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Region

Starke Schule will Reformen rückgängig machen

Jonas Hoskyn

Bildung Das Komitee Starke Schule will auch in Basel Fuss fassen und plant mehrere Initiativen gegen den neuen Lehrplan.

«Die ganze Bildungsreform ist ein einziges Desaster.» René Roca ist Geschichtslehrer am Gymnasium am Münsterplatz und bisher die Ein-Mann-Speerspitze der baselstädtischen Sektion des Komitee Starke Schule. Dieses politisiert künftig mit dem Anhang «beider Basel». Bisher hatte das Komitee im Baselbiet für Unruhe gesorgt. Ein Dutzend Initiativen lancierte die Gruppe um den Landrat Jürg Wiedemann in den letzten fünf Jahren. Dessen Engagement ging soweit, dass er sich im Baselbieter Regierungswahlkampf 2015 für die bürgerliche Kandidatin und jetzige Bildungsdirektorin Monica Gschwind (FDP) stark machte und dafür von den Grünen aus der Partei geschmissen wurde.

Hauptsächlich richten sich die Vorstösse des Komitee Starke Schule gegen die Bildungsreformen der letzten Jahre. Während im Baselbiet Schulharmonisierung und Lehrplan 21 längst als politische Reizwörter gelten, konnte der Basler Erziehungsdirektor Christoph Eymann (LDP) die Schulreformen bisher ohne grossen politischen Widerstand durchziehen.

Für traditionellen Unterricht Seinem Nachfolger Conradin Cramer dürfte dies nicht vergönnt sein. «Wir wollen uns in Basel positionieren, mehr Leute ins Boot holen und dann die ersten Initiativen starten», sagt Geschäftsführerin Saskia Olsson. Drei davon befinden sich schon in der Schublade. Die erste richtet sich gegen die Sammelfächer, welche im Rahmen des Lehrplan 21 eingeführt wurden. Die Fächer Geschichte und Geografie wurden durch «Räume, Zeiten, Gesellschaft» ersetzt; Biologie, Physik und Chemie durch «Natur und Technik». Eine entsprechende Initiative für die traditionellen Schulfächer wurde im Baselbiet im vergangenen Sommer klar angenommen.

Ebenfalls im Visier des Komitee ist das Fremdsprachen-Projekt Passepartout, welches in den Fächern Französisch und Englisch stärker auf Mehrsprachigkeit und Textverständnis als auf Vokabeln- und Grammatikbüffeln setzt. Als drittes fordert die Starke Schule beider Basel, dass in der Primarschule wieder nur eine Fremdsprache unterrichtet werden soll. In Basel beginnen die Schüler ab der dritten Klasse mit Französisch und ab der fünften mit Englisch.

Das Timing des Komitees ist kein Zufall. Nächste Woche übernimmt Conradin Cramer das Erziehungsdepartement von seinem Parteikollegen Christoph Eymann, welcher die letzten zwölf Jahre die regionale und nationale Bildungspolitik prägte. «Wir hoffen, dass mit Cramer ein Umdenken stattfinden wird», sagt Olsson. Auch Roca spricht von einem günstigen Zeitpunkt: «Ich hoffe auf eine neue Diskussionskultur.» Aktuell herrsche eine Angstkultur, kritische Lehrpersonen würden eingeschüchtert. Auch er musste vor ein paar Jahren mit seinem Rektor bei Eymann antraben, nachdem er in einem Leserbrief kritische Fragen aufgeworfen hatte.

Skepsis und wenig Sympathien «Wir pflegen in Basel-Stadt einen harten aber fairen Austausch mit den Berufsverbänden der Freiwilligen Schulsynode und der Kantonalen Schulkonferenz», kontert noch Bildungsdirektor Eymann. Er hält wenig von den Expansionsplänen des Komitee Starke Schule. «Nach den Reformen der letzten Jahre befinden wir uns momentan in einer Phase, in der sicher keine Politisierung der Schule durch zahlreiche Initiativen gefragt ist.» Die Lehrpersonen sollen jetzt in Ruhe arbeiten können.

Auch andere Kritiker der Bildungspolitik zweifeln am Erfolg des Komitee: «Ich bin zwar ein Skeptiker, aber keiner von der Sorte Wirrköpfe und Profilneurotiker», sagt der ehemalige Lehrer und frühere SP- Präsident Roland Stark. «Die unzähligen Initiativen stiften nur Unruhe in einer sowieso schon turbulenten Phase.» Auch FDP-Grossrat Stephan Mumenthaler sagt: «Gewisse Kritikpunkte sind sicher berechtigt, aber die Starke Schule springt meist schnell zu einer unproduktiven Polemik.» Die grössten Sympathien hat GLP-Präsidentin Katja Christ, die ihren neusten Vorstoss mit dem Komitee ausgearbeitet hat. Vor allem die Skepsis punkto Fremdsprachenunterricht teilt Christ. «Wenn es hier Synergien gibt, werden wir sie sicher nutzen.»