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Forschungs- u. Praxisprojekt: Raumtragwerke aus Bambus TU - Berlin, Germany UN - Medellin, Colombia Tim
Forschungs- u. Praxisprojekt:
Raumtragwerke aus Bambus
TU - Berlin, Germany
UN - Medellin, Colombia
Tim Obermann
Ronald Laude
2004
BAMBOO SPACE
Prototyp "Mariposa"
Bambus Einleitung Eigenschaften 2004 Referenzen Materialvergleich Einleitung Verbindung Tradition Anregungen
Bambus
Einleitung
Eigenschaften
2004
Referenzen
Materialvergleich
Einleitung
Verbindung
Tradition
Anregungen
Neuer Vorschlag
Vor dem Hintergrund endlicher Rohstoffressourcen, weltweit steigendem
Energiebedarf sowie umweltverschmutzenden Emissionen liegt es nahe, sich
alternativen und nachhaltigen Baustoffen zuzuwenden.
Tests
Gerade Bambus ist ein faszinierender und vor allen Dingen nachwachsender
Prototyp
Rohstoff.
Bambus wächst unheimlich schnell, ist leicht und zugleich sehr
Entwurf
Statische Analyse
Details
Montage / Bauablauf
Verbindung in der Praxis
widerstandsfähig. In Asien und Südamerika findet er traditionell Verwendung als
Baustoff für die unterschiedlichsten Konstruktionen.
Universidad
Membran
Dieses Projekt hat es sich zur Aufgabe gestellt, von den bisherigen Bambus-
konstruktionen zu lernen, die Materialkennwerte einzugrenzen und schließlich
Vorschläge zu entwickeln, wie Bambus auch zukünftig für moderne LeichtBauauf-
gaben wie z.B. Raumtragwerke eingesetzt werden kann.
Formfindung
Vorspannung
Details
Eröffnung
Dank der Unterstützung des DAAD, der Technischen Universität Berlin - FB Archi-
tektur, sowie der Universidad Nacional Sede Medellín konnte dieses Projekt 2004
für 12 Monate in Kolumbien, wo Bambus wächst, erfolgreich stattfinden.
Literatur - Kontakt
Technische
Vor Ort wurde klar, dass der tatsächlich wissenschaftlich/technische Erkennt-
nisstand noch weit hinter den Mythen und Erfahrungen einzelner Baumeister
zurückblieb. Bei näherem Hinsehen sollte sich weiterhin herausstellen, dass
einzelne Bambusspezies wie z.B.“la guadua” jedoch wirklich hervorragend als
Baustoff für Stabtragwerke geeignet wären, doch dass wiederum noch kein adä-
quates Verbindungsdetail entwickelt wurde.
Genau hier fand dieses Projekt also seinen Schwerpunkt und schlägt in Anleh-
nung an den Stahlbau eine neue Verbindungsmethode für Bambusstäbe vor, die
dessen Einsatz für universelle Raumtragwerke ermöglicht.
Diese Verbindung wurde erfolgreich getestet und konnte schließlich im Bau
des Pavillons „Mariposa“ als Prototyp seine Anwendung für die Erweiterung der
Cafeteria des Uni-Campus in Medellín finden.
Prototyp
1
BAMBOO SPACE
“Mariposa”
Universität Berlin, FB Architektur
Nacional Sede Medellin
“La Guadua” 2004 In Südamerika hat sich die in Kolumbien und Ecuador wachsender Spezi “La
“La Guadua”
2004
In Südamerika hat sich die in Kolumbien und
Ecuador wachsender Spezi “La Guadua” als
besonders geeignet für konstruktive Zwecke
erwiesen.
Sie erreicht binnen 6 Monaten eine Größe
von bis zu 15m bei einem beinahe stetigen
Außendurchmesser von ca. 12 cm, einer Wand-
stärke von ungefähr 1.5 cm und ist in 3 Jahren
zur vollen Härte ausgereift.
Die Angaben in der Literatur über die Material-
kennwerte von Bambus weichen zum Teil stark
von einander ab und es fehlen viele Informa-
tionen wie z.B. das Alter, der Feuchtigkeitsgrad,
die Herkunft oder sogar die Spezi.
Universidad
la Guadua
Das Bambusgras
Bambus ist nicht gleich
Bambus. Es gibt weltweit über
1000 Spezies, die zumeist in
Äquatornähe anzutreffen sind
An dieser Stelle kann nur ein vorsichtiger Quer-
schnitt verschiedener Angaben sowie eigener
Test und auch nur bezüglich “La Guadua”
wiedergegeben werden. Die Werte beziehen
sich auf die untere 5% Grenze der Bruchspan-
nungstest bei ca. 0.7g/cm³ Dichte, Mindestreife
3 Jahre und lufttrocken.
Die Sicherheitsbeiwerte können gemäß dem
Eurocode (vgl. Holz) angewendet werden.
Technische
Manche sind so klein und
zart, dass man sie sogar essen
kann und andere Bambusar-
ten wiederum können einen
Durchmesser bis zu 20 cm bei
über 15m Höhe erreichen.
la Guadua angustifolia
Druck
Zug
Biegung
Scherrkraft
E-Modul
An dieser Stelle ist kein Platz
ausführlich auf die morpho-
logische Klassifizierung des
Bambusgrases einzugehen,
doch es sei die Literatur von
Walter Liese, Oskar Hidalgo
sowie Ximena Londono emp-
fohlen.
untere 5% Grenze der max.
Bruchspannung in N/mm²
30
50
30
4
6000
Prototyp
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BAMBOO SPACE
“Mariposa”
Universität Berlin, FB Architektur
Nacional Sede Medellin
traditionelle Fußgängerbrücke 2004 Referenzen Neben Asien ist speziell in Kolumbien eine verstärkte Anwendung von
traditionelle Fußgängerbrücke
2004
Referenzen
Neben Asien ist speziell in
Kolumbien eine verstärkte
Anwendung von Bambus (la
guadua) auch für aktuelle
Bauaufgaben zu beobachten.
Über die traditionellen Tech-
niken wie z.B. Bahareque oder
Kiosks hinaus sind auch viele
größere Projekte entstanden.
Asien
Jörg Stamm
Universidad
Technische
Der kolumbianische Architekt
Simon Velez ist berühmt
geworden mit seinen großen
Pavillons, Restaurants oder
Hallen, deren weitspannende
Dächer jeweils komplett aus
Guadua konstruiert wurden.
Das bekannteste Beispiel
ist der Zeri-Pavillon auf der
EXPO2000 in Hannover. Das
war auch erstmalig Anlass für
die Stuttgarter Materialprüf-
anstalt FMPA, sich mit Bam-
bus auseinanderzusetzen.
Simon Velez
Ein weiterer Vorreiter ist der in
Kolumbien lebende deutsche
Tischler Jörg Stamm, der die
Technik von Bogenbrücken
aus Holz auf Bambus über-
trägt und schon Spannweiten
von über 50m überbrückt hat.
Prototyp
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BAMBOO SPACE
“Mariposa”
Universität Berlin, FB Architektur
Nacional Sede Medellin
geodät. Kuppel - Buck. Fuller Raumfachwerk - Holz Fit für den Leichtbau 2004 Bambus erreicht
geodät. Kuppel - Buck. Fuller
Raumfachwerk - Holz
Fit für den Leichtbau
2004
Bambus erreicht aufgrund seines geringen
Eigengewichtes, dank des günstigen Trägheits-
momentes des Rohrprofils und durch seine
widerstandsfähigen Fasern gerade für Nor-
malkräfte eine hohe Materialeffizienz. Neben
der ohnehin hohen Belastbarkeit auf Zug ist
Bambus auch als Druckstab sehr effektiv.
Ein Vergleich üblicher Querschnitte von Holz,
Bambus und Stahl zeigt, dass Bambus als
Druckstab bei jeweils gleichem Gewicht und
Länge wesentlich mehr Last abtragen kann als
ein vergleichbarer Rundholzstab und in Bezug
auf Lastabtrag vs. Eigengewicht (BIC) ähnlich
effizient wie ein Stahlrohr jedoch preiswerter
und nachhaltiger ist.
Materialvergleich
Universidad
nach EC 3,5
Rundholz
Bambusstab
Stahl
S10/MS10
Guadua angustifolia
S235
Das große Potenzial von Bambus liegt also in
seiner Adaption für den modernen und ökolo-
gischen Leichtbau.
Dichte
kg / m³
550
700
7800
E-Modul N/mm²
Druckfestigkeit- ƒc N/mm²
7400
6000
210000
21
30
235
Beispielquerschnitt
bei gleichem Gewicht
geodät. Kuppel, Shoei Yoh, Japan
Technische
D=9cm
D=12cm
D=5.1cm
d=9cm
d=4.5cm
Fläche A cm²
Trägheitsmoment
63.6
49.5
4.4
Ι cm 4
322.1
695.8
12.7
Länge l
cm
250
250
250
Schlankheit λ
111.1
66.7
147.2
Gewicht kg
8.7
8.7
8.7
Prototyp
zul. max. Kraft KN (druck)
15.1
25.6
27.6
BIC
g/ N*m
0.23
0.14
0.13
Preis pro lfd Meter
5
3
8
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BAMBOO SPACE
“Mariposa”
Universität Berlin, FB Architektur
Nacional Sede Medellin
Der Schwachpunkt Jede Konstruktion ist bekanntlich nur so stark wie ihr schwächstes Glied. In 2004
Der Schwachpunkt
Jede Konstruktion ist bekanntlich nur so stark wie ihr schwächstes Glied.
In
2004
herkömmlichen Bambuskonstruktionen ist die Verbindung der Schwachpunkt.
Traditionell wurden leichte und manuell herzustellende Steck- oder Binde-
techniken für Bambuskonstruktionen verwandt. Diese sind zwar preiswert und
praktisch doch können sie meist nur sehr geringe Kräfte aufnehmen, so dass sie
für größere Projekte nicht geeignet sind.
Die heute meist verbreitete Technik geht zurück auf Simon Velez. Er begann vor
einigen Jahren erstmals damit, die Enden der Bambusstäbe mit Mörtel zu füllen
und über interne Bewehrungseisen zu verbinden, was eine steife jedoch schwere,
aufwendige und auch bauphysikalisch widersprüchlich Verbindung ergibt, da
sich der Beton bei Wärme- und Feuchtigkeitsunterschieden anders verhält als der
Bambus.
Universidad
Diese Verbindung ist auf bis ca. 1 Tonne Zug- bzw. Druckkraft belastbar, was aller-
dings nur ein Bruchteil dessen ist was z.B.„La Guadua“ an Kraft aufnehmen kann.
Der Vergleichstest zeigte z.B. eine zulässige Druckspannung von 2.5 Tonnen für
einen 2.5m langen Bambusstab (D=12cm). Bei Zug läge die zul. Spannung sogar
bei etwa 10 Tonnen.
boca de pescado - Fischmaul
Simon Velez - Zeri Pavillion
Jörg Stamm - Brückendetail
Technische
Prototyp
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BAMBOO SPACE
“Mariposa”
Universität Berlin, FB Architektur
Nacional Sede Medellin
2004 Anregungen David Trujillio Sich mit Bambus zu beschäftigen bedeutet also, sich mit Möglichkeiten der
2004
Anregungen
David Trujillio
Sich mit Bambus zu beschäftigen bedeutet
also, sich mit Möglichkeiten der Ausbildung
der Knoten zu befassen.
Shoei Yoh, Japan
Auf der Suche nach neuen Varianten, zeigte
sich, dass bereits einige Prototypen zu diesem
Thema entwickelt worden sind, die sich noch
nicht durchsetzen konnten aber dennoch
wertvolle Anregungen geben, das Potenzial
des Bambus für Normalkräfte voll auszunutzen.
Universidad
Die Entwicklung setzt verstärkt auf Systeme
aus Stahl und Querbolzen, die mit der eigent-
lichen Wandung des Bambus verbunden
werden anstatt der bisherigen Längsbolzen,
die nur durch den Mörtel Halt fanden.
John Guitierrez
Beispielhaft werden hier die Arbeiten von
Renzo Piano, Shoei Yoh, David Trujillio und
John Guitierrez der Universidad Nacional de
Colombia sowie Christoph Tönges der RHTW
Aachen gezeigt.
RHTW Aachen
Technische
Die Arbeiten haben gemeinsam, dass durch
den Einsatz mehrerer Querbolzen die
Kraftübertragung erheblich gesteigert werden
kann.
Bei„La Guadua“ ist erfahrungsgemäß eine
Spannung von 0.5 Tonnen pro beidseitigem
Querbolzen (D=1cm) für Normalkräfte zulässig.
Prototyp
Der eigentliche Verbindungspunkt bietet sich
ebenfalls zunehmend aus Stahl bzw. Alu-
minium an und es können dreidimensionale
Sphären (à la MERO) oder andere Details aus
dem Stahlbau, wie z.B. Winkelbleche benutzt
werden
Renzo Piano
MERO
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BAMBOO SPACE
“Mariposa”
Universität Berlin, FB Architektur
Nacional Sede Medellin
Neue Verbindung 2004 Zentrales Element dieser Arbeit ist die Ausarbeitung einer neuen Verbindung für Bambuskonstruk-
Neue Verbindung
2004
Zentrales Element dieser Arbeit ist die Ausarbeitung einer neuen Verbindung für Bambuskonstruk-
tionen. Der Knoten soll das Potenzial des Materials ausnutzen, wenig Gewicht haben, räumlich
komplexe Verbindungen ermöglichen, industriell herstellbar und leicht zu montieren sein.
In Anlehnung an existierende Verbindungssysteme aus dem Stahlbau und aus den Erfahrungen
der bisherigen Entwicklung entstand die hier vorgestellte und angewandte Verbindung.
Mithilfe eines konisch zulaufenden Stahlrohres, das einerseits im Bambus verbolzt ist und ander-
erseits über eine Stahlkugel die Verbindung zu anderen Bambuselementen herstellt, ermöglicht
sich der Einsatz von Bambus für viele Leichtbauanwendungen.
1
Räumlicher Verbindungsknoten, Stahl D = 100mm
2 Verbindungsschraube, Stahl D=12mm,
L=55mm 3 Stahlkonus mit elliptischer Öffnung für Schlüssel, Wandstärke 5mm
4
Stahlrohr an Konus geschweisst D=90mm, Wandstärke 2 mm 5 Querbolzen mit beidseitiger
Unterlegscheibe + Mutter, D=12mm, L= 140mm 6 Bambus (guadua) Dmin 120 mm
Universidad
Technische
Prototyp
Verbindung M 1:2
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BAMBOO SPACE
“Mariposa”
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Nacional Sede Medellin
Montage – Tests 2004 Ein Vorteil dieser Verbindung ist, dass die Montage des Stahl- konus
Montage – Tests
2004
Ein Vorteil dieser Verbindung ist, dass die Montage des Stahl-
konus und des Bambusstabes vorgefertigt werden kann, so dass
auf der Baustelle nur noch die einzelnen Stäbe mit dem Knoten-
element (Kugel) verschraubt werden müssen.
Für die Bambusstäbe werden bezüglich der kolumbianischen
Spezi„La Guadua“ lediglich Stäbe verwandt, die wenig vom
gängigen Außendurchmesser D=12cm abweichen und dem-
entsprechend alle in etwa einen Innendurchmesser von d=9cm
haben, der die Stahlrohre aufnimmt.
Bei etwas zu großen Innendurchmessern wird das Stahlrohr
automatisch über die Querbolzen fixiert. Hingegen nicht ganz
ausreichende Innendurchmesser können mit Hilfe einer Spezial-
fräse auf die nötigen 9cm erweitert werden (siehe Foto).
Universidad
Die 6 Querbolzen, die die Normalkräfte vom Stahlrohr auf den
Bambus übertragen werden erst montiert wenn das Stahlrohr
bereits montiert ist, so dass die Löcher im Bambus sowie im
Stahlrohr in einem Arbeitsgang gebohrt werden können. Bei der
Anordnung der Bolzen müssen Mindestabstände untereinander
sowie zum Rand eingehalten werden.
Technische
Die tatsächliche Leistungsfähigkeit der Verbindung wurde in
den Labors der Universidad Nacional Sede Medellin Facultad de
Minas mit dem beschriebenen, reifen und luftgetrockneten
Bambus (La Guadua) getestet.
Ab ca. 7 Tonnen Zug konnte beobachtet werden, dass die
Bohrungen sich aufgrund der hohen Punktlasten zu verfor-
men begannen. Als Schwachpunkt für Drucklasten sollte sich
aber nicht der Bambus sondern die Wandstärke des Stahlkonus
selbst herausstellen, die bei ca. 5 Tonnen Druck durch Knicken
versagte, und deshalb später verstärkt wurde.
Als Resultat der Tests sowie der theoretischen Berechnungen,
die bereits Sicherheitsbeiwerte nach EC 3 und 5 beinhalten,
kann diese Verbindung (bei Guadua D=12cm, 6 Bolzen) für
Normalkräfte bis zu 3 Tonnen empfohlen werden.
Prototyp
Damit steht erstmals eine Verbindung zur Verfügung, die zu-
mindest für Druckstäbe die Kapazität von Bambus ausnutzen
kann und somit seine Einsatzmöglichkeiten gerade für Raum-
tragwerke erheblich erweitert.
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BAMBOO SPACE
“Mariposa”
Universität Berlin, FB Architektur
Nacional Sede Medellin
2004 Der Prototyp Die erfolgreichen Tests der Verbindung waren Anlass zum nächsten Schritt, einen ersten
2004
Der Prototyp
Die erfolgreichen Tests der Verbindung waren
Anlass zum nächsten Schritt, einen ersten Pro-
totyp auf Basis dieser Technik zu bauen.
Als Bauaufgabe bot sich die Erweiterung
der Cafeteria der Universidad Nacional Sede
Medellin an, deren Innenhof eine attraktive
Überdachung bekommen sollte.
Universidad
Neben dem Interesse der Universität selbst
wurde das Projekt schließlich durch die Unter-
stützung verschiedener Sponsoren wie z.B. der
Sociedad Colombiana de Bambù, EPM-Medel-
lin sowie Maderinsa S.A., Conconcreto S.A. , und
IKL S.A. möglich.
Der Entwurf des Pavillons„Mariposa“ wurde
mit der Universität abgestimmt, August 2004
vor Ort realisiert und ist auf große Akzeptanz
gestoßen.
Lageplan UN-Medellin-Campus
Technische
Schnitt M 1:200
Prototyp
Cafeteria
Büros
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BAMBOO SPACE
“Mariposa”
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Nacional Sede Medellin
Grundriss + Schnitt M 1:100 2004 Der Entwurf Universidad Neben seiner konkreten Funktion für den
Grundriss + Schnitt M 1:100
2004
Der Entwurf
Universidad
Neben seiner konkreten Funktion für den Aufenthaltsbereich
der Cafeteria ist das Ziel des Prototyps, die Verwendung der
entwickelten Verbindung an einer Bambuskonstruktion zu
testen und darzustellen.
Dementsprechend war auch der Entwurf des Prototyps vom
Leichtbaugedanken geprägt, was sich in einer Raumtrag-
werksstruktur widerspiegelt, die schließlich konsequenterweise
mittels einer textilen Membran den Raum überspannt.
Technische
So leitet sich der Name„Pavillon Mariposa“ (Schmetterling) auch
aus dem Schattenbild der Membran her.
Die Konstruktion des Pavillons basiert auf 4 vorgefertigten
mannhohen, eingespannten Stahlbetonstützen, die an ihrer
Spitze die Auflager für das Raumtragwerk aus Bambus bilden.
Das wiederum besteht aus 4 Tetraedern, die sich zu einem
Achteckring zusammenschließen. Das Achteck bildet seiner-
seits einen inneren Stern. Die Aussteifung wird über die diago-
nalen Zugseile gewährleistet
Prototyp
Die Geometrie der Membran ergibt sich durch einen auf den
Stern aufgeständerten Hochpunkt und 4 Tiefpunkten die sich
an den Außenspitzen der Tetraeder befinden.
Die Membran erfährt durch die Vorspannung der Randseile ihre
endgültige Form.
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BAMBOO SPACE
“Mariposa”
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Nacional Sede Medellin
Statische Analyse 2004 Die Struktur und das statische Modell sind so angelegt, dass gemäß der
Statische Analyse
2004
Die Struktur und das statische Modell sind so angelegt, dass
gemäß der Eignung von Bambus sowie der Knoten nur Normal-
kräfte entstehen können.
Für die Betrachtung der auftretenden Maximalkräfte in den
Bambuselementen bzw. in der Verbindung war es zunächst
nötig die verschiedenen Lastfälle, denen die Gesamtstruktur
ausgesetzt sein wird , zu analysieren.
Verkehrslasten und Eigenlasten des Tragwerkes spielten hierbei
eine untergeordnete Rolle. Die Membran stellt allerdings
eine verhältnismäßig große Angriffsfläche für Windlasten dar.
Dementsprechend wurden die Lastfälle Windsog bzw. Windruck
und deren unsymmetrische sowie ungünstigste Kombination
zum ausschlaggebenden Kriterium für die Belastung des Trag-
werkes.
Universidad
Die Umrechnung des jeweiligen Lastfalles auf den einzelnen
Bambusstab (siehe Tabelle) zeigt das Spektrum der möglichen
auftretenden Kräfte.
Stab
Länge
max. Druck
max Zug
Es ist zu beobachten, dass die Stäbe des Achteckringes (A) bei
Windsog sowie bei Winddruck die stärksten Kräfte erfahren.
A 230.0cm
21.2
KN
23.7
KN
Am kritischsten ist jedoch der Lastfall Windruck für die Stäbe
B 200.5cm
9.7
KN
0.3
KN
im Achteckstern (E), die mit ihrer großen Knicklänge von 307cm
C 243.7cm
3.8
KN
5.9
KN
die gesamte Vertikallast aus der Aufständerung der Membran
D 282.7cm
14.5
KN
-
aufnehmen müssen.
E 307.2cm
21.1
KN
2.25
KN
Kabel
390.0cm
-
5.2
KN
Technische
Die nach Eurocode 3 gerechneten zulässigen Druckkräfte für
Guadua kann man der Eulerkurve (unten) entnehmen. Hier wird
deutlich, dass z.B. die E-Stäbe für den Lastfall Druck ihre Ka-
pazität bereits nahezu ausgeschöpft haben. Der Lastfall Zug ist
bei allen Stäben unkritisch.
Knicknachweis für Guadua nach EC 3
D=12cm d=9cm
Eulerfall 2
Die Kapazität der Verbindungen wird mit ihren etwa 30 KN für
Normalkräfte nicht überschritten und eignet sich demnach für
die Konstruktion.
Feuchtigkeit < 30%
Prototyp
Die Zugspannung in der Membran selbst sowie in deren Rand-
seilen setzt sich aus einer Vorspannung von 10 KN/Randseil
sowie der tatsächlichen Windlast zusammen.
Es stellte sich jedoch heraus, dass bezüglich der Membran in
diesem Fall nicht die max. zulässige Spannung, sondern die
erlaubte Verformung bzw. Dehnung ausschlaggebend war.
Knicklänge s (k) in m
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“Mariposa”
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zul. Druck in KN
Das Auflager 2004 In die sich nach oben verjüngenden Stahlbe- tonfertigstützen wurde eine Gewindestange
Das Auflager
2004
In die sich nach oben verjüngenden Stahlbe-
tonfertigstützen wurde eine Gewindestange
eingelassen, die dann die Verbindungsstahl-
kugeln der Bambuskonstruktion aufnimmt.
Einer der kritischsten Lastfälle ist der Windsog
der Membran, dem die Bambuskonstruktion
kaum Eigengewicht entgegegen setzt, so dass
die Stützen neben Druck- und Horizontallasten
auch für Zuglasten ausgebildet sein müssen
Die genaue räuml. Festlegung der Bohrungen
in den Stahlkugeln und deren Ausführung vor
Ort stellte sich als anspruchsvoll heraus.
Universidad
Technische
Prototyp
Detail Auflager M 1:2 , M 1:10
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“Mariposa”
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Montage des Bambustragwerkes 2004 Zuerst musste mit Hilfe von vielen Händen der Achteckring geschlossen werden,
Montage des Bambustragwerkes
2004
Zuerst musste mit Hilfe von vielen Händen der Achteckring
geschlossen werden, bevor durch die Montage des Sternes und
die Vorspannung der Diagonalseile Stabilität erreicht wurde.
Die relativ unkomplizierte Erweiterung der Vertikalen Dreiecke
zu Tetraedern ist nun nicht mehr für die Stabilität, sondern für
die spätere Abspannung der Membran nötig.
Universidad
Technische
Prototyp
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Nacional Sede Medellin
2004 Universidad Detail in der Praxis Bei der Montage der Bam- buskonstruktion hat sich die
2004
Universidad
Detail in der Praxis
Bei der Montage der Bam-
buskonstruktion hat sich die
Verbindung als vollkommen
praktikabel herausgestellt.
Technische
Mit lediglich einem Sechs-
kantschlüssel konnten die
Bambusstäbe zügig an die
Stahlkugeln angeschraubt
werden, wo auch die Zugseile
ihren Anschluss fanden.
Prototyp
Auch für komplexere Knoten
wie das Sternzentrum gibt
es bei präziser Herstellung
der Gewinde der Stahlkugeln
keine Schwierigkeiten und
ein erster„Spannungstest“
von vier Personen wurde
problemlos überstanden.
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Nacional Sede Medellin
2004 Universidad Die Formfindung der Membran Als leichter und formschöner Abschluss stellt eine textile Membran
2004
Universidad
Die Formfindung der Membran
Als leichter und formschöner Abschluss stellt eine textile Membran das eigent-
liche Regenschutz und Schatten spendende Dach des Pavillons dar.
Technische
Für den Prozess der Formfindung bis zur tatsächlichen Konfektionierung der
Membran und Analyse der aufzubringenden Vorspannung wurden mehrere
Arbeitsmodelle sowie verschiedene Software benötigt.
In Anbetracht der Möglichkeiten und der Sponsoren vor Ort wurde zur Aus-
führung schließlich eine hellgrau beschichtete PVC Membran gewählt, deren
Bahnen zu der Gesamtfläche verschweißt wurden.
Bei der Ermittlung der aufzubringenden Vorspannung für die Randseile ging es
darum, die Größe zu ermitteln, so dass einerseits die gewünschte Form erreicht
wird und andererseits bei max. Windlasten die Membran nicht überfordert wird.
Prototyp
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2004 Universidad Vorspannung Technische Während der Hochpunkt der Membran relativ unkompli- ziert auf das Achteckes
2004
Universidad
Vorspannung
Technische
Während der Hochpunkt der
Membran relativ unkompli-
ziert auf das Achteckes auf-
geständert werden konnte,
mußten die vier Tiefpunkte
präzise und ohne Falten
auf den Außenspitzen der
Tetraeder angebracht werden.
Um auf die Verformung der
Membran unter Spannung
reagieren zu können, wurden
extra Verstellschrauben in
den Stahlfassungen für die
Membran vorgesehen.
Prototyp
Des weiteren wurde die
Vorspannung der Randseile
selbstverständlich auch
genau kontrolliert.
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Detailpunkte der Membran 2004 Eine ungewöhnliche konstruktive Herausforderung dieses Entwurfs bestand darin, eine
Detailpunkte der Membran
2004
Eine ungewöhnliche konstruktive Herausforderung dieses Entwurfs bestand
darin, eine textile Membran präzise auf eine bestehende Struktur zu spannen.
Hierzu wurden zwei spezielle Details entwickelt, die die Membran jeweils sand-
wichartig zwischen zwei Stahlelemente einspannt, die wiederum an die selben
Stahlkugel wie auch die Bambusstäbe anschließen.
Um eventuelle Ungenauigkeiten der Konfektion ausgleichen oder später nach-
spannen zu können sind diese Details entlang eines Bolzens verstellbar.
Am Hochpunkt wird die Membran zwischen zwei„Paellas“ gefasst, wobei ein
mittelsenkrechtes Rohr die Führung für einen Bolzen bildet, der im Gewinde der
Stahlkugel endet. Zwischen der Stahlkugel und dem Rohr sind zwei Muttern an-
gebracht, wovon die unter an den Bolzen angeschweißt ist, so dass die obere den
gesamten Hochpunkt relativ zum restlichen Tragwerk um bis zu 10cm anheben
kann, was die Membran zusätzlich spannt.
Universidad
Ein ähnliches Prinzip wurde an den Tiefpunkten angewandt. Hier befindet sich
die Membran zwischen zwei„Bumerangs“ die über Langloch auf die Stahlkugeln
aufgeschraubt werden. Die Stellschraube ist hier mittels einer angeschweißten
Mutter am unteren„Bumerang“ angebracht und kann derart die Fassung der
Membran noch weiter nach außen oder innen verschieben.
Detail Hochpunkt M 1:5
Technische
Prototyp
Detail Tiefpunkt M 1:5
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“Mariposa”
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Nacional Sede Medellin
2004 Universidad Eröffnung Technische Am 20.August 2004 wurde der Pavillon “Mariposa” vom Dekan der Universidad
2004
Universidad
Eröffnung
Technische
Am 20.August 2004 wurde
der Pavillon “Mariposa”
vom Dekan der Universidad
Nacional Sede Medellin im Bei-
sein der Sponsoren und des
Deutschen Konsuls feierlich
eröffnet. Seitdem dient der
Pavillon den Studenten als
Aufenthaltsbereich und wird
gut besucht.
Prototyp
Das Verbindungssystem
„Bamboo Space“ wurde im
Anschluß auf mehreren
internationalen Kongressen
wie z.B. der„IASS 2004“ in
Montpellier (France) oder
dem„Internationalen Sympo-
sium für Bambus“ in Pereira
(Colombia) vorgestellt.
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“Mariposa”
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Literatur - Quellen 1980, LIESE, Walter : Anatomy of Bamboo 2004 Universidad Kontakt Technische
Literatur - Quellen
1980,
LIESE, Walter : Anatomy of Bamboo
2004
Universidad
Kontakt
Technische
www.bamboo-space.info
Tim Obermann - Ronald Laude
Prototyp
Bamboo Research in Asia, Germany
1989, LONDOÑO PAVA, Ximena :Estudio botánico, ecológico,
silvicultural y económico-industrial de las bambusoideae de
Colombia. Colombia
1990, JANSEN, Jules: Bamboo Research at the Eindhoven Univer-
sity of Technologie, Netherlands
1981, Jose V. Martin B. and Lelio R. Mateus T., “Determinacion
de la resistencia a la compresion paralela a la fibra de la guada
castilla” , Colombia
1992, Olga Garcia and Dixon E. Martinez C. publicated in “Me-
morias del Evento: I Congreso Mundial de Bambu / Guadua”
Pereira, Colombia
1992, Eugenia Gonzales y John F. Diaz, “Propiedades fisicas y
mecanicas de la guadua angustifolia kunth”, Colombia
1993, Oscar Antonio Arce-Villalobos “Fundamentals Of The De-
sign Of Bamboo Structures “Technische Universität Eindhoven”
1996, GARCON, Jenny :“Optimizacion de estructuras en guadua”
Colombia
1997, Munoz, Cesar y Rodriguez, Hugo :“Propuesta de uniones
mecanicas para estructuras de guadua “ Colombia
2000, Luis F. Lopez M. and David Trujillo C., “Diseno de uniones y
elementos en estructuras de guadua”, Colombia
2000, J. Lindemann and K.Steffens (), test results of„Forschungs
und Materialprüfungsanstalt Stuttgart (FMPA)“ veröffentlicht in
„Der Bambus-Pavillon zur EXPO 2000 in Hannover“, Germany
2000, Simon Velez ,“Bamboo - Grow your own house”, Germany
2000, Trujillo, David y Clavijo, Sandra: “Evaluacion de uniones a
tracción en guadua” , Colombia
2001, Johann-Wilhelm Heyden,“Räumliche Knotenstabtrag-
werke”, RWTH-Aachen,
2002, Bambusseminar, Universidad RHTW Aachen, Deutschland,
http://bambus.rwth-aachen/de/index.html
2002, Gutierrez y Gomez :“Diseño y elaboracion a escala natural
de armaduras en guadua“ Colombia
2002, Asociacíon Colombiana de Ingenería Sísmica “Manual
de Construccíon Sismo resistente de Vviendas en bahjareque
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BAMBOO SPACE
“Mariposa”
Universität Berlin, FB Architektur
Nacional Sede Medellin