-32-33, schäden + anz:wkj basislayout 07.12.

11 15:45 Seite 33

Schäden und Unfälle
Wochenlanger Stillstand in Baltic I
Am 15.9.2011 wurde der Offshore-Windpark Baltic 1 komplett
abgeschaltet, wegen Wartungsarbeiten und ersten Abnahmen
nach 6 Monaten Betrieb. Geplant war eine Abschaltung von 3-5
Tagen. Aber erst am 16.10.11 ging der Park wieder in Betrieb.
Offiziell haben die Wartungsarbeiten länger gedauert.
Inoffiziell war zu hören, dass ein Unfall mit einem Serviceschiff
die Trafostation beschädigt hatte.
Eigentlich hätte der Park nach einer vorbildlich abgelaufenen
Errichtungsphase auch schon im Oktober oder November 2010
in Betrieb gehen können, aber Netzanschlussprobleme verzögerten die Inbetriebnahme um Monate.
So konnte erst im April 2011 die Einweihung gefeiert werden.
Kabelschaden in Thanet
Zwei Kabelstrecken zwischen Anlagen wurden im Oktober im
Offshore-Windpark Thanet ausgetauscht. Die Red7Marine meldete den Auftrag. Der Kabelleger OSV DP Reel erledigte die
Reparatur in 10 Tagen, ABB lieferte die beiden neuen Kabelstrecken.
Die ursprünglichen Inter-Array-Kabel hatte Prysmian geliefert.

Greater Gabbard : Der Streit geht weiter
Die Scottish and Southern hat dem Generalunternehmer Fluor
kürzlich gedroht, 52 der 140 Fundamente im britischen Offshore-Windpark Greater Gabbard nicht abzunehmen.
Grund : nachhaltige technische Mängel.
Die Fundamente sind längst errichtet, auf dem meisten Fundamenten stehen auch bereits Windkraftanlagen.
Da Fluor schon mehrfach an den fraglichen Fundamenten nachgebessert und nachgerüstet hat, vermuten einige Fachleute
jetzt, dass die SSC vielleicht auf Wandlung pocht, also 52 neue
Fundamente haben will.
Greater Gabbard steht zusätzlich unter strenger Beobachtung
der Behörden, besonders vom Arbeitschutz.
Eine Folge der tödlichen Unfälle 2009 und 2010.
Am 13. November hatte sich ein Monteur im Windpark leicht
verletzt und wurde per Helikopter ins Krankenhaus geflogen.
Die Verletzungen waren nur leicht und die Unfallumstände klar,
aber der Vorfall wurde gründlich untersucht.
Und die Baustelle stand schon wieder.

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Ausgabe 6/2011 — 33

-32-33, schäden + 4 anz:wkj basislayout 08.10.11 18:14 Seite 33

Schäden und Unfälle
Stevenage, Grossbritannien ➔
Am 5.9.2011 verlor einer von drei gerade neu installierten
H-Darrieux Anlagen auf einem neu gebauten Parkhaus in Stevenage in Grossbritannien einen Flügel. Der etwa 2 m lange
Flügel flog über das obere Parkdeck und beschädigte das parkende Auto eines Angestellten des angrenzenden Einkaufscenters. Da der Unfall in der Nacht geschah, wurde niemand gefährdet. Die anderen Anlagen wurden vorerst abgeschaltet.
Das Einkaufscenter hatte mehrere Solaranlagen und drei kleine
H-Darrieux Windkraftanlagen aus der Schweiz mit etwa 1 kW
Leistung auf dem Parkhausdach installiert, um das Parkhaus zu
20% mit grünem Strom selbst zu versorgen.
USA - tödlicher Unfall
Ein Servicemonteur der NextEra kam am 24.8.2011 bei Wartungsarbeiten zu Tode, im Endeavor Wind Center in Iowa.
Der 33-jährige Monteur stürzte im Turm einer Clipper Liberty 2,5
MW Anlage 20 Meter in die Tiefe.
Die sofort alamierten Rettungskräfte konnten den Schwerverletzten bergen, aber er verstarb später im Krankenhaus.
Das Endeavor Wind Center besteht aus 60 Clipper Anlagen.
Einbrüche werden immer häufiger !
Am 31.7.11 wurde in einer Windkraftanlage in Wachtendonk,
NRW, nachts eingebrochen. Die Tür war aufgehebelt und diverse Kabel durchschnitten. Das Eintreffen der Überwachungsfirma und der Polizei vertrieb die Diebe und verhinderte grössere
Schäden.
Am letzten Augustwochenende brachen Diebe in einen LagerContainer am Windpark Lehagenweg bei Bad Salzuflen, NRW,
ein. Sie erbeuteten 80 m Kupferkabel, Kupplungen, Verteilerdosen und Spezialwerkzeug.
Am 4.9.11 brachen Diebe in eine Windkraftanlage bei Rosendahl/Riege, NRW, nachts ein. Sie legten die Anlage still und
trennten diverse Kupferkabel heraus.
Diverse Baustellen von Windparks im Kreis Elbe-Elster, Brandenburg, werden immer wieder von Dieben heimgesucht.
In Oelsig wurden am 18.9. Justierfüsse für die Flügelmontage
und Spezialwerkzeuge gestohlen. Allein der Bauverzug kostete
fast 20.000 Euro.

Milliardenklage wegen abgelehnter Genehmigungen ?
Die kanadische Trillium überplant seit Jahren grosse OffshoreErrichtungsgebiete im Lake Ontario. Bis zu 2 GW Kapazität sind
in der Vorplanung, in Kooperation mit Vestas.
Das erste Planungsgebiet “Wind1“ umfasst 600 MW und wurde
jetzt von der zuständigen Genehmigungsbehörde im Bundesstaat Ontario wegen Umweltschutzbedenken abgelehnt.
Trillium sieht die Umweltaspekte aber gewahrt, bezeichnet die
Entscheidung als politisch motiviert und droht mit Klage auf Entschädigung. Klagesumme : 2,25 Milliarden CAN$.
Es ist ein sehr weit entwickeltes Projekt.
Ein Konkurrent, die Windstream Energy, hat gerade einen Einspeisevertrag für ein 300 MW Offshore Projekt im Lake Ontario
erhalten.
USA - Feuer in LM-Flügelfabrik in Little Rock, Arkansas
Am 18.9.2011 geriet auf dem Fertigungsgelände von LM Wind
Power in Little Rock, Arkansas, ein 200-300 l Behälter mit explosiver Flüssigkeit in Brand, wahrscheinlich Aceton. Die sofort
angerückte Feuerwehr konnte den Brand eindämmen, bevor er
auf Gebäude übergreifen konnte. 75 Mitarbeiter wurden sofort
evakuiert, verletzt wurde niemand.
Die Brandursache wird untersucht, aber wahrscheinlich war der
Lagerbehälter undicht.
Vandalismus in Van Wert, Ohio, USA
Am 3. Juli zerstörten Unbekannte einen grossen Kran im Windpark Blue Creek in Ohio. In der Region hatte es schon mehr Fälle von Vadalismus auf Windkraftanlagen-Baustellen gegeben.
Der Kran wurde angesteckt und brannte aus. Der Schaden liegt
bei 500.000 US$.

Blattbruch in Indien
An einer 850 kW Gamesa Anlage in einem Windpark in Südindien ist ein Flügel
abgebrochen. Der Besitzer, die Pioneer
Wincon Pvt, untersucht den Vorfall.
Gamesa bezeichnete den Unfall als “einzelnen Vorfall“.
Glück gehabt !
Ein Zug mit Windkraftanlagenbauteilen erfasste am 3. Oktober in Moordorf, Ostfriesland, einen PKW an einem Bahnübergang, zum Glück nur mit Blechschaden.
Der 84-jährige Fahrer hatte den mit nur
10 kmh durch den Ort fahrenden Zug am
Bahnübergang noch schnell überholen
wollen, aber das klappte nicht so ganz.
Der Zug war mit 380 m Länge sicher
nicht zu übersehen und mit 10 kmh auch
sicher nicht zu schnell.
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Ausgabe 5/2011 — 33

-32-33, schäden + 4 anz:wkj basislayout 12.08.11 13:34 Seite 33

Schäden und Unfälle
Lincoln, Minnesota, USA ➔
Am 1. Juli 2011 verursachte einer der schweren Hurricans mit
heftigen Gewitterstürmen, die diesen Sommer in den USA wüten,
schwere Schäden an sechs Windkraftanlagen im einem der
Windparks um den Lake Benton.
In der Region stehen fast 700 Windkraftanlagen in Grossprojekten wie Marple Ridge, Buffalo Ridge oder Meadow Lake.
Drei Anlagen haben Totalschaden : eine knickte ab, zwei verloren Maschinenhaus oder Rotor. Drei andere Anlagen haben stark
beschädigte oder abgebrochene Flügel.
An zahlreichen anderen Anlagen wurden in den nachfolgenden
technischen Überprüfungen leichtere Schäden festgestellt.
Die verschiedenen Betreiber sind eigentlich sehr froh, dass ihre
Windparks die schweren Unwetter grösstenteils heil überstanden
haben und nicht noch mehr passiert ist.
Max, North Dakota, USA

Am 30. Mai 2011 havarierte diese GE 1.5 im Windpark Prairie
Winds. Der Betreiber Basin Electric informierte umgehend die
Öffentlichkeit, denn das war 2011 schon der dritte Abbruch eines Blattes in North Dakota, und so langsam macht sich böser
Spott in den Medien breit.
Allerdings wurde in den Zeitungen als Schadensursache ein
heftiger Sturm vermutet, der an dem Tag wütete.
Die Basin Electric erklärte aber, dass der Sturm am 30.5. eigentlich nicht die Ursache gewesen sein kann, die anderen Anlagen im Windpark hätten korrekt abgeregelt.
Unseriöse Pachtverträge !
Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) hat
vor unseriösen Maklern gewarnt, die hohe Pachteinnahmen
durch die Bereitstellung von Grundstücken für Windkraftanlagen versprechen.
„Die Makler wollen sich nur die Fläche sichern. Sie versprechen
Pachten, die nicht zu realisieren sind“, erklärte Heinz Thier,
Steuerberater bei der Buchungsstelle BSB, kürzlich auf einer Informationsveranstaltung in Münster. So würden Makler teilweise jährliche Standortpachten von 25.000 Euro und mehr versprechen. Viele Verträge sind jedoch unseriös, weil gar keine
Aussicht auf eine Baugenehmigung besteht oder die Anlagengröße oder der Zeitpunkt des Baubeginns nicht klar sind.

Brand in Aurich
Am 4.7.2011 brannte im Gewerbegebiet Aurich-Schirum eine
von vier Hallen des Kunststoffrecyclingunternehmens B-Plast
2000 ab.
Die Feuerwehr Aurich setzte dabei zur Löschung erstmals das
neue Schaummittel A FFF ein, das von der Feuerwehr speziell
für Einsätze bei Enercon bereitgehalten wird.
Der Brand konnte mit einem Grosseinsatz mehrerer Feuerwehren eingedämmt und gelöscht werden.

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Ausgabe 4/2011 — 33

-32-33, schäden + anz:wkj basislayout 07.12.11 15:45 Seite 32

Schäden und Unfälle
➔ Tarifa, Spanien
Am 7. November stürzte diese 600 kW Alstom/Ecotecnia Anlage
bei Cadiz in Tarifa komplett um, bei Sturm.
Die Anlage stürzte einen Abhang herunter und fiel auf die Autobahn 88, die daraufhin gesperrt werden musste. Der Unfall war
entsprechend ausführlich in den spanischen Medien.
In Tarifa stehen hunderte von Windkraftanlagen, seit Jahren läuft
auch ein permanentes Repowering der teilweise 25 Jahre alten
Anlagentypen.
Tarifa ist die windreichste Region Spaniens.
Als Unfallursache wird das Versagen der Bremse vermutet, denn
die Anlage lief nicht, sie stand. Sie hatte entweder wegen des
Sturms selbst abgeregelt oder war vorher vom Service abgestellt
worden. Nachbarn berichteten, dass die Flügel gegen den Turm
geschlagen wären. Und dass die Anlage seit 2005 nur noch sehr
wenig gewartet worden sei, und seit einem Jahr gar nicht mehr.
Die Anlage ist eine von drei Ecotecnia-Prototypen von 1996.
Es soll immer wieder Schwierigkeiten bei der Beschaffung einiger
defekter Komponenten gegeben haben, weil es die benötigten
Bauteile schlicht nur in den Prototypen gibt. Die Anlagen sollen
immer wieder für Wochen und Monate gestanden haben.

Kabelbau in London Array geht nur langsam voran
Im britischen Offshore Windpark London Array laufen die Errichtungsarbeiten auf Hochtouren. 40% der 175 Fundamente sind
schon gesetzt. Im Dezember kommen die ersten Anlagen.
Aber der Kabelbau hat Probleme : Die Hubbeine der grossen
Errichterschiffe hinterlassen 8 x 8 Meter grosse und bis zu 12 Meter tiefe Löcher im weichen Meeresboden. Die Kabel müssen um
diese riesigen Löcher herumgelegt werden - und das dauert.
Bis Anfang Dezember wurden erst 6 Kabelstrecken verlegt.

Die anderen beiden 600 kW Prototypen, die ebenfalls direkt an
der Autobahn stehen, wurden umgehend untersucht - und erhielten auch endlich wieder einen umfassenden Service.
Trotzdem wird jetzt über einen Stillegungsplan für ältere Anlagen
diskutiert, die länger als 6 Monate stillstehen.
Kabeldiebe
Am 18.10.11 stahlen Diebe etwa 40 m Kabel aus einer Windkraftanlage in Kleptow. Die Turmtür wurde aufgebrochen und die
Kabel herausgeschnitten, mehrere tausend Euro Schaden entstand.
➔ Sapporo, Japan
Am 2. Oktober brannte diese Mitsubishi 1 MW Anlage von 2005
im Misaki Wind Park bei Sapporo aus.
Grund war ein Blitzschlag während eines schweren Gewitters.
Die 266 Windkraftanlagen auf Hokkaido haben nicht nur mit Taifunen und Erdbeben zu kämpfen, sondern auch mit schweren
Gewittern und häufigen Blitzeinschlägen.
Die meisten Anlagen in Japan sind nach europäischen oder
amerikanischen Blitzschutz-Standards konstruiert, aber das
scheint für die Pazifikküste Hokkaidos nicht auszureichen.
Die Anlagen in der Region haben überproportional viele Blitzschäden, meistens im Herbst, wenn die Kaltfronten aus Sibirien
kommen. Mitsubishi will jetzt einen stärkeren Blitzschutz entwickeln.
Insgesamt ist Hokkaido wegen der extremen Witterung ein
schwieriger, aber energiereicher Standort für Windkraftanlagen.
2007 fegte ein Taifun zwei fast neue 1,5 MW Anlagen in Hokkaido regelrecht vom Fundament. Die Anlagen waren Windböen ausgesetzt gewesen, die weit über ihrer Überlebenswindgeschwindigkeit lagen, das ergaben später die Messdaten der
benachbarten Anlagen.
Erfreulicherweise havarierten nur zwei von 20 Anlagen in dem
Windpark, die anderen überstanden den Taifun fast unbeschädigt. Die Betreiber hatten während des Taifuns einen Totalverlust der Windfarm befürchtet, so heftig tobte der Sturm.

32 — Ausgabe 3/2011

WIND KRAFT Journal : Seit 30 Jahren Ihre Fachzeitschrift

-32-33, schäden + 4 anz:wkj basislayout 08.10.11 18:14 Seite 32

Schäden und Unfälle
➔ Proven Energy in wirtschaftlichen Schwierigkeiten
Der schottische Hersteller von Kleinanlagen zwischen 6 kW und
15 kW ist in Schwierigkeiten.
Eine Vielzahl von technischen Problemen und diverse Totalhavarien haben den Hauptinvestor, die Low Carbon Accelerator, endgültig verärgert.
Zuletzt havarierten drei Anlagen des neusten Typs und Proven
Energy musste zahlreiche Anlagen stillegen.
In wahrscheinlich hunderten von Anlagen müssen jetzt die
Bremsen ausgetauscht werden, und das kann Proven Energy
nicht finanzieren. Kommt kein frisches Geld, droht die Insolvenz.
Die Low Carbon Accelerator will aber kein weiteres Kapital mehr
nachschiessen. Man hätte bereits 11 Mio. £ versenkt. Die bisherige Investition würde zu 100% abgeschrieben, damit sei das Investment abgeschlossen. Die Low Carbon Accelerator ist ein Investmentfonds aus London, der sich auf regenerative Energien
spezialisiert hat.
Proven Energy hat rund 4.000 Anlagen errichtet, seit 1980.
Die Kunden stehen dann wohl im Regen.
➔ Herzberg, Brandenburg
Am 13.9.2011 brannte in Gräfendorf bei Herzberg, Brandenburg, eine Windkraftanlage völlig aus.
Die Feuerwehr sicherte die Brandstelle ab, auch gegen zahlreiche Schaulustige, und liess die Anlage kontrolliert abbrennen.
Am Boden wurden einige Sekundärbrände gelöscht, die durch
herunterfallende Trümmerteile verursacht wurden. Es kam niemand zu Schaden, die Brandursache wird noch untersucht.

➔ Sweetwater, Texas, USA : Buschbrand überstanden
Einen schweren Buschbrand haben die 75 x 1,5 MW GE Anlagen im Windpark Trent Mesa zwischen Sweetwater und Abilane
in Texas im Juli 2011 gut überstanden.
Die Windkraftanlagen wurden in gewissen Grenzen darauf ausgelegt, solche Feuerstürme zu überstehen.
Den Betreibern war frühzeitig klar, dass in der Panhandle-Region von Texas genauso wie in den Passlagen Kaliforniens oft
Buschbrände wüten und dass solche Feuer früher oder später
auch durch die Windparks toben würden.
Die NextEra hat ihre Anlagen bei Ausbruch der Feuer in 180° Flügelstellung abgeregelt und über Tage stillgelegt.
Einige Trafostationen wurden leicht beschädigt, konnten nach
dem Buschbrand aber relativ schnell wieder repariert werden.
Die Anlagen selbst erlitten fast nur Schäden am Lack an den unteren Turmsektionen und gingen nach dem Buschbrand schnell
wieder ans Netz.
35.000 Hektar wurden vom Feuer verwüstet.
➔ Abilane, Texas , USA
Dafür brannte in dieser 1,5 MW GE Anlage im Callahan Divide
Wind Energy Center der NextEra in der Nähe von Abilane drei
Monate später das Maschinenhaus aus, am 24.8.2011, und zwar
ganz ohne Buschbrand oder andere äussere Ursachen.
Die Feuerwehr liess die Anlage ausbrennen und schützte die
Umgebung (trockene Buschlandschaft!) vor Brandherden durch
herabfallende, brennende Trümmer.
Am 3. Oktober brannte noch eine zweite Anlage in dem Windpark
aus. NextEra will jetzt alle Anlagen gründlich durchprüfen.
32 — Ausgabe 3/2011

WIND KRAFT Journal : Seit 30 Jahren Ihre Fachzeitschrift

-32-33, schäden + 4 anz:wkj basislayout 12.08.11 13:34 Seite 32

Schäden und Unfälle
➔ Vogelsberg, Hessen
Die am 19.6.2011 im Windpark Vogelsberg abgestürzte DeWind D6/1 MW hatte für erhebliche Aufregung gesorgt und
die Planungen für weitere Windkraftanlagen in der Umgebung zunächst gestoppt. Der Landrat des Vogelsberg-Kreises liess umgehend für mehrere Tage alle Windkraftanlagen
im Windpark und die 17 x D6 Anlagen im Kreis stillegen.
Der Betreiber HessenEnergie war sofort vor Ort, kümmerte
sich, gab umgehend eine umfassende Information zum Unfall und nur 10 Tage später auch zu den Ursachen heraus.
Die öffentliche Diskussion bileb so in sachgerechten Bahnen. Ein vorbildliches Krisenmanagement !
Die Unglücksursache war eine defekte Bremse.
Es gelang der HessenEnergie von Anfang an, Behörden und
Bevölkerung davon zu überzeugen, dass der Unfall ein
seltener technischer Defekt war und dass zwar vorhandene
Sicherheitseinrichtungen versagt haben, aber dass Windkraftanlagen grundsätzlich keine Gefahr darstellen.
Inzwischen laufen auch die meisten Planungen für neue
Windkraftanlagen in der Region wieder normal weiter.

➔ Pritzwalk, Mecklenburg-Vorpommern
Am 11.6.2011 stürzte im Windpark Preddöhl eine 250 kW Lagerwey Anlage ab, Maschinenhaus mit Rotor.
Die Anlage hat wahrscheinlich Totalschaden.
Verletzt oder gefährdet wurde niemand.
Die Anlage war eine von drei 250 kW Lagerwey in Preddöhl,
Baujahr 1994. Es sind Zweiflügler.

Kabeldiebstahl in Bühren-Wewelsburg, Paderborn
Am 30.5.2011 haben Diebe die Erdkabel im Wewelsburger
Windpark entwendet, die oberirdisch zur Verlegung bereits ausgerollt waren. In Wewelsburg werden gerade 11 x Enercon E82/2,3 MW mit 135 m Turm gebaut.
Die Polizei vermutet professionelle Diebe.
➔ Bretsch, Sachsen-Anhalt
Am 15.6.2011 brachen Diebe nachts in eine
Enercon E-40 in Bretsch bei Stendal ein und
verwüsteten für geschätzt einige hundert Euro
Kupferschrott die halbe Anlage, mit geschätzt
deutlich über 100.000 Euro Schaden.
Die Tür wurde aufgebrochen und in 10 Metern
Höhe im Turm die Starkstromkabel abgeschnitten. Dann wurden auch noch Steuerschränke
aufgerissen und demoliert, anschliessend wurde das Trafohäusschen aufgebrochen und weitere Starkstromleitungen durchtrennt. Die Täter
nahmen hier diverse schwere Kupferteile mit.
Die Anlage hatte sich schon bei den ersten Beschädigungen selbst abgestellt und in der Enercon-Leitzentrale in Osterburg gemeldet. Als am
nächsten Morgen ein Serviceteam ankam, stellten sie den Einbruch fest und benachrichtigten
Polizei und Besitzer.
Die Polizei vermutet erfahrene Täter. Einige Tage zuvor waren Diebe in Anlagen in der Nähe
eingebrochen, bei Bertkow und Goldbeck.
32 — Ausgabe 3/2011

WIND KRAFT Journal : Seit 30 Jahren Ihre Fachzeitschrift

-26-31 schäden + 4 anz Kopie:wkj basislayout 15.06.11 14:39 Seite 26

Schäden und Unfälle
➔ Wilton, North Dakota, USA
Am 1. Mai brach im Windpark Wilton an einer 1,5 MW GE Anlagen ein Flügel durch. Die Anlage regelte rechtzeitig ab, die anderen Anlagen im Windpark liefen weiter.
Das Grossprojekt Wilton I & II wurde 2006 und 2009 errichtet
und besteht aus 83 x 1,5 MW Anlagen.
Steve Stengel, Pressesprecher des Betreibers NextEra (Volltochter der Florida Power & Light), stand damit schon das zweite Mal vor der regionalen Presse und erklärte einen kapitalen
Flügelschaden im Projekt Wilton. Der erste Flügelschaden war
im März 2010 und sah sehr ähnlich aus. Steve Stengel schätzte den Schaden auf 150.000 US$.
GE konnte innerhalb von nur 2 Wochen einen neuen Rotor aufsetzen und die Anlage wieder in Betrieb nehmen.
Minot Wind Park, North Dakota, USA
Fast zeitgleich brach im benachbarten Windpark Minot der Basin Electric ebenfalls ein Flügel ab. Der Bruch sieht auch hier
sehr ähnlich aus. Im Minot Wind Park stehen 82 x 1,5 MW GE
Anlagen, Baujahr 2009.
In Minot wird die Reparatur voraussichtlich bis Mitte Juni dauern, die Schäden sind wohl etwas grösser als in Wilton.
➔ Foote Creek, Wyoming, USA
Wahrscheinlich ein pitchfehler war die Ursache für diesen Totalschaden einer Mitsubishi 600 kW Anlage, Baujahr 1998 oder
1999, im Windpark Foote Creek Rim, Wyoming.
In der Region stehen rund 110 Anlagen des Typs, sowie über 50
1 MW Anlagen von Mitsubishi, Baujahr 2001.
Betreiber ist die PacifiCorp. Die Anlage wird nicht ersetzt, der Typ
wird nicht mehr gebaut.

➔ Toronto, Kanada
Es ist eigentlich DIE Windkraftanlage Kanadas.
Die Lagerwey 750 kW war fast die erste “Grosse“ in Kanada
und wurde 2002 von der Toronto Renewable Energy Cooperative (TREC) errichtet, ein durch und durch grünes Projekt
mit viel Bürgerbeteiligung, mitten in Toronto.
Das Projekt hatte eine gute Presse und viel Sympathie in der
Bevölkerung genossen. Und beliebt ist sie bis heute.
Im April 2011 hatte die Anlage einen Lagerschaden, musste
stillgelegt werden und der Rotor mit Generator wurde demontiert. Die Anlage hatte zwar immer wieder kleinere und
grössere Stillstandszeiten, weil irgendwas repariert werden
musste, aber noch nie musste der Rotor runter. Halb Toronto litt mit. Im Mai wurde das Lager dann ersetzt.
Jetzt läuft sie wieder, die “Toronto Wind Turbine“.
Das Ganze kostete rund 200.000 CAN$ .
Neue Getriebe in Neuseeland
Die Meridian Energy aus Neuseeland hat bei der 2-Jahres
Garantieablauf-Untersuchung der Makara Wind Farm in 5 der
62 Siemens 2,3 MW Anlagen Lagerschäden in den Getrieben
entdeckt. Der Betreiber bezeichnete das als normalen Geschäftsvorgang, das sei kein ernstes Problem.
Der Park steht an einem Spitzenstandort und liefert Rekorderträge. Siemens tauscht die schadhaften Getriebe vor Garantieablauf im Oktober.
26 — Ausgabe 3/2011

WIND KRAFT Journal : Seit 30 Jahren Ihre Fachzeitschrift

-26-31 schäden + 4 anz Kopie:wkj basislayout 15.06.11 14:39 Seite 27

Schäden und Unfälle
Western Reserve High School, Ohio, USA ➔
Am 10. April stürzte von dieser Kleinanlage der Rotor mit Kopf
ab, auf dem Aussengelände der Western Reserve High School,
einem grossen Schulzentrum mit mehreren Schulen in Ohio.
Zum Glück war Sonntag, die Schüler waren nicht in der Schule,
niemand wurde verletzt. Die Ursache, so erste Untersuchungen,
waren wohl abgerissene Bolzen.
Es ist eine von drei Anlagen des schottischen Proven 35 Typs
mit je 12 kW auf dem Schulgelände der Westen Reserve
School. Die beiden anderen Anlagen wurden vorläufig stillgelegt.
Die Western Reserve hatte sich 2009 drei der Proven Anlagen
für zusammen rund 400.000 US$ gekauft und hat damit bisher
etwa 10% des Stroms selbst erzeugt.
Auch diese Schule und die Elternschaft werden wohl kaum wieder Fans von Kleinwindanlagen werden. Schade.
Lacey, New Yersey, USA ➔
Am 3. März 2011 rissen von einer 40 kW Enertech Kleinwindanlage auf der Two Forked River Farm nacheinander alle drei Flügel ab, bei Sonnenschein und lauem Wind.
Die Flügelteile flogen pfeifend quer über den Hof, einige der Teile landeten in der Nähe der spielenden Enkeltochter des Farmers
und versetzten die ganze Familie in Angst und Schrecken.
An einer anderen Enertech-Anlage auf der nahegelegenen Argos
Farm wurden zeitgleich Risse in den Flügeln entdeckt, die Anlage wurde stillgelegt, ein Untersuchungsteam arbeitet an der Aufklärung. Der Staat New Jersey stoppte sein Förderprogramm für
37 weitere Kleinanlagen, aus Sicherheitsbedenken.
Die beiden Farmer liegen jetzt auch noch im Rechtsstreit mit dem
Hersteller und dem Zwischenhändler.
Keiner will so richtig die Kosten übernehmen und der Farmer der
Two Forked River Farm will seine Anlage sowieso ganz zurückgeben. Nach dem Unfall will er nicht mehr.
Die 40 kW Anlage hat um die 80.000 US$ gekostet.
Enertech ist ein Hersteller von Kleinwindanlagen aus Kansas.
Teesside Offshore, Grossbritannien

Am 18. April mussten 18 Besatzungsmitglieder der holländischen jack-up Plattform Vagant evakuiert werden.
Die Vagant war mit Baugrunduntersuchungen im Windpark
Teesside in Grossbritannien beschäftigt. Mitten in der Nacht
stellte die Mannschaft fest, dass zwei Beine feststeckten, die
Plattform konnte sich nicht mehr bewegen.
Dadurch droht ein mögliches Kippen der Plattform, die Sicherheitsvorkehrungen schreiben dann eine Evakuierung vor.
Glücklicherweise blieb die Vagant gerade stehen. Das begleitende Sicherheitsschiff Dutch Pearl rief die Küstenwache, übernahm die Mannschaft und leitete die Evakuierung, die bei ruhiger See und ohne direkte Gefahr sehr vorschriftmässig ablief
und schon fast zu einer Sicherheitsübung wurde.
An Bord waren Rigger und Seeleute aus Litauen, Irland,
Holland, Belgien, Portugal und Grossbritannien.
Drei Besatzungsmitglieder blieben an Bord und konnten einen
Tag später mithilfe der Tide und zwei Schleppern die Vagant
wieder flott machen. Die Vagant musste zur technischen Überprüfung einige Tage in eine Werft, aber inzwischen ist sie wieder im Windpark im Einsatz.

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Ausgabe 3/2011 — 27

Photo : SSE

-26-31 schäden + 4 anz Kopie:wkj basislayout 15.06.11 14:39 Seite 28

Greater Gabbard wird immer teurer
Es kracht inzwischen richtig kräftig im Offshore-Windpark Greater Gabbard, Grossbritannien.
Und zwar zwischen den Auftraggebern, der Scottish & Southern Energy und der RWE Npower,
und dem texanischen Generalunternehmer Fluor. Man spricht fast nur noch über Rechtsanwälte.
Das Offshore-Grossprojekt ist beinahe von Anfang an in den
Negativ-Schlagzeilen gewesen, seit Mai 2009.
Mehrere kleinere Unfälle, offensichtliche Sicherheitsmängel und
vor allem zwei tragische Todesfälle haben die Sicherheit in der
gesamten Windenergie-Offshorebranche in die Kritik gebracht
und alle Projektbeteiligten tief getroffen.
Dazu kamen technische Probleme, einige wahscheinlich “sehr
günstig“ eingekaufte Grosskomponenten, Organisationsmängel, etwas Pech und ein Konkurs.
Eigentlich war nur das Wetter in Greater Gabbard gut, das war
weitgehend errichtungsfreundlich.
Die Zeitverzögerungen von inzwischen fast einem Jahr kosteten
der Fluor bisher 340 Mio. £, offiziell. Für 2011 werden weitere
180 Mio. £ zusätzliche Kosten veranschlagt.
Fluor hatte 2008 als Generalunternehmer einen Festpreis-Vertrag über 900 Mio. £ (damals rund 1,4 Milliarden Euro) abgeschlossen und muss seinen Aktionären inzwischen zum zweiten
Mal deutliche Mehrkosten erklären. Der CEO von Fluor, David
Seaton, sagte auf einer Gesellschafterversammlung im November, er würde nie wieder einen Offshore-Windpark unter solchen
Vertragskonditionen bauen.
Die SSE und die RWE liegen eigentlich seit Baubeginn mit Fluor wegen einer Vielzahl von Einzelproblemen permanent im
Rechtsstreit, heisst es in der Branche, und immer wieder sollen
auch einzelne Arbeitsabschnitte in Greater Gabbard stillstehen,
bis die jeweils strittigen Fragen juristisch geklärt sind.
Auch die SSE musste ihren Aktionären 2010 erklären, warum
ihr neues Wind-Kraftwerk nicht rechtzeitig in Betrieb gehen
kann und damit 2011 Einnahmen fehlen würden. Der Aktienkurs
reagierte darauf sehr empfindlich.
Es begann mit der aufwendigen Bergung von zwei Bomben im
Juli 2009, die kostbare Errichtungszeit in den windschwachen
Sommermonaten kostete.
Technische Probleme folgten.
Im Mai 2009 kamen die ersten 54 Monopiles und Transition Pieces aus China, von der ZPMC. Bei Prüfungen im Juni stellten
Gutachter fest, dass die riesigen Transition Pieces nicht rund
waren und die Turmflansche nicht draufpassten. Ausserdem
hatten die Monopiles Schweissfehler.
In den Niederlanden wurden Monopiles und Transition Pieces
dann bis September 2009 überarbeitet, das kostete wieder Zeit.
Ausserdem musste relativ schnell ein Hersteller für die restlichen rund 90 Monopiles und Transition Pieces gefunden wer28 — Ausgabe 3/2011

den. Die Burntisland Fabrication aus Schottland übernahm das,
aber wahrscheinlich nicht ganz so günstig wie die ZPMC.
Siemens tauschte während der Errichtungsphase 2010 zahlreiche Flügellager, die meisten allerdings noch vor der Errichtung,
dadurch sollen kaum Zeitverzögerungen entstanden sein.
Dann kam 2009/10 das Grouting-Problem an den Fundamenten
auf, das in Greater Gabbard aber frühzeitig erkannt und durch
eine Umkonstruktion weitgehend eingedämmt werden konnte.
Trotzdem verursachte das Grouting-Problem etwa 4-5 Mio. £
Extrakosten - und wieder einige Zeitverzögerungen.
Im Februar 2011 ging die Reederei des Kabellegers Subocean
in Konkurs, das löste erneut Zeitverzögerungen aus.
Zum Schluss kamen auch noch Kabelprobleme hinzu, die bis
heute nicht ganz gelöst sind. Fluor musste kurzfristig einen anderen Kabelleger chartern und Reparaturen vornehmen.
Um diese vielen Zeitverzögerungen aufzufangen, arbeiteten ab
Herbst 2009 fünf grosse Errichterschiffe und zwei grosse Kabelleger im Windpark, teilweise zeitgleich. Ausserdem 4 kleinere Kabelschiffe für die interne Parkverkabelung, mehrere
Schwerlastpontons, zahlreiche Schlepper und dutzende von
Servicebooten.
Informierte Kreise sprechen davon, das die texanische Fluor
(immerhin einer der grössten Engineering- und Generalunternehmer weltweit mit 42.000 Mitarbeitern) sehr arrogant, wenig
erfahren und ziemlich unprofessionell an das WindenergieGrossprojekt herangegangen sei.
Die erfahrenen Projektbeteiligten wie Siemens, A2SEA oder
McNulty hätten mit ihrem know-how auch noch vieles aufgefangen, was bei Fluor sonst zusätzlich schiefgelaufen wäre.
Fluor seinerseits macht die SSE für viele Zeitverzögerungen
verantwortlich, weil während der Errichtungsarbeiten immer
wieder Nachforderungen gestellt wurden. Als Beispiel dafür
wurde die Nachrüstung mit Schubrippen an den chinesischen
Monopiles genannt.
Inzwischen sind rund 120 der 140 Anlagen errichtet. Einige Abschnitte des Windparks speisen seit Januar Strom ins Netz.
Fluor hofft, bis zum Frühjahr 2012 das Projekt fertigzustellen.
Die Heftigkeit der Rechtsstreitigkeiten könnte aber weitere Zeitverzögerungen mit sich bringen, vermuten Branchenkenner.
Red.: Es wäre übrigens nicht das erste Mal, dass ein fertig errichteter Offshore-Windpark vom Auftraggeber nicht abgenommen wird, weil die Qualität nicht stimmt.

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-28-31 schäden + 4 anz:wkj basislayout 13.04.11 14:26 Seite 28

Schäden und Unfälle
➔ Rugby, North Dakota, USA
Am 14.3.2011 stürzte an einer der 71 Suzlon S88/2,1 MW Anlagen im Windpark Rugby ein Rotor komplett ab.
Der Betreiber, die Iberdrola, legte daraufhin den gesamten
Windpark für mehrere Tage still und liess die Unfallursache
untersuchen.
Ergebnis : Mehrere Bolzen in der Nabe waren gerissen.
Es wird ein Montagefehler vermutet, aber auch ein Materialfehler kann noch nicht ausgeschlossen werden.
An 6 anderen Anlagen im Windpark wurden ebenfalls Bolzen getauscht, danach ging der Windpark wieder ans Netz.
Die havarierte Anlage muss aber wahrscheinlich abgebaut
werden, der Turm ist beschädigt
Die Anlagen wurden 2009/2010 errichtet.

➔ Helmshagen / Greifswald, Deutschland
Monatelang stand eine Vestas V48/660 kW in Helmshagen
still, weil Risse im Flügel festgestellt wurden.
Mehrere Gutachter konnten die Ursache nicht eindeutig
klären. Seit Mitte März repariert Vestas die Flügel vor Ort, in
einem Zelt.
2004 verlor eine der Anlagen in Helmshagen einen Flügel.

Vandalismus in Oldensworth, S.-H.
In der Nacht vom 17.3.11 brachen Unbekannte in eine Windkraftanlage in Oldensworth ein, beschädigten die Zugangstreppe, aktivierten den Notaus, banden den Förderkorb an die Montageleiter und aktivierten die Winde.
Der Sachschaden war erheblich.
Die Täter beschädigten ausserdem einen Bagger und Baucontainer auf einer nahegelegenen Baustelle.
➔ Burlington, Vermont, USA
Ein Eisenbahn-Flügeltransport mit 66 Flügeln von Siemens
aus Fort Madison hatte am 24.3.2011 in Burlington, Vermont,
einen kleinen Unfall. Ein Kohlezug zerschrammte beim Vorbeifahren einige der Flügel.
Der Flügel-Zug wurde daraufhin gestoppt, um den Schaden
aufzunehmen, und versperrte dabei für Stunden einen
Bahnübergang, von Frühmorgens bis vormittags.
Ein etwas unnötiger Verkehrsstau war die Folge, bemerkten
örtliche Zeitungen am nächsten Tag säuerlich.
Hätte man den Zug nicht ein wenig weiterfahren können...?
➔ Nuttby Mountain, Kanada
Im Windpark Nuttby Mountain in Nova Scotia wurden jetzt an
allen 22 x 2,3 MW Enercon Anlagen Fehler in den Fundamenten entdeckt. Im Januar mussten bereits 6 Anlagen
wegen Fundamentrissen und Turmbewegungen stillgelegt
werden, die Fundamente wurden mit Epoxy saniert.
Der ganze Windpark steht jetzt seit Mitte März still, alle Fundamente werden grundsaniert. Es wird vermutet, dass der
Beton beim Bau nicht ausreichend verdichtet worden ist,
zwischen Beton und Fundamentflansch gibt es MillimeterAbstände.
Der Windpark wurde erst zum Jahresende 2010 fertiggestellt.
Enercon zahlt, der Schaden ist in der Garantie.
28 — Ausgabe 1/2011

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-20-25 schäden + 4 anz:wkj basislayout 07.12.10 14:05 Seite 20

Schäden und Brände
= > 8.11.2010, Büsum, Schleswig-Holstein :
Einer Windkraftanlage in Büsum ist bei laufendem Betrieb ein
Rotorblatt abgerissen und heruntergestürzt.
Die Anlage geriet stark ins Schwanken, konnte aber nach kurzer
Zeit abgebremst werden und blieb stehen.
Die Anlage ist wahrscheinlich über 20 Jahre alt.
Ein Video zum Ansehen unter :
http://www.ndr.de/fernsehen/rotor101.html

November 2010, Dormum : Schwerlastbrücke überlastet
Bei Bauarbeiten für einen neuen Enercon-Windpark bei Dornum
hat diese kurzzeitig errichtete Schwerlastbrücke aufgegeben.
Die zahlreichen Kieslaster für Baustrassen und Fundamentbetten sollten nicht durch Wohngebiete fahren, deshalb wurde auf
einer Nebenstrecke ein Siel mit der Brücke überspannt.
War wohl etwas zuviel Kies.

Weiterer Lagerschaden bei Multibrid
Die beiden Prototyen Nr. 3 und 4 der Multibrid-Anlagen in Bremerhaven, am Standort Speckenbüttel, haben auch Probleme
mit dem Getriebe.
Wie bei alpha ventus wird ein Lager im Getriebe des integrierten
Multibrid-Konzeptes zu heiss und muss getauscht werden.
Wie bei alpha ventus scheint auch hier ein falsches Material für
ein Gleitlager verwendet worden zu sein.
Die Reparatur der Getriebe ist in Vorbereitung, Areva hat dazu
direkt unter den beiden Anlagen eine Zelthalle errichtet.
Die Baustrasse für den grossen 1200 to Raupenkran zu den Anlagen ist fertig, der Kran ist bestellt.
Die Maschinenhäuser werden dann komplett demontiert, vor
Ort in der Zelthalle repariert und wieder aufgesetzt. Areva Wind
hofft, die Reparatur bis Jahresende abzuschliessen.
Areva betont, dass bei den Prototypen 1 und 2 ganz sicher das
ursprünglich im Anlagendesign vorgesehene Material für die betroffenen Gleitlager verwendet wurde, und dass die Änderung
des Materials für die Gleitlager vom Getriebehersteller Renk
nicht mit Areva abgesprochen war.
Die Kosten für Austausch und Reparatur der Anlagen in
Speckenbüttel sollen von der Versicherung gedeckt sein.
Die Multibrid - Anlagen Nr. 3 und 4 wurden 2006 / 2007 errichtet
und gehören seit 2009 den Stadtwerken Bochum, ebenso wie
die Anlagen Nr. 1 und 2.

= > 30.10.2010 Starfish Hill Wind Farm, Cape Jervis,
Australien : Anlage abgebrannt
2003 errichtete die Acciona 23 x 1,5 MW NEG Micon Anlagen
in Südaustralien, eine der ersten Windparks überhaupt “downunder“. Es ist ein grandioser Standort, direkt am Meer, auf einer
hohen Klippe.
Am 30. Oktober brannte eine der Anlagen völlig aus.
Die Feuerwehr bekämpfte nur die Buschbrandgefahr durch herunterfallende brennende Teile.
Rotor und Maschinenhaus brachen einen Tag später fast völlig
herunter.
3.11.2010, A10, Berlin : Schwerer Verkehrsunfall
Lastwagen kracht in Windkraftanlagen-Schwertransport.
Ein polnischer Bananenlaster (ja, ein Bananenlaster!) ist auf
dem südlichen Berliner Ring in zwei mit Windenergie-Betonteilen beladene Schwertransporter gerast, die wegen einer Panne
auf dem Seitenstreifen der A10 standen.
Der polnische Lastwagen fuhr mit solcher Wucht auf, dass der
Begleit-PKW kopfüber auf einen der Schwertransporter geschleudert wurde. Eines der Fahrzeuge fing Feuer, einer der
Fahrer wurde eingeklemmt und musste von der Feuerwehr befreit werden. 3 Menschen wurden verletzt.
20 — Ausgabe 6/2010

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-20-25 schäden + 4 anz:wkj basislayout 07.12.10 14:05 Seite 22

.... und am Ende kommt die Thialf
Als 2004 im Offshore-Windpark Robin Rigg die jack-up Barge Mowjack in einem Sturm regelrecht davongerissen wurde,
war ein Jahrhundert-Orkan der Grund. Damit muss man im Offshore klarkommen, das ist unabwendbar.
Mannschaft und teure Einrichtung konnten rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden, der Wetterdienst passte auf.
Wenn aber der grösste Schwimmkran der Welt kommt, um sechs (für die Thialf relativ leichte) Fundamentstrukturen zu setzen, weil kein anderer Kran mit genügend Hub-Kapazität im benötigten Zeitfenster zu haben ist, dann steckt da ein ziemlich teures Organisationsproblem dahinter, denn die Thialf kostet deutlich über 500.000 Euro pro Tag.
In den letzten zwei Jahren haben sich die Fehler im Offshore gehäuft. Dabei startet die Technologie eigentlich gerade erst.
Deutlich zu sehen : Einige Projekte laufen sicher und glatt wie am Schnürchen, bei Anderen hakt es öfter.
Wenn es Geld kostet, ist das schlecht für den Ruf der Offshore-Technologie und schlecht für den Bauherren.
Wenn eine ganze Getriebeserie getauscht werden muss, ist das schlecht für den Hersteller und die Konstrukteure müssen
neu ansetzen.
Es passieren aber erschreckenderweise zunehmend Unfälle, bei denen Menschen zu Schaden kommen.
Wenn es Verletzte und Tote gibt, dann sind die Aufsichtsbehörden gefordert. Dringend gefordert !
Erfahrungen über Gefahren und notwendige Sicherheitsmassnahmen gibt es genug - aus der Öl- und Gasindustrie.
Vor kurzem hielt z.B. die norwegische
Gassco auf den Emder Offshoretagen einen eindringlichen Vortrag über Safety
Critical Equipment. Pmess stellte 2009
und 2010 auf Tagungen die Notwendigkeit von strengeren und vor allem europaweit einheitlichen Richtlinen für den
Bau und Betrieb von Kranschiffen vor.
Im Ölgeschäft wird mit sehr viel höheren
Kosten für Sicherheit gearbeitet, die Einnahmen sind aber auch deutlich höher.
So hohe Kosten kann sich die Windenergie-Industrie eigentlich noch nicht
leisten. Sie wird es aber bald müssen.
22 — Ausgabe 6/2010

WIND KRAFT Journal : Seit 30 Jahren Ihre Fachzeitschrift

-20-25 schäden + 4 anz:wkj basislayout 07.12.10 14:05 Seite 23

alpha ventus
Die Betreiber EWE, E.ON und Vattenfall
sind nach einem Jahr Betriebszeit schon
sehr zufrieden.
Am 12. September 2009 wurde der erste
Strom ins Netz gespeist. Am 16. November 2009 wurde die letzte der zwölf Turbinen von alpha ventus errichtet.
Ein Jahr später, bei immer noch sukzessiver Inbetriebnahme der Turbinen, hatte
das Offshore-Testfeld rund 170 GWh eingespeist und hat schon heute eine ausgeglichene Ökobilanz vorzuweisen.
Seit Mitte Oktober 2010 läuft der Windpark immer öfter auf Volllast und schickt
Unmengen Strom an Land.
alpha ventus ist aber auch gut für die kleinen Tiere : An den Fundamenten haben
sich schon Muscheln, Seeanemonen,
Krebse und Krabben angesiedelt. Kleine
Fische und Fischbrut fühlen sich wohl,
denn es herrscht Fischereiverbot.
alpha ventus war trotzdem schwierig.
Ein Sprung in sehr kaltes Wasser würde
es werden, dass wussten alle Beteiligten
von Anfang an. Produktion, Errichtung
und Inbetriebnahme der 12 Anlagen dauerten fast drei Jahre.
Das Projekt selbst ist von Prokon Nord
bereits 2001 begonnen worden.

Greater Gabbard
Greater Gabbard ist voll im Bau.
Die 140 Fundamente stehen, über 50 Anlagen sind errichtet.
Und schon gibt es erste Reparaturen.
Grouting
Das aktuelle Grouting Problem könnte in
Greater Gabbard trotzdem noch 4 - 5
Mio. £ Extrakosten verursachen, schätzt
der Betreiber SSE/RWE - trotz Garantie
und Versicherung. Die Fundamente wurden teilweise noch rechtzeitig modifiziert,
aber eben nicht alle.
Flügellager
Im Rahmen des Flügellager-Retrofits hat
Siemens im Sommer 2010 auch in
Greater Gabbard alle Flügellager ersetzt,
grösstenteils noch an Land.
Fundamente
Dezember 2009 : Schweißfehler an den
ersten gelieferten Monopiles verzögerten
im September 09 den Beginn der Fundament-Rammarbeiten um Wochen. Dann
schienen auch einige Transition Pieces,
die Zwischenstücke zwischen Monopile
und Turm, Fehler zu haben. Einige Flansche waren wohl nicht rund, die Türme
passten nicht drauf.

2005 übergab Prokon Nord es an die
Offshore-Stiftung, 2006 wurde von EWE,
E.ON und Vattenfall die DOTI als Betreibergesellschaft gegründet. 2007 wurde
der Netzanschluss von E.ON Netz (jetzt
TenneT) an Land durchgeführt.
Ab März 2008 begann der Bau auf See.
Die Planer mussten sich bei der Errichtung teilweise noch mit unpassendem
Großgerät aus der Öl- und Gasindustrie
behelfen. Für alle künftigen Projekte werden unbedingt geeignete Installationsschiffe gebraucht.
Zweimal mussten die Planer das Projekt
deutlich verschieben. Mehrfach wechselten Projektleitung und Geschäftsleitung
der DOTI, drei Geschäftsführer hat das
Projekt “verbraucht“.
Vor allem das Wetter und die knappen
Schwimmkräne haben das Projekt insgesamt um über ein Jahr verzögert.
Die Wintersaison 2008/2009 konnte nicht
für Errichtungsarbeiten genutzt werden.
Und auch im Winter 2009/2010 ruhten
die Arbeiten weitgehend.
Die EWE hatte zwischenzeitlich nochmal
60 Mio. Euro nachgeschossen.
Erste Probleme traten schon bei der Installation auf, Reparaturen mussten noch
während der Inbetriebnahme durchgeführt werden, und auch zwei Vorfälle mit
leichten Personenschäden waren zu beklagen.

19.11.10
Kabelleger Nostag 10

Anlage gepitcht

10.11.10
7.10.10
Kabelleger Nostag 10

7.10.10 : Schiffe in alpha ventus
Nostag 10
Windforce
Sea Worker
JB 114
Grigoriy Mikheev MCS Lenie
Union Diamond

Aber besonders kritisch sind die
beiden Unfälle mit Verletzten und
zwei Toten.
Harwich, GB, 12.11.2009 :
Tödlicher Unfall in Greater Gabbard
Am 12.11.09 starb ein Seemann bei
einem Unfall auf einem Serviceboot im
Offshore-Windpark Greater Gabbard.
Eine zweite Mitarbeiterin wurde verletzt.
Vermutlich war eine Kette gerissen, die
beiden Mitarbeiter wurden eingeklemmt.
Die Untersuchungen sind sofort angelaufen.
Harwich, GB, 21.5.2010 :
2. Tödlicher Unfall in Greater Gabbard
Bei der Verladung eines Flügels im Hafen von Harwich auf die Sea Jack
(A2SEA) brach die Verlade-Traverse des
Flügels.
Der 45 to schwere Flügel stürzte mit der
Traverse ab und tötete einen dänischen
Siemens-Decksmann, ein weiterer Mitarbeiter, wahrscheinlich ein Deutscher,
wurde schwer verletzt.
Anscheinend brach auch der Kran teilweise mit zusammen.
Die Verladearbeiten in Harwich wurden
tagelang komplett gestoppt.

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Ausgabe 6/2010 — 23

-20-25 schäden + 4 anz:wkj basislayout 07.12.10 14:05 Seite 24

binen die Getriebe ausgetauscht. Die
Wartungsarbeiten werden (abhängig von
den Witterungsbedingungen) voraussichtlich 4 Wochen in Anspruch nehmen.
Dies hat keine Auswirkungen für die Verbraucher.
Der Offshore-Windpark Egmond aan Zee
ist ein Demonstrationsprojekt, bei dem
innovative Technologie unter extremen
Bedingungen angewendet wird.

Egmond an Zee
Groutingarbeiten

Egmond an Zee mit 36 x V90-3 MW Anlagen wurde 2005 und 2006 gebaut und
im April 2007, nach erfolgreicher Inbetriebnahmephase, in einer grossen Feierstunde eingeweiht. Man kann sagen, das
ganz Holland stolz war auf sein neustes
Kraftwerk auf See.
Im Spätsommer 2007 begannen die
Probleme : Die Getriebe, die Hauptlager
und die Generatoren mussten getauscht
werden, Vestas und SKF entwickelten
das V90 Offshore- Retrofitprogramm.
2009 kam das Fundamentproblem mit
dem Grouting hinzu.
Die Betreiber des Windparks, ein Konsortium aus Shell und NUON NL (jetzt
Vattenfall) hatten von Anfang an die
Reparaturarbeiten im Windpark in ihrer
Projekt-Homepage offengelegt.
Die Presseerklärungen :
11. Oktober 2007 - Wartungsarbeiten
Ab heute werden Wartungsarbeiten an
den Windenergieanlagen des OffshoreWindparks durchgeführt. Der dänische
Turbinenhersteller Vestas wird die
Wartungsarbeiten durchführen. Aus
technischen Gründen werden bei 9 Tur-

20. November 2008 - Baustelle
In der zweiten Hälfte von 2007 ist bei
einigen Getrieben in den Windturbinen
ein Problem gefunden worden. Um weiteren Schaden an der Windturbine zu verhindern und die Produktion zu sichern,
wurden die Getriebe vom Produzenten
Vestas Wind Systems A/S ersetzt. Inzwischen ist ein neues Getriebemodell
verfügbar, das im Laufe der Zeit in jede
Windmühle eingebaut werden wird. Dies
Ersatzprogramm fällt unter die vertraglichen Garantiebedingungen und
wird von Vestas selbst ausgeführt. Das
ganze Ersatzprogramm dauert bis 2009.
Die Arbeiten werden von einem
Hebeschiff aus durchgeführt, das
regelmäßig im Windpark zu sehen ist.
Red.: Es wurden bis Ende 2009 alle
Getriebe getauscht, an einigen Anlagen
anscheinend sogar zweimal. Ausserdem
wurden alle Generatoren getauscht.
03. November 2009
„Sea Energy“ im Hafen von IJmuiden eingelaufen
Diese Woche ist das Arbeitsschiff „Sea
Energy“ im Hafen von IJmuiden eingelaufen. Es wird in der nächsten Zeit dazu
genutzt werden, Reparaturen am Windpark durchzuführen. Zunächst wird das
Schiff mit den benötigten Materialien und

Werkzeugen beladen.
Bei Inspektionen hatte man in der Fundamentierung etwas vertikales Spiel zwischen dem Fundamentpfahl und dem
Übergangsstück festgestellt. Zusammen
mit Bouwcombinatie Egmond wurde ein
Reparaturplan erstellt, der jetzt ausgeführt wird.
Bei drei Turbinen wird der untere Teil des
Fundamentpfahls mit Beton ausgegossen. So entsteht eine stabile Basis,
die ein weiteres Verschieben verhindert.
Die Sea Energy wird dazu unter anderem
mit Betonsilos und Pumpen beladen. In
einigen Wochen werden vermutlich die
Arbeiten auf See beginnen.
26. April 2010
Reparaturarbeiten werden wieder
aufgenommen
Das Schiff VOS Sympathy ist kürzlich
wieder im Hafen von IJmuiden eingetroffen. Demnächst wird das Schiff für die
Durchführung von Reparaturarbeiten am
Windpark eingesetzt. Zunächst wird das
Schiff mit den benötigten Materialien und
Werkzeugen beladen. In einigen Wochen
werden vermutlich die Arbeiten auf See
beginnen.
20. Oktober 2010
Reparaturarbeiten erfolgreich
Während des Sommers sind die Reparaturen am Windpark erfolgreich durchgeführt worden. Die Reparaturen der Fundamentpfähle bzw. Monopiles sind damit
abgeschlossen.
Photos in diesem Bericht:
www.noordzeewind.nl,
www.seajacks.com
alpha ventus/DOTI, RWE, WKJ.

Lessons learnt

Ein Unfall von 2004 im Windpark North Hoyle.

24 — Ausgabe 6/2010

Ausgerechnet die Vattenfall-Projektplaner des Windparks Thanet in GB waren
nachdenklich, obwohl Thanet ein Paradeprojekt ist, vorbildlich nach Zeitplan errichtet, ohne namhafte Probleme.
Sieben grosse und über 70 kleine Unterauftragnehmer, hunderte Mitarbeiter,
Dutzende von Schiffen : Die Projektkoordination und Bauüberwachung war eine
Mammutaufgabe. Komplexe Installationen im Offshore sind definitiv nicht nach
einem festen Zeitplan durchführbar, das
Wetter ist zu unberechenbar.
Und nie wieder würde Vattenfall den Umrichter in die Mitte des Windparks bauen,
auch wenn man dadurch viel Kabel spart.
Man kommt später kaum noch mit grösseren Schiffen an die Umrichterplattform
heran. Es liegen überall Kabel.

WIND KRAFT Journal : Seit 30 Jahren Ihre Fachzeitschrift

-28/29 schäden + 4 anz:wkj basislayout 21.10.10 10:17 Seite 28

Schäden und Brände
< - Die ausgebrannten Jeumont-Anlagen in Frankreich
sehen schlimm aus, aber der Anlagentyp hat von Beginn an
technische Probleme. Schon kurz nach der Errichtung 2004 havarierten mehrere der JS48/750 kW Anlagen, die Flügel brachen ab, und zwar vollständig (zweites Bild).
In Frankreich stehen rund 120 Anlagen in vier Windparks. Je ein
kleineres Projekt steht noch in Südafrika, Kanada und Südkorea. Seit 2005 wird die Anlage nicht mehr gefertigt. Rechtsnachfolger des Herstellers Jeumont / Framatome ist Areva.
Im Offshorewindpark Lynn
ist ein Freizeitsegler fast in die gesperrte Zone um den Park geraten, als ihm der Treibstoff ausging. Zusätzlich herrschte auch
noch Flaute, sodass an Segeln nicht zu denken war, und die
Strömung trieb das Boot drekt in den Windpark.
Die Küstenwacht hat den unglücklichen Segler abgeschleppt.
Ungeklärte Zuständigkeiten behindern die Untersuchungen zur Todesursache des Tauchers im
Offshorewindpark Bard 1 von Juli 2010.

Flügelschaden 2004

Ein schwedischer Taucher stirbt auf einem dänischen Schiff in
deutschen Gewädssern, ausserhalb der 24-Meilen-Zone.
Die deutsche Wasserschutzpolizei und die deutsche Staatsanwaltschaft sind nicht zuständig, da ausserhalb der 24-Meilen-Zone keine Staatsgewalt mehr ausgeübt werden darf.
Schwedische oder dänische Behörden können aber auch nicht
tätig werden, in deutschen Gewässern.
Theoretisch ist das dänische Schiff dänisches Hoheitgebiet,
also wäre die dänische Wasserschutzpolizei zuständig.
Entsprechend verschleppen sich die Untersuchungen zu
diesem schweren Unfall.
Wenn das für diesen Fall gilt, dann auch für andere
Belange in den deutschen Offshore-Windparks !
Reparatur loht sich nicht mehr
Nach einem Flügelschaden 2007 und mehreren Reparaturversuchen soll jetzt eine von zwei Vestas 100 kW Anlagen in Ashington, Northumberland, GB, abgebaut werden. Der Besitzer,
das örtliche Krankenhaus, hat das schweren Herzens beschlossen. Die Reparatur lohnt sich nicht mehr.
Die Anlagen wurden 1992 errichtet, haben pro Jahr jeweils rund
120.000 kWh erzeugt -etwa 20% des Bedarfs des Krankenhauses- und rund 15% Kapazitätsfaktor geschafft.
Vielleicht sollte das Krankenhaus doch mal über eine modernere Windkraftanlage nachdenken. So schlecht kann die Windlage
ja nicht sein.
Flügelschaden am Vestas V-112 Prototyp in Dänemark
Ein Produktionsfehler war die Ursache für den Abbruch eines
6 - 7 m langen Flügelstücks am 8. September 2010 am Prototyp
der V-112 auf einem dänischen Testfeld.
Und das Kurz nachdem Vestas erklärt hatte, die V-112 sei jetzt
serienreif und einen Grossauftrag aus Australien erhalten hatte.
Die Flügel für den Prototypen sind reine Hand-Einzelanfertigungen, da ist ein Verarbeitungsfehler nachvollziehbar.
< - Stillstand in Spremberg
Nach einem Trafobrand am 8. September stehen die neun 2.5
MW Fuhrländer-Anlagen in Spremberg still.
Das Öl in einem Meßwandler hatte sich entzündet.
Die Reparatur kann bis zu 2 Monaten dauern, die Untersuchungen laufen auch noch.

28 — Ausgabe 5/2010

WIND KRAFT Journal : Seit 30 Jahren Ihre Fachzeitschrift

Schäden und Havarien
Langeland, Dänemark, 9. April
Diese V52/900 kW Vestas Anlage in Dänemark brannte am 9. April aus.
Die Ursache wurde relativ schnell gefunden : Das Hauptlager war verschlissen
und mit der Bremse heissgelaufen.
Die Auswertung der Bauteile und des
Steuerungscomputers ergaben, dass die
Anlage nach längerem Stillstand wegen
Windstille bei einsetzendem Sturmböen
sehr schnell auf Vollast gekommen war.
Das Hauptlager hatte sich dabei axial um
2 mm verzogen und Teile des Bremsengehäuses oder des Bremssattels schliffen an der Bremsscheibe.
Bremse und Lager wurden heiss, das
Fett entzündete sich.
Die Anlage war erst vor 2 Monaten gewartet worden, das Hauptlager war dabei
als mässig verschlissen und noch voll
funktionsfähig eingestuft worden.
Branderup, Dänemark, 25.5.2010
Eine ältere 300 oder 600 kW Nordex Anlage brannte am 25.5.10 in Logumkloster
bei Branderup in Dänemark ab.
Die Ursache scheint noch ungeklärt.
In dem Windpark stehen 7 Anlagen des
Typs.

Etwa 20 grössere Brände von Windkraftanlagen pro Jahr werden in Europa, Australien und Nordamerika gezählt, bezogen auf die letzten drei Jahre. Etwa 25 Havarien wegen Flügelbruch oder Maschinenschaden pro Jahr kommen hinzu.
Seit 1990 wurden 140 grosse Brände und 180 Havarien gezählt, aber die Aufzählung ist bei Weitem nicht vollständig. Schäden z.B. aus Indien oder China werden
sehr selten veröffentlicht und fehlen entsprechend in der Erfassung.
Die Havarien werden im Laufe der Jahre natürlich weiter zunehmen, schliesslich
steigt auch die Zahl der Windkraftanlagen ständig an.

Horns Rev I abgeschaltet
Am 28.5.2010 wurde der Offshorewindpark Horns Rev I wegen eines Totalausfalls der Steuerungselektronik
in der Trafostation komplett abgeschaltet. Ausströmendes Gas aus einer Bauteil am Transformator hatte die
gesamte Schaltelektronik stark beschädigt.
Am 4.6. waren 64 der 80 Anlagen bereits wieder in Betrieb : Der Schaden
betraf nur einen der 5 F6 Schütze.
Horns Rev I ist in 5 x 16 Anlagenreihen
aufgegliedert. Die beschädigten Bauteile werden jetzt schnellstmöglich
ausgetauscht. Die 16 betroffenen Anlagen stehen vorerst weiter.
Der gesamte Park wurde solange von
der Schaltzentrale an Land über Pufferbatterien notgeregelt und mit Netzstrom versorgt.
Tromsø, Norwegen, 16.4.2010
Die 1.5 MW GE Cold Climate Testanlage
bei Tromsø brannte am 16. April aus
noch nicht geklärter Ursache völlig aus.
Ein Augenzeuge hatte aus dem Maschinenhaus auslaufendes Öl beobachtet.
Die 1.5 MW Anlage hatte GE 2004 als
Testanlage für arktische Verhältnisse errichtet.

Seite 28 — Ausgabe 3/2010 — WIND KRAFT JOURNAL

Offshore-Fundamentschäden
Im Juni 2009 entdeckten Gutachter von
Shell und Vattenfall bei einer Routineprüfung im Offshore Windpark Egmond an
Zee, Niederlande, am Fundament der
Trafostation einen Riss von 2 cm.
Der Riss war zwischen der Betonverklebung und den Stahlwänden von Monopile und Transition Piece entstanden.
Bei dem Monopile-Fundament-System
werden diese beiden Stahlbauteile mit einer speziellen Beton-Glasfasermischung
verklebt, ein in der Offshoreindustrie sehr
bewährtes Verfahren.
Als darauf hin alle Monopile-Fundamente
in Egmond untersucht wurden, fanden
sich weitere Risse.
Monate vergingen, ohne dass weitere
Aktivitäten bekannt wurden, und erst im
Dezember waren erste Gerüchte über
Probleme bei den Monopile Fundamenten zu hören.
Im März 2010 wurden in Horns Rev I, Dänemark, bei Routineprüfungen weitere
Risse gefunden.
Und dann ging es plötzlich ganz schnell.
Überall in den Offshore-Windparks wurden fieberhaft alle Fundamente geprüft und viele weitere Risse gefunden.
Anfang April wurde das Problem publik,
und als erstes wurden DNV als Zertifizierungsunternehmen und MT Hojgaard als
entwickelndes Ingenieurbüro kräftig angegriffen. Die dänische Fachpresse und
einige internationale Zeitungen sprachen
von “Rissigen Offshorefundamenten in
ganz Europa“.
Und zu Anfang waren sich die Experten
auch nicht sicher, ob die Standsicherheit
besonders der Trafos gefährdet sein
könnte. Die mögliche Gefährdung der
Trafostationen löste grosse Sorgen aus.

Die drei gerade im Bau befindlichen Offshoreparks standen einige Tage lang vor
der Entscheidung, einen Baustopp zu erlassen. Besonders in Walney, wo gerade
die Fundamente gerammt und montiert
werden. Die Wogen schlugen hoch.
Doch dann sprach DONG CEO Niels
Bergh-Hansen Mitte April ein Machtwort,
stellte die Problemlösung vor die Haftungsfrage, gründete eine Arbeitsgruppe
und gab 15 Mio. Euro Sofortfinanzierung
dazu. Viele der beteiligten Unternehmen,
Hersteller, Betreiber, Zertifizierer, Ingenieurbüros und Planer schickten umgehend Ihre Experten. Die Arbeitsgruppe
nahm innerhalb weniger Tage die Arbeit
unter Hochdruck auf.
Trotzdem war die DONG ziemlich wütend über die monatelange Verschleppung, das Problem hätte schon vor fast
einem Jahr angegangen werden können.
Nach zwei Wochen konnte die Arbeitsgruppe schon die Frage der Standsicher-

heit beantworten : Keine akute Gefahr in
keinem Projekt, keine Baustopps nötig.
Inzwischen glauben DONG und Vattenfall, in 4-6 Monaten eine Problemlösung
entwickeln zu können und dann auch
schon die Kosten beziffern zu können.
Die Fundamente sind im Detail aber in
keinem Projekt gleich. Die vielen Unterschiede in der Konstruktion erschweren
die Untersuchungsarbeit der Arbeitgruppe. Wahrscheinlich muss für jedes Projekt einzeln ein Status erstellt werden
und im Detail nach unterschiedlichen Lösungen gesucht werden.
Eventuell müssen zahlreiche Fundamente aufwendig nachgeschweisst werden.
Teuer wird es auf jeden Fall :
Es handelt sich insgesamt um fast 800
Fundamente, Baujahr 2001 bis 2010.
Die Befürchtung, dass Anlagen komplett
demontiert und Fundamente neu gebaut
werden müssen, scheint aber glücklicherweise vom Tisch zu sein.

2 cm Spalt zwischen Beton und Stahl
Zeichnungen und Photos :
DONG Energy, MT Hojgaard

Ursachen für Schäden
Eine sehr erfreuliche Entwicklung !
Nicht nur die Windkraftanlagen-Havarien gehen durch die regionale Presse, sondern immer öfter auch die Ergebnisse der
Ursachenforschung. Das ist gut, denn Fehler und Schäden geschehen immer und überall, aber wenn die Anwohner von
den Havarien erschreckt werden, dann sollten sie auch über die Ursachen informiert werden.
Meist sind es gut verständliche Ursachen, wie die beiden Schäden in Whitelee und Fenner zeigen.
Diese Ehrlichkeit kommt überall gut an, schafft Vertrauen und klingt viel seriöser als “Das hatten wir noch nie“, was jahrelang in Deutschland die übliche Reaktion der WKA-Hersteller war.
Weiter so!
Whitelee Wind Farm, Schottland
An einer 2.3 MW Siemens Anlage im
Whilelee Wind Park in Schottland brach
am 22.3.2010 ein Flügel ab.
Die ersten Untersuchungen haben ergeben, dass ein Fertigungsfehler bei Siemens Wind höchstwahrscheinlich die Ursache war. Ein Materialfehler im Laminat
des B45 Blattyps wurde entdeckt.
Kurz vorher hatte Siemens eine Umstellung in der Produktion der Blätter durchgeführt, und anscheinend hatte es beim
Anlaufen der neuen Produktionsabläufe
Probleme gegeben.
Siemens untersucht alle Rotorblätter aus
dieser Fertigungszeit, erwartet aber keine weiteren Schäden zu finden.
Fenner Wind Park, USA
Am 30.12.09 stürzte im Fenner Windpark, New York County, USA, eine 1,5
MW GE/Enron Anlage komplett um.
Überdrehzahl, Sturm und Blitzschlag
konnten als Ursache sofort ausgeschlossen werden, die Anlage war bis zur Havarie im Normalbetrieb, ein Turmkontakt
der Flügel wurde ebenfalls nicht gefunden. Der Park besteht aus 20 x 1.5 MW
Anlagen, Baujahr 2001.
Der Park gehört der ENEL.
Die schwere Havarie hatte alle Beteiligten zutiefst geschockt, die Behörden bestanden auf einer gründlichen Untersuchung, ebenso wie Betreiber und GE.
Der gesamte Park wurde sofort abgeschaltet, alle 20 Anlagen stehen bis heute, die Anlagen wurden zusätzlich abgesperrt und eingezäunt.
Spätestens bei der Demontage der havarierten Anlage im März 2010 war die
Ursache gut zu erkennen :
Das obere Teil des Beton-Fundamentes
war aus der Fundamentplatte gerissen.
GE und ENEL haben im gesamten
Windpark die Fundamente wochenlang
sehr gründlich untersucht.
Mehrere Bohrkerne zeigten stark gealterten oder zersetzen Beton, andere Betonproben waren völlig in Ordnung.
Dass Baumängel bzw. regelrechter
Baupfusch am Fundament die Ursache
ist, wurde aber noch nicht offiziell bestätigt, die Verfahren laufen noch.
Seite 30 — Ausgabe 3/2010

Havarien und Schäden
Bartlett Farm, USA
Am 20.1.2010 brach an einer erst im Aprill
2009 errichteten WES30 / 250 kW Anlage
in Massachusetts, USA, ein 12 m langes
Flügelstück ab und krachte fast in einen
nahen Parkplatz, der voller Autos stand.
Es ist nicht das erste Mal, dass bei einer
der zweiflügeligen WES Anlagen aus den
Niederlanden ein Flügelstück abbricht.
Ein Konstruktionsfehler wird diskutiert.

Bartlett Farm

Ungeahnte Folgen
Diese Anlage war der Stolz der Familie
Bartlett, die am Nantucket Sound, 3 Autostunden von New York, einen grossen
Biohof betreibt und sich ganz der ökologischen Landwirtschaft verschrieben hat.
Mit Hofladen, Gärtnerei und Direktvermarktung ist der Bartlett-Hof gut besucht
und weithin bekannt, besonders bei den
gutbetuchten Kunden aus der NantucketRegion, zu der auch Marthas Vineyard
und Cape Cod gehört.
Es ist die gute Stube von New Yorks alteingesessener Oberschicht.
Der Bartlett-Hof liegt nur 5 Meilen vom
Standort des geplanten 400 MW Offshore-Windparks Cape Cod entfernt.
Die Bartletts hofften auch ein wenig, mit
der Anlage auf dem Hofgelände ihre vielen Kunden von der Windenergie zu überzeugen, um den hartnäckigen Widerstand
dieser sehr einflussreichen Anwohnerschaft gegen die Offshore Windfarm etwas aufzuweichen.
Das hat sich jetzt wohl erledigt.

Marston Mills

Marston Mills, USA
Ebenfalls am Nantucket Sound brachen
an dieser 10 kW Aircon Kleinanlage am
14.3.2010 zwei Flügel ab, in einem
Sturm. Die Anlage steht auf einer kleinen
Bootswerft in Marston Mills, Cape Cod.
An sich nicht spektakulär, aber jetzt steht
die Offshore Windfarm Cape Cod wieder
heftig unter Beschuss durch Anwohner diesmal nicht wegen der Optik, sondern
wegen der Sicherheit.

Carpenter, Wyoming, USA
Kürzschlüsse im Trafo oder am Netzanschluss einer Windkraftanlage in Carpener, Wyoming, lösten am 9.3.2010 ein
Buschfeuer aus, das erst nach Stunden
gelöscht werden konnte.
In der Region steht die Windfarm Cedar
Creek mit 274 x 1 MW Mitsubishi Anlagen, Baujahr 2006/07, und 53 x 1.5 MW
GE Anlagen.
Seite 28 — Ausgabe 2/2010 — WIND KRAFT JOURNAL

Union City, USA
Am 17.2.2010 brach an dieser Nordic
Windpower 1000 Anlage in Union City,
Indiana, USA, eine Tipspitze ab.
Die beiden 1 MW Anlagen in Union City
waren erst im Januar 2010 errichtet worden, das Projekt kostete $3,7 Mio. und
war der neue regenerative Stolz der
Stadt Union City.
Die beiden Anlagen standen in der Nähe
der örtlichen Schule und sollten Schule
und öffentliche Gebäude beispielhaft mit
sauberen Strom versorgen.
Das Projekt hatte im Vorfeld viel positive
Presse bekommen und war in der Bevölkerung gut angekommen. Den beiden
Nordic-Anlagen sollen weitere Projekte
folgen, Union City hat viele Windfans.
Der Rotor wurde nach einer Woche demontiert und zur Untersuchung zu Nordic
Windpower nach Idaho gebracht. Die örtliche Presse bemerkte ziemlich säuerlich, dass die abgerissene Spitze eine
Woche lang gut sichtbar für alle an der
Anlage hing und im Wind baumelte.
Der Vorfall wird untersucht, Nordic war
erschüttert und sehr bemüht, ein neuer
Rotor sollte etwa nach 4 Wochen kommen. Mitte März begannen die Arbeiten.
Nordic Windpower fertigt erst seit Mitte
2009 die 1 MW Anlage in Iowa. Knapp 20
Anlagen wurden bisher ausgeliefert.
Die Neugründung der Nordic, die auf ein
fast 20 Jahre altes Anlagenkonzept aus
Schweden zurückgeht, finanziert sich
hauptsächlich aus Risiko-Fondskapital.
Erst im Januar wurden $38 Mio. frisches
Kapital eingeworben.
Kumeyaay Wind Project, USA
Am 7. Dezember 09 beschädigte ein
schweres Gewitter diverse Flügel an den
25 Gamesa Anlagen im Kumeyaay Wind
Project in Kalifornien. Im Januar und Februar wurden darauf hin sämtliche Rotoren demontiert und die Flügel überarbeitet oder ausgetauscht. (WKJ 1-2010)
Doch die Flügelschäden scheinen nicht
nur durch Blitzschläge verursacht worden zu sein. Besonders zahlreiche
Längs- und Querrisse machten die Experten stutzig. Das führte anfänglich zu
erheblichen Streitigkeiten zwischen Anlagenhersteller und Betreiber.
Inzwischen wird aber vermutet, dass hohe elektrostatische Entladungen zwischen den Anlagen hin- und hergeschlagen sind, eventuell ausgelöst durch die
Reibung der sand- und salzhaltigen Orkanböen auf den Blättern - ein bisher unbekanntes Schadensbild.
Jetzt wird nach neuen und besseren
Blitzschutzmassnahmen oder Ableitungsstrecken gesucht, denn solche
Wetterlagen gibt es in der Region öfter.

Union City

Whitelee Wind Farm,
Schottland.
An einer 2.3 MW Siemens
Anlage im Whilelee Wind
Park in Schottland brach
am 22.3.2010 ein Flügel
ab. Der Betreiber, die ScottishPower, hat den gesamten Windpark vorsichtshalber abgeschaltet. Ein
Sturm scheint nicht der
Grund gewesen zu sein.
Die Untersuchungen sind
im Gange, doch schon am
Folgetag wurden die ersten
50 Anlagen von Siemens
und ScottishPower inspiziert und wieder ans Netz
genommen.
Der Whitelee Park besteht
aus 140 x 2,3 MW Siemens
Anlagen, Baujahr 2008 und
2009, und ist eines der
grössten Onshore-Projekte
Europas.

Kumeyaay

WIND KRAFT JOURNAL — Ausgabe 2/2010 — Seite 29

-32-35,schäden:wkj basislayout 10.02.10 12:51 Seite 32

Havarien und Schäden
Fenner Wind Farm, USA
Am 30.12.09 stürzte im Fenner Windpark,
New York County, USA, eine 1,5 MW
GE/Enron Anlage komplett um. Sturm
und Blitzschlag wurden als Ursache bereits ausgeschlossen, die Anlage war bis
zur Havarie im Normalbetrieb, ein Turmkontakt der Flügel wurde ebenfalls nicht
gefunden. Der Park gehört der ENEL.
Es ist die zweite Havarie einer Anlage im
Fenner Windpark, 2007 brach ein Flügel
ab.
Der Park besteht aus 20 x 1.5 MW Anlagen, Baujahr 2001.

Kumeyaay Wind Project, Kalifornien
Am 7. Dezember beschädigte ein Blitzschlag einen Flügel an einer Anlage im
Kumeyaay Wind Project in Kalifornien.
(kleines Bild unten).
Ursache war ein sehr schweres Gewitter.
An anderen Anlagen im Park wurden an
den Flügeln ebenfalls Blitzschäden und
Risse gefunden.
Danach wurden alle Anlagen stillgelegt
und sämtliche Flügel getauscht.
(Bilder rechts mitte und unten)
Das Projekt besteht aus 25 x 2 MW Gamesa Anlagen, Baujahr 2005.
Der Betreiber Bluearc hatte sich nach ersten Prüfungen zum Tausch aller Rotoren entschlossen, die Schäden waren zu
umfassend, einige tiefgehende Risse waren nur mit aufwendigen Untersuchungen zu entdecken.
Soweit möglich werden die Rotoren vor
Ort repariert und wieder montiert, im
Ringtausch.
Etliche Anlagen werden jedoch ganz
neue Rotoren erhalten. Die Reparaturen
sollen etwa 2 Monate dauern.

Seite 32 — Ausgabe 1/2010 — WIND KRAFT JOURNAL

-32-35,schäden:wkj basislayout 10.02.10 12:51 Seite 33

Onshore und Offshore
Verzögerungen in Greater Gabbard
Im Offshoreprojekt Greater Gabbard in
Grossbritannien verzögern Produktionsmängel die Errichtung.
Schweißfehler an den ersten gelieferten
Monopiles verzögerten im September
den Beginn der Fundament-Rammarbeiten um Wochen. Jetzt scheinen auch
einige Transition Pieces, die Zwischenstücke zwischen Monopile und Turm,
Fehler zu haben. Einige Flansche sollen
nicht rund sein, die Türme passen nicht
drauf.
Der Hersteller der ersten Monopiles und
der Transition Pieces, die ZPMC aus
Shanghai, ist eigentlich sehr stolz auf
den ersten Auftrag aus der Wind-Offshore-Industrie. ZPMC baut und liefert
seit Jahren erfolgreich Ölbohrplattformen, grosse Kranschiffe oder Equipment
für die Pipeline-Verlegung.
www.zpmc.com
www.bonn-mees.com

Tödlicher Unfall

Am 12.11.09 starb ein Seemann bei
einem Unfall auf einem Serviceboot im
Offshore-Windpark Greater Gabbard.
Eine zweite Mitarbeiterin wurde verletzt.
Vermutlich war eine Kette gerissen, die
beiden Mitarbeiter wurden eingeklemmt.
Die Untersuchungen sind sofort angelaufen.

Seltener Vogelschlag
Dieser Geier wurde auf Kreta am
27.10.2009 von der Flügelspitze einer
Anlage verletzt, als er in den Aufwinden
an einem Berghang mehrfach sehr dicht
um die Anlagen herumsegelte. Vermutlich hat er die stärkeren Strömungen um
die Anlagen benutzt, um mehr Auftrieb zu
gewinnen und kam einer Flügelspitze zu
nahe. Es ist der erste dokumentierte Vogelschlag eines grösseren Vogels auf
Kreta.
Der Geier wurde von Vogelschützern eingefangen und versorgt.

WIND KRAFT JOURNAL — Ausgabe 1/2010 — Seite 33

-32-35,schäden:wkj basislayout 10.02.10 12:51 Seite 34

Schäden Onshore
Uelzen, Niedersachsen
Am 1.12.09 brannte im Windpark
Hanstedt II bei Uelzen eine GE /Enron 1.5 MW Anlage Baujahr 2002
komplett aus.
Die Anlage war nicht in Betrieb, das
Feuer brach bei Wartungsarbeiten
aus.
Die Monteure konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Brasilien, Ceara
Eine 2.1 MW Suzlon Anlage brannte
am 21. November in Norden Brasiliens, im Windpark Praia Formosa,
aus und verlor einen Flügel. Der
Windpark wurde erst 2009 errichtet
und besteht aus 50 x S88 Anlagen.
Die havarierte Anlage steht nur 200
m von den nächsten Wohnhäusern
entfernt.
Es kam niemand zu Schaden, aber
die Behörden überprüfen jetzt die
Baugenehmigungen und Sicherheitsvorschriften.

Muss dass sein?
Diese kleine Anlage stürzte am 1. Dezember 2009 im britischen Städtchen
Fakenham bei der Errichtung um und fiel
auf einen Transporter der Montagefirma.
Ursache war vermutlich ein Montagefehler, aber das ganze geschah auch noch
auf dem Sportplatz der Schule, während
des Unterrichts.
Die Baustelle war zwar abgesperrt und
gesichert, trotzdem bekam das Footballteam, das am anderen Ende des Sportplatzes trainierte, einen gehörigen
Schreck. Eltern und Lehrer waren entsprechend aufgeregt.
Wahrscheinlich hat jetzt auch diese britische Schule nicht mehr allzuviel viel Lust
auf eigene Windenergie.

Seite 34 — Ausgabe 1/2010 — WIND KRAFT JOURNAL

-26-29,schäden:wkj basislayout 02.12.09 15:46 Seite 26

Rostschäden am Türmen
Bei Rotorblattarbeiten wurden
an einigen Türmen der Fa.
Ambau nach ca. 3 Jahren
Betriebszeit deutliche
Korrosionsschäden im oberen
Turmbereich festgestellt.
Die Fa. Ambau zeigte sich z.T.
sehr kooperativ, und hat nach
entsprechendem Hinweis
unverzüglich mit der
Nacharbeitung begonnen.
Die Ursache für diesen Mangel
ist noch nicht abschließend
geklärt, daher kann es u.U. sein,
daß eine ganze Reihe von
Anlagen im oberen Turmsegment eine unzureichende
Beschichtungsdicke aufweisen
und von solchen Korrosionsschäden betroffen sind.
Wobei noch anzumerken ist,
dass alleine die Beschichtungsdicke nicht darüber entscheidet,
ob das auf den Bildern zu
sehende Schadensbild auftritt.
Vielmehr ist die fachgerechte
Vorbehandlung der Oberfläche
von wesentlicher Bedeutung.
Photos : Marco Mattern

Quiet Revolution

Alle rund 100 QR5 Kleinanlagen des
britischen Herstellers Quiet Revolution
wurden im Oktober vorläufig abgeschaltet. Ein mechanischer Fehler hatte
zu automatischen Sicherheitsabschaltungen bei zahlreichen Anlagen geführt.
Quiet Revolution testet zur Zeit eine
technische Lösung und hofft, bis Jahresende alle Anlagen nachrüsten zu können und wieder in Betrieb zu nehmen.
Die QR5 kostet etwa 38.000 £.
www.quietrevolution.co.uk
Seite 26 — Ausgabe 6/2009

-26-29,schäden:wkj basislayout 02.12.09 15:46 Seite 27

Schäden an Anlagen
Am 1. November 2009 riss an einer Vestas V27/225 kW auf Gotland der komplette Rotor ab und krachte in den Acker.
Der Nabenflansch war anscheinend
abgerissen oder gebrochen, denn die
Nabe kam mit runter.
Verletzt oder gefährdet wurde niemand.
Die Anlage war Baujahr 1992 und gehört
der Falkenberg Energi.
Die zuständige dänische Aufsichtsbehörde Godkendelsesekretariatet for wind
turbines hat seit 2000 24 Flügelabrisse in
Dänemark gezählt, davon 12 Schäden,
bei denen ein ganzer Flügel abriss.
Nach der Häufung von Schäden in 2008
wurde in Dänemark eine Untersuchungskommission gebildet und die
Sicherheitsbestimmungen verschärft.

Am 2. November 2009 brannte eine
Vestas V80 in der Ardeche in Frankreich
völlig aus. Die Anlage ist Baujahr 2005
und steht in einem Park mit 5 Anlagen.

Kabelschaden in Horns Rev II

Zum zweiten Mal wurden in Horns Rev
II Kabelmuffen gewechselt, aber diesmal musste der komplette OffshoreWindpark für Tage abgestellt werden.
Am 12. November wurde abgeschaltet,
12 Tage später wieder angeschaltet.
Betroffen ist das 56 km lange Kabel an
Land, 81 Muffen hatten Wasser gezogen. Im Sommer waren bereits
während der Bauphase 24 Muffen gewechselt worden. (ohne Photo)
www.energinet.dk

Am 27.9.2009 havarierte eine ScanwindAnlage im norwegischen Hundhammerfjellet.
Unangenehm, denn nur 14 Tage vorher
hatte GE die Übernahme von Scanwind
veröffentlicht und eine Offshore-Initiative
mit der 3,5 MW Plattform von Scanwind
angekündigt.

WIND KRAFT JOURNAL — Ausgabe 6/2009 — Seite 27

-26-29,schäden:wkj basislayout 02.12.09 15:46 Seite 28

Schäden an Anlagen
Zum zweiten Mal innerhalb von 15
Monaten hat eine WES 30/250 kW im
britischen Sheffield einen Flügel verloren. Ein Flügelstück flog fast bis auf
den Parkplatz eines angrenzenden
Supermarktes.
Die beiden Anlagen wurden im April
2008 an der Universität Sheffield errichtet, zu Demonstrations-, Lehrund Forschungszwecken.
Die Universitätsleitung ist wütend,
denn die Anlagen sind weder eine
Zierde für die Universität noch zu den
geplanten Ausbildungszwecken geeignet.

Diese 6 KW Kleinanlage fiel am 20.11.09
komplett um und krachte auf den Schulhof der angrenzenden Grundschule im
schottischen Dorf Raasay.
Es wurden niemand verletzt, aber der
Vorfall hat das ganze Dorf erschreckt und
hat bedauerliche Konsequenzen. Die
Kleinanlage wurde von engagierten Eltern und Freunden der Schule im Eigenbau nur einen Monat zuvor errichtet, ein
echtes Herzblut-Projekt mit Lehrcharakter für die Kinder.
Kosten : 32.000 £.
In vielen anderen Schulen in Schottland
wurde schon darüber nachgedacht,
ebenfalls solche Anlagen zu errichten,
und das ist ein wundervoller Ansatz.
Das hat sich jetzt erledigt, wegen mangelhafter Produkt-Qualität.

Riesenwelle auf der FINO I
Am 1. November 2006 hatte FINO I den
ersten Sturm überstanden - ein Orkan
beschädigte den unteren Laufsteg in 16
m Höhe und zerriss die Stromkabel.
Die Wellen müssen 16 m Höhe und mehr
erreicht haben, eine Monsterwelle oder
ein Kaventsmann, wie die Riesenwellen
bei deutschen Seeleuten heissen.
Genau dafür wurden die FINO Plattformen gebaut. Auf der FINO I und III
laufen intensive Forschungsarbeiten zur
Auffindung und zur Entwicklung eines
Frühwarnsystems für Monsterwellen.
Leider waren im November 2006 auf der
FINO I noch nicht alle Messsyteme einsatzbereit, und so warten die Forscher
gespannt auf die nächste Riesenwelle.
Seite 28 — Ausgabe 6/2009 — WIND KRAFT JOURNAL

14-15,bargel schäden

16.10.2008

16:28 Uhr

Seite 14

Großschaden- und Havariemanagement
Tipps aus der Praxis für Betriebsführer und Betreiber

Großschäden und Havarien an
Windenergieanlagen treten
verglichen mit der hohen Zahl der
Betriebsstunden jeder Anlage zum
Glück nur selten auf.
Trotzdem dürfte ein solches Ereignis die meisten Betriebsführer und
Betreiber relativ unvorbereitet
treffen.
Grund genug, ein paar Erfahrungen zu diesem Thema zu notieren.
Ein Großschaden oder eine Havarie
im Sinne dieses Beitrags liegt dann
vor, wenn Komponenten oder ganze
WEA wesentlich zerstört werden und
dadurch Teile der Anlage oder Betriebsstoffe in der Umgebung der
WEA niedergehen.
Beispiele:
• Leckage an der Hydraulik mit erheblichem Ölaustritt nach außen in
die Umgebung
• Getriebeschaden mit erheblichem
Ölaustritt nach außen in die Umgebung
• Brand einer Windenergieanlage
• Absturz von Komponenten (Rotorblatt, ganzer Rotor, Generator, Maschinenhaus etc.)
• Havarie des Rotors durch Kollision
mit dem Turm
• Havarie der gesamten Anlage durch
Umstürzen
Beim Eintreten eines Großschadenereignisses sind zu allererst und parallel
drei Dinge zu tun:
1. Sicherung der Unfallstelle zur
Abwendung unmittelbarer Gefahren für die öffentliche Sicherheit.
Je nach Schaden sind mehr oder minder umfangreiche Absperrungen erforderlich. Hierbei kann die örtliche
Freiwillige Feuerwehr in der Regel
die schnellste und beste Unterstützung liefern. Es bei muss bei Havarien zudem sichergestellt werden, dass
die betroffene Windenergieanlage

schnellstmöglich spannungsfrei geschaltet wird. Im Zweifelsfall muss
der gesamte Park an der Übergabestation bzw. am Umspannwerk abgeschaltet werden. Hierfür ist es sinnvoll, ein entsprechendes Szenario vorab einmal mit den zuständigen Stellen
des betroffenen Energieversorgungsunternehmens zu besprechen.
2. Je nach Schaden muss umgehend eine Information an Polizei
und Feuerwehr erfolgen.
Die Information an die Polizei soll die
Kollegen in Kenntnis setzen, dass der
Schaden erkannt ist und entsprechende Maßnahmen seitens der Eigentümer der WEA ergriffen werden. So
können Anrufe aus der Bevölkerung,
die diesen Schaden melden wollen,
bei der Polizei gleich entsprechend
beantwortet werden. Bei Unfällen mit
Personenschaden oder bei tödlichen
Unfällen wird die Schutzpolizei die
Kollegen von der Kriminalpolizei einschalten und diese ggfs. die Staatsanwaltschaft.
Die örtliche Freiwillige Feuerwehr ist
in den ersten Stunden nach einer Havarie der wichtigste Partner zur Sicherung der Unfallstelle, ggfs zur
Bekämpfung von Ölschäden und für
technische Hilfeleistungen aller Art.
Ideal ist es, wenn die Feuerwehr
schon vorher in die Örtlichkeiten eingewiesen worden ist, über Lagepläne
und Schlüssel verfügt und sie bereits
vorher darüber informiert wurde, dass
z.B. Löschversuche bei einer brennenden WEA zwecklos sind und von
vornherein nur Menschen und Tiere
aus dem Gefahrenbereich gebracht
sowie der Bereich um die brennende
WEA abgesperrt werden soll. Hierbei
ist die Windrichtung zu beachten,
brennendes GfK fliegt durch den
Wind relativ weit und kann ggfs zu
weiteren Bränden auf umliegenden
trockenen
landwirtschaftlichen
Flächen führen.

Seite 14 — Ausgabe 5/2008 — WIND KRAFT JOURNAL

3. Umgehend müssen auch
Geschäftsführung und Versicherung informiert werden.
Abhängig vom Schaden und der örtlichen Situation ist es sinnvoll, wenn
sofort Sachverständige zur Unfallstelle entsandt werden um den Schaden
zu begutachten und zu dokumentieren, damit ohne Verzögerung mit den
Aufräumarbeiten begonnen werden
kann. Schnelles Aufräumen kann angezeigt sein, um schnellstmöglich
ausgetretenes Öl aufnehmen und so
die Verseuchung von Gewässern und
Boden zu minimieren.
Es ist daher sinnvoll, mit der Geschäftsführung und der Versicherung
zu besprechen, wer im Notfall außerhalb üblicher Bürozeiten erreichbar
ist und informiert werden soll.
Ist die Unfallstelle gesichert und alle
wichtigen Stellen informiert, sollte
umgehend mit der Bergung havarierter Anlagen bzw. Komponenten und
Bekämpfung von Ölschäden begonnen werden. Dabei ist mit den Sachverständigen der Versicherung und
ggfs mit Mitarbeitern der Herstellerund/oder Servicefirma festzulegen,
welche Komponenten zur späteren
Ursachenanalyse und Beweissicherung sichergestellt werden müssen
und welche Teile entsorgt werden
können. Für die Bergung sollte auch
der Einsatz lokal ansässiger unabhängiger Servicefirmen in Erwägung gezogen werden, die oft schneller und
flexibler notwendiges Personal und
Bergungsgerät an die Unfallstelle
bringen können. Die betroffenen
Grundstückseigentümer müssen informiert werden, dass auf ihren
Flächen u.U abweichend von der bestehenden Zuwegung mit schwerem
Bergungsgerät gefahren werden
muss. Umgestürzte Windenergieanlagen liegen nur selten genau neben der
Kranstellfläche. Aus diesem Grund ist
der Einsatz von Kettenbaggern und

14-15,bargel schäden

16.10.2008

16:28 Uhr

Schleppern mit Muldenkippern in Ergänzung zu Kran und LKW erforderlich. Letztere können abseits der Zuwegung nicht eingesetzt werden.
Bei größeren Schäden wird die Bergung mehrere Tage in Anspruch nehmen. Dann sollte geprüft werden, ob
die Unfallstelle nachts zu bewachen
ist. Es wird sich nicht vermeiden lassen, dass ein größerer Unfall in Presse
Funk und Fernsehen gemeldet wird,
was natürlich Schaulustige anlockt.
Besonders Neugierige werden in den
Trümmern herumklettern wollen und
es werden Leute auf der Suche nach
günstigem Altmetall und Kupfer erscheinen. Auch bei einer notwendigen
Bewachung kann die örtliche Feuerwehr gute Dienste leisten, allerdings
sollte man vorher die Kostenfrage
klären.
Die örtlichen Umweltbehörden sind
über einen eventuellen Ölschaden zu
informieren. Mit ihnen ist abzustimmen, in welchem Umfang Sanierungsmaßnahmen z.B. durch Abtragung der verseuchten Bodenoberfläche, durchgeführt werden müssen.
Die Ölschadensanierung sollte von einem anerkannten Umwelt-Analytiklabor begleitet werden, welches nach
Ende der Sanierungsmaßnahmen den
Sanierungserfolg dokumentiert und
die Unbedenklichkeit der weiteren
Nutzung der betroffenen landwirtschaftlichen Flächen bescheinigt. Entsprechende Bescheinigungen sind den
Umweltbehörden aber auch den betroffenen Grundstückseigentümern
und Bewirtschaftern auszuhändigen.
Für die Ölschadensanierung müssen
Sicherheitsdatenblätter der eingesetzten Öle (und Fette) vorliegen sowie
Informationen über Füllmengen.
Gleiches gilt, wenn infolge eines
Brandes landwirtschaftliche Flächen
mit verbrannten GfK Resten, Asche
und aufgrund verbrannter Ölschläuche mit einem Ölnebel überzogen
sind. Hier ist ebenfalls gemeinsam mit
den betroffenen Behörden die Sanierung abzustimmen. Auch hier müssen
für die Schadenbewertung Sicherheitsdatenblätter der verwendeten
Öle, aber auch der in den Rotorblättern und der Maschinenhausverkleidung eingesetzten Materialien vorliegen um das Gefährdungspotential beurteilen zu können. Je nach Grad der
Kontaminierung können Gras und
Feldfrüchte der betroffenen Flächen
nicht verfüttert oder der sonstigen geplanten Verwertung zugeführt werden, sondern müssen je nach Bela-

Seite 15

stung, als Sondermüll entsorgt oder
zumindest kompostiert oder untergepflügt werden. Der dabei entstehende
Ernteschaden sollte von einem Sachverständigen der Landwirtschaftskammer ermittelt werden. Ernteschäden können zu einem Problem werden, wenn die betroffenen Landwirte
schnell Ersatz benötigen, um ihr Vieh
weiter füttern zu können. Hier ist von
allen Beteiligten viel Engagement und
Kreativität gefordert, da Versicherungsleistungen oft nicht schnell genug ausgezahlt werden können, da aus
Sicht der Versicherer erst geklärt werden muss, ob überhaupt ein regulierungspflichtiger Schaden vorliegt. Erschwerend hinzu kommt, dass Schäden an der Anlage selbst von der Maschinenbruchversicherung
abgewickelt werden, Umwelt- und Ernteschäden jedoch in den Zuständigkeitsbereich der Haftpflichtversicherung
fallen. Hier hat es in der Vergangenheit hin und wieder Abstimmungsschwierigkeiten hinsichtlich der Zuständigkeit und der Ursachenermittlung zwischen einzelnen Abteilungen
bzw. verschiedenen Versicherungsgesellschaften gegeben.

automatisch holen, sollten alle Datensätze auf Vollständigkeit geprüft
werden. Besteht der Verdacht auf besondere Wetterumstände als Schadenursache, sollten von entsprechenden
Wetterdiensten Informationen z.B.
über Windgeschwindigkeiten oder
Blitzereignisse zum vermutlichen
Schadenzeitpunkt an der Unfallstelle
beschafft werden.
Bei größeren Schäden / Unfällen ist es
sinnvoll, zumindest in den ersten
Stunden / Tagen an der Unfallstelle
von Seiten des Betreibers bzw. Betriebsführers mit mehreren Mitarbeitern Präsenz zu zeigen. Während Bergung und Ursachenanalyse koordiniert werden müssen, sollte gleichzeitig eine umfangreiche Fotodokumentation erstellt werden für die weitere
Abwicklung. Zusätzlich besteht oft
Bedarf an Aufklärung der Schaulustigen, welche überwiegend Menschen
aus der unmittelbaren Umgebung des
Windparks sein werden. Zudem sollte
man eine erste Stellungnahme für
Pressevertreter „im Kopf“ haben.

Auch bei kleineren Ölschäden, die im
Idealfall „nur“ den Turm außen bzw.
innen verschmutzt haben, sollte bei
der Reinigung darauf geachtet werden, dass der Ölfilm nicht mittels
Dampfstrahler als Ölnebel in die Umgebung gepustet wird. Hier gibt es
Fachfirmen, die spezielle Reinigungsmittel einsetzen. Diese Mittel lassen
sich durch Wischtechnik auftragen
und nach einer gewissen Einwirkzeit
wie eine Folie wieder abziehen, wobei
das Öl dann entsprechend gebunden
ist. So wird bei Reinigungsarbeiten
außen eine Vernebelung des Öls in
die Umgebung vermieden, innen im
Turm wird das Risiko, die Schaltschränke im Turmfuß zu durchfeuchten, minimiert. Mit diesen Reinigungsmitteln lassen sich auch Türme
und Maschinenhäuser von innen reinigen, die nach einem Schaltschrankbrand verrußt und mit Chlorid kontaminiert sind.

Auch wenn die Havarie einer Windenergieanlage zu den negativsten Ereignissen gehört, die einem Betreiber
passieren kann, so kann diese Technologie selbst hierbei ihren Vorteil gegenüber den herkömmlichen Kraftwerken, insbesondere den Kernkraftwerken ausspielen:
In einem Windpark wird meist nur eine Anlage zur Zeit betroffen sein, die
anderen Maschinen können oft nach
kurzer Zeit wieder Strom produzieren, das „Windkraftwerk“, kann mit
einer geringen Leistungseinschränkung weiter laufen. Und selbst das
Trümmerfeld einer umgestürzten oder
abgebrannten Windenergieanlage ist
nach wenigen Tagen beräumt und mit
überschaubarem Aufwand kann in der
unmittelbaren Umgebung nach kurzer
Zeit weiter geackert werden.
Der SuperGAU einer Windenergieanlage ist am Ende nur ein kleines Problem verglichen mit dem SuperGAU
eines Kernkraftwerkes.

Parallel zur Bergung und Schadenbeseitigung muss eine Sicherung aller
Betriebsdaten vor bzw. zum Unfallzeitpunkt erfolgen. Bei größeren
Schäden ist der Steuerungsrechner der
Havarieanlage nicht mehr oder nicht
sofort auslesbar. Dann kommt der Sicherung von Daten der Nachbaranlagen größere Bedeutung zu. Bei Datenbanken, die Betriebsdaten der WEA

Dipl. Ing. Angelo Bargel
GEWI Planungs- und
Vertriebs GmbH & Co. KG
Osterhusumer Straße 56
D-25813 Husum, Germany
Phone: +49 - 4841 - 770 960
Fax: +49 - 4841 - 770 96 20
mail: info@gewi-husum.de

WIND KRAFT JOURNAL — Ausgabe 5/2008 — Seite 15

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