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Py. ae FLIEGER DES WELTKRIEGES ) HERAUSGEGEBEN VOM LUFTWAFFENFUHRUNGSSTAS Ie/vil| HEFT SCHRIFTENREIHE ,DEUTSCHE FLIEGERHEFTE”: HEPT 2 (ZWEI GENERATIONEN LUFTWAFFE) 7 1 9 4 i 4 ROLF ROEINGH FLIEGER DES WELTKRIEGES »DER JUNGE RIESE RECKT SICH” HERAUSGEGEBEN VOM LUFTWAFFENFOHRUNGSSTAB le/VIII Besorgt durch die Literarische Abteilung im Deutschen Archiv-Verlag Berlin W15, Kurfirstendamm 22 - Fernsprecher 91 4259 u. 9173 10 Titelbild : Riltmetster Manfred Freiherr v. Richihofen (Ssherl} Es sthulen dia’ Bildnisse die Professoren und Maler: Franz Graf out den Seiten 41, 47, $1, Lipus auf der Scite 49, Walter Miche auf den Seiten 31, 33, 99, 45, Max Rabes cuf der Seite 43, Schorling auf den Setten 88, 55, &. Sdulze-Schulzendor cul der Seite 37 WERIT UBER FEINDESLAND DER JUNGE RIESE RECKT SICH INACHDEM jin den vorausgegangenen Betrachtungen jene finf grofen fliegerischen Persénlichkeiten — Boelcke, Immelmann, Richthofen, Géring, Uder — gewiicdige wurden, die als Kampfer und zugleich anch als Gestalter fiir alle Zeiten der deutschen Luftwaffe das Gesicht geben, werden die nach- folgenden Blatter allen den Fliegern gewidmet sein, deren geschichtliche Taten ihte verdiente Anerkennung ebenfalls in der Verleihung des hohen friderizia- nischen Ordens Pour le mérite gefunden haben und deren von Kiinstlerhand ausgefihrte Bildnisse 2u einer Ehteareihe im Hause der Flieger vereinige wurden. Der alphabetisch geordneten Reihenfolge dieser Ritter der Lufe seten die Namen zweier Manner voranpestellt, die vom Jahre 1916 ab als Fithrer an der Spivze einer jungen Walle standen, eines Kriegsinstrumentes, das von diesem Zciepunkt an endgiiltig das ihm fremde Gewand einer technischen Sonderwaife abgeworfen hat, um in einer schnellen und zielstrebig gefilhreen Aufwartsentwicklang die Eigengesetlichkeie seiner Kriegfihrang geltend za machen und zu cinem bald unentbehrlichen Machtmitrel in den Handen der Leiter der Kriegsoperationen 2u werden. Als nach den Erfahrungen des Jahres 1914 auf taktischem und technischem Gcebicte Grundlagen fiir cine Reorganisation der Fliegertruppe geschaffen worden waren, wurden die damals noch getrennt operierenden Teile der Luft- streitkrifte, zu denen aufer den Fliegern noch die Luftschifferformationen und 29 die Flugabwehreinheiten geh6rten, auf Grand eines Antrages der Obersten Heeresleitung beim Kriegsministerium Anfang 1915 ciner cinheitlichen Lei- tung unterstellt, Als Chef des Feldflugwesens, der die Reorganisation der Luftstreitkrafte durchzufihren hatte, wurde der damalige Major Thomsen be- rufen, dem als fachlicher Berater der verdienstvolle Major Siegert beigegeben wurde. Arndt sage in seiner Schrift 2ur Feier des 20. Grindungstages der Fliegertruppe aber das Wirken dieser beiden Manner: ,,Thomsen, mit dea Gedankengingen des Grofien Generalstabes hinsichtlich der zukiinftigen Ent- wicklung des Flugwesens vertraut und durchdrungen von der Bedeutung und Zukunft der neuen Waife, ging sogleich mic starker Hand, ungewobalicher Schaffenskraft und organisatorischem Weitblick an die Arbeit, um im Frieden Versaumtes nachzuholen. In Siegert, dem alten Friedensfieger vom Strafiburget Bauaillon und dem geistigen Schopfer der Friedensiliegertruppe, fand er eine wundervolle Erginzung. Phantasie auf der einen, niichternes Wigen auf der anderen Seite formten nun die Waffe, die dem Kriege ein neues Gesicht geben sollte, Beiden Mannern verdankt die Fliegertruppe in gleicher Weise ihre Entwicklung." — Damit war der Grundstein gelegt, auf dem der Feld- flugchef seine aufbauende Tatigkeit beginnen konnte. Schwere Probleme waren zu lésen, harce Arbeit begann, die in einem schnellen Anwachsen der Flieger- truppe und deren staunenswerten Leistungen ihren beredten Ausdruck erhielt. — Aber Thomsens Ideen gingen weiter. Er hiele es fiir unbedingt erforderlich, da alle in irgendeinem taktischen oder technischen Zusammenhang mit der Fliegertruppe stehenden Formationen des Heeres und der Marine zu einem eigenen Wehrmachtteil zusammengeschwei8t warden, um hichste Leistungen zu erzielen. Obwohl die Oberste Heeresleitung angesichts der schweren Kampfe des Jahres 1916 den Ideen Thomsens vorerst nicht nahertrat, sah der sich restlos ftir seine wohldurchdachten neuen Organisationspline einsetzende Feldflugchef am 8. Oktober 1916 seine Unermiidlichkeit doch belohnt. Durch Kabinettsorder wurde bestimme: »Die wachsende Bedeutung des Luftkrieges erfordert es, die gesamten Luft- Kampf und Luftabwehrmittel des Heeres, im Felde und in der Heimat, in einer Dienststelle zu vereinigen. Hierzu bestimme ich: Der einheitliche Aus- bau, die Bereitstellung und der Einsatz dieser Kriegsmittel werden einem ,Kommandierenden General der Luftstreitkrafte“ ubestragen, der dem Chef des Generalstabes unmirelbar unterstellt wird, der ,,Chef des Feldfugweseas“ trite unter Aufhebung seiner Dienstscelle als Chef des Generalstabes zum Kommandierenden General der Luftstreitkrafte. Alle zum bisherigen Dienst- bereich des Chefs des Feld flugwesens gehérenden Verbinde sowie der Inspek- teur der Flugabwehrkanonen (Operationsgebiet) treten unter den Befehl des Kommandierenden Generals der Luftstreitkrafte, der auferdem den Heimetschutz mit allen hierzu gehérendca und neu zu schaffenden Einrichtungen iibernimmt. Der ,Kommandierende General der Luftstreit- krifte" lege die erforderlichen Dienstanweisungen vor und macht Vorschkige fiir die Zusammensetzung seines Stabes. — Das Kriegsministerium hac das Weitere zu veranlassen." — Damit war die Tir aufgestoflen fiir eine ungeheuer grofe und meue Reorganisationsarbeit, aber auch fir die auf weite Siche ge- plante riesenhafte Entwicklung der Flicgertruppe zur gewaltigen Luftwaffe. 30 — 7 Damals wurde der Reitergeneral, Generalleutnant von Hoeppner, zam Kom- mandierenden General der Luftstreitkrifte ernannt und ihm det bisherige Feld- flugchef Oberstieutnant Thomsen als Generalstabschef zur Seite gegebei.. Die Wahl der Obersten Heeresleitung hirce auf keine geeigneteren Persénlich- keiten fallen kénnen, denn was diese beiden Manner in dem Aufbau der jungen Fliegerwaffe in zielbewuBter Arbeit geschaffen haben, ist mehr als nur der Anfang einer Entwicklung der Fliegerwaffe zu einer wabren Luftwatie und damit spater zum selbstiindigen Wehrmachtteil gewesen. »Der junge Riese recke sich. Das sind Worte, die der willensstarke und rast- los schaffende damalige Generalstabschef mit stolzer Zuversicht prigte, als das sogenannte Hindenburgprogramm, der Vorlaufer unserer heutigen totalen Riistung, im Herbst 1916 aufgestellt wurde. Oberstleurnant Thomsen sah in seinem konstruktiven Geiste die riesenhafte Entwicklung voraus, dic die junge Luftwaffe nehmen wiirde, eine Entwicklung, die vor dem Weltkrieg und in dessen Anfangsjahren nur geahntwerden konnte. Wenn wiruns der verschwin- dend kleinen Anzahl von wenig mehr als 200 Flugzeugen erinnern, mit der die Fliegertruppe in den Augusttagen 1914 in den Weltkrieg ging, so mu uns das Anwachsen dieser Zahl auf mehr als 4800 Maschinen der Feldfiegerverbinde im Oktober 1918 schon in héchstes Erstaunen versetzen, Die Erfahrungen, die Oberstleutriant Thomsen 1916 wihtend der schweren Kampfe vor Verdun und an der Somme sammeln konnte, nutzte der damalige Chef des Feldflug- wesens fur seine Bestrebungen um die Neugestalcang der Luftstreitkrifte und deren weiteren organisatorischen und technischen Aufbau derart, daft die nach der Schaffung der Dienststelle des Kommandierenden Generals der Luftstreit- krafte (Kogenluft) auf véllig neue Grundlagen gestellte Luftwaffe zu einem wirklichen Kriegsmittel von grofier Schlagkraft wurde. Das hat die Luftwaffe dann in den Abwehrschlachten des Westheeres 1917 an der Aisne und in der Champagne, bei Arras, in Flandern, aber auch auf dem éstlichen Kriegsschau- platz sowie auf dem Balkan, in der Térkei und an der Piave nachdriick- lichst unter Beweis gestellt. Und wenn auch die Grofte Schlacht in Frankreich 1918 nicht zu der erstrebten Kriegsentscheidung fihren konnte, so hat ,,der junge Riese“ in den Schlachten an der Lys, an der Aisne, bei Reims und an det Marne in dem erbiterten Ringen des in die strategische Abwehr ge- zwungenen deutschen Heeres scine wachsenden Krifte gegeniiber zahlenmafig stirkster Uberlegenheit franzésischer, englischer und amerikanischer Luftstreit- krifte zu nutven gewuBe, hat ihnen schwere, blurige Wunden geschlagen und allen Gewalten zum Trotz bis zum bitteren Ende sich seine ungebrochene Schlagkraft bewahren kénnen. Hart schlug der junge Riese schon damals 2u. Harter noch sausen die Hiebe des nunmichr erwachsenen Riesen unserer Tage auf den Gegner nieder. ~ Ge- meinsam ist beiden der herrliche Kampfgeist und die zielsichere Fubrung nur da jener sich heut in den verschiedenen Waffengattungen der wabrhaften Luftwaffe viel reicher entfalren kana, diese hingegen ganz andere Ergebnisse za erziclen vermag, als ¢s damals iiberhaupt nur méglich gewesen war. 31 ERNST VON HOEPPNER Dieses Buch widme ich dem Gedachtnis der deutschen Lufistreitkrafte, ihnen, die im Grofien Kriege wurden, wuchsen und 2u wunderbarer Wucht gediehen, ihnen, die bis zum letzten Tage des gewaltigen Ringens, unbesiege, vom Feinde gefiirchtet und bewundert, wirkten: weit dber entferaten feindlichen Landen cine driuende Wolke, an allen Fronten ein scharfes Auge und ein sichernder Schild, ibnen, die einst waren und heute nicht mehe sind. Es ist der Beginn der Widmung, die General der Kavalletie Ernst v. Hoeppner seinem bald nach Beendigung des Weltkrieges, im Jahre 1921 erschienenea Buche ,,Deutsch- lands Krieg in der Luft vorangesetze hat. Kann man sich ein schéneres Zeug- nis denken, das ein Kommandierender General den ihm unterstellten For- mavionen in solch milcksch kurzen, dabel eine inige Verbundenheit mic seiner Truppe ausstrahlender Form ausstellt und das gleichzeitig den vornehmen, ritterlichen Charakter einer Personlichkeit von bedeucendem Format wider. spiegelt, eines Mannes, der seinen Untergebenen Filhrer und Kamerad augleich wat? In vorbildlicher und mustergiltiger Zusammenarbeit mit der bereits be- stehenden Fliegertruppe hat General v. Hoeppner seit dem Herbst 1916, nach- dem ihm die neugeschaffene Dienststelle des Kommandierenden Genetals der Luftstreitkrifte anvertaut wurde, GroBes fiir den Aufbau dieser Walle geleistet. Ernst v. Hoeppner ist am 14, Juni 1860 in Tonnin auf der pommerschen Insel Wollin geboren. Uber die Hauptkadetenanstalt kam er als Sekonde- leutnant zum Dragoner-Regiment Nr, 6 in Stendal. Nach einer vorabergehenden Abkommandierung zur Kriegsakademie wurde er 1893 als Eskadronchef in das Dragoner-Regiment Nr. 14 in Colmar im Elsa versetzt, 1902 in den Groen Generalstab berufen, stand er von 1904 an als 1. Generalstabsoffizier beim 9. Armeekorps in Altona. 1906 wurde Oberstleutnant v. Hoeppner Kommandeur des Husaren-Regiments Nr. 13 in Diedenhofen. Seit August 1908 Chef des Generalstabes des 7. Armeckorps, wurde er im September 1912 zum Kommandeur der 4. Kavallerie-Brigade in Bromberg ernannt. 1913 folgte die Erhebung in den erblichen Adelsstand. Bei Beginn des Weltkrieges wurde der verdienstvolle General Chef des General- stabes der 3. Armee. Dieses verantwortungsvolle Amt hatte et noch im Frith- jahr 1915 inne, als ihm die Fihrung der 14, Reservedivision der 1. Armee uubertragen wurde. 1915 wurde Hoeppner Chef des Generalstabes der 2. Armee und dann 1916 Kommandeur der 75. Reseryedivision, die damals am Narocz- See im Abwehrkampf gegen zahlenmaBig tiberlegene russische Heerestelle stand. Mitten aus schwersten Kampfen heraus wurde Hoeppner zum Kommandieren- den General der Luftstreitkrafte ernannt, auf welchem Posten er bis zum Ende des Weltkrieges verblieb, Seine grofien Verdienste um den Aufbau der deut- schen Luftwaffe wurden am 8. April 1917 durch die Verleihung des Ordens Pour le mérite besonders anerkannt.- Dic letzten Lebensjahre verbrachte Ernst vy. Hoeppner auf seinem Gut Gro8-Mokraz auf der Insel Wollin, Dort wurde eram 25. September 1922 im Alter von 62 Jahren zur Grofen Armee abberufen. 32 ERNST VON HOEPPNER HERMANN THOMSEN Gone Zeiten brauchen groBe Manner. Als es sich im ersten Jahre des Welt- krieges herausstellte, dab die alliiercen Gegner Deutschlands mit ihrer Luft streitmachr sich der deutschen Fliegertruppe weit tiberlegen zeigten, war ¢s Hermann Thomsen, der mit nie ermidender Energie und klug vorausschauend seine ganze Arbeitskraft fiir die Erstarkung der deutschen Luftmacht einserzte. »Der gewaltigen Schaffenskraft des Obersten Thomsen hat Deutschland es 2u verdanken, wenn sich wahrend des Krieges unsere Luftstreitkeafte immer weiter erfolgreich entwickelten." Dieses knappe, aber inhaltsclwere Urteil fille Luden- dorff in seinen ,,Kriegserinnerungen™ tber das Wirken dieses Manes. Thomsen verfiigte iiber jene starken, geistigen Energien, die jedes noch so schwere Hindernis zu itberwinden imstande sind. Scine Begeisterung fiir die Fliegerei teilte er auch seinen Mitarbeitern mit, die ihm mit héchster Achtung begegneten. Durch planmafiiges Zusammentassen aller Arbeitsméglichkeiten gelang es ihm, die Flugzeugproduktion wie auch die Ausbildung des fliege- rischen Personals auf die hochste Stufe der Leistungsfahigkeit zu bringen. Hermann vy. d. Lieth-Thomsen, am 10. Marz 1867 in Flensburg geboren, ent- stammt einem alteingesessenen Dithmarscher Bauerngeschlecht. Er trat 1887 in die Armee cin und wurde 1889 zum Leutnant beférdert, Nach Absolvierung der Kriegsakademie wurde Thomsen in den Groen Generalstab versetzt, dem er bis zum Beginn des Weltkrieges angehdree. Im Frihjahr 1914 wurde er zum Generalstabsoffizier bei der Inspektion des Luft- und Kraftfahrwesens ernannt. Thomsen nahm an der Schlacht bei Tannenberg teil, wurde im September 1914 als 1. Generalstabsoffizier dem Generalkommando des Reservekorps 24 zu- gewiesen, kimpfte bei Ypecn und nahm spiter an dem Winterfeldzug in den Karpathen teil. Als dann der Ausbau der Luftwaffe immer griflere Ausmafe annahm, wurde Oberstleurnant Thomsen im Marz 1915 als ,,Chef des Feld- flugwesens" in das Grofe Hauptquartier berufen und der Obersten Heeres- leitung zugeteilt. Im Herbst 1916 wurde er zum Chef des Generalstabes des Kommiandierenden Generals der Luftstreitkrifte ernanat. Seine gigantische Arbeitsleistung zusammen mit Generalleutnane Hoeppner und seine grofien Verdienste auf diesem yerantwortungsvollen Posten wurden am 8. April 1917 durch die Verleihung des Pour le mérite belohnt. Thomsen, zum Oberst beférdert, blicb auf scinem wichtigen Posten bis zum Waffenstillstand. Er leitete dana noch die durch das Versailler Diktat geforderte Demobilisierung und stand kurze Zeit der damaligen Lufifahre-Abteilung im Kriegsministerium vor. Dann nahm er seinen Abschied, um auf den Augen- blick zu warten, wo sein reiches Wissen und seine unschatzbaren Kenntnisse fiir das Vaterland wieder nubar gemacht werden kdnaten. In Anerkennung seiner geschichtlichen Verdienste-um Aufbau und Fihrung der Luftstreitkrafte im Weltkriege wurde Thomsen am 1, November 1935 yom Reichskanzler Adolf Hitler zum Generalmajor ernanat. Heute steht Thomsen, zum General der Flieger beférdert, 2ur besonderen Verfiigung des Reichsmarschalls. 34 HERMANN THOMSEN KARL ALLMENROEDER Die Reihe der deutschen Flieger des Weltkrieges, deren bewundernswiirdige Taten als Kimpfer in der Luft mit dem Orden Pour le mérite belohnt warden, beginnt dem Alphabet nach mit einem Manne, dessen Wicge dort gestanden hat, wo die besten deutschen Klingen geschmiedet werden. In dem Stédtchen Wald bei Solingen ist Karl Allmenroeder am 3. Mai 1896 als Sohn eines Pfarrers geboren. Als Achtzehnjihriger hatte cr socben an der Universitit Marburg mit den Anfangsgriinden der medizinischen Wissenschaft Fithlung genommen, als der Ausbruch des Weltkrieges ihm andere Ziele wies Sofort stellte sich der junge Student zur Verfiigung und trat alsbald als Fahnenjunker in das Feldartillerie-Regiment 62 in Oldenburg ein, Nach kurzer Ausbildungszeit geht Allmentoeder bereits Ende August 1914 mit dem Reserve-Feldartillerie-Regiment 20 zum éstlichen Kricgsschauplatz ab. Nach einigen Monaten kommt er zum Stammregiment zuriick, das bei der Armee Mackensen in Polen und Galizien eingesetzt wurde. Am 30. Mirz 1915 wird der Fahnrich zum Leutnant beférdert. Seine Brust schmiickt schon das Fiserne Kreuz I. Klasse, aber sein Ehrgeiz strebt héher hinauf. Er hat sich, cbenso wie sein alterer Bruder Wilhelm, bereits zur Fliegertruppe gemeldet und wird ein Jahr spiter, am 29. Marz 1916, zur Fliegerschule Halberstadt kommandiert. Ende 1916 ist die Ausbildung beendet. Beide Briider kommen zur Jagd- staffel 11, deren Fithrung bald darauf Manfred von Richthofen iibertragen wird. In der Schule des grofen Meisters entwickelt sich der junge Flieger bald selbst zum bedeutenden Kénner. Schon im Februar r917 hav er im Luftkampf seinen ersten Gegner bezwungen, und es dauert kaum drei Monate, als der deutsche Heeresbericht meldet, Leutnant Karl Allmenroeder habe bereits den 19, und 20. Gegner zum Absturz gebracht. Er steht damit in der Liste der erfolgreichen deutschen Flieger an achter Stelle und erhilt am 9. Juni, nachdem er inzwischen bereits den 24. Gegner heruntergehole hat, das Ritterkreuz des Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern, dem als besondere Auszeichnung am 14. Juni der Pour le mérite folgt. Schon am 30, Juni kann der Heeresbericht den 30. Luftsieg des jungen Fliegerhelden berichten. Am Tage darauf aber erreicht ihn das Schicksal. Allmenrocder greift einen Englinder an, und es entwickele sich ein Zweikampf, bei dem diesmal das Gliick auf seiten des Gegners ist. Der rote Flieger — schon damals trugen alle Flugzeuge der Richthofenstaffel diese Farbe — beginnt zu schwanken. Man sieht, wie er den Versuch macht, zum Gleitflug anzu- seven, aber die Maschine gehorcht nicht mehr. Der Gleitflug wird zum Sturz. In dem blurgetrinkten Abschaite von Ypers, mitten zwischen Freund und Feind, zerschelle das Flugzeug am Boden. In der Nacht zum 2g. Juni gelang es einer Infanterie-Patroville, den helden~ haft gefallenen Flieger zu bergen. Der junge Offizier konnte so in seiner Heimat die letzte Ruhestitte finden. Deutschland hate an ihm einen seiner besten Séhne verloren. 36 KARL ALLMENROEDER OLIVER FREIHERR VON BEAULIEU-MARCONNAY Der Diense fiir das Vaterland macht die Jungen zu Minnern, der Krieg lift die Tapferen 2u Helden werden. Was machte es schon aus, da Oliver Freiherr von Beaulieu-Marconnay bei Beginn des Weltkrieges noch nicht cinmal 16 Jahre alt war! Der am 13, September 1898 als Sohn eines preuBischen Hauprmanns in Berlin-Charlortenburg geborene spitere Flieger sak im August 1914 noch in der Sckunda des Berliner Bismarck-Gymnasiums. Er verlie& die Schule zu Ostera 1915 nic der Reife fiir die Prima und trat im Juni rgts, also immer noch nicht 17 Jahre alt, als Fahnenjunker bei der Ersatz-Eskadron des 4. preuBischen Dragoner-Regiments von Bredow cin. Es war das gleiche Regiment, bei dem auch Lothar von Richthofen, der Bruder Manfreds, gestanden hatce. Im Frihjahr rg16 erhielt Oliver bei Kimpfen in den Rokitno-Siimpfen die Feuertaufe, wurde am 28. Juli, noch niche acht- zehnjihrig, zum Leutnant befdrdert und sah sich fiir seinen Schneid im Herbst des gleichen Jahres mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse belohnt. Wie so viele Kavalleristen, denen der Stellungskrieg nicht geniigte, meldete sich der juage Offizier nun zur Fliegertruppe, kam nach vollendeter Ausbildung im Herbst 1917 zur Jagdstaffel 15, an deren Staffelfiihrer, dem Pour-le-mérite-Flieger Veltjens, er ein glinzendes Vorbild hatte. Der gleichen Staffel gehdrten v. a. auch die Leutnants Hantelmann, Klein und Hugo Schifer an. Was diese Staffel geleister hat, ergibt sich aus dem Heeresbericht, der feststelle, da sieben Flugzeuge dieser Gruppe in fiinf Monaten 157 feindliche Flieger zum Absturz gebracht hatten. An diesen Erfolgen war ,,Bauli, wie er von den Kameraden genannt wurde, in nicht geringem Grade beteiligt. Er hatte am 28, Mai r918 den ersten Luftsieg errungen. Seine weiteren Leistungen ergeben sich am besten aus der Tatsache, da er, der noch nicht Zwanzigjthrige, Ende August 1918 zum Fibrer der Jagdstaffel 19 ernannt wurde, die dibrigens gleich der Staffel 15 zum Jagdgeschwader I gehdrte. Bis zum 16. Oktober 1918 hatte der junge Beaulieu dic Zahl seiner Erfolge auf 26 erhdht. Drei Tage pater traf ihn beim Kampf mit einem Englinder die tédliche Kugel. Er atmete noch, als man ihn aus dem abgestiirzten Flug- zeug heraushob. Noch an seinem Todestage, dem 26. Oktober, errcichte den jungen Helden im Kriegslazarett von Arlon der Pour le mérite, vierzehn Tage vor Abschlu8 des Waffenstillstandes. Er war der jiingste Ritter dieser hdchsten Auszeichnung. Kaum zwanzigjihrig war cin Leben vollendet, dem in kurzer Frist viel GroSes zu tun beschieden war. Eines jungen Riners Name steht aufgezeichnet im Buche der Geschichte des Welckrieges, und selcen kann das alte Dichterwort cine bessere Anwendung finden als auf Oliver von Beauliew: Wen die Gorter lieben, den nehmen sie in seiner Jugend zu sich. 38 OLIVER FRETHERR VON BEAULIEU-MARCONNAY PAUL BAUMER Niche alliglich ist der Werdegang und das Schicksal dieses hervorragenden Mannes. Er war einer der Trager des Ordens Pour le mérite, die aus dem Mannschaftsstand hervorgegangen sind. Der Rheinlinder Paul Baumer ist am 11. Mai 1986 zu Duisburg-Ruhrort geboren, Er sollte Dentist werden, tat auch scine Schuldigkeit, lernte aber zuféllig einen Flieger kennen und kam mit dessen Hilfe und nach Zustimmung des Lehrherra und der Mutter zur Flieger- schule Holten i. W, Seine ersten Flugversuche fielen zwar nicht sehr gliicklich aus, aber er bestand doch im Sommer 1914 die Pilotenpriifung und versuchte nun, als der Krieg ausbrach, zu ciner Fliegerabteilung zu kommen. Im Mai 1917 erfiillt sich sein Traum, er komme zur Jagdstaffel 5, wo er sich alsbald da- durch auszeichnet, da er vom 12. bis zum ts. Juli drei Fesselballone ab- schie&en kann. Der Erfolg ist die Versetzung zur Jagdstaffel Boelcke und die Verleihung des E.K. I. Klasse. Am 31. Oktober ist er bereits Vizefeldwebel. Seine Kampfiliige zeichnen sich durch auSerordentliche Kiihnheit aus. Er nimme ein franzdsisches Caudron-Grofflugzeug in der Luft ,gefangen'’, Bei einem anderen Kampf wird seine Maschine in Brand geschossen, aber er kann sich mit dem Fallschirm retten. Wihrend dieser unvorhergeschenen Luftreise bemerkt er, daf} ciner der Filzstiefel Feuer gefangen hat, doch gelingt es ihm unter krampfhaften Verrenkungen, den brennenden Stiefel in der Luft aus- zuzichen, jahr 1918 schie&t Baumer einen englischen Sopwith ab und erringt ir seine Staffel den 199. Laftsieg. Am 12. Februar belohnt das Goldene Militir-Verdienstkreuz den tapferen Flieger. Dann folgt am 10. April eine weitere hche Anerkennung, die Beforderung zum Leutnant der Reserve, nachdem er an einem Tage drei Luftsiege errungen hacte. Am 2x. Mai hat er Pech bei der Landung, er mufi mit cinem komplizierten Unterkieferbruch ins Lazarett. Noch kaum richtig ausgeheilt, kehrt er jedoch wieder zu seiner Staffel zuriick, wird nach dem 30. Erfolge zum Pour le mérire eingegeben und erhilt die hohe Auszeichnung am 2. November 1918. Inzwischen hat er die Zahl seiner Siege weiter gesteigert. Bis zum Kriegsende hat er 44 Gegner zur Strecke gebracht und ist damit einer der erfolgreichsten Kampfflieger des Weltkrieges. Baumer stellte nach Friedensschluf, zunichst kurze Zeit seine Dienste der Hamburger Werft Blohm und Vo zur Verfiigung. Dann kehrte er zu dem yor dem Kriege erlernten Beruf zuriick und machte seine Priifungen als Dentist. Gleichzeitig setzte er aber seine fliegerische Titigkeit fort. Als Kunstflieger, Fluglehrer und Konstrukteur war er mit groSem und an- erkannten Erfolg titig und galt neben Uder als einer der besten Sportflicger. Am 15. Juli 1927 erreichte ihn der Fliegercod, der ihn tiber den Schlacht- feldern vergeblich gesucht hatte, Bei cinem Kunstflug iber Kopenhagen stiirate er, zwei Kilometer von der Kiste entfernt, in die Wellen des Oeresund. So endete ein Fliegerleben, das sich wihrend des Weltkrieges so tapfer fir das Vaterland cingesetzt hatte. 40 PAUL BAUMER OTTO BERNERT Dieser tolikithne Draufginger stammt aus Oberschlesien. Sein Vater war Biirgermeister von Ratibor. Otto, der am 6. Marz 1893 das Licht der Wele erblicke hatte, wablte die Offizierslaufbahn, trat in das Infanterie- Regiment 173 ein und wurde kurz vor dem Weltkriege zum Leutnant be- férdert. Von seinem unerhdrten Schneid kann sich kaum jemand cine Vor- stellung machen, der ihn nicht beobachtet hat. Bei einem Nachtgefecht im Westen hatte er sich eine ernste Fufverletzung gebolt, aber erst der strikte Befehl des Baraillonsarztes zwang ihn, zunichst zuriickzubleiben. Ein paar Tage spiter hért er, da sein Regiment angreifen soll, Mit einem Kriickstock bewaffnet, verlaft ernachts heimlich das Lazarett, fahrt auf cinem Munitions- wagen seiner Kompanie nach und kann noch rechtzeitig deren Fuhrung diber- nehmen. Aber bald schon erhiilt er drei neue schwere Verwundungen. Der Kompaniefithrer wird gliicklich’ ausgeheilt, aber felddienstfihig als In- fanterist ist er nicht mehr. Er melder sich nun kurz entschlossen zu den Fliegern, Zuniichst ist er ein Jahr als Beobachter titig, wird aber bald Flug- zeugfiihrer und kommt im August 1916 zur Jagdstaffel 4, Hier erfocht er seine ersten Siege. Am 9. November 1916 schieBt Bernert bei einem Luft- Kampf hintereinander drei Gegner ab, Am 23. April 19r7 hat er bereits 22 Luftiege errungen, als er den Pour le mérite erhilt. Zugleich wird dem tapferen und schneidigen Offizier die Fiihrung der Jagdstaffel 6 Gbertragea, nachdem er inzwischen der Jagdstaffel Boelcke angehirc hatte. Seine Kiihnheit hatte er mehr als einmal unter Beweis stellen kénnen. Im September 1916 hatte er einen feindlichen Artillerieflieger auf freiem Felde zur Landung gezwungen. Auf dem Riickfluge griff er kalebliitig in 1300 m ‘Hohe iiber den feindlichen Linien drei gegnerische Doppeldecker an, Natiirlich bekam er zahlreiche Treffer, scin Motor setzte aus, aber es gelang Bernert, im Gleitfluge hinter den vordersten deutschen Griben niederzugehen. Am 24. April rg17 komme Bernert zum Kampf mit einem feindlichen Ge- schwader von sechs Flugzeugen. Im Handumdrehen sind zwei davon erledigt, und ein drittes mui schwer beschidigt notlanden. Ein vierter Gegnet kommt ihm in den Ricken. Bernert reifft seine Maschine herum und schieSt den Feind auf Flugzeuglinge ab, Seine cigene Maschine ist von Kugeln durch- léchert, aber noch ein weiterer Gegner muf daran glauben. Fiinf Luftsiege an einem Tage! Am 9. Juni war Bernert Fihrer der Jagdstaffel Boclcke geworden, wurde aber nun, nachdem er insgesamt 29 Luftsiege errungen hatte, zur Inspektion der Fliegertruppen versetzt und im November zum Oberleutnant befdrdert. Es ist ihm nicht vergénnt gewesen, im siegreichen Luftkampf den Heldentod zu finden, der seiner wiirdig gewesen wire. Am 18. Oktober 1918 erlag er im Krankenhause seiner Heimatstadt Ratibor einer heimtiickischen Gripe. Auf einem der schdnsten Plitze seiner Vaterstadt, dem ,Otto-Berncrt-Platz", steht ein Ehrenmal, das seinen Namen und das Andenken an diesen hoch- verdienten Kampfer fiir immer wachhile. 42 OTTO BERNERT HANS BERR Als Sohn des Prisidenten der Oberpostdirektion Braunschweig jst Hans Berr am 29. Mai 1890 geboren. Er hatte sich friih dem Soldatenberuf zu- gewandr und war bereits im August 1908 Leutnant im Magdeburger Ji Baraillon 4 zu Naumburg geworden. Ing Feld zog er im August 1914 mit den 7. Reserve-Jigern, zeichnete sich an der Westfront schr bald aus, wurde aber schon am 6. September schwer verwundet. Als er nach seiner Wieder- herstellung gefragt wurde, ob er Adjutant in einer gréReren Bahnhofs- kommandantur werden wolle, gab Berr dic bezeichnende Antwort, er sei bereit, iberall dort zu wirken, wo man Kugeln pfeifen hdre, woanders nicht. Am 27. Januar 1915 wurde Berr zum Oberleutnant beférdert und kam am 3. Marz auf seine Eingabe hin zur Flicgertruppe. Nach Ausbildung zum Be- obachtungsoffizier war er seit Mai 1915 in dieser Eigenschaft an der West- front vitig, aber dieser Posten geniigte seinem Tatendrang nicht. Ein Fokker- Kampfflugzeug ist sein Ideal. Bald wird er zar weiteren Ausbildung an die Fliegerschule in Metz kommandiert. Wegen besonderer Eignung werden ihm auf scinen Antrag die vier letzten Monate erlassen. Bald ist er Flugzeugfihrer bei der Kronprinzenarmee, erwirbt das Eiserne Kreuz I. Klasse, den silbernen Ehrenbecher ,,fir den Sieger im Luftkampf“ sowie eine persénliche Ehrengabe des Kronprinzen. Nach einer Reile von Luftsiegen wird ihm die Aufstellung und Fithrung der Jagdstaffel 5 dibertragen, die sich 2un‘ichst vor Verdun, dann an der Somme beritigt. Bald darauf meldet der Heeresbericht: In den schweren Kampfen vor Verdun und an der Somme fiihrte Leurnant Berr seine Jagdstaffel mit hervorragender Tapferkeit und glinzendem Schneid." ‘Am 4. Dezember 1916 erhielt er nach zehn Luftsiegen den Pour le mérice. Am 6, April 1917, es war der Karfreitag, fiihrte Berr seine Fliegerkameraden wieder einmal gegen den Feind. Aber das Gliick war gegen ihn. Es sollte sein lewter Flug sein. Ein Mitglied seiner Staffel, Leurnant Gontermann, gleich- falls ciner der Ritter des Pour le mérite, hat als Mitkimpfer und Augen- zeuge das tragische Ende seines Staffelfithrers geschildert: Kurz nach dem Start erreichten wir in etwa 2400 Meter ein englisches Geschwader zwischen Cambrai und Valenciennes. Da ereignete sich etwas Schreckliches. Vize- feldwebel Hoppe wollte eine Vickers von hinten anfliegen. Er war noch etwa 300 Meter hinter ihr, als Berr von links kam und direkt in die Maschine von Hoppe stieB. Es gab eine grofle Staubwollse. Ich wufte: nun sind Berr und Hoppe tot, Das war ein schrecklicher Augenblick... Dann fuhren wir zu Berrs und Hoppes Ungliicksstittc. Ein Kniuel von Bruchstiicken war nur noch zu sehen, kaum festzustellen, ob es zwei oder eine Maschine waren. Berr lag 100 Meter davon, Hoppe 20 Meter. Das traf uns alle furchtbar.** So war dieser hervorragende Elieger als Opfer eines tragischen Zufalls ge~ fallen, vom Gegner unbesiegt. Sein Leichnam wurde, nach der Heimat tber- fihrt, in der Potsdamer Garnisonkirche aufgebahrt. Im Erbbegribnis auf dem Alten Friedhof schlife dieser prachtvolle Mensch und Kimpfer den ewigen Schlaf. ‘ 44 HANS BERR RUDOLF BERTHOLD Unter den tapfersten Helden: des Weltkrieges wird dieser treue Kimpfer stets eine Sonderstellung cinnehmen. Keiner yon allen hat nach vielen Ruhmestaten ein so tragisches Schicksal gefunden. Rudolf Berthold ist im Frankenlande als Sohn cincs Oberférsters am 24. Mirz 1891 zu Ditterswind bei Bamberg geboren. Der junge Leutnant hatte schon yor Beginn des Krieges alle Flugprifungen bestanden. Mit der Fliegerabteilung 23 zieht er ins Feld, zeichnet sich zuerst aus, als cr wahrend der Marneschlacht dem General- obersten von Biilow die gefihrlich klaffende Liicke zwischen den Armee- gruppen Biilow und Kluck meldet, und erhilt das Eiserne Kreuz I. Klasse. Bald darauf wird scine Maschine bei einem Aufklirungstlug abgeschossen, er selbst bleibr unverletzt. Jetzt beginnt div Reihe seiner Erfolge. Am 2. 4. 1916 wird Leutnant Berthold zum ersten Male im Heeresberichr erw' Nach fiinf Luftsiegen stiirzt er Anfang Mai im Kampf mit cinem Englander ab. Schwere Schadelverletzung, Gehirnerschiitterung, Beckenverletzung, Nasen- beinbruch und Oberschenkelbrach liegen vor, aber Berthald lebr und Iehne es entriistet ab, in die Heimat geschickt zu werden: ,,Und wenn ich in die Maschine getragen werden soll, ich will wieder fliegen!" Am 9. Oktober 1916 holt Berthold den 8. Gegner herunter. Nach diesem Siege schmiickt auch ihn der Pour le mérite. Ein Jahr spiiter sind ¢s 28 Erfolge. Da muf auch er dem Schicksal seinen Tribut zahlen. Der SchufS eines Englinders zerschmettert ihm den rechten Oberarm, der seiedem ge- lihme bleibe. Aber Berthold lernt im Lazarett mit der Linken zu schreiben: Dann kann ich auch mit der linken Hand den Steuerkniippel fithren.“ Trotz stindigen Schmerzen in dem noch nicht ausgeheilten Arm startet und siegt Berthold weiter. Nach mérderischem Kampf fallt der 35. Gegner. Beim 44. Abschu® sicht das Schicksal auch seine Aufgabe im Felde erfiillt. Aus 4soo m Hohe stiirzt die Maschine in die Tiefe und zerschellt auf dem Dach eines alleinstehenden Hauses. Aufs schwerste verwundet, auch der Oberarm ist wieder gebrochen, wird Berthold aus den Triimmern herausgeholt, aber erlebt! Halbwegs geheilt, will er wieder an die Front, da ist der Krieg 2u Ende. Ungebrochen ist der Kampfgeist dieses Mannes, Sein glihender Aufruf yom April rgrg suche das Feuer der sationalen Begeisterang erneut 20 wecken. Mit 12co Séhnen seiner Heimat bildet Berthold die ,Eisernc Schar", zicht mit ihr ins Baltenland und versucht zu retten, was nicht mehr 2u retten ist. Die Baltikumkiimpfer kehren in die Heimat zuriick. Man verlangt die Auf- lésung der Schar. Berthold weigert sich, bezieht Quartier in einer Harburger Schule und wird vom aufgepeitschten Spartakistenmob belagert. Kluge Ver- handlungen. Berthold setzt freien Abzug fir scine Leute durch und verli&e am nichsten Morgen an ihrer Spitze dic Schule, Da stiiret die Menge ber ihn her; einer der besten Séhne des Volkes wird in bestialischer Weise er- schlagen! Auf seinem Grabstein auf dem Berliner Invalidenfriedhof sechea die Worte: ,,Geehrt vom Feinde — erschlagen von deutschen Briidern.* 46 RUDOLF BERTHOLD WALTER BLUME Hirschberg, am Fue des Riesengebirges, ist Walter Blumes Heimat. Dort ist er am 10, Januar 1896 geboren. Als der Krieg ausbrach, hatte er gerade das Abiturium bestanden und war als Ingenieurpratikant in einer Maschinen fabrik titig. Er meldete sich sofort als Kriegsfreiwilliger und kam im Sep- tember zum Schlesischen Jagerbataillon Nr. 5 ins Feld. Das Bataillon stand damals auf dem Kriegsschauplarz in Ostpreufen. Im Oktober wurde er bei Lyck durch cinen Gewehrschuft verwundet. Nach seiner Genesung meldete er sich zur Ausbildung als Flugzeugfihrer. Er hatte Erfolg, kam zur Flieger- Ersatzabteilung Groenhain undidctun zur Fliegerschule Leipzig-Mockau, Nach beendeter Ausbildung kam Blume an die Westfront, zuerst zum Ver- suchs- und Ubungspark West bei St. Quentin, dann zum Armecflugzceugpark A nach Stra&burg, schlieBlich zur Feldfliegerabteilung Nr. 65 nach Schlectstade. Hier war die Front ziemlich rihig, er konnte sich aber bei erfolgreichen Erkundungsfliigen auszcichnen und wurde im August 1916 bereits Vizefeld- webel. Am 31. Januar 1917 wurde Walter Blume sodann zum Leutnant befdrdert. Inzwischen hatte Brano Locrzer im Elsa die Jagdstaffel 26 new aufgestellt, der damals als stellvertretender Staffelfiihrer auch Hermann Géring angehirte. Blume gehbrte zu den Auserwahlten, die Loerzer hinzuzog. Er und die anderen Neulinge hérten, so berichter Blume, mit hei&en Képfen zu, wenn die alten »:Kanonen* tiber ihre erfolgreichen und gefahrvollen Fliige berichteten. Anfang, April wird dic Staffel bei St. Quentin cingesetzt, wo es zu schweren Kampfen mit den Englindern komme. Am ro. Mai schieSt Blume seinen ersten Gegner, einen Bristol-Fighter, ab. Nzch weiteren fiinf Siegen erhalt er das Eiserne Kreuz I. Klasse. Am 29, November ist es um cin Haar mit ihm zu Ende, Er bekommt in 4000 m Héhe einen schweren Brustschu& und kann nur noch mit Aufbietung seiner letzten Krifte wenigstens die Maschine glatt zu Boden bringen, aber zum Aussteigen ist er nicht mehr Fihig. Der Schwer- verwundete wird vorsichtig herausgehoben und muf den Arzten anvertraut werden. Nach seiner Wiederherstellung finden wir Blume als Fiihrer der Jagdstatfel 9 in der Champagne. Seine Erfolge hiufen sich. Sein 25. Sieg ist gleichzeitig der hundertste der Staffel. Am 7. August wird ihm das Ritterkreuz des Haus- ordens yon Hohenzollern mit Schwertern verliehen, am 2. Oktober schmiickt den tapferen Flieger der Pour le mérite, Seinen letzten, den 28. Gegner, hat Blume am 28. Oktober 1918 zum Absturz gebracht, Nach dem Waffenstillstand kehrt er in die Heimat zuriick, um zuniichst seine Studien als Diplom-Ingenieur zu beenden. Wichtige Aufgaben beim Neuaufbau der deutschen Luftfahre wartcten auf ihn, denen sich der ver- dienstvolle Weltkriegsflieger in besonderem Auftrage widmete. 48 - WALTER BLUME ERWIN BOHME Gegeniiber den anderen, fast durchweg noch jugendlichen Kampffliegern ist Erwin Bohme schon als gereifte Persdnlichkeit Flieger geworden. Er war am 2g. Juli 1879 zu Holzminden an der Weser geboren, bei Kriegsausbruch also bereits 35 Jahre alt und hatte schon ciniges vom Leben erfahren. Béhme hatte nach Absolvierung des Gymnasiums die technische Fachschule in Dort- mund besucht, war als Ingenieur zwei Jahre in Elberfeld, fiinf Jahre in Ziirich und Biel titig gewesen und im Jahre 1909 nach Deutsch-Ostalrika gegangen. Hier hatte er den Bau einer Seilbahn geleitet, die von der Usambara-Bahn nach dem hochgelegenen Neu-Hornow fiihrte. Bei Kriegsausbruch war Bohme zufillig auf einer Dienstreise in Deutschland. Er hatte seinerzeit bei den Garde-Jigern gedient, war im ibrigen ein aus- gezeichneter Sportsman, Schwimmer, Schlittschuhliufer und Alpinist. Seine Neigung zog ihn nun zur Fliegerei. In Daberita und Leipzig wird er aus gebilder und besteht als erster seines Kursus die Prifungen. Doch mu er dann noch cin Jahr als Fluglehrer in Leipzig-Mockau bleiben. Aber sein Streben geht dahin, an der Front sein fliegerisches Kénnen zu bewcisen. Endlich ist es'so weit. Im Dezember 1915 kommt er zum Kampfgeschwader 2, das von Hauptmann Wilhelm Boelcke, Oswald Boelckes Bruder, gefthre wird. An der Ostfront, wihrend der Brussilow-Offensive, hat Béhme die ersten Erfolge. Hier lernt er Oswald kennen, der seinen Bruder besucht. Von dieser ersten Begegnung an yerbindet ihn eine herzliche Freundschaft mic dem Meister. Zwei Manner holt sich Oswald Boelcke bei diesem Besuche fiir seine an der Somme eingesetzte Kampfstaffel: Manfred von Richthofen und Erwin Bohme. Dort lernt Béhme den wendigen Fokker-Eindecker kennen und ist geradeza begeistert. Zusammen mit Boelcke darf er nun. fliegen, kimpfen und siegen. Bald kana ihm sein Kommandeur das Eiserne Kreuz I. Klasse tiber- reichen. Dann aber kommt der 28. Oktober r9r6, jener Tag des Ungliicks und der tiefen Trauer, den wir bereits frither geschildert haben. Das tragische Ende des groflen Meisters trifft Béhme ungemein schwer, aber er kimpft weiter, Ein Armschuf zwingt ihn voriibergehend zur Ruhe., Nach seiner Riickkehr ibernimme er die Fihrung der Jagdstaffel 29, im August 1917 soll