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I

Klassifikations- und Bauvorschriften Schiffstechnik

1 Seeschiffe

I Klassifikations- und Bauvorschriften Schiffstechnik 1 Seeschiffe 1 Schiffskörper Ausgabe 2012

1 Schiffskörper

Ausgabe 2012

I Klassifikations- und Bauvorschriften Schiffstechnik 1 Seeschiffe 1 Schiffskörper Ausgabe 2012

Diese Vorschriften treten am 1. Mai 2012 in Kraft.

Änderungen gegenüber der vorherigen Ausgabe sind durch Balken am Rande des Textes angezeigt.

Germanischer Lloyd SE

Unternehmenszentrale Brooktorkai 18, 20457 Hamburg Tel.: +49 40 36149-0 Fax: +49 40 36149-200 headoffice@gl-group.com

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Es gelten die "Allgemeinen Geschäftsbedingungen" in der jeweils gültigen Fassung (siehe Klassifikations- und Bauvorschriften, I - Schiffstechnik, Teil 0 - Klassifikation und Besichtigungen).

Nachdruck oder Vervielfältigung, auch auszugsweise, ist nur mit Genehmigung der Germanischer Lloyd SE gestattet.

Verlag: Germanischer Lloyd SE, Hamburg

I - Teil 1 GL 2012

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

 

Seite 3

 

Inhaltsverzeichnis

Abschnitt 1

Allgemeines, Begriffsbestimmung

A.

Gültigkeit, Gleichwertigkeit

1- 1

B.

Eingeschränkter Fahrtbereich

1- 1

C.

Schiffe für besondere Einsatzzwecke

1- 2

D.

Zugänglichkeit

1- 2

E.

Stabilität

1- 2

F.

Schwingungen

1- 3

G.

Prüfungsunterlagen

1- 3

H.

Begriffsbestimmung

1- 5

J.

International Konventionen und Codes

1-

7

K.

Ab- bzw. Aufrundungstoleranzen

1- 7

L.

Vorschriften nationaler Verwaltungen

1-

7

M.

Rechnerprogramme

1- 7

N.

Arbeitsausführung

1- 8

Abschnitt 2

Werkstoffe

A. Allgemeines

2- 1

B. Schiffbaustähle für Platten und Profile

2-

1

C. Schmiedestahl und Stahlguss

2-

5

D. Aluminiumlegierungen

2- 5

E. Austenitische Stähle

2- 5

Abschnitt 3

Grundsätze für die Bemessung und Konstruktion

A.

Allgemeine Hinweise

3- 1

B.

Obere und untere Gurtung des Schiffskörpers

3- 2

C.

Ununterstützte Länge

3- 2

D.

Endbefestigungen

3- 4

E.

Mittragende Plattenbreite

3- 5

F.

Beulfestigkeitsnachweise

3- 5

G.

Steifigkeit von Rahmen und Trägern

3- 14

H.

Konstruktive Hinweise

3- 14

J.

Ermittlung von Kerbspannungen

3- 16

K.

Korrosionszuschläge

3- 18

L.

Zusatzspannungen bei unsymmetrischen Profilen

3- 18

M.

Testen von wasser- und wetterdichten Räumen

3- 19

Abschnitt 4

Entwurfsbelastungen

A. Allgemeines, Begriffsbestimmung

 

4- 1

B. Äußere Belastung durch die See

4- 2

C. Belastung infolge Ladung, Belastung von Einrichtungsdecks

4-

4

D. Belastung von Tankverbänden

4- 5

E. Entwurfswerte für Beschleunigungskomponenten

4-

6

Kapitel 1

Inhaltsverzeichnis

I - Teil 1 GL 2012

Seite 4

Abschnitt 5

Längsfestigkeit

A. Allgemeines

 

5- 1

B. Belastungen des Schiffskörpers

5- 5

C. Widerstandsmomente, Trägheitsmoment, Schub- und Beulfestigkeit

5-

9

D. Entwurfsspannungen

5- 15

E. Zulässige Glattwasserbelastungen

5- 18

F. Richtwerte bei hohem Decköffnungsgrad

5- 19

G. Massengutschiffe

5- 21

Abschnitt 6

Außenhautstrukturen

A.

Allgemeines, Begriffsbestimmung

6-

1

B.

Bodenbeplattung

6- 1

C.

Seitenbeplattung

6- 3

D.

Außenhaut von Aufbauten

6- 4

E.

Bodenverstärkung im Vorschiff

6- 4

F.

Verstärkungen im Propellerbereich und an Wellenböcken, Schlingerkiele

6-

5

G.

Öffnungen in der Außenhaut

6- 6

H.

Bugpforten und innere Pforten

6- 6

J.

Seiten- und Heckpforten

6- 12

K.

Schanzkleid

6- 13

Abschnitt 7

Decks

A. Gurtungsdeck

 

7- 1

B. Untere Decks

7-

4

C. Hubschrauber-Landedecks

7-

5

Abschnitt 8

Bodenkonstruktion

A. Einfachboden

8- 1

B. Doppelboden

8- 2

C. Bodenkonstruktion des Maschinenraums im Bereich der Hauptantriebsanlage

8-

7

D. Querstrahlanlagen

8-

9

E. Dockrechnung

8- 10

Abschnitt 9

Spantsystem

A. Querspanten

9-

1

B. Längsspanten, Längsbalken, Seitenrahmen

9-

5

Abschnitt 10

Tragende Deckkonstruktion

A. Allgemeines

10- 1

B. Deckbalken und Träger

10-

1

C. Deckstützen

10- 2

D. Kragträger

10- 3

E. Lukenträger und Unterzüge, die Teil des Längsverbandes sind

10-

3

I - Teil 1 GL 2012

 

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

 

Seite 5

Abschnitt 11

Wasserdichte Schotte

A. Allgemeines

11-

1

B. Abmessungen

11-

3

C. Wellentunnel

11-

5

Abschnitt 12

Tankverbände

A. Allgemeines

12- 1

B. Abmessungen

12- 3

C. Tanks mit großen Längen oder Breiten

12-

6

D. Süßöltanks

12- 7

E. Freistehende Tanks

12-

7

F. Trinkwassertanks

12- 7

G. Schlagschotte

12- 8

Abschnitt 13

Vor- und Hintersteven

A. Begriffsbestimmung

13- 1

B. Vorsteven

13- 1

C. Hintersteven

13- 1

D. Wellenböcke

13- 4

E. Elastisches Stevenrohr

13-

5

Abschnitt 14

Ruder und Manövrieranlage

A. Allgemeines

14- 1

B. Ruderkraft und Torsionsmoment

14- 3

C. Abmessungen des Ruderschaftes

14- 4

D. Ruderkupplungen

14- 8

E. Ruderkörper, Ruderlagerung

14- 11

F. Ruderschaft-Fließmoment

14- 14

G. Stopper, Feststellvorrichtung

14- 14

H. Propellerdüsen

14- 14

I. Anhänge für die Verbesserung der Propulsion

14- 15

J. Flossenstabilisatoren

14- 15

Abschnitt 15

Eisverstärkung

A. Allgemeines

15- 1

B. Anforderungen für die Zeichen E1 - E4

15-

6

C. Anforderungen für das Zeichen E

15- 13

Abschnitt 16

Aufbauten und Deckshäuser

A. Allgemeines

16- 1

B. Seitenbeplattung und Decks der nicht wirksamen Aufbauten

16- 2

C. Endwände von Aufbauten und Wände von Deckshäusern

16-

3

D. Decks von kurzen Deckshäusern

16-

4

E. Elastische Deckshauslagerung

16-

4

Kapitel 1

Inhaltsverzeichnis

I - Teil 1 GL 2012

Seite 6

Abschnitt 17

Luken

A. Allgemeines

 

17- 1

B. Lukendeckel

17- 2

C. Lukensülle und Lukenträger

17- 12

D. Kleinere Öffnungen und Luken

17- 14

E. Maschinen- und Kesselraumluken

17- 17

Abschnitt 18

Ausrüstung

A. Allgemeines

 

18- 1

B. Ausrüstungsleitzahl

18- 1

C. Anker

18- 2

D. Ketten

18- 3

E. Kettenkasten

18- 4

F. Festmache- und Verholeinrichtung

18- 4

G. Schleppeinrichtungen

 

18- 6

H. Anordnungsplan der Schlepp- und Festmacheinrichtungen

18-

7

Abschnitt 19

Schweißverbindungen

A. Allgemeines

19- 1

B. Gestaltung und Bemessung

19-

2

C. Berechnung

19- 10

Abschnitt 20

Betriebsfestigkeit

A. Allgemeines

20- 1

B. Betriebsfestigkeitsnachweis für freie Blechkanten und für Schweißverbindungen mittels Kerbfallzuordnung

20- 4

 

C. Betriebsfestigkeitsnachweis für Schweißverbindungen auf der Basis örtlicher Beanspruchungen

20- 9

Abschnitt 21

Ausbau des Schiffskörpers

 

A.

Trennschotte

21- 1

B.

Wegerung

21- 1

C.

Bullaugen, Fenster und Oberlichter

21- 2

D.

Speigatte, Ausgüsse, Wasserpforten

21- 3

E.

Luftrohre, Überlaufrohre, Peilrohre

21- 5

F.

Lüfter

21- 7

G.

Stauung von Containern

21- 8

H.

Zurrvorrichtungen

21- 9

J.

Autodecks

21- 9

K.

Rettungsmittel und -vorrichtungen

21- 10

L.

Signal- und Radarmasten

21- 10

M.

Lade- und Hebegeschirr

21- 12

N. Zugang zum Ladungsbereich von Öltankern und Massengutschiffen

21- 12

 

O. Geländer

21- 20

I - Teil 1 GL 2012

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Seite 7

Abschnitt 22

Baulicher Brandschutz

A. Allgemeines

22- 1

B. Fahrgastschiffe, die mehr als 36 Fahrgäste befördern

22- 1

C. Fahrgastschiffe, die nicht mehr als 36 Fahrgäste befördern

22- 18

D. Fahrgastschiffe mit 3 oder mehr Hauptbrandabschnitten oder mit einer Freibordlänge von 120 m und darüber

22- 32

E. Frachtschiffe von 500 BRZ und mehr

22- 32

F. Tankschiffe von 500 BRZ und mehr

22- 41

G. Hubschrauberlandedecks

22- 45

Abschnitt 23

Massengutschiffe, Erzschiffe und Schiffe mit Verstärkungen für Schüttgüter und

Schwergutladung

A. Verstärkungen für Schüttgüter und Schwergutladung

23- 1

B. Massengutschiffe

23- 1

C. Erzschiffe

23- 6

D. Zulässige Ladungsmenge unter Berücksichtigung des gefluteten Laderaums

23-

7

E. Abmessungen von vertikal gesickten wasserdichten Querschotten auf Massengutschiffen unter Berücksichtigung von Laderaumflutung

23- 10

F. Abgestimmte Klassenzusätze und zugehörige Entwurfsladefälle für Massengutschiffe

23- 19

G. Vordeck-Aufbau für Massengutschiffe, Erzschiffe und kombinierte Öl-Massengutschiffe

23- 22

H. Transport von Stahlblechrollen in Mehrzweckfrachtschiffen

23- 23

 

Abschnitt 24

Tankschiffe für Ölladung

A.

Allgemeines

24- 1

B.

Festigkeit von Trägern und Rahmen im Ladetankbereich

24- 11

C.

Öldichte Längs- und Querschotte

24- 13

D.

Schlagschotte

24- 13

E.

Luken

24- 14

F.

Konstruktion der Schiffsenden

24- 14

G.

Schiffe für den Transport von Trockenladung oder Ölladung

24- 14

H.

Stoffliste 1

24- 16

J.

Stoffliste 2

24- 17

K.

Zusätzliche Anforderungen für Tankschiffe im Zubringerdienst

24- 19

Abschnitt 25

Schlepper

A. Allgemeines

25- 1

B. Schiffsstruktur

25- 1

C. Schleppgeschirr/Schleppanordung

25- 2

D. Ruderanlage und Ruderanordnung

25- 7

E. Anker- und Verholausrüstung

25- 7

F. Wetterdichte Öffnungen und Stabilität

25- 8

G. Fluchtwege und Sicherheitsmaßnahmen

25- 8

H. Zusätzliche Vorschriften für Aktive Begleitschlepper (Active Escort Tugs)

25-

9

Kapitel 1

Inhaltsverzeichnis

I - Teil 1 GL 2012

Seite 8

Abschnitt 26

Fahrgastschiffe

A. Allgemeines

 

26- 1

B. Prüfungsunterlagen

26- 1

C. Wasserdichte Unterteilung

26- 1

D. Doppelboden

26- 1

E. Aufbauten

26- 1

F. Öffnungen in der Außenhaut

26- 1

G. Werkstoffe für wasserdichte Verschlüsse

26-

2

H. Querfluteinrichtungen

26- 2

I. Rohrleitungen

26- 2

J. Bullaugen und Fenster

26- 2

Abschnitt 27

Schiffe für besondere Verwendungszwecke

A. Allgemeines

27-

1

B. Prüfungsunterlagen

27-

1

Abschnitt 28

Unterteilung und Stabilität von Frachtschiffen und Fahrgastschiffen

A. Allgemeines

28- 1

B. An Bord mitzuführende Stabilitätsunterlagen

28-

1

C. Doppelboden

28- 2

D. Wasserdichte Schotte und Decks

28- 2

E. Äußere Öffnungen

28- 3

F. Querfluteinrichtungen

28- 3

Abschnitt 29

Arbeitsschiffe

A. Allgemeines

29- 1

B. Außenhaut, Spanten

29- 1

C. Wetterdeck

29- 1

D. Aufbauten und Deckhäuser

29-

2

E. Zugang zu Räumen

29- 2

F. Ausrüstung

29- 2

Abschnitt 30

Wattschiffe

A. Allgemeines

30- 1

B. Außenhaut

30- 1

C. Wasserdichte Schotte und Tankschotte

30-

1

D. Decköffnungen

30- 1

E. Ausrüstung

30- 2

Abschnitt 31

Leichter und Pontons

A. Allgemeines

31- 1

B. Längsfestigkeit

31- 1

C. Wasserdichte Schotte und Tankschotte

31- 2

D. Konstruktion der Enden

31- 2

E. Ruder

31- 2

F. Schub- und Zugeinrichtungen, Verbindungselemente

31-

2

I - Teil 1 GL 2012

 

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

 

Seite 9

Abschnitt 32

Baggerfahrzeuge

A.

Allgemeines

32- 1

B.

Prüfungsunterlagen

32- 1

C.

Hauptabmessungen

32- 1

D.

Längsfestigkeit

32- 2

E.

Außenhaut

32- 2

F.

Deck

32- 2

G.

Bodenkonstruktion

32- 2

H.

Laderaum-(Hopper-) und Schlitz-Konstruktion

32-

4

J.

Kastenkiel

32- 5

K.

Hintersteven und Ruder

32- 5

L.

Schanzkleid, Laderaumüberlauf

32- 5

M.

Klappschuten

32- 5

N.

Ausrüstung

32- 6

Abschnitt 33

Verstärkung gegen Kollisionen

A. Allgemeines

 

33- 1

B. Berechnung der Verformungsenergie

33- 1

C. Berechnung der kritischen Geschwindigkeit

33-

3

Abschnitt 34

Besondere Anforderungen für Unterwasserbesichtigungen

A. Allgemeines

34- 1

B. Besondere Einrichtungen für Unterwasserbesichtigungen

34-

1

C. Prüfungsunterlagen, Erprobungen

34- 1

Abschnitt 35

Korrosionsschutz

A. Allgemeine Hinweise

35- 1

B. Fertigungsbeschichtungen

35- 1

C. Hohlräume

35- 1

D. Werkstoffpaarungen

35- 2

E. Ausrüstungs- und Liegezeit

35- 2

F. Korrosionsschutz von Ballastwassertanks

35- 2

G. Korrosionsschutz von Laderäumen

35- 2

H. Korrosionsschutz des Unterwasserschiffes

35-

2

Anhang A

Freibordmarken

A.

Freibordmarken des GL

A-

1

Anhang B

Eisklassen-Tiefgangskennzeichnung

A.

Eisklassen-Tiefgangskennzeichnung des GL

B-

1

I - Teil 1 GL 2012

Abschnitt 1

B

Allgemeines, Begriffsbestimmung

Kapitel 1

Seite 1–1

Abschnitt 1

Allgemeines, Begriffsbestimmung

Hinweis

Absätze oder Passagen im Kursivdruck beinhalten im Allgemeinen Empfehlungen und Hinweise, die nicht Bestandteil der klassifikatorischen Vorschriften sind. Auszugsweise zitierte Anforderungen aus statuarischen Regelwerken, die neben der Klassifikation verbindlich sind, können ebenfalls kursiv abgedruckt sein.

A. Gültigkeit, Gleichwertigkeit

1. Die Vorschriften gelten für stählerne See-

schiffe mit der Klasse 100A5, deren Breite in einem für Seeschiffe üblichen Verhältnis zur Seitenhöhe steht und deren Seitenhöhe H nicht kleiner ist als:

– für unbeschränkte Fahrt und RSA (200) (Restricted Service Area)

– für RSA (50), RSA (20)

L/16

L/18

– für RSA (SW)

Kleinere Seitenhöhen können bei rechnerischem Nachweis gleicher Festigkeit, Steifigkeit und Sicher- heit für das Schiff zugelassen werden.

Die Dimensionierung des Schiffskörpers von Container- schiffen mit L 150 m erfolgt auf Grundlage der GL Structural Rules for Container Ships (I-1-5).

Die Dimensionierung des Schiffskörpers von Massen- gutschiffen mit L 90 m und Bauvertragsabschluss ab dem 1.4.2006 erfolgt auf Grundlage der IACS Com- mon Structural Rules for Bulk Carriers.

Für Massengutschiffe, auf die die IACS Common Structural Rules nicht anwendbar sind, gelten die Anforderungen in Abschnitt 23.

Entsprechend gelten ab diesem Zeitpunkt für Doppel- hüllen-Öltankschiffe mit L 150 m die IACS Common Structural Rules for Double Hull Oil Tankers. Für diese Schiffe ist zudem Abschnitt 24, A. zu berücksichtigen.

Weitere für die Dimensionierung des Schiffskörpers relevante Vorschriften, die von den IACS Regelwer- ken nicht abgedeckt sind, gibt der GL in zwei speziel- len Begleitbänden als ergänzende Vorschriften zu den beiden IACS Common Structural Rules heraus.

Für Massengutschiffe und Öltankschiffe unterhalb der jeweiligen Grenzlänge gelten weiterhin diese GL Bau- vorschriften unter besonderer Berücksichtigung der Anforderungen in Abschnitt 23 und Abschnitt 24.

L/19

2. Schiffe, die in ihrer Bauart, in einzelnen Teilen

oder in ihrer Ausrüstung von den Bauvorschriften ab-

weichen, können eine Klasse erhalten, wenn ihre Ver- bände bzw. ihre Ausrüstung als dieser Klasse gleichwer- tig befunden werden.

3. Bezüglich Klassenzeichen und Zusätze zum

Klassenzeichen siehe GL Vorschriften für Klassifika- tion und Besichtungen (I-0), Abschnitt 2.

4. Für Schiffe, die für Unterwasserbesichtigun-

gen besonders eingerichtet werden sollen und den Klas-

senzusatz IW erhalten, ist Abschnitt 34 zu beachten.

5.

Klassenzusätze für Schiffe nach Durchfüh- rung erweiterter Festigkeitsanalysen

RSD

Laderaumberechnung vom Konstrukteur durchgeführt und vom GL geprüft

RSD (F25)

Der Betriebsfestigkeitsnachweis wird vom GL durchgeführt für 6,25 10 7 Lastwech- sel auf Basis des Nordatlantik-Spektrums

RSD (F30)

Der Betriebsfestigkeitsnachweis wird vom GL durchgeführt für 7,5 10 7 Lastwechsel auf Basis des Nordatlantik-Spektrums

Der Betriebsfestigkeitsnachweis ist durchzuführen für alle Lukenecken auf allen Decks, für Längsspanten und Stumpfnähte der Deckbeplattung und der Seiten- beplattung, soweit vorhanden.

RSD (ACM) Zusätzlicher Korrosionszuschlag gemäß ausführlicher Listen im technischen Da- tenblatt. Die Berechnung wird vom GL durchgeführt.

RSD (gFE) Globale finite Elemente Analyse durch- geführt gemäß GL Richtlinien für Global Strength Analysis of Container Ships (V-

1-1)

B. Eingeschränkter Fahrtbereich

1. Für die Bemessung der Längs- und Querver-

bände von Schiffen, deren Klasse nur für einen der eingeschränkten Fahrtbereiche RSA (200), RSA (50), RSA (20) und RSA (SW) gelten soll, können die dy- namischen Zusatzbelastungen entsprechend den An- gaben in den Abschnitten 4 und 5 verringert werden.

2. Hinsichtlich der Fahrtgrenzen der Fahrtberei-

che RSA (200), RSA (50), RSA (20) und RSA (SW) siehe GL Vorschriften für Klassifikation und Besich- tigungen (I-0), Abschnitt 2, C.3.1.1.

Kapitel 1

Abschnitt 1

E

Allgemeines, Begriffsbestimmung

I - Teil 1

Seite 1–2

GL 2012

C. Schiffe für besondere Einsatzzwecke

2. Schiffe mit Leckstabilitätsnachweis

Soll ein Schiff für den Transport bestimmter Ladungen (z. B. Holzstämme) eingesetzt werden, bei deren Bela- dung, Stauung oder Entladung nennenswerte Belastun- gen der Schiffsverbände im Laderaumbereich auftreten können, sind diese Schiffsverbände für die Aufnahme dieser Belastungen besonders zu untersuchen.

Schiffe, für die ein Leckstabilitätsnachweis erbracht wurde, erhalten grundsätzlich das Zeichen . Im Re- gister und im Anhang zum Zertifikat erfolgt eine Spe- zifizierung des Leckstabilitätsnachweises durch eine Kennung. Siehe hierzu die GL Vorschriften für Klassi- fikation und Besichtigungen (I-0), Abschnitt 2, C.2.4.2.

2.1

Leckstabilitätsvorschriften für Massengut- schiffe

D. Zugänglichkeit

 

2.1.1

Massengutschiffe von 150 m Länge und dar-

1. Sämtliche Teile des Schiffskörpers müssen so

zugänglich sein, dass ihre Beobachtung und Pflege

möglich ist 1 .

2. Hinsichtlich des sicheren Zugangs zum La-

dungsbereich von Öltank- und Massengutschiffen siehe Abschnitt 21, N.

E. Stabilität

1. Allgemeines

Für Schiffe über 24 m Länge ist für den vorgesehenen Einsatz der Nachweis angemessener Intaktstabilität Voraussetzung für die Erteilung der Klasse.

Unter angemessener Intaktstabilität ist Übereinstimmung mit den von der zuständigen Verwaltung gestellten Stabilitätsforderungen zu verstehen. Abweichungen davon behält sich der GL unter Berücksichtigung von Größe und Typ des jeweiligen Schiffes vor, wenn dies aus besonderen Gründen erforderlich ist. Das Niveau der Intaktstabilität soll nicht geringer sein als es durch den International Code on Intact Stability (2008 IS Code) vorgegeben wird, es sei denn, spezielle Einsatz- beschränkungen, die ihren Niederschlag in Zusätzen zum Klassenzeichen finden, machen diese möglich.

Kapitel B.2.3 dieses Codes ist nur auf ausdrückliche Anweisung der zuständigen Verwaltung anzuwenden.

Besonderes Augenmerk ist auf die freien Oberflächen von teilgefüllten Tanks zu legen. Spezielle Anforde- rungen bezüglich der Stabilität sind bei Tanks zu be- achten, welche aufgrund ihrer Geometrie, z. B. Dop- pelbodentanks von Bord zu Bord, und der daraus resul- tierenden maximalen freien Oberflächen eine große Verminderung der Anfangsstabilität bewirken können. Im Allgemeinen sind solche Tanks zu vermeiden.

Von der zuständigen Verwaltung genehmigte Stabili- tätsunterlagen können zum Zwecke der Erteilung der Klasse anerkannt werden.

Diese Vorgaben lassen Intaktstabilitätsforderungen unberührt, die sich aus Leckrechnungen ergeben, z. B. für Schiffe, die das Klassenzeichen erhalten.

1 Auf die Verordnung über gefährliche Arbeitsstoffe vom 08.09.1975 (Bundesrepublik 1. S. 2494) wird hingewiesen.

über in Einhüllenbauweise, die für die Beförderung fester Massengüter mit einer Dichte von 1 000 kg/m 3 und darüber entworfen sind, müssen, wenn sie auf Sommertiefgang abgeladen sind, in der Lage sein, der Flutung eines jeden Laderaums in allen Beladungsfäl- len standzuhalten und entsprechend der Festlegung des nächsten Absatzes in einer zufrieden stellenden Gleich- gewichtsschwimmlage schwimmfähig zu bleiben.

Vorbehaltlich des Absatzes 2.1.2 muss die Gleichge- wichtsschwimmlage nach Flutung den Bedingungen für die Gleichgewichtsschwimmlage genügen, die in der Anlage zu Entschließung A.320(IX) mit dem Titel "Regel 27 des Internationalen Freibord-Übereinkom- mens von 1966 gleichwertige Regelung" in der durch die Entschließung A.514(13) geänderten Fassung festgelegt ist. Bei den Annahmen über die Flutung braucht nur die Flutung des Laderaumes berücksich- tigt werden. Die Flutbarkeit eines beladenen Lade- raumes ist mit 0,9 und die eines leeren Laderaumes mit 0,95 anzusetzen, es sei denn, die für eine bestimm- te Ladung geltende Flutbarkeit wird für das von dieser Ladung eingenommene Volumen benutzt und die Flutbarkeit für das verbleibende leere Volumen des Laderaumes wird mit 0,95 angesetzt.

Massengutschiffe mit einem verminderten Freibord nach Absatz 8, der der Regel 27 des Internationalen Freibord-Übereinkommens gleichwertigen Regelung nach Entschließung A.320(IX) in der durch die Ent- schließung A.514(XIII) geänderten Fassung, können so betrachtet werden, als erfüllten sie Absatz 2.1.1.

2.1.2 Massengutschiffe mit einem verminderten

Freibord nach Regel 27 Absatz 8 in Anlage B des Protokolls von 1988 zu dem Internationalen Freibord- Übereinkommen von 1966 müssen die einschlägigen Bestimmungen des Protokolls hinsichtlich der Gleich- gewichtsschwimmlage nach Flutung erfüllen.

2.1.3 Schiffe mit einem reduzierten Freibord, die

Deckladung transportieren, sollen mit einer GM oder KG Grenzkurve versehen sein, wie gemäß SOLAS Ch. II-1, Reg. 25-8 gefordert, basierend auf der Einhaltung der probabilistischen Leckstabilitätsanalyse nach Teil

B-1 (siehe IACS Unified Interpretation LL 65).

3.

Krängungsausgleichsanlagen

3.1

Werden Tanks als Krängungsausgleichsanla-

ge benutzt, sind die Auswirkungen des größtmöglichen

I - Teil 1

Abschnitt 1

G

Allgemeines, Begriffsbestimmung

Kapitel 1

GL 2012

Seite 1–3

Tankmomentes auf die Intakt-Stabilität zu untersuchen. Ein entsprechender Nachweis ist für mehrere Tiefgän- ge und unter Zugrundelegung der sich aus der Stabili- tätsgrenzkurve ergebenden höchstzulässigen Massen- mittelpunkte zu erbringen. Im Allgemeinen soll ein Krängungswinkel von 10° nicht überschritten werden.

3.2 Krängt das Schiff mehr als 10°, sind die GL

Vorschriften für Maschinenanlagen (I-1-2), Abschnitt 11, P.1.4 zu beachten.

3.3 Alle Anlagen müssen den GL Vorschriften für

Elektrische Anlagen (I-1-3), Abschnitt 7, G. entsprechen.

F.

Schwingungen

Hinweis

1.

Mechanische Schwingungen

Betriebszustände, die während der überwiegenden Zeit des Einsatzes auftreten, sollen möglichst frei von Resonanzen des Schiffskörpers und einzelner Bauteile sein. Deshalb sollen die von der Antriebsanlage aus- gehenden Erregerlasten und Druckschwankungen so klein wie möglich sein. Neben der Auswahl des An- triebs ist den Schiffslinien einschließlich Schrauben- brunnen sowie der Minimierung etwaiger Kavitation besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Bei der Form- gebung im Vorschiffsbereich sollte beachtet werden, dass ein starker Spantausfall oberhalb der Wasserli- nie nicht nur zu sehr hohen örtlichen Slamming- drücken, sondern auch zu einer verstärkten Anregung von Whipping-Schwingungen des Schiffskörpers führt.

Sollten sich kritische Erregerlasten nicht vermeiden lassen, sind geeignete Maßnahmen auf der Basis früh- zeitiger theoretischer Untersuchungen zu treffen. Das Risiko starker globaler und lokaler Strukturschwin- gungen kann beispielsweise durch eine globale bzw. lokale Schwingungsanalyse, durchgeführt während der Stahlkonstruktionsphase, minimiert werden.

Schwingungsgrenzwerte auf Schiffen können in mehre- rer Hinsicht festgelegt werden. Soweit nicht die An- wendung anderer nationaler oder internationaler Vor- schriften oder Normen zwingend vorgeschrieben ist, werden folgende Richtlinien und Regularien empfohlen:

Schwingbelastung, der die Besatzung ausgesetzt ist:

– Messverfahren, Auswertung:

entsprechend ISO 6954, ed. 2000

– Grenzwerte:

in Anlehnung an ISO 6954, differenziert nach Schiffstyp und Örtlichkeit 2

2 Die GL Service Group Vibration leistet hierbei gern Unter- stützung.

– Schiffe unter deutscher Flagge:

Richtlinien der UVV der SBG

– Schwingbelästigung von Passagieren:

GL-Klassenzeichen "Harmony Class", GL Rules on Rating Noise and Vibrations for Comfort, Cruise Ships (I-1-16).

– Schwingungen von Maschinen, Geräten und sonstigen Einrichtungen:

GL Vorschriften für Maschinenanlagen (I-1-2), Abschnitt 1.

2. Akustische Schwingungen

Durch geeignete Maßnahmen ist der Schallpegel in den Arbeits- und Wohnräumen der Besatzung und in den für Fahrgäste bestimmten Räumen so niedrig wie möglich zu halten.

Auf etwaige Vorschriften der Verwaltung des jeweili- gen Flaggenstaates hinsichtlich der Begrenzung der Schallpegel wird hingewiesen.

G.

Prüfungsunterlagen

1.

Die folgenden Unterlagen sind dem GL ein-

zureichen. Für eine reibungslose und effiziente Prü- fung sind diese elektronisch über GLOBE 3 zu über- mitteln. Im Einzelfall und bei vorheriger Abstimmung mit dem GL können die Unterlagen auch in Papier- form in dreifacher Ausfertigung eingereicht werden.

1.1 Hauptspant

Die Querschnittszeichnungen (Hauptspantquerschnitt, übrige typische Querschnitte) müssen alle notwendi- gen Angaben über die Abmessungen der Längs- und Querverbände enthalten, darüber hinaus Angaben über die Ausrüstung mit Ankern, Ketten und Trossen.

1.2 Längsschnitt

Die Längsschnittzeichnungen müssen alle notwendi- gen Angaben erhalten über Abmessungen der Längs- und Querverbände, über die Stellung der wasserdichten Schotte und die Abstützung der Decks, Anordnung von Aufbauten und Deckhäusern sowie über die Befesti- gung von Lademasten, Kränen usw. im Schiffskörper.

1.3 Decks

Pläne der Decks, in welchen die Abmessungen der Deckverbände, die Längen und Breiten der Ladeluken, der Öffnungen über dem Maschinen- und Kesselraum und sonstigen Decköffnungen eingetragen sind. Auf den einzelnen Decks ist anzugeben, welche Deckbe-

3 Ausführliche Informationen über das gesicherte GL-System GLOBE sind auf der Internetseite des GL www.gl-group.com/ globe zu finden.

Kapitel 1

Abschnitt 1

G

Allgemeines, Begriffsbestimmung

I - Teil 1

Seite 1–4

GL 2012

lastung durch Ladung bei der Bestimmung der Ab- messungen der Decks und ihrer Unterstützung zu- grunde liegt. Darüber hinaus sind Angaben über mög- liche Belastung durch Gabelstapler und Container zu machen.

1.4 Außenhaut

Zeichnungen der Außenhautabwicklung mit allen Angaben über die Lage und die Größe der Öffnungen sowie Zeichnungen der Seekästen.

1.5 Eisverstärkung

In den unter 1.1 – 1.4, 1.6, 1.7 und 1.9 genannten Zeichnungen sind alle notwendigen Angaben über die Eisverstärkung zu machen.

1.6 Schotte

Zeichnungen der Quer-, Längs- und Schlagschotte sowie aller Tankbegrenzungen mit Angaben über die Dichten der Flüssigkeiten, die Höhen der Überlaufroh- re und die Einstelldrücke der Über-/Unterdruckventile (falls vorhanden).

1.7

Bodenkonstruktion

1.7.1

Zeichnungen des Einfach- und des Doppel-

bodens, aus denen die Anordnung der Quer- und Längsträger sowie die wasser- und öldichte Untertei- lung des Doppelbodens zu entnehmen ist. Bei Mas- sengut- und Erzschiffen sind Angaben über die maxi- male Belastung des Innenbodens zu machen.

1.7.2 Dockplan und Dockberechnung sind entspre-

chend Abschnitt 8, D. einzureichen.

1.8 Maschinen- und Kesselfundamente

Zeichnungen der Maschinen- und Kesselfundamente, der Bodenkonstruktion unter den Fundamenten und der Querverbände im Maschinenraum mit Angabe der Befestigung der Maschinengrundplatte am Fundament sowie Art und Leistung der Maschine.

1.9 Steven und Ruder

Zeichnungen des Vor- und Hinterstevens, des Ruders einschließlich Ruderlagerung. Die Ruderzeichnungen müssen Angaben über die Schiffsgeschwindigkeit, die zu verwendenden Lagerwerkstoffe und die Eisverstär- kung enthalten.

Zeichnungen über Wellenböcke und Wellenaustritte.

1.10 Luken

Zeichnungen der Lukenkonstruktion und der Luken- abdeckung.

Die Zeichnungen der Lukensülle müssen alle Details, wie z. B. Deckellager mit allen wichtigen Einzelheiten bezüglich Lasten und Unterbauten, einschließlich Ausschnitte für die Befestigung der für den Lukenbe- trieb erforderlichen Ausrüstungsteile wie Stopper, Sicherungselemente usw. enthalten.

Die Anordnung der Lukenstützen und der Steifen sowie deren Unterbauten muss gezeigt werden.

1.11 Längsfestigkeitsunterlagen

Alle notwendigen Unterlagen zur Berechnung der Längsbiegemomente und falls erforderlich der Torsi- onsmomente. Hierzu gehören die Massenverteilungen für die vorgesehenen Beladungsfälle sowie die Vertei- lung der Widerstands- und Trägheitsmomente über die Schiffslänge.

Beladungsanweisung gemäß Abschnitt 5, A.4.

1.12 Werkstoffe

In den unter 1.1 – 1.10 und 1.15 genannten Zeichnun- gen sind Angaben über die zu verwendenden Werkstof- fe (z. B. Schiffbaustahl, Gütegrade, Normbezeichnun- gen oder Werkstoffnummern) zu machen. Bei Verwen- dung höherfester Schiffbaustähle oder anderer Werk- stoffe als normalfeste Schiffbaustähle müssen für den Fall etwaiger Reparaturen entsprechende Zeichnungen oder Stücklisten an Bord des Schiffes gegeben werden.

1.13 Schweißverbindungen

In den unter 1.1 – 1.10 und 1.15 genannten Zeichnun- gen sind vollständige Angaben über die Schweißver- bindungen zu machen, z. B. über Nahtformen und -abmessungen und Anforderungen an die Nahtgüte. Bezüglich der erforderlichen Angaben zur Ausführung und Prüfung der Schweißverbindungen siehe Schweiß- vorschriften.

1.14 Zurr- und Staueinrichtungen

Zeichnungen mit Angaben über die Stauung und Zur- rung von Ladung (z. B. Containern, Autodecks).

In den Zeichnungen ist die Lage der angeschlossenen Bauteile und der dazugehörigen Unterbauten am Schiff detailliert anzuzeigen.

1.15 Unterbauten

Zeichnungen über die Unterbauten von Rudermaschi- nen, Ankerwinden und Kettenstoppern sowie von Masten und Bootsdavits mit Angaben über die in den Schiffskörper eingeleiteten Kräfte.

1.16 Verschlusszustand

Zur Beurteilung des Verschlusszustandes, Angaben über die Verschlüsse aller Öffnungen auf freiliegen- den Decks in den Bereichen 1 und 2 nach ICLL und in der Außenhaut wie: Luken, Pforten, Türen, Fenster, Lüfter, Montageöffnungen, Mannlöcher, sanitäre Ausgüsse und Speigatte.

1.17 Wasserdichte Unterteilung

Zeichnungen, aus denen die wasserdichte Haupt- und örtliche Unterteilung des Schiffskörpers zu ersehen ist. Darstellung der wasserdichten Längs- und Querschotte, Verlauf der Einstiege in die Laderäume, der Lüftungs- kanäle, der Nieder- und Querflutleiteinrichtungen.

I - Teil 1

Abschnitt 1

H

Allgemeines, Begriffsbestimmung

Kapitel 1

GL 2012

Seite 1–5

1.18 Intaktstabilität

Auswertung eines nach Fertigstellung eines Neu- bzw. Umbaus durchzuführenden Krängungsversuches zur Ermittlung der Leerschiffsdaten.

Intaktstabilitätsunterlagen, die alle Informationen zur Er- rechnung der Stabilität für beliebige Ladefälle enthalten. Für die erstmalige Erteilung der Klasse für einen Neubau können vorläufige Unterlagen akzeptiert werden.

1.19 Leckstabilität

Leckstabilitätsunterlagen, die alle Informationen zur Erstellung eindeutiger Vorgaben für die Intaktstabilität enthalten. Einen Lecksicherheitsplan mit Angaben der wasserdichten Unterteilung, der absperrbaren Öffnun- gen und Durchbrüche in wasserdichten Schotten sowie der Querfluteinrichtungen und Durchflussöffnungen.

1.20 Baulicher Brandschutz

Neben dem Brandschutz- und Sicherheitsplan auch Zeichnungen der Trennflächenanordnung (Isolierung, Trennflächen vom Typ "A", "B" und "C") mit Angabe der entsprechenden GL-Zulassungsnummern.

Zeichnungen der Klima- und Lüftungsanlage.

1.21

Besondere Prüfungsunterlagen

1.21.1

Bei Schiffen, die für besondere Zwecke ge-

baut werden, Zeichnungen und Unterlagen für die Teile, deren Prüfung für die Beurteilung der Festigkeit und Sicherheit des Schiffes erforderlich ist.

1.21.2 Weitere nötig erscheinende Unterlagen und

Zeichnungen können angefordert werden.

1.21.3 Abweichungen von den genehmigten Bau-

zeichnungen bedürfen der Zustimmung vor Ausfüh- rung.

H.

Begriffsbestimmung

1.

Allgemeines

Wenn nicht anders angegeben, sind die in 2. und 3. genannten Abmessungen [m] in die Berechnungsfor- meln der nachfolgenden Abschnitte einzusetzen.

2.

Hauptabmessungen

2.1

Länge L

Die Länge L des Schiffes ist der Abstand in der Tief- ladelinie auf Sommerfreibord von der Vorderkante des Vorstevens bis zur Drehachse des Ruderschaftes. Die Länge L darf nicht kleiner sein als 96 % und braucht nicht größer als 97 % der größten Länge der Tieflade- linie auf Sommerfreibord zu sein. Die Länge L von Schiffen mit ungewöhnlichen Vor- und Hinterschiffs- formen wird besonders behandelt.

2.2 Länge L c (gemäß ICLL, MARPOL 73/78, IBC-Code und IGC-Code)

Die Länge L c beträgt 96 % der Gesamtlänge in einer Wasserlinie in Höhe von 85 % der geringsten Seiten- höhe H c von der Oberkante des Kiels gemessen, oder ist, wenn der folgende Wert größer ist, die Länge von der Vorderkante des Vorstevens bis zur Drehachse des Ruderschafts in dieser Wasserlinie. Bei Schiffen, die mit Kielfall entworfen sind, verläuft die Wasserlinie, in der diese Länge gemessen wird, parallel zur Kon- struktionswasserlinie.

Bezüglich der Definition der geringsten Seitenhöhe H c siehe ICLL, Anlage I, Kapitel I, Regel 3 (5).

2.3 Vorderes Lot V.L.

Das vordere Lot fällt mit der Vorderkante des Vorste- vens in der Wasserlinie zusammen, in der die jeweili- ge Länge L oder L c gemessen wird.

2.4 Breite B

Die Breite B ist die größte Breite des Schiffes gemes- sen über Außenkante Spanten.

2.5 Seitenhöhe H

Die Seitenhöhe H ist der senkrechte Abstand zwischen Basis und Oberkante Deckbalken des obersten durch- laufenden Decks an der Seite des Schiffes gemessen in der Mitte der Schiffslänge L.

Im Bereich von wirksamen Aufbauten ist für die Be- messung der Verbände die Seitenhöhe bis zum Auf- baudeck zugrunde zu legen.

2.6 Tiefgang T

Der Tiefgang T ist der senkrechte Abstand zwischen Basis und der Tiefgangsmarke für Sommerfreibord gemessen in der Mitte der Schiffslänge L. Für Schiffe mit Holzfreibord ist der Tiefgang T bis zur Tief- gangsmarke für den Holzfreibord zu messen.

3. Spantabstand a

Der Längs- und Querspantenabstand a wird von Mall- kante zu Mallkante Spant gemessen.

4. Völligkeitsgrad C B

Völligkeitsgrad der Verdrängung auf Tiefgang T be- zogen auf die Länge L:

C

B =

3

Verdrängung auf Spanten [m ] auf

T

LBT

5. Schiffsgeschwindigkeit v 0

Maximale Betriebsgeschwindigkeit [kn] des Schiffs auf Sommerfreibord bei einer Propellerdrehzahl (RPM) ent- sprechend der maximalen Dauerantriebsleistung (MCR).

Kapitel 1

Abschnitt 1

J

Allgemeines, Begriffsbestimmung

I - Teil 1

Seite 1–6

GL 2012

Bei Verstellpropellern ist die größtmögliche Steigung für die Ermittlung der Geschwindigkeit v 0 zu berück- sichtigen.

6.

Benennung der Decks

6.1

Schottendeck

Als Schottendeck wird das Deck bezeichnet, bis zu dem die wasserdichten Schotten hochgeführt sind.

6.2 Freiborddeck

Als Freiborddeck wird das Deck bezeichnet, das der Freibordberechnung zugrunde liegt.

6.3 Gurtungsdeck

Als Gurtungsdeck werden das Deck oder die Deckteile bezeichnet, die den Obergurt des wirksamen Längs- verbandes bilden.

6.4 Wetterdeck

Als Wetterdeck werden alle freien Decks oder Decksteile bezeichnet, die der See ausgesetzt sein können.

6.5 Untere Decks

Die unter dem obersten durchlaufenden Deck gelege- nen unteren Decks werden, von oben gerechnet, als 2., 3. usw. Deck bezeichnet.

6.6 Aufbaudecks

Die unmittelbar über dem obersten durchlaufenden Deck liegenden Aufbaudecks sind Backdeck, Brü- ckendeck und Poopdeck. Aufbaudecks über dem Brü- ckendeck werden als 2., 3. usw. Aufbaudeck bezeich- net.

6.7 Bereich 1 und 2 für die Anordnung von Luken, Türen und Lüftern

Für die Anordnung von Luken, Türen und Lüftern werden folgende Bereiche festgelegt:

Bereich 1

auf freiliegenden Freiborddecks

auf erhöhten Quarterdecks

auf dem ersten freiliegenden Aufbau- deck über dem Freiborddeck im vorde- ren Viertel der Länge L c

Bereich 2

– auf freiliegenden Aufbaudecks hinter einem Punkt, der ein Viertel der Länge L c vom vorderen Lot entfernt liegt, min- destens eine Standardaufbauhöhe über dem Freiborddeck

auf freiliegenden Aufbaudecks vor ei- nem Punkt, der ein Viertel der Länge L c vom vorderen Lot entfernt liegt, min- destens zwei Standardaufbauhöhen über dem Freiborddeck

7.

Materialeigenschaften

7.1

Streckgrenze R eH

Die Streckgrenze R eH [N/mm 2 ] ist definiert als die obere Streckgrenze des Materials. Bei Materialien

ohne kennzeichnende obere Streckgrenze ist stattdes-

sen die Dehngrenze R p zu verwenden. Siehe auch Abschnitt 2, D. und E. und GL-Vorschriften Grund- sätze und Prüfverfahren (II-1-1), Abschnitt 2, D.

7.2 Zugfestigkeit R m

R m [N/mm 2 ] ist die Mindestzugfestigkeit des Materi- als. Siehe ebenfalls GL-Vorschriften Grundsätze und Prüfverfahren (II-1-1), Abschnitt 2, D.

7.3 Dehngrenze R p

Die Dehngrenze R p [N/mm 2 ] ist die Spannung, die bei

einer Zugversuchsprobe eine spezifische permanente

Dehnung hervorruft. Die spezifische permanente Deh-

nung wird als Index angegeben.

R p0,2 = 0,2 % Dehngrenze

R p1,0 = 1,0 % Dehngrenze

Siehe ebenfalls GL-Vorschriften Grundsätze und Prüfverfahren (II-1-1), Abschnitt 2, D.

7.4 Elastizitätsmodul E

Das Elastizitätsmodul E [N/mm 2 ] ist anzunehmen als:

E

= 2,06 10 5 N/mm 2

für normal- und höherfeste Schiffbaustähle

= 0,69 10 5 N/mm 2 für Aluminiumlegierungen

J.

International Konventionen und Codes

Wird auf internationale Konventionen und Codes hingewiesen, so sind diese wie folgt definiert:

1. ICLL

Internationales Freibord-Übereinkommen von 1966, einschließlich Änderungen.

2. MARPOL

Internationales Übereinkommen von 1973 zur Verhü-

tung der Meeresverschmutzung durch Schiffe, ein-

schließlich des Protokolls von 1978, einschließlich

Änderungen.

3. SOLAS

Internationales Übereinkommen von 1974 zum Schutz des menschlichen Lebens auf See, einschließlich Än- derungen.

I - Teil 1

Abschnitt 1

M

Allgemeines, Begriffsbestimmung

Kapitel 1

GL 2012

Seite 1–7

4. IBC Code

Internationaler Code für den Bau und die Ausrüstung von Schiffen zur Beförderung gefährlicher Chemika- lien als Massengut, einschließlich Änderungen.

5. IGC Code

Internationaler Code für den Bau und die Ausrüstung von Schiffen zur Beförderung verflüssigter Gase als Massengut, einschließlich Änderungen.

6. IMSBC Code

Internationaler Code für die Beförderung von Schütt- gut über See.

K. Ab- bzw. Aufrundungstoleranzen

Wenn sich bei der Bestimmung der Plattendicken nach den Bemessungsregeln der folgenden Abschnitte von ganzen oder halben Millimetern abweichende Maße ergeben, können diese bis 0,2 bzw. 0,7 mm auf volle bzw. halbe Millimeter abgerundet werden. Über 0,2 bzw. 0,7 mm müssen sie aufgerundet werden.

Wenn Plattendicken nicht gerundet werden, sind die rechnerisch erforderlichen Dicken in die Zeichnung einzutragen.

Die Widerstandsmomente handelsüblicher Profile einschließlich mittragender Plattenbreite gemäß Ab- schnitt 3, E. und F. dürfen 3 % kleiner als die in den folgenden Abschnitten nach den Bemessungsregeln ermittelten erforderlichen Werte sein.

L. Vorschriften nationaler Verwaltungen

Zur Unterstützung des Benutzers dieser Vorschriften sind in einigen Abschnitten Hinweise auf solche Vorschriften nationaler Verwaltungen gemacht, die von den GL- Vorschriften abweichen, jedoch Einfluss auf die Bemes- sung und Konstruktion von Bauteilen haben können.

Die Einhaltung dieser behördlichen Vorschriften ist nicht Bedingung zur Erteilung der Klasse.

M.

Rechnerprogramme

1.

Allgemeines

1.1

Um die Flexibilität beim Entwurf der Schiffs-

konstruktion zu erhöhen, werden vom GL auch direkte Berechnungen mit Rechnerprogrammen für den Nachweis der Gleichwertigkeit einer Konstruktion mit den Bauvorschriften anerkannt.

1.2 Ziel der Berechnungen kann auch die Opti-

2.

Allgemeine Programme

2.1

Die Wahl der Rechnerprogramme, die den

"Stand der Technik" berücksichtigen müssen, ist frei. Die Programme können vom GL z. B. durch Ver- gleichsrechnungen mit vorgegebenen Rechenbeispie- len überprüft werden, eine allgemein gültige Anerken-

nung wird jedoch nicht erteilt.

2.2 Direkte Berechnungen können in folgenden

Bereichen angewendet werden:

Gesamtfestigkeit

Längsfestigkeit

Träger und Trägerroste

Detailfestigkeit

2.3

Für die Berechnungen sind das Rechenmo-

dell, die Randbedingungen und die Lastfälle mit dem GL abzustimmen. Prüffähige Unterlagen inklusive Eingabe und Ausgabe sind einzureichen. Bei der Prü- fung kann es sich als notwendig erweisen, dass vom GL unabhängige Vergleichsrechnungen durchzufüh- ren sind.

2.4 Der GL bietet an, im Rahmen der schiffs-

technischen Beratung folgende Berechnungen dieser Art im Auftrag durchzuführen:

2.4.1 Festigkeit

Lineare und nichtlineare Festigkeitsberechnungen mit der Methode der Finiten Elemente (FEM):

Zur automatisierten Durchführung dieser Berechnun- gen steht eine Vielzahl von effektiven Vor- und Nach- laufprogrammen zur Verfügung:

Berechnung der Seegangslasten nach der modi- fizierten Streifenmethode oder der dreidimensi- onalen Panelmethode

Berechnung der resultierenden Beschleunigun- gen im Gleichgewichtszustand

Berechnung von Strukturen in Kompositbauweise

Auswertung von Verformungen, Beanspruchun- gen, Beulung, Traglast und lokalen Spannungen, Bewertung der Betriebsfestigkeit

2.4.2

Schwingungen

Berechnungen von freien Schwingungen mit der FEM sowie der erzwungenen Schwingungen infolge har- monischer oder Stoßerregung:

– globale Schwingungen von Schiffskörpern, Hinterschiff, Deckshaus usw.

– Schwingungen von Teilstrukturen wie Ruder, Radarmaste

mierung einer Konstruktion sein; in dem Falle sind zur

– Schwingungen

lokale

von

Plattenfeldern

und

Prüfung nur die Endergebnisse vorzulegen.

Steifen

Kapitel 1

Abschnitt 1

N

Allgemeines, Begriffsbestimmung

I - Teil 1

Seite 1–8

GL 2012

Schwingungen

einfach-

und

doppelelastisch

gelagerter Aggregate

 

Hier stehen ebenfalls eine Reihe von Vor- und Nachlaufprogrammen zur effektiven Durchfüh- rung der Analyse zur Verfügung:

– Berechnung der Motorerregung

– Berechnung der Propellererregungen (Druck- schwankungen und Wellenlagerreaktionen)

– Berechnung der hydrodynamischen Massen

– Grafische Auswertung des Amplitudenniveaus gemäß ISO 6954 oder jedem anderen Standard

– Schallprognosen

 

2.4.3

Kollisionswiderstand

Berechnung des Kollisionswiderstands zur Erteilung des Klassenzusatzes COLL gemäß Abschnitt 33.

Der GL behält sich vor, die Betriebe daraufhin zu überprüfen und diesbezügliche Forderungen zu stellen oder den Fertigungsumfang entsprechend den Mög- lichkeiten des Betriebes zu begrenzen.

1.1.2 Die Betriebe müssen über fachlich genügend

qualifiziertes Personal verfügen. Das Aufsichts- und

Kontrollpersonal ist dem GL zu benennen, die Ver- antwortungsbereiche sind festzulegen. Der GL behält sich vor, Qualifikationsnachweise zu verlangen.

1.2

Qualitätskontrolle

1.2.1

Alle Bauteile sind betriebsseitig - soweit

erforderlich und zweckmäßig - während der Fertigung und nach Fertigstellung auf Vollständigkeit, Maßhal- tigkeit und einwandfreie Arbeitsausführung gemäß guter schiffbaulicher Praxis zu kontrollieren.

1.2.2 Nach betriebsseitiger Kontrolle und ggf.

3.

Spezifische Programme zur Bauvorschrift

Nachbesserung sind die Bauteile dem Besichtiger des GL in zweckmäßigen Bauabschnitten in der Regel ungestrichen und gut zugänglich zur Überprüfung

3.1

Allgemeines

vorzustellen.

Der GL hat das Rechnerprogramm "POSEIDON" entwickelt. POSEIDON unterstützt den Anwender hinsichtlich Dimensionierung nach dieser GL-Bau- vorschrift und direkter Festigkeitsberechnungen und ermöglicht eine sichere und schnelle Auslegung der Bauteile des Schiffkörpers.

3.2 POSEIDON

POSEIDON beinhaltet sowohl die traditionelle Di- mensionierung als auch eine automatisierte Ermittlung der Materialabmessungen mit anschließender direkter Berechnung nach der FE-Methode.

POSEIDON läuft auf PCs unter Microsoft Win- dows . Anwender werden durch eine Hotline unter- stützt. Weitere Informationen zu POSEIDON sind über die GL-Homepage, bei den lokalen Besichtiger- stationen und in der Unternehmenszentrale verfügbar.

3.3 GL Rules and Programs

GLRP steht als CD-ROM zur Verfügung und beinhal- tet die Texte der GL-Bauvorschriften und ein elemen- tares Berechnungsprogramm für die Dimensionierung der Bauteile des Schiffskörpers.

GLRP kann zusammen mit POSEIDON benutzt werden.

N.

Arbeitsausführung

1.

Allgemeines

1.1

Anforderungen an die Betriebe

1.1.1

Die Betriebe müssen über geeignete Einrich-

tungen und Anlagen verfügen, die eine fachgerechte und einwandfreie Handhabung der jeweiligen Werk- stoffe, Fertigungsverfahren, Bauteile usw. ermöglichen.

1.2.3 Der Besichtiger kann unzureichend vorkon-

trollierte Bauteile zurückweisen und deren erneute Vorstellung nach erfolgreicher betriebsseitiger Kon- trolle und, falls erforderlich, Nachbesserung verlan- gen.

2.

Bauliche Einzelheiten

2.1

Angaben in den Fertigungsunterlagen

2.1.1

In den Fertigungsunterlagen (Werkstattzeich-

nungen usw.) sollen alle diejenigen Angaben enthalten sein, die für die Güte und Funktionsfähigkeit des je- weiligen Bauteils von Bedeutung sind. Hierzu gehören neben den Abmessungen - soweit erforderlich - Anga-

ben über Oberflächengüten (z. B. Nacharbeiten von Brennkanten und Schweißnähten), besondere Ferti- gungsmethoden sowie Prüfungen und Anforderungen und gegebenenfalls über erforderliche Toleranzen. Sofern für diesen Zweck ein Standard (Werksstandard, nationaler Standard usw.) verwendet werden soll, so muss dieser mit dem GL abgestimmt sein. Dieser Standard muss auf der "IACS Recommendation 47, Shipbuilding and Repair Quality Standard for New Construction" basieren. Über die erforderlichen An- gaben zu den Schweißverbindungen siehe Abschnitt 19, A.1.

2.1.2 Sind aufgrund unzureichender oder fehlender

Angaben in den Fertigungsunterlagen Güte bzw. Funktionsfähigkeit eines Bauteils nicht gewährleistet oder bestehen Zweifel hieran, so kann der GL entspre- chende Verbesserungen verlangen. Dies gilt sinnge- mäß für ergänzende oder zusätzliche Bauteile (z. B. Verstärkungen), auch wenn diese bei der Zeichnungs- prüfung nicht gefordert worden sind oder - wegen nicht genügend detaillierter Darstellung - nicht gefor- dert werden konnten.

I - Teil 1

Abschnitt 1

N

Allgemeines, Begriffsbestimmung

Kapitel 1

GL 2012

Seite 1–9

2.2

Ausschnitte, Plattenkanten

dere die Enden von Knickstellen (Plattenkanten) auf Anrisse zu untersuchen. Gerissene Bauteile - ausge-

2.2.1

Die Stirnflächen (Schnittflächen) von Aus-

nommen geringfügige Kantenanrisse - sind zu verwer-

schnitten, Lukenecken usw. sind sauber und kerbfrei auszuarbeiten. Brennriefen oder dergleichen dürfen im

fen. Reparatur durch Schweißen ist nicht statthaft.

Allgemeinen nicht ausgeschweißt werden, sondern sind flach muldenförmig auszuschleifen. Die Kanten sind zu brechen oder in Fällen besonders hoher Bean- spruchungen abzurunden.

2.2.2 Freiliegende brenn- oder scherengeschnittene

Platten- bzw. Gurtkanten dürfen nicht scharfkantig sein

und sind gegebenenfalls wie unter 2.2.1 beschrieben zu bearbeiten, ebenso eventuelle Brennriefen oder der- gleichen. Dies gilt insbesondere für die Scheergangs- oberkante sowie sinngemäß auch für Schweißstöße, Querschnittsübergänge oder ähnliche Unstetigkeiten.

2.3

Kaltverformung

2.3.1

Beim Kaltverformen (Knicken, Flanschen,

Sicken) von Blechen sollte ein mittlerer Krümmungs- radius von 3 t (t = Blechdicke) nicht unterschritten werden, mindestens muss er jedoch 2 t betragen. Über das Schweißen in kaltverformten Bereichen siehe Abschnitt 19, B.2.6.

2.3.2 Zur Vermeidung von Anrissen sind Brenn-

oder Schergrate vor dem Kaltverformen zu entfernen. Nach dem Kaltverformen sind die Bauteile, insbeson-

2.4

Zusammenbau, Richtarbeiten

2.4.1

Beim Zusammenbau von Einzelbauteilen und

beim Einrichten von Sektionen sind übermäßige Zwängungen zu vermeiden. Soweit möglich, sind größere Verwerfungen an Einzelbauteilen vor dem weiteren Zusammenbau zu richten.

2.4.2 Durch querliegende Bauteile wie Schotte, Decks

usw. unterbrochene Träger, Versteifungen (Spanten) und dergleichen müssen gut fluchtend zusammenge- baut werden. Falls erforderlich, sind dazu bei wichtigen Bauteilen Kontrollbohrungen vorzusehen, die anschlie- ßend wieder dichtgeschweißt werden können.

2.4.3 Richtarbeiten sind - nach Abschluss der

Schweißarbeiten - so auszuführen, dass keine nennens- werte Beeinträchtigung der Werkstoffeigenschaften er- folgt. Im Zweifelsfall kann der GL eine Verfahrens- prüfung oder Arbeitsproben verlangen.

3. Korrosionsschutz

Abschnitt 35 ist zu beachten.

I - Teil 1

Abschnitt 2

B

Werkstoffe

Kapitel 1

GL 2012

Seite 2–1

Abschnitt 2

Werkstoffe

A. Allgemeines

1. Die Werkstoffe für die in den Bauvorschrif-

ten angegebenen Bauteile müssen den GL Vorschrif- ten für Metallische Werkstoffe (II-1) entsprechen. Werkstoffe, die von diesen Vorschriften abweichende Eigenschaften haben, dürfen nur nach besonderer Genehmigung verwendet werden.

B.

Schiffbaustähle für Platten und Profile

1.

Normalfester Schiffbaustahl

1.1

Unter normalfestem Schiffbaustahl wird

Schiffbaustahl verstanden, dessen Streckgrenze R eH

mindestens 235 N/mm 2 beträgt und dessen Zugfestig- keit R m zwischen 400 und 520 N/mm 2 liegt.

1.2 Die in den Formeln der nachfolgenden Ab-

schnitte angegebene Werkstoffkennziffer k ist bei Verwendung normalfesten Schiffbaustahles mit 1,0

einzusetzen.

1.3 Normalfester Schiffbaustahl ist in die folgen-

den Gütegrade eingeteilt, die sich in ihren Zähigkeits- eigenschaften unterscheiden: GL-A, GL-B, GL-D, GL-E. Bezüglich der Anwendung der einzelnen Güte-

grade für die Bauteile des Schiffskörpers siehe 3.

1.4 Wenn für besondere Bauteile die Verwen-

dung von Stählen mit Streckgrenzen von weniger als 235 N/mm 2 zugelassen wird, ist die Werkstoffkennzif- fer k wie folgt zu bestimmen:

k

=

235

R eH

2.

Höherfeste Schiffbaustähle

2.1

Unter höherfestem Schiffbaustahl wird Schiff-

baustahl verstanden, dessen Festigkeitswerte über denen des normalfesten Schiffbaustahls liegen. Gemäß den GL Vorschriften für Metallische Werkstoffe (II-1)

ist für drei Sorten höherfester Schiffbaustähle die Streckgrenze R eH festgelegt zu 315, 355 und 390 N/mm 2 . Bei Anwendung von höherfestem Schiffbau- stahl sind für die in den Formeln der nachfolgenden Abschnitte angegebene Werkstoffkennziffer k die in Tabelle 2.1 angegebenen Werte einzusetzen:

Tabelle 2.1

Werkstoffkennziffer k

R eH [N/mm 2 ]

k

315

0,78

355

0,72

390

0,66

Bei Anwendung höherfester Schiffbaustähle mit an- deren Streckgrenzen bis zu 390 N/mm 2 kann die Werkstoffkennziffer nach folgender Formel ermittelt werden:

k

=

295

R

eH

+

60

Hinweis

Besonders bei Anwendung höherfester Schiffbaustähle kann eine Begrenzung der zulässigen Spannungen durch Kriterien der Beulfestigkeit und der Betriebsfes- tigkeit erforderlich werden.

2.2 Höherfester Schiffbaustahl ist in die folgen-

den Gütegrade eingeteilt, die sich in ihren Zähigkeits- eigenschaften unterscheiden:

GL-A 32/36/40

GL-D 32/36/40

GL-E 32/36/40

GL-F 32/36/40

In Tabelle 2.7 sind die Gütegrade der höherfesten Stähle durch den Buchstaben "H" kenntlich gemacht.

2.3 Werden Bauteile des Schiffskörpers ganz

oder teilweise aus höherfestem Stahl hergestellt, wird ein entsprechender Vermerk in das Schiffszertifikat eingetragen.

2.4 Aus den zur Genehmigung einzureichenden

Zeichnungen muss hervorgehen, für welche Bauteile höherfester Stahl verwendet wird. Für den Fall etwai-

ger Reparaturen müssen diese Zeichnungen an Bord des Schiffes gegeben werden.

2.5 Hinsichtlich des Schweißens höherfester

Schiffbaustähle siehe GL Vorschriften für Schweißen

(II-3).

Kapitel 1

Abschnitt 2

B

Werkstoffe

I - Teil 1

Seite 2–2

GL 2012

3.

Werkstoffauswahl für den Schiffskörper

3.1

Werkstoffklassen

Für die Werkstoffauswahl der Bauteile des Schiffskör- pers sind Werkstoffklassen gemäß Tabelle 2.2 festgelegt.

3.2 Werkstoffauswahl für die Längsverbände

Für die Werkstoffe der einzelnen Bauteile dürfen keine geringeren Gütegrade verwendet werden als solche, die den Werkstoffklassen und Gütegraden gemäß den Ta-

bellen 2.2 bis 2.8 entsprechen. Tabelle 2.2 enthält all- gemeine Anforderungen, während die Tabellen 2.3 bis 2.6 zusätzliche Anforderungen für Schiffe mit einer Länge über 150 bzw. 250 m, für Massengutschiffe, die der SOLAS Reg. XII/6.5.3 unterliegen sowie für Schif- fe mit Eisverstärkung enthalten. Die Anforderungen an die Gütegrade einzelner Werkstoffklassen für die Bau- teile des Schiffskörpers in Abhängigkeit der Platten- dicke sind in Tabelle 2.8 definiert.

Für nicht in Tabelle 2.2 angegebene Bauteile kann im Allgemeinen Gütegrad A/AH verwendet werden.

Tabelle 2.2

Werkstoffklassen und Gütegrade für Schiffe allgemein

 

Bauteilkategorie

Werkstoffklasse/Gütegrad

Sekundär:

 

A1.

Plattengänge von Längsschotten, soweit sie nicht zur Primär-Bauteilkategorie gehören Wetterdeckbeplattung, soweit sie nicht zur Primär- oder Spezial-Bauteilkategorie gehört Seitenbeplattung

– Klasse I innerhalb 0,4 L mittschiffs

– Gütegrad A/AH außerhalb 0,4 L mittschiffs

A2.

A3.

 

Primär:

 

B1.

Bodenbeplattung einschließlich Flachkiel Gurtungsdeckbeplattung, soweit sie nicht zur Spezi- al- Bauteilkategorie gehört Durchlaufende Längsverbände über dem Gurtungs- deck mit Ausnahme von Lukenlängssüllen Oberster Gang von Längsschotten Senkrechter Gang (Lukenlängsträger) und oberster, schräger Gang des Deck-Seitentanks

– Klasse II innerhalb 0,4 L mittschiffs

B2.

– Gütegrad A/AH außerhalb 0,4 L mittschiffs

B3.

B4.

B5.

 

Spezial:

 

C1.

Scheergang am Gurtungsdeck 1 Deckstringer des Gurtungsdecks 1

– Klasse III innerhalb 0,4 L mittschiffs

C2.

– Klasse II außerhalb 0,4 L mittschiffs

C3. Deckgang über einem Längsschott mit Ausnahme der Deckbeplattung im Bereich des Innenhüllen- schotts von Doppelhüllenschiffen 1

– Klasse I außerhalb 0,6 L mittschiffs

C4. Beplattung des Gurtungsdecks an den Außenecken von Ladeluken von Containerschiffen und anderen Schiffen mit ähnlicher Anordnung der Lukenöff- nungen

– Klasse III innerhalb 0,4 L mittschiffs

– Klasse II außerhalb 0,4 L mittschiffs

– Klasse I außerhalb 0,6 L mittschiffs

– mindestens Klasse III über die Länge des Ladebereichs

C5. Beplattung des Gurtungsdecks an den Ecken von Lade- luken von Massengutschiffen, Erzschiffen, kombi- nierten Massengut-/Ölschiffen und anderen Schiffen mit ähnlicher Anordnung der Lukenöffnungen

– Klasse III innerhalb 0,6 L mittschiffs

– Klasse II innerhalb der restlichen Länge des Ladebe- reichs

C6. Kimmgang von Schiffen unter 150 m Länge, die einen über die volle Schiffsbreite reichenden Dop- pelboden haben 1

– Klasse II innerhalb 0,6 L mittschiffs

– Klasse I außerhalb 0,6 L mittschiffs

C7.

Kimmgang von sonstigen Schiffen 1

– Klasse III innerhalb 0,4 L mittschiffs

 

– Klasse II außerhalb 0,4 L mittschiffs

– Klasse I außerhalb 0,6 L mittschiffs

C8.

Durchlaufende Lukenlängssülle, deren Länge größer ist als 0,15 L Endknie und Deckhaus-Übergänge von durchlaufen- den Ladeluken-Längssüllen

– Klasse III innerhalb 0,4 L mittschiffs

– Klasse II außerhalb 0,4 L mittschiffs

C9.

– Klasse I außerhalb 0,6 L mittschiffs

– mindestens Gütegrad D/DH

1

Einzelne Plattengänge, für die Werkstoffe der Klasse III innerhalb 0,4 L mittschiffs vorgeschrieben sind, müssen eine Breite von mindes- tens b = 800 + 5 L, max. 1800 mm haben. Kleinere Breiten sind nur dann zulässig, wenn sie sich aus der Geometrie des Schiffes ergeben.

I - Teil 1 GL 2012

Abschnitt 2

B

Werkstoffe

Kapitel 1

 

Seite 2–3

Tabelle 2.3

Mindest-Gütegrade der Werkstoffe für Schiffe mit einer Länge über 150 m und einzelnem Deck

Bauteilkategorie

Werkstoff-Gütegrad

Längsfestigkeits-Bauteile der Gurtungsdeck-Beplattung

Gütegrad B/AH innerhalb 0,4 L mittschiffs

Durchlaufende Längsfestigkeits-Bauteile oberhalb des Gurtungsdecks

Gütegrad B/AH innerhalb 0,4 L mittschiffs

Plattengänge von Schiffen mit einfacher Außenhaut und ohne durchlaufende(s) innere(s) Längsschott(e) zwischen Boden und Gurtungsdeck

Gütegrad B/AH innerhalb des Ladebereichs

Tabelle 2.4

Mindest-Gütegrade der Werkstoffe für Schiffe mit einer Länge über 250 m

 

Bauteilkategorie

Werkstoff-Gütegrad

Scheergang am Gurtungsdeck 1

Gütegrad E/EH innerhalb 0,4 L mittschiffs

Deckstringer am Gurtungsdeck 1

Gütegrad E/EH innerhalb 0,4 L mittschiffs

Kimmgang 1

Gütegrad D/DH innerhalb 0,4 L mittschiffs

1

Einzelne Plattengänge, für die Werkstoffe mit Gütegrad E/EH innerhalb 0,4 L mittschiffs vorgeschrieben sind, müssen eine Breite von mindestens b = 800 + 5 L, max. 1800 mm haben. Kleinere Breiten sind nur dann zulässig, wenn sie sich aus der Geometrie des Schiffes ergeben.

Tabelle 2.5

Mindest-Gütegrade der Werkstoffe für Einhüllen-Massengutschiffe, die der SOLAS Reg. XII/6.5.3 unterliegen

Bauteilkategorie

Werkstoff-Gütegrad

Unteres Knie des einfachen Seitenrahmens 1,2

Gütegrad D/DH

Außenhaut-Plattengänge, die ganz oder teilweise innerhalb 0,125 oberhalb und unterhalb des Schnittpunkts der Außen- haut mit der schrägen Hopperplatte oder mit dem Innenbo- den liegen 2

Gütegrad D/DH

1 "Unteres Knie" ist die Bezeichnung für den Steg eines unteren Knies bzw. für den Steg des unteren Teils des Seitenrahmens bis zu einer Höhe von 0,125 oberhalb des Schnittpunkts der Außenhaut mit der schrägen Hopperplatte oder mit dem Innenboden

2 Die Länge des Seitenrahmens ist definiert als der Abstand zwischen den unterstützenden Bauteilen

Tabelle 2.6

Mindest-Gütegrade der Werkstoffe für Schiffe mit Eisverstärkung

Bauteilkategorie

Werkstoff-Gütegrad

Außenhaut-Plattengänge im Bereich der eisverstärkten Beplattung

Gütegrad B/AH

Tabelle 2.7

Mindest-Gütegrade im Bereich von Kranfundamenten und Kransäulen

> 12,5

> 25

> 70

Dicke t [mm]

12,5

25

70

Mindest-Gütegrad

A/AH

B/AH

D/DH

E/EH

Die Güteklassenanforderungen gelten bis zu einer Entwurfstemperatur von 0 °C. Bei niedrigeren Entwurfstemperaturen sind die Güte- klassenanforderungen gemäß den GL-Vorschriften für Hebezeuge auf Seeschiffen und Offshoreanlagen (VI-2-2) zu berücksichtigen.

Kapitel 1

Abschnitt 2

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Seite 2–4

Tabelle 2.8

Gütegrade in Abhängigkeit von Plattendicke und Werkstoffklasse

 
 

Dicke t [mm] 1

 

> 15

> 20

> 25

> 30

> 35

> 40

>

50

 

Werkstoffklasse

15

20

25

30

35

40

50

100 3

 

I A/AH

 

A/AH

A/AH

A/AH

B/AH

B/AH

D/DH

D/DH 2

II A/AH

A/AH

B/AH

D/DH

D/DH 4

D/DH 4

E/EH

E/EH

III A/AH

B/AH

D/DH

D/DH 4

E/EH

E/EH

E/EH

E/EH

1

Vorhandene Bauteildicke

 

2

Für Dicken

t > 60 mm E/EH

 

3

Für Dicken > 100 mm ist der Gütegrad mit dem GL gesondert zu vereinbaren.

 

4

Für

Streckgrenzen R eH 390 N/mm 2 EH

 

3.3

Werkstoffauswahl für örtliche Bauteile

3.3.1

Die Werkstoffauswahl für örtliche Bauteile,

die nicht zum Längsverband gehören, ist im Allge- meinen nach Tabelle 2.9 vorzunehmen. Für Teile aus Schmiedestahl oder Stahlguss gilt C.

Tabelle 2.9

Werkstoffauswahl für örtliche Bau- teile

Bauteil

Werkstoffklasse

Klüsenrohr, Stevenrohr, Rohrstütze 3

I

Lukendeckel

I

Gurtplatten und Stege von Trägersystemen

II 1

Ruderkörper 2 , Ruder- horn, Hintersteven, Ste- vensohle, Wellenböcke, Kokerrohr

II

1 Klasse I ausreichend, wenn Walzprofile verwendet werden oder wenn die Teile aus Platten im Lieferzustand "normali- siert", "normalisierend gewalzt" oder "thermomechanisch gewalzt" maschinell ausgebrannt werden.

2 Siehe 3.3.2

3 Für Rohrstützen für Kühlladeräume gilt Tabelle 2.11.

3.3.2 Die Beplattungsteile von Rudern, die Span-

nungskonzentrationen ausgesetzt sind (z. B. im Be- reich des unteren Lagers von Halbschweberudern

müssen der Klasse III entsprechen.

3.3.3 Für Toppplatten von Maschinenfundamenten

außerhalb 0,6 L mittschiffs ist bei normalfestem Schiffbaustahl Gütegrad A auch für Dicken über 40 mm ausreichend.

Für nicht angegebene Bauteile kann im Allgemeinen der Gütegrad A/AH gewählt werden. Der GL behält sich vor, abhängig von der Beanspruchungshöhe auch höhere Gütegrade zu fordern.

3.4

Werkstoffauswahl für Bauteile, die niedri- gen Temperaturen ausgesetzt sind

3.4.1

Die Werkstoffauswahl für Bauteile, die stän-

dig Temperaturen unter 0 °C ausgesetzt sind, z. B. in oder anschließend an Kühlladeräumen, richtet sich nach der Entwurfstemperatur der Bauteile. Die Ent- wurfstemperatur ist die Temperatur, die sich aufgrund einer Temperaturverteilungsberechnung unter Berück- sichtigung von den Entwurfswerten für die Außen- temperatur ergibt. Die Entwurfswerte für die Außen- temperatur für unbeschränkte Fahrt sind:

Luft:

+ 5 °C

Wasser:

0 °C

3.4.2 Für Schiffe, die ständig in Gebieten mit nied-

rigen Temperaturen fahren (unter – 20 °C), z. B. wäh- rend der Winterzeit in arktischen oder antarktischen Gewässern, ist die Werkstoffauswahl ungeschützter Bau- teile gemäß der in 3.4.5 definierten Entwurfstemperatur

vorzunehmen.

Für Bauteile oberhalb der untersten Ballastwasserlinie (BWL), die der Luft ausgesetzt sind, sind mindestens Werkstoffe der Klassen I, II und III gemäß Tabelle 2.10 abhängig von der Bauteilkategorie Sekundär, Primär und Spezial auszuwählen. Die Werkstoffauswahl für die der Luft nicht ausgesetzten Bauteile unterhalb der untersten Ballastwasserlinie kann nach 3.2 und 3.3 erfolgen.

3.4.3 Die Gütegrad-Anforderungen für die einzel-

nen Werkstoffklassen sind abhängig von der Dicke und der Entwurfstemperatur t D in Tabelle 2.11 ange-

geben. Für Entwurfstemperaturen unter – 55 °C müs- sen besondere Festlegungen getroffen werden.

3.4.4 Einzelne Plattengänge, für die Werkstoff der

Klasse III oder Gütegrad E/EH oder FH vorgeschrie- ben ist, müssen eine Breite von mindestens b = 800 + 5 L, max. 1 800 mm haben.

Für die Beplattung von Hintersteven, Ruderhorn, Ruder und Wellenböcken m