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45 Minuten Schulweg für Drittklässler

Eltern wehren sich gegen Umteilung ihrer Kinder ins Margelacker-Schulhaus

Von Tobias Gfeller

Muttenz. Am 23. Februar wurden die Eltern von der Schulleitung Primarstufe Muttenz schriftlich darüber informiert, dass ihre Kinder im kommenden Schuljahr, wenn sie in die dritte Klasse gehen werden, aus dem Schulhaus Breite im Dorf ins Schulhaus Margelacker auf der gegenüberliegenden Gemeindeseite umziehen müssen. Dies wegen der bevorstehenden Sanierung des in die Jahre gekommenen Schulhauses Breite.

«Doch warum müssen ausgerechnet die Drittklässler diesen für sie weiten Schulweg auf sich nehmen?» Besorgte Eltern gelangten an der Gemeindeversammlung vom Dienstag mit einer schriftlichen Anfrage an den Gemeinderat. «Ich verstehe nicht, wieso die Drittklässler anstelle der Viert- und Fünftklässler umziehen müssen», brachte Thomas Seiler die Bedenken vieler Mütter und Väter auf den Punkt. «Der lange Schulweg wäre für die älteren Kinder weit weniger ein Problem.» Kinder könnten erst ab zehn Jahren den Verkehr als Ganzes erfassen und sich entsprechend verhalten, findet er. Zusammen mit anderen besorgten Eltern wandte er sich mit einer Anfrage an den Gemeinderat.

Begleitmassnahmen vorgesehen Den Drittklässlern steht teilweise ein Schulweg von bis zu 2,5 Kilometern bevor. «Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit können viele dieser Schulwege als unzumutbar eingestuft werden», findet Seiler. Kinder in diesem Alter hätten für diesen Schulweg über 45 Minuten. «Da bliebe noch etwa eine Viertelstunde für eine Mittagspause zu Hause», moniert Seiler.

In einem weiteren Schreiben hat die Schulleitung die Eltern über mögliche Unterstützungsmassnahmen für die Kinder auf dem Schulweg informiert. Es soll eine Wegbegleitung zwischen den Schulhäusern Breite und Margelacker geben. Dazu soll die Mittagspause für die beiden betroffenen Klassen verlängert und das Platzangebot im Mittagstisch Feldreben erweitert werden.

Im Weiteren schrieb die Schulleitung den Eltern, dass der Verkehrsunterricht für die betroffenen Klassen vorgezogen würde, damit diese auf den längeren Schulweg gut vorbereitet sind. Der Schulleitung scheint der lange Schulweg also durchaus bewusst zu sein. Doch die Massnahmen kosten Geld, das Muttenz aktuell nicht hat. Der Umstand lässt das Vertrauen der Eltern in die Gemeinde nicht eben wachsen.

Baukredit noch nicht gesprochen Die Schulleitung beruft sich in der Zuteilung der Klassen auf eine Sechsjahresplanung. «Wir möchten die Kontinuität für die Schüler gewährleisten», schreiben Agnes Herrmann und Marianna Hersche. Die Klassenlehrpersonen sollen zwischen der dritten und sechsten Klasse möglichst die gleichen bleiben und ein Hin und Her zwischen den Schulhäusern vermieden werden.

«Doch wurde der Gemeinderat über den Entscheid der Schulleitung und die damit verbundenen Mehr- und Folgekosten überhaupt informiert?», erkundigt sich Thomas Seiler in der Anfrage an den Gemeinderat. «Ich bin überzeugt, dass die Kosten für die Gemeinde tiefer wären, würden die Viert- oder Fünftklässler ins Margelacker zügeln.» Zudem kritisieren die Eltern, dass der Baukredit für die Sanierung des Schulhauses Breite gar noch nicht gesprochen wurde. «Die vorausschauenden Planungen der Schulleitung beruhen auf Eventualitäten», klagt Seiler.

Gemeindepräsident Peter Vogt (CVP) nahm die Anfrage der besorgten Eltern entgegen und wird diese zusammen mit seinen Gemeinderatskollegen im nächsten Amtsanzeiger schriftlich beantworten müssen.