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Hermann Hartfeld, PhD Pastor i.R.

Das homosexuelle
Verhalten aus der Sicht
der Bibel

1. Definition / Begriffserklärung

1.1. Die säkulare Definition der Homosexualität

Das griechische Wort homo(ios) und das lateinische sex(us) liegen dem Begriff Homosexualität

zugrunde, der eine Neubildung des 19. Jahrhunderts zur Bezeichnung eines abnormen, auf Menschen

gleichen (homo-) Geschlechts (sexus) gerichteten Sexualempfindens ist. Geprägt wurde der Begriff

"Homosexualität" im Jahre 1869 vom österreichischen Schriftsteller Kertbeny (Benkert), der selbst

homosexuell aufgelegt war.1 Im nichtwissenschaftlichen, populären Sinn gilt Homosexualität aus-

schließlich für die gleichgeschlechtliche Liebe zwischen Männern, während lesbische Liebe auf das

weibliche Geschlecht beschränkt ist.

Martin Dannecker, ehemaliger Leiter der Abteilung für Sexualwissenschaften im Klinikum der

Universität Frankfurt, der selbst homosexuell empfindet, hat in einem Gespräch mit Helmuth Zenz

und Gabriele Manok die Frage nach der Definition der Homosexualität wie folgt beantwortet:

Homosexuell sind "Leute, die selber von sich sagen, sie seien homosexuell oder bisexuell. Man kann

nur über die Homosexuellen sprechen, bei denen es ein Stück weit Selbstidentifizierung als

Homosexuelle gibt. Zwar kann auch jemand homosexuell sein, der vorbewusst oder unbewusst

1
E.H. Haeberle, Die Sexualität des Menschen, Berlin - New York, 1985, S. 242. 490
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erotische oder sexuelle Wünsche nach einem gleichgeschlechtlichen Sexualobjekt hat, diese

Wünsche aber bewusst nicht aushält und deshalb verleugnet. Nur, solche Personen werden von der

Wissenschaft nicht erfasst..." Dannecker meint, dass, "die, die später ausschließlich homosexuell

sind, hatten schon vor der Pubertät gleichgeschlechtliche Schwärmereien ...“ Dannecker postuliert:

„Der Wunsch nach bestimmten Sexualobjekten ist ja wie ein Zwang, das können wir uns nicht

aussuchen". Der Wissenschaftler verneint aber eine vererbte Homosexualität und führt aus:

"Homosexualität ist nach meiner Auffassung nicht angeboren, sondern eine spezielle Bahnung der

sexuellen Ausstattung in der Lebensgeschichte".2

1.2. Die biblische Definition der Homosexualität

Die Bibel hat keinen eigenen Begriff für die „Homosexualität“. Die alttestamentlichen Texte wie

Levitikus 18,22 und 20,13 umschreiben die homosexuelle Liebe mit dem Satz: et zakar lo tischkab

mischk’be ‘ischschah, d.h. „Nicht sollst du mit einem Menschen männlichen Geschlechts schlafen

wie mit einer Frau“. Die hebräische Kombination „mischkab zakar“ meint den „Beischlaf eines

Mannes mit einem Mann“ (vgl. Numeri 31,17). Die Schreiber des AT befassen sich kaum mit der

Erotik aus wissenschaftlicher Sicht, sie missbilligen aber jedes Verhalten, das nach ihrem Dafürhalten

die Grenzen der heterosexuellen Liebe überschreitet. Genesis 19,5 umschreibt den homosexuellen

Verkehr euphemistisch mit dem Begriff erkennen: „Bring sie hervor zu uns und wir werden sie

erkennen.“ Es wird in der „Lotserzählung“ berichtet, dass Lots Familie von zwei (himmlischen) Boten

männlichen Geschlechts besucht wurde (19,1-3), denen Lot bereitwillig Gastfreundschaft erwies.

Jedoch waren die Stadtbewohner mit Lots Vorgehen unglücklich, und „Männer der Stadt, Männer von

Sodom“, umzogen „das Haus, (vom) Knaben gar bis zum Alten,“ und fragten: „Wo sind die Männer,

die zu dir kamen zur Nacht? Bring sie hervor zu uns, und wir werden sie erkennen“ (19,5). Das Verb

„erkennen“ wird, wie wir sehen werden, euphemistisch mit männlichem „Beischlaf“ umschrieben. Ein

ähnlicher Vorfall ereignete sich bei Benjaminitern in Gibea viz-a-viz von Jerusalem (Richter 19,22-24).
2
Helmuth Zenz und Gabriele Manok (Hrsg.), Aids-Handbuch für die psychosoziale Praxis, Bern-Stuttgart-

Toronto, Verlag Hans Huber, S. 143


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Das Neue Testament kennt einzig die paulinische Umschreiben des homosexuellen Verhaltens.

Paulus bezeichnet die homosexuelle Liebe der Frauen wie Männer mit dem Ausdruck „entehrende

Leidenschaften“ (Röm 1,26) und den homosexuellen Verkehr als „widernatürlich“ (1,26f.). Der

homosexuelle Akt wird so dargestellt: „Die Frauen vertauschten den natürlichen Geschlechtsverkehr

mit dem widernatürlichen“, und die Männer wurden „von wildem Verlangen zueinander gepackt;

Männer ließen sich in schamlosem Treiben mit anderen Männern ein“ (1,27 nach Genfer).3

Summa summarum: Das homosexuelle Verhalten wird von biblischen Autoren als Beischlaf eines

Mannes mit dem gleichen Geschlecht wie mit einer Frau beschrieben, und Paulus definiert ähnlich

auch die lesbische Liebe: Die Frau vertauscht den natürlichen Geschlechtsverkehr mit einem Mann

auf den „widernatürlichen“ mit einer Frau.4 Die Griechen kannten jedoch mehrere Begriffe für die

Homosexualität und Homosexuelle, so z.B.: „arsenokoitountes“ = homosexuelle Handlung,

„androkoitai“ = Homosexuelle und „paiderastia“ = die Knabenliebe.5 Paulus bedient sich in 1Kor 6,9

des Kompositums aus den Morphemen „arsen“ und „koitai“ = „Männerbeischlaf“. Dass Paulus in

seinem Text „androikoitai“ nicht verwendet, hat wohl damit zu tun, dass „arsenokoitoi“ mehr als alle

andere Begriffe in der griechischen Literatur vorkommt. Die Ausnahme bildet der Begriff

„paiderastia“ = Knabenliebe, der in der Bibel nirgends vorkommt.

2. Exegese

3
A.T. Robertson, S. 331; C.K. Barrett, Romans, S. 39; E. Käsemann, S. 47ff; J. Jervell, Imago Dei (Göttingen,

1960), S. 289-314.

W. Hendriksen, Romans, S. 78-80; A.T. Robertson, S. 331; Calvin's NT Commentaries, S. 37; D. Stuart

Briscoe, Romans, S. 48-50; Don Williams, The Bond that Breaks (Ventura, o.J.), S. 116.

4
William Barclay, The Letter to the Romans (Edinburgh, o.J.), S. 23f

5
vgl. John Boswell, Christianity, Social Tolerance, and Homosexuality, Chicago - London, 1980, S. 172
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2.1. Altes Testament

.1. Genesis 19,5 vgl. Richter 19,22

„Und sie riefen nach Lot und sagte zu ihm: Wo sind die Männer, die diese Nacht zu dir gekommen

Sind? Führe sie zu uns heraus, dass wir sie erkennen“. Es ist sicherlich korrekt, dass der hebräische

Begriff „jadha“ im Kontext von Gen 19,5 nicht als ein Zeitwort „erkennen“, im Sinne von

„kennenlernen“, verwendet wird, er meint expressis verbis den homosexuellen Missbrauch. Nach

hermeneutischen Gesichtspunkten kann in Gen 19 wie in Ri 19 auch der Verstoß gegen das

hebräische Gastrecht gemeint und implizit verurteilt worden sein, obwohl Lot ja auch das Gastrecht

seiner unmittelbaren Umgebung verletzt haben muss. Nach den Regeln des Gastrechts mussten im

Altertum Fremde vor dem Stadttor ihre Namen, die Zahl der Begleiter sowie die Zahl der Tiere

nennen, damit entschieden werden konnte, ob von den Einreisenden Gefahr wie Überfall oder

Versklavung drohte. Lot scheint diese Regeln ignoriert und die zwei Männer, in Missachtung des

Gastrechts, in sein Haus aufgenommen zu haben.6 Josephus lobt jedoch die Gastfreundschaft Lots

und schreibt, er habe „von Abraham gelernt, was Gastfreundschaft heißt. Die Sodomiter jedoch

verfolgten lüstern die gut aussehenden Männer“.7 Josephus und Philo bezeichneten die „Sünde von

Sodom“ als „unmoralische, unnatürliche Sinnlichkeit“.8 Sexuelle Ausschweifungen - welcher Art auch

immer - werden in der Bibel nicht selten mit Sodom in Zusammenhang gebracht (vgl. Hes 16,46-58;

Amos 4,11; Zeph 2,9). Hesekiel 16,50 meint jedoch, dass das Verhalten der Sodomiten von ihrer

Hochmut abzuleiten ist, und schreibt: „vielmehr wurden sie hochmütig und verübten Gräuel vor mir.

Da verstieß ich sie, wie du gesehen hast“ (vgl. Vers 49).9 Der Begriff „Gräuel“ enthält in sich u.a. auch
6
vgl. A.F. Ide, The City of Sodom and Homosexuality in Western Religious Thought to 630 C.E., Dallas,

1985, S. 39

7
Josephus, Die Patriarchen, A I, 200

8
D.S. Bailey, Homosexuality and the Western Christian Tradition, London, 1955, S. 156f.

9
vgl. D. Atkinson, Homosexuals in the Christian Fellowship, Grand Rapids, 1979, S. 80-82
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sexuelles Vergehen. Richter 19,22 berichtet von Männern „aus der Stadt, böses Gesindel,“ das „das

Haus“ umringte und verlangte vom Gastgeber: „Bring den Mann heraus, der bei dir ist; wir wollen ihn

erkennen“. Das hebräische Verb neda’enu ist Futurum von jadha und zeigt, dass die Gibeaniter als

„Söhne der Nichtswürdigen oder Heillosen“ (bne’ belija’al) keine harmlosen Absichten hatten. Denn

das Verb jadha erscheint nämlich zur Schilderung des kollektiven Vergewaltigungsaktes wiederum in

Richter 19,25: „Sie erkannten (jedhu) sie und trieben ihren Mutwillen mit ihr die ganze Nacht hindurch

bis an den Morgen. Und sie ließen sie gehen, als die Morgenröte aufging“ (Ri 19,25f.). Der

Zusammenhang des Textes zeigt uns in aller Deutlichkeit, die Männer von Gibea beabsichtigten, den

Gast homosexuell zu missbrauchen.10

.2. Levitikus 18,22; 20,13

Der hebräische Text von Lev 18,22 und 20,13 ist allerdings komplex. Der Text von Lev 18,22

lautet: et zakar lo tischkab mischk'be 'ischschah. Die Theologen Carl-Friedrich Keil und Franz

Delitzsch übersetzen den Passus mit dem Hinweis: „Es war verboten, mit dem männlichen Ge-

schlecht zu liegen wie mit dem weiblichen“, und sie folgern: "... d.h. das Verbrechen der Päderastie,

jenes von Sodom (Gen 19,5), zu begehen".11 Es ist nicht ausgeschlossen, dass die beiden Theologen

mit dem Begriff der Homosexualität noch nicht vertraut waren, als sie (im 19. Jh.) ihren Kommentar

erarbeiteten; hermeneutisch wäre ihre Wiedergabe jedenfalls möglich. Wir müssen aber das

hebräische zakar doch unter die Lupe nehmen, um herauszufinden, ob der Begriff mit Knabenliebe in

Beziehung gebracht werden kann. Ludwig Köhler gibt das Wort mit "Mensch männlichen Geschlechts"

wieder.12 Denselben Beiklang enthält der Begriff in Genesis 17,10.12.23. In diesen Versen geht es
10
J. Dus, „Gibeon - eine Kultstätte des schmsch und die Stadt des benjaminitischen Schicksals“ in: Vetus

Testamentum, Nr. 10 / 1960, S. 353-374

11
C.F. Keil und F. Delitzsch, Commentary on the Old Testament in Ten Volumes. The Pentateuch (Grand

Rapids, 1980), Bd. 2, S. 417.

12
Ludwig Köhler, Lexicon in Veteris Testamenti Libros (Leiden, 1958), S. 257.
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zweifellos um Angehörige des männlichen Geschlechts jeden Alters. Abraham sollte nach Gen 17,23

"alles Männliche" beschneiden; da noch niemand in seiner Sippe beschnitten war, nahm er "seinen

Sohn Ismael und alle ... Sklaven, alles Männliche im Hause Abrahams, und beschnitt noch am

gleichen Tage das Fleisch ihrer Vorhaut, wie Gott ihm befohlen hatte". Wie auch andere Bibelstellen

bezeugen, in denen zakar erscheint,13 meint der hebräische Begriff keinesfalls nur Knaben, sondern

Männer aller Altersstufen.14

In diesem Zusammenhang interessiert uns auch das hebräische Verb schkb, das mit "beiwohnen"

oder "schlafen" übersetzt wird. Laut Ludwig Köhler bezeichnet schakab "sich hinlegen zum Schlaf". Er

meint aber, in Levitikus 18 gehe es nicht um das natürliche Schlafen allein, sondern im Verb seien

perverse sexuelle Absichten impliziert.15 Derweil bezeichnet schakab durchaus auch das friedliche

Sterben von Menschen; die Rede des Propheten Nathan zu König David ist ein plausibles Beispiel:

"Wenn dann deine Tage voll sein werden und du dich zur Ruhe legst bei deinen Vätern..." (2Sam

7,12). Kontext und Aussage des Verses verleihen dem Verb die Bedeutung des Sterbens bzw. des

Bestattet-Werdens.16 Nichtsdestoweniger wird das Verb schakab auch für den Geschlechtsverkehr

verwendet, so z.B. in Gen 19,32f: Die ältere Tochter Lots "legte sich zu ihrem Vater. Dieser merkte es

nicht, wie sie sich hinlegte, noch, wie sie aufstand" (Gen 19,33). Der euphemistische Gebrauch des

Begriffs schakab zielt nicht auf eine Verheimlichung des Tatbestandes des Inzests, wird das
13
Genesis, 34,15.22.24f; Exodus 12,48; Leviticus 6,11.22; 7,6; Numeri 1,2.20.22.

14
Jenni/Westermann, Bd. 1, Sp. 132: "Speziell zur Bezeichnung des Geschlechts" findet sich zakar

'männlich, Mann': 82 Mal, davon je 18mal in Leviticus und Numeri, 14mal in Genesis und in Esra 8mal. Vgl.

ebenda, Bd. 2, Sp. 557.

15
L. Köhler, S. 968; er zählt als Parallelen Lev 20,13; Ex 22,18; Dtn 27,21 auf: ebenda, S. 968.

16
Jenni/Westermann, Bd. 1, Sp. 11; diese Quelle zitiert entsprechende Artikel von C.F. Whitley in Vetus

Testamentum 2 (1952): 148f; B. Alfrink in Oudtestamentische Studien 2 (1943): 106-108, und 5 (1948): 118-

131; vgl. O. Eißfeldt, "Israelitisch-jüdische Religionsgeschichte und alttestamentliche Theologie", ZAW 44

(1926): 1-12; Ders., "Werden, Wesen und Wert geschichtlicher Betrachtung der israelitisch-jüdisch-christlichen

Religion", Zeitschrift für Missionskunde und Religionswissenschaft 46 (1931): 1-24.


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Ergebnis des Beischlafs der beiden Töchter mit Lot doch explizite erwähnt: "So empfingen beide

Töchter Lots von ihrem Vater" (Gen 19,36). Der Inzest wird hier vom Autor weder gutgeheißen noch

getadelt, sondern als Resultat einer Grenzsituation präsentiert.17 Das Heiligkeitsgesetz seinerseits

lässt uns kaum daran zweifeln, dass Levitikus 18,22 schakab als Euphemismus für sexuellen Verkehr

verwendet, und zwar unter Männern. Der Autor gibt uns durch den erklärenden Vergleich einen

Hinweis, wie der Koitus unter Repräsentanten des männlichen Geschlechts zu verstehen ist, nämlich:

mischk'be' ischscha, "Beischlaf (wie) mit einer Frau".18 Laut Benjamin Davidson ist mischk'be' ein

Femininsubstantiv,19 das den Geschlechtsverkehr meint. Die Kombination mischkab zakar begegnet

uns in Numeri 31,17 und wird gelesen: "Beischlaf mit einem Mann".20 Der Passus gibt den Befehl

wieder: "Tötet sofort alle männlichen Kinder, ebenso tötet jedes Weib, das bereits mit einem Mann

geschlechtlich verkehrt hat." Auch hier hat das Wort mischkab eine sexuelle Bedeutung und meint

den heterosexuellen Verkehr.

Entsprechend können wir Levitikus 18,22 wie folgt wiedergeben: "Keine sexuelle Verbindung

mit einem Menschen männlichen Geschlechts, als wäre er eine Frau, sollst du eingehen." Diese

etwas umschreibende Wiedergabe stimmt inhaltlich mit dem Urtext überein. Laut Davidson kann lo

tischkab ein Verb in der 2. wie auch in der 3. Person sein.21 Somit kann lo als ein Adverb gesehen

werden, das eine Verneinung ausdrückt. "Nicht sollst du mit einem Menschen männlichen

Geschlechts schlafen wie mit einer Frau."22 Das Futurum des Verbs "schlafen, sich hinlegen" bildet

mit dem Adverb "nicht" einen Imperativsatz: "Nicht sollst du" oder "du darfst nicht". Hiermit wird der

17
L. Köhler, S. 986; vgl. Jenni/Westermann, Bd. 2, Sp. 637, 680; Gerhard v. Rad, Genesis (Philadelphia,

1973), S. 223-225.

18
L. Köhler, S. 575; vgl. Jenni/Westermann, Bd. 1, Sp. 691.

19
Benjamin Davidson, The Analytical Hebrew and Chaldee Lexicon (Lynn, 1981), S. 521.

20
L. Köhler, S. 575; vgl. S. 257; Jenni/Westermann, Bd. 1, Sp. 691.

21
B. Davidson, S. 779.
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homosexuelle Verkehr unter Männern strikt untersagt. Dass die Israeliten im Singular mit "du"

angesprochen werden, ist durchaus keine Ausnahme; Elmer Martens kommentiert mit Recht: Die

Zuhörer werden als "corporate personality", als kollektive Einheit gesehen.23

Levitikus 20,13 sagt eigentlich dasselbe aus wie Levitikus 18,22:

„Sollte ein Mann mit einem Menschen männlichen Geschlechts Geschlechtsverkehr

unterhalten wie mit einer Frau, haben beide Schändliches (bzw. Gräuel) begangen. Mit dem

Tod sollen sie bestraft werden; es lastet Blutschande auf ihnen.“24

Hier ist zu berücksichtigen, meint Samuel Rolles Driver, dass die homosexuelle Praxis als Folge

der kanaanäischen Rechtslage im Umfeld der Israeliten grassierte. Diese Legislation von Lev 20,13

hatte u.a. vorbeugende Funktion, um Gottes Volk vor der Befleckung mit der Verderbtheit der Heiden

zu schützen.25

Karl Barth unterbreitet seine grundlegende Wertung der homosexuellen Liebe, sie sei im Licht der

Schöpfungslehre eine Perversion, weil sie versuche, das Individuum souverän zu machen, d.h. den

22
Vgl. L. Köhler, S. 466f.

23
Elmer Martens, God's Design. A Focus on Old Testament Theology (Grand Rapids, 1981), S. 66f. Ebenso

beachtenswert ist das Werk von H.W. Robinson, Corporate Personality in Ancient Israel (Philadelphia, 1964).

24
Vgl. C.F. Keil und F. Delitzsch, The Pentateuch, Bd. 2, S. 482; N.H. Snaith, Leviticus and Numbers (London,

1967), S. 125; dagegen D.S. Bailey, Homosexuality and the Western Christian Tradition (London, 1955), S. 30.

25
S.R. Driver, Deuteronomy (Edinburgh, 1896), S. 264; R.E. Clements, "Leviticus" in The Broadman Biblical

Commentary (London, 1970; Nashville, 1970), S. 50.


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Menschen in eine Unabhängigkeit von Gott setze, indem sie sich der gottgegebenen sexuellen

Orientation widersetzen und somit gegen die "Ein-Fleisch-Ehe" bzw. die Heterosexualität verstoße.26

2.2. Neues Testament

.1. 1Kor 6,9-11 / 1Tim 1,9f.

Im Rahmen des in diesem Unterkapitel untersuchten "Lasterkataloges" aus 1.Kor 6 müssen wir

uns noch zwei Begriffen zuwenden, die von besonderer Bedeutung sein dürften: malakoi und

arsenokoitoi. Beide sind noch ungenügend erforscht, und ihre Übersetzung bleibt vorläufig umstrit-

ten.

Archibald T. Robertson gibt malakos als männliche Person wieder, die durch hochgradig

entgegengesetzte sexuelle Empfindung charakterisiert wird; laut ihm ist der malakos ein effeminierter

(weibisch gewordener) Mann.27

Die griechischen Philosophen verwendeten diesen Begriff eher sparsam. Aristoteles verwendet

malakos für den "Unbeherrschten", der "jeweils dem Genuss des Augenblicks" nachjagt.28 Epiktet (50-

26
Karl Barth, Church Dogmatics, III/4, S. 166; vgl. R.E. Clements, a.a.O., S. 54; Martin Noth, Leviticus

(Philadelphia, 1965), S. 134-136; Armor D. Peisker, The Wesleyan Bible Commentary: Leviticus (Grand Rapids,

o.J.), S. 343.

27
A.T. Robertson, Word Pictures in the New Testament, Bd. 4, S. 119; vgl. C.K. Barrett, A Commentary on

the First Epistle to the Corinthians, der (S. 140) ebenfalls sagt, beide Begriffe implizierten passive und aktive

männliche Homosexualität.

28
Aristoteles Nikomachische Ethik (Übers. F. Dirlmeier; Stuttgart, 1983), S. 182f.
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138) dagegen beschreibt damit Personen, die zu "einfältig" wären, philosophische Aussagen zu

betrachten und aufzunehmen.29 John Boswell (praktizierender Homosexuelle, an AIDS verstorben) hat

durch die Untersuchung der patristischen Literatur entdeckt, dass die Kirchenväter den Begriff

malakos im Sinne von "flüssig; feige; mit schwachem Willen; delikat; zart; verderbt;

raffiniert/kultiviert"30 verwenden.

Dionysius von Halicarnassus (1. Jh. v.Chr.) charakterisiert den Aristodemus von Cumae so:

„(Er war) ein Mann von nicht unbekannter Herkunft, der von den Bürgern Malakus oder

"Effeminierter" genannt wurde - ein Spottname, der mit der Zeit besser bekannt war als sein

eigener Name; entweder weil er als Knabe weibisch war und sich wie eine Frau traktieren

ließ, wie einige berichten, oder weil er von mildem Wesen und nicht leicht zum Zorn zu reizen

war, wie andere festhalten.“31

Dio Chrysostomus (1./2. Jh.) kennt den Terminus auch und verwendet ihn etwa in einer Rede so:

"Wenn du dich mit Bildung befasst, wird man dich einfältig und effeminiert (euethes kai malakos)

nennen..."32 Vettius Valens assoziiert malakos mit allgemeiner Zügellosigkeit,33 während bei

29
Epicteti dissertationes ab Arriani digestae (Hrsg. H. Schenkl; Leipzig, 1916/Stuttgart, 1965) 3.9; deutsch:

Epiktet Unterredungen und Handbüchlein der Moral (Zürich, 1924).

30
J. Boswell, S. 106; vgl. Vettius Valens Anthologiarum Libri (Hrsg. G. Kroll; Dublin-Zürich, 1973), S. 121.

31
aner ou ton epitychoton heneka genous, hos epekaleito Malakos hypo ton aston kai syn chrono

gnorimoteran tou onomatos esche ten epiklesin, eith'hoti thelydrias egeneto pais on kai ta gynaixin har-

mottonta epaschen, hos historousi tines, eith'hoti praos en physei kai malakos eis orgen, hos heteroi

graphousin - in The Roman Antiquities of Dionysius of Halicarnassus (Übers. E. Cary; Cambridge/Mass.-London,

1950) 4, S. 150.

32
Dio Chrysostom (Übers. H. Lamar Crosby; Cambridge/Mass.-London, 1951) 5, S. 110, 112.

33
Vettius Valens, S. 113: Ares hypo kronou martyroumenos kai meliou, kategoretheis malakos estai: Zeilen

21f.
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Diogenes Laertius (3. Jh.) die Bedeutung etwas vage bleibt; Otto Apelt übersetzt ihn einmal mit

"Wollüstling", ein andermal mit "Weichling".34 Plautus erwähnt in seiner Komödie vom ruhmreichen

Soldaten dasselbe Adjektiv als Fremdwort unmittelbar nach dem Substantiv cinaedus, das ebenfalls

aus dem Griechischen kommt und dort passiv homosexuelle Männer bezeichnete, und zwar für

professionelle Tänzer oder Pantomimenschauspieler.35

Lukan (Marcus Annaeus Lucanus, 39-65 n.Chr.) beschreibt gewisse Priester bzw. deren Blut und

prangert sie just mit dem Begriff malakos der passiven Homosexualität an.36 Der Begriff ist

demnach im 1. Jh. durchaus hierfür belegt. Adolf Deissmann zitiert aus einem Brief des Domophon an

Ptolemäus (geschrieben um 245 v.Chr.): "Sende uns aber auch Zenobios den Weichling (malakon)

mit Trommeln, Becken und Klappern."37 Deissmann kommentiert: "Das Wort steht wohl in der auch

dem Apostel 1.Kor 6,9 bekannten obszönen Bedeutung und deutet das schmutzige Nebengewerbe

des Musikanten an."38

Wie oben bereits erwähnt, gab Dionysus von Halicarnassus dem Begriff malakos zwei

Bedeutungen: als Spitzname konnte er "effeminierter Mann" bedeuten, der wie eine Frau behandelt

wurde; ferner gab er einen "milden Charakter" wieder, konnte also auch damit den passiven
34
Diogenes Laertius Leben und Meinungen berühmter Philosophen (Berlin, 1955) 2, S. 89.

35
T. Maccus Plautus Miles Gloriosus (Hrsg. M. Hammond et al.; Cambridge/Mass., 1963), S. 133; vgl.

Einleitung LXII: Anmerkungen der Hrsg. zu Strophen 211, 775, 924; für 665 geben sie "weich, effeminiert" als

Übersetzung von malacus.

36
Lucan (Hrsg. W. Rutz; Darmstadt, 1971) 37; vgl. J. Boswell, S. 338, Anm. 14.

37
A. Deissmann, Licht vom Osten. Das Neue Testament und die neuentdeckten Texte der hellenistisch-

römischen Welt (Tübingen, 1923), S. 131.

38
Ebenda, Anm. 4; vgl. dagegen: The Hibeh Papyri (Hrsg. Bernard P. Grenfell und Arthur S. Hunt; Oxford,

1906) 1 S. 201, Anm. 11: "malakos may be merely a nickname, but probably refers to the style of Zenobius'

dancing. Smyly well compares Plautus, Mil. 668: 'Tum ad sallandum non cinaedus malacus aequest atque ego'."

Dagegen die zitierte Stelle oben, aus The Hibeh Papyri (Hrsg. E.G. Turner), Teil 2, S. 123 für "weiche" Wolle.
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Partner in einer homosexuellen Beziehung bezeichnen; mit Hans Lietzmanns Formulierung: "Ein

Malakos ist das Passivum zum Arsenokoites".39

Der Apostel Paulus konnte im Kontext von 1Kor 6,9 malakos unmöglich für "Genußsüchtige" oder

"Masturbierende" oder "moralisch Schwache" bzw. "Instabile" verwendet haben. Denn: malakos steht

unmittelbar nach moichoi (Ehebrecher) und vor arsenokoitoi (s. unten), zwei Begriffen, die eindeutig

Unzuchtsünden bezeichnen.

Sherwin Bailey meint, dass malakoi ein terminus technicus für Männer ist, die aktiven männlichen

Homosexuellen zur Verfügung stehen.40 Das Wort ist in der klassischen griechischen Literatur zur

Beschreibung solcher Männer belegt, wenn auch nicht sehr häufig. Die Tatsache, dass malakoi vor

arsenokoitoi steht, einem Begriff für aktive Homosexuellen, wie wir sehen werden, impliziert

ebenfalls, dass Paulus damit weder "moralisch schwache" noch "masturbierende" Männer meinte,

sondern die passiven Homosexuellen. Dieses Fazit wird durch die Untersuchung von arsenokoitoi

offensichtlich.41

39
Hans Lietzmann, An die Korinther I/II. Handbuch zum NT (Tübingen, 1969), S. 26f; das Zitat: S. 27.

40
S.D. Bailey, Homosexuality and the Western Christian Traditions, S. 38; D. Atkinson, Homosexuals in the

Christian Fellowship, S. 92; vgl. Polybius The Histories (Übers. M. Chambers; New York, 1966), S. 306; Suetonius

The Twelve Caesars (Übers. R. Graves; Harmondsworth, 1957), S. 223; James Graham-Murray, A History of

Morals

41
Friedrich Lang, Die Briefe an die Korinther. NTD 7 (Göttingen, 1986), S. 80; M.-J. Klauck, 1. Korintherbrief.

Die Neue Echter Bibel (Würzburg, 1984), S. 46; H. Conzelmann 1981, S. 136; vgl. Reallexikon für Antike und

Christentum, 1924ff, s.v. "Effeminatus" von H. Herter; Real-Encyklopädie der classischen Altertumswissenschaft,

1939/1894-1963, s.v. "Kinaidos" von W. Kroll.


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Der griechische Begriff arsenokoitoi. findet sich nebst 1.Kor 6,9 nur noch in 1Tim 1,10, wo er von

Hans Bürki und vielen anderen mit "Knabenschänder" wiedergegeben wird.42

Arsenokoitoi ist ein Kompositum der Morpheme arsen (Gen. arsenos) mit der Bedeutung

"männlich" oder "Mann", und koitos, dessen Konnotation einer Untersuchung bedarf.43 Generell

verwendete man koite für "Bett";44 in dieser Bedeutung finden wir den Begriff in Lukas 11,7. Der

Hebräerbrief verwendet das Wort für "Ehebett" (Timos ho ganos es pasiu kai he koite amiantos:

Ehrbar /sei/ die Ehe bei allen und das Ehebett unbefleckt). Die moralische Bedeutung von amiantos

(unbefleckt) verrät die Verwendung von koite in diesem Kontext, nämlich: Das Sexualleben der

Ehepartner muss "unbefleckt" bleiben, m.a.W. die eheliche Treue darf nicht verletzt werden.45 In

Römer 13,13 steht koite euphemistisch für "Unzuchtshandlungen" oder "Wollust". Römer 9,10 meint

mit koite wohl "Gravidität, Leibesfrucht" oder aber "Beischlaf".46


42
Hans Bürki, Der erste Brief des Paulus an Timotheus. WStB (Wuppertal, 1982), S. 60; vgl. Fritz Rienecker,

Sprachlicher Schlüssel zum Neuen Testament nach der Ausgabe von D. Eberhard Nestle (Gießen-Basel, 1970),

S. 490; zu 1.Kor 6,9 aaO, S. 362. W.E. Vine dagegen verweist unter dem Stichwort "Abuse, abusers" indirekt auf

die (englischen) Übersetzungen; sein ganzer Beitrag ist: "B. Noun. For the noun arsenokoites, see I Cor 6:9, and

I Tim 1:10".

43
Arndt/Gingrich, S. 109; vgl. F. Rienecker zu Röm 1,27, aaO S. 318; Josephus The Life and Against Apion

(Übers. H.St.J. Thackeray; London, 1966) "Contra Apionem" 2.199.

44
Josephus Jewish Antiquities (Übers. H.St.J. Thackeray /1/ bzw. Ders. und R. Marcus (2/; London, 1966) Bd.

1, 1.177; Bd. 2, 6.52.

45
Arndt/Gingrich, S. 46; vgl. bes. Weish 3,13: hoti makaria steira he amiantos, hetis ouk egno koiten en

paraptomati, hexei karpon en episkope psychon: "selig ist die Unfruchtbare, die sich nicht befleckte, die nicht

ein Ehebett in Sünde kannte. Ihre Fruchtbarkeit wird sich zeigen bei der Heimsuchung der Seelen" (nach

Jerusalemer Bibel).

46
Arndt/Gingrich, S. 440; Rienecker, S. 335. Ernst Käsemann gibt (wie die Revidierte Elberfelder Bibel

/Wuppertal, 1986/, NT S. 198) koite in Röm 9,10 mit "wurde/war schwanger" wieder, was dem Kontext gerechter

wird als "Gravidität" oder "Leibesfrucht". Commentary on Romans, S. 260, 263f. "...koiten echein is a

euphemism for sexual intercourse, perhaps as in Lev 18,20.23; Num 5,20 the seminal discharge": aaO, S. 263.
13
Hermann Hartfeld, PhD Pastor i.R.

Das Kompositum aus den Morphemen arsen und koite (pl. koitai) ergibt also "Männerbeischlaf",

euphemistisch "mit Männern (sexuell) verkehrende Männer".47 Dieser Interpretation stimmen auch

die Homophilen Bailey, John McNeill und Boswell bei.48 Der letztere argumentiert aber,

arsenokoitai könne nicht auf Homosexuelle generell bezogen werden, sondern meine den

aktiven männlichen homosexuellen Prostituierten.49 Boswells Behauptung lässt sich weder

verifizieren noch schlüssig widerlegen. In Anthologia Graeca lesen wir von einer Inschrift am Osttor

von Thessalonike, die von einem anonymen Autor stammt und nachstehend auf Deutsch

wiedergegeben sei:

Wanderer, jauchze im Herzen! Du siehst ob dem Tor den Präfekten Basileios, den Mann,

der Babylons übergewaltige Macht zerstört hat, die Leuchte des unbestechlichen Rechtes,

kommst zum Orte der besten Regierung mit trefflichstem Sohne, brauchst nicht Barbaren zu

fürchten noch Männer, die Männern sich gatten (ouk arrenas arrenokoitas).50

Aristides von Athen (2.Jh.) war einer der ältesten christlichen Apologeten und richtete seine

Verteidigungsschrift für die Christen an den Kaiser Hadrian, namentlich mit dem

geschichtstheoretischen Argument operierend, die Christen seien nach den "Barbaren, Hellenen und

47
Vgl. Ernst Dietzfelbinger, Das Neue Testament. Interlinearübersetzung Griechisch-Deutsch (Neuhausen,

1986), S. 730, 904; ebenso: Arndt/Gingrich, S. 109; Peter Coleman, S. 97; vgl. dagegen M. Macourt (Hrsg.),

Towards a Theology of Gay Liberation (London, 1977), S. 43, 54.

48
S. Bailey, Homosexuality and the Western Christian Tradition, S. 38; J.J. McNeill, The Church and the

Homosexual, S. 52ff; John Boswell, S. 341; vgl. Morton Scott Enslin, The Ethics of Paul (Nashville, 1957), S. 147ff.

49
John Boswell, S. 344; vgl. S. 342 mit: "The Epistle of Polycarp to the Philippians" 2.12 in The Lost Books of

the Bible. Übers./Hrsg. W. Hone, J. Jeremiah und W. Wake ( New York, 1979), S. 194.

50
Hermann Beekby (Hrsg.), Anthologia Graeca. Buch IX-XI. München 1958, Buch IX.686, S. 409 (griech. S.

408); vgl. Alexander Olivieri et al. (Hrsg.), Catalogus codicum astrologorum Graecorum. Brüssel 1898 usw., Buch

VIII. 4, S. 196. Arrenokoite und arsenokoite haben dieselbe Bedeutung, ist doch arren ("Mann") nichts anderes

als arsen im attischen Dialekt. Siehe: Arndt/Gingrich, S. 109; vgl. Robert Browning, Medieval and Modern Greek

(London, 1969), S. 31; J. Boswell, S. 342-344.


14
Hermann Hartfeld, PhD Pastor i.R.

Juden" das "neue", "vierte Geschlecht", um dessentwegen die Welt noch fortbestehe. 51 U.a. skizziert

Aristides in seiner Apologie auch die Korruption der heidnischen Götter, die er als kriminell klassiert

und denen er die Praxis der arsenokoitai unterstellt.52 Es gibt kaum Zweifel daran, dass Aristides an

dieser Stelle den homosexuellen Verkehr meint.

Man sollte jedoch auch nicht übersehen, dass für Männer oder Knaben des homosexuellen

Gewerbes das allgemeinere maskuline Substantiv pornos Anwendung fand.53

In der klassischen Epoche scheinen das Verb hetairein und das Begriffswort hetairesis nicht für

Hetäre benutzt worden zu sein, sondern ausschließlich für einen Mann oder Knaben, der in einer

homosexuellen Beziehung eine mit einer Hetäre vergleichbare Stellung einnahm.54

Jedenfalls sind uns einige Begriffe für männliche Prostitution bekannt, nämlich pornos,

hetairekos oder hetairesis. Boswell meint, hetairekos sei für männliche Kurtisane oder Prostituierte

höheren Kalibers verwendet worden, im Gegensatz zu pornos oder peporneumenos für sozial

51
Johannes Quasten, Patrology (Westminster, 1950-63), Bd. 1, S. 191ff; B. Altaner und A. Stuiber, Patrologie

(Freiburt, 1966), S. 64; R. Wolff, "The Apology of Aristides", The Harvard Theological Review 30 (1937): 233-247;

vgl. RGG, 31986, s.v. "Frühkirchliche Apologetik" von C. Andresen.

52
Aristides "Apologia" 9.13 in E.J. Goodspeed (Hrsg.), Die ältesten Apologeten (Göttingen, 1914); vgl.

Eusebius "Demonstrationis evangelicae 1" in J.P.-Migne (Hrsg.), Patrologiae cursus completus (Turnhour, 1975ff)

22.65.

53
Xenophon Erinnerungen an Sokrates (Übers. P. Jarrisch; München, 1962) I 6.13; Aristophanes 3 "Ploutos"

153-159; Aischinis orationis (Hrsg. F. Blaß; Leipzig, 1908) I 137.

54
K.J. Dover, Homosexualität in der griechischen Antike, S. 26; vgl. Aischines, I 37-44.51, mit I 19f, 74.119f;

J. Boswell S. 46, seine Anm. 12.


15
Hermann Hartfeld, PhD Pastor i.R.

niedrigere männliche Prostituierte.55 Der Begriff porneia bezeichnet aber in der nachklassischen

Epoche nicht nur Prostitution, sondern jedes sexuelle Verhalten, für das der Sprecher oder Schreiber

seine Missbilligung bis Abscheu bekundet (vgl. 1.Kor 5,1ff; 6,9ff).

Demgegenüber sind arsenokoitai zweifellos Männer, die in aktive homosexuelle Beziehungen

verwickelt sind, entsprechend malakoi in der passiven. John Boswells Folgerung, dass Paulus nicht

die Homosexualität an sich verurteile, sondern ausschließlich die homosexuelle Prostitution, kann ein

Elaborat pro domo sua sein (ein Machwerk zum eigenen Nutzen), obwohl der Kontext sich einer

solchen Annahme nicht verschließt.

Damit dürfte plausibel sein, dass Paulus auch in dem Fall, dass arsenokoitai männliche

homosexuelle Prostituierte bezeichnen würde, dennoch die passive wie aktive Homosexualität mit

jeweils einem Partner keinesfalls guthieße.56 Sherwin D. Bailey schreibt: "...die technischen Termini

malakoi und arsenokoitai bezeichnen Männer, die passiv bzw. aktiv in homosexuelle Praktiken

involviert sind."57

Laut Paulus gehören Christen nun aber dem Reich Gottes an und müssen wissen, dass

praktizierende passiven wie aktiven Homosexuellen gegen die heterosexuelle Ehe verstoßen (vgl.

1Kor 7,1-9) und das Reich Gottes nicht ererben werden genauso wie die Unzüchtigen und

Ehebrecher.

55
J. Boswell, S. 344, seine Anm. 23; S. 351f.

56
Vgl. J. Boswell, S. 344ff, mit R. Scroggs, Paul for a New Day (Philadelphia, 1977), S. 66ff; L.H. Marshall,

The Challenge of New Testament Ethics, S. 278ff.

57
S. Bailey, Homosexuality and the Western Christian Tradition, S. 38; vgl. S. 157. Ferner: C.K. Barrett, A

Commentary on the First Epistle to the Corinthians, S. 140f; F.W. Grosheide, S. 140; H. Conzelmann 1981, S.

136; Strack/Billerbeck, Bd. 3, S. 70ff.


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Hermann Hartfeld, PhD Pastor i.R.

Die meisten deutschen Bibelübersetzungen wiedergeben das griechische Wort „arsenokoitoi“ mit

„Knabenschänder“, das der Grundbedeutung des griechischen Begriffs auf keiner Weise gerecht wird.

Die homophilen Wissenschaftler Derrick Sherwin Bailey, John McNeill, Norman Pittenger und der

kürzlich an Aids verstorbene John Boswell (Geschichtsprofessor an der Yale University) zweifeln nicht

daran, dass mit den Begriffen malakoi und arsenokoitai die passiven und aktiven Homosexuellen

gemeint sind.58

.2. Römer 1,26f

Laut Paulus soll Gott dafür gesorgt haben, dass er der Menschheit nicht ein unergründliches

Geheimnis ist, "denn er hat das, was wir von ihm wissen können und sollen, an die helle Öffentlichkeit

gesetzt. Er ist ... unsichtbar. Aber seine Werke machen ihn sichtbar, seit es Menschen gibt",

kommentiert Adolf Schlatter.59 Diese wollten autonom und autark sein, in der Einbildung, damit "weise

zu sein" (1,22), dass sie ihre Herzen (auton kardia) zum Mittelpunkt des Erkennens und Wollens

erhoben - eine Emanzipation vom Schöpfer weg, welche eine Sehnsucht nach Ersatzgöttern logisch

nach sich zog60 (1,23). Der Mensch, der sich vom "unvergänglichen Gott" emanzipiert hat, vertauscht

dessen Herrlichkeit mit Abbildern von vergänglichen Menschen,61 Vögeln,62 Vierfüßlern63 und

58
Vgl. in bezug auf den Begriff „arsenokoitai“ H. Beekby , hg. Anthologia Greeka, München, 1958, Buch IX.

686, S. 408-409; etc.

59
Adolf Schlatter, Der Brief an die Römer (Stuttgart, 1974), S. 23.

60
Otto Etzold, Der Römerbrief der Gemeinde neu erschlossen (Metzingen, 1970), S. 27; M.D. Hooker, "Adam

in Romans i", New Testament Studies 6 (1959/69): 297-306, hier: 301ff.

61
Vgl. ANET, Supplement 1969, S. 87f (= 523f) mit S. Mowinkel, "Urmensch und 'Königsideologie'", Studia

Theologica 2 (1948): 71-89; Weisheit 15,8ff.

62
Vgl. O. v. Gerlach, S. 256, mit Weisheit 11,15f; 12,24ff; William Hendriksen, New Testament Commentary

(Grand Rapids, 1953) S. 187f.


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Hermann Hartfeld, PhD Pastor i.R.

Gewürm.64 "Deswegen hat Gott sie in den Begierden, in Unreinheit ihrer Herzen dahingegeben, dass

ihre Körper darin entehrt wurden" (1,24): die Gründe für dieses Strafgericht sind im schuldhaften

religiösen Irrtum der Betroffenen zu suchen.65 Die Formel "in jemandes Hände übergeben" ist in der

jüdischen Traditionsliteratur nicht unbekannt.66 Der Apostel Paulus verwendet sie mehrmals, u.a. in

1.Kor 5,5, wo der Schuldige "dem Satan übergeben (werde) zum Verderben des Fleisches, damit sein

Geist gerettet werde am Tage des Herrn". Nach jüdischem Glauben ist Satan der Vollstrecker

göttlicher Gerichte.67 Diese Übergabe bzw. Preisgabe an den Satan soll das wirksamste Strafwunder

einzelner Gottesmänner gewesen sein.68 Die Auslieferung bezweckte den Untergang, die Niederlage,

die Vernichtung, den Tod.

In der Gerichtssprache meinte das Verb paradidomi die Zwangsvorführung oder

Zwangseinlieferung. Auch im Alten Testament treffen wir diese Formel wiederholt an (vgl. Rcht 2,14;

6,13; Jes 65,12; Jer 32,4).69 Die Gerichtsinstanz von Röm 1,23ff sind weder Menschen noch der

63
Vgl. H. Ringgren, Die Religionen des Alten Orients, S. 21-24 mit: Ps 105,20; Dtn 4,15-19; T.M. Horner, S.

16ff u. S. 137 (seine Anm. 12).

64
Das griechische Wort erpeton wird korrekter mit "kriechen des Tiers" wiedergegeben (wie es z.B. die

Revidierte Elberfelder tut). Siehe W.F. Arndt und F.W. Gingrich (Hrsg.), A Greek-English Lexicon of the New

Testament and Other Early Christian Literature (fortan: Arndt/Gingrich) (Chicago-London, 1979), S. 310. Die

Anbetung von Reptilien bzw. kriechenden Tieren wird auch heute geübt, so manchenorts in Afrika der

Schlangenkult. Siehe Hans Helfritz, Schwarze Ritter zwischen Niger und Tschad (Berlin, 1958), S. 215-225; vgl.

Weisheit 11,15; Kardinal Franz König, S. 80.

65
Meine Übersetzung von Vers 24 (H.H.). Vgl. A.T. Robertson, Word Pictures in the New Testament

(Nashville, 1931), Bd. 4, S. 330.

66
Strack/Billerbeck, Bd. 3, S. 358.

67
Ebenda, Bd. 4, S. 521ff.

68
Ebenda, Bd. 2, S. 714.
18
Hermann Hartfeld, PhD Pastor i.R.

Satan, sondern die epithymia, d.h. die Begierde, der sinnliche Trieb, die böse Lust.70 Gott distanziert

sich von den Schuldigen und überlässt sie ihrem eigenen Wollen, d.h. der (von ihm getrennten,

unheiligen) Selbstbestimmung, die zur Selbstzüchtigung, Quälerei führen musste.71 Sie zeigt sich u.a.

in unersättlichem Verlangen nach geschlechtlichem Genuss außerhalb der Ehe und beinhaltet gerade

auch perverse sexuelle Neigungen, argumentiert Hans Schönweiß und meint, dass epithymia ihre

Potenz vom Narzissmus ableitet. Er führt aus, dass sie im letzten Grunde der tief eingewurzelten

Neigung des Menschen entspringt, den Mittelpunkt seines Lebens in sich selbst zu haben, sich auf

sich selbst zu verlassen, sich selbst am meisten zu lieben72.

Der Verfasser des Römerbriefes zieht eine Parallele zwischen den perversen Gottesvorstellungen

und der inversio, d.h. der Umkehrung des Geschlechtstriebes, und bringt sie in eine

Wechselbeziehung: Die Begierde (epithymia) bedingt den Tausch (griech. allage; Verb: allasso) der

Gottesverehrung und verselbständigt sich zu einer Macht, welche die Trennung von dem einen Gott

vollzieht und den Menschen ganz und gar beherrscht. Gott überlässt ihn dieser "Gerichtsinstanz", weil

der Mensch „die Gottesoffenbarung in der Natur ignoriert73 und sich willentlich der Begierde (epithy-

mia) unterstellt hat (Röm 1,20ff), einer Macht, die sich Götter schuf (1,23), um sich in den Kulten in

aller "Schändlichkeit" zu aktualisieren und zu realisieren.74

69
TBLNT, 1979, s.v. "paradidomi" von H. Beck; vgl. A. Alt, "Ursprünge des israelitischen Rechts", aaO, Bd. 1,

S. 287; W. Richter, "Zu den Richtern Israels", ZAW 77 (1965): 40ff.

Hermann Menge, Altgriechisch-Deutsch (Berlin usw., 421985), S. 175.


70

Vgl. Meyers Konversations-Lexikon (Leipzig-Wien, 51895), Bd. 8, S. 994.


71

72
BTLNT, 1979, s.v. „Begehren“

73
Luther hat denn auch gelehrt, die Existenz von Götzendienst sei der Beweis dafür, dass der Mensch im

Besitz intuitiver Erkenntnis über den wahren Gott sei: Luther's Works, Bd. 25, S. 154-157, vgl. Bd. 19, S. 53.

74
Ebenda, Bd. 22, S. 149; vgl. C.K. Barrett, S. 38f; John Calvin, Institutes of the Christian Religion (Grand

Rapids, 1949), Bd. 1, V.12; vgl. Bd. 1, III.1.


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Hermann Hartfeld, PhD Pastor i.R.

Die Korrelation (Wechselbeziehung) zwischen Begierde (epithymia) als Urteilsvollstrecker und

dem Satz „Gott hat sie dahingegeben“ (paredoken autous ho theos) als Gottes Urteilsspruch der

Dahingabe steht unübersehbar im Raum: Die Frauen haben den natürlichen (heterosexuellen)

Verkehr mit dem widernatürlichen vertauscht. Die weibliche praktizierende Homosexualität wird in

Zusammenhang mit den Begriffen paredoken („dahingegeben“) und epithymia („Begierde“) als

Zwang - als Folgeerscheinung der Dahingabe Gottes - und nicht als bewusste Entscheidung der

Frauen für die lesbische Liebe verstanden.

Gemäß Röm 1,26 sind lesbische Beziehungen als von innen ausgehende „Begierde“ (epithymia)

zu verstehen. Dies belegt nicht zuletzt der terminus technicus „vertauschen“ oder „eintauschen“

(metallasso"). Dabei heißt "natürlicher Geschlechtsverkehr" (physiken chresin) für den Schreiber

eindeutig die heterosexuelle Beziehung innerhalb einer Ehe.75 Diese Begierde (epithymia) der Frauen

für die „widernatürliche“ sexuelle Verbindung, folgert Joachim Jeremias, unterliegt nun einer

richterlichen Beurteilung durch Gott selbst, dessen Urteil lautet: Tut, was euch beliebt.76 Wie sich der

"widernatürliche Verkehr" der Frauen konkret äußerte, wird im Vers 26 nicht gesagt; auch die

römischen Zeitgenossen des Paulus berichten nur spärlich darüber. Man hat jedoch ermittelt, dass

römische Frauen Lesbianismus, Transvestismus und Sodomie praktizierten, schreibt der deutsche

Theologe Ernst Käsemann.77

75
Vgl. 1.Kor 7,1-9; E. Käsemann, Commentary on Romans (Grand Rapids, 1980), S. 48ff.

76
J. Jeremias, "Zu Rm 1,22-32", ZBW 45 (1954): 119-123, hier: 119f; M.D. Hocker, "Adam in Romans i", aaO,

S. 297-306.

77
E. Käsemann, Romans, S. 48f; Robert Wood, "Sex Life in Ancient Civilizations" in Albert Ellis und Albert

Abarbanel (Hrsg.), The Encyclopeida of Sexual Behavior (New York, 1961), Bd. 1, S. 125-128; Sidney Tarachow,

"St. Paul and Early Christianity: A Psychoanalytic and Historical Study" in W. Muensterberger (Hrsg.),

Psychoanalysis and the Social Science (New York, 1955), S. 232ff; Lucius Apuleius The Golden Ass (Übers.

Robert Graves; New York, 1951), S. 181-200.


20
Hermann Hartfeld, PhD Pastor i.R.

Die männliche Homosexualität wird von Paulus ausführlicher behandelt. Die Männer haben den

natürlichen Geschlechtsverkehr mit der Frau verlassen (aphentes ten physiken chresin tes

theleias). Das Verb „verlassen“ (aphiemi) in Röm 1,27 ist ein aktives Mittelwort der Vergangenheit

und wurde laut Rudolf Bultmann häufig im juristischen Sinn verwendet, z.B. "jemand aus einem

rechtlichen Verhältnis entlassen, sei es Amt, Ehe, Haft, Schuld oder Strafe (aber nie im religiösen

Sinn)".78 Die Kombination von arsenes (pl., Männer) und theleias (sg., Frau) meint jedoch das
79
„Objekt“, nämlich die Frau, mit der sie den Verkehr "verlassen" und der Heterosexualität Valet

gesagt haben.80 Ihre Präferenz (Bevorzugung) ist, "in ihrer Begier zueinander entbrannt" zu sein

(exekauthesan en te orexei auton allelous). Die Männer sind von dem Geschlechtsverkehr mit den

Frauen abgegangen. Dass sie nicht, von sexueller Begierde befreit, als asketische Mönche lebten,

sondern ihrerseits zu widernatürlichem Verkehr übergingen, wird mit aller Deutlichkeit gesagt:

"zueinander entflammt" (ekkaio - anzünden, anfeuern), "Männer zu Männern" (arsenes en arsesin).

Diese Unschicklichkeit, Hässlichkeit, Schande oder Unzucht (aschemosyne) ist die Vergeltung, der

"Lohn" für ihre Verirrung: Wiederum hat die Umkehrung der Gottesverehrung zur Umkehrung des

Geschlechtstriebes geführt - laut Paulus die Quittung für Gottlosigkeit, folgert Robertson.81

Röm 1,28 fasst dann die kausalen Faktoren der Homosexualität nochmals zusammen: (1) Sie

haben es nicht für gut befunden, Gott in der Erkenntnis festzuhalten; (2) Gott hat sie darum

preisgegeben, Ungeziemendes in verwerflicher Sinnesweise zu tun. Der Ausdruck "was sich nicht

78
TWNT, 1953, s.v. "aphiemi" von R. Bultmann.

79
B. Friberg und T. Friberg (Hrsg.), Analytical Greek New Testament (Grand Rapids, 1981), S. 472.

80
Ides Behauptung, Paulus verurteile damit die Bisexualität sowie die Widerwilligkeit der Männer, die

homosexuelle Präferenz zu akzeptieren, kollidiert kraß mit dem Prinzip der Berücksichtigung des Kontexts.

Siehe: A.F. Ide, The City of Sodom..., S. 68.

81
A.T. Robertson, S. 331; C.K. Barrett, Romans, S. 39; E. Käsemann, S. 47ff; J. Jervell, Imago Dei (Göttingen,

1960), S. 289-314.
21
Hermann Hartfeld, PhD Pastor i.R.

geziemt" (me kathekonta: Partizip präsens), bringt nochmals zum Ausdruck: Die sexuelle

Abweichung von der Heterosexualität ist unvereinbar mit der Erkenntnis des einen Gottes.

Schlussfolgerung

Man darf nicht außer Acht lassen, dass Jesus Christus die Fragen der homosexuellen Liebe

absolut nicht behandelte. Der Grund mag darin liegen, dass er einzig die heterosexuelle Ehe für richtig

hielt. „Habt ihr nicht gelesen“, fragte Jesus die Pharisäer, „dass der Schöpfer sie von Anbeginn an als

Mann und Weib geschaffen hat. ... Was nun Gott verbunden hat, daß soll der Mensch nicht trennen“

(Mt 19,4.6b). Jesus scheint aber nicht der Meinung zu sein, dass die Natur keine Sprünge macht

(Natura non facit saltus). Denn er spricht ja selbst von „Verschnittenen“ „vom Mutterleib an“ (Mt

19,12), die ihr Sosein bejahen und Gott loben sollen. Nun haben aber die endokriminologische und

genetische Forschung die Theorie einer konstitutionellen Anlage des homosexuellen Verhaltens noch

nicht belegen können. Jede andere Behauptung entbehrt jeder empirischen Beweiskraft. Die

Annahme, dass fünf Prozent - einige wenige sprechen von 25 Prozent - aller Betroffenen unter

Umständen eine angeborene Homosexualität „aufweisen“, muss wissenschaftlich noch bewiesen

werden.82 Die Heilige Schrift der Christen sieht in der homosexuellen Liebe einen Verstoß gegen die

heterosexuelle Institution der Ehe. Jesus begrüßte ausschließlich die heterosexuelle Ehe, indem er in

Form einer Frage dies verdeutlicht: „“Habt ihr nicht gelesen, dass der, welcher sie schuf, sie von

Anfang an (als) Mann und Weib schuf und sprach: Darum wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen

und seiner Frau anhängen, und es werden die zwei ein Fleisch sein, - so dass sie nicht mehr zwei

sind, sondern ein Fleisch?“ (Mt 19,4-6).

Aus der Perspektive Jesu und des Apostel Paulus verfehlt eine nicht heterosexuelle monogame

Partnerschaft das Ziel, die Intention des Schöpfers per se, und daher ist jede Abweichung von dieser

82
vgl. W. Masters, V.E. Johnson, R.C. Kolodny, Masters & Johnson on Sex and Human Loving, London, 1986,

S. 348ff.
22
Hermann Hartfeld, PhD Pastor i.R.

Norm (Prostitution, Unzucht, Ehebruch, Bisexualität, Homosexualität, Transsexualität, Pädophilie,

Exhibitionismus u.a.m.) eine Folge des Sündenfalls.83

83
Vgl. Hans Böttcher, Integrierte Sexualität, Vellmar-Kassel: Verlag Weißes Kreuz GmbH, 1990, S. 96f.
23

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