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Das Geoweb Potenziale digitaler Kartografie für Kommunikation und E-Business Thesis zur Erlangung des Grades Master

Das Geoweb

Potenziale digitaler Kartografie für Kommunikation und E-Business

Thesis zur Erlangung des Grades Master of Science

von

geboren am 16.02.1982 in Emmendingen

betreut durch Dr. Benedikt Schulz (Virtual Identity AG)

Magic is dead, and it’s a beautiful thing - Daniel Madison

1. Prüfer: Prof. Martin Kirn (Hochschule Pforzheim)

2. Prüfer: Prof. Dr. Thomas Greiner (Hochschule Pforzheim)

Eingereicht im April 2009

Location, they say, is everywhere. Everyone has one, all of the time – Ben Ward (Engineer YDN), 2008

Erklärung

Hiermit erkläre ich, dass die vorliegende Arbeit von mir selbständig und nur unter Verwendung der aufgeführten Hilfsmittel erstellt wurde. Alle Stellen, die ich wörtlich oder sinngemäß aus veröffentlichten Schriften entnommen habe, wurden als solche ge- kennzeichnet. Diese Arbeit wurde weder als Ganzes noch in Auszügen für eine andere Prüfung angefertigt.

Freiburg, 28. April 2009

Unterschrift:

III

Kurzfassung

Das Internet ist bereits heute das für die Verbreitung von Informationen und Dienstleis- tungen am häufigsten verwendete System und gilt somit als de facto-Standard für die globale Kommunikation [Yeung/Hall, 2007, S. 367; Stefanakis/Peterson, 2006, S. 6]. Mit Google Earth 1 und Google Maps 2 als prominente Beispiele hat die Geografie Einzug in das Internet und in das Bewusstsein der Öffentlichkeit erhalten.

Das geschärfte Verständnis für die Bedeutung von Geodaten in der Bevölkerung stellt auch Unternehmen vor neue Herausforderungen. Es gilt die Frage zu beantworten, wie das Geoweb dazu beitragen kann, bisherige Infrastrukturen, Schnittstellen und Ab- läufe weiter zu verbessern, und wie Geowebanwendungen dabei helfen können, einen wirtschaftlichen Vorteil zu erlangen. Besonders deutlich wird die Notwendigkeit von Antworten auf diese Fragestellungen vor dem Hintergrund der allgemein als gültig an- gesehenen Aussage, dass 80% aller Entscheidungen im öffentlichen und privaten Le- ben einen räumlichen Bezug haben [Peyke, 2004; Scharl/Tochtermann, 2007; IMAGI,

2008].

Diese Arbeit zeigt, dass Methoden und Werkzeuge des Geowebs eine Reife ereicht haben, die es Unternehmen erlaubt, Geowebanwendungen zur Steigerung des Geschäftserfolg einzusetzen. Die Arbeit untersucht Strukturen des Geowebs und bespricht dessen tech- nisches Fundament. Den Schwerpunkt bilden dabei konkrete Formate wie das bekannte Visualisierungsformat KML, ebenso wie konzeptionelle Element im Geoweb. Begriffe wie Geodateninfrastruktur, Geo Webservices und auch Geoweb werden hinsichtlich un- terschiedlicher Definitionen untersucht und Methoden für die webbasierte Präsentation von Geodaten, beispielsweise in Kartendiensten, dargestellt.

Über eine Bestandsaufnahme bereits heute existierender Geowebanwendungen in unter- schiedlichen Bereichen werden die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten gezeigt. Die Arbeit präsentiert anschließend ein Ordnungssystem für die modulare Zerlegung ak- tueller und zukünftiger Geowebanwendungen, welches erlaubt, diese einfacher zu sor- tieren, zu klassifizieren und zu vergleichen. Eine Potentialbetrachtung des Geowebs anhand einer Analyse von Chancen und Risiken zeigt exemplarisch an generellen und konkreten Szenarien, wie Unternehmen durch den Einsatz von Mitteln des Geowebs Po- tentiale in den Bereichen E-Business und Kommunikation erschließen können. Gleich- zeitig untersucht die Arbeit Faktoren, die für den langfristigen Erfolg des Geowebs maßgeblich sind, reflektiert den aktuellen Stand der Entwicklung und bewertet die- sen.

Stichworte: Geoweb, Web Mapping, Web 2.0, E-Business, GDI, WebGIS, LBS

IV

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1

1.1 Zielsetzung

2

1.2 Aufbau der Arbeit

2

2 Grundlagen und verwandte Arbeiten

3

2.1 Literaturlage

3

2.2 Basiswissen Geodäsie

4

2.2.1 Geografische Kodierung

4

2.2.2 Geoid, Ellipsoid und Bezugssysteme

5

2.2.3 Kartenprojektionen

6

2.3 Geografische Informationssysteme

8

2.3.1 Begriffsbestimmung im Wandel der Zeit

8

2.3.2 Datenbanksysteme mit räumlichen Daten

10

2.3.3 Geodaten und Datentypen

10

2.3.4 Digitale Kartografie

12

2.4 Methoden der Positionsbestimmung

13

2.4.1 Grundlegende Verfahren zur Standortberechnung

14

2.4.2 Satellitengestützte Systeme

16

2.4.3 Zellbasierte Funknetze

17

2.4.4 Positionsbestimmung durch IP Location Lookup

18

3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geoda- ten

20

3.1 Das Geografische Internet

20

3.1.1 Begriffsbestimmung „Geoweb“

20

3.1.2 Quellen geografischer Daten

21

3.1.3 Benutzergruppen und Peripherie

23

3.2 Formate zur Geokodierung und Georeferenzierung

24

3.2.1 Modellierungs- und Datenaustauschformate

24

3.2.2 Geografische Kodierung textueller Informationen

29

3.2.3 Bildformate mit Geoinformationen

32

3.2.4 Geolocation API für die standardisierte Positionsabfrage

36

3.3 Webservices für Geodienste

38

3.3.1

Geo Webservices nach dem OpenGIS Standard

40

3.4 Infrastrukturen für den Zugang zu Geodaten

42

3.4.1 Definition, Ziele und Aufgaben

42

3.4.2 Infrastrukturen am Beispiel

44

3.5 Kartendienste und virtuelle Globen

45

3.5.1

Virtuelle Globen

46

V

Inhaltsverzeichnis

3.5.2 Kartendienste

47

3.5.3 Anwendungsgebiete

50

4 Empirische Recherche und Zerlegung von Geowebanwendung

53

4.1 Querschnitt durch Geowebanwendungen - Eine Bestandsaufnahme

53

4.1.1 Basisdienste und Frameworks

54

4.1.2 Nachrichtenkarten

55

4.1.3 Fotomapping

56

4.1.4 Auskunftsysteme und Geo-Zentrische Webseiten

57

4.1.5 Navigation und Assettracking

59

4.1.6 Analyse, Marketing und Werbung

61

4.1.7 Mobile Applikationen und Location Based Services LBS

63

4.1.8 Content Dynamisierung über Location Tracking

65

4.1.9 Präsentation und Visualisierung

66

4.2 Bestandteile von Geowebanwendungen - Eine Zerlegung

69

4.2.1 Komponentensicht: Webanwendung

70

4.2.2 Komponentensicht: Technisch/Infrastruktur

77

4.2.3 Zusammenfassung und Bewertung des Schemas

79

5 Chancen für Geowebanwendungen und Faktoren für den langfristigen Erfolg 84

84

5.1.1 Potentiale für das E-Business und Kommunikation im Allgemeinen 84

5.1 Mehrwertpotentiale am Beispiel

5.1.2 Marketing und Akquise von Daten

85

5.1.3 Harmonisierung in Geschäftsprozessen und Verwaltung

86

5.1.4 Verbesserung der Informationsversorgung und Kommunikation durch Mittel des Geoweb

87

5.1.5 Location Aware Webbrowsing

88

5.1.6 Migration von Virtualität und Örtlichkeit

89

5.2 Katalysatoren und Risiken

91

5.2.1 Mobiles Internet und Positionsbestimmung als Schlüssel für orts- bezogene Dienste

91

5.2.2 Über Standardisierung, Harmonisierung und Kooperation

92

5.2.3 Schutz von Daten und Datenschutz

95

6 Zusammenfassung und Ausblick

98

6.1 Zusammenfassung

98

6.2 Ausblick

101

Literaturverzeichnis

104

Anhang

114

VI

1 Einleitung

Das Internet ist bereits heute das für die Verbreitung von Informationen und Dienst- leistungen am häufigsten verwendete System und gilt somit als de facto-Standard für die globale Kommunikation [Yeung/Hall, 2007, S. 367; Stefanakis/Peterson, 2006, S. 6]. Mit Google Earth 1 und Google Maps 2 als prominente Beispiele hat die Geografie Ein-

zug in das Internet und in das Bewusstsein der Öffentlichkeit erhalten und löste in der Webgemeinde einen Trend des Geotaggings 3 aus. Dieser Trend führte dazu, dass eine Vielzahl von Informationen nunmehr geografisch sortiert werden können. Die punktge- naue Beschreibung von Informationen über räumliche Koordinaten eröffnet eine neue Dimension der Betrachtung und erlaubt es, neue Schlüsse zu ziehen, da viele Informa-

] einen

tionen über Ressourcen „erst durch ihre Zuordnung zu einem definierten Ort Nutzen“ [Vogel, 2002, S. 1] bringen.

Frei verfügbare Kartendienste bieten Schnittstellen für die externe Verwendung an. Über diese lassen sich geografisch kodierte Informationen hinzuzufügen, in sogenannten Mash-Ups mit anderen Anwendungen kombinieren und als neuartige Browseranwendun- gen mit geografischem Bezug im Internet anbieten [Maguire, 2008]. Auch vereinfacht die Öffnung monolithischer Geoinformationssysteme (GIS) in Form von Webschnittstellen den Zugriff auf geografisch kodierte Informationen, als unmittelbare Konsequenz der globalen Vernetzung und interdisziplinären Nutzung von Geoinformationen [Bernard/ Crompvoets/Fitzke, 2005, S. 5; Stefanakis/Peterson, 2006, S. 6].

Das geschärfte Verständnis für die Bedeutung von Geodaten in der Bevölkerung stellt auch Unternehmen vor neue Herausforderungen. Es gilt die Frage zu beantworten, wie das Geoweb dazu beitragen kann, bisherige Infrastrukturen, Schnittstellen und Ab- läufe weiter zu verbessern, und wie Geowebanwendungen dabei helfen können, einen wirtschaftlichen Vorteil zu erlangen. Besonders deutlich wird die Notwendigkeit von Antworten auf diese Fragestellungen vor dem Hintergrund der allgemein als gültig an- gesehenen Aussage, dass 80% aller Entscheidungen im öffentlichen und privaten Le- ben einen räumlichen Bezug haben [Peyke, 2004; Scharl/Tochtermann, 2007; IMAGI,

2008].

1 http://www.google.com/earth 2 http://www.google.com/maps 3 Geotagging beschreibt die Zuordnung einer Geografischen Position zu einem Datensatz, wie Text-, Bild-, Video- oder Audiodaten

1

1 Einleitung

1.1 Zielsetzung

Übergeordnetes Ziel dieser Arbeit ist es, aufzuzeigen, dass Methoden und Werkzeuge des Geowebs eine Reife ereicht haben, die es Unternehmen erlaubt, Geowebanwendungen zur Steigerung des Geschäftserfolgs einzusetzen. Die Arbeit konzentriert sich dabei auf folgende Teilziele:

Schaffung einer präzisen, konsistenten und vollständigen begrifflichen Basis,

Analyse bestehender Geowebanwendungen und Schaffung eines modularen Ord- nungssystems zur Klassifikation bestehender und zukünftiger Geowebanwendun- gen, und

Potentialbetrachtung des Geowebs anhand einer Analyse von Chancen und Risi- ken.

1.2 Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Arbeit ist thematisch in drei Blöcke unterteilt:

Eine Einführung in die Geografie und Untersuchung des technischen wie konzeptionel- len Fundaments des Geowebs geben die Kapitel 2 und Kapitel 3. Sie stellen Grundlagen der digitalen Kartografie, der Geografie und der Positionsbestimmung vor. Anschließend untersuchen sie Strukturen des Geowebs und besprechen Formate, die eine Geokodie- rung erlauben und für den Einsatz im Web geeignet sind. Außerdem beschreiben sie Ansätze für den einheitlichen Zugriff auf Geodaten und der Präsentation im Webbrow- ser.

Eine Bestandsaufnahme von Anwendungen im Geoweb und Beschreibung eines Schemas für die Zerlegung von Geowebanwendungen umfasst das darauf folgende Kapitel 4. Es reflektiert den Stand verfügbarer Geowebanwendungen und präsentiert ein Schema für deren modulare Zerlegung.

Erfolgsfaktoren des Geowebs und Potentiale von Geowebanwendungen in Kommuni- kation und E-Business untersucht Kapitel 5, indem es anhand von abstrakten und konkreten Beispielen zeigt, wie Unternehmen in Hinblick auf Kommunikation und das E-Business Werkzeuge des Geowebs zu ihren Gunsten einsetzen können. Gleichzeitig be- spricht das Kapitel Faktoren, die für den langfristigen Erfolg des Geowebs und dessen Anwendungen maßgeblich sind.

Die Arbeit schließt mit einer übergreifenden Betrachtung und einem Ausblick in Kapi- tel 6.

2

2 Grundlagen und verwandte Arbeiten

Anwendungen im Geoweb setzen digitalen Karten ein und verwenden so Produkte und Werkzeuge der Geografie. Die geografische Verortung von Punkten stützt sich auf Me- thoden, um Positionen auf der Erde zu bestimmen. Dieses Kapitel vermittelt in Ab- schnitt 2.2 die nötigen Grundlagen für den Umgang mit digitalen Karten im Internet. Anschließend führt Abschnitt 2.3 den Begriff des Geografischen Informationssystems und dessen Bestandteile ein. Ein Blick auf gängige Verfahren zur Positionsbestimmung und deren Anwendung in Abschnitt 2.4 schließt das Kapitel.

2.1 Literaturlage

Die Entwicklung von GIS Anwendungen blickt auf eine lange Historie zurück. Dement- sprechend existiert ein großer Literaturbestand zu verschiedensten Themen mit theo- retischer und praktischer Ausrichtung. Auch einige Werke zu WebGIS befinden sich darunter. Hierbei liegt der Fokus meist auf den Einsatz in der GIS Domäne. Diese Sammlungen geben einen Einblick in den Entwicklungsprozess von monolithischen GIS Systemen zu verteilten WebGIS Anwendungen, befassen sich jedoch nicht mit der neu- artigen Verwendung von georeferenzierenden Multimediadaten und deren Einsatz in Anwendungen ausserhalb der GIS Domäne. Ausnahme bildet hierbei [Stefanakis et al., 2006]. Die Sammlung bespricht verschiedene Anwendungsformen von geografisch ko- dierten Mediadaten. In diversen Beiträgen zu Grundlagen, Quellen und konkreten An- wendungen legt das Werk den Fokus zwar auf geografische Hypermedia im Generellen, es ist jedoch stark GIS geprägt und die enthaltenen Fallbeispiele betreffen meist Pro- jekte, die im Rahmen von Forschungsarbeit entstanden sind.

Siekierska/McCurdy (2008) haben eine Sammlung herausgegeben, die den Stand der Technik in Web-Kartendiensten jeglicher Art reflektiert. In Beiträgen mit Schwerpunk- ten technische Realisierung, Anwendungsentwicklung und Konzeption bespricht die- se Sammlung sowohl theoretische als auch praktische Aspekte. Die Kombination aus Forschungsberichten und Praxisbeispielen zeigt aktuelle Trends und Paradigmenwan- del auf und führt zu einer Verwendung von Geodaten in nicht fachspezifischen An- wendungen hin. Ähnlich reflektiert auch [Scharl/Tochtermann] den aktuellen Stand der Forschung und Anwendung. Neben technischen Grundlagen liegt der Fokus vor

3

2 Grundlagen und verwandte Arbeiten

allem auf Anwendung und ökonomischen Wandel durch Geobrowser und durch das Geoweb.

Weitere Literatur über den Nutzen von Geowebstrukturen, speziell im Hinblick auf Kommunikation und das E-Business, ist der Recherche zu Folge nicht existent. Der Grund hierfür liegt vermutlich in der noch recht jungen Disziplin bezüglich dem Einsatz von Geowebanwendungen in Unternehmen und der Zurückhaltung und beim Einsatz von Web 2.0 Werkzeugen in der Wirtschaft. Ein weiterer Faktor für das Fehlen derarti- ger Literatur birgt das fehlende Referenzmaterial. Zwar herrscht ein Konsens über den Nutzen von Geodaten über das Internet, wie sich dieser Nutzen manifestiert und wie welche Potentiale erschlossen werden können, ist noch ungeklärt [Fornefeld/Oefinger/ Jaenicke, 2004, S. 4], so dass konkrete Nutzenanalysen und Bewertungen in der Litera- tur rar sind. Diese Arbeit kombiniert daher Fachliteratur verschiedener Domänen und stellt diese zur Beantwortung der Zielsetzung in einen gemeinsamen Kontext. Auch verwendetet die Arbeit eine Reihe von Studien und Prognosen namhafter Quellen für die zukünftige Entwicklung des Geowebs und dessen Komponenten, die im Laufe der Arbeit behandelt werden.

2.2 Basiswissen Geodäsie

2.2.1 Geografische Kodierung

Zur exakten Beschreibung von Positionen auf der Erdkugel dienen verschiedene Syste- me. Grundlegend und international universell ist ein sphärisches Koordinatensystem aus Längengraden (Meridiane) und Breitengraden [Goodchild, 2007, S. 7]. Hierbei bilden der Nullmeridian (durch Greenwich) und der Äquator die Achsen des Koordinatensystems. Meridiane verlaufen zwischen den Polen in Nord-Süd Ausrichtung und unterteilen die Erdkugel in 360 Längen(halb)kreise. Ausgehend von dem Nullmeridian werden jeweils 180 Längenkreise in östlicher und westlicher Richtung gezählt. Der 180te Längenkreis östlicher bzw. westlicher Länge ist identisch. Er verläuft dem Nullmeridian gegenüber und bildet mit diesem die Grenze zwischen Ost- und Westhalbkugel. Orthogonal zu den Meridianen verlaufen die Breitenkreise. Der Äquator, als Breitengrad mit maxima- lem Umfang, teilt die Erde in eine Nord- und Südhalbkugel mit je 90 Breitenkreisen von dem Äquator zu den Polen, wobei von nördlicher bzw. südlicher Breite gesprochen wird.

Länge und Breite werden in Bogengraden ausgedrückt, die sich weiter unterteilen lassen. Die granulare Einteilung zeigt Formel 2.1.

1° (Grad) = 60 (Bogen) Minuten

1 (Bogen) Minute = 60 (Bogen) Sekunden

4

(2.1)

2 Grundlagen und verwandte Arbeiten

Der Erdradius beträgt gerundet etwa 6370 km. Somit ergeben sich bei einem Umfang von circa 40 000 km für die mittlere Ausdehnung eines Bogengrades ungefähr 111 km und einer Bogenminute 1.825 km 1 . Für Längengrade gilt die Aussage aufgrund der Bün- delung an den Polen nur unmittelbar am Äquator und cos(Breitengrad) × 111.325 km sonst. Über ein Tupel aus Längen- und Breitengrad ist jede Position auf der Erde geogra- fisch hinreichend exakt beschreibbar [Leser/Schneider-Sliwa, 1999].

2.2.2 Geoid, Ellipsoid und Bezugssysteme

Als einfachste Form eines Erdmodells dient die Kugel mit dem Erdradius von 6372 km. Tatsächlich lässt sich die Erde präziser durch ein über zwei Radien eindeutig definiertes Rotationsellipsoid beschreiben. Eine solche Approximation der Erdform wird Sphäroid genannt. Beispiele die bis heute in der Geodäsie eingesetzt werden sind das „Bessel 1840“, das „GRS80“ oder das „WGS84“ Ellipsoid. [Hennermann, 2006]. Die tatsächliche Erdgestalt, bezogen auf die einheitliche Normalschwere 2 bildet das Geoid ab und ist für eine genaue Vermessung von Bedeutung. Diese Gestalt, die aufgrund variierender Materialdichte und -beschaffenheit eine gewellte Oberfläche besitzt, gilt es mit Hilfe eines Späroid als geometrisches Gebilde anzunähern. Über Variation der Ellipsenradien, aber auch über eine zusätzliche Verschiebung des spärischen Zentrums der Erde sind sie global (Erdellipsoid) oder lokal (Referenzellipsoid) einsetzbar.

Ein Bezugssystem (auch Datum) 3 besteht aus den für die elliptische Approximation des Geoid verwendeten Parametern, sowie der Lokalisation auf der Erde, also der Verschie- bung des Zentrums. Dabei wird eine mit dem Massenschwerpunkt der Erde konforme Lagerung als geozentrisch bezeichnet [Hennermann, 2006]. Beispiele für Bezugssysteme sind:

ITRS : Einen einheitlichen weltweiten Standard mit Fixpunkten, die in regelmäßigen Abständen neu veröffentlicht werden, bildet das International Earth Rotation Service (IERS) Terrestrial Reference System (ITRS).

WGS84 : Als Grundlage für die GPS Positionierung dient das WGS84 mit dem gleich- namigen geozentrischen Ellipsoid.

ETRS89 : Das European Terrestrial Reference System 1989 (ETRS89) ist für die eu- rasische Kontinentalplatte als fixes Referenzsystem angesehen. Es kann für dieses geografische Gebiet als konform mit dem WGS84 angesehen werden. Bezugsellip- soid ist das geozentrisch gelagerte GRS80 Ellipsoid.

1 Die mittlere Distanz einer Bogenminute von 1.825 km entspricht genau einer Seemeile (Nautic Mile, NM ) und erleichtert so das Messen von Entfernungen auf Seekarten. 2 Die Normalschwere entspricht einer Schwerkraft von 9, 81 m 3 Anstelle von Bezugssystem findet sich auch die Verwendung des Begriffs Kartendatum, als sprichwörtliche Übersetzung des englischen „map datum“.

s

2

5

2 Grundlagen und verwandte Arbeiten

Aufgrund unterschiedlicher elliptischer Systeme kann so eine tatsächliche Position auf der Erde auf identischem Ellipsoid durch unterschiedliche Lagerung abweichende Koor- dinaten aufweisen. Da die Kartenprojektion von einem Referenzellipsoid projiziert, ist die Nennung des zugrundeliegenden Datums ein wichtiger Parameter. Die Abweichung zwischen Geoid und Referenzellipsoid an einer bestimmten Stelle bezeichnet man als Geoidundulation.

2.2.3 Kartenprojektionen

Eine Kartenprojektion ist eine mathematische Transformation, die Daten aus der sphä- rischen Geometrie (Erdkugel) in die euklidsche Geometrie (Ebene) abbildet [Henner- mann, 2006, S. 94]. Unterschiedliche Anwendungsbereiche und Einsatzzwecke stellen verschiedene Anforderungen an die Beschaffenheit von Projektionen. Die am häufigsten genannten geometrischen Eigenschaften, deren Erhalt Projektionen erfüllen können sind [Mitchell, 2008, S. 382-383; Hennermann, 2006, S. 99, und andere]:

Winkeltreue : Von einer winkeltreuen (konformen) Abbildung wird gesprochen, wenn Winkel auf der Projektion im kleinsten Bereich denen des Urbildes gleich sind.

Flächentreue : Die Proportionalität von Projektionsflächen mit Flächen auf dem Urbild gilt. Somit werden Flächen maßstabsgetreu abgebildet. Man spricht hierbei von einer äquivalenten Abbildung.

Längentreue : Die Abstände zu beliebigen Punkten von dem Zentrum der Projektion aus sind bei einer längentreuen (aquidistanten) Abbildung proportional zu den tatsächlichen Abständen auf dem Urbild.

Die genannten Kriterien werden durch gängige Projektionstypen in unterschiedlichem Maße angenähert. Eine Projektion, die sämtliche Kriterien erfüllt, gibt es nicht. Die folgenden Projektionstypen dienen als Grundlage von heute verbreiteten Projektio- nen [Kraak/Ormeling, 2003, S. 70-75; Mitchell, 2008, S. 383-384; Hennermann, 2006, S. 96]:

Konische Projektion (Kegelprojektion) : Um eine Kegelprojektion zu erzeugen, wird auf die Kugel ein Kegel gesetzt. Entlang der Berührkante von Kegel und Kugel ist diese Projektion am genauesten.

Zylinderprojektion : Bei einer Zylinderprojektion wird die Projektionsfläche in Form eines Zylinders um die Kugel gelegt und anschließend auf diesen abgebildet. Ent- lang der Berührkante von Zylinder und Kugel ist die Projektion verzerrungsfrei. Die bekannteste Zylinder Projektion ist die Mercator Projektion, die Grundlage für die Universal Transverse Mercator (UTM) (Abschnitt 2.2.3).

6

2 Grundlagen und verwandte Arbeiten

Azimutalprojektion (Ebenenprojektion) : Bei der Azimutal- oder Planarprojektion be- rührt die Projektionsfläche, den Globus in nur einem Punkt. Entweder an einem der Pole (polständige Projektion) oder an einer Stelle zwischen den Polen (zwi- schenständige Projektion). Die Projektion nimmt mit zunehmendem Abstand vom Berührpunkt an Verzerrung zu und findet hauptsächlich für Karten der Polarge- biete Anwendung.

Abbildungen 2.1(a)–(c) zeigen die Ergebnisse mit den vorgestellten Projektionsarten.

die Ergebnisse mit den vorgestellten Projektionsarten. (a) Kegelprojektion (b) Zylinderprojektion (c)

(a) Kegelprojektion

mit den vorgestellten Projektionsarten. (a) Kegelprojektion (b) Zylinderprojektion (c) Azimutalprojektion Abbildung 2.1:

(b) Zylinderprojektion

Projektionsarten. (a) Kegelprojektion (b) Zylinderprojektion (c) Azimutalprojektion Abbildung 2.1: Methoden zur

(c) Azimutalprojektion

Abbildung 2.1: Methoden zur Projektion aus der spärischen in die euklidsche Geometrie (Quel- len: Wikipedia (Fotograf: Stefan Kühn))

Vor dem Hintergrund einer weit verbreiteten Verwendung [Hennermann, 2006, S. 102], vor allem auch in Kartendiensten im Internet, beschreiben die nächsten Abschnitte die UTM Projektion, sowie das Koordinatensystem im UTM-System.

Universelle Transversale Mercator Projektion

Die transversale Mercatorprojektion ist eine Zylinderprojektion, bei der die Achse des Projektionszylinders in der Äquatorebene liegt. Die Mercator Projektion im Allgemei- nen hat die Eigenschaft einer zunehmenden Verzerrung, je weiter Projektionsfläche von dem Ellipsoid entfernt ist. Bei der klassischen Mercator Projektion ist dieses an den Polen der Fall und in der transversalen Version entsprechend am Äquator. Um diese Verzerrung zu minimieren bildet die UTM Projektion, welches als Ellipsoid das WGS84 verwendet, im Streifensystem mit 6° breiten Streifen ab. Anstelle einer singulären Ab- bildung von Urbild auf Projektionsfläche, besteht die Projektion dadurch aus einer Vielzahl von einzelnen Projektionen von Segmenten des Urbilds. Jedes Segment besitzt als Referenz einen Zentralmeridian. So ergeben sich im UTM-System 60 Zonen mit einer Breite von je 6 Grad. Nördlich des Äquators liegende Zonenbereiche kennzeich- net ein nachgestelltes N und südliche ein S. Aufgrund der Konvergenz der Meridiane an den Polen, ist die UTM Projektion nur zwischen 84° nördlicher und 80° südlicher Breite repräsentativ. Dort ist die Geoindulation vernachlässigbar und die Punkte des Erdellipsoids werden „hinreichend verzerrungsfrei wiedergegeben“ [Hennermann, 2006, S. 103].

7

2 Grundlagen und verwandte Arbeiten

Das Koordinatensysteme des UTM-Systems

Für die Verortung von Positionen, die auf der Erdkugel über Winkelkoordinaten (Län- gengrade und Breitengrade) effizient angegeben werden, eignen sich in der Ebene metri- sche Koordinatensysteme. Dies gilt speziell für nahezu verzerrungsfreie Projektionen, da es eine metrische Strecken- und Flächenmessung ermöglicht [Hennermann, 2006]. Das UTM ist ein metrisches Koordinatensystem für Karten

Die UTM Abbildung auf dem WGS84 Datum bildet die Grundlage des UTM System. Auf jede der durch die UTM-Projektion entstandenen Zonen wird ein eigenes metrisches Koordinatensystem gelegt. Der jeweilige Referenzpunkt befindet sich am Schnittpunkt von Zentralmeridian und Äquator. Eine geodätische Position wird durch die Zone, so- wie Hoch- und Rechtswerte, die Werte für die Abweichung vom Referenzzentrum nach Norden respektive Osten, eindeutig angegeben. Zur Vermeidung negativer Werte bei Punkten westlich des Zentralmedians erhält dieser den Wert 5 000 000 m. Dieses Ver- fahren nennt sich False Easting. Für Koordinaten in den südlichen Bereichen der Zonen erfolgt eine Wertzuweisung am Äquator von 10 000 000 m (False Northing). Eine gültige Koordinate im UTM-System lautet zum Beispiel:

Zone 33N Rechtswert 4 420 356.7 m Hochwert: 5 398 659.8 m

Eine Abwandlung des UTM Koordinatensystems ist das Military Grid Reference Sys- tem (MGRS). Bei diesem findet eine weitere Unterteilung der Zonen in 8° breite Bänder statt, die alphabetisch von C-X 4 belegt werden.

2.3 Geografische Informationssysteme

Dieser Abschnitt führt in die digitale Kartografie und Geografische Informationssys- teme GIS ein und beschreibt strukturelle Bestandteile auf dem Gebiet der digitalen Verarbeitung geografischer Daten.

2.3.1 Begriffsbestimmung im Wandel der Zeit

Ein GIS ist ein „rechnergestütztes System, das aus Hardware, Software, Daten und den Anwendungen besteht. Mit ihm können raumbezogene Daten digital erfaßt und re-

digiert, gespeichert und reorganisiert, modelliert und analysiert sowie alphanumerisch und graphisch präsentiert werden“ [Bill/Fritsch, 1991, S. 5]. Für die Anwendung bedeu-

tet dies, dass „digitale Geoinformationen

] einfacher integriert, deutlich effizienter

4 Die Buchstaben I und O wurden aufgrund der leichter Verwechselung mit 1 und 0 nicht verwendet

8

2 Grundlagen und verwandte Arbeiten

und schneller verarbeitet oder in digitale Karten visualisiert werden“ [GDI-DE, 2008] können. Mithilfe von GIS lassen sich nach den vorgestellten Definitionen also Problem- stellungen mit geografischem Bezug beantworten, visualisieren, und als unterstützendes Werkzeug in Entscheidungsprozessen einsetzen. Gezielte Gruppen von Geoinformatio- nen lassen sich dabei beliebig in unabhängigen Datenschichten überlagern und so kom- plexe, vielschichtige Probleme, effizient darstellen. Die Idee der geschichteten Überla- gerung (Layerprinzip) findet seinen Ursprung in Hettner (1927).

Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten in Projekten beschreiben Buhmann/Wiesel (2003, S. 18): GIS „lässt sich nutzbringend in allen Phasen eines Projekts einsetzen - von der Planung und Konzeption, bis hin zu Betrieb und Wartung der Infrastruktur“. Damit identifizieren sie GIS als wichtigen Bestandteil in unterschiedlichen Prozessketten, wo- bei die Anwendung nicht auf klassische GIS Domänen, wie das Vermessungswesen oder die Straßenplanung beschränkt ist. GIS findet so über das ursprünglichen Einsatzge- biet hinaus Verwendung. Diesen Paradigmenwechseln in den vergangen Jahrzehnten beschreibt [Bartelme, 2005] über das GIS-Evolutionsmodel. Es kennzeichnet die Ent- wicklungsstufen von GIS. Auf dieses Modell aufsetzend beschreibt Feix (2007, S. 50) die aktuelle Epoche als Zeit der Konsolidierung und Services „in der sich GIS nunmehr in sämtlichen Branchen verbreitet hat“. Das kombinierte Modell zeigt Abbildung 2.2. Deut- lich erkennbar in dieser Darstellung ist die Fokusverschiebung von einer ursprünglich rein von Funktionalität geprägten Expertentechnologie hin zu einer Kundenorientierung und Integration über standardisierte Geoservices.

Zeit der Firmen: Zeit der Behörden: Zeit der Pioniere: Individuelle isolierte Lösungswege
Zeit der Firmen:
Zeit der Behörden:
Zeit der Pioniere:
Individuelle isolierte Lösungswege

Zeit der Konsolidierung und Services:

OGC-konforme Geo-Services, Open Source

Zeit der Integrierten Lösungen:

Freier Markt, Großprojekte

Zeit der Nutzer:

Entwicklung modularen Systemen. Anpassungen an Nutzer- wünsche, Fachschalen

GIS-Markt entsteht, leistungsfähige Hardware, Umstellung von Groß- rechnern auf Workstation

Entwicklung von Konzepten, Umstellung Basisdaten in digitaler Form, GIS als Erfassungswerkzeug

Abbildung 2.2: Evolution von GIS (Quelle: nach Feix (2007, S. 50))

Informationen, die sich über ein GIS ableiten, aggregieren und visualisieren lassen, dienen heute als Grundlage oder als unterstützendes Mittel für strategische Entschei-

9

2 Grundlagen und verwandte Arbeiten

dungen in Belangen, die geografische Informationen berücksichtigen. Die Abgrenzung zu herkömmlichen Informationssystemen erfolgt über die Räumlichkeit der Daten.

2.3.2 Datenbanksysteme mit räumlichen Daten

Für die Speicherung und Verwaltung großer Datenbestände bietet sich der Einsatz von Datenbankensystemen an. Durch die räumliche Dimension unterscheiden sich Geodaten von herkömmlichen Daten, so dass auch an die Datenbanksysteme spezielle Ansprüche zur Speicherung gestellt werden. Datenbanken mit räumlicher Erweiterung sind in der Lage geometrische Formen, wie Punkte, Linien oder Polygone und 3D Objekte zusam- men mit weiteren Informationen vorzuhalten und diese anzufragen. Für die Verwendung im professionellen Umfeld existieren verschiedene Lösungen wie die kostenpflichtige Oracle Spatial 5 Erweiterung einer Oracle Datenbank, ArcSDE des Marktführers ESRI im Bereich GIS als Erweiterung für verschiedene Datenbanksysteme, oder die Open Source Implementatierung PostGIS 6 Erweiterung für PostgreSQL Datenbanken. Ein Grund für die Verwendung spatialer Datenbanksysteme für Geografische Daten liegt in der umfangreicheren Abfragesprache. Sie ist gegenüber Datenbankabfragesprachen um spatiale Funktionen wie Tests auf Überschneidung, Einschluss oder das Suche nächstge- legener Objekte (Nearest-Neighbour) erweitert. Informationen mit geografischem Bezug bilden die Arbeitsgrundlage eines GIS und werden in den folgenden Abschnitten einge- führt.

2.3.3 Geodaten und Datentypen

Geodaten bilden die Grundlage für Anwendungen mit geografischem Bezug, denn sie beschreiben Daten zu Objekten, die sich direkt oder indirekt auf die Erdoberfläche

beziehen [Vogel, 2002]. Es wird dabei zwischen drei Datentypen unterschieden [Vogel,

2002 ; LV BW ]. Grundlegend und primär anwendungsneutral sind die Geobasisdaten .

Dazu gehören Aufnahmen und Modelle der Erdoberfläche. Darauf bauen Geofachda- ten auf, die in Bezug eines bestimmten Verwendungszweckes eine besondere Bedeu- tung aufweisen und an sich dadurch nicht mehr anwendungsneutral einzustufen sind. Ein Beispiel für Geofachdaten sind Informationen über Bevölkerungsdichten. Zusätz- lich zu den genannten Typen existiert die Gruppe der Geo-Metadaten. Metadaten enthalten Daten über Daten und beschreiben so Geodaten mit Hilfe von Attributen näher. Solche können zum Beispiel Informationen zu Aktualität, Zuverlässigkeit, Ge- nauigkeit, Vollständigkeit, Herkunft, Preis oder Einsatzmöglichkeiten der Geofachdaten sein.

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2 Grundlagen und verwandte Arbeiten

Bei der digitalen Repräsentation von Geodaten unterscheidet man zwischen zwei Ty- pen:

Vektordaten : Vektordaten beschreiben verschieden dimensionale geografische Phäno- mene über eine Menge von Vektoren. Hierzu gehören Punkte (konkreter Ort),

). Die Kodie-

rung über Vektoren ermöglicht das Rechnen mit den Objekten, so dass Abfragen über Schnittflächen oder Überschneidungen mit anderen Objekten und andere Funktionen wie Einschlusstests konkret berechnet werden können.

Linien (Straßen,

) und Flächen (Gebiete,

Rasterdaten : Rasterdaten beschreiben geografische Informationen über Mengen einzel- ner Punkte, die in einem Gitter angeordnet werden. Jeder Bildpunkte ist durch

) spezifiziert. Vor allem

Position und eine Eigenschaft (Farbwert, Datenwert,

für Satellitenbilder und Luftaufnahmen kommt das Rasterformat zum Einsatz.

Vektordaten besitzen im Vergleich zu Rasterdaten eine Reihe Vorzüge. Durch die mathe- matische Beschreibungen sind Vektordaten unabhängig von Maßstäben 7 und lassen sich mit anderen Daten beliebig überlagern. Darüber hinaus ist der Speicherbedarf im Ver- gleich mit Rasterdaten reduziert. Nachteile von Vektordaten liegen in der aufwändigen Erstellung und einer letztendlichen Approximation tatsächlicher Formen. Tabelle 2.1 stellt die beiden Formate und die Kodierung von n-dimensionalen Objekten dar. Basie- rend auf den dort gezeigten 0- bis 2-dimensionalen Formen lassen sich für Geoobjekte weitere Klassen definieren [Rase, 1998]:

2,5-dimensionale Geoobjekte : Objekte dieser Kategorie weisen additiv zu der Ebene noch Höhenangaben auf. Dadurch entstehen gefaltete Ebenen, die unter anderem für die Darstellung von Oberflächen und Geländemodellen eingesetzt werden. Da diese Formen nicht räumlich abgeschlossen sind, jedoch eine dreidimensionale Ge- stalt haben, spricht man von 2,5 Dimensionen.

3-dimensionale Geoobjekte : Körper mit räumlicher Ausdehnung sind dieser Katego- rie zuzuordnen. Unterscheiden lassen sich solide Körper (Volumenkörper) und Polyeder (Grenzflächen-Körper). 3D Stadtmodelle beruhen auf 3-dimensionalen Geoobjekten, die mit Texturen versehen werden, um die Realität abzubilden.

4-dimensionale Geoobjekte : Additiv zu den drei Koordinaten für die räumliche Dar- stellung, speichern 4D Geoobjekte zeitliche Informationen. Die Traversierung von Objektenhistorien ist so über dynamische Objekte möglich.

Die Relation einzelner Objekte zueinander drücken topologischer Beziehungen oder Klassenhierarchien aus und erweitern so die geometrischen Formen um semantischen

7 Gemeint ist hierbei, dass die Schärfe der dargestellten Strukturen invariant gegen Skalierung ist. Die Beschränkung definiert sich bei Vektordaten über die Präzision, Detailtreue und Auflösung bei der Erfassung.

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2 Grundlagen und verwandte Arbeiten

Element

Vektordarstellung

Rasterdarstellung

Punkt

x,y-Koordinate

Pixel

Rasterdarstellung Punkt x,y-Koordinate Pixel Linie x,y-Koordinatenfolge Pixel Fläche
Rasterdarstellung Punkt x,y-Koordinate Pixel Linie x,y-Koordinatenfolge Pixel Fläche

Linie

x,y-Koordinatenfolge

Pixel

Punkt x,y-Koordinate Pixel Linie x,y-Koordinatenfolge Pixel Fläche geschlossene P i x e l
Punkt x,y-Koordinate Pixel Linie x,y-Koordinatenfolge Pixel Fläche geschlossene P i x e l

Fläche

geschlossene

Pixel

x,y-Koordinatenfolge

geschlossene P i x e l x,y-Koordinatenfolge Tabelle 2.1: Vektordaten und Rasterdaten im Vergleich

Tabelle 2.1: Vektordaten und Rasterdaten im Vergleich (Quelle: In Anlehnung an [GDI-DE, 2008; Bill/Fritsch, 1991]

Kontext [Kolbe, 2008, S. 3]. Dieses vereinfacht Antworten auf Fragestellungen der Ge-

stalt „Ist Objekt A in Objekt B enthalten?“ über Plausibilitätsprüfungen auf semanti-

scher Ebene. Die tatsächliche geometrische Lage und Ausdehnung ist dabei erst in der

weiteren Berechnung relevant.

Die vorgestellten Datentypen und Formen der Repräsentation stellen die Grundlage von

GIS Anwendungen dar, die auf diesen Berechnungen durchführen und die Ergebnisse

soweit gefordert über digitale Karten aufbereiten.

2.3.4 Digitale Kartografie

Unter einer Karte 8 versteht die Geodäsie eine verkleinerte Abbildung der Erde oder

Teilen davon, die maßstäbig ist und dem Zweck der Erläuterung bestimmter geogra-

fischer Begebenheiten wie Straßenkarten oder Erhebungskarten dient [Hennermann,

2006, S. 6]. Die Kartografie dagegen beschreibt einen Prozess, der sämtliche Stadien

von der Aufbereitung bis hin zu der letztendlichen Verwendung bei der Erstellung von

Karten und georeferenzierenden Produkten enthält [Taylor, 1991]. Dieser umfasst so-

wohl die Organisation und Verbreitung von Geoinformationen, als auch die Präsentation

8 aus lat. charta = Urkunde

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2 Grundlagen und verwandte Arbeiten

und letztendliche Verwendung. Entsprechend beschreibt die digitale Kartographie die Kartografie in der digitalen Umgebung und ist heute als nahezu synonyme Bedeutung anzusehen. Im Rahmen dieser Arbeit versteht sich die digitale Kartografie als die Verar- beitung und Aufbereitung von Geodaten jeglicher Art mit dem Ziel der Visualisierung von Antworten geographischer Fragestellungen.

Die Verwendung digitaler Karten erstreckt sich heutzutage weit über die Grenzen von GIS hinaus. In Navigationssystemen dienen sie als Orientierungshilfe und in Weban- wendungen als Leinwand für die Präsentation zusätzlicher georeferenzierender Daten. Beide genannten Einsatzgebiete verwenden geografische Koordinaten als Mittel der Ausrichtung mit digitalen Karten, so dass Wege für die Bestimmung der Position not- wendig sind. Der folgende Abschnitt stellt verschiedene Methoden vor dieses zu errei- chen.

2.4 Methoden der Positionsbestimmung

Bei der Positionsbestimmung wird mittels verschiedener Techniken der Standort ei- nes Empfängers bestimmt. Hierbei differenziert man zwischen Eigenortung und der Fremdortung [Mansfeld, 2004, S. 1]. Während im ersten Fall der Empfänger vorhandene Signale dazu verwendet seine eigene Position zu bestimmen, wird im letzten der Stand- ort durch eine dritte Instanz berechnet. Für eine Ortung ist daher ein entsprechender Rückkanal für die Übertragung von Parametern notwendig. Im Rahmen der Arbeit wird der Begriff Positionsbestimmung als Synonym sowohl für die Fremd- als auch die Eigenortung verwendet. Dieser Abschnitt stellt bewährte und neue Methoden für die Positionsbestimmung vor, wobei es sich dabei letztlich um eine Positionsapproximati- on handelt, die Genauigkeiten von weniger als 10 Metern bis hin zu 2km Abweichung aufweisen kann [Wealands, 2006, S. 140].

Die Bestimmung des Standortes ist zum einen für die Orientierung grundlegend, jedoch auch für die Realisierung von Anwendungen, die den Aufenthaltsort des Anwenders berücksichtigen. Diese sogenannten Location Based Services (LBSs) sind kontextsensi- tiv und generieren ortsbezogenen Inhalt mit dem Ziel Zugriff auf lokale Informationen zu gewähren. Ein LBS beantwortet Fragestellungen mit geografischem Bezug und kann daher als spezialisiertes Geographisches Auskunftssystem für eine breite Anwendung ge- sehen werden. Durch die Beschränkung auf bestimmte Fragestellungen sind LBS skalier- bar und performant, was sie deutlich von GIS unterscheidet [Yeung/Hall, 2007, S. 493]. GIS dient hierbei entsprechend Abbildung 2.3 zusammen mit dem Internet und dem Mobilfunk als infrastrukturelle Voraussetzung für LBS. Auch die Positionsbestimmung stellt eine Voraussetzung für diese Dienste dar.

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2 Grundlagen und verwandte Arbeiten

GIS/ Spatiale Databanken (SDB) Mobile Internet/ GIS/SDB Web GIS LBS Mobile/ Internet/ Mobiles/ Drahtlose WWW
GIS/
Spatiale Databanken (SDB)
Mobile
Internet/
GIS/SDB
Web GIS
LBS
Mobile/
Internet/
Mobiles/
Drahtlose
WWW
Drahtloses
Rechner
Internet

Abbildung 2.3: Schlüsseltechnologien und Infrastrukturen für Location Based Services (Quel- le: [Yeung/Hall, 2007, S. 493])

2.4.1 Grundlegende Verfahren zur Standortberechnung

Distanz- und winkelbasierte Verfahren

Empfängt ein zu lokalisierendes Gerät Signale mehrerer bekannter Fixpunkte, so kann der Empfänger seine Position anhand von Signaleigenschaften selbstständig berechnen. Zum Einsatz kommen die Verfahren der Angulation und Lateration. Abbildung 2.4 veranschaulicht die Verfahren:

Lateration : Bei der Lateration werden die Entfernungen von den bekannten Fixpunk- ten ermittelt und daraus die eigene Position berechnet.

Angulation : Für die Standortberechnung dienen die Winkel zwischen den Fixpunkten und dem Empfängner als Referenz für die Berechnung. Anhand dieser Informa- tionen wird die Position berechnet. Die Genauigkeit des Verfahrens korreliert mit der Anzahl vorhandener Fixpunkte für die Winkelberechnung.

Für eine genaue Positionsbestimmung auf der Erde sind bei der Lateration vier Fix- punkte notwendig, wobei der Erdemittelpunkt selbst als Fixpunkt dienen kann, so dass für die Positionierung auf der Erdoberfläche bereits drei zusätzliche Fixpunkte ausrei- chen. Um die Entfernung und Winkel für Lateration respektive Angulation zu berech- nen, kommen unterschiedliche Methoden, die unterschiedliche Signaleigenschaften ver- wenden, zum Einsatz. Zu den bekanntesten zählen die Folgenden:

Time of Arrival (ToA): ToA verwendet für die Berechnung die Verzögerung ankom- mender Signale. Je weiter ein Fixpunkt entfernt ist, desto länger benötigt ein Signal um den Weg zwischen Empfänger und Sender zu überbrücken. Dieses Ver- fahren fordert für eine genaue Standortbestimmung eine hoch präzise zeitliche Synchronisation. Ist dieser Umstand gegeben, so kann das Verfahren mit jedem Signalempfänger ohne zusätzliche Hardware durchgeführt werden. Eine Erweite- rung des ToA stellt die Time Difference of Arrival (TDoA) Methode dar, welche

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2 Grundlagen und verwandte Arbeiten

Gerät
Gerät
θ Gerät a θ b
θ
Gerät
a
θ
b

Abbildung 2.4: Prinzip der Lateration und Angulation (eigene Darstellung, [Drane/ Macnaughtan/Scott, 1998])

die Differenz zweier Signale von einer Quelle verwendet um die Distanz zu be- stimmen. Dieses Verfahren ist präziser als ToA, erfordert jedoch eine Installation auf dem Endgerät um das zweite andersfrequente Signal zu empfangen.

Received Signal Strength Indicator (RSSI): RSSI verwendet die Stärke des ankommen- den Signals, welche quadratisch zu der Distanz abnimmt, um auf die Entfernung des Senders zu schließen. Diese Methode ist ohne weitere Installation auf Emp- fängerseite realisierbar und daher eine kostengünstige Methode. Aufgrund von Störquellen oder Hindernissen werden Signale verfälscht, so dass die RSSI Metho- de im Vergleich mit anderen Methoden ungenau ist.

Angle of Arrival (AoA): Das Verfahren berechnet den Winkel eines eintreffenden Si- gnales durch eine spezielle Antenne oder ein Antennencluster, so dass aus Emp- fängerseite entsprechende Hardware vorausgesetzt wird. Das Verfahren liefert die für eine Angulation nötigen Daten, ist jedoch ungenauer als andere Verfahren.

Mobilfunk ist für eine bidirektionale Kommunikation ausgelegt, in der die Basisstation und das Endgerät als Sender und Empfänger agieren können. Die vorgestellten Ver- fahren eignen sich daher sowohl für Einsatz in der Eigenortung als auch Fremdortung. Bei der Fremdortung ist eine Kommunikation zwischen den Basisstationen (Fixpunkte) notwendig um die empfangenen Signale abzugleichen und die Fremdortung durchzufüh- ren.

Das Cell ID Verfahren

In Netzen, die aus dem Verbund mehrerer Zellen bestehen und Teilnehmer über ent- sprechende Basisstationen mit dem Netz kommunizieren, kann das CellID oder Cell of Origin (COO) Verfahren eingesetzt werden. Für die Position des Endgerätes werden die Koordinaten der Basisstation angenommen, bei der das Endgerät eingebucht ist.

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2 Grundlagen und verwandte Arbeiten

Da diese Methode keiner zusätzlichen Hardware bedarf, ist sie technisch mit geringem Aufwand realisierbar.

Die Genauigkeit des Verfahrens korreliert unmittelbar mit der Ausdehnung der Zellgrö- ße. Diese ist bisweilen unterschiedlich, so dass es je nach Anwendungszweck nur einge- schränkt einsetzbar ist. In der gängigen Praxis werden Lösungen eingesetzt, die verschie- dene der vorgestellten Verfahren verwenden und dieses kombinieren.

2.4.2 Satellitengestützte Systeme

GPS und Galileo sind zwei Systeme, die eine Eigenortung mit Hilfe von Satellitensigna- len erlauben. Geeignete Endgeräte sind in der Lage mit Hilfe empfangener Daten von mindestens drei Satelliten ihre Position metergenau zu bestimmen. Zum Einsatz kommt hierbei das zuvor vorgestellte Verfahren der (Tri)lateration, bei dem die Satelliten als Fixpunkte fungieren. Während Global Positioning System (GPS) bereits seit Mitte der 70er Jahre im Einsatz ist, befindet sich Galileo noch im Aufbau. Ein weiteres System ist das russische Global Navigation Satellite System (GLONASS), das wie auch GPS unter militärischer Kontrolle steht. GPS und Galileo werden im Folgenden kurz vorgestellt, um die Unterschiede wie Gemeinsamkeiten zu verdeutlichen.

Global Positioning System

GPS ist weltweit verfügbar und wird von der US Regierung bzw. dem Militär verwaltet und kontrolliert. Konzipiert wurde GPS System mit 21+3 (Reserve) Satelliten, die in 20 000 km Höhe die Erde jeweils zwei mal pro Tag orbitieren. Aus Gründen den Sicher- heit wurden für den zivilen Gebrauch des Satellitensystems lange die Signale künstlich verfälscht. Diese künstliche Verfälschung, auch als „Selective Availability“ bezeichnet, bewirkte Ungenauigkeiten im 100m Bereich und machte das System für verlässliche Messungen unbrauchbar. Dieses Reglement wurde am 02. Mai 2000 fallengelassen und GPS liefert für den zivilen Sektor seitdem unverfälschte Daten.

Galileo

Als Alternative und Ergänzung zu GPS wird das europäische Galileo System gesehen. Es soll seinen Dienst 2010 aufnehmen. Galileo wird aus 30 GPS kompatiblen Satelliten bestehen und unter ziviler Administration betrieben werden. Dadurch sichert es die Unabhängigkeit von Regierung und Militär. Das technische Konzept lässt sich in etwa mit dem von GPS und GLONASS vergleichen [Mansfeld, 2004, S. 280]. Im Gegensatz zu den amerikanischen System, ist Galileo jedoch aus Interessen der Wirtschaft entstanden

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2 Grundlagen und verwandte Arbeiten

und bietet ein Lizenssystem für unterschiedliche Diensttypen als zentralen Bestandteil der Galileo Spezifikation [Agency]:

Open Service (OS) : Der kostenlose Dienst zur Positionsbestimmung vergleichbar mit dem standard GPS Dienst.

Commercial Service (CS) : Zusätzliche Signale ermöglichen einen höheren Datendurch- satz und eine Erhöhung der Genauigkeit.

Safety-of-Life (SoL) : Dieser Dienst erweitert den Open Service um einen Rückmel- dekanal, der bestimmte Integritätsbedingungen – zum Beispiel die Präzision – überwacht.

Public Regulated Service (PRS) : Dieser Dienst richtet sich an Personen, die auf hohe Ausfallsicherheit und Verschlüsselung angewiesen sind.

Systeme wie GPS oder Galileo sind abhängig von den Signalen der Satelliten im Orbit. Besonders innerhalb Gebäuden wie Bürogebäuden und zwischen hohen Häusern, wie es im Stadtgebiet häufig der Fall ist, lassen sich diese Signale jedoch nicht oder nur unzuverlässig empfangen. Dadurch ist eine Positionsbestimmung nur beschränkt mög- lich oder sogar gänzlich unmöglich. Eine Ergänzung oder Alternative hierzu bildet die Positionsbestimmung innerhalb zellbasierter Funknetze.

2.4.3 Zellbasierte Funknetze

Eine Alternative zur Positionsbestimmung in Gebieten in denen satellitengestützte Sys- teme nicht anwendbar sind, ist es sich auf Funknetze wie Wireless Lan (WLAN) oder Mobilfunknetze (Universal Mobile Telecommunication System (UMTS)) zu stützen. Der Vorteil dieser Signale liegt in der Verfügbarkeit in Innenräumen.

Die Infrastruktur von Mobilfunknetzen stellt einen Verbund aus adjazenten Zellen dar, die in der Kombination eine flächendeckende Wabenstruktur ergeben. Eine Zelle ist hier- bei der Funkbereich eines Sendemasten im ungefähren Zentrum der Zelle. Diese Art von Netzwerken mit bekannten Fixpunkten eignet sich in erster Linie für die Positionsbe- stimmung über das CellID Verfahren. Die zuvor angesprochene Ungenauigkeit aufgrund von differenter Zellgröße beispielsweise durch Zellatmung 9 erlaubt keine genau Berech- nung. Das CellID Verfahren in Verbindung mit AoA oder ToA berücksichtigt weitere Parameter wie Abstrahlwinkel der Basisstation (Zellensektorisierung) und kombiniert die Verfahren für zu eine erhöhte Präzision.

Basisstationen in WLANs dienen als Zugriffspunkt, an dem sich Teilnehmer, je nach Zugangsberechtigung anmelden können. Dabei sendet ein WLAN auf definierten Fre- quenzbändern und kann von geeigneten Empfängern gefunden werden. Beim Vergleich

9 Zellatmung beschreibt die dynamische Ausdehnung und Verkleinerung von Zellen, die durch die Anzahl der eingebuchten Mobilgeräte und verwendeter Signalstärke begründet wird.

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2 Grundlagen und verwandte Arbeiten

mit dem Global System for Mobile Communications (GSM) Netz wird ersichtlich, dass ein einzelnes WLAN mit einer Zelle korreliert und in Verbindung mit anderen WLANs eine zellbasierte, teils überlappende Infrastruktur bildet. Eine hohe Dichte weisen solche Verbundnetze in urbanen Gebieten auf. Dort finden sich nach aktuellen Schätzungen bis zu tausend WLAN Basisstationen pro Quadratkilometer [Fraunhofer-Institut für Inte- grierte Schaltungen IIS]. Aufgrund der geringen Ausdehnung einzelner WLANs erreicht Cell of Origin (COO) in Verbindung mit dem RSSI Verfahren Positionierungsgenauig- keiten von zehn Metern außerhalb und von bis zu drei Metern im Inneren von Gebäuden erreichen.

Die WLAN Positionierung stellt eine Ergänzung zu GPS dar, da es genau die Schwach- stellen von GPS, nämlich die Genauigkeit in Gebäuden und städtischen Bereichen, abdeckt und GPS in ländlichen Gegenden, in denen die WLAN Positionierung versagt, gewinnt [List, 2008]. Erste Geräte, wie das iPhone verfügen über entsprechende Aus- stattung, die beide Technologien verwenden kann. Die Positionsbestimmung mittels WLAN stützt sich auf Datenbanken, in denen Zugangsstationen kartiert gespeichert werden und entsprechende Signalcharakteristika realen Orten zugewiesen sind. Bei der Positionsbestimmung erfolgt ein Abgleich sichtbarer Netze und deren Signalstärken, die kombiniert einen Fingerprint ergeben, mit den Datenbankeinträgen. Anhand der dort gespeicherten Koordinaten wird die Position approximiert. Aufgrund einer hohen Dynamik und Fluktuation von WLAN Netzen ist eine permanente Pflege der Datenban- keneinträge notwendig. Da bei der Positionsbestimmung eines Gerätes unter Umständen neben bekannten auch neue Netze übermittelt werden, handelt es sich um lernfähige Systeme, die vorliegende Daten stetig erweitern und verfeinern [Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS].

2.4.4 Positionsbestimmung durch IP Location Lookup

Die bis dato vorgestellten Verfahren setzen für die Positionsbestimmung auf die Ver- fügbarkeit von Signalen über eine Luftschnittstelle . Eine Möglichkeit der Positionsbe- stimmung, die auf Hierarchie und Heuristiken beruht stellt das IP Location Lookup Verfahren dar. Eingesetzt wird die Methode in Netzen, die wie beispielsweise das In- ternet auf dem Internet Protocol (IP) basieren. Eine IP Adresse ist eine Binärzahl, die einen Computer in einem Netzwerk eindeutig identifizieren, so dass Datenpakete als Informationsträger zwischen Server und Klient korrekt geroutet werden können. Die Vergabe der Adressen erfolgt über die Internetprovider, die Adressen in einem be- stimmten Bereich vergeben dürfen. In der initialen Version IPv4 besteht eine solche Adresse aus 32 Bits. Ipv6 erweitert den auf 2 32 Werte limitierten Adresseraum auf 128 Bits. Da Standortinformationen von Providern verfügbar sind, lassen sich Rückschlüs- se über den Aufenthaltsort des zu ortenden Computers ziehen. Die in diesem Prozess

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2 Grundlagen und verwandte Arbeiten

durchgeführte Suche setzt auf umfangreiche Datenbanken, die Standortinformationen in Verbindung mit entsprechendenden IP Adressbereichen vorhalten und im Rahmen der Ortung eines Teilnehmers angefragt werden.

Da eine Manipulation der IP Adresse möglich ist und Serverstandorte nicht unmittelbar in Verbindung mit dem Standort des Endgerätes stehen muss, stellt der IP Location Lookup keine sichere Methode dar. Analysen innerhalb der USA ergaben jedoch signi- fikante Resultate von einer 81 prozentigen Genauigkeit mit einer Ungewissheit eines 25 Meilen Radius’. Es wird geschätzt, dass bis zu 99 Prozent der IP Location Lookup Anfragen auf Länderebene korrekt sind [WhatsMyIP, 2008].

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3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

Die bereits in den neunziger Jahren entstandene Diskussion, ob und wie sich das In- ternet für die Verbreitung von Karten und Verarbeitung von Geodaten anbietet und eignet [Harbeck, 2003; Kraak/Ormeling, 2003], wurde spätestens durch die Schöpfung und Etablierung der Begrifflichkeit des Geoweb, als zutreffend beantwortet. Über das Geoweb als Integration von Internet und GIS erfährt das inhaltliche Spektrum von GIS eine Erweiterung und wird für eine breite Öffentlichkeit zugänglich und interessant [Peyke, 2004, S. 10]. Dieses Kapitel beleuchtet verschiedene Entwicklungen zum und im Geoweb, bespricht die infrastrukturellen Komponenten und gängige Datenformate, die eine geografische Referenzierung vorsehen.

3.1 Das Geografische Internet

Dieser Abschnitt diskutiert verschiedene Definitionen des Geowebs, die sich sowohl wi- dersprechen als auch komplementieren. Anschließend stellt der Abschnitt grundlegende Komponenten des Geowebs vor.

3.1.1 Begriffsbestimmung „Geoweb“

Für den Begriff Geoweb gibt es in der Literatur eine Vielzahl von Beschreibungen. Konsens einer einheitlichen Definition ist dabei nicht erkennbar. Eine Definition für das Geoweb als ein System aus Systemen, mit der gemeinsamen Grundlage der Geo- grafie gibt Maguire (2008, S. 3). Verfeinernd schreibt Maguire (2008, S. 1): „GeoWeb, or geographic web, is a relatively new term that describes all the geographic content and application services that are currently available on the World Wide Web“. Hierzu gehören Anwendungen für die dynamische Anzeige von Geodaten, direkt nutzbare Web Services und Mashups aus diesen, Geodatenportale und standardisierte Protokolle. Er- kennbar in dieser Definition ist die starke Orientierung an der wörtlichen Bedeutung des Wortes Geoweb - „Geo“ 1 als Indikator für geografischen Bezug und „Web“ 2 als Syn- onyme Abkürzung für World Wide Web. Sie geht jedoch ungenügend auf technische

1 griechisch: Erde, Land 2 englisch: Netz

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3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

Strukturen ein, die ein Fundament bilden und den Rahmen für geografische Daten im Internet geben.

Das Open Geospatial Consortium (OGC), eine Vereinigung mit dem Ziel Standards für die internetgestützte Verarbeitung von Geodaten zu etablieren, schreibt auf seiner Webseite 3 : „The Geospatial Web is about the complete integration and use of location at all levels of the internet and the web. This integration will often be invisible to the user. But at the end of the day, the ubiquitous permeation of location into the infra- structure of the internet and the web is being built on standards“ [Reed, 2007]. Die Wechselwirkungen auf allen Ebenen und die Bekenntnis zu standardisierten Verfahren bilden in dieser Definition den Fokus. Zu den integrativen Bestandteilen des Geowebs gehören daher nicht nur Daten, sondern auch Methoden und Paradigmen, die bei der Präsentation, der Bereiststellung oder dem Zugriff eingesetzt werden. Mit Fokus auf infrastrukturelle Aspekte und die Verwendung in einem dienstorientierten Umfeld gibt ESRI (2006, S. 2) eine weitere Definition: „The GeoWeb is continuously available geo- information content (e.g., spatial data, functions, and location-aware devices/sensors) and geospatial capabilities accessed through a services-based interface“. Die Notwen- digkeit über den Zugang zu aktuellen und präzisen geografischen Informationen aus verschiedenen Teilen der Welt sieht Lake et al. (2004, S. 7) als treibende Größe hinter der Entwicklung des Geoweb.

Die vorgestellten Definition zeigen die Vielschichtigkeit des Geoweb. Zum einen sind es die Daten selber, zum anderen Anwendungen, die diese verwenden und auch vermitteln- de Dienste, die den Zugriff und die Verbreitung erlauben. Weitere andere unterstützende Dienste, wie die Positionsbestimmung („location-aware devices“) geben dem Geoweb seine Form. Im Rahmen dieser Arbeit wird das Geoweb wie folgt definiert: „Das Geoweb vereint die Erzeugung, Bereitstellung, Verarbeitung, Manipulation und Präsentation von geografischen und georeferenzierenden Daten über Dienste und Anwendungen im Internet, Modelle zur Beschreibung von Geodaten, und für Anwendungen zuträgliche strukturelle Entitäten und Endgeräte“.

3.1.2 Quellen geografischer Daten

Geografische Informationen bilden die Grundlage des Geoinformationswesens und des Geowebs im Speziellen. Behördliche Institutionen wie Landesvermessungs-/ oder Ka- tasterämter liefern seit Jahren aktuelle und detaillierte Geodaten mit verschiedensten Schwerpunkten wie Straßen, Baumbestände, Liegenschaften usw. Diese Daten lagern in speziellen Datenbanken und bilden die Grundlage klassischer GIS Anwendungen.

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3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

Darüber hinaus erheben private Anbieter wie der GIS Marktführer ESRI 4 , Tele Atlas 5 oder Navteq 6 Geodaten, um sie ihren Kunden entsprechend aufbereitet anzubieten. Die- se professionell erhobenen Daten sind qualitativ hochwertig und haben entsprechend aufbereitet hohen Marktwert. Die Erfassung der zum Beispiel sich ständig ändernden Straßennetze erfolgt händisch, indem speziell ausgestattete Fahrzeugflotten die Stra- ßennetze abfahren und Änderungen so in die Datenpools der Anbieter aufgenommen werden. Zusätzlich zu der Vermessung über GPS werden zunehmend gleichzeitig Foto- aufnahmen von den abgefahrenen Strecken aufgezeichnet.

Bis vor etwa vier Jahren bildeten wissenschaftliche Projekte und behördliche Bemühun- gen die treibenden Größen hinter der Erschließung eines geografischen Internet, wobei die Motivation stark auf der Etablierung von Spezifikationen für den standardisierten Geodatenzugriff und -austausch lag. Der zunehmende Bekanntheitsgrad von frei ver- fügbaren Kartendiensten wie Google Maps bewirkte ein öffentliches Interesse an einem Geoweb. Nicht länger liegt so der Fokus auf technischen Konzepten, sondern vielmehr auf der gemeinschaftlichen Aktivitäten und den Einsatz von Geoinformationen in Web- projekten [Rouse/Bergeron/Harris, 2007, S. 155].

Das Web 2.0 nach O’Reilly (2005) ist geprägt von Interaktion, Partizipation und kol- lektivem Arbeiten und hat so die Rolle des Internetbenutzers von Zuschauer zu Teil- nehmer verändert. In persönlichen Weblogs, kollaborativen Wissensportalen oder durch Taggen 7 von Inhalten interagiert und kommuniziert die Webgemeinde [Huber, 2008]. Durch diesen User Generated Content (UGC), also Inhalte, die von Benutzern erstellt werden, wächst die Datenmenge im Internet rasant – nicht zuletzt als ein Produkt der zunehmenden Interaktionsmöglichkeiten [Goodchild, 2007, S. 6]. Vermehrt spielt das Erzeugen geografisch kodierter Informationen eine Rolle und als Substitut für User Generated Content (UGC) mit geografischem Bezug hat sich der Begriff der Volun- teered Geographical Information (VGI) etabliert [Dangermond, 2008; Goodchild, 2007]. Unterscheiden lässt sich zwischen der Generierung von Geodaten an sich und der Ver- ortung von medialen Daten, dem Geotagging, welches besonders in der Verortung von Bildern Anwendung findet [Torini/Battle/Cyzer, 2007, S. 159]. Im Gegensatz zu Geoda- ten, stehen bei einem Objekt mit Geotag die Daten im Vordergrund und die geografische Kodierung ist lediglich ein Attribut zu diesen. Obwohl diese Art der Geodaten größ- tenteils von geografischen Laien erzeugt wird und dadurch die Richtigkeit und Genau- igkeit nicht garantierbar ist, bildet die Gesamtheit der Sache ein innovatives Konzept, dass GIS und vor allem das öffentliche Verständnis für Geodaten nachhaltig beeinflusst [Goodchild, 2007, S. 2].

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3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

Über offizielle und Web 2.0 generierte Daten hinaus, bedient auch die automatisierte Geokodierung die Menge geografischer Daten im Internet. Die Durchsicht und Analyse von Dokumenten nach geografischen Inhalten (geoparsing), die nicht explizit maschinen- lesbar geografisch beschrieben sind, und die anschließende Kodierung der entsprechen- den Koordinaten (geocoding) ist eine Aufgabe der Informationsgewinnung [Scharl, 2007, S. 6]. Der Prozess der automatischen Annotation setzt bereits auf vorhandene grundle- gende Geodienste. Beispielsweise sind Datenbanken mit Koordinaten zur Schlagworten oder zu Adressen Voraussetzung für die automatisierte Geokodierung. Da hierfür vor- handene Dienste notwendig sind, kann bereits von einer auf einem spatialen Rahmen basierenden Anwendung, für die geografische Veredelung von Dokumenten, gesprochen werden [Scharl, 2007, S. 7].

3.1.3 Benutzergruppen und Peripherie

Geodatenverwender lassen sich in die zwei Gruppen Nutzer und Dienstanbieter un- terteilen. Während Benutzer das Ende der Verarbeitungs- und Wertschöpfungskette darstellen bilden Dienstanbieter ein Bindeglied zwischen zwei Ketten. Sie veredeln Geo- daten und geben diese in geeigneter Form, unter Generierung von Mehrwert, an weitere Geodatennutzer weiter, die ihrerseits Nutzer oder Dienstanbieter sein können. Durch den Abruf von Geodiensten und Anwendung angebotener Software in verschiedenen Umgebungen und mit unterschiedlicher Intention, sichern Geodatennutzer einen kon- tinuierlichen Markt. Für nachhaltigen Erfolg bei dem Handel mit Geodaten und Pro- duktderivaten aus diesen, spielt daher eine engmaschige Überprüfung der Nachfrage und die Fähigkeit, Produkte innerhalb kürzester Zeit auf momentane Konstellationen anzupassen, eine zentrale Rolle.

Die Schnittstelle zwischen digitalen Diensten und Endverbrauchern stellen die End- geräte wie Computer dar. Technologischer Fortschritt und die Verbreitung leistungs- starker Geräte erlauben neue Anwendungen. Laptops und stationäre Computer liefern für Anwendungen über das stetig weiterentwickelnde Internet die nötige Rechenkapa- zität.

Parallel zum rasanten Wandel des Internet erlebt auch die Mobilfunkindustrie eine Wen- de. Smartphones, die in ihrer Funktionalität bereits viel mit einem Computer gemein ha- ben, bevölkern den Markt. Beispiele hierfür sind das iPhone von Apple oder das Google G1. Die kontinuierliche Entwicklung leistungsstärkerer Geräte geht einher mit dem Aus- bau der Infrastrukturen. Durch die Einführung neuer Netze wie das UMTS Netz oder in naher Zukunft High Speed Downlink Packet Access (HSDPA) werden immer schnel- lere Datenverbindungen in das Internet möglich. Dadurch sind moderne Mobiltelefone potentielle Endgeräte für komplexe Anwendungen im Internet.

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3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

3.2 Formate zur Geokodierung und Georeferenzierung

Die Kommunikation von geografischen Informationen und Informationen mit geografi- scher Referenzierung über das Internet findet über geeignete Datenformate statt. Viel- fältige Anwendungszwecke und eine Bandbreite unterschiedlicher Medientypen wie Bil- der oder Texte stellen differente Ansprüche an jeweilige Datenformate. Dieser Abschnitt stellt mit dem Fokus auf Anwendungszweck de facto und de jure Standards für die geo- grafische Kodierung im Web vor.

3.2.1 Modellierungs- und Datenaustauschformate

Die Modellierung von geografischen Formen spielt eine zentrale Rolle bei der Model- lierung von Gebäuden und Städtemodellen sowie in wissenschaftlichen Anwendungen. Dort werden Formate benötigt, die in der Lage sind komplexe Strukturen und Sach- lagen en Detail auszudrücken. Bei der Visualisierung dagegen ist eine semantische Beschreibung der Sachverhalte nicht notwendig und andere Aspekte finden den Fo- kus.

Geography Markup Language (GML)

GML ist eine auf XML basierende Beschreibungssprache für geografische Objekte jegli- cher Art. Weiterentwickelt und gepflegt von dem Open Geospatial Consortium (OGC), einem internationales Konsortium aus 386 Vertretern aus Industrie, Regierungsbehör- den und Universitäten, ist GML seit 2002 ein Standard der ISO [Lake et al., 2004, S. 9] und liegt derzeit in Version 3.1 vor. Das OGC verfolgt das Ziel offene Standards für den Austausche und den Zugriff auf geografische Daten im Internet zu erarbeiten und zu etablieren.

Objekte in GML basieren auf dem feature-Typ. Als grundlegender Bausteine zur Re- präsentation der realen Welt, enthalten diese Objekte geografische Eigenschaften, wie Position und Ausdehnung und weitere beschreibende Eigenschaften wie Farbe, Dichte oder Material [Lake et al., 2004, S. 3]. Über die Angabe eines Zeitpunktes oder einer Zeitspanne lässt sich einem feature ein Gültigkeitszeitraum zuweisen und ermöglicht die Modellierung dynamischer Objekte. Für die Beschreibung geometrischer Eigen- schaften eines Objektes definiert die Spezifikation die grundlegenden Formen Point, LineString und Polygon. Mit Hilfe dieser Typen lassen sich die in Abschnitt 2.3 vorge- stellten Typen von Geodaten hinreichend kodieren. Als Beispiel sei hier die Erfassung

24

3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

<e l em e n t name=" B r i d g e "

t y p e=" a p p: B r i d g e T y p e " />

<complexType name=" B ri d geTy pe "> <c om pl exC o n t e n t>

<e x t e n s i o n

b a s e=" g m l: A b s t r a c t F e a t u r e T y p e ">

<s e q u e n c e> <e l em e n t name=" sp an "

t y p e=" i n t e g e r " />

<e l em e n t name=" h e i g h t "

<e l em e n t name=" m a t e r i a l "

t y p e=" i n t e g e r " /> t y p e=" s t r i n g " />

</ s e q u e n c e> </ e x t e n s i o n> </ c om pl exC o n t e n t> </ complexType>

<B r i d g e

g m l : i d=" b r i d g e 1 ">

<sp an>400</ sp an> <h e i g h t>0</ h e i g h t>

<m a t e r i a l>wood</ m a t e r i a l>

<b r i d g e T y p e

x l i n k : h r e f=" h t t p : //www. ex ample . com/

t r a n s p o r t a t i o n . xml#b r i d g e _ t y p e 1 /> </B ri d g e >

Quelltext 3.1: Fluss-Feature Type und Anwendung als GML Spezifikation (Quelle: Lake et al. (2004, S. 23f))

eines Schemas für die Kodierung von Brücken genannt, wie in Quelltext 3.1 darge- stellt. Eine Reihe weiterer Datentypen wie MultiPolygon erleichtern den Umgang mit Objekten.

Die GML Spezifikation dient als Framework für sogenannte Application Schemata, die die benötigten Objekttypen in Sinne eines Vokabulars festlegen. Die Erweiterung des Frameworks um benutzerdefinierte Typen als Bestandteil eines Application Schemas gilt als zentraler Bestandteil von GML [Lake et al., 2004, S. 31, 287]. Neben dem Ba- sistyp feature ist auch das XLink 8 Schema Bestandteil des Frameworks. Die dadurch vorhandenen Methoden zu der Referenzierung externer Objekte, ermöglicht die Erzeu- gung verteilter Datensätze und geografischer Objekte über Systemgrenzen hinaus. GML findet aufgrund der Erweiterbarkeit und dadurch universellen Einsatz sowie der Mög- lichkeit des ressourcenübergreifenden Modellierens primär Einsatz im professionellen Web GIS Bereich.

Verschiedene Profile basierend auf GML sind bereits durch das OGC definiert und teilweise als Standard der ISO 19100er-Normen verabschiedet. Eines davon ist Ci- tyGML, ein Profil für die Modellierung von 3D Städtemodellen über 3D-Geometrie, 3D-Topologie und semantische Deskriptoren. Der letzte Punkt ist besonders hervorzu- heben. Semantische 3D-Stadtmodelle sind von besonderer Gestalt, dadurch „dass Infor- mationen über den städtischen Raum in Form von klassifizierten Objekten mit räum- lichen und nicht-räumlichen Eigenschaften strukturiert sind und damit auch die Be-

8 XLink ist eine Spezifikation für Definition von Hyperlinks in XML Dokumenten, um Refe- renzen zwischen verschiedenen Ressourcen herzustellen [DeRose/Maler/Orchard, 2002].

25

3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

deutung, Einordnung sowie physikalische und funktionale Eigenschaften repräsentiert werden“ [Kolbe, 2008, S. 3]. Hiervon profitiert eine Reihe von Anwendungsgebieten wie die Stadtplanung, das Immobilienmanagement, die Umweltsimulationen, das Katastro- phenmanagement, sowie auch das Facility Management, da dort die Beziehung zwischen einzelnen Objekten beschrieben werden kann [Kolbe, 2008, S. 2].

Keyhole Markup Language (KML)

Das gerade vorgestellte GML legt den Schwerpunkt auf die Modellierung von Daten über komplexe Strukturen, nicht jedoch auf die Visualisierung der entsprechenden Da- ten. Dieses ist die Domäne von der Keyhole Markup Language (KML). Die Sprache dient vornehmlich der Beschreibung von geometrischen Formen und Informationen zu diesen und eine Kodierung auf semantischer Ebene findet nicht statt. KML wurde von der durch Google akquirierten Firma Keyhole entwickelt und stellt das von Google global propagierte und verwendete spatiale Datenformat dar. KML wurde von Google freigegeben und ist, mittlerweile in Version 2.2, seit April 2008 eine OGC Spezifikation für die Beschreibung von Objekten zur Visualisierung in 2D und 3D Kartenanwendun- gen [Wilson, 2008].

Die Verbreitung von KML Konstrukten erfolgt über kml Dokumente, die in geeigneten Anwendungen, wie Google Earth geladen werden können. Ein solches Dokument kann in sich abgeschlossen sein, oder weitere externe Ressourcen über URLs einbinden. Auch die Manipulation von Daten ist über spezielle Code Fragmente möglich. Zentral hierfür sind die Elemente (update, delete und change), welche zu manipulierende Elemente über eindeutige IDs ansprechen.

KML setzt für die visuelle Gestaltung von Objekten Style Elemente ein, die zentral im Dokument definiert werden können. KML erlaubt die Einbettung von Rasterda- ten über sogenannten Overlays, die über Koordinaten entsprechend auf der Erdku- gel platziert werden. Der grundlegende Typ in KML ist der Feature-Typ. Ähnlich zu GML bildet er den Behälter für Objekte mit geometrischen Formen, die in KML Pla- cemark genannt werden. Wie auch in GML existieren Elemente für Punkte, Linien- züge und Polygone. Über ein Model Element lassen sich detaillierte 3D Modelle ein- binden. Generell finden sich eine Reihe von GML Elementen und Methoden in KML wieder.

Die Visualisierung in KML bezieht sich sowohl auf die Modellierung geometrischer Strukturen als auch auf die Strukturierung der Inhalte über Ordnerstrukturen, die

Google Earth in einer separaten Navigation anzeigt. Über unterschiedliche Stile (Aus-

) ist das Aussehen der Navigationsstruktur steuerbar.

wahlboxen, Exklusive

Ein einfaches Beispiel eines (Placemarks) als Element in einem Ordner (Folder) zeigt Quelltext 3.2. KML bietet weitere Möglichkeiten zur Steuerung der Anzeige, darunter

26

3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

<? xml

<kml xmln s=" h t t p : // e a r t h . g o o g l e . com/ kml / 2. 2 "> <Document>

v e r s i o n =" 1. 0 "

e n c o d i n g="UTF8" ?>

<name>Messen</name>

<S t y l e

i d=" my S tyl e ">

<L i n e S t y l e><c o l o r>b 2 f f a a 5 5</ c o l o r></ L i n e S t y l e> <P o l y S t y l e><c o l o r>b 2 f f a a 5 5</ c o l o r></ P o l y S t y l e>

</ S t y l e> <F o l d e r> <name>Messen</name> < d e s c r i p t i o n>Messen</ d e s c r i p t i o n> <Pl acem a r k> <name>Messe F r e i b u r g</name> < s t y l e U r l>#my S tyl e</ s t y l e U r l> <P oly g o n> <o u t e r B o u n d a r yI s> <L i n e a r R i n g> <c o o r d i n a t e s>

</ c o o r d i n a t e s> </ L i n e a r R i n g> </ o u t e r B o u n d a r yI s> </ P oly g o n> </ Pl acem a r k> </ F o l d e r> </Document> </ kml>

Quelltext 3.2: Ein KML Dokument

Parameter um den Blickwinkel auf die Erde oder die Betrachtungshöhe zu beeinflussen.

Um den Transfer von Datenvolumen zu minimieren, bietet KML Mechanismen an, Da-

ten in Abhängigkeit des Detailgrades und der momentan angezeigten Region dynamisch

nachzuladen. Eine Einführung mit einer Vielzahl an Beispielen und die Spezifikation

an sich findet sich unter http://earth.google.de/kml/.

GML

Kriterium

KML

de jure

Standard

de facto anwendungsorientiert semi-simpel

wissenschaftlich

Hintergrund

komplex

Komplexität

Offen und flexibel Erweiterbarkeit nahezu geschlossen

Modellierung

Inhalte

Visualisierung

Profile und Schemata

Schema

keine Schemata

mächtig, teilweise unterstützt

Modellierung

eingeschränkte Möglichkeiten

Tabelle 3.1: Vergleich von KML und GML anhand zentraler Merkmale (Quelle: Shi, 2007)

Die OGC Spezifikationen KML und GML unterscheiden sich grundlegend in Anwen-

dungszweck und ergänzen sich gegenseitig in den jeweiligen Schwachstellen. So ist GML

als mächtige aber schwergewichtige Sprache in der Datenschicht einsetzbar, während

an der Schnittstelle der Visualisierung KML seine Stärken ausspielt und zum „HTML

geografischer Inhalte“ avanciert ist [Dangermond, 2008]. KML ist aufgrund von Google

Earth als Visualisierungsapplikation und der einfachen Verwendbarkeit der de facto

27

3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

Standard des Internets für die Visualisierung und Verbreitung geografisch kodierter Informationen vieler Art und Weise [Weiss-Malik, 2008]. Tabelle 3.1 stellt die beiden verbreiteten XML Derivate gegenüber.

GPS Exchange Format (GPX)

Das GPS exchange Format (GPX) liegt in Version 1.1 vor und ist ein auf XML

basierendes Format. Nach Aussagen der offiziellen Webseite 9 , dient es seit 2001 als de facto Standard für den leichtgewichtigen Austausch von Geodaten. Die Implemen- tierung von GPX beschränkt sich dabei auf die Kodierung von Wegpunkten (wpt), Routen (rte) sowie Tracks (trk). Darüber hinaus ist es möglich generelle Informa-

) zu kodieren. Somit eignet sich GPX für das Auf-

tionen (metadata, person,

zeichnen von Wegstrecken oder Markierungen, wie es Fahrtenschreiber durchführen. Das GPX Schema definiert nur wenige Kernelemente, erlaubt aber die benutzerspe-

zifische Erweiterung in dem dafür vorgesehenen extensions Element. Das offizielle GPX Schema findet sich unter http://www.topografix.com/gpx/1/1/gpx.xsd (Ab- ruf: 15.10.2008).

Die Notation der geografischen Koordinaten erfolgt dezimal und nicht wie in Ab- schnitt 2.2.1 vorgestellt in Bogeneinheiten. Als Referenzellipsoid dient das WGS84 Da- tum.

<? xml v e r s i o n =" 1. 0 " e n
<? xml
v e r s i o n =" 1. 0 "
e n c o d i n g="UTF−8"
s t a n d a l o n e =" no " ?>
<gpx xmln s=" h t t p : //www. t o p o g r a f i x . com/GPX/1/1 "
v e r s i o n=" 1. 1 "
x
m l n s : x s i=" h t t p : //www. w3 . o r g /2001/XMLSchema−i n s t a n c e "
x
s i : s c h e m a L o c a t i o n=" h t t p : //www. t o p o g r a f i x . com/GPX/1/1
h t t p : //www. t o p o g r a f i x . com/GPX/1/1/ gpx . x s d ">
<me t ad a t a>
<a u t h o r>H o l g e r Neub</ a u t h o r>
< t i t l e>S t a n d o r t
d e r
F r e i b u r g e r
Messe</ t i t l e>
</ me t ad a t a>
<wpt
l a t=" 4 8. 0 1 7 0 3 5 "
l o n=" 7. 8 3 9 9 9 0 ">
<e l e>0</ e l e>
<tim e>2008−10−15 T 1 2: 0 2: 1 0Z</ tim e>
<name>Messe F r e i b u r g</name>
<sym> b u i l d i n g</sym>
</wpt>
</ gpx>

Quelltext 3.3: Position der Messe Freiburg im GPX Format

28

3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

GeoJSON

JavaScript Object Notation (JSON) ist ein für Menschen und Maschinen lesbares Da- tenaustauschformat, welches im Gegensatz zu den meisten Formaten für die geografische Kodierung nicht auf XML aufbaut. In Verbindung mit einer kompakten Schreibweise und durch einfache Strukturen kommt JSON im Allgemeinen mit wenig Overhead aus. JSON ist hierbei nicht limitiert auf JavaScript, findet jedoch doch dort in Verbindung mit Ajax häufig Einsatz um Daten zwischen Klient und Server zu übertragen und diese auf Klientenseite wieder in ein Objekt zu überführen. GeoJSON ist auf JSON aufsetzen- de Spezifikation, die eine Reihe von Datenstrukturen definiert, um geografische Objekte zu kodieren. Zu diesen gehören [Butler et al., 2008]:

Point

MultiPoint

LineString

MultiLineString

Polygon

MultiPolygon

GeometryCollection

Quelltext 3.4 zeigt die das zuvor schon mehrfach verwendete Beispiel der Messe Freiburg in GeoJSON (GeoJSON) Notation. Die Spezifikation von GeoJSON findet sich unter http://geojson.org/geojson-spec.html.

{

"type": "Feature" , "properties": {

 
 

"name" :

" Messe

F r e i b u r g " ,

"

adress " :

{" s t r e e t "

: " Europaplatz 1" ,

" zip " :

"79108" ,

" c i t y " : " Freiburg "}

}

"geometry" : { "type": "Point" ,

 
 

"

coordinates " : [45.256 , 110.45] ,

"

c r s " : { " t y p e " : "OGC" ,

" p r o p e r t i e s " : { " u r n " : " u r n : o g c : d e f : c r s : O G C : 1 . 3 :CRS84 " }}

}

}

Quelltext 3.4: Position der Messe Freiburg im GeoJSON Format

3.2.2 Geografische Kodierung textueller Informationen

Das World Wide Web in seiner ursprünglichen Form besteht aus einem Netzwerk von Hypertext Dokumenten. Diese klassischen Inhalte können mit Hilfe verschiedener Me- thoden mit geodätischen Informationen angereichert werden [Lake, 2007]. Vor dem Hin- tergrund, dass 80% aller Informationen einen örtlichen Bezug aufweisen, wird deutlich, dass Formate für die Geokodierung von Textfragmenten wesentlich zu der Menge an Informationen im Geoweb beitragen.

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Geo Encoded Objects for RSS

Geographically Encoded Objects for RSS feeds (GeoRSS) ist eine Empfehlung für die geografische Kodierung von Real Simple Syndication (RSS) Feeds und Web Inhalten mit dem Fokus auf Simplizität und dennoch ausreichender Aussagekraft [Reed et al., 2006, S. 3]. Der Begriff Feed kann definiert werden als „Daten in einem bestimmten Datenformat, das nicht für Menschen bestimmt ist, sondern von Programmen gelesen und aufbereitet werden kann“ [Alby, 2008, S. 48f]. GeoRSS unterscheidet zwei Spezifi- kationen. In einer in Funktionalität reduzierten Version GeoRSS-Simple können grund- legende Informationen kodiert werden. Hierzu gehören Punkte, Linien, Polygone und eine Bereichsbox. Radiale Bereiche lassen sich durch einen Radius in Verbindung mit dem Point Element beschreiben. Auch Höhenangaben sind möglich. Als Referenzsystem dient das WGS84. [Reed et al., 2006, S. 6-8]

< g e o r s s : p o i n t>4 8. 0 1 7 0 3 5

<GeoRSS:where> <g m l: P o i n t> <gm l: p o s>4 8. 0 1 7 0 3 5 </ g m l: P o i n t> </ GeoRSS:whe re>

7. 8 3 9 9 9 0</ g e o r s s : p o i n t>

7. 8 3 9 9 9 0</ gm l: p o s>

Quelltext 3.5: Kodierung einer Position mit GeoRSS Simple und GML GeoRSS

Weitaus umfangreicher in Funktionalität ist die GML GeoRSS Spezifikation, die Ele- mente eines GML Version 3.1.1 Profils verwendet. Soweit nicht anderweitig spezifiziert sind Koordinaten im WGS84 und dezimal zu verstehen [Reed et al., 2006, S. 9]. Quell- text 3.5 zeigt exemplarisch die Kodierung eines Punktes in Simple GeoRSS und GML GeoRSS. Historischer Vorgänger, jedoch für die Anwendung nicht mehr empfohlen, ist das W3C Basic Geo Vokabular 10 .

Metainformationen in HTML Dokumenten

Das Geotagging von HyperText Markup Language (HTML) Inhalten kann über spezi- elle Meta Tags im Header der Dokumente erfolgen. Das Meta Tag (<meta>) verfügt im Allgemeinen über das name bzw. http-equiv und das content Attribut, wobei das erste den Schlüssel und das zweite den Wert enthält. Für die Angabe von Standortinforma- tionen wird zwischen zwei Varianten unterschieden. Zum einen erlaubt das Taggen nach dem ICBM Standard die Kodierung der Lage über Breiten und Längengrad als Semi- kolon separiertes Tupel mit Werten im WGS84 Datum. Zum anderen definiert der Geo- Tag Entwurf einzelne Schlüssel (name-Werte) Einträge für die Position (geo.position),

30

3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

für das Land (geo.country), sowie weitere Einträge der Form geo.<civic>. Dabei re- präsentiert <civic> einen Schlüssel für die Adresskodierung nach dem RFC4776 11 . Ein Anwendungsbeispiel zeigt Quelltext 3.6. Weiterführende Informationen zu den Geo- Tags finden sich direkt auf GeoTags.com 12 oder als Internet-Draft auf den Webseiten der IETF 13 .

<meta name="ICBM"

<meta name=" geo . p o s i t i o n "

<meta name=" geo . c o u n t r y "

<meta name=" geo . a1 " c o n t e n t="BW" />

<meta name=" geo . a3 " <meta name=" geo . z i p "

<meta name=" geo . nam" c o n t e n t=" Messe

c o n t e n t=" 4 8. 0 1 7 0 3 5; 7. 8 3 9 9 9 0 " />

c o n t e n t=" F r e i b u r g " /> c o n t e n t=" 79108 " />

F r e i b u r g " />

c o n t e n t=" 4 8. 0 1 7 0 3 5; 7. 8 3 9 9 9 0 " />

c o n t e n t="DE" />

Quelltext 3.6: Position der Messe Freiburg in Geo Tags für HTML Ressourcen

Mikroformat „geo“

Mikroformate sind Markup-Formate, die Informationen in einen semantischen Zusam- menhang einbetten. Diese Markupelemente besitzen eine festgelegte Bedeutung, die die enthaltene Information klassifizieren und diese Semantik dadurch maschinenlesbar wird. Die Kodierung der Informationen verwendet HTML als Beschreibungssprache und die enthaltene Information wird über das class-Attribut deklariert. Eines dieser For- mate stellt das Geo-Mirkoformat dar und ist in Form eines Beispiels in Quelltext 3.7 veranschaulicht [Çelik, 2008].

<d i v <sp an <sp an </ d i v>

c l a s s=" geo ">Messe

F r e i b u r g :

c l a s s=" l a t i t u d e ">4 8. 0 1 7 0 3 5</ sp an> ,

c l a s s=" l o n g i t u d e ">7. 8 3 9 9 9 0</ sp an>

<a b b r

c l a s s=" geo "

t i t l e =" 4 8. 0 1 7 0 3 5; 7. 8 3 9 9 9 0 " ">Messe

F r e i b u r g </abb r>

Quelltext 3.7: Das Microformat „geo“ bettet geo Koordinaten in einen semantischen Kontext ein.

Als eigenständiges Mikroformat, wird es auch in anderen Mikroformates wie hCard oder hCalendar 14 eingesetzt. Das geo Mikroformat erwartet die Koordinaten im WGS84

11 Eine Spezifikation für die Adresskodierung im Dynamic Host Configuration Protocol (DHCP).

12 http://geotags.com/geo/ 13 http://tools.ietf.org/html/draft-daviel-html-geo-tag-08 14 hCard und hCalendar sind ein microformat um Inhalte elektronischer Visitenkarten und Ka- lendereinträge zu beschreiben. Es ist in der Namesgebung angelehnt an die ursprünglichen Formate iCard und iCal.

31

3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

Datum. Alternativ zu der getrennten Angabe über die Schlüssel Longitude und La- titude ist die kombinierte mit Semikolon separierte Schreibweise in einem <abbr>- Element.

3.2.3 Bildformate mit Geoinformationen

Satelliten und Luftaufnahmen in Form von Rasterdaten bilden seit Jahren das Funda- ment für Karten. Eine hohe Auflösung und Detailreichtum und ein gleichzeitig schneller Zugriff sind zwei konzeptionelle und anwendungsorientierte Parameter, die zwingend notwendig sind. Das große Datenvolumen effizient geografisch zu referenzieren, zu or- ganisieren und zu instrumentalisieren stellt eine vielschichtige Problematik dar. Die Möglichkeit der Einbettung von geografischen Informationen in Bilddaten erlaubt eine vereinfachte Integration in digitale Landkarten und adressiert den Aspekt der Daten- organisation [Gerlek/Fleagle, 2007, S. 27].

GeoTIFF

GeoTIFF erweitert das Tagged Image File Format (TIFF). TIFF ist ein besonders im GIS Bereich verbreitetes proprietäres Rasterformat, welches Informationen in Tag Strukturen speichert [Ritter/Ruth, 2000]. GeoTIFF wurde entwickelt um die geografi- sche Lage, sowie das zugrunde liegende Referenzsystem zusammen mit den Nutzdaten zu speichern und so die im Rahmen eines Datenaustausch nötigen Zusatzinformationen in die Datei einzubetten [Mahammad/Ramakrishnan, 2003]. Die GeoTIFF Spezifikation definiert eine Menge an TIFF Tags für eine Vielzahl an Informationen, die für eine kar- tografische Weiterverarbeitung von Karten, 2.5D Modellen, Satellitenaufnahmen und Geofachdaten notwendigen sind. Sechs verschiedene Meta Tags mit Schlüsseln aus dem für benutzerspezifische Definition von Schlüsseln vorgesehenem Bereich überhalb von 32768 sind offiziell beschrieben und kapseln über diese die gesamte Erweiterung, so dass keine Kompatibilitätsprobleme mit der eigentlichen TIFF Spezifikation entstehen. Folgende Tags sind Bestandteil der Erweiterung:

ModelPixelScaleTag Das Tag gibt die Skalierung eines Pixels im TIFF Bild in x, y und z Richtung an um die Größe eines Pixels und in Einheiten des Zielmodels (Koordinatensystem) anzugeben. Da in den meisten Fällen ein 2-dimensionales Modell vorliegt, ist der Wert des z Parameters dann 0.

ModelTiepointTag Das Tag speichert Passpunkte, mit deren Hilfe Koordinaten für jedes Pixel berechnet werden können. In Verbindung mit dem ModelPixelScaleTag kön- nen die Rasterdaten exakt in den Vektorraum des Zielmodels überführt werden.

32

3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

Sollte keine Informationen über Skalierung verfügbar sein, erfolgt eine Interpola- tion entsprechend. Alternativ kann auch das unterhalb beschriebene ModelTrans- formationTag eingesetzt werden.

ModelTransformationTag Über eine 4x4 Matrix kann eine Transformation, die auch Scherung oder Drehung berechnet, angegeben werden.

GeoKeyDirectoryTag Das Tag enthält Header Informationen über Version des Schlüs- selsatzes, Anzahl der verwendeten Schlüssel (n) für die Kodierung von georele- vanten Daten. Zusätzlich speichert es die n Schlüssel/Wert Paare („GeoKeys“). Das GeoKeyDirectoryTag entspricht dem TIFFEntry Schlüssel 34735. Ein Schlüs- sel/Wert Paar hat dabei folgende in Gleichung 3.1 dargestellte 4-Tupel Struktur, die mit der generellen TIFFTag Struktur übereinstimmt:

KeyEntry = {KeyID, T IF F T agLocation, Count, V alue_Offset}

(3.1)

KeyID repräsentiert den Schlüssel Wert in Form einer ID zwischen 0 und 65535 [Ritter/Ruth, 2000]. TIFFTagLocation spezifiziert das TIFF Tag, welches den zu- gehörigen Wert enthält und Count die Anzahl der Werte des Schlüssels an sich. Value_Offset gibt den Datenindex innerhalb des über TIFFTagLocation identi- fizierten Wertcontainers an. Sollte die TIFFTagLocation den Wert 0 vorweisen, so steht der Wert des aktuellen Wert/Schlüssel Paares unmittelbar in dem Va- lue_Offset Feld.

GeoDoubleParamsTag Das Tag subsumiert alle GeoKey Werte vom Typ Double. Der TIFF Schlüsselwert ist 34736

GeoAsciiParamsTag Das Tag mit dem TIFF Schlüssel 34736 bildet den Behälter für alls ASCII Werte vorhandener GeoKeys.

Ein konkretes Beispiel für GeoTIFF Einträge eines TIFF Bildes, welches Bilddaten aus einer Projektion im UTM Grid enthält, zeigt Quelltext 3.8. Das ModelTiepointTag bildet die obere linke Ecke des Bildes (0,0) auf ein Easting beziehungsweise Northing von 350807 und 5316081 ab.

ModelTiepointTag = (0 ,

ModelPixelScaleTag = (1000 , 1000, 0) GeoKeyDirectoryTag =(1 ,1.2 ,3 ,

0 ,

0 ,

350807 , 5316081 , 0)

3072, 0,

1026, 34737,12,0, 3073, 34737, 25,0

)

1, 32633,

Ge oA sciiP a r am sT a g ( 3 4 7 3 7 )=("UTM Zone 33 N w i t h WGS84| " )

Quelltext 3.8: GeoTIFF erweitert das TIFF Format um spezielle Tags für die Speicherung von georeferenzierenden Metadaten.

33

3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

Die Skalierung ist durch das ModelPixelScaleTag angegeben und beträgt 1000 Me- ter/Pixel in der xy-Ebene. Innerhalb des GeoKeyDirectoryTag bedeutet beispielsweise die Zeile 3072, 0, 1, 32660, das Koordinationsystem der Projektion (ProjectedCSType- GeoKey, 3072) der UTM mit dem WGS84 Kartendatum entspricht und die Daten innerhalb der Zone 33N liegen (PCS_WGS84_UTM_zone_33N, 32633). Eine seman- tische Beschreibung des Zielkoordinatensystems erfolgt in der Zeile 3073, 34737, 25, 0. Der hierfür entsprechende GeoKey PCSCitationGeoKey (3073) referenziert den Wert des GeoAsciiParamsTag (34737) Arrays beginnend von Anfang an (Offset=0) mit einer Länge von 25 Byte. Das ergibt UTM Zone 33 N with WGS84, wobei das letzte Byte „|“ das Ende signalisiert und als NULL interpretiert wird.

GML in JPEG2000

JPEG2000 ist ein auf der Wavelet Transformation basierender Standard (ISO 15444) für die Kompression von Bilddaten. Bei der Wavelet Transformation werden die Bilddaten nicht wie beispielsweise bei der Fourier Transformation in einem Durchgang, sondern durch iteratives Anwenden von Hoch- und Tiefpassfiltern, sogenanntes Subbandcoding komprimiert. Jeder Iterationsschritt zerlegt das Bild in immer gröbere Bildstrukturen und entfernt jeweils die Hälfte der Spalten und Zeilen, so dass das Bild pro Iteration um Faktor vier verkleinert wird. Durch Verschiebung und Anpassung der Iterationsschritte, sowie der Auswahl entsprechender Filterergebnisse für das letztendliche Bild ist ein stufenlose Kompression möglich [Gerlek/Fleagle, 2007, S. 31].

Das Format unterstützt durch den inkrementellen Bildaufbau das Streamen der Bild- daten über das JPEG 2000 Interactive Protocol (JPIP) und eignet sich für den Einsatz in Webseiten. Aus bereits geladenen Daten wird eine niedrig auflösende Voransicht ge- neriert, die mit zunehmender Datenmenge an Details zunimmt. Ein weiterer Vorteil des Verfahrens liegt darin, dass aus einem Quellbild, welches eine Größe von mehreren Gigabyte besitzen kann, Bilder in unterschiedlicher Auflösung „on-the-fly“ generiert werden können [Gerlek/Fleagle, 2007, S. 30]. Im Vergleich zu JPEG erreicht das For- mat eine bis zu 30% höheren Kompressionsgrad bei wahrnehmbar besserer Qualität. JPEG2000 unterstützt auch ungleiche Kompressionsstufen innerhalb eines Bildes um bestimmte Bereiche detaillierter darzustellen und weniger relevante Bereiche stärker zu komprimieren.

Der Einsatz von GML in JPEG2000 verfolgt das Ziel das Format um ein Schema zu erweitern, welches notwendig ist um georeferenzierende JPEG Bilder zu erstellen [Ky- le et al., 2006]. Da der JPEG2000 Datenkontainer die Einbettung von XML Dokumenten erlaubt, eignet sich GML für den Einsatz. Die Struktur einer JPEG2000 Datei mit GML zeigt Abbildung 3.1.

34

3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

JPEG 2000 Datei

Coverage Beschreibung

Coverage Geometrie

Coverage Werte

Features, Metadaten,

Coverage Wertebeschreibung

Bilddaten

Datei Coverage Beschreibung Coverage Geometrie Coverage Werte Features, Metadaten, Coverage Wertebeschreibung Bilddaten

Abbildung 3.1: Aufbau einer JPEG2000 Datei mit GML

Die Bilddaten beschreibt eine GML Coverage Description, die sich aus folgenden Be- standteilen zusammensetzt [Kyle et al., 2006]:

Informationen zu der Geometrie des Coverage Description

Beschreibung der Daten der Coverage. Beispielsweise können diese Fachdatenin- formationen oder Erhebungswerte sein, sofern die Geometrie der Coverage ein Höhenmodell festlegt.

Features, Annotationen und weitere Metadaten, die die GML Spezifikation vor- sieht.

Die Daten der Coverage an sich. Diese stellen eine Referenz auf die eigentlichen Bilddaten des JPEG2000 Bildes dar.

Durch die Möglichkeit GML Daten dem Bild in Form von Vektordaten hinzuzufügen und Applicationchemata zu definieren, ist eine visuelle Gestaltung und dadurch infor- mationelle Aufwertung des Bildes ohne Manipulation der eigentlichen Bilddaten mög- lich. Bild und GML Daten können von unterschiedlichen Quellen über entsprechende Webservices dynamisch kombiniert und weiterverarbeitet werden [Gerlek/Fleagle, 2007, S. 35].

EXIF und IPTC für Metainformationen zu Photos

Das Exif Format ist ein Dateiformat zum Speichern von Metainformationen zu Bild- daten, welches durch den „Digital Still Camera Image File Format“ Standard definiert wird [JEITA, 2002]. Dieser Standard definiert wie Digitalkameras Meta Informationen zu Bild- und Audiodateien kodieren sollen, und legt eine Struktur für die Speicherung im TIFF und JPEG Format fest. In TIFF folgt die Struktur dem TIFF Standard. Über das Exif Image File Directory (IFD) Attribut im ersten IFD der TIFF Datei werden

35

3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

die Exif Attribute referenziert. Das Exif IFD Tag verwendet den Schlüssel 34665, wel- cher aus dem Wertebereich für proprietäre Schlüssel stammt, die der TIFF Standard definiert. Die Einbettung der Metadaten in JPEG Dateien erfolgt in APP1 und APP2 Markern entsprechend dem JPEG Standard.

Für die Kodierung der Einträge definiert das Format Schlüssel für verschiedene Bild- eigenschaften wie die Brennweite, der ISO-Wert oder die Belichtungszeit. Exif Daten werden in das Bildformat integriert und sind durch entsprechende Programme abrufbar. Für die geografische Referenzierung definiert der Standard das GPS IFD Tag (34853) und darin 27 verschiedene Schlüssel. Hierzu gehören neben der grundsätzlichen Geo- referenzierung über Längen- (GPSLongitude), Breiten- (GPSLatitude) und Höhengrad (GPSAltitude) weitere Parameter wie das verwendete Kartendatum (GPSMapDatum) oder auch die Blickrichtung (GPSDestBearing) bei der Aufnahme. Über diese GPS*- Tags ist eine detallierte Beschreibung der geografischen Informationen möglich. Exif Dateien können von gängigen Bildbearbeitungsprogrammen gelesen werden. Auch das Schreiben der Daten ist mit frei verfügbaren Werkzeugen möglich.

Eine Erweiterung zu Exif bildet der IPTC-NAA-Standard kurz IPTC, der von dem International Press Telecommunications Council (IPTC) und der Newspaper Associ- ation of America (NAA) verwaltet und gepflegt wird. Wie auch Exif zielt IPTC auf die Speicherung textueller Informationen zu Bilddaten, wobei IPTC erweiterbar ist, so dass anwenderspezifische Tags angelegt werden können. Auch inhaltlich unterscheiden sich die beiden Standards. Während Exif die automatisierte Speicherung technischer Details vorsieht, dient der IPTC Standard der semantischen Beschreibung der Bilder im Rahmen der Nachbearbeitung, so dass diese über Suchterme gefunden werden können und die Verwaltung von Bildern vereinfacht.

Einen XML basierten Ansatz verfolgt die von Adobe Extensible Metadata Platform (XMP) Spezifikation. Aufgrund einer im Vergleich mit IPTC und Exif vergleichbar geringen Relevanz wird an dieser Stelle lediglich auf die Spezifikation verwiesen: [Adobe,

2005].

3.2.4 Geolocation API für die standardisierte Positionsabfrage

Die Möglichkeit einer Positionsbestimmung wird in naher Zukunft ein allgemein üb- licher Dienst sein. Die Geolocation API soll als Standard dafür dienen, dass bei der Entwicklung von Webanwendungen, auf diese Funktionalität zugegriffen werden kann. Derzeit noch im Status eines Entwurfes, soll diese API in Zukunft nativ in Webbrow-

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3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

ser integriert werden und über das DOM/JavaScript Navigator 15 Objekt Webseiten zur Verfügung gestellt werden, um den Zugriff auf Ortsinformationen zu gewähren. Die dadurch gewonnene Information kann dann beispielsweise als Grundlage für eine dynamische Inhaltgenerierung dienen. Generell ergeben sich für die Anwendungsent- wicklung neue Perspektiven. So ist es dann möglich Navigationssysteme und LBS, die auf eine kontinuierliche Kenntnis der Position angewiesen sind, plattformunabhängig in einem Webbrowser auszuführen und so zum Beispiel Echtzeitnavigation über das Inter- net anbieten. Im Wesentlichen besteht die Schnittstelle derzeit aus einem Geolocation Interface, welches die folgenden Methoden definiert:

getCurrentPosition liefert asynchron über eine übergebene Callback-Methode die aktu- elle Position des Endgerätes. Die Methode erlaubt die Übergabe von verschiedenen Callback-Methoden sowie die Angabe von weiteren Attributen, für die Angabe von beispielsweise Timeout-Werten.

watchPosition stößt eine Prozess an, der entsprechende Callback Methoden immer dann aufruft, wenn das Endgerät eine neue Position feststellt. Die Methode gibt die ID des „watch“ Prozess’ zurück. Die kontinuierliche oder diskrete Positionsbestim- mung obliegt dem Endgerät und soll so die Entwicklung von Anwendungen mit Hilfe der Geolocation API vereinfachen. Auch soll durch den Callback Mechanis- mus das Datenaufkommen reduziert werden.

clearWatch erlaubt es einen Prozess, der über watchPosition angestoßen wurde über die Prozess ID, zu beenden.

Alle Methoden enden unmittelbar nach dem Aufruf und kommunizieren ausschließ- lich über die Callback Methoden. Des Weiteren ist es möglich über die Abfrage des Feldes Geolocation.lastPosition – ohne dadurch eine erneute Positionsbestimmung anzustoßen – auf die zuletzt bekannte Position zuzugreifen [Popescu, 2008]. Die exem- plarische Verwendung der API zeigt Quellcode 3.9.

var geolocation = navigator . geolocation geolocation . getCurrentPosition( successCallback , errorCallback , {maximumAge:600000 }) ;

function successCallback( position ) {

// Die Position

// Variable zur Verfügung

steht

in

der

p o s i t i o n

}

function errorCallback( error ) { // Ein Fehler i s t aufgetreten

}

Quelltext 3.9: Beispiel für die Verwendung der Geolocation API

15 Bei dem Navigator Objekt handelt es sich um ein automatisch zur Laufzeit generiertes Ja- vaScript Objekt, welches Informationen zu verwendetem Browser, Version und weitere Para- meter enthält. (Quelle: http://de.selfhtml.org/javascript/objekte/navigator.htm)

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3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

3.3 Webservices für Geodienste

Ist im Internet die Rede von Diensten, so bezieht sich das entweder auf Anwendungen, die eine Benutzerinteraktion erlauben oder auf nicht unmittelbar sichtbare Web Ser- vices. Web Services erlauben es Anwendungsfunktionalität von Systemen, über Schnitt- stellen im Internet anzubieten. Geo Web Service sind Web Services mit GIS-Bezug, im Folgenden synonym mit Geoservices beziehungsweise Geodienst verwendet.

Die Bandbreite möglicher Funktionalität von Geodiensten fasst folgende Aufflistung zusammen [Lake et al., 2004, S. 5; Kralidis, 2007, S. 223]:

Zugang zu geografischen Informationen in Datenbanken

Auswertung und Berechnung geographischer Fragestellungen

Durchführung komplexer Berechnungen auf einer Menge von Objekten mit un- terschiedlichem räumlichen und zeitlichen Bezügen.

Bereitstellung und Übermittlung von Daten mit geografischem Bezug in unter- schiedlichen Formen, wie Textdaten, numerische Daten oder geografisch kodierte Objektrepräsentationen.

Visualisierung von Geodaten

Über Web Services im Allgemeinen und Geo Web Services im Speziellen lassen sich „örtlich getrennt verwaltete Geodaten über das Internet unabhängig von ihrem Spei- cherort einfach und schnell miteinander kombinieren“ [GDI-DE, 2008]. Die getrenn- te Verwaltung einzelner Services, Unabhängigkeit von Hintergrundtechnologie und die damit verbundene Möglichkeit der losen Kopplung in einer Service Oriented Archi- tecture (SOA) sind die wesentlichen Vorteile bei einem Zugriff auf Ressourcen über Web Services [Chappell/Jewell, 2002]. Dieser Abschnitt stellt Webservice Verfahren vor.

REpresentational State Transfer Architecture (REST)

Die Representational State Transfer Architecture (REST) beschreibt ein Architekturstil für Hypermediasysteme, wie es das Internet darstellt [Fielding, 2000]. Es basiert dabei auf folgenden Prinzipien:

Eindeutige Beschreibung von Objekten

Verknüpfung von Objekten

Verwendung standardisierter und weit verbreiteter Protokolle

Veränderliche Ressourcen

Zustandslose Kommunikation

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3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

Für die Implementierung von REST hat sich im Internet das HTTP und die Verwendung von URLs etabliert. Für den Zugriff und die Manipulation von Ressourcen sind gemein- hin gültige Bedeutungen der HTTP Methoden definiert [Bayer, 2002]:

GET : GET liefert die Repräsentation des referenzierten Objektes im aktuellen Zustand (Beispiel: Häuser in einer Straße einer Stadt).

POST : Über die POST Methode kann ein Objekt verändert oder erweitert werden (Beispiel: Hinzufügen von Stockwerksanzahl in einem Haus).

PUT : Mit PUT lassen sich neue Ressourcen erzeugen. Rückgabewert ist eine URL, die auf die neue Ressource zeigt. Gleichnamige Ressourcen werden mit dem neuen Inhalt ersetzt (Beispiel: Anlegen einer neuen Haus Ressource).

DELETE : Das Löschen von Ressourcen erfolgt mit Hilfe der DELETE Methode (Bei- spiel: Das Löschen eines Hauses).

Da REST ausschließlich die URL Kodierung und HTTP Methoden verwendet, sind keine weiteren Protokolle notwendig, die die Kommunikation zwischen Dienstschnitt- stelle und Klienten genauer beschreiben müssen. Zusätzlich wirkt sich die zustandslo- se 16 Kommunikation positiv auf Skalierbarkeit aus und vereinfacht die Verwendung von verteilten Ressourcen.

XML als Auszeichnungssprache definiert das XLINK Attribut, welches auf weitere Res- sourcen zeigt und von Maschinen weiterverarbeitet werden kann. In Kombination mit REST lassen sich hierdurch verschachtelte Strukturen erzeugen, in denen tatsächliche Positionen der Ressourcen in den Hintergrund rücken. Eine umfassende Einführung zum Thema REST konforme Webservices gibt [Ruby/Richardson, 2007].

SOAP

Webservices, die auf SOAP basieren verfolgen den Ansatz eines Remote Procedure Call (RPC), also der Ausführung entfernter Funktionalität. Dabei dient der Service le- diglich zur Übermittlung von Parametern, die für den Aufruf einer Funktion über die Webservice Schnittstelle in Form einer URL nötig sind. Die Parameter werden in einem gemäß Spezifikationen kodierten XML Dokument dem Service übermittelt. Da das Er- gebnis einer Anfrage daher von den im sogenannten SOAP Envelope gesendeten Daten abhängt und sich diese nicht in der Universal Ressource Identifier (URI) des Services widerspiegeln, können bestimmte Ressourcen nicht wie bei REST eindeutig adressiert werden. Für die Beschreibung eines SOAP Webservices dient eine Webservice Descrip- tion Language (WSDL) Datei, die die nötigen Parameter, und weitere Informationen wie die Beschreibung des Rückgabeformat enthält.

16 Bei einer zustandslosen Kommunikation, hält der Server keinerlei Informationen über frühere Anfragen eines Klienten. Dadurch sind Anfragen vollkommen unabhängig von einander.

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3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

Ob ein Webservice über SOAP oder im REST Stil implementiert wird, hängt von Einsatzgebiet oder Diensttyp ab und ist primär eine Designfrage. Den Vorteil einer losen Kopplung weisen beide Ansätze auf.

3.3.1 Geo Webservices nach dem OpenGIS Standard

Verschiedene Parteien beteiligen sich an dem Handel und dem Einsatz von Geodaten. Dezentrale Organisation und Vernetzung über bestehende Infrastrukturen des Inter- net im Kombination mit mannigfaltigem Datenangebot stellen besondere Anforderun- gen an eine strukturierte Kommunikation und geregelten Datenaustausch. Damit diese Form der Interoperabilität langfristigen Erfolg aufweisen kann, müssen Standards ent- wickelt und eingesetzt werden [Wagner/Gartmann, 2002, S. 1]. Das OGC adressiert die Standardisierung mit dem Ziel offen zugängliche Spezifikationen zu erarbeiten. Diese werden unter der eingetragenen Marke OpenGIS® veröffentlicht und sollen den Um- gang mit geografischen Daten im Internet über HTTP erleichtern. Die Wesentlichen Spezifikationen für Geowebservices werden im Folgenden vorgestellt. Auf optionale Schnittstellen der Spezifikationen wird an diese Stelle nicht näher eingegangen. Für weiterführende Informationen wird auf die frei verfügbaren offiziellen Spezifikationen 17 verwiesen.

Die Arbeit des OGC erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem Technical Commitee 211 (TC211), welches als ein Teil der International Organization for Standardisation (ISO) tätig ist und de jure Standards im Bereich digitaler geografischer Informationen verab- schiedet. Die Normen erscheinen in der ISO 19100 Reihe. Hierzu gehören neben Normen für Geoinformationen auch solche für Geodienste, für eine standardisierten Austausch von Geodaten. Die Zusammenarbeit erfolgt über den gegenseitigen Austausch mit dem Ziel, OGC Spezifikationen und entsprechende ISO-Normen anzugleichen. So wurde die im Folgenden vorgestellten OpenGIS Web Map Service (WMS) Implementierungen be- reits unter ISO 19128 und die Web Feature Service (WFS) unter ISO 19142 in den ISO Standard aufgenommen. Auch GML ist ab der Version 3.x konform mit der ISO

19136.

Web Map Service (WMS)

Der WMS ist ein „webbasierter Kartendienst“. Eine Implementierung der Webservice Spezifikation „generiert über Geodaten einen Kartenausschnitt und stellt ihn bereit“. Die so erstellte Karte wird an die aufrufende Stelle als Bild zurückgegeben. Üblich liegt

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3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

dieses Bild in einem Rasterformat vor, es können jedoch auch Ausgaben in Vektorforma- ten angeboten werden [GDI-DE, 2008]. Ein konformer WMS muss folgende Funktionen realisieren:

Eine Beschreibung der Bestandteile eines Service liefert die Funktion GetCapabili- ties in Form eines XML Dokument mit Metadaten über den Dienst. Dazu gehören sämtliche Informationen, wie die Beschreibung der einzelnen Features und darauf mögliche Operationen, die für die tatsächliche Verwendung des Dienstes notwen- dig sind.

Die GetMap Schnittstellte erlaubt es, Kartenausschnitte anzufordern. Eine solche Anfrage setzt sich aus verschiedenen Parametern zu Auflösung, Bildformat, Aus- schnitt und anderen Eigenschaften zusammen. Exemplarisch zeigt Quelltext 3.10 eine Anfrage, die das in Abbildung 3.2 dargestellte Rasterbild generiert.

h t t p : //wms1 . c c g i s . de / c g i b i n / m ap se rv ?map=/d a t a /umn/ germany / germany . map&VERSION =1.1.1&REQUEST=GetMap&SERVICE=WMS&LAYERS=G renze , B u n d e sl a e n d e r , S t a e d t e&SRS= EPSG:31467&BBOX= 3 1 0 5 8 8 1. 5 3 8 4 6 1 5 3 8 5 , 5 2 4 8 2 6 0 , 4 0 8 8 8 0 8. 4 6 1 5 3 8 4 6 1 5 , 6 3 0 0 1 3 0&WIDTH =512&HEIGHT=512&FORMAT=image / png

Quelltext 3.10: Aufruf der GetMap Methode eines WMS

/ png Quelltext 3.10: Aufruf der GetMap Methode eines WMS Abbildung 3.2: Resultat der in Quelltext

Abbildung 3.2: Resultat der in Quelltext 3.10 dargestellten Anfrage an einen WMS

Web Feature Service (WFS)

Während ein WMS Daten im Form von Bildern und Karten ausliefert und die Aus- wertung darin enthaltener Informationen einer visuellen Inspektion bedarf, kann über einen WFS auf die zugrundeliegenden Vektordaten zugegriffen werden. Diese Daten sind in valider GML Syntax kodiert (Abschnitt 3.2) und können dadurch nicht nur angezeigt sondern auch für weitere Berechnungen herangezogen werden. Über diesen „Basic WFS“ hinaus, erlaubt ein erweiterter „Transaction WFS (WFS-T)“ die auf

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3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

dem Server befindlichen Daten zu manipulieren 18 [GDI-DE, 2008, S. 16]. Ein Open- GIS konformer Basic WFS muss mindestens drei Methoden bereitstellen [Vretanos,

2005]:

GetCapabilities Eine Beschreibung des Services und seine angebotenen Leistungen lie- fert die GetCapabilities Funktion. Wie bei der WMS Spezifikation, erfolgt die Beschreibung als XML Dokument.

DescribeFeatureType Detaillierte Beschreibungen einzelner Feature Typen lässt sich über die Funktion DescribeFeatureType abfragen.

GetFeature Diese Methode liefert einzelne Features im Sinne von GML in einem Vek- torformat zurück. Das Rückgabeformat wird der Anfrage über den outputFormat Parameter mitgeteilt. Das Standard Rückgabeformat ist GML 3.1.1.

Der WFS-T bietet zur Manipulation die Methoden Transaction, LockFeature und Get- FeatureWithLock an. Ein weiterer „XLink WFS“ erweitert den Basis WFS um die Mög- lichkeit, GML Objekte zu erhalten, die XLink Attribute mit Referenz auf externe GML Ressourcen enthalten können.

3.4 Infrastrukturen für den Zugang zu Geodaten

Wie auch für den Begriff des Geowebs (Abschnitt 3.1) existiert auch für den Be- griff Geodateninfrastruktur (GDI) keine einheitliche Definition [Fornefeld/Oefinger/ Jaenicke, 2004, S. 7]. Vielmehr bietet die Literatur unterschiedliche sich teils überschnei- dende und teils ergänzende Aussagen über die Inhalte und Merkmale einer GDI. Dieser Abschnitt untersucht verschiedene Definitionen für ein einheitliches Verständnis über Kern und Aufgaben.

3.4.1 Definition, Ziele und Aufgaben

Eine GDI 19 ist eine Anwendung, die die Suche in einer Sammlung geografischer Web- dienste erlaubt und darüber hinaus den Zugriff auf diese ermöglicht, lautet eine allgemei- ne Definition von Maguire (2008). Eine GDI umfasst einerseits Geodaten, Metadaten, Dienste und die für den Zugriff nötigen Netze, andererseits Rechtsnormen, technische Standards und Richtlinien über den Zugang und die Nutzung als Instrumente für die Regulation und Koordination des Netzwerkes [GDI-DE, 2008]. Auch IMAGI (2008, S. 14) betont die Notwendigkeit einer „Organisations- und Managementstruktur“, die

18 Hierzu gehören die aus Datenbanksystemen bekannten Funktionen UPDATE, INSERT und DELETE 19 Häufig wird auch der englische Begriff Spatial Data Infrastructure (SDI) verwendet

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3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

sowohl auf lokaler, regionaler, nationaler als auch transnationaler Ebene koordinierend arbeitet. Infrastruktur und Organisation als Stützpfeiler einer GDI dienen im Grunde dem Zweck eines Marktplatzes für den Austauschs von Daten zwischen anbietenden und verbrauchenden Nutzern [Rajabifard/Feeney/Williamson, 2002]. Hiermit differenzieren sie zwischen einer statischen Struktur und dynamischen Inhalten mit Anwendern als Bestandteile. Den Einbezug der Anwender sieht auch IMAGI (2008, S. 14) und definiert GDI als „benutzerfreundliche Bereitstellung von Geoinformationen durch Dienste, die ebenen- und fachübergreifend auf verteilte Geodaten zugreifen“.

Im Aufbau einer GDI und deren Interaktion spielt das Internet als weltweites Datennetz eine zentrale Rolle. Auch die Spezifikationen des OGC (Abschnitt 3.3) setzen für den Zugang zu Geodaten auf Internetprotokolle und -formate. Die Suche nach Geodiensten in Metadatenkatalogen erfolgt meist über eine webbasierte Schnittstelle, dem Geodaten- portal. Es bildet den zentralen Einstiegspunkt und die regulierende Instanz einer GDI [Maguire, 2008]. Irland, USA, Indien, Schweiz und andere Länder und Gemeinschaften betreiben bereits solche Portale oder sind im Aufbau derselben.

Motiviert durch diverse Gruppen, wie kommunale, nationale und internationale Behör- den, Unternehmen der Geo-Branchen oder internationale gemeinnützige Gremien sind auch Erwartungen an eine einheitliche GDI mit Blick auf Aufgaben und Nutzen un- terschiedlich. Der Bestand von Geodaten, vor allem in der Verwaltung und Behörden, lagert dezentral in isolierten Anwendungen [Reindl, 2005, S. 1]. Die Bereitstellung und Vereinheitlichung von Geodaten bewirkt zwar weiterhin eine „dezentrale Organisation von Geodaten und den aufsetzenden GI-Diensten“, ermöglicht aber gleichzeitig diese für den Ad-hoc Zugriff vorzuhalten. Dieses führt für Umgang mit Geoinformationen zu gesteigerter Effizienz und Qualität [Bernard/Crompvoets/Fitzke, 2005, S. 4]. Daher motivieren Kommunen und Bund eine GDI über die Erschließung und Vernetzung die- ser Ressourcen [Reindl, 2005, S. 2; Weichert, 2007]. Das langfristig verfolgte Ziel sei die Beantwortung aktueller und kommender Fragestellungen mit geografischem Bezug und die Fähigkeit auf sich ändernde Anforderungen schnell reagieren zu können [AK WMS,

2006].

Mit dem Blick auf das Internet als Kommunikations- und Vertriebsmedium für digi-

tale Daten, hat eine GDI die Aufgabe „Geoinformationen

öffentlich und verfügbar zu machen“ um „Anwendung von Geoinformationen entspre- chend den Bedürfnissen der Wirtschaft zur Verfügung stehen“ [Vogel, 2002, S. 1,6]. Pragmatischer benennt [ LV BW ] das Potenzial, welches durch eine erleichterte Nut- zung von Geodaten und als weitere bisher nicht genannte Facette die Ausdehnung auf ein „größeres Anwendungs- und Anwenderspektrum“ ausgedrückt wird. Entsprechend betont auch IMAGI (2008, S. 14) den fachübergreifende Zugriff. Für Unternehmen, die planen, Geodaten für bestimmte Zwecke einzusetzen, sinkt der ökonomische Nutzen einer Eigenerhebung je mehr Daten von anderen Anbietern gegen marktgerechte Prei-

] über Internet-Dienste

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3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

se angeboten werden [Schröder, 2000]. Somit gehören entsprechende Preismodelle, die wirtschaftlich gerechtfertigt und transparent gestaltet sind, auch in das Aufgabenfeld einer GDI, die „eine Voraussetzung für den sich entwickelnden Geoinformationsmarkt“ darstellt [Fornefeld/Oefinger/Jaenicke, 2004, S. 1].

Eine GDI ist nicht als Substitut für lokale GIS zu sehen, sondern besitzt durch das leicht zugängliche Internet ergänzenden Charakter [Maguire, 2008]. Dennoch liegt auch der Vorteil für Anwender genau darin, dass ein lokales GIS oder der Besitz von lokalen Geodaten nicht mehr länger Voraussetzung ist, um über eine GDI von GIS Technologien zu profitierender [Fornefeld/Oefinger/Jaenicke, 2004, S. 11; Wagner/Gartmann, 2002, S. 3; Bernard/Crompvoets/Fitzke, 2005, S. 6].

Rajabifard/Feeney/Williamson (2002) weisen darauf hin, dass die Verwirklichung einer GDI vielschichtig auf Ebenen der Kommunen, der Länder, des Bundes und auf glo- baler Ebene geschieht, weshalb eine intensive Kommunikation und Vereinheitlichung durch die Einführung von Standards ein zentrales übergreifendes Thema darstellt. Un- terschiede in Interessenschwerpunkten zwischen regionalen und überregionalen Daten, zeigen deutlich die Komplexität und Herausforderung dieser Problematik [Yeung/Hall, 2007, S. 505]. Eine unzureichende Integration wird den Effekt von Insellösungen her- vorrufen und die Geoweb Entwicklung negativ beeinflussen. Daher sollte die aktuelle Entwicklung den Fokus darauf legen, gemeinsame Ziele und Erwartungen an eine Geo- dateninfrastruktur in Kooperation zu erarbeiten.

3.4.2 Infrastrukturen am Beispiel

Der Aufbau einer behördlichen GDI in Deutschland ist bereits angestoßen und unter- liegt der Aufsicht des Innenministeriellen Ausschuss’ für Geoinformationswesen (IMA- GI), welcher bereits 1998 mit dem Ziel einer Verbesserung der Koordination des Geo- informationswesens in Deutschland gegründet wurde. Für den Ausbau der GDI-DE entwickelte dieser Ausschuss einen drei Phasen Plan. Dieser besteht aus dem Aufbau eines dezentralen und bundesweiten Informationsystems, welches Metainformationen zu Geodiensten enthält, der Harmonisierung von Daten sowohl in technischer als auch semantischer Hinsicht, und als dritte Stufe dem Aufbau eines Geoportals, welches den Zugriff auf die nationale Geodatenbasis ermöglicht [Bock/Grünreich/Lenk, 2005, S. 50; IMAGI, 2008, S. 14,16]. Die im Rahmen der GDI-DE eingesetzten Geodienste sind ent- lang der Spezifikationen des OGC ausgerichtet [GDI-DE, 2008]. Das Geoportal der GDI-DE (GeoPortal.Bund 20 ) stellt „aktuell über 500 Einzellayer (Karten) und über 30.000 Metadateneinträge aus vielen verschiedenen Geobereichen zur Verfügung“ [BKG,

2008].

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3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

Die Entwicklung einer GDI für Deutschland ist durch die „INSPIRE-Richtlinie“ (Richt- linie 2007/2/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. März 2007 zur Schaffung einer Geodateninfrastruktur in der Europäischen Gemeinschaft) gesetzlich verbindlich geregelt. Sie sieht eine Schaffung einer auf europäischer Ebene harmonisier- ten Geodateninfrastruktur, der Infrastructure for Spatial Information in the European Community (INSPIRE), vor. Der Richtlinie entsprechend obliegt es allen EU Staa- ten, Geodaten über einen Katalogdienst zum Auffinden der jeweils verfügbaren WMS und WFS Dienste bereitzuhalten. Als Verfahren für die Umsetzung der Geodienste wird SOAP eingesetzt [NSDT, 2008, S. 13]. Für Umsetzung der Richtlinie in nationa- les Recht ist eine Zeitspanne von zwei Jahren vorgegeben [ LV BW ]. Der Entwurf und die Verabschiedung des GeoZugangGesetzes (GeoZG) 21 kommt dieser Auflage bereits weitgehend nach. INSPIRE selbst wird auf EU Ebene über das INSPIRE Geoportal vermittelnde Rolle spielen [NSDT, 2008, S. 13].

Dem offiziellen Ausbau einer transparenten und standardisierten Infrastruktur für den Zugriff auf Geodaten, stehen die Bestrebungen der großen Suchmaschinenbetreiber, wie Google oder Microsoft entgegen. Sie indizieren kontinuierlich Daten und haben so Zugriff auf gewaltige Mengen von Informationen, die explizit und implizit geografische Informationen aufweisen. Diese Daten bieten sie über ihre in Kartendienste integrierten Lösungen an und stellen in sich geschlossene GDIen und somit Insellösungen dar. Öko- nomisch betrachtet ist der Aufbau eines Monopols eine logische Konsequenz, zugleich jedoch konträr zu dem Gedanken einer auf Servicen basierenden Infrastruktur für den transparenten Zugriff auf Geodienste über standardisierte Schnittstellen. Um langfris- tig von einem „browsing the world“ [Castelli et al., 2007, S. 67] sprechen zu können, sollten Bestrebungen nach Standards und einheitlichen Schnittstellen im Vordergrund stehen.

3.5 Kartendienste und virtuelle Globen

Web Mapping Dienste und virtuelle Globen sind die Flagschiffe des Geowebs im In- ternet. Als Produkt am Ende einer langen Produktionskette vermitteln sie zwischen Benutzer und der spatialen Hintergrundanwendung [Lake/Farley, 2007, S. 15]. Da geo- graphische Lagen in Form von Breiten und Längengraden oder sogar in UTM Koordina- ten den wenigsten Internet Benutzern bekannt sind, liefern diese Benutzerschnittstellen Grundfunktionalitäten, wie die visuelle Selektion und damit verbundene implizite Geo- kodierung und ermöglichen so den gemeinschaftlichen Ausbau des Geowebs [Goodchild, 2007, S. 7]. Geovisualisierungsanwendung gruppieren sich in Virtuelle Globen und Kar- tendienste. Als Schnittstelle zwischen Geodaten und dem Betrachter stellen sie eine

21 Der von der Bundesregierung vorgelegte Gesetzentwurf kann unter der Adresse http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/105/1610530.pdf eingesehen werden

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3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

zentrale Instanz dar. Methoden für den Export in das KML Format aus professionellen GIS Anwendungen heraus ist eine gängige angebotene Funktionalität. Auch freiverfüg- bare Konvertierungsskripte spiegeln den Bedarf eines Datenaustausches mit derartigen Applikation wider [Buhmann/Wiesel, 2003, S. 23].

3.5.1 Virtuelle Globen

Virtuelle Globen, auch Geobrowser genannt, bilden die Erde nach und stellen diese als dreidimensionales Modell dar. Im Vergleich mit Kartendiensten führen solche An- wendungen, bedingt durch die Dreidimensionalität, komplexere Berechnungen durch. Dadurch entsteht ein erhöhter Rechenaufwand, weshalb Virtuelle Globen meist eine lo- kale Installation voraus setzen. Neben den Funktionen, die auch Kartendienste bieten, wie das Zoomen und das Verschieben der Betrachtungsebene, bieten diese Anwendun- gen auch eine Orientierung in der dritten Dimension. So ist neben der Rotation, also der Ausrichtung der Himmelsrichtungen, auch die Möglichkeit den Blickwinkel, also die Neigung zu verändern, möglich. Durch die drei vorhandenen Freiheitsgrade können Hö- henprofile oder 3D Modelle von Gebäuden dargestellt werden. Da das Kartenmaterial als essentieller Bestandteil der Anwendung von Internetservern bezogen wird, stellen diese lokal installierten Anwendungen Thick Clients dar.

Der bekannteste virtuelle Globus ist „Google Earth“ 22 , der von der 2004 durch Goo- gle akquirierten Firma Keyhole entwickelt wurde und in unterschiedlichen Versionen erhältlich ist. Neben einer kostenlosen Funktion, bietet Google weitere Versionen mit erweiterten Funktionen wie Druck, Export oder auch Serverfunktionalität lizenzpflich- tig an. Alle Versionen propagieren das bereits vorgestellte und standardisierte KML Format. Entsprechende Daten lassen sich entweder in Form von Dateien direkt in das Programm laden oder von entfernten Servern einbinden und dynamisch aktualisieren. Weitere bekannte virtuelle Globen sind „NASA World Wind“ und „Microsoft Virtual Earth“ [Maguire, 2008]. In Virtual Earth findet Ausführung der Kartendienstanwen- dung, wie auch des virtuellen Globus’ ausschließlich im Web Browser statt. Wenn auch für die 3D Version eine lokale Installation vorausgesetzt wird. Konträr zu Geobrow- sern mit lokaler Installation hat die Firma Poly9 23 mit dem Produkt FreeEarth einen virtuellen Globus entwickelt, der ohne lokale Installation auskommt und somit eine reine Webanwendung darstellt. Das Hinzuladen von Rasterdaten und digitalen Gelän- demodellen, sowie das Einbinden standardisierter WMS und WFS ist in allen gängigen Applikationen möglich [Buhmann/Wiesel, 2003, S. 23].

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3.5.2 Kartendienste

Kartendienste sind vergleichbar mit klassischen Landkarten, die in einem Webbrowser angezeigt werden. Ein Kartendienst kommt ohne lokale Installation aus und je nach Dienst sind die Kartendaten in einer Benutzerumgebung eingebettet, die eine Interak- tion wie Zoom oder das seitliche Verschieben (Pan) erlauben. Für das Nachladen be- nötigter Kartendaten verwenden die meisten solcher dynamischen Anwendungen eine spezielle Technik, die im Folgenden Abschnitt vorgestellt wird und bei entsprechender Anbindung eine flüssige Navigation erlaubt. Allgemein bekannt sind „Google Maps“, „Microsoft Virtual Earth“ oder „Yahoo! Maps“. Als reines Framework ohne eigene Kar- tendaten findet „OpenLayers“ als Open Source Alternative zunehmend Verbreitung. Statische Anwendungen dagegen generieren anhand von verschiedenen Parametern Kar- tenausschnitte, die lediglich angezeigt werden [Mitchell, 2008, S. 8-9]. Grundlegen für die Kartenanzeige in beiden Typen sind Web Mapping Dienste, wie der statische WMS nach OGC. Die Dynamik entsteht durch den Einsatz von Ajax und dem Prinzip der Kachelung.

Dynamische Anzeige in Webseiten mittels Ajax

Ermöglicht hat die Integration von eigenständigen Fremdanwendungen, wie es Karten- dienste sind, in Webseiten vor allem JavaScript und der Ajax Programmierstil, der von „den traditionellen Wechsel zwischen Benutzeraktivität und Serververarbeitung“ ab- strahiert [Döbler, 2007]. Ajax beschreibt einen Architekturstil für Webseiten, bei dem Teile von HTML Seiten (Teile des DOM Baumes) neu geladen werden können, ohne die gesamte Seit komplett aktualisieren zu müssen. Möglich ist das durch Absetzen HTTP Anfragen im Hintergrund, die für den Benutzer nicht unbedingt wahrnehmbar sein müssen. Häufig werden JavaScript und XML 24 bei der Umsetzung eingesetzt und HTML Seiten verändert, andere Script Sprachen wie ActionScript und die Manipula- tion von Flashseiten sind aber auch möglich. Durch die Asynchronität der Anfragen, kann der Benutzer parallel zum Ladevorgang, der für diesen transparent abläuft, wei- terhin mit der Anwendung interagieren, im Gegensatz zu synchronen Anfragen, wie sie klassische Hyperlinks auslösen. Ajax ist eine grundlegende Methode für eine flüssige An- zeige von Kartendiensten in Webbrowsern. Neben der Umsetzung im Ajax Stil ist auch das Prinzip der Kachelung ein Paradigma, welches in Webkartendiensten angewendet wird.

24 Ajax stand initial als Akronym für Asynchronous J avaScript And X ML. Da jedoch JavaScript und XML nicht zwingend für die Umsetzung des Stils erforderlich sind, versteht sich Ajax nicht mehr länger als ein Akronym.

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3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

Das Prinzip der Kachelung für die Anzeige in Kartendiensten

Dynamische Kartendienste, wie sie zuvor beschrieben wurden, sind in der Lage Karten- daten „on-the-fly“ nachzuladen. Dazu bieten sich zwei Vorgehensweisen an:

Nachdem der Benutzer eine Aktion, wie Zoom oder Pan ausgeführt hat, fordert das Programm den neuen benötigten Ausschnitt über den Server an und lädt diesen in die Anzeige. Für dieses Verfahren eignet sich zum Beispiel der durch das OGC spezifizierte WMS in Kombination mit einem Container mit Navigati- onsleiste für die Anzeige. Das Erzeugen von Bildausschnitten mit frei wählbaren Begrenzungen ist ein aufwändiger Prozess. Je nach Detailgrad müssen zur Gene- rierung eines Kartenausschnittes eine Vielzahl an Datensätzen zusammengefügt werden, um ein einziges Bild zu generieren. Nachteilig ist dieses Verfahren da- durch, dass der Nutzer bisweilen Wartezeiten von mehreren Sekunden ausgesetzt ist und in diesem Zeitraum keine Interaktion möglich ist.

Ein weiterer Ansatz liegt darin, Karten in Kacheln zu unterteilen, diese auf einem Server vorzuhalten und benötigte Kartenbereiche dynamisch nachladen. Diese Technik wird von einer Vielzahl von Kartendiensten (Google Maps, Yahoo! Maps,

) eingesetzt. Die Vorteile des Verfahrens und das

Microsoft Virtual Earth,

Prinzip an sich wird jetzt erläutert.

Das sogenannte Tiling Prinzip basiert darauf Bilddaten in Regionen zu zerteilen und für die Präsentation als Mosaik zusammenzusetzen. In der Praxis wird dieses umgesetzt, in dem Kacheln vorgefertigter Größe auf Servern vorgehalten und bei Bedarf ausgeliefert werden. Auf Anfrage eines bestimmten Kartenbereiches, bestimmt ein Service die zur Anzeige nötigen Kacheln und sendet diese an den im Webbrowser des Nutzers laufenden Kartendienst. Der Prozess des Ladens läuft im Hintergrund und ist für den Benutzer transparent. Die Anzeige der gelieferten Kartenkacheln in Webseiten ermöglicht der zuvor beschriebene Ajax Stil. In Verbindung mit der Zoom Funktionalität lässt sich das Verfahren um die rekursive Zerlegung von Bilddaten unterschiedlicher Auflösungen erweitern. Exemplarisch wird jetzt das Quadkey Verfahren – eine Methode für die rekur- sive Zerlegung von zweidimensionalen (Bild)daten – beschrieben.

Abbildung 3.3 zeigt ein Bild unterteilt in Kacheln quadratischer Größe mit 256 Pixel Seitenbreite. Die Karte hat eine Gesamtbreite und Höhe von 512 Pixel 25 . Die Verwen- dung einer Binärpotenz erleichtert die rekursive Zerlegung und findet Anwendungen in den meisten Geobrowsern. Gemäß der Abbildung läuft die rekursive Zerlegung ab. Jedes Zoomlevel halbiert die Skalierung und verdoppelt die Auflösung. In Pixel bedeutet dies eine Verdoppelung jeder Kachel in Breite und Höhe. So wird zum Beispiel Kachel 2 aus Zoomlevel 1 in Zoomlevel 2 durch die 4 Kacheln 20,21,22 und 23 repräsentiert.

25 Im Falle von Karten, die nicht von sich aus quadratisch sind, werden fehlende Spalten und Reihen entsprechend aufgefüllt

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3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten Abbildung 3.3: Visualisierung des Quadkeyverfahrens (Quelle:

Abbildung 3.3: Visualisierung des Quadkeyverfahrens (Quelle: http://msdn.microsoft.com/en-us/library/bb259689.aspx)

Dadurch ergibt sich eine Gesamtheit von 16 Kacheln auf Zoomlevel 2 und 64 Kacheln auf Zoomlevel 3. Allgemein lässt sich bei einer Zerlegung der Ausgangskarte in k 2 Ka- cheln Gleichung 3.2 für die Berechnung der Kacheln in Abhängigkeit des Zoomlevels n heranziehen. Die letztendliche Referenzierung der einzelnen Kacheln ist unterschiedlich, meist jedoch angelehnt an die Quadkeys Methode.

f k

f k (n) = k 2n ,

: Zoomlevel Kacheln

n 1

(3.2)

Das Laden von Bilddaten über Kacheln erlaubt eine bessere Lastverteilung auf verschie- dene Kachel-Server, so dass das Flaschenhalsproblem bei hoher Beanspruchung schon bei der Anfrage minimiert wird. Außerdem können Kacheln, die einen angezeigten Bild- ausschnitt angrenzen im Vorfeld geladen werden, was zu einer flüssigen Interaktion mit der Karte beiträgt. Nachteilig an Kacheln ist, dass sie bereits vorgefertigt auf den Ser- vern vorliegen, ein erneutes Rendern, je nach Detailtreue einen hohen Rechenaufwand bedeutet und so Diskrepanzen zwischen angezeigten und tatsächlich erfassten Daten entstehen können.

In Anlehnung an den Web Map Service des OGC entstand durch die Arbeit der Open Source Geospatial Foundation (OSGeo 26 ) eine Spezifikation für einen Tile Map Ser- vice (TMS) 27 . Diese Spezifikation zielt auf einen standardisierten Zugriff auf gekachelte Bilddaten über WMS ab, wurde jedoch noch nicht als Standard durch das OGC verab-

49

3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

schiedet. Die Referenzierung der einzelnen Kacheln erfolgt hierbei im REST Stil, so dass es möglich ist, die Kacheln als Bilddateien gemäß der Spezifikation auf einem Server zu hinterlegen und unmittelbar verwendet werden kann. Die Generierung eines solchen TMS konformen Webservices aus einer Bilddatei, erlaubt Gdal2Tiles 28 , als Bestand- teil der Geospatial Data Abstraction Library (GDAL) Bibliothek 29 , die eine Vielzahl an geospatialen Funktionen bündelt und frei verfügbar ist. Bei der Generierung der Daten für den TMS werden auch KML Dateien für die spätere Einbindung in Softwa- re wie Google Earth oder Google Maps erstellt. Eine grafische Benutzeroberfläche zu der Bibliothek soll MapTiler 30 bieten, ist jedoch derzeit noch im Entwicklungsprozess. Entsprechende Funktionalität für die Integration mit Virtual Earth bietet die Software MSR MapCruncher 31 .

Im Hinblick auf die Verwendung von Kartendiensten in mobilen Applikationen, spielt das zu übertragende Datenvolumen eine besondere Rolle. Aufgrund der eingeschränkten Bildschirmgröße und im Vergleich mit Computerbildschirmen geringeren Auflösung, sind Kacheln der Größe von 512 Pixel ungeeignet. Google oder Cloudmade 32 bieten ihre Dienste bereits mit Kacheln von 64x64 Pixel an, als Lösung zu dieser Problematik. Dadurch wird zum einen das Kachelprinzip optimiert, die zu übertragende Datenmenge sinkt und Ladezeiten werden deutlich verkürzt.

3.5.3 Anwendungsgebiete

Die Stärken der vorgestellten Kartendienste und Geobrowser liegen in der schnellen und einfachen Bereitstellung dynamischer digitaler Karten. Darüber hinaus eignen sie sich nicht für anspruchsvollere geographische Anwendungen, wie sie GISe leisten [Danger- mond, 2008]. Ihr Erfolg im Web, vor allem bei Laien auf dem Gebiet der Geographie, belegt jedoch, dass eine Nachfrage nach Geoanwendungen existiert, die den Schwer- punkt gerade nicht auf GIS Funktionalität legt, sondern vielmehr die benutzerfreundli- che Visualisierung präferiert. Die neue Generation der Geobrowser zeichnen sich durch intuitive Bedienbarkeit und hohe Performanz aus und unterscheiden sich so von bis- herigen GIS-Viewern [Ebert/Mallinger-Hohensinn/Sykora, 2006]. Für die Verwendung in virtuellen Globen sind eine Vielzahl an Städten bereits als 3D Modelle kostenlos für Google Earth verfügbar [Kolbe, 2008]. Solche Projekte zeigen die Relevanz dieser Geobrowser für Kommunen als Präsentationsmedium für touristischen sowie wirtschaft- liche Geodienste. Den Fokus liegt dort auf Informationen zu Landschaft, Gebäuden, Ve- getation und dem Transportwesen [Gruber/Menard/Schachinger, 2008, S. 67-69]. Für

50

3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

API

Anzahl Mashups

Google Maps

1549

Microsoft Virtual Earth

159

Yahoo Geocode

122

AOL Mapquest

5

Mapping Mashups gesamt

1789 34

Mapping APIs

71

Tabelle 3.2: Mashup Applikationen mit Mapping APIs (Quelle: http://www.programmableweb.com/scorecard, 31.10.08)

die Erstellung dieser 3D Modelle bieten sich kostenlose Programme, wie zum Beispiel

SketchUp 33 an.

Die verschiedenen Kartendienstanwendungen bieten zwar ähnliche Funktionalität und

setzen für die Entwicklung auf JavaScript, dennoch unterscheiden sie sich oft deutlich

auf programmatischer Ebene. Differente Klassen- und Funktionsnamen und Parame-

tertypen bewirken hohe Heterogenität. Im Hinblick auf Harmonisierung ist diese Hete-

rogenität ein zu adressierendes Anliegen. Einen Ansatz der Vereinheitlichung bildet die

Mapstraction 35 API. Sie stellt eine Meta API für diverse Kartendienste dar, so dass der

letztendlich eingesetzte Dienst im Entwicklungsprozess eines entsprechenden Mashups

eine untergeordnete Rolle spielt. Eine Besonderheit an MapStraction stellt die zukünf-

tige Einbindung von Daten aus dem OpenStreetMap Projekt dar. In Kombination mit

Open Layers als Kartenbrowser sind Entwickler so in der Lage vollständig Open Source

Produkte zu verwenden, so dass keinerlei Lizenzprobleme auftreten. Quelltext 3.11 zeigt

die Verwendung der Mapstraction API. Ein Methodenaufruf auf dem Mapstraction Ob-

jekt führt die entsprechenden Funktionen auf der tatsächlichen API des verwendeten

Kartenbrowsers aus, so dass diese zusätzlich eingebunden werden müssen. Den Grad

der Abstraktion verdeutlicht die hinterlegte Funktion Mapstraction.swap(div,api), wel-

che im Beispiel von Google Maps nach Yahoo! Maps umschaltet. Aktuell unterstützt

Mapstraction elf verschiedene Kartendienste 36 .

Seit der Veröffentlichung diverser APIs, die es erlauben bestehenden Kartendiensten wie

Google Maps oder ArcGIS Explorer zu erweitern, ist die Anzahl von Geo-Mashups stark

gewachsen. Mashups stellen Anwendungen dar, die bestehende Anwendungen kombi-

nieren und erweitern um vorzugsweise unter Generierung von Mehrwert neue Anwen-

dungen zu entwickeln. Sie bilden den Großteil der Anwendungen, die auf Geodiensten

basieren [AK WMS, 2006, S. 11]. Solche Mashups werden in Zukunft eine große Rolle

in der Erstellung von verteilten GIS Anwendungen spielen, sowohl im Bereich privater

33 http://www.sketchup.com 35 http://www.mapstraction.com 36 Eine aktuelle Auistung der unterstützten APIs und den Grad der Unterstützung findet sich auf den Seiten von Mapstraction (http://www.mapstraction.com)

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3 Das Internet als Medium für die Verbreitung und Verwendung von Geodaten

<!−−i n c l u d e a l l needed a p i s
<!−−i n c l u d e
a l l
needed a p i s
( Google Maps , Yahoo ! Maps
.−−>
< s c r i p t
t y p e=" t e x t / j a v a s c r i p t "
s r c=" h t t p : // m a p s t r a c t i o n . com/ m a p s t r a c t i o n − j s /←
m a p s t r a c t i o n . j s "></ s c r i p t>
var mapstraction ;
function init (){
m a p s t r a c t i o n = new Mapstraction ( ’ m a p s t r a c t i o n ’ , ’ google ’ ) ;
mapstraction . addControls({
pan: true ,
zoom:
’ large ’ ,
map_type:true }) ;
var myPoint = new LatLonPoint ( 4 8. 0 2 5 2 5 9 , 7. 8 3 3 9 6 ) ;
mapstraction . setCenterAndZoom ( myPoint , 15) ;
}
</ s c r i p t>
</ head>
<body onLoad=" i n i t ( ) ; ">
<d i v
i d=" m a p s t r a c t i o n "
s t y l e=" p o s i t i o n : r e l a t i v e ;
h e i g h t :
400 px ;
w i d t h : 100%←
">
</ d i v>
<a
h r e f="#"
o n c l i c k=" m a p s t r a c t i o n . swap (
’ m a p s t r a c t i o n ’ ,
’ yahoo ’ ) ;
r e t u r n ←
f a l s e ; ">Swap t o Yahoo ! Maps</ a>
</ body>
</ h tml>
<d i v
i d="map"
s t y l e=" w i d t h :
400 px ;
h e i g h t :
400 px ; "></ d i v>

Quelltext 3.11: Beispiel für die Verwendung der Mapstraction API

Anwendungen als auch als Mittel der Integration von GIS und IT Anwendungen auf Unternehmensebene [Dangermond, 2008]. Tatsächlich sind 38% der Mashups Mapping Applikationen 37 , die sich wie in Tabelle 3.2 gezeigt, aufschlüsseln.

37 Dieser Wert bezieht sich auf den Webseiten von programmableweb registrierten Anwendungen (http://www.programmableweb.com/mashups).

52

4 Empirische Recherche und Zerlegung von Geowebanwendung

Es existieren bereits eine Vielzahl verschiedener Anwendungen mit geografischem Bezug im Internet deren Einsatzgebiete sich von privaten Anwendungen bis hin zu Lösungen auf Unternehmensebene erstrecken [Maguire, 2008]. Dieses Kapitel reflektiert in Ab- schnitt 4.1 die Ergebnis einer Recherche zu Anwendungen im Geoweb, die im Rahmen der Arbeit durchgeführt wurde. Dabei geht es nicht um eine vollständige Auflistung aller Anwendungen, vielmehr wird ein systematischer Überblick verschiedener Anwendungs- typen gegeben. Die vorgestellten Anwendungen dienen anschließend als Grundlage für ein entwickeltes Schema, welches Geowebanwendungen in einzelne Funktionskomponen- ten zerlegt.

4.1 Querschnitt durch Geowebanwendungen - Eine Bestandsaufnahme

Geowebanwendungen beschreiben solche Anwendungen, die über das Internet aufge- rufen werden und in einem geeigneten Webbrowser ausgeführt werden. Die Standort- planung oder das visuelle Data Mining sind schon lange in GIS vorhanden und finden vielfach Anwendung. Durch die Webkartografie und Geowebservices ist dies auch ohne aufwändiges lokales GIS erreichbar. Diese Art der Anwendungen verwenden das Web als reines Präsentations- und Kommunikationsmedium. Hierzu gehören auch Geschäfts- anwendungen wie SAP ERP oder SAP CRM, die geografische Anwendungskomponen- ten wie die Adresskonsolidierung besitzen, der Webbrowser aber nicht als exklusives Zugriffsmittel dient. Der Schwerpunkt der im Folgenden vorgestellten Anwendungen liegt auf neuartigen Produkten und Lösungen, die gerade durch das Internet möglich und interessant sind. Da die Transformation von Anwendungen besonders im Hinblick auf ASP-Lösungen (Application Service Provider) ein hohes Potential birgt, wird der Bereich in der exemplarischen Potentialdarstellung in Abschnitt 5.1 wieder aufgegrif- fen.

53

4 Empirische Recherche und Zerlegung von Geowebanwendung

4.1.1 Basisdienste und Frameworks

Die Wichtigkeit von Methoden der Positionsbestimmung wurde bereits in Kapitel 2 gezeigt. Auf dem Gebiet der Standortbestimmung über Funksignale hat sich das Un- ternehmen Skyhook Wireless 1 spezialisiert. Das US amerikanische Unternehmen entwi- ckelte das XPS System, welches als Hybridsystem die Ortung über GPS-, Wi-Fi- und Mobilfunk kombiniert. Die Genauigkeit der Postitionsbestimmung durch den Dienst liegt bei 10-20 Meter Abweichung im Außenbereich urbaner Gegenden. Nach eigenen Angaben besitzt Skyhook Wireless derzeit Kenntnis über 23 Millionen Access Points 2 in den USA und 16 Millionen in Europa, die bei der Wi-Fi Positionsbestimmung abge- fragt werden. Skyhook setzt neben eigenen Mitarbeitern für das Auffinden neuer Access Points auch auf die Unterstützung der Web Community. Über die Webseite 3 lassen sich neue Access Points auf einer Karte verorten. So verwendet Skyhook selbst ein Mash- up um den angebotenen Positionierungsdienst zu verbessern. Unter dem Namen Loki 4 betreibt die Firma eine Erweiterung für Webbrowser, die es Webseiten erlauben soll, automatisch auf die Position von Benutzern zuzugreifen. Eine weitere Applikation der von Skyhook eingesetzten Technologie findet sich in einer intelligenten Speicherkarte (Eye-Fi 5 ), die Photos automatisch mit Geokoordinaten anreichert und diese sogar auto- matisch an Computer oder Fotodienste im Internet senden kann.

Im Bereich der Positionsbestimmung über IP finden sich eine große Anzahl von An- bietern. Die Dienste werden kommerziell oder auch als freie Webservices angeboten. Als Beispiel soll der Anbieter HostIP dienen, der über einen kostenlosen Webservice die Positionsbestimmung erlaubt und das Ergebnis in Form eines GML Dokumentes zurückgibt. Quelltext 4.1 zeigt die Anfrage und einen Ausschnitt der gelieferten Da- ten, die aufgrund der Kodierung maschinell weiterverarbeitet werden können. Das mit EPSG4326 angegebene geografische Referenzsystem 6 ist die offizielle Bezeichnung für das WGS84 Karten Datum.

Eine weitere grundlegende Aufgabe beim Umgang mit georeferenziertem Material be- steht im Auffinden und der anschließenden Indexierung der Daten. Als proprietäre Diensteanbieter führen Suchmaschinen das globale Mining durch und ermöglichen über entsprechende Schnittstellen das Suchen in ihrem Suchindex. Vermehrt rückt hierbei die Karte als Präsentationsmedium in den Mittelpunkt. Intelligente Suchalgorithmen führen eine Vorverarbeitung der Daten durch, um Suchergebnisse zu verbessern. Die Umwandlung von indirekten Ortsreferenzen wie Städtenamen in Geokoordinaten als Beispiel, stellt einen Weg der geografischen Vereinheitlichung von Suchanfragen dar.

54

4 Empirische Recherche und Zerlegung von Geowebanwendung

ht tp: // api . hostip . i n f o ? ip =195.226.108.254

<H o s t i p>

<gml:name>F r e i b u r g</ gml:name> <count ryName>GERMANY</ count ryName> <c o u n t r y A b b r e v>DE</ c o u n t r y A b b r e v> <i p L o c a t i o n> <g m l : P o i n t P r o p e r t y>

<g m l: P o i n t

srsName=" h t t p : //www. o p e n g i s . n e t / gml / s r s / e p s g . xml#4326">

<g m l : c o o r d i n a t e s>1 6. 2 5 , 5 0. 9 1 6 7</ g m l : c o o r d i n a t e s> </ g m l: P o i n t> </ g m l : P o i n t P r o p e r t y> </ i p L o c a t i o n>

</ H o s t i p>

Quelltext 4.1: Ergebnis eine IP Lookup Anfrage an HostIP

Weitere Anwendungen wie Mapufacture 7 oder metacarta 8 bieten Indexierungsdienste und die Organisation von Unternehmensdaten über geografische Sortierung als Softwa- relösungen an.

Geo Webservices für den Zugriff auf hochqualitative Geofachdaten sind der wichtigste Teil des Geowebs [Maguire, 2008]. Anbieter sind zum einen Unternehmen mit Fokus auf die geografische Erkundung und Expertisen im Bereich von GIS, wie ESRI oder TeleAtlas. Ergänzend zu diesen Anbietern sind freie Dienste weit verbreitet. So bietet beispielsweise GeoNames 9 eine Bandbreite von Basisdiensten im Bezug auf Geodaten an.

Aktuell offerieren Content Management Systeme wie Joomla!, Drupal oder Wordpress bereits Schnittstellen an, über die die Anwendung in Form von Plugins um Funktio- nalität erweitert werden kann. Im Rahmen der Entwicklung hin zum Geoweb wurden dementsprechend Plugins entwickelt, die Geofunktionen in die CMS Anwendungen ein- betten. Als Beispiele unter vielen seien hier das GeoRSS Modul für Drupal, GeoPress für Wordpress, GeoRSS Extension für MediaWiki sowie der Joomla GeoVisitor ge- nannt. Letzterer lokalisiert die Besucher einer Webseite anhand von IP Location Loo- kup Diensten, visualisiert diese auf einer digitalen Karte und kann als eine einfache Analysefunktion genutzt werden.

4.1.2 Nachrichtenkarten

Nachrichten oder journalistischer Text an sich lassen sich inhaltlich abstrakt durch die „5W’s des Journalismus“ beschreiben. Diese sind „Wer? Was? Wo? Wann? Warum?“. Geografie im Allgemeinen enthält stets den Aspekt des „Wo?“, so dass Nachrichten

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4 Empirische Recherche und Zerlegung von Geowebanwendung

für die Einbettung in eine Karte prädestiniert sind. Die Washington Post betreibt eine Anwendung namens TimeSpace 10 für die geografische Visualisierung von Nachrichten. Abbildung 4.1 zeigt die Abbildung zu einem zufälligen Zeitpunkt.

4.1 zeigt die Abbildung zu einem zufälligen Zeitpunkt. Abbildung 4.1: TimeSpace der Washington Post kombiniert

Abbildung 4.1: TimeSpace der Washington Post kombiniert Nachrichten mit geografischer Lage und zeitlichem Bezug

Um eine Überfüllung der angezeigten Karte durch eine große Anzahl Icons zu entgegnen, werden in der Anwendung Nachrichten regional gebündelt und erst bei entsprechenden Zoomlevels einzelnen angezeigt. Zusätzlich zu der Platzierung der Nachrichten als Ebene auf einer digitalen Kare, berücksichtigt dieser Dienst die zeitliche Komponente und so das „wann“ als einen weiteren der „5W’s des Journalismus“. Im Vergleich mit anderen Nachrichten Mapping Anwendungen hebt sich die zeitliche Komponente deutlich ab. Sämtliche Nachrichten sind mit einem Zeitpunkt oder einer Zeitspanne versehen, in der sie gemeldet wurden oder gültig sind. Eine Zeitleiste erlaubt es dem Anwender ein Zeitfenster zu spezifizieren und so einen zeitlichen Filter auf verfügbare Meldungen zu legen.

4.1.3 Fotomapping

Anwendungen, die das Geotagging von Fotos erlauben und diese entsprechend der Po- sition kartieren finden im Internet eine weite Anwendung. Ein Beispiel hierfür unter vielen ist der Anwendung Flickr 11 , eine Foto Sharing Community im Internet, wel- che seit August 2006 die Verortung von Bildern ermöglicht und mittlerweile mehrere Millionen mit Geotags versehene Bilder vorhält. Bereits am Tag der Einführung des

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4 Empirische Recherche und Zerlegung von Geowebanwendung

Dienstes wurden 1.2 Millionen Bildern eine geografische Lage zugewiesen und aktu- ell steigt die Anzahl der „geografischen Bilder“ um 2.6 Millionen Bilder pro Monat. Die geografische Zuordnung der Bilder erfolgt auf zwei mögliche Arten. Entweder über Drag&Drop Funktionalität auf eine Karte oder durch automatisches Extrahieren der Koordinaten aus dem Exif Header des Bilder. Abbildung 4.2 zeigt das GeoTaggen eines Bildes.

des Bilder. Abbildung 4.2 zeigt das GeoTaggen eines Bildes. Abbildung 4.2: Flickr organisiert Fotos automatisch über
des Bilder. Abbildung 4.2 zeigt das GeoTaggen eines Bildes. Abbildung 4.2: Flickr organisiert Fotos automatisch über

Abbildung 4.2: Flickr organisiert Fotos automatisch über Geokoordinaten auf einer digitalen Karte

Anstatt die Geokodierung als eine Erweiterung anzubieten, stellen andere Anwendungen und Projekte die Generierung von VGI in den Vordergrund der Anwendung. Beispiele sind das Wikimapia 12 Projekt, welches nach dem Wiki Prinzip 13 eine Plattform bietet, um Objekten mit geografischem Bezug Informationen zuzuweisen. Ein weiteres Pro- jekt, das auf die Mitarbeit der Web 2.0 Gemeinde setzt ist OpenStreetMap 14 . Ziel des Projektes ist es freie Geodaten anzubieten, um sich „aus der Abhängigkeit von Google und anderen“ [Drösser, 2007] zu befreien. Generiert werden die Karten durch die Zu- sammenführung von Beiträgen der Mitglieder in Form von annotierten GPS Routen. Anwendungen wie das OpenStreetMap erleichtert es diesen, auch als Neogeographen bezeichneten Anwendern, das Erstellen von georeferenzierenden Informationen [Turner,

2006].

4.1.4 Auskunftsysteme und Geo-Zentrische Webseiten

Zu den klassischen Aufgaben eines GIS gehört es Auskunft über geografische Frage- stellungen zu geben. Unternehmen mit einer großen Anzahl an Kundenschnittstellen setzen Kartendienste als Auskunftsysteme ein. Die Deutsche Post setzt hierfür auf den Google Maps Kartendienst, um Briefkasten, Filialen und weitere Standorte zu visuali- sieren. Über Formulare und Drop-Down Menüs spezifiziert der Anwender die gewünsch- ten Informationen. Der Dienst, wie er in Abbildung 4.3 gezeigt ist, berücksichtigt die eingegebene Adresse des Anwenders und zeigt zusätzlich zu den sogenannten Point of

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4 Empirische Recherche und Zerlegung von Geowebanwendung

4 Empirische Recherche und Zerlegung von Geowebanwendung Abbildung 4.3: Über ein Google Maps Mashup zeigt die

Abbildung 4.3: Über ein Google Maps Mashup zeigt die Deutschen Post Briefkästen, Filialen und weitere Standorte an.

Interests (POIs) als textuelle Information die Luftlinienendistanz von Startpunkt zu Ziel an.

Die Sortierung, Strukturierung und Präsentationen von Informationen mit dem Fo- kus auf geografische Lage bietet sich generell in Szenarien mit vornehmlich ortsbe- zogener Information an. Die Hotellerie, den Tourismus und die Immobilienbranche werden als diejenigen Marktsegmente genannt, die primär „durch das Geoweb profi- tieren“ [Reich, 2007] und hohe Potentiale bergen [Gruber/Menard/Schachinger, 2008, S. 67].

Die Webseite bergfex 15 ist ein Portal für Wintersport Aktivitäten. Es nähert sich der Thematik einer geografischen Navigation auf Webseiten zweigleisig. So kann der Be- nutzer entscheiden, ob eine Karte für die Navigation eingeblendet werden soll, die nach Bedarf in Größe anpassbar ist. Auch hier werden über unterschiedliche Symbole Orte und Wintersportgebiete visuell geordnet, die zu weiterführenden Informationen leiten. Zusätzlich erleichtern statische Karten auf Übersichtseiten die geografische Zuordnung der einzelnen Zielgebiete, wie in Abbildung 4.4 abgebildet.

Der Webauftritt bedient sich durchgängig Geowebtechnologien und wird dadurch intui- tiv navigierbar. Der anpassbare Kartenbrowser gibt dem Benutzer die volle Kontrolle über die Art der Webseitennavigation. Durch diese individuelle Navigation hebt sich die Seite deutlich von anderen Geowebanwendungen ab. Zusätzlich zu der kartenzen- trischen Oberfläche finden sich auch im Quellcode der Seite entsprechende HTML Geo- Tags, die es Indexierungsdiensten erlaubt eine geografische Zuordnung durchzuführen.

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4 Empirische Recherche und Zerlegung von Geowebanwendung

4 Empirische Recherche und Zerlegung von Geowebanwendung Abbildung 4.4: Bergfex gibt dem Benutzer Entscheidungsfreiheit

Abbildung 4.4: Bergfex gibt dem Benutzer Entscheidungsfreiheit zwischen Karten oder HTML basierter Navigation

Somit stellt die Seite keine isolierte Geowebanwendung dar, sondern setzt vielmehr auf eine globale Verfügbarkeit im Geoweb.

Über das Angebot eines Geoportals hinaus, geht der Webauftritt des Tourismusver- band des Bayrischen Wald 16 . Parallel zu der Webseiten Version des Angebotes, steht eine Version für Google Earth bereit. Touristische Ausflugsziele, Sehenswürdigkeiten, Wandertouren aber auch Pensionen sind dort verzeichnet. Hierbei werden freie Pensio- nen hervorgehoben und Hyperlinks in Detailbeschreibungen führen zu Webseiten, auf denen das betrachtete Objekt direkt gebucht werden kann.

4.1.5 Navigation und Assettracking

Professionell durch Unternehmen erhobene Geodaten, bieten hohe Qualität und Präzisi- on zum Zeitpunkt der Erhebung. Sie ist jedoch durch den Betrieb eigener Fahrzeugflot- ten oder Satelliten mit hohen Kosten verbunden. Dem gegenüber warten Geodaten, als Bestandteil von VGI mit geringen Kosten auf. In puncto Qualität sind diese jedoch klar hinter den erstgenannten anzusiedeln. Unabhängig von der erhebenden Instanz ändern sich Geofachdaten, wie das Straßennetz laufend. Eine zunehmende globale Vernetzung und der infrastrukturelle Ausbau verschärfen die Problematik der Datenveraltung. Pro- fessionelle Geodatenerzeuger bieten bereits entsprechende Hybrid Lösungen an. Dieser Trend zeichnet sich besonders in der Auto und Fußgänger Navigation ab. Beispiele sind MapReporter 17 von Navteq oder MapInsight 18 von TeleAtlas (Abbildung 4.5. Darin

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4 Empirische Recherche und Zerlegung von Geowebanwendung

können Benutzer Inkonsistenzen zwischen den auf Navigationssystemenen verfügbaren Geodaten und Realität melden. TomTom integriert diese Feedback Funktionalität be- reits in die Software der Endgeräte. Eingepflegte Änderungen werden dann über das Internet mit einer gemischten Datenbasis zu einem späteren Zeitpunkt synchronisiert und stehen so als Aktualisierung allen Systemnutzern global zur Verfügung. Die wesent- lichen Funktionen bezüglich der Manipulation von Geoinformationen in den genannten Anwendungen sind Sperrungen hinzufügen/entfernen, POI ändern/anlegen, Straßenna- men und Verkehrsrichtung ändern.

Straßenna- men und Verkehrsrichtung ändern. Abbildung 4.5: Kartendienstanbieter setzen vermehrt auf die

Abbildung 4.5: Kartendienstanbieter setzen vermehrt auf die Integration von VGI, hier am Bei- spiel von Tele Atlas’ MapInsight und Nutzen so das Potential der Masse.

Das kontinuierliche Synchronisieren vermeidet veraltete Daten und nutzt effektiv die Vorteile von VGI, nämlich die hohe Manpower der generierenden Gruppe und die kol- lektive Präsenz, um die angebotenen Kartendaten zu präzisieren. Diese Art der Anwen- dung verdeutlicht die starke Motivation für die Integration der Anwender und den Trend zu „community-integrated GIS“ oder „Participatory GIS (PGIS)“ [Rouse/Bergeron/ Harris, 2007, S. 154].

Die logistische Koordination von Außendienstarbeitern oder einer Fahrzeugflotte, so- wie die Verfolgung von Gütern sind weitere klassische Anwendungtypen im GIS Be- reich. Durch Geowebanwendungen entfällt die Notwendigkeit einer lokalen Installation und unterstützt die Reduktion von Kosten. Vollständig webbasierte Anwendungen sind durch digitale Kartendienste in Rich Internet Applications (RIAs) möglich geworden. Einen solchen Dienst für das Flottenmanagement bietet Mecomo 19 an.

Die in Abbildung 4.6 gezeigte Anwendung FLEET Web unterstützt die GPS- und Handyortung. Neben allgemeinen Werkzeugen wie Reporting mit Standortdaten und

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4 Empirische Recherche und Zerlegung von Geowebanwendung

4 Empirische Recherche und Zerlegung von Geowebanwendung Abbildung 4.6: Mecomo bietet über die Anwendung FLEET Web

Abbildung 4.6: Mecomo bietet über die Anwendung FLEET Web ein vollständig webbasiertes System für das Flottenmanagement an.

weiteren Parametern, einer Benutzerverwaltung und Workflowmanagement bietet die Anwendung Gruppenortungen, Routenvisualisierung und Geofencing 20 an. Die Anwen- dung erlaubt den Zugriff auf unterschiedliche digitale Karten für die Visualisierung der Geofunktionalitäten.

4.1.6 Analyse, Marketing und Werbung

Demographische Information in Verbindung mit realer Position liefert Informationen, die eine Typisierung und Kategorisierung erlauben. Diese Informationen erlauben Un- ternehmen Kundenprofile zu erstellen, so dass die Bedürfnisse und Anforderungen der Kunden greifbarer werden. Das Wissen über potentielle oder vorhandene Kunden er- laubt eine zielgerichtete Marketing Aktivität mit verbesserten Ergebnissen gegenüber einer unspezifischen Marketing Kampagne. Die Kundenbindung im Internet ist durch geringe Homing-Kosten geringer als an realen Standorten, so dass gerade dort gezielte Maßnahmen Unternehmen zu Vorteilen verhelfen können. Im Internet stellt die Web- seite die Schnittstelle zwischen Unternehmen und Kunden dar und die Verweildauer 21 auf Webseiten ist daher von besonderer Bedeutung.

Quova 22 legt den Schwerpunkt ihres Produktportfolio auf Geoinformationen über Be-

20 Das Geofencing beschreibt eine Überwachungsmethode für sich bewegende Objekte. Hierzu wird ein Gebiet definiert, in welchem sich das geortete Objekt frei bewegen darf. Überschrei- tet es die Grenzen (Geofence) des Gebietes, erfolgt eine Alarmierung des überwachenden Systems. 21 Laut laufender Analysen von nielson beläuft sich die durchschnittliche Verweildauer in den Monaten August und September 2008 auf 49 beziehungsweise 48 Sekunden. (Quelle: http://www.nielsen-online.com/resources.jsp?section=pr_netv&nav=1) 22 http://quova.com

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4 Empirische Recherche und Zerlegung von Geowebanwendung

sucher von Webseiten und bietet darauf basierend eine breite Produktpalette an. Ge- sammelte Informationen können für Betrugsprävention, Zugangsregulierung aufgrund vorherrschender Rechtslagen und Marketing Aktivitäten wie die Einblendung von orts- bezogener Werbung herangezogen werden. Die Betrugsprävention über Geolokalisierung ist besonders für finanzielle Transaktionen im Rahmen des E-Business eine aufstre- bende Disziplin um im Vorfeld verdächtige oder auffällige Aktivitäten zu erkennen.

verdächtige oder auffällige Aktivitäten zu erkennen. Abbildung 4.7: Geowebanwendung als Mittel des Marketings auf

Abbildung 4.7: Geowebanwendung als Mittel des Marketings auf der Webseite von Coca Cola

Dass Werkzeuge des Geowebs im Bereich des Marketing nicht nur als Analysemittel, sondern auch Präsentationsmittel eingesetzt werden können, zeigt eine Kampagne der Firma Coca-Cola. Im Rahmen einer vorweihnachtlichen webbasierten Kampagne bilde- te ein digitaler Kartendienst den Präsentationsrahmen. In einem Google Maps Mashup konnten Besucher der Webseite ihr Haus auf einer Weltkarte mit Lichtern schmücken. Erreicht wurde damit eine erhöhte Verweildauer und dadurch eine bewusstere Wahr- nehmung der Marke selbst. Diese Anwendung zeigt deutlich die vielfältige Anwendungs- bandbreite von digitalen Karten mit unterschiedlichen Intentionen und verfolgten Zie- len. Abbildung 4.7 zeigt die Webseite der Werbekampagne.

len. Abbildung 4.7 zeigt die Webseite der Werbekampagne. Abbildung 4.8: Lat49 blendet Werbung in Kartendiensten in
len. Abbildung 4.7 zeigt die Webseite der Werbekampagne. Abbildung 4.8: Lat49 blendet Werbung in Kartendiensten in
len. Abbildung 4.7 zeigt die Webseite der Werbekampagne. Abbildung 4.8: Lat49 blendet Werbung in Kartendiensten in

Abbildung 4.8: Lat49 blendet Werbung in Kartendiensten in Abhängigkeit von Zoomlevel und Bereich an. Hier am Beispiel Google Maps

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4 Empirische Recherche und Zerlegung von Geowebanwendung

Ein typisches Anwendungsszenario für ortsgebunde Werbung ist die Einblendung von Werbebannern basierend auf der aktuellen Position eines Benutzers [Kölmel/Alexakis, 2002] oder begleitend dargestellt als Ergebnis einer Suchanfrage. Hierbei wird anhand von Suchtermen und über Ortungsmethoden die Zielposition bestimmt und entspre- chende Werbung eingeblendet. Google AdWords oder AdMob als Plattform für das mobile Advertisement setzen diese Techniken ein. Einen anderen Weg der ortsbezoge- nen Werbung verfolgt Lat49 23 . Anstatt den Fokus auf Aufenthaltsort des Anwenders zu legen, dient das Interesse an einer Gegend als Grundlage für eingeblendete Werbung. Der in Abbildung 4.8 gezeigte Dienst betreibt ein neues Werbemodell, welches Lat49 als Mapvertisement bezeichnet und Werbepartnern erlaubt, Sektionen auf einer Karte zu bewerben. Die Schaltung der Werbung hängt ab von Zoomlevel und angezeigtem Kar- tenausschnitt und wird technisch als Overlay direkt auf der Karte realisiert. Der Dienst integriert sich in die gängigen freien Kartendienste im Internet.

4.1.7 Mobile Applikationen und Location Based Services LBS

Eine LBS Anwendung besteht aus einem CMS, welches in der Lage ist Daten mit Ortsbezug zu verwalten, einem Endgerät mit entsprechender Ausrüstung für die Posi- tionsbestimmung, einer Netzwerkverbindung um auf den Dienst zuzugreifen und einer Benutzeroberfläche, die die benötigten Interaktionselemente stellt und Anwendungs- daten anzeigt. LBS entfalten erst in Verbindung mit mobilen Geräten ihr wahres Po- tential, da dort die geografische Lage als dynamische Information von zentraler Be- deutung ist und Wissen nicht mehr nur in-time sondern auch in-place abrufbar ist. Dieser Abschnitt stellt verschiedene Anwendungen vor, die das Gerüst eines LBS ver- wenden.

Anwendungen vor, die das Gerüst eines LBS ver- wenden. Abbildung 4.9: Wikitude überlagert das Kamerabild eines
Anwendungen vor, die das Gerüst eines LBS ver- wenden. Abbildung 4.9: Wikitude überlagert das Kamerabild eines

Abbildung 4.9: Wikitude überlagert das Kamerabild eines Smartphone mit georeferenzierten Informationen

Die Relevanz von VGI für Unternehmen zeigten die Beispiele zu Navigationssystemen.

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4 Empirische Recherche und Zerlegung von Geowebanwendung

In den vorgestellten Anwendungen unterliegen die Daten letztendlich der Kontrolle des Anbieters und die Interaktion mit den Anwendern hat eine korrigierende Funktion. Die mobile Applikation Wikitude AR Travel Guide setzt im Kontrast dazu vollständig auf VGI als Datenquelle. Wikitude verwendet Daten aus frei verfügbaren Sammlungen von georeferenzierten Daten wie Wikipedia, Wikimap oder Panoramio, um Informa- tionen zu geografischen Lagen zu aggregieren. Die Anwendung überlagert diese Daten anschließend mit dem Echzeitkamerabild des mobilen Endgerätes. Neben der Position, die über GPS oder andere Methoden bestimmt wird, ist auch der Neigungswinkel, wie die Ausrichtung in Himmelsrichtung des Gerätes ein Parameter, der bei der Ausfüh- rung des Dienstes einfließt und die angezeigten Informationen filtert. Die Anwendung wurde für das Google G1 Smartphone entwickelt, welches die genannten Sensoren zur Verfügung stellt. Eine Momentaufnahme dieser Augmented Reality (AR) Anwendung, also die virtuellen Verknüpfung von Echtzeit(bild)daten mit Informationen, zeigt Ab- bildung 4.9.

Das Printmagazin Gala Style listet und bespricht Mode und Trendprodukte verschie- dener Hersteller. Über die Anwendung Gala Style Locator werden diese redaktionellen Daten des Printmagazins mit digitalen Inhalten verbunden. Die für das iPhone entwi- ckelte Anwendung stellt die in dem Magazin beworbenen Produkte in einen ortsbezo- genen Kontext. Sortiert nach Marke oder Produkttyp erhält der Anwender zu jedem Artikel eine Beschreibung und zusätzlich eine Liste von Vertriebspartnern, die das Pro- dukt anbieten. Die Anwendung berechnet den nächstgelegenen Laden und zeigt den Standorte auf einer Karte an. Bei Bedarf unterstützt eine Routingfunktion die Navi- gation dorthin. Auch Übersichtskarten von verzeichneten Shops einer Marke sind über den Dienst abrufbar. Findet der Dienst keinen lokalen Laden, bietet er ausweichend On- lineshops an, die das Produkt führen. Der in Abbildung 4.10 gezeigte mobile Dienst ist derzeit für 20 Großstädte verfügbar und soll dort Kunden beim Shopping unterstützen.

verfügbar und soll dort Kunden beim Shopping unterstützen. Abbildung 4.10: Gala Style Locator lokalisiert Konsumgüter
verfügbar und soll dort Kunden beim Shopping unterstützen. Abbildung 4.10: Gala Style Locator lokalisiert Konsumgüter
verfügbar und soll dort Kunden beim Shopping unterstützen. Abbildung 4.10: Gala Style Locator lokalisiert Konsumgüter
verfügbar und soll dort Kunden beim Shopping unterstützen. Abbildung 4.10: Gala Style Locator lokalisiert Konsumgüter

Abbildung 4.10: Gala Style Locator lokalisiert Konsumgüter und dient als persönlicher virtueller Einkaufsführer

Soziale Netzwerk sind zentraler Bestandteil des Web 2.0 um in einem virtuellen Netz- werk soziale Kontakte zu pflegen. Location Based Social Networks (LBSNs) erweitern

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4 Empirische Recherche und Zerlegung von Geowebanwendung

diese Netzwerke und projizieren das virtuelle Netzwerk auf die Realität. Eine Vielzahl von Mehrwertdiensten, wie das Auffinden von Bekannten in der unmittelbaren Umge- bung, oder die Planung von Verabredungen, aber auch zusätzliche LBS als Bestandteil sind Beispiele der Anwendung. Eine solche Community stellt Qiro dar. Der Telekom- dienst erlaubt die Selbstlokalisation, hilft nahe Freunde (Buddies) zu finden und mit Ihnen zu kommunizieren und integriert verschiedene LBS und POI Dienste in sein An- wendungsportfolio. Hierzu gehören unter anderem virtuelle Städtetouren als Location Based Audio Guides, das Auffinden von Geldautomaten, Kinos und Restaurants oder der Fahrradmietdienst der Deutschen Bahn Call-a-Bike 24 . Zum Schutz der Privatsphäre erlaubt es der Dienst die Sichtbarkeit des derzeitigen Aufenthaltsortes Freunden vor- zuenthalten oder gänzlich zu verbergen. Der Anwender kann ortsbezogene Bookmarks erstellen, Informationen zu Plätzen hinzufügen und diese dem Kollektiv im Netzwerk preiszugeben. LBSNs erfreuen sich großer Beliebtheit und entsprechend lang ist die Liste solcher Plattformen.

4.1.8 Content Dynamisierung über Location Tracking

Die Inhalte von Webseiten werden zunehmend dynamischer und personalisierbar. Wis- sen über die geografische Position eines Anwenders lässt sich nicht nur für ein effizi- enteres Werben sondern auch für die Aufwertung von Dienstleistungen im Web heran- ziehen, da sie den Parameter der geografischen Lage respektieren. Eine Umsetzung für dieses Location Based Websurfing bietet Eventful 25 . Die Webseite informiert über Kul- turveranstaltungen, Konzerte und weitere Events. Der Dienst verwendet die Schnitt- stelle zu der zuvor vorgestellten Browsererweiterung Loki um auf die Position eines Besuchers zuzugreifen. Die Inhalte der Webseite und angezeigten Informationen wer- den ohne weitere Benutzerinteraktion an den Standort des Anwenders angepasst (vgl. Abbildung 4.11). Versagt der Dienst und ermittelt inkorrekte Daten, so besteht weiter- hin die Option der händischen Selektion der gewünschten Stadt über eine Auswahllis- te.

Auf den Einsatz von digitalen Karten als zentrales Werkzeug bei der Präsentation einer Schnittstelle zu einem leistungsstarken GIS setzt die Anwendung „In My Backyard“ 26 . Die Webseite bietet für die USA eine Anwendung, mit der der Nutzen und die Po- tenziale eines lokalen Solar- oder Windkraftwerkinstallation berechnet werden können. Der Dienst verwendet ein spartanisches, jedoch ausreichendes Interaktionsinterface, be- stehend aus einem Kartenbrowser, einem textuellen Formular und einem Dienst für Berechnungen. Hierbei dient der Kartenbrowser als Leinwand um Umrisse des Areals,

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4 Empirische Recherche und Zerlegung von Geowebanwendung Abbildung 4.11: Eventful passt die Inhalte der Webseite dynamisch

Abbildung 4.11: Eventful passt die Inhalte der Webseite dynamisch an den Standort des Users an.

auf dem eine Installation vorgenommen werden soll, zu zeichnen. Den möglichen Pa- rametern zufolge ist es anzunehmen, dass ein leistungsstarkes GIS, welches über die entsprechenden Geofachdaten verfügt für die Berechnung herangezogen wird. Die Ver- wendung der Karte als Zeichenbrett erleichtert zum einem dem Benutzer die Bemaßung genau anzugeben, zum anderen sind gleichzeitig durch die Kenntnis der genauen La- ge der Fläche dienstseitig genauere Berechnungen möglich. Weiter wird dem Benutzer die händische Bemessung der verfügbaren Fläche abgenommen und erleichtert so den Einstieg in den Berechnungsprozess. Derzeit handelt es sich bei diesem Projekt um ein reines Informationssystem ohne angebundenes Vertriebsmodell. Abbildung 4.12 zeigt die Webseite des Dienstes. Die Vorzüge der Anwendung liegen darin, dass ein Benutzer bei der Eingabe bereits eine Vielzahl nötiger Informationen preisgibt. Weiterhin kön- nen Geofachdaten über Bodenbeschaffenheit oder Witterungsbedingungen, die bei der Konstruktionsplanung berücksichtigt werden müssen, bereits im Vorfeld in den Pro- zess einbezogen werden um frühzeitig Fehlplanungen und Probleme zu erkennen und entsprechende handeln zu können.

4.1.9 Präsentation und Visualisierung

Eine Kerndisziplin von GIS stellt die visuelle Aufbereitung von raumbezogenen In- formationen dar und unterstützt so Führungspersonal in bei der Strategieentwicklung in Form einer „Multi-kriterielle Entscheidungsunterstützung“ [Voss, 2005, S. 278]. Ein Vorteil der Visualisierung geografischer Kontextinformation liegt darin, dass relevan- te Informationen effizienter erschlossen und Alternativen schneller entwickelt werden können [Scharl (2007, S. 4), Voss (2005, S. 278)]. Mit der allgemeinen Verwendung der digitalen Kartografie im Internet ist so diese Mehrwertgenerierung auch für private

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4 Empirische Recherche und Zerlegung von Geowebanwendung Abbildung 4.12: Die Anwendung „In My Backyard“ ermöglicht es

Abbildung 4.12: Die Anwendung „In My Backyard“ ermöglicht es freie Flächen für den Auf- bau von Solar- und Windkraftanlagen auf der Karte einzuzeichnen und darauf basierende Produktionsschätzungen berechnen zu lassen.

Anwender in verschiedenen Situation erreichbar. Verschiedene Anbieter nutzen bereits diese Mittel um ihren Kunden und Interessenten Informationen aufgewertet zu präsen- tieren.

Interessenten Informationen aufgewertet zu präsen- tieren. Abbildung 4.13: Ryanair visualisiert die Flugrouten auf

Abbildung 4.13: Ryanair visualisiert die Flugrouten auf einer Karte in Abhängigkeit eines aus- gewählten Startflughafens

Die Fluggesellschaft Ryan Air Route Map 27 setzt eine digitale Karte ein, um Flugrouten und Verbindungen zu visualisieren. Ein zuvor ausgewählter Flughafen zeigt sämtliche Verbindungen zu anderen Flughäfen über Verbindungslinien an und blendet übrige Teile der Karte für eine bessere Lesbarkeit der Informationen ab. Der Doppelklick auf

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einen Flughafen führt zu weiterführenden lokalen Informationen auf einer neuen Seite. Die Art und Weise der Darstellung über eine Karte hat deutlich Vorteile gegenüber einer tabellarischen Darstellung, da zum einen die Übersichtlichkeit erhöht wird und die Lage der Flugziele implizit vermittelt wird. Abbildung 4.13 zeigt die Anwendung bei Visualisierung von Flügen ab Düsseldorf.

die Anwendung bei Visualisierung von Flügen ab Düsseldorf. Abbildung 4.14: Der Dienstanbieter Snoovel kombiniert 3D

Abbildung 4.14: Der Dienstanbieter Snoovel kombiniert 3D Ansichten in Google Earth mit HTML Inhalten

Eine weiteres Visualisierungsfeld ist die 3D Modellierung von Gebäuden zum Beispiel für die Anzeige in Google Earth. Verschiedene Städte wie Hamburg oder Stuttgart sind bereits zu großen Teilen kostenlos im Internet verfügbar. 3D Modelle von Gebäuden und Arealen stellen für die Immobilienbranche eine neue Art der Produktpräsentation dar, so dass Interessenten die Möglichkeit gegeben wird Objekte im Vorfeld zu betrachten und bewusster zu selektieren. Da besonders bei neueren Gebäuden im Zuge der Pla- nung des Bauvorhabens Grundrisse und teilweise 3D Modelle für eine Stadtbildanalyse entstehen, ist eine Transformation mit entsprechend verringertem Aufwand erreichbar. Gerade im Bereich der Unternehmenspräsentation unterstützen 3D Modelle und vir- tuelle Rundflüge die Nachhaltigkeit. Das Unternehmen Snoovel 28 kombiniert klassische HTML Inhalte mit 3D Modellen und geografischen Inhalten. Zum Einsatz kommt Goo- gle Earth eingebettet über das Browser Plug-In, das die Einbettung des Geobrowsers in eine Webseite erlaubt. In Abhängigkeit der angezeigten Webinhalte ändert sich auch der in Google Earth angezeigte Bereich. Die Kombination von virtuellen Globen einge- bettet in eine Webseite, mit umgebenden Textinformation als multimediales Produkt soll vor allem Unternehmenspräsenzen im Internet aufwerten. Abbildung 4.14 zeigt eine solche Multimedia Präsentation.

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4.2 Bestandteile von Geowebanwendungen - Eine Zerlegung

Die im vorherigen Abschnitt 4.1 vorgestellten Anwendungen wurden thematisch grup- piert vorgestellt. Innerhalb dieser Gruppen unterscheiden die einzelnen Anwendungen mitunter stark in Anwendungszweck und eingesetzten Instrumenten, so dass über die Thematik hinaus keine tatsächliche Sortierung erreicht wurde. Unabhängig von der the- menorientierten Gruppierung weisen alle vorgestellten Geowebanwendungen eine Reihe identischer Strukturen wie Geobrowser oder Geodienste, sowie klassische Webinhalte wie statische Texte, Bilder und Formulare auf. Dieser Abschnitt stellt ein Zerlegungs- schema vor, mit Hilfe dessen Geowebanwendungen unabhängig von Thematik in ein- zelne Module unterteilt werden können. Das Ziel ist es darüber Geowebanwendungen klassifizieren und ordnen zu können. Bei dieser Zerlegung liegt der Fokus zum einen zwar auf der Abstrahierung von technischen Aspekten, zum anderen sollen einzelne Module jedoch spezifisch genug sein, um eine klar erkennbare Aufgabe bzw. Kerndienst aufzuweisen.

Für die Implementierung von Webanwendungen ist die 3-Schichten-Architektur weit verbreitet [Goodyear, 1999]. Die Architektur unterscheidet zwischen einer Präsentati- onschicht als visuelle Schnittstelle auf dem Client, einer Logikschicht, die Benutzereinga- ben verarbeitet und den Programmfluss steuert, sowie der Datenschicht als Quelle dar- zustellender Anwendungsdaten. Für die Zerlegung von Geowebanwendungen in einzelne Bestandteile ist diese Darstellung geeignet und sogar gefordert, da im Geoweb Schnitt- stellen auf allen drei Ebenen vorhanden sind [GDI-DE, 2008, S. 27].

Neben der geografischen Kodierung von Webinhalten stellt die aktuelle Position eines Anwenders eine notwendige Information für Geowebanwendungen dar [Mitchell, 2008, S. 13]. Besonders bei ortsbezogenen Diensten wie beispielsweise LBS ist dies sofort er- kennbar. Hierfür sind neben dem Internet als globales Kommunikationsnetz an sich weitere Infrastrukturkomponenten für die genannte Positionsbestimmung oder Senso- ren für eine Datenakquise nötig. Die 3-Schichten-Architektur wird daher für die weitere Besprechung zusätzlich vertikal in Infrastruktur und Anwendung unterteilt. Das Zerle- gungsschema zeigt Abbildung 4.15 und wird im Folgenden beschrieben und erläutert. Ein Großteil der Literatur zu der Geowebbewegung ist englischsprachig und auch in deutschsprachigen Beiträgen werden häufig englische Begriffe verwendet. Das Schema entstand aus einer Kombination von Analyse vorhandener Literatur und der Unter- suchung von Geowebanwendungen. Um die thematische Zuordnung der Module des Schemas mit Literaturbeiträgen zu vereinfachen, verwendet auch das Schema englische Begriffe.

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Geographic Hypermedia Position Determination Geographic Web Content User Interface Map Toolset Webbrowser Data Input
Geographic Hypermedia
Position Determination
Geographic Web Content
User Interface
Map Toolset
Webbrowser
Data Input
Virtual Globe Viewer
Web Content
Geocontent Provider
Map Browser Provider
Raw Geodata Exchange
Location Broker
Spatial Data Formats
Spatial Querying
Location Estimation
Common Geo Toolset
Webapplication Toolset
Data Transport
Spatial Services
Location Management
Geodata Services
Utility Services
X Server
Spatial Storage Systems
Mapdata Services
Webanwendung
Technisch/Infrastruktur
Daten/Server
Präsentation/ClientLogik/Web

Abbildung 4.15: Komponenten von Geowebanwendungen im Querschnitt dargestellt anhand ei- ner 3-Schichten Architektur und zusätzlicher Trennung von Webanwendungs- und Infrastrukturkontext

4.2.1 Komponentensicht: Webanwendung

Für das Design von Geowebanwendungen untergliedern Tsou/M-Curran (2008) diese in aufeinander aufbauende Komponenten. Die Klassifikation setzt auf ein Vorhandensein einer grafischen Benutzerschnittstelle (Surface). Dieser Konvention schließt auch die im Folgenden vorgestellte Komponentensicht an, so dass eine Anwendung deshalb stets Bestandteile aus allen Schichten aufweisen muss. Dienste wie Geowebservices, die auf lediglich einer Ebene zu finden sind, können daher nicht als eigenständige Anwendungen verstanden werden.

Webanwendung: Präsentationsschicht

Die Präsentationschicht bildet die Schnittstelle zwischen System und Benutzer. Auf dieser Ebene sind folgende Dienste anzusiedeln (GDI-DE (2008, S. 59), Maguire (2008),

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Zipf (2005, S. 225), NSDT (2008, S. 9), Bychowski et al. (2008)):

Anzeige von Geofachdaten als Überlagerung auf Geodaten

Visualisierung von Karten (Geodaten)

Steuerung von Layern und Anzeige von Legendeninformationen

Die Navigation in digitalen Karten durch Zoom und Pan entweder implizit über Maus- und Tastatureingaben oder über eingeblendete Bedienelemente als Be- standteil eines Geobrowser Gerüsts.

Additiv zu der „geo“ orientierten Ansicht sind HTML Elemente und weitere in einem Webbrowser darstellbare Daten einzugliedern. Unter Berücksichtigung der genannten Anforderungen kristallisieren sich die in dem Schema dargestellten Komponenten her- aus, die nun inhaltlich erläutert werden.

Web Content Webseiten bestehen aus Texten, Bildern und andere Multimedia Da- ten, die über HTML/Cascading Style Sheets (CSS), Flash und sonstige Elemente und Spezifikationen strukturiert, visualisiert und verknüpft werden. Die Komponente Web Content umfasst diese statischen Inhalte, die für den geografischen Teil der Anwendung keinen unmittelbaren Nutzen haben, jedoch als Bestandteile der Anwendung zu zählen sind.

Data Input Voraussetung für eine Benutzerinteraktion sind Schnittstellen, die es er- lauben textuelle Daten einzugeben oder anderweitig Informationen zu übermitteln. In Webanwendungen bieten Eingabemasken diese Funktionalität über Textfelder, Aus- wahllisten oder Checkboxen an. Auch Mausereignisse, wie das „Klicken“ auf einen bestimmten Bereich stellt eine Form der Informationspropagation dar. Dieses Modul liefert die nötigen Elemente für eine Kommunikation von Eingaben über Schnittstel- len.

Map Toolset Ein Großteil der Geowebanwendungen setzt digitale Karten in jeglicher Form ein, um geografisch referenzierte Daten zu präsentieren. In dieser Komponen- te sind visuelle Elemente zu finden, die die Darstellung von Karten/Globen ermögli- chen.

Canvas Presentation Bei der Anzeige von Kartendaten können verschiedene Ansätze verfolgt werden. Diese reichen von der Präsentation als Bild, beispielsweise unter Verwendung eines WMS Dienstes hin zu Kartenbrowsern und virtuellen Globen eingebettet in den Webbrowser. Die Wahl der Präsentation ist eng mit dem Ein- satzzweck verknüpft und hängt auch von Designaspekten ab. Die verschiedenen Lösungen subsumiert diese Gruppe.

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Map Data Digitale Karten, die in einer Geowebanwendung die Funktion von Geobasis- daten einnehmen, bilden die Grundlage für eine visuelle geografische Präsentation von georeferenzierenden Daten, weisen darüber hinaus keine weitere semantische Funktionalität auf. Solche Daten repräsentiert diese Gruppe.

Structural Element Symbole, Linien und weitere Elemente, die keine semantische Nutz- informationen enthalten, jedoch für die Strukturierung geografisch referenziert eingesetzt werden, umfasst diese Gruppe. Im Hinblick auf den „geo“ Anteil der Anwendung haben diese Daten unterstützenden Charakter.

Navigation Allen Kartendiensten und Geobrowsern gemein ist die logische und struktu- rierte Gruppierung der Steuerelemente innerhalb der Karte. Die Platzierung auf der Leinwand hat den Vorteil, dass sie schneller als Werkzeug der Interaktion er- kannt werden, da sie als Begrenzung die Aufmerksamkeit bündelt [Räber/Jenny, 2003, S. 61]. Die Navigation in einem Kartendienst ist ein Schlüssel für die intui- tive Bedienbarkeit, da es sich bei den Benutzern nicht um GIS Experten handelt [Tsou/M-Curran, 2008, S. 303]. Zu bewerkstelligen sind die grundlegenden Funk- tionen des Zoomens in den Kartendaten und des Verschiebens des angezeigten Bereiches. Virtuelle Globen erweitern die Liste der Funktionen entsprechend um die die Möglichkeit zur räumlichen Navigation. Darüber hinaus bilden Elemente für das Umschalten von Layern und weiteren speziell kartenspezifischen Funktio- nen die Bestandteile der Navigation Gruppe. Auch externe Navigationselemente, die über Schnittstellen der Kartenanwendung die Navigation steuern, sind Be- standteil dieses Gruppe.

Geographic Hypermedia Das Modul Geographic Hypermedia subsumiert die verschie- denen Medienformate, die geografische Informationen enthalten und anhand dieser refe- renziert werden. Die in Abschnitt 3.2 vorgestellten Formate sind Beispiele für Bestand- teile des Moduls. Gemeinsamer Parameter dieser Formate ist die geografische Referenz, so dass Elemente dieses Moduls eine Geowebanwendung zusammenhalten.

Geographic Web Content Zusätzlich zu Elementen, die in einem geografisch referen- zierendem Format vorliegen, enthalten Geowebanwendungen Daten mit einer Geore- ferenz auf semantischer Ebene. Eine solche ist beispielsweise bei Zusatzinformationen zu einer Georeferenz in Google Maps gegeben. Die Daten dieses Moduls sind nicht geografisch referenziert, semantisch besteht jedoch eine indirekte Referenz, so dass eine Abgrenzung zu Bestandteilen des Geographic Hypermedia Moduls besteht. Das Vorhan- densein einer impliziten Georeferenz, erlaubt jedoch die Transformation in ein entspre- chendes Format mit Georeferenz. Diese Tatsache zeigt deutlich die Disjunktheit dieses Moduls mit dem Modul Web Content.

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Webanwendung: Logikschicht

Auf der Logikschicht wird die Anwendung gesteuert und der Programmfluss koordiniert. Dadurch liegt der Fokus auf Bausteinen, die komplexe Funktionalität anbieten und gege- benenfalls über Dienstschnittstellen zur Verfügung gestellt werden.

Webapplication Toolset Eine Webanwendung verwendet Fremdanwendungen, Fra- meworks und Bibliotheken für verschiedene Aufgaben. Zu nennen sind Dienste für die Administration von Webseiten, Anbieter von Webinhalten, Dienste für die Bereitstel- lung von Webangeboten auf verschiedenen Plattformen und auch klientenseitige Script- sprachen wie JavaScript. Die Komponente Webapplication Toolset fasst diese Dienste zusammen und abstrahiert sehr stark von dem eigentlichen Inhalt. Ansätze für eine granulare Unterteilung wurden bereits vielfach an anderen Stelle vorgestellt und sind daher nicht Bestandteil dieser Arbeit (vgl. Bauer (2008), und andere). Im Wesentli- chen liefert eine solche Komponente ein Grundgerüst für eine Webapplikation, die um geografische Komponenten erweitert werden kann.

Common Geo Toolset Das Common Geo Toolset umfasst verschiedene Dienste mit geografischer Funktionalität. Diese Dienste bilden das wichtige Bindeglied zwischen Informationen auf semantischer Ebene wie Ortsbezeichnungen und geografischen Infor- mationen, in maschinenlesbarer Form. Weiterhin vereinfachen sie den Umgang mit geo- grafischen Informationen in unterschiedlichen Systemen und Informationskanälen. Im Folgenden werden eine Auswahl solcher Geodienste vorgestellt. Sie bilden die Basis für die Entwicklung für Anwendungen mit Geo-Fokus [GDI-DE, 2008, S. 38–45; GDI-DE, 2008, S. 59; Maguire, 2008; Zipf, 2005, S. 225; Kraak/Ormeling, 2003, S. 8f; Bychow- ski et al., 2008; Yeung/Hall, 2007, S. 495; eigene Darstellung]:

Gazetteer : Eine Georeferenzierung über konkrete Koordinaten stellt eine Vorausset- zung für Eindeutigkeit dar, so dass Methoden für die Umwandlung einer indirek- ten Georeferenzierung in eine konkrete in Form von Koordinaten einer geodäti- schen Systems notwendig sind. Das Mapping einer Adresse oder eines Ortes mit Eigennamen wie „Freiburger Münster“ in Geokoordinaten sind zwei Szenarien, bei denen eine Gazetteerdienst eingesetzt wird.

GeoNames 29 hält eine umfassende Datenbank mit mehreren Millionen Einträgen und ist über Webservices angefragt werden. Auch Kartendienste wie Google Maps oder der Bund 30 oder andere kostenpflichtige Anbieter bieten diese Funktionalität an. Die Anforderungen an einen Gazetteerdienst sind Bestandteil der ISO 1900er Serie.

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(Reverse) Geocoding : Geocoding bezeichnet die Überführung einer Adresse in geografi- schen Koordinaten und bildet den grundlegenden Dienst für die Generierung von georeferenzierten Daten. Reverse Geocoding kehrt dieses Prozess um. So kann ein Reverse Geocoding Dienst beispielsweise die Postleitzahl zu bestimmten Geo- koordinaten berechnen. Das bereits zuvor benannte GeoNames bietet auch hier verschiedene Webservices an.

Geo Information Extraction : Das Extrahieren von geografisch referenzierenden Da- ten aus semistrukturierten Rohdaten ist eine komplexe Aufgabe. Vor allem die Überführung von impliziten geografischen Informationen in explizite erfordert in- telligente Algorithmen und Strategien. Eine Reihe Anbieter haben sich auf die Umsetzung dieser Prozesse spezialisiert. Die Anwendungspalette erstreckt sich von der Transformation eines RSS Feed in ein GeoRSS Dokument hin zu der vollständigen Indexierung großer Datenbestände. Der bereits mehrfach genannte Anbieter GeoNames bietet auch auf diesem Gebiet Dienste an, die sich jedoch auf das ad-hoc Umwandeln beziehen. Dem entgegen übernimmt Metacarta 31 die geografische Verwaltung und Indexierung von Datenbeständen und baut einen durchsuchbaren geografischen Index auf. Dienste wie die vorgestellten, unterschei- den sich in Mächtigkeit, weisen aber den für Dienste dieser Komponente nötigen gemeinsamen Zweck der Geoinformationsextraktion auf.

Format Transformation : GML als Kodierungsformat der OGC Geo Webservices, KML als de facto-Webstandard für die Modellierung spatialer Objekte oder GeoRSS als geografisches Nachrichtenformat basieren auf XML und sind somit maschinenles- bar. Mit Hilfe von Transformationsvorschriften können diese Formate ineinander überführt werden. Aufgrund unterschiedlichem Detailgrad der einzelnen Formate gehen bei diesem Prozess Informationen verloren. Die Ursache hierfür liegt im Anwendungszweck der Formate und ist gewollt. Unterschiedliche freie und kom- merzielle Dienste sind im Internet als Webservices oder auch als Anwendungsbi- bliotheken verfügbar, die bei der Service Entwicklung Anwendung finden.

Geotransformation : Zwar verwendet ein Großteil der gängigen Kartendienste die UTM Projektion mit dem WGS84 Kartendatum, jedoch liegen gerade die von behörd- licher Seite erhobenen Geodaten und Geofachdaten in unterschiedlichen Refe- renzsystemen vor. Diese Datensätze korrekt ineinander zu überführen, schafft die nötige Kompatibilität und die Basis für einen Medienbruch freien Einsatz von Geodaten [NSDT, 2008, S. 10]. Aufgrund der mathematischen Transformation er- folgen keine Qualitätseinbußen im Transformationsprozess. Entscheidend ist die Präzision der Geodaten und der geografischen Kodierungsparameter, wie etwa das Kartendatum.

Webmap Retrieval : Vorherige Abschnitte stellten Verfahren und Techniken für die Aus- lieferung von digitalen Karten vor. Statische Karten über den WMS der OGC

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Spezifikationsreihe oder proprietäre Lösungen von Google und Yahoo, sowie wei- tere wie der freie Entwurf für die gekachelte Auslieferung über REST konforme URL zeigen die Diversität dieses Komponente. Letztendlich kann diese Kompo- nente eingesetzt werden um auf digitales Kartenmaterial zuzugreifen. Somit stellt sie einen Schlüsseldienst dar, insbesondere aufgrund der Verwendung in jedem Kartendienst.

Corridor Search : Eine Corridor Search beschreibt eine Blindsuche nach Informationen

zu einem bestimmten Ort. Spezifiziert durch in Geokoordinaten überführbare Ein-

gabewerte liefert der Dienst sämtliche ihm verfügbare relevante Informationen. Inhaltlich kommt der Corridor Search Dienst einer Suchmaschine gleich.

Point of Interest Scan : Eine Spezialform der Corridor Search stellt der POI Scan dar. Hierbei liegt die Beschränkung auf einem Thema von Interesse [Freckmann, 2001]. Ein häufig verwendetes Beispiel ist die Suche nach Tankstellen in einer Region. Der POI Scan bildet zusammen mit der Positionsbestimmung die Kerndienste von LBSs.

Routing : Routing Dienste erlauben die Beantwortung der Frage „Wie komme ich von

A nach B?“ [Kraak/Ormeling, 2003, S. 8f; Freckmann, 2001]. Hierfür wird ein

optimaler Pfad zwischen einem Start- und einem Endpunkt in unterschiedlich komplexen Szenarios berechnet. Während im grundlegenden Fall keine weiteren Bedingungen vorherrschen, berücksichtigen fortgeschrittene Routingdienste Ein- schränkungen bei der Wegberechnung. Die Restriktion auf bestimmte Straßenty- pen, die Beschränkung auf öffentliche Verkehrsmittel, aber auch zeitliche Angaben

sind Beispiele für Routingconstraints. Eine spezielle Klasse der Routingdienste ist

in der Lage den optimalen Pfad dynamisch und kontinuierlich zu berechnen. Dies

erlaubt es auf Echtzeitfaktoren wie Staus, Umweltbedingungen und andere Ereig- nisse zu reagieren.

Spatial Querying Geo Webservices, die über das Geo Common Toolset hinaus gehen, gehören zu dieser Komponenten. Meistens sind das spezielle Dienste, die für bestimm- te Anwendungen implementiert werden und kein allgemeines Interesse daran besteht. Nachbarschaftsabfragen, Erreichbarkeitsabfragen aber auch die Analyse von Geodaten sind nur einige Beispiele einer breiten Anwendungspalette [GDI-DE, 2008, S. 38–45, 59; Maguire, 2008; Kraak/Ormeling, 2003, S. 8f; Freckmann, 2001]

Location Broker Location Tracking Dienste wie Yahoo! FireEagle 32 stellen Schnitt- stellendienste dar, die dem Anwender erlauben eine Position zu übermitteln. Diese Po- sition steht dadurch zentralisiert zur Verfügung. Andere Anwendungen haben je nach

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Konfiguration des Location Brokers Zugriff auf die Positionsdaten, um diese weiter- zuverwenden. Location Broker erhalten ihre Informationen in der Regel initiiert von Klientenseite. Auch zukünftige Webbrowser, die mit einer API entsprechend der in Ab- schnitt 3.2 vorgestellten Geolocation API aufwarten, übernehmen die Aufgabe eines Location Brokers. Die beiden dargestellten Szenarien unterscheiden sich im Kern in der Zugriffsart. So ist die erste Variante als Webservice global verfügbar, während die zweite Variante sich auf eine unmittelbare Kommunikation der Position konzentriert. Die Präferenz sollte im Hinblick auf Aktualität und damit Relevanz der Positionsdaten klar auf eine direkte Kommunikation fallen.

Map Browser Provider Die Verwendung von Kartendienstes wie Google Maps er- folgt durch Einbindung der JavaScript API in den Quellcode der Webseite. Das inte- griert diese eigenständigen Anwendungen, die von Drittanbietern bereit gestellt werden. Diese Komponente stellt die Funktionalität und das Framework, das für die dynami- sche Anzeige von digitalen Karten notwendig ist. Das bedeutet eine Trennung von tatsächlichem Inhalt, der als Bestandteil des WebMap Retrievel Dienste im Common Geo Toolset bereitgestellt wird. Deutlich sichtbar wird die Notwendigkeit dieser Un- terteilung am Beispiel von OpenLayers, welches keine eigenen Kartendaten, sondern ausschließlich die Funktionalität der Benutzeroberfläche bereitstellt. Map Browser Pro- vider Elemente stellen die Funktionalität, die Bestandteile des Moduls Map Tool auf der Präsentationsschicht verwenden.

Geocontent Provider Geocontent Provider stellen Quellen medialer Inhalte mit geo- grafischer Referenz dar. Hierbei steht der Inhalt im Vordergrund und die Georeferenz ist ein zusätzliches Attribut. Anbieter wie YourStreet 33 oder Flickr 34 sind Beispiele für solche GeoContent Provider mit einem umfangreichen Datenpool. Eine wesentli- che Eigenschaft der in diesem Modul enthaltenen Objekte ist das Vorhandensein von Schnittstellen um auf die Inhalte zugreifen und in diesen geografisch Suchen zu kön- nen.

Webanwendung: Datenschicht

Auf der Datenschicht finden sich Dienste für den Zugriff auf Daten und für den Zu- griff auf weitere Funktionalität, die durch Prozesse auf einem Server berechnet wer- den.

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Mapdata Services WMS und andere Dienst für die Bereitstellung von Kartendaten sind Bestandteil sich in dieser Komponente. Alle Services dieses Moduls gewähren aus- schließlich den Zugriff auf Kartenmaterial.

Utility Services Sämtliche Webanwendungsdienste, die nicht geografischen Kontext besitzen, jedoch für die Funktionalität der Webanwendung nötig sind, fallen in diese Kategorie. Beispiele sind die Nutzeranmeldung, die Auslieferung von CMS und weite- re klassische Dienste in einer Webanwendung. Die Komponente Utility Services, das Webapplication Toolset auf der Logikschicht und Web Content für die Präsentation weisen im Verbund die in einer klassischen Webanwendungen nötigen Bestandteile auf.

Geodata Services Die Auslieferung von medialen Inhalten in entsprechendem Daten- formaten, die geografisch referenzieren, findet durch Dienste in diesem Modul statt.

Spatial Services Als vermittelnde Schnittstelle zwischen GIS und anwendungsbezoge- nen spatialen Funktionen, die für Berechnung auf GIS Daten zugreifen müssen, agieren Dienste in dieser Komponente.

4.2.2 Komponentensicht: Technisch/Infrastruktur