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MusteraufsatzmitGliederung

Themenstellung

ErschließenSiedieErzählung„Heimkehr“vonFranzKafka.ErörternSieabschließenddasangeführteZitat

desPhilosophenKierkegaardimKontextderGesamtdeutung!

„Wobinich?Washeißtdenndas:dieWelt?WasbedeutetdiesWort?Werhatmichindas

Ganzehineinbetrogen,undlässtmichnundastehen?“

[Kierkegaard,„DieWiederholung“,zit.BeiBertNagel,KafkaunddieWeltliteratur.

München1983,S.291]

Gliederung

A.BedeutungKafkas

B.ErschließungderParabel„HeimkehrvonFranzKafka

I.AnalysederParabel„Heimkehr“

1.Inhaltsangabe

2.TextkompositionalsgedanklicheBewegungdesAnkommenden

3.ZeitdehnendesErzählen

4.subjektiveErzählperspektive

5.StrukturierungdurchdifferenzierteOrtsangaben

6.sprachlich­stilistischeGestaltung

a)einfacherSatzbau

b)ParallelismenzurBetonung

c)WiederholungenalsAkzentuierungwesentlicherAussagen

d)InterrogativsätzeunddeskriptivePassagenalsVorausdeutungen

e)PronominaalsMerkmaldesinnerenMonologsundderSelbstbesinnung

f)AdjektivealsSpiegelungdesGemützustandes

g)statischeVerbenalsAusdruckdesInnehaltens

II.VerfremdeteHeimkehr

1.FeindlichkeitdeselterlichenAnwesens

2.gebrochenesVerhältniszumVater

3.SinnlosigkeiteinerRückkehr

4.EntscheidungfüreineneigenenLebensweg

5.UmkehrungdesbiblischenGleichnisses

a)VerfremdungderWirklichkeit

b)verschlosseneWelt

III.KafkaundKierkegaard–SinndereigenenExistenz

C.AutobiographischeBezüge–ParabelalsliterarischesMittel

I.KafkaalsAußenseiter

II.ParabelalsMittelzurDarstellungeinerentfremdetenWelt

Musteraufsatz

 

A.Einleitungsgedanke

Genausogutsinderste

FranzKafkagehörtzudenbedeutendstenSchriftstellerndes20.Jahrhunderts.ÜberkaumeinenanderenAutor

AssoziationenzumTitel

wurdesovielgeschriebenundgerätseltwieüberKafka.InseinenProsawerkengibtermeisteinemangst­und

denkbar.Nichtimmersind

schuldgequälten,inauswegloserLageverfangenemDaseinsgefühleineBildgestalt.

literaturgeschichtlicheoder

biografischeKenntnisse

parat.

 

B.Erschließungder

Parabel„Heimkehrvon

FranzKafka

InKafkasParabel„Heimkehr“beschreibtderIch­ErzählerseineGefühle,alsernachlangenJahrenvordem

 

elterlichenAnwesensteht.DieGegenständeundGebäudesindihmnochteilweisevertraut.Alsersich

gedanklichinsInneredesväterlichenHofesbewegt,spürterdasDesinteresseseinesVatersanseinerRückkehr

undbeschließt,denHofnichtzubetreten.

AlsderSohnzumväterlichenAnwesenzurückkehrtbetrachteterzunächstdieoffenkundigeVerwahrlosungdes

Hofes,diedurcheinefeindlichblickendeKatzenochverstärktwird.NureinaneinerStangeflatterndesTuchruft

I.AnalysedesTextes

inihmJugenderinnerungenwach.InGedankenbegibtersichindasInneredesHauses,indieKüche,spürt

1.Inhaltsangabe

jedoch,dassniemandeinVerlangennachseinemBesuchhatunderinnertsichandieKälte,mitdemihnsein

VaterinderKindheitbegegnete.

DiesesGefühlerwecktinihmSelbstzweifelüberdenSinnseinerRückkehr.

Ererkenntschließlich,dasserauchnichtbereitist,dasGeheimnisseinerEntwicklungpreiszugebenund

beschließt,dasväterlicheHausnichtzubetreten.

 

2.Textkompositionals

DieKompositiondesTextesentsprichteinerGedankenbewegungdesAnkommenden,derzu­nächstden

gedankliche

verwahrlostenelterlichenHofbetrachtet,sichdanngedanklichindasInnerebewegtundsichschließlich

entschließt,nichtheimzukehren.

Bewegungdes

Ankommenden

 

3.Zeitdehnendes

EshandeltsichdamitumeindeutlichZeitdehnendesErzählen,denndereigentlicheGedankengangdürftekürzer

Erzählen

sein,alsdieZeit,diederLeserbenötigt,dieseParabelvorzutragen.

DerBlickwinkeldesIch­Erzählersistdabeivollkommensubjektiv.WirerfahrenalleBeschreibungenund

4.subjektive

EmpfindungennurausseinerPerspektive.

Erzählperspektive

 

5.Strukturierung

OrdnendwirkendabeinurdiegenanntenOrteunddiemarkanthervortretendenrhetorischenFragen.

durchdifferenzierte

Ortsangaben

 

6.sprachlich­

stilistischeGestaltung

 

a)einfacher

Satzbau

AuffälligistdieEinfachheitdesSatzbausundderWortwahl.DieSätzesindgrößtenteilseinfachgebaut, Satzreihenherrschenvor.EsliegenvieleParataxenundParallelismenvor:„Ichbinzurückgekehrt,ichhabeden

b)Parallelismen

Flurdurchschritten“(Z.1);„Werwirdmichempfangen?WerwartethinterderTürderKüche?“(Z.7).Gekoppelt

zurBetonung

miteinerVerdopplungderAussagedeutetdiesdaraufhin,dassderIch­Erzählerdamitversucht,Sicherheitin dieserfürihnfremdenUmgebungzufinden.DieswirdinsbesondereinderDoppelungderAussage„Ichbin

zurückgekehrt.“(Z.1)und„Ichbinangekommen.“(Z.6)deutlich.

c)

Wiederholungen

alsAkzentuierung

wesentlicher

Aussagen

 

d)Interrogativsätze

unddeskriptive

DenInterrogativsätzen,dieaufdasbevorstehende,erwarteteGeschehenhinweisen,aufdiedannabernichtdie

erlösendeAntwortwiezumBeispiel„Eltern,Mutter,Vater“folgt,sondernwiederumBeobachtungen,die

ihrerseitseigentlichdennächstenSchritt–eineHandlung–nachsichziehenmüssten,folgenzunächst

Passagenals

Vorausdeutungen

Beobachtungenwie„RauchkommtausdemSchornstein,derKaffeezumAbendessenwirdgekocht“,beides

Zeichen,dienormalerweiseeinsofortigesEintretenvermutenließen,dasabernichterfolgt.Auchdiehäufige

VerwendungderPersonalpronomina„ich“und„du“beiminnerenMonologsowiedesPossessivpronomens

e)Pronominaals

„mein“,dashieraberwenigerBesitzalsvielmehreinenVersuchderBestimmungderZugehörigkeitdarstellt,die

Merkmaldes

sichvorallemüberdenVatervollzieht(„meinesVatersHaus“),drückeneinSuchennachZugehörigkeitaus.Die

innerenMonologs

und

Unsicherheitbleibtjedoch,wasebensoderKonjunktivzumAusdruckbringt.

Selbstbesinnung

DieZweifelkommenauchdurchdieBeschreibungderUmgebungzumAusdruck.Bildhaftspiegelnsichdarin

 

dieGefühledesIch­Erzählerswieder.SowerdenhierAdjektiveundAdverbienverwendet,dieHausundHof

beschreibensollen,dabeiaberimmerwiederdenGemütszustanddesIch­Erzählerswiedergeben(„unbrauchbar“,

„unsicher“,„fremd“–„MeinesVatersHausistes,aberkaltstehtStücknebenStück“),geschweigedennihnzu

dieserDeutungdes„Unwillkommen­Seins“veranlassen,wenneszuBe­ginnbereitsheißt:„DiePfützeinder

f)Adjektiveals

Mitte.Altes,unbrauchbaresGerät,ineinanderverfahren,verstelltdenWegzurBodentreppe.DieKatzelauertauf

Spiegelungdes

demGeländer.EinzerrissenesTuch,einmalimSpielumeineStangegewunden,hebtsichimWind.“Aufdas

Gemützustandes

SehennachderAnkunft(„ichblickemichum“)folgtdieFragenachdemSich­Fühlenunddasichhierkeine

Gewissheiteinstellenwill,folgtdas(InsichHinein)HörenalsdritterlogischerSchritt,wodurchdie

Wahrnehmungenund–unbewussten–DeutungenautomatischzumBildbereichführen.DieseWahrnehmungen

beeinflussendenProtagonisteninseinemHandeln.

AmEndebleibtderIch­Erzählerstehen.Erverhältsichpassiv.Warerderjenige,derzuBeginnnochselbstaktiv

g)statischeVerben

war,kommtamEndedurchdiestatischenVerben„stehen“und„sitzen“PassivitätderBeteiligtensitzen,werden

alsAusdruckdes

aktiv.

Innehaltens

DerHeimkehrerkehrtnurzögerndnachHausezurück.DasheimatlicheAnwesenwirktnichtfreundlich.Der

 

einstvertrauteHofistverwahrlostundungepflegt,eine„PfützeinderMitte“.AuchistihmderWegdurch

sinnloseGegenständeverstellt.HervorzuhebenistdasPartizip„verfahren“,welchesaufseinVerhältniszum

II.Verfremdete Heimkehr

elterlichenHofschließenlässt.DieseVerfahrenheitsteigertdasVerb„verstellt“.IndenJahrenseiner

Abwesenheithatsichvielaufgetürmt,wasihmdieRückkehrverstellt.DaseinzigeLebewesen,dieKatzeauf

1.Feindlichkeitdes

demGeländer,wirktfeindlichundbedrohend.DasVerb„lauern“deuteteineversteckteGefahran,dieihmvom

elterlichenAnwesens

elterlichenHausedroht.ErfindeteinErinnerungsstückausseinerKindheit,das„zerrisseneTuch“.Dasals

AdjektivverwendetePartizipdeutetseineErkenntnisamEndederParabelvoraus,nämlichdasentfremdete

 

VerhältniszuseinemVater.Erspürt,dassalleBindungenandieKindheit,seinElternhauszerrissensind.

SeineGedankendringenindasInneredesHauses,dieKüchealsLebensraum.DasBildderGemütlichkeit,der

 

abendlicheKaffeewirddurchdieKältegebrochen,diedieGebäudeausstrahlen(„kaltstehtStücknebenStück“).

2.gebrochenes

DieseKältesymbolisiertgleichzeitigseinVerhältniszumVaterunderempfindet,dassernichtwillkommenist.

WieinseinerKindheitistjedernurmitsichselbstbeschäftigtundzeigtkeinInteresseandemanderen„jedes(ist)

VerhältniszumVater

mitseineneigenenAngelegenheitenbeschäftigt“.

EsstelltsichbeiihmdieErkenntnisderSinnlosigkeitundNutzlosigkeitseinerHeimkehreinunddies,wieaus

3.Sinnlosigkeiteiner

derAppositiondeutlichwird,obgleicherderSohndesHausesist:„Waskannichihnennützen–desLandwirts

Sohn“.

Rückkehr

Zunehmenddistanziertersich.DieBedeutungdiesesinnerenAbstandsverdeutlichtdieRepetitiovon„nurvon

 

derFerne“unddasPartizip„stehend“.Esbedeutet,dassesnureinesSchritteszurUmkehrbedarf:„Nurvonder

Fernehorcheich,nurvonderFernehorcheichstehend…“

AlsletzteErinnerunganseineKindheitnimmtervölligBelangloses,etwasTechnischeswahr,„einenleichten

Uhrenschlag“.

Ihmwirdklar,dassernichtfröhlichinsHaustretenkann,erdieTürnichtöffnenwird.Sowenigihnjetztnoch

4.Entscheidungfür

dasAnliegenoderdievergangeneKälteseinesVatersinteressiert,sowenigmöchteeretwasvonsich

eineneigenen

preisgeben:„Wäreichdannnichtselbstwieeiner,derseinGeheimniswahrenwill?“

Lebensweg

ImGegensatzzumbiblischenGleichnisdesverlorenenSohneszerstörtKafkadieHeimkehridylle.Dagabes

 

keineliebevolleKindheit,dagibteskeinenVater,dersichüberdieRückkehrfreutunddemSohneinFest

5.Umkehrungdes

ausrichtet.DerHeimkehrererkennt,dasser,nachdemereinmaldaselterlicheHausverlassenhat,seinenWeg

biblischen

alleinegehenmussundjedeRückkehrundjederVersuch,diehäuslichenProblemeaufzuarbeitenoderbeiseinem

VaterVerständnisfürseinenWegzufinden,vergeblichsind.Soentschließtersich,seinenWeg,auchohneVater,

Gleichnisses

weiterzugehen,seinGeheimnis,seineEntwicklungfürsichzubehal­ten.

WasgibtunsdieseEpisodedemnachzuverstehen?AusgehendvomAlltagundimRahmendesWirklichenzeigt

 

sichdieErzählungvonderAbsichtbestimmt,diealltäglicheWirklichkeitzuverfremden,wobeidieBetrachtung

derSpracheergibt,dassdieWortwahldasGewöhnlichebetrifft.EsistkeinungewöhnlichesWortda.Dass

a)Verfremdung

trotzdemderEindruckdesUngewöhnlichenundHintergründigenerwecktwird,liegtanderArtder

KombinationdereinfachenWörterundSätze.FürdenLeserbleibendieseSätzezumTeilverschlossenbzw.

derWirklichkeit

rationalnichtnachvollziehbarundwerfendamitneueFragenauf:Warumwirdmanfremder,jelängermanvor

derTürzögert?WarumwirdmanzumGeheimnisträger?

DieWelt,indieKafkaunseinführt,istunsunverständlichundscheintdesSinneszuentbehren.Inihrherrschen

 

Gesetze,diewirnichtkennen.OrtundZeitsindinihrergewohntenZuordnungdurchbrochen.Ausgegebenen,

b)verschlossene

bekanntenVoraussetzungenfolgtnichtdieerwarteteSchlussfolgerung.IndieserWeltkannmansichnicht

behaupten.EsgibtkeinenOrt,dervertrautbzw.vertrauenswürdigwäre(nichteinmaldasHausdesVaters),

Welt

keineUnwelt,diesichfreundlichundhilfreichzeigte.

InderParabelisteinAnklanganKierkegaardunüberhörbar.EsistdieFragenachdemSinndereigenen

 

Existenz,diedenPhilosophenebensowiedenDichterbewegt.FürbeidewardieeigenemenschlicheExistenz

dereinzigeGegenstandihresSchreibens.DiequalvolleSelbstumkreisungführtezuZweifelundzur

Verzweiflung.„Wobinich?Washeißtdenndas:dieWelt?WasbedeutetdiesWort?WerhatmichindasGanze

hineinbetrogen,undlässtmichnundastehen?“DieseSelbstzweifelfindensichauchinderParabelwieder:„Ist

III.Kafkaund

dirheimlich,fühlstdudichzuHause?“.Kaumangekommen,wirddieAnkunftbereitshinterfragt.„Ichweißes

Kierkegaard–Sinnder

nicht,ichbinsehrunsicher.“HierzeigtsichdieUnsicherheitinBezugaufdieeigeneExistenz.DerIch­Erzähler

eigenenExistenz

hinterfragtundzweifeltanseinerIdentität,weshalbauchdieversuchteZuordnungzumelterlichenHaus

misslingt.„Waskannichihnennützen,wasbinichihnenundseiichauchdesVaters,desaltenLandwirtsSohn.“

HierzeigensichamdeutlichstendieSelbstzweifeldesIch­Erzählers,diesichschließlichauchaufseinHandeln

auswirken,indemeramEndepassivvorderTürderKüchestehenbleibt.

 

C.autobiographische

Bezüge

DieParabelweistautobiographischeZügeKafkasauf.IndereigenenFamiliegaltFranzKafkaalsintrovertiert undalsAußenseiter.Diesistinsbe­sondereaufdasVerhältniszwischenihmundseinemVaterzurückzuführen, derihminkeinerWeiseInteresseentgegenbrachte.FranzKafkaschriebinspäterenJahreneinenca.

hundertseitigenBriefandenVater(1919),denerallerdingsniemalsabgeschickthat.Darinschilderterausder¬

I.Kafkaals

Außenseiter

scheinbaren¬DistanzvondreißigJahrenseinKindheits­Trauma:denübermächtigenVater,deralleskategorisch

bestimmteundinjederFragevonvornhereinRechthatteunddenerdeshalbgrenzenlosbewunderte,derjedoch

seineKindernurmitabschätzigerIroniebehandelteundverächtlichallesabtat,wofürsichFranzbegeistern

mochte.DasResultatdiesesungleichenKampfesbestanddarin,dassderohnehinschüchterneJungenoch

wenigeraussichherausging,dasserverstocktwurdeundkaummehretwasredete.Auchinseinerpersönlichen

EntwicklungbliebKafkaentscheidendzurück.Vielleichthängtdamitzusammen,dasserzeitseinesLebensdas

AusseheneinesJugendlichenhatte.VerschärftwurdendieProblemezumeinendurchdenErstenWeltkrieg,der

ReisenunmöglichmachteunddadurchdiesozialenKontaktevonFranzKafkaaufPragbeschränkte,zum

II.ParabelalsMittel

anderendurchseineKrankheit,dieihnzumonatelangenKuraufenthalteninabgeschiedenenGegendenzwang.

zurDarstellung

DieseVereinsa­mungbzw.IsolierungzeigtsichauchinderErzählung„Heimkehr“wieder.Solässtsichdas

ErlebendesFremdseinsdesIch­ErzählersaufKafkabzw.umgekehrtvonKafkaaufdenIch­Erzähler

übertragen.

einerentfremdeten

Welt

AufdenerstenBlickbetrachteterscheintdieParabelKafkaseineErzählungausdemAlltag,ausdemgemeinen

Leben.Beschäftigtmansichnähermitihr,werfensichjedochFragenauf.Fragen,dierationalnichtbeantwortbar

scheinenundtypischfürKafkasind.KafkaverrätseltseineErzählung.DieDeutungbleibtschließlichvieldeutig

undzuletztdemLeservorbehalten.