diesem Monat brach die Intifada los. Nazideutschland im Jahre 1943 hätte wahrscheinlich das gleiche getan. In dieser Frage nahmen die USA schon 1971 eine isolierte Haltung ein. in der die USA eine andere Position einnehmen als der Rest der Welt . Erstens: Geht es um Rechte nur für existierende Staaten oder auch für die Palästinenser? Anders gesagt: Gilt nur UN 242 oder gelten auch die anderen Resolutionen? Zweitens: Was ist mit einem Truppenabzug gemeint? Bedeutet das den Rückzug auf die internationalen Grenzen. Also praktisch einstimmig gegen Israel und die USA. selbst die USA. Jede Abstimmung ging gleich aus: etwa 150 zu 2. Hier gab es nun Widerstand gegen eine militärische Besatzung. Die USA machten ihre offizielle Haltung dazu unverzüglich klar. daß inzwischen niemand mehr sie daraus hervorzuholen vermag. also eine zwischenstaatliche Vereinbarung. Europa. Alle. als die allseits unbestrittene Resolution 242 mit anderen UNO-Resolutionen verknüpft wurde . die Russen. daß die Entschließung sich nicht gegen das Menschenrecht auf Widerstand gegen rassistische Regimes und militärische Besatzung richten sollte. Diese legte fest. in der sie versunken sind. Respektierung der international anerkannten Grenzen gemäß Resolution 242. die sofort aufhören müßten. der den Interessen dieser beiden Staaten dient? Seit Dezember 1987 existiert noch eine dritte Frage.. von vielen anderen mußten wir natürlich auch blockieren. wodurch sich der Rat aus diesem diplomatischen Prozeß verabschiedete.): Welcher Status kommt dem Widerstand gegen eine mili- 121 tärische Besatzung zu? Nun hat die Welt durchaus eine Meinung zu dieser Frage. Die Abstimmung ergab 153 zu 2 (Israel und die USA) bei einer Enthaltung (Honduras). Die Fakten werden unterdrückt und die Gedächtnislücke. Nur die Vereinigten Staaten stellten sich quer. Um diese Zeit war also ein diplomatischer Lösungsvorschlag perfekt: zweistufiges Vorgehen. Garantien für die Sicherheit aller Staaten in der Region. das war kein Problem mehr.beispielsweise Steuerboykotts . Jedesmal. es gab da einen unannehmbaren Abschnitt.nämlich mit solchen. unsere NatoVerbündeten. nämlich bei der Frage (. in denen nationale Rechte für die Palästinenser gefordert werden. Das haben die USA natürlich abgelehnt. Dann aber modifizierten die USA ihre Position. von der PLO. sondern auf das. Es ging gar nicht darum. Sie mußten dann alljährlich in der Generalversammlung dagegen stimmen. seit Mitte der siebziger Jahre der internationale Rahmen für eine Regelung sich insofern änderte. nur: Auch sie darf bei uns nicht ausgesprochen werden. eine Entschließung des Sicherheitsrats vom November 1967. vollends aber. Vermutlich sind sie demnächst sogar für die Geschichtswissenschaft verloren. die PLO. Auf diesem Stand blieben die Dinge. indem sie nur noch einen Teilrückzug verlangten . bis vor kurzem das Abkommen von Oslo unterzeichnet wurde. Warum kleines schmutziges Geheimnis? Nun. daß alle Staaten in der Region ein Recht auf Frieden und Sicherheit haben. Hierzu gab es ebenfalls eine wichtige UNO-Entschließung . seine Besatzungstruppen zurückzuziehen. wie eine Friedensregelung aussehen müßte. also einen Teilrückzug. haben das seinerzeit auch so verstanden.als »gegen Israel gerichtete terroristische Akte«. Alle hatten zugestimmt .was immer Israel darunter verstehen mochte.aus Arabien. Schaut man nämlich nicht auf die kurzfristigen Vereinbarungen. dem hatten alle zugestimmt. wie alle es sehen (bis 1971 auch die USA) ? Oder bedeutet das einen Rückzug nach dem Gusto Israels und der USA. gingen die USA erfolgreich dazwischen. Sie sollte sich auf die UNO-Resolution 242 stützen. nur weil wir nicht akzeptieren wollten. Israels Lebensrecht und seine Sicherheit anzuerkennen. und so weiter und so fort. im Jahre 1986. daß neben Israel auch die Palästinenser eine rechtmäßige Nation sein sollten. Dies ist also die dritte Frage. Zu diesem Zweck mußten sie 1976 im Sicherheitsrat ihr Veto einlegen.

wir sind in der Wüste. daß Israel die Kontrolle über die israelischen Siedlungen und die Zugangswege zu diesen behält. was uns nützlich erscheint. Und ebenso natürlich beabsichtigt Israel nicht. vor allem das Wasser. Da sie in der Wüste liegen. denn für die Wüste interessiert sich niemand. Mit anderen Worten. Dementsprechend verlaufen die Hauptstraßen. daß es nur einen Teilrückzug geben würde . wertvoll ist nur der Küstenstreifen. vor allem um Gush Kauf im Süden. Wir sind uns aber alle darin einig. etwa 40 Prozent der Küste von Gaza umschließt.ein Widerstand. Das ist ungefähr so. Sie müssen sich nur mal in den Entwicklungsplänen für die Westbank 122 ansehen. Es ist kaum anzunehmen. daß man und das schon seit 1968 . In der Frage des Truppenabzugs wurde von Anfang an klargestellt. Und in der Westbank sieht es genau so aus. was wir selbst tun. Am Ende steht also UN 242 und nur diese. Jedenfalls werden sie aus Gaza-Stadt abziehen. große Teile dieses Gebiets in die israelische Wirtschaft zu integrieren. Wer also von einer palästinensischen Stadt in eine andere will. Großjerusalem aber umschließt zusammen mit seiner Infrastruktur . Und das dritte Gebiet-Jerusalem: Wie steht es damit? Jerusalem war seinerzeit illegal. OK. sie liefern einen beträchtlichen Teil der israelischen Exporte. den Straßen. wo die israelischen Siedlungen liegen. daß überhaupt jegliche Form des Widerstands gegen das israelische Regime eingestellt wird . aber ein Briefwechsel zwischen Rabin und Arafat läßt auch hier keinen Zweifel aufkommen. der 40 Prozent des Territoriums ausnimmt. dann dient als ausschließliche Grundlage nur noch UN 242. Was nun die Gush-Katif-Siedlungen im Süden betrifft. Vielmehr werden gerade neue Wasserleitungen dorthin gebaut. ob sie das wirklich tun werden. daß die Intifada. der in den Augen der USA ein gegen Israel gerichteter Terrorismus ist.das langfristige Ziel verfolgt. sich aus Groß-Jerusalem zurückzuziehen. Die andere legt fest. Sie genießen eine hohe Priorität. wissen wir nicht. benötigen sie viel Wasser . meint man das sogenannte Großjerusalem. Die Küste ist aber das einzig Wichtige am Gazastreifen. Ob Sie es glauben oder nicht. während sie den Friedensprozeß aufhielten. Gaza ist nur wenige Kilometer tief. aber bei genauerer Betrachtung sieht es doch etwas anders aus. so sind diese für Israel sehr wichtig. den Siedlungen und so weiter . das hat auch Ministerpräsident Rabin deutlich gemacht. Israel leitet fünf Sechstel der Wasserreserven der Westbank auf sein Gebiet [und deckt damit ein Drittel seines Wasserbedarfs]. also genau das. daß eine solche Linie um seine Siedlungen herum. muß auf den existierenden Straßen meist israelisches Gebiet durchqueren. heute ist es offiziell dreimal so groß wie vor dem Krieg von 1967. Alles andere könnten die Israelis nach Belieben für sich behalten. was die USA 20 Jahre lang gefordert haben. wo die Straßen und die Siedlungen liegen. das Jordantal .neren Zukunft darauf folgen soll. den Mülldeponien. Sie erzeugen damit etwa die Hälfte der israelischen Tomatenexporte und einen Großteil der Blumenexporte. sondern von »Umgruppierung« im Gazastreifen. rauben sie praktisch dem übrigen Gazastreifen. Wir aber nehmen uns alles. darauf werde ich noch zu sprechen kommen.all das ist Bestandteil des Entwicklungsplans. daß Israel sich im Grunde im Gazastreifen frei bedienen kann. Sie sollen sich selbst verwalten und am Leben erhalten. und dann ziehen wir um diese eine Linie. Arafat übernimmt die Verantwortung dafür. Die eine spricht von Abzug — genaugenommen nicht einmal von Abzug. einschließlich einiger hunderttausend Palästinenser. Nur täuscht dieser Eindruck: Wenn man dort »Jerusalem« sagt. Das stimmt aber nicht.also den Wasserleitungen. Doch zur Zeit bestimmt das Abkommen. Vieles kann sich ändern. Man findet in dem Vertrag zwei sich gegenseitig widersprechende Aussagen. Da gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. man möchte nicht länger als Zielscheibe dienen. daß diese Objekte geräumt werden.einen beträchtlichen Teil der Westbank. die natürlich in irgendwelche Winkel verbannt sind. daß wir für diese Bevölkerung keine Verantwortung übernehmen wollen.auch dies also ein Sieg für die USA. die hübschen Vororte in den Hügeln um Tel Aviv und Jerusalem. Wie israelische Experten festgestellt haben. als ob die New Yorker Polizei sich aus Harlem zurückzieht. dabei aber die größeren palästinensischen Bevölkerungszentren auszugrenzen. so gut sie können. Was kommen wird. mit deren Absatz in Europa das Land viel Geld verdient. hängt sogar sehr stark von dem ab. nämlich gegen den Widerspruch des Sicherheitsrats. so haben sogar einige israelische Kommentatoren bemerkt.und das. So heißt es allgemein. und das meiste ist Wüste. jetzt nehmen wir mal eine Landkarte des Gazastreifens und schauen uns an. Es gibt dort auch große Touristenhotels mit künstlichen Teichen und ähnlichem. Alles nutzbare Land. Israel habe sich zur Räumung des Gazastreifens verpflichtet. Man kann nicht vorhersagen. Von den übrigen Resolutionen zugunsten der Rechte der Palästinenser auf Selbstbestimmung und Heimat ist nicht mehr die Rede. Über die Frage des Truppenabzugs wird übrigens viel geredet. Israel könnte überzeugend darlegen. was die Zukunft bringt. Über die Intifada ist im Abkommen selbst nichts gesagt. annektiert worden. ist die gesamte Siedlungspolitik der Arbeitspartei seit Anfang der siebziger Jahre stark hydro- . Dann erkennen Sie. Die Israelis könnten also ohne Probleme einen Abzug ankündigen. Ich wiederhole.

hängt vor allem davon ab. Thomas Friedman hat es in der New York Times völlig zutreffend benannt: »Die Kapitulation der Palästinenser«. Die Europäer dürfen zwar noch amerikanische Verhinderungspläne realisieren denn nichts anderes hat Norwegen im August getan . vergleichbar etwa der Lage um 1985. Nie gab es Vergleichbares in der Geschichte. mit der Bündnisfreiheit zu Ende. Die USA konnten bis heute den Friedensprozeß entscheidend blockieren. es gäbe Möglichkeiten in Fülle. Das heißt. Leider reicht dafür meine Zeit nicht. zu beziehen bei Alternative Radio. daß es auf unser Handeln noch mehr ankommt. unabhängige Initiativen für politische Lösungen starten. Ein weiterer Faktor ist der gravierende innere Zerfall der PLO. Wie konnte es überhaupt dazu kommen? Die eifrigsten Verfechter der israelischen Sache machen daraus gar kein Hehl. weil das amerikanische Volk dabei stillgehalten hat. Dies nun könnte sich ändern. Der andere. wie zuvor. Auch die Dritte Welt ist teilweise aus dem Spiel. Erstens ist es nun. was hier bei uns geschieht. Die USA beherrschen die Erde inzwischen so uneingeschränkt wie nie zuvor. jetzt haben sie ihr Ziel erreicht. trägt also eine große Verantwortung. wichtigere Grund liegt aber in der kapitalistischen Katastrophe. die Siedlungen werden so angelegt. Die Sowjetunion ist nicht mehr im Spiel. Europa hat den Nahen Osten praktisch den Amerikanern überlassen. Jetzt hat Europa es schließlich doch akzeptiert. Man forderte. bedeutet es. und manche davon mögen zu Hoffnungen Anlaß geben. schreibt er. Aus »Keeping the Rabble in Line«. Seitdem tut sich nichts mehr. als dies bisher schon der Fall war. Die letzte Abstimmung in der Generalversammlung erfolgte im Dezember 1990. da die Welt unipolar geworden ist. Mehr zum Friedensabkommen in Z Magazine Oct.nicht aber. und zwar aus zwei Gründen.und auch dort geht es einmal mehr um Marktbeherrschung.logisch beeinflußt.93 in New York. wichtig genug wäre es. die Monroe-Doktrin auch auf den Nahen Osten auszudehnen.09. Wir sind also beinahe wieder beim Status quo angelangt. die Menschen in den Vereinigten Staaten. Aber wie kam es dazu? Nun. wie es noch einen Rest der Welt gab. über die wir gerade gesprochen haben. und diesen Rest der Welt gibt es nun nicht mehr. Jeder. nachdem diese Frage zuvor regelmäßig auf die Tagesordnung gekommen war. Ja. Nach dem Golfkrieg erfolgte ein gewaltiger Umschwung. Arafat. Seit der Errichtung der Neuen Weltordnung im Jahre 1945 hatten die USA stets darauf gedrungen. Sie hat die Dritte Welt ruiniert und in ein einziges Notstandsgebiet verwandelt.aber auch viele Chancen. in vieler Hinsicht noch stärker als 1945. Sie konnten es aber nur. Ob aber diese Möglichkeiten genutzt werden können. der für diese Dinge offen ist. Bleibt noch Europa . was in dieser Halbwüste lebenswichtig ist. Nach dem Golfkrieg war es damit vorbei. das wiederum hat viel mit der Entwicklung der Weltlage zu tun. Für uns. doch es war ihnen nie ganz gelungen. eine politische Lösung. daß sie die Wasserreserven kontrollieren. die sich wie eine gewaltige Woge in den achtziger fahren über die Erde gewälzt hat. Zwar gibt es einige Unterschiede. ganz im Sinne der übrigen Länder. Kein Gedanke also an irgendeine Initiative aus dieser Richtung. Darin liegen viele Gefahren verborgen . sie konnten aber ihre eigene Verhinderungspolitik so lange nicht endgültig durchsetzen. Vorher hatte es Initiativen von seilen europäischer Staaten gegeben. aufgenommen am 26. Erinnern Sie sich: Die USA konnten zwar alle diplomatischen Aktivitäten blockieren. 1993 123 . hat die weiße Fahne gehißt.

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TEIL 2 Ermutigung zum Andersdenken .

sie sollen gezielt informieren. so daß dann die einzelnen Filmabschnitte . also seine Orientierung an realen Ereignissen und Menschen. die Klappe stimmt .nicht etwa ein vollkommen durchsichtiges Fenster zur Wirklichkeit bietet.. Man könnte statt Dokumentarfilm auch »Film über die Wirklichkeit« sagen.wie jeder Film . zusammenhängende.) Am häufigsten findet sich John Griersons Formulierung von der »kreativen Verwendung der Aktualität« zitiert. Die Lippenbewegungen stimmen. Der Regisseur und seine Leute arbeiten gerade an einem Dokumentarfilm .im Studio zusammengefügt werden können. 126 tarfilm . und sie ist aus zwei Gründen wohl auch die brauchbarste. wie es hinter den Kulissen einer Filmproduktion zugeht. Constructing Reality: Exploring Media Issues in Documentary (Buch +9 Stunden Film.AUS »ON THE SPOT« (NFB-1954) Ansager Und jetzt bringen wir Ihnen »On the spot«. Bob. Sie sprechen hier also von einem »Dokumentarfilm«. National Film Board of Canada 1993) . da gibt es eine Menge.gehen wir mal hin. wird das zu jeder Szene vor die Kamera gehalten? Bob Genau.. Arlene Moscovitch. Auch enthalten die Dokumentarfilme immer eine Botschaft. Damit werden die Szene und die Aufnahme an ihren Nummern sichtbar identifiziert. sondern eine vermittelte Konstruktion ist. Was ist denn für Sie der Unterschied zwischen einem Dokumentarfilm und einem Spielfilm? Eine einzige und allumfassende Definition des Begriffs »Dokumentarfilm« existiert nicht (. das ist eine Klappe. Fred Davis Heute wollen wir uns mal anschauen.alles läuft prima synchron. Dokumentarfilme sind meist erheblich kürzer als Spielfilme. Fred Davis Und dieses Ding hier. Zweitens aber läßt sie auch erkennen. daß der Dokumen- Bob Oh. Erstens stellt sie die Konzentration des Dokumentarfilms auf die Wirklichkeit heraus.Sie haben's ja am Ton gemerkt . durchdachte und hoffentlich auch leidenschaftliche Interpretationen der Realität zu liefern. Zum Beispiel die Länge. Bob. der unzählige Einzelentscheidungen zugrunde liegen. durch die man versucht.

das ich genannt habe.6. Hauptsache. in einer westlichen Sprache. was sie wiedergeben. Diejenigen. Dazu bedürfte es noch vieler anderer Hinweise. immer nach der Machtelite richten. Aus: «Noam Chomsky: Media.MA 127 . Kaum ein soziologischer Lehrsatz ist so gut belegbar wie dieser. Ich habe das nicht so ganz verstanden: Wie bewirkt die Machtelite das? Wie kommt es. Chomsky Egal. Dieses Lob hat die Financial Times unseres Wissens in ihrer Eigenwerbung noch nie zitiert. das hier von den Medien gezeichnet wird? Dazu muß man sich die Indizien ansehen. die die Wahrheit schreiben. zutreffende Berichte.93. LARAMIE aufgenommen auf der Videowand des Erin Mills Einkaufszentrums Marci Randall Miller Vor der Pause sagten Sie. wenn sie im eigenen Interesse entscheiden wollen. müssen eben alle Fakten kennen. Die andere Frage lautet dann: Wie läuft das ab? FLUGHAFEN AMSTERDAM Chomsky kommt durch die automatische Tür Patrick Barnard (freierJournalist) Ich bin der Zeitungsmann. . die Medien würden sich in dem. Und da kann meiner Meinung nach jeder wirklich schlagende Beweise finden. die über die Macht verfügen. häufig sehr gut geschriebene. Die eine lautet: Trifft das Bild zu. Was hätten Sie denn gern? Ich habe hier eine International Herald Tribune. und nicht nur dort. ist ja noch kein überzeugender Beweis.RADIO KUWR. Das eine Beispiel. erhältlich bei Alternative Radio) Chomsky Es geht hier wirklich um zwei verschiedene Fragen. Das sind die einzigen. Was haben Sie denn so? Patrick Barnard Die Financial Times? Chomsky Die Financial Times? Also wirklich! (Barnard lacht). Knowledge and Objectivity» (Interview mit David Barsamian vom 10. daß wir auf ihrer Seite stehen? Warum klappt das so gut? So findet man in der Wirtschaftspresse.

war 1978-82 und 1986-88 Mitglied der liberalen »Volkspartei für Freiheit und Demokratie« sowie in den Jahren 1982-86 Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. Moderator Mr. daß die Theorie eine innere Logik 128 Frederick (Frits) Bolkestein. vom International Philosophers Project veranstalteten philosophischen Tagung zum Thema »Wissen und Sprache«.Peter Wintonick Haben Sie die mit der großen Debatte? Chomsky Das NRC Handelsblad Peter Wintonick Han-dels-blad GRONINGEN. es ist allgemein bekannt. So wurde beispielsweise keine These aufgestellt. . wenn ein Kabinettsmitglied in der Öffentlichkeit mit einem Professor debattiert. wobei die Teilnehmer gelegentlich ihre momentane Rolle vergaßen und sich sagen lassen mußten. daß man auf Beispielen allein keine Theorie aufbauen kann. an der Chomsky teilnahm. die ebenso abgedruckt wurde wie Bolkesteins Erwiderung darauf und Chomskys erneute Reaktion. starren Schema ab. Bolkestein. heute abend steht also eine Debatte auf dem Programm. Bolkestein Nun. Chomsky schickte eine Antwort. Sie haben das Wort. Man hat stattdessen und das finde ich vernünftiger . ob sie nun gerade unterbrachen oder aber sprachen. So gab es Abschnitte »mit Unterbrechung« und solche »ohne Unterbrechung«. war er (1973-76) als Chemie-Direktor in Paris für den ShellKonzern tätig gewesen. Daneben fungierte er als Vizepräsident der Atlantik-Kommission und gehörte dem Königlichen Institut für Auswärtige Angelegenheiten an. Frits Bolkestein hatte in diesem »Mitte-links-Blatt mit Niveau« einen in eine ganzseitige Buchbesprechung gekleideten Angriff auf Chomsky geführt. Man muß vielmehr zeigen. NIEDERLANDE Im Film sind in die folgende Sequenz Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Boxkämpfen einmontiert Chomsky So. Bevor er in die Politik ging. ehemaliger Verteidigungsminister der Niederlande. In Holland hat es sowas noch nicht gegeben. vertreten einige Leute etwas und andere sprechen sich dagegen aus. und woanders wohl auch nicht allzu häufig. organisierte die Zeitung eine »Debatte«. denn es gibt da einige Probleme. Ich habe mich darüber ziemlich gewundert. Diese »Debatte« wurde von NRC Handels- blad gesponsert.ein Thema zur Diskussion gestellt. wie ich sie verstehe. Frits Bolkestein Es ist wohl ziemlich ungewöhnlich. Debatte oder nicht. jedenfalls dauerte sie 2 Stunden und lief nach einem merkwürdigen. nämlich die Fabrikation von Konsens. Bei einer Debatte. Anläßlich einer.

wie Professor Chomsky behauptet. wenn er sagt. Wir haben diese beiden Fälle direkt nebeneinandergestellt. als wir diesen Riesenbetrug über Kambodscha aufdeckten und dem dann auch noch das Stillschweigen gegenüberstellten. daß man nicht einfach nur Beispiele nennen kann. Chomsky Er hat natürlich völlig recht. zu denen jeder unverbildete Mensch gelangt. sondern rational vorgehen muß. das über die Greuel ver- 129 . Bolkestein Es gibt hier im Westen viele Intellektuelle. Chomsky Wir haben Kambodscha nicht diskutiert . Und da gerät er auf einen bösen Holzweg (vereinzeltes Lachen im Publikum). die verweigern sie einfach. Das aber hat Professor Chomsky nicht getan. Deshalb haben wir ja unsere Beispiele miteinander verglichen. 300 Seiten sämtliche Einzelheiten inklusive der Quellenangaben zu allem. was wir über Kambodscha finden konnten. die einfach der Wahrheit nicht ins Gesicht sehen wollen. In The Political Economy of Human Rights stehen auf ca. Bolkestein Die Dinge liegen aber nicht so einfach.wir haben es mit Osttimor verglichen. Moderator Professor Chomsky bitte. Die Schlüsse. An einer Stelle befaf3t er sich mit der Berichterstattung der westlichen Presse über Kambodscha.besitzt. Chomsky Natürlich haben sich viele Leute geärgert.

Professor Chomsky hält es für Betrug. Denn erstens stellten wir das Recht in Frage. Bolkestein Herr Vorsitzender. Wo Professor Chomsky von manipulierter Zustimmung spricht. Was Professor Chomsky hier betreibt. woher meine Kenntnisse darüber stammen. das ist ein Versuch. Zuerst baut er einen Pappkameraden auf. Beliebt macht man sich damit nicht. den die Welt kennt. aus Staatsraison lügen zu dürfen. ist der älteste Debattentrick. Was ich weiß. Die US-Presse ist nicht vertreten. da nenne ich das »einen Konsens schaffen«. Sowas mögen die Leute nicht. Bolkestein Woher weiß er denn überhaupt etwas von Verbrechen in Osttimor oder in Mittelamerika? Doch wohl aus derselben freien Presse. Doch Pro- 130 . denn dort herrschte Schweigen. die just zur selben Zeit mit amerikanischer Hilfe in Timor verübt wurden. und zweitens enthüllten wir. also Fundament. aber das stimmt nicht. und dann schlägt er auf ihn ein. aus Befragungen von Flüchtlingen. das Denken einzuschüchtern. Hier in Holland heißt das Grondslag. Chomsky Wenn Sie wissen wollen. Das sind ja Feldwebelmethoden. In einer repräsentativen Demokratie hat es die Bedeutung: die Menschen für die eigene Auffassung gewinnen. dann lesen Sie mal meine Fußnoten. für die er nur Hohn und Spott übrig hat. stammt aus Berichten von Menschenrechtsgruppen und Kirchen. vor allem aber aus der australischen Presse. wie reale Untaten entschuldigt und sogar noch unterstützt wurden.hängt wurde.

daß ein Teil unserer sogenannten »Linken« sich ausgerechnet auf so etwas kapriziert. Verschwörungstheorien. Übrigens. aber hören wir mal. weitab von jeder Realität. auch bei den Linken. ich glaubte selbst daran. Da überlegt sich also der CIA: Wie könnten wir diese ganzen Volksbewegungen unterminieren und kaputtmachen? Na. selbststeuernden Kraft der Massenaktion. Bolkestein Das ist ja die reinste Verschwörungstheorie. (Beifall. dann finden sie auch Wege... Chomsky Alle. Wenn die Leute glauben. Wenn ich darauf hinweise. Sowas läuft ziemlich oft ab. sondern an die direkte Demokratie. die es zu bewahren gilt. Gelächter) Vorsitzender Also wenn eines sicher ist. Keeping the Rabble in Line (Common Courage Press 1994) Bolkestein Ich muß jetzt leider nach Amsterdam . hunderte.) Viele davon sind sehr ernst und nachdenklich. spontanen. Ich konnte einfach nicht mehr darauf antworten. Dann jagen sie eben irgendwelche unwichtigen Säue durchs Dorf. daß da irgendwo einer auf ihn lauert. Chomsky Chomsky Genau.. die an der Linken nagen. Ich denke. die uns die Geschichte wieder und wieder vor Augen gestellt hat. daß General Motors seinen Gewinn und seinen Marktanteil zu maximieren sucht. sondern eine Institutionsanalyse. weil der Tag nur 24 Stunden hat. Dann sind sie still. setzen wir sie doch auf irgendeine verrückte Sache an. Ich meine. und für den hätte ich ein schönes Beispiel . Genau wie Rosa Luxemburg sehnt er sich nach der Anarchistenvision von der kreativen. 131 . die an Freiheit und Demokratie glauben. Chomsky Raten Sie doch mal. aber gut geeignet als Schutz vor der bösen Welt. JFK. Barsamian Um was ging es denn da? den. dann erwartet er eben. aber ich mußte sagen: Sorry. dann ist das keine Verschwörungstheorie.. sehen sich vor eine schwierige Aufgabe gestellt. vielleicht sogar tausende (. Bei einem Anlaß mußte ich mich sogar mit einem Formbrief des Inhalts »Sony.also nicht daß jemand meint. wo sie dann mit einem Riesenaufwand Analysen und immer genauere Analysen von völlig unwichtigen Dingen betreiben. müssen sie für deren Opfer eintreten.fessor Chomsky glaubt ja wohl Überhaupt nicht an die repräsentative Demokratie. Moderator Ja bitte? Chomsky Ich erhalte viele Briefe. Anstatt den Mächtigen und Privilegierten zu dienen. oder sie betreiben akademische Kulte. sondern sie sind vermutlich überlebenswichtig geworden. Es hat mir wirklich leid getan. für ihre Rechte zu kämpfen und die demokratischen Ziele zu erreichen. Denn Freiheit und Demokratie sind nicht mehr nur hehre Werte. wir haben es hier mit dem schon erwähnten Gefühl von Machtlosigkeit und Isolation zu tun. das wird funktionieren. es geht nicht. diesen Problemen aus dem Weg zu gehen. Denn wenn jemand einer Verschwörungstheorie anhängt. alle Fakten sprechen doch dagegen. ich kann wirklich nicht antworten« behelfen. die realen Probleme wüchsen ihnen über den Kopf. Sie kennen sicher auch so jeman- David Barsamian. Herr Vorsitzender. Barsamian Läßt sich aus diesem Interesse an Verschwörungstheorien etwas über die politische Kultur ableiten? Chomsky Man erfährt daraus etwas über Dinge.wenn Sie mich bitte entschuldigen wollen. dann dies: Heute abend wurde kein Konsens fabriziert. Diese Vision ist aber ein Kindertraum. sie müssen vor allem den verachteten »kleinen Leuten« dabei helfen. Barsamian Barsamian Eigentlich ist es doch merkwürdig.

nicht wahr. BAHNHOF IN MEDIA Peter Wintonick Glauben Sie. was Sie in dieser Zeitung lesen. und dem. STRASSE IN MEDIA Mann (links) Sie sagen aber nicht immer . oder? John (ganz rechts) Da hast du recht.sozusagen die liberale und die konservative. aber in gewisser Weise hat sie schon ein Auge darauf. John. sie sagen nicht immer die Wahrheit. 132 . vielleicht etwas gefärbt ist? Frau Aber sicher. Sie bringt beide Seiten der Medaille . BAHNHOF IN MEDIA Mann Im großen und ganzen ist sie wohl ganz gut.GERICHTSGEBÄUDE IN MEDIA Peter Wintonick Was glauben Sie: Besteht ein Zusammenhang zwischen dem. was wir nach Meinung der Regierung wissen sollen. was wir aus den Medien erfahren? Mann (Bildmitte) Es ist nicht wie bei den Kommunisten. daß das. So ist es doch.

. was man hören soll. Die haben doch nur 20.GERICHTSGEBÄUDE IN MEDIA Frau (rechts) Man erhält doch kein ausgewogenes Bild. Schaffner Hm . Bis später. 133 . daß die irgendwie einseitig. Muß los.. und alle Sender bringen dasselbe Highlight.. BAHNHOF IN MEDIA Schaffner Man kriegt nur das zu hören.. und dann wählen sie eben nur das Highlight aus. Peter Wintonick Glauben Sie. 30 Sekunden für ein Thema. und mehr bekommt man nicht zu sehen.

Es betrifft die Allgemeinheit. was Sie heute getan haben. und andere liberale Zeitschriften taten es ihr nach. Aber wenn dies seine Verwandlung auch erklärt. Chomsky Also zunächst mal habe ich mit keinem Wort behauptet. Das läuft hier ganz anders. daß die Regierung und die Eli ten mittels »Gedankenkontrolle« Radikale wie Sie von der Öffentlichkeit fernhalten. Den Rest besorgten dann die Fälle Kambodscha und Faurisson. aber ich sagte. Und bestimmt schreiben Sie auch in dieser Zeitung. Also worüber jammern Sie? Ich kann keine Gedankenkontrolle erkennen. es läuft hier über ein System der Formung und Steuerung.sooo wichtig ist er doch nun auch wieder nicht. für schäbige Fehlinterpretationen seiner Äußerungen zu Kambodscha. erschossen worden. Ich kann keine CIA-Leute sehen. Das hat nichts mit mir zu tun. da wären Sie für das. Ich habe dafür auch ein Beispiel gegeben. von daher stammt die Galle in seiner Stimme. Sie standen in der Zeitung nur daher wissen wir. Ich denke. die Sie fortzerren. die hier über alles bestimmen sollen. Also worüber jammern Sie? Wir lassen Sie frei sprechen. Es gibt einen Haufen Länder. NANAIMO Chomsky Läßt sich die Beleuchtung etwas heller einstellen. nun sind Sie hier. ich selbst würde von der Öffentlichkeit ferngehalten. wie sie ihm vorschwebt . Die New York Review of Books druckte seine Artikel über den [Vietnam-] Krieg ab. . Israel. Vielleicht haben Sie es nicht gehört. und man sorgt dafür. damit ich da unten überhaupt jemanden sehen kann? UNIVERSITY OF WYOMING. nicht hereinreden. Wenn er nur in seine Arbeit wieder die Sanftheit und Großherzigkeit einer Welt einbringen könnte. Vielleicht lag dies daran.« All dies änderte sich Mitte der Siebziger. vielleicht stieß man sich an seinen Ansichten über den Nahen Osten. so rechtfertigt es sie doch nicht. oder? Nur. Seine Bü- 134 cher werden kaum noch rezensiert . gegen die er ankämpft. ist auf ihn übergegangen. LARAMIE Student Sie jammern nun seit 1 Stunde und 41 Minuten. Man marginalisiert sie. Ich kann Ihnen Quellen nennen. Heutzutage behandelt man Chomsky mit einer seltsamen Mischung aus Beschimpfung und Mißachtung. das zu einer bestimmten Sichtweise auf die Welt führt.ich wäre glücklich darüber. Je stärker er an den Rand gedrängt wurde. In den sechziger Jahren war Chomsky eine angesehene Persönlichkeit. daß Sie kommen wollten. Zuviel von der Härte der Welt. da finden Sie Tausende anderer Beispiele. um so schriller und starrer ist er geworden. für Hitchens trug »sein Name eine Art Gütesiegel.ja. den Holocaust und so fort findet sich in jeder Zeitung immer mal wieder eine Spalte. Und nun . Norman Mailer sprach von den »dichtgepackten Begriffswindungen des Chomskyschen Erkenntnisprozesses». daß sie den Eliten. daß nach dem Ende des Krieges sein Radikalismus nicht mehr gefragt war. ich kann da keine Gedankenkontrolle erkennen. Die New York Review of Books ließ ihn stillschweigend fallen.MAIASPINA COLLEGE.

beides Sozialdemokraten mit engen Bindungen an Israel und seit jeher mit Chomsky verfeindet. ich selbst glaub's eigentlich nicht. eine vernichtende. es ihm nachzutun (. Nur ist es gerade das Gegenteil von dem. wo sich in einem großstädtischen naturwissenschaftlichen Museum ein Exponat findet.. Er ist nicht abgestumpft.) abgedruckt). bestens mit Dokumenten untermauerte Abrechnung mit der Politik der USA und Israels. schildert Chomsky seine Reaktion auf eine nicht ganz alltägliche Ausstellung im Chicagoer Museum für Naturwissenschaft und Technik: »Was soll man von einem Land halten... er kann sich immer noch entrüsten. daß ich ihn für den besten Kritiker der US-Macht halte und mich überhaupt nur deswegen mit ihm auseinandersetze. also ob ich schrill geworden bin.« Halten Sie diese Einschätzung Ihrer jüngsten Veröffentlichungen für zutreffend. die Yeats über Swift schrieb: »Wagt doch.« Durch Chomskys sämtliche Schriften zieht sich seine Fassungslosigkeit darüber. was die Mächtigen den Machtlosen anzutun imstande sind.»AMERICAN FOCUS«. was ich soeben niedergeschrieben habe.« »Chomsky Then and Now« von Brian Morton. wo so etwas auch nur in Gedanken erwogen werden kann? Über ein solches Land kann man doch nur weinen. und fühlen Sie sich als Opfer dieses von Ihnen beschriebenen Prozesses? Chomsky Na ja. O. was da angedeutet wird. über meine Kritik Genugtuung empfinden könnten. Ich sollte wohl unmißverständlich aussprechen. Wenn seine Stimme nach 20 Jahre heiser klingt wer wollte es ihm verübeln? Wer sich über ihn erheben? Niemand hat seine Kraft so vollständig wie er dem Kampf gegen die Schrecken unserer Zeit geweiht. Nur ungern stelle ich mir vor. Herman in dem Essay »Pol Pot. und bei jedem Treffer leuchtet eine Lampe auf? Was kann man von einem Land sagen. daß The Nation erst auf Morton zukam. und diese Zeitschrift stand lange Zeit unter dem Einfluß von Irving Howe und Michael Walzer. Faurisson und die Verleumdungskampagne» : Morton ist leitender Redakteur bei Dissent. In Wirklichkeit komme ich jetzt viel leichter in die großen Medien als vor zwanzig Jahren. müssen andere beurteilen. finde ich es richtig . . Man sollte auch beachten.05. Seine Heiserkeit ist unserer Gepflegtheit allemal vorzuziehen.und muß doch zögern. a. die Chomsky so gern in einem falschen Licht erscheinen lassen.88 135 Hierzu bemerkt Edward S. In seiner ersten Sammlung politischer Essays. Wieder kommen mir die Zeilen in den Sinn. desto schriller und harscher ist er geworden. nachdem man eine zunächst bei David Finkel bestellte Rezension des Chomsky Reader als zu positiv abgelehnt hatte (zusammen mit Hermans Essay in Noam Chomsky: Critical Assessments (a. mit dem der Besucher sich in einen Hubschrauber versetzen und mit einem Maschinengewehr auf vietnamesische Bauernhütten feuern kann. American Power and the New Mandarins. die Sache mit dem Rand .. Aber das mit dem Anden-Rand-gedrängt-werden stimmt. daß gerade diejenigen. Da Chomsky gerade The Fateful Triangle veröffentlicht hatte. verwundert es nicht.) denn er /diente der Freiheit des Menschengeschlechts. WASHINGTON Karine Kleinhaus In einer Rezension des Chomsky Reader heißt es: »Je stärker er an den Rand gedrängt wurde. wenn Morton hier bei Chomsky eine gewisse Grobheit diagnostiziert. The Nation 7. Wenn ich nachlese.

wenn inzwischen die wichtigeren nordamerikanischen TV-Kanäle Chomsky wieder etwas mehr Zugang gewähren. Inzwischen ist der Film weltweit in mehr als 300 Städten öffentlich gezeigt worden. Norwegen. in dem es u. daß Sie sich für bestimmte Dinge eingesetzt oder bestimmte Sachen geschrieben haben. Ich startete also eine Suche im Nexis-System (Das ist eine Medien-Datenbank über Artikel der großen Zeitungen und Zeitschriften. würden sie ja ihrer Rolle in der Gesellschaft nicht gerecht. Bill Moyers Genießen Sie es.man fragt sich.AUS »A WORLD OF IDEAS« (1988) Bill Moyers Sie haben einige unbequeme Wahrheiten verkündet und sind infolgedessen ziemlich vereinsamt. aus der auch Ross Perot während seiner Präsidentschaftskandidatur ständig zitiert hat). George Steiner und . um Tempelprostitution in einem Kult geht. Bedauern Sie es da nicht manchmal.und Fernseh-Echo ist natürlich schwieriger zu quantifizieren. Finnland.fast völlig ignorieren. über 225 davon in den USA. Es stört mich sogar erheblich. einiges wurde auch landesweit verbreitet.in Konkurrenz zur CBCHauptnachrichtensendung Prime Time News von 20 bis 21 Uhr. oder wünschten Sie. Mexiko. England. Doch nach den Unmengen von Interviewwünschen zu urteilen. Portugal. manches erscheint eher zufällig. das nicht. Gut. Aber allgemein gesprochen. Die einführenden Worte sprach Ingrid Abramovitch.und das gilt nicht nur für Noam Chomsky. Ich tippte also »Noam Chomsky« ein und sah mir die ersten 30 Referenzen an. Es könnte demnach auch dem Film zu verdanken sein. daß nämlich die USMedien Chomsky . den Niederlanden. bedauere ich eigentlich nichts. die Chomsky und wir erhielten. die würde ich heute anders anfassen. war Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media erst einige Monate in den amerikanischen Kinos gelaufen. der dem antiken Sumer. Schweden.MA . zuvor bei der kanadischen Nachrichtenagentur Canadian Press tätig. Chomsky Das ist doch auch völlig klar. kam Chomsky in der CNBC-Show »Posner & Donahue« zwei Stunden lang zu Wort. Ascherach. der überwiegend noch nie etwas von Noam Chomsky gehört hatte. über etwas nachzudenken. also über Chomskys linguistische Theorien • 1 aus der Jerusalem Post Nur 5 entstammten US-Medien: • 2 bezogen sich auf den Film. aber so hatten die Bürger mit Kabelanschluß doch wenigstens einen Abend lang mal eine Auswahl. Der kanadische Nachrichtenkanal Newsworld gab ihm eine Stunde . Kanada.der schließlich einer der bedeutendsten Intellektuellen des Landes ist . und zwar in einer Rezension eines Cyberpunk-Buches (Showcrash von Neal Stephenson). Zu der Zeit. Am 19.und italienischsprachigen Schweiz. Belgien. . warum . Sobald man anfängt. Der Film bot ein Sprungbrett. man hätte eher auf Sie gehört? Chomsky Nein. möchte man es anders machen. wobei Filmausschnitte gezeigt wurden und man darüber diskutierte. März 1993 hielten die Filmemacher einen Workshop an der New School for Social Research in New York. und dies wiederum verschaffte seinen Gedanken ein größeres Publikum. Bill Moyers In diesem Medium hat man nämlich nicht viel für abweichende Meinungen übrig . Das Funk. Es waren • 21 aus kanadischen Zeitungen • 3 aus der britischen Presse. Spanien und Ungarn den Film erworben und Millionen Menschen ihn gesehen. muß die Berichterstattung auf lokaler Ebene sehr ausführlich gewesen sein. ist mit einer Streuwirkung zu rechnen. den Mark und Peter gemacht haben • 1 kündigte eine Signierstunde in Boston an • 1 stammte aus der Mun-Zeitung Washington Times • Die letzte schließlich fand sich in Newsday. Wenn die Medien die bevorzugten Wahrheiten in Frage stellen ließen. darunter die Times mit einem Beitrag über »Die Affen. Natürlich findet Newsworld nicht so viele Zuschauer wie die Nachrichtensendungen der großen Anstalten. denn wir können ja nicht alles verfolgen. a. Denn weiß man. umstritten zu sein? Chomsky Nein. Ingrid Abramovitch Anfang dieser Woche ging ich einer der schwerwiegendsten Behauptungen der Filmemacher nach. der deutsch. Redakteurin der Zeitschrift Success.Noam Chomsky gewidmet ist. Solchen Leuten schenkt das Medium überhaupt nicht viel Gehör. Sobald das Fernsehen einsteigt. die uns immer noch faszinieren«. es gibt Sachen. von wo aus große Teile der Diskussion sich entfalteten. wer alles zuschaut? Bei Redaktionsschluß dieses Buches [der Originalausgabe 1994] haben Fernsehanstalten in Australien. Die Datenbank enthält nicht alles. Österreich. Nachdem der Film 1993 herausgekommen war. die Presse 136 hat Hunderte von Rezensionen und längeren Artikeln gebracht. da Ingrid Abramovitch LexisNexis abfragte. Damit wurde ein breiter Bevölkerungsquerschnitt angesprochen.

89 . Geliefert wird diese Propaganda von einer »weltlichen Priesterkaste« aus Journalisten und anderen Intellektuellen. Für ihn finden sich bei denen. desto öfter muß man zu solchen Tricks greifen wie z. Er kann sogar witzig sein . um nach der Wahrheit suchen zu können .. LONDON Chomsky (im Off) Nur.in seinen Schriften undenkbar! . oder der eine oder andere moralisch noch gefestigte Intellektuelle »schmuggelt« sie ein. denn darin erblickt man natürlich eine viel geringere Bedrohimg.höflich korrigiert oder aber . das Volk unter Kontrolle zu halten. The Guardian. aber besonders wichtig ist dies in den Demokratien. hinter dem sich die Mordmaschine verborgen hielt. Ob beim Vietnamkrieg. und dafür gibt es verschiedene Gründe. und ihm allein will er dienen. Wer ihm widerspricht. denn er entwickelt darin seine früheren Ideen nicht mehr weiter. Indem er eine allzu krasse Antithese zwischen einer von Grund 137 auf amoralischen Elite und der von Grund auf moralischen Masse aufstellt.« Zweifellos erscheint die Welt. ist von einer Gesellschaft zur anderen unterschiedlich (. sondern wiederholt sich nur noch. Und weiter: Zwar steuern alle Staaten das Verhalten ihrer Massen mittels Propaganda. jugendlich wirkenden Erscheinung. Ich komme in jedem Land der Erde leicht in die Medien. die sein bereits ergrautes Alter Lügen straft.und vermutlich jedes anderen Staates . bei den Massakern in Timor oder beim israelischen Einfall in Südlibanon Chomsky hat den Vorhang heruntergerissen. VERLAG »SERPENT'S TAIL« Martin Woollacott (schreibt für die Londoner Zeitung The Guardian) Ihrer Ansicht nach rührt also die Militarisierung der amerikanischen Wirtschaft vor allem daher. Chomsky stützt sich in seiner analytischen Arbeit auf diese Annahmen. wird doch aus dieser raren Verbindung moralischer Visionen und intellektueller Präzision Nutzen ziehen können. Wie die Elite die Masse beherrscht. 14. Er steht sozusagen in der Tradition der Propheten. sobald ich das Land verlasse. daß man darin das einzige Mittel sieht. Auch wer ihm in seiner Sicht der Machtfrage oder in seinen marxistischanarchistischen Vorstellungen nicht zu folgen vermag. Sitzt man ihm aber direkt gegenüber. In einem Zeitalter der Täuschung und der moralischen Verwirrung kennt Chomsky das Gute.so ihm guter Wille unterstellt wird . die bei der Wahrnehmung der Tagesereignisse hinter einem Schleier aus Verzerrung. Man muß aber danach suchen und sie häufig auch erst entschlüsseln. Sobald man in Amerika die hohen Militärausgaben in andere Dinge investieren wür- de und das Volk darüber diskutieren dürfte.) Alle realen Staaten besitzen eine Machtstruktur. und in jedem politischen Schwenk sieht er ausschließlich den Machiavellismus am Werk. die die Geschicke der USA . wird entweder . durchgehen läßt er ihnen nichts. Schon weil ich hauptsächlich von den Vereinigten Staaten spreche. entgeht ihm die Komplexität aller menschlichen Dinge. noch Bedauern.niedergemacht. Der Frage. Und genau darin liegt seine Stärke und sein Wert für uns alle. so spürt man seine sanfte Gegenwart und die Aura eines freundlichen und gleichzeitig fähigen Lehrers.kann er nichts abgewinnen.01. bitte. Dies zeigt sich vor allem in seinen jüngeren Veröffentlichungen. die Chomsky uns hier entwirft. Dabei schimmert gelegentlich die Wahrheil noch durch. Er selbst scheint für die Motive der Mächtigen nur Zynismus übrig zu haben. Nichts scheint seine innere Sicherheit zu beeinträchtigen. indem diese der zynischen Politik der Elite ein moralisches Mäntelchen umhängen. Man fühlt sich angesprochen von seiner fragilen. Er schreibt: »In den westlichen Demokratien erhält eine privilegierte Minderheit durchaus die Muße..es klingt paradox. stimmt das so nicht mehr.und sein Beharren auf den Fakten beeindruckt jeden. B. ob es nicht vielleicht auch »Gutes im Bösen« gibt . Verfälschung. würde — so Chomsky — dieses selbe Volk auch ein Mitentscheidungsrecht verlangen. die Ausbildung und die Mittel. Chomsky Wissen Sie. künstlich erzeugte Furcht. wirkt er auch nicht sehr überzeugend.die Wahrheit. aber je freier eine Gesellschaft ist.leiten. Aus »Deliver Us From Evil« von Martin Woollacott. Und eine derartige Machteinbuße brächte die Elite nicht über sich. Ideologie und Klasseninteressen verborgen bleibt. Und wenn er mal in kurzen Worten auf alternative Gesellschaftsformen zu sprechen kommt. auch wenn in einigen wenigen das Volk über wirksame Kontrollmittel verfügt.also gutes Verhalten in einer schlechten politischen Umwelt .so dies nicht der Fall ist . weder Moral noch Gefühle. entweder wird sie aus praktischen Gründen noch benötigt. denn man könnte ebenso wenig gegen ihn argumentieren wie gegen einen Jesaja oder Hesekiel.PICCADILLY CIRCUS. in einer demokratischen Gesellschaftsordnung . Chomskys Botschaft lautet im Kern: Macht ist von Übel. reichlich trocken und künstlich.

auszubeuten. weil das »einen besseren Propagandaeffekt« haben würde. worin die wahre Bedeutung und der eigene Nutzen hehrer Ideale liegen. in der Öffentlichkeit müßten »die Interessen anderer hervorgekehrt werden«. Doch es gibt noch so etwas wie eine Fünfte Freiheit. Ihre Zeit läuft. On Power and Ideology S. und als er nun 90 Minuten vom Teleprompter vorgelesen hatte und die Aufnahme fertig war. Herr Professor.im nationalen Fernsehen zu äußern. Chomsky (in die Studiokamera) In Kriegszeiten waren sich die Strategen darüber einig. dann auch deshalb. Sein Interesse für TV-Technik ist eher unterentwickelt. Offensichtlich hatte niemand es unternommen. die Religionsfreiheit. mit allen Mitteln aus dem Weg zu räumen). zu herrschen und jeden.) (ausgeblendet: Sie drängten darauf. Um es nun brutal auf den Punkt zu bringen: Für die Dritte Welt bedeutet dies.Illusionen. weil es gar nicht so sehr darauf ankommt. daß die USA außenpolitisch im wesentlichen das Ziel verfolgen. Turning the Tide S. die diese nur zu bald wieder verlieren sollten. Nachrichtensprecher wie Präsidenten nutzen gleichermaßen dieses Gerät. also in den USA. das alles überragt. Entsprechend vage und idealistisch klangen also die AtlantikCharta und Roosevelts »Vier Freiheiten«. was man dort denkt. ich stimme dem zu. Man könnte ihn als den bedeutendsten lebenden Intellektuellen ansehen. dann auch deshalb. was man dort denkt. die Freiheit von Not und Furcht kämpften. die Präsident Franklin Delano Roosevelt bei der Proklamation seiner berühmten Vier Freiheiten ausgelassen hatte. sich . aber die findet sich nur in internen Dokumenten und als Lektion der Geschichte: die Freiheit zu rauben. dieser wiederum setzt im allgemeinen volles Vertrauen in Medienleute (wie uns). sondern sie wurden auch in anderen Weltgegenden von leidenden und unterdrückten Völkern ernstgenommen . In dieser Maschine wird mittels eines halbdurchlässigen Spiegels der abzulesende Text direkt vor die Kameralinse projiziert. Die Produzenten von Opinions mußten auf exaktes Timing achten und schrieben daher Chomsky die Benutzung eines Teleprompters vor.LONDON John Lawton (Produzent der Sendung »Opinions« im TV- Kanal Channel Four. 45 Opinions ist eine 30-Minuten-Serie. Ähnlich hochfliegend las sich auch die im August desselben Jahres von Roosevelt und Churchill unterzeichnete Atlantik-Charta. die Freiheit des Raubes und der Ausbeutung zu garantieren. 7 An den Vier Freiheiten und an der AtlantikCharta läßt sich gut illustrieren. um ablesen zu können und dabei doch scheinbar die Kamera. Solche hehren Formulierungen trugen nicht nur zum Zusammenhalt während der schwierigen Kriegsjahre bei. LONDON John Lawton Also. daß die Alliierten für die Redefreiheit..ohne unterbrochen zu werden . weil es gar nicht so sehr darauf ankommt. Worauf es ankommt. 138 . Ich würde ihm liebend gern in meinem Programm eine halbe oder dreiviertel Million Hörer verschaffen. Aber gerade deshalb würden natürlich viele gern hier arbeiten. ist das Denken und Handeln der politisch Gebildeten in dem Land. Ich habe dies bei anderer Gelegenheit als die »Fünfte Freiheit« bezeichnet. in der Menschen.. Chomsky darüber aufzuklären. der stört. anzublicken. die etwas zu sagen haben. die ihm genügend Redezeit gewähren. also den Zuschauer. die Gelegenheit geboten wird.) OK. daß die wahren Kriegsziele nicht bekanntwerden sollten (. fragte er den Produzenten John Lawton: »Wo war denn eigentlich die Kamera die ganze Zeit über?« Wenn die Medien in Ländern wie Kanada oder Belgien offener sind. Im Januar 1941 verkündete Präsident Roosevelt. THE BRITISH ACADEMY. (im Off) Wenn die Medien in Ländern wie Kanada oder Belgien offener sind.

aber doch wohl in sehr milder Form. daß es sich dabei um eine Stellvertreter-Armee handelt. Ihre bisherigen militärischen Erfolge sind im wesentlichen bestens dokumentierte. Winden Sie sich an diejenigen im US-Senat. RADIO WGBH. Wie in Regierungskreisen inzwischen ganz. Diese Politik ist grausam und brutal. Präsident Silber.schon von der Struktur der Medien her . offen eingestanden wird. Der totalitäre Charakter dieses Regimes ist seit September 1979 offenkundig. In Nicaragua hingegen handelt es sich um die Reaktion auf einen Krieg. mit denen wir die Dritte Welt überziehen. wie es amerikanische Intellektuelle nur sein können. mit dem Hitler am 28. Warum würden Sie für die Finanzhilfe an die Contras stimmen? Silber Nun. Auch das freie Versammlungsrecht haben sie suspendiert. Chomsky Nun. Noam Chomsky. Der Belagerungszustand selbst entspricht etwa der Regelung. unsere Intervention in Mittelamerika sei nur ein aktuelles Beispiel für den allgemeinen Mißbrauch und das Mismanagement. Februar 1933 das Ende der Weimarer Republik besiegelte. (die fett gedruckten Passagen sind im Film enthalten) John Silber. dann muß er auch die Demokraten unterstützen. die Stützpunkte im Ausland hat und Nicaragua von dort aus angreift.so gut wie unmöglich. die noch unschlüssig sind (wenn es sie denn geben sollte). der Senat der Vereinigten Staaten hat von jeher auf der Seite der demokratischen Kräfte gestanden und sich gegen totalitäre Bestrebungen gewandt. In der Tat herrscht seit letztem Herbst Belagerungszustand. BOSTON (1986) Chris Lydon Unsere heutigen Gäste liegen in ihrer Beurteilung der Contras so weit auseinander. vertritt in seinem neuesten Buch Turning the Tide die These. die Sozialreformen zu verzögern und die Entwicklungsmöglichkeit einer offenen Gesellschaft einzuschränken. begründen Sie nun in einer kurzen Ansprache an den Senat. Dieser Erlaß vom 15. Sprachtheoretiker am MIT. die in Mittelamerika ein Sicherheitsrisiko diagnostizierte.John Lawton OK. und wir sollten damit Schluß machen. ebenso jegliche Pressefreiheit. Darf ich zuerst Sie bitten. war Mitglied der Kissinger-Kommission. jede Art kritischer Diskussion ist dort . daß schließlich ihre militärische Führungsspitze fast durchweg aus Offizieren Somozas besteht. und sie sollen ganz allgemein die Öffnung dieser Gesellschaft verhindern. er hält weiterhin an. AUS »THE TEN O'CLOCK NEWS«. denen sie praktisch alle demokratischen Rechte genommen haben. selbst die wärmsten Befürworter der Contras geben inzwischen zu. schreckliche Serien von Folterungen. Präsident der Boston University. sollen die Contras vor allem die Sozialreformen in Nicaragua bremsen oder ihren Abbau bewirken. den wir gegen das Land führen und der darauf abzielt. Noam Chomsky. Oktober das Verbot von Hausdurchsuchungen ohne Durchsuchungsbefehl sowie das Postgeheimnis aufgehoben und stattdessen die Postzensur zugelassen. Schnitt. und wenn der Senat der Vereinigten Staaten dies erkennt. daß sie weder ein politisches Programm vorgelegt noch politischen Rückhalt im Lande selbst gewonnen hat. . Die Sandinisten haben am 15. Verstümmelungen und anderen Greueln. daß das Land politisch ziemlich offen ist. warum Sie Geldzahlungen an die Contras ablehnen. die seit Anfang 1980 in El Salvador in Kraft ist. und jeder dort bis hinauf zum amerikanischen Botschafter wird Ihnen bestätigen. nur daß er dort zu Massakern an Zigtausenden geführt hat. zur Zerstörung der Presse und so fort. 139 Chris Lydon Und Sie. Oktober geht viel weiter und ist viel einschneidender als derjenige. dann wird man für die Contras und gegen die Sandinisten stimmen. Machen wir den Abschnitt noch mal? Chomsky (im Off) Allgemein herrscht in den USA ideologisch eine viel borniertere Geisteshaltung als in anderen Ländern. Weiter siehe rechte Seite. Chomsky Ich habe mich versprochen. Mehr noch. Nach wie vor versetzen sie die Menschen in Schrecken. wo die vollständige Diskussion wiedergegeben ist. Wenn es dabei bleiben soll. daß diese Armee ihre Instruktionen und ihr Material allein von ihren Auftraggebern erhält.

Silber hat allen Grund. das ist nur. In Nicaragua hat es durchaus Massaker gegeben an den Miskito-Indianern. wenn Ihnen das nicht paßt -es gibt keinen Grund dafür. Wie ich schon sagte. Silber Aber nicht doch... so gehen Sie vor. der Stellvertretende Kommandeur der sandinistischen Luftwaffe. Cruz.. Chris Lydon Noam Chomsky sollte jetzt unter anderem auf die Herkunft der totalitären . und auch über die Versuche der Sandinisten. ich besäße ein Monopol auf die Desinformation der amerikanischen Presse. in der Nationalgarde gedient hat. denn die Garde bestand nicht nur aus Somozisten ... der Ihr Monopol auf Desinformation zerstört hat. und da will er natürlich nicht. Nur. schlimmer als alles. Somozas Armee . Chomsky Also erstmal reden wir über die Fakten... Silber . Chomsky .. die dem Aquino zur Macht verhol- Edgar Chamorro. Es war doch Marcos und seine Armee. Chomsky Darf ich bitte? Chris Lydon Mr. ist eine schlichte Fälschung. Man hat dort eine regelrechte Diktatur errichtet.. dagegen zu sein. er kennt nämlich die Wahlheil. Und die Führer der Contras als Anhänger Somozas hinzustellen. die Gelegenheit ergreifen. so als ob das alles Somozisten gewesen wären. daß von seinen 48 Spitzenleuten 46 . 140 Chomsky Was? Ich soll die amerikanische Presse beherrschen? Also nochmal von vorn. Es herrscht massive Repression. Silber Chomsky . Und was die Armeeführung der Contras angeht. Und dann übersehen Sie auch.. Silber . was ich .dann weise ich Sie daraufhin. Sie können aber auch Edgar Chamorro fragen... den Contras erfundene Greueltaten anzuhängen... nein. ja... nein. haber der Armee. Hier müßte mal langsam jemand ... daß ich hier rede . Ihre Geschichtsfälschungen richtigzustellen.. hat selbst angegeben. ebenso ein großer Teil jener Blockwarte.. Silber Keineswegs. oder? Nun lassen Sie ihn doch mal selbst argumentieren. Silber So. Marcos . daß auch Modesta Rojas.... zu meinen. Chomsky Chomsky Mr. Wenn Sie hier also auf die Nationalgarde losgehen. Chomsky Könnte ich vielleicht einmal Gelegenheit bekommen zu sagen. Chris Lydon Chomsky Entschuldigen Sie mal. jetzt lassen Sie mich mal eben ausreden. Silber Chomsky Jedenfalls bin ich derjenige. mit denen die Sandinisten ihre Diktatur durchsetzen. Sehen Sie...Silber Wollen Sie diese Reihe platter Unwahrheiten fortsetzen? Noch nie habe ich so viele Unwahrheiten auf einmal gehört.. solange Sie noch da sind . stammt beinahe die gesamte militärische Spitze der Contras aus der Führung der Nationalgarde Somozas. Chomsky Es ist doch wohl lächerlich. dann erzeugen Sie ein falsches Bild.. jetzt dürfen Sie wieder die Wahrheit fälschen. den der CIA . was wir bisher aus Mittelamerika oder überhaupt aus Lateinamerika kennen. Es ist doch .. liegen genügend Beweise vor. Ein schönes Muster für Totalitarismus: Man sorgt dafür..... zu den Fakten: 46 der 48 obersten Militärführer der Contras waren Offiziere unter Somoza. verübt von den Sandinisten.. Robelo.... . Silber Silber Sie verfälschen hier reihenweise die Wahrheit. daß ich . Hier reihen sich Fälschungen und Verzerrungen aneinander. ich hab' Sie doch auch ausreden lassen. daß die Opposition . Das steht im Kongießbericht.. also die Soldaten sind . also der Oberbefehls- fen haben.. Marcos. so stammen einige in der Tat aus der Nationalgarde. Silber . Silber . weil Sie hier die Wahrheit lange genug verbogen haben. Calero oder Chamorro sind und waren keine Somozisten. daß sich unter den Anhängern der Sandinisten ebenfalls viele Mitglieder der Nationalgarde finden.

aber die verschwinden doch im Vergleich zu den Verbrechen. war er eine ernstzunehmende Bedrohung. Silber Noch ist es ja keins. in ihm eine Bedrohung zu erblicken. sowie 150 Kampf panzer. Natürlich ist Nicaragua hochgerüstet und voller sowjetischer Waffen.und stecken sie in die Rüstung.. Wenn die Menschen nicht einmal soviel Verstand haben. Chris Lydon Ich möchte doch nochmal auf zwei Punkte zurückkommen. Oder Guatemala: Dort haben wir ja ununterbrochen Militärhilfe geleistet. nein 1979.. daß wir es den sogenannten Demokraten und unserem Demokratiebegriff schuldig sind. was unsere Regierung will: Sie ziehen Mittel aus dem Reformprozeß ab . Aber wenn es dann heißt. Mr. Im Augenblick sind wir noch in der Lage. wie Hitler in seinen Reden von der Bedrohung Deutschlands durch Polen sprach und daß Deutschland sich dagegen verteidigen müsse. Denen hat man übel mitgespielt. Nun. ich bin alt genug. Doch falls wir zuwarten und so lange nichts tun.dort als Sprecher eingesetzt hat. Silber die Miskito-Indianer angesprochen. Der eine ist das Sicherheitsrisiko. und dort hat man etwa 100. Februar 1933 den Deutschen ihre Freiheiten nahm.den wir nun allerdings wirklich fürchten . Bis zur Verhängung des Embargos im Mai letzten Jahres wickelte Nicaragua 20 Prozent seines Handels mit dem Ostblock ab. Ich bin dagegen. die sich hier gezeigt haben. als er das Rheinland remilitarisierte. kostete uns der Sieg über ihn sechs Jahre und viele Millionen Tote. daß die Sowjetunion 24 voll ausgerüstete Kampfhubschrauber an Nicaragua geliefert hat. Wir müssen das Feuer nicht selbst löschen. nicht per se. das die Sandinisten in Nicaragua für die USA und die ganze Hemisphäre darstellen. bei denen wir Hilfestellung . Nicaragua uns angreifen .000 Menschen Massakern zum Opfer gefallen. die Luxemburg für die Sowjetunion darstellt. als er am 28.also das ist nun wirklich umwerfend! Seit 1978. daß diese ausgebaut wird. als würde man die Bedrohung untersuchen. Dem stehen aber 5-6000 Menschen gegenüber. Dann haben wir den Krieg weiter intensiviert.. Die Contadora-Länder. Nicht mal 1936. mit der sandinistischen Diktatur in Mittelamerika aufzuräumen. wofür es genaueste Beweise gibt. dann erwächst daraus das Silber Also erstmal bin ich dagegen. um mich daran zu erinnern. 300 .die Länder Lateinamerikas sehen allein in dem Gedanken nichts als hysterischen Wahnsinn. und es ist die reine Wahrheit. Genau «las habe ich gesagt. dann ist das ungefähr so. Waffen bezog es von überall her. Chomsky Wenn man Nicaragua als ein Sicherheitsrisiko hinstellt. man bittet uns ja um Geld für die Feuerwehr. Hitler war auch noch kein Sicherheitsrisiko. Der andere besagt. als wir in El Salvador massiv eingriffen. aber die Entwicklungweist in diese Richtung. die von unserer Seite umgebracht wurden . Menschen zu helfen. und sprechen Sie sich dafür aus? sche Soldaten stationiert sind. und wenn wir zulassen. ohne einen einzigen Amerikaner aufs Spiel zu setzen. Zweifellos geschehen auch bei den Sandinisten Verbrechen. mit besonderer Begeisterung gerade jetzt. auch die Län- . die wir in Mittelamerika angerichtet haben . die unseren Standard in dieser Region einführen möchten. Und selbst dieses Beispiel ist noch unfair gegenüber Hitler. die Sandinisten hätten vergleichbare Massaker verübt wie die.. John Silber: Sind diese beiden Argumente gleichrangig. Zuerst blokkierten wir alle anderen Waffenlieferungen. einzusehen. daß in Nicaragua an die 6500 kubanische und sowjeti- 141 Chris Lydon Und jetzt Noam Chomsky zur Frage der Gefahr für die Sicherheit der USA und unserer Hemisphäre. es gab so 60 bis 70 Tote. 1200 Lastwagen. Gegenwärtig besteht die Bedrohung noch nicht.000 Menschen umgebracht. Chris Lydon Aber wieso soll darin ein Sicherheitsrisiko für die USA liegen? Risiko eines Krieges. bis die Sowjets dort eine Landbasis errichtet haben. und jetzt tun sie genau. Silber hat Hitler erwähnt. Als aber die Alliierten endlich dahin gekommen waren. Ich frage Sie. dann haben sie aus der Geschichte nichts gelernt. Verstümmelung und Mord. Dann hat Mr. ich glaube. Wir brauchen nur die Feuerwehr zu bezahlen.und mit Umbringen meine ich nicht die vornehme Art. ca. Und warum? Weil eine gewisse Supermacht ganz bewußt jede andere Lieferquelle verstopft hat. sondern weil aus kleinen Feuerchen leicht große Brände werden können. sondern Folter. daß auch ein kleines Feuer in einem Zimmer eine Gefahr darstellt. sind dort an die 60. Denn es brennt wirklich dort unten.

.äh. den Krieg gegen Nicaragua einzustellen. In einem totalitären Staat hat die Opposition keine vernehmbare Stimme auch nicht in der Sowjetunion. wie Sie wohl sagten.er ist ja schon in der ganzen Welt dafür bekannt. Colero . Sobald wir den Krieg beenden. sich zu militarisieren. ein rechtsextremer Geschäftsmann und Vertreter der engstirnigen. auch von der Weltbank und durch Vermittlung der USA. sie hätten Greueltaten begangen. Chomsky . die wir zusammengeschustert haben. und die Regierung weiß das auch. was erwidern Sie auf diesen Appell. im September 1939 . Chomsky weiß das auch ganz genau. Cruz. Cruz und Robelo hätten Ausschreitungen verübt. wenn die USA endlich mal damit beginnen würden. ebenso die Alphabetisierung. also auch alle relativ demokratischen lateinamerikanischen Länder . womit sie vor unserem Angriff beschäftigt waren . Chris Lydon Aber die Frage war doch: Sind die Contras geeignet. Chomsky. Chris Lydon Wir haben schon so sehr überzogen. wie sie ist. Chamorro. nämlich Colero.der. freie Wahlen abzuhalten. Chris Lydon Und Sie. demokratisch eingestellte Persönlichkeiten.. Daraufhin erhielten sie Kredite in Höhe von 117 Millionen Dollar. Sie. angeführt von der Nationalgarde. die Demokratie im Gepäck zu tragen? Silber Absolut. die anerkannt haben. daß die Nicaraguaner ihre knappen Mittel zum Nutzen der armen Bevölkerungsmehrheit eingesetzt haben. aber würden Sie wirklich den Contras bescheinigen.mit der Demokratie hatte das überhaupt nichts zu tun. werden sich die Nicaraguaner wieder dem zuwenden. Deshalb hat das Gesundheitsniveau einen Sprung nach oben gemacht. den wirksamsten der ganzen Hemisphäre. daß wir auch einfach weilermachen können. Das sind ja nur Galionsfiguren. Nachdem Hitler die Macht in Deutschland ergriffen hatte. bis wir sie durch unseren Widerstand den Sowjets in die Arme trieben. Also stimmt an der Behauptung. Nur dadurch sind sie . vorher hatten sie der Organisation Amerikanischer Staaten zugesagt.. die schon in der Opposition gegen Somoza aktiv waren und von denen viele im Gefängnis gesessen hatten. und setzt die Region der Gefahr eines noch größeren Krieges aus. Das ist ein Mythos und ei- Wenn die Contras zur Zeit im nicaraguanischen Volk nicht offen unterstützt werden.. die Jesuiten und all die anderen. Und dann habe ich auch nicht behauptet. Es war doch so: Nach dem Sieg ihrer Revolution Ende Juli 1979 kamen die Sandinisten nach Washington. Ich habe nur die Weltbank zitiert. Und hinter dieser Führung stehen buchstäblich Tausende. die in 76 Entwicklungsländern nicht so etwas erlebt hatten wie dort . ist allerdings einer doch darin verwickelt. und mit diesem hochgespielten Blödsinn ankommt. Um aber wieder auf Nicaragua zurückzukommen. diese Menschen als totalitär abzutun.als einzige weit und breit .nämlich ihren Reformen. Es wäre ganz einfach. Es ist einfach Quatsch. OXFAM. ne Geschichtsfälschung. Ich möchte Sie jetzt mal auf die Demokratiefrage hinlenken und auf unsere Verantwortung für die Förderung der Demokratie. vollkommene Demokraten bezeichnet habe. Aber dann. Mr. die Sie nannten. Aber zuerst wollen wir mal mit diesem Mythos aufräumen.alle fordern uns auf. daß das dort alles wunderbare Demokraten waren. Es sind die Contras. kein Wort. von der Interamerikanischen Entwicklungsbank. 1979 .alles wichtige. Diese beiden sitzen doch in Washington und tun überhaupt nichts. von der Weltbank. die paar russischen Panzer und die kubanischen Berater aus Nicaragua herauszubekommen. so muß ich sagen.. haben ja die Sandinisten kritisiert. In Nicaragua hingegen gibt es ein Führungsteam: Robelo. von Organisationen wie OXFAM. Von denen. genossen seine Gegner auch keine offene Unterstützung mehr. und Mr. denn einzig unser Angriff hat diese Reformen gebremst und gestoppt.mit der Landreform vorangekommen und haben die Subsistenzwirtschaft verbessert und den Nahrungsmittelkonsum erhöht. was dieser Krieg bewirkt: Er zwingt das Land dazu. erst wir hätten sie an die Seile der Kommunisten gedrängt. die uns zuneigen. Wer jetzt versucht. die sich der sandinistischen Diktatur widersetzen. daß ich niemals die Sandinisten als. Mr. also auf die Welt. die die Verbrechen begehen. die Demokratie voranzubringen? Silber Chris Lydon Unsere Sendezeit . Ihnen ist nämlich völlig klar. Dort findet man höchstens einige isolierte Gruppen von Neinsagern. die demokratischen Kräfte in Mittelamerika zu unterstützen. für die sie sehr gelobt wurden. . den Kräften der Demokratie zu Hilfe zu kommen? Chomsky Also zunächst wäre ich ja wirklich froh.. liefert nur ein besonders schönes Beispiel für Orwellsches 142 Zwiedenken. anstatt ständig gegen zu sie zu arbeiten. Das ist einfach eine Lüge. Man hat sie ausgesprochen gut behandelt. Und nur deshalb haben wir sie angegriffen . Mr. Chomsky spielt hier 1984 . Silber. dann liegt der Grund dafür doch auf der Hand. extremistischen Wirtschaftskreise in Nicaragua.ging es los mit der Repression.

Chomsky .Wissen Sie.. das war neunzehnhundert. auf die wir wirklich Einfluß haben. Chomsky Ich spreche hier . Chomsky Allerdings. was Sie hier sagen . oder verbreiten Sie Ihre Lügen im Fernsehen lieber systematisch? Silber Nein. Chomsky Darf ich bitte weiterreden? Silber ... Chomsky Darf ich bitte fortfahren? Ich habe Sie auch nicht unterbrochen.. Chomsky Entschuldigen Sie mal.. weil . daß er schließlich Botschafter der Sandinisten in Washington gewesen war. Chomsky Wie bitte?? Silber Und wenn Sie hier behaupten. man bringt ihn gleich um. bis er schließlich mit den Sandinisten brach.nämlich in den USA. Chomsky Aber ich hab' doch noch gar nichts gesagt.. in den Sie sie stellen... daß das ganz alte Hüte sind. verstümmelt und mit Macheten zerhackt.. warum Sie mich hier aus der Diskussion herausmanövrieren wollen . Silber . die verhindert haben.. und daß er der Spitzenbanker der Sandinisten war . Silber Merken Sie eigentlich nicht. Chomsky Genau .... er konnte es nicht. Silber Stimmt überhaupt nicht. Wir haben nur diesen Quatsch satt! Chomsky Also bitte.. Silber Also in dem Zusammenhang. als ihm ihr restlos totalitäres Wesen klar wurde. sind sie jedenfalls nicht passiert.. weil die dortigen oppositionellen Geschäftskreise keinen überzeugenden Kandidaten hatten. daß Cruz sich an der Wahl .ich spreche hier über neunzehnhundert. Chomsky Also jetzt ist wohl klar....... weil er pleite war . Silber Merken Sie eigentlich nicht . zum Teil deswegen. ich habe doch gesagt. In El Salvador beispielsweise beschimpft man den Erzbischof nicht. Er hätte sich zur Wahl stellen können . Sie sind ein Scharlatan.. Silber . und es wird höchste Zeit. Arturo Cruz war in den USA und man hat ihn ..... Mister. Arturo Cruz sei bloß eine Galionsfigur und täte überhaupt nichts. Der kirchliche Rundfunksender wurde von der Armee in die Luft gesprengt..ich . Chris Lydon Ich muß Ihnen jetzt leider beiden das Wort entziehen. Silber . und daß er immer .. Sie lügen nämlich schon wieder... daß die Leute Ihr Geschreibsel auch mal so einschätzen.. Silber Sie sind ein systematischer Lügner ..hat er aber nicht.. 143 ... und sind diese Sachen nun passiert oder nicht? Silber Es waren die Turbas [pro-sandinistische Straßenmiliz]. Silber Und warum war er hier? Chomsky Er war in den USA und ist hier desertiert. dann vergessen Sie.. Man zensiert die Presse nicht. Den Herausgeber der unabhängigen Zeitung fand man in einem Graben. Dann hat man ihn als Politfigur zurück nach Nicaragua geschickt. wenn es uns auch nur im geringsten um die Demokratie ginge — was in unserer Außenpolitik noch nie der Fall war — dann würden wir uns mal Ländern wie El Salvador zuwenden. man vernichtet sie.

. nicht ohne gleichzeitig sicherzustellen.) Die Reaktion der Carter-Regierung auf diese Gefahren in El Salvador bestand darin.so stellte er fest-»wird hiermit Sicherheit das Unrecht vermehren und die Repression verschärfen.1980 verurteilte Erzbischof Romeros Nachfolger.) Im Februar 1980 richtete Erzbischof Romero an Präsident Carter die dringende Bitte. überlebte nur knapp einen Mordversuch und floh schließlich ins Ausland (. »um die Schlüsselrolle der Armee im Reformprozeß zu stärken« (. oder von Kleinbauern-Organisationen. Turning the Tide S..) Am 26. unter den zahlreichen Toten war auch der Rektor.. denn diese . Im kirchlichen Radiosender explodierten mehrfach Bomben. Chomsky Ja . zerstörten den Sender und durchwühlten die Räume der Zeitung (. erhielt er Todesdrohungen. der Junta keine Militärhilfe zu gewähren...auch dies eine Voraussetzung dafür.. daß sie im Oktober 1979 einen Putsch reformistischer Offiziere unterstützte. die Redaktion von Soldaten besetzt war und Mitarbeiter verhaftet und gefoltert worden waren. Jedenfalls haben Sie es Präsident Reagan für Sonntag abend verdammt schwer gemacht.) auch nur ein Wort darüber fallen. Der Richter Atilio Ramirez übernahm die Leitung einer gerichtlichen Untersuchungskommission.. die Vernichtung der Volksorganisationen und die Verhinderung jeglicher Unabhängigkeit besonders am Herzen. kurz nach Reagans Wahl stürmten Truppen das erzbischöfliche Gebäude. nur weil diese um ihre elementarsten Menschenrechte kämpfen« (. wir danken Ihnen. Es entstand die furchterregende Aussicht. Der Sturz Somozas [des nicaraguanischen Diktators] im Jahre 1979 ließ in Washington die Besorgnis aufkommen.OK.. die Armee und »ihren Ausrottungsfeldzug und Völkermord an der wehrlosen Zivilbevölkerung«. Aber jetzt zurück zu ..) Inzwischen hatte man auch die unabhängigen Medien durch Bomben und anderen Terror ausgeschaltet . etwa von Bibelkreisen. Eine noch größere Gefahr aber erblickte man in der zunehmenden Ausbreitung der »Organisationen des Volkes«.. es könnte auch in El Salvador die dortige brutale Diktatur gebrochen werden und somit auch dieses Land sich dem Einfluß der USA entwinden. Die Leichen des Herausgebers und eines Redakteurs [der Zeitung La Crónica del Pueblo} fand man von Macheten zerhackt vor.. nachdem es gegen den Herausgeber drei Mordanschläge gegeben und seine Familie Drohungen erhalten hatte. die sich gegen die Organisationen des Volkes richtet. daß La Crónica und El Independiente das Opfer von Mord und physischer Gewalt geworden oder daß Journalisten umgebracht worden waren.)« 144 Im Juni überfiel die Armee die Universität plünderte und verwüstete sie.. dem Marionettenregime durch »freie Wahlen« eine Legitimation zu verschaffen.. Duarte. daß die reaktionärsten Vertreter des Militärs auf ihren maßgeblichen Posten verblieben (.) Die Schlußfolgerung des Richters Ramirez lautete: »Es kann keinen Zweifel daran geben.Chomsky Das ist auch wieder gelogen. während einige Wochen später der zivile Präsident der Junta. die sich unter Anleitung der Kirche in Selbsthilfegruppen verwandelten. Also ignorierte Carter den Appell des Erzbischofs und schickte seine Lieferungen. Nachdem er den Organisator der Todesschwadronen und US-Liebling General Medrano sowie den rechten Flügelmann Roberto d'Aubuisson beschuldigt hatte. Manufacturing Consent S. Chris Lydon Geht leider nicht. Newsweek oder CBS News] ließen während der sal- vadorianischen Wahlen (... die Mörder gedungen zu haben. John Silber und Noam Chomsky.10. daß man sich von Anfang an dazu verschworen hatte. Ge- werkschaften und dergleichen.. 102-107 [Weder die New York Times noch Time. Anschließend wurde die Universität geschlossen (. 129 . bei seiner Vereidigung den Streitkräften seine Anerkennung »für ihren mannhaften Kampf Seite an Seite mit dem Volk gegen die Subversion« aussprach. den Mord zu decken (.. El Salvador könnte sich zu einer wirklich sinnerfüllten Demokratie entwickeln und womöglich das Volk spürbar am politischen Prozeß beteiligen (..) Im März 1980 erlag Erzbischof Romero einem Mordanschlag. eine andere Zeitung [El Independiente] stellte ihr Erscheinen ein. Bischof Rivera y Damas... Unsere Sendezeit ist um.) Nun lagen der US-Politik aber gerade die Verschärfung der Repression.

Ich konnte es aber nicht machen. daß Ihnen die Massenmedien zwar im Ausland offenstehen. zuhause aber wohl weniger. die größte Bedrohung der israelischen Sicherheit stelle die jüdische Gemeinde in den USA dar. seit 17 Jahren blokkierten die USA eine friedliche Lösung des israelisch-arabischen Konflikts. jedenfalls wenn man europäische oder überhaupt internationale Maßstäbe anlegt. um ganz ehrlich zu sein. • 00:19:17:10 • Chomsky kritisiert die Berichterstattung in den Medien über die gewaltsamen Unruhen in den besetzten Gebieten. Mindestabnahme 1800 Dollar. die gesamte weltweite Nachrichtenproduktion von ABC.'59 Minuten Länge. das man mit Chomsky im April 1988 für eine sich über Wochen erstreckende Reihe von Sonderprogrammen «Nightline im Heiligen Land« aufgenommen hatte. INDEX: PERSONEN CHOMSKY. die Israel zu einer Politik der Besetzungen und der militärischen Konfrontation treibt. Einmal ist Chomsky doch für »Nightline« interviewt worden. Eine Suche in der Datenbank des ABC-Archivs »Sherman Grinberg Film Library« führte auf ein Interview von . diesen Streifen in Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media zu Kassette 1 von 2 • 00:01:31:27 • Chomsky behauptet. Seit 1963. es ist mir auch ziemlich egal. • 00:02:55:21 • Sagt. wenn es einer politischen Lösung mit den Palästinensern nähertritt. Israels Sicherheit würde zunehmen. Wir zogen es vor zu passen. . als ABC Network News zum erstenmal ausgestrahlt wurde. die USA legten einer politischen Lösung Hindernisse in den Weg. warum die palästinensischen Jugendlichen weiterhin gegen Israel rebellieren. • 00:06:38:00 • Macht geltend. der Holocaust müsse als Lehre dienen. man hat mich mehrfach gebeten.000 Videokassetten eingelagert. NOAM KRIEG: ARABISCH-ISRAELISCHER KONFLIKT DATUM = 88/04/08 LAGERORT = NEW YORK PROGRAMM: ISRAEL SPEZIAL / »NIGHTLINE« IM HEILIGEN LAND AUFGENOMMEN IN: CAMBRIDGE.GEORGETOWN UNIVERSITY. d. da sie seiner Meinung nach die der Gewalt zugrunde liegenden Faktoren nicht wiedergeben. WASHINGTON Frage aus dem Publikum Als Sie zuletzt hier waren. • 00:04:55:25 • Behauptet. Filmmeter) und Paramount News (2. haben Sie davon gesprochen. wurden bei Sherman Grinberg ca. Menschen nicht zu unterdrücken oder zu terrorisieren. • 00:15:46:09 • Behauptet. Filmmeter und über 400. MASSACHUSETTS REPORTER: JORDAN KAMERA: WORDEN INHALT: INTERVIEW MIT PROFESSOR NOAM CHOMSKY VOM MASSACHUSETTS INSTITUTE OF TECHNOLOGY (MIT) ÜBER DIE KRISE IN DEN ISRAELISCH BESETZTEN GEBIETEN • Bezeichnet die derzeitigen Bemühungen der USA um einen Frieden im Nahen Osten als mangelhalt. Demnach ist das Spektrum dieser Sendung geradezu lächerlich schmal. katalogisiert und in Computern erfaßt. 25 Mio. wollte man uns pro Sekunde 90 Dollar berechnen. h. Skizziert Beispiele der amerikanischen Einmischung in den Friedensprozeß.5 Mio. in »Nightline« aufzutreten. • 00:16:18:02 Schnitt. Für das Recht. Die Medienbeobachter von FAIR haben »Nightline« mal analysiert. Ich hatte wohl einen anderen Vortragstermin oder so — und. Außerdem betreut das Archiv Pathé News (3 Mio. Kassette 2 von 2 • 00:00:33:21 • Chomsky spricht über die Gründe. mit interessanten Ergebnissen. • 00:10:38:08 145 verwenden. Meter). Über den Sender ging aber nichts davon. Hai sich da irgend etwas geändert? Sind Sie schon mal zu »Nightline« oder »Brinkley« eingeladen worden? Chomsky Doch.

Diesem Ziel steht es jedoch entgegen. die sich auch in der begrenzten Auswahl der Gäste widerspiegelt und bestärkt fühlt. war die Reihe vor dem Erscheinen dieses Reports noch kaum analysiert worden.01. die schon jetzt die Macht innehaben. Selbstverständlich erhebt »Nightline« den Anspruch. die ihrerseits auf Anerkennung und Finanzierung durch diese primären Organe und Quellen der Macht angewiesen sind. die durch die Show vermittelt wurde. männlich und Vertreter mächtiger Institutionen.Die Organisation FAIR (Fairness and Accuracy in Reporting) hat 865 »Nightline«-Programme untersucht. Aus dem Folgebericht von FAIR.88). Daher standen auch die in »Nightline« aufgegriffenen Themen »in einem engen Zusammenhang mit der aktuellen Politik der US-Regierung«. waren die Gäste in ihrer großen Mehrheit weiß. William Hoynes. Von den 1530 Gästen aus den USA waren 92 Prozent weiß 89 Prozent Männer 80 Prozent Freiberufler. In der Weltsicht. deshalb hat sich die Studie diesem Aspekt gewidmet.04. ist »Nightline« ein im Grunde konservatives Politik-Programm im Dienste derer. Beide Berichte bei FAIR erhältlich. Wie sich zeigte. All the Usual Suspects: MacNeil/Lehrer and Nightline. 146 .und dies. Filter: Die Abhängigkeit der Medien von Informationen. Weil PolitShows wie »Nightline« häufig live gesendet werden. Zu diesem Zweck wurden die »Nightline«-Niederschriften aus 40 Monaten ausgewertet (1. Also stellte FAIR 1989 sechs Monate lang einen Vergleich zwischen »Nightline« (ABC) und der »McNeil/Lehrer«-Show von PBS an. Infolge seiner Weltsicht. David Croteau.85-30. hohe Regierungsbeamte oder Vertreter von Großfirmen Obgleich »Nightline« eines der wichtigsten Nachrichtenmagazine der USA ist. der die in seiner Show angesprochenen Probleme zu lösen sucht. war das Gästespektrum bei »MacNeil/Lehrer« politisch gesehen noch schmaler als das von »Nightline« . wie gut wohl im Vergleich dazu andere TV-Nachrichtenmagazine in Bezug auf Vielfalt und Spannweite ihrer Gästelisten abschneiden. kommt es entscheidend auf die Gäste an. eine möglichst breites Spektrum zu präsentieren. A Special FAIR Report: Are You on the Nightline Guest List? An Analysis of 40 Months of Nightline Programming (Boston College 1989) S. wohingegen der Rest der Welt als »erschreckend instabil« galt. 1-4 Der FAIR-Report über »Nightline« ließ die Frage aufkommen. standen die USA als ein Land ohne nennenswerte innere Verwerfungen da. Wie sich zeigte. die von der Regierung und aus der Wirtschaft geliefert werden sowie von Experten. Die Studie schließt mit der Empfehlung »Nightline« möge »Durchschnittsbürger/innen aus allen Bevölkerungsschichten und Berufen« mit einbeziehen und dadurch seine Repräsentativität verbessern. wenn Ted Koppel als »Diplomat« auftritt. obwohl doch »MacNeil/Lehrer« über einen Öffentlichen Kanal geht.

Der Typ hieß Jeff Greenfield oder so ähnlich . Dieser Mann ist wirklich gut.also das kann ich nun auch nicht sagen. Yale University 1967-68 Parlamentarischer Berater von Senator Robert Kennedy 1968-70 Assistent des New Yorker Bürgermeisters John Lindsay 1970-76 Consultant bei Garth Associates Schriftsteller. Allerdings neigt er zur Jovialität. daß das Fernsehen und die Medien praktisch keinen Einfluß auf den Ausgang der Wahl von 1980 hatten. wie man mit gefälligen Anekdoten und aufschlußreichen Bildern wichtige Begriffe verdeutlichen kann.« Quelle: Contemporary Authors Bd. die zu »Nightline« eingeladen werden. University of Wisconsin 1967 LL. JEFF GREENFIELD (geb. Ich war vorher schon zigmal auf dem Sender gewesen.) Larry Sabato schrieb in der New York Times Book Review über Greenfield. USA Jeff Hansen Was ist denn eigentlich gerecht an der Auswahl der analytischen Köpfe. So heißt es dort: »Dieses Buch vertritt die These. WASHINGTON Chomsky Ich will euch jetzt mal etwas erzählen. Wisconsin. meist übers Telefon. B. wenn Noam Chomsky nie auftritt? Jeff Greenfield Also . Kritiker für Politik und Medien bei CBS und ABC In seinem Buch The Real Campaign: The Media and the Battle for the White House erschüt- tert Greenfield die verbreitete Annahme. Regionalfunk WORT] interviewt. mit einem dieser Wichtigtuer von »Nightline«.« (.GEORGETOWN UNIVERSITY. Ich war im Studio eines Hörerradios in Madison.sagt jemandem der Name was? TV-BILD IN EINEM SCHAUFENSTER Jeff Greenfield Hier ist »Nightline« in New York. die Medien hätten einen Einfluß auf den Ausgang der Präsidentschaftswahlen. und wurde vom Nachrichtenleiter [Jeff Hansen. er trifft die verschiedensten Leute.. ein ganz guter Lokalsender. RADIO WORT. 24 (1988) Jeff Hansen Er ist einer der größten Intellektuellen auf der ganzen Welt. WISCONSIN. das er gerade geführt und auch gesendet hatte. A. Er spielte mir also ein Band mit einem Interview vor. 1943) 1968 B. und in seinen Schriften stören die zahllosen Hervorhebungen. MADISON. was ich selbst erlebt habe. 147 . und ich bin Jeff Greenfield. er habe »einen geschulten Blick dafür..

Jeff Greenfield

Ich weiß es wirklich nicht, aber ich
könnte ja mal vermuten. Vielleicht ist er
einer der großen Intellektuellen, die
sich nicht auf Fernsehauftritte verstehen. Da gibt es bestimmte Regeln, die
für uns enorm wichtig sind. Wenn die
ganze Show 22 Minuten hat, und
jemand wird nach 5 Minuten erst so
langsam warm - weiß nicht, ob das auf
Chomsky zutrifft - also so jemand ist
out. Warum haben wir bei »Nightline«
immer die üblichen Verdächtigen?
Weil, wenn man jemanden für eine
Show einplant, muß man sicher sein,
daß der oder die Betreffende innerhalb
der vom TV-Medium diktierten Grenzen
auf den Punkt kommen kann. Wem das
nicht paßt, der sollte sich mal merken:
Wer für eine Antwort acht Minuten
braucht, der ist genauso fehl am Platz
wie einer, der kein Englisch spricht.
Natürlich ist das, wie üblich, kulturabhängig. Bei uns müssen die Leute
eben Englisch sprechen. Und sich kurz
fassen.

GEORGETOWN UNIVERSITY,
WASHINGTON
Chomsky

Dieser Greenfield, oder wie er heißt,
trifft den Nagel auf den Kopf. Denn nur
in den US-Medien - nur dort müssen
sich alle kurz fassen. Was man sagt, darf
600 Worte lang sein und muß zwischen
zwei Werbespots passen. Und nun
kommt's: Das Schöne an der Kürze des
Ausdrucks - nicht wahr, man bringt zwischen zwei Commercials gerade mal
einige Sätze hervor - also das Schöne
daran ist nämlich, daß man auf diese
Weise nur Gemeinplätze wiederkäuen
kann.

(Wir baten Chomsky um seine Meinung zu der
Behauptung, daß nicht nur die amerikanischen,
sondern alle kommerziellen Medien Inhalte verkürzen)
Ich bin mir nicht sicher, ob kommerziell gesteuerte
Medien außerhalb der USA »Kürze« erzwingen kann sein, kann auch nicht sein. Beim britischen
Kommen-Fernsehen ist es jedenfalls nicht so; die
sollen sogar noch erheblich offener sein als die
BBC. Das ist auch meine Erfahrung; war nicht
das Opinions-Programm, das Ihr gefilmt habt,
auf einem kommerziellen Kanal? Aber entscheidend ist, daß außerhalb der USA die Radio- und
Fernsehwelt im allgemeinen nicht-kommerziell ist;
also stellt sich Eure Frage so überhaupt nicht. Und

selbst bei den kommerziellen Sendern läuft es anders ab bei uns. Nehmen wir Italien: Da brachte
das Femsehen - jedenfalls vor 15 Jahren, als ich
dort war - zwar massenhaft Reklame, aber alle
Spots lagen in den Lücken zwischen den verschiedenen Programmen. Nicht wie hier bei uns, wo
alle paar Minuten unterbrochen wird (vor allem
im Radio). Wahrscheinlich ist der ganze Begriff
der »Kürze« etwas Amerikanisches und greift über

die kommerzielle Bedingtheit hinaus. Aber um
ganz sicher zu sein, müßte man das erst einmal
richtig untersuchen. Ich selbst spreche nur aus
eigener Erfahrung; geforscht habe ich nicht darüber. Übrigens unterwirft man sich sogar im
Öffentlichen Radio oftmals diesen Einschränkungen. Während des Golfkriegs durfte ich mal im
National Public Radio einen Kommentar sprechen. Dieser mußte vorher eingereicht werden,
und er hatte genau 2 1/2 Minuten zu dauern.
Als der Text abgenommen war, sollte ich ihn im
Studio aufzeichnen lassen. Da aber meine erste
Lesung 2 Minuten 36 Sekunden dauerte, mußte
ich die Aufnahme wiederholen, damit die Zeitgrenze eingehalten war. Sowas habe ich noch von
nirgendwo vernommen. - NC

148

RADIO WORT, MADISON
Jeff Greenfield

Vor 20 Fahren habe ich Chomsky mal
gelesen. Für mich sind seine Vorstellungen ... hat er nicht mal ... war er nicht
Co-Autor eines Buches mit dem Titel
Engineering Consent oder The Manufacturing of Consent? Auf mich wirken solche
Dinge, als ob sie vom Neptun kommen.
FOTOS DES PLANETEN NEPTUN
VON DER NASA-RAUMSONDE
»VOYAGER«
Sprecher

Zum erstenmal zeigt sich hier Neptun
so deutlich dem menschlichen Auge.
Voyagers jüngste Leistung - vor wenigen
Stunden nahm er diese Fotos auf.
Jeff Greenfield

Klar, es steht ihm frei, zu behaupten,
auch ich würde alles durch ein Prisma
sehen. Aber was er da über die Grenzen
der Diskussionsfreiheit bei uns vorbringt, halte ich für absoluten Quatsch.

Jeff Greenfield hat übrigens Chomsky nicht
nur gelesen, er war sogar zusammen mit ihm
im Fernsehen - nämlich in jungen Jahren
1969 als Hilfsfrager bei William F. Buckley,
als der in seiner »Firing Line« Chomsky
interviewte.
Zu Ghaddafi, den amerikanischen Bombenangriffen auf Libyen und das Medienecho
darauf vgl. auch:
• Culture of Terrorism; Pirates and Emperors;
Chronicles of Dissent Kap. 3
• Necessary Illusions Anh. 5.2
• Language and Politics Interview 33
• »International Terrorism«, Audioband
von Alternative Radio
Zu Khomeini, Iran und zum religiösen Fanatismus vgl. auch Language and Politics
S. 740-741
Zur Medienberichterstattung über die sowjetische Invasion in Afghanistan und die
amerikanische in Vietnam, vgl. Manufacturing Consent Kap. 5

GEORGETOWN UNIVERSITY,
WASHINGTON
Chomsky

Nehmen wir mal an, ich würde mich da
in »Nightline« hinstellen, man gibt mir,
sagen wir, zwei Minuten, und ich verkünde dann, daß Gaddhafi ein Terrorist
ist und Khomeini ein Mörder, daß die
Russen nach Afghanistan eingefallen
sind und so weiter und so fort - dafür
muß ich keine Beweise bringen, weil
jeder das abnickt.
Nun nehmen wir aber mal an, ich täte
etwas anderes, als die üblichen Predigten abzuspulen. Ich würde etwas
äußern, das auch nur im geringsten
unerwartet oder umstritten ist.
Beispielsweise ...

149

INTERVIEW MIT DER
SEATLLE TIMES,
SEATTLE, USA

»Die größten internationalen Terrorunternehmen, die
wir kennen, werden von Washington aus gesteuert.«
Das Handbuch der U. S. Army über die
Bekämpfung dieser Pest [des internationalen Terrorismus] versteht unter Terrorismus »den kalkulierten Einsatz von Gewalt,
oder eine Drohung damit, in Verfolgung
politischer, religiöser oder ideologischer
Ziele. Dies geschieht durch Einschüchterung, Zwang oder die Erzeugung von
Furcht« (...)
Zu den offiziellen Instrumenten der USA
zählt die LIC-Doktrin [Low Intensity Conflict] . Während sie in El Salvador trotz eines
furchtbaren Blutzolls fehlschlug, hat sie sich
in Nicaragua bewährt und konnte dort eine
unabhängige Entwicklung erfolgreich verhindern. Es muß festgehalten werden, daß
LIC (...) kaum mehr als ein Euphemismus
für internationalen Terrorismus ist; denn es
wird dabei Gewalt eingesetzt, aber unterhalb der Schwelle der Aggression, die als

Kriegsverbrechen unter das Urteil von
Nürnberg fallen würde. Unter den vielen
terroristischen Staaten auf der Erde nehmen die Vereinigten Staaten einen Sonderplatz ein, denn sie betreiben den internationalen Terrorismus offiziell, und das in
einem Ausmaß, das alle Konkurrenten vor
Scham versinken läßt (...)
Necessary Elusions S. 271-273
Es ist eine grundlegende Tatsache, daß die
USA ein neo-kolonialistisches System von
Satellitenstaaten fördern und protegieren,
die hauptsächlich durch Terror regiert werden und den Interessen einer kleinen inund ausländischen Wirtschafts- und Militärelite dienen. Gemäß ihrem wichtigsten
Glaubenssatz, der eigentlich ein ideologischer Vorwand ist, fühlen sich die USA
weltweit der Sache der Demokratie und der
Menschenrechte verpflichtet — gelegentliche Fehltritte vorbehalten.
Zumindest während der letzten 25 Jahre hat
der offizielle Terror weit mehr Tod und Folter mit sich gebracht als sein Gegenstück im
Untergrund. Mehr noch, die Waage des
Schreckens neigt sich anscheinend immer
stärker der Seite des Westens und seiner
Verbündeten zu, wobei die USA als Quelle
und Förderer das Tempo bestimmen. Die
radikalnationalistischen Aufstände im Gefolge des Zweiten Weltkriegs, der die alte
Kolonialwelt zertrümmerte, bildeten eine
Bedrohung für die überlieferte Hegemonie
des Westens und für seine Wirtschafts- und
Geschäftsinteressen. Um diese Gefahr einzudämmen, verbündeten sich die USA mit
den Eliten und Mililärkasten in der Dritten
Welt, die seitdem die Rolle eines Dammes
gegen die Flut des Wandels übernommen
haben. Diem und Thieu spielten seinerzeit
diese Rolle in Vietnam ebenso wie heute
noch unsere Verbündeten, für die Namen
wie Mobutu in Zaire, Pinochet in Chile oder
Suharto in Indonesien stehen. Ein neofaschistischer Nationaler Sicherheitsstaat und

150

andere autoritäre Regimes sind in der Dritten Welt zur Regel geworden, häufig genug
mit aktiver Unterstützung durch die USA.
Diese konterrevolutionären Regimes, die
nicht nur eifrige Antikommunisten sein,
sondern sich auch für ausländische Einflüsse offen halten müssen, empfangen westliche Waffen (meist aus den USA), mit denen
sie dann nach Herzenslust foltern und töten
können.
Nun sind die Errichtung und Unterstützung
solcher Militärjuntas mit ihren sadistischen
Quälereien und Blutbädern kaum mit Demokratie, Menschenrechten und anderen
vorgeblichen westlichen Weiten vereinbar.
Daher wird erheblicher Druck auf die Medien und die Intelligenz der USA und Westeuropas ausgeübt, an der Begründung der
staatlichen Politik mitzuwirken. Gelöst wird
dieses Problem vor allem durch Unterdrükkung der Fakten; man verschließt also die
Augen vor allen unappetitlichen Einzelheiten, als da sind: die verbreiteten Morde und
Folterungen, der Rassismus - auch in Israel -, die systematische Errichtung immer
neuer autoritärer Regimes und schließlich
die Rolle der USA als Schirmherr der Führungsschicht in diesem Weltreich faschistischer Satellitenstaaten.
The Political Economy of Human Rights Bd. 1
S.ix,8,ll
Zum internationalen Terrorismus vgl. auch
Edward S. Herman, The Real Terror Network:
Terrorism in Fact and Propaganda (South
End, Black Rose Books 1982)
Edward S. Herman, Gerry O'Sullivan, The
»Terrorism« Industry: Structure, Linkages, and
Role in Western Ideological Mobilization (Pantheon 1989)
Chomsky: Culture of Terrorism, Pirates and
Emperors, Chronicles of Dissent Kap. 3, Language and Politics Interviews 35,38, und »Terrorism Strikes Home: The Mideast, Fundamentalism, Terrorism, and U. S. Foreign
Policy«, in Z Magazine May 1993

MALASP'INA COLLEGE, NANAIMO

Überlegen Sie doch mal: Warum könnte
eine Regierung überhaupt einen verdeckten
Krieg führen wollen? Warum gibt es Operationen im Untergrund? Vor wem sollen sie
g e h e i m g e h a l t e n werden? (...) Vor d e n O p -

»...In den achtziger Jahren mußte
die amerikanische
Regierung im
Untergrund
operieren...«

fern offensichtlich nicht, die wissen sowieso
Bescheid. Zum Beispiel die Erkenntnisse
aus den Iran-Contra-Anhörungen - für keinen der Söldnerstaaten war das ein Geheimnis (...) Der Witz ist: Sie sollten nur vor der
amerikanischen Bevölkerung verborgen
bleiben - das ist alles. Eine Regierung sucht
regelmäßig dann Zuflucht zu verdeckten
Operationen, wenn sie von ihrem eigenen
Volk in den Untergrund getrieben wird.
Kann man seine Bevölkerung nicht mit Gewalt unter Kontrolle halten und auch nicht
genügend indoktrinieren, dann muß man
in den Untergrund gehen (...) Das amerikanische Volk ist eben immer noch zu wenig
angepaßt; aller Gehirnwäsche und Indoktrinierung zum Trotz wollen die weniger gebildeten, weniger elitären Schichten der Bevölkerung einfach nicht mitziehen.
Aus einem Interview mit David Barsamian,
abgedruckt in Language and Politics S. 735

151

um einer Widerstandsbewegung den Boden zu entziehen.was sie wirklich getan haben. 34 . Bereits 1962 flogen amerikanische Piloten . gegen Banditen. aber es war eine amerikanische Invasion Südvietnams. Und doch fand in Südvietnam ebenso eine amerikanische Invasion statt wie jetzt eine russische in Afghanistan.. ohne den Widerstand unter Kontrolle bringen zu können. um das Land zu besetzen und den Widerstand im Lande zu brechen.« Schauen wir mal auf die russische Invasion in Afghanistan . Schließlich verteidigt man Afghanistan gegen kapitalistische Anschläge.eine klare Sache. Man be- nötigt keine besonderen Vorkenntnisse. Aber kein Mensch hat darin eine amerikanische Invasion Südvietnams sehen wollen. ja selbst in einer linken Zeitung... darin liegt nichts Verborgenes. Dieses Regime hatte die im Genfer Friedensabkommen von 1954 geforderte politische Lösung blockiert und seitdem an die 80. Ich kenne die öffentliche Meinung in Rußland nicht besonders gut.. daß die Aktivitäten der Vereinigten Staaten in Vietnam eine Invasion darstellen. schwer Verständliches. daß die Sowjetunion in Afghanistan eingefallen ist. Oder ich sage. Schon die Formulierung ist ungewöhnlich (. hinter denen der CIA steht. Also: Es gab bereits Anfang der 60er Jahre eine Aggression der USA gegen Südvietnam. Das blieb damals völlig unbeachtet. wenn man ihm von einer russischen Invasion Afghanistans erzählen würde. die ihre Existenz überhaupt nur der Repression durch das von uns eingesetzte Satellitenregime verdankte. ganz zu schweigen davon. Andererseits würde derselbe Mann wohl unschwer verstehen.echte Militärflieger.mörderische Bombenangriffe auf vietnamesische Dörfer. aber ich kann mir gut vorstellen.. jeder x-beliebige Mann auf 152 der Straße wäre höchst überrascht. Man versteht es auch ohne Kenntnis der Geschichte Afghanistans. während des Krieges dieser Ausdruck gefallen ist. The Chomsky Reader S. IARAMIE ».RADIO KUWR.000 Menschen umgebracht. Und schauen wir nun auf die amerikanische Invasion in Südvietnam. nicht etwas Söldner .) Ich möchte bezweifeln. daß wir später ein Expeditionskorps hingeschickt haben. Man muß darüber nicht diskutieren. um zu begreifen. Das war eben so. Zweck dieser Angriffe war die Zerstörung der ländlichen Sozialstruktur in Südvietnam. und so weiter. daß die USA in Südvietnam einfallen . ob auch nur in einer einzigen großen Zeitung..

MIT

»Faule und korrupte politische
Führer - das sind
die besten.«

Meiner unmaßgeblichen Meinung nach war
Kennedy wahrscheinlich der gefährlichste
Präsident, den wir je hatten (Beifall). Er
hatte einen wirklich gefährlichen, macho-

haften, geradezu fanatischen Zug an sich.
Zur Zeit kommt ja gerade so einiges in den
Berichten über die kubanische Raketenkrise ans Tageslicht - wirklich sehr aufschlußreich. Es scheint sogar noch schlimmer zu sein, als man vorher angenommen
hatte. Denn daß er damals bereit war, die
Welt an den Rand der Zerstörung zu treiben, hatte verdammt viel damit zu tun, daß
er sein Macho-Image retten wollte. So etwas
ist echt gefährlich. ... Also faule und korrupte politische Führer, das sind die besten.
Gefährlich sind die, die nur auf Macht aus
sind. Wer bloß schlafen oder vor dem Fernseher sitzen will oder so, der ist unproblematisch. Und das läßt sich auch über die
Korruption sagen. Korruption in einer Regierung ist etwas ungemein Positives; man
sollte immer dafür sein. Solange sich diese
Leute nur bereichern oder im Bett amüsieren wollen oder dergleichen, sind sie nicht
an der Macht interessiert. Die Typen, die
hinter der Macht her sind, das sind die
Gefährlichsten. Und ich sage, Kennedy war
so einer. Außerdem kommt Korruption
rasch ans Licht. Und warum? Ganz einfach:
Wer korrupt ist, bestiehlt üblicherweise
andere, die viel Geld haben. Diese Figuren
blockieren sich also gegenseitig, und wenn
ihre Korruption aufgedeckt wird, schwächt
das wieder ihre Macht. So kann man sich
auch dagegen schützen. Genau so ist es übrigens mit diesen Evangelisationspredigern.
Wenn die auf Macht aus wären, hätten wir
wirklich ein Problem. Solange sie bloß vergoldete Cadillacs und Sex und so wollen, ist
alles in Butter.
Aus einem Vortrag »Necessary Illusions« im
MIT, 10.05.89

153

ST. MICHAEL'S COLLEGE, WINOOSKI,
VERMONT, USA

»Wenn es nach den
Nürnberger Gesetzen gegangen wäre,
dann hätte man
seitdem jeden USPräsidenten
gehenkt.«

Unter einer Verletzung der Nürnberger Gesetze verstehe ich ein Verbrechen von der
Art, für die man in Nürnberg Menschen

gehenkt hat. Nürnberg steht übrigens auch
für Tokio. Muß man sich also zunächst einmal in Erinnerung zurückrufen, wofür in
Nürnberg und Tokio Menschen gehenkt
wurden. Tut man dies, dann ist alles blitzschnell klar. So wurde zum Beispiel unter
den schlimmsten Fällen in Tokio der General Yamashita zum Tode durch den Strang
verurteilt. Begründung: Auf den Philippinen hatte es Kriegsverbrechen gegeben,
und die dafür verantwortlichen Truppenteile hatten formal unter seinem Oberbefehl gestanden (das war aber im Endstadium das Krieges, er hatte überhaupt keinen Kontakt mehr zu diesen Truppen, die
da auf den Philippinen umherzogen). Und
für diese Verbrechen wurde er gehenkt.
Also wenn man das allgemein anwenden
würde, bliebe niemand mehr übrig.
Aber blicken wir mal tiefer in die Prozesse
von Nürnberg und Tokio hinein. Nehmen
wir Tokio und Truman: Es gab da einen
angesehenen, unabhängigen asiatischen
Richter, einen Inder — übrigens der einzige
des ganzen Gerichtshofs, der sich im Völkerrecht auskannte. Dieser Mann distanzierte sich von dem Urteil, überhaupt von
dem ganzen Prozeß, und er verfaßte ein
wichtiges Minderheitsvotum - 700 Seiten
stark. Es findet sich in der juristischen
Bibliothek von Harvard - da habe ich es
jedenfalls her, vielleicht ist es auch noch
anderswo vorhanden - und es ist äußerst
lesenswert. Er geht die Gerichtsprotokolle
durch und beweist m. E. überzeugend, daß
der Prozeß eine Farce war. Am Ende zieht er
etwa folgendes Resume: Wenn es auf dem
pazifischen Kriegsschauplatz überhaupt ein

Verbrechen gab, das sich mit denen der in
Nürnberg gehenkten Nazis vergleichen
läßt, dann war das der Abwurf der beiden
Atombomben. Und den in Tokio Angeklagten könne nichts Derartiges vorgeworfen

154

werden. Ich denke, wenn man den Hintergrund betrachtet, ist das völlig plausibel.
Truman hat dann in Griechenland eine große Aufstandsbekämpfungsaktion gestartet,
mit dem Erfolg: 160.000 Tote, 60.000 Vertriebene, 60.000 Gefolterte, Kollaps des politischen Systems. Am Ende stand eine Regierung der Rechten, und dann kamen die
amerikanischen Konzerne und bemächtigten sich des Landes. Gemäß den Nürnberger Statuten ist das für mich ein Verbrechen.
Und dann, wie war das mit Eisenhower? Es
gibt Gründe dafür, den durch ihn eingeleiteten Sturz der Regierung von Guatemala
als Verbrechen einzustufen. Es gab eine
vom CIA unterstützte Armee, die dort einrückte, Bomben warf und schließlich diese
kapitalistische Demokratie untergrub, alles
begleitet von Drohungen aus den USA. Das
halte ich für ein Verbrechen. Oder der Einmarsch im Libanon 1958 - ich weiß nicht,
auch da ließe sich Ähnliches vorbringen,
denn viele Menschen fanden den Tod.
Oder der erfolgreiche Putsch gegen die
Regierung im Iran - dahinter stand allerdings der CIA. Jedenfalls gab es unter Eisenhower viele Fälle, aber Guatemala reicht
schon.
Kennedy ist leicht. Die Invasion Kubas war
eine direkte Aggression. Übrigens war sie
bereits unter Eisenhower geplant worden,
auf dessen Konto geht also noch, daß er in
eine Verschwörung zum Angriff auf ein
fremdes Land verwickelt war. Im Anschluß
an die Invasion startete Kennedy eine gewaltige terroristische Operation gegen Kuba,
die dort ernste Folgen hatte. Das ist kein
Witz. Bomben gegen Industrieanlagen und
Hotels, viele Tote, Fischerboote versenkt,
Sabotageakte. Später - unter Nixon - hat
man sogar Vieh vergiftet und dergleichen.
Es war eine dicke Sache. Und dann kam
Vietnam; er ist dort eingefallen. Er hat die
Air Force mit Bomben hingeschickt. OK.
Soviel zu Kennedy.

Johnson ist trivial. Die Dominikanische Republik können wir ruhig beiseite lassen allein der Krieg in Indochina war schon ein
schweres Kriegsverbrechen.
Nixon - dasselbe. Er ist in Kambodscha eingefallen. Die Bombardements Anfang der
70er Jahre unter Nixon und Kissinger unterschieden sich nicht sonderlich von den
Greueltaten der Roten Khmer - gut, es war
etwas weniger, aber nicht viel. Und das gilt
auch für Laos. Also bei diesen beiden
könnte ich leicht einen Fall nach dem anderen hernehmen.
Ford war ja nur kurz im Amt, da konnte er
nicht so viele Verbrechen verüben, aber ein
größeres ist ihm doch gelungen. Er unterstützte den indonesischen Einmarsch in
Osttimor. Dieser war eine Art Völkermord;
im Vergleich dazu mutet Saddam Husseins
Einfall in Kuweit wie ein Kaifeekränzchen
an. Und der entscheidende Rückhalt dafür
kam aus den USA, sowohl auf diplomatischer Ebene als auch in Form von Militärhilfe. Unter Carter ging das dann weiter.
Carter war unter den amerikanischen Präsidenten der, der am wenigsten zur Gewalt
neigte. Doch selbst er tat einige Dinge, die
wohl mit Sicherheit unter die Nürnberger
Statuten lallen würden. Denn genau zu der
Zeit, da das Wüten der Indonesier die Ausmaße eines Völkermords annahm, verstärkte Carter die Hilfe aus den USA. Ihr Maximum erreichte sie 1978, gleichzeitig mit
den Mordaktionen. Das reicht für Carter;
alles andere vergessen wir mal.
Reagan: Keine Frage - da genügt ja schon
Mittelamerika. Und dann die Unterstützung der israelischen Invasion im Libanon,
wo die Zerstörung und die Zahl der Opfer
abermals Saddam Hussein vergleichsweise
harmlos aussehen lassen. Das reicht.
Nun zu Bush. Gibt es da überhaupt noch
etwas zu sagen? Es gab in der Reagan-Zeit
ein Urteil des Internationalen Gerichtshofs
gegen Reagan und Bush wegen »unerlaubten Einsatzes von Gewalt«. Man könnte in

einigen Fällen unterschiedlicher Meinung
sein, aber wenn man sich an die Urteile von
Nürnberg und Tokio hält, dann hat man
einen ziemlich sicheren Stand. Meiner Meinung nach fallen alle amerikanischen Präsidenten in diese Kategorie.
Ich muß darauf hinweisen, daß die Grundsätze von Nürnberg auch kritisch gesehen
werden sollten. Als Vorbild will ich sie
bestimmt nicht hinstellen. Das fängt damit
an, daß sie ex post facto waren. Die Sieger haben bestimmt, was ein Verbrechen war, und
zwar nach dem Sieg. Das wirft schon die
eine oder andere Frage auf. Bei unseren
Präsidenten war nämlich nichts ex post facto.
Was heißt überhaupt »Kriegsverbrechen»?
Wie hat man diese Frage in Nürnberg und
Tokio beantwortet? Die Antwort ist ebenso
einfach wie unbequem. Es gab nämlich eine
Art operationelles Kriterium: Etwas galt als
Kriegsverbrechen, wenn der Gegner es begangen hatte und nicht beweisen konnte,
daß wir das Gleiche getan hatten. So galt das
Bombardement von städtischen Ballungsräumen nicht als Kriegsverbrechen, denn
das hatten wir stärker betrieben als die
Deutschen und die Japaner. Wir legen
Tokio in Schutt und Asche? So viel Schutt,
daß man nicht mal mehr eine Atombombe
draufwerfen kann, man würde ja keinen
Unterschied bemerken - nur darum hat
man nicht Tokio dafür genommen. Kein
Kriegsverbrechen - das waren ja wir. Wir
haben Dresden bombardiert, also war das
auch keines. Den deutschen Admiral Dönitz
(er befehligte wohl die U-Boote) stellte man
wegen des Versenkens von Handelsschiffen
oder ähnlicher Sachen vor Gericht. Als die
Verteidigung den US-Admiral Nimitz als
Zeugen aufbot, sagte der aus, die USA hätten praktisch dasselbe getan; damit war
Dönitz diese Anklage los. Man kann wirklich
alle Akten hernehmen - ein Kriegsverbrechen lag immer dann vor, wenn wir es ihnen
anlasten konnten, aber sie uns nicht. Da
stellen sich doch einige Fragen. Übrigens

155

wird dies interessanterweise von den Beteiligten offen zugegeben und sogar als moralisch vertretbar angesehen. Oberster Ankläger in Nürnberg war Telford Taylor, ein
ehrenwerter Mann. Er hat ein Buch geschrieben, Nuremberg and Vietnam, und er

geht darin auf die Frage ein, ob es in Vietnam Verbrechen gegeben habe, die unter
die Nürnberger Statuten fallen. Wie zu erwarten findet er keine, aber es ist interessant, wie er diese Grundsätze formuliert.
Er tut es genau so, wie ich gesagt habe; ich
könnte ihn direkt zitieren. Nur sieht er darin nichts Kritikwürdiges, sondern stellt einfach fest: Jawohl, so haben wir das damals
gemacht, und das war auch gut so.
Im Yale Law Journal gibt es einen Artikel darüber; wer sich dafür interessiert, findet ihn
auch in einem Buch abgedruckt [gemeint
ist Chomskys ausgezeichnete Untersuchung
über Vietnam und Kriegsverbrechen »Review Symposium: War Crimes, the Rule of
Force in International Affairs«, The Yale Law
Journal Bd. 80 Nr. 7 Juni 1971].
Ich meine, zu den Prozessen von Nürnberg
und Tokio - besonders zu letzterem - sollten eine Menge Fragen gestellt werden. Der
Prozeß von Tokio war in vieler Hinsicht eine
Farce. Für das, was die dort Verurteilten
begangen hatten, hätte man auch eine
Menge Leute auf der anderen Seite verurteilen können. Darüber hinaus hat man in
den USA - genau wie bei Saddam Hussein von vielen besonders schlimmen Verbrechen kaum Notiz genommen. Denn die
übelsten Bluttaten der Japaner ereigneten
sich in den dreißiger Jahren in China, aber
das hat in den USA nicht sonderlich interessiert. Daß Japan aber daran ging, den chinesischen Markt abzuschotten - das hat uns
interessiert. Das fanden wir nicht so gut,
weniger das Abschlachten von ein paar
Hunderttausend Menschen in Nanking.
Das ist ja nichts Besonderes.
Aus einem Vortrag am St. Michael's College,
Winooski, Vermont, USA

ROWE CONFERENCE CENTER

»Unter all unseren klassischen
Büchern steht wohl
die Bibel am meisten für Völkermord.«

Es ist doch ganz natürlich, daß die Geschichte voranschreitet: Zuerst ist die Skla-

verei legitim, später nicht mehr. Es wäre
überraschend, wenn diese Entwicklungsrichtung für längere Zeit umgekehrt würde.
Zu allen Zeiten war es doch so, daß die
Dinge, die man in einer bestimmten Periode als vernünftig und moralisch akzeptierte, später nur noch Verachtung und Entsetzen hervorriefen. Das trifft auch auf
unsere eigenen Überlieferungen zu. Unter
all unseren klassischen Büchern steht wohl
die Bibel am meisten für Völkermord; lesen
Sie nur mal darin. Damals war es Gott, der
seinem auserwählten Volk den Auftrag gab,
die Amalakiter mit Mann, Frau und Kind
auszurotten. Heutzutage würden die Menschen sich weder auf so etwas einlassen
noch es ihrem Gott zuschreiben wollen.
Hierin zeigt sich doch ein gewisser moralischer Fortschritt.
Aus einem Interview mit Richard Beckwith
und Matthew Rispoli, abgedruckt in Language and Politics S. 468

156

Was ich da beschrieb. Student Aber der Gedanke .dann liegen die entsprechenden Zahlen viel niedriger. worauf es ankommt. daß die Durchschnittsbevölkerung bei wichtigen Angelegenheiten dümmer oder uninformierter wäre als die gebildeten Eliten. wie sich auch in der Umfrage des National Geographie gezeigt hat: Es ist erschütternd.etwa 70 Prozent -. Mil der Bildung in den USA steht es ja so. Beispielsweise würden Sie auf die Frage »Auf welchem Breitengrad liegt die Hauptstadt von Honduras?« die richtige Antwort bestimmt mit größerer Wahrscheinlichkeit im Harvard Faculty Club erhalten.. daß die Masse dumm und unwissend ist. was los ist. gut. Bei uns werden ja dauernd Umfragen veranstaltet. eher trifft das Gegenteil zu . geriet unsere Bevölkerung während des Vietnamkriegs außer Kontrolle. Sie haben aus meinen Zitaten über die dumme und unwissende Masse nicht etwa den Schluß gezogen. wovon Sie gesprochen haben. sondern grundfalsch und unmoralisch gewesen. ich glaubte selbst daran. dann müssen wir die Frage so stellen: »Welches ist die richtige Haltung?« .wenigstens bei vielen wichtigen Fragen. denn diese Menschen wissen. verfügen. die dem Jesuitenzentrum Spenden für die Hurrikanopfer geschickt haben. die Geld für die Hurrikanopfer im Jesuitenzentrum spenden. Student Aber beziehen Sie sich da nicht schon wieder auf ein ganz spezifisches Bevölkerungssegment? Auf Collegestudenten und Friedensaktivisten? Chomsky Nein. Wenn Sie aber andererseits etwas über die Welt wissen wollen. dann würden Sie sicherlich die besseren Antworten von denen bekommen. ich meine schon die Bevölkerung der USA. war die Einstellung der Eliten.UNIVERSITY OF WYOMING.ich selbst bin ja anderer Meinung daß dieses Bild von der ignoranten Masse so zählebig ist? Chomsky »Das Ausbildungssystem beruht auf verordneter Unwissenheit. Meine Zahlen betreffen die Gesamtbevölkerung. Vielleicht kennen sie die geographische Breite von Tegucigalpa nicht. Sie haben verstanden. oder nicht einmal diesen Namen. Die wollen ja gerade. Davon wiederum verstehen 157 die Leute im Harvard Faculty Club so gut wie nichts. Und bei den wortgewandten Intellektuellen fällt sie praktisch auf Null. Aber sie haben verstanden. Als die Opposition gegen den Krieg ihren Höhepunkt erreichte. Chomsky Also gut. OK. Wie ich bereits erwähnte. Nun gibt es aber nicht einen einzigen Beweis dafür.. Ist es da nicht verständlich . Ich glaube. nein.also ich selbst bin ja anderer Meinung . als wenn Sie diese Frage den Leuten stellen würden. Befragt man aber die Meinungsführer oder was man so nennt . Wenn man nach dem Vietnamkrieg fragt und mehrere Antworten möglich sind. weil sie viel zu sehr indoktriniert sind. dieser Krieg sei nicht nur ein Fehler. wie es in Mittelamerika zugeht. Hierfür hat es einen sehr guten Beweis gegeben. wir wissen also ganz. was die Leute denken. Damit bezeugt doch die unwissende Masse ein tieferes Verständnis der Realität als die gebildete Elite. hielten sie ihn allerhöchstens für einen Fehler. LARAMIE Student Ich möchte mal eine Frage zur Wahrnehmung und Dauer dessen stellen. dann sagt seit 1969/70 bis jetzt die überwältigende Mehrheit der Befragten . wie viele Amerikaner nullt einmal über Grundkenntnisse in Geographie usw.« Ich hoffe doch.

Sie möchten wissen. dann muß er auch einen Grund. und genau darin liegt der geniale Kern dieser systematischen Beschränkung.. Ich denke sogar. aber ich persönlich stimme in dieser Sache nun mal mit der überwältigenden Mehrheit der Amerikaner überein. gibt es ein gänzlich anderes Ergebnis. Andererseits steht eben 158 denjenigen. die dem Indoktrinationssystem weniger ausgeliefert sind. nicht aber diejenigen. Aus einer Fragestunde im Anschluß an einen Vortrag »Necessary Illusions« in der University of Wyoming in Laramie Im Grunde ist die Weltpolitik heute nicht moralischer als in den Zeiten von Dschingis Khan. was man will: Mißt man die Bildung daran. eine Sache wirklich zu verstehen. wie gut jemand spezielle Testfragen beantwortet. weil es nicht ihrer Interessenlage entsprechen würde. die Physikverständnis besitzen und eine Vorstellung davon haben.tunlichst eine Menge Beweise. Deshalb finde ich in vielen Dingen bei denjenigen. sondern grundfalsch und unmoralisch. die amerikanische Invasion Südvietnams für einen Fehler zu halten. die Leute von »Nightline« und ähnlichen Shows wären bessere Propagandisten. Denn dort würden sie sich in der Tat so anhören. eine freiere Weltsicht offen. erhält man ein Ergebnis.. Man hat es nur mit anderen Faktoren zu tun . Wenn er das sagt.« Man kann da verschiedener Meinung sein. Wenn diese Personen eine Detailinformation benötigen. wie viele Fakten sie kennen. da kann man einfach keine Beweise liefern. es ist ein System der Indoktrination. als kämen sie vom Neptun. wer etwas von der Physik versteht. sobald man sie aber am Weltverständnis mißt. der drei Länder verwüstet und einige Millionen Tote hinterlassen hat. das den Menschen die Fähigkeit austreibt. Ich fände es schon nicht schlecht..) wo Tegucigalpa liegt. den man beim nächsten Mal besser vermeiden sollte? Oder sollten wir von einem Angriff auf ein anderes Land. dann erwischen Sie die Bürokraten. Nehmen wir an. Das Ausbildungssystem beruht auf verordneter Unwissenheit. dann deshalb.. Damit will ich mich natürlich nicht für Bildungsmängel aussprechen. muß Beweise dafür haben . einen erheblich schärferen Blick. wenn die Leute wüßten (. Ist es richtig. WASHINGTON Chomsky Die Leute möchten doch gern wissen. wie sie funktioniert. Die Naturwissenschaftler unter Ihnen kennen das aus ihren Grenzgebieten. Wenn die Eliten das anders sehen. Man kann doch nehmen. In der Frage des Weltverständnisses ist es auch nicht viel anders. nicht eher sagen: »Das war nicht nur ein Fehler.VERLAG »SERPENT'S TAIL« Chomsky Im Grunde ist die Weltpolitik heute nicht moralischer als in den Zeiten von Dschingis Khan. was man meint. Noam Chomsky. dann schlagen sie in einem Handbuch nach. Würden Sie alle Wissenschaftler mit der Frage testen. Wenn er schon sowas Aufregendes vorträgt. wenn sie Dissidenten häufiger in ihre Programme hineinließen. . die weniger Zugang zu dieser Indoktrination hatten. Warum sagt er das jetzt? Sowas habe ich ja noch nie gehört. David Ransom (TV-Reporter des australischen Senders ABC) Vielen Dank. GEORGETOWN UNIVERSITY. das wäre durchaus hilfreich. Wo man sich aber so kurz fassen muß.

500 Gäste auf. daß Sie hier waren.. Robert MacNeil . das bedeutet für uns: Qualität in der Information/Qualität in der Kommunikation. Chomsky Wir haben das Angebot zurückgewiesen. Vielen Dank. PBS. daß ich Sie unterbreche. 159 .. aber wir müssen leider hier aufhören. hier abbrechen.. Die richtige Wahl -AT&T. denn . Noam Chomsky wurde dabei genau 1 mal interviewt. Chomsky Im Verlauf von sechzehn Jahren traten im MacNeil/Lehrer-Nachrichtenmagazin über 10. uns an. Unsere Zeit ist zu Ende. Robert MacNeil (nicht im Bild) OK. Chomsky Und auch hier liegt ein Angebot auf dem Tisch. leider muß ich ....eine gute Verbindung. aber ich meine. das wir abgelehnt haben: Im April boten die Irakis .. USA (1990) (Chomsky insgesamt 11 Minuten 52 Sekunden im Bild) Jim Lehrer Und jetzt unser Gespräch über die Nahostkrise . Professor Chomsky. sofern Israel gleichzeitig dasselbe macht.heute mit dem Schriftsteller und politischen Aktivisten. . WERBESPOT DES AT&T-KONZERNS Sprecher Seit 1983 sponsert AT&T die »MacNeil/Lehrer NewsHour«. ihre Bestände an chemischen und anderen nicht-konventionellen Waffen zu beseitigen. Robert MacNeil Verzeihung.AUS »MACNEIL/LEHRER NEWSHOUR«.. man sollte darauf zurückkommen. Professor Noam Chomsky.

aber was ist mit dem .ich erkläre es ganz. David Ransom Also. Mark. Diese Aufnahme können wir für Ihre Vorstellung nehmen. daß man sieht.wir machen das. Alles klar? OK. David Ransom Also bei dieser Aufnahme geht es nur darum. Chomsky Einverstanden. vielen Dank für Ihre Geduld. Alles andere machen wir dann anschließend. Das machen wir nur. Und wenn Sie selbst gar nichts sagen. ich brauche Sie nur einen Moment für eine kurze Szene mit uns beiden. wie ich zu Ihnen spreche und Sie mir zuhören. Reporter für ABC Australia.. Ich frage Sie was.. da wo wir sagen. dann kann ich das Ding auch noch . Chomsky (zu Mark Achbar) Weißt du. weil ich eine Einstellung brauche.. also wir machen diese Aufnahme deshalb. Chomsky Ich kenne das schon . daß ich Ihnen eine Frage stelle. ich will lieber nach oben gehen.. Auf geht's! 160 . das geht am leichtesten . wie ich Ihnen eine Frage stelle. David Ransom (zum Kameramann) Gut. wo Sie dasitzen und mir zuhören. weil .... die den Zuschauern üblicherweise verborgen bleiben. hier hängt soviel Zeug herum . hatte dankenswerterweise Chomsky um eine Analyse gebeten und war dann auch noch so offenherzig. aber Sie antworten nichts.. uns einige Details der Techniken des TV-Journalismus ausplaudern zu lassen. man sieht nur. machen keine Mundbewegung... David Ransom. wer Sie sind und warum Sie einen Platz in meiner Sendung haben. weil . ja? Ach ja. Sie sagen kein Wort und überlassen alles mir.VERLAG »SERPENT'S TAIL« David Ransom OK.

und zweitens .. und ich habe es auch schon tausendmal geschrieben: In den 161 . Peter Worthington (Ottawa Sun) Aber sollten Sie nicht gerade da eher einen vergleichenden . aber gesagt habe ich es bestimmt sehr oft.ich sagte es ja schon . AUS »IDEAS«. Peter Worthington . wenn doch die Meinungsvielfalt hier geringer ist und man viele Meinungen nur schlecht vertreten kann? Chomsky Also erstens ist es mein Land.»AMERICAN FOCUS«. Chomsky Das tue ich doch.. CBC RADIO Chomsky In den USA unterliegt der Staat den vergleichsweise stärksten Beschränkungen. Chomsky Naja. Peter Worthington Bei Ihnen wirkt das aber anders. Ich sage doch dauernd. als einen absoluten Maßstab anlegen? Chomsky Natürlich.ist es in vieler Hinsicht das freieste Land der Welt. Will sagen.. vielleicht kommt es nicht so rüber. es gibt wahrscheinlich nirgends so viele Chancen zur Veränderung wie gerade hier.. auch heute abend. WASHINGTON Elizabeth Sikorovsky Warum leben Sie eigentlich in den USA.

(Wall Street Journal.wir stellen böse Sachen in der Welt an. Offiziell nannte man diese Kampagne »ein wichtiges Projekt. Stimmt doch. die .: Clintons Vision (Trotzdem Verlag 1994) S. besaß auch Griechenland eine freie Gesellschaft. dt. Irland. 357 Anm. der Bevölkerung der USA die wirtschaftlichen >Tatsachen des Lebens< beizubringen. wollten sie doch erreichen. um in der Allgemeinheit grassierende Abweichungen auszutilgen . schloß man doch in diesen Ländern eine Art »Gesellschaftsvertrag« ab und setzte so unsittliche Ideen wie medizinische Versorgung.10. Democracy. Und doch war es bösartig in seiner imperialistischen Politik.also auf ihren »Amerikanismus« . wie gut die USA in der Welt dastehen .dann müßte hier doch der allgemeine Wohlstand. Hier hat der amerikanische Kapitalismus in einen Skandal geführt. In den USA selbst brach sich die Reformwelle an der intensiven Gegenpropaganda der Handelskammer und des Werberats.« Wie das führende Wirtschaftsmagazin Fortune berichtete. noch hinter Ostdeutschland. den Demokratisierungsimpuls aus der Zeit der großen Depression zu stoppen und die ideologische Hegemonie des »freien Unter- 162 nehmertums« wiederherzustellen. Mit athenischen Maßstäben gemessen. »Viele Arbeitgeber erblickten darin einen >Kampf um die Herzen< mit den Gewerkschaften« . 8 In früheren Jahren hatte es gewaltige Propagandafeldzüge gegeben. Arbeiterrechte und andere Abweichungen von dem rechten Wege durch.Vereinigten Staaten gibt es sehr viel Freiheit . In der Säuglingssterblichkeit liegen die USA unter zwanzig Industriestaaten auf Platz 20.erbittert und weitgehend erfolgreich bekämpft. Tut es aber nicht. 26 . als eine Welle von Sozialreformen über die Erde ging. Das Ergebnis war unübersehbar: Die USA schlössen sich auf dem Feld der sozialen Fragen und der menschlichen Grundrechte aus der Gemeinschaft der übrigen Industrieländer aus.nicht nur im eigenen Land . »zielten diese Kampagnen häufig gleichzeitig« auf den Kommunismus. Und . Foreign Policy: Enlargement.oder was sie darunter verstanden -zu »verkaufen«. Aber .vor allem kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. den Sozialismus sowie auf bestimmte politische Parteien und Gewerkschaften. um eine Größenordnung über dem Rest der Welt liegen. S.wiederum gegen eine weitverbreitete Opposition . Aber dieser Reichtum beleuchtet doch auch einen Skandal.testeten.ein ziemlich ungleicher Kampf.so reich an Mitteln und so arm an Feinden . Spanien etc. 19. das Gesundheitsniveau usw. die unter Einsatz von 100 Millionen Dollar eine Kampagne über alle Medien laufen ließen. Diese wurden von den USA .nur eine äußerst schwache Korrelation. die es aufziehen und verwalten werden. einzig in Europa und Japan verfehlten die Attacken auf die Demokratie und die Arbeiterbewegungen zum Teil ihr Ziel. Dies geschah in einem »atemberaubenden« Umfang (so der damalige FortuneRedakteur Daniel Bell) und war nichts anderes als der Versuch der Unternehmer. and Free Markets« in Z Magazine Dezember 1993. oder? Hier muß ja kein Widerspruch liegen. aber auch hier sind es die USA allein. in deren Verlauf sie die ihnen ausgelieferten Mitarbeiter/-innen in »Wirtschaftlichen Fortbildungskursen« versammelten und auf ihre Loyalität gegenüber dem System des »freien Unternehmertums« . »daß unsere Leute richtig denken«.ein rückständiges (nämlich nicht auf Steuern gegründetes) System durchdrücken. um dem amerikanischen Volk das Amerikanische Wirtschaftssystem .wenn überhaupt .und auch sehr viel Reichtum. Einzig die Krankenversicherung hat man jetzt wieder aufgegriffen. »The Clinton Vision .The Rationale and Rhetoric of U. nachdem die Wirtschaft das überbürokratisierte und ineffiziente private System als eine allzu drückende Belastung zu empfinden begonnen hatte.88) Necessary Illusions S. den wir als Türhüter und Muster bewachen. Wenn man mal bedenkt. In der Kindersterblichkeit nehmen wir unter den 20 Industrieländern den letzten Platz ein. das auf Kosten der Allgemeinheit geht und vor allem den Interessen einiger mächtiger Versicherungsgesellschaften dient. Zwischen der inneren Freiheit einer Gesellschaft und ihrem Verhalten nach außen besteht . bedenkt man die verfügbaren Mittel. setzten die Großunternehmen »umfangreiche Indoktrinationsprogramme für ihre Angestellten« in Gang. Nach einer Umfrage der American Management Association waren für viele Wirtschaftsführer »Wirtschaftserziehung« und »Propaganda« zu Synonymen geworden. einschließlich der damals wie heute gratis einspringenden privatwirtschaftlich organisierten Medien. Wie das AMA ebenfalls berichtete.wir sind eine freie Gesellschaft.

. liegt doch darin. daß die kommunistischen Imperialisten durch Terrorismus und . daß der stalinisti- 163 .. Herman und Noam Chomsky haben Manufacturing Consent Alex Carey gewidmet..sondern sie haben anscheinend auch Sie um Ihre rationale Beobachtungsgabe gebracht... University of New South Wales 1986). Chomsky Das stimmt etwa zu fünf Prozent und . Buckley Das Drama der Nachkriegszeit ist doch . Frenkel (Hrsg.. Jedenfalls stimmt es . Chomsky Also es trifft zwar zu. Buckley . S.. 275-288 »The Home Front«. 113-135 Chomsky Darf ich mal was sagen? Buckley Sicher.AUS »FIRING LINE« (1969) William F. na ja. und durch Unterdrückung der Freiheit zu diesem Blutvergießen beitragen.). man muß richtig anfangen. vielleicht zu zehn Prozent. Union Strategy and Industrial Change (New South Wales University Press 1978).. Zur Situation in den USA vgl. Year 501: The Conquest Continues.: »The Third World at Home«. Buckley Sie beginnen Ihre Argumentationskette an einem für Sie günstigen Zeitpunkt der Geschichte .. Chomsky Drum sage ich immer. Und nicht nur das . On Power and Ideology.was schon traurig genug ist . Deterring Democracy. ausschnittsweise in City Lights Review Nr.... 69-88 »The Domestic Scene«.. S. leicht verändert in: S.. 3 (San Francisco 1989) Edward S. Chomsky Klar. Managing Public Opinion: The Corporate Offensive (MS. Buckley Was sollen diese Zahlen? Chomsky Darf ich mal ausreden? Buckley Aber gewiß doch. S. Man muß richtig anfangen . Als eingehendere Behandlung empfiehlt Chomsky hierzu: Alex Carey.

Bd. Chomsky Erklären Sie mir doch mal den Unterschied. das ist doch ein Kalter-Kriegs-Mythos. der im Verlauf der Sendung mehrmals unterbrochen worden war. der vielleicht vor 10 Jahren vertretbar war. Buckley machte dann seinen Punkt.fragen Sie jemanden aus Südvietnam oder aus Thailand oder aus .. Nach dem Ende der Unterbrechung ging er auf Chomskys Argumentation nicht mehr ein. The Political Economy of Human Rights. Chomsky Wo liegt denn der Unterschied? Buckley . was Sie da gerade vorgeführt haben. Turning the Tide und On Power and Ideology Zur Dominikanischen Republik vgl... und sie immer noch beherrscht . was die Sowjets in Prag gemacht haben . 233-235 Zu Thailand vgl. daß ein Unterschied besteht zwischen unserer Aktion in Guatemala und dem.: The Political Economy of Human Rights. dann haben wir wohl wirklich ein Problem.aber in anderen großen Regionen haben wir genau dasselbe gemacht. 1 S. sondern schaltete um. Wissen Sie. 242-250 Year 501: The Conquest Continues. "Cold War: Fact and Fancy«. S.. Also wenn Sie nicht mal erkennen.. (Glocke) Buckley Tut mir leid.sche Imperialismus sich Teile der Erde brutal unterworfen hat.. Bd.. darum bat. wie sein Daumen genau in dem Moment über dem Knopf schwebt. S. Es gibt im Kalten Krieg eine Wechselwirkung. Buckley Zum Kalten Krieg vgl. inzwischen aber dem Stand der Forschung völlig widerspricht. Deterring Democracy. Chomsky Und fragen Sie doch mal einen Guatemalteken oder einen Dominikaner — einen Bürger der Dominikanischen Republik . 218-229 . Buckley Dann fragen Sie doch mal einen Tschechen . ließ aber Chomsky nicht mehr zu Ende kommen. Kap. Im Film ist zu erkennen. als Chomsky. Deterring Democracy. mit dem er offensichtlich das Zeichen zum Umschalten auf Werbung oder Pause geben konnte.. 7-8 In der linken Hand hielt Buckley einen Knopf. 9-68 Zu Guatemala vgl.. 164 »The Fruits of Victory: The Caribbean«. vor allem in Osteuropa. diese . endlich seinen Satz zu Ende führen zu dürfen.. 1 S.

Ich will damit nicht sagen. so lange behalten die Medien ihre heutige Struktur und vertreten dieselben Interessen wie heute.B. wenn anhaltender und wachsender Druck ausgeübt wird. wenn Organisationen die Sache in Gang halten. läßt sich schon .. aber damit können die Mächtigen leben. die dann weiter unten ausgeführt werden.also eine Verlagerung der Macht . Fortsetzung (nicht im Film gezeigt) Schließlich bilden Großbetriebe und Konzerne auf dem Gebiet der Wirtschaft das Gegenstück zu dem. Es geht nicht spurlos unter. daß man es nicht versuchen sollte. Solange man aber eine solche Revolution . Natürlich. aber die wahren Machtverhältnisse tastet man dadurch nicht an. Anders ist es. wenn jemand viel Macht repräsentiert. denn das wäre der Umsturz der Gesellschaftsordnung. Nanaimo.das wäre etwa so. daß die Medien demokratischer werden und besser reagieren? Viel Spielraum gibt es da nicht . Man kann immer versuchen. Da gibt es wirklich nur eines: sie abschaffen. 98 165 . um es beim nächsten Mal besser zu machen: Damit können sie nicht leben.. also wenn z. die Grenzen des Systems zu verschieben. als wollte man die Konzerne demokratisieren. Wenn man mal in einer Demonstration mitläuft und dann wieder nach Hause geht. Kanada Chomsky Wie läßt sich erreichen. Ihre Entscheidungsstruktur ist top-down aufgebaut: Jemand gibt Befehle. was in der Politik Faschismus genannt wird. dann Schnitt zum Coast Bastion Inn. dann kann das schon mal eine gewisse Wirkung haben.ERIN MILLS TOWN CENTRE Zunächst weißes Bild.nicht ernsthaft will. jemand von der Kirche in einer Aktionärsversammlung lautstark gegen Investitionen in Südafrika polemisiert. dann ist das zwar auch etwas. What Uncle Sam Really Wants S. wenn die Menschen Lehren aus ihren Erfahrungen ziehen.

braucht man nichts weiter als ein oder zwei Menschen. Auch die einzelnen Massenmedien sind komplex und nicht ohne innere Widersprüche. Das ist wichtig. der vorher schon mal aufkam. die sich als anständige Journalisten verstehen. Chomsky Genau. Einerseits sollen sie indoktrinieren und entmündigen. NANAIMO Junger Mann Um eine gute Presse zu haben. andererseits besitzen sie ein Berufsethos. und das führt uns auf einen Punkt zurück. Die Welt ist nun mal kompliziert und nicht monolithisch.BÜRGERINITIATIVE. 166 .

Gut. Sie arbeitet für ein ganzes Sammelsurium kleinerer Abnehmer überall im Land. Aber ich habe die ganze Zeit darauf gewartet. es ist sehr gut. daß wir keine Pressekonferenzen abgehalten hätten. Es gibt dort gewiß ein hohes berufliches Niveau im engeren Sinn -will sagen.. Ronald Reagan Nicht. Sarah McCIendon Ich möchte Sie . wie sie ist. Aus einem Interview mit Joop van Tijn. es wird nicht gelogen. schreibt Zeitungsartikel und Rundfunkkommentare. Neben der Arbeit für ihre Nachrichtenagentur liefert sie Beiträge für Esquire. Sie hat auch im Weiblichen Armeekorps gedient und im Beratungsausschuß für Frauen in den Streitkräften mitgearbeitet.SARAH MCCLENDON NEWS SERVICE. Humanist TV. Darf ich Sie vielleicht auf ein ernstes Problem ansprechen? Sprecher McClendons unverwechselbare und häufig schockierende Fragen zielen vor allem darauf ab. kann sie ihre Zielperson gewöhnlich festnageln. Unter den zahlreichen Auszeichnungen. 1978 erschien ihr Buch My Eight Presidents.und Ihren neuen Mann da . Wenn ich also bei einem Ereignis irgendwo auf der Welt die Wahl hätte zwischen einem erfahrenen amerikanischen Reporter und einem Reporter aus einem der anderen. daß Sie das allgemeine Interesse auf diese Frage lenken. was passiert ist (immer im engen technischen Sinn). Diplomat und andere Zeitschriften. Richard Nixon Nun. vielen Dank auch. Penthouse. mir vertrauten Länder. 10. (der Rest geht im allgemeinen Gelächter unter) Sprecher Kenntnisreich und hartnäckig. Mr. dann würde ich wohl im großen und ganzen dem Bericht des Amerikaners den Vorzug geben. finden sich der Women of Conscience Award des Nationalen Frauenrats (1983) und der erste Presidents Award for Journalism in Washington der Nationalen Journalistinnen-Vereinigung (1990). daß Sarah wieder auftaucht.fragen. Niederlande. denn ihre Professionalität ist beachtlich. Falsch liegen sie eben in der Auswahl der Themen. wenigstens im engeren technischen Sinn. aber übers Ganze gesehen wollen unsere Reporter doch herausfinden. Ich habe eigentlich eine hohe Meinung von den US-Medien.06. Informationen herauszukitzeln. einige tun auch das. WASHINGTON Sprecher Sie ist ihre eigene Chefin. seitdem hat sie über drei weitere berichtet. in ihren stillschweigenden Annahmen. ihre Fragen auf die großen Tiere ab.. wie sie auch genannt wird. den Untertönen usw. 1946 gründete sie in Washington den Sarah McCIendon News Service. Sarah McCIendon Heutzutage hat so mancher junge Mann hierzulande jede Illusion über die Regierung verloren. wie seiner Meinung nach die Öffentlichkeit. Seit nahezu 40 Jahren schießt diese Texanerin mit der Lederlunge. die ihr verliehen wurden.President. in den Hervorhebungen. . 167 Die Journalistin und Autorin Sarah Newcomb McClendon wurde 1910 geboren. die in die Berichterstattung einfließen.89 Sarah McCIendon Sehr freundlich.

von wo der Druck kommt. Ich habe viele Freunde bei der Presse. wie krank es ist. WASHINGTON Sarah McCIendon Versetzen Sie sich mal in die Lage eines Journalisten. obgleich diese sämtlich eingeladen worden waren. Diese Pressekonferenz war von FAIR eigens für die in Washington tätigen Medien organisiert worden. darunter nicht ein einziger Vertreter der großen US-Zeitungen. Man muß wissen. was täten Sie . Sarah McCIendon Ich weiß. Gute Journalisten können das. welche Wege offen und welche versperrt sind. Es erschienen etwa 40 Menschen. Chomsky Also zunächst mal muß man das System durchschaut haben.. Aber Sie. 168 . wem man verpflichtet ist.IM NATIONAL PRESS CLUB. und sehen dieses schwächliche Weiße Haus und diesen schwächlichen Kongreß. Was Sie da .. Was würden Sie da als Reporter tun? Chomsky Also viele Journalisten leisten in meinen Augen ganz hervorragende Arbeit. die sind gut oder versuchen es wenigsten... Sie möchten ehrlich sein. die sind spitzenmäßig. und Sie grämen sich zu Tode über Ihr Land. um einmal gegenüber dem Medienkritiker Noam Chomsky »den Spieß umzudrehen«. und Sie sehen.

eine Repräsentantin der Macht.« Chronicles of Dissent S. in das Hauptquartier der Demokratischen Partei einzudringen. S. 213 169 Zu Watergate vgl. jetzt geht einige Monate lang alles etwas offener zu. Zeitgleich mit den Anhörungen zu Watergate wurde im Zuge diverser Gerichtsverfahren und durch Berufung auf das »Freedom of Information Act« [Gesetz. Wo liegt der Unterschied? Einfach darin: Die Demokratische Partei ist. das den von Aktivitäten der Regierung incl. sondern die politische Polizei der Nation. Die Anhörungen haben also das Grundprinzip vorgeführt. daß das FBI bereits seit 12 oder 13Jahren regelmäßig Einbrüche in Büros der Socialist Workers Party . sie um ihre Arbeitsplätze bringen usw. 175-177 . Watergate hat der Demokratischen Partei nicht geschadet.bis zum nächsten Mal. die bis heute im dunkeln liegen. daneben gab es noch einige Begleitaffären. Soweit das eigentliche Vergehen. Kam dazu etwas bei den Watergate-Anhörungen zur Sprache? Nicht ein Wort. 6 »Watergate: Small Potatoes«. der Geheimdienste Betroffenen ein Recht auf Akteneinsicht gibt] ent- hüllt. Im Falle von Watergate bestand das Verbre- chen darin. Dies war eine viel ernstere Sache.einer legalen politischen Partei .verübt hatte. die geradewegs aus der »Police Academy« hätte kommen können. schließlich war hier nicht ein Grüppchen kleiner Gauner am Werk gewesen. die Parteiaktivitäten zu stören und vor allem die Mitgliederlisten zu entwenden. 136-137 Mehr zur Iran-Contra-Affäre auf S. da ging vielen guten Reportern auf: Hoppla. eine Truppe. über die man vorher nicht mal zu sprechen gewagt hätte. jetzt könnte man doch Berichte über Sachen durchdrücken. Aber dann wird alles wieder dicht gemacht .im Gegensatz zur Socialist Workers Party .: Manufacturing Consent Kap. ROCHESTER Chomsky Zum Beispiel unmittelbar nach den Anhörungen über die Iran-ContraAffäre.AMERICAN CIVIL LIBERTIES UNION. daß die Republikanische Partei aus Gründen. sondern verschiedene Regierungen hielten systematisch daran fest. beauftragt hatte. Mann Nach Watergate auch. Ziel war es. Chomsky Nach Watergate genauso. Und nicht irgendein übereifriger Kampfhahn hatte es betrieben. Radical Priorities. hier aber wurde eine legale politische Partei in die größten Schwierigkeiten gebracht. das da lautet: »Die Mächtigen wissen sich zu schützen. mit diesen konnte man dann die Neueingetretenen einschüchtern.

glaubt man bald selbst an das.einbilden. und sehr bald glaubt man selbst daran. gewisse Dinge zu sagen.in einem gewissen Sinne sogar zu Recht . man besäße Handlungsfreiheit.»AMERICAN FOCUS«. Weil es nützlich ist. Täuschung und Verzerrung bereits verinnerlicht und ist ein williges Mitglied der privilegierten Elite geworden. and Politics S. aber etwas anderes sagen. Man paßt sich ein wenig an und spürt. ob unten oder oben. Das ist überall so. der Herrin über die Gedanken und die Indoktrinierung. Man fühlt sich genötigt. dann kann man sich . Language. die meisten Menschen verinnerlichen die Werte. was man sagt. schon weil es gar nicht anders geht. Das ist ganz einfach und funktioniert fast immer: Hat man seine Werte erst einmal verinnerlicht. Es dürfte kaum einen Menschen geben. der diese sogenannte »kognitive Dissonanz« aushalten kann: an etwas glauben. Aus einem Interview mit David Barsamian. 653-654 170 . In diesem Augenblick hat man das System aus Indoktrinierung. WASHINGTON Chomsky Ich glaube. daß darin ein Privileg liegt.

gebe ich weiter . um wie der Präsident einen Blick auf die vielen Karten und Diagramme dort zu werfen.sofern nicht wirklich zwingende Gründe dagegen sprechen. Außerdem gehören die Inhaber der Spitzenpositionen sowie diejenigen. solange sie sich dem ideologischen Druck nicht beugen. Was ich erfahre. Frank? Frank Sesno (CNN-Reporter) Es gibt keine Selbstzensur. Aber das ist unmöglich. wo unser kampferprobter Korrespondent Frank Sesno uns wohl etwas über Selbstzensur erzählen kann. 8 171 . unrealistisch und wahrscheinlich auch gar nicht wünschenswert. etwas zu sagen. derselben privilegierten Eliteschicht an. die als Kommentatoren zu Ansehen kommen. Journalisten. die neu in diese Welt einsteigen. deren Einstellungen. daß sie die entsprechenden Wertvorstellungen verinnerlichen.90) Sprecher Also auf zum Weißen Haus.01.BILDSCHIRM IN EINER TV-WERKSTATT WÄHREND DES GOLFKRIEGS (18. werden kaum erfolgreich sein. Ich behaupte ja nicht. oder? Wie sieht das aus mit der offiziellen Zensur. was gewöhnlich dadurch geschieht. Es fällt schwer. wie sich darin ihre eigenen Klasseninteressen widerspiegeln. Blickwinkel und Ziele sie vermutlich ebenso teilen. und wer sich nicht anpaßt. Dieses Trägheitsnavigationssystem bleibt doch immer eingeschaltet. an das man nicht glaubt. Die Eigentumskonzentration bei den Medien ist sehr hoch und nimmt immer noch zu. Necessary Illusions S. daß ich nicht auch mal gern im Oval Office wäre. wird alsbald vermittels der bekannten Mechanismen ausgesiebt.

AUS »JOOP VAN TIJN IN GESPRECK
MET«, HUMANIST TV, NIEDERLANDE
Joop van Tijn (Journalist)

Hallo.
Chomsky

Hi, wie geht's?
Joop van Tijn

Bestens. Wenn Sie dort bitte Platz nehmen würden. Willkommen in Holland.
Zunächst werde ich Sie mal kurz vorstellen.
(in die Kamera, auf Niederländisch)

Professor Chomsky, Noam Chomsky,
ist 60 Jahre alt und so ziemlich der
umstrittenste Intellektuelle in den USA.
Das ist zwar eigentlich eine Binsenwahrheit, aber genau so wird er immer
bezeichnet.

172

MELDUNG ÜBER EINE BÜCHERVERBRENNUNG
Nachrichtensendung von City TV (Toronto,
Kanada) vom 25.09.87
Thalia Assuras (Reporterin)

Man hat Chomsky den Einstein der
modernen Linguistik genannt. Für die
New York Times ist er »vielleicht der
bedeutendste Intellektuelle der Gegenwart.« Und doch hat sein Auftreten hier
zu Protesten geführt.
Bui Son (Vereinigung Freier Vietnamesen in
Kanada)
Dieses Buch vergiftet die Welt, es steckt
voller Lügen, und wir Vietnamesen wollen es hier verbrennen.
Alle Demonstranten
Vietnam! Vietnam!
Khanh Lekim (Vietnamesisches Menschenrechtskomitee)
Er sagt, in Vietnam würden keine Menschenrechte verletzt und in Kambodscha keine Verbrechen begangen. Er
hat unrecht.
Bui Son

Aufgrund seiner beruflichen Stellung ...
unter Hinweis darauf vergiftet Chomsky
die Welt - und dagegen protestieren
wir.

Vollständiger Text
Thalia Assuras
Mit Empörung haben Mitglieder der vietnamesischen und kambodschanischen Gemeinde auf einen Vortrag reagiert, den ein
weltberühmter Gelehrter an der Universität
Toronto gehalten hat. Der Vortrag lief in
der Reihe des Toronto Star, und die 1700
Plätze in der Convocation Hall waren heute
nachmittag ausverkauft. Redner war der
Buchautor Noam Chomsky. Man hat Chomsky den Einstein der modernen Linguistik
genannt. Für die New York Times ist er »vielleicht der bedeutendste Intellektuelle der
Gegenwart.« Und doch hat sein Auftreten
hier zu Protesten geführt.
Bui Son
Dieses Buch vergiftet die Welt, es steckt voller Lügen, und wir Vietnamesen wollen es
hier verbrennen.
Alle Demonstranten
Vietnam! Vietnam!
Thalia Assuras
Das Buch, um das es geht, hat er zusammen
mit Edward S. Herman geschrieben. Es
heißt After the Cataclysm: Imperial Ideology and
Post-War Reconstruction in Indochina [Der Titel wird hier verdreht, er lautet richtig: After
the Cataclysm: Postwar Indochina and the Reconstruction of Imperial Ideology (The Political Economy of Human Rights Bd. 2) ]
Khanh Lekim
Er behauptet, niemand sei in irgendein Lager gekommen. Wir haben solche Gefangene hier unter uns. Er behauptet, wenn Leute aus Vietnam flüchten, dann nicht wegen
des Kommunismus, sondern aus anderen
Gründen. Er sagt, in Vietnam würden keine
Menschenrechte verletzt und in Kambodscha keine Verbrechen begangen. Er hat
unrecht.

173

Bui Son
Aufgrund seiner beruflichen Stellung ...
unter Hinweis darauf vergiftet Chomsky die
Welt - und dagegen protestieren wir.
Thalia Assuras
Nach Chomskys Aussage verfolgt das Buch
unter anderem das Ziel, das wahre Ausmaß
der in Kambodscha und anderen Ländern
verübten Greueltaten zu ermitteln. Auch
vergleicht es die veröffentlichten Zahlen
mit anderen Quellen.

»THIRD EAR«
Chomsky
Bei Kambodscha bestand die allgemein
übliche Darstellung in den Medien darin,
daß Pol Pot zugegeben - sich sogar gerühmt
- hätte, zwei Millionen Menschen in einer
einzigen Genozidaktion umgebracht zu haben. Nach den damaligen Erkenntnissen
des US-Geheimdienstes betrug die Zahl der
Toten aber nur einige Zehn- oder allenfalls
Hunderttausende, und sie waren auch keinem Genozid zum Opfer gefallen, sondern
extrem schlechten Lebensbedingungen, Erschöpfung und so weiter. Unsere Aussage ist
dann, daß das nach unserer Meinung die zuverlässigste Schätzung sein dürfte,
(zu Kambodscha siehe auch ab S. 92)

Zu anderen Lügen und Verleumdungen,
denen Chomsky ausgesetzt war, vgl. : »The
Chorus and Cassandra: What Everyone
Knows About Noam Chomsky« von Christopher Hitchens in Grand Street Herbst 1985

AUS »THIRD EAR«
Chomsky

Ich habe nichts dagegen, wenn ich
angegriffen werde. Was mich stört, sind
die Lügen. Intellektuelle können wirklich wunderbar lügen - sie sind geradezu Profis auf diesem Gebiet. Verleumdung ist nämlich ein phantastischer
Trick, weil man nicht darauf reagieren
kann. Was soll ich denn sagen, wenn
mich jemand einen Antisemiten nennt?
Daß ich keiner bin? Oder man schimpft
Sie einen Rassisten oder einen Nazi
oder sonstwas - Sie ziehen immer den
Kürzeren. Sie können auf solche
Angriffe einfach nichts entgegnen, und
deshalb gewinnt immer der, der den
Schmutz geworfen hat.

... deshalb gewinnt immer der,
der den Schmutz geworfen hat.

174

GRONINGEN

Frits Bolkestein (niederländischer
Verteidigungsminister)
Professor Chomsky scheint für alle
Menschen, an denen er etwas auszusetzen hat, nur zwei Schubladen
bereitzuhalten: Entweder sie lügen oder
sie sind dumm. Jetzt passen Sie mal auf:
Ich nehme den Fall Robert Faurisson
her. Wie war das doch gleich?

Wer kennt nicht Noam Chomsky vom MIT entweder als Linguist oder wegen seiner linken politischen Aktivitäten. Aber nur in

Frankreich ist bekannt, daß er auch enge
Verbindungen zur aktuellen Neonazi-Szene
unterhält, ja gewissermaßen der oberste
Schutzpatron dieser Bewegung ist. Es geht
ihm wie einem Bigamisten: Wie dieser seine
beiden Familien voreinander verbergen
muß, so muß auch Chomsky darauf sehen,
daß seine liberalen und linken Leser und
Zuhörer nichts über seine Neigung zu den
Neonazis erfahren.
Chomsky macht geltend, seine Kontakte mit
den Neonazis bezögen sich ausschließlich
darauf, für deren Redefreiheit einzutreten.
Er stünde auch nicht hinter dem wichtigsten Glaubensartikel der Neonazis, demzufolge der Holocaust nie stattgefunden habe.
Allerdings haben ihn derartige Dementis
nicht von seiner wiederholten und langandauernden Zusammenarbeit mit der Neonazi-Bewegung abgehalten. Und was besonders den französischen Neonazis geholfen
hat: Er wirbt für ihre Gruppen mit seinem
wissenschaftlichen Ruf.
Werner Cohn, The Hidden Alliances of Noam
Chomsky (40-seitige Kampfschrift der »Americans for a Safe Israel« 1988)

Wer jemals in seine eigene FBI-Akte Einblick genommen hat, der weiß, daß die meisten Geheimdienste völlig unfähig sind.

Deshalb geht ja bei denen auch so viel
schief. Es klappt einfach nicht, und dafür
gibt es viele Gründe. Zum Teil hängt es damit zusammen, wie sie mit den Informationen umgehen. Die Weitergabe geschieht
üblicherweise durch ideologische Fanatiker, die alles auf ihre eigene abseitige Weise
mißverstehen. Schaut man beispielsweise in
die eigene Akte, wo man ja die Fakten
kennt, dann stellt man fest: Ja, die Angaben
stehen in einer losen Beziehung zu den Tatsachen; man kann rekonstruieren, wovon

175

die Rede ist. Doch bis das Material erst mal
seinen Weg durch den ideologischen Fanalismus der Geheimdienste gemacht hat,
sind die merkwürdigsten Verzerrungen eingetreten.
Aus »Noam Chomsky: Questions and Answers with Community Activists, University
Common Ministry, Laramie, Wyoming«
10.02.89

HUMANIST TV, NIEDERLANDE
Joop van Tijn

Einzelheiten ersparen wir uns, weil ...
Chomsky

Die sind aber wichtig.
Joop van Tijn

Ich möchte nur eine Frage zum Fall
Faurisson stellen.
Chomsky

Also kommt es nun auf die Fakten an
oder nicht?
Joop van Tijn

Natürlich, ja.
Chomsky

So, dann möchte ich Ihnen bitte die
Fakten vorlegen.
Joop van Tijn
Hm.

BATTERSEA ARTS CENTRE,
LONDON
Zorniger Mann

Jawohl - Faurisson hat gesagt, daß der
Massenmord an den Juden im Holocaust eine Geschichtslüge ist ...
Frau aus dem Publikum

Könnten wir bitte die nächste Frage
hören?
Zorniger Mann

Nein.
Chomsky

Doch, doch, das ist schon wichtig,
das hat auch viel mit unserem Thema
zu tun.
Frau aus dem Publikum

Verschwinden Sie!

176

RADIO KUOW, SEATTLE
Ross Reynolds

Sie sind ja sehr umstritten. Aber den
schärfsten Widerspruch haben sie doch
wohl geerntet, als Sie diesen französischen Intellektuellen verteidigten,
der behauptet hatte, es habe im Zweiten
Weltkrieg überhaupt keine Nazi-Todeslager gegeben, und der deswegen
seinen Job an der Uni verlor.

CAFE IN PARIS
Robert Faurisson

Ich heiße Robert Faurisson. Ich bin
60 Jahre alt und Professor an der Universität von Lyon. Dort hinter mir sehen
Sie das Pariser Gerichtsgebäude, das
Palais de Justice. Dort wurde ich zu

Beginn der achtziger Jahre viele Male
verurteilt; verklagt hatten mich neun
- zumeist jüdische - Vereinigungen.
Ich wurde beschuldigt, Haß zu schüren,
d. h. Rassenhaß, sowie Rassendiskriminierung und Geschichtsfälschung
betrieben zu haben.

Die seit 30 Jahren andauernden Forschungen revisionistischer Autoren haben ergeben:
1. Hitlers »Gaskammern« hat es nie gegeben.
2. Der »Völkermord« (auch »versuchter
Völkermord«) an den Juden hat nie
stattgefunden. In anderen Worten:
Hitler hat weder den Befehl noch die
Erlaubnis gegeben, jemanden wegen
seiner Rasse oder Religion zu töten.
3. Die sogenannten »Gaskammern« und
der sogenannte »Völkermord« sind eine
einzige Lüge.
4. Diese hauptsächlich von den Zionisten
in die Welt gesetzte Lüge hat einen riesigen politischen und finanziellen Betrug
möglich gemacht, dessen Hauptnutznießer der Staat Israel ist.
5. Die Opfer dieses Betruges sind in der
Hauptsache das deutsche Volk (nicht
die Regierung) sowie das gesamte palästinensische Volk.
6. Durch die gewaltige Macht der offiziellen Informationsmedien konnte bislang
der Erfolg dieser Lüge gesichert und die
Redefreiheit derjenigen, die ihr widersprechen, beschnitten werden.
7. Die Nutznießer dieses Betruges wissen,
daß dessen Tage gezählt sind. So verfäl-

177

sehen sie Ziel und Art der revisionistischen Forschung. Das durchdachte und
gerechtfertigte Bemühen um die historische Wahrheit wird bei ihnen mit den
Etiketten »Wiederaufflammen des Nazismus« und »Geschichtsfälschung« belegt.
Robert Faurisson, »The >Problem of the
Gas Chambers« (o. D.)

GRONINGEN
Frits Bolkestein

Damals unterschrieb Professor Chomsky
zusammen mit anderen Intellektuellen
eine Petition; in der heißt es, Faurisson
sei ein angesehener Literaturprofessor,
der nichts weiter getan habe, als seine
Forschungsergebnisse zu publizieren.

Der Begriff »Ergebnisse« an sich ist völlig
neutral. Es liegt kein Widerspruch in einer
Aussage wie der folgenden: »Die Forschungsergebnisse, die er publizierte, wurden als wertlos/irrelevant/gefälscht erachtet...«
»His Right to Say It« von Noam Chomsky in
The Nation 28.02.81 S. 231.
Weitere Auszüge aus diesem Artikel auf
S. 188-190

AM PANTHEON, PARIS
Mark Achbar

Vielleicht fangen wir einfach mal mit
der Faurisson-Sache an. Welche Rolle
spielten Sie dabei?
Pierre Guillaume (Faurissons Verleger)

Es gab über 500 Unterschriften, wohl
eher 600. Zumeist von — äh - universitaires ...
Serge Thion (Indochina-Experte)

Hochschullehrer.
Pierre Guillaume

... Hochschullehrern.
Mark Achbar

Und die anderen vierhundertneunundneunzig? Wieso redet man immer nur
über Chomskys Unterschrift?
Serge Thion

Na ja, wohl weil Chomsky für sich allein
schon so etwas wie eine politische Macht
darstellt.
HUMANIST TV, NIEDERLANDE
Chomsky

Ich unterschrieb eine Petition an das
Gericht, es solle Faurissons Bürgerrechte respektieren. Die französische
Presse - der anscheinend die Redefreiheit nichts bedeutet - zog daraus
den Schluß, nur weil ich mich für seine
Bürgerrechte einsetzte, verträte ich
auch seine Theorien.

Pierre Guillaume gibt die Zeitschrift Annales
d'Histoire Revisionniste heraus, zu der er
auch Beiträge liefert. Er verlegt Faurissons
Werke in Frankreich.
Über Serge Thion sagt Chomsky, er sei »ein
libertär-sozialistischer Wissenschaftler und
für seine Opposition gegenüber dem Totalitarismus in jeglicher Form bekannt«.
Gemeinsam mit Guillaume veröffentlichte
er zahlreiche Artikel über »Die FaurissonAffäre«. In jüngster Zeit bestreitet er, Initiator der Petition gewesen zu sein, und benennt stattdessen den amerikanischen Revisionisten Mark Weber vom Institute for Historical Review in Kalifornien.

Im Pantheon liegt Voltaire begraben.

178

daß »verräterische oder respektlose Äußerungen« gegen die Autorität des Nationalstaats oder der Einzelstaaten kriminell seien. der »Verrat in Gedanken. gleich ob real oder nur gedacht«. lautet: Darf der Staat den Inhalt von Mitteilungen verbieten . sondern galt im Gegenteil als noch verbrecherischer als eine falsche Anschuldigung. wenn sich die verbalen Angriffe »gegen Ihre Majestät persönlich. die nur deswegen niemandem auffällt. die in der Moderne abgehandelt werden. dort herrscht eine besonders breite Kluft zwischen der selbstgefälligen Rhetorik und einer verbreiteten repressiven Praxis. solange sie Gesetze gegen Staatsverleumdung duldet. der Staat könne allein durch das gesprochene Wort kriminell angegriffen werden . Eine der zentralen Fragen. das gesetzliche Verbot der Gotteslästerung gelte nur innerhalb der christlichen Kirche. weil dies nach einem Gesetz von 1275 zum Schutz des Königs strafbar ist. Jahrhundert bestand Konsens darüber.« Der Grad an Freiheit. Ein krasser Fall ist Frankreich. ehe sie sich zu ihrem eigenen Schutz entschlossen. sie mag noch so viele gute Eigenschaften aufweisen. führender Streiter für die Freiheit in Amerika..) Denn dies würde jegliches Regiment verstören«. So wird man etwa in Kanada immer noch für die Verbreitung »falscher Nachrichten« eingesperrt. das Land leistet sich ja sogar zu seiner Schande ein Gesetz gegen Gotteslästerung. und es dauerte bis 1964. Im England des spaten 17.. Auch in den nordamerikanischen Kolonien hielt man am Grundsatz der Staatsverleumdung fest. hat in meinen Augen in der Welt nicht seinesgleichen. war unbegrenzt . Stalin. politisch Verdächtige ließ er internieren. In den Jahren der Revolution herrschte notorische Intoleranz.) Eine restriktive oder zumindest vorsichtige Haltung zu dieser Frage findet sich selbst bei denen. in welchen Killen? (. »ihren Unmut zu äußern.« Gleich beim Ausbruch der Revolution forderte der Kontinental-Kongreß die Einzelstaaten auf. Paine sowie die beiden Adams überzeugt davon. Ein Wahrheitsbeweis war keine Entschuldigung. gewaltsam zu unterdrücken (Leonard Levy). sobald sie ihrerseits an die Macht gekommen waren. Somit hat das Gericht zwar konzediert. ist jener gewissenlose Mensch.und falls ja. schloß sich der Auffassung an.j e n e Position eingenommen. daß die angestammten Autoritäten sich nur halten konnten. nicht aber für den Islam. Als Salman Rushdie wegen Staatsverleumdung und Gotteslästerung angeklagt wurde. die Autoritäten besonders stark in Verruf zu bringen.Der Kampf für die Freiheit der Rede ist von entscheidender Bedeutung. und Staatsverleumdung liege auch nur vor. kastriert. Thomas Jefferson. Jahrhunderts wurden Menschen für dieses Vergehen verstümmelt. bildet diese doch das Herzstück eines ganzen Systems von Freiheiten und Rechten. Leonard Levy schreibt: »Während der Revolution waren Jefferson. wovor die Gesellschaft geschützt werden muß. entschied der Oberste Gerichtshof. solange alle umstürzlerischen Diskussionen unterblieben. freiheitlichere Gedanken zu entwickeln . im übrigen aber ein Prinzip bestätigt. Die Freiheit. Auch Großbritannien zieht der Redefreiheit enge Grenzen. Im gesamten 18. die man als die führenden Libertären kennt. Noch rückständiger ist man in Europa. ihre Pläne zu entwickeln und überhaupt Opposition in jeglicher Form zu betreiben. diese zu preisen. durch Gesetze zu verhindern. Keine Gesellschaft. Falsche oder lächerlich wirkende Angriffe stellen kein Problem dar. In einem Urteil von 1969 schließlich garantierte der Gerichtshof die völlige Redefreiheit mit der einzigen Ausnahme der »Aufforderung zu sofortigem gesetzlosen Handeln«. So hatte 179 das Gericht endlich . geköpft und gevierteilt. daß die Menschen »getäuscht und zu einer irrigen Meinung verleitet« würden. Er war sich mit den übrigen Gründervätern darin einig. auch sei »jegliche Beeinträchtigung des guten Rufs der Regierung. daß in der Frage der Unabhängigkeit ernsthafte politische Meinungsunterschiede nicht toleriert werden konnten und daß die einzige akzeptable Haltung die vollständige Hingabe an die patriotische Sache war. Strafe habe auch der verdient. der in dieser Entscheidung des Obersten Gerichtshofs formuliert wird. Im übrigen verfährt man in unserer freisinnigeren Gegenwart mit Abweichlern ganz ähnlich. eine freie Regierung müsse es »Unzufriedenen« gestatten. Die Jeffersons mußten um 1800 erst selbst Zielscheibe solcher repressiven Maßnahmen werden..sie zu kritisieren. aus der heraus Jeremy Bentham 1776 gefordert hatte. gleich Null. Ein kritischer Punkt ist die Staatsverleumdimg. gegen die Regierung Ihrer Majestät oder gegen eine andere staatliche Institution« richteten.was sie freilich nicht an einer Kehrtwendung hinderte. bevor die Exekutive sich das Recht zur Einmischung nehmen darf. nicht im Tun« begangen habe. schrieb ein Verleger.mit den Worten des Rechtshistorikers Harry Kalven »das Markenzeichen aller geschlossenen Gesellschaften der Welt«. also der Gedanke. war er doch geeignet.zweihundert Jahre nach der Revolution . Noch bis zum Ersten Weltkrieg stand die Redefreiheit in den USA auf sehr schwachen Füßen. welchem ansonsten Khomeini. »Der gemeine Bürger kann nicht Richter seiner Oberherrn sein (. ausgenommen aktive Rebellion. Goebbels und ande- . weil jeder sich an sie gewöhnt hat. daß das Gesetz in England ausschließlich die heimischen Autoritäten vor Kritik schützt. Besonders springen hier die Reaktionen der sogenannten »Konservativen« in der RushdieAffäre ins Auge. ist frei. Washington. bis der Oberste Gerichtshof den Straftatbestand der Staatsverleumdung abschaffte. der mit seiner Kritik unbequeme Wahrheiten öffentlich macht..

GRONINGEN Frits Bolkestein Und dann schrieb Faurisson ein Buch. nachdem auf einer Versammlung bewaffneter Kapuzenmänner um ein Flammenkreuz Rufe ertönt waren. die Staatsautorität zu untergraben. »Ein Pergament schützt GRONINGEN Frits Bolkestein Zu diesem Buch hat Professor Chomsky ein Vorwort geschrieben. schreibt James Madison. sondern daß es hierzu langer und intensiver Anstrengungen des Volkes bedurfte. vor allem durch die Arbeiterbewegung sowie die Bürgerrechts. daß es nicht etwa der Erste Verfassungszusatz ist.« Wir sollten auch bedenken. und ich bin ein Mensch. wo es um besonders abscheuliche oder inakzeptable Äußerungen ging. Er nennt darin Faurisson »einen ziemlich unpolitischen Liberalen«. Schließlich sollte man sich noch in Erinnerung rufen. Mark Achbar Sind Sie Nazi? Robert Faurisson Ich bin kein Nazi. ein Jude ist ein Mensch. IN EINEM AUTO IN PARIS Robert Faurisson Wir bestreiten die Tatsache eines Ausrottungsplans und der Ausrottung . der als irischer Minister für Post und Fernmeldewesen durch eine Abänderung des Rundfunkgesetzes es der Anstalt ermöglicht hat. IN EINEM AUTO IN PARIS Robert Faurisson Ein Kommunist ist ein Mensch. man gewinnt und sichert sie nur durch Kampf. Hier würde wohl auch Conor Cruise O'Brien Unterstützung erfahren. in dem er den Beweis zu führen suchte. dem wir in den USA die Redefreiheit verdanken. 398-401 . Mark Achbar Wo würden Sie sich politisch einordnen? Robert Faurisson Bei gar nichts. die Gaskammern der Nazis habe es nie gegeben. Bloße Worte können keine Rechte garantieren. re Feinde der Freiheit huldigten.und Antikriegsbewegung der sechziger Jahre. daß Fortschritte für das Recht auf freie Rede häufig gerade dort erkämpft wurden.« Deterring Democracy S. So stellte das Urteil des Obersten Gerichtshofs von 1969 den Ku Klux Klan von Verfolgung frei. »die Nigger zu begraben« und »die Juden nach Israel zurückzuschicken. sofern diese nach Ansicht des Ministers »geeignet ist.speziell in Gaskammern oder Gaswagen. 180 nicht vor Tyrannei«. eine Ausstrahlung zu verweigern. ein Nazi ist ein Mensch.

Chomsky Jawohl! Zorniger Mann ... LONDON Zorniger Mann Sie haben doch dieses Vorwort geschrieben.BATTERSEA ARTS CENTRE.« Man versteht nicht. Wie jedoch der Fall Faurisson gezeigt hat. die sich in dieser Sache auf Chomsky berufen. a. Ähnlich attackiert.. Zorniger Mann (brüllt) Sie sind doch Linguist .07.. O. Und Sie wissen das auch ganz genau. Auch Faurisson wurde nicht etwa durch seine Ergebnisse »aufgewertet«. wo Faurisson .. 181 Der »zornige Mann« hielt ein Exemplar von The Hidden Alliances of Noam Chomsky in der Hand. Siehe S.. und da . and the Process of Derogation«.. »Pol Pot.. den niemand ernst nehmen kann. Es hieß dann aber in den akademischen Kreisen. der auch zu denen gehört. und noch seine abseitigsten Ideen wurden selbst von den schärfsten Widersachern nicht zu einer cause célèbre gemacht. dann bedeuten Ihre Worte auch etwas! Chomsky Stimmt. Ergebnisse oder Schlußfolgerungen Gewicht erhalten. dann stellt das ein Urteil dar. Wenn es daher Menschen geben sollte. dann ist das eine Folge davon. Wie Chomsky ebenfalls vermerkt hat.. völlig ignoriert und blieb daher ohne Wirkung in der Öffentlichkeit. würde auch Butz diesen Nutzen ernten. dessen Ansichten durch seine Worte. Faurissons Ansichten zu teilen oder ihn gar aktiv zu unterstützen.. dem ein Bürgerrecht verweigert wurde . die den Holocaust als >Schwindel< bezeichnen. also bitte . Vidal Naquet . Arthur Butz.) Aber ganz im Gegenteil . denn ich habe nie ein Vorwort geschrieben. daß er »gestellt« wurde.. 175 . wie Serenyi so argumentieren konnte. Chomsky Nein. und zwar eine positive Beurteilung dieser Ansichten! Chomsky Chomsky hat unablässig bestritten. in Noam Chomsky: Critical Assessments (a.. Das ist nicht mein Vorwort.81: »Im April schlug ich vor. Zorniger Mann Ja. Faurisson kam ja eben dadurch. ja ... Zorniger Mann Und wenn Sie jemanden als unpolitischen Liberalen bezeichnen. zu seiner großen Publizität. die in ein Buch übernommen winde. Und wenn ich schreibe. .auch das eine Folge der offenen Auseinandersetzung. nur um in Wirklichkeit Chomsky aufs Korn nehmen zu können. zu stellen. Niemand stellte seine Bürgerrechte in Frage. aufwerten«. sondern als jemand. Herman. Chomsky Er spielt auf eine Äußerung von mir über Bürgerrechte an. Edward S. daß man ihn durch bewußt falsche Darstellung seines Standpunkts als Anhänger Faurissons erscheinen ließ und dadurch auch Faurisson selbst mehr Kredit verschafft hat. Dozent an der Northwestern University... In einem Beitrag unter dem Titel »The Judgment of History« schreibt Gitta Serenyi im New Statesman vom 17. wenn Sie also schreiben. ist ein solches Urteil fragwürdig.. wurde beispielsweise der Holocaust-Leugner Arthur Butz. Faurisson.. man würde dadurch nur einen Propagandisten.

Auf der Umschlagseite von Faurissons Buch Mémoire en Defense . die Faurisson vor Gericht vorbrachte. Warnung. daß es hier um die Redefreiheit geht.. Notiz). PARIS Serge Thion Pierre hat also ein Buch herausgebracht mit all den Argumenten. oder ob ich mich dem anschließe. NIEDERLANDE Chomsky Kann ich mit den Fakten fortfahren? Joop van Tijn Gewiß.. es wäre doch eine gute Idee. die betitelt war »Einige grundsätzliche Bemerkungen zur Redefreiheit«. Der Mensch.« AM PANTHEON.Der Titel des Buches lautet Mémoire en Defense contre ceux qui m'accusent de falsifier l'Histoire (Plädoyer zur Verteidigung gegen jene. Rat. ob ich dafür eintrete. was Sie wollen. Ich habe ihm dann gesagt: »Machen Sie damit. Ich habe mich also hingesetzt und eine ziemlich triviale Erklärung verfaßt. als ein Vorwort. was er da vorbringt. bat mich um ein Statement zur Redefreiheit. Chomsky Also dieses sogenannte Vorwort. Dabei sollte es auch darum gehen. Im Text heißt es dann »Vorwort«.. na ja. die . OK.. wird Chomskys Beitrag als avis bezeichnet (Meinung. der diese Petition organisiert hatte. stundenlang können Sie das. die mich der Geschichtsfälschung bezichtigen) HUMANIST TV. Und wir dachten dann. diesen Text von Noam Chomsky als eine Art Warnung zu verwenden. Urteil. daß jemand seine Meinung frei äußern kann. Es gibt doch aber wohl einige Fakten. um die Gedankenfreiheit und auch um die Freiheit der Forschung. 182 . daß es einen Unterschied macht.

oder bei Wissenschaftlern. der in diesen anderen Fällen zu registrieren ist . die in Sachen arabisch-israelischer Konflikt jegliche Gedanken. daß man so vorgehen sollte. und dies auf dem Höhepunkt des Vietnamkriegs .. nicht nur was einem einen taktischen Vorteil einbringt. und darin heißt es: So. und überhaupt genießt er nicht einmal einen winzigen Bruchteil des Rückhalts. Chomsky Ist es nicht. S.. Wenn nun meine Äußerungen über die Redefreiheit in das Buch übernommen würden . das Ganze zu verstehen. 308-323 Ist es nicht.und Redefreiheit bekämpfen. Radical Priorities S. Sehen Sie.HUMANIST TV.ich weiß es nicht.. NIEDERLANDE Joop van Tijn Warum haben Sie in letzter Sekunde versucht. was man für richtig hält. Language and Politics. 16 Die französische Intelligenzschicht ist schlichtweg unfähig zu verstehen..bei denen im übrigen meine Verteidigung der Grundsätze. 264 Vgl. Gut. den immer noch bestehenden Rassismus erneut anzuheizen. Leute wie Alan Dershowitz. ich schrieb einen Brief. wie die Dinge sich entwickelt haben. hätte ich es [den Rückziehversuch] vielleicht doch nicht machen sollen. die auch weiterhin die meinen sind. Chomsky Im nachhinein gesehen. worum es geht. Was habe ich denn damals . Joop van Tijn Aber das ist doch das einzig Wichtige. Sie hielten es für falsch . es zurückzuziehen? Joop van Tijn Damit haben Sie doch sagen wollen. hätten dadurch weniger Ansatzpunkte gehabt . die Schwarze für genetisch minderwertig halten.. aber ich finde nicht. Man mag ja von Faurisson halten. ist die französische Intelligenzschicht schlichtweg unfähig. 183 . die ich für wirkliche Kriegsverbrecher halte. Chomsky Stimmt nicht. es . Chronicles of Dissent S. der wurde bekannt. Man soll das tun.. Chomsky Also das ist das einzige. Es hat schon viel umstrittenere Fälle gegeben. Das ist ... was ich dabei bedauere. was man will. aber niemand wirft ihm schwere Kriegsverbrechen vor noch bezeichnet er die Juden als genetisch minderwertig. Taktische Gründe mögen also vielleicht dafür gesprochen haben. mit dem Versuch.. Beispielsweise bei Personen. und dies in einem Land.. Joop van Tijn Aber damit haben Sie doch . nicht die mindeste Kritik hervorrief. auch »The Treachery of the Intelligentsia: A French Travesty«. in denen ich für diesen Grundsatz eingetreten bin. Chomsky Sie meinen.von dem Buch hatte ich nichts gewußt dann würde alles nur noch schlimmer. es zurückzuziehen. Joop van Tijn Ist es doch. wo die Schwarzen nur wenig Gutes erlebt haben und wo derartige Lehren geeignet sind.

SEATTLE Chomsky Meiner Meinung nach hat der Staat kein Recht. Student Bestreiten Sie nun.bei Ansichten. darüber zu bestimmen. dann ist das eine Redefreiheit für Meinungen. daß es jemals Gaskammern gegeben hat? Chomsky Natürlich nicht. Denn das sollte es auf jeden Fall. Wenn Sie also für Redefreiheit eintreten. Im Rückblick finde ich nun allerdings. und dann alle zu bestrafen.. und jeder trifft seine Wahl. Was ich sagen will. die Sie widerlich finden. die davon abweichen. Goebbels war auch für die Redefreiheit . Zur Redefreiheit kann man nur zwei Haltungen einnehmen. 184 . und alle zu bestrafen. sehe ich diese Sache nicht nur als trivial an. sondern als geradezu winzig.Um Klarheit zu schaffen. Dieses Recht werde ich dem Staat nicht gewähren. Ich hätte lieber sagen sollen: Gut. es soll so veröffentlicht werden. dann bedeutet das die Freiheit. eine Meinung zu äußern. ist folgendes: Wenn man an die Redefreiheit glaubt. die einem nicht gefallen. Stimmt's? Stalin genauso.ganz abgesehen davon. ich hätte das vielleicht doch nicht tun sollen. Nur . wie die geschichtliche Wahrheit lauten soll. wie die geschichtliche Wahrheit lauten soll. die ihm paßten. selbst wenn vielleicht jemand behauptet. UNIVERSITY OF WASHINGTON.. Meiner Meinung nach hat der Staat kein Recht. wenn man sie mit meinen anderen Äußerungen zur Redefreiheit vergleicht. wäre es daher besser. Andernfalls wären Sie überhaupt nicht für Redefreiheit. darüber zu bestimmen. die davon abweichen. die beiden Sachen deutlich zu trennen.

Aber Sie müssen ihn doch nicht so direkt unterstützen . und spätestens seit dem 18. Ich vertrete aber gar nicht seine Meinung .nur die Faschisten nicht. Das ist wirklich der entscheidende Unterschied. Da bin ich ganz sicher. Jahrhundert haben das auch alle verstanden . ich sage doch nicht. daß ich seine Ansichten verteidige.BATTERSEA ARTS CENTRE.ich meine.. Necessary Illusions S. der Staat soll ihn einsperren. Staatsverleumdung (Kritik an der Regierung) und Zensur vgl. die wirklich übelste Vorstellungen verbreiten . vor Leute. dann sage ich doch auch nicht.dann sagt bestimmt jeder Kommissar zu mir: Sie vertreten dieselben Ansichten wie jener Mensch. Chomsky Ich unterstütze ihn doch gar nicht. 123-133 sowie S.ich vertrete sein Recht. 337-355 UNIVERSITY OF WASHINGTON. Wenn jemand eine wissenschaftliche Abhandlung publiziert und ich anderer Meinung bin.. 185 . oder? Frau Sicher. sie zu äußern. LONDON Chomsky Wenn ich mich vor die anstößigsten Äußerungen stelle . SEATTLE Frau Aber es gibt doch so etwas wie Objektivität oder wissenschaftliche Objektivität oder Realität? Wie können Sie als Wissenschaftler diesen Standpunkt einnehmen? Chomsky Sehen Sie mal. Zur Diskussion über Redefreiheit.

AUS »SPEAKING OUT: CRISIS IN THE MIDDLE EAST« TVOntario (Bildungskanal) 12. er wird wegen Fälschung vor Gericht gestellt. ich unterstütze ihn. aber .. und sagen.... also gut. Und überhaupt habe ich ihn nur in der Weise unterstützt.. Chomsky Ja. Chomsky Oh. in dem Sie sich vor ihn stellen.. Jetzt nehmen wir mal an. TVOntario ist das nicht-kommerzielle Bildungsfernsehen der kanadischen Provinz Ontario. den es angeblich gar nicht gegeben hat.12. was er will. 186 . da sind Sie aber im Irrtum. die Redefreiheit gelte auch für ihn Punkt.Frau .. zu sagen. Chomsky Als er vor Gericht gestellt wurde. weil ... Frau Aber er stand doch nicht vor Gericht.. geschrieben . selbst wenn ich anderer Meinung bin als er.85 Yossi Olmert Diese Sache mit dem Holocaust. daß ich gesagt habe. »Speaking Out« ist eine einstündige Livesendung über aktuelle Themen mit telefonischer Zuschauerbeteiligung.. weil jeder das Recht haben soll. ist zweifellos ein ganz typisches Beispiel. Frau Also wann haben Sie diesen Text. Und genau das ist doch in . Dann verteidige ich ihn.ich meine dieses .. In dieser Sendung im Jahre 1985 diskutierte Chomsky mit Professor Yossi Olmert von der Universität Tel Aviv (nachmals israelischer Regierungssprecher) über die Nahostkrise. Chomsky Aber nein! Frau .

. Die Debatte war so hitzig. Chomsky Größer als Null? Abstimmungsfrage der Telefonwahl: HABEN DIE PALÄSTINENSER EIN ANRECHT AUF SELBSTBESTIMMUNG IN EINEM TEILGEBIET DES EHEMALIGEN PALÄSTINA? Ja 3.85 ISRAEL UND DER NAHE OSTEN Gäste: Prof. Wir mußten sogar den POSTKORB-Teil halbieren und den Rest im Eiltempo abwickeln.484 31. die ihn nicht als Verrückten bezeichnet hätte? Anmerkung Bei Studiogästen dieses Kalibers ist es so gut wie unmöglich.. die binnen 25 Minuten vom Impulszählei registrierten Anrufversuche stellen ebenfalls eine Rekordzahl dar. blendeten wir die Telefonnummer erst um 21:30:15 Uhr ein.oder sonstwo .12.857 Yossi Olmert Sofort . überhaupt Anrufer in die Sendung hineinzunehmen.nehmen Faurisson ernst? Wie viele sind es in Frankreich ... Professor für Linguistik am MIT. Chomsky Haben Sie jemals in irgendeiner Zeitung irgend etwas darüber gelesen .00 Uhr) Als ich damals . Tel Aviv. wieviel Prozent? Yossi Olmert Sofort.. Chomsky Größer als Null? ANRUFE (NICHT ZUGESCHALTET) Toronto 10 Ottawa 1 NACHTRÄGLICH Toronto 12 Ottawa 1 IMPULSZÄHLER (VERSUCHE. und ich versuche zu antworten..12...809 5. Autor von THE FATEFUL TRIANGLE und anderer Bücher. oder gibt es irgendeine Zeitung. schreibt in der Presse und hält häufig Vorträge. IN DIE SENDUNG ZU GELANGEN): TELEFONWAHL-STIMMEN: GESAMTZAHL ANRUFE: 25. Die Anzahl der abgegebenen Telefonstimmen bildet einen Spitzenwert für diese Saison (und unter Berücksichtigung der veränderten Sendezeit auch für die vorhergehenden Perioden). Chomsky . Chomsky .. Wie die Bell-Telefongesellschaft uns wissen ließ. Wie stark der Ansturm war. läßt sich daraus erschließen. Yossi Olmert Telefonbericht .und Fernsehanstalten Noam Chomsky.. Korrespondent zahlreicher Zeitungen. daß es bei dem komplexen und sensiblen Thema besonders lange dauerte. die uns überhaupt erreichten.Chomsky TVOntario Wie viele .SPEAKING OUT . daß sich in der Sendung vorher genügend Substanz angesammelt hatte.. Josef Olmert. Yossi Olmert Sie fragen dauernd. nur um die Sendezeit einzuhalten.321 Yossi Olmert Sofort. was meinen Sie.ich komme gleich darauf.aus dem Nahen Osten. Ortsgespräche waren. Univ. Funk.627 Nein 1. 187 .. Yossi Olmert Nehmen wir ein anderes Beispiel . wir konnten schon über die vier froh sein. daß fast alle Anrufe. ANRUFE (ZUGESCHALTET) Toronto 3 Burlington 1 (21. Chomsky Wie viele Zeitungen in Amerika . bis das Signallicht durchkam. Berater der israelischen Regierung. haben wir ihre Vermittlungszentrale überlastet. Um sicherzugehen.

die notwendigerweise aufgewühlt werden. Er veröffentlicht derartige Untersuchungen seit 10 Jahren und findet seine Forschungsergebnisse durch die Moskauer Dokumente bestätigt. welche 1945 den Sowjets in die Hände gefallen waren.) Im Herbst bat Serge Thion. kühl. um die Konstrukte der Bormanns und Rosenbergs zum Einsturz zu bringen. Mir fällt eine ausgezeichnete Untersuchung über Hitlers Osteuropa-Politik ein. als ich die Sache vor 5 oder 6 fahren verfolgte..10. Wenn Sie also meine Meinung dazu hören wollen: Sie sollten über diese Sache nicht mal diskutieren. Der Autor hatte sich alle Mühe gegeben.) Diese Petition stieß auf lebhaften Protest.es Crématoires d'Auschwitz. (. Er 188 gibt darin eine genaue technische Beschreibung der Konstruktion und Funktionsweise der Gaskammern und Verbrennungsöfen. von Taktik und technischer Realisierbarkeit.die Tinte in Strömen geflossen. Ich versuch's mal . die Vorgänge hätten nicht einmal die Bezeichnung »Sturm im Wasserglas« verdient. Wer die Anmaßung. Millionen von Leichen zu beseitigen? Soll man sie an Ort und Stelle verscharren oder in ihre »natürliche Heimat im Osten« zurückschicken..09. LONDON Chomsky Ich habe in der Vergangenheit in Bezug auf die Personen. weil man in seinem Verhalten eine antiisraelische Kampagne sah. Yossi Olmert . Wenn damit gemeint war. Im Nouvel Observateur schrieb Claude Roy.ich versuch's mal. Roy stellte meinen Standpunkt als einen Versuch dar.. und weil die Berichterstattung nicht gerade erhellend war..Yossi Olmert OK.. Ganz ohne es zu merken. Dennoch ist dazu in Europa . ein libertärsozialistischer und für seine Opposition gegenüber dem Totalitarismus in jeglicher Form bekannter Wissenschaftler. das die Lebenskraft des deutschen Volkes zerfrißt? Und so weiter und so weiter. Ich meine. Sobald wir aber diese elementaren menschlichen Reaktionen unter Kontrolle halten. gewisse Fragestellungen dürften rational diskutiert werden. eine weit extremere Haltung eingenommen als Sie hier. ob die Nazis diese Greuel wirklich begangen haben. Im Nouvel Observateur (30. ein ehemaliger Anhänger Faurissons.. wenn man mit dem Plan konfrontiert ist. Aber wenn jemand unbedingt Faurisson widerlegen möchte.. bis 06. man verhält sich bereits unmenschlich. damit die neue Hochkultur zum Nutzen der Menschheit erblühen kann? Sind die Juden wirklich ein Krebsgeschwür. dann kann ich dem zustimmen. I.und zum Teil auch hier . der hat schon dadurch seine Humanität preisgegeben. ungestört eine höhere Gesellschaftsform zu errichten. Millionen menschlicher Wesen zu versklaven oder zu vernichten und so die Erben der geistigen Kulturwerte des Okzidents in die Lage zu versetzen. Chomsky Das ist doch eine ganz einfache Frage. Als erster Vertreter eines westlichen Landes hatte Pressac Einblick in die umfangreichen Auschwitz-Akten erhalten. daß Noam Chomsky sogar von einigen seiner Anhänger heftig kritisiert wurde.93) berichtet Pressac.. dann dürfte das gewiß nicht schwerfallen. Sabrina Matthews Der Artikel in der New York Times über meine Verwicklung in die »Faurisson-Affäre« trug die Überschrift »Französischer Sturm im Cognacglas«. sie möchten »Robert Faurissons Sicherheit und freie Ausübung seiner gesetzlichen Rechte« garantieren. die den Holocaust leugnen. die ich vor einigen Jahren in einer Stimmung grimmiger Faszination gelesen habe. die sich hier stellen (. für legitim hält und sich somit auf die Ebene von Argument und Gegenargument. erfuhr ich. sollte ich vielleicht kurz die Tatsachen aus meiner Sicht darlegen und auch einige Worte über die Grundsatzfragen verlieren. sobald man sich auch nur auf eine Diskussion darüber einläßt. den Unterschied zwischen den Vereinigten Staa- . wissenschaftlich und objektiv zu bleiben und die menschlichen Reaktionen zu unterdrükken. von Zitaten und Fußnoten begibt. wie diese Forschungen seine schon vorher aufgekommenen Zweifel an Faurissons Behauptungen bekräftigten. begeben wir uns bereits in die Erörterung technischer Probleme mit der Nazi-Intelligenz: Ist es überhaupt technisch möglich. BATTERSEA ARTS CENTRE. 8-9 Im September 1993 veröffentlichte JeanClaude Pressac. Einleitung zu American Power and the New Mandarins S. »der von Chomsky erlassene Aufruf« verteidige Faurissons Ansichten. fand ich mich in diesen Morast wahnwitziger Rationalität hineingezogen und legte mir Argumente zurecht. als ich die Sache verfolgt habe . da sage ich. mich um meine Unterschrift unter eine Petition an die französischen Behörden. Lesen Sie mal meine allerersten Artikel.

ohne mir vorher seine Arbeiten genauer angeschaut zu haben. mögen die darin präsentierten Erkenntnisse auch noch so gespenstisch sein. was ich aber niemals verlauten lasse. wurden als wertlos/irrelevant/ gefälscht erachtet.wie ich bereits sagte . Hier muß ich aber noch etwas anmerken. wo die Schwarzen nur wenig Gutes erfahren haben und wo derartige Lehren von Rassisten und Neonazis aufgegriffen werden. in dem es hieß: »Seit der Veröffentlichung seiner Ergebnisse mußte Professor Faurisson . dann muß man es zumindest sorgfältig gelesen haben. die ich auch vielfach in Büchern vertreten habe. andernfalls würde man bei dem in Frankreich herrschenden Klima meinen Kampf um Faurissons Recht auf freie Meinungsäußerung als inhaltliche Parteinahme interpretieren. Der Begriff »Ergebnisse« an sich ist völlig neutral. Man mag ja von Faurisson halten..) Nach einer weitverbreiteten Meinung sollte ein besonderer Skandal darin liegen. dann gäbe es für unpopuläre Meinungen überhaupt keinen Rechtsschutz. Ich kann mich nicht erinnern. gab es einige.Fay war ein bekannter antifaschistischer Schriftsteller und Aktivist . aber niemand wirft ihm vor. Unter den Fällen. wo ich mich für Bürgerrechte und die akademische Freiheit stark gemacht habe. Daß ich selbst in schärfster Opposition zu ihm stehe. Wer ihn widerlegen oder verdammen will. das beweist doch. die fraglichen Äußerungen zu studieren oder auch nur zur Kenntnis zu nehmen. die erheblich kontroverser waren. daß diejenigen. Etwas später erfuhr ich dann. Man kann sehr leicht den verteidigen. In einem Brief. die eine genetisch bedingte Unterlegenheit der Schwarzen »bewiesen« haben wollen. schwere Kriegsverbrechen propagiert oder die Juden als genetisch minderwertig bezeichnet zu haben (er schreibt übrigens von dem »heroischen Aufstand des Warschauer Ghettos« und rühmt jene. So sprach ich mich auf dem Höhepunkt des Vietnamkriegs dagegen aus. aber auch dies hat nichts mit seinen Bürgerrechten zu tun). Die Petition sagte nichts über die Qualität von Faurissons Arbeiten aus. denn es würden darin »seine »Schlußfolgerungen als echte Entdeckungen vorgestellt«.) Was Faurisson vorträgt.. ohne viel über ihre Ansichten zu wissen (sie interessieren mich auch nicht. diese Kritik würde allerdings jeden treffen. die einmütig . ist . denn die Fragen.ten und Nazideutschland wegzuinterpretieren. Doch es ist von geradezu elementarer Bedeutung. (so etwa in Peace in the Middle East?. Dies hatte zwar nicht in meiner Absicht gelegen. Im Jahre 1969 schrieb ich sogar. daß meine Erklärung in ein Buch aufgenommen werden sollte. Personen. eben weil es absolut nichts mit der Kernfrage zu tun hat). wo der Holocaust als »der phantastischste Ausbruch kollektiven Wahnsinns in der Geschichte der Menschheit« bezeichnet wird). daß ich mich für Faurissons Recht auf das freie Wort eingesetzt hatte. Faurisson besitzt nicht den geringsten Einfluß in Frankreich. waren ganz andere (. VidalNaquet hatte einen Satz in der Petition mißverstanden. Beispielsweise habe ich Petitionen zugunsten gefährdeter 189 osteuropäischer Dissidenten unterschrieben (und mehr als das). Gegen all diese doch erheblich umstritteneren Aktionen erhob sich auch nicht der leiseste Einspruch. aber es widersprach auch nicht den Anweisungen.«. an den Universitäten die Forschungen zur Aufstandsbekämpfung zu verbieten. auch wenn diese zu Mord und Zerstörung führen heute wäre ich mir da übrigens nicht mehr so sicher. ich verlangte. die in meinen Augen wirkliche Kriegsverbrecher waren. daß man die Freiheit des Wortes (und das schließt die akademische Freiheit mit ein) nicht auf Äußerungen beschränken darf. Daher muß diese Freiheit gerade für solche Meinungen besonders engagiert verteidigt werden. Einer der bizarrsten Anwürfe lautete. steht in diametralem Gegensatz zu meinen Überzeugungen. bat mich jedoch dringend. Nun.... Wenn ich das Recht der freien Meinung verteidige.. Will man ein Buch mit rationalen Gründen verurteilen. meinen Text zurückzuziehen. die überwiegend auf Ablehnung und Verachtung treffen. die einem zusagen. meine Erklärung solle nicht erscheinen. Die gleiche Haltung habe ich in Bezug auf Wissenschaftler eingenommen. zumal ich sie in einigen Fällen für ziemlich abstoßend halte. den mir Jean-Pierre Fay schrieb . Das halte ich nun allerdings für eine merkwürdige Lehre.«. um die es ging.und häufig zu Recht . hat dazu jede Möglichkeit. denn würde man sich danach richten. Es liegt kein Widerspruch in einer Aussage wie der folgenden: »Die Forschungsergebnisse. Pierre Vidal-Naquet beurteilte die Petition in Esprit als »skandalös«.. aber da war es bereits zu spät. In meiner Antwort schloß ich mich seinem Urteil an. die »todesmutig für die gerechte Sache und gegen den Nazismus kämpften».über einen amtlichen Feind und Menschenrechtsverletzer herfallen. ich habe indem ich dies verweigerte . weder auf die Presse noch in der Wissenschaft.stimmte er mir zwar im Grundsatz zu. der dieser Hilfe gar nicht bedarf. dann übernehme doch ich keine besondere Verpflichtung dafür. jemals wegen solcher Schritte kritisiert worden zu sein. es sei fälsch.mein Desinteresse an 6 Millionen ermordeter Juden verraten. die er publizierte. die das Recht auf ungestrafte Meinungsäußerung nicht gel- . die ich gegeben hatte. oder mit in den Chor derjenigen einfallen.belegt.. was man will. der sich genau so wenig für Faurissons Arbeiten interessiert wie ich. in dem Faurisson sich gegen eine gerichtliche Anklage zu verteidigen suchte. man muß die Belege nachprüfen usw. aus politischen oder ideologischen Gründen die Lehrbefugnis zu entziehen. um die Veröffentlichung noch zu stoppen (. und das in einem Land.

Ich habe die Werke angesehener Historiker über den Holocaust gelesen. Das beste Beispiel ist der Artikel von Edward Alexander. diese »Phantasiegeschichten sind geplatzt". die in meiner Verteidigung seiner Bürgerrechte einen Skandal erblicken wollte (. darunter Sarah Nomberg Prytzyk. wenn eine Organisation. und dem Briefwechsel vom 15. Faurisson habe dadurch ausgerechnet in einer Zeit des wachsenden Antisemitismus Publicity erhalten. PEN verurteilte meinen Beitrag mit der Begründung. mit vielen Aussagen anderer Zeugen und Überlebenden der Nazigreuel. durch die rassistische Gewalt und Unterdrückung bestärkt werden könnten. »His Right to Say It« in The Nation 28. ob es wirklich angemessen ist.NC . so erhebt sich doch die Frage. Geradezu unheimlich wurde die Sache dadurch. in einem parallelen Universum. Als ich einmal zwischen zwei Interviews mit Chomsky im Zug nach Holland saß. die wie Faurisson und die anderen Revisionisten dieses überwältigende Beweismaterial ablehnen. um zu verstehen. denn man ist ja nicht grundsätzlich dagegen. Mir erscheint das gar nicht so ungewöhnlich.81 S. drohte er mir. etwa von Raoul Hilberg. die. alles wirkt so gespenstisch. und auch die Lyoner Universität legt vermutlich einen gewissen Qualitätsmaßstab bei der Auswahl der dort tätigen Personen an. sprach ich mit ihm über das Faurisson-Phänomen. Er vermittelt zumindest einen Anschein von Rationalität. Seiner Meinung nach muß man sich nur wie ein Laserstrahl auf eine genügend enge Auswahl von Beweisen konzentrieren. vor allem seit dem Artikel von Alex Cockburn in The Nation vom 17.02. was diese Holocaust-Revisionisten eigentlich antreibt.02. Und doch 190 zu können. scheint das Wissen sozusagen angeboren zu sein. Anscheinend leben die Leute. der auch in Shoah auftritt. »Ich mache aus Ihnen schon noch einen Revisionisten«. Sollte er derartige Gefühle hegen. wir hatten ja darüber gesprochen. wo er den Holocaust und andere Naziverbrechen mit der Bemerkung abtut. dürfte die Antwort klar sein. der die Leichen aus den Gaskammern holte. die Deutschen hätten alle wahrheitsliebenden Juden umgebracht und nur einige Lügner übriggelassen? Ich selbst könnte um nichts in der Welt Faurissons Denkweise nachvollziehen. dann hat er sie jedenfalls vor mir gut verborgen . diese beiden Varianten der Holocaust-Lüge lägen moralisch auf einer Ebene: Es ist allemal viel schlimmer. Ich habe im Laufe der Zeit mit verschiedenen Überlebenden gesprochen. Man braucht nicht lange über all dies nachzudenken. . nach den Gründen für diese unheilvollen Entwicklungen zu suchen und diese nach Möglichkeit abzustellen? Ich denke. um schließlich nicht einmal mehr an die Existenz der Schwerkraft zu glauben. 231-234 Carolina Press 1985).93. Seine Methode. mit dem Bericht eines Mannes. besteht darin. Hast Du auch nur einen Funken Interesse irgendwo bemerkt? Was schließt Du daraus? Natürlich spricht Alexander hier gar nicht von den Juden.. zurück zu den osteuropäischen Pogromen. 175]. um dann seine Geschichtsversion wiederkäuen lich Claude Lanzmanns Shoah-Dokumentation in den Sinn: mit den Geständnissen von Nazis.ten lassen wollen und auf jede Verteidigung dieses Rechts mit Abscheu reagieren. Was weiß ich über die Gaskammern? Da ich jüdisch erzogen bin und schon als Kind an unzähligen Wohltätigkeitsaktionen unter dem Banner »Nie wieder!« beteiligt war.. für jeden. woher wir eigentlich wissen. gleichzeitig umgebracht wurden. was da vorgeht. Er suchte pausenlos Streit. Aufmerksamkeit zu erregen. Läge die bessere Antwort nicht vielmehr darin. Hat sich irgendwer darüber erregt ? Jeder weiß davon.MA [Wie Du schreibst] kannst Du nicht verstehen. Es mutet merkwürdig an. Veröffentlichungen. Glauben sie. Vielleicht war ich auch betäubt vor Entsetzen über seine Behauptungen. mit dem Entzug von Bürgerrechten zu beantworten. Aus jüngerer Zeit kommt einem natür- konnte ich bei ihm keinen inneren Judenhaß erkennen. Interessant ist auch.schließlich wußte er über meine Abstammung Bescheid.(18. und niemand zuckt auch nur mit der Wimper. Mitarbeiter von Werner Cohn [siehe S.92. die Naziverbrechen an den Roma abzustreiten. und zwar auf dieselbe Weise. sich dann aufregt. und welche Anforderungen wir an Beweise stellen. Faurisson verdankt seine Publicity in erster Linie seinem Prozeß und einer Presse. immer anstößigere Behauptungen aufzustellen. Er wollte nur eines: mich überzeugen. reichlich selektiv vorgehen.) Was nun das von PEN beklagte Wiederaufleben des Antisemitismus und der rassistischen Ausschreitungen angeht. im Congress Monthly. die uns bedrohen. Autorin des Buches Auschwitz: True Tales of a Grotesque Land (University of North Truth Shall Set You Free zu sehen). Jedenfalls ist dies der weitaus bekannteste und prominenteste Fall einer Entlastung der Nazis und Leugnung des Holocaust. Zweifel am Holocaust sind schließlich weit verbreitet. als Faurissons Verteidigung gegen seine Ankläger das Ohr der Öffentlichkeit erreicht. der die als fundamental angesehenen Ideale der westlichen Demokratie hochhält und um die wirklichen Übel besorgt ist. was wir zu wissen glauben. . sondern von den Roma. Und jetzt also Pressac mit seinen Dokumenten. Fr hält beklatschte Vorträge vor Grüppchen von Neonazis (einer ist in dem schwedischen Film The Seit diesem einen Tag mit Faurisson überlege ich mir ernsthaft. die für die Freiheit der Schriftstellerei eintritt. aus denselben Gründen und etwa im gleichen Verhältnis zu ihrer Gesamtzahl. daß er ja kein dumpfer Irrer ist. denn die werden weiterhin gnadenlos verfolgt und sogar noch aus Deutschland ausgewiesen. wie der PEN-Club in Paris reagiert hat. Ich will damit nicht suggerieren.

Hüte sich jeder. wo- hin der Verletzte zwecks Operation überführt wurde. Mark Achbar (zum Kameramann) Schnitt. »Er war bei Bewußtsein. es gäbe keine Beweise dafür. Und ich werde auch gewinnen.« Faurisson ist ein führendes Mitglied der revisionistischen Schule in der Geschichtswissenschaft. der Erste Hilfe geleistet hatte. mehrere Rippenbrüche sowie schwere Kopfverletzungen. daß im Zweiten Weltkrieg sechs Millionen Juden in den Konzentrationslagern der Nazis vergast worden seien.CAFE IN PARIS Robert Faurisson Redefreiheit und das ganze Zeug läßt mich kalt. Anti-Holocaust-Historiker von Jugendlichen zusammengeschlagen Clermont-Ferrand (Reuter) Ein französischer Historiker. Er erlitt einen Kieferbruch. Ein Sprecher des Krankenhauses in der zentralfranzösischen Großstadt Clermont-Ferrand. wurde gestern so schwer zusammengeschlagen. Montreal Gazette 19.. bezeichnete seinen Zustand als stabil.09. konnte aber nicht sprechen«.) [In einer Erklärung der Gruppe] heißt es: »Professor Faurisson war der erste. »Sein Kiefer war zerschmettert. als er in Vichy seinen Hund ausführte. aber er wird nicht der letzte gewesen sein.89 191 Den Opfern des Holocaust ist nicht damit gedient. der [den Holocaust] ableugnet. die sich »Söhne des Gedenkens an die Juden« nennt (. Diese Schule vertritt die Auffassung. daß er operiert werden mußte.. Ich muß gewinnen — nur darauf kommt es an. Der Sechzigjährige namens Robert Faurisson war von drei Jugendlichen angegriffen worden. berichtete ein Feuerwehrmann aus Vichy. wenn man eine zentrale Doktrin ihrer Mörder übernimmt. . der den Tod von Millionen Juden im Nazi-Holocaust abstreitet.« Zu dem Überfall bekannte sich eine bislang unbekannte Gruppe. sie haben ihm das ganze Gesicht zerschlagen.

sondern nur die altbekannten Methoden: Ehrli- che Suche nach Erkenntnis. Als nach einer der Massenverhaftungen der Polizeichef von Albany die Namen der vor ihm aufgereihten Häftlinge aufnahm. wo sie auch sein mögen. Ich möchte nun ganz praktisch fragen: Was meinen Sie. aber die Bürgerrechtsbewegung bestand nicht nur aus ihm allein.000 farbigen Einwohnern von Albany landeten über 1000 im Gefängnis .Menschen. 192 In Albany. schließlich jenes niemals nachlassende Engagement. 446 . 253 Chomsky Die Welt verändert sich. dann deshalb. das den vielen Rückschlägen und den dünn gesäten Erfolgen gewachsen ist und das von der Hoffnung auf eine lichtere Zukunft lebt. die in der Folgezeit über den Süden hinwegrollten. weil viele Menschen in den Südstaaten aktiv waren . die vergessen sind. A People's History of the United States (Harper and Row 1980) S. die die Veränderungen bewirken. waren auch hier kleine Kinder beteiligt. fanden im Winter 1961/62 und im folgenden Jahr Massendemonstrationen statt. was Sie tun. Wie in allen Demonstrationen. Natürlich war Martin Luther King ein bedeutender Mann. Georgia. Versammlungen und Proteste gegen Rassentrennung und Diskriminierung. »Wie heißt du?« Der Junge sah ihm gerade in die Augen und antwortete: »Freedom. was Sie wollen. in dem noch der Hauch der Sklaverei hing. Lernen. In denen gibt es nur ein paar Führergestalten . Organisation..« Howard Zinn. deren Namen wir nie erfahren werden. Das tun sie: in ihrer Gemeinde. Bei Ihnen sieht ja jeder. Die Geschichtsbücher vermitteln davon ein falsches Bild. das kommt mir alles so riesig vor.COAST BASTION INN.. man kann doch nicht mal dran kratzen. daß diese Personen unbedeutend waren. Es ist noch nie anders gewesen. So legen sie das Fundament für die Massenbewegungen. Es gibt zur Lösung unserer Probleme weder Zaubersprüche noch Wunderrezepte. einem Städtchen im tiefsten Süden. Von den 22. KANADA Frau Ich bin nur eine ganz normale Mutter und möchte nicht eines Tages mit meinen Enkelkindern dastehen und etwas Entsetzliches erleben und mich dann fragen. warum ich nichts getan habe.wegen ihrer Umzüge. Das soll nicht heißen. eine ganze Generation lernte zu handeln. Wenn die Bücher über Martin Luther King berichten können.Menschen wie George Washington oder Martin Luther King. wo man seine Energie am besten einsetzen soll? Denn das hier heute abend. die vielleicht sogar umgebracht wurden. Freedom. das entweder die Kosten staatlicher Gewaltanwendung in die Höhe treibt oder die Grundlagen für Veränderungen in den Institutionen schafft. das überwältigt . an ihrem Arbeitsplatz. Denken Sie an die Abschaffung der Sklaverei oder an die demokratischen Revolutionen — Sie können nehmen. erblickte er vor sich einen etwa neunjährigen farbigen Jungen. wenn viele Menschen unablässig daran arbeiten. Turning the Tide S. das der Desillusionierung trotzt. ein Handeln. NANAIMO. jedesmal ist es so abgelaufen.

auch: • Auszug aus »Toward a Humanistic Conception of Education« in Work. also was das betrifft. wo der Bolschewismus zusammenbricht und der Kapitalismus schon längst aufgegeben ist. als vor 250 Jahren die Möglichkeit einer parlamentarischen Demokratie und einer Verfügung über elementare Bürgerrechte zu liegen schienen. ich schreibe Bücher. Es wäre völlig verfehlt. and Education S. und ihr Mut und ihre Beharrlichkeit sind erstaunlich. 157 Vgl. wenn manche dieses System als »Konzern-Merkantilismus« bezeichnen. und sie sollen ihren positiven Antrieben folgen. Viele wollen das ja auch. die Gründe dafür habe ich vielfach dargelegt. Technology. Wer ist so klug. nehmen wir aber den Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit auf. 309-321 193 . blicken in eine trübe Zukunft. so können wir diesem Ziel immerhin näherkommen. was menschliche Willenskraft erreichen kann? Wir müssen eine Art Pascalscher Wette abschließen: Rechnen wir mit dem Schlimmsten. die von jeher die Opfer waren. 48 • »The Function of the University in a Time of Crisis« in For Reasons of State S. Sie sollen die Welt zu verstehen suchen. so weise ich den Leuten eigentlich nur den Kurs zur geistigen Selbstverteidigung.in den USA hauptsächlich die des Militär-Keynesianismus. strategisch mit den Regierungen zusammenarbeiten und eigene regierungsähnliche Institutionen betreiben. die in praktisch allen florierenden Branchen zu finden ist. so wird es auch eintreten. NIEDERLANDE Chomsky Ich halte wohl jedes Jahr Hunderte von Vorträgen. Menschen. ich sitze 20 Stunden pro Woche über Briefen aber all das zielt nicht etwa auf die Politiker oder auf die Intelligenz. HUMANIST RADIO. Seit 30 Jahren wird das System mehr und mehr durch massive staatliche Interventionen am Laufen gehalten . die sich für eine Sache oder sogar für eine andere Gesellschaftsordnung einsetzen. Es verrät Realismus.. die Betroffenheit empfinden. Nach dem Krieg nahm die Entwicklung unterschiedliche Formen an . -NC Zur Rolle der Schulen siehe S. so etwas ab »Kapitalismus« zu bezeichnen. Deterring Democracy S. die ausgedehnte Oligopole bilden. Erst danach können Leute wie ich auf den Plan treten und als Prominente wirken.. 64 Einen »Kapitalismus« hat es . Es sind noch ferne Hoffnungen. Jahrhunderts der Manager-Kapitalismus in der USA und noch später der kontrollierte Staatskapitalismus in Japan und in den ostasiatischen Schwellenländern. In den Industrieländern andererseits. wenn die anderen die Arbeit tun. Ich erwarte nämlich von diesen Menschen nicht mehr als das. Das geht nur. Außerdem haben sich die Spielregeln gewaltig durch das Aufkommen der transnational Konzerne gewandelt. Es gab im 19. Trübe. Die Verdammten dieser Erde kämpfen weiter für ihre Rechte.INTERVIEW MIT PAUL ANDREWS IN DER SEATTLE TIMES Chomsky Zuerst müssen mal Aktivisten da sein. mit Gewißheit zu sagen. aber auch nicht ferner. nur müssen sie erst mal verstehen . 298-315 • »Some Thoughts on Intellectuals and the Schools« in American Power and the New Mandarins. eröffnen sich neue Chancen für ein Wiederaufleben bislang verschütteter libertär-sozialistischer und radikaldemokratischer Ideale über die Mitsprache der Menschen am Arbeitsplatz und bei den Investitionen. sondern es ist für den sogenannten »Mann auf der Straße« bestimmt. Ihm folgte Anfang des 20. was sie bereits sind.wenn man darunter ein System freier Marktwirtschaft versteht in den entwickelten Ländern schon früher kaum jemals gegeben und gibt es jetzt noch viel weniger. wie die Macht der Einzelnen abnimmt. aber doch nicht ganz ohne Hoffnung. Die. S. Bereits in den 30erJahren befanden sich praktisch alle kapitalistischen Länder auf dem Weg in einen faschistoiden Staatskapitalismus.ganz abgesehen von der starken militär-keynesianischen Komponente. also über mehr Demokratie für das Volk in dem Maße. Jahrhundert in den USA und in Großbritannien eine Art »Eigentümerkapitalismus«.

S. denn da lernen sie's bestimmt nicht. Doch darüber hinaus ist damit zu rechnen.. um nationale oder andere Sonderinteressen zu fördern und gleichzeitig zu tarnen.eine zentrale Stellung einnehmen. sondern weil uns dadurch erst klar wird. die ihnen Prestige und Wohlstand verspricht. LYNN.. Zwar sind zum einen 194 in einer Gesellschaft. genau wie große Teile der amerikanischen Intelligenz ihr Leben nicht an Wahrheit und Gerechtigkeit auszurichten.) Die Gesellschafts. (. anstatt die im In. daß die politische Elite sich der Terminologie der Gesellschafts. Die Gesellschaftsund Verhaltenswissenschaften verdienen ernsthaft studiert zu werden. wie wenig sie über die wirklich drängenden Menschheits. MASSACHUSETTS. sondern an der Macht und deren möglichst wirksamer Ausübung (.und Gesellschaftsprobleme aussagen. wie man einen Atomreaktor baut (. um ihre Handlungsweise gegen kritische Analysen zu immunisieren schließlich wird sich ja auch kein Laie anmaßen. muß die Schule in demselben Maße praktisch eine Selbstverteidigungshaltung ihnen gegenüber einnehmen (.. 313-318 . Insbesondere bedient man sich in der Politik gern der Gesellschafts.. Eigentlich müßten die Schule und die Intellektuellen in Amerika ihren Blick vor allem auf diese unbeschreibliche Tragödie richten (.möglichst unter dem Blickwinkel derjenigen.) Den Intellektuellen ist stets die Rolle eines leidenschaftslosen Kritikers zugekommen — zumindest haben sie sich so sehen wollen. weil sie auch per se Interessantes zu bieten haben. Aber auch andere Aspekte der intellektuellen Selbstverteidigung sollten nicht übersehen werden..und Verhaltenswissenschaften. sondern weil uns dadurch erst klar wird.und Gesellschaftsprobleme aussagen (. mit deren Hilfe diese sich vor der ständig anrollenden Welle der Regierungspropaganda und vor der naturgegebenen Einseitigkeit der Massenmedien schützen können. Im Zeitalter von Naturwissenschaft und Technik wird ganz selbstverständlich deren Prestige als ideologisches Instrument eingesetzt. nicht nur.). Physikern und Ingenieuren erzählen zu wollen.. USA Ed Robinson Was meinen Sie denn damit? Was für Kurse sollen das denn sein? Chomsky Also in die Schule wollte ich sie eigentlich nicht schicken.und Außenpolitik verborgen bleiben soll.AUS »NON-CORPORATE NEWS« (OFFENER KANAL). Und um zum Thema zurückzukommen: Sie sollten sich auch vor der ebenso naturgegebenen Neigung schützen.die vielleicht immerhin historisch gerechtfertigt werden kann ....) Auch besteht in dieser Phase die Versuchung.. pflegt man sie dann zu »akzeptieren« (..und Ausland existierende Machtverteilung und die sich daraus ergebenden politischen Realitäten kritisch zu hinterfragen oder gar an ihrer Veränderung zu arbeiten. die eingenommene Position .in Toynbees Worten Ader Anführer einer weltweiten antirevolutionären Bewegung zum Schutz egoistischer Interessen« geworden ist.. auf die seine Waffen gerichtet sind ... wie wenig sie über die wirklich drängenden Menschheits.und Verhaltenswissenschaften bedient. |Es liegt eine Tragik darin.. wenn ich den Schulen vorschlage.) Man sollte vielleicht nicht darüber lächeln. daß aus den Vereinigten Staaten .. die Intellektuellen der heftigen Versuchung ausgesetzt. nicht nur. durch die uns der eigentliche Gehalt von Innen.mit einer sehr allgemeinen ideologischen Rechtfertigung zu untermauern.und Verhaltenswissenschaften verdienen ernsthaft studiert zu werden.) So können wir uns wirksam vor der zu erwartenden Propaganda schützen und die wahre Natur der Tricks erkennen. eine sogenannte »pragmatische Haltung« einzunehmen (.) den Schülern Abwehrtechniken zu vermitteln.) In jedem Lehrplan einer zivilisierten Gesellschaft müßte die Geschichte des Imperialismus und seiner Apologeten . American Power and the New Mandarins. Da sie aber diese Rolle weitgehend eingebüßt haben.. weil sie auch per se Interessantes zu bieten haben.

195 . Unter diesen Bedingungen kann man aber Ideen oder Gedanken nur schwer entwickeln. Sehr viele Menschen sind im Grunde anständig. Aus einem Interview mit Open Road (Vancouver.und das ist der Witz bei der Sache. Es geht nur. Bei vielen genügt es schon.und dies alles geschieht gemeinsam. Ihr erfahrt etwas über eure eigenen Wertvorstellungen. aber verdammt selten. es kommt vor. daß sie Fragen stellen und ihre Intelligenz und ihren instinktiven Anstand einsetzen. auf d i e eine oder andere Weise Menschen beizustehen. ihr lernt. Gut. Wenn sie die Menschen voneinander isolieren wollen. und die ihr Lebe in die eigene Hand nehmen und anderen Menschen beistehen wollen. Und die ebenfalls den Leuten beibringen möchten.TV-SCHIRM IN EINER HOCHHAUSWOHNUNG Chomsky Dazu muß man einen unabhängigen Geist entwickeln. unter die Oberfläche dringt allerdings kaum etwas. Ihr müßt in eurer Gemeinde nach Ausgangspunkten für alternative Aktionen suchen. Man kann auch nicht als Einzelner gegen die ganze Welt kämpfen. wie sie sich gegen fremde Mächte zur Wehr setzen können. auch wenn sie schlecht informiert und heftiger Propaganda ausgesetzt sind. nach Menschen. was die Institutionen tun. zeigt sie Wirkung.wenn auch vielleicht auf unterschiedlichen Gebieten. Jeder Mensch sitzt allein vor seiner Glotze. die besondere Not und Unterdrückung erleiden müssen. bringen wir sie zusammen. Kanada). wenn man sich organisiert. abgedruckt in Language and Politics S. Solange niemand der Propaganda entgegentritt. euch zu verteidigen . solange man allein ist. NANAIMO Chomsky Es ist durchaus sinnvoll. Hier gibt es viele Gemeinsamkeiten. Will man also geistige Selbstverteidigung lernen. das müssen wir bekämpfen. Denn auf was sie aus sind. und sich daran zu orientieren. zu beobachten. Unser System isoliert aber den Einzelnen . und sie werden sich alsbald aus dem Fangnetz der Doktrinen befreien und beginnen. 389 BÜRGERINITIATIVE. die dieselben Sorgen haben . Allerdings ist das ungeheuer schwer. aber im Kern mit vergleichbaren Wertvorstellungen. so bedarf es dazu eines politischen und organisatorischen Umfelds.

Das Potential für eine solche Bewegung ist mit Sicherheit vorhanden.. Immer nur die Litanei von der Ungerechtigkeit und der Unterdrückung herzubeten. Lokale Statthalter dürfen am Wohlstand teilhaben. im Norden aber nur auf 18 Prozent. die ärmste über gerade 1. wobei »eine indirekte Herrschaft dadurch ausgeübt wird.das hat schon André Gorz richtig gesehen. Und wenn sich dieser Abstand seit 1960 verdoppelt hat. Wirtschaftskorrespondent des BBC World Service . sollte nicht überraschen.4 Prozent..) Und um den Kampf gegen den Imperialismus — wie auch gegen die der Gesellschaft von den immer stärker werdenden internationalen Wirtschaftsinstitutionen drohenden Zwänge und Eingriffe führen zu können. daß die NTBs sich auf 31 Prozent der Industrieprodukte des Südens auswirken. bleiben vielleicht nur noch Tyrannei und Unglück (. Morgan verkennt auch nicht »die Heuchelei der reichen Nationen. 61-62 . soviel hat sich inzwischen herumgesprochen.« Year 501: The Conquest Continues S. dann ist das . Radical Priorities S. ist es am besten. Oder wie wäre es mit der UNCTADSchätzung der NTB-Auswirkungen [nontariff barriers.so der Bericht . das zu bestreiten wäre unsinnig. das auf freie und offene Diskussion setzt und vielfältige Aktionsmöglichkeiten eröffnet. dem IWF. sie erfüllen ihre Pflichten gegenüber 196 den wahren Herren.. Oder nehmen wir den Jahresbericht 1992 des UN Human Development Program über den wachsenden Abstand zwischen Reich und Arm in der Menschheit: die reichste Milliarde verfügt über 83 Prozent des Gesamtvermögens. Ihnen wird vielmehr sehr daran gelegen sein. vorausgesetzt. wenn sie sich über das Wesen der heutigen Gesellschaft im klaren ist und die Mehrheit mit ihrer Zukunftsvision überzeugt (. ob sie eines Tages Wirklichkeit wird.. läßt sich nicht mehr in Fußnoten verstecken. Wer auch nur eine Minute über die Probleme unserer Gesellschaft nachdenkt. die mit Produktion und Konsum. mit der fortschreitenden Uniweitzerstörung und der völlig irrationalen Nutzung unserer technischen Mittel verbunden sind . der Weltbank und dem GATT«. wenn sie von der Dritten Welt die Öffnung der Märkte verlangen. Jede ernstzunehmende radikale Bewegung muß daher ein hohes geistiges Niveau anstreben .. wird auf die sozialen Kosten stoßen. auch Fraktionskämpfe. überhaupt nicht gerecht werden kann. aber ihre eigenen abschotten«. die »immer mehr haben wollen« und die Ruhe der Reichen stören. Oder mit der Schätzung der Weltbank.weil ein auf Profit und maximales Wachstum gegründetes System gegenüber der Maximalversorgung mit Gütern für den persönlichen Gebrauch eine insgesamt bessere Lebensqualität völlig vernachlässigt und somit Bedürfnissen. die ohnehin zum größten Teil nur in Exportförderung besteht und auf die bessergestellten Schichten der »Entwicklungsländer« zielt (wer mehr hat. eine Bewegung für gesellschaftlichen Wandel aufzu- bauen und dieser ein positives und weitgespanntes Programm zu geben. unüberlegte Aktionen und taktische Manipulationen können gefährlich werden (. daß von den 24 Industrieländern 20 heute einen stärkeren Protektionismus ausüben als vor 10 Jahren. hierzu zählen auch die USA mit ihrer Reagan-Revolution (Verdoppelung des Anteils der von Schutzmaßnahmen betroffenen Importe). daß die Führer der Entwicklungsländer in das Geflecht der neuen Herrscherklasse eingebunden werden« — daß es die alle ist. eine »Avantgardepartei« könne alle Wahrheit und Tugend bei sich bündeln. die herrschende Ordnung beizubehalten.. daß in einer fortgeschrittenen Industriegesellschaft die Massen erheblich mehr zu verlieren haben als nur ihre Ketten. Denn es droht ja nicht nur die Repression von außen. die Macht im Staat ergreifen und wie durch ein Wunder die Revolution herbeiführen. demzufolge durch den Protektionismus der Industrieländer das Einkommen der Länder des Südens doppelt so stark geschmälert wird... Düsteres Fazit des Economist. worauf dann endlich die Gesellschaft auf der Grundlage demokratischer Strukturen und vertretbarer Wertvorstellungen erblühen wird (.. daß die armen Länder jetzt Jahr für Jahr mehr als 21 Mrd Dollar in die Tresore der Reichen transferieren. kann mehr konsumieren).) Was die Wirtschaftswissenschaftler »externe Kosten« nennen.) Jeder weiß. »Jahrzehntelange Entwicklungskredite haben nur dazu geführt.) Eine linke Bewegung kann auf lange Sicht nur dann auf Erfolg hoffen. Er hätte auch den Bericht der Weltbank erwähnen können. Dogmatismus. Offen bleibt. Jetzt also obliegt »die Errichtung einer neuen Weltordnung der G7. kann nicht genügen (. die nur kollektiv zu definieren sind. Wenn wir hier versagen.) Die Bewegung darf auch nicht in die Illusion verfallen. So trägt ein Leitartikel der Financial Times Autor ist James Morgan.Wenn man die bürgerlichen Freiheiten verteidigen will. über die Zollschranken hinausgehende Handelshemmnisse]: 20 Prozent Export- rückgang der Dritten Welt im Jahreswert von mehreren Milliarden Dollar.den Untertitel »Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks herrschen IWF und G7 über die Welt und können ein neues imperiales Zeitalter eröffnen. muß sich die radikale Bewegung international organisieren..« Endlich naht sich also die Erfüllung von Churchills Vision: Wir werden nicht mehr von diesen »hungrigen Völkern« bedrängt. und zwar auch in ihrem kulturellen Selbstverständnis.auf die Politik der Weltbank und des Währungsfonds zurückzuführen sowie darauf. wie die gesamte Entwicklungshilfe beträgt. 221-223 Oft nehmen die Herrschenden und ihre Ideologen gar kein Blatt vor den Mund.

197 Man muß die Medien nur kritisch und zynisch genug verfolgen. oder? Ich bin doch nicht der liebe Gott. um diese Filter in unserer Presse zu umgehen? Könnten Sie da einen oder zwei Titel nennen? Nicht was man liest ist wichtig.ich will das definieren verstehe ich Medien. aber ich wüßte nicht. Chomsky Genau. sondern von den Bürgern kontrolliert werden. daß die Fakten nicht auch verfügbar wären. Februar 1990. Was ich sage. LARAMIE Frau Was könnte ich als Biologin. NANAIMO Frau Welchen Einfluß . sondern wie man liest. als Durchschnittsmensch denn lesen. muß die Vorgänge durchschallen. was ich gerade für gut halte. Richtig ist immer das. Das soll nicht heißen. Aus einem Interview mit David Barsamian im MIT. muß viel lesen. daß einem eine ganz bestimmte Brille aufgedrängt werden soll dann kann man sich auch wehren. das hat die Menschen immer verbunden. daß immer und immer wieder versucht wird. was Sie als richtig empfinden.haben Ihrer Ansicht nach die alternativen Medien? Ich meine vor allem das Potential. und unter alternativen Medien . ist vielleicht alles falsch. Aus einem Interview mit Paul Andrews. MAIASPINA COLLEGE. Chomsky Also zu dieser Frage: »Von welchen Medien kann ich die richtigen Antworten erwarten?« will ich nichts sagen. Nur wenn Menschen miteinander in Wechselwirkung treten können.UNIVERSITY OF WYOMING. Die Menschen müssen sich klarmachen. muß sich nur bewußt werden. Seattle Times. die nicht vom Staat oder von der Wirtschaft. denn darauf gibt es wohl keine Antwort. . schaffen sie etwas Konstruktives.oder welches Potential . Das müssen Sie schon selbst herausbekommen. warum Sie das besonders ernst nehmen sollten. Natürlich könnte ich irgend etwas nennen. Könnte doch sein. sie zu manipulieren.

in der alle Aspekte der Politik zur Sprache kommen: die Wirtschaft. die Rassenfrage. Zwar gibt es auch kleinere Erfolgserlebnisse. Zehn Jahre darauf gründeten die beiden das Z Magazine. so empfiehlt er doch denen. die politischen Beziehungen. Lydia Sargent Ich anfangen? Nein danke. Eric ist Lydias Sohn). einen Blick auf die Struktur von South End Press. Aber es wird sehr schwer werden. Insgesamt gibt es in Amerika über 500 alternative Blätter mit lokaler. daß die Leserschaft nicht nur versteht.BÜRO IM MIT Chomsky Ich habe das immer für eine gute Sache gehalten. was da vorgeht. die soweit wie möglich gefördert und vorangetrieben werden muß.gegen die Konzentration der Macht werden sie hart zu kämpfen haben. Lydia Sargent. daß das Z-Kollektiv nicht ohne weiteres als Vorbild dienen kann. Es hat 15. aber gemacht wird sie von genau zwei Leuten ohne finanzielle Reserven. BÜRO DES Z MAGAZINE. Sie teilen sich in die Redaktions. und Z Magazine ist eines davon. Michael Albert und Lydia Sargent gründeten South End Press im Jahre 1978. bei anderen Pflichten geht ihnen Eric Sargent zur Hand (sie leben zusammen. aber selbst die erfordern von den Beteiligten einen unglaublichen Einsatz. Nehmen wir beispielsweise das Z Magazine. die sich für das Verlagswesen interessieren. es liefert eine genaue Beschreibung des ideellen Hintergrunds und der praktischen Aktivitäten eines fiktiven Verlages namens Northstart Press (zu dem South End Press Modell gestanden hat). Auch wenn Albert sofort einräumt.und Produktionsarbeiten. BOSTON Mark Achbar Erzählt uns doch mal was über das Z Magazine. sondern darüber nachdenkt. Das ist eine überregionale Zeitschrift. regionaler oder nationaler Verbreitung. Klassen und Geschlechtern und über andere innenpolitische Probleme abzuhelfen. Zusammen mit Robin Hahnel hat er ein Buch geschrieben. Was ist das und worin unterscheidet es sich von anderen Zeitschriften? Michael Albert (zu Lydia Sargenl) Fang du an.000 Abonnenten und setzt 8-9000 Exemplare im freien Verkauf ab. Die Alternativmedien mögen noch so wichtig sein . Z Magazine Michael Albert Wir wollten eine Zeitschrift machen. Wir wollten sie aber auch so gestalten. Looking Forward: Participatory Economics for the Twenty-first Century (South End Press 1991). die Geschlechterfrage. die Herrschaftsfrage. Z Magazine ist eine Vierteljahreszeitschrift über Strategien und Visionen. um dem in den USA bestehenden Mangel an progressiven Veröffentlichungen über die Beziehungen zwischen den Rassen. was man anstreben sollte 198 .

und doch habe ich auf diese Weise einen besseren Zugang zu den Quellen als die etablierten Wissenschaftler-oder auch als der CIA. Ohne Geldmittel. er wird alljährlich für die beste Entlarvung einer gespaltenen Zunge verliehen. nicht mehr und nicht weniger. der die hebräischen Zeitungen für sie durchsieht. Ich habe ja kein Forschungsbudget für diese Sachen. Etwa zur selben Zeit. man kann es übrigens im Publisher's Weekly nachlesen. Ted Koppel und andere. IM MIT Chomsky South End Press ist erfolgreich . Die Nationale Vereinigung der Englischlehrer hat einen sogenannten »Orwell-Preis« gestiftet. Und Kultur und Humor wollten wir auch noch anbieten.Journalistin für den Boston Globe ein Interview mit dem Menschen.oder besser gesagt. die wichtigen Sachen ausschneidet und analysiert und das Ergebnis herschickt — aber ich schon. Doch obwohl darunter viele gute Bücher sind. So ist es eben. bringt aber eine Menge Bücher heraus. der für diesen Preis zuständig ist. Ich zum Beispiel stehe stundenlang am Kopierer und produziere Papiere für Freunde im Ausland. das wir bei den bereits existierenden Zeitschriften vermißt haben. und zwei Jahre zuvor hatte ich ihn für mein Buch On Power and Ideology erhalten. und es ist wichtig zu wissen. N e h m e n wir etwa den Boston Globe (. es ist so gut wie unmöglich. Nun also bekamen Ed Herman und ich ihn für Manufacturing Consent. Nun war es meines Wissens das erstemal. nämlich einen aktivistischen Schwerpunkt setzen und damit den vielen Bewegungen im Land Won Nutzen sein. Die haben eben keinen hellwachen Typ in Israel sitzen. South End Press hat furchtbar kämpfen müssen.) Manchmal ist es geradezu komisch .und was man verbessern kann.. Also nichts in der Art von Ted Koppel — es war eine Medienkritik. ein Buch von South End mal irgendwo rezensiert zu bekommen. Aus einem Interview mit David Barsamian im MIT. Februar 1990. machte eine .so eine Zeitschrift war nirgends zu finden. hat bislang überlebt. Der Verlag bildet eine kleine Kooperative und verfügt auch nur über sehr begrenzte Mittel. Lydia Sargent Und dann wollten wir etwas bieten. Sie führte dann auch einige Namen von Preisträgern aus den letzten Jahren auf. ohne Zugriff auf die lautstarken Medien hat man nur eine äußerst begrenzte Reichweite. So besteht zwischen vielen Dissidenten eine Kooperation. Nur mit harter Arbeit läßt sich dann überhaupt etwas erreichen. Und dann handelten die beiden derart ausgezeichneten Bücher auch noch von den Medien. Allerdings gab es eine auffällige Lücke: Ausgerechnet die Gewinner dieses Jahres blieben unerwähnt. bis endlich mal eines ihrer Bücher rezensiert wurde. ich glaube im November. welche Kompensationsmöglichkeiten es gibt. aus dem sie etwas für sich gewinnen können und in das sie sich einbringen können. und das- 199 selbe tun sie für mich. ohne Rückhalt bei Inserenten. . Und darüber konnte sie natürlich nichts bringen.zum Beispiel im letzten Herbst. Ihnen muß ich das ja nicht erzählen. Eine Zeitschrift.übrigens ziemlich linksliberale . Es las sich alles sehr positiv: Tolle Idee. kriege auch keinen Sonderurlaub dafür. die dort in derselben Lage sind wie ich hier. Es sollte ein Magazin sein. daß jemand den Preis zweimal bekommen hatte. die die Leute begeistern und ihnen eine Art Strategie oder sogar eine Vision vom besseren Leben vermitteln kann .. das den Menschen etwas bedeutet. so einen Preis gegen gespaltene Zungen zu verleihen.

legen wir auf diese Kriterien besonderen Wert. Ähnliche Ziele werden auch von anderen progressiven Organisationen in vielen Ländern verfolgt. Wir büßen dabei zwar etwas an Produktivität ein. der »beste« Redakteur zu sein. Wir besorgen uns die Manuskripte. steuern alle ihre Intelligenz bei. nicht nur. BOSTON Karin Aguilar-San Juan Unsere Titelauswahl und Geschäftspolitik beruht auf Grundsätzen. und unsere Produktentscheidungen richten sich danach.wenn ein Buch produziert wird . Gemeinsam mit 7.VERLAG »SOUTH END PRESS«. die die Gesellschaft von Grund auf verändern möchten oder die nach Wegen suchen. die für die Bewegung relevant sind. 200 . Die Bücher des Verlages sollen der Förderung kritischen Denkens und konstruktiven Handelns in den entscheidenden sozialen und ökologischen Fragen im In.und Ausland dienen.« Wenn solche Entscheidungen anstehen. und alle Entscheidungen allein treffen will. dies zu erreichen. auch wenn wir damit kein Geld verdienen können. weil vielleicht tausend Leute daraufwarten. bei den vielen Fusionen und Übernahmen. Magazine.die Arbeit auch alle gemeinsam und lernen dabei alles Mögliche. Loie Hayes Und dann machen wir . Speak Out! (ei- ner Rednervermittlungsagentur). vor allem für solche Leser zu arbeiten. aber jeder von uns hat Einfluß und kann zu den übrigen sagen: »Das sehe ich aber anders. Seit seiner Gründung im Jahre 1978 versucht der Verlag. Gerade heutzutage. dem Publishers Support Project und dem New Liberation News Service arbeitet South End Press im Institute for Social and Cultural Change an der Ver- breitung von Informationen und kritischen Analysen. Auch sollen sie den unterschiedlichsten demokratischen Bewegungen in der Gesellschaft eine Stimme verleihen und Alternativen zu den Produkten der Großverlage anbieten. South End Press ist ein gemeinnützig arbeitendes Buchverlags-Kollektiv. wer zufällig die längste Erfahrung besitzt oder die »beste« Schule besucht hat und deswegen meint. 175 Titel wur- den bereits produziert. ob die Menschen sich unsere Bücher leisten können und ob ein Buch herauskommen sollte. die für die großen Verlage mit ihren Bindungen an die Großunternehmen nicht in Frage kommen.

denn wir spielen seine Bandaufnahmen ab. Berichtsniveau und Diskussionsfreiheit kaum eines der großen Medien mithalten kann. Dieser Sender ist zu einer bedeutenden Gemeinschaftseinrichtung geworden. In Frankreich verfügen viele lokal operierende Gruppen über eigene Radiosender. Er hat das übrigens auch schon selbst bemerkt. können ihre Gedanken einbringen. Auch in manchen Regionen [der USA] läßt sich der potentielle Wert nicht-kommerzieller Stationen ausmachen. Einer der bekanntesten ist Radio Zinezine. können Erfahrungen machen und so fort. mit dessen Weltsicht. das der progressiven Kooperative Longo Mai in der Haute Provence gehört und rund um die Uhr sendet. Es ist für die ganze Fortschrittsbewegung wichtig. Das aber ist teilweise dem Sender KGNU zu verdanken. wo man ständig hinter dem effektvollen Filmschnipsel her ist. wie dies erreicht werden kann. denn im Gegensatz zum Fernsehen. Noam Chomsky ist in den letzten sechs Jahren wohl dreimal dort gewesen und hat eine riesige Zuhörerschaft angezogen. was die großen Medien ihnen vorführen wollen. So übernehmen sie ihre menschliche Rolle als Beteiligte im politischen und gesellschaftlichen System. Alternative Radio. deren Wiederbelebung und Stärkung jedem am Herzen liegen sollte. Es wird von über 100 Sendern in . der sich dem Propagandasystem entgegenstellen will. Seit 1978 bin ich ein solcher Einmischer. Meine »Organisation«. sondern spricht über Dinge. sondern mit der Vernunft«. wir übertragen seine Interviews und seine Vorträge. 307 *1) Public radio/TV: Mit öffentlichen Mitteln arbeitender Sender *2) Publicly-owned station: Staatseigener Sender 201 Warum brauchen wir das Radio? Edward Said hat es »die oppositionelle Form« genannt. und wenn er dann selbst nach Boulder kommt. können die Leute einschalten und ihm zuhören.nicht in Bildern zu denken.trotz der Rückschläge. die sie in der Ära Reagan/Bush hinnehmen mußten . über die viele zuvor isoliert lebende Landwirte informiert und aktiviert werden können. sie sind vielleicht das am schnellsten wachsende Medium. Ich selbst produziere und vertreibe jede Woche ein politisches 60-Minuten-Programm. verbunden mit einem verbessertem Zugang. die vorher keinen Zugang zu diesem Medium hatten. Und auch die Öffentlichen Kanäle *1) stellen . nämlich linear . eine grundlegende Medienreform muß in die politischen Programme Eingang finden.BÜRO DES Z MAGAZINE. so etwa bei Radio Pacifica. »anders zu denken. Wir sehen es ja in Boulder (Colorado). sie können selbst darauf Einfluß nehmen. und so werden die Menschen zu wahren Menschen. aber vor allem ist es enorm billig und erreicht Gemeinden. »Conclusions« in Manufacturing Consent S. intensiv zu diskutieren. BOSTON David Barsamian Seit etwa 10 Jahren weisen die Hörerradios in den USA einen erheblichen Zuwachs auf. Im Radio kann man sich einmischen.immer noch eine mögliche Alternative dar. ein Kämpfer im Äther. ist Teil einer florierenden Bewegung lokaler nicht-kommerzieller Sender mit unabhängigen Produzenten. sei es für das Radio wichtig. Auch die anhaltende Kommerzialisierung der Öffentlich-rechtlichen Sender *2) müßte entschieden bekämpft werden. Gründe dafür gibt es viele. Chomsky In so einem Hörerradio wird den Leuten Tag für Tag ein neuer Blick auf die Welt und ein anderes Verständnis der Dinge geboten und nicht nur das. Ja. die jeder kennt. Er bringt ja auch keine exotischen oder esoterischen Sachen. Eine demokratische politische Ordnung bedarf auf lange Sicht einer erheblich ausgeweiteten Einwirkungsmöglichkeit auf die Medien. Sie können es sich nicht nur anhören.

Kanada und den USA ausgestrahlt und gelangt außerdem über Kurzwelle in mehr als 70 Länder. daß die meisten Sender nur halbstündige oder allenfalls einstündige Blöcke bringen. Und wie trägt sich das alles? Nun.« Genau davon reden wir. Den Sendern berechne ich nichts.die wollen nur unser Geld.und Frequenzpläne können angefordert werden bei RPI. erscheint es mir doch aus psychologischen wie politischen Gründen erforderlich. An diesem Satellitensystem hängen Hunderte von Sendern wie an einer elektronischen Nabelschnur. Eugene. H2X 2T7. Tel. und obwohl solche Kritik auch noch weiter geäußert werden kann. Bruce Girard von AMARC hat ein Buch mit dem Titel A Passion for Radio herausgegeben. mit der Umwelt sowie mit Wirtschaftsthemen wie NAFTA/GATT und anderem. gefolgt von vier Interviews zu je 30 Minuten. Die einzelnen Stationen rufen das Programm dann vom Satelliten ab und strahlen es zu einer bestimmten Uhrzeit aus. C. 20001. Immerhin wurde die Ausstrahlung durch das Pacifica-Netz verbreitet und löste eine gewaltige Hörerreaktion aus . St. geschrieben vom Radiozauberer Randy Thom. Es war meine erste landesweite Sendung. Ein Thema kann in einer Stunde gut abgehandelt werden. das über die Situation der lokalen Radios in verschiedenen Ländern informiert. positive Alternativen aufzuzeigen. Sie vertreiben auch Audio Craft. Ganze Berge von Papier belegen die Beherrschung der Medien durch Wirtschaft und Industrie.ein Vortrag von 90 Minuten. die verschiedenen Ansichten und Blickwinkel zu verbreiten. Suite 704. wenn ich ein Programm produziere und es dann ein Ladenhüter wird? Wer mehr wissen oder eine lokale Radiostation aufziehen möchte. OR 97440. durch den Direktverkauf von Audiokassetten und Niederschriften an die Hörer. Canada. Das Radio hat etwas Intimes.oder Hörerradio bietet. die World Association of Community Broadcasters. 20036. Australien usw. Zweifellos ist das Radio unter allen elektronischen Medien das billigste. C. Laurent. es bemächtigt sich nicht der Vorstellungskraft seiner Hörer. Das Programm muß kurz vor der vereinbarten Zeit am uplink bereitstehen.und Regionalsender. USA. und ich unternahm damals etwas Unerhörtes: Ich buchte auf dem Satelliten einen Block von dreieinhalb Stunden Noam Chomsky . Das ist natürlich teuer und unpraktisch und auch schlecht für die Tonqualität. Tel. Ich warte wirklich darauf. Gerade wird die Fusion zwischen Bell Atlantic und TCI angekündigt. Die Technik ist einfach. 3575 Blvd. muß ich also Bänder verschicken.und Dienstleistungsorganisation für Lokal. Washington.oder Hörerradios. spanischer und französischer Sprache. Mein Ziel ist es. Mehr als 400 Stationen haben downlinks. niemand hatte mir gesagt. die Kosten niedrig.das Radio bietet uns die Möglichkeit dazu. Aber keine Angst . »mehr demokratische Möglichkeiten als jedes andere Massenmedium in den USA. 666 11 th Street NW. Dies ist für uns lebenswichtig . Für das gesprochene Wort . können also die Sendungen über ihre Schüsseln empfangen. AMARC verfügt auch über Fachliteratur in englischer. USA.und Mobilisationsmedium ernsthaft in Erwägung ziehen. mit den Worten von William Barlow von der Howard University. Die ARProgramme befassen sich mit den übrigen Medien. Washington. das mir am meisten zusagt. Es war 1986. also muß für die Stationen alles möglichst einfach und schmerzlos sein. »Alternative Radio . Die Einspeisung von Programmen erfolgt über ca. (202) 393-2355. Bei all ihren Medienproblemen haben die USA doch unter allen Ländern das am besten ausgebildete Netz von Regional. der US-Außenpolitik. Das Lokal. Montreal. Das Arbeiten mit den vom Satelliten gesetzten Terminen ist wie ein unablässiger Reiz. Er steht in Santa Ana. Betrieben wird das Ganze vom National Public Radio.wie bei mir . nach Kanada.« Alle politisch Engagierten sollten das Radio als Aktions. nämlich vom Sender Radio for Peace International. Costa Rica. USA.ist es sowieso ideal. Man kann auch live über den Satelliten senden. (202) 822-2323. daß wir eines schönen Tages endlich über ein globales Netz verfügen. daß die Programme ausgestrahlt werden. NFCB ist eine zentrale Vertretungs. PO Box 10869. Alternative Radio nahm einen bizarren Anfang. Nähere Auskünfte über das Satellitensystem und seine Benutzung erteilt NPR. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Und es ist dasjenige. Leider ist das Satellitensystem auf die USA beschränkt. Außerhalb der USA kann man sich an 202 AMARC wenden. Es war eben das sprichwörtliche Lehrgeld.Audio Combat« in Z Papers (Oktober/Dezember 1993). schließlich möchte ich ja. D. Im ersten Heft der Z Papers schreibt Edward Herman: »Eine umfassende Demokratisierung der Medien kann nur in Verbindung mit einer durchgreifenden politischen Revolution erfolgen.der Weg für AR war vorgezeichnet. David Barsamian. dem Rassismus und den Rechten der indigenen Völker. einen nützlichen Ratgeber zur Produktionstechnik. . Nie habe ich auch nur einen Pieps zum Inhalt eines meiner Programme von denen vernommen. 20 uplinks. sollte sich an folgende Adresse wenden: National Federation of Community Broadcasters. Der Trend zur immer stärkeren Konzentration von Macht und Kapital setzt sich fort. D. zum Beispiel bei den Nachrichten oder bei besonderen Anlässen wie Hearings oder Demonstrationen. Man hat sozusagen ständig ein Magnetband als Damoklesschwert über dem Kopf schweben. Sende. Was habe ich davon. Que. 2025 M Street NW. In Ermangelung eines guten örtlichen Senders kann man progressive Programme auch über Kurzwelle empfangen.

und vielleicht könnten andere dabei mitmachen. Sein Buch warf mich förmlich um. Als das Video sendereif war.vier Stunden. Anfangs hatte ich geglaubt. die nicht ins Kino gehen. Es dauerte nicht lange.« . um noch in Vorträge zu gehen.« Und auf S. und lud ihn außerdem zu einem Vortrag an der University of Massachusetts ein. der soll sein eigenes Video machen und das ausstrahlen lassen. Offene Kanäle anzufordern. hier ist »Non-Corporate News«. andererseits dürfen die Kabelgesellschaften diese Kanäle bei unzureichender Auslastung auch anderweitig verwenden.schrieb Abbie Hoffman Steal This Book. entwickeln sie vielleicht ein ganz neues Weltbild. mit zusammen 30. es veränderte mein gesamtes Weltbild und machte mich zu einem politischen Aktivisten. Lynn. über die allwöchentlich 20. Damals erschien mir dieser Vorschlag ungewöhnlich. LYNN Ed Robinson Hallo. der für Beiträge aus dem Publikum offen sein muß. schrieb ich an Noam und schickte ihm einen Zeitungsausschnitt mit der entsprechenden Programmankündigung auf dem Kanal Warner Cable. sondern selbst einen machen. und da solltet ihr alle dem Rat folgen: »Kopiert dieses Video« und es über euren lokalen Offenen Kanal*) schicken. Deep-Dish Television). Jetzt haben wir die Neunziger. Ausschnitte daraus sind auch in Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media zu sehen.AUS »NON-CORPORATE NEWS«. die wir vom American Friends Service Committee ausgeliehen hatten. Dies stellte sich aber sofort als unmöglich heraus. Wenn ich an einen alten Freund schreibe. 1990 gründete ich den Sender Non-Corporate News. Ich wollte selbst etwas ausdrücken.reagierte er binnen einer Woche. und man kann auch kostenlos lernen. Ich solle doch unbedingt Warner Communications davon in Kenntnis setzen.ich hatte gerade sein Buch Turning the Tide gelesen . Ich versprach mir mehr Spaß an der Sache. Das mag etwas über meine Freunde oder über Noam Chomsky aussagen . Was ist Non-Corporate News und warum brauchen wir diese Sendung? (im Off) Ich wollte nicht schon wieder so eine Filmvorführung in einer Stadtbücherei machen. In den 60er Jahren . bis ich eine Antwort erhalte. da bin ich mir nicht ganz sicher . Ich bat ihn damals. daß er im Warmer Cable zu sehen sein werde. die landesweit über Satellit ausgestrahlt werden (z. Über Offene Kanäle ist das kostenlos.vielleicht auch 30.000 Stunden lokaler Programme laufen. außerdem Hunderte lokaler Produzenten. In seiner Antwort teilte er mir mit.000 Haushalte.oder war es Anfang der 70er . Ich selbst verwandelte mich in Laufe der Zeit in einen geradezu fanatischen Copyright-Verletzer. und wir verwendeten 90 Prozent unserer Sendezeit auf professionelle Videos. ich könnte mich auf Originalmaterial beschränken. und zwar genau die. 307 heißt es: »Die Kommunikation über Kabel und Satelliten war nur am Anfang rein kommerziellen Interessen ausgeliefert. Wer die Zeit dafür hat. dauert es gewöhnlich mindestens sechs Wochen. inzwischen hat ihre wachsende Verbreitung das Netz-Oligopol geschwächt und ermöglicht eine verstärkte Nutzung durch lokale Gruppen. die natürlich alle unter Geldnot leiden. dadurch die Leute zu erreichen.aber jedenfalls können das viele Leute sehen. d. In einer Fußnote zu Manufacturing Consent schreiben Herman und Chomsky: »Das Verkabelungsgesetz (Cable Franchise and Telecommunications Act) von 1984 gibt den Städten das Recht. h. B. Als erstes brachte Non-Corporate News natürlich ein Interview mit Noam Chomsky. denn schon für die Produktion der 30 Sekunden kurzen Einleitung benötigte ich zusammen mit zwei Studenten . mir andere vergleichbare Bücher zu empfehlen.ich bin mir da nicht ganz sicher. Wir würden nicht nur einen Film zeigen.000 Menschen . Wir kommen also zu denen ins Haus. Es gibt in den USA bereits an die 3000 Offene Kanäle. ich hoffte. wie das geht. Swampton und Salem. So könnte also zu geringe Nutzung dazu beitragen. Ed Robinson (November 1993) *) In den USA verbreitete Form eines öffentlich lizenzierten Privatkanals. ich schloß mich der Central America Solidarity Association an der Universität an. Als ich 1986 zum ersten Mal an Noam Chomsky schrieb . und wenn sie dann durch die Kanäle zappen. daß die Offenen Kanäle sterben. An dem hiesigen Kabelsender hängen drei Gemeinden. die abends zu müde sind. Es gibt auch schon Produzenten von Programmen. Diese hätten nämlich 1974 den Vertrieb eines seiner Bücher abgewürgt (Näheres dazu in einer Vorbemerkung zu Band 1 von The Political Economy of 203 Human Rights). er habe ein »besonderes Verhältnis« zu Warner Communications (die jetzt zu TimeWarner gehören). Mein Name ist Ed Robinson. und bei denen ich mir ähnliche Reaktionen wünschte.

Meine Zusammenarbeit mit Chomsky erwuchs aus gemeinsamen Interessen und An- sichten. aber danach schrieben wir die zwei Bände. Auch psychologisch liegt in gelegentlichen gemeinsamen Aktivitäten eine Stütze: Ich weiß. Wir legten sogleich eine Verteilung der Zuständigkeiten fest und behielten diese bis zum Schluß bei. weil ihm die Sache grundsätzlich gefiel. Damit beschäftigen sich nun eine Menge Leute. Auf diese Weise brauche ich nicht die ganzen Filmrezensionen zu lesen oder den lokalen Klatsch und bekomme doch die Perle. Er verfolgt die gesamte Los-Angeles-Presse und liest auch viele britische Zeitungen und wertet sie aus. gemeinsam vorzugehen. wenn man viele Zeitungen sorgfältig. ich bin also mit meinen Ideen nicht völlig ausgegrenzt. was draußen ablief. wir konnten unsere Texte gegenlesen und überhaupt gemeinsam alles schneller voranbringen. wer als erster den Vorschlag machte. intelligent und kritisch durchforstet. a. Und indem wir so über unsere Probleme reden. Ich hatte das Vorwort und die ersten vier Kapitel. Meine Chomsky-Akte mißt beinahe einen Meter. Am tiefsten war die gegenseitige Durchdringung beim Vorwort. als es jeder für sich allein vermocht hätte. über Briefe und über den Austausch von Manuskripten. sie auszudrücken. Abwürgen der Umweltpolitik). dem meine Gedanken zusagen. desgleichen die Worte. blähten die sich auf wie Luftballons . Zu Kapitel 1 gab es also ungewöhnlich viele Diskussionen und Abstimmungen. dem Chomsky weitgehend zustimmte. ziemlich bald verkleinern mußten. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern. bei seiner Arbeil die Kommentare des . Im übrigen blieb es jedem überlassen. bei Kapitel 1 und in den Schlußfolgerungen. und auch auf anderen Gebieten hatte jeder von uns Vorarbeiten geleistet und genauere Kenntnisse erworben. Die Manuskripte zu jedem Kapitel wurden ausgetauscht. mit einem Vergleich des Medienbildes der terroristischen Staaten Libyen und Südafrika) sowie weitere über einige innenpolitische Fragen (Reaganomics.BÜRO IM MIT Chomsky Es entwickelt sich so eine Art kooperativer Netzwerke. Einer hatte vielleicht eine Idee . vor allem zum ersten Kapitel. ursprünglich hatten wir nämlich auch noch ein umfangreiches Kapitel über den Terrorismus vorgesehen (u. waren wir beide mit anderen Projekten für den Pantheon-Verlag im Verzug. und um welche Frage es dabei ging. Persönlich haben wir uns kaum je gesehen. HARVARD UNIVERSITY Edward S. unklar blieb nur. Wir hatten sogar schon so 204 viel Material vorliegen. aber es gab eine intensive Korrespondenz mit Artikeln. in dem ein Modell vorgestellt wurde. und zwar in kürzerer Zeit und auf einem höheren Niveau. die sich auch untereinander austauschen. das im folgenden Anwendung finden sollte.und benötigte Hilfe bei der Klärung und Ausarbeitung. Als wir beschlossen. Chomsky hatte die Kapitel 5 und 6 und schrieb auch den ersten Entwurf für Kapitel 7. den das Buch abdecken sollte. es ergab sich einfach von selbst und wirkte offensichtlich ebenso effizienzsteigernd wie psychologisch aufbauend. Mir schwebte bereits ein Kapitel über ein theoretisches Modell vor (»Propagandamodell«). Sobald wir mit der Arbeit an den ersten Kapiteln begannen. Gedanken und Kommentaren zu dem. Da wird viel über die Post kommuniziert. die gelegentlich dabei ist und die man erwischt. Skizzen und Gliederungen tauschten wir laufend aus. Manufacturing Consent gemeinsam anzugehen. Außerdem verspürten wir die Synergieeffekte der Zusammenarbeit: Unsere Gedanken flössen ineinander. alles lief übers Telefon. daß wir den Bereich. Herman (Co-Autor von Manufacturing Consent: The Political Economy of the Mass Media und The Political Economy of Human Rights) Wir haben also dieses zweibändige Werk geschrieben. wer das Schlußkapitel übernehmen würde. und genau dabei wollte der andere mitwirken. kommt uns beiden gleichzeitig der Gedanke. ich plante ein Buch über die Medien. Hier habe ich zum Beispiel einen Stoß Papier. Ganz zu Anfang trafen wir uns einige Wochen lang.oder einen ganzen Schwärm davon . da ist jemand. unsere Kräfte zu bündeln und dadurch ein einziges Werk über die Medien zu schaffen. Jeder lieferte auch die jeweiligen Anhänge zu seinen Kapiteln. Chomsky eines über Medienfragen. praktisch ohne uns zu sehen.wir kamen um tiefe Einschnitte wirklich nicht herum. den ein Freund von mir in Los Angeles zusammengestellt hat.

vor allem weil ich wirklich der Hauptverantwortliche für das Modell war und es viel enger an meine früheren Analysen in Corporate Control. weil es aus Chomskys linguistischen Theorien abgeleitet worden sei. Die Zusammenarbeit war einfach angenehm und effizient. insbesondere in einer Marionettenregierung]. Dieses Büchlein sollte später eine gewisse Berühmtheit erlangen. wollte meine Meinung zu Gehör bringen und herausfinden.. so nahm sie in den Jahren des Vietnamkriegs den zentralen Platz ein..und Kreditwesen (da gibt es viele).und Bankwesen. 1966 und 1971 veröffentlichte ich Bücher zum Vietnamkrieg. Damit stand er zwar nicht allein. es behandelt die Zentralisierung und Steuerung der großen US-Konzerne sowie die Chancen einer Reform von innen heraus (die mir gering erschienen). In den 80ern und frühen 90ern habe ich weiter über außenpolitische Frage geschrieben: Zwei Bücher über den Terrorismus. Herman . versuchte Carlin Romano mit großem Aufwand nachzuweisen. eine neu zu schreibende Geschichte des Vietnamkriegs. 1973 produzierten wir auch einen schmalen Band über das heiße Eisen der »Blutbäder« (man erwartete allgemein ein solches.) War die Außenpolitik vorher nur ein Interessengebiet unter mehreren gewesen. Aus Antworten von Edward S. Herman auf Fragen des Journalisten David Peterson (unveröffentlicht) Ich habe an der University of California in Berkeley meinen Ph. Finanzinstitutionen sowie Struktur und Politik der Konzerne gearbeitet (einschließlich Konkurrenz. Gleichzeitig erschien im selben Verlag ein Folgeband mit dem Titel After the Cataclysm: Postwar Indochina and the Reconstruction of Imperial Ideology [Beide Bände bilden zusammen The Political Economy of Human Rights. In diesem Feld habe ich dann hauptsächlich auf den Gebieten Geld. die in Tikkun erschien. Ich engagierte mich. Ich hielt auch Seminare über Medien an der dortigen Annenberg School. Während meiner Wharton-Zeit habe ich viele Bücher über Finanzinstitutionen und -kontrollen geschrieben. Von 1958 bis zu meiner vorgezogenen Emeritierung lehrte ich an der Wharton School of Economics der Universität von Pennsylvanien. als die Muttergesellschaft (Warner) unseres Verlegers (Warner Modular) aus lauter Abscheu über unser Produkt nicht nur das Buch vernichten ließ.anderen zu berücksichtigen. sollten sich die USA wirklich aus Vietnam zurückziehen). in Wirtschaftswissenschaften gemacht. dazu gehörte auch eine Untersuchung über die Treuhandfunktion der Banken und eine andere über Interessenkonflikte im Spar. Noch etwas in Parenthese: In einer besonders dummen Besprechung von Manufacturing Consent. denn wir hatten das gleiche Interesse und dieselben Ansichten über den Krieg und die 205 Außenpolitik. aber ich bin mir nicht sicher. Über das fertige Werk bestanden kaum noch Meinungsunterschiede. Corporate Power an- knüpft als an irgendeine andere Quelle. das Propagandamodell habe allein schon deshalb einen künstlich-mechanischen Charakter. aber diese Meinung ist in mehrfacher Hinsicht absurd. Meine Themen verschoben sich nach und nach fast automatisch von den Finanzinstitutionen und ihrer Macht über das Konzernsystem als solches bis hin zu den Medien. ist Corporate Control. Ansporn erfuhr ich dabei durch mein wachsendes Interesse an der Außenpolitik. wie die Medien mit außenpolitischen Fragen umgehen (. ob es jemals dazu kommt. Mein vielleicht wichtigstes Buch. ein Seminar über Vorurteile in den Medien lief bis 1992. sondern gleich die ganze Tochterfirma liquidierte. damals setzte auch unsere Zusammenarbeit ein (ich glaube. Corporate Power (Cambrid- ge University Press 1981). [Fin Quisling ist ein Verräter. In dieser Zeit lernte ich Chomsky kennen. auch für die Allgemeinheit. D.und Monopolfragen). eines über »Wahlen durch Demonstrationen« und noch einige andere.dieses eine überar- beitete und erweiterte Fassung des vernichteten Vorläuferbandes.}. Seit einigen Jahren reden wir gelegentlich über ein weiteres gemeinsames Projekt. erschienen 1979 bei South End Press und Black Rose Books. der in seinem Land mit Besatzern kollaboriert. Nachzulesen ist diese Episode im Vorwort zu unserem Buch The Washington Connection and Third World Fascism . alles begann mit einem Artikel in Ramparts: »Saigon Corruption Crisis: The Search for an Honest Quisling«). 1988 nahmen wir mit Manufacturing Consent unsere Zusammenarbeit erneut auf. Jeder fühlte sich durch die sorgfältigen Korrekturen und Anmerkungen des anderen in seiner Arbeit bestärkt. Außerdem schreibe ich regelmäßig für Z Magazine und Lies of Our Times. Edward S.

Beispielsweise gab es Informationen über Waffenverkäufe der USA an den Iran. können auch Menschen etwas tun. HUMANIST TV. Aber eigentlich denken Sie dabei an eine Machtübernahme durch die Armee? Kimche Doch..02. die mitmachen und etwas riskieren. Gruppen. daß das Volk sie auch kennt. wir hätten gern eine starke Armee im Iran. die Informationen hätten gedruckt vorgelegen.. 174 Kimche Chomsky Wenn ich sage. Die USA suchen ganz zweifellos herauszufinden. 01. Da liegen ihre größten Probleme. Granaten. Joop van Tijn Tibenham Entschuldigung.) Richard Helms (ehemals CIA-Chef und US-Botschafter im Iran) Wenn man einen Putsch inszeniert.BÜRO IM MIT Chomsky Am Ende verfügt man dann über Möglichkeiten. Informationen können gedruckt vorliegen und trotzdem für die Menschen nicht verfügbar sein. die Lügen von heute mit der Wahrheit von gestern zu vergleichen und so weiter.. All das ist nötig. und es wäre völlig sinnlos.also Waffen. vormals Vizechef des Geheimdienstes Mossad) oder den Gang der Dinge zu beeinflussen. auch The Fateful Triangle S. geschweige denn ein Wissenschaftler. daß sie sich in jeder Einzelfrage so etwas auflädt. Also die Informationen sind schon da. die Fakten seien verfügbar.82 Tibenham Vgl.. NIEDERLANDE Chomsky Die Waffenlieferungen an den Iran beispielsweise habe ich in Niederschriften von BBC-Sendungen entdeckt. dem iranischen Militär Beistand zu leisten. der einen großen Teil seiner Zeit und Energie darauf verwendet. wie sie wohl kein Geheimdienst hat. aber eben nur für einen Fanatiker. dann benötigt man natürlich eine reale Basis . Denn sehen Sie mal. Das ist eine echte Forschungsaufgabe. was sie in dieses Spiel mit einbringen können. von der gesamten Bevölkerung zu erwarten. Sie sagten doch. Außerdem benötigen sie Munition. Im Oktober 1980 wurde der Iran von seinem Nachbarn Irak angegriffen. wer findet die gedruckte Information? Der fleißige Forscher. BBC »Panorama«. die man gern im Iran an der Macht gesehen hätte (. Jetzt gab es plötzlich ein weiteres antizionistisches Moslemregime. Hier war die ideale Chance für Israel. Philip Tibenham (BBC Reporter) So stellten der Sturz des Schah und die Rückkehr Khomeinis für Israel eine Katastrophe dar. um einen Regierungswechsel herbeizuführen 206 Chomsky Ich möchte noch mal betonen. was doch auf der Hand liegt. dann meine ich nicht. ich möchte hier nicht direkt aussprechen. würde es israelischen Interessen dienen. sie zusammenzutragen und ihre Bedeutung herauszufin- . Naja. was ich vorhin schon sagte. Ich habe unsere Position deutlich gemacht. 458-459 und Das heißt also: Insoweit Israel gern die iranische Armee gestärkt sähe. Ja.so jemand. Ihr größtes Problem ist derzeit: Ihnen fehlen Ersatzteile und amerikanische Waffen. der auf die Ölfelder von Khusistan aus war. denn das waren genau die Leute. alles zu durchforschen. Bomben usw. Also: Wenn man kein Geld hat. Menschen.) David Kimche (israelischer Außenminister. möglicherweise (. wenn die USA dieses Material an den Iran lieferten? The Culture of Terrorism S. Den Israelis war dringend an einer Wiederherstellung des früheren Verhältnisses zum Iran gelegen. der viel Zeil und Energie darauf verwendet. denn wir leben in der Praxis und spielen kein theoretisches Modell durch. und dann habe ich auch irgendwo ein Interview mit einem israelischen Botschafter gelesen und wiederum irgendwas in israelischen Zeitungen.

wenn man eine Regierung stürzen will. in dem dargelegt wurde. ]oop van Tijn Aber entschuldigen Sie. bewaffne man das Militär. klassische Poli- tik .nämlich die Politik. wie erreicht man. bewaffnet man am besten die Armee des betreffenden Landes. Also dieses Buch soll eine Hilfe sein. aber doch nicht das amerikanische Volk. fügt sich alles zusammen. daß es auch alles so gut zusammensetzen kann? Chomsky den. daß der Durchschnittsbürger sich diese ganze Arbeit macht. Für die große Mehrheit existiert die Information einfach nicht. Waffen nach Indonesien zu schicken? Hat es sich 207 Einer muß es eben tun. Ich investiere viel Arbeit und mir wird klar. die USA verfolgen hier nur eine ganz. dann erkennen Sie das Muster. dann muß ich wissen: Was geschah in Chile? Und was in Indonesien? Welche klassischen politischen Mittel setzt man ein.in den Iran schikken. Aus einem Interview mit Joop van Tijn in Humanist TV. die wir dann später in den Iran-ContraAnhörungen wieder zu Gesicht bekommen sollten.aha! das paßt genau ins klassische Schema.bezahlt gemacht?« Und er antwortet: »jawohl. wie das System die Tatsachen verzerrt.06. Fragt ihn ein Kongreßabgeordneter: »Welchen Sinn hatte es.also amerikanische Waffen . was sich in den Iran-Contra-Anhörungen abspielte. daß das amerikanische Volk genau so gut informiert ist wie Sie. die Grundlagen für den Putsch seien unter anderem auch durch die Verbindungen der USA zum indonesischen Militär gelegt worden. stützen wir immer die Armee. Um eine Regierung zu Fall zu bringen. die Frage ist doch. sondern es soll den Menschen zu erkennen helfen. wenn man eine Regierung zu Fall bringen möchte? Was hat der israelische Botschafter gesagt? Was haben Kimche und Jacob Nimrodi gesagt? Man muß all diese Detailinformationen auffinden und ins Auge fassen können und dann . Dieselbe Politik wurde mit Sukarno in Indonesien verfolgt. in anderen Fällen diese Verzerrungen zu kompensieren. es soll nicht unbedingt bestimmte Einzelfälle erklären. Statt uns mit einer Regierung direkt anzulegen. erklären. Und wer fleißig genug gräbt. der findet heraus. Um die Regierung zu stürzen. 10. daß der israelische Botschafter irgendwo in einem Interview gesagt hat: »Unsere Waffenlieferungen an den Iran« (das war 1982) »erfolgen in Abstimmung auf höchster Ebene mit den USA«. Wenn man das tut.beispielsweise wie die USA bei Allende in Chile vorgegangen sind. genau so privilegiert. warum sie Waffen . Und wenn ich dann weiter lese. Sie haben vorhin gefragt. es hat sich bezahlt gemacht. Wenn Sie auch nur ein wenig von der Geschichte wissen. dann kann ich das alles zusammenfügen und etwas daraus machen. Wenn ich durchschauen will. daß Verteidigungsminister McNamara sich das hinterher auch gutgeschrieben hat.89 . Niederlande. Ich hab's ja gerade angedeutet. worum es in unserem Buch [Manufacturing Consent] geht.« Dann weiß man auch über einen Untersuchungsausschuß des Repräsentantenhauses Bescheid. Aber man kann doch nicht erwarten. auf die man immer dann zurückgreift. und ich lese das: Dann weiß zwar ich es. denn dann sind sie in der Lage. Wenn zum Beispiel in einer einstündigen BBC-Sendung von 1982 dieselben hochrangigen Beamten.

Die Menschen erfahren ja viele Einblicke überhaupt nicht. das ist so. Forschung. Ich sage ihnen. daß Menschen wie ich . das wollen sie hören. und ich glaube auch so ungefähr zu verstehen.) Jetzt hängen wir im Staatssystem drin . die sie durch bestimmte Informationen gewinnen könnten. Also sowas kann ich. So ist die Frage einfach falsch gestellt. das ist so. wie es in der Welt zugeht . Und genau die möchte ich liefern. dann glaube ich nicht. daß es Staaten geben muß.soweit man das überhaupt kann.soviel ist zu erwarten... Und auch wenn dieses System auf Dauer angelegt wäre. Diese stellen aber in der Geschichte eine temporäre Phase dar. Und genau so hing die Welt für eine gewisse Zeit im System der Sklaverei. was ich kann und was ich besonders gut kann . Dies ist nun aber eine äußerst nützliche Quelle für die Menschen. Ich bin wirklich nicht darauf aus. als würde man fragen: Welches Feudalsystem wäre das beste für uns? Welche Form der Sklaverei wäre die beste? 208 . S. die sich aktiv organisieren und dafür engagieren. daß es den Staat geben muß.. dann fühlt man sich belohnt.der am wenigsten schrecklichen . was ich denke. daß die Menschen sich selbst überreden können. denn es ist ein tödliches System. und hoffe natürlich. Chronicles of Dissent S. Man sollte es auch nicht. Sie sind aber nicht notwendig (. Und wenn man dabei mithelfen oder mitmachen kann.ich möchte es nicht. SEATTLE Frau Können Sie sich eigentlich vorstellen. Studien. Chomsky Also zunächst muß man sich fragen. Ich weiß. Es wird nicht andauern . mehr nicht.zu fragen.. in Language and Politics.also jedenfalls nicht auf unsere Regierung. Staaten sind David Barsamian Was denken Sie vom Staat? Sind Sie ein Isolationist? Wie würden Sie sich politisch charakterisieren? Chomsky Vermutlich gehen Sie davon aus.zum Beispiel Analysen. doch noch lieber ist es mir. Aus einem Interview mit David Barsamian. daß wir gerade deshalb so leicht von den Mächten manipuliert werden können. und ich will auch den Grund dafür nennen. die Leute zu irgend etwas zu überreden . daß gerade weil jeder unbedingt aufs eigene Land stolz sein will . 745 Davon auszugehen. sie von meiner Wahrheit zu überzeugen. denn sie setzt die Notwendigkeit von Zwang und Fremdbestimmung voraus. könnte es nicht lange überleben. dann ist das . Man konnte dann über die verschiedenen Arten von Sklaverei diskutieren und nach der besten suchen...also ganz naive Menschen .eines Tages wieder stolz auf die Vereinigten Staaten sein können? Sollte man sich das überhaupt wünschen? Denn es könnte ja sein. Sie wissen schon. NIEDERLANDE Chomsky Ich bin kein Freund von falscher Bescheidenheit.HUMANIST TV.zumindest für eine gewisse Zeit. Denn wenn man damit die Regierung meint. daß die Welt irgendwo ein kleines Stück besser wird. Darum kommen sie. was man mit dem eigenen Land meint. als würde man fragen: Welches Feudalsystem wäre das beste für uns? Welche Form der Sklaverei wäre die beste? In einer bestimmten historischen Phase mochte es durchaus sinnvoll gewesen sein. nach der besten Form der Sklaverei . Im großen und ganzen ist meinen Zuhörern das wohl auch klar. wenn sie sich von einer ihnen gemäßen Wahrheit überzeugen lassen. 119 UNIVERSITY OF WASHINGTON. Über den Staat zu diskutieren. über die Sie hier gesprochen haben. Ich möchte. daß man jemals darauf stolz sein kann (Beifall) oder auf irgendeine Regierung .

je mächtiger sie sind. ohne dieser Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Keine schöne Sache. daß man jetzt so langsam mal über die Tatsachen nachdenken kann. Das ist doch schon ein Fortschritt. daß wir hier sind? Weil an die 10 Millionen Eingeborene ausgerottet wurden.da gibt es nichts. daß die Staaten um so mehr (lewalt ausüben. nicht nur bei uns. was sich dann abspielte. das man gern weitererzählen würde. als immer behauptet wurde. steht die Regierung für eine bestimmte Machtstruktur.gewalttätige Institutionen. Wenn ihr euch nur mal die Geschichte Amerikas anschaut . Noch in den 60er Jahren hat man immer nur an Cowboys und Indianer gedacht. Näherungsweise könnte man sagen. Sogar die Wissenschaft konnte erst in den 70ern ernsthaft an die Fakten rühren. und sie wendet dabei normalerweise (lewalt an. an Völkermord grenzte. Die 60er haben immerhin bewirkt. Wie kommt es denn. Wir haben zweihundert Jahre durchlebt. daß das. daß sie über eine hochentwickelte Kultur verfügten. daß es viel mehr Eingeborene vielleicht 10 Millionen mehr . 209 . Zum Beispiel an die Tatsache. In jedem Land.gegeben hatte.

fast erdrückend schwere Aufgaben.... Radical Priorities S.aber nicht 210 aus Apathie. und so wenden sich viele lieber wieder ihren Privatangelegenheiten zu .»AMERICAN FOCUS«. die mit einem eindrucksvollen Sieg der Wirtschaftslobby und der Rechten endete. die vor 20 Jahren abliefen. in andere Bereiche der Gesellschaft und auf anderen Problemfeldern. die ebenfalls nach Unabhängigkeit streben..ihre Institutionen und ihre gesamte Kultur . Heute ist das anders . der zaghafte Widerstand. heute ist er im allgemeinen Bewußtsein verankert.) Dieses Phänomen ist aber keineswegs aus dem Nichts entstanden. Was lag nun näher. aber überwiegend -jedenfalls ist das meine Erfahrung . eigentlich ging es nur um Vietnam. ihre prägende Erfahrung war Vietnam . Nehmen Sie nur den Feminismus: In den 60ern gab es ihn kaum. 234 Es gibt wirklich eine furchtbare Hysterie in Sachen »political correctness«. Nachrichten.. Die Ökologiebewegung setzte in den 70ern ein. Die Solidarität mit der Dritten Welt bestand in den 60ern auch nur in sehr eingeschränktem Maße. Anscheinend gelingt es vielen amerikanischen Intellektuellen ebenso. wie oft gesagt wird. Zuerst gab es eine Periode intensiver ideologischer Auseinandersetzungen um die politischen und Lehrinstitutionen. aus einem Reservoir aus Sympathie und Unterstützung schöpfen. wie viele ihrer Vorgänger sich mit Stalins Säuberungen arrangieren konnten. Sportberichten. daß mit den technischen Mittel der USA die Bauerngesellschaft Indochinas systematisch zerstört wird. um Indochina vor der völligen Vernichtung zu bewahren. Es herrscht eben nicht die Apathie der fünfziger Jahre. oder mit Hiroshima und Nagasaki.haben sie erkannt. keine Überraschung mehr bedeuten.. sich damit ab- zufinden. Auf die Jugend der sechziger Jahre trifft dies nicht mehr zu.diese Schlächtereien. die wirklich aktiv werden. Man muß bedenken. mit wieviel Kraft und Durchhaltevermögen sie sich engagieren müssen. Kommentaren (. Ein wichtiges Element der Klassenkämpfe in der Nach-Wohlstands-Gesellschaft ist die weitgehende Übernahme der ideologischen Führerschaft durch die Rechte. ist heute ganz selbstverständlich. 53-54 . als einen weiteren Propagandafeldzug zu starten und zu behaupten. vielmehr können diejenigen. es gibt eine Kampagne zur Stärkung des konservativer Einflusses auf die ideologisch bedeutsamen Sektoren der Hochschulen (. Das sind gewaltige.) und es hat sich ein Arsenal von Instrumenten herausgebildet. Vieles von dem. WASHINGTON Elizabeth Sikorovsky Glauben Sie. Zwar mündet ihr Abscheu gelegentlich in eine Anti-Haltung zu Technik und Wissenschaft oder sogar in Irrationalismen.heute ist es der Mainstream in den USA.sich werden verändern müssen. Und dann war das alles in den 60ern eine reine Studentenbewegung.und diese Erfahrung wird sich noch lange auswirken. daß diese Aktionen. soll nicht ein ähnliches Schicksal andere Gemeinschaften treffen. Linksfaschisten hätten das Kommando über das gesamte Kulturleben ergriffen und ihm ihre radikalen Nonnen aufgezwungen. daß diese Bewegungen aus den 60er Jahre in den 70ern und 8()ern immer weiter um sich gegriffen haben. der in das Management kultureller Hintergründe Einblick hat. mit denen das Denken und Reden möglichst eng auf das reaktionäre Ende des ohnehin schmalen Spektrums beschränkt werden soll (. Massenhaft entstehen rechtslastige Denklabors. Ich vermute. und das spricht für sie. diese Täuschungsmanöver. die schmachvollen Rechtfertigungen . und wie tiefgreifend die Vereinigten Staaten . sich bis in unsere Zeit in der Gesellschaft auswirken? Chomsky Die Institutionen wurden dadurch nicht verändert. was damals die Leute schockierte. Year 501: The Conquest Continues S.) So kann der nächste Schritt für den. Aber die Aktionen haben erhebliche kulturelle Veränderungen mit sich gebracht. Dazu zählen bösartige Reden ebenso wie eine Flut von Bestsellern voller mehr oder weniger zurechtgebastelter Geschichten über angebliche Horrorzustände an den Universitäten sowie von Zeitungsartikeln.

dann sind das fast genau die gleichen Schichten. aber wir wissen immer weniger.westeuropäischen Sinn. daß ihre Stimme zu den wirklich wichtigen Dingen überhaupt nicht gefragt ist. Ist eine Gesellschaft einmal entpolitisiert. Die Zusammensetzung dieser Wähler entspricht ungefähr der Gruppe der Nichtwähler in den USA. abgedruckt in Language and Politics. aber wenn man sich das sozio-ökonomische Spektrum derjenigen Hälfte unserer Bevölkerung . daß die Menschen sich isoliert fühlen. die Labour Party. also für die Sozialdemokraten. Chomsky Sehr gut gesagt. Ich will die Verhältnisse in Westeuropa gewiß nicht überbewerten.anschaut. dann sind die Menschen schon intelligent genug zu merken. Also versuchen sie. wenn es doch auch in Ihrer Erinnerung früher viel weniger Konformismus gab als heute? Chomsky Weil den meisten Menschen klar geworden ist. die Präsidentenwahl ist doch fast an einem Punkt angelangt. die nicht zur Wahl gehen. die in Europa für eine reformistische Arbeiterpartei stimmen. was sie eigentlich tun. Sorgen und Nöte sich in den organisierten Institutionen überhaupt nicht wiederfinden. daß ihre wahren Interessen. Sehen Sie. Aus einem 1984 geführten Interview mit dem finnischen Rundfunkjournalisten Hannu Reime. liegt wahrscheinlich daran. (In die Kamera) Und das bewirkt dieses Medium. Sie sehen sich auch nicht in sinnvoller Weise am politischen System beteiligt. wo die Allgemeinheit sie als Wahlentscheidung überhaupt nicht mehr ernst nimmt. daß ihre wahren Interessen. Parteien gibt es nicht. S. Statt dessen stimmen sie für Coca-Cola oder Pepsi-Cola. nicht einmal im . Den meisten Menschen ist klar geworden. daß sie sich nicht vertreten fühlen. Sorgen und Nöte sich in den organisierten Institutionen überhaupt nicht wiederfinden.bereits eingeschränkten . 45 Prozent .ca. die Kommunisten. 211 . außerhalb der etablierten Institutionen etwas zu tun.AUS »A WORLD OF IDEAS« (1988) Bill Moyers Warum schreiben Sie eigentlich immer noch. daß die Medien ihnen die Wahrheit sagen oder auch nur ihre Sorgen aufgreifen. Sie glauben nicht. Und daß diese nicht zur Wahl gehen. 600 Bill Moyers Wir bekommen zwar unsere gewählten Führer immer öfter zu Gesicht.

Junge George Bush. und 2.. ja? Zu den Leuten reden. WASHINGTON Peter Wintonick mitten in einer Gruppe von Jungen Peter Wintonick Was haltet ihr denn davon.will sagen.und Wirtschaftspolitik eher staatlichen Interventionen zu (. Junge Sie müßten rauskommen.) Aus »The Carter Administration: Myth and Reality« in Radical Priorities S. neigen die Demokraten in der Sozial. 212 sind. daß in den USA das Spektrum des politischen Diskurses und die Basis der politischen Macht außerordentlich schmal sind und daß dies unser Land von vielen anderen demokratischen Industriestaaten unterscheidet. die auch nur die vorsichtigsten Reformvarianten des Sozialismus vertreten würde. 138-166) . 137 (auch S. Ihre gelegentlichen Meinungsverschiedenheiten beschränken sich auf die Rolle des Staates: Während die Republikaner generell größeres Gewicht auf den Einfluß der Privatwirtschaft legen. Junge Ich meine. Es gibt zwei politische Parteien. es ist zu sehr abgeschirmt. Man darf nicht vergessen. Die USA sind das einzige Land ohne eine organisierte Bewegung. die von einigen ziemlich zutreffend als zwei Fraktionen ein und derselben »Partei des Eigentums« charakterisiert werden und die sich in ihrer Festlegung auf kapitalistische Institutionen und Ideologien einig Peter Wintonick Wer soll zu den Leuten reden? 1. 2.. Ihre Außenpolitik seit dem Zweiten Weltkrieg galt fast durchweg als »überparteilich« . was im Weißen Haus vorgeht? 1.VOR DEM WEISSEN HAUS. außenpolitisch waren wir ein Einparteienstaat.

die PR-Branche bestimmt. Irgendwie scheinen die Leute gar nicht zu erkennen. Acht Jahre lang funktionierte die US-Regierung de facto ohne Chef. Jeder geht davon aus. wo er doch (laut seinen eigenen Worten im Kongreß) nichts davon gewußt haben will. den seine dankbaren Wohltäter ihm hergerichtet haben. Reagan hatte das ja schon jahrelang getan. Die Iran-ContraAnhörungen wurden von der Frage beherrscht: »Konnte Reagan sich an das Vorgehen seiner Behörden erinnern. Davon sind wir aber noch weit entfernt. dann ist das eigentlich gar nicht sein Bier.schlimmer noch. Das ist nicht ganz unwichtig. was die Reichen ihm aufschrieben und wofür sie gut bezahlen. Wenn im Gefolge der Bosse Berge verstümmelter Leichen in den Massengräbern der salvadorianischen Todesschwadronen zurückbleiben oder Hunderttausende von Obdachlosen auf der Straße. Denn obwohl die gebildeten Kreise sich die größte Mühe gaben. Im übrigen zeigt sich ein gewisser Realismus in dem Desinteresse der Öffentlichkeit an Enthüllungen von der Art. Daß das Gegenteil behauptet wurde. was jemand sagen darf. daß die Menschen die Entscheidungen. den Menschen Ronald Reagan für die in seinem Namen betriebene Politik verantwortlich zu machen. ganz gleich. daß die Entscheidungen ohnehin durchgezogen werden.AUS »A WORLD OF IDEAS« (1988) Chomsky Das bedeutet also. Man macht einen Schauspieler eben nicht für den Inhalt der Worte haftbar. So verbrachte er alles in allem eine schöne Zeit. die Kandidaten wählen ihre Worte auf der Grundlage von Querschnittstests ihrer Wirkung. 73-74 . je nach meiner Präferenz. Während der Ära Reagan hat die kapitalistische Demokratie beachtliche Fortschritte gemacht. Ich gehe dann in die Wahlkabine und drücke einen von zwei Knöpfen. was er oder sie in der Wahlkabine tut Moyers Was wäre denn eine Ratifizierung? Chomsky Bei einer Ratifizierung stünde ich als Wähler vor zwei Alternativen. Seine Leistungen fanden den Beifall seiner Zahlmeister. gab er Äußerungen von sich.das wäre dann wirklich demokratisch. Das ist natürlich eine eingeschränkte Form der Demokratie. gehört mit zur Verschleierung. die über seine Lippen kommen. dann müßte ich auch bei der Vorbereitung der Entscheidung einbezogen sein. die Formalien mit der gebotenen Würde ablaufen zu lassen. die ihnen vorgelegt werden. gar nicht mehr ratifizieren . er genoß Prunk und Pomp der Macht und darf sich jetzt des angenehmen 213 Ruhesitzes erfreuen. weil sie sowieso niemand ernst nahm. sie beteiligen sich überhaupt nicht mehr an dem Prozeß. war es ein offenes Geheimnis. wieviel Verachtung sie damit der Demokratie bezeigen. Es läuft immer mehr darauf hinaus. mit seiner sympathischen Stimme vom Teleprompter abzulesen. sie machen sich nicht einmal mehr die Mühe einer Ratifizierung. hat er überhaupt davon gewußt?« Aber diese Frage konnte eben gar nicht ernstgenommen werden. Wenn eine Demokratie einen echten Sinn haben soll. Es wäre ausgesprochen unfair. die politischen Systeme funktionieren zunehmend ohne Input aus der Allgemeinheit. Deterring Democracy S. Sobald ihn sein Stab einmal nicht sorgfältig genug gebrieft hatte. Wir sind ja sogar auf dem besten Wege. Reagan sei seinerzeit in die illegalen Aktionen zugunsten der Contras verwickelt gewesen. Die Wahlen sind ein inszeniertes Theater. Reagan hatte zu lächeln. Seine Eignung für das Präsidialamt bestand allein darin. also bei der Formulierung der Alternativen . ein paar Witze zu erzählen und die Zuschauer in ihrem erwünschten Tiefschlaf zu halten. daß er lesen konnte. und Spaß schien er auch noch daran zu finden. die Ratifizierung aufzugeben. die nur deshalb nicht peinlich wirkten. daß Reagan von der Politik seiner Regierung nur die nebulösesten Vorstellungen hatte.

4 Zur Demokratie in der Industriegesellschaft vgl. soll Freiheit herrschen. Wer aber die Hand ausstreckt.wie die Außenpolitik mehr und mehr bestimmt wird. Deterring Democracy Kap. 3. Große Nationen sind auf dem Weg zu Demokratie. Keinem König müssen wir Gerechtigkeit abringen.IM KAPITOL. Oder wir könnten. genannt »die Zukunft«. Wenn die einzige Freiheit darin besteht. die Quellen der Macht im Lande bleiben im Grunde unverändert. zum Schutz des Friedens.und in dem begrenzten Rahmen dieser Optionen. Wir müssen nicht mehr nächtelang über die beste Regierungsform diskutieren. Aus einem Interview mit dem Telekonferenz-Techniker Richard Titus an der Athabasca University in Edmonton. aber es hängt von den gesellschaftlichen Strukturen ab. wenn dem Staat im wesentlichen die Aufgabe verbleibt. »freien« Unternehmertum und zur »Demokratie« in der Dritten Welt vgl. An den Schaltstellen der Exekutive. WASHINGTON Reporter Der feierliche Augenblick naht. sagen wir mal. Nur sind ganz zufällig die Machtverhältnisse so. als sich irgendeinem Machtsystem anzupassen. die die Los Angeles Times nicht bringt. eine Autofabrik aufzumachen und gegen General Motors zu konkurrieren. 11 Wir müssen nicht mehr nächtelang über die beste Regierungsform diskutieren. die sich auf Konzerninteressen spezialisiert haben. George Bush 214 . in Language and Politics S. Doch diese Freiheit ist ohne Bedeutung. Auch der Welt draußen verheißen wir neue Aktionen und ein erneuertes Gelöbnis. freier Wahlen und freier. Ausrufer Bitte begeben Sie sich auf Ihre Plätze. wo die Innen. 758 Wie die Wahlen auch ausgehen mögen. Wir werden stark bleiben. kann sie nur schwer zur Faust ballen. Durchgesetzt werden also weniger die Bereichsinteressen des einen oder anderen Sektors der Privatwirtschaft als vielmehr die übergreifenden Interessen des Konzernkapitalismus. daß man objektiv keine andere Möglichkeit hat.und außenpolitischen Entwicklungen gemäß den Interessen der Privatwirtschaft und ihrer Oberen zu steuern . Niemand hindert uns daran.nur pflegt man das in der Presse und in gelehrten Kreisen geflissentlich zu übersehen. wie sich die Freiheit auswirken kann. 477-486 Zum »freien« Markt. wir können sie aus uns selbst heraus abrufen. daß nur bestimmte Optionen offenstehen . Aber zunächst wird Don Quayle vereidigt. eine Zeitung gründen und darin Sachen schreiben. dann ist das keine Freiheit. Aber klar doch. wie wir allen Menschen mehr Gerechtigkeit und Wohlstand sichern können: mittels freier Märkte. um auf der anderen Seite der Tür jene moralische und geistige Genugtuung zu finden. Sie und ich können völlig frei beschließen. 2. schreiten können. George Bush (in seiner Antrittsrede) Zum erstenmal in diesem Jahrhundert. Aus einem Interview mit David Barsamian in Language and Democracy S. Kanada. Heute ist die Zukunft eine Tür. Amerika ist nur da heilig. freier Rede. Niemand wird uns daran hindern. Unser aller Wille ist heute: Der Nation ein freundlicheres Antlitz. das ihr Überleben garantiert. sitzen zum größten Teil Vertreter der Großunternehmen und einiger Anwaltskanzleien. so verkünden die Mächtigen. Der Grundsatz ist schon richtig. durch die wir ungehindert in den Raum. Die Völker der Welt fordern Redefreiheit und Gedankenfreiheit. die innen. Da reden die Leute vom »freien Markt«. von keiner Staatsmacht behinderter Ausübung ihres Willens. Es wird also niemanden überraschen. Wir wissen. wie sie nur die Freiheit bieten kann. der Weh ein angenehmeres Aussehen. Das ist aber eine ziemlich einseitige Sicht der Freiheit. wo es höchsten moralischen Grundsätzen gehorcht. ja vielleicht in der Geschichte. muß die Menschheit nicht mehr nach einem System suchen. Year 501: The Conquest Continues Kap. sie durchschreiten das Tor zur Freiheit.

wozu würden Sie ihm raten? Chomsky Es darf doch nicht sein. Meines Erachtens müßten die Wirtschaftsunternehmen demokratisch betrieben werden. Es darf doch nicht sein. in denen sie angesiedelt sind. um überleben zu können. Chomsky Ich? Nun. das auch funktioniert. also von den Beteiligten. und die jedenfalls ist unerträglich. daß die Menschen sich selbst vermieten müssen.. ich würde . Da frage ich mich nun. von den Gemeinden. daß Menschen sich selbst vermieten müssen. so etwas in Gang zu setzen .UNIVERSITÄTSGELÄNDE. 215 . LARAMIE Mann Ich komme noch mal auf Ihre frühere Bemerkung zurück. Mann Wenn jemand die Macht besäße. seit Hunderten von Jahren sprechen wir von der »Lohnsklaverei«. nur um zu überleben. Nun.. und wohl auch über freie Zusammenschlüsse. was für ein System Sie an seine Stelle setzen würden .also eines. daß man dem Kapitalismus entkommen oder ihn abschaffen müßte.

eigentlich das beste. 139-155 Vgl. 1+2. die darin ganz erfolgreich waren. Man weiß leider nicht. denn diese anarchistische Revolution wurde ja gewaltsam unterdrückt. weiß ich nicht .ob es heute noch der Fall ist. sich ganz ohne Zwang und Führung zu organisieren und ihr Leben höchst erfolgreich selbst in die Hand zu nehmen. denke ich vor allem an die israelischen Kibbuzim. denn ich war ein radikaler Anti-Leninist und Nonkonformist. Und ein gutes Beispiel . empfand ich es einfach als eine erfolgreich funktionierende libertäre Gemeinschaft. Meine Frau wollte damals auf jeden Fall wieder dorthin. auch: »Notes on Anarchism« in For Reasons of State S. die mir weniger gefallen hatten. Eigentlich hielt mich also nichts zurück. WEEKEND TV. Es gab also eine direkte Leitung durch die Werktätigen. mir war auch nicht viel daran gelegen. 245-261 Zur »Lohnsklaverei« vgl. LONDON (1974) Peter Jay Hat es in der Geschichte schon einmal nennenswerte und länger andauernde Annäherungen an das anarchistische Gesellschaftsideal gegeben? Chomsky Es gab kleine. 169-175 »Noam Chomsky's Anarchism« von Paul Marshall in Our Generation Bd.nach anarchistischen Prinzipien betrieben. daß eine mittellose Arbeiterschaft dazu fähig war. Herbst 1990/Frühjahr 1991. aber solange sie im Gange war. alle beteiligten sich aktiv und egalitär an der Selbstverwaltung. Gewerbe. Hier bei uns gab es nichts.für eine wirklich große anarchistische oder doch stark anarchistisch geprägte Umwälzung ist die Spanische Revolution von 1936. Ich meine schon. S. was mich außerdem störte . was mich besonders gehalten hätte. demonstrierte sie doch in überzeugender Weise. Ich hätte vermutlich nicht lange in dieser Umgebung leben können. Dienstleistungen und Privatleben bildeten eine Einheit.eigentlich noch zu wenig waren die Exklusivität und der institutionalisierte Rassismus.) S. 370-384 Die Debatte Chomsky/Foucault in Reflexive Water (a. in dem wir damals wohnten. Aber es gibt auch einige Beispiele für libertäre Revolutionen in großem Maßstab und mit weitgehend anarchistischem Charakter. 9 216 »The Jay Interview« ist abgedruckt unter dem Titel »The Relevance of Anarcho-Syndicalism« in Radical Priorities S. Aber es gefiel mir in vielerlei Hinsicht. O. war etwa 20 Jahre alt und sehr arm. The Chomsky Reader S. Landwirtschaft. 1-15 . 22 Nr. Insbesondere herrschte ein erschreckender ideologischer Konformismus. Bei den ersteren. Das Kibbuz. Wenn ich mal vom gesamten Umfeld absah. daß sie außerordentlich erfolgreich waren. also nicht sehr kopfstarke Gruppierungen. Allerdings gab es auch Dinge. Ich hoffte auch auf eine gesunde Mischung von körperlicher und geistiger Arbeit. a. Diese wurden über lange Jahre . das ich kenne .AUS »THE JAY INTERVIEW«. daß wir es getan hätten. Demgegenüber interessierten mich die Kibbuzim sehr. The Chomsky Reader S. denn es hatte mir dort gut gefallen. was dort noch hätte kommen können. Auf eine akademische Karriere konnte ich nicht rechnen. Es gab nur harte Arbeit und wenig zu essen. also den kleinen langlebigen Einheiten. und viel fehlte nicht daran.

. dazu gibt es Bücher. zum Entscheiden. sondern in meinen Augen dient der libertäre Sozialismus allein dem Ziel. hätten kein bevorzugtes Anrecht auf die Führung der Gesellschaft. The Chomsky Reader S. der Planung usw. die zu diesem Wandel beitragen (. Er wird zu einem geistig-spirituellen Wandel beitragen. in einer anständigen Gesellschaftsordnung müßte es eine Mischung der Aufgaben geben.Peter Jay Wenn der libertäre Sozialismus oder Anarchismus als Lebensweise Erfolg haben soll . zum Produzieren und zum Forschen. Also zu eben jener geistigen Wende. Das gesamte einstündige Interview ist abgedruckt in Radical Priorities S. Man ist also einerseits auf den Geisteswandel angewiesen und will andererseits Institutionen aufbauen. »Interview«. Die. Letztere sollen auch aktiv bei der geistigen Bewältigung ihrer Arbeitsprozesse mitmachen. 19-23 Chomskys Einleitung zu: Daniel Guérin. ökonomischen und technischen Strukturen nicht mehr gestillt werden. Ein Beleg dafür sind die Tausende erfolgreicher intentional communities. denn ihre Grundbedürfnisse können innerhalb der überkommenen gesellschaftlichen. 386. so daß auch diejenigen. 566. die in Gemeinschaften leben oder damit sympathisieren und die Verbindung und Kooperation suchen. sich an uns wenden können. der die in der linksmarxistischen Tradition stehenden Denker .stets so großes Gewicht beimaßen. So sehe ich die Evolution des Sozialismus. »Language and Freedom« in The Chomsky Reader S. von denen eine Linderung dieser Probleme erwartet werden kann. könnten weder Macht noch Prestige abgeleitet werden. hierzu einen Beitrag zu leisten. Ein anarchistisch geprägtes Gesellschaftsmodell hält für die organisierte Geisteswelt. Hieraus entstehen dann weitere libertäre Gebilde. der Organisation. damit wäre auch Marx grundsätzlich einverstanden. Wir möchten.von Rosa Luxemburg bis zu den Anarchosyndikalisten . nämlich genau zu jener großen Wende in dem Bild. 245-261 Zu Humboldts »Freiheitsinstinkt« beim Menschen vgl.) Im Original-Interview fährt Chomsky fort: (. 21 217 Millionen von Menschen auf der ganzen Welt suchen nach besseren Lebensverhältnissen. 756 Zur linksmarxistischen Tradition vgl. Institutionen führen. das die Menschen von sich selbst haben. zum Erschaffen. Es gibt aber durchaus lebensfähige Alternativen. Aus einer Information der Fellowship for Intentional Communities . die überall ent- standen sind. will die Fellowship for Intentional Communities als Netzwerk zur gegenseitigen Vertrauensbildung und Information unter diesen Gemeinschaften dienen.) zu einem Wandel im Charakter unserer Arbeit und unserer schöpferischen Tätigkeiten. daß der Mensch seine Natur grundlegend verändert. Natürlich üben derartige Ansichten nicht gerade eine besondere Anziehungskraft auf die Intelligenzschicht aus.wie sehr hängt das dann davon ab.und Handarbeitern. und in ihrer Fähigkeit zum Handeln. die berufsmäßig Wissen ansammeln und anwenden. die mit einer solchen Kooperative arbeiten möchten oder für sich persönlich dort eine Heimat suchen. Wir wollen auch der Welt von Erfahrungen mit Kooperation in der Praxis berichten. Anarcho-Syndicalism (Pluto Press 1989) James Peck (Herausgeber des Chomsky Reader) Welche Rolle würde denn in einer anarchistischen Gesellschaft den Intellektuellen zukommen? Chomsky Das wären Arbeiter des Geistes-Menschen. in denen die befreiten Menschen mitarbeiten können. die eben mehr mit dem Kopf als mit den Händen arbeiten.. in seinen Kenntnissen oder auch in seiner Raffinesse? Chomsky Nicht nur hängt es von dieser Umstellung ab. 148-149 »Humboldt« in Language and Politics S. Für diejenigen.. auch indem neue soziale Bindungen und Interaktionen zwischen den Menschen zu neuen.. wie zahlreich sie schon sind. keine privilegierte Rolle bereit. sei es nun in seiner Motivation. sondern führt zu einer Verwischung der Unterschiede zwischen Kopf. Diskussionsforen und andere Projekte. also bei der Setzung der Ziele. Anarchism (Monthly Review Press 1970) Rudolph Rocker. allein aus der Tatsache. Ich meine aber. daß sie diese Ausbildung oder Begabung haben. im Altruismus. Workshops. für die Berufsintellektuellen. die wiederum neue Züge in ihnen erblühen lassen. 468. The Chomsky Reader »Interview« S. daß den alternativen Gemeinschaften überall auf der Erde bewußt wird.

Die Werktätigen können ohne weiteres über ihre eigenen Angelegenheiten am Arbeitsplatz bestimmen. Die Menschen haben die merkwürdigsten Vorstellungen über die Verfassung. das Ende der Lohnsklaverei. 245-249 .02. und zweitens beschränkt sich . Eine derartige Entwicklung hielte ich für sehr gesund. sich auf dem Arbeitsmarkt an jeden zu verdingen. je nachdem. es stünde drin]. Das ist nun weder Kommunismus noch Sozialismus.) Gegen die repräsentative Demokratie wie etwa in den USA oder in Großbritannien richten Anarchisten dieser Richtung eine zweifache Kritik. Die meisten dieser Begriffe haben ja praktisch jede Bedeutung verloren.Student Was halten Sie vom Sozialismus und Kommunismus? Chomsky Das kommt darauf an. aus denen sich dann über föderale Gebilde eine hochintegrierte Gesellschaft definierte. »Fragen und Antworten für SoziologieAnfänger«. daß die Werktätigen über die Produktion entscheiden und jede Gemeinde über das. was in ihr vorgeht. zu der sie zurückkehren und in der sie leben (. aus der sie kommen.die repräsentative Demokratie auf die politische Ebene und bleibt ohne nennenswerten Einfluß auf die wirtschaftliche Ebene. 7:1. was man benötigt.was schlimmer ist . Manchmal werden auch Fragen zur Verfassung gestellt. Hier liegt nämlich der rational begründbare Weg einer komplexen Industriegesellschaft. Hierunter verstand man im allgemeinen den Arbeitsplatz und das Wohnviertel. Wenn Sozialismus und Kommunismus das bedeuten. allerdings eine. Für diese Anarchisten war immer klar. wenn man damit Demokratie meint.so lange bestimmen Zwang und Repression derart das Bild. die auf organischen Einheiten oder Gemeinschaften aufgebaut war.: Ja. wir müssen das also erst mal festlegen. und doch hält die große Mehrheit es für ein so gutes Prinzip. Sozialausgaben oder Militärausgaben?« Die Regierung hat also X Dollars und soll sie zwischen Militär und z. die zwar formuliert. Jahrhunderts . dann halte ich alle diese Dinge für gut und wünschenswert. aber dies geschieht durch Delegierte. Gesundheit aufteilen. fällen. der beliebt. Niemand sagt es. jeder nach seinen Fähigkeiten etc. jeder demokratischen Praxis. wie man kann.) vorschwebte. Erstens herrscht in diesem System ein zentrales Machtmonopol des Staates. Infolge der Industrialisierung und des allgemeinen technischen Fortschritts bieten sich jetzt Möglichkeiten für Selbstverwaltung in einem nie zuvor gekannten Ausmaß. Man kann sich auch andere Bereiche anschauen . Wenn man unter Sozialismus und Kommunismus versteht. im nationalen Rahmen oder sogar darüber hinaus. darüber hinaus können sie aber auch weiterreichende Entscheidungen über die Wirtschaftsstruktur..und die überwältigende Mehrheit der Amerikaner auch. eine rationale Planung der Gesellschaft. Die Bevölkerung tendiert insgesamt zu einer liberalen Sozialdemokratie à la New Deal. Solange also der Einzelne gezwungen ist.« 75 Prozent [glaubten. dann bin ich sehr dafür . 21. Laramie. Und darum verschließt sich unser Bildungssystem vor ihnen. Ein einfacher Gedanke (die obige Formulierung stammt von Karl Marx). jedem nach seinen Bedürfnissen. Im Kommunismus gilt für die Gesellschaft das Prinzip. und würde dafür das erhalten. Was halten die Leute davon? Man kann fragen: »Was ist Ihnen lieber.89 Was Bakunin und Kropotkin und auch anderen (. die anfangs gestellt wurde. ob sich in der Verfassung das folgende Gesellschaftsprinzip findet: »Jeder nach seinen Fähigkeiten. war eine durchorganisierte Gesellschaftsform. dann würde man für die etablierten Mächte sofort eine Bedrohung darstellen. aber nie geglaubt wurden. aufgenommen von David Barsamian an der University of Wyoming. Radical Priorities S.nur in einer demokratischen Mitbestimmung über die eigene produktive Sphäre liegen kann. wofür sie einmal standen. niemand hat sich damit zu befassen. die Regionalplanung usw. die diesen Namen verdient . Würden diese Dinge in unsere Lehrpläne Eingang finden. Genau das aber ist Kommunismus.. denn in ihnen verkörpern sich die Ideale der politischen Revolutionen des 18. Sowas wird einem natürlich im Staatsbürgerkunde-Unterricht nicht erzählt. Es können 218 auch vielfältige und weitreichende Entscheidungen getroffen werden.. Dann ergibt sich ein enormes Übergewicht zugunsten der Sozialausgaben: 4:1. die Ergebnisse sind ziemlich erheiternd. Doch bedenken Sie bitte: Hier in den USA kann man darüber nicht einmal diskutieren. B. wie die Frage formuliert wurde. ihn zu nehmen. und es führt uns auf die Frage zurück. So hat man 1987 gefragt. daß sie glaubt. sondern ganz gemäßigte Sozialdemokratie. was Sie damit meinen. die sich stets ihrer jeweiligen Gemeinschaft zugehörig fühlen..ja. daß man nur in einem äußerst eingeschränkten Sinn von Demokratie sprechen kann wenn überhaupt. es stünde in der Verfassung. die gesellschaftlichen Institutionen. Es gibt ja oft Umfragen über alles mögliche. solange der Einzelne in der Produktion nur die Rolle eines Hilfswerkzeugs spielen kann . man müsse so produktiv arbeiten. man darf es gar nicht aussprechen. daß der Kern einer ernsthaften Befreiung des Menschen .beispielsweise die Sozialpolitik. dürfte man darüber nachdenken und reden und seine unausgesprochenen Gefühle äußern. Das ist sehr wichtig.Ideale.

In meinem Hauptgebiet. Wenn dies aber so ist. 91 . inzwischen aber zum Überleben. daß er den Konsens auf hohem Niveau definiert und ausgearbeitet hat. so wenig. der den Konsens der Mächtigen in Worte faßt.92 S. Young in Rolling Stone 28. daß . wenn man uns irgendwelche Formen von Unterdrückung oder autokratischer Herrschaft mit der »Natur des Menschen« oder mit den »Bedingungen der Effizienz« oder mit der »Komplexität des modernen Lebens« zu begründen sucht. hat in unserem »Zeitalter der Experten auch der Experte seine Wählerschaft nämlich diejenigen. die uns aus einer früheren Periode überliefert sind. Aber ich kenne keinen. sondern ist eben Religion. dann gibt es kein jetzt und für alle Zukunft gültiges Rezept für gesellschaftlichen Wandel. nach bestem Wissen an der jeweils gerade aktuellen Umsetzung und Weiterführung dieses eindeutigen Trends der Menschheitsentwicklung mitzuwirken. würde ich vermuten. es sei tot. und die dann etwas Interessantes unternommen haben. gut. Von Marx weiß ich. ist alles ganz einfach zu verstehen. sei überhaupt mil den Realitäten einer komplexen Gesellschaft unvereinbar. Es ist dieselbe Skepsis.statt sie zu lindern . Was wir von der Gesellschaft wissen.. die sich über den Anarchismus äußern. wenn ich da immer noch auf dem Stand von vor 10 Jahren wäre. die zur rechten Zeit am rechten Ort waren oder vielleicht zufällig die richtigen Gehirnwellen hatten. Nur könnte man gerade andersherum argumentieren: Wir sehen uns in jeder Phase der Geschichte vor die Aufgabe gestellt. vielleicht sind einige Sachen wirklich schwierig und kompliziert. wie eine postkapitalistische Gesellschaft aussehen könnte. formlos.eher noch verstärken. Man könnte überhaupt die Faustregel aufstellen: Ist ein Begriffssystem nach einem Menschen benannt. und die die vorhandenen materiellen und zivilisatorischen Mangelerscheinungen . und so erlebe ich den Fortschritt. 219 »Noam Chomsky: Anarchy in the USA« von Charles M.also man muß schon unterscheiden. WASHINGTON Karine Kleinhaus Sie haben ja mal geschrieben. Wer sich also als Marxist oder Freudianer oder so etwas sieht. wie die jeweils anzustrebenden Ziele unverändert bleiben können. dann findet man in seinen gesammelten Werken vielleicht fünf Sätze. der betet nur vor irgendeinem Altar. In Wirklichkeit gibt es eben Individuen. Aber wenn man nach Aussagen darüber sucht. Wie ist denn das nun mit Ihren Ideen . daß man sie erstens richtig versteht und zweitens von den darin befindlichen Irrtümern säubert. Beispielsweise . sich einen Chomskianer zu nennen. daß er eine ganz interessante Theorie über ein ziemlich abstraktes Modell des Kapitalismus im 19. ich denke. Denn schließlich ist er ja gerade dadurch zum Experten geworden. Er sei utopisch. primitiv. Für mich gehört der Marxismus in die Geschichte der organisierten Religionen. ich lese den Artikel eines Studenten. so daß bei jeder Doktrin mit Langzeit-Anspruch äußerste Skepsis angebracht ist. 47 Wie Henry Kissinger einmal treffend be- merkt. tun ihn leichthin ab. dann unterliegt es keinem rationalen Diskurs. Ich glaube nicht einmal. For Reasons of State S. Kein Physiker bezeichnet sich als Einsteinianer. Auf der anderen Seite haben wir zu allen Zeiten Anlaß. ich sehe. Wir wissen doch noch kaum etwas über die Natur des Menschen und über die Bandbreite der gesellschaftlichen Möglichkeiten. Auch zu Fragen der Geschichte hatte er einige reizvolle Ideen. aber die haben wir jedenfalls noch nicht verstanden. Jahrhundert aufgestellt hat. Viele. man müsse an die Geistesprodukte begabter Köpfe immer so herangehen. Und an diesen simplen Dingen wird sich wohl auch nicht viel ändern. deren Interessen die allgemein verbreiteten Meinungen zu dienen haben. Er war ein fähiger Journalist.« Towards a New Cold War S. dem nicht auch irgendwelche Fehler unterlaufen wären und dessen Resultate nicht umgehend von anderen verbessert worden sind. 371 Ein Experte ist ein Mensch. was wird wahrscheinlich untergehen und was wird von den Denkern der Zukunft aufgegriffen werden? Chomsky Na. diejenigen Formen von Autorität und Unterdrückung zu beseitigen. zur Absicherung oder zur ökonomischen Entwicklung nicht mehr benötigt werden..»AMERICAN FOCUS«. daß die einfachen Dinge einigermaßen klar sind.was glauben Sie. Inzwischen bin ich weiter. die wir empfinden sollten.05. daß ich etwas ändern muß. Genauso wäre es verrückt. fast alles wird untergehen. In den gesellschaftlichen und politischen Fragen andererseits meine ich.

Zum Ausgleich der Bildfrequenzen von Video. Natürlich sind die anderen Sachen auch vorhanden. man kommt von der Arbeit. unser Animationsspezialist. 1 sec) verschob Brian die Kamera von Hand um einige Millimeter auf der Schiene nach hinten. er spricht über die geistige Disziplin.MA . also aus 960 Einzelbildern besteht. Und genau deshalb ist das Propagandasystem so erfolgreich.AUS »NON-CORPORATE NEWS«. Anschließend erfolgt ein Schnitt zum Blickwinkel der Videokamera: Chomsky erscheint auf einem TV-Schirm. sie aufzufinden. den es kostet. So funktioniert im Grunde diese systematische Indoktrinierung. um in der Flut von Information und Desinformation die sinnvollen Inhalte zu erkennen. hatten wir eine Einzelbild-Filmkamera montiert. hatte die technische Leitung dieser Aufnahme. oder 4. Pro Einzelbild benötigten wir etwa 30 Sekunden. Die genaue Distanz war mit einem Computerprogramm von David Verrall so berechnet worden. Der nebenstehende Ausschnitt aus einem Interview mit »Non-Corporate News« wurde von uns wie folgt zubereitet: Zunächst sieht man die Kamera auf ihrem Gestell sowie den Kameramann. Videobild übersprungen. Die Qualität des altmodischen PanasonicVideogerätes (Standbildstabilität. um solchen Figuren wie MacNeil/Lehrer oder Dan Rather zu entkommen. LYNN (1990) Chomsky Der Punkt ist doch: Jeder muß arbeiten. Und so sind wir vorgegangen: Brian Duchscherer. die erforderlich ist. kostete uns 2 Wochen Vorbereitungszeit und beschäftigte 6 Personen 15 Stunden lang. Wer hat schon die Zeit und die Energie und das Engagement für diesen ständigen Kampf.und Filmkamera (30/sec gegenüber 24) wurde jedes 3. daß es großer Anstrengungen bedarf. daß die gesamte »Bewegung« der Kamera in drei Phasen zerfiel: eine Beschleunigungsphase. Auf eine Schiene. aber es kostet eben Mühe. Während nun aber Chomsky normal spricht. eine Phase mit konstanter Rückwärtsgeschwindigkeit und eine Abbremsphase. Der entstehende starke visuelle Effekt illustriert Chomskys Aussage. der Kameraassistent. auf dem Chomsky spricht. und daß bei 220 jeder Begegnung mit den Medien kritische Wachsamkeit geboten ist — Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media nicht ausgenommen. Robin Bain. Indem die Kamera langsam zurückfährt. man sitzt abends nicht noch über einem Forschungsprojekt— also stellt man die Glotze an und denkt sich nichts dabei. Bildzählung) übertraf alle modernen Heimgeräte. die auf die Videowand zuführte. die 40 Sekunden läuft. und sind sämtlich auf verschiedene Sender eingestellt. Nach jedem Einzelbild (F8. . man ist müde nach dem harten Tag. Da ist es doch viel leichter. sie umgeben das Bild. derweil liefen auf den 39 umgebenden Bildschirmen die großen TVProgramme normal weiter. werden auf einer Videowand 39 andere TV-Schirme sichtbar. scheinen die Programme der 39 übrigen Geräte im Zeitraffer abzulaufen. Das Videoband mit Chomsky auf dem zentralen Schirm winde für jede Aufnahme der Filmkamera um ein Standbild weitergeschaltet. um die von Leuten wie MacNeil/Lehrer oder Dan Rather aufgerichteten Denkbarrieren zu überwinden. oder man überfliegt die Schlagzeilen in der Zeitung und dann guckt man die Sportsendung. Die gesamte Szene. achtete auf die Scharfeinstellung.

denen sie dient. sich im Lauf der Zeit selbst zerstören muß. Sie kann mit der inhärenten Ungerechtigkeit und allem Leiden nur so lange existieren. sogar für lobenswert angesehen. die in/wischen unter Druck stehen und eines Tages beseitigt werden müssen. Wenn wir aber überleben wollen . Der Raubkapitalismus hat ein komplexes Industriesystem und eine hochentwickelte Technik hervorgebracht. in dem man Prostatakrebs bekommt. In unserer Epoche kann nur eine von zwei Alternativen eintreffen: Entweder nimmt das Volk seine Geschicke selbst in die Hand. so wenig wie der in den USA hervorgetretene milita- 221 ristische Staatskapitalismus oder der bürokratische Wohlfahrtsstaat das Wunschziel menschlichen Trachtens sein kann. als in einem Land. Aber ein autokratischer Staat ist auch keine annehmbare Ersatzlösung. ROCHESTER Chomsky Die Entwicklung der modernen industriellen Zivilisation vollzieht sich innerhalb eines Systems passend gewählter Mythen. wird ihre Politik von den Partialinteressen. Wir wissen aber seit langem. der Ausbeutung und verschiedenen Herrschaftsansprüchen unterwirft. wenn Gerechtigkeit herrschen soll . 153 (Vgl. Angetrieben wird sie vom Gewinnstreben des Einzelnen. unerträgliche Lehre vom Menschen als Konkurrenzwesen. wo 20 Prozent der Menschen vor Vollen- . bestimmt sein. Jahrhunderts. Aus Language and Freedom. die Erde hingegen sei eine unerschöpfliche Rohstoffquelle und eine Mülltonne von unbegrenztem Fassungsvermögen. Menschliche Bedürfnisse.AMERICAN CIVIL. kann es nicht befriedigen. warum das sinnvoll wäre: So würde beispielsweise ein krebserregender Schadstoff viel schlimmere Folgen »in einem Land haben. wie sie glauben machen kann.und das ist heute die Menschheit als ganzes. 139-155) Im Wirtschaftsteil der New York Times findet sich eine Notiz über ein vertrauliches Memorandum der Weltbank. Mitgefühl und Anteilnahme leiten oder bald wird niemand mehr ein Geschick in die Hand nehmen können.beides allerdings mit Einschränkungen. das nur Reichtum und Macht für sich zu maximieren sucht und sich den Marktbeziehungen.und erst recht. abgedruckt im ChomskyReader S. die sich nur kollektiv definieren lassen. zwar seien der menschlichen Zerstörungskraft Grenzen gesetzt. LIBERTIES UNION. dieses wird für legitim. Das System paßt einfach nicht mehr in die Mitte des 20. Solange eine spezialisierte Klasse über Macht verfügt. die auf diesem Grundsatz aufgebaut ist. stattdessen verkündet es die zutiefst unmenschliche. Er hat demokratische Praktiken verbreitet und einige liberale Wertvorstellungen gefördert . daß jede Gesellschaft. stellt das Interesse der Gemeinschaft in den Vordergrund und läßt sich durch Werte wie Solidarität. wo die Männer das Alter erreichen. das dem Economist zugespielt worden war und in dem es [aus der Feder des Weltbank-Chefökonomen Lawrence Summers] heißt: »Mal ganz unter uns: Müßte nicht die Weltbank eigentlich eine verstärkte Verlagerung von schmutzigen Industrien [in die Dritte Welt] fördern?« Summers erklärt uns auch.dann benötigen wir eine rationale Planung der Gesellschaft unter Berücksichtigung der Interessen der Gemeinschaft . denn wie der Klassiker gesagt hat: Das Laster des einzelnen dient dem Nutzen aller. auch S.

ablehnen und sich stattdessen dafür stark machen. The Chomsky Reader S. abgedruckt in Language and Politics S. welche dann die Befreiung [der Menschheit] auf ihre Weise herbeiführen werden. die über das angeblich dazu erforderliche Wissen verfügen. 83-85 .. Intellektuelle werden demnach in Fragen der Geschichte oder Politik einer elitären Position zuneigen: Sie werden Volksbewegungen. zu täuschen und von der politischen Bühne fernzuhalten? Oder kürzer formuliert: Stellen Demokratie und Freiheit Risiken dar. ist es nur vernünftig. Year 501: The Conquest Continues S. und dort müßte man auf solche »Irrwege« wie etwa die Bemühungen um wirtschaftliche Entwicklung oder um den Schutz der Bevölkerung verzichten. der nicht der Kontrolle durch privilegierte Eliten unterliegt. Dann müßten die reichen Länder schon aus ökonomischer Ratio ihre Umweltverschmutzung in die Dritte Welt exportieren. Wir können entweder dieses Argument als reductio ad absurdum auffassen. 107-108 Der Kapitalismus kann sich ohne weiteres mit dem Gedanken befreunden. er hätte damit nur »die Diskussion etwas in Schwung bringen wollen». Aus einem Interview in Open Road (Vancouver.) Wie wahr. oder es logisch zu Ende führen. daß eine Ideologie im allgemeinen die Maske liefert. Da die armen Länder »unter-verschmutzt« sind. wie es angeblich geboten ist . Autorität und Herrschaft gibt es nicht nur im Kapitalismus. den »schmutzigen Industrien« einen Umzug dorthin nahezulegen (.. die für eine Mitwirkung der Massen an Entscheidungen eintreten.) Als man Summers das Memorandum vorhielt. daß zwar der einzelne Mensch als Produktionswerkzeug austauschbar ist. bedarf doch das unwissende Volk einer äußerst gestrengen Vormundschaft (.nämlich um notwendige Illusionen zu schaffen und um die dumpfe Mehrheit zu manipulieren. erwiderte er.. daß aber die Existenz der Umwelt sichergestellt werden muß. Kanada).)« Auch in der liberalen Ideologie unserer Zeit spielt die Abneigung gegenüber Massenbewegungen und insbesondere gegen jede Art gesellschaftlichen Wandels.. 391 222 Es leuchtet ein.der Führer der Kommunistischen Partei.GRONINGEN Chomsky Es stellt sich also die Frage: Dürfen privilegierte Eliten die Massenkommunikationsmittel beherrschen. sondern müßte ihn im Gegenteil stärken und gänzlich in die Hände seiner Wohltäter. Radikal-emanzipatorische Bewegungen sind nicht notwendig antikapitalistisch. Vormunde und Lehrer legen . die zu bewahren sind? dung des fünften Lebensjahres sterben«. und dürfen sie diese Macht so einsetzen. die Aufsichtsfunktion über den gesellschaftlichen Wandel denen zu übertragen. Einer der wesentlichsten Kritikpunkte der Anarchisten am Marxismus wurde von Bakunin so formuliert: »Würde das Volk der Theorie des Herrn Marx folgen. also von Herrn Marx und seinen Freunden. hinter der sich das Eigeninteresse verbirgt.. die abgewendet werden müssen. eine tragende Rolle. dann dürfte es [den Staat] nicht zerstören. denn sie soll ja durch die Herren von Wirtschaft und Politik ausgebeutet werden. also als gegen die Ideologie gerichtet. oder sind es Werte. Der Kapitalismus jedenfalls könnte so die Umweltkrise überstehen (. Die Zügel der Regierung werden einer starken Hand übergeben. bei anderer Gelegenheit sollte es eine »sarkastische Reaktion« auf einen anderen Textentwurf der Weltbank gewesen sein..

die vielleicht das Endstadium der Menschheit darstellt. da ist eine Quelle.Chomsky In unserer Zeit. die uns den Zugang zu unseren eigenen Gedanken verschafft und uns erlaubt. diese voneinander zu unterscheiden . was andere als Spiritualität bezeichnen. Ihrer Auffassung nach ist es diese innere Intelligenz. Ph.. die eine eigene Meinung haben. ein Sammelpunkt. wird der Körper über seine eigene Stellung. die wir hochhalten müssen . bei dem 60 Menschen drei Tage lang mit Noam Chomsky diskutierten.sie könnten Vorbedingung für unser Überleben sein. 223 . D. Zusammen mit Tobin Simon. Mit Hilfe der Signale. Hierunter versteht man in der Physiologie die Kinästhesie oder Tiefensensibilität . es gibt also doch einen Schlüssel dazu. hält sie am Rowe Center Seminare über Texte zur sogenannten Propriozeption. Und man meint zu spüren. Ph.. Analog zur Propriozeption wollen Trichter Metcalf und Simon in dem. für die Leute.kurz. und dadurch erweckt er in einem das Gefühl: Das kannst du auch. eine Art innerer Intelligenz sehen. der ich doch 30 fahre lang völlig entfremdet Linda Trichter Metcalf. sind Freiheit und Demokratie nicht nur Werte. Vielen Dank. bei denen man aber keinen Sammelpunkt sieht.. Bewegung und Kraftausübung orientiert. durch die wir uns selbst erkennen können. ROWE CONFERENCE CENTER Linda Trichter-Metcalf Er ist da oben und denkt nach. Und da ist in mir der Wunsch erwacht.also Empfindungssignale aus dem Körperinnern. na ja. Er entschlüsselt diesen tonnenschweren Informationsblock und bringt ihn in ein Ordnungssystem. D. noch einmal in die politische Szene einzusteigen. nahm an einem Seminar im Rowe Conference Center teil. . ein . die bestimmte Nerven (Propriorezeptoren) zum Gehirn leiten.

Sicher. auch mit einem Demonstrationszug zum Common. auf der ich sprach. der auf mich losgehen wollte. Beispielsweise hätte ich vor 20 fahren nicht in irgendeinem Nest in Kansas auf Leute treffen können. wie das meiste damals. bis sich das Ganze in der praktischen Politik bemerkbar macht. organisiert von Studenten. Heute ist es doch schon viel besser als vor 25 Jahren.ich weiß noch.man braucht nur an das geradezu geologisch langsame Kriechtempo der Entwicklung denken und an den endlosen Weg. man kann sich auch demotivieren lassen . Wir sagten nämlich nur: »Stoppt die Bombardierung von Nordvietnam. Ich habe mich damals total hilflos gefühlt.umgebracht worden. denn sie waren unser einziger Schutz gegen einen gewaltsamen Tod. daß sie besser Bescheid wußten als ich selbst. Wie schaffen Sie es. uns umzubringen. mit Todesschwadronen und anderen Schrecklichkeiten. man wäre von Studenten . daß wenigstens mehr Zuhörer als Organisatoren kommen würden. und sonst nur noch die Organisatoren. die von der Universität herüber kamen und drauf und dran waren. fand im Oktober 1965 auf dem Boston Common statt. also das Diskursniveau und der Kenntnisstand der Öffentlichkeit. und ich muß sagen. Aber über die Verbesserung bei den übrigen kann es gar keinen Zweifel geben. Die erste öffentliche Versammlung unter freiem Himmel. Freilich nicht bei den gebildeten Schichten . angekündigt . Aber das ist eben eine . Sie schlagen sich mit Massakern in Osttimor und Invasionen in Panama herum. der noch vor uns liegt. das hieß. wenn Sie mal verzweifelt sind? Chomsky Na ja. sondern ist eine Sache der Persönlichkeil. das war ein internationaler Protesttag gegen den Indochinakrieg. das hat doch alles keinen Zweck.« Denn was war mit den dreimal so intensiven Bombardements in Südvietnam? Davon durfte man nicht einmal sprechen. Es waren wohl 200 bis 300 Polizisten da. Und dann diese wahnsinnige Feindseligkeit. Dabei waren unsere Forderungen wirklich sehr zahm .man genierte sich beinahe.dann konnten wir nur hoffen. ich dachte mir. wir waren sehr froh darüber. immer weiterzumachen? Brennen Sie nicht langsam aus? Fortsetzung rechts (die fett gedruckte Passage ist im Film enthalten) Chomsky Ich könnte jetzt etwas über meine persönlichen Gefühle sagen. oder ich kam in eine Kirche und da war ein Betrunkener und einer. ob das irgend jemanden interessiert. aber auch hier frage ich mich. Venezuela usw. David Barsamian Und jetzt haben Sie also mehr Hoffnung? Chomsky Ob man mehr Hoffnung hat oder nicht.BÜRO IM MIT David Barsamian Sie geben doch Hunderte von Interviews und Vorträgen. sie auszusprechen. die so aktiv und engagiert waren. jemand lud zwei Nachbarn ein und ich unterhielt mich mit denen im Wohnzimmer. wenn es mal nötig ist. das allgemeine kulturelle Niveau im Lande ist erheblich gestiegen. David Barsamian Auf welches Reservoir in Ihrem Inneren greifen Sie zurück. In vieler Hinsicht liegen die Dinge jetzt besser als früher. So ging das bis Mitte 1966.und anderen . Als ich so um 1964 mit meinen Vorträgen anfing. hängt nicht von den Gegebenheiten ab. Einen Vortrag zu halten. Es waren meistens Studenten. sah es absolut hoffnungslos aus. Es gibt immer Möglichkeiten.da hat sich nichts geändert. am MIT hatten wir etwas über Vietnam. Versammlungen unter freiem Himmel in Boston waren unmöglich. Oder wenn wir damals eine öffentliche Versammlung an der Universität machten . Es war wirklich die erste größere öffentliche Ver- 224 sammlung. man möchte doch noch in den Spiegel schauen können. Ich denke. sich Mut zuzusprechen. Die Menge war überaus feindselig eingestellt. und das wirkt natürlich ermutigend. ja selbst als noch vor 10 fahren.

um den Lauf der Dinge zu ändern. Good bye.ganz gleich. Schaffner OK. Das ist gut möglich . nicht der objektiven Realität. Peter Wintonick OK. Tut man aber etwas. was passieren wird. Kanada! Frau Bye! 225 .BAHNHOF IN MEDIA Schaffner Uff. VOR DEM GERICHTSGEBÄUDE IN MEDIA Mann Vielen Dank. lassen sich gute Argumente dafür angeben. In der Umwelt zum Beispiel: Objektiv gesehen. irgend etwas zu unternehmen. Unter dem Titel »Substitutions for the Evil Empire. Muß die Leute in die Stadt bringen. geht man doch eine Art Pascalscher Wette ein. was wir anstellen. Ich meine auch nicht. dann weiß man schon vorher. Vielleicht könnten Sie für uns »Einsteigen bitte!« rufen. (Peter klopft ans Mikrofon) Bumm. David Barsamian Und Sie treten dafür ein. Chomsky Ich versuche es. Man steht eben vor der Alternative: Tut man nichts. dann hat man vielleicht eine Chance. daß es in hundert oder zweihundert Jahren nur noch Küchenschaben geben wird. Ich hab' nichts gesehen. Denn auch wenn man gar nichts tut. Klopf doch mal ans Mikro. Ich muß los. etwas zu tun. Andererseits könnte man doch wenigstens versuchen. daß man sich groß darüber den Kopf zerbrechen sollte.« abgedruckt in Chronicles of Dissent Mark Achbar Nee. Einsteigen bitte! Peter Wintonick Bye bye! Schaffner Bye bye! (Abspann setzt ein) PETER WINTONICK FUMMELT AN DER KLAPPE HERUM Piep! (Die Glühbirne an der elektronischen Klappe leuchtet nicht) Sache der Stimmung.

Täuschung und Ungerechtigkeit auf immer stärkeren Widerstand stoßen werden. sie mache sich die modernsten geistigen und technischen Errungenschaften zu eigen und wurzele in den produktivsten und kreativsten Volksschichten. wie die Intelligenzschicht ihre Rolle sieht: als Sozialingenieure oder aber als Teil der Werktätigen. daß ihr nicht die Gefahr droht. RADIO KUWR. Wir werden's rausschneiden. für das Wissen und die Ausbildung zu sorgen. Wenn frühere Revolutionen ihren Verheißungen untreu geworden sind. der sie durchläuft.tatsächlich. durch eine Avantgarde-Intelligenz verraten zu werden.. wir sind ganz gut zurechtgekommen.. daß es so kommt. das kann mir nur recht sein. dann häufig infolge der Bereitschaft der Intelligenz. Marci Randall Miller Doch. sagten Sie. Nachschub an Menschen und Ideen wird aus diesen Zentren in die radikalen oder reformistischen sozialen Bewegungen fließen. was Sie hier heute erzählt haben. Chomsky Oh. Sind wir in zwei Minuten durchgekommen. Chomsky Dann gäb's 'ne Revolution. NIEDERLANDE Mann Als Sie ihn vorstellten.BÜRO IM MIT Ed Robinson Jetzt habe ich die Stunde. WASHINGTON Sarah McCIendon Diese armen Menschen da draußen die haben doch keine Ahnung. HUMANIST TV. könnte eine neue revolutionäre Massenbewegung entstehen. ein hinreichendes Maß an Freiheit und Offenheit bieten (. Sarah McCIendon Vielen Dank. ohne die eine hochentwickelte Industriegesellschaft nicht überleben kann. Man möchte wenigstens hoffen. direkt oder unter Einsatz der von ihr selbst entwickelten ideologischen Hilfsmittel. Wenn die wüßten.im Staatskapitalismus westlicher Prägung also den staatlichen und privaten Mächten. er käme von Harvard. es sei denn. Ingenieure.) In einer modernen Industriegesellschaft besteht ein Bedarf an vergleichsweise freien und offenen Zentren des Studierens und des Denkens. oder . Neu wäre an dieser Bewegung insbesondere. Es ging ja. 234-235 . sich der neuen herrschenden Klasse anzuschließen . Dies bedeutet jedoch. das hab' ich bemerkt. Jede Initiative für sozialen Wandel muß erfolglos bleiben. Außerdem gibt es dadurch weniger Sport. Joop van Tijn Oh ja . Chomsky Ist schon OK. die sich von der Arbeiterschaft abwendet und lieber an ihrer Kon- 226 trolle mitwirkt. wie in der Industriegesellschaft zunehmend Facharbeiter. Dazu müssen sie aber dem nicht unbeträchtlichen Teil der Jugend. dann würd's aber anders. Die Universitäten haben die Aufgabe. schon überzogen. was los ist. die wir vereinbart hatten.. NATIONAL PRESS CLUB. gleichzeitig werden sie sich über die Aussichten auf ein sinnerfülltes gesellschaftliches Handeln »radikalisieren«.. In dem Maße. daß ich Ihnen nur so wenig Zeit zum Antworten lassen konnte. Ich danke Ihnen. daß Irrationalismen. Viel wird insbesondere davon abhängen. LARAMIE Marci Randall Miller Tut mir leid. Wissenschaftler und andere Kopfarbeiter eine Rolle in der Produktion spielen. Radical Priorities S. autokratische Strukturen.

aber wirklich. würden Sie ihn bitte gehen lassen? Chomsky Danke. VOR DEM MIT Carol Chomsky Dieser Mensch muß jetzt nach Hause. Carol Chomsky Könnten Sie . »AMERICAN FOCUS«. WASHINGTON Mann Haben Sie schon mal daran gedacht. es war irgendwie .. Präsident zu werden? (Gelächter) Chomsky Wenn ich Präsidentschaftskandidat wäre.. wie ist es denn gelaufen? Elizabeth Sikorovsky Ich glaube.AUS »THIRD EAR« Jonathan Steinberg Und in diesem optimistischen Ton haben Sie vielen herzlichen Dank. Und es hat auch keinen Rhythmus gehabt. Professor Chomsky. Mann Und die Leute halten immer noch die Boston Celtics für die Weltmeister. mich nicht zu wählen.hat sich alles ziemlich technisch angehört. würde ich den Leuten als erstes empfehlen. GEORGETOWN UNIVERSITY. 227 . WASHINGTON Bill Turnley Na.

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er war gleichermaßen Archivar und Anthropologe. Seine einleuchtenden Ideen über Filmstrukturen hinterließen ihre Spuren in meinem Kopf und auch in dem Film. als ich noch jung war. die Filmzeitschrift Variety. der Erzvater des politischen Dokumentarfilms. De Antonio war ein geborener Kämpfer. Die New York Times. die nur dank ihrer negativen Leere die Jahrhunderte überdauern. Zum erstenmal begegnete ich dem »maitre d« vor einigen Jahren in Toronto. Lehrer. in großen Lettern verkündete: »Dokumacher de Antonio mit 70 gestorben . Er konnte wunderbar erzählen. Hätte es jemals den radikalen Heerzug gegeben. d entstammt privilegierten Kreisen. Agent eines Künstlers und eines Fotografen. in dem Geschichte geschrieben wird. wo er sich einige Tage aufhielt. Robert 229 Die Idee zu einem Film über Noam Chomsky war drei Männern unabhängig voneinander gekommen: Emile de Antonio. Wiederum gab es Zeiten. das Blatt. die offizielle Geschichtsschreibung zu Fall bringt und der die Katastrophe stoppt. <« ds weitere Karriere stellt sich so dar: Doktorand für Englische Literatur. Während seiner Militärzeit las er viel. der sich seiner »linken politischen Einstellung nie schämte«. Hafenarbeiter. (Doch später distanzierte er sich vom orthodoxen Marxismus bereits zu einem Zeitpunkt. der es nicht mehr erleben sollte. als das noch längst nicht zum guten Ton gehörte). dann wäre ein progressiver General de Antonio an der Spitze der »Kampfgruppe Medien« in die Schlacht gegen die Unterdrücker marschiert. Nein. der die verborgenen Wahrheiten sichtbar macht und dadurch die überlieferte. »Vor vielen Jahren. las ich einmal einen Essay über Descartes von Sartre. die wir leidenschaftliche lieben müssen und mit der zugleich unterzugehen wir bereit sein müssen. ist in der ganzen Welt nur als »d« bekannt. Binnenschiffer. Seine Stärke lag in seinem Sinn für den historischen Augenblick und in seiner Liebe zum Leben. können wir das Absolute erreichen. Dem. brachte eine Notiz über den Herztod eines 70jährigen unorthodoxen Filmemachers vor seiner Wohnung in East Village.das war der unablässige Kampf für die Freiheit und Unabhängigkeit der Meinungsäußerung. daß er am 15. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte er in der US Army gegen die Faschisten. es ist unsere eigene Zeit. um mit uns zusammen Ron Manns Film Poetry in Motion fertigzustellen.DE ANTONIO.er attackierte das System«. wurde Mitglied der Liga Junger Kommunisten und der John Reed Society. während der zweite Schiedsrichter in Geschmacksfragen. Zuweilen legte er sich mit dem gesamten Hofstaat an. gibt er ein gutes Feindbild ab. Berühmte und berüchtigte Namen der New Yorker Kunstszene waren unter seinen Freunden -John Gage. die ständig in seinem New Yorker Büro auftauchten. die eine wildgewordene Staatsmacht auslöst. Dezember 1989 starb. Es war der Krieg. Ich selbst habe de Antonio ein wenig anders in Erinnerung. er wußte die Reichen zu umspielen und schlug sich doch nicht leichter durch als wir alle. in Harvard gehörte er demselben Jahrgang an wie John F. Glücklicherweise lebten zwei von ihnen lange genug. EMILE (1920-1989) Nennt mich einfach »d« Emile de Antonio. Der Boston Globe nannte ihn ein »radikales Leuchtfeuer«. Aus den Nachrufen und offiziellen Personalien erfahren wir. Kennedy (1940). Wo immer die Theorie von den »Großen Männern« unpopulär geworden ist.MA . nicht in der Abarbeitung ausgedörrter Prinzipien. gewinnen wir das ewige Leben. in der wir leidenschaftlich kämpfen müssen. konnte auf seinen Beistand zählen. Peter Wintonick und mir. Sein Krieg . Übersetzer von Opernlibretti. Jeder der vielen jungen politischen Filmemacher. da er einzig gegen seine persönlichen Dämonen kämpfte. Als einziger Filmemacher stand er auf Richard Nixons Liste Amtlicher Feinde. der mit den Worten schließt: >Nicht indem wir der Unsterblichkeit nachjagen. um den Plan in die Tat umzusetzen. und dem Volk von Osttimor ist unser Film gewidmet. . Er sah sich selbst als einen »Marxisten unter Kapitalisten«.

Darum lasse ich meine Filme absichtlich roh und ungezuckert . der die falschen Fragen zu Kennedys Ermordung und zu dem diesbezüglichen Bericht der Warren-Kommission stellte und der ihm Nachstellungen von selten des FBI und diverser Polizeitruppen einbrachte.) Wo kein Freiraum für Fehler offensteht. chaotisch.)« Underground (1976.93 Min. C. Sein Leben war das eines Bohémien. 101 Min. für das er bis dahin nie etwas übrig gehabt hatte. zutiefst politische Themen aufzugreifen.also die Männer und Frauen.. einen Sprecher gab es nicht. Er hatte bereits die Midlife-40 erreicht. Für mich liegt die wichtigste Opposition in der Form. Ich bin nicht immer konsequent (. nicht nur in Hollywood. Es war der erste Nachkriegs-Dokumentarfilm ohne Sprecher. wurde das Vorge- . denn Fehler sind Lehrmeister (. Er muß das Geschöpf eines einzelnen sein. Er war mehrmals verheiratet. imperialistischen Kriegen und einer alles zerfressenden Drogenkultur arrangiert hat (. S/W und C) treten die modernen Künstler aus ds Freundeskreis auf: Rauschenberg. die im Weißen Haus so viel Furore gemacht haben.meine Freunde nennen so etwas l'art brut.« Gleich sein erster Film war ein großer Erfolg: Point of Order (1963. Auf Kritik. dieser Film sei apolitisch. auf Nixons Liste Amtlicher Feinde zu kommen. . Frank Stella und und und. ein Film.) Die Tatsache. streitige. Warhol drehte einmal einen Film darüber. Der Film behandelt die Anhörungen. Als er mit ansehen mußte. In Los Angeles gab es einen Einbruch in das Kino. Dazu d: »Kann man nicht die Filme. wie die Medien demokratische Prozesse manipulieren können. In einem reichen Gewerbe muß er eine arme Kunstgattung darstellen. Es gilt. Johns. wäre der Krieg vielleicht früher zu Ende gegangen. Dann kam Rush to Judgment (1967. das wäre ihm faschistisch und herablassend vorgekommen. Wie kein Film davor oder danach durchdringt er die Vorgeschichte und den Charakter der kriegerischen Verwicklung der USA in Vietnam..Frank.« Seine Filme bezeichnete er als »politisches Theater. 88 Min. wie Kennedy dem Gipfel der Macht zustrebte. Ich liebe meine Frau. wir sollten es gar nicht erst versuchen. S/W). S/W)... ich habe auch getrunken und bin ins Schwimmbad gegangen... daß niemand die Hoffnung aufgeben sollte. 97 Min. er bediente sich dazu des Mediums Film. ein S/W-Film über den Wahlkampf von 1965 um das New Yorker Bürgermeisteramt. bedeutete für mich eine größere Ehre als jeder Academy Award. Das FBI suchte nach den Kontaktpersonen der Filmemacher und schreckte dabei auch nicht vor Personenüberwachung. Niemand sollte sich davor fürchten. richtete er seine radikalen Überzeugungen gegen die amerikanische Regierung. Sally Field und Jack Nicholson trug. aggressiv zu sein. wie er in Echtzeit einen ganzen Liter Whisky herunterkippte . Wohnungselend. ich lese.) Wir haben geradezu die Pflicht. Daraufhin sagte der Veranstalter die Vorführung ab. kreiste um Alkohol und Frauen. Telefonabhören und Einbrüchen zurück. man ruinierte die Leinwand mit Teer durch das Wort VER- 230 RÄTER.. in einer Solidaritätserklärung. Was er schließlich fertigbrachte. denn er darf sich nicht am Eskapismus der Reichen beteiligen.) Hätte ich ihn bekommen. kein Industrieprodukt. Ich bin nicht Lenin. S/W) wurde anhand von Nixons Karriere demonstriert. die enormen Widerhall in der Öffentlichkeit fand.. Warhol usw. 116 Min. Der Film löste eine Schlacht mit dem FBI aus. die New York zur internationalen Kunstmetropole gemacht hatten. die der rechte Senator Joseph McCarthy 1954 in der Armee veranstaltete. Ich bin nicht hingegangen... erwiderte er: »Ob das politisch ist? Das Leben besteht nicht nur aus Politik. Fehler zu machen. Und er muß arm bleiben.lebender Beweis.. Mir ist die art brut immer lieber gewesen als alles Polierte. S/W) drehte sich um die Präsidentschaftskandidatur Eugene McCarthys. In dem Klassiker In the Year of the Pig (1969. In Millhouse: A White Comedy (1971.. der sich mit Hunger. 1968 der Hoffnungsträger der Demokratischen Partei. Über diese »Ehre« sagte d: »Ich sollte einen schwarzen Schlips tragen und ein Lächeln aufsetzen. an einer Hand aufzählen? (. das zeigen übrigens auch die meisten Filme. Ich habe den Preis auch nicht bekommen (. er verdankte sich wesentlich John Cages Idee. Hollywood eilte ihnen zu Hilfe. So schreibt er einmal: »Der Dokumentarfilm ist entweder politisch und subversiv. alles in Frage zu stellen. S/W) hob d die Kunst der Collage auf eine neue Ebene..« America Is Hard to See (1970.. ist ein Ding der Unmöglichkeit. neue Formen zu entdecken. war nichts weniger als eine komplette Neudefinition des Genres »Dokumentarfilm«. 101 Min. Es war ein brillant aufgebautes Plädoyer und wurde für einen Academy Award nominiert. Trotz gerichtlicher Strafandrohungen verweigerten d und seine Leute die Herausgabe des Films. oder er ist überhaupt nichts.. Gelegentlich lösen Dokumentarfilme ja wirklich ehrliche Kritik aus. Objektiv zu sein. herrscht abstrakte technische Perfektion. ) 10 Min. sondern in allen >gut gemachten< Filmen. mit Haskell Wexler und Mary Lampson) entstand unter konspirativen Bedingungen in einem Fluchtversteck für untergetauchte Mitglieder der Revolutionsbewegung Weather Underground. die unter anderen die Unterschriften von Warren Beatty.und dann fast an Alkoholvergiftung starb. Stella. Grundlage waren 188 Stunden Verschnitt der CBS-Tagesschau und die Hilfe des Verleihers Dan Talbot. Zunächst arbeitete er vorhandenes Material in komplexe Collagen um. daß alles Kunst sein könne.« In Painters Painting (1972. als er sich dem Filmen zuwandte .. 1966 entstand That's Where the Action Is..

C. 92 Min. wenn wir jetzt die hohlen Ideale der bürgerlichen Filmkunst hinterfragen und uns lieber darauf konzentrieren..doch nicht dauerhaft. unsichtbaren Idee willen alles andere preisgeben würde.heu der Regierung bedauert und das Recht verteidigt. Gegen solche Ideen kämpfe ich. Für mich ist das einfach der obszönste Gedanke. Video/35mm) wird der Prozeß gegen die »Plowshares 8« nachgestellt. Der Anrufbeantworter tönte gespensterhaft: »Hier spricht Emile de Antonio.« Meine Erinnerungen bleiben frisch wie ds Worte. Also sollen die Armen leiden.den der >Grundlage<. Er war ein großartiger Lehrer. Seiner Inspiration haben wir es zu danken. Mr. die Tugend in Geld zu messen: Je reicher. abseitigen. ein Radikaler. dann war es das wert jedenfalls mein Leben. Ein radikaler Lösungsvorschlag ist nicht etwas Verrücktes.sozusagen nackt. legt de Antonio eine Art Autobiographie vor. in unseren Filmen kompromißlos die Wirklichkeit zu durchleuchten. sondern ist einer. Eine solche radikale Lösung brauchen wir in diesem Land. wählte aber aus einem schicksalhaften Irrtum heraus seine Büronummer.Hoover and I. Es ist Allgemeingut geworden. die Verkleidungen an der Spitze zweier Atomraketen zu zerstören. die als Ausdruck ihres zivilen Ungehorsam versucht hatten. Dabei läßt sich >radikal< auf einen völlig akzeptablen lateinischen Begriff zurückführen . Peter Wintonick 231 . In seinem letzten Film. und zwar indem sie den Reichen dienen. desto tugendhafter. die den Ausdrucksformen unserer eigenen Visionen Grenzen setzt. in dem die Wirtschaft in Trümmer fällt und die Außenpolitik auf der Drohung ruht. Hier zeigt d sich und die Form des Mediums Film .000 Blatt seiner FBI-Akten.. das ist jemand. mit ihnen den Unterdrückten dieser Erde zu dienen und zugleich die selbstauferlegte Unterdrückung aufzuheben. Eine Woche nach seinem Tod wollte ich seine Witwe Nancy anrufen. das er der Welt als Beispiel und als Anstoß zum Nachdenken hinterlassen hat.« d mochte seinen Körper und diesen Planeten verlassen haben . Es war dies eine Gruppe radikaler Katholiken. der um einer abstrakten. der an der Wurzel ansetzt.. »In den USA versieht man das Wort >radikal< mit dem Anstrich des Unausgeglichenen. Ich bin gerade nicht da . die Welt auszulöschen. den dieses Land zu meinen Lebzeiten hervorgebracht hat. am Kern der Sache. die ihm aufgrund des Freedom of Information Ad offenbart worden waren. In dem Streifen In the King of Prussia (1983. Filme über jedes beliebige Thema zu drehen. Und sollte es mein Leben kosten. Er lebt weiter in seinem großen Werk. Er beruht auf ds Lebensgeschichte sowie auf 10.

wie Chomsky den mit 350. hört Peter Wintonick von der Verhaftung des berühmten amerikanischen Kinderarztes Benjamin Spock (während einer Protestveranstaltung gegen den Vietnamkrieg vor dem Pentagon in Washington). entgegennimmt. Unterstützerbriefe zu sammeln und Förderanträge auszufüllen. nachdem dieser seinen Vortrag mit dem Titel »Auf dem Weg zum globalen Krieg« beendet hat.Chronologie der Entstehung des Films 21. Im Oktober erstehen die Filmemacher aus Regierungsbeständen eine motorisierte 16mm-Filmkamera. Drehorte sind Toronto und Hamilton. wo Chomsky die angesehenen »Massey Lectures« für das CBC-Rariio aufzeichnet (später unter dem Titel Necessary Illusions: Thought Control in a Democratic Society ein kanadischer Paperback-Bestseller). nachdem sie sich zusammen mit einigen hundert Demonstranten trotz mehrmaliger Aufforderung weigern. 1988: Im August begeben sich die beiden Filmemacher mit zwei handbetriebenen I6mm-Bolex-Kameras im Gepäck nach Long Island. Dollar. Gemeinsam mit Freunden (und ohne Wissen von Wintonick) beginnt Achbar in Toronto. 1985: An der Unversität Toronto erfolgt ein erstes Gespräch zwischen Mark Achbar und Noam Chomsky. Oktober 1967: Gerade den Kinderschuhen entwachsen. den höchsten japanischen Wissenschaftspreis. der Vorschlag wird »ganz nebenbei« abgelehnt. In Japan wird mit Hilfe eines örtlichen Drehteams gefilmt. einen Film über Chomsky zu entwerfen.000 kan. Sie lassen ihre Produktionsfirma unter dem Namen Necessary Illusions registrieren und verbringen den Rest desJahres damit. Schriftsteller Norman Mailer und Linguist Noam Chomsky teilen sich eine Gefängniszelle. »sich zu entfernen«. Daraufhin schlägt er einem Produzenten bei der Nationalen Filmbehörde (NFB) »ganz nebenbei« einen Film über Chomsky vor. Filmentwürfe zu schreiben.« 1988: Wintonick und Achbar entdecken bei einer Flasche Scotch endlich die Gemeinsamkeit ihrer Absichten und beschließen. 1986: Peter Wintonick ist (ohne Achbars Wissen) unter den Zuhörern eines Vortrags von Chomsky an der Universität von Kingston. . Der US-Schauspieler Ed Asner schickt einen begeisterten Unterstützerbrief und 250 US-Dollar. Mai 1987: Chomsky begrüßt den Vorschlag für einen Film über seine politischen Analysen: »Ich habe mit Interesse von Ihrem Filmprojekt gehört. das vom atomaren Frieden und den Massenmedien handelt. 11. Dollar von einem Privatmann.000 USDollar dotierten Kyoto-Preis. 1987: Mark Achbar ist davon überzeugt. Ich freue mich selbstverständlich darüber und halte es für eine nützliche Idee. das Filmprojekt von Montreal aus weiterzuführen. Wintonick erhält 5. Die Zusammenarbeit 232 scheitert jedoch schmerzhaft an grundsätzlichen Meinungsunterschieden. Achbar ist zunächst recht nervös.000 kan. daß die Massenmedien Chomsky weitgehend totschweigen. die zuvor den kanadischen »Mounties« gedient hatte. um den Druck des Buches Manufacturing Consent: The Political Economy of the Mass Media zu filmen. Der staatliche kanariische Kulturfonds gibt Achbar 16. 1984: Peter Wintonick und Mark Achbar begegnen sich zum erstenmal in Toronto bei einem Treffen der Mitwirkenden an Peter Watkins' 14-stündigem Filmprojekt »The Journey«. doch findet er den einst von der New York Times als »möglicherweise bedeutendsten Intellektuellen der Gegenwart« bezeichneten Chomsky geradezu entwaffnend zugänglich.

George Lucas. als Kameramann. man möge doch helfen. 233 1991-1992: Während Wintonick weiter am Film schneidet. der mittlerweile am Tonschnitt arbeitet. Dollar. einer gemeinnützigen Spendenverwaltungsorganisation in New York. Während des Internationalen Filmfestivals in Guelph. schließlich als Zweiter Produzent. Eine Lizenzvorauszahlung löst weitere Beiträge von Investoren aus. Bei einem zufälligen Gespräch mit dem Vorführer fällt der Hinweis auf die »weltweit größte fest installierte Kaufhaus-Videowand«. machen einige verschwommene Polaroidfotos davon und schicken diese an die Studiochefs des NFB. daß sie genügend Filmmaterial für einen abendfüllenden Dokumentarfilm und für eine mehrteilige Fernsehserie haben. der in der Vergangenheit Künstler. während das niederländische.an alle erdenklichen Firmen und Privatstiftungen. beim Ton und Schnitt. Außerdem steuern Hunderte von Organisationen und Einzelpersonen Anteile bei. Oktober 1989: Den Filmemachern geht das Geld aus.März 1989: Wintonick und Achbar treffen während der kanadischen Filmpreisverleihung auf einen Mann mit Hörgerät. den Niederlanden sowie in den USA und im kanadischen Nanaimo. Das Hörgerät stellt sich als Walkman-Radio heraus. Ein Gespräch mit dem Redakteur Karl E. auf dem der »Schwerhörige« ein Baseballspiel verfolgt. Schnittassistentin Katharine Asals und Francis Miquet. die Filme können endlich entwickelt werden. sie stellen damit grafisch dar. Am PC wird eine 40-seitige Projektbeschreibung entworfen. Zu einer Besichtigung des Redaktionsgebäudes der New York Times im Februar 1991 sind Kameras nicht zugelassen. Die beiden Filmemacher erhalten von ihm ein Jahr lang monatlich je 1000 kan. Kanada. Der Schnitt des Films zieht sich ein weiteres Jahr hin. Januar 1990: Das NFB stellt seine technischen Dienste zur Verfügung. Die beiden bauen die Dosen ansprechend auf. Sie erhalten Unterstützung von Media Network. in der Finanzierung. Der Film verlängert sich von 75 auf 165 Minuten und erhält eine Pause. die in einem nahegelegenen Einkaufszentrum zu finden sein soll. 18. die Bilder ans Licht zu bringen. Zwischendurch bemühen sie sich um weitere Finanzquellen. In einem Abschnitt kleiden sich die Filmemacher in Arztkittel und »sezieren« einen ursprünglich in der Londoner Times erschienenen Artikel über Osttimor. setzen die Suche nach weiterem Archivmaterial fort und kümmern sich um die Urheberrechte. Es ist der Philantrop Nick Laidlaw. Meyer wird jedoch gestattet. Anschließend vergessen sie. Frankreich.dem auf weit über 50 Festivals weltweit noch viele Preise folgen werden. CBS. was bei den NFB-Technikern ziemliche Verwirrung hervorruft. April 1989: Francis Miquet. aber bestimmt ab. CBC und Coca-Cola lehnen höflich. und bereits vorliegende Szenen werden in neue Zusammenhänge gebracht oder auf öffentlichen Bildschirmen in Einkaufszentren oder im Sportstadion abgefilmt. Deutschland. wie entscheidende Passagen vor dem Abdruck in der New York Times zensiert wurden. Steven Spielberg. Nach dem Interview filmt das Team im Gebäude heimlich weiter. In den Film werden Tricksequenzen eingearbeitet. Juni 1992: Die erste Kopie des Films erlebt ihre Premiere beim Internationalen Filmfestival in Sydney. 1990-1991: Die Filmemacher verzichten auf die Hälfte ihres ohnehin mageren Gehalts und drehen sporadisch in Großbritannien. erhält eine zweieinhalbstündige Video-Grobfassung des Films den höchsten Publikumszuspruch. zusammen mit einem Bittbrief. finnische und norwegische Fernsehen den Film blind bestellen (»Zahlung bei Lieferung«). sowie in ähnlicher Weise von der kirchlichen TV-Station Vision/TV in Kanada. 4000 persönlich gehaltene Schreiben gehen an kanadische Adressen und ins Ausland . werden die frei gestalteten Szenen entworfen und gedreht. Manufacturing Consent erhält unter 47 Filmen den Publikumspreis . er arbeitet als Koordinator. in Archiven. steigt bei Necessary Illusions ein. Sportler und Intellektuelle unterstützt hat. . Anfang 1992: Die Filmemacher stellen fest. aber unentwickeltem Filmmaterial stapeln sich in Achbars Wohnzimmer. der an der Zeremonie kein Interesse zu haben scheint. an wohlhabende Filmproduzenten sowie an sämtliche nordamerikanische und europäische Fernsehanstalten. sich wieder umzuziehen. Dutzende von Filmdosen mit abgedrehtem. ein Schüler Wintonicks. Leider sollte Nick Laidlaw die Vollendung des Films nicht mehr erleben.

Schließlich arbeitete er drei Jahre lang an Peter Watkins' Friedensepos The Journey mit. als Kameramann und Associate Producer in Jim Morris' Stag Hotel über das Leben in einem verkommenen Hotel (»Bester Dokumentarfilm« Athen). Während seiner Zeit im Dschungel des kommerziellen Filmgeschäfts arbeitete er an der Seite einiger der dort heimischen Tiger (und auch einiger Schlangen). außerdem hat er Spielfilme geschnitten. Partners in Development. 1986 wurden Mark und sein Mitautor und Regisseur Robert Boyle mit ihrem 75-Minuten-Film The Canadian Conspiracy (über eine satirisch-fiktive kanadische Machtergreifung in den USA) für einen Fernsehpreis für das »Beste Drehbuch« nominiert. für den Schnitt verantwortlich bei Peter Monets East Timor. erfolgte seine Einführung in die Welt des Films und der Politik durch den Schnitt von Wahl- Channel.Peter Wintonick ist seit über zwanzig Jahren im Filmgeschäft. unabhängigen Filmemachern bei der Produktion und beim Schnitt mit Rat und Tat zur Seite gestanden. In den letzten Jahren war er: Produzent für die kanadischen Drehaufnahmen und Leiter der Nachbereitung von Peter Watkins' 14-stündigem Mega-Dokumentarfilm The Journey über den nuklearen Frieden. Er begann mit Verwaltungs. recherchierte. Zudem recherchierte. In einer Reihe von Produktionen (Experimentalfilme und -videos. Zudem gehörte er der Auswahljury des International Festival of New Cinema & Video in Montreal an. Autor. Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media ist Marks erster abendfüllender Dokumentarfilm. einer Videodokumentation über den Unabhängigen Film (»Blue Ribbon Award« des American Film Festival). Produzent und Regisseur von The New Cinema. Der Film errang auch den Gemini-Preis als »Best Entertainment Special« und wurde für einen »International Emmy« nominiert. Schnitt) bei: Family Bay. selbst Industriefilme) agierte er in unterschiedlichen Kombinationen als Regisseur. Kameramann und (-utter. Sein Filmdiplom erwarb Mark an der Syracuse University (USA). Das Buch wurde mit dem begehrten »Olive Branch« ausgezeichnet. . Videos und Büchern unter Beweis gestellt. Peter hat im Lauf der Jahre vielen jungen. Betrayed But Not Beaten (mit Noam Chomsky) über Kanadas Rolle beim Völkermord in Osttimor. einer kreativitätsfördernden Jugendserie für das CBC. AssociateProducer und für den Schnitt verantwortlich bei Nettie Wilds A Rustling of Leaves: Inside the Philippine Revolution über die Situation auf den Philippinen (»Beliebtester Film« Berlin 1989. Entwicklungspolitik und die Medien. Nachdem er das Filmhandwerk am Algonquin College in Ottawa gelernt hatte. Produzent. »Hugo Award« Chicago). In Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media verbindet er seine Erfahrungen in verschiedenen Bereichen des Filmemachens und seinen politischen Aktivismus mit seinem Interesse an den Medien. Mikrofon. etwa: als Kameramann bei Keith Hladys There Is a Rally über die große Friedensdemonstration 1982 in New York. einem Werbefilm für die staatliche kanadische Entwicklungshilfeorganisation. interviewte. Dokumentationen zur gesellschaftlichen Aufklärung. koordinierte und redigierte er das Buch At Work in the Fields of the Bomb von Robert Del Tredici (dt. ein Bild. When We First Met für den US-Sender HBO. »Unsere Bombe«. Mark Achbar hat seine umfassenden kreativen und technischen Fähigkeiten seit 1975 in über 50 Filmen. anschließend überstand er seine Lehrzeit in Hollywood bei Bill Daily 's Hocus Pocus Gang. »People's Choice« Montreal 1989). er filmte.und technischen Tätigkeiten (Kamera. Seitdem arbeitet er kampffilmen des damaligen Premierministers Pierre Trudeau. An der dortigen Universität hält er Vorlesungen über Filmgeschichte. Zweitausendeins 1988). einer Familienserie für das kanadische öffentliche Fernsehen CBC und den amerikanischen Disney 234 kontinuierlich mit kritischen Filmemachern zusammen.und Textband über die Wasserstoffbombe. kümmerte sich um die Finanzierung und entwarf das EDV-System. Spread Your Wings. Ganz früher führte er Regie bei Industriefilmen und anderen audiovisuellen Produktionen. Für Kanadas führende Filmzeitschrift Cinema Canada schrieb er viele geistvolle Beiträge über neue Trends im jungen unabhängigen Film und über die Zukunft der kanadischen Filmindustrie. ebenfalls für den Schnitt verantwortlich bei Ron Manns Experimentalfilm Comic Book Confidential (»Best Documentary« Kanada.

seine unerschöpfliche Energie. Caroline Voight. David Barsamian für seine Interviews. für den Einsatz der knappen Mittel von Necessary Illusions in diesem Projekt. die uns großzügig Familienfotos für den Film überließ und uns sehr bei der Bearbeitung der Rohfassungen unterstützte. Carol Chomsky. Blake Gulband und Nat Klym für praktische Ratschläge. David Pollack von Inframe Productions sowie Colin Pearson für ihre großzügige technische Unterstützung bei der Umwandlung von Videobildern. Linda Barton und Dimitrios Roussopoulos von Black Rose Books für Vertrauen und Zuspruch. Edward S.für Kooperation und technische Hilfe. meine Freunde und Partner. dem National Film Board of Canada . Carlos Otero für sein Vorbild und für die Scheidung des Wichtigen vom Unwichtigen. . Martine Cote und Kate McDonell für Hilfe bei der Bildverarbeitung. Trevor Gregg. Elaine Shatenstein und Cleo Paskai für wertvolle redaktionelle Hinweise. dessen Lebenswerk sechs Jahre lang im Zentrum meiner Arbeit stand.dort vor allem Steven Morris. Mein besonderer Dank gilt: Peter Wintonick und Francis Miquet. Cha Cha Da Vinci und Leah Leger. John Schoeffel für laufende nützliche Anregungen. außerdem Jason Levy für seinen Zeitaufwand. mit der er unsere Kameras ertrug und dadurch den Film erst möglich machte. Rodolfo Borello und Andrew Forster für einfühlsame und professionelle Gestaltungsarbeit unter unmenschlichem Zeitdruck. für seinen Zuspruch. der diesem Buch zugrundeliegt. Sabrina Mathews. Herman.Dank Dieses Buch verdankt seine Entstehung vielen Menschen. die bereitwillige Beantwortung aller Fragen und Bitten und schließlich die distanzierte Toleranz. deren Neugier die Auswahl des Hintergrundmaterials bestimmte und deren Energie den Laden am laufen hielt. und an Noam Chomsky. die das Leben der »Simpsons« am Bildschirm verfolgten. Christine Burt für taktvolle Urteile. dessen Kapitel in Manufacturing Consent >The Political Economy of the Mass Media< unserem 235 Film ein inhaltliches Konzept lieferten. Stacy Chappel und Roben Kwak für ihre Tastenkunst am Satzcomputer sowie Susan Grey für zusätzliche Recherchen. Maurice Paradis und David Verrall . die so viel für den Film und das Buch bedeuten. Jane Broderick für die Schlußredaktion und die Erstellung des Index unter demselben Zeitdruck. Merrily Weisbord und Robert Del Tredici. die mich in die Printmedien einwiesen.

10 D-20255 Hamburg AKAZ Birkenfelderstrasse 13 D-54497 Morbach Bahamas Schulterblatt 23e D-20357 Hamburg Die Heule Hinter der Schönen Aussicht 11 D-60311 Frankfurt Contraste PF 10 45 20 D-69035 Heidelberg Direkte Aktion Fischerstr. 205 D-53111 Bonn Widerspruch Zurlindenstr. 10 D-28203 Bremen AG SPAR Publikationen Adlzreiter Strasse 23 D-80337 München 236 . alternative Medien ak Rombergstr. 3 D-39108 Magdeburg Schwarzer Faden PF 1159 D-71117 Grafenau Spezial Schöneworth 18a D-30167 Hannover Tatblatt Gumpendorferstr.Eine Medienauswahl Linke. 42 D-60318 Frankfurt Ohne uns Klopstockstr. 14a D-26123 Oldenburg ILA Heerstr. Paulistr. 59. Stock D-10965 Berlin IZ3W PF 5328 D-79020 Freiburg Alternative Verlage Kassiber St. HH. 157/11 A-1060 Wien Tranvia PF 30 36 26 D-10727 Berlin Der Wahrschauer Harsdörferweg 21 D-14089 Berlin Forum Buchstr. 14/15 D-28195 Bremen Graswurzelrevolution Karlstr. 3. 94 D-47055 Duisburg OkoLinx Neuhofstr. 214 CH-8003 Zürich Wildcat PF 360 527 D-10975 Berlin ZAG Yorckstr.

25 D-10997 Berlin Unrast Verlag Postfach 8020 D-48043 Münster Schweizerisches Sozialarchiv Stadelhoferstr. de Beaumont 24 CH-1012 Lausanne Kunsthaus Lübeck Erich-Mühsam-Gesellschaft e. 46 D-10997 Berlin Archiv der deutschen Frauenbewegung Sommerweg lb D-43125 Kassel Archiv für soziale Bewegungen Wilhelmstr. 12 CH-8001 Zürich 237 . Königstrasse 20 D-23552 Lübeck Topos Verlag Industriestraße FL-9491 Ruggell ID-Archiv c/o IISG Cruquiusweg 31 NL-1019 AT Amsterdam Agipa-Press Eichenbergerstraße D-28215 Bremen 9 Verlag Schwarze Risse/Rote Straße Gneisenaustr. 118 D-67433 Neustadt/W.Klartext Verlag Dickmannstraße 2-4 D-45143 Essen Zambon Verlag Leipziger Straße 24 D-60487 Frankfurt/Main Anares/Commenius Postfach CH-3008 Bern IBDK-Verlag/ALive Postfach 167 D-63703 Aschaffenburg Bibliotheken/Archive Anares-Medien Postfach 25 03 46 D-50519 Köln Karin Kramer Verlag Braunschweigerstr. V. 23 D-12055 Berlin Anares-Nord Otto-Heise-Straße 2 D-31319 Sehnde Verlag Klemm & Oelschläger Postfach 8267 D-4400 Münster Berliner Verlags-Syndikat Oranienstrasse 45 D-10969 Libertad Verlag Berlin/Köln Postfach 440 349 D-12003 Berlin ab Verlag Bohl Andreas Weissenburgerstraße 17 D-81667 München Verlag Schwarzer Nachtschatten Alte Salzstraße 1 D-24306 Bösdorf Harald Kater-Verlag Görlitzer Straße 39 D-10997 Berlin Edition Nautilus Am Brink 10 D-21029 Hamburg Archiv für soziale Bewegungen Rote Flora Schulterblatt 1 D-20357 Hamburg Verlag Engstier Peter Oberwaldbehrungen 13 D-97645 Ostheim Medienvertrieb Syndikat A Bismarckstrasse 41a D-47443 Moers CIRA Av. 2a D-10961 Berlin Trotzdem Verlag Postfach 1159 D-71117Grafenau Transit Verlag Gneisenaustraße 2 D-10961 Berlin Anarchiv Haupstr. 15 D-79098 Freiburg Papiertiger Kuckucks Bibliothek Cuvrystr. Antifaschistisches Pressearchiv Falckensteinstr.

sie können beim Marino Verlag. Grafenau. Das Video Medienwerkstatt Freiburg Konradstr. wurde verzichtet. 089/3000850 Fax 30008517 . 10 D-37073 Göttingen UNITED for Intercultural Action Postbus 413 NL-1000 AK Amsterdam Das Quellenverzeichnis führt eine Auswahl bekannterer und weniger bekannter Organisationen im deutschsprachigen Raum auf und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. oder beim Trotzdem Verlag. 22 D-10437 Berlin Video/Medien Werkstätten Jugend-Umwelt Projektwerkstatt Am Bürgerpark 2 D-23843 Bad Oldesloe Rote Hilfe c/o Buchladen Rotestr.Studienbibliothek zur Geschichte der Arbeiterbewegung Quellenstr. erfragt werden. die zum Teil im Buch genannt sind. 17 D-60316 Frankfurt Mailbox: 069-703929 Organisationen ARGE für Kriegsdienstverweigerer Rechbergstr. Auf die Angabe der Originalquellen. 76 D-53111 Bonn Mailbox: 0228-241715 SpinnenNetz c/0 DFG/VK Vogelsbergerstr. 12 A-8010 Graz FAU Regionalkoordination Ost c/o Infoladen Kellnerstraße 10a D-06108 Halle 238 ist erhältlich bei: ARTHAUS Video Schwere Reiter Str.20 D-79100 Freiburg Computernetze Manufacturing Consent Noam Chomsky und die Medien Freie Radios Freies Radio Schwäbisch Hall Lange Str. München. 13 D-74523 Schwäbisch Hall SpinnenNetz c/o Buchladen Le Sabot Breite Str. 35 D-80797 München Tel. 25 CH-8031 Zürich Umweltbibliothek Schliemannstr.

M.Auswahlbibliografie Aspekte der Syntaxtheorie Frankfurt a. M. 1977 Arbeit . 1995 Probleme sprachlichen Wissens Weinheim 1996 Die neue Weltordnung und der Golfkrieg Grafenau 1992 Was Onkel Sam wirklich will Zürich 1993 Wirtschaft und Gewalt Lüneburg 1993 Die Herren der Welt Berlin 1993 Die Herren der Welt Berlin 1993 Amerika und die neuen Mandarine Frankfurt a. 1973 Cartesianische Linguistik Aus Staatsraison Tübingen 1971 Frankfurt a.Sprache . M. Im Krieg mit Asien (2 Bde.Freiheit Wien 1988 Regeln und Repräsentationen Frankfurt a. 239 Clintons Vision Grafenau 1994 Dinge der Zeit Grafenau 1994 . M. 1972/73 Studien zu Kragen der Semantik Berlin Über Erkenntnis und Freiheit Frankfurt a. M. M. M. M. 1973 Vom politischen Gebrauch der Waffen Wien 1988 Reflexionen über Sprache Frankfurt a. M. 1981 Sprache und Geist Frankfurt a. 1973 Strukturen der Syntax Berlin 1973 Die Verantwortlichkeit der Intellektuellen Frankfurt a.Sprache als Lebensform Frankfurt a. 1969 Schöne neue Weltordnung Frankfurt a. Über Macht und Ideologie Hamburg 1988 Thesen zur Theorie der Generativen Grammatik Weinheim 1995 Sprache als Organ .) Frankfurt a. M. 1981 Die fünfte Freiheit. M.

In einer eindrucksvollen Montage von Bildern und Worten stellt dieser fesselnde Film Werdegang und Denken des kontroversen Autors.: 05521/735 02 Fax: 05521/735 03 Kaufkassette VÖ: 02.Der große Intellektuelle und Kritiker dieses Jahrhunderts: NOAM CHOMSKY.95 Bestellnummer: AH 00204 Titel: Manufacturing Consent Noam Chomsky und die Medien FSK: 12 Regie: Mark Achbar und Peter Wintonick Länge: 164 Min.09.1996 EVP: DM 49. BESTELL-HOTLINE ARTHAUS Tel. Linguisten und radikalen Denkers vor. .