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WALLIS

Vereinigung gegründet .
_ Am Samstag fand in Visp
die Oründungsversamm-
lung der Freidenker-
Vereinigung Sektion
Wallis statt. Diese setzt
sich für eine strikte Tren-
nung von Kirche und
Staat ein. Ihr erster
Präsident ist Va-
lentin Abgott-
spon (Bild).
Seite 2
WALLIS 2

Freidenker vereinigten sich


Gründung der 13. Sektion der Schweizerischen Freidenker- Vereinigung im Wallis
Wall i s. - Am Samstag
hat sich die Walliser Sekti-
on der Freidenker-Vereini-
gung konstituiert. Diese
nimmt die Interessensver-
tretung der konfessions-
freien Menschen wahr. Der
parteipolitisch unabhängi-
ge Verein sieht sich in der
Tradition der humanisti-
schen und wissenschafts-
orientierten Weltanschau-
ung und Ethik verwurzelt.
Die Freidenker-Vereinigung der
Schweiz wurde im Jahr 1908
«aus der Taufe gehoben». Über
hundert Jahre später fand nun
am vergangenen Samstag im
Visper ~ulturzentrum La Poste
die Gründungsversammlung
der Sektion Wallis statt. Die
Dreizehn-Sterne-Republik be-
herbergt die mittlerweile 13.
Sektion der Vereinigung. Etwa
60 Personen fanden den Weg an
die Gründungsversammlung.
Strikte Trennung
von Kirche und Staat
Reta Caspar, Mitglied des Zent~
ralvorstandes der Freidenker- Der Vorstand der Wdlliser Freidenker-Sektion bei der Unterzeichnung des Gründungsaktes (von links): Melanie Hartmann (Aktuarin),
Vereinigung der Schweiz, sowie Marcel Theler (Vizepräsident) sowie Valentin Abgottspon (Präsident). Kassier Frederic Zeiter war in den Ferien. Foto wb
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Strikte Trennung
von Kirche und Staat
Reta Caspar, Mitglied des Zent~
ralvorstandes der Freidenker- Der Vorstand der Wdlliser Freidenker-Sektion bei der Unterzeichnung des Gründungsaktes (von links): Melanie Hartmann (Aktuarin),
Vereinigung der Schweiz, sowie Marcel Theler (Vizepräsident) sowie Valentin Abgottspon (Präsident). Kassier Frederic Zeiter war in den Ferien. Foto wb
Michael Suter, Vizepräsident
der Sektion Bern, überbrachten sich für die vollständige Tren- Die Freidenker sind überzeugt, und durchgesetzt werden wie bezahlen zu wollen. Das ist eine
ihre Grussbotschaften und nung von Kirche und Staat ein.» dass religiöse Ansichten und Menschenrechte, Meinungsfrei- 'reine Schikane, die abgeschafft
wünschten der Walliser Sektion Für ein sinnvolles Leben sei kein Behauptungen der Überprüfung heit, Religionsfreiheit, Presse- gehört», forderte Abgottspan.
gutes Gedeihen und Erfolg. Be- Jenseitsglaube oder der' Glaube durch die Vernunft nicht stand- freiheit, Rechtsstaat, Frauen- Auch der Religionsunterricht ist
vor es zum eigentlichen Grün- an einen Gott notwendig. «Viele halten. rechte, Folterverbot oder die Ab- den Freidenkern ein Dom im Au-
dungsakt kam, richtete Valentin Freidenker finden den Sinn des schaffung der Todesstrafe. «Es ge. «Es wird nicht gelehrt, dass
Abgottspon, erster Präsident der Lebens im Handeln, das zu mehr «Religionen richteten waren nicht die Kirchen, die das die Christen glauben, dass Jesus
Sektion Wallis, einige philoso- Gutem in der Welt führt, in so- mehr Schaden an» alles ermöglicht haben, sondern auferstanden sei, sondern es wird
phisch-hi,storische Gedanken zialem Fortschritt, in der Schön- Aus diesem Grund stellen sie.re- die Aufklärung und der Huma- gelehrt, dass er auferstanden sei.»
über das Freidenkerturn an die heit von Kunst, Musik und Lite- ligiöse Ansichten auf die gleiche nismus», betonte Valentin Ab- Die Freidenker fordern al)statt
versammelten Interessenten: ratur, persönlicher Zufriedenheit, Stufe wie den Aberglauben. gottspon . . des bisherigen Religionsunter-
«Der Begriff Freidenker bezieht . V~rg~~gen, . Li~rf,. ~ßd ~4~~ , Ve[.~ «Die meis!.()'Q•.Religion,C::.p haben ri~~~.e~ eint:n allgemeinen . W,ert-
sich auf eine 'Bewegung, 'dIe ~ mehrling von WIssen», so Ab- ~ im Laufe der .Geschichte mehr Rund.20-Mitglieder~ ~· unterricht in Religionswis$en-
sich auf die Aufklärung und den gottspon. Nahezu aUe FreidenkeP' , Schaden ängerichtet als Gutes Die Trennung von Kirche und schaft. Nach seinen Ausführun-
Humanismu.s beruft. ' .. seien sich einig, '(lass die' wissen- bewirkt . .' Ghiübenskriege, Skla- Staat sei immer noch nicht voli'- gen schritt Vaientin Abgöttspon
schaftliche Erklärung der Entste- vereien, Sexismus, Rassismus, zogen. Was sich unter anderem zur Tat und unterschrieb gemein-
Ke~ Jenseitsglaube hung des Lebens, also die Evolu- Homophobie, Intoleranz und die bei der Kirchensteuer deutlich sam mit Marcel Theler (Vizeprä-
oder Gott nötig tionstheorie nach Darwin, die Unterdrückung von Minderhei- zeige. «Besonders bei uns im sident) und Melanie Hartmann
Als freidenkerisch können ver- einleuchtendste sei. «Für die er- ten sind nur einige Beispiele da- Wallis ist es so, dass auch wenn (Aktuarin) den Gründungsakt.
schiedene weltanschauliche Ein- staunliche Komplexität braucht VOf»' teilte der Präsident mit. jemand aus der Kirche ausgetre- Kassier Frederic Zei-ter weilte in
stellungen bezeichnet werden. In es keine weitere Erklärung alS G ·gen die Macht der Kirchen ten ist, er jedes Jahr bei seiner den Ferien. Bisher sind der Verei-
einem Punkt sind sich jedoch al- die naturwissenschaftliche», un- m ssten hingegen zahlreiche Er- Gemeinde speziell darauf hinwei- nigung rund 20 Personen beige-
le Freidenker einig - sie setzen terstrich Abgottspon. ru gens~haften hart erkämpft sen muss, keine Kirchensteuer treten. wek
«Der Mensch' at Gott erschaffen»
Professor Beda Stadle,r stellte die Sichtweise eines Atheisten vor
Wall i s. - Gewohnt poin- Menschen würden nämlich ten stattgefunden, unterstrich gegeben hat, widerspricht das nen Welt keineswegs dem
tiert hielt Professor Beda als Atheisteri geboren. «Der Stadler. Und zwar über einen der christlichen Theorie von Christentum entstammen,
Stadler an der Gründungs- Monotheismus ist eine reine ' Zeitraum von ' Millionen von der Schaffung des Menschen. sondern in einem erbitterten
versammlung der Freiden- Erfindung des Menschen. Der Jahren. Somit gibt es auch keine Erb- Emanzipationskampf gegen
ker einen Vortrag über sei- Mensch hat Gott erschaffen», sünde und folglich kann es die Machtansprüche dieser
ne weltanschauliche Sicht- so Stadler. Die meisten Göt- Eine arge auch keine Erlösung geben.» Religion durchgesetzt wur-
weise. ter, an die der Mensch in den Mogelpackung Die Rede von den christlichen den. «Es darf nach 'wie vor
vergangenen Jahrtausenden Die Existenz von Lucy, die zu Werten unserer Gesellschaft keine Frau an den Altar. Das
Unter den Freidenkern gibt es geglaubt hat, existieren nicht den ältesten Überresten eines sei zudem eine arge Mogelpa- ist zutiefst staatsfeindlich.
zahlreiche verschiedene Welt- mehr. Auch dem Christentum me'nschlichen Wesens gehört, ckung, denn es sei eine unum- Wenn das bei 'Scientology so
anschauungen. Agnostiker etwa werde es einst nicht anders er- , und die Existenz der Stamm- stössliche Tatsache, dass die wäre, würden alle aufschrei-
lassen ' die Möglichkeit einer gehen. Mutter Eva schliessen einan- fundamentalen Rechte und en.»
Existenz Gottes noch offen, Die Evolution hätte unbestrit- der aber aus. «Wenn es Lucy Errungenschaften der moder-
Atheisten lehnen sie hingegen «Nicht Gott ist Quelle
strikte ab. Professor Beda Stad- unserer Moral»
lee ~tellte in seinem Vortrag «Angst ist die Mutter aller Re-
«Denkst du schon oder glaubst ligionen. Ein Himmel ohne
du noch» die Sichtweise eines Hölle macht keinen Sinn. Ka-
reinen Atheisten vor. tholiken wissen, wie die Hölle
aussieht, aber niemand weiss,
Das Ich als Projektion wie es im Himmel aussieht.»
des Gehirns Das an und für sich Böse gebe
Er sei Sympathisant der Frei- , es nicht. «Wer' hat denn in der
denkerbewegung, kein Mit- Bibel mehr Menschen getötet?
glied, betonte Beda Stadler. Jemand hat mal nachgerech-
«Ich kann nämlich gar nicht frei net. Er kam auf über zwei Mil-
denken. Das <Ich>ist nichts an- lionen getötete Menschen
deres als eine Projektion unse- durch Gottes Hand und auf le-
res Gehirns und ist dessen bio- diglich zehn Tote, die der Teu-
logischen Vorgängen unterwor~ fel auf dem Gewissen hat», so
fen.» Der Professor für Immu- Stadler.
nologie sieht sich laufend mit Auch die Moralansprüche der
religiösen Argumenten kon- Religionen lehnt der Immuno-
frontiert. Da werde immer wie- loge ab. «Moral ist ein evolu-
per kritisiert, die modeme Gen- tionäres Pmgramm. Wir haben
technik sei ein Eingriff in die über Millionen von Jahren eine
Schöpfung. «Tatsächlich macht moralische Fähigkeit entwi-
jeder von uns pro Sekunde eine ckelt, die intuitive Entschei-
Million Genmutationen durch.» dungen über Gut und Böse
Beda Stadler hält sich für die auslösen. Es ist unsere eigene
Erklärung dieser Weit an die Natur, nicht Gott, die die Quel-
Fakten der Wissenschaft und Als Gastreferent hielt Professor Beda Stadler einen Vortrag: «Denkst du schon oder glaubst du le unserer MOrltl ist», so Stad-
lehnt jede Religion .ab. Alle noch?» Foto wb ler. wek