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Was Gottes Wort über die Ehe lehrt.

In meinen Ausführungen kann ich nur auf die mir

wesentlich erscheinenden Schwerpunkte des biblischen

Zeugnisses von der Ehe eingehen. Deshalb beschränke ich

mich auf die beiden Bibelabschnitte, welche diese

enthalten: Genesis 1-2 und Epheser 5.

Eine Kurzdefinition von "Ehe": "Ehe ist die

Verbindung eines Mannes und einer Frau zu einer

rechtsverbindlichen, totalen Lebensgemeinschaft,

die in das Leben der Gesellschaft hineingestellt ist.

Sie gehen die lebenslängliche Verpflichtung ein,

immer mehr zu einer Einheit zusammen zu wachsen."

Gerade in unserer Zeit wird die Frage: "Wie kann man

eine glückliche und erfüllte Ehe führen?" auch von Christen

immer dringlicher und häufiger gestellt.

Das klappt am ehesten, wenn man sich konsequent an

die "Gebrauchsanweisungen des Herstellers" richtet. Dabei

stellt der Glaube an Gott keine einfache und garantierte

-1-
Lösung all der vielschichtigen Probleme einer Ehe dar, aber

er bietet den einzig festen Grund, auf dem sie sich bauen

und erhalten läßt.

Unter Christen wird oft wie selbstverständlich davon

ausgegangen, daß christliche Frauen "glücklich und froh"

sind, weil christliche Männer natürlich "selbstlos und

verständnisvoll" sind. Solch eine Haltung produziert aber

sehr häufig entweder Schuldgefühle oder Heuchelei oder

Abscheu vor der scheinbaren Verlogenheit, - verhindert auf

alle Fälle fast durchweg eine nüchterne Bestandsaufnahme

und ein zielstrebiges Arbeiten an der eigenen Ehe.

Christen sind manchmal in einer falschen Weise

weltfremd. Wir können es uns m.E. heute als Gemeinde Jesu

nicht erlauben, die Veränderungen des

Rollenverständnisses der Geschlechter nach dem Motto:

"Was gehen uns die Probleme der Welt an? Wir machen so

weiter wie bisher!" - ignorieren zu wollen. Denn wenn wir

nicht hilflose Opfer dieser neuen Philosophie werden wollen,

müssen wir wissen, was sie beinhaltet. Sie verändert, ob wir

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das wahrhaben wollen oder nicht, längst unsere Medien,

unsere Politik, das öffentliche Leben, den Unterricht in den

Schulen - und deshalb auch uns.

Wir wollen genau hinhören, um Gottes Sicht der Ehe

vielleicht noch klarer und tiefer zu erfassen, als bisher. Wir

wollen Bekanntem neu nachsinnen und nachfragen. Wir

wollen bereit sein, wo nötig auch unsere Sicht korrigieren zu

lassen, wenn wir durch das Studium des Wortes Gottes zu

neuen Einsichten kommen. Wir wollen uns demütig unter

Gottes Wort, aber nur darunter, stellen.

Und wir wollen berücksichtigen, daß es bei der Lehre der

Bibel nie vorrangig um Wissensvermittlung geht, sondern

um die Einübung in ein neues Verhalten. Sind wir dazu

bereit?! Denn wir werden die zurechthelfende und

frohmachende Kraft des Wortes Gottes nur dann erfahren,

wenn wir uns ihm ungeteilt und von Herzen zum Gehorsam

bereit unterstellen.

Genesis 1 - 2

-3-
Wer ist gemeint, wenn vom "schwächeren
Geschlecht" gesprochen wird? Ist das auch
die Meinung des Wortes Gottes?

Wer ist nach den Aussagen des Wortes


Gottes stärker auf wen angewiesen? Die
Frau auf den Mann oder der Mann auf die
Frau?

Wer soll den Herrscherberuf ausüben?

Wer hat den Auftrag, sich die Erde untertan


zu machen?
Unsere festgelegten Vorstellungen von dem, was die

Bibel angeblich sagt, hindern uns oft daran, sie richtig zu

verstehen.

Man kann beim Lesen dieser Kapitel aber auch zu

folgenden Schlußfolgerungen kommen:

Der Mann wird als der geschildert, der eine "Hilfe"

brauchte. Er konnte also nicht allein zurechtkommen. Es

-4-
mußte erst die Frau erschaffen werden, um ihm zurecht zu

helfen.

Ihm wurde ein Teil seines Körpers genommen, um sie zu

formen, deshalb kann er ohne sie nie wieder ganz

vollständig sein. Sie wurde aus Lebendem, er dagegen aus

Staub geschaffen. Die Frau wurde ganz zum Schluß

geschaffen - sie ist die Krone der Schöpfung.

Er soll an seiner Frau hängen. Dieses Wort wird nahezu

immer für einen Schwächeren gebraucht, der sich an einen

Stärkeren klammert. Er muß seine Eltern verlassen und mit

ihr gehen, d.h. doch sich an sie anzupassen.

WAS WIRD HIER DENN NUN WIRKLICH


GESAGT?
Ich will versuchen, so gut ich kann, diese Frage zu

beantworten.

Der "Mensch nach dem Bilde Gottes" besteht


aus Mann und Frau. Gen. 1,26-27

-5-
Die Ehe ist keine menschliche Erfindung, sondern

GottesGabe. Bevor Gott den Menschen als sein Ebenbild

erschafft,stellt er sich selbst als das Urbild vor. Wer den

Menschen kennenlernen will, muß zuvor Gott

kennenlernen. Wie Gott ein kommunikatives Wesen ist,

so sind auch wir kommunikative Wesen, d.h. auf

Gemeinschaft angelegt und angewiesen.

Der Mensch ist nicht für sich selbst, sondern für den

anderen erschaffen. Er ist darauf angelegt, im Gegenüber

seine eigene Lebenserfüllung zu suchen und zu finden,

und zwar im DU der Eltern, im DU des Lebenspartners, im

DU der Gemeinde und schließlich im ewigen DU Gottes.

Ehe, Familie, Gemeinde sind Einübungsfelder in die ewige

Gemeinschaft des Menschen mit seinem Schöpfer.

Erst als die Frau erschaffen war, sah Gott seine

Schöpfung an und kam zu dem Urteil "sehr gut".

Der "Mensch nach dem Bilde Gottes" soll Gott


auf der Erde repräsentieren. Gen.1,26-27

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Das hebräische Wort für "Abbild" meint eigentlich

Skulptur. Eine Skulptur hatte in der damaligen Kultur die

Funktion der Repräsentanz. Sie repräsentierte das

Dargestellte. Der Mensch ist in seiner Zweisamkeit dazu

geschaffen worden, Gott auf dieser Erde zu

repräsentieren. Der Mensch soll Gottes Wesen, seine

Liebe und Fürsorge in diese Welt hineintragen. Am

"Ehemenschen" sollte man ablesen können, wer und wie

Gott ist.

Diese Repräsentanz wird im Begriff des "Herrschens"

zusammengefaßt. Wir müssen die ursprüngliche

Bedeutung dieses Wortes wieder in den Blick bekommen.

"Herrschen" hat hier noch nichts mit Unterdrückung und

Machtausübung zu tun, sondern sie zeigt sich als

liebevollste Fürsorge für die Schöpfung. "Herrschen" in

diesem ursprünglichen Sinn heißt, Gottes Herrschaft und

Gottes Herrlichkeit in dieser Welt abzubilden,

darzustellen, Geltung zu verschaffen.

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Und wir halten fest: Bevor die Sünde in das Leben der

Menschen einbrach, war dies auch wirklich der Fall.

Gott sorgt für die "Hilfe" des Mannes. Gen.2,18


Nicht der Mensch, sondern Gott stellte fest, daß es für

den Menschen nicht gut ist, allein zu sein. Wer weiß, wie

lange Adam noch gesucht hätte.

Genau wie die Diagnose Gottes, so stimmt auch seine

Therapie. Er bereitet Adam eine "Hilfe". Luthers

Übersetzung "Gehilfin" ist heute zu mißverständlich und

trifft in unserem Sprachgefühl nicht mehr die

ursprünglich Bedeutung des hier verwendeten Wortes.

Hier wird von einer umfassenden und grundsätzlichen

Hilfe zur Lebensbewältigung gesprochen.

Dieses Wort bringt im Hebräischen keinerlei

Zweitrangigkeit, Minderwertigkeit oder Unterordnung

zum Ausdruck. Im Gegenteil, im AT wird dieses Wort

meist dann gebraucht, wenn von Gott als dem Helfer der

Menschen gesprochen wird. (Ps.33,20; 121,2) Also bitte

-8-
keine falschen Folgerungen aus einem mißverstandenen

Wort!

Mann und Frau sind unterschiedlich. Gen.1,27


Zuerst sollten wir uns vor Augen halten, daß Gott, als er

die "Hilfe" plante und ausführte, er nicht einen zweiten

Mann erschuf. Es war mehr und anderes nötig.

Wenn die Frau nur ein Spiegelbild des Mannes wäre,

könnte sie ihm keine Hilfe sein. Beide bewältigen ihr

Leben unterschiedlich. Der Mann trifft im allgemeinen

seine Entscheidungen stärker verstandesmäßig -

prinzipiell, die Frau stärker emotional - intuitiv. Der Mann

lebt und denkt stärker sachbezogen, die Frau stärker

personenbezogen. Der Mann hat einen stärkeren Sinn für

Ursache und Wirkung einer Situation, die Frau kann sich

stärker in den Charakter und die Einmaligkeit eines

Geschehens hineinversetzen. Die Weltbewältigung des

Mannes ist stärker aktiv-gestaltend, dieder Frau stärker

aufnehmend-verinnerlichend.

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Man hüte sich jedoch vor Pauschalurteilen, denn sie

können im Einzelfall in die Irre führen. ("Alle Frauen sind

emotionaler als Männer!") Der einzig feststehende

Unterschied zwischen Mann und Frau ist der biologische,

denn allein er gilt für JEDE Frau und für JEDEN Mann.

Die Unterschiede zwischen Mann und Frau machen vor

allem deutlich, daß wir einander brauchen. Gott hat uns

unterschiedlich erschaffen, damit wir uns gegenseitig

ergänzen.

Die Ehe ist ein Zusammenklang unterschiedlicher Töne.

Wer verstanden hat, daß die Schönheit und der Reichtum

der Ehegerade im Aushalten der Unterschiede besteht,

der wird sie nicht einebnen wollen.

Mann und Frau sind gleich. Gen.2,18


Mann und Frau sind nicht gleichartig, sie sind aber

gleichwertig. Nichts aus der bisherigen Schöpfung paßte

zu Adam. Er brauchte ein gleichwertiges Gegenüber

(Gen.2,18).

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Gott brachte die Tiere zu Adam. Er benannte sie, aber sie

waren ihm kein angemessenes Gegenüber (Gen.2,20).

Gott schuf die Hilfe aus Adam. Sie sollten auf natürliche

Art und Weise gleich sein (Gen.2,22). In dieser

Erschaffung der Frau aus dem Leib des Mannes haben wir

die tiefste Ursache für die beiderseitige Anziehungskraft

der Geschlechter zu suchen.

Die Übereinstimmung zwischen den Geschlechtern ist

wichtiger als die Unterschiedlichkeit, denn wir verfügen

über Gemeinsamkeiten, die wichtiger sind als all unsere

Unterschiede:

a) Gleicher Adel für Mann und Frau (Bild Gottes)

b) Gleicher Auftrag für Mann und Frau

c) Gleiche Sündhaftigkeit (Röm.3,23)

d) Gleiche Verantwortung (Röm.3,23)

e) Gleiches Urteil (Röm.6,23)

f) Gleiche Rettung (Gal.3,28)

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Mann und Frau bringen das Ebenbild Gottes zum

Ausdruck, indem sie sich gegenseitig ergänzen. Sie

handhaben Dinge unterschiedlich und sind deshalb

füreinander unverzichtbar. Und weil wir füreinander

unverzichtbar sind, sind wir gleich. Uns sollte immer

bewußt sein, wie abhängig wir vom anderen Geschlecht

sind.

Mann und Frau sind in lebenslanger Einehe


verbunden. Gen.2,18
Die Frau soll und kann ihrem hilfsbedürftigen Mann eine

lebenslange Hilfe sein. Sie wird es aber nur dann sein,

wenn er nicht befürchten muß, daß sie ihn eines Tages

wieder verläßt.

Eine Frau für einen Mann. Wir Menschen suchen im

tiefsten nicht wechselnde Beziehungen, sondern ein

beständiges DU. Wir suchen als zeitliche Wesen Ewigkeit.

Die Ehe vermag uns nur dann eine vorläufige,

zeichenhafte Erfüllung dieses Suchens zu schenken,

wenn wir ihre Exklusivität erkennen und anerkennen. Nur

- 12 -
im ausschließlichen Bezogensein auf den einen Partner

erschließt sich die Ehe als Hinweis auf die Ewigkeit.

Wohl dem Mann, der begreift, daß er in seiner Frau eine

ihm von Gott geschenkte individuelle Hilfe hat.

Verlassen - anhangen - ein Fleisch sein


Gen.2,24
"Darum", d.h. weil die Frau aus dem Mann gebildet ist,

wird der Mann die Frau suchen und sein Elternhaus

verlassen. "Verlassen" ist der Entschluß, den künftigen

Ehepartner wichtiger zu nehmen als den Verwandten und

Freundeskreis. Es ist zunächst räumlich gemeint, aber

auch in übertragenem Sinne wichtig. Eltern und Kinder

müssen sich gegenseitig freigeben und loslassen. Auch

finanzielle Abhängigkeiten sollten vermieden werden.

Für den Verheirateten ist der wichtigste

Gesprächspartner,der wichtigste Ratgeber nun der

Ehepartner. So hilfreich die Erfahrung der Eltern, so

wohlmeinend der Rat des Freundes, so nützlich der Tip

- 13 -
des Arbeitskollegen sein mag, in der Ehemuß jeder hinter

den Ehepartner zurücktreten.

"anhangen" wörtlich: "ankleben", d.h. eine feste

unlösbare Gemeinschaft bilden. Der Mann "klebt" sich,

wenn er in die Ehe eintritt, unlösbar auf Lebenszeit an

seine Frau.

"ein Fleisch sein" - Damit wird viel mehr als die leibliche

Vereinigung gemeint. Hiermit wird das Einswerden der

Eheleute nach Geist, Seele und Leib angesprochen.

Epheser 5
Das Erstaunlichste an diesem Bibelabschnitt ist die

Aussage des Apostels in V.32, daß die Liebe zwischen

sterblichen Menschen ein Abbild der unsterblichen Liebe

Gottes ist. Dieser Adel sollte uns verpflichten. Ein Mann

sollte seine Frau an Christus erinnern und sie sollte ihn an

die Gemeinde erinnern.

Wer die Bibel verstehen will, muß sie im Zusammenhang

lesen. So sind auch die Aussagen über die christliche Ehe in

- 14 -
allgemeine Ermahnungen unser Leben als Christen

betreffend, eingebettet. Denn es ist ja klar: Unsere Ehen

werden niemals die Liebe Gottes widerspiegeln, wenn wir

das als Einzelindividuen nicht tun. Bevor der Apostel also

davon spricht, wie wir als Ehemann und Ehefrau leben

sollen, spricht er davon, wie jeder als Christ leben soll.

Wer wird in Eph.5,1f angesprochen? Gibt es


irgendwelche Einschränkungen?
So sollen ALLE Christen "in der Liebe leben" (V.2), die

sich am klarsten in der Bereitschaft zur Selbstaufopferung

zeigt. ALLE Christen sollen die Sünde lassen (V.3,4a+5),

ALLE Christen sollen dankbar sein (V.4b), ALLE Christen

sollen sich nicht verführen lassen (V.6), ALLE sollen als

Kinder des Lichts leben (V.8f), ALLE sollen prüfen, was dem

Herrn gefällt (V.10), ALLE sollen die Zeit auskaufen (V.16),

ALLE sollen sich nicht betrinken, sondern mit dem Geist

erfüllenlassen (V.18). Sodann zeigt Paulus ALLEN Christen in

3Schritten den Weg, den sie gehen müssen, um zu diesem

wunderbaren Ziel zu gelangen:

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Um mit dem Heiligen Geist erfüllt zu werden, sollen

Christen..

1.einander in geistlicher Weise begegnen (V.19)

2.dem Vater im Namen Jesu Dank sagen (V.20)

3.sich einander unterordnen (V.21).

Wem gilt die Aufforderung sich


unterzuordnen?
Wir halten fest: Dies sind Aufforderungen an ALLE

Christen,gleich welches Geschlecht und welchen Stand sie

haben. Wer nicht bereit ist zu dieser Unterordnung, kann

nicht damit rechnen, mit dem Heiligen Geist erfüllt zu

werden.

Was hat die doppelte Aufforderung zur


Unterordnung in den Versen 21+22 zu
bedeuten?

- 16 -
Alle Christen sollen sich einander unterordnen (V.21). Es

sollen sich also auch die Männer ihren Frauen um ihres

Christseins willen unterordnen.

In diesem Zusammenhang fällt auf, daß trotz dieser

grundsätzlich angesprochenen Bereitschaft zur

Unterordnung, die Frauen noch einmal besonders dazu

aufgefordert werden(V.22). Also haben die Frauen wohl

diesen Hinweis noch einmal besonders nötig.

Alle Christen sollen sein wie Christus. Alle sollen aus

dieser Liebe heraus ihr Leben füreinander hingeben, wie

Christus es tat (V.2). Also sollen die Frauen sich für ihre

Männer und die Männer sich für ihre Frauen hinzugeben

bereit sein.

In diesem Zusammenhang fällt auf, daß trotz dieser

grundsätzlich angesprochenen Bereitschaft zur

Selbsthingabe, die Männer noch einmal besonders dazu

aufgefordert werden (V.25). Also haben die Männer wohl

diesen Hinweis noch einmal besonders nötig.

- 17 -
Ehemann und Ehefrau haben beide ihre speziellen

Aufgaben zu erfüllen. Die gilt es zu kennen und dann

ausführen zu lernen. Bevor wir hoffen können, gute

Ehefrauen und Ehemänner zu sein, müssen wir es zuerst

lernen, gute Christen zu sein.

A. Den Ehefrauen wird gesagt:


Epheser 5,22-24

Die Frau soll sich ihrem Mann (wie der auszusehen hat,

betrachten wir noch!) unterordnen. Das ist keine kulturell

oder zeitlich bedingte Anordnung, sondern sie gilt zeitlos.

Dabei müssen wir beachten, daß sie den Frauen zur

Beachtung und nicht den Männern als Forderung gegeben

wurde.

Was meint Gottes Wort eigentlich mit


"unterordnen"?
Es wird deutlicher, wenn wir ein paar Dinge nennen, die

"Unterordnung" NICHT bedeuten:

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1."Unterordnung" bedeutet NICHT, häuslich, passiv, ruhig

zu sein. Unterordnung hat absolut nichts Schlappes an

sich.

2."Unterordnung" bedeutet NICHT, immer zu schweigen

und zu allem, was der Mann sagt oder tut "Ja und

Amen" zu sagen.

3."Unterordnung" bedeutet NICHT, daß die Persönlichkeit

der Frau, ihre Fähigkeiten und Gaben verschüttet

werden oder bleiben.

4."Unterordnung" bedeutet NICHT, in eine gefühlsmäßige

oder finanzielle Abhängigkeit vom Mann kommen zu

müssen.

5."Unterordnung" bedeutet NICHT Manipulation. Es ist

keine biblische Schau von Ehe, wenn ein Ehepartner

den anderen zum Erreichen seiner eigenen Ziele

benutzt.

Es wird oft angenommen, daß die Unterordnung einer

Frau die Leitung durch den Mann voraussetzt. Ich meine

- 19 -
nicht mehr, daß dem so ist, denn Christen ordnen sich

einander unter, ohne daß dadurch alle zu Leitern werden.

Es gibt Männer, die haben weder den Wunsch noch die

Fähigkeit, ihre Frauen zuleiten. Eine Frau, die sich

unterordnet, wird erkennen, was er möchte, und wird sich

danach richten. Wenn man sagt, daß die Männer die Leitung

übernehmen müßten, damit die Frauen sich richtig

unterordnen könnten, besteht die Gefahr, daß Frauen

versuchen, ihre Männer in Leitungsrollen

hineinzumanipulieren. Manche Frauen meinen dann, sie

dürften auf keinen Fall etwas tun, was in die Verantwortung

des Mannes fällt und so wird vieles Gute überhaupt nicht

getan.

"Unterordnung" setzt eine Ordnung voraus, in die ich

mich einordne. Bei der christlichen "Unterordnung" geht es

darum, daß sich jeder der ihm geltenden göttlichen

Ordnung unterstellt. Wenn Gottes Wort von "unterordnen"

spricht, dann verweist es auf unsere Nachfolge als Christen:

"Wie die Gemeinde sich Christus unterordnet..." (V.24)

- 20 -
Worin zeigt sich die Unterordnung der
Gemeinde unter Christus?

1.Die Existenz der Gemeinde Jesu hat ihren Zweck darin,

ihm zu dienen.

2.Der Eifer der Gemeinde sollte darauf gerichtet sein, ihm

zu gefallen.

3.Jede Entscheidung, welche die Gemeinde trifft, sollte

seinem Willen entsprechen.

4.Alle Arbeit, die sie tut, sollte seiner Verherrlichung

dienen.

5.Ihr ganzes Leben wird sie in der bewußten oder

unbewußten Beziehung zu ihm sehen und leben.

Wenn sie nach diesen Grundsätzen lebt, ordnet sich die

Frau ihrem Manne unter, und sie wird es gern tun, wenn

Liebe sie dazu motiviert. Keiner Frau fällt die Bereitschaft

zur Unterordnung unter ihren Mann in den Schoß. Und einer

Frau, die Christus nicht kennt, wird eine solche

Aufforderung zunächst einmal als Zumutung, wenn nicht


- 21 -
sogar als Unverschämtheit erscheinen. Ehefrau zu sein, ist

wie Christsein: Es ist weniger eine Angelegenheit

bestimmter Pflichten, die erfüllt werden sollen, als vielmehr

das Einnehmen einer völlig neuen GRUNDHALTUNG. Gottes

Wort vermittelt uns m.E. den Eindruck, daß sie ihren Mann

so behandeln sollte, als ob er Christus sei. Eine verheiratete

Frau hat ganz bestimmt eine bevorzugte Stellung. Sie

braucht sich keine Gedanken um ihr Glück zu machen, denn

jemand anders ist damit beauftragt, das für sie zu tun.

Alles, was sie zu tun hat ist, es ihm zu ermöglichen, sie zu

lieben, indem sie sich ihm rückhaltlos hingibt.

B. Den Ehemännern wird gesagt:


Epheser 5,25-33

- 22 -
Man kann sich häufig des Verdachts nicht erwehren, daß

die meisten Ehemänner leichtes Wohlbehagen empfinden,

wenn sie in der Bibel lesen, daß ihre Frauen sich ihnen

unterordnen sollen.

Ein immer wieder auftauchendes Problem: Wir sind alle

stärker daran interessiert, daß der andere Mitchrist, daß

unser Ehepartner, die biblischen Regeln befolgt, als wir es

selbst tun.

Paulus scheint viel mehr um das Verhalten der

Ehemänner besorgt zu sein, als um das der Ehefrauen, denn

er hat den Männern viel mehr und viel Gewichtigeres zu

sagen, als den Frauen.

Die Frage, die Epheser 5 heute üblicherweise aufwirft ist

die: "Kann man es heute noch von einer Ehefrau erwarten,

daß sie sich ihrem Mann unterordnet?" - Mir kommt es

jedoch so vor, daß die bedeutendste Frage, die wir uns im

Zusammenhang mit Eph.5 heute stellen sollten, die ist:

"Kann ein Mann je so lieben, wie Christus die Gemeinde

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geliebt hat?" Denn wenn diese Frage nicht nur in der

Theorie, sondern vor allem inder Praxis richtig beantwortet

wird, dann wird die besorgte Frage vieler Frauen nach ihrer

Unterordnung gegenstandslos werden.

Bevor ein Mann sich darüber den Kopf zerbricht, wie er

seine Frau dazu bringen kann, daß sie sich ihm unterordnet,

sollte er sich die Frage stellen, ob er sie denn so liebt, wie

Gottes von ihm erwartet.

Der Ehemann soll seine Frau...

..lieben, wie Christus seine Gemeinde liebt...


Wovon spricht dieser Vergleich Eph.5,25-27 zu uns? Der

Mann soll in einer ganz bestimmten Hinsicht wie Christus

sein. Also nicht so wie Christus, der die Gemeinde liebt,

indem er sie regiert, sondern für die Männer ist der

Bildausschnitt des Christus, in dem er sich aus Liebe für

die Gemeinde hingibt, verpflichtend.

Christus gab alles für uns auf. Alles, was er auf dieser

Erde tat, tat er für uns. Er stellte uns in allem an die erste

- 24 -
Stelle. Er stellte sogar unsere Beziehung zu Gott vor die

seine und wurde verflucht, während wir gerettet wurden.

(Phil.2,6-8)

Wenn wir Männer gefragt werden, warum wir unsere

Frauen lieben, antworten wir meistens mit einem

"weil...". Christus hat uns jedoch nicht geliebt, "weil...",

sondern er liebt uns "um zu..."! Zu unserem Glück liebt

Christus uns nicht aufgrund unserer Eigenschaften und

Qualitäten, sondern seine Liebe zu uns bringt die

erwarteten Eigenschaften mit derZeit hervor. Die Liebe

eines christlichen Mannes zu seiner Frau sollte also nicht

auf bestimmten erfreuliche Eigenschaften bei ihr

beruhen, sondern er sollte von Gott erwarten, daß sie

unter dem Einfluß seiner Liebe heranwachsen. Dann liebt

er sie nicht, weil sie schön ist, sondern er liebt sie, um sie

schön zu machen.

Während die Frau lebt, um ihrem Mann zu gefallen

(1.Kor.7,34), lebt er nach Eph.5,25f zu dem Zweck, um

sie zu fördern, ihr Bestes zu suchen und ihr zu gefallen.

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Jede Entscheidung, die er trifft, sollte sie ganz stark mit

einbeziehen.

Wenn es z.B. um eine neue Arbeitsstelle geht, dann sollte

er sich nicht nur fragen, ob die neue Stelle ihn

weiterbringt oder der Firma hilft, sondern ganz vorrangig

auch, ob eine solche Stelle seiner Frau dienen und sie

fördern würde.

Die Ermahnung zur Hingabe nötigt die Männer, ihre

Prioritätenliste in Ordnung zu bringen. An erster Stelle

dieser Liste muß seine Frau stehen, dann kommen die

Kinder und dann erst kommen seine beruflichen und

gemeindlichen Verpflichtungen.

..als ihr Haupt versorgen!


Was ist eigentlich mit dem "Haupt sein" des Mannes

gemeint?

Wenn man die Aufgaben des menschlichen Kopfes richtig

bedenkt, dann kommt man zu dem Schluß, daß es

Fürsorgeaufgaben für den Leib sind. Unser Leib

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signalisiert unserem Kopf irgend einen Notstand,

Schwäche, Schmerzen, Hunger oder Durst. Der Kopf geht

dann normalerweise daran, Abhilfe zu schaffen. Die

selbstverständliche Fürsorge des Kopfes für den Leib ist

das Normale. Wäre im menschlichen Leib ein Aufstand

der anderen Glieder gegen den alles beherrschenden

Kopf denkbar?

Da es aber viel einfacher ist, über seine Frau zu

herrschen, als für sie zu sorgen und sein Leben für sie zu

geben, ignorieren viele Männer an diesem Punkt den

Vergleich des Paulus und verbiegen das Bild vom Haupt,

indem sie auf einmal den "Chef", das "Oberhaupt", den

"Boß" herausstellen. Sie meinen, das Wort "Haupt" würde

all dies bedeuten und führen sich entsprechend auf.

Es ist aber m.E. unzulässig, alle Vergleiche, die von

Christus, dem Haupt her zu ziehen wären, auf die Ehe zu

übertragen. Der Mann ist (leider) nicht in jeder Hinsicht

wie Christus!

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Zum Beispiel würde doch niemand von uns auf den

Gedanken kommen zu sagen,

- daß ein Ehemann die Sünden seiner Frau

wegnehmen kann, oder

- daß er ruhig mehrere Frauen haben könne, weil ja

auch das Haupt Christus mehrere Glieder hat.

Eine bildliche Rede ist nur dann nützlich und hilfreich,

wenn wir genau verstehen, in welcher Hinsicht sie auf

das Original Bezug nimmt. Wir müssen uns bei der Rede

vom "Haupt" genau an die Aussagen halten, die Paulus

diesem Wort zuordnet und haben nicht das Recht,

willkürlich alle möglichen Bedeutungen hineinzulegen,

sonst gebrauchen wir dieses biblische Bild in völlig

unbiblischer Weise.

a) Paulus spricht z.B. nirgends vom Mann als dem Haupt

der Familie oder des Hauses, sondern immer nur vom

Mann als dem Haupt seiner Frau. Und dieses Hauptsein

beschreibt er nicht als eine besondere Art von

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"Herrscherdasein", er spricht vielmehr von der

gegenseitigen Fürsorge. Ein Mann sollte seine Frau wie

seinen Leib behandeln, indem er sie nährt und pflegt

(Eph.5,29). Die Überzeugung wird zweifellos vom

Kernpunkt der Ehe abgeleitet, von der Tatsache nämlich,

daß sie beide "ein Fleisch sind".

b) Fürsorge und Wohlergehen der Ehefrau an erste Stelle

zu setzen heißt nicht, ihr Urteil, ihre Meinung, ihre

Erkenntnis für bestimmend zu halten. Das sehen wir bei

Jesus auch ganz deutlich: Er hat immer unser

Wohlergehen im Auge und weiß sich dem verpflichtet,

nicht aber unserem Urteil, unserer Meinung, unserer

Erkenntnis.

Er liebt uns so, wie er es für das beste hält, nicht

unbedingt so, wie wir es am besten finden. So wird ein

weises Haupt, das grundsätzlich auf seinen Leib hört und

dessen Neigungen folgt, ihn ab und zu überstimmen.

Jedoch nie, ohne ihn angehört und seine Ansicht liebe-

und verantwortungsvoll geprüft zu haben.

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c) Nirgends ruft Paulus die Ehemänner dazu auf,

"Häupter" zu sein oder etwas dafür zu tun, damit sie

"Häupter" würden. Nach Gottes Sicht IST der Mann das

Haupt seiner Frau, ob es ihm oder ihr gefällt oder nicht

spielt keine Rolle.

Wer Ehemänner auffordert, sie müßten ihr "Hauptsein"

durchsetzen oder beweisen, der redet Unsinn. Das

Hauptsein des Mannes kann nicht bestätigt oder

abgelehnt werden, es ist eine Tatsache.

d) Wenn Paulus vom Hauptsein des Mannes spricht, dann

sagt er dies nicht dem Mann, sondern der Ehefrau (siehe

V.22-24). SEIN Hauptsein bestimmt IHRE Grundhaltung.

Die Tatsache des Hauptseins ist für die Ehefrau von

Bedeutung. Der Ehemann sollte sich nicht um sein

"Hauptsein", sondern um das "Leibsein" seiner Frau

kümmern!

Seine Sorge sollte sein, daß sie genährt und gepflegt

wird, und er sollte sicherstellen, daß er sich ihr ganz

hingibt. Ein Ehemann sollte Christus in seiner aus der


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Liebe geborenen völligen Hingabe- und

Einsatzbereitschaft nachahmen und nicht in seiner

Herrschaft; in seiner Selbstlosigkeit zugunsten anderer,

nicht in seiner Oberhoheit über andere. So wird er sein

Hauptsein recht ausleben.

..als Miterbin der Gnade ehren!


Dazu ruft Petrus in 1.Petr.3,7 auf. Der Mann soll seine

Frau als gleichwertig ehren. Er soll mit ihr leben in dem

Wissen, daß sie schwächer ist, und sie ehren, weil sie

Miterbin der Gnade ist. Also weil sie an den Segnungen der

Ewigkeit in demselben Maße teilhaben wird, wie der Mann,

deshalb steht ihr die volle Ehre und die ganze Achtung des

Mannes zu. Phil.2,3 "Einer achte den anderen höher als sich

selbst!" ist ein wichtiger Grundsatz für jede christliche Ehe.

Wie steht es mit dem Ehren hinsichtlich der von der Frau

geleisteten Arbeit? Heute ist bei uns das Hauptmotiv für die

Berufstätigkeit der meisten Ehefrauen nicht die materielle

Not, sondern die fehlende Anerkennung ihrer

- 31 -
hausfraulichen Tätigkeit. Hier ist ein weitverbreitetes

Versagen der Ehemänner angesprochen. Wenn er seiner

Frau gerade dort die Anerkennung und den Dank versagt,

wo sie ihm in besonderer Weise eine Hilfe sein kann und

will, entzieht er sich seiner Verantwortung, macht sie

unglücklich und provoziert bei ihr die Verweigerung ihrer

Bereitschaft zur Hilfe.

Ein Mann, der bereit ist, mit Gottes Hilfe so für seine Frau

und mit ihr zu leben, der wird erleben, daß sich seine Frau

ihm mit Sicherheit rückhaltlos anvertrauen will und wird.

- 32 -
Ehescheidung
Die Ehe ist ein Stück Paradies in unserer Zeit. Wie wir

jedoch wissen, hat die Sünde in ihrer zerstörerischen

Wirkung auch vor ihr nicht halt gemacht. Genau wie unsere

Gesundheit und unser Leben, ist auch die Ehe in ihrem

Bestand bedroht und manchmal ist die Sünde stärker, eine

Ehe zerbricht.

Lange Zeit hegte man in unseren Gemeinden die

Hoffnung, daß dieser Kelch an uns vorübergehen und wir

mit diesem Problem nichts zu tun bekommen würden. Das

- 33 -
ist auch der Grund, weshalb man sich lange Zeit nicht

gründlich genug mit diesem Thema befaßt hat und so viel

Unsicherheit und Unklarheit an diesem Punkt im

Gemeindeleben für Unruhe sorgte.

Wir wollen Gottes Wort betrachten, denn allein

die Bibel ist der zuverlässige Maßstab für unser Leben und

unsere Lehre. Da wir außerdem noch davon überzeugt sind,

daß sich GottesWort nicht widerspricht, wollen wir uns um

eine zutreffende Auslegung der einzelnen Bibelabschnitte,

die von"Ehescheidung" handeln, bemühen.

Damit dies möglich wird, müssen wir über einige

Grundkenntnisse der Situation verfügen, in welche diese

Worte damals hineingesprochen wurden. Was wir heute

kaum noch oder gar nicht mehr verstehen, verstanden die

Empfänger der biblischen Schriften zu ihrer Zeit durchaus

sehr gut.

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So fragen wir uns angesichts des jeweiligen Textes:

1.In welche Situation hinein wurde der Text gesprochen?

2.Wie wurde der Text damals von den Hörern

verstanden?

3.Was sagt die Bibel sonst noch zum Thema?

4.Was bedeuten die Aussagen des Textes für uns heute?

Bibelstellen, welche unser Thema behandeln, sind: 5.

Mose 24,1-4; Hes.44,21-22; Mal.2,14-16; Mth.5,31-32;

Mth.19,3-9;Mk.10,2-12; Lk.16,18; 1.Kor.7,10-16

Wir beginnen mit den Aussagen, die uns zeitlich am

nahesten stehen und am ehesten unsere Situation treffen:

1. Korinther 7,10-16
Hier haben wir eine heilsgeschichtlich mit uns heute

vergleichbare Situation. Im Text werden 2 Gruppen von

Menschen angesprochen:

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Verheiratete (V.10) und Übrige (V.12)

Wenn Paulus im Auftrag Gottes die Verheirateten

anspricht, so hat er die Paare im Auge, wo beide Partner

gläubig sind. Diesen "gebietet der Herr", d.h. für sie liegt

eine Aussage Jesu, aus der Zeit seiner irdischen

Wirksamkeit vor. Paulus wiederholt nun lediglich diese

Prinzipien, die Jesus bereits früher in Bezug auf die Ehe

gelehrt hat.

Christen sollen sich nicht scheiden lassen, wenn

sie nicht mehr miteinander auskommen. Gläubige können

und sollen es lernen, Frieden miteinander zu halten. Wenn

es aber doch zu einer Scheidung kommt, so soll man

unverheiratet bleiben und/oder sich versöhnen.

Mit den Übrigen sind natürlich nicht die

Unverheirateten gemeint, sondern Eheleute, von denen

einer gläubig und einer ungläubig waren. Für sie hat Paulus

in V.12 ein Wort von Gott erhalten. Die Wendung "sage ich,

nicht der Herr" bedeutet: Jetzt muß ich eine Frage

- 36 -
anschneiden, die Jesus während seines Erdenlebens in

seinen Ausführungen nicht behandelt hat. Und er hat sie

deshalb nicht angesprochen,weil es diese Konstellation in

einer Ehe, daß nämlich einer gläubig und einer ungläubig

ist, erst seit der Zeit, als Gemeinden aus den Nationen

entstanden waren, gab. So etwas gab es zu Lebzeiten Jesu

nicht, denn in Israel gehörten alle unterschiedslos zum

Volke Gottes und standen alle in gleicher Weise unter

demselben Gesetz. Aus diesem Grund ließ Jesus in seinen

Belehrungen die Frage der Mischehe unberücksichtigt.

Hier wird deutlich, daß Christen nur mit Christen

eine Ehe eingehen sollen, etwas anderes ist völlig

unvorstellbar. (Für mich: Keine Trauung von Gläubigen und

Ungläubigen!) Was Paulus jetzt im Auftrag Gottes sagt, ist

voll und ganz verbindliches Gotteswort und es ist nicht

erlaubt, hier einen unterschiedlichen Inspirations- oder

Autoritätsgrad feststellen zu wollen.

- 37 -
Zuerst wiederholt Paulus also die Worte Jesu und

dann gibt er eine Ergänzung zur Gemeindesituation, in der

es Mischehen gab. Gott behandelt beide Gruppen also nicht

gleich.

Christen können und sollen es lernen in Frieden

miteinander zu leben. Mit einem Ungläubigen ist das nicht

immer möglich. Das berücksichtigt Gott in seinem Wort mit

den unterschiedlichen Aussagen.

In einer Mischehe soll sich der Gläubige nicht vom

Ungläubigen trennen, wenn dieser an der Ehe festhalten

will. Der Gläubige soll alles tun, um die Ehe zusammen zu

halten,damit der Ungläubige möglichst zum Glauben

kommt.

Wenn der Ungläubige die Ehe aber absolut nicht

mehr aufrechterhalten will, soll der Gläubige in eine

Scheidung einwilligen (V.15). Wenn in diesem

Zusammenhang in V.15 gesagt wird: "Der Bruder oder die

Schwester in in solchen Fällen nicht gebunden," - dann

- 38 -
heißt das m.E.: alle Bindungen, die aufgrund dieser Ehe

bestanden haben, sind aufgelöst; er ist eine total freie

Person, ohne die Verpflichtung, diese Ehe wiederherstellen

zu müssen.

Scheidung ist eine totale Trennung. Gott will sie

nicht (Mal.2,16), der Gläubige soll sie nicht wollen, wo aber

ein Ungläubiger sie fordert, soll eine solch notvolle

Beziehung vollständig gelöst werden. Frieden entweder

durch Versöhnung oder durch Scheidung.

Wenn wir 1.Kor.7,11 allein für sich nehmen

würden, müßten wir sagen: Für einen Christen gibt es

überhaupt keinen Scheidungsgrund, es bleibt ihm nur die

Möglichkeit der Versöhnung.

Ich habe aber bereits oben darauf hingewiesen:

Eine Bibelstelle sagt in der Regel nicht ALLES zum Thema

aus. Sie muß von anderen Aussagen der Bibel zum Thema

ergänzt werden. Deshalb lesen wir jetzt

- 39 -
Matthäus 19,3-9
Wir fangen mit unserer Untersuchung in V.9 an, denn

hier bietet sich uns die logische Fortsetzung des bisher

Gesagten an.

Jesus nennt hier EINEN Grund, aus dem eine Ehe

von Gläubigen, wenn alle nur denkbaren

Versöhnungsversuche gescheitert sind, geschieden werden

darf: Unzucht.

Versöhnung ist und bleibt immer das oberste

Gebot, aber wenn keine Buße, d.h. keine Änderung des

Wandels bei dem Betreffenden geschieht, er nicht bereit ist,

zu ehelicher Treue zurückzukehren, oder wenn der Partner

wirklich nicht über diesen Fehltritt hinwegkommt, dann hält

Jesus eine Scheidung für möglich. (Scheidung = eine "Not -

ordnung"Gottes für eine gefallene Welt)

UNZUCHT werden in der Bibel alle


außerehelichen
sexuellen Handlungen genannt d.h. Inzest,

- 40 -
Sodomie, Homosexualität, Lesbismus,

Ehebruch, vorehelicher Geschlechtsverkehr

EHEBRUCH ist der Bruch des versprochenen


Bundes,
weil oder indem eine 3. Person in die Ehe

eindringt. Ehebruch muß nicht gleich

sexuell vollzogen werden, endet meist aber

da (Mth.5,28).

Die Pharisäer gingen bei ihrer Fragestellung von 5. Mose

24 aus, Jesus ging dagegen von 1. Mose 2 aus. Der Herr

lenkte die Aufmerksamkeit von der leichtfertigen

Scheidungspraxis der damaligen Zeit weg, auf die

ursprüngliche Ordnung Gottes zurück. ("bis daß der Tod

euch scheidet") Denn zur Zeit Jesu drehte sich alles um

"ausreichende Scheidungsgründe". Was"reichte aus", um

- 41 -
sich von seiner Frau trennen zu können. Die

Wiederverheiratung war gar keine Frage, denn sie war

allgemeine Praxis.

5. Mose 24,1-4
Von Anfang an war die Ehe, nicht jedoch die Scheidung

vorgesehen. Als 5. Mose 24 niedergeschrieben wurde, war

die Scheidung bereits allgemeine Praxis. Man stellte

Scheidebriefe aus. Dies geschah um der Herzenshärtigkeit

willen. Um in dieser Lage noch Schlimmeres zu verhindern,

wurde hier in 5. Mose 24 einiges in diesem Zusammenhang

von Gott geregelt. Gott wollte vermeiden, daß die Menschen

sich in ihrem Zusammenleben noch mehr Schaden zufügen

würden, alses ohnehin geschah.

5. Mose 24,1 gibt keinen Befehl, einen

Scheidebrief zu geben, sondern beschreibt nur die damalige

Praxis. Hier wird mit anderen Worten gesagt: "Denk lieber

zweimal nach, bevor du deine Frau wegschickst, denn wenn

- 42 -
du sie nicht wieder zu dir nimmst, bevor sie einen anderen

geheiratet hat, hast du sie für immer verloren."

Der Mann durfte seine ehemalige Frau, wenn sie

inzwischen eines anderen und dadurch unrein geworden

war, nicht wieder annehmen. Die Ausstellung eines

Scheidebriefes machte eine erneute Heirat dieses Paares

unmöglich.

Matthäus 5,31-32
"Es wird gesagt" d.h. so hielt man es damals. Jesus

spricht einen damals vorliegenden Mißstand und die

darüber herrschende Meinung an. Wenn ein Mann seine

Frau einfach wegschickt, ohne daß die Ehe aufgelöst wurde,

veranlaßt er, wenn sie wieder heiratet, daß sie die Ehe

bricht. Auch hier wird eine Ausnahmeklausel angesprochen,

welche, wenn sie zutrifft, alle sonstigen Aussagen hinfällig

macht.

- 43 -
(Beispiel: Alle Schafe, es sei denn sie sind schwarz,

sollen in den Stall getrieben, geschoren und danach

gefüttert werden.)

Zusammenfassung:

1.Scheidung war und ist von Gott nicht gewollt und

vorgesehen. - "Ich hasse die Ehescheidung, spricht der

Herr." Mal.2,16

2.Scheidung wurde später von Gott um der

Herzenshärtigkeit der Menschen hingenommen und

reguliert, um Schlimmeres zu verhindern. 5.Mo.24;

Mth.19,8

3.Scheidung bedeutet den totalen Abbruch aller

ehelichen Beziehungen. 5.Mo.24; 1.Kor.7,15

4.Wenn beide Partner Christen sind, gibt es für sie nur

einen möglichen Scheidungsgrund: Unzucht! Buße und

Versöhnung bleiben jedoch auch in einem solchen Fall

- 44 -
immer erstes Ziel und höchster Auftrag. Mth.19,9;

1.Kor.7,10-11

5.Scheiden sich christliche Eheleute, so sollen sie, wenn

keine Unzucht vorliegt, unverheiratet bleiben und/oder

sich wieder versöhnen. 1.Kor.7,11

6.Will ein Ungläubiger nicht länger mit einem gläubigen

Partner verheiratet sein, so kann der Gläubige in eine

Scheidung einwilligen. 1.Kor.7,15

Wiederverheiratung
Warum sprach Jesus nicht von Wiederverheiratung?

1.Weil er nicht danach gefragt wurde.

2.Weil für seine Zeitgenossen die Wiederheirat keine

Frage war. Sie fand selbstverständlich statt. Es ging

ihnen nur um die Scheidung, genauer um die

Scheidungsgründe. Deshalb bin ich zu der

Überzeugung gekommen: Da, wo die Bibel eine

- 45 -
Scheidung für möglich hält, ist auch eine

Wiederverheiratung erlaubt.

Texte der alten hebräischen und griechischen

Scheidebriefe enthalten im letzten Absatz durchweg den

Hinweis: "..und jetzt bist du frei eines anderen zu werden!"

Wenn Jesus grundsätzlich gegen jede Art von

Wiederverheiratung gewesen wäre, hätte er die Praxis des

Scheidebriefes abgeschafft, oder sich zumindest eindeutig

gegen diese Einrichtung ausgesprochen, denn sie öffnete ja

geradezu die Tür zu einer neuen Ehe.

Ein biblischer Text, der die Praxis der

Wiederheirat ausdrücklich anspricht ist Hes.44,22. Dort

heißt es von den Priestern: "sie sollen keine Witwe oder

Verstoßene (=Geschiedene) zur Frau nehmen.." Das

bedeutet, daß Israeliten, welche nicht Priester waren,

durchaus Geschiedene heiraten durften. Für die Priester

jedoch galt diese Sonderregelung.

- 46 -
Auch die Argumentation Jesu in Matthäus

impliziert m.E. die Wiederverheiratung:

Mth.19,3
"ist es erlaubt, aus jeder (beliebigen) Ursache seine Frau

zu entlassen?" Dazu Jesus: Nein!

Mth.19,9
"wer seine Frau entläßt ... und eine andere heiratet,

begeht Ehebruch."

Ausnahme: "wer seine Frau wegen Unzucht entläßt

und eine andere heiratet, begeht keinen Ehebruch."

Mth.5,31-32
"wer seine Frau (ohne von Gott anerkannten Grund)

entläßt... macht, daß sie Ehebruch begeht (wenn sie wieder

heiratet)."

Ausnahme: "Wenn Unzucht vorliegt (ist eine

Entlassung möglich) und sie begeht keinen Ehebruch (wenn

sie wieder heiratet)."

- 47 -
(Die Wiederverheiratung wird nicht extra angesprochen,

weil sie das Normale war.)

"wer eine (ohne Grund) Entlassene heiratet, begeht

Ehebruch" (weil die erste Ehe noch nicht aufgelöst ist)

Ausnahme: "wer eine (wegen Hurerei) Entlassene

heiratet, begeht keinen Ehebruch, wenn er sie heiratet"

(weil die 1. Ehe durch die erfolgte Scheidung vollständig

aufgelöst worden ist)

Wir ergänzen heutzutage ja auch stillschweigend und

gewiß zutreffend das gleiche Recht für die Frau, wie es dem

Manne im Wort Gottes eingeräumt wird.

Vergebung und Neuanfang nach einer


zerbrochenen Ehe:
Vergebung gibt es nicht nur im Falle von Ehebruch oder

vorehelichen Beziehungen. Das Angebot der Vergebung gilt


- 48 -
auch Menschen, durch deren Schuld ihre Ehe zerbrochen

ist. Für die Vergebung gibt es keine Ausnahmeklauseln. Die

Folge der Vergebung ist die Ermöglichung eines neuen

Lebens, eines Neuanfangs (Joh.8,11). Die Ehebrecherin war

nach dem Zuspruch Jesu nicht mehr sklavisch an ihre

Schuld gebunden. Sie konnte neu anfangen. Ihre Ehe war

danach keine Ehe "zweiten Grades", sondern ein

öffentlicher Neuanfang nach erfolgter Vergebung durch

Jesus.

Nach dem Zuspruch der Vergebung ist es nicht

mehr die Aufgabe des Seelsorgers, dem Geschiedenen

weitere Lasten aufzubürden. Kommt ein Seelsorger zu der

Überzeugung, daß er Geschiedene wieder trauen darf, weil

es in ihrem Fall vor Gott zulässig ist, dann ist diese Trauung

kein Haus- oder Winkelgottesdienst, sondern ein

Traugottesdienst in der Gemeinde. Denn entweder ist es

richtig, sie zu trauen, dann ist es überall richtig, oder es ist

falsch, sie zu trauen,dann ist es überall falsch!

- 49 -
Zusammenfassung:
Wiederverheiratung Geschiedener ist möglich:

1.Wenn eine "biblische Scheidung" vorliegt, d.h. wenn

biblische Scheidungsgründe vorliegen:

a) bei Gläubigen: Unzucht und keine Bereitschaft zur

Versöhnung und Umkehr

b) bei Mischehen: wenn der Ungläubige sich vom

Gläubigen getrennt hat.

2.Wenn hinsichtlich der zerbrochenen Ehe Buße getan

und Vergebung empfangen wurde.

Den Grundsatz "Die Ehe ist unauflöslich" haben wir stets

als Zielpunkt unserer seelsorglichen Begleitung anzusehen

und dann zu versuchen, immer wieder Gespräche mit

diesem bestimmten Ziel vor Augen aufzunehmen. Die

Erhaltung der Ehe und ihre Unauflöslichkeit sind das Ziel

des Weges. Wir können dieses Ziel jedoch nicht zur

Voraussetzung dafür machen, überhaupt wieder

aufeinander zuzugehen und miteinander zu reden.

- 50 -
Scheidung ist kein wirklicher Ausweg, höchstens

ein Notausgang. Sicher ist es auch eine Glaubensschwäche,

wenn Christen sich scheiden lassen, denn damit bringen sie

ja zum Ausdruck: "Wir trauen Gott kein Wunder mehr zu!"

Aber in wie vielen unterschiedlichen Situationen tritt in

einem Christenleben solch eine Glaubensschwäche zu Tage!

Hier gilt es den Glauben in guten Tagen zu stärken, daß er

sich am "bösen Tage" bewährt.

Bei Jesus sehen wir: Er stützt nachhaltig die

eheliche Treue, weist unermüdlich auf die Unauflöslichkeit

der Ehe hin - ABER er setzt die Notordnung der Scheidung

und Wiederverheiratung nicht außer Kraft. Scheidung ist

möglich als Eingeständnis des Scheiterns eines

Lebensentwurfes, als Bejahung der Tatsache: Hier ist etwas

durch meine Schuld zerbrochen!

Häufig habe ich festgestellt, daß Christen oft

dann sehr mutig und äußerst konsequent sind, wenn es um

Probleme geht, die sie nicht selbst betreffen und von denen

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sie letztlich nur sehr wenig Ahnung haben. Im Blick auf die

Scheidungssituation ist es vor allem wichtig, daß der/die

Betroffene erfährt, mit seiner/ihrer Not, auch mit

seinen/ihren Ehe- bzw. Scheidungskonflikten von Gott und

deshalb auch von seiner Gemeinde angenommen und

geliebt zu werden. Es ist eine Schande, wenn Geschiedene

heutzutage immer noch in Gemeinden Spießruten laufen

müssen oder gar von pharisäerhafter Arroganz aus der

Gemeinde hinausgedrängt werden.

Wie kommt es, daß in der Gemeinde hinter dem

Rücken anderer geredet und verurteilt wird, Geiz, Neid,

Stolz und Habsucht geduldet werden, aber ein

Geschiedener sehr oft wie ein Aussätziger behandelt wird?

Gibt es Sünden von unterschiedlichem Gewicht?

Wir müssen es in der Gemeinde dringend und

schnell lernen, mit alleinstehenden und geschiedenen

Leuten in einer jesusgemäßen Weise umzugehen.

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