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Telefax: (089) 53 06-86 54 Münchner Merkur Nr. 145 | Montag, 28. Juni 2010

MÖNCH PHILIPP AUS FREISING ..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................


AKTUELLES

Buddha in der Bischofsstadt


IN KÜRZE

WOLFRATSHAUSEN
Absage von Ramsauer
Er lebt ohne Bargeld, Bei der Debatte um die ge-
Musik und seinen Ge- plante S-Bahn-Verlänge-
rung von Wolfratshausen
burtsnamen, stattdessen nach Geretsried gibt es ei-
von Almosen. Mönch Phi- nen erneuten Rückschlag:
lipp (34) hat in Freising Vor über drei Monaten
ein buddhistisches Klos- hatten sich Vertreter beider
Rathäuser an Bundesver-
ter eröffnet. Als Bub war kehrsminister Peter Ram-
er katholisch und Minis- sauer gewandt. Er sollte
trant, heute erklärt er prüfen, ob die S-Bahn-
den Bayern den Buddhis- Schranke in Wolfratshau-
sen Bestandsschutz ge-
mus – und warum das Le- nießt. Wäre das nicht der
ben keine Linzertorte ist. Fall, würden die Kosten für
einen alternativen S-Bahn-
VON STEFAN SESSLER trog von 40 Millionen Euro
auf rund 14 Millionen Euro
Freising – Ach, dieser sinken. Doch Ramsauer
Mensch. Zu viel Sonne und er hat die Hoffnungen jetzt
läuft rot an. Zu wenig Sonne – zunichte gemacht: Es gebe
und er schluchzt vor Kälte. keinen Anlass, etwas an
Und dann noch dieser ver- der bestehenden Situation
dammte Rücken, der schmerzt zu ändern. Wolfratshausen
eh das halbe Leben lang. lehnt eine Schrankenlö-
„Minderwertige Ware“, sagt sung jedoch ab. tal
der buddhistische Mönch mit
den kurzgeschorenen Haaren FURTH IM WALD
und den leuchtenden Augen.
Dann lacht er prustend: „Hät- Roboter-Drache
te man besser machen kön- Giftgrün, 16 Meter lang,
nen.“ Hahahaha. „Gäbe es ei- fünf Meter hoch und zehn
nen Designer, dann müsste Tonnen schwer – das sind
man ihn feuern.“ Hohohoho. die Eckdaten des neuen
Bhikkhu Philipp oder Stars beim ältesten deut-
Mönch Philipp heißt der schen Volksschauspiel.
quietschfröhliche Mann, der Am Freitag, 2. Juli, erobert
im Lotussitz in seinem An- Bittgang nach Wochenplaner: Mit ihren Almosenschalen auf dem Arm gehen Mönch Philipp (orangene Kutte) und der Ehrwürdige Tejobhasa aus Myan- das feuerspeiende High-
dachtsraum sitzt – direkt auf mar durch Freising. Im Hintergrund steht die Stadtpfarrkirche St. Georg. Tech-Ungeheuer auf dem
dem Freisinger Domberg. Further Drachenstich-
Dort hat der Mönch, der frü- sen, ist ein Grundpfeiler in und die Kloster-Regeln sind Mit dem Tod, dem Kuchen Festspiel sein Terrain. Der
her mal Philipp Jenning hieß, Philipps Leben. Sein Prinzip: streng: keine Musik, kein und dem Sinn des Lebens. 2,3 Millionen Euro teure
vor zwei Jahren sein buddhis- „Bedürfnislosigkeit suchen, Tanz, kein Schmuck, keine „Man muss seine Rolle im Le- Roboter wird dann beim
tisches Kloster eröffnet. Phi- nicht träumen, in der Gegen- unnötigen Besitztümer, kein ben gut ausfüllen“, erklärt der Volksfest präsentiert. lby
lipp (34) ist kein Zyniker, der wart leben.“ In der Klosterkü- Geld, keine „hohen üppigen Mönch. Dabei ist es unwich-
die kleinen Gebrechen des che hängt ein Wochenplaner, Betten“, kein Essen nach der tig, ob man Bundeskanzler ist
Menschen verspottet. Er will auf dem die beiden Freisinger Mittagszeit, kein Alkohol, kei- und die großen Weichen stellt Das kleine Rätsel:
den Menschen lediglich nicht Mönche ihre Bittgänge koor- ne Zigaretten, dafür Meditati- – oder doch nur 40 Jahre in ei-
Der Buddhismus ist die...
überbewerten – „Krone der dinieren. Viele Familien laden on, Studium, ein Spaziergang nem winzigen Bahnhäuschen
Schöpfung“ würde ihm nie die Mönche Woche für Woche an der Isar, um den Körper zu arbeitet und tatsächlich eine I. drittgrößte Religion
über die Lippen kommen. Da- zum Essen essen. Hungern erholen, Schlaf. „Wir Mönche Weiche stellen muss. „Welche II. viertgrößte Religion
für sind jene Rückenschmer- müssen sie nie. Viele Freisin- wollen raus aus dem Vergnü- Weiche, das ist egal.“ III. fünftgrößte Religion
zen zu unausstehlich. ger sind stolz auf ihre gungspark, in dem man Bedürfnislosigkeit ist ein
Neben dem Mönch stehen Buddhisten. Noch nicht lange zwangseingeliefert wurde“, Anker in Philipps Leben, ei-
ein Buddha-Schrein, Räucher- Im Kloster treffen sich Buddhisten aus dem Umland und her, da haben die Leser des sagt er. nen großen Wunsch hat er AUGSBURG
stäbchen, Kerzen, Orchideen, halten gemeinsam Seminare ab. FOTOS: BIRGIT GLEIXNER Freisinger Tagblatts ein Foto Philipp spricht meist mit dennoch – ein größeres Klos-
weiter hinten liegen die Ge- von Bikkhu Philipp zum Bild sanfter Stimme, was er sagt, ter. Das Haus am Domberg Flugzeug verunglückt
betsmatten. Philipp ist ein ma). Philipp ist Bayer, gebürti- auf einmal die Frage durch sei- des Jahres gekürt. knallt jedoch ziemlich oft: hat nur Platz für zwei Mön- Glimpflich verlaufen ist am
Exot in der Bischofsstadt. Um ger Freisinger. Als Bub war er nen Kopf: „Ist die Zeit in Frei- Nur Sonntags ist es mit dem Zum Beispiel versteht er jene che, viel zu wenig. Philipp Sonntag ein Unglück am
seinen Körper hat er ein brau- noch Ministrant, mit 16 Jah- sing reif für Buddhismus?“ Almosengang etwas schwieri- Kaffeefahrt-Teilnehmer nicht, würde gerne weitere Buddhis- Augsburger Flughafen: Aus
nes, kunstvoll verzwirbeltes ren ist er aus der katholischen Das war vor über einem Jahr. ger, da wollen die Unterstützer die extra nach Linz hetzen, ten bei sich aufnehmen. Ideal bisher ungeklärter Ursache
Tuch gewickelt. Jeden Tag Kirche ausgetreten. „Ich hatte Heute kann er die Frage be- gerne mal ein Stündchen län- um dort eine klebrige Torte zu wären „fünf Mönche“, sagt er. kam eine Cessna beim An-
geht er in der Altstadt umher Zweifel an der Logik dahin- antworten: „Freising ist reif für ger schlafen. Die Lösung: die essen. Wenn sie die „Linzer- Denn die Aufgabe hier in Bay- flug von der Landebahn ab
und sammelt Almosen. Die ter“, sagt er. Dann entdeckte eine Portion Buddhismus.“ In Bahnhofsbäckerei. Sein torte“ dann endlich gegessen ern ist komplex: „Die Deut- und überschlug sich. Die
Freisinger haben sich inzwi- er den Buddhismus. Philipp seinem Kloster, das er Anfang Freundeskreis hat dort ein haben, so der Mönch, dann er- schen sind verhärtet“, sagt er. vier Insassen wurden leicht
schen an ihren Mönch ge- studierte Sinologie und Religi- 2009 gegründet hat, treffen „Frühstückskonto“ eingerich- zählen sie von nichts anderem „Harte Zeiten, der Krieg und verletzt. Laut Feuerwehr
wöhnt, nur die Autofahrer onswissenschaften in Mün- sich Buddhisten aus der Um- tet. Philipp und der Ehrwürdi- als jener Torte – wochenlang. Entbehrungen“, glaubt der hatten sie großes Glück:
schauen manchmal verwun- chen, lebte daraufhin in Japan, gebung, aber auch Neugierige ge Tejobhasa können dort in „Als ob sich das Leben um Ku- Mönch, stecken den Men- „Der Tank war halb voll
dert hinterher. Und ganz sel- Taiwan und Thailand – immer auf Sinnsuche, die den aufge- aller Früh ihre Butterbrezen, chen dreht“, sagt Philipp so schen in Freising auch Gene- und hätte leicht Feuer fan-
ten quatschen Einheimische in buddhistischen Klöstern. räumt dreinblickenden Schnittlauchbrezen und auch überzeugend, dass man au- rationen danach noch im Ge- gen können.“ lby
den Buddhisten unwirsch an – Dort wurde er in den buddhis- Buddha irgendwie interessant die süßen Teilchen abholen – genblicklich nie mehr vom Es- müt. „Ihre Herzen sind gewa-
und wünschen ihn ins Tibeta- tischen Orden aufgenommen finden. Ein Trägerverein mit völlig bargeldlos. sen schwärmen will. „Kuchen schen, gebügelt und gefaltet“, JETTENHAUSEN
nische Hochland zurück. und zum Mönch ausgebildet. über 100 Unterstützern finan- Der Freisinger Mönch Phi- ist Materie.“ Philipp erklärt je- sagt er.
„Geh hoam“, sagen sie. Phi- Nun ist er wieder in seine ziert das Kloster – Mönch Phi- lipp ist zwar ein aufmerksa- doch auch: „Buddha ist kein Philipp würde sie gerne Forscherin wird 85
lipps Antwort: „Bin dahoam.“ Heimat zurückgekommen. lipp selbst darf kein Bargeld mer, herzenslustiger Ge- Spielverderber.“ zum Lächeln bringen. Und Die First Lady der Bayeri-
Lediglich sein Mit-Mönch, Zuerst wollte er nur nach sei- besitzen. Keinen Cent. sprächspartner, aber sein Jeder solle so viel Linzertor- zum Nachdenken. „Humor schen Geschichte hat am
der Ehrwürdige Tejobhasa, nem Vater schauen, dem es Der tägliche Almosengang, Glauben ist kein Larifari, kein te essen, wie er wolle. „Aber lockert den Geist und weitet Sonntag ihren 85. Ge-
kommt aus Myanmar (Bur- nicht gut ging. Dann geisterte die tagtägliche Suche nach Es- Hobby. Philipp meint es ernst, Buddha sagt auch, wie es ist.“ das Herz“, sagt er. burtstag gefeiert: Gertrud
Diepolder. Einst fungierte
die Frau, die in Jettenhau-
WILLKOMMEN
& ABSCHIED sen (Kreis München)
wohnt, als Professor Max
Spindlers engste Mitarbei-
terin. In den ersten beiden

Topfschlagen am Hochzeitstag Opa ist bei den Sternen Nachkriegsjahrzehnten


war sie maßgeblich an der
Ausbildung des wissen-
München – Die kleine Elisa- Peißenberg – Maximilian und nur wünschen kann“, sagte schaftlichen Nachwuchses
beth trödelte gewaltig auf ih- Katharina suchen jeden seine Tochter Cornelia im am Institut für Bayerische
rem Weg hinein ins Leben – sie Abend, sofern nicht schwere Namen ihrer Brüder Erich Geschichte beteiligt. Ihre
ließ sich sogar so lange Zeit, Regenwolken den Himmel und Andreas bei der Beerdi- Studien zur frühen Besied-
dass sie ihren Eltern Johanna verhüllen, nach dem Stern, gung am offenen Grab. „Du lung Bayerns und zum
(31) und Matthias (32) Kringer von dem jetzt ihr heißgelieb- hast uns gelehrt, wie man im Adel im Mittelalter sind
künftig den Hochzeitstag ver- ter Opa auf sie herunter Leben zurecht kommt, du bis heute grundlegend. mm
masseln wird. Denn eigentlich blickt. Erich Nägele stand hast uns zur Gradlinigkeit,
rechneten Ärzte und Hebam- mitten im Leben, als er plötz- Ehrlichkeit, Offenheit und REGENSBURG
men damit, dass die Kleine am lich und unerwartet im Alter Hilfsbereitschaft erzogen.“
25. Mai geboren wird. Aber als von 70 Jahren starb. Und viele in der großen Trau- Diebische Brüder
Johanna Kringer im Kranken- Einige Tage zuvor hatte er ergemeinde, die auf dem Pei- Nach einem dreisten Dieb-
haus lag, wollte das Baby par- noch bei einer Heimatrallye ßenberger Friedhof Abschied stahl im Regensburger
tout nicht rauskommen. seines Motorsportclubs Pei- von Erich Nägele nahmen, Dom sind ein 34-jähriger
„Erst, als wir ihr mit einem ßenberg (Kreis Weilheim- Erich Nägele starb im Alter von waren ihrer Meinung, wenn Mann und sein Bruder
Kaiserschnitt drohten, kam Schongau) mitgemacht. Seine 70 Jahren. SCHWEYER sie sagte: „Trotz der inneren (31) im Gotteshaus festge-
Bewegung in die Sache“, er- Freunde sind tief getroffen, Leere, die wir empfinden, nommen worden. Laut
zählt Johanna Kringer. Doch Erich Nägele war ein Motor- verlieh ihm das Ehrenzei- können wir uns unendlich Polizei wollten sie mit dem
da war es schon zu spät – der sportler durch und durch. chen. glücklich schätzen, so einen Geldbeutel und Schlüssel-
27. Mai war angebrochen. Und Noch im Frühjahr wurde er Mit seiner Frau Rosemarie, Menschen wie Dich gekannt bund eines Betenden flie-
das ist ausgerechnet der Hoch- für seine 50-jährige Mitglied- mit der er 44 Jahre verheiratet zu haben.“ hen. Doch ein Passant
zeitstag der Kringers! „Statt schaft im Motorsportclub im war, erkundete Erich Nägele, Vielleicht hat er diese post- hielt einen der beiden so
den Tag romantisch mit einem burtsdatum nun auch auf dem Johanna und Matthias ADAC geehrt, 33 Jahre davon die Welt – natürlich motori- hume Liebeserklärung ja ge- lange fest, bis die Polizei
Dinner for two zu verbringen, Autokennzeichen der jungen Kringer ziehen mit Elisa- war er erster Vorsitzender. siert. Per Auto, Bus, Motor- hört, hoch oben auf dem
werden wir künftig Kinderge- Familie steht. Dort nämlich beth bald weg aus Mün- Als umsichtig, tolerant und rad oder auch Flugzeug ging Stern, auf dem ihn seine En-
burtstage feiern, also Topf- hatten die Kringers das Datum chen, ins Haus der Großel- aufgeschlossen für alles Neue es um den Globus. Die Fami- kel wähnen. LINDE SCHWEYER Auflösung:
schlagen spielen“, schimpft die ihres Hochzeitstages verewigt. tern im Berchtesgadener beschreibt ihn sein Nachfol- lie bedeutete ihm, der als
Mama – und meint das freilich In etwa zwei Jahren soll Elisa- Land. Dann leben drei Ge- ger Thomas Salvamoser. Der Milchtankfahrer bei jedem Die Redaktion Hinduismus.
nicht ganz ernst. Denn die beth ein Geschwisterchen be- nerationen unter einem Verein hatte ihn zum Ehren- Wetter unterwegs war, viel. Willkommen & Abschied Christentum, Islam und
Kringers sind überglücklich kommen. Dach und Elisabeth kann vorsitzenden ernannt, der Und er ihr. „Für uns warst Du erreichen Sie unter
viertgrößte Religion nach
mit ihrer Elisabeth, deren Ge- BETTINA STUHLWEISSENBURG im Grünen aufwachsen. RK bayerische Ministerpräsident der beste Vater, den man sich 089/5306-434 II. Der Buddhismus ist die