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The Alternative Investment Consultancy

25.06.2010

Mein präferierter Ausweg, beschrieben im letzten PS Commentary ´Regierungen Schachmatt? Königsweg gesucht´ wurde
von einigen Lesern kritisiert und in Frage gestellt („[…] haben wir denn nicht schon genug Schulden!!!“). Ein besserer
Lösungsansatz für das Dilemma der non-commodity based economies wurde bei aller Kritik leider nicht mitgeliefert.

Hier nochmals eine Erläuterung, weshalb der von mir beschriebene Weg der Weltwirtschaft einen stabileren
Wachstumspfad ermöglichen sollte: In den zwei Wochen seit dem letzten PS Commentary spitzte sich der Sparpakets-
Wettbewerb zu. Selbst die britische Regierung, ansonsten auf Linie mit den USA, sorgt sich um ihr credit rating und
verabschiedete ein massives ´austerity package´. Deutschland verteidigt sich geeint gegen Obama´s ´don´t cut too
early´ Empfehlung an die G20 Mitglieder und der in dieser Woche aggressiv vorgetragenen ´spend now, save later´
Message von Paul Krugman.

Krugman´s kraftvolle Wortwahl, speziell über das deutsche Sparverhalten, führten zu einer wahren Welle an
Verteidigungskommentaren. Bei all den reflexhaften Kommentarautomatismen von Journalisten und Politikern sollte
Krugmans Botschaft nicht überhört werden. Er argumentiert im Bezug auf die USA wiefolgt:

The Congressional Budget Office... predicts that economic recovery will reduce the annual budget
deficit from about 10 percent of G.D.P. this year to about 4 percent of G.D.P. in 2014. Unfortunately,
that’s not enough.... Furthermore, the budget office predicts that after bottoming out in 2014, the
deficit will start rising again, largely because of rising health care costs.

So America has a long-run budget problem. Dealing with this problem will require, first and
foremost, a real effort to bring health costs under control […] It will also require finding additional
revenues and/or spending cuts. As an economic matter, this shouldn’t be hard [...]. But if we need
to raise taxes and cut spending eventually, shouldn’t we start now? No, we shouldn’t. Right now, we
have a severely depressed economy — and that depressed economy is inflicting long-run damage.
[…] And with each passing month we drift closer to a Japanese-style deflationary trap.

Das CBO bestätigt Krugman´s Aussage über den massiven und weiter steigenden Anteil des strukturellen Defizits in den
USA (getrieben von sozialen Absicherungssystemen).

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25.06.2010

In der angelaufenen Umsetzung der Healthcare


Reform ist die langsam wachsende Zustimmung in
der Bevölkerung von großer Bedeutung.
Sparpotenziale können mit elektoralem
Rückenwind gegen Industrie-Interessen leichter
gehoben werden.

Auch würde die Bevölkerung Obama bei einem


neuerlichen Stimuluspaket unterstützen. In einer
aktuellen Gallup Umfrage sind 60 % der
Amerikaner "in favor of additional government
spending to create jobs and stimulate the
economy.”

Obwohl Paul Krugman, Brad DeLong, Ezra Klein, Martin Wolf, Nouriel Roubini und auch George Soros die Gefahren
einer zu frühen Reduktion der Stimuli in den USA und Europa ausreichend beleuchteten, fällt es selbst Obama schwer
ein bescheidenes USD 100 Mrd Paket zu Laufzeitverlängerungen in der Arbeitslosenversicherung und der
Unterstützung von nahezu zahlungsunfähigen Bundesstaaten durch den Senat zu bringen. Am Mittwoch scheiterten
die Demokraten erneut in einer Abstimmung zum Paket. Über eine deutsche Bundesregierung mit ihrem Sparpaket
voller Luftbuchungen a la Brennstäbesteuer ganz zu schweigen. Im letzten Kommentar schrieb ich:

„[…] deflationären Kräften entgegenstellen, indem jene Länder mit guten


Refinanzierungsmöglichkeiten via weiterer Stimuli die Binnennachfrage stabilisieren (USA), respektive
anregen (Deutschland). Höhere Verschuldung für diese Länder ist die Konsequenz. Doch die
gewonnene Stabilität gibt ihnen Zeit ihre jeweiligen Strukturreformen umzusetzen. Von
Peripherregionen a la Griechenland kann kein weiterer Stimulus erwartet werden. Hier müssen
Sparpakete, wie Strukturreformen (Sozialsysteme, Subventionen, …) ebenso strikt umgesetzt werden.
In Summe kaufen sich die non-commodity based Industrienationen damit Zeit und Stabilität, um ihre
Wettbewerbsposition zu verbessern.“
Der aktuelle Appell zu mehr Stimulus zur Stärkung der Binnennachfrage ist zweifelsohne counter-intuitive.
In Krugman´s Worten:

The case for expansionary policies in the face of a slump is intellectually difficult; Keynes described
the writing of the General Theory as a painful process of discovery, and so it is. The natural instinct of
almost everyone is to think that tough times require tough measures, and that if the economy is
suffering, the government should tighten its own belt. It would take a clear consensus from
economists to overcome that natural bias. And that consensus has, of course, been lacking.
Die Keywords sind Strukturreformen und Verbesserung der Wettbewerbsposition. Ein weiterer Stimulus macht nur
Sinn, wenn in der Zwischenzeit an diesen beiden Parametern gearbeitet wird. Doch dies geschieht nicht in
ausreichendem Maße. Beispielhaft sind die beschämend bescheidenen Entwürfe zur Verwaltungsreform in
Österreich, die non-strukturrelevanten Reformen im Zuge des deutschen Sparpaketes, dass Bereiche wie
Subventionen (nehmen das doppelte Volumen des strukturellen Haushaltsdefizits ein) aussen vor lässt oder die
vernachlässigbare Green Energy Initiative von Obama im Zuge der munter sprudelnden Ölquelle im Golf von Mexiko.

Kann alles unter “too little, too late” gebucht werden.

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25.06.2010

Mohammed El-Erian schrieb gestern in der FT entlang der von mir skizzierten Linie:

As a general rule industrial countries need to adopt both fiscal adjustment and higher medium-term
growth as twin policy goals. The balance between the two will vary. Some, like Greece, need immediate
fiscal retrenchment. Others, like Germany, the US and Japan have more room for manoeuvre. But no one
should pursue just one of these objectives.

Squaring the circle of growth and fiscal stability needs policies that focus on long-term productivity
gains and immediate help for those left behind. This means first enhancing human capital, including
retraining parts of the labour force, and increasing labour mobility. Then new emphasis on infrastructure
and technology investment is needed, with greater support for scientific advances that promise
increased productivity. Finally all nations must begin an honest assessment of the social frictions coming
in the next few years. In some countries (like the US) this means an urgent bolstering of social safety
nets.

Hier nochmals auszugsweise die Gründe angeführt, weshalb die Binnennachfrage in den USA noch nicht bereit ist, eine
nachfrage-basierte Recovery tragen zu können:

+ US KMUs geht es weiterhin schlecht. Planen keine Einstellungen.

+ Aus Vorsicht bilden US Firmen einen Rekordstand an Liquidität in ihren Bilanzen.

+ Der Konsument spürt nichts von der artifiziellen Recovery der letzten 3 Quartale. Der University of Michigan’s Surveys
of Consumers ergab, dass im Mai 56% der amerikanischen Familien eine gleichbleibende oder abfallende Einkommens-
entwicklung in den kommenden 12 Monaten erwarten.

+ Selbst die Fed geht auf Distanz zu ihrer


eigenen optimistischen Sprachregelung im
Frühjahr (siehe FOMC Statement vom 23.06.).

Glenn Rudebusch, ein Fed economist, zeigt in


seinem kürzlich publizierten Paper den rechten
Chart. Kurz, selbst inhouse analysts empfehlen
mehr quantitative easing, weil die fragile
Volkswirtschaft noch nach Stützung verlangt.

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25.06.2010

Die geschaffenen Jobs in Q1 & Q2 2010 waren


mehrheitlich Census getrieben (oftmals
angesagt, Chart rechts bestätigt) und stellen
keine dauerhafte Entspannung am US Arbeits-
markt dar. Chart rechts mittig bestätigt die
andauernde Schwäche am US housing market.
Ein neuer IMF Report zeigt, wie wenig die
Stimuli für die Budgetdefizite verantwortlich
sind, und wie interessiert Regierungen an einer
Rückkehr zu nachfragebasiertem Wachstums
sein müssten.(Chart nachstehend).

Wie in meinem Market Melange Beitrag gezeigt, ist


für dieses Wochenende ein kontroversieller G20
Gipfel zu erwarten. USA, EU und Emerging Markets
reisen mit stark divergierenden Absichten an.

Mein Advise: Anstatt zu fragen, wie jetzt zu sparen


ist, um das long-term deficit zu reduzieren, sollten
sich die G20 fragen, was jetzt zu tun ist, um den
Markt davon zu überzeugen, dass westliche
Regierungen mit Einsetzen eines nachfragebasierten
Aufschwungs das long-term deficit auf tatsächlich
zurückfahren werden (Stichwort Strukturreformen).

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written by ©
Markus Schuller www.panthera.mc