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Review Author(s): Gisela Bleibtreu-Ehrenberg Review by: Gisela Bleibtreu-Ehrenberg Source: Anthropos, Bd. 77, H. 5./6.

Review Author(s): Gisela Bleibtreu-Ehrenberg Review by: Gisela Bleibtreu-Ehrenberg Source: Anthropos, Bd. 77, H. 5./6. (1982), pp. 933-935 Published by: Anthropos Institut Stable URL: http://www.jstor.org/stable/40460547 Accessed: 01-12-2015 00:13 UTC

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933

In

seiner Schlußzusammenfassung betontder Autornoch einmal, daß alle drei

der ge-

besprochenen Theorien„im wesentlichen Begründungen

genwärtigen, aberauch vergangenergesellschaftlicherHintansetzung und Unterdrückung

derFraudarstellen" (88), undalledreisind jeweilsgegen ihr explizites Interesseundim Hinblickaufdenverhandelten Gegenstand zu lesen".

erweistsichals

Ungleichheit derGe-

vergeblich unddemonstriertdamitsein Gegenteil: daß nämlichdie

schlechterobsolet geworden ist" (89). Der kleineBanddarf, besonders wegen seinerzurückhaltendenund dennochbe-

stimmtenArtder

derKritikan ideologischenKultfiguren durchausnichtscheut,allen

die sich mitden besprochenen Theorienbekanntmachenmöchten, ohnedie - viele

tausendSeitenumfassenden - Originaltexte heranzuziehen. Gisela Bleibtreu-Ehrenberg

und Rechtfertigungen

Der Versuch,der FrauGeist,ArbeitundTrieb abzusprechen,

Argumentation, die jede

These

sorgsamabklopft und sichauch vor

empfohlenwerden,

Mühlmann, Wilhelm£. Die Metamorphose derFrau.WeiblicherSchamanismusund

Dichtung. 259 pp.

Im

Berlin1981.DietrichReimer.Preis:DM 68.

Zentrumdieser ausgezeichneten und glänzendgeschriebenen Arbeitüberden

derTat immernoch

vernachlässigten Bereich

bislang in der ethnologischen Literaturin

desweiblichenSchamanismussteht,abgeleitet von JacobBurckhardt,dieSichtweiseder

fürMühlmannist Dulden mehreine weibliche

»Universalität des Pathischen*, denn

Tugend als einemännliche" (18). Folgerichtig siehter die produktiv- kreativeBewälti-

gung desschamanistischenTrancezustandesunddiedramatische Schilderung der»Seelen-

reise4mitHilfeder Kunst (Poesie,Musik,Tanz,später auch Epik)

vonFrauenbeherrschteDomäne, die imPatriarchat lediglichzurückgedrängt seiundoft biszurUnkenntlichkeitdurchdie nunzur Regel werdendeDominanz vorwiegend männ- licherSchamanen überlagert wurde.SeineThese,dienichtalleindurch ethnologisches Ma- terial gestützt wird, sondernsehr stringent auchdurchsubtile Analysen desSchaffensvon

Dichterinnendes japanischen Mittelaltersund sogar so »moderner*AutorinnenwieAnnet-

Gegensatz

»Faktor

der Weibmächtigkeit* verwiesen,wobeies

tensdesmännlichenGeschlechts zugeschriebeneIdealisierung handeln kann,„vonderwir

nichtwissen,wieweitihreinedemweiblichenGeschlechtinnewohnende, besondereDivi-

nationsgabeentspricht**(19).

als eine

überwiegend

tev. Droste-HülshoffundEdna St. Vincent Millay, erfaßtdieSchamanin -

zu ,dem*Schamanen - als den ursprünglicherenTypus. AlsUrsachewirdaufden

im

sichmindestensteilweiseumeinederFrausei-

Von

denüberauszahlreichen Belegen seinerTheseausdemeurasischenRaum (wo-

Heilpflanzen -

Die Frau

eineKenntnis,dienochausderSteinzeitstammt -

Faktumdermonatlichen Regelblutung, vonMühlmannimSinne

erscheinen.Die

schöpferische

runterauch Polynesien und Indonesiensubsumiertsind,währendetwabeideAmerika,

AfrikaundAustralien ausgeklammertbleiben) seienhiernur zwei genannt:1)

hatals Sammlerinvon

eine Neigung zum Heilberuf (insbesondere weiblicheSchamanenbesitzen »Unsterblich-

keitskräuter*!).2) Das

immerwiederaufeinander folgender(Neu) -Initiationen gedeutet, - einm.E. so erstmals

geäußerter Gedanke - läßtdie Frau„für die Sphäre des periodischen Erleidensinkosmo-

logisch deutbaren Zusammenhängenprädisponiert**(29)

Naturals Personifikationistüberallweiblich, undderweiblicheSchamanismusist gene-

tischderältere,der häufigere undoftauchderechtere.

LeiderscheintMühlmanndaserstevoneinerFrau geschriebene Werküberins- besondereden sibirischenSchamanismusunbekannt geblieben zu sein, obwohlerzahl-

reicheseinerAnsichtendort

Siberia."Oxford 1914). SoweitichdasMaterialübersehe,war Czaplicka dieerste,diedas

Primatder Frauim Schamanismus herausgestellt und (auch mitausführlichenWortver- deichen)belegt hat.

1

wiedergefunden hätte, nämlich:M. Czaplicka("Aboriginal

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Anthropos 77.1982

Zum Ursprung des Schamanismus-Phänomensstellt der Autor drei verschiedene Ansichtenzur Diskussion: 1) insbesonderenach Nordeurasien ausgehend von der be-

kanntenSanskrit-Wortwurzel,Sramana' fürden nicht-brahmanischenAsketendie Herlei- tung aus Altindien (und die Diffusionvon dort aus), 2) die bereitserwähntesteinzeitliche Herkunftund 3) in Verbindung damit die häufig erwähnteErblichkeitder Schamanen-

gabe,

diese wanderndverbreitethabensoll. Unabhängig davon, ob

nicht2 , imponiert Mühlmanns Erfassung des Gesamtphänomens als quasi überörtlichund

überzeitlich, das er unter Hinzuziehung von

und passim) vom überfachlichen Standpunkt der Kulturanthropologie und Phänomenolo-

gie aus interpretiert, währendder historische Aspekt zurücktritt (34). Diese Form der

Analyse erlaubtes, weite Bogen zu schlagen,

Zeit und Raum hinweggleichen, ohne daß die Nachzeichnungbelegbarer Kulturzusam-

menhängeunabdingbar erschiene.

die aus dem »Gentilcharisma' transethnischer Sippen

abgeleitet wirdund sichdurch manihmhierinzustimmtoder

Adolf Bastians 'Elementargedanken'(11, 14

um zu zeigen, wie die Phänomenesichüber

So gelingtes, etwa die »Geisterheirat' der Schamanin, überdie zuerst Sternberg3 be-

'

richtet hat, gleichsinnig mit dem Shaktismus, den bekannten»Hochsitz

Schamaninnenmit den ,Turm '-Träumender Droste» die Gestaltder

der Tiere' (Artemis-Typ) mit dem künstlerischen »Gespür* der Dichterinzu sehen, oder -

auch ein neuer, insbesonderefürdie moderne Frauenbewegung interessanterGedanke -

die Entwicklung der deutschen Literatursprache mit den

(nicht lateinkundigen)Beginengemeinschaften im rheinisch-niederländischenRaum zu begründen.

»Verwandlungsideologie' des Schamanenturns (besonders» wasdie Verwand-

lung in Tiere angeht)bringt Mühlmanneine neue Deutung: Der Elementargedanke, der

solchen Verwandlungenzugrundeliegt, istwohl der -

Verleugnung der Identitätdem Tode zu entrinnen" (38). Dies wäreein weiterer Beleg für

die Herleitung

Bedeutung wähnung verdientebenfallsdie Interpretation der japanischen Afo-Dramen, die ja an sich einen Bestandteilder buddhistischenMission bildeten, als erweiterterschamanistischer

Seance n, wo allerdings weiblicheDarstellernun

de Weib'im No-Spiel ein sehrbeliebter Typ ist, abervon Männern gespieltwird).

der germanischen

jägerischen »Herrin

religiösen Bedürfnissender

Auch zur

wenigstens auf der Flucht - , durch

Religionskategorie4 aus dem Neolithikum,würde freilichmehr

fürden männlichenSchamanen haben als fürsein weiblichesPendant. Er-

dieser

ausgeschlossen sind (obgleich

das »rasen-

Erwähnung verdientenoch sehrvieles mehran diesembemerkenswertenund beim

einmaligen Lesenabsolutnicht ausschöpfbaren Buch, nurläßtes sich wegen seiner Heteroge-

nitätund

dies ist Mühlmanns Studie, deren Ausgangspunkt dezidiertnicht ethnographisch, sondern

literarhistorischist (18),

gutes Feuilleton gehörte denn in pliment aufzufassen bitte). Man

Völkerkundlernzwecks Oberwindunggewisserfachspezifischer»Scheuklappen', Femi- nistinnenzur Anreicherung ihres Argumentationsarsenals, Laien einfach deshalb, weil es interessantund vielseitig und »bildend' im schönstenaltmodischenSinndiesesAusdrucks ist.

und über-

Komplexheit im Rahmeneiner Rezension unmöglichunterbringen

-

so fachübergreifend, daß ihre Besprechung beinahe eher in ein

eine ZeitschriftfürVölkerkunde (was ich hierals Kom- schwankt, wem man dieses Werkmehr empfehlen soll:

2 M.E. läßt sich diese

Frage

wirklichnurunter

Beiziehung von Belegen

Analyse

fürden

auf den

Schamanismusaus allen Weltgegendenbeantworten» in denenersich findet; insofern

ist, vom ethnologischenStandpunktaus,

Ausstrahlungsbereiche eine

eurasischenKaum und dessen

zeptiert werden muß, weil er sich ja gerade mit den Einwirkungen der alteurasischen

Poetik-Traditionenauf u.a. rezente und sogar noch beinahe moderne Dichterinnenbe-

schäftigt. 3

Auserwählung im sibirischenSchamanismus. Zeitschrift

Mühlmanns Begrenzung seiner

Beschränkung, die freilichak-

Leo J.

Sternberg, Die

für Missionskündeund

4

1961:148).

Religionswissenschaft(Basel) 50. 1935.

Dieser Ausdruck geht zurückauf K.J.Narr, Urgeschichte der Kultur (Stuttgart

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Nur eines muß negativangemerkt werden: die Wahldes Verlags(eines beinaheex-

klusiven Fachverlages) und, damit zusammenhängend, der exorbitantePreis, der gerade

Kauf des Buchesausschließen dürfte, die am meistenFreudedaranhätten

diejenigen vom

und denenseine Lektüream nützlichstenwäre - die StudentenderVölkerkunde.

Gisela Bleibtreu-Ehrenberg

Schimmel, Annemarie. Und Muhammad ist Sein Prophet. Die

Verehrung

des

Propheten in der

Mit8 Taf. und6 Abb. Düsseldorfund Köln 1981. Eugen Diederichs Verlag. Preis:DM 19,80.

Bekanntlichhat Muhammadniemals irgendwelche übermenschliche Qualitäten für

sich in Anspruchgenommen, auch nichtdie Fähigkeit,

lich auf den Koran als ein großes Wunderhin (cf. 21). Jedoch findensichim Koran Stel-

len, die aufseine exzeptionelle Rolle hindeuten ; entwickeltesich bald eine weit überdas

ledig-

islamischen Frömmigkeit.(Diederichs Gelbe Reihe,32: Islam.) 280 pp.

Wunderzu wirken; er wies

aus solchenSätzen im Koran

Normalmaß hinausgehendeVerehrung des

und wundersamen

Legenden ausgesponnen,

weitge-

die mehrund

unzählige Wundererzählungen, die ihre Wurzelnnichtim

21-50, 86-96 u.ö.), und schließlicherhielter in

Frömmigkeit sehr verschieden

Propheten, und kleine koranischeHinweise wurdenim Laufe der Zeit zu

spannten Erzählungen

mehrdas Bild des historischenMuhammadmit einembunten Lichtschleierumwo-

ben (22-23).

Außerdem gibt es auch

Koran haben, sondernaus der islamischenTraditionstammenund im Laufe der Jahrhun-

derteimmermehr ausgeschmückt wurden (cf. 78). FernerwurdeMuhammadin derTraditionals sündenlosund als Vorbildallermora-

lischen

der mystischenSpekulation eine zentrale Bedeutung als Träger des göttlichen Lichtes

(108-123, u.ö.) So ist die Gestalt Muhammadsin der islamischen

von dem Bild, das etwa ein nüchterner europäischer Historikeraus dem Studium der Quellen gewinnt; dieses verklärte Prophetenbild ist aber ein bedeutsamerFaktor im le-

bendigen Islam. Ein guterKenner, WilfredCantwell Smith,konntefeststellen:

gibt atheistischeVeröffent-

Vollkommenheit hingestellt(cf.

Die Muslimewerden

Angriffe auf Allah gestatten - es

Muhammads

lichungen und rationalistische Gesellschaften-;

wird selbst in den liberalstenTeilen der Gemeinschafteinen Fanatismusvon glü-

henderIntensitäthervorrufen (8).

aber eine

Schmähung

Diese Aussagemagparadox erscheinen; man wirdsie aber verstehen,wennman sich

in das vorliegende Buch

Thema (so von Max

Verfasserinsich vor allem mit der

verschiedenenislamischen Sprachen, besondersauch aus dem Bereichdes indischen Islam,

befaßt, mit jenen Gedichten,„die verehrten Prophetenbeitragen"(10).

weitgehend zur Formung des Bildes des geliebten und

unglaublichreichhaltigen volkstümlichenPoesie in den

Horten,1917; Tor Andrae 1918, u.a., cf. 10) hinausgreifend, hat die

vertieft.Über frühere, mehrwissenschaftlicheWerkezu diesem

Man mag darinzuweilen eine starke Uberkünstelung(165), einen überladenenStil

(170), ein preziöses Spiel mit Worten (171) u.a., noch öftereinen

fühlefeststellen - dem EindruckdieserPoesie kann man sich dennoch nichtentziehen.

Die Bibliographie(249-258) enthältu.a. Originalwerke in Arabisch,Persisch, Tür-

Überschwang der Ge-

kisch, Sindhi

durch das Buch

von orientalischer Blütenpracht. Der Verfasserinist dafürzu danken, daß sie einen meist zu

Aspekt des lebendigen IslameinemweiterenLeserkreis nahegebracht hat.

und Pandshabi; ausführliche Register (251-280) helfen dem Leser, sich

hindurchzufinden, das einen oft anmutetwie ein Irrgarten, aber erfüllt

wenig beachteten

JosephHenninger

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