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die toll!

Sind

bis der

Rezensionen

Theaterarzt kommt

die echt?

Sind

Authentizi

Über

Bühne

auf der

War das alles?

Schicksal das KFZ-Horoskop

Check dein

a l – d a s K F Z - H o r o s k
# 5 1.Jahrgang 2010 Mi 21. - Fr 23. Juli
# 5
1.Jahrgang
2010
Mi 21. - Fr 23. Juli

dings

Editorial

Editorial Liebe Kaltstart-Piraten, liebe Tschechen, liebe Ichs! Die Tage sind aber auch voll. Theater, Theater, Theater,

Liebe Kaltstart-Piraten, liebe Tschechen, liebe Ichs!

Liebe Kaltstart-Piraten, liebe Tschechen, liebe Ichs! Die Tage sind aber auch voll. Theater, Theater, Theater, den

Die Tage sind aber auch voll. Theater, Theater, Theater, den ganzen Abend und – jedenfalls für uns – auch die

ganze Nacht. Und nach dem Katerfrühstück gleich weiter. Schließlich gibt es soooooo viel, was wir in dieser

fünften KFZ-Ausgabe unterbringen wollten.

Da sind natürlich, als dickster Brocken, die Rezensionen. Sechs Seiten für zwei Abende (S. 8-13). Mit vielen

großen, geilen Hymnen auf große, geile Theatererlebnisse – und einer Handvoll Enttäuschungen. Die schreibt

man nicht gern, die liest man als Künstler nicht gern. Aber das KALTSTART ist eben eine Wechseldusche der

Gefühle, ein verfluchtnochmal EX-TRE-MES Festival, vollgestopft, himmelhochjauchzend, betrunken – und

eben auch mal betrübt. Das eine geht nicht ohne das andere – das ist Theater, und es ist gut so.

ohne das andere – das ist Theater, und es ist gut so. Aber es gibt natürlich

Aber es gibt natürlich noch mehr. Neben den Aufführungen auf der Bühne wird auch noch an ganz anderen

Orten theatert – auf Treppen und an Tresen, in Foyers und auf BürgerInnensteigen. In Brillenläden. Und in

Fotoautomaten. Was dabei rauskommt, steht auf den Seiten 3, 14 und 16.

Was dabei rauskommt, steht auf den Seiten 3, 14 und 16. Jaja, das KALTSTART als Ort

Jaja, das KALTSTART als Ort der Selbstinszenierung. Dabei ist das mit dem Selbst

ja immer gar nicht so einfach – ein großes Thema vieler Stücke hier. Und natürlich

Diskurs zur Hand #5 Jede Ausgabe gibt einen Diskurs aus dem Heft für Zuhause. Einfach
Diskurs
zur Hand #5
Jede
Ausgabe
gibt
einen Diskurs
aus
dem
Heft
für
Zuhause.
Einfach
zum es ausschneiden, Nachspielen
schwarze Streifen
hinten zusammen-
kleben, über den Finger ziehen und
losstreiten. Heute
der Megafight: Es
vs. Über-Ich. Welches der beiden ist
am authentischsten?
(S. 5) Welches
warten? (S. 3)
muss am längsten
Und welches
geht ins Theater?

auch eins für uns – wir ergießen uns zweitäglich auf diese Seiten (und ins Internet),

uns zweitäglich auf diese Seiten (und ins Internet), da rutscht natürlich immer auch das eine oder

da rutscht natürlich immer auch das eine oder andere Klitze Ich mit raus,

da rutscht natürlich immer auch das eine oder andere Klitze Ich mit raus,
da rutscht natürlich immer auch das eine oder andere Klitze Ich mit raus,

bei aller professionellen Objektivität. Über dieses ganze seltsame Ding

 
 
 

mit der Authentizi

dings

denken wir auf Seite 7 nach.

mit der Authentizi dings denken wir auf Seite 7 nach.

Euch und Ihnen wünschen wir noch ein paar große,

 
Euch und Ihnen wünschen wir noch ein paar große,  

geile Theatertage!

Die Red.

auf Seite 7 nach. Euch und Ihnen wünschen wir noch ein paar große,   geile Theatertage!
auf Seite 7 nach. Euch und Ihnen wünschen wir noch ein paar große,   geile Theatertage!
auf Seite 7 nach. Euch und Ihnen wünschen wir noch ein paar große,   geile Theatertage!
auf Seite 7 nach. Euch und Ihnen wünschen wir noch ein paar große,   geile Theatertage!

Tewaag lernen

Was wir von Ben

Ein Versuch über das Warten aufs Theater

n Was wir von Ben Ein Versuch über das Warten aufs Theater KFZ Thema können von
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KFZ Thema können
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Versuch über das Warten aufs Theater KFZ Thema können von Jan Fischer Oft verschiebt sich alles.
Versuch über das Warten aufs Theater KFZ Thema können von Jan Fischer Oft verschiebt sich alles.
Versuch über das Warten aufs Theater KFZ Thema können von Jan Fischer Oft verschiebt sich alles.

von Jan Fischer

Oft verschiebt sich alles. Bei „Glaube, Liebe, Hoffnung“, erst- mal nur der Beginn, nicht viel, eine Viertelstunde vielleicht. Außerdem ist das Spannende an „Glaube, Liebe, Hoffnung“an diesem Tag nicht das Stück – sondern das Warten auf das Stück: Während wir noch irgendwo in der Mitte der Treppe vor dem Saal des Haus III&70 stehen, Bier in der einen Hand, Eintrittskarte in der anderen, rempelt uns der gerade frisch aus dem Gefängnis entlassene Ben Tewaag an. Für alle, die nicht regelmäßig „Bunte“ lesen: Ben Tewaag ist der Sohn von Uschi Glas, im Gefängnis saß er, weil er vor dem Münchner P1 jemandem die Nase angebrochen hatte. Das alles ist fast absolut uninteressant für diesen kleinen Text. Aber Warten ist tote Zeit, die gefüllt werden muss, ein- mal natürlich, weil Nichtstun unmöglich ist, aber auch, und vor allem, weil Theater immer ein Ereignis ist, in dem der Zu- schauer in ein soziales Netz eingebunden ist, das sich durchs Theaterfoyer, oder, im Falle des KALTSTART über die Bar und Treppen des Haus III&70, auf der Straße vor dem Monsun- Theater, auf dem Vorplatz des Knust spannt: Überall dort, wo gewartet wird. Seine Spannung verliert das Netz erst, wenn das Licht ausgeht und das Stück beginnt, und es wird wieder gespannt, wenn der Applaus vorbei ist. Den Raum durchschreiten, Leute begrüßen Ben Tewaag beginnt sich umzuschauen, nachdem er sich und seiner Verlobten Sandy – Model, u.a. für C&A - eine Karte besorgt hat, kauft ein paar Süßigkeiten am Kiosk, wofür er einmal quer durch den wegen des Volksentscheid-Public-Vie- wings übervollen Raum muss, geht dann auf demselben Weg wieder zurück, nur, um auf Höhe der Bar wieder abzudrehen, nachdem er eine Bekannte gefunden hat, eine ältere Dame, die ihn aber offensichtlich so gut dann auch wieder nicht kennt: Seine Verlobte muss er ihr erst vorstellen, obwohl, laut „Bunte“, die beiden schon ein paar Monate verlobt sind. Was hat Tewaag da getan? Er hatte seinen Auftritt: Er hat allen, die daran interessiert sind, gezeigt, dass er da ist:

Ein Schauspieler seiner selbst, der sich danach sofort in

seinen Dialogpart stürzt. Tewaag übrigens ist in diesem Text nur Mittel zum Zweck, um die trockene Theoriekanonade mit ein bisschen Fleisch zu unterfüttern: Wir alle tun, was Teewag tut. Wir nutzen das Warten vor der Aufführung zum, lapidar gesagt, Quatschen. Soziale Netzwerke werden aufgebaut und verfeinert. Das klingt erstmal nach ganz normalem Thea- terfoyer, wo ja auch nichts Anderes passiert, seien es die ranzigen Spielstätten der Freien Szene, seien es die prosec- cogetränkten Foyers der Stadttheater. Wartezeit? Nein, Showtime! Das KALTSTART allerdings ist anders. Es ist im Prinzip ein andauerndes, in die Länge gezogenes Theaterfoyer: Es gibt immer ein nächstes Stück, auf das man warten kann, aber es gibt immer auch Aufführungen, die nicht im Programm als solche ausgewiesen sind. Eben solche, wie Tewaag sie auf- führt: Man zeigt sich, man spricht sich, man bewegt sich auf den Brettern, die tatsächlich die Welt sind, und sie nicht nur bedeuten. Dabei spielt das Warten aufs Stück die größte Rolle. Auf dem KALTSTART ist das Warten die Zeit, die gefüllt wer- den muss, in einem Raum, der auch erst zu einem gemein- samen gemacht werden muss. Was das Festival ausmacht, ist ja gerade, dass dabei auch ein paar Unschärfen entstehen:

samen gemacht werden muss. Was das Festival ausmacht, ist ja gerade, dass dabei auch ein paar
samen gemacht werden muss. Was das Festival ausmacht, ist ja gerade, dass dabei auch ein paar
samen gemacht werden muss. Was das Festival ausmacht, ist ja gerade, dass dabei auch ein paar

Die umfallenden Bierflaschen. Die rauschenden Toiletten währen der Aufführung. Dieses ganze „Unplugged“-Ding, das passiert, wenn ein Klub plötzlich zu einem Foyer wird. Die Wartezeit wäre vielleicht mit dem Wort „Atmosphäre“ positiv beschrieben: Die gemeinsame Arbeit daran, dass das KALTSTART nicht nur ein Theaterfestival auf der Bühne wird, sondern auch ein Theaterfestival vor der Bühne. Am schönsten wäre es, wenn das Festival vor der Bühne dem Fe- stival auf der Bühne noch ein bisschen öfter die Show stehlen würde. Als Ben Tewaag uns zur Seite schubst, versuchen wir jedenfalls unser Bestes, seine Inszenierung etwas actionrei- cher zu gestalten: „Deine Mudda spielt bei Lindenstraße!“, schreit ein Redaktionskollege ihm erbost hinterher. Müssen wir Angst um seine Nase haben? Tewaag lächelt nur.

schreit ein Redaktionskollege ihm erbost hinterher. Müssen wir Angst um seine Nase haben? Tewaag lächelt nur.
schreit ein Redaktionskollege ihm erbost hinterher. Müssen wir Angst um seine Nase haben? Tewaag lächelt nur.
schreit ein Redaktionskollege ihm erbost hinterher. Müssen wir Angst um seine Nase haben? Tewaag lächelt nur.
schreit ein Redaktionskollege ihm erbost hinterher. Müssen wir Angst um seine Nase haben? Tewaag lächelt nur.
schreit ein Redaktionskollege ihm erbost hinterher. Müssen wir Angst um seine Nase haben? Tewaag lächelt nur.
schreit ein Redaktionskollege ihm erbost hinterher. Müssen wir Angst um seine Nase haben? Tewaag lächelt nur.
schreit ein Redaktionskollege ihm erbost hinterher. Müssen wir Angst um seine Nase haben? Tewaag lächelt nur.
Kaltstart
Kaltstart
schreit ein Redaktionskollege ihm erbost hinterher. Müssen wir Angst um seine Nase haben? Tewaag lächelt nur.
schreit ein Redaktionskollege ihm erbost hinterher. Müssen wir Angst um seine Nase haben? Tewaag lächelt nur.
schreit ein Redaktionskollege ihm erbost hinterher. Müssen wir Angst um seine Nase haben? Tewaag lächelt nur.

Termine

Mittwoch 21. Juli 2010

16 - 21 Uhr // My favourite thing //

Anna Zaorska // LOKAL // Open Air Special

17 Uhr / 20 Uhr // Pissoirs //

Schaufenstheater // Balkon

(Susannenstraße/Bartelsstraße) // Open Air Special

18 Uhr / 20 Uhr // Die Zofen // Lena

Schumacher, Franziska Boblenz //

Neuer Kamp 30 (Vorplatz Knust) // Open Air Special

18 Uhr // Weißt du, wer Mister Pink

kennt? // Mr. Pink // Haus III&70 Anbau // Fringe - 18 Uhr // Why I didn‘t become a dancer – every- day you performed for me // Evita Emersleben // Fußweg (Susannen- straße/Bartelsstraße) // Open Air Special - 19 Uhr // Warum das Kind in der Polenta kocht // Ballhaus

Rixdorf (Berlin) // Haus III&70 Saal // Kaltstart Pro

20 Uhr // Jim Jones liebt Nelly Die-

ner // Slackers // Foolsgarden The-

ater e.V. // Fringe - 21 Uhr // Meer Rausch! // Lena Kußmann, Laura Jakschas // Bernsteinbar // Fringe

21 Uhr // Während sie // PACK //

13ter Stock (Bar Rossi) // Fringe

22 Uhr // Habe ich dir eigentlich

schon erzählt

// Haus III&70 Anbau / Kaltstart Pro

22 Uhr // Nach Troja I // Theater

Bochum // Waagenbau // Kaltstart Pro

// Theater Aachen

Donnerstag 22. Juli 2010

16 - 21 Uhr // My favourite thing //

Anna Zaorska // LOKAL //

Open Air Special - 16 Uhr / 19 Uhr // Pissoirs // Schaufenstheater // Central Park // Open Air Special

18 Uhr // Pimper my City, Du

Nomadensau // Regiekollektiv Otto frißt Engels // Haus III&70 Anbau

// Fringe - 18 Uhr // Why I didn‘t become a dancer – everyday you performed for me // Evita Emersle- ben // Schanzenstraße/Bartelsstra- ße // Open Air Special

19 Uhr // Aussicht – Hölderlin //

Mozarteum Salzburg // Terrace Hill

// Kaltstart Pro - 19 Uhr // Die Zo- fen // Lena Schumacher, Franziska Boblenz // Neuer Kamp 30 (Vor- platz Knust) // Open Air Special

19 Uhr // Habe ich dir eigentlich

schon erzählt

// Haus III&70 Anbau // Kaltstart Pro - 19 Uhr // Nach Troja I // Rottstr.5 Theater Bochum // Waagenbau // Kaltstart Pro

// Theater Aachen

04 / 05

Vorschau
Vorschau
// Kaltstart Pro // Theater Aachen 04 / 05 Vorschau Uhr // The second time in

Uhr // The second time in bet-

20

ween // Dock 11 (Berlin) // Terrace

Hill // Kaltstart Pro

20 Uhr // Titanic // Freie Bühne

Yuppie frisst Indie

“Pimper my City, du Nomadensau!” untersucht Stadtidentitäten

Neuwied // 13ter Stock (Bar Rossi)

// Fringe - 20:30 Uhr // Finnisch – Solostück für eine Frau // Sabine Menne, Karin Neidhart, Aylin Kaip // Foolsgarden Theater e.V. //

Fringe 21:15 Uhr // Nach Troja III // Rott- str.5 Theater Bochum // Waagen- bau // Kaltstart Pro

22:30 Uhr // Flamba Feuershow // Central Park // Open Air Special 22:30 Uhr // Suicide Boys // Die Azubis Haus III&70 // Haus III&70 Saal // Kaltstart Pro

Haus III&70 // Haus III&70 Saal // Kaltstart Pro Man traut sich ja schon nicht mehr

Man traut sich ja schon nicht mehr in die Straßenbahn

von Clara Ehrenwerth Das Thema, das Hamburg direkt ins Herz trifft – zumindest in der Wahrnehmung von uns vorübergehend Zugereisten –, ist die Auseinandersetzung mit der Stadt als Lebensraum. Zwischen Privatisierung und alternativer (Wohn-)Kultur, zwischen Inve- stition und Individualismus erstreckt sich eine Kampfzone, die in den vergangenen Jahren immer weiter ausgeweitet wurde. Fragen der Stadtplanung, der Wahrung öffentlicher Räume sind in allen deutschen Städten präsent, doch nirgendwo wird die Debatte so heftig geführt wie in Hamburg. Es ist also ein glücklicher Zufall, dass das Dresdner Regiekollektiv Otto frisst Engels die Premiere von „Pimper my City, du Nomadensau!“ direkt aufs KALTSTART verlegt hat, denn das Stück beschäftigt sich mit der Stadt als identitätsprägendem Raum. Gemeinsam mit drei Schauspielern untersuchen Sandra Engels und Helena Otto, wie Stadt heute wahrgenommen wird, ob Stadtplanung manipuliert, wie die Archi- tektur der Städte heute aussieht – und was das alles mit uns und unseren Sehnsüchten zu tun hat. Dazu ziehen sie Theatertexte von Tschechow, Anja Hilling, René Pollesch und anderen zurate, forschen in wissen- schaftlichen Texten aus verschiedenen Disziplinen und Dokumentationen über alternative Lebensraumkonzepte wie das Gänge-Viertel. „Pimper my City“ verspricht, eine reichhaltige Collage, eine umfang- reiche Materialsammlung zu werden, bei der der Zuschauer sich seine Meinung selbst bilden muss.

Mittwoch 21. Juli 2010

15 Uhr / 18 Uhr // Taxi Altona – Ich

war ein Arbeitsplatz // Deutsches Schauspielhaus Hamburg // Haus III&70 Parkplatz (Abfahrt) //

Kaltstart Pro - 16 - 21 Uhr // My favourite thing // Anna Zaorska // LOKAL // Open Air Special 16 Uhr / 19 Uhr // Pissoirs // Schaufenstheater // Central Park

// Open Air Special - 18 Uhr / 20 Uhr // Die Zofen // Lena Schuma-

cher, Franziska Boblenz // Neuer Kamp 30 (Vorplatz Knust) // Open Air Special - 18 Uhr // Pimper my

City, Du Nomadensau // Regie-

kollektiv Otto frißt Engels // Haus III&70 Anbau // Fringe

19 Uhr // Striptease 2010 //

chicken&egg / Hochschule der

Künste Bern // Waagenbau // Kaltstart Pro - 19 Uhr // WALD-CITY // WALD // Eingang Schanzenpark (Schanzenstraße/Kleiner Schäfer- kamp) // Open Air Special

20 Uhr // Sitz ich, die man nicht

rief, die Siebte! // Irina Vikulina // monsun theater Werkstattraum // Fringe - 20 Uhr // Titanic // Freie Bühne Neuwied // 13ter Stock (Bar Rossi) // Fringe

20 Uhr // Woyzeck // Theater

Lauenburg // Haus III&70 Saal //

Kaltstart Pro 20:30 Uhr // Finnisch – Solostück für eine Frau // Sabine Menne, Karin Neidhart, Aylin Kaip // Fools- garden Theater e.V. // Fringe 22:30 Uhr // Silke Rudolph – Ein

paar Dinge, die ich über mich weiss //Haus III&70 Saal // Kalt- start Pro / Autorenlounge 22:30 Uhr // Flamba Feuershow // Central Park // Open Air Special

Do, 22.07. und Fr, 23.07. | 18 Uhr | Haus III&70 Anbau

Uhr // Flamba Feuershow // Central Park // Open Air Special Do, 22.07. und Fr, 23.07.
Leicht entFlamba Zwei Clowns bieten eine Flammenshow am Stadtstrand von Jan Fischer Es soll ja
Leicht entFlamba
Zwei Clowns bieten
eine Flammenshow am Stadtstrand
von Jan Fischer
Es soll ja Leute geben, die das Wort „Effekt-
theater“ abschätzig benutzen, und es gar
nicht mögen, wenn, sagen wir, Theaterblut
auftaucht, oder – Gott bewahre! – pyrotech-
nische Effekte. Solchen Leuten sei „Flamba
– Die Feuershow“ empfohlen: ein einziger,
überlanger Pyroeffekt, von den beiden
ausgebildeten Clowns Christian und Aleks,
säuberlich draußen geparkt in der Strandat-
mosphäre des Central Park. Eine entspan-
nende Alternative, wenn der Kopfkinopro-
jektor wegen Überhitzung ausfällt oder der
Tiefgang dreier Produktionen hintereinander
mal wieder Kopfschmerzen verursacht.
Heiß!
Do. 22.07 und Fr. 23.07 | 22.30 Uhr | Central Park
Heiß! Do. 22.07 und Fr. 23.07 | 22.30 Uhr | Central Park Vorschau Eilmeldung: Leonardo ertrinkt

Vorschau

Eilmeldung:

Leonardo ertrinkt (erneut!)

Immer wieder eine Freude: Die Titanic ver- sinkt im Ozean. High Five!

von Khesrau Behroz

Da heult die Winslet sich in „Titanic” das Salzwasser aus dem Leib, treibt später in selbigem und muss das Genöle von Leonardo DiCaprio ertragen - und kriegt dafür zwar eine Karriere, aber nicht einmal den Oscar. Der ganze Aufwand umsonst! Die Freie Bühne Neu- wied hat darin Grund genug gesehen, um ein Stück darüber zu produzieren, wie zwei Freundinnen aus Frust den Film nachspielen. Das hört sich erstmal so spannend an, wie Farbe beim Trocknen zu observieren - sollte aber aufgrund offensichtlicher Ambitionen, die Nacherzählung witziger zu gestalten, als es das Ori- ginal gewesen ist, seine Reize haben. Ersaufen kann eben auch Spaß machen!

Donnerstag 22.07. und Freitag 23.07. | 20 Uhr | 13ter Stock (Bar Rossi)

22.07. und Freitag 23.07. | 20 Uhr | 13ter Stock (Bar Rossi) Schöner sterben „Suicide Boys“

Schöner sterben

„Suicide Boys“ gibt Anleitungen zum Selbstmord

von Jan Fischer

Wir wissen auch nicht so genau, was Kai Fischer und Christopher Weiß da in „Suicide Boys“ genau tun, finden es aber - ganz ernsthaft - gut, dass sich mal jemand um die Enttabuisierung des Suizids kümmert. Genauso, wie wir es gut finden, dass Fischer im selben Atemzug Auskunft gibt, es träte ein sprechender Pfannkuchen auf. Der Zuschauer, sagt er, durchliefe in der Kreuzung aus Objekttheater und Lecture Performance ein Sieben- Stufen-Programm, mit dem Ziel, seine suizidalen Skills zu optimieren, wobei ihm die beiden Schauspieler als Selbstmord-Azubis hilfreich zur Seite stehen. Dafür lohnt es sich doch, noch ein bisschen weiterzuleben.

Donnerstag, 22.07. | 22.30 Uhr | Haus III&70

Striptease macht sichtbar „Chicken and Egg“ untersuchen die Freiheit in Zeiten der Pluralität von Alexandra
Striptease macht sichtbar
„Chicken and Egg“ untersuchen
die Freiheit in Zeiten der Pluralität
von Alexandra Müller
Gleich erstmal eine Enttäuschung, meine Damen:
In „Striptease 2010“ wird es keine nackten Schau-
spielschüler geben. Die Interpretation des Stückes
„Striptease“ von Slawomir Mrozek, die von der
Zwei-Mann-Gruppe „Chicken and Egg“ aus Bern
gezeigt wird, behandelt das Titelthema eher intel-
lektuell: „Striptease an sich ist eine Sichtbarma-
chung, egal ob nun der Körper oder etwas anderes“,
wie Niklas Leifert, einer der beiden Performer, es
ausdrückt. In dem Stück werden zwei Männer von
einer unsichtbaren Macht in einen Raum gesperrt,
ohne zu wissen, wie lange oder warum. Slawomir
Mrozek bearbeitet darin den Streit zwischen innerer
und äußerer Freiheit, vor den politischen Hinter-
gründen im Polen der Sechzigerjahre. Leifert und
sein Kommilitone Maximilian von Mühlen versetzen
das Stück in die heutige Zeit und nehmen sich das
Übermaß an Freiheit vor, das in der pluralistischen
Selbstverwirklichungsgesellschaft des 21. Jahr-
hunderts Fluch und Segen ist. So gibt es zwar kein
nacktes Fleisch, dafür aber körperliche Selbstre-
flektion gepaart mit polnischer Absurdität.
Fr. 23. und Sa. 24.07 | 19 Uhr und 18 Uhr | Waagenbau

Kaltstart

Stimmen aus dem Off

Drei Gespräche mit Künstlern des Fringe-Open Air Specials

KFZ Interview
KFZ
Interview
mit Künstlern des Fringe-Open Air Specials KFZ Interview Franziska Boblenz Lena Schumacher 1) Die freien Zofen

Franziska Boblenz

Fringe-Open Air Specials KFZ Interview Franziska Boblenz Lena Schumacher 1) Die freien Zofen KFZ: Franziska, Lena,

Lena Schumacher

1) Die freien Zofen

KFZ: Franziska, Lena, ihr habt in Berlin Schauspiel stu- diert. Jetzt tourt ihr zu zweit mit „Die Zofen“. Habt ihr euch für die Freie Szene entschieden?

Franziska Boblenz: Wir sind gerade erst mit unserer Ausbil- dung fertig. Einige unserer Kollegen sprechen jetzt an Thea- terbühnen vor. Uns war es wichtig, sich erstmal mit eigenen Projekten und an unterschiedlichen Orten auszuprobieren. Lena Schumacher: Das braucht natürlich mehr Eigenver- antwortung. Michaela Benn hat hier die künstlerische Regie übernommen, aber die Organisation lag bei uns. Flyer, Werbung, du baust die Bühne selber oder mit der Hilfe von Freunden, suchst Requisiten. Im Moment macht das Spaß, aber vielleicht braucht man irgendwann mehr Sicherheit und hat Lust, an ein Haus zu gehen. Das steht und fällt aber auch mit den Leuten, die da arbeiten.

KFZ: Haben sich eure Erwartungen an diese vielfältige Arbeitsweise eingelöst?

FB: In Berlin, so vielfältig es ist, bleibt man oft in dem Rah- men, den man kennt. Erst in anderen Ländern und Städten merkt man dann: Warum bin ich eigentlich gerade auf dieser Schiene, wo es doch tausend andere Möglichkeiten gibt, etwas zu sagen? Mich hat 2005 beim Theater der Welt in Stuttgart eine pantomimische Körpertheater-Produktion aus Stockholm sehr begeistert, obwohl ich eigentlich nur Sprechtheater mache. Gerade von konträren Ansätzen lernt man am meisten.

2) Unabhängige Projektverträge a lá UK

KFZ: Antje, du arbeitest in London freiberuflich als Künst- lerin, Choreografin und Tänzerin, hier führst du die Out- door-Performance „You Make Me Want To Loose You“ auf. Sind Open Air-Auftritte dein Ding?

Antje Hildebrandt: Meistens spiele ich drinnen, aber an Or- ten ohne Bühne: Fabrikhallen, Warehouses, kleinen Cafés. Auf der Bühne muss man mit bestimmten Konventionen um- gehen, beispielsweise mit der Trennung zwischen Publikum und Künstler. Ich finde es interessanter, wenn keine vierte Wand da ist. Der Zuschauer hat dann viel mehr Einfluss auf die Performance.

KFZ: Ist ein Engagement an einer Bühne dann für dich eine Option?

AH: Ich gehe selten zu Auditions. Mir ist es wichtig, dass man gut miteinander arbeiten kann und Ideen in eine ähn- liche Richtung gehen. Das kann man bei einem zweistün- digen Vorsprechen schwer feststellen. Ich pflege vor allem die Beziehung zu den Leuten, mit denen ich schon gearbeitet habe. Man hilft sich gegenseitig, lädt sich zu Projekten ein. In England gibt es eine größere Freie Szene, weil sie dort weniger Spielorte haben, weniger Festanstellungen.

KFZ: Und wie finanziert man sich da?

AH: Man kriegt Projektverträge, für drei Wochen oder mal drei Monate, meistens nicht länger. Aber so bin ich mein eigener Chef. Wenn man am Staatstheater angestellt ist, spielt man manchmal über mehrere Spielzeiten hinweg jeden Abend die Rolle, die einem zugeteilt wurde.

3) Politik auf die Straße!

KFZ: Louis, ihr seid ursprünglich eine Gruppe Musiker, Bil- dende und Medien-Künstler. Hier zeigt ihr die Performance „WALD“. Wie kommt ihr zum Theater?

Louis Gläsker: Das hat sich über zehn Jahre entwickelt. Ursprünglich haben wir Musik zusammen gemacht, dann wurden performative, sprachliche und tänzerische Ele- mente immer wichtiger. Das ist je nach Auftritt verschie- den gelagert: Bei Auftritten auf Parties steht die Musik im Vordergrund. Im öffentlichen Raum hat man einen anderen Kontext. In den letzten drei Jahren ist unser Theater zudem immer politischer geworden.

KFZ: Politisches Straßentheater, wie sieht das bei euch aus?

LG: Zum Beispiel haben wir vor einem Jahr eine unangemel- dete Performance bei dem Subvisions-Kunstfestival in der Hafencity gemacht, wo wir mit gefälschten 500 Euro-Schei- nen mit der Elbphilharmonie drauf gearbeitet haben. Das Subvisions ist ein Festival für zeitgenössische Kunst, das als Off-Festival angekündigt worden war, aber letztendlich doch sehr elitär organisiert wurde, vom Präsidenten der Kunst- hochschule in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle. Das hat dann 80 % der Kulturförderung für den Off-Bereich gekostet und war eine Art Volksfest, bei dem Bars und Würstchenbu- den im Vordergrund standen und die Kunst zur Dekoration degradiert wurde: Die Künstler in Container gepfercht, die in Reih und Glied aufgestellt waren. Das passte für uns nicht zusammen mit dem Aushängeschild der Off-Kunst.

Die Fragen stellte Jan Berning

KFZ Essay
KFZ
Essay

Authentizi

dings

Eine absolut wahrhaftige Denkfigur über ein altes theaterwissenschaftliches Thema

von Alexandra Müller

Ich sitze jetzt gerade in unserem kühlen „Lokal“, hinter mir quas- seln die Kollegen über ihre eigenen Artikel. Eigentlich würde ich lieber zum Kleidermarkt gehen und mir eine Handtasche kaufen, die ich nicht brauche, ich kaufe halt sehr gerne ein, besonders, wenn ich nicht an unangenehme Sachen denken will. Das sind im Augen- blick: Eine ausstehende Bewerbung, mein immer noch nicht durch- gegangener KSK-Antrag, tausend angefangene Stücke, die ich aus Bock- oder Talentgründen nicht weiterschreibe, dass ich meinen Typen vermisse und dass ich hier in Hamburg schon zu viel Geld im Kleidermarkt gelassen habe. Und ein Essay über Authentizi-dings. War das jetzt echt? Ihr werdet es nie erfahren – ich könnte mir das auch nur ausgedacht haben, um meinen Punkt zu verdeutlichen. Ich beschäftige mich schon seit einer Weile mit Performance Art, da ist der Authenti-Diskurs immer ganz vorne mit dabei. Natürlich habe ich ein bisschen Fi- scher-Lichte gelesen, weiß von Rimini Protokolls Experten des Alltags und auch was über reale Körper im realen Raum. Aber ich würde in einer Rezension niemals das Wort a.-isch ohne ironische Anführungszeichen verwenden, um nicht aus Versehen in einen Diskurs hineinzugeraten, den zu führen ich eigentlich nicht in der Lage bin.

Wie leicht wäre es, wenn ich Juristin wäre: „[

setzgeber selbst veröffentlichte Wortlaut einer Bestimmung [wird] authentisch genannt. Im Gegensatz dazu stehen andere Verlautba- rungen oder Veröffentlichungen wie beispielsweise in Lehrbüchern oder Kommentaren, die entgegen der authentischen Version nicht im Wortlaut rechtsverbindlich sind.“ Da hätte ich was zur Hand, um zu entscheiden, ob etwas a.-isch ist oder nicht und auch, ob es gültig ist. Hab ich aber nicht. Trotzdem male ich mir seit einer Woche kleine As in mein Programmheft, um die Stücke zu markieren, die mit dem A.-Diskurs zu tun haben. Zum Beispiel „Vor der Probe“, der öffentliche Konzeptionsversuch eines King-Kong-Stücks von zwei Schauspielerinnen und einem Regisseur, die als sie selbst mit einem Haufen Material an ihrer eigenen Idee scheitern und eine Stunde lang nicht besonders viel zusam- menbringen. Aber auch „VON-WEGEN“, ein Musical mit Laien und Profis, in dem die meisten auf der Bühne unfreiwillig sie selbst waren – mangels Schauspielausbildung, in der man das Alltags-a.-ische unter der Rolle zu verbergen lernt. Oder auch der „Diaabend mit Freunden“, dessen Grundlage a.- ische Dias einer unbekannten Familie im Urlaub waren. Sie alle bilden Eckpunkte des von mir holprig vermiedenen Diskurses. In vielen ist die Authentizi-dings eine Art zu- sätzliches Theatermittel, wie Licht, Musik, Bühnenbild. Als solches ist die A. greifbar, weil ich über sie genauso sprechen kann wie über die Kostüme. In „Das Erfolgsprojekt“ ist sie zum Beispiel als Kommentar zum Stückgeschehen einge-

] der vom Ge-

als Kommentar zum Stückgeschehen einge- ] der vom Ge- setzt: Künstler sollen das, was sie tun,

setzt: Künstler sollen das, was sie tun, aus persönlichem An- trieb tun, also stattet man sie mit einem Hauch A. aus, indem die Spielerinnen ihre eigenen Namen tragen und aus ihren Lebens-Nähkästchen plaudern. Allerdings kommt mir da die A. selbst wieder in die Quere:

Ich kann sie nicht ganz vom Diskurs getrennt sehen, denn anders als Bühnenbild und Kostüm löst ihr Bühneneinsatz auch bei mir Fragen aus, die bis ins Existenzphilosophische mäandern: Bin ich a.-isch – den anderen gegenüber und auch mir selbst gegenüber? Kann „ich“ so überhaupt denken? Oder ist mein Ich-Sein auch nur konstruiert, wie vielleicht ein Hirnforscher sagen würde, der mir von den elektrischen Reaktionen in meinem Kopf erzählen würde und davon, dass es keinen freien Willen gibt. Von den Philosophen ganz abge- sehen. Ich bin nun aber weder Philosophin noch Neurowis- senschaftlerin, ich bin vom Land. Wer es genau wissen will und um noch ein paar echte Informationen unterzubringen:

Niederbieber/Rhön, ca. 700 Einwohner. Und als eine vom Land, die zwar studiert hat, eigentlich aber Praktikerin ist, denke ich zwar über die A. nach, wenn es aber zum Theate- rerlebnis oder zum Essayschreiben kommt, versuche ich sie zu erden – und meine Eindrücke in Worte zu fassen, die we- niger existenziell sind: Auf der Bühne ist die Authentizi-dings für mich längst nicht so erschreckend und/oder klischeehaft wie in theaterwissenschaftlichen Diskussionen. Das Spiel mit ihr macht etwas mit mir. Ich bzw. das, was „ich“ dafür halte, kann mich noch identifizieren (auch wenns sowas von 70er ist), kann mich an „Realem“ erfreuen, kann Spaß an selbstre- ferenziellen Spielchen haben. Gerade darum ist es spannend zu sehen, dass das a.-ische ein Thema ist – auf diesem Festi- val und wohl auch in der jungen Theaterszene. Es geht wohl auch einigen anderen so. Den besten Beitrag zum Diskurs leistet damit wohl Katheri- ne Heigl am Ende von „The Ugly Truth“, einer eher mäßigen romantic comedy von 2009, die ich allerdings aus verschie- denen Gründen drei Mal gesehen habe: Am Ende des Films, als sie und Gerard Butler nach vielen Geschlechterkämpfen endlich zusammengefunden haben, gibt’s wilden Sex. Heigl stöhnt und schreit, was das Bettzeug hält, bis Butler sich von ihr herunterrollt, schweißgebadet. Er fragt sie: „Am I really that good? Oh, yeah … you‘re just faking.“ Sie: „You‘ll never know …“ Dann wirft sie sich wieder auf ihn, in eine zweite Runde. „Ich“ und „ihr“, wir wissen nicht, ob und was authentisch ist. Aber so lange es Lust auf eine zweite Runde macht:

Kann ich auf den Diskurs verzichten. Und jetzt geh ich ´ne Handtasche kaufen.

Kaltstart

Wenig und viel, viel und wenig Masken und Musik: Die drei Produktionen des PRAG SPEZIAL

Wenig und viel, viel und wenig

Masken und Musik:

Die drei Produktionen des PRAG SPEZIAL machen Lust auf mehr

von Alexandra Müller

Tschechisch rattert. Es rast, springt in rasselnden Silben, nur ab und an ist ein Wort verständlich, „problémem“, zum Beispiel. Ein unmittelbar existenzielles Problem hat die Malerin in Dea Lohers „Land ohne Worte“. Sie war in „k.“, einer Stadt voller Armut, Krankheit und Tod. Sie suchte dort eine „echte“ Erfahrung, um ihrer Kunst eine neue Ebene zu geben. Jetzt ist sie wie gelähmt. Loher beschreibt in diesem Monolog eigene Erfahrungen in Afghanistan und ringt mit der Stimme der Malerin um den Wert und die Möglichkeit von Kunst, angesichts eines zer- störten Landes. Beim PRAG SPEZIAL war die tschechische Übersetzung des Dramas zu sehen, in einer Inszenierung von Kai Ohrem für die MeetFactory Prag. Die Rolle der Malerin spielt darin der neue Stern am tschechischen Theater- himmel, Ivana Uhlířová. Die Schauspielerin sieht pausbä- ckig-unschuldig aus und würde auf der Straße wohl nicht auffallen. Doch auf der Bühne begibt sie sich voll und ganz hinein in das Erzählen der Verstörung. Sie macht sich Lohers reduzierten Text zueigen, illustriert ihn mit wilden Gesten, Geräuschen („Boom!“), kommt immer zu einem Gedanken zurück: „der schmerz muss da sein – immer präsent. und das glück.“ Der Sprachsturm in Verbindung mit der Bühne, die im Verlauf des Stückes zumüllt, läuft auf ein Bild zu: Die Künstlerin, die eine Maske von sich selbst trägt und sie abnimmt, weil auch die Erkenntnis, dass sie nicht mehr „authentisch“ ist (siehe S. 5), nichts mehr bringt. Uhlířová lässt die Maske fallen und löst ihre Haarnadeln, die in absoluter Stille auf den Boden klirren. Bilder und Atmosphäre, Metaphern und Sprache, alles fügt sich zusammen, ohne Pathos, ohne Schnörkel, ohne falsches Mitleid. Hier wird mit wenigen Mitteln sehr viel erzählt. Das Knistern einer verstrahlten Welt In „Noise“ und „Emily“ von Handa Gote ist weniger mehr. In „Noise“ unternimmt die Tänzerin Veronika Švábová eine fantastische Klangreise mit Hilfe von endzeitmäßig improvi- sierten Instrumenten: Auf dem Boden liegen zwei verkabelte Platten, die auf Körperkontakt reagieren. Mit ihnen erzeugt Švábová Beats und Meeresrauschen. Mit etwas Draht und zwei Walkie-Talkies fängt sie das Knistern einer verstrahlten Welt ein. „Noise“ ist eine Versuchsanordnung: Die Tänzerin erzeugt ihren eigenen Sound und sorgt zugleich für Beleuch- tung: Wenn Švábová plötzlich im Dunkeln sitzt, muss sie ei- nen Move in Richtung Bewegungsmelder in ihre Choreografie einbauen, um weitermachen zu können. Das Konzert „Emily“ funktioniert über zeitgenössischeren Hightech: Ein Apple-Computer, ein Theremin, ein paar Hand- kameras. Es bewegt sich auf den Spuren von Emily Dickin- son, einer Dichterin, die sich im Laufe ihres kurzen Lebens

vor allem aus der Welt zurückzog. Der Einsamkeit wird mit Songs beigekommen. Švábová interpretiert Gedichte von Dickinson mit opernhaft verzauberter Stimm oder headban- gend auf der Gitarre. Wenn sie sich an den Computer setzt, um eine neue Soundschleife einzuleiten, wird ihr geisterhaft blasses Gesicht live auf eine Leinwand übertragen. Später trägt sie eine unheimlich-traurige weiße Strickmaske, nimmt sie wieder ab, auch hier werden Nahaufnahmen projiziert:

Die Bilder überlagern sich, alte Bilder werden aufgegriffen. Es geht auch um Erinnerung, schlau in der Videoinstallati- on umgesetzt. Am Ende setzt Švábová eine Maske auf, das Gesicht der Dickinson, ein erschrecktes Puppengesicht, und stiehlt sich von der Bühne. Hier schließt sich ein metapho- rischer und atmosphärischer Kreis. Die Theaterwerkzeuge? Tschechische Wertarbeit Das verbindet alle drei Stücke: Sie finden eine eigene (Bild- )Sprache für das, was sie erzählen wollen. Ohren tappt in der Loher-Interpretation nicht in Falle, den Text eins-zu-eins zu übersetzen. Er vertraut seiner Schauspielerin und ihrer Fähigkeit, ein schweres Thema unprätentiös zu verarbeiten. Handa Gote untersuchen ihre Umwelt auf verspielt-nerdige Art und Weise, mit „Czech craftsmanship“. Die selbstge- bauten Theaterwerkzeuge verbleiben nicht im Selbstzweck, sondern werden durchgespielt. Alle drei Produktionen wissen um ihre Mittel, setzen ihr Wenig oder Viel wohldosiert ein. Das PRAG SPEZIAL: Eine Reise in eine besondere Thea- terwelt, die auf viele weitere Kooperationen hoffen lässt.

besondere Thea- terwelt, die auf viele weitere Kooperationen hoffen lässt. Einsamkeit in Strick. Foto: Alexandra Müller.

Einsamkeit in Strick. Foto: Alexandra Müller.

Paradies aus Kotze Das Landestheater Tübingen zeigtdie Innensicht einer Trinkerin von Stephanie Drees Kater im

Paradies aus Kotze

Das Landestheater Tübingen zeigtdie Innensicht einer Trinkerin

von Stephanie Drees

von Stephanie Drees Kater im Kasten. Foto: Jan Fischer. Das Trinken ist ein eher langweiliges Laster.

Kater im Kasten. Foto: Jan Fischer.

Das Trinken ist ein eher langweiliges Laster. Es ist eine Le- bensbewältigungsstrategie, wie es viele gibt: Man tut etwas, um andere Dinge tun zu können. Oder sie zu lassen. Attribute wie Abhängigkeit und Co-Abhängigkeit schmecken nach abgestandener Wirklichkeit, wie Reste in Bierflaschen am Morgen nach der Party. Hannahs Weltwahrnehmung ist alles andere als abgestan- den: „Inzwischen rolle ich rasch und unwiderstehlich auf die Vierzig zu und fliege ständig aus den Kurven meines Jetzt.“ Als ihr Bruder Simon sie vom Wohnzimmerfußboden kratzen soll, trinkt sie alle Vorräte auf, die sie noch in der Wohnung hat. Hannah kann sich schlecht an Verstecke erinnern. Also muss alles weg, bevor es die anderen in die Finger bekom- men, das ist wichtig, wichtiger als das eigene Leben. Die Logik einer Trinkerin. All das klingt schrecklich, es klingt nach fehlender Selbst- achtung und Psychodrama, nach Angst vor dem Leben und ausgeleckten Parfümflaschen unter dem Bett. Die Hannah auf der kleinen Bühne des Haus III &70 riecht nach alledem. Und sprüht dabei vor flirrender Energie und lakonischer Selbstoffenbarung. Als sie den Arzt Robert, ebenfalls ein Trinker, kennen lernt, überlegt sie zunächst, wie viel sie schlucken muss, um erfolgreich Sex mit ihm zu haben. Denn trinkt sie nicht genug, wird sie versagen, trinkt sie zu wenig, kann sie sich an nichts mehr erinnern. Ein Dilemma. „Paradies“ ist - wie einige Inszenierungen, die sich beim KALTSTART zeigen -, eine Buchadaption. Der gleichna- mige Roman von A. L. Kennedy funktioniert als minutiöser Innenblick, als Bewusstseinsstrom einer Trinkerin, die den größten Teil ihres Lebens getrunken hat. Böse klingt es, wenn man in diesem Zusammenhang von spritzig redet – und doch macht es diese Hannah aus, die im Theater zwischen Bartisch und Boden rhetorische Pfeile ins Publikum schießt.

Wenn es mal kein Alkohol ist, dann ist es Speed, das sie kon- sumiert, wovon sie beim Sex „trocken wird wie eine Eidechse auf dem Bratrost“. Jenke Nordalms Inszenierung von „Paradies“ ist zutiefst traurig, weil es nicht auf Traurigkeit setzt. Am Anfang stellt sich kurz der Eindruck ein, man wäre in einer Screwball-Ko- mödie gelandet, in der zwei Schauspieler die Szenen einer modernen Beziehung imitieren. Katja Gaudart und Udo Rau nähern sich an, schieben sich die Whiskygläser wie phy- sische Aufforderungen zwischen ritualisiertem Paarungsge- plänkel hin und her. Noch sitzt Hannahs Blümchenkleid, die Sonnenbrille und das Lächeln. Doch schnell wird klar, das es hier um ein Ringen geht, um das Suchen nach echter Nähe. Um das zu zeigen, muss Robert sich zwischenzeitlich auch mal völlig nackt machen und seinen Penis an der Bedusel- ten reiben – ganz ohne ein paar Klassiker des Regietheaters kommt man auch beim Landestheater Tübingen nicht aus. Doch kleinere Abfälle auf der Originalitätsskala macht die Textvorlage wett, die dicht ist wie ein Wald, hinter dessen Bäumen zig skurrile Kopfgeburten stehen. Vor allem aber das Spiel der beiden Darsteller, allen voran Katja Gaudart, die dem Wort Schauspielerin im besten Sinne gerecht wird:

Sie spielt mit Körper und Stimme die Möglichkeiten der Vorlage voll aus, führt ihre Figur durch eine Achterbahn der Entäußerung und Entblößung. Und das über knappe zwei Stunden hinweg, in denen außer der Reflexion des eigenen Daseins als Säuferin nicht viel Nennenswertes passiert – das Schicksal von Hannah zwischen Entzugsklinik, Familienver- lust und Lieblingsbar schwebt schon zu Anfang als großer, imaginärer Wegweiser über der Inszenierung. Stattdessen sieht man Hannah und Robert sich in den schlimmsten Körperausscheidungs-Sauereien winden, die das zeitgenössische Theater zu bieten hat: Kotze in Form von matschigen Erdnüssen und Wasser klebt auf dem Boden und in den Haaren der Spieler, als der selbst produzierte Schlamm, durch den die Figuren waten. Wenn selbst das nicht eklig, sondern eindringlich ist, dann muss es einfach gut sein, dieses Schauspielertheater.

eindringlich ist, dann muss es einfach gut sein, dieses Schauspielertheater. Trinkerin außer sich. Foto: Jan Fischer

Trinkerin außer sich. Foto: Jan Fischer

Kaltstart

Verliebt? Fickender Wahnsinn! Das Cinéma des Étoiles begreift in „Werther in New York“ nicht, was

Verliebt? Fickender Wahnsinn!

Verliebt? Fickender Wahnsinn! Das Cinéma des Étoiles begreift in „Werther in New York“ nicht, was sie

Das Cinéma des Étoiles begreift in „Werther in New York“ nicht, was sie auf der Bühne tun.

„Werther in New York“ nicht, was sie auf der Bühne tun. von Jan Fischer Bevor alles

von Jan Fischer

Bevor alles losgeht, sagt ein Techniker: „Wir haben ein Strobo. Also, wenn ihr Epilepsie habt, geht ihr jetzt bes- ser.“ Und wir denken: Wir lieben Pop. Wir lieben es, wenn Klassikern so lange die klebrige, süße Poppampe ins Maul geblasen wird, bis sie platzen. Wir lieben es, wenn jemand wie Tim Staffel Goethes „Werther“ zu „Werther in New York“ macht, und in Ka- tarina Fritz’ Inszenierung des Textes Jugendliche in den Himmel starren und pubertäre Plattitüden von sich ge- ben, wenn sie sich in rasender Geschwindigkeit ver- und wieder entlieben, wenn Albert Lotte wegen des Trans- vestiten Zoe verlässt, wenn Zoe wiederum mit Werthers schwulen Freund Picard anbandelt, jede denkbare Kon- stellation durchgespielt wird, wir lieben es, wenn die ganze Bande plötzlich ohne Grund eine Bank überfällt, wir lieben es, wenn die ganze gegenstandslose Leiden- schaft einer verlorenen Generation ins Leere geballert wird, und wir lieben das Stroboskop. Wir lieben auch, was „Eiskalte Engel“ mit „Gefährliche Liebschaften“ angestellt hat, und wir hatten gehofft, „Werther in New York“ vom Cinéma des Étoiles wäre genau das: Eine dem Klassikeroriginal gegenüber völlig respektlose Fehlinszenierung, die rockt wie Sau und irgendwie dann doch eine Generation porträtiert, oder zumindest klug so tut. Alle Phaser auf Betäubung Was wir nicht lieben, ist, wenn Werthers schwuler bester Freund Picard zwar „Captain, mein Captain“ genannt wird und in Star-Trek-Zitaten spricht, aber ständig die „Oberste Direktive“ als „Hauptdirektive“ bezeichnet, und statt dem Picard sowieso mehr den Kirk gibt. Was wir nicht lieben, ist, wenn mit Picard auf eine große kulturelle Ikone verwiesen wird, mit dem Transvestiten Zoe aber auf eine Berliner Drag-Queen, die kaum jemand kennt, und offenbar jemand glaubt, beide bewegten sich auf der selben Ebene. Was wir nicht lieben, ist, wenn ständig jemand seine Phaser auf Betäubung stellt, sich aber dann doch damit umbringt. Was wir nicht lieben, ist, wenn als einzige Referenz an Paul Auster nichts als der Titel von „Mond über Manhat- tan“ anzitiert wird, aber sich niemand die Mühe macht, Auster mal ernsthaft zu lesen, nur, um mal zu entde- cken, was man damit alles hätte anstellen können. Was wir also überhaupt nicht lieben, ist, wenn tausend- undeins kleine Popstückchen ständig anzitiert werden, aber die Werke scheinbar niemand aus der Truppe gelesen oder verstanden hat, und das dann mit außer Kontrolle geratenen Popzitaten verwechselt, während eigentlich einfach gar nichts dahinter steht.

während eigentlich einfach gar nichts dahinter steht. So oder so oder so oder so Auf großer
während eigentlich einfach gar nichts dahinter steht. So oder so oder so oder so Auf großer
während eigentlich einfach gar nichts dahinter steht. So oder so oder so oder so Auf großer
während eigentlich einfach gar nichts dahinter steht. So oder so oder so oder so Auf großer
während eigentlich einfach gar nichts dahinter steht. So oder so oder so oder so Auf großer
während eigentlich einfach gar nichts dahinter steht. So oder so oder so oder so Auf großer
während eigentlich einfach gar nichts dahinter steht. So oder so oder so oder so Auf großer
während eigentlich einfach gar nichts dahinter steht. So oder so oder so oder so Auf großer
während eigentlich einfach gar nichts dahinter steht. So oder so oder so oder so Auf großer
während eigentlich einfach gar nichts dahinter steht. So oder so oder so oder so Auf großer
während eigentlich einfach gar nichts dahinter steht. So oder so oder so oder so Auf großer

So oder so oder so oder so

Auf großer Sinnsuche:

„Weißt Du, wer Mr. Pink kennt?“

w von Clara Ehrenwerth Zur Mid- hat sich längst eine Quarterlifekrise gesellt, die uns irgendwann
w
von Clara Ehrenwerth
Zur Mid- hat sich längst eine Quarterlifekrise gesellt,
die uns irgendwann zwischen Studium und erstem
Kind ereilt. Da rühren wir in unserem Chai-Tee, bli-
cken tief in die Gläser und fragen uns und unsere be-
sten Freunde: Wie sollen wir leben? Heiraten wir jetzt
den Typ mit dem Geld oder machen wir doch noch
eine Weltreise? Und spätestens mit der Gründung der
„Neon“ ist die große Sinnsuche salonfähig geworden:
Eigentlich sollten wir erwachsen werden – aber wir
sitzen hier mal erst noch ein paar Jahre rum und den-
ken drüber nach, wie wir das am besten anstellen.
In „Weißt du, wer Mr. Pink kennt?“ prallen die
Lebensentwürfe auf dem konfliktfreudigen Terrain
einer Hochzeit aufeinander. Die Braut (Luise Schnit-
tert) traut sich plötzlich doch nicht mehr, weil sie sich
selbst noch nicht gefunden hat, der wohlhabende
Bräutigam (Jan Martin Müller) versteht das nicht.
Ihnen gegenüber steht ein Improtheaterpärchen, das
engagiert wurde, um das Leben des Brautpaares
nachzuspielen. Die beiden befinden sich gerade in
liebevoller Trennung, weil er (Björn von der Wellen)
so ein flatterhafter Typ ist und in die weite, weite
Welt möchte; sie (Karin Hanczewski) wollte eigent-
lich mit ihm alt werden. Das Ensemble verkörpert
die ungleichen Vier pointensicher und mit klugem
Gespür für Typen, ohne die Figuren, die hier vor allem
Stellvertreter unterschiedlicher Anschauungen sind,
zu verraten. Denn wie in allen Stücken, in denen die
Lebensentwürfe auf einem konfliktfreudigen Terrain
aufeinanderprallen, wird auch hier vor allem lamen-
tiert, selbstbespiegelt, küchenpsychologisiert und
hausfrauenphilosophiert.
Aber während sich in, sagen wir mal, „Wer hat Angst
vor Virginia Woolf?“ noch tatsächliche Abgründe öff-
neten, große (auch gesamtgesellschaftliche) Krisen
zum Vorschein traten, Lebenskonzepte und Lebens-
lügen zusammenkrachten, möchte man fast jeder
Replik von „Mr. Pink“ ein gelangweiltes „So what?“
hinterherrufen: Lebt halt so oder lebt halt anders,
aber fangt endlich mal damit an!
Der Text, den die Regisseurin Claudia Sennecke
gemeinsam mit Thorsten Frey geschrieben hat, steht
den Figuren in Selbstbezogenheit leider um nichts
nach: Eitel werden da die Inhaltsangaben ganzer Kaf-
ka-Erzählungen repetiert und bedeutungsheischende
Papiersätze („Du bist Rahmenhandlung auf der Suche
nach Kontext!“) produziert und mit tempogebendem
wisecracking und Vorabendheiterkeit angereichert.
Und so spiegelt der Abend genau das wieder, was un-
serer Generation (ja, da ist das Wort endlich!) gerne
vorgeworfen wird: Sie denkt sich aus lauter Lange-
weile ihre eigenen Probleme aus.
ist das Wort endlich!) gerne vorgeworfen wird: Sie denkt sich aus lauter Lange- weile ihre eigenen

10 / 11

Acid im Abendmahl Explosionen auf zwei Quadratmetern: Sarantos Zervoulakos inszeniert den Roman „Liebesgeschichte“ von
Acid im Abendmahl Explosionen auf zwei Quadratmetern: Sarantos Zervoulakos inszeniert den Roman „Liebesgeschichte“ von
Acid im Abendmahl Explosionen auf zwei Quadratmetern: Sarantos Zervoulakos inszeniert den Roman „Liebesgeschichte“ von

Acid im Abendmahl

Explosionen auf zwei Quadratmetern: Sarantos Zervoulakos inszeniert den Roman „Liebesgeschichte“ von Franzobel

Explosionen auf zwei Quadratmetern: Sarantos Zervoulakos inszeniert den Roman „Liebesgeschichte“ von Franzobel
von Jan Berning Wer einen Roman schreiben will, der sich an eine große Masse Leser
von Jan Berning
Wer einen Roman schreiben will, der sich an eine große
Masse Leser verfüttern oder schnell auf dem Bahnhofsklo
durchs Gemüt ziehen lässt, der ist gut beraten, neben jeder
Menge Körpersäften und Explosionen auch ein Arsenal
exzentrischer Charaktere bereit zu stellen. Je absurder die
Situationen, in die der Antiheld durch seine Obsessionen
gestürzt wird und je heftiger die Charaktere aneinander
rauschen, desto sicherer ist dem Autor der Beifall der Fast-
Food-Fans. Weniger kann er auf den Beifall der Literatur-
kritiker hoffen. Als „hingerülpster Groschenroman“ und
„gewaltpornografisches Kasperltheater“ wurde der Roman
„Liebesgeschichte“ des österreichischen Schriftstellers
Virtuos unterstützt von seinen Bewachern, der eine mit ed-
lem Boxergesicht (Markus Westphal), irgendwo zwischen
Mickey Rourke und Pierre Brice, die andere eine dralle
Blonde (Sophia Magdalena Freynhofer), mal Püppchen, mal
obszöne Wienerin. Neben dem leidend zur Decke schie-
lenden, resignierend lamentierenden und zwischen seinen
Grimassen. im Schweiß zerfließenden Alexander verkörpern
sie nach und nach alle Typen, denen er auf seinem Schnitz-
lerschen Reigen begegnet: Dunja, exaltiert, übersexualisiert
und völlig der Behauptung von Sinnlichkeit verfallen. Dann
die wohl witzigste Figur des Abends: Dunjas Geliebter Doyle,
ein nasal predigender Schnösel-Künstler mit einer affek-
tierten Freude an sich selbst, zwischen Kinski, Sektenguru
und archaisch-martialischem, für den es Ursache und Wir-
kung nicht gibt, sondern nur Materie. Dazu bewährte komö-
diantische Paare, wie Pilot und Stewardess, ein arabischer
Verkäufer, ein russischer Taxifahrer. Es ist eine Freude,
die beiden zwischen Dialekten und Kostümen wechseln zu
sehen, den überschallschnellen Text perfekt rhythmisierend,
jede Geste eine Unterstreichung des Absurden.
Die Lust an der Übertreibung
ist körperlich spürbar
Die heilige Dreifaltigkeit. Foto: Alexei Rothkirch.
Franzobel besprochen. Doch was zwischen Buchdeckeln
nach Junk schmeckt, könnte mit den richtigen Interpreten
auf der Bühne knallen wie Acid beim Abendmahl.
Das jedenfalls wird sich Sarantos Zervoulakos gedacht
haben, der die Romanvorlage am Max Reinhardt-Seminar
inszeniert hat. Auf seiner Pritsche in einem Gefängnis in
Jerusalem erzählt der Protagonist Alexander (Christoph
Schechinger), wie die Obsession für seine Jugendliebe und
der vermeintliche Selbstmord seiner Frau ihn in der Frem-
de hinter Gittern gebracht haben. Alexander versteht nicht,
dass die Welt sich nicht anschließen lässt an den Starkstrom
seiner Gefühle. Wechselnd zwischen Selbstmitleid, Ungläu-
bigkeit und Zynismus stülpt er sich eine Art Pferdegeschirr
über, das seinen Mund zu einem Grinsen verziehen soll und
erzählt seine Tour de force durch Wien und Jerusalem, bis
hin zu seinem Entschluss, Terrorist zu werden.
Es ist ein illusionärer Rausch, der die Zuschauer folgen lässt
in humoristische Sphären, die man beim Lesen des Buches
als platte Drastik erfahren hätte, etwa wenn der Schilderung
vom Sex Dunjas mit Doyles Hund die Stimmung einer christ-
lichen Messe unterlegt wird. Die Klischees, die aus dem Text
auf die Bühne geschüttet werden, bleiben Klischees, aber
hier, im Theater, werden sie durch die Beschreibungen und
Gesten der Darsteller ironisch gebrochen, ist die Lust der
Übertreibung sinnlich, körperlich erfahrbar. Wo im Roman
hinter dem Sprachwitz sich ein Autor auf die Schenkel klopft,
sind es hier Figuren, die mit ihrem beschwörenden Spiel,
ihrem Flirt mit den Zuschauern, mit ihren Körpern dafür sor-
gen, dass sich mehr entzündet als ein Witzefeuerwerk, dass
Mitgefühl und Spannung entstehen. Immer wieder holt die
fein abgestimmte Dynamik der Inszenierung die Zuschauer
ganz nah heran an das Geschehen, in minutiöse Beschrei-
bungen, um sie dann wieder in das protokollarische Verlesen
der Ereignisse zu stoßen. Dabei finden diese Illusionen und
Explosionen nur auf den zwei Quadratmetern der Pritsche
statt. Vielleicht ist die Aufführung auch deshalb mehr als
Junk-Food und Kasperltheater, vielleicht ist sie deshalb ein
Erzähltheater, das maximal fesselt und ganz bei sich ist.
Und knallt.
vielleicht ist sie deshalb ein Erzähltheater, das maximal fesselt und ganz bei sich ist. Und knallt.

Kaltstart

vielleicht ist sie deshalb ein Erzähltheater, das maximal fesselt und ganz bei sich ist. Und knallt.
Disparate War da was? Scheiß auf den Terror: Sinnlichkeit „Sitz ich, die man nicht rief,
Disparate War da was? Scheiß auf den Terror: Sinnlichkeit „Sitz ich, die man nicht rief,
Disparate War da was? Scheiß auf den Terror: Sinnlichkeit „Sitz ich, die man nicht rief,
Disparate War da was? Scheiß auf den Terror: Sinnlichkeit „Sitz ich, die man nicht rief,
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DisparateWar da was? Scheiß auf den Terror: Sinnlichkeit „Sitz ich, die man nicht rief, die

War da was?

Disparate War da was? Scheiß auf den Terror: Sinnlichkeit „Sitz ich, die man nicht rief, die
Disparate War da was? Scheiß auf den Terror: Sinnlichkeit „Sitz ich, die man nicht rief, die

Scheiß auf den Terror:

Disparate War da was? Scheiß auf den Terror: Sinnlichkeit „Sitz ich, die man nicht rief, die
Disparate War da was? Scheiß auf den Terror: Sinnlichkeit „Sitz ich, die man nicht rief, die
Disparate War da was? Scheiß auf den Terror: Sinnlichkeit „Sitz ich, die man nicht rief, die

Sinnlichkeit

„Sitz ich, die man nicht rief, die Siebte!“ vertanzt russische Lyrik

die man nicht rief, die Siebte!“ vertanzt russische Lyrik Das Staatstheater Innsbruck zeigt eine Campingkomödie von
die man nicht rief, die Siebte!“ vertanzt russische Lyrik Das Staatstheater Innsbruck zeigt eine Campingkomödie von

Das Staatstheater Innsbruck zeigt eine Campingkomödie

von Clara Ehrenwerth

Innsbruck zeigt eine Campingkomödie von Clara Ehrenwerth „Der 11. September war ein positiver Tag für mich“,

„Der 11. September war ein positiver Tag für mich“, sagt Max. Er sagt das 2001, und er sagt das in New York. Ge- meinsam mit seiner Vorgesetzten, der Sekretärin Frau

Ge- meinsam mit seiner Vorgesetzten, der Sekretärin Frau von Alexandra Müller „Sitz ich, die man nicht
Ge- meinsam mit seiner Vorgesetzten, der Sekretärin Frau von Alexandra Müller „Sitz ich, die man nicht
Ge- meinsam mit seiner Vorgesetzten, der Sekretärin Frau von Alexandra Müller „Sitz ich, die man nicht
Ge- meinsam mit seiner Vorgesetzten, der Sekretärin Frau von Alexandra Müller „Sitz ich, die man nicht

von Alexandra Müller

Vorgesetzten, der Sekretärin Frau von Alexandra Müller „Sitz ich, die man nicht rief, die Siebte!“ ist

„Sitz ich, die man nicht rief, die Siebte!“ ist ein sperriger Titel für ein Tanzstück. Die Zeile stammt aus einem Gedicht der Lyrikerin Marina Zwetajewa. Sie berichtet darin vom Gefühl, unerwünscht zu sein, die Siebte an einem für sechs gedeckten Tisch zu sein. Ihre Gedichte werden nun (Regie: Hélène Harmat) in Körper übersetzt. Irina Vikulina, russische Tänzerin, und Andrea Christina Furrer, Schweizer Schauspielerin, werden zu den Polen von Zwetajewas Gedichten: Vikulina ist die aufbegeherende Seite. Ihr fast brutaler

Vikulina ist die aufbegeherende Seite. Ihr fast brutaler Tanzstil drückt den Körper oft unter großer
Vikulina ist die aufbegeherende Seite. Ihr fast brutaler Tanzstil drückt den Körper oft unter großer
Vikulina ist die aufbegeherende Seite. Ihr fast brutaler Tanzstil drückt den Körper oft unter großer
Vikulina ist die aufbegeherende Seite. Ihr fast brutaler Tanzstil drückt den Körper oft unter großer
Vikulina ist die aufbegeherende Seite. Ihr fast brutaler Tanzstil drückt den Körper oft unter großer
Vikulina ist die aufbegeherende Seite. Ihr fast brutaler Tanzstil drückt den Körper oft unter großer

Tanzstil drückt den Körper oft unter großer Kraftanstrengung in eine Richtung, sie schlägt sich, hält sich fest. Den Gegenpol bildet die vergeistigte Gestalt von Furrer, ihr welliges braunes Haar bewegt sich so zaghaft wie die Vortragende, mit sachlicher Stimme spricht sie die Gedichte. Videoprojektionen (von Realitäten Revue) unterstützen die Sinnlichkeit von Viruli- nas Tanz. Gerade wegen der Disparatheit aller Elemente und der einzelnen Gedichte fehlt der Zusammenhang von allem, es bleibt doch sper- rig. Doch auch wenn eine Mehr-Erkenntnis über die Lyrik Zwetajewas ausbleibt – der Abend bleibt als sinnliche Erfahrung im Gedächtnis.

– der Abend bleibt als sinnliche Erfahrung im Gedächtnis. Schmidt, ist der Praktikant dort auf einem
– der Abend bleibt als sinnliche Erfahrung im Gedächtnis. Schmidt, ist der Praktikant dort auf einem
– der Abend bleibt als sinnliche Erfahrung im Gedächtnis. Schmidt, ist der Praktikant dort auf einem
– der Abend bleibt als sinnliche Erfahrung im Gedächtnis. Schmidt, ist der Praktikant dort auf einem
– der Abend bleibt als sinnliche Erfahrung im Gedächtnis. Schmidt, ist der Praktikant dort auf einem
– der Abend bleibt als sinnliche Erfahrung im Gedächtnis. Schmidt, ist der Praktikant dort auf einem
– der Abend bleibt als sinnliche Erfahrung im Gedächtnis. Schmidt, ist der Praktikant dort auf einem
– der Abend bleibt als sinnliche Erfahrung im Gedächtnis. Schmidt, ist der Praktikant dort auf einem
– der Abend bleibt als sinnliche Erfahrung im Gedächtnis. Schmidt, ist der Praktikant dort auf einem
– der Abend bleibt als sinnliche Erfahrung im Gedächtnis. Schmidt, ist der Praktikant dort auf einem
– der Abend bleibt als sinnliche Erfahrung im Gedächtnis. Schmidt, ist der Praktikant dort auf einem
– der Abend bleibt als sinnliche Erfahrung im Gedächtnis. Schmidt, ist der Praktikant dort auf einem

Schmidt, ist der Praktikant dort auf einem Zeltplatz– der Abend bleibt als sinnliche Erfahrung im Gedächtnis. gestrandet: Für den Elften war ein Meeting

gestrandet: Für den Elften war ein Meeting geplant, das spontan verschoben wurde, und da die Firma Geld sparen muss, gibt’s in der Zwischenzeit keinen Hotel-, sondern einen Campingaufenthalt. „Koala Lumpur“, das Stück, das David Lindemann Ende 2001 verfasste, müsste inzwischen „Dobai“ heißen – titelgebend ist der Standort des damals noch höch- sten Bauwerks der Welt in falscher Schreibweise. Die Ignoranz, mit der die Figuren der richtigen Aussprache der Stadt begegnen, setzt sich auf allen Ebenen fort: Die Terroranschläge auf das World Trade Center, das führt der Autor auf Teufel komm raus vor, werden ausgeb- lendet, hier drinnen hat man andere Sorgen. Draußen regnet es seit Tagen – bei dem Sauwetter kann man eine Frau Schmidt nicht vor die Tür jagen, also wird drinnen umständlich in Töpfe gepinkelt beziehungsweise erst- mal lange darüber geredet, wie jetzt gleich in den Topfin der Zwischenzeit keinen Hotel-, sondern einen Campingaufenthalt. „Koala Lumpur“ , das Stück, das David Lindemann in der Zwischenzeit keinen Hotel-, sondern einen Campingaufenthalt. „Koala Lumpur“ , das Stück, das David Lindemann

mal lange darüber geredet, wie jetzt gleich in den Topf gepinkelt wird. Überhaupt gibt sich das
mal lange darüber geredet, wie jetzt gleich in den Topf gepinkelt wird. Überhaupt gibt sich das
mal lange darüber geredet, wie jetzt gleich in den Topf gepinkelt wird. Überhaupt gibt sich das
mal lange darüber geredet, wie jetzt gleich in den Topf gepinkelt wird. Überhaupt gibt sich das
mal lange darüber geredet, wie jetzt gleich in den Topf gepinkelt wird. Überhaupt gibt sich das
mal lange darüber geredet, wie jetzt gleich in den Topf gepinkelt wird. Überhaupt gibt sich das
mal lange darüber geredet, wie jetzt gleich in den Topf gepinkelt wird. Überhaupt gibt sich das

gepinkelt wird. Überhaupt gibt sich das Stück – und mit ihm die Insze-mal lange darüber geredet, wie jetzt gleich in den Topf nierung – wahnsinnig provokant, sobald es

nierung – wahnsinnig provokant, sobald es um Fäka- lien und Sex geht, doch der Umgang damit ist quälend prüde, vor allem in der Sprache („Ich habe eingekotet“), aber auch im Bild: Da wird das Saallicht hochgefahren, während eine Analsexszene vorgelesen wird – aber wenn hier einer rot wird, dann aus Fremdscham. Andere Einfälle sind origineller: Im Bühnenhintergrund passiert das, was sonst hinter der Bühne passiert – die Neben- darsteller unterhalten sich, ziehen sich um, präparieren einander für den Auftritt. Auch hat der Autor versucht, seiner Campingkomödie Diskursfähigkeit zu verleihen, indem er die Figuren ab und an über ihr Theaterbühnendasein und den Text, auf dem sie sich bewegen („eine äußerst abschüssige Text- fläche“), reden lässt. Da platzt runtergebrochene post- moderne Theorie ins Zelt, die aber weder als Symbiose noch als Erkenntnis funktioniert. Eine Komödie voller abgenudelter Witze wird – um es runtergebrochen zu formulieren – nicht lustiger dadurch, dass zwischen- durch jemand verkündet, dass dies eine Komödie voller abgenudelter Witze sei. Genauso wird ein Gespräch übers Pinkeln nicht spannender dadurch, dass es vor dem Hintergrund des 11. Septembers geführt wird. Und so ist „Koala Lumpur“ kein Stück, das eine harmlos all- tägliche Sprache vorführt und entlarvt – es ist ein Stück voller harmlos alltäglicher Sprache.

– es ist ein Stück voller harmlos alltäglicher Sprache. Fr. 23.07. | 20 Uhr | monsuntheater
– es ist ein Stück voller harmlos alltäglicher Sprache. Fr. 23.07. | 20 Uhr | monsuntheater
– es ist ein Stück voller harmlos alltäglicher Sprache. Fr. 23.07. | 20 Uhr | monsuntheater
– es ist ein Stück voller harmlos alltäglicher Sprache. Fr. 23.07. | 20 Uhr | monsuntheater
– es ist ein Stück voller harmlos alltäglicher Sprache. Fr. 23.07. | 20 Uhr | monsuntheater
– es ist ein Stück voller harmlos alltäglicher Sprache. Fr. 23.07. | 20 Uhr | monsuntheater
– es ist ein Stück voller harmlos alltäglicher Sprache. Fr. 23.07. | 20 Uhr | monsuntheater
– es ist ein Stück voller harmlos alltäglicher Sprache. Fr. 23.07. | 20 Uhr | monsuntheater
Fr. 23.07. | 20 Uhr | monsuntheater Liegt: Irina Vikulina. Foto: Alexandra Müller
Fr. 23.07. | 20 Uhr | monsuntheater
Liegt: Irina Vikulina. Foto: Alexandra Müller
Kein Verriss Der Kritiker sucht das Positive an „Die sieben Wege und das Weiß“ von
Kein Verriss Der Kritiker sucht das Positive an „Die sieben Wege und das Weiß“ von
Kein Verriss
Der Kritiker sucht das Positive an
„Die sieben Wege und das Weiß“ von Diasona
von Jan Fischer

Es gibt Tage, da sieht man haufenweise gute Stücke, darf aber nicht drüber schreiben, weil es jemand an- ders schon macht. und man selbst hat wieder nur die Nieten gezogen, Stücke, bei denen es noch nicht einmal tagesformabhängig ist, ob man sie verreißt oder nicht. Zwar liest sich ein guter Verriss immer wunderbar, und er zeigt auch immer mehr Kritikerkompetenz als ein himmelhohes Lob. Aber wenn man dann – also, der Kritiker – morgens vor seinem Computer sitzt und nur Negatives im Notizbuch stehen hat, dann wünscht man sich, man wäre unehrlich genug, sich die Dinge einfach schön zu lügen. Ist man aber nicht, darum müsste „Die sieben Wege und das Weiß“ der Performerinnengruppe Diasona jetzt eigentlich die volle Ehrlichkeit abbekommen, Angriffs- punkte gibt es genug, selbst, wenn man nicht den alten Waldorfschulenwitz mit dem Eurythmietanzen – eine der Performerinnen ist diplomierte Eurythmielehrerin – aus der Schublade holen möchte, weil dass ja nun auch ein bisschen billig ist. Vielmehr könnte man sich darauf kaprizieren, dass die drei Frauen alles versuchen, Gesang, Tanz, Sprechthe- ater, aber nichts davon so richtig zündet, vor allem aber auch nicht der angekündigte Grenzgang zwischen den Genres ist, sondern eher deren Verwurstung in lose verknüpften Assoziationsketten, deren Ausgangspunkt offensichtlich irgendwann mal das Märchen vom Wolf und den sieben Geißlein war. Die Performance selbst fällt an allen Ecken und Enden auseinander: Der Tanz zu aufgesetzt dramatischer Streicher-Filmmusik, die pseudointimen Bekennt- nisse zum Thema Verstecke und Verstecken spielen, die scheinbar persönlichen, aber dann doch tausend- fach gehörten Erzählungen zum Thema Eltern, der klischierte - aber dafür schön dreistimmige – Mut- ter-Song, in dem es um das tägliche, unbefriedigende Auf-und-Ab des Mutterdaseins geht, das offenbar hauptsächlich aus Putzen besteht. Wenigstens dazu, und das ist schön, findet man dann überraschend einen positiven Satz im Notizbuch: Den anwesenden Müttern gefällt’s. Na bitte. Geht doch.

man dann überraschend einen positiven Satz im Notizbuch: Den anwesenden Müttern gefällt’s. Na bitte. Geht doch.
man dann überraschend einen positiven Satz im Notizbuch: Den anwesenden Müttern gefällt’s. Na bitte. Geht doch.
man dann überraschend einen positiven Satz im Notizbuch: Den anwesenden Müttern gefällt’s. Na bitte. Geht doch.
man dann überraschend einen positiven Satz im Notizbuch: Den anwesenden Müttern gefällt’s. Na bitte. Geht doch.
Kaltstart
Kaltstart
Müttern gefällt’s. Na bitte. Geht doch. Kaltstart Das Gras ist krass “Das Hotel” ist ein Leseabend
Müttern gefällt’s. Na bitte. Geht doch. Kaltstart Das Gras ist krass “Das Hotel” ist ein Leseabend
Müttern gefällt’s. Na bitte. Geht doch. Kaltstart Das Gras ist krass “Das Hotel” ist ein Leseabend

Das Gras ist krass

“Das Hotel” ist ein Leseabend mit Gesangseinlagen. Naja.

von Khesrau Behroz “Das Hotel”, von und mit Matthias Bernhold, war nicht unerträglich. Unerträglich ist etwas, wenn man den Raum aufgrund astronomischer Unerträglich- keit verlässt. Wenn man einfach nicht anders kann, als sich der Unerträglichkeit hinzugeben und sich auffressen zu lassen vom Frust, vielleicht auch ein bisschen von der Wut. Unerträglich ist etwas, wenn es langweilt, unfassbar einfallslos ist, geradezu gro- tesk in seiner Nichtssagheit, so dass man nach einem Substantiv sucht, das eben dieses “nichts sagen” adäquat beschreibt. Unerträglich ist etwas, wenn man sich wünscht, ein technisches Problem würde auftreten oder ein Todesfall in der Familie und man müsste ganz schnell ganz weit weg. “Das Hotel” war nicht unerträglich. Aber wirklich verflucht, verflucht nah dran. Dabei ist gegen eine “musikalische Wintererzählung in Wort und Lied” eigentlich nichts einzuwenden, Entschleunigung tut auch im Theater mal gut. Es muss nicht alles vorbeirasen, es muss nicht überall Action sein, man kann auch einfach mal entspannen und lauschen: Bernhold saß das gesamte Stück über auf einem Stuhl, Gitarre in den Händen, Mikrofon an den Lippen, Loop-Maschine an den Füßen, Textblätter auf dem Tisch, schummriges Licht drumherum und ganz vorne rechts eine kleine Foto-Kiste, die alle paar Sekunden das Motiv wechselte und atmosphärische Bilder zeigte. Das war’s. Nur: Die Geschichte, in der “R”, die Hauptfigur der Er- zählung, laut Programmheft “mit sich selbst, seinen Erinnerungen, verpassten Chancen, seinen Träumen und Fragen konfrontiert” wird, war an Trivialität nicht mehr zu überholen. Da singt sich Bernhold vermeintlich die Seele aus dem Leib, singt von einer Wiese, die grün ist und von der Welt, die blau ist und später ist die Wiese blau und die Welt irgendeine andere Farbe, und das Gras ist krass und dann ist das irgendein kleines Mädchen, keine Ahnung, wie die sich da verirrt hat, und Bernhold singt dann von Missverständnissen und von Gott und von sich selbst, wie er nicht danebenstehen, dafür aber weiter, weiter, weitertanzen will. Und es ist so schrecklich, weil er so schön singt. Er spricht deutlich, betont die Enden, man hört ihm zu, so ist es nicht. Nur das, was er erzählt, ist das, was wir gemeinhin als unerträglich bezeichnen würden. Und Berhold singt am Ende:

“Wenn ich in diesem Augenblick über irgendeine Kunst verfügte, / ja, da würde ich dich entzücken.” Ja, das wäre schön gewesen.

diesem Augenblick über irgendeine Kunst verfügte, / ja, da würde ich dich entzücken.” Ja, das wäre
diesem Augenblick über irgendeine Kunst verfügte, / ja, da würde ich dich entzücken.” Ja, das wäre

Forever.Dein Festivalfreund

Rubrik Festival-Atmo. Heute: Über den Fotoautomaten vor dem Haus III&70

von Laura Naumann

Ein Abend. Kaltstart-Festival 2010. Hamburg. Das Haus III&70. Bierbänke. Grillstation. Sonnenstühle. Plansch- becken. Menschen und Biere. Und das Herzstück: Eine grüne Kabine mit braunen Leisten und einem Leucht- schrifthut. FOTOAUTOMAT steht da in roter Schrift und TOMATE A PHOTOS, was zum Beispiel Spanisch sein (tomaté ist der Imperativ von tomarse) und sowas be- deuten könnte wie: „Nimm Fotos!“, was ja Sinn machen würde. Fotos nehmen, Fotos machen, das Treiben am Automaten beobachten – das mach ich heute anstatt Theater. Ab 21 Uhr Begängnis. Fragen wie: „Steht ihr an oder wartet ihr auf eure Fotos?“. Während draußen die Fotos entwickeln (5 Minuten Wartezeit), können drin schon neue gemacht werden. Ich spreche zwei junge Frauen an. Sie haben sich lang nicht mehr gesehen und hier wiedergetroffen, ein Foto wäre nett. Beide sind Kul- turschaffende und entwickeln ein kleines Fotokonzept fröhlich und ironisch rund um die „Kulturfotzenbrille“ (siehe Kolumne S. 16). Als nächstes drei Hamburger Mädels. Sie wirken erfahren im Umgang mit dem Auto- maten, die Posen sind spontan, aber perfekt. Abgese- hen vom Streifen für die Festivalzeitung machen sie für jede der drei einen. Eine Frau erzählt, gestern habe sie da drin einen kleinen Strip hingelegt (Brille aus, Schal aus, Bluse auf) - als Geburtstagsgeschenk für ihren Freund, man liebt sich ja, aber manchmal vergisst man eben Geschenke. Ich lerne auch, dass es besonders wit- zig ist, wenn viele Leute in der Kabine sind und zwischen den einzelnen Blitzen immer rein und raus rennen. Für garantiert ungestellte Aufnahmen, wir haben das in der Redaktion getestet. Partyspaß und Momentaufnahmen to go. Was Besse- res kann es auf einem Festival nicht geben. Euphorie, Liebe, Sekunden konservieren in zeitlosem Schwarz- Weiß, hinter einem Vorhang, der nur die Beine sehen lässt, in einer Kapsel, bei der man sich sicher ist, dass sie nicht zurückguckt. Als später schon die Tische rund um das Haus III&70 eingeklappt werden, setzt sich ein älterer, kaum bekleideter Mann in die Kabine. Er trinkt in aller Ruhe ein großes Glas Milch. Dann dreht er sich eine Zigarette. Sein Hund friedlich zu seinen Füßen. Als er fertig ist, tritt er aus der Kabine und erzählt der Kellnerin, dass er seine Orgel verkaufen muss, weil er an den Bodensee fährt und noch nicht weiß, wann er wiederkommt. Dann bringt er sein Milchglas zurück zur Bar, holt den Hund und sein Fahrrad und zusammen verschwinden sie auf dem Schulterblatt.

zurück zur Bar, holt den Hund und sein Fahrrad und zusammen verschwinden sie auf dem Schulterblatt.
zurück zur Bar, holt den Hund und sein Fahrrad und zusammen verschwinden sie auf dem Schulterblatt.
KFZ Szene
KFZ
Szene
zurück zur Bar, holt den Hund und sein Fahrrad und zusammen verschwinden sie auf dem Schulterblatt.
Check Dein Schicksal LÖWE Deine Sterne scheißen diese Woche auf dich. Verlass am besten gar

CheckDein Schicksal LÖWE Deine Sterne scheißen diese Woche auf dich. Verlass am besten gar nicht

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Dein

Schicksal

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LÖWE Deine Sterne scheißen diese Woche auf dich. Verlass am besten gar nicht erst das
LÖWE
Deine Sterne scheißen diese Woche auf dich. Verlass am besten gar nicht erst
das Haus. Außer am Sonntag - da wirst du auf die Abschiedsparty gehen und
die Liebe deines Leben kennen lernen.

JUNGFRAU

gehen und die Liebe deines Leben kennen lernen. JUNGFRAU Du bist ein eher rationaler Typ, der

Du bist ein eher rationaler Typ, der gerne die Kontrolle hat - denkst du! Genau wie andere denken, dass Schluckauf von Handstand weggeht. Haha! In Wahrheit ist es so, dass deine Natur das Wilde anzieht. Ein Theaterfestival ist der richtige Ort, um geheime Wünsche auszuleben. Schau, was sich hinter dem Vorhang des Fotoautomaten oder in den Toilettenkatakomben des Haus III&70 verbirgt. Abenteuer warten auf dich! Zum Beispiel bei der Abschluss- party am Sonntag, wo du die Liebe deines Lebens treffen wirst.

WAAGE

Sonntag, wo du die Liebe deines Lebens treffen wirst. WAAGE Du willst unglaublich wissend und schrecklich

Du willst unglaublich wissend und schrecklich einsam werden? Du bist auf einem guten Weg! Aber macht dich das wirklich glücklich? Warum entspan- nst du nicht den Diskurs und haust mal richtig auf die Kacke - zieh dir was Scharfes an, entere den Tanzflur und let the beat control you now. Am Sonntag wirst du auf die Abschiedsparty gehen und dort die Liebe deines Lebens treffen.

SKORPION

gehen und dort die Liebe deines Lebens treffen. SKORPION Als Meister/Meisterin des Slapsticks wirst du heute

Als Meister/Meisterin des Slapsticks wirst du heute zufällig auf einer Banane ausrutschen und als einzige/r darüber lachen. Deine Freunde werden sich daraufhin von dir abwenden und dir heißes Wasser ins Gesicht kippen - du bist ihnen einfach zu peinlich. Obacht also, dass du nicht auch noch deine Familie verlierst! Am Sonntag wirst du auf die Abschiedsparty gehen und die Liebe Deines Lebens kennen lernen.

gehen und die Liebe Deines Lebens kennen lernen. SCHÜTZE Du könntest eine gute Zeit haben, es

SCHÜTZE

Du könntest eine gute Zeit haben, es liegt ganz bei dir. Raff dich auf und geh ins Theater! Am Donnerstag zum Beispiel läuft „Pimper my City, du Noma- densau!“, das wäre bestimmt was für dich. Also los, wirf deinen Poncho über und ab ins Haus III&70. Aber pass auf, dass dir die Nachbarn währenddessen nicht das Klowasser klauen. Am Sonntag wirst du auf die Abschiedsparty gehen und dort die Liebe deines Lebens treffen.

STEINBOCK

gehen und dort die Liebe deines Lebens treffen. STEINBOCK Herzlichen Glückwunsch! Du hast das gleiche Sternzeichen

Herzlichen Glückwunsch! Du hast das gleiche Sternzeichen wie Michelle Obama, DJ Ötzi, Guido Westerwelle und Elvis. Mit solchen Firestartern an deiner Seite kann dir nichts passieren. Setz das nicht aufs Spiel! Höchstens am Sonntag. Da wirst du auf die Abschiedsparty gehen. Mal sehen, was da passiert. Punktpunktpunkt, Zwinkerzwinker.

Kaltstart

Wie wird deine letzte Festivalwoche? Was steht in den Sternen? Wird das Glück dir hold sein? KFZ-Astrologin Dr. Evelyn Evelyn hat alle Antworten für dich.

WASSERMANNDr. Evelyn Evelyn hat alle Antworten für dich. Ab in den Pool mit dir! Du bist

Ab in den Pool mit dir! Du bist dank Neptun und Sonne total aggressiv und pöbelst im HausIII&70 rum, etwa wenn jemand Größeres vor dir sitzt. Sorge für regelmäßige Abkühlungen, um deiner Umwelt nicht zur Belastung zu wer- den. Zum Wochenende hin wird aber alles gut: Am Sonntag wirst du auf die Abschiedsparty gehen und die Liebe deines Lebens kennen lernen.

FISCHEgehen und die Liebe deines Lebens kennen lernen. Du hast mir die Suppe versaut, mit dem

Du hast mir die Suppe versaut, mit dem Salz deiner Tränen, Loser! Bitte geh zurück in deinen Dungeon. Am Sonntag wirst du auf die Abschiedsparty gehen und dort die Liebe deines Lebens treffen.

WIDDER

gehen und dort die Liebe deines Lebens treffen. WIDDER Bist du dir sicher, dass du ihn/sie

Bist du dir sicher, dass du ihn/sie willst? Nicht in Wirklichkeit seinen/ihren Bruder/Schwester? Denk lieber nochmal drüber nach. Schließlich ist ein Franzbrötchen keine Zimtschnecke und ein Steak kein Schnitzel. Du solltest genauer werden. Am Sonntag gehst du auf die Abschiedsparty und triffst dort die Liebe deines Lebens.

STIER

und triffst dort die Liebe deines Lebens. STIER Verzeihe deiner Mutter, das mit dem Weggeben war

Verzeihe deiner Mutter, das mit dem Weggeben war nicht erst gemeint. Und Drogen sind eine schlechte Sache, das kann man an dir eindrucksvoll sehen. Go for change! Am Sonntag wirst du auf die Abschiedsparty gehen und die Liebe Deines Lebens kennen lernen.

gehen und die Liebe Deines Lebens kennen lernen. ZWILLINGE Heute wirst du eine größere Geldmenge auf

ZWILLINGE

Heute wirst du eine größere Geldmenge auf der Straße finden. Du gibst die natürlich nicht zurück, weil du ein ungerechter Typ bist. Astrologisch gesehen wirst du das auch bis an das Ende deines Lebens bleiben. Es sei denn, du liest Marx. Dann wirst du noch arm dazu. Das Leben ist eine Zwickmühle! Am Sonntag wirst du auf die Abschiedsparty gehen und die Liebe deines Lebens kennenlernen.

gehen und die Liebe deines Lebens kennenlernen. KREBS Der Mars steht im Odysseus und die Venus

KREBS

Der Mars steht im Odysseus und die Venus im Hölderlin – perfekte Vorausset- zungen für mega-intensive Theatererlebnisse. Lass dich aber nicht von deiner zaghaft diplomatischen Art daran hindern, bei schlechtem Zeug ordentlich mit Eiern zu werfen. Ist zwar asi, bockt aber total! Am Sonntag wirst du auf die Abschiedsparty gehen und die Liebe deines Lebens kennen lernen.

zwar asi, bockt aber total! Am Sonntag wirst du auf die Abschiedsparty gehen und die Liebe

Woody Allen, alte Poptranse!

von Stephanie Drees

KFZ Kolumne: Affektierte Effekte V
KFZ
Kolumne:
Affektierte
Effekte V

Es war im gleißenden Licht, in einem kleinen Raum. Die Gesichter der Menschen auf der Bühne hatten sich grade wieder zu ihrem natürlichen Ausdruck gemorpht, als eine Reihe hinter mir ein junger Mann eine Erleuchtung hatte: „Das ist die Darstellerin von gestern!“ Eine junge Frau erhob sich aus ihrem Stuhl, deren zartes Gesicht von zwei Glasbausteinen geziert wurde, dick umrandet und mit viel Horn, ein Bild, als würde man der Mona Lisa das Gesichtsfahrrad von Austin Powers aufmalen. Tatsächlich, sie war es. Auch in meinem Hippocam- pus klingelte es. Woraufhin mein Hintermann, die Inkarnation der Lifestyle-Weisheit, den alles ent- scheidenden Satz brachte: „Ich sag‘s ja. Brille schlägt Rasse.“ Die Brille als kleinster gemeinsamer Opti- knenner, charakterisierender als die Hautfarbe? Nicht jedes Gestell taugt zu dieser Verwandlung: Die Nerd- brillle, einst Label der Hochwasserhosen tragenden Physik-AG-ler, ist dazu eindeutig besser geeignet als andere Modelle. Die gläsernen Fenster zu Welt, sie werden zum Schlüsseleffekt in der persönlichen Per- sönlichkeitsinszenierung, zum verbindenden Element für die Szene: Wer den Hornbrillen-Streber auf der Nase hat, gehört zu den Menschen, die nicht nur mo- debewusst sind, sondern auch wissen, dass ein Trend, der in sich schon ironisch gebrochen ist, die ganze restliche Arbeit erledigt. Denn als analoge, digitale, loyale oder auch nur orale Bohème nicht nach einem

ironischen Bruch innerhalb der eigenen outward appearance zu suchen, ist mindestens so oberfläch- lich und fahrlässig wie zeitgeistjournalistisch zu be- haupten, dass es diese Bohème gibt und die dann auch noch irgendwas ironisch brechen muss. Doch es soll hier nicht auf Visagen-Gentrifizierung rumgehackt werden, wir wollen in dieser Rubrik den Dingen tiefer auf den Grund gehen. Wird die Brille erst zu einem Mythos des Alltags, dann wird sie vom stummen zum sprechenden Gegenstand. Einem, der über seine Funktion hinausweist. Was sehen wir, wenn wir die Nerdbrille sehen? Re- cherchen führen über grunzende Serien-Helden wie Steve Urkel zum Übervater des Mythos: Woody Allen. Der hatte laut seriösen Quellen wie der „GQ“ schon immer das Problem, dass er für intellektuell gehalten wurde, nur weil er diese dunkle, hornige Umrandung um die Augen hatte. Die Brille wird zu einer Verklei- dung, an die bestimmte Persönlichkeitsattribute geknüpft sind. Nur: Sind es immer die erwünschten? Was würde passieren, wenn ich – weiblich, Löwen- mähne, gänzlich unintelligent aussehend – eine tra- gen würde? „Wenn du eine von diesen Brillen aufsetzt – ganz klare Assoziation: Woody Allen mit langen Haa- ren.“, beantwortet mein Guru die Frage. Brille schlägt offenbar sogar Geschlecht. Woody Allen als Urvater der Poptransen? Na ja: Eine Neurose mehr, was macht das schon.

IMPRESSUM

Die Festivalzeitung KFZ zum KALTSTART HAMBURG 2010 wird herausgegeben vom Kaltstart e.V.

Redaktion: Khesrau Behroz, Jan Berning, Stephanie Drees, Clara Ehrenwerth, Jan Fischer, Alexandra Müller, Laura Naumann, Jan Oberländer (V.i.S.d.P.), Johannes Schneider.

Titelfoto: Jan Fischer

Gestaltung: www.kirschcake.net.

Auflage: 500.

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