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Das Protein p53 und Brustkrebs

Stand / Letzte Aktualisierung durch Elisabeth Rieping 29.08.2008

Stichworte: Apoptose, BRCA, Resveratrol, Pflanzenheilkunde, Weintrauben, Roscovitine, Roscovitin, Brustkrebs als Viruskrankheit

p53 und Brustkrebs


Das Protein p53 ist bei Brustkrebs oft kaputt und dann kann die
Brustkrebszelle nicht mehr sterben. Die Apoptose, eine Form des
programmierten Zelltods, ist gestört.

Aber anders als in vielen gentechnischen Brustkrebsmodellen, in


denen die beiden p53- Allele, also die beiden Gene, für die
Herstellungsanleitung des Protein p53 durch Mutationen zerstört
werden, ist im natürlichen Krebs eine Doppelmutation der beiden Gene
für das Protein p53 selten. Es ist meistens nur durch epigenetische
Veränderungen ruhig gestellt und deshalb kann man es vielleicht
wieder reaktivieren, und zwar durch Progesteron-Vermeidung und
auch durch das Resveratrol, was somit eines der wichtigsten
Brustkrebsmedikamente sein sollte.

p53 - Das Protein p53, das bei Krebs schlecht funktioniert


Bei vielen Formen von Krebs funktioniert ein ganz ist ein ganz
bestimmtes Protein nicht, und zwar das Protein 53. Bei Brustkrebs ist
dies bei beiden Formen des Brustkrebs der Fall. Bei den erblichen
Formen des Brustkrebs reicht es nicht aus, dass zu dem einen
kaputten Gen BRCA1 oder BRCA2 noch das zweite Allel kaputt geht,
genausowenig wie bei transgenen Mäusen. Auch bei ihnen reicht die
Zerstörung beider BRCA-Allele nicht. Wenn man in einer Maus durch
kaputte Gene Brustkrebs hervorrufen will, braucht man außer

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defekten BRCA-Genen noch ein zweites Gen, das nicht mehr arbeitet:
das Protein p53.

In der Maus führt man bei p53 noch eine Mutation ein. Aber was
passiert im Menschen? Meistens ist das Gen p53 nicht mutiert,
sondern irgendwie stillgelegt. Das ist auch wahrscheinlicher. Denn um
das Gen auszuschalten, müssten zwei Mutationen an der gleichen
Stelle im Genom bekommen. Denn wir haben ja alle Gene zweimal.
Das ist extrem unwahrscheinlich. So wie zweimal sechs richtige im
Lotto. Kommt mal vor, Aber nicht so oft, dass jede achte Frau davon
Brustkrebs bekommen könnte. Stattdessen findet man beim
menschlichen Brustkrebs die Situation, dass das p53 da ist, aber
irgendwie nicht funktioniert.

Es ist meistens nur durch epigenetische Veränderungen ruhig gestellt


und deshalb kann man es vielleicht wieder reaktivieren, und zwar am
besten durch Progesteron-Vermeidung. Und dazu gibt es eine
interessante Information, die allerdings von einem anderen Krebs
stammt. Das Protein p53 wird in Krebszellen von Frauen, die einen
hohen Progesteronspiegel haben, nicht gebildet (Lindström AK 2007).
Eine Progesteron vermeidende Ernährung könnte also die Bildung von
p53, dem Protein das bei vielen Krebskranken nicht mehr funktioniert
oder zu wenig vorhanden ist, wieder in Gang bringen.

Weitere Möglichkeiten, p53 zu reaktivieren


Es besteht auch die Möglichkeit, das p53 gebildet wird, aber in seiner
Funktion durch die vielen Viren, die sich in Brustkrebszellen aufhalten,
gestört wird. In dieser Situation kann ein Nahrungsergänzungsmittel,
das Resveratrol, vielleicht helfen. Resveratrol wird von Weintrauben,
aber auch von Knöterichpflanzen gebildet.

s. auch Resveratrol und p53

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Roscovitine
Einen Stoff, den man im Auge hat, um p53 wieder zum Funktionieren
zu bringen, ist das Rosconvitine. Roscovitine kann in bestimmten
Brustkrebs-Zelllinien, die gerne in der Forschung benutzt werden, das
Protein 53 reaktivieren, nämlich in den MCF-7 Zellen.

Das scheint ein neuer Forschungsansatz zu sein. Interessant daran ist,


dass das p53 nur in den Krebszellen kaputt ist, das heißt, dass es sein
kann, das gesunde Zellen durch Roscovitine nicht betroffen sein
müssten. Das würde eine Spezifität und vielleicht auch eine
Nebenwirkungsarmut dieses Stoffes möglich erscheinen
lassen. Roscovitine ist eine Substanz, die das Molekül, das Protein 53,
verändert und zwar indem sie eine Aminosäure, ein Serin, das sich an
einer ganz bestimmten Stelle dieses Proteins befindet, phosphoriliert.

Roscovitine und Viren


Untersucht ist die Wirkung von Roscovitine auf das Zytomegalievirus.
Es konnte gezeigt werden, dass durch Roscovitine die Vermehrung
des Zytomegalovirus gestoppt werden kann (Bresnahan WA 1997).
Das Cytomegalovirus ist ein Herpes-Virus, und dass es etwas mit
Brustkrebs zu tun hat, denkt man eigentlich nicht. Aber ein anderes
Herpes Virus, das Epstein-Barr-Virus spielt bei der
Brustkrebsbehandlung eine wichtige Rolle. Es verhindert nämlich die
Tötung von Zellen durch Taxane, die im Moment für die wirksamsten
Medikamente gegen Brustkrebs gehalten werden und sehr häufig
eingesetzt werden. Und siehe da, Roscovitine scheint auch die
Vermehrung des Epstein-Barr-Virus zu stören (Kudoh A 2004). Aber ob
das etwas bringt? Immerhin teilen sich die infizierten Zellen nicht
mehr.

Roscovitine als Medikament


Die Autoren testeten Roscovitine gegen Herpes Keratinitis, eine

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virusbedingte Augenentzündung, und kommen zu dem Ergebnis, dass
die Wirkung zum heutigen Preis von Roscovitine nicht groß genug ist,
um die Anwendung zu rechtfertigen (Avunduk AM 2003).

Aber Roscovitine hat einen Vorteil im Kampf gegen virusbedingte


Krankheiten. Es richtet sich nicht gegen ein Virusenzym, sondern
gegen Zellenzyme, die für Viren wichtig sind. Und während das
genetische Material für Virusenzyme sich schnell verändert, also
mutiert, so dass die Medikamente unwirksam werden, ist das mit
zellulären Enzymen anders. Für sie gibt es ja immer zwei Kopien. Da
müsste das Erbmaterial zweimal an derselben Stelle mutieren. Das ist
sehr unwahrscheinlich. Deshalb ist eine Resistenzentwicklung bei
Medikamenten gegen zelluläre Proteine sehr viel unwahrscheinlicher.
Und die schnelle Resistenzentwicklung ist zum Beispiel bei
Medikamenten gegen Aids das große Problem.

s. auch: http://en.wikipedia.org/wiki/Seliciclib

Text im Archiv der Library of Congress: http://web.archive.org/web/*http://www.erieping.de/p53_brustkrebs.htm und


http://web.archive.org/web/*http://www.erieping.de/p53.htm

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