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Die Größe der Schöpfung

Sage Ich: ,,Mein lieber Freund Mathael, der unübersteigbare


Unterschied zwischen Gott und dem geschaffenen endlichen
Menschen, selbst der allervollkommensten Art und Gattung,
bestehet dennoch gleichfort, und es kann nicht aufgehoben werden
in alle Ewigkeit, daß Gott in Seinem Urwesen durchgängig ewig und
unendlich in allem ist und sein muß, während der Mensch wohl ewig
hinfür stets vollkommener in seinem Geistwesen bestehen wird,
aber dem unendlichen Urwesenmaße nach Gott doch nimmer
erreichen kann und erreichen wird.

2 Der Mensch kann Gott ähnlich werden in der Form, auch in der
Liebe und in ihrer Kraft, aber dennoch ewig nie völlig im
wesenhaften Ausmaße der endlosesten Weisheit in und aus Gott;
und so könnten die langen Ewigkeiten in ihren zahllosen
Ewigkeitsperioden wohl so manches fassen, das im endlosesten
Raume sicher Platz findet, wovon sogar einem Urerzengel sicher
noch nie etwas geträumt hat! Denn auch ein Urerzengel hat dafür
noch eine zu ungeheuer beschränkte Fassungskraft; erst wenn ein
jeder Urerzengel gleich Mir den Weg des Fleisches wird
durchgemacht haben, dann wird er auch mehr zu fassen imstande
sein, - aber alles in der ganzen, ewig nie endenden Unendlichkeit
unmöglich je wann!

3 Ja, ihr werdet ewig fort und fort für euch neue Wunder
kennenlernen und euch zu finden anfangen in denselben, aber das
Ende derselben dennoch ewig nie und nimmer erreichen, - wofür ihr
aber auch daraus euch den Grund leicht einleuchtend machen
könnet, so ihr euch denket, ob es wohl möglich wäre, so lange zu
zählen, bis man erreicht das Ende der Zahlen! So Ich aber dem
Geiste nach von aller Ewigkeit her als immerwährend ein und
derselbe Gott bestehe, denke, will, handle und wirke aus der stets
gleichen Liebe und Weisheit, die in sich durch jede
Schöpfungsperiode sich freilich durch das für alle künftigen
Ewigkeiten vollendet gelungene Werk auch vollendeter und
gediegener selig fühlen müssen, so könnet ihr Weiseren es euch
wohl von selbst denken, daß Ich, wie der Vater nun in Mir und aus
Mir spricht, bis zu dieser Schöpfungsperiode sicher nicht in
irgendeinem Unendlichkeitspunkte im ewigen Raume eine Art
Winterschlaf gehalten habe! Möge eine Schöpfungsperiode von
ihrem Urbeginn an bis zur gesamten endlichen geistigen Vollendung
auch tausendmal Tausende von äonenmal Äonen von
Tausenderdjahrszyklen andauern, so ist solch eine
Schöpfungsperiode dennoch nichts gegen Mein ewiges Sein, und
ihre für euch unmeßbarste Ausdehnungsgröße ist dem Raume nach
ein Nichts im unendlichen Raume!

4 Du, Mathael, kennst die Sternbilder der alten Ägypter wohl, und
der Regulus im großen Löwen ist dir wohlbekannt! Was ist er
deinem Auge? Ein schimmerndes Pünktchen, - und ist dort, wo er ist
im Raume, dennoch ein so großer Sonnenweltkörper, daß ein Blitz,
der doch in vier Augenblicken eine Strecke von 400000 Feldwegen
durchmacht, nach dir, Mathael, wohlbekannten altarabischen
Zahleneinteilungen über eine Trillion von Erdjahren zu tun hätte, um
die Strecke von seinem Nord- bis zu seinem Südpole zurückzulegen!
Sein eigentlicher Name ist Urka, besser Ouriza (die erste oder der
Anfang der Schöpfung von äonenmal Äonen Sonnen in einer nahe
endlos weit umhülsten Schöpfungsglobe); sie ist die Seele oder der
Zentralschwerpunkt einer Hülsenglobe, die aber an und für sich nur
einen Nerv im großen Weltenschöpfungsmenschen ausmacht, deren
der gedachte Großmensch freilich ungefähr so viele hat als die
Ganzerde des Sandes und des Grases, - welcher Großweltenmensch
aber eigentlich nur eine Schöpfungsperiode ausmacht von seinem
Anfange bis zu seiner geistigen Vollendung.

5 Eine solche Urka und noch mehr eine ganze Hülsenglobe sind
sonach schon ganz respektabel große Dinge, und noch unnennbar
größer ist ein solcher Weltenschöpfungs-Großmensch! Aber was ist
er gegen den ewigen, unendlichen Raum? Soviel als nichts! Denn
alles notwendig Begrenzte, wenn an und für sich für eure Begriffe
auch noch so endlos Große, ist im Verhältnisse zum unendlichen
Raume soviel als nichts, weil es mit demselben in gar kein je
berechenbares Verhältnis treten kann.

6 Nun frage Ich dich, Mein lieber Mathael, ob du nun aus dem
Gesagten schon so ein bißchen zu spannen angefangen hast, wo's
eigentlich da hinausgehen wird!"

7 Sagt Mathael: ,,O Herr, ja wohl, ja wohl spanne ich; aber bei dieser
Spannung fange ich an, mich so ziemlich ganz zu verlieren und
mich aufzulösen ins Nichts! Denn Deine ewige Macht und Größe,
der unendliche Raum und die ewige Zeitendauer verschlingen mich
völlig. So dunstig wird's mir wohl und - ob ich's recht verstanden
habe, was Du, o Herr, so gewisserart hingehaucht hast, weiß ich
natürlich kaum oder eigentlich auch schon gar nicht - so kaum
aussprechlich schimmerig hell, daß Du solcher Schöpfungsperioden
nicht etwa - um auch nach arabischer Art zu zählen - nur
dezillionen- oder äonenweise hinter Dir hast, sondern unzählige!
Denn wenn ich, nach rückwärts der Zeitendauer nach zählend, bei
dieser gegenwärtigen anfange, so würde ich mit dem Zählen sicher
nie fertig werden und ewig nie zu der kommen, von der man sagen
könnte, sie wäre Deine erste!

8 Kurz, Dein Anfang ist keiner, und so haben auch Deine


Schöpfungen unmöglich je einen Anfang gehabt, und soviele derer
auch der ewige Raum fassen kann, so ist darunter doch keine, von
der man sagen könnte: ,Sieh, das war die erste! Vor dieser ist nichts
erschaffen worden!` Denn hinter solch einer sein sollenden ersten
steckt ja doch wieder eine vollkommen ganze Ewigkeit! Was hättest
Du diese hindurch dann gemacht bei Deiner stets gleichen
Wesenheit? Platz haben im endlosen Raume auch endlos viele
Schöpfungen; wenn ihre Distanzen auch noch so endlos groß sind,
so macht das nichts! Der endlose Raum hat Platz genug für alle die
ewig endlos vielen und wird ewig noch Platz für äonenmal Äonen
viele und so ewig fort und fort für noch zahllose neue haben, und
diese künftigen werden die schon von Ewigkeit her vorhandenen
auch gewisserart um nichts vermehren; denn ein end- und zahllos
Vieles kann darum nie ein Mehreres werden, weil es ohnehin ein
endlos Vieles ist.

9 Ja, wenn ich diese Periode mit eins zu zählen anfange, so wird sie
um eine, wie in den künftigen Äonen-Zeiten oder -Ewigkeiten sicher
stets um eins und eins und eins weiterhin vermehrt werden können;
aber wo die Hinterzahl schon ohnehin eine endloseste ist, da ist
keine Vermehrung derselben mehr denkbar! Die neuen
Schöpfungen zählen wohl für sich noch etwas, - aber zur Anzahl der
Vorschöpfungen gar nichts!

10 So lautet meine mich nun ganz vernichten wollende Spannung.


Aber hinweg mit solchen Gedanken, die wegen ihrer endlosen
Größe meine dafür zu kleine Seele gänzlich erdrücken und zunichte
machen! Wenn ich nur ein ewiges Leben habe, die Liebe und Gnade
dazu und eine solche Gegend, wie diese da ist, so werde ich es mir
fürder nimmer wünschen, auch nur den Mond oder gar unsere
Sonne näher kennenzulernen! Ich sehe nun auch ein, wie dumm es
von mir war, Dich um etwas zu fragen, was sich für einen
beschränkten Menschen zu wissen ganz und gar nicht ziemt! Herr,
vergib Du mir meine große Dummheit!"
Jakob Lorber

DAS GROSSE EVANGELIUM JOHANNES - BAND 4

Kapitel 254

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