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Dr. Hermann Hartfeld: Freikirchliche Märtyrer in der ehemaligen Sowjetunionʹ Vortrag am 13.02.2008 um 19.

30 Uhr in
EFG Hameln

Einführung in das Thema


1982 starb der russische Jurist und Schriftsteller Warlam Schalamow in einer Moskauer Nervenklinik.
Schalamow verbrachte aus politischen Gründen ab 1929 drei Jahre und zwischen 1937 und 1954
siebzehn Jahre im sowjetischen GULAG und in der Verbannung. In dem essayistis-
chen Schlusstext des Bandes, ͣWas ich im Lager gesehen und erkannt habe͞,
schreibt Schalamow über die außerordentliche Fragilität der menschlichen Kultur
und Zivilisation mit Blick auf seine Erfahrungen im sowjetischen GULAG: ͣDer
Mensch wurde innerhalb von drei Wochen zur Bestie ʹ unter Schwerarbeit, Kälte,
Hunger und Schlägen.͞ Er, der Sohn eines Geistlichen, hebt in demselben Text her- Abbildung 1 War-
vor: ͣIch habe gesehen, dass die einzige Gruppe von Menschen, die sich auch nur lam Schalamow
ein wenig menschlich benahm trotz Hunger und
Verhöhnung ʹ die Religiösen sind.͞1

Aleksander Solschenizyn hat für seinen Lagerroman ͣEin Tag im Le-


ben des Iwan Denissowitsch͞ 1970 den Literaturnobelpreis erhalten.2
Dieser Roman wurde 1962 unter der Protektion Chruschtschows in
der Zeitschrift ͣNowy Mir͞ veröffentlicht und sorgte für großes Aufse-
hen.3 Ich kann mich gut daran erinnern, dass ich 1963 sein Buch in der
Straflagerbibliothek mit der Nr. 154/57 erhielt und in wenigen Stun-
den ͣverschlungen͞ hatte. Denn in diesem Buch beschrieb der Autor so realistisch auch unsere Situa-
tion im Straflager 154/57, dass wir als Sträflinge uns mit den Erfahrungen des Romanhelden total
identifizieren konnten. Nach der Ära von Chruschtschow war das Buch
Abbildung 2. Das Buch
͞Ein Tag im Leben..͟
nicht mehr in der Lagerbibliothek erhältlich.4

1970 wurde Solschenizyn aus dem sowjetischen Schriftstellerverband ausgeschlossen und erhielt
dennoch den Nobelpreis für Literatur.5 Der Schwerpunkt der Erzählung liegt auf der
Interaktion zwischen den einzelnen Häftlingen ʹ Mundfaulen, Ehrlichen, Verlogenen,
Drückebergern und aufrechten Arbeitern ʹ sowie auf der Schnittstelle zwischen den
Häftlingen und den Wachen, beide zusammengezwängt in ein unmenschliches System.
Interessant ist jedoch auch Solschenizyns Ausführung, dass gerade ein Baptist, ein
Freikirchler, das menschliche Benehmen in den Straflagern trotz aller Schikanen gelebt
und demonstriert haben soll.6

1
Ulrich Schacht: ͣMenschliche Schlacke. Der russische Schriftsteller Warlam Schalamow erzählt von den Erniedrigungen in
den Lagern Stalins.͞ In: Focus. Nr. 1/31. Dezember 2007, S. 52f.
2
Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Ein_Tag_im_Leben_des_Iwan_DenissowitschStand: 31.02.08.

3
Vgl. http://www.mittelschulvorbereitung.ch/content/msvDE/T83IwanDenissowitsch.pdf. Stand: 12.02.2008.
4
Vgl. http://www.referate10.com/referate/Biographien/2/Ein-Tag-im-Leben-des-Iwan-Denissowitsch-reon.php.

5
Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Issajewitsch_SolschenizynStand: 31.02.08.
6
Vgl. Solschenizyn, Alexander: Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch, übersetzt von Wilhelm Löser, Theodor Friedrich,
Ingeborg Hanelt, Eva-Maria Kunde: Übs. München: DTV, 1974.

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2


Dr. Hermann Hartfeld: Freikirchliche Märtyrer in der ehemaligen Sowjetunionʹ Vortrag am 13.02.2008 um 19.30 Uhr in
EFG Hameln

ͣDer bolschewistische Oktoberputsch von 1917 hat die Bürger Russlands zum Spielball einer
schenverachtenden Doktrin gemacht, der es darum ging, unter dem Deckmantel eines alle
beglückenden Kommunismus die Menschen zu austauschbaren, ihrer Individualität beraubten Räd-
chen der Parteimaschinerie zu machen. Dazu gehörte auch die Verbannung des Glaubensʹ der Reli-
Abbildung 4: " eli-
$ giosität. Einen Gottesglauben konnten die bolschewistischen Chefideologen nicht
gion ist Opium für das dulden, da er die schärfste Konkurrenz und die größte Gefahr für die Kommunis-
!ol "!
ten bildete. !or diesem Hintergrund sind allein unter der Schrec ensherrschaft 

Stalins weit über 20 Millionen Bürger des Landes ermordet worden oder in den berüchtigten Lager-
onen umge ommen (meine Hervorhebung . Stalin übernahm nach der Okto-



berrevolution Ämter in der Parteiführung und verstand es, sich immer


behrlicher zu machen, z.B. war er seit 1922 ͣGeneralsekretär͞ der 1918
gegründeten ͣKommunistischen Partei͞. Lenin versuchte zwar, Stalin zu ent-
machten, aber Lenins Tod (21. Januar 1924 ließ es nicht mehr dazu kommen͞.11

Bekanntlich galt den Chefideologen des Kommunismus, angefangen mit Lenin, Religion als ͣOpium
für das Volk͞. Das gelenkte ͣAbsterben der Religion͞ sollte eigentlich ein Nebeneffekt des wachsen-
den Wohlstandes der kommunistischen Gesellschaft, sollte in der
Abbildung 5. Baptisten ongress im
!
Theorie mit dem Aufbau der kommunistischen Gesellschaft Hand in
Jahre 1917
Hand gehen. Unter Stalin hingegen wurde die Vernichtung der Reli-
gion zum Selbstzweck, bestenfalls wurde seine Religionspolitik zu einem Instrumentarium seiner
Machtpolitik. Zwischen der sog. Oktoberrevolution und Lenins Tod
Anfan fang 1924 hat zwar die Russische
Ortho Abbildung 6 ussisch-Orthodoxe thodoxe Kirche, die Volkskirche,
"

# irche
die die Bolschewiki als einzigen
chen Gegner fürchteten, mindestens
zehntausend Märtyrer (Bischöfe, Priester,
Mönche, Nonnen, Gemeindeglieder hervorgebracht, die meist auf bestia-
lische Weise umgebracht worden sind.

11
Gerd Stricker: ͣDer Stählerne und sein Schreckensregime͞. In:Evangelische Nachrichtenagentur idea. Freitag 7. März
2003, 13:30 PST.

3
Dr. Hermann Hartfeld: Freikirchliche Märtyrer in der ehemaligen Sowjetunionʹ Vortrag am 13.02.2008 um 19.30 Uhr in
EFG Hameln

Aber es handelte sich um keine systematische Aktion ʹ jeder Kommissar, jeder Funktionär führte
seinen Privatkrieg gegen die Geistlichkeit. Lenin erfand auch die Schaupro esse, in denen hochste-
%

hende Geistliche ʹ wie der Petrograder


%
polit Weniamin ( asans i) 1922 ʹ um Tode
& '

(
erurteilt und standrechtlich erschossen
wurde.12 In diesem Zusammenhang hatte Lenin
1921 geschrieben: ͣJe größer die Zahl von
tretern der Großbourgeoisie und der
keit ist, die wir ͙ erschießen können, desto
besser. Gerade jetzt muss diesen Leuten eine
Lektion erteilt werden, dass sie auf Jahrzehnte
nicht wagen, an Widerstand auch nur zu den-
ken.͞ Lenin versuchte die Kirchen eher dadurch
zu schwächen, dass er Spaltungen in sie
trug (Orthodoxe, Lutheraner . Zugleich erhielten
)

(
Mennoniten, Baptisten und Ad entisten die Möglich eit der
Abbildung 7. Mitropolit Peter (Poljans ,ij) in der '

!erbannung in Sibirien. (
Wehrdienst erweigerung aus religiösen Gründen: Lenin hielt die
der Orthodoxie feindlichen Frei irchen für potentielle !erbündete, die denn auch die 1920er Jahre
'

als ihre ͣgoldenen Jahre͞ auf russischem Boden empfanden.13

Auf der Internetseite der Baptistenkirche von St. Petersburg wird berichtet,
dass man Ende der 20ger Jahre des 20. Jh. 350-400 Tausend Evangelium-
schristen und genau soviel Baptisten zählte. Die Kinder und die Kandidaten
zur Taufe sind nicht inbegriffen.14

Nach Lenins Tod verschärfte die Staats- und Parteiführung den Kampf gegen
die Kirchen der Sowjetunion, weil diese nach wie vor missionarisch erfolgreich tätig waren. Und am
8. April 1929 verabschiedeten das Allrussische zentrale Exekutivkomitee und der Rat der Volkskom-
missare noch ein stringenteres Gesetz, das vorsah, dass die Freikirchen samt der Russisch-
Orthodoxen Kirchen kein Recht besaßen, den den Kirchen entfremdeten Menschen das Evangelium
zu predigen und die durch ihre Missionierung entstandenen Kirchen zu regi-
strieren.15 Letztlich befanden sich ab 1929 alle christlichen Kirchen, Freikirchen Abbildung 8. Baptisten- -
irche on St. Peters-
,
und andere Religionsgemeinschaften der Sowjetunion unter der Domäne der burg

12 * * +
Vgl. Delo mitropolita Veniamina (Petrograd, 1922g. . Moskva 1991 und ALEKSIJ II: DEYaNIE YuBILEJNOGO OSVYaSchEN-
NOGO ARHIEREJSKOGO SOBORA RUSSKOJ PRAVOSLAVNOJ TsERKVI O SOBORNOM PROSLAVLENII NOVOMUChENIKOV I
ISPOVEDNIKOV ROSSIJSKIH XX VEKA. Moskva, Hram Hrista Spasitelya, 13-16 avgusta 2000 goda.

13
Gerd Stricker: ͣDer Stählerne und sein Schreckensregime͞. In:Evangelische Nachrichtenagentur idea. Freitag 7. März
2003, 13:30 PST.

14
http://baptist.spb.ru/?history/russiaundersoviet Stand: 01-02-2008.

15 +
Vgl. P. Wiebe und L. Sennikowa: ͣDer sibirische federale Kreis (Center von Novosibirsk . Religion und Bildung. Die Verfol
g-
ten für den Glauben: Über das Schicksal deutscher christlicher Gemeinden von Gebiet Omsk in den Jahren von 1950 bis
1980.͞ Auf der russischen Internetseite Rambo.ru: http://www.fo-sibirski.ru/about/clause/119/120711 Stand 14.01.2008.

4
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Dr. Hermann Hartfeld: Freikirchliche Märtyrer in der ehemaligen Sowjetunionʹ Vortrag am 13.02.2008 um 19.30 Uhr in
EFG Hameln

Gerd Stricker schreibt:

ͣDie Pfingstchristen litten von Anfang an unter der ihnen


von den Sowjetorganen aufgezwungen Mitgliedschaft im
Allunionsrat der EChB , der ihnen ihre gemeindliche, vor
K K

allem aber ihre spirituelle Freiheit nahm. Viele Pfingstler


gingen deshalb in den Untergrund. Der Verfolgung suchte
Abbildung 11. Ein Bethaus in der egion on
M
N
man durch heimliche Wanderungen quer durch die ganze
Nowosibirs http://slds.narod.ru/meetinghouse.html
O
Sowjetunion zu entgehen, andere lenkten durch spekta-
kuläre Auswanderungsgesuche die Weltöffentlichkeit auf
ihr Schicksal. Die Spaltung in staatlich anerkannte und die
staatliche Anerkennung ablehnende Gemeinden gab es auch unter den Adventisten. Die Wahren K

und Freien Adventisten stellten sich (wieK

schon vor dem Krieg in Gegensatz zu der


L

sowjetkonformen Linie des Allunionsrats K

der Adventisten des Siebenten Tages und K

versuchten, in Untergrund und Verfolgung


ihre innere Freiheit zu bewahren.
plarisch steht das Schicksal des
tischen Leiters der Wahren Adventisten ,
K K

Q
Wladimir Shelkow (1896-1980 , der 1978 L

Abbildung 10: Lobpreisteam: onferen der Pfingstgemeinden in


P
82jährig im Lager gestorben ist. Während
der russischen Stadt !ladimir am 05.11.2007
der Perestroika waren die Adventisten die
ersten, die ein neues Kirchenzentrum mit
28
theologischem Seminar (bei Tula errichten konnten͞.
L

Man darf Stalins Schachzug keineswegs einen geringen Wert beimessen. Die Russisch-Orthodoxe
Kirche war immer patriotisch eingestellt gewesen, auch wenn die meisten Geistlichen die atheistisch-
kommunistische Ideologie ablehnten. Die Baptisten fühlten sich zwar vom Stalin- genauso wie vom
Zarenregime schikaniert und verfolgt, aber es gab wohl kaum eine baptistische Familie, die nicht
einen Verwandten im Krieg bereits verloren hatte. Darum beteten alle sowjetischen Christen aus
allen möglichen Konfessionen für den Sieg der Roten Armee. Die Mennoniten, häufig auch die Baptis-
ten und Adventisten, weigerten sich zwar, eine Waffe zu tragen29, aber sie waren willens, als Sa-
nitäter und Krankenpfleger in der Roten Armee tätig zu sein, um den verwundeten Soldaten beizus-
tehen und ihnen zu helfen. Der Sieg der Roten Armee über die Nazis Deutschlands war ohne reli-
giösen Beistand der russischen Hierarchen und freikirchlichen Geistlichen wohl kaum möglich gewe-
sen, auch wenn die offizielle Propaganda diese wichtige Information absichtlich verschwiegen und

28
Vgl. jedoch Gerd Stricker: ͣRussische Freikirchen im Rückblick͞. In:Zeitschrift Glaube in der 2. Welt. 13. Januar 2002.

29
http://sda-books.narod.ru/books/001/001-00.htmE_VPID_31 Stand: 01.02.2008.

7
Dr. Hermann Hartfeld: Freikirchliche Märtyrer in der ehemaligen Sowjetunionʹ Vortrag am 13.02.2008 um 19.30 Uhr in
EFG Hameln

unterschlagen hat und die Geschichtsschreiber ungern oder sogar


gar nicht einmal daran denken wollen.30

Die sowjetische Regierung kannte genau das geistliche Potential,


das die Kirchen besaßen. Nach dem Krieg wollte man, wie mir
KGB-Funktionäre während der Untersuchungshaft gesagt haben,
keineswegs zulassen, dass innerhalb des sowjetischen Staatsimpe-
riums die Kirchen den ͣzweiten Staat͞ bzw. eine Parallelgesell-
schaft darstellen. Die Kirchen sollten nicht nur dem sowjetischen
Abbildung 12. Soldaten der oten Ar-
_
Staat loyal bleiben, sie sollten auch die kommunistische Ideologie
mee aus dem 2. Welt rieg `
sich zu eigen machen. Das vom Präsidium des obersten Sowjets
am 28. März 1961 verabschiedete Gesetz sollte die Kirchen auf subtile Weise ganz unter die Regie
des Rates für kirchliche Angelegenheiten stellen, und sie sollten kein Eigentum besitzen.31

Weitgehend unbemerkt von der sowjetischen und


Montag, 02.04.2007 internationalen Öffentlichkeit war im Juni 1975 in
der Sowjetunion ein neues Religionsgesetz in Kraft
Putin beruft Baptisten in Religionsrat
getreten, das die grundlegenden Beziehungen zwis-
Moskau. Russlands Präsident Wladimir Putin chen dem Staat und den Religionsgemeinschaften
hat am Samstag den Baptisten Alexander Semt- ordnete und insofern für den Bewegungsspielraum
schenko in den präsidialen Rat für die Zusam- der Kirchen in der sowjetischen Gesellschaft und
menarbeit mit religiösen Vereinigungen beru- die Alltagswirklichkeit von größter Bedeutung war.
fen. Semtschenko arbeitet als Sekretär für Das neue Gesetz war bisher kaum beachtet wor-
Öffentlichkeitsarbeit beim russischen Baptis-
den, weil es lediglich im Gesetzblatt der Russischen
tenverband.
Unionsrepublik publiziert wurde.32 Die sowjetischen
Massenmedien haben es - soweit mir bekannt ist - mit Stillschweigen übergangen.33 Deshalb ist di-
eser Vorgang auch von den Auslandskorrespondenten in Moskau praktisch nicht verzeichnet wor-
den.34 Was bedeutete dieses Religionsgesetz für die Christen?

Ich erwähnte bereits, dass ? ?


 
??? nach dem Krieg staat-
lich registriert war, und nur sie besaßen ihre eigenen Bethäuser bzw. Kirchengebäude. Der Staat
hatte wenig Einblick in das Leben der nichtregistrierten Baptisten-, Mennoniten-, Pfingst- und Adven-
tistengemeinden. Die nichtregistrierten Gemeinden tauften gläubige Teenager (dem Gesetz nach
durfte kaum jemand unter 30 Jahren getauft werden , sie führten missionarische Maßnahmen durch
R

30
Hier sei verwiesen z.B. auf die Weihnachtsbotschaft des Patriarchen Russlands und Mitropolit vom Gebiet Moskau Sergi
V Y Z
(ʿS̯TUST̹U W 78̯X ̣̀8̯U̯7̣̽ 7FGHI, W H̯FJKJ̣H̯ ʺJ8LJ[8LHI. ˄̣̽́\J[8L 13 ]7LMNF́ 1942 GJOMP.

31 Z Z Z
http://law-news.ru/cp/c20/page_188.html. ˄ʶʤʯ ʿF7̚HOH̱W M ʦ ˀ ˇ ˀ J̯ 28.03.1961.

32
Ukaz Prezidiuma Verchovnogo Soveta RSFSR. 0 vnesenii izmenenij i dopolnenij v postanovlenie VCIK i SK RSFSR ot 8 aprelja
^
1929 goda, ͞O religioznych objedinenijach , in: Vedomosti Verchonogo Soveta RSFSR, XIX, 1975, Nr. 572, S. 487
-491, vom
23. Juni 1975.

33
Bis auf eine Erwähnung in der staatlichen Zeitung: Izvestija, 31.1. 1976.

34
Ausnahmen: Neue Zürcher Zeitung, 19. 11. 1975; Radio Liberty, Referativnyj Bjulleten', Nr. 13, 1. 10. 1975, S. 10.

8
Dr. Hermann Hartfeld: Freikirchliche Märtyrer in der ehemaligen Sowjetunionʹ Vortrag am 13.02.2008 um 19.30 Uhr in
EFG Hameln

und entzogen sich der staatlichen Kontrolle soweit wie nur möglich. Der Allunionsrat der EChB war
machtlos gegenüber diesem Phänomen.35

Der hierarchisch strukturierte Führungsstil des AUREChB war dem staatlichen angepasst und
verärgerte viele Christen, die von einer Autonomie
der Ortsgemeinden träumten.36

Ein Schisma, eine Spaltung des Baptistenbundes war


unvermeidlich und begann bereits 1961 an Intensität
zu gewinnen und sollte eine der schlimmsten Chris-
tenverfolgungen der 60-er Jahre unter Chruschtschow
auslösen,37

Die Baptisten zählen heute in den GU Staaten 250 000


Mitglieder in 3460 Gemeinden, die staatlich registriert
und statistisch erfasst sind und über 1500 Gemeinden
bzw. 60 000 nichtregistrierte Baptisten, die immer
noch einer Phobie unterliegen, das Blatt nach der
Perestroika könnte sich wenden und der Kommunis-
mus eine neue Renaissance mit schrecklichen Folgen
für die Christen erleben.38 Nach den Worten des heu-
tigen Präsidenten des russischen Baptistenbundes Jurij Sipko sollen nur 50 % der Baptisten ihre
nen Gotteshäuser im Besitz haben und 50 % mieten sich für Gottesdienstzwecke irgendwelche Säle
von öffentlichen Gebäuden.39

Nikita Chruschtschow hat in seinem Bericht auf dem 22. Parteikongress (17.- 31. Oktober 1961P den
Hinweis gemacht, dass das Christentum der schlimmste Feind der kommunistischen Ideologie sei und
man alles dran legen müsse, den christlichen Glauben auszurotten. Es wurden 1000 Pfarreien der
ROK, 60 Klöster und 5 Theologische Seminare gesch-
Abbildung 13. Ni bita Chruschtschow

35
Vgl. Doklad general'nogo sekretarja VSEChB A. V. Kareva 0 žizni i dejatel'nosti Sojuza evangel'skich christian
-baptistov v
SSSR [Referat des Generalsekretärs des Allunionsrates der Evangeliumschristen-Baptisten (AREChBP. A. W. Karew über das
Leben und die Tätigkeit des Bundes der Evangeliumschristen-Baptisten in der UdSSR], in: Bratskij vestnik, 6/1966, S. 15-36P.

36
Die Statuten der Evangeliumschristen und Baptisten betonten stets dieUnabhängigkeit der Ortsgemeinden. Sie waren
jedoch weit fern von der Praxis und Realität. Vgl. ͣUstav Sojuza evangel'skich christian-baptistov v SSSR͟, in: Bratskij vestnik.
6/1966, S. 50-S3.

37
Vgl. Boris Meissner, Russland unter Chruschtschow. München, R. Oldenbourg, 1960. 8vo. XV, 699 S. OLwd (St.a.VorsatzP.
(Forschungsinstitut der deutschen Gesellschaft für auswärtige Politik. Dokumente und Berichte, 15P.

38
Julia Jakuschewa: Referat ͣBaptismus in Russland͞. Siehe:ë  aa  
     
 . Staatliche Universität für Führungs- und Personalkräfte. Das Institut der Soziologie und der gesellschaftlichen Querver-
bindungen. Moskau 2002.

39
Vgl. ͞International Religious Freedom Watch͟. Internetseite:
http://www.internationalreligiousfreedomwatch.org/archives/2005-11-11.htm. Stand: 22.01.2008. Ebenso: ͣ Swetilnik͞.
http://www.biblelamp.ru/news/?id=200511154. Stand 22.01.2008.

9
Dr. Hermann Hartfeld: Freikirchliche Märtyrer in der ehemaligen Sowjetunionʹ Vortrag am 13.02.2008 um 19.30 Uhr in
EFG Hameln

lossen. Die Baptisten durften keinen unter 30 Jahren taufen. Der Presbyter war verpflichtet, alle
kirchlichen Veranstaltungen von dem staatlichen Beauftragten für religiöse Kulte genehmigen zu
lassen. ͣKanzeltausch͞, missionarische Aktivitäten, christliche Kinder-, Jungschar-, Teenie- und Ju-
gendarbeit wurden strengstens untersagt. Nachdem der AUR der EChB sich verpflichtet hatte, diesen
Gesetzen Folge zu leisten, kam es zu einem Schisma nicht nur im Baptistenbund, sondern auch in
allen anderen Freikirchen. Der autoritäre Führungsstil hat sich unter den Schismatikern absolut nicht
verändert.40

Die nichtregistrierten Christen ʹ sie waren damals in der


Mehrzahl - wollten sich keineswegs der staatlichen Kontrolle
unterziehen oder unter der Regie des autoritären regime-
treuen AUREChB ihren Dienst tun41. Etwa 3000 dieser
ten fristeten ihr Leben zur Regierungszeit von Nikita
Chruschtschow in Gefängnissen und Straflagern.42

Chruschtschow realisierte nicht, dass die Christen einer


marxistischen Ideologie skeptisch gegenüber standen, weil sie die Religion als
Opium für das Volk definierte. Die feindselige Haltung des Marxismus zur Religion hatte an sich zur
Folge, dass besonders die Christen die kommunistischen Ideale für märchenhafte Ideen hielten. Sie
passten sich der Gesellschaft zwar an, stellten die beste Arbeiterklasse dar, aber sie glaubten an die
kommunistische Ideologie nicht. Sie bildeten eine Parallelgesellschaft und flüchteten sich in das ͣJen-
seits͞, wissend, dass sie früher oder später unter die Räder der Christenverfolgung kommen und aus-
gerottet werden könnten.43

2. Persönliches Schic sal


c d d c
Plöt lich erhaftet und erurteilt u 5 Jahren Straflager mit strengem egime e

2.1 Die ersten Erfahrungen im Gef ngnis


Im Mai 1962 zog ich in die Stadt Semipalatinsk (heute heißt die Stadt SemejP im Osten von Kasach-
stan.44 In meiner Heimatstadt Omsk wurde es für mich zu ͣheiß͞: der KGB war mir auf den Fersen,

40
Ebenda. Vgl. Michail Newolin: ͣDas Schisma innerhalb der baptistischen Bewegung in der UdSSRzwischen den Jahren
1959-1963.͟ In: Almanach. Nr. 9. Moskau: Verlag ͣSchandal͞ 2005. Abbildung 15.
Wappenk eichen der
41 Abbildung 14. Foto
Vgl. Eugen Voss: ͞On the Situation of the Christians in the Soviet Union- An Analysis of New Materials͟. In:
l
Eastern
Stadt SemejEu-
on Hermann Hart-
rope (07/1969P. (Osteuropa. Nr. 7/1969.P
feld: Mai 1962
42
Vgl. Mark Smirnov: ͣDvulikij Iljitsch͞.Internetseite: http://www.portal-credo.ru portal-credo.ru Stand 22.01.2008.

43 h
Vgl. ʿFJ̯JH7F7I ʦ̣MOH8̣Mg ˉ̼KHQ: ͞ˀ̱88LḾ ʿFMgJ8̣MgQḾ ˉ7FLJg̽ ̏ K7FHJO F̱i 7̏8LHR GJQ7QHI͞. In: S8̯JFH́
j
ˀ̱88LJI ˉ7FL̏H, . IX. Deutsch: Vladislav Züpin: ͣRussisch Orthodoxe Kirche in der Zeit der Verfolgung unter Nikita
Chruschtschow͞. In: Die Geschichte der Russisch Orthodoxen Kirche, Band IX.

44
http://semipalatinsk.bestcities.ru/ Stand: 01.02.2008.Die Stadt Semipalatinsk wurde am 21 Juni 2007 in Semej umbe-
nannt.
10
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12


Dr. Hermann Hartfeld: Freikirchliche Märtyrer in der ehemaligen Sowjetunionʹ Vortrag am 13.02.2008 um 19.30 Uhr in
EFG Hameln

Der Pfingstpastor Drabkow teilte uns gleich mit: ͣWir treffen uns
zum Gebet an jedem Freitag um 20 Uhr!͞ Beten mit einem
Pfingstpastor? Der will uns doch nur für sein ͣLallen͞ gewinnen,
tauschten wir später unter uns aus. Mit ͣLallen͞ meinten wir das
Sprachengebet. Es stellte sich jedoch bald heraus, dass Drabkow
überhaupt keine Absicht hatte, uns zum Zungengebet einzuladen.
Abbildung 17: Hermann Hartfeld und
Ähnlich reagierte der Adventistenpastor Lalujew.51 Der Mystiker Ni olai riwoschejew/ !i tor ud-
| } | ~

und Mönch Sergej Kaschirin reagierte beim ersten Treffen lächelnd: new(Baptisten), Iwan Lalujew (Ad ent- 

ͣIkonen habe ich im Straflager keine, es sei denn ihr malt mir ist), Afanasij Drab ow (Pfingstler) An-
|

welche͞. Sehr vorsichtig ͣtasteten͞ wir uns gegenseitig ab und fang 1963

ten intensive ökumenische Diskussionen und Gebetsgemeinschaft miteinander. Diese Kontakte wa-
ren außerhalb der Straflager absolut nicht möglich. Die Russisch-Orthodoxe Kirche verschrie uns als
Stelle unser Straflager 154/57 aufgebaut. Sektierer, und Kontakte zu Pfingstlern und Adventisten waren
Abbildung 19: Sergej aschirin, Mönch
}

der Wahren Orthodoxen irche in }


für meine Glaubensgenossen auch suspekt. Ich fand es immer
€
Belowods in der N he on
|

amüsant, wie der Adventist Lalujew, Leiter der ost-sibirischen
Hauptstadt, irgisien, 1972.
}
Vereinigung, mich im Straflager mit seiner Enkelin verkuppeln
wollte und der Pfingstpastor Drabkow mir mit Handauflegung das Zungenbeten beibringen oder von
Gott schenken lassen wollte. Weder das eine noch das
dere passierte, weil ich von Kants Vernunftkritik als dem
Hinterfragen der Möglichkeitsbedingungen von Erfahrung
beseelt war. Die mystischen Erfahrungen waren mir fremd.52

Erstaunlicherweise glaubte der sowjetische KGB, dass wurde


an dieser unsere Begegnungen mit Vertretern anderer Kon-
fessionen zu Streitigkeiten und Animositäten führen würden.
Das war jedoch nie der Fall. Der Adventistenpastor Iwan Lalu-

jew starb 1964 an Hypertonie im Alter von 70 Jahren. Er


Abbildung 18: Abbildung 18. 1963 der Ort des
Straflagers 154/57 verbrachte insgesamt 20 Jahre in den kommunistischen
Straflagern.53 Der orthodoxe Mönch Sergej Kaschirin starb im
Alter von 70 Jahren in Kaliningrad. Der Pfingstpastor Drabkow lebte bis zu meiner Ausreise in den
Westen in der Nähe der Hauptstadt Usbekistans und leitete eine Pfingstgemeinde. Die Jugend un-

51
Iwan Jewdokimowitsch Lalujew war Delegierter der Adventisten von Ostsibirien, der am 5. Kongress der Adventisten des
Siebenten Tages teilgenommen hat, der vom 16. bis 23. August 1924 im 3. Haus der ͣSowjets͞ stattgefunden hat. Seine
Unterschriften stehen heute noch unter allen Dokumenten der Kongressentscheidungen. Ich traf seinen Enkel vor etwa 10
Jahren in Omsk, dieser aber zeigte wenig Interesse für seinen Großvater. Siehe: ͣDeklaration des 5. Kongresses der Sieben-
tags Adventisten vom 16. bis 23. August 1924͞. http://sda-books.narod.ru/books/other/kn/izist/i04.htm. Stand:
15.01.2008.

52
Vgl. Hermann Hartfeld: Glaube trotz KGB, S. 202-216. ! auch zeitgenössischen Kritiker der Vernunft den F. Huisken:
ͣZur Kritik Bremer ´Hirnforschung´. Hirn determiniert Geist - Fehler, Funktion, Folgen͞, in: Schriftenreihe des AStA der Uni
Bremen, 2003, S.21ff.

53
Vgl. Hermann Hartfeld: Glaube trotz KGB, S. 347-357.

13
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57
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58
V e  e + e %BS387

14


Dr. Hermann Hartfeld: Freikirchliche Märtyrer in der ehemaligen Sowjetunionʹ Vortrag am 13.02.2008 um 19.30 Uhr in
EFG Hameln

Das Leben in der Freiheit sollte nicht lange andauern. Mit 23 Jahren entschied ich mich, als junger
Mann in der Hauptstadt von Usbekistan Taschkent zu leben. Ich stand vor der Frage: Wie soll es wei-
tergehen? Meine Bekannten informierten mich, dass es in der Stadt drei Baptistengemeinden gäbe:
Die Zentralgemeinde zählte sich zum Allunionrat der EChB, die ande re befand sich im Stadtteil Kara-
Su und war seit den 50-er Jahren autonom und nicht bei den staatlichen Organen registriert, die
dritte befand sich im Stadtteil Kuiljuck und hatte sich zu den Schismatikern gesellt. Ich besuchte zu-
erst die Zentralgemeinde. Der Superintendent der Baptistengemeinden von Zentralasien Samotugin
nahm sich Zeit, mir zuzuhören. Ich erzählte ihm meine Lebensgeschichte und zeigte ihm meinen En-
tlassungsschein aus den Straflagern. Samotugins Reaktion war etwas seltsam: ͣIch empfehle dir zu
einer der nichtregistrierten Baptistengemeinden zu gehen. Wenn du dich bei uns anschließt, wird der
KGB mir Tag und Nacht keine Ruhe geben, dich zu protegieren und zu einem Spitzel zu machen͞. ͣNa
so was!͞ reagierte ich verwundert. ͣDas würde den Erzengeln nicht einmal gelingen. Ich verabscheue
Verrat von Brüdern und gebe niemals eine Beichte von Kriminellen den Behörden preis͞. ͣDarum,
bitte ich dich, gehe zu den nichtregistrierten Baptisten!͞ sagte Samotugen, stand auf und ließ mich
mit meiner Entscheidungsfrage allein. Am nächsten Sonntag war ich in der Kara-Su Baptistenge-
meinde. Der Vorstand der Gemeinde lud
Abbildung 20. 1985: Die Baptisten in Tasch ent feiern ihr 85.
‹
Πmich auf meinen Wunsch hin zu einem
Jubil um (1985) Die Zentralgemeinde der EChB ʿ̸̡̨̦̖̦̌ 35
Gespräch ein. Die Gemeinde hatte unlängst
einige Geschwister ins Gefängnis verab-
schiedet. Der Vorstand fragte mich, was ich
in der Gemeinde gern tun würde. Ich sagte,
dass mir die Jugendarbeit sehr ans Herz ge-
wachsen sei. Die Brüder sagten, dass die
Gemeinde genügend Mitarbeiter für die Ju-
gendarbeit hätte und sie mir empfehlen
möchten, mich der Baptistengemeinde von
Kuiljuk anzuschließen. Diese Gemeinde
werde vom Presbyter Nikolai Chrapow gelei-
tet, der sogar Frauen im Vorstand der Ge-
meinde hätte und ihnen gewährt auch zu
59
predigen . Das klang etwas seltsam im Jahre 1965. Meine Neugierde zwang mich, diese Gemeinde
zu besuchen, und da wurde ich nett und liebevoll aufgenommen und integriert. So begann ich mit
Chrapow und Co. zusammen zu arbeiten.

Wir veranstalteten Jugendtreffen mit allen drei Gemeinden, tauschten Informationen über Gemein-
deaufbaumodelle aus und vieles mehr.60 Am 18. Mai 1966 wurde Chrapow plötzlich vom KGB verhaf-
tet.61 Das Informationsnetz wurde so gut zwischen den drei Gemeinden ausgebaut, dass alle drei

59
Vgl. Die Zeitschrift ͣEvangelist͞ Nr. 39 (3P, S. 40f. (4-5P. Siehe auch die Diskussion über das jeweilige Thema auf der Inter-
netseite http://old.baptist.org.ru/forums/archive/index.php/t-176.html. Stand: 26.01.2008.

60
Vgl. http://www.liveinternet.ru/users/schwesterchen/post34969856. Stand: 26.01.2008.

61
http://www.liveinternet.ru/users/schwesterchen/post34969856. Stand: 26.01.2008.

15
Dr. Hermann Hartfeld: Freikirchliche Märtyrer in der ehemaligen Sowjetunionʹ Vortrag am 13.02.2008 um 19.30 Uhr in
EFG Hameln

Gemeinden am gleichen Tag von dieser Info erfuhren. Es versammelten sich am KGB-Gebäude etwa
300 Christen, die in Chören die Freilassung von Chrapow forderten. Die KGB-Beamten waren perplex:
solche ͣFrechheit͞ war für sie unerhört. Wir hatten irgendwie keine Angst, weil viele ehemalige chris-
tliche Gefangene nach jahrelangem Einsitzen aus den Straflagern freigelassen wurden. Nun pochten
wir auf Religionsfreiheit. Die KGB-Beamten verhielten sich ruhig. Einige näherten sich uns, nahmen
die Petitionen entgegen und baten höflich, die Kundgebung zu beenden und nach Hause zu gehen.
Einer der Beamten guckte mich an und sagte: ͣSie können auch ihre Sachen packen. In wenigen Ta-
gen holen wir Sie ab!͞62 Diese Worte machten mir keine Angst, eher jedoch machten sie mich
denklich. ͣWieso gerade ich wieder? Aktiver als alle anderen bin ich doch gar nicht?͞ Das half mir
nicht weiter. In zehn Tagen wurde ich abgeholt und in die Einzelzelle des KGB-Gefängnisses ges-
teckt.63

Die Einzelzelle war nicht gerade attraktiv für einen freiheitsliebenden Menschen, der ich ja in meiner
Überzeugung war, weil ich nach wie vor glaubte, dass die Freiheit eines der wichtigsten Dinge im
Leben ist. Ohne sie ist alles andere wertlos. Jemand, der wie ich im Gefängnis gewesen ist, hat keine
Freiheit dort hinzugehen, wohin er will. Er ist isoliert und in seiner persönlichen Entfaltung ein-
geschränkt. Jemand, der nicht frei ist, seine Meinung sagen zu
dürfen, fühlt sich unterdrückt. Das Letztere war für mich schlimmer
als die Einzelzelle.64

Alles war wie ein böser Traum. Am 28. Mai 1966 wurde ich von
meiner Arbeitsstelle im riesigen elektrotechnischen Werk von KGB-
Beamten abgeholt. Sie gaben mir keine Möglichkeit, meine Mutter
und Schwester zu informieren, dass ich verhaftet bin. Zufällig sah
Abbildung 21. Eine Ein el elle, aber ich am Tor des Werkes einen Glaubensbruder Winokurow und bat
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nicht on einem GB-Gef ngnis.
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ihn, meine Verwandten und Freunde über die Verhaftung in
Kenntnis zu setzen. ͣMund halten!͞ zischte neben mir ein KGB-
Beamter. Sie wollten kein öffentliches Aufsehen erregen. In einer KGB-Limousine waren wir in weni-
gen Minuten am Ziel. Das KGB-Gebäude steht im Zentrum der Stadt Taschkent. Ich guckte mich um,
warf einen Blick auf das Gebäude links, das früher dem Bruder des Zaren, Konstantin, gehört hatte,
nun aber befindet sich dort irgendeine KGB-Abteilung. Beide Gebäude werden durch unterirdische
Gänge verbunden. Es gab drei Etagen im unterirdischen KGB-Gefängnis. Ganz unten in der dritten
stellte man mich an die Zelle 00, und ich sollte warten. Es sah alles sehr ungewöhnlich aus. Die Gänge
waren mit Teppichen ausgestattet, und es herrschte eine beinahe tödliche Stille. Die Beamten unter-
hielten sich halblaut, so dass ich sie nicht hören konnte. Dann kam ein Aufseher, öffnete die Zelle und

62
Vgl. Nikolaj Petrowitsch Chrapow: Golos Prawdy. Sbornik: Stichi, Gimny, Prosa (Die Stimme der Wahrheit. Sammelb
and:
Gedichte, Hymnen, Prosa. Samisdat: 1977. Wheaton, Illinois, USA: Verlag Jewangelskoje Slowo (Evangelisches WortP 1996.

63
http://dic.academic.ru/dic.nsf/lower/16688. Stand: 26.01.2008. ʽOHQJWQḾ ʶMX7FM - ̏ ̱GJ̣J̏QJ-H8KJ̣QH̯7̣̽QJX
KFM̏7 JOQM H̚ X7F ̼̏̚8LMQH́; KFHX7Q́7̯8́ L J8̱̙O7QQ̼X, LJ̯JF̼7 QMF̱̹M̯̀ ̱8̯MQJ̣̏7QQ̼I KJF́OJL J̯N̼̯H́
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X̱̙WHQ, 8JO7F̙MYHR8́ ̏ H8KFM̏H̯7̣̽Q̼R LJ̣JQH́R J8JNJGJ F7̙HXM.

64
Vgl. Frau Prof. Dr. Phil. Irmgard Bruns: ͣVorlesung über Ethik, Moral, Freiheit und die Entstehung des Gewissens͞.

16
Dr. Hermann Hartfeld: Freikirchliche Märtyrer in der ehemaligen Sowjetunionʹ Vortrag am 13.02.2008 um 19.30 Uhr in
EFG Hameln

bat mich höflich, aber bestimmt, sie zu betreten. Es war eher ein Geflüster seitens der Beamten, als
wenn man die tödliche angst machende Ruhe nicht stören wollte.65

In der Zelle schaute ich mich um. Die Wände aus Beton, ein künstliches Fensterverlies, an der Tür der
Latrinenkübel; die Zelle war vier Meter lang und ca. zwei Meter breit. Anstelle eines Stuhls ein Hock-
er aus Beton. Ich sah kein Bett und klopfte an der Tür. Es er-
schien in wenigen Augenblicken der Aufseher: ͣWas fehlt Ih-
nen?͞ ͣWasser und eine Pritsche͞, antwortete ich. Gesprochen
wurde leise, so galt der Befehl. ͣWarten Sie einen Augenblick!͞
reagierte der Aufseher und schloss die Tür hinter sich. Es
schien für mich eine Ewigkeit vergangen zu sein, als die Tür sich
öffnete und eine Kanne mit Wasser auf den Hocker gestellt
wurde. Schweigend verließ der Aufseher die Zelle. Dann hörte ich, wie eine Schlafbank geräuschlos
aus der Wand kam. Verwundert darüber, aber zu müde, um
Abbildung 22: Ein sowjetisches Straflager darüber nachzudenken, legte ich mich hin und schlief ein. Ich

wurde geweckt und über alle möglichen Treppen in den Innen-


hof geführt, um die Füße zu vertreten. Nach der Vorschrift sollten es dreißig Minuten sein. Ich sah
den klaren Himmel, kein Wölkchen, nur Sonne, die meinen Augen wehtat.66 Gedankenlos bewegte
ich mich zehn Schritte nach vorn und zurück. Der viereckige Hof, die Wände aus Brettern und vier
Türme mit Soldaten, jeder mit einer Kalaschnikow, die demonstrativ auf mich gerichtet waren. Ich
schmunzelte und winkte ihnen zu. Keine Reaktion ihrerseits. Und so ging es Tag für Tag, bis ich
letztlich vergaß, mir die Wochentage zu merken.67

ͣWo ist mein Presbyter Chrapow?͞ fragte ich mich nach etwa einer Woche. Den russischen Genera-
tor vom Morsealphabet kannte ich noch aus meiner ersten Haftzeit. Unter dem Fensterverlies war
ein Heizkörper, von ihm gingen Röhren in die nächsten Zellen. Ich machte mich an die Arbeit und
begann leise zu klopfen. Bald erfuhr ich, dass in der Zelle 01 ein Zeuge Jehovas saß und in der 02 ein
Pfingstler. Aber auf unserer Etage war Chrapow nicht ausfindig zu machen. Erstaunlicherweise wur-
den wir Tag und Nacht über die Monitore beobachtet, aber man ließ uns ruhig kommunizieren. Bleis-
tifte und Papier hatten wir nicht. Es musste alles auswendig festgehalten werden. Es war sehr
mühsam, aber Übung macht den Meister. So erfuhr ich, dass die Einzelzellen auf dieser Etage für
religiöse und politische Dissidenten vorgesehen waren. Eine ganze Menge Krimtataren68 und Tschet-
schenen war vorhanden, die von Stalin entrechtet und nach Zentralasien verschleppt wurden. Diese

65
http://dic.academic.ru/dic.nsf/lower/16688. Stand: 26.01.2008. ʽOHQJWQḾ ʶMX7FM - ̏ ̱GJ̣J̏QJ-H8KJ̣QH̯7̣̽QJX
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66
Vgl. http://www.ombudsmanrf.ru/doc/vistup8/spravka.shtml Stand: 04.02.2008.

67
Vgl. http://www.hrc.nabrk.kz/gsdl/cgi-bin/library?e=d-000-00---0HRCru--00-0-0--0prompt-10---4------0-0l--1-fr-50---20-
help---00031-001-1-0windowsZz-1251-00&a=d&cl=CL1.12&d=HASH31dd0e3f7222b575243aaf.3 Stand: 04.02.2008.

68 ’
Vgl. ʶF̼X8LJ̯M̯MF8LḾ ̾Q̶HḶJK7OH́, 8J8̯M̏H̯7̣̽ ˀ7ZHL ʺ̱̚MZMFJ̏, HXZ7FJKJ̣̽ 1993-95.

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