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O N L I N E W I S S E N Der richtige Pfad zur

Der richtige Pfad zur Information

Wie sich Erfolg im Internet messen lässt

Aus den USA schwappt wieder ein Trend über den großen Teich: „Engagement“ heißt der neue Leitbegriff beim Webcontrolling. Damit versuchen Experten, die tatsächliche Wirkung einer Website nach komplexen Aspekten wie Markenwirkung und Kunden- bindung zu erfassen. Klassische Messgrößen wie Seitenzugriffe, Besucherzahlen und Verweildauer reichen da nicht mehr aus. Lesen Sie, mit welchen Methoden Sie Websites zielgenau optimieren und herausfinden, was genau Ihre Besucher im Internet anspricht. Denn Umfragen zeigen: Sitebetreiber verschenken viel Analysepotenzial, indem sie die entscheidenden Messpunkte im Internet falsch setzen oder ihren Webauftritt messuntauglich gestalten.

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ebcontrolling ist – zumindest Experten – nichts Neues. De facto

ignoriert aber immer noch die Mehrzahl der Unternehmen hierzu-

lande die Möglichkeiten effektiver Erfolgskontrolle im Web. Das ergab

eine Studie der Xamit Bewertungsgesellschaft aus dem Jahr 2007. Bei

neun von zehn der 14.000 untersuchten Webseiten quer durch alle

Branchen verzichteten die Betreiber auf spezielle Webstatistik-

Verfahren. Das heißt, kaum ein Unternehmen analysiert systematisch

seine Wirkung beim Internetpublikum. Hauptgrund dieser ernüchtern-

den Bilanz: Beim Webcontrolling erscheinen die Besucher von

Webseiten nur in Form langer Zahlenreihen und Statistiken. So einfach

kostenfreie Tools wie etwa Google Analytics auf den ersten Blick

erscheinen mögen: Wer ernsthaft Webcontrolling betreiben will,

braucht eine Menge Wissen und Erfahrung, um diese Daten zu inter-

pretieren. Zudem müssen Betreiber die Messapparatur schon beim

Entwurf in die technische Architektur ihrer Onlineprojekte einbetten.

Was gilt es also zu beachten, um den Erfolg von Websites wirksam

zu überprüfen und diese kontinuierlich an die Bedürfnisse der Ziel-

gruppen anzupassen?

an die Bedürfnisse der Ziel- gruppen anzupassen? AU TOR: Niels Anhalt Bereichsleiter Beratung und Konzeption
an die Bedürfnisse der Ziel- gruppen anzupassen? AU TOR: Niels Anhalt Bereichsleiter Beratung und Konzeption

AU TOR: Niels Anhalt

Bereichsleiter Beratung und Konzeption bei der nexum AG (www.nexum.de)

Zuerst fragen, wo es lang geht

Zunächst: Neben dem Webcontrolling, also dem kontinuierlichen

Messen und Analysieren von Nutzerzugriffen, können Unternehmen

die Besucher ihrer Website auch befragen, direkt durch Interviews oder

indirekt durch automatisierte Tests verschiedener Design- oder Inhalts-

varianten. Gerade vor dem Start oder Relaunch einer Website empfiehlt

es sich, die Nutzer einfach zu fragen, was sie tatsächlich auf der betref-

fenden Website suchen. Denn angesichts immer komplexerer

Webpräsenzen lassen sich kaum alle Bedürfnisse und Motive des

Publikums voraussehen. Ohne solche Nutzerbefragungen kann späte-

res Webcontrolling im Betrieb sogar zu zweideutigen oder falschen

Analysen führen.

Dazu ein Beispiel: So sucht ein Mobilfunkkunde nach einem neuen

Vertragshandy. Um eine Übersicht der verfügbaren Geräte zu erhalten,

muss er auf der Website seines Providers so tun, als sei er Neukunde.

Sobald er sein favorisiertes Handy gefunden hat, bricht er die Online-

Sitzung ab. In gewisser Weise war also der Webzugriff für das

Unternehmen erfolgreich, da der Kunde seinen Vertrag wahrscheinlich

verlängern wird. Die Webanalyse dokumentiert indes nur den Abbruch

da der Kunde seinen Vertrag wahrscheinlich verlängern wird. Die Webanalyse dokumentiert indes nur den Abbruch 1

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O N L I N E W I S S E N einer Onlinesitzung. Es entsteht

einer Onlinesitzung. Es entsteht also in zweifacher Hinsicht ein verzerr- tes Bild: Der Betreiber muss an der Nutzerfreundlichkeit der Abläufe zweifeln, die die Nutzerzum Vertragsabschluss führen. Obendrein geht ihm die entscheidende Information verloren, dass er einen Teil der Informationen aus diesem Prozess auch seinen Bestandskunden ver- fügbar machen sollte. Dabei würde er zusätzlich profitieren, da sich Bestandskunden als solche auf seiner Website anmelden müssen. Der Betreiber könnte dann einzelne Besuche einem bestimmten Besucher zuordnen und noch besser Rückschlüsse auf den Erfolg seiner Site zie- hen. Darum empfehlen sich vor dem offiziellen Start oder Neustart einer Website so genannte Usability-Tests, bei denen ausgewählte Kunden die neuen Seiten testen und anschließend dazu befragt wer- den. Erst dadurch erfahren die Macher der Site, welche Ziele ihre Kunden jenseits aller Werbehoffnungen tatsächlich verfolgen, an wel- chen unerwarteten Barrieren sie scheitern und wo sie sich noch Verbesserungen wünschen. Abstrakte Webstatistiken vermögen solche Hinweise nicht zu liefern.

Nach dem Launch ist vor dem Launch

Tests und Befragungen rentieren sich dabei nicht nur vor dem Launch einer Site, sondern auch im laufenden Betrieb. Denn ein hinreichend komplexes Webprojekt lebt und erreicht seine Perfektion selten schon beim Stapellauf. Trotzdem ist für viele Sitebetreiber der Gedanke nach wie vor ungewohnt, eine Präsenz auch nach ihrem Start laufend zu opti- mieren. In den meisten Onlinebudgets taucht dieser Posten darum erst gar nicht auf. Damit verzichten Unternehmen jedoch auf einen ökono- mischen Vorzug des Webmediums: Wofür in Printkampagnen jedes Mal Marktforscher bemüht werden müssen, erfolgt bei richtig einge- stelltem Webcontrolling laufend und automatisch. Stichwort: Echt- zeitoptimierung. Wer ernsthaft Webcontrolling betreiben will, sollte bei der Projektplanung daher auch Verbesserungszyklen nach dem Online- gang einplanen.

Kontinuierliche Erfolgskontrolle durch Webtracking

Interviews und automatisierte Tests liefern somit wichtige Moment- aufnahmen, mit denen sich sowohl der generelle Kurs einer Website korrigieren lässt als auch wichtige inhaltliche und gestalterische Details verbessern lassen, wie etwa Form und Farbe eines Bestellbuttons oder die Wirkung von Überschriften und Bildern. Für die kontinuierliche Analyse des Nutzerverhaltens dient dagegen das Webtracking oder Webcontrolling. Es wertet die Datenspuren aus, die Besucher auf den Seiten einer Website tagtäglich hinterlassen. Tracking-Software bildet darum die zweite Säule der Erfolgskontrolle im Web. Sie liefert dem Betreiber anhand bestimmter Schlüsselindikatoren Anhaltspunkte, wie Websitebesucher die angebotenen Onlineinhalte nutzen. Die Macher derSite erfahren etwa, wie lange sich Nutzer auf bestimmten Seiten auf- halten, wie tief sie in das Angebot vordringen, von wo sie auf die Site gelangt sind, über welche Suchmaschinen und Suchbegriffe etwa, aus welcher Region oder welchem Land sie darauf zugreifen und wie schnell sie einen Internetauftritt wieder verlassen.

Was sagen ein- zelne Indikato- ren über den Gesamterfolg im Web aus?
Was sagen ein-
zelne Indikato-
ren über den
Gesamterfolg
im Web aus?

Damit fördern Webtracking-Tools wichtige Basisdaten für die Erfolgskontrolle zutage. Trotzdem tun sich viele Unternehmen noch schwer mit dem angemessenen Einsatz solcher Lösungen. Denn Schlüsselindikatoren wie Seitenzugriffe (Page Impression, PI), Verweildauer (Session), Besucherzahlen (Visits) oder Absprungraten liefern letztlich nur Informationsfragmente. So dreht sich der Zähler für

Besucherzahlen (Visits) oder Absprungraten liefern letztlich nur Informationsfragmente. So dreht sich der Zähler für 2

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Kurs halten im Web durch vorausschauende Erfolgskontrolle
Kurs halten im
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vorausschauende
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die Seitenzugriffe um einen Wert weiter, wenn ein Besucher beispiels-

weise eine Produktinformationsseite anklickt. Ob er auf dieserSeite nur die Einführung gelesen hat oder zusätzlich auch die technischen Spezifikationen, bleibt hingegen im Dunkeln. Gleiches gilt für Verweildauer und Absprungrate: So kann eine Produktseite mit verhält- nismäßig hoher Verweildauer von einigen Minuten und vielen Seitenzugriffen eine hohe Absprungquote von achtzig Prozent aufwei- sen. Was sagt das über die Qualität einer Seite aus? Es kann bedeuten, dass die Nutzer dort, etwa aufgrund des Titels, relevante Inhalte erwar- ten, vergeblich suchen und die Website daraufhin verlassen. Es kann abergenauso bedeuten, dass sie fündig wurden und ihre Onlinesitzung

beendet haben.

Keine Blaupause ohne Controllingkonzept

Effektive Webanalysen erfordern also Erfahrung, um daraus valide Rückschlüsse auf den Erfolg eines Onlineprojekts oder einer einzelnen Kampagne und deren mögliche Optimierung zu ziehen. Mit der ange- messenen Interpretation von Webtrackingdaten allein ist hierbei indes auch nicht getan: Da geht es Website-Betreibern ein wenig wie U-Boot- Fahrern. Denn der Erfolg einer Unterwasserfahrt beruht neben der Interpretation von Mess- und Navigationsinstrumenten auch auf ihrer sinnvollen Platzierung im Bootskörper. Schon bei der Planung des Boots müssen darum die Konstrukteure entscheiden, welche Messwerte der Mannschaft später zuverlässig Auskunft über die siche-

re Fahrt geben sollen. Betreiber von Websites sind also gewissermaßen

Schiffskonstrukteure und U-Bootfahrer in einer Person. Nicht erst nach dem Launch, sondern bereits in der Entwurfsphase ihrer Website müs- sen sie festlegen, wo und wie sie später den Erfolg ihrer Onlinepräsenz messen wollen. So laufen nachher im Betrieb Controllingdaten in einem Instrumentencockpit zusammen, mit dem sich der erfolgreiche Kurs der Seite bestimmen lässt.

dem sich der erfolgreiche Kurs der Seite bestimmen lässt. Interaktion statt stumme Lektüre messen Doch für

Interaktion statt stumme Lektüre messen

Doch für jedes noch so gute Webcontrolling-Cockpit gilt, messen lässt sich im Web nur, was eine lesbare Spur hinterlässt. Je stärker also eine Website ihre Nutzerzur Interaktion animiert, desto besser lässt sich das Verhalten der Besucher später erfassen und interpretieren. Denn Webtracking-Software vermag nicht zu messen, was ein Besucher bei seiner stummen Lektüre denkt. Webtracking misst lediglich die Interaktionen des Nutzers mit der Website. Betreiber transaktionsorien- tierter Sites wie zum Beispiel Onlinehändler sind dadurch naturgemäß im Vorteil. Klare Erfolgsquoten liefern hier Verkaufsraten oder das Verhältnis zwischen Nutzern, die sich im Internet zu Produkten bloß informieren wollen, und jenen, die tatsächlich etwas online bestellen. Wichtig ist auch die Konversionsrate, also die Verwandlung vom virtu- ellen Schaufensterbummlerzum Käufer. Dagegen bieten contentlastige Websites wie das Gros der Unternehmensauftritte per se wenig Anlässe zur Interaktion. Hier sind die Messpunkte bedeutend schwerer zu plat- zieren. Künstliche Klickfallen wie ein Gewinnspiel oder ein Downloadangebot sind eine geeignete Möglichkeit, können aber in der Breite echte, aus dem Inhalt erwachsende Interaktionen nicht ersetzen.

Eine Ursache interaktionsarmer Webseiten ist der Umstand, dass noch wenige Unternehmen den Rückkanal als großen Vorzug des Internets gegenüber Print- und Rundfunkmedien zu nutzen wissen. So geben Webbesucher bei der Teilnahme an einem Onlinegewinnspiel oder beim Download besonderer Inhalte oft bereitwillig wertvolle Informationen zu sich und ihren Nutzungspräferenzen preis. Wie aber lässt sich dieses Prinzip auch für gewöhnliche Inhaltsseiten nutzen? Eine nahe liegende Maßnahme kann sein, interaktionsarme Seiten in mehrere Einzelseiten aufzuspalten. Das zwingt den Besucher bei der Lektüre, eine Klickspur durch die Inhalte zu hinterlassen und somit sein Interesse zu dokumentieren. Der Preis: Die Aufspaltung einer Seite

durch die Inhalte zu hinterlassen und somit sein Interesse zu dokumentieren. Der Preis: Die Aufspaltung einer

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macht den Internetauftritt als Ganzes unübersichtlicher. Zudem leidet die Bedienbarkeit, wenn der Browser des Nutzers mit jedem Klick eine neue Seite laden muss. In der Folge sinkt die Verweildauer in den betroffenen Abschnitten.

Verbesserte Interaktionsdesigns Web 2.0

Sitebetreiber stehen also vor widersprüchlichen Anforderungen:

informationen zusammenstellen, die seinen Bedürfnissen entspre- chen, sie sogar ausdrucken oder speichern. Inzwischen sind Webtracking-Tools auch in der Lage, Zugriffe innerhalb solcher RIAs zu erfassen. Auf diese Weise wandeln sich bloße Contentseiten zu interaktiven Informationsanwendungen mit messtauglicher Architektur.

Einerseits sollen sie ihren Besuchern einfach zugängliche Inhalte anbieten. Andererseits bedarf die Website einer geeigneten Archi- tektur, in der die Nutzer gewissermaßen einen Abdruck ihrer Motive hinterlassen. Neue Technologien aus dem Web-2.0-Umfeld wie Ajax und Flex ermöglichen neue, interaktionsstärkere Webdesigns. Mit ihnen lassen sich wirksame Klickdramaturgien aufbauen, ohne dass sich der Besucher in umständlichen Seitenhierarchien verliert. Denn auf Ajax oder Flex basierende Rich Internet Applications (RIAs) erlau- ben, Teilinhalte einer Webseite nachzuladen, anstatt jedes Mal die kompletteSeite neu aufzubauen. Dadurch verlieren Webseiten zuneh- mend den Charakter digitalisierter Buchseiten und gleichen hingegen eher Desktop-Anwendungen.

Gerade bei anspruchsvollen Produktdarstellungen lässt sich dieses Prinzip weiter auf die Spitze treiben. Statt die technischen Spezifi- kationen in Tabellen abzulegen oder, noch schlimmer, über mehrere Seiten zu verteilen, könnte ein Pumpenhersteller beispielsweise eine Produktseite mit einem Konfigurator ergänzen. Dort stellt sich der Nutzer die gewünschte Pumpe nach Art, Leistung und Größe ihrer Bauteilezusammen. Vorteil für ihn: Er sieht auf den ersten Blick, wie die einzelnen Eigenschaften zusammenspielen, statt sich abstrakte Leistungsdaten aus Tabellen mühsam heraussuchen zu müssen. Unter Umständen kann er zugleich ablesen, wie sich seine Wunsch- konfiguration auf den Preis des Produkts auswirkt. Der Sitebetreiber wiederum erhält einen individuellen Abdruck des Lesevorgangs. Bietet

Wie könnte eine gewöhnliche Produktinformationsseite danach

er dem Nutzer an, seine Konfiguration zu speichern, kann er ihn beim nächsten Ladevorgang identifizieren und ein auf ihn zugeschnittenes

aussehen? Der Besucher könnte über einen kurzen Teaser hinaus

Angebot unterbreiten. Bei einer ansprechend gestalteten Seite wird der

je

nach Interesse weitere Inhalte freischalten, beispielsweise indem

Besucher die Klickdramaturgie nicht als Hindernis zur Information emp-

er

Infokästen ausklappt. Auf diese Weise kann er sich die Produkt-

finden, sondern als erfolgreichen Pfad dorthin.

Online-Styleguides lassen oft zu wenig Spielraum für die Interaktion mit dem Nutzer
Online-Styleguides
lassen oft zu wenig
Spielraum für die
Interaktion mit dem
Nutzer
als erfolgreichen Pfad dorthin. Online-Styleguides lassen oft zu wenig Spielraum für die Interaktion mit dem Nutzer

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Mit Web-2.0-Technologien lassen sich somit gewöhnliche Text-Bild- Dokumente mit zusätzlichen Interaktions- beziehungsweise Konver- sionsstellen aufrüsten. Stichwort Conversions. Mit diesem Schlüssel- indikator werden bislang etwa Verkaufszahlen auf Onlineshops, Newsletter-Abonnements oder Downloads gemessen – und dank Web 2.0 nun auch aktive Lektüre. Zahlreiche Konversionsstellen innerhalb einer solchen Websitearchitektur erlauben präzise Rückschlüsse für die Verbesserung der Site, aber vor allem für die zielgenaue Ansprache jedes Nutzers.

Engagement als Messgröße für aktive Nutzer

Trotz verfügbarerTechnologien wird nicht jedes Unternehmen sogleich seine Website einem Oberflächenlifting à la Web 2.0 unterziehen. In den USA entwickeln darum Webspezialisten wie Eric Peterson, Autor des erfolgreichen Weblogs WebAnalyticsDemystified.com, oder Robert Scoble, ehemaliger Starblogger bei Microsoft, neue Kategorien, mit denen sich auch die Wirkung konversions- bzw. interaktionsarmer In- haltsseiten messen lässt. Ihr Ziel: das Big Picture. Das heißt, Web- controlling soll nicht nur seitenweise komplizierte Charts und Tabellen ausspucken. Stattdessen suchen die Autoren nach einem möglichst einfachen Begriff vom Wert einerSeite. Oder genauer: vom Wert eines Nutzers. Die Autoren vollführen nämlich einen Perspektivenwechsel. Sie bemessen den Wert einer Seite anhand des Engagements seiner Leser und Nutzer. Der englische Begriff engagement ist dabei vieldeu-

tig und meint Teilhabe und Bindung wie auch Verpflichtung.

Um das Engagement der Leser auf seinem Weblog zu messen, zieht Peterson dazu eine ganze Reihe Schlüsselindikatoren heran, darunter Klicktiefe,Verweildauer, Nutzung neuerInhalte, aktive Rückmeldung über Kommentare und Lesermails, Konversionen wie Downloads oder Abon- nements von Newslettern oder Newsfeeds, Anwahl der Website über wichtige Schlüsselbegriffe in Suchmaschinen sowie die direkte Eingabe der URL etc. Durch die Vielzahl der Indikatoren vermeidet Peterson, nur ein eindimensionales Bild der Nutzerbeteiligung zu erfassen.

Engagement hat viele Facetten

Denn Engagement kann sich auf vielerlei Arten ausdrücken: Klickt sich ein Nutzer durch eine ganze Liste von Seiten, lässt dies am bes- ten durch die Klicktiefe erfassen. Besucher die systematischer vorge- hen und sich an derSeitenhierarchie entlang arbeiten, geben sich vor allem durch eine hohe Verweildauer zu erkennen. Dagegen mag es auch Nutzer geben, die kaum mehr als eine Seite lesen, dafür aber

immer wieder zu einer Website zurückkehren. Ihr Engagement misst Peterson durch zwei Faktoren: Der Neuheitsindex, also die Tatsache, dass diese Nutzer vorzugsweise nach neuen Inhalten suchen, sowie den Loyalitätsindex. Hierbei helfen Webcontrollingtools dem Betreiber, wiederkehrende Besucher als solche zu erkennen beispiels- weise durch den kombinierten Einsatz von Cookies mit Zählpixeln oder so genannten Fingerprints, die den Nutzer über die individuelle Konfiguration ihres Rechners identifizieren.

Jeder Besucher verursacht aufgrund seiner besonderen Nutzungsweise unter- schiedliche Ausschläge in der Phalanx der Schlüsselindikatoren. Aus diesen Werten bildet Peterson einen Durchschnitt, der als fixer Wert das Engagement eines Websitebesuchers ausdrückt. Mit dieser Methode fand Starblogger Robert Scoble zum Beispiel heraus, dass Links des bekannten IT-Nachrichtenportals The Register nicht viel Wert sind. Denn trotz einer Millionen-Leserschaft klickt kaum einer von ihnen einen Link auf sein Blog Scobleizer an. Das Social-News- Portal Digg.com hingegen hat eine deutlich aktivere Leserschaft. Mit dreißig bis sechstausend regelmäßigen Nutzern ist das Digg-Publikum zwar deutlich klei- ner als bei The Register. Doch diese Leser klicken nicht nur auf den Link zu Scobles Blog, sondern posten dort auch Kommentare, beteiligen sich also aktiv an der Diskussion.

Das Engagement-Konzept wird zunehmend auch in Europa aufgegriffen und weiterentwickelt. Ihm zugrunde liegt eine gereifte Sicht des Internet-Nutzers, der nicht mehr nur als passiver Leser, sondern als aktiver, ja kreativer Partner gesehen wird. Webcontrolling-Experten versprechen sich von dieser nutzerzen- trierten Art der Erfolgsmessung eine beschleunigte Entwicklung in Richtung interaktiver Inhalte und Webdesigns. Zu erkennen ist bereits heute, dass moderne, internetgestützte Publikumsbeobachtung sich immer weiter von den Kategorien der Gutenberg-Ära entfernt.

Pragmatismus beim Design

Allerdings tangiert diese Entwicklung zu wirklich interaktiven Medien eine lei- denschaftlich verteidigte Bastion der Werbeabteilungen: das Corporate Design und die daraus abgeleiteten Gestaltungsrichtlinien für Onlinepublikationen. Hier zeigt sich allzu oft, dass die zuständigen Designer noch mit der Offline- Print-Brille auf das Web schauen und ihreVorschriften nach der optisch anspre- chenden Darstellung von Inhalten ausrichten. Doch die Regeln gefälliger Contentdarstellung taugen nicht automatisch als effektives Interaktionsdesign. Die Folge: Konformes Design untergräbt nicht selten den Erfolg einer Website. So kann sich etwa durch A-B-Testreihen oder multivariante Tests herausstellen, dass stärker animierte Buttons mit mehr als den vorgeschriebenen fünfzehn

oder multivariante Tests herausstellen, dass stärker animierte Buttons mit mehr als den vorgeschriebenen fünfzehn 5

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Zeichen auch deutlich mehr Vertragsabschlüsse bewirken als die Version aus dem Styleguide. Hier müssen sich Marketiers entscheiden, ob ihnen selbst gemachte Regeln wichtiger sind als der Erfolg bei ihrer Zielgruppe. Insbesondere für transaktionsstarke Webseiten empfiehlt sich ein gesunder Pragmatismus in Designfragen.

Effektive Erfolgskontrolle und darauf basierende Optimierung von Websites bedarf also einer ganzen Phalanx von Maßnahmen: von der frühzeitigen Planung einer wirksamen Messarchitektur zu einem interaktionsfreundlichen Design bis zur Bereitschaft, fortlaufend am Kunden zu testen. Websitebetreiber stehen dabei in gewisser Weise vor ähnlichen Herausforderungen wie Quan- tenphysiker oderSozialforscher: JedeVersuchs- oder Messanordnung beeinflusst und formt geradezu den Ablauf des Experiments. Webdesign, Controlling und aktiver Austausch mit den Sitebesuchern müssen darum eine Einheit bilden.

Wenn Sie mehr über Erfolgskontrolle und Website-Optimierung erfahren wol- len, steht Ihnen das Expertenteam von Niels Anhalt (niels.anhalt@nexum.de) gerne zur Verfügung.

FIRMENPROF IL nexum AG Die nexum AG ist Beratung und Agentur für digitale Medien. Die

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nexum AG

Die nexum AG ist Beratung und Agentur für digitale Medien. Die Philosophie der

nexum AG ist es, durch den kreativen Einsatz modernster Tech- nologien gemeinsam mit ihren Kunden die gesteckten Geschäfts- ziele und eine optimale User Experience zu erreichen.

Die Leistungen der nexum AG umfassen Beratung, Design, Entwicklung, Marketing Services, Redaktion und Projektmanage- ment. Themenfelder der nexum AG sind E-Business, Multi- channel-Lösungen und Content Management. Die nexum AG mit Hauptsitz in Köln und zweitem Standort in Jena beschäftigt mehr als 70 feste Mitarbeiter und betreut sowohl mittelständische Unternehmen als auch Konzerne. Zu den Kunden gehören unter anderem o2 (Germany), Sony Europe, ThyssenKrupp, REWE, Sportfive, Lufthansa, BAUR Versand und coop Schweiz sowie die Fußballbundesligisten 1. FC Köln, Hertha BSC, 1. FC Nürnberg und Hamburger SV.

www.nexum.de

AUTOR

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Niels Anhalt

Bereichsleiter Beratung und Konzeption bei der nexum AG E-Mail: niels.anhalt@nexum.de XING-Profil: www.xing.com/profile/Niels_Anhalt

THEMEN

• Schnittstellen-Kompetenz (IT, Marketing, Design)

• Multichannel-Konzeption (Web, Mobile, iTV, POI)

• Informationsarchitektur und Usability

• Content Management Prozesse

LE BE NSLAU F

Seit April 2007 ist Niels Anhalt Bereichsleiter Beratung & Konzeption bei der nexum AG. Hier berät er große und mittelstän- dische Unternehmen zu den Themen Content-Management- Prozesse, Rich Internet Applications, User Experience, Web- controlling und Multichannel.

In seiner Position als Manager Consulting leitete Niels Anhalt von September 2005 bis April 2007 den Bereich Multichannel der PIRONET NDH AG Consulting & Creative Services.

Bei der Pixelpark AG leitete er in den Jahren 2000 bis 2005 als Pro- jektmanager Großprojekte und entwickelte als Senior Berater Strategie- und Umsetzungskonzepte für Unternehmen aus der Telekommunikations- und Medienbranche (z.B. VIVA, ZDF, T-Online, iesy)

Als Projektleiter Internet und Intranet bei der Everest Design GmbH betreute Niels Anhalt im Zeitraum von 1998 bis 2000 den Kunden Bayer AG und begleitete den Relaunch der Corporate Website und den Aufbau des Corporate Intranet-Portals.

Mit seiner Diplomarbeit zum Thema „Interaktives Internet- Fernsehen“ schloss Niels Anhalt 1998 sein Studium an der Fachhochschule Köln im Fachbereich Photoingenieurwesen (Schwerpunkt Medientechnik) ab.

Anhalt 1998 sein Studium an der Fachhochschule Köln im Fachbereich Photoingenieurwesen (Schwerpunkt Medientechnik) ab. 6