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Bertolt Brecht: Gedanken ber die Dauer des Exils

I
Schlage keinen Nagel in die Wand
Wirf den Rock auf den Stuhl.
Warum vorsorgen fr vier Tage?
Du kehrst morgen zurck.

Lass den kleinen Baum ohne Wasser.


Wozu noch einen Baum pflanzen?
Bevor er so hoch wie eine Stufe ist
Gehst du fort von hier.

Zieh die Mtze ins Gesicht, wenn Leute vorbeigehn!


Wozu in fremden Grammatiken blttern?
Die Nachricht, die dich heimruft
Ist in bekannter Sprache geschrieben.

So wie der Kalk vom Geblk blttert


(Tue nichts dagegen!)
Wird der Zaun der Gewalt zermorschen
Der an der Grenze aufgerichtet ist
Gegen die Gerechtigkeit.

II
Sieh den Nagel in der Wand, den du eingeschlagen hast:
Wann, glaubst du, wirst du zurckkehren?
Willst du wissen, was du im Innersten glaubst?

Tag um Tag
Arbeitest du an der Befreiung
Sitzend in der Kammer schreibst du.
Willst du wissen, was du von deiner Arbeit hltst?
Sieh den kleinen Kastanienbaum im Eck des Hofes
Zu dem du die Kanne voll Wasser schlepptest!

(Aus: Svendborger Gedichte)

Bertolt Brecht: Der Radwechsel


Ich sitze am Straenhang.
Der Fahrer wechselt das Rad.
Ich bin nicht gerne, wo ich herkomme.
Ich bin nicht gerne, wo ich hinfahre.
Warum sehe ich den Radwechsel
Mit Ungeduld?

(Aus: Buckower Elegien)


Bertolt Brecht: Liebesgedichte 2 12/12

Ich will mit dem gehen, den ich liebe


Ich will mit dem gehen, den ich liebe.
Ich will nicht ausrechnen, was es kostet.
Ich will nicht nachdenken, ob es gut ist.
Ich will nicht wissen, ob er mich liebt.
Ich will mit ihm gehen, den ich liebe.

Morgens und abends zu lesen


Der, den ich liebe
Hat mir gesagt
Da er mich braucht.

Darum
Gebe ich auf mich acht
Sehe auf meinen Weg und
Frchte von jedem Regentropfen
Da er mich erschlagen knnte.

Schwchen
Du hattest keine
Ich hatte eine:
Ich liebte.