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VERGLEICHENDE

G R AM M A T I K

DER

SLAVISCHEN SPRACHEN

VON

FRANZ MIKLOSICH.

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ZWEITER BAND

S T A M M B I L D U X G .S L E 11 K E.

WIEN, 1875.

W 1 E H E L M B R A U M Ü LEER

K. K. HOF- UND I^NIVERSITÄTSBUCIIHÄNDLKK.

YEEGLEICHENDE

STAMMBILDUNGSLEHRE

SLAVISCHEN SPRACHEN

VON

FRANZ MIKLOSICH.

HERAUSGEGEBEN MIT UNTERSTÜTZUNG DER KAISERLICHEN

AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.

-^-

WIEN, 1875.

WILHELM B R A U M U L L E ß

K. K. HOF- UND UNIVERStTÄTSBüCHHÄNDLKli.

EINLEITUNG.

/.

_LJie. form jener icörter, icelclie von lourzeln oder primären

verhen stammen, icircl wie in allen indoeuropäischen sprachen so auch

im slavischen wesentlich durch den vocal bestimmt : boj ßagellum für

boj-Tj aus hl ferire; kov-t quod cuditur aus kü cudere ; ves-'L sta-

tera aus vis pendere; kvas-'L fermentum aus kfts acescere ; eben so pozin-a metere iterativ von ztn meiere durativ. Aus dem angeführten

erhellt, dass auch d e r umstand eine rolle spielt, ob der vocal im aus-

oder im inlaute steht.

Aus diesem gründe habe ich alle icurzehi und

pnmären verba in zwei kategorien geteilt, in die kategorie der vocalisch und in die der consonantisch auslautenden thevien. Jede kategorie

zerfällt nach dem vocal in mehrere classen,

die durch die hier auf-

geführten Verbalthemen repraesentiert icerden: I. 1. da. 2. pi. S. du.

4. stl.

o. br.

6. de.

7. by.

//. 8. päd.

9. ziv.

l'l. mog-. 1'^. dtm. 14. cvLt. 16. vl-ik, 16. vri,g-.

10. bljiid.

17 . beg-.

11. nes.

18. gryz.

19. zeb.

gründe

bljüd, dum,

undj gryz,

20. gad.

Führt man diese verbalthemen auf die ihnen zu

du,

bü,

ziv,

liegenden wurzeln zurück, so erhält man pi,

cvit

woraus sich ergibt,

und grüz für pi, du, by, ziv, bljud, dtni, cvbt

dass die classen 3 und 7,

9 und 14,

10, 13 und 18 zusammenfallen. Gegen diese einteilung der themen, die sich in der bildung der nominal- und der verbalstämme bewährt, ja in

dieselbe erst licht und Ordnung bringt, wird vielleicht principiell keine

einwendung erhoben werden : berichtigungen einzelner ansätze werden

selbstverständlich durch diese annähme nicht ausgeschlossen. Diese ein- teilung beruht wesentlich auf demselben princip wie Grimm's einteilung

der sogenannten starken verba. Einem proteste wird jedoch, das sehe

ich voraus, von mehr als einer seite die aufstellung von wurzeln wie

stl, br, vik, vrg^ begegnen. Ich sehe mich daher genötigt, meine diesen wichtigen punkt der slavischen lautlehre betreffende ansieht zu begründen,

VI

cinlcitung.

iccnn auch eine vorrede nicht der ori ist für eine erschöpfende dar-

stellanfj dieser materie.

Ich icill die yründe darleijen, icarum ich hei

einer vor decennien auscjesprochenen mehr cds einmal bekämpften oder

einfach zurUck'gewiesenen ansieht beharre.

Wenn ich die icörter asl. zavoi"B, zavora vectis, veriga catena, zavirati, zavreti claudere prüfe, um die ihnen zu fjrunde liegende

Wurzel zu (jeuinnenj so finde ich als solche vr. Dahei richte ich meine blicke nur auf das slavische und verfahre nach den lautfjesetzen der

slavischen sprachen, da ja, wie von den meisten forschem zugegeben wird, vorläufig wenigstens, icurzeln für jede einzelne der indoeuro-

päischen sprachen angesetzt werden müssen. Und wenn ich die Wurzel

von gTom-L tonitru, g-rimati, gr-Lineti tonare suche, so kann ich nur

grm als solche anerkennen.

h\,

wie kov-'t,

d. i. k-o-ü-i.,

Gerade so wie hoyT^. d.

i. ])-o-i-'L,

aus

aus kü,

entsteht vor-t, d. i. v-o-r-i.,

aus vr, entsteht, nach dem gesetze der slavischen lautfolge, groin-i.,

d. i. gr-o-m-T., für ein nach v-o-r-ii vorauszusetzendes g-o-rm-Tb, aus

Damit steht das aind. im schönsten einklange : icie bhaj-a, d. i.

d. i. pl-a-u-a, das

schwimmen, scJtwimmend, hoot aus plu, so Eitsteht var-a, d. i. v-a-r-a,

bh-a-i-a, furcht aus bhl fürchten, wie p)lava,

grm.

das hemmen,

aus der icurzel vr, die vr und, vri geschrieben wird; so

krit

entstellt auch kart-a,

d.

i.

k-a-rt-a, grübe,

loch

aus krt,

krt,

schneiden, spalten. Die in ihrem ziele auch nach Bopp's scharfsinniger

deutung geheimnissvolle Steigerung der wurzel erfreut den forscher in

wohltuendster art durch eine durchsichtigkeif, die nichts zu wünschen

wird stets mit dem einfachsten mittel, durch ein-

schaltung eints vocals bewirkt. Die lehre vom guna und vrddhi, die

uns einen blick verstattet in die werkstätte des unergründlichen .sprach-

geistes, ist eine der bewunderungswürdigsten entdeckungen des indischen

Ich weiss sehr wohl, dass die europäische, vor allem deutsche

genius.

übrig lässt.

Sie

Sprachwissenschaft in diesem punkte die ihr von der indischen gram- matik gewiesenen pfade verlassen hat, dass sie bhaja und plara von

vara und karta trennt,

dass sie für bhaja bhi, für ]}lava plu als

Wurzel u))d die

einschaltung des vocals a gelten lä.sst,

dt(ss

sie je-

doch vara und karta

von.

den

wurzeln var und kart, nicht von vr

und krt ableitet, wodurch allerdings nacJi Pott's ansieht ,die theorie

vnJd.lil durch vorschieben von a und ä

über bildung

vor den zu steigernden vocal mindestens einen schweren stoss erhält,

wenn sie nicht gar hierdurch ganz über den häufen fällt.'

von guija

und

Es sind

mir die gründe nicht unbekannt, auf welche die Sprachforscher ihre

Ich bekenne jedoch, dass ich

ablehnung der indischoi theorie stützen.

einleitung.

VII

durch diese (jründe in meiner ilherzeugung nicht icankend gemacht,

sondern vielmehr hei der prüfung derselben in meiner ansieht nur

bestärkt worden bin.

Man meint vor allem, die icurzel müsse aussprechbar sein. Ich will diese f orderung zugeben : die unaussprechbarkeit von ivurzeln wie

vr, krt scheint die von der indischen theorie abweichende ansieht der

Ich muss jedoch

heutigen Sprachforscher vor allem zu, rechtfertigen.

in abrede stellen, dass die wurzeln vr, krt unaussprechbar seien. In dieser hinsieht ist folgendes wesentlich: Unter allen consonanten sind

r und l die einzigen,

die

ohne beihilfe eines vocals eine silbe bilden

können.

Diese consonanten können ferner in den Wörtern, in denen

sie silbenbildend auftreten, gerade so ivie vocale kurz oder lang ge-

Es ist demnach leicht erklärbar, dass die altindischen

sprochen werden.

grammatiker diese consonanten in denjenigen fällen, luo sie eine silbe

bilden, als

zeichnet werden.

vocale ansahen und dass sie in der schrift als solche be-

Dass sie keine vocale im physiologischen sinne des

icortes, sondern wahre consonanten sind, bedarf keines beweises, dessen- ungeachtet kann man sich des aus der indischen grammatik bekannten ausdruckes ,vocalisches r und l' bedienen. Halhvocale sind sie nicht,

da das

voccdische r und l zu dem

dem Verhältnisse

steht icie i zu j,

des zitterlautes r und

des l-lautes

consonantischen r und l nicht in

wie u zu v.

Dass diese eigenheit

in den werken über ph/jsiologie

der sprachlaute nicht hervorgehoben wird die erwähnung derselben

fehlt auch in Brücke's allgemein bekanntem buche erklärt sich

daraus, dass die aufmerksamkeit der phijsiologen bisher nicht auf diese der mehrzahl der sprachen unbekannte eigentümlichkeit des r und l

gelenkt worden ist. Vocalisches r und l wird anerkannt in Rumpelt's

schrift: Das natürliche System der sprachlaute. Halle, 1869, seile 53. r und l treten als silbenbildend auf im cechischen: trn dorn, vlk

wolf: das slovakische, das als ein dialekt des cechischen angesehen

wird,

kennt auch ein langes silhenbildendes v und \, namentlich im

plur. gen. der a-stämme : srn, vlu, mit langem r und 1, im gegensatze

zu

Im serb. kann jeder vocal ganz kurz, kurz und lang, sehr

lang, daher auf viererlei art ausgesprochen icerden : dasselbe gilt von

Seite 4SI.

srna reh,

vlua icelle,

mit kurzem v und 1.

Vgl. Grammatik 1.

Y,

daher brdo collis, brkat barbatus,

Lrza cita,

bfz citus.

Vgl.

Grammatik 1. seite 817. Auch im neuslovenischen unterscheidet man

langes und kurzes r: cru niger, mit langem, grd foedus, mit kurzem v.

Die übrigen slavischen sprachen kennen kein silbenbildendes v und 1.

Silbenbildendes r findet sich ferners im armenischen, wie man sich

VIII

einleitun^.

aus der misqyrache rjehorner Armenier nherzeugen kann: srskich asper- soriiim. mrnclnun (jemurmeL mrclun ameise. Dasseihe findet sich im

grusinischen: drtola. Ja seihst dem deutschen ist silbenhildendes r idhI

in hadern und handeln werden, so weit ich die

l nicht fjanz fremd :

ausspräche beobachtet habe und Schleicher ist derselben ansieht

die silben dei'n und dein ohne e oMsgesprochen und ein Ceche uürde

beide Wörter notwendig hadrn und handln schreiben: zwischen dem

deutschen und dem slavischen findet nur der unterschied statt, dass im deutschen diese ausspräche des r und l nur in tonlosen silben, im

slavischen dagegen sowohl in betonten als auch in tonlosen silben ein-

treten kann.

Was folgt aus dem gesagten^ unmittelbar, dass einige

indoeuropäische Völker vr und krt ohne vocal aussprechen können.

Diese erkenntniss dürfte geiiügen

um

die wurzeln vr und krt dem-

jenicjen annehmhar zu machen, der ihre existenz blas desswegen in

abrede stellt, weil er sie für unaussprechbar hält.

Man fordert spreclibarkeit nach den lautgesetzen der indoeuro-

päischen Ursprache. Allein diese lautgesetze sind nur atis den laut- gesetzen der indoeuropäischen sprachen zu erschliessen und wie verschieden

ist

der grad der herrschaft

der einzelnen Völker über ihre sprach-

werkzeuge ! wie vieles kann der liomane nur mit anstrengung hervor-

bringen, was dem Deutschen keine Schwierigkeit bereitet! gefiel es doch

dem Italiener Angelo Mai von erschreckender barbarei selbst des

wie strengt sich der Franzose an um etwa

gotischen zu sprechen!

,plätschernd^ hervorzubringen! Allerdings dürften in dieser hinsieht

einige slavische Völker in Europa den ersten platz einnehmen und nur

wenigen Völkern der erde weichen: serb. cvrcka, nach Brücke ts/vi-

tsykti, sing. gen. von cvrcak, name eines insectes; cech. skvrknouti

zusammenschrumpfen, sind ganz geeignet zur prüfung der leistungs-

fähigkeit der sprachwerkzeuge zu dienen, v.p, -fK, Op; sind denniach vom allgemein indoeuropäischen stand.punkte keine lautungeheuer, wohl

aber halte ich kn, dv für unaussprechbar.

Man kann jedoch zugeben, dass vr xmd krt der ausspräche keine

unüberwindUchen Schwierigkeiten entgegensetzen; man kann sogar ein-

rätimen, dass aind. vr, krt ohne vocal gesprochen wurden, und doch be-

haupten, als wurzeln seien var und kart anzunehmen, aus denen in

bestimmten fällen durch zusammenziehung vr und krt entstehen können.

So erkennt Bopp , Accentuationss//stem 206, ausdrücklich an, dass

r auch ohne einen vorangehenden oder folgenden vocal ausgespro-

chen werden,

und lehrt,

dass

der got.

sing. gen.

und dat. hmtltrs,

bröthr mit dem aind. bhrrdybhjas verglichen werden könne; derselbe

ciiileitung.

IX

scheint demnach zuzugehen, dass hhräfhrhhjas nicht icie bhratrihjas zu

sprechen sei, i mag noch so kurz gesproclien werden. So lehrt Schleicher,

Compendium seite 17 : ,r und l lauten als vocale etwa so, wie in unseren

Worten hadern, handeln das mit unhörbarem e gesprochene er und el'.

Dessen ungeachtet erkennen Bopp und Schleicher als wurzelformen mir

var und kart an. Der indogermanischen Ursprache ist nach Schleicher

vocalisches r fremd.

Die lehre nun, dass die icurzeln, icelche die in-

dischen grammatiker mit r schreiben, mit ar geschrieben icerden sollen,

ist von Bopp begründet worden, der vocalisches r und l zuerst 1833 und

dann 1857 in der vergleichenden grammatik, seite 1 6, 1836 in der

schl'ift über den vocalismus, seite 157 193 undj 1854 im vergleichen-

den accentuationssijstem, Seite 2 4, 207. 208, behandelte.

Statt der

von indischen grammatikern angenommenen wurzelform bhr sei bhar aufzustellen, woraus bhartas und aus diesem durch Unterdrückung des

a bhrtas entstand, das bhritas auszusprechen sei.

Diese ansieht be-

gründet Bopp durch vergleichung von bhrtn mit dem griech. 9£pT0 in

ifcpspTOc,

von strnömi

mit

ffiipvuj;.'.,

von mrta mit dem lat. mortuu,

von strnümi mit sterno u. s. w. Es wird also daraus, dass griechisch

und lateinisch vocalisches r durch er, or ersetzen, geschlossen, dass

dem altindischen ursprünglich vocalisches r gefehlt habe und bhartas

gesprochen ivorden, demnach die wurzel bhar geivesen sei.

Diesen

indem ich der meinung hin, dass es

schluss Jmlte ich für unrichtig ,

ebenso möglich ist, dass ein volk, dem vocalisches r in der ausspräche

Schwierigkeiten bereitete, sich die ausspräche durch einschaltung eines

e,

o erleichterte, gerade so wie heutzutage das nsl. crna prst, name

eines berges in Krain, im munde von Deutschen und Italienern cerua

Aus dem griechischen und lateinischen lässt sich dem-

vocalisches r im alt-

indischen ein irgendwie berechtigter schluss ziehen. Bopp lässt auch die asiatischen glieder des indoeuropäischen sprachstammes ins feld

rücken. Er führt für seine ansieht das altpersische barta an, das

altindischem hhrta gegenüberstehe und gegen vocalisches r zeuge. Der

schluss ist aus dem oben angegebenen gründe nicht richtig. Wenn aber Bopp das altpersische ak'unaus er machte aus^akarnöt für alt-

indisches akpiöt dadurch entstanden glaubt, dass ursprüngliches

a zu. u geschwächt und r ausgefallen sei, so ist dagegen einzuwenden,

dass das altpersische die lautfolge ar und consonant, wie barta zeigt,

nicht meidet, dass es demnach natürlicher ist, sich die entstehung von

ak'unaus so vorzustellen, dass u an

perst lautet.

nach weder für noch gegen ursprüngliches

die stelle des vocalischen r ge-

treten, ein Vorgang, der uns in den späteren indischen sprachen oft

gemifj her/egnet.

ciiilcitun"

Auch dem althaktrisclien ist vocalisches r fremd.

Es icird am (jeicöhnUchsten durch ere ersetzt, das nach Bopp's av-

sicht aus ar dadurch entstanden ist,

dass a zu

c (jeschuächt

und

hinter dem r ein e eingefügt icard, icäJirend nach Burnonf's ansieht

das vocalische r unmittelhar durch ere ersetzt icard.

Die frage,

welcher von beiden ansichten der Vorzug zu gehen, oh nämlich ahktr.

perena,

wie Bopp will,

aus alnd.

'^parna für pürna, oder, wie

Burnouf dafür hält, aus alnd.

*prna entstanden sei,

lässf sich

nicht mit Sicherheit heantworten, und so gehört auch das althahtrische

die eine noch die andere

zu jenen sprachen,

auf die

sich

weder

partei für sich berufen Jcann.

Das prdi'sche Jcasi erklärt Bopp

,unbedenklich' aus dem im alnd. als ältere form für hrsi das pflügen

vorauszusetzenden karsi durch ausfall des r. Das pcdi, meint Bopp, besitzt kein vocalisches r , es stützt sich in dieser beziehung auf einen

älteren sprachzustand, als derjenige ist, den wir im klassischen sans-

krit und im veda-dialekt vor iins haben. Nach Burnouf und Lassen ist dagegen in hasi a unmittelbar an die stelle des vocalischen r ge-

treten.

]\'enn man päli mit dem altindischen in umfassenderer iceise

vergleicht, so überzeugt man sich, dass

dreifache weise ersetzt wird:

I. durch i,

das alnd. voccdische r auf

IL durch u, IIL durch a.

L grlfin hausvater: gihin. rSi seher:

isi.

dys sehen:

dis.

trpta ge-

sättigt: titta u. s. w.

IL mrdu weich: mudu. nirvrta ruhig: nibbuta.

prc^hati er fragt : pucchati.

rgu gerade :

u.

s.

IC.

III. amrta unsterblich : amata.

nlju.

rvtti benehmen : vutti

gyha haus :

gaha.

hrdaja

herz: hadaja. hipana geizig: kapana. krta gemacht: kata. prcd^rti

natur : pakati.

smrti erinnening : sati.

vrka wolf:

vaka u.

s.

ic.

Bopp muss consequent sagen,

isi entstehe

aus einem

älteren arsi

durch

ausfall des r und Schwächung des a zu i, nibbuta aus einem

älteren nlrvarta durch

ausfall des r und Schwächung des

a zu u.

Dass

liopji's

fhfoi'ie

unricJifig

ist,

siiltt

man,

wenn man sich die

frage beantwortet, wie altindisches ar ersetzt wird,

denn

da sieht

man,

dass

sich

a erhält

und r dem. nachfolgenden consonanten

assimiliert u-ird: ardha ludb : addha, addha. darpana Spiegel: dap-

panä. dharma recht: dhamma. karjxlsa baumwollenzeug: kappäsa.

karsati er pflügt: kassati. vardhate er wächst:

vaddhati u.

s.

ic.

Wir sehen daraus, dass isi nicht aus arsi, nirvrta nicht aus nirvarta

entstanden sein kann, da diese worte in diesem falle wohl assi, nib-

batta lauten würden.

Welche formen soll man nun für isi, nibbuta,

amata voraussetzen ? sollen wir uns wohl bei dem Vorhandensein von

rsi , nirvrta, amrta auf die jagd nach irgend welchen mUglichkeiten

einleitung.

XI

begehen f ist es niclit naUirlicli, hei rsi, nirvrta und amrta stehen zu

bleibe)} und zu sagen, dass in den päli-formen das vocalisclie r durch

i,

u

oder a

ersetzt wird.

Der für r eintretende

vocal hängt , icie

ein blick auf die verglichenen formen lehrt, von seiner Umgebung ab.

Vgl.

E. W.

A. KiJm, Beitrüge zur 'pali-grammatik. Berlin 1875,

Seite 12 llj. 48. 49.

zu erklären,

Die jphysiologen scheinen in der läge zu sein

wie es kömmt, dass, wenn nach dem außwren des vi-

brierens der zunge ein vocal entstehen soll, nach massgabe des voran-

gehenden lautes i, u, a sich bilden kann, das erste z. b. nach t, das

zweite nach v,

das dritte nach k. Von notwendigkeit ist hiebei keine

rede.

sollen scheint, denke ich hiebei nicht.

An den stimmton,

der in

der

lautlehre eine

rolle spielen zu

Anders stellt Benfey den Vor-

gang dar:

nach ihm

weiteres

das r ein:

icard r

rsi (risi)

(rij

zuerst

vi und

büsste

ward risi iind dieses isi;

dann ohne

oder r (ri)

ward ri, astiimilierfe erst r einem vorhergehenden consonanten und,

büsste es dann ein: krcchra, (kricchra), kricchra, kkiccha, kiccha.

Göttinger gelehrte anzeigen 1875. seite 203.

Ich brauche

bemerken, dass mir auch diese ansieht unrichtig scheint.

nicht zu

Auch im

präkrit sind die reflexe von r und ar verschieden, icoraus, wie beim

päli, geschlossen werden muss, dass für die präkrit-formen gleich-

falls vocalisches r neben ar vorausgesetzt

wird, r geht wie im päli

regelmässig in einen vocal, nach massgabe seiner Umgebung, i, u oder a über, während von ar der vocal sich erhält, r dagegen dem folgen-

den consonanten assimiliert wird. I. hrdajam herz: hiaam. kjyä mit-

kivä. krsi das pflügen: kisi. krti tat: ki'i. aus klpta gemacht

leid:

icird kilitta. IL nlri-rti wonne: nivvuddi. prstha rücken: puttham.

prthivJ erde: piuhavJ. rtu jcdireszeit: udn.

III. grmbhate er gähnt:

(jambhäai. krtam gemacht: kaam. mrtam todt: maam. tpia gras:

tanam. Eine ausnähme macht anlautendes r: rddha aufgehäuft:

riddho. rksa bär : ri^cho neben rsiiceiser: isi. Dagegen: arka sonne:

akko. karman tat: kammo. kartari messer: kattarJ. varman rüstung

vammo u. s. w.

Was vom päli und jrräkrit gesagt wurde, gilt auch

disanu sehen, krta : s. kiö

von den

getan, mrta : s. muö gestorben, prcch- : h. püchnä fragen, prstha: s.

neuindischen sprachen : drs : s.

puthi.

h.

pHith

rücken, vrddha: s.

budhö cdt u. s. ic.

Dagegen:

garbha: g. gäbh foetus. garbhim : h. gäbhin schwanger, karna: h.

kän ohr u. s. w.

In diesen sprachen findet nur die ahweichung statt,

die bei ar r durch die dehnung des vorangehenden a ersetzt, nicht

Im ganzen und

dem nachfolgenden consonanten assimiliert icird.

grossen findet man dieselben Verhältnisse im zigeunerischen, das man

XII

einleitung.

als die achte der neuindischen sprachen ansehen kann, "^drlcs: dikh

sehen,

hrd: jilo

herz,

nrtjati er

tanzt: niSeri.

srnga: sing hörn.

Ferner: mrta: mido todt. jrrcShümi: phuiiäva ich frage, vnldha:

phuro alt. Dagegen : garbhini : Jchahny, khamni trächtig, karna : kann

ohr u. s. IC.

Durch diese darlegung glauhe ich gezeigt zu haben,

dass Bopp's beweis für die unursprünglicJdieit des vocalischen r nicht

stichhältig ist. Ein anderer beiceis ist nicht versucht worden. Es bleibt

demnach nichts übrig als den satz von der unun^prüngUchkeit des r aufzugeben und zur lehre der altinclischen grammatiker zurUckzu-

kehren

oder

Bopp/s satz

als

dogma anzusehen.

Ist aber das

vocalische

nähme, vocalisches r sei der icurzel fremd, die lourzeln lauteten nicht

r ebenso ursprünglich wie

etwa i und u, so hat die an-

vr und krt,

sondern

var und kart, gar nichts für sich,

da alle mit

den genannten wurzeln vencandte stamme sich von vr und krt tvenig-

stens eben

so

leicht ahleiten lassen wie von var und kart.

Auf die

icahl kann die rücksicJit aif bhi,

bhid

und bhaja, bheda nicht ohne

einfluss sein.

Im vorhergehenden icird die Verwandlung des vocalischen r in

i, u, a behauptet.

Wer die annähme dieses durch so viele beispiele

erwiesenen Überganges desswegen bedenklich findet, weil wir ihn nicht begreifen, der icolle bedenken, wie schwach es noch immer mit un-

serem begreifen von Verwandlungen der laute bestellt ist. Jedermann

glaubt den Übergang von k in c im asl.

raci aus raki einzusehen,

und icie schwierig ist es doch von k zu c d. i. ts den weg zu finden!

er scheint bis jetzt nicht gefunden.

glaubt man zu verstehen.

Was sich häufig ereignet, das

Dass in den späteren indischen sprachen

der Übergang sehr häufig ist, ist nicht zu bestreiten. Ausser diesem

Sprachenkreise kann jedoch diese Veränderung nur selten nachgewiesen werden: ich glaube jedoch nsl. pezdeti, asl. *pLzdeti^ cech. bzditi, alt, wie angegeben icird, pzydieti, »(7'^ asl. *prLdcti, nsl. j)rdcti,

cech. prdcti in Zusammenhang bringen zu sollen: die Verwandtschaft

mit ßo£0),

visio muss ich in abrede stellen,

cech.

mic steht dial. für

mlö. Sembera, Dialektologie, seite 33: voccdisches r geht demnach in

h, i, I in i über: vgl. lat. pedo, podex.

Lautveränderungen pfiegen

erst einzeln, unter besonderen Verhältnissen, dann zalrcich aufzutreten,

bis sich endlich eine reget bildet: von diesem Standpunkte aus be-

trachtet, ist bibharini aus und für brbharmi nicht

Auch

ijarti von

r

er geht

steht für

r-j-arti.

An

ohne interesse.

ein dem

r

bei-

gemischtes i ist nach

meiner ansieht nicht zu denken,

wie das päli

zeigt, wo r in i, u, a übergeht.

Das 2)assivu)n dhrijatc tenetur steht

einleitung.

XIII

für clhrjate: auch im slavischen

mit j anlautenden silhe stehen.

kann

vocalisches r niclif vor einer

Wenn nun auch r ivurzellmft sein kann, so icird doch nicht he-

hauptet,

consonanten

r enthaltenden silhe hervorgegangen. Ich gehe zu, dass diess in man-

es sei gar nie

aus einer einen vocal

und den

chen fällen in

der tat

eingetreten ist: so

entsteht aind.

trtlja aus

tritlja;

srnöti

aus

srunöti; so

nsl. cetvrt, icofür asl. cetyrtt-B ge-

schriehen wird, aus öetyrt, nsl. rdec, asl.

rjzdh, ruda zeigt u. s. w.

ri.desti>, aus ic. rüd,

Vergleichende grammatik I. seite 38.

loie

Ich glaube im vorhergehenden die cmssprechharkeit des vocali-

schen r und die tirsprünglichkeit desselben nachgewiesen zu haben. Ich

icill nun die verschiedenen ansichten darlegen, die über die ausspräche

Nach Bopp, Kritische

grammatik der sanskrita-sprache. Berlin. 1863. seite 10, idrd r loie

r mit einem, kaum hörbaren i, ungefähr icie ri im englischen loorte

des vocalisclien r aufgestellt worden sind.

merrily, ausgesprochen.

Nach Benfey, Kurze sanskrit-grammatik,

Leipzig. 1855,

buch,

seite 3, lautet r wie

ri,

l

icie

li;

nach dessen Hand-

erri,

Leipzig. 1852, seite 4, klingt i' fast völlig icie ri, vielleicht

demnach f wie rJ, l icie li,

vielleicht ^Hi,

aber mit anklang an r im

zweiten e. Benfey hat seine ansichten ausführlich dargelegt in Orient

und Occident. 3. seite 24.

Diese