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Nervenarzt

1999 · 70:1029–1033 © Springer-Verlag 1999 Aktuelles


F. Löhrer · R. Kaiser
Klinik am Waldsee-Reha-Zentrum für junge Abhängige,Rieden

Biogene Suchtmittel
Neue Konsumgewohnheiten
bei jungen Abhängigen?

Zusammenfassung U nter jungen Abhängigen fielen uns


in den letzten zwei Jahren verblüffend
Die wichtigsten biogenen
Suchtmittel und die Klinik
Bei jungen Abhängigkeitskranken fiel der gute botanische Kenntnisse auf. In Ge- ihrer Intoxikationen
häufige mißbräuchliche Konsum von Natur- sprächen mit einzelnen Probanden
produkten auf.In einer Fragebogenaktion wurden halluzinatorische Erlebnisse Psilocybe
wurden 180 Patienten eines Rehabilitations- nach Pilz- und Samenkonsum angege-
Zentrums für junge Abhängige zu ihren Ge- ben. In der stationären Entwöhnung Die Gebrauchsgeschichte der Blätterpil-
brauchsgewohnheiten exploriert.Die Be- bemerkten wir Fälle von szenischen ze Psilocybe und Conocybe geht in Süd-
fragten gaben einen häufigen Konsum von und optischen Halluzinationen bei feh- amerika bis in die vorchristliche Zeit zu-
Psilocybe, Amanita und Datura an.Die Natur- lenden anamnestischen Hinweisen auf rück. Bereits unter den Azteken fand das
drogen der 70er Jahre, Ayahuasca und Kak- eine endogene Krankheitsgenese. Die Teonanacatl (“Fleisch der Götter”) kulti-
teen, wurden kaum noch eingesetzt.Die To- polizeilichen Dienststellen meldeten sche Verwendung [3, 20a, 20b, 20c]. Im
xikologie der häufig genutzten biologischen parallel häufiger werdende Notfälle bei europäischen Handel befinden sich
Suchtmittel wird erörtert.Die Ergebnisse las- Abhängigen mit psychotischen Exazer- mehrere einheimische und importierte
sen eine gezielte Exploration von Abhängi- bationen bei gleichzeitig negativen Be- Arten, besonders häufig Psilocybe me-
gen zum Gebrauch biogener Suchtmittel funden im Drogenscreening. Im Auf- xicana, daneben Psilocybe semilanceata
notwendig erscheinen. griffsgut häuften sich bisher nicht be- und Psilocybe cyanescens. Sie enthalten
kannte Asservate in Form von Pilzen, als psychoaktive Substanzen Psilocybin
Schlüsselwörter Küchenkräutern und Vogelfutter. und (in geringen Mengen) Psilocin.
In zahlreichen Einzelexplorationen In der Neuzeit wurden in den 80er
Polytoxikomanie · Psilocybe · Amanita · verstärkte sich der Eindruck, daß biolo- Jahren Serien von Massenvergiftungen
Datura · Biogene Suchtmittel gische Produkte zur Erzeugung von bei College-Studenten in den USA be-
Rauschzuständen und Halluzinosen ver- schrieben [23]. Anfang der 90er Jahre
stärkt mißbräuchlich genutzt werden. berichteten skandinavische Quellen
Durch die an den klassischen Abususge- über den Mißbrauch von Pilzen in stu-
wohnheiten orientierte klinische Ana- dentischen Kreisen [12]. Von den nordi-
mnese, in der explizit nach dem Konsum schen Ländern breitete sich der Psi-
von Alkohol, Hanfprodukten, Kokain, locybegebrauch nach Zentraleuropa
Heroin und anderen Opiaten, Amphet- aus. Die hohe Gebrauchsdichte von Psi-
aminen und Stimulanzien gefragt wur- locybe korrespondiert mit einem gro-
de, konnte dieser Konsum nicht aufge- ßen Angebot auf dem Drogenmarkt. In
deckt werden. Die biochemischen Nach- aktuellen Ausgaben von Szene-Zeit-
weise, die sich gleichfalls an den bekann-
ten Suchtstoffen der Szene orientieren,
blieben erfolglos. Dr. F. Löhrer
Klinik am Waldsee, REHA-Zentrum für junge
Abhängige, D-56745 Rieden

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1999 · 70:1029–1033 © Springer-Verlag 1999 Aktuelles
F. Löhrer · R. Kaiser schriften fehlen selten Hinweise auf den relle Analoga der g-Aminobuttersäure
holländischen Versandhandel, der ge- und verändern funktionell sowohl cho-
Biological drugs. Are there new trocknete Mycele, getrocknete Pilze und linerge als auch endorphinerge Übertra-
patterns of substance abuse in young Zuchtsets (bestehend aus Pflanzgut, Er- gungssysteme [17].
addicts? de, Beleuchtungseinheit und Zuchtgefäß In der aktuellen Literatur werden
samt Gebrauchsanweisung) zur Selbst- Vergiftungen als gelegentliche akziden-
Summary zucht mit Erntegarantie anbietet. telle Ereignisse referiert. Die neuen Ge-
Der zentralnervöse Wirkungsme- brauchsgewohnheiten führen hier zu ei-
Among young patients with multiple subs- chanismus ist nicht vollständig geklärt. ner Neubewertung. Die befragten Pati-
ance abuse, a high level of abuse of natural Psilocybin und Psilocin sind aufgrund enten mit eigenem Konsum geben die
products was noticed.In a rehabilitation ihrer strukturellen Ähnlichkeit mit dem Einnahme von ”einem halben großen
clinic for young addicts 180 patients filled Serotonin zum Angriff am Serotoninre- oder einem kleinen Pilz”, zumeist roh
out a questionnaire regarding drugs they zeptor befähigt und verändern über die oder als Salat, als übliche Dosierungs-
regulary consumed.It was discovered that Beeinflussung von Freisetzung und Me- und Applikationsweise an. Sie beschrei-
the patients consumed high levels of Psi- tabolismus die Serotoninkonzentration ben die Effekte der Amanita-Einnahme
locybe, Amanita and Datura.The natural im Gehirn [22, pp 319-325]. Die Haupt- unterschiedlich. Nach peroraler Appli-
drugs of the 70’s, Ayahuasco and Cactus, are Wirksubstanz Psilocybin wird gut resor- kation treten nach 10 bis 20 min Sym-
now rarely seen.The toxicological basis of biert. Neben den erwünschten halluzi- ptome von Desorientiertheit auf [16].
the frequently used biological drugs is dis- natorischen Effekten beschreibt die Hemmende Affekte wie Wut oder Angst
cussed.The results imply that a specific ex- pharmakologische Literatur dysphori- sollen unterdrückt werden [5]. Dieser
ploration of patients with multiple sub- sche Verstimmungszustände und als Effekt entspricht den Wünschen der
stance abuse in regard to the use of biologi- psychiatrierelevante Komplikation sel- meisten Konsumenten. Orientierungs-
cal drugs is necessary. tene Depersonalisationserscheinungen störungen und Depersonalisationser-
[15]. Von den Konsumenten selbst wer- scheinungen werden von den Befragten
Key words den angenehme, szenisch erlebte Hallu- angegeben. Die Lücken in Zeit- und
zinationen ohne Verstimmungszustän- Ortsraster schildern einige Konsumen-
Multiple substance abuse · Psilocybe · de geschildert. Sie halten Psilocybe-Pil- ten als subjektiv bedrohlich.
Amanita · Datura · Biological drugs ze fälschlicherweise für sichere Drogen, Die unangenehm erlebten und er-
wogegen jedoch spricht, daß relevante innerten Folgen der Einnahme limitie-
Vergiftungen beobachtet wurden [1, 19]. ren offenbar derzeit den Dauerkonsum.
Die häufige Anwendung von Psilo- Wegen der hohen Schwankungsbreite in
cybe und die bekannte halluzinogene der Substanzkonzentration im natürlich
Wirkung lassen es notwendig erschei- aufgewachsenen Pilz sind gelegentliche
nen, bei psychotischen Exazerbationen schwere Intoxikationen zu befürchten.
gezielt nach der Aufnahme von Pilzen zu Die auch nur gelegentliche oder ad-
fragen. Seit dem Frühjahr 1998 ist der ditive Fliegenpilz- oder Pantherpilzein-
Handel mit Psilocybe in der Bundesre- nahme ist gefährlich. Ibotensäureintoxi-
publik strafbewehrt. kationen gehen, zumal bei gleichzeiti-
gem Alkoholgenuß, mit neurologischen
Amanita Ausfällen einher [9]. Das Auftreten neu-
rologischer Schädigungen bei Polytoxi-
Die Anwendung von Fliegenpilzen ist hi- komanen ist daher besonders zu beob-
storisch belegt: bei der indischen Wun- achten. Die bisher vor allem akzidentel-
derdroge Soma soll es sich um iboten- len Vergiftungsfälle legten eine gastro-
säurehaltige Pilze gehandelt haben [25]. enterologisch orientierte Intensivbe-
In dionysischen und nordischen Riten handlung nahe [4, 16]. Bei den gelegent-
spielt die Droge eine eher legendäre Rol- lich bereits hypoxämisch vorgeschädig-
le, die jedoch bis in vorchristliche Zeit ten Gehirnen polytoxikomaner Konsu-
zurückverfolgt werden kann [16a]. menten sind sowohl neurologische wie
Die beiden in Deutschland weit ver- gastroenterologische Komplikationen
breiteten Arten Amanita muscaria (Flie- gehäuft zu erwarten. Im Intoxikations-
genpilz) und Amanita pantherina (Pan- fall können kurzfristig psychotische Er-
therpilz) enthalten Muscazon, Muscarin regungszustände auftreten, die u.E. mit
und Ibotensäure als halluzinogene klassischen Neuroleptika in zurückhal-
Agentien, allerdings in standort- und ve- tender Dosierung behandelt werden
getationsabhängigen Konzentrations- sollten.
schwankungen um den Faktor 100 [22,
pp 293-296]. Ibotensäure und ihre De-
carbocylierungsprodukte sind struktu-

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Datura Gebrauch soll mit einer angenehmen brauch (F19.2 nach ICD-10) bzw. einer
Grundstimmung, der Unterdrückung Polytoxikomanie (304.80 nach DSM-IV)
Zum Stechapfel, datura stramonium, unangenehmer Affekte und einer gestei- sowie alle für uns postalisch erreichba-
fehlen dokumentierte historische Kon- gerten Kommunikationsfähigkeit ein- ren ehemaligen und alle in der Anmel-
sumgewohnheiten. hergehen. Motorische Unruhe und Hek- dung befindlichen und bereits ambulant
Die Gattung Datura ist weltweit ver- tik werden als unerwünschte Nebenwir- vorexplorierten Patienten mit der ge-
breitet. Der gemeine Stechapfel, Datura kungen angegeben. nannten Diagnose wurden in den Mona-
stramonium, findet sich häufig in der ten Januar bis Mai 1997 in einer Frage-
hiesigen Ruderal-Flora [21]. Daneben ist • Insbesondere bei hohen Dosen kommt bogenaktion auf den Konsum biologi-
die gärtnerisch kultivierte Engelstrom- es zu atropinergen Wirkungen mit scher Suchtmittel exploriert. Die Befra-
pete, Datura suaveolens, in Deutschland schweren internistischen Komplikatio- gung wurde auf Pflanzenarten be-
verbreitet. Die Daturae bilden eine alka- nen [7, 18]. schränkt, die in der Drogenszene eine
loidreiche Gattung.Alle Arten enthalten gewisse Bekanntheit besitzen.
Tropanalkaloide, besonders Scopolamin • In seltenen Fällen sind delirante Zu- Insgesamt 180 aktuelle, ehemalige
[11]. Die Indentifizierung der Tropanal- stände beobachtet worden [8]. Diese und zukünftige Patienten der Klinik am
kaloide gelingt mittels Gaschromatogra- dürften in der Regel zu psychiatrischen Waldsee wurden zu ihrem Abususver-
phie zuverlässig [14], doch ist die auf- Notfallinterventionen führen. Aus dem halten standardisiert exploriert. In ei-
wendige Methode in der klinischen Rou- Frühjahr 1997 hat allein das Landeskri- nem Fragebogen hatten sie sich zu fol-
tine noch nicht einsetzbar. minalamt Rheinland-Pfalz mehrere genden Suchtmitteln zu äußern:
Stechapfel wird in unserer Klientel Notfälle registriert, bei denen sich ein
in verschiedenen Formen konsumiert. Datura-induziertes Delir nachweisen • Psilocybe,
Beliebt ist die orale Einnahme von 5 bis ließ. Mit einer steigenden Frequenz muß • Fliegenpilz, Pantherpilz,
15 Samenkörpern oder der Konsum von möglicherweise gerechnet werden. • Stechapfel, Engelstrompete, Trom-
ein bis zwei Blüten der Engelstrompete petenblume,
[10]. Auch die Herstellung eines Stech- Übrige Suchtmittel • Muskat,
apfel- oder Engelstrompeten-Tees ist in- • Kakteen,
zwischen verbreitet. Die ersten Fälle von Die hier diskutierten Arten stellen nur • Tollkirsche,
an kommerziell vertriebenen Datura- eine Auswahl aus der Zahl potentiell • Betel,
Tees Intoxizierten sind publiziert [2]. mißbrauchsfähiger Pflanzen der einhei- • Ayahuasca.
Daneben werden Pflanzenbestandteile mischen oder kultivierbaren Flora dar.
von Stechapfel und Engelstrompete ge- Die übrigen mißbrauchsfähigen Pflan- Folgende Antwortmöglichkeiten stan-
raucht [7]. zen spielen, mit Ausnahme von Muskat, den für jede Substanz bzw. Substanz-
Die Daturae können auf verschiede- auf das hier nicht näher eingegangen gruppe zur Auswahl:
ne Weise beschafft werden. Die Engels- werden soll, aktuell keine nennenswerte
trompete ist als Zierpflanze ganzjährig Rolle. Auch die in den 70er Jahren be- • Ich habe die Substanz regelmäßig
verfügbar. Stechapfelsamen kann im kannten Stoffe wie Ayahuasca oder Kak- konsumiert.
Spätsommer und Frühherbst in großen teen scheinen nicht mehr üblich zu sein. • Ich habe die Substanz gelegentlich
Mengen gesammelt werden. Die Samen Zu erwähnen ist auch noch, daß ei- konsumiert.
sind lagerfähig. Stechapfelsamen ist ei- ne mißbräuchliche Nutzung von Salvia • Ich weiß, wie die Substanz einge-
nigen Vogelfuttern in Europa beige- officinalis als Cannabisersatz [24] und nommen wird.
mischt [11], ohne daß es hierzu einer De- von Musa als blandem Halluzinogen [13] • Ich kenne jemanden, der die Sub-
klaration bedarf. üblich ist, letzteres besonders unter stanz konsumiert hat.
Die Konsumenten beschreiben Haft- und Kasernierungsbedingungen. • Diese Substanz ist mir völlig unbe-
nach der Einnahme lebhafte szenische Im folgenden soll über eine Erhe- kannt.
Halluzinationen. Ein wiederkehrender bung zur Häufigkeit des Mißbrauchs
Gebrauch wird von uns auf die angeneh- pflanzlicher Suchtstoffe berichtet wer- Die Befragung wurde mit der Zusiche-
men Assoziationen beim Anwender zu- den, die an einer Rehabilitationsklinik rung der anonymen Verarbeitung und
rückgeführt. Unter den Konsumenten für junge Abhängige durchgeführt wur- Verwendung durchgeführt. Erfaßt wur-
gelten Stechapfel und Engelstrompete de. Damit soll eine Abschätzung der den ferner Alter, Geschlecht, Zahl der Ge-
als unbedenklich. quantitativen Bedeutung der einzelnen schwister, Zahl der Vor-Hospitalisatio-
Die Folgen der Daturaintoxikation Stoffe ermöglicht werden. nen sowie die bisherige Hafterfahrung.
lassen sich in drei klinische Erschei- Bei der Befragung wurde auf poten-
nungsformen differenzieren: Patienten und Methodik tiell mißbrauchsfähige Arten, die in der
einer Erhebung zu biogenen Szene nicht bekannt sind, die aber ein-
• Mit hoher Regelmäßigkeit treten, of- Suchtmitteln führbar wären, aus ethischen Gründen
fenbar dosisabhängig, optische und sze- verzichtet.
nische Halluzinationen auf. Dies ent- Die stationären Patienten unserer Klinik Eine Exploration von Abususge-
spricht dem von den Konsumenten ge- mit der Diagnose eines Abhängigkeits- wohnheiten zeigt immer methodische
wünschten und gesuchten Effekt. Der syndroms bei multiplem Substanzge- Schwächen. Unkorrekte Anworten, un-

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Aktuelles
richtige Dosisangaben und eine niedri- nisse. Der Fragebogenaktion wäre die tel umgesetzt worden, wobei eine Aus-
ge Responderrate bei Fragebogenaktio- methodisch aufwendigere direkte klini- wertung der Ergebnisse noch nicht vor-
nen sind üblich. Die hier vorgestellte Un- sche Exploration mit einer konsequen- liegt.
tersuchung erbrachte bezüglich der ten standartisierten Dokumentation der Die Befragung stützte sich auf das
Konsumgewohnheiten von polytoxiko- Ergebnisse vorzuziehen. Diese ist in un- polytoxikomane Patientenklientel einer
manen Patienten überraschende Ergeb- serer Klinik für das gegenwärtige Klien- Rehabilitations-Klinik für junge Abhän-

Tabelle 1
Konsum und Bekanntheit biogener Suchtmittel unter jungen Abhängigkeitskranken
Substanz/ regelmäßig gelegentlich Kenntnis des Kenntnis anderer Substanz
Lebensalter konsumiert konsumiert Einnahmemodus Konsumenten völlig unbekannt

Psilocybe
unter 20 J. 5 2 2 0 3
20-24 J. 12 16 5 2 2
25-29 J. 6 8 5 0 8
über 29 J. 3 4 10 2 15

Amanita (Fliegenpilz, Pantherpilz)


unter 20 0 3 5 1 2
20-24 J. 3 15 11 4 3
25-29 J. 1 7 11 3 5
über 29 J. 0 3 17 2 12

Datura (Stechapfel, Engelstrompete, Trompetenblume)


unter 20 J. 0 2 5 2 2
20-24 J. 3 17 5 6 6
25-29 J. 0 6 10 2 7
über 29 J. 0 4 13 1 16

Muskat
unter 20 J. 1 1 5 3 2
20-24 J. 5 16 4 1 7
25-29 J. 0 8 11 2 6
über 29 J. 0 3 18 0 13

Kakteen
unter 20 J. 0 0 1 1 7
20-24 J. 1 5 7 4 16
25-29 J. 2 5 10 1 8
über 29 J. 0 2 11 1 19

Tollkirsche
unter 20 J. 0 0 1 0 8
20-24 J. 0 3 9 4 17
25-29 J. 2 3 10 2 8
über 29 J. 0 1 14 2 17

Betel
unter 20 J. 0 0 1 0 9
20-24 J. 0 1 4 1 27
25-29 J. 1 3 4 0 18
über 29 J. 0 1 9 0 23

Ayahuasca
unter 20 J. 0 0 0 0 10
20-24 J. 0 0 3 0 30
25-29 J. 0 0 1 0 24
über 29 J. 0 0 6 0 27

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7. Guharoy SR, Barahas M (1991) Atropine into-
gigkeitskranke. Da unsere Einrichtung oder Trompetenblume ein. Damit gehö- xication from the ingestion and smoking
auf die Behandlung von Patienten mit ren die Daturae zu den hochfrequent of jimson weed (Datura stramonium). Vet
einer gleichzeitig bestehenden psycho- mißbrauchten Arten. Hum Toxicol 33:588-589
tischen Störung spezialisiert ist, findet 8. Hanna JP, Schmidley JW, Braselton WE Jr (1992)
Datura delirium. Clin Neuropharmacology
sich ein hoher Anteil komorbider Pati- Diskussion 15:109-113
enten. Die Befragten stammen aus der 9. Hansen S, Fahlke C, Hard E,Thomasson R (1995)
gesamten Bundesrepublik, Herkunfts- Die gewonnenen Daten deuten auf eine Effects of ibotenic acid lesions of the ven-
schwerpunkte sind jedoch Rheinland- weite Verbreitung biogener Suchtmittel tral striatum and the medial prefrontal
cortex on ethanol consumption in the rat.
Pfalz und das südliche Nordrhein-West- unter jungen Abhängigkeitskranken Alcohol 12:397-402
falen. hin. Da die Methoden zum Nachweis 10. Hassell LH, MacMillan MW (1995) Acute anti-
biogener Suchtmittel, insbesondere cholinergic syndrome following ingestion
Ergebnisse Hochdruckflüssigkeits-, Gas- und of Angel’s Trumpet tea. Hawaii Med J
54:669-670
Dünnschichtchromatographie zur Stoff- 11. Kovatsis A, Flaskos J, Nikolaidis E, Kotsaki-Ko-
122 Bögen wurden ausgefüllt zurückge- trennung sowie chemisch-physikalische vatsi VP, Papaioannou N,Tsafaris F (1993) Toxi-
geben, davon waren 110 auswertbar.Von Methoden zur Identifizierung der Stoffe city study of the main alkaloids of Datura
ferox in broilers. Food Chem Toxicol 31:841-
einigen Probanden wurden jedoch nicht klinisch wegen des damit verbundenen 845
alle Fragen beantwortet, so daß für die Aufwandes derzeit noch nicht realisier- 12. Lassen JF, Lassen NF, Skov J (1993) Hallucino-
verschiedenen Substanzgruppen die bar sind, sollte eine gezielte Exploration gene psilocybinholdige svampe, Forbrugs-
Responderrate zwischen 101 und 110 va- von Abhängigen zum Gebrauch bioge- monstre bladt danske brugere. Ugeskr Lae-
ger 155:1368-1370
riiert. ner Suchtmittel durchgeführt und der 13. Löhrer F (1997) Biogene Drogen. Ariadne,
Bei der Auswertung ergaben sich Gebrauch biogener Drogen bundesweit Aachen, S 60-62
keine signifikant unterschiedlichen Er- beobachtet werden. 14. Nogue S, Pujol L, Sanz P, de la Torre R (1995)
gebnisse bezüglich Geschlecht, Zahl der Bei psychotischen Exacerbationen Datura stramonium poisoning. Identifica-
tion of tropane alkaloids in urine by gas
Geschwister, Zahl der Vor-Hospitalisa- ist neben der Einnahme von üblichen chromatograph-mass spectrometry. J Int
tionen und Hafterfahrung. Die Antwor- Halluzinogenen nach Konsum biogener Med Res 23:132-137
ten in den Altersklassen unter 20 Jahren Suchtmittel gezielt zu fragen. Halluzina- 15. Penden NR, Pringle SD, Crooks J (1982) The
(n=12), von 20-24 Jahren (n=37), von 25- torische Psychosen mit massiven Kreis- problem of psilocybin mushroom abuse.
Human Toxicol 1:417-424
29 Jahren (n=27) und über 29 Jahren laufregulationsstörungen sollten zu ei- 16. Perez-Moreno J, Ferrera-Cerrato R (1995) A re-
(n=34) sind in Tabelle 1 wiedergegeben. ner gezielten Anamnese nach Fliegen- view of mushroom poisoning in Mexico.
Bei den Drogen Fliegenpilz und pilzkonsum Anlaß geben. Food Addit Contam 12:355-360, AT Verlag
Pantherpilz, Psilocybe und Stechapfel- Der Trend zur Einnahme von bioge- 16 a.Rätsch C (1998) Enzyklopädie der psycho-
aktiven Pflanzen. Aarau, S 631-641
arten konnte sich eine hohe Bekanntheit nen Suchtmitteln ist in institutionsüber- 17. Rattan AK,Tejwani GA (1992) The neurotoxic
und hohe Nutzungsfrequenz nachwei- greifenden Studien bundesweit zu ex- actions of ibotenic acid on cholinergic and
sen lassen. Die Modedrogen der 70er plorieren. Der Handel mit biogenen opioid peptidergic systems in the central
Jahre, insbesondere Kakteen und Aya- Suchtmitteln sollte zu rechtlichen Kon- nervous system of the rat. Brain Res
571:298-305
huasca, erwiesen sich bei den Befragten sequenzen führen. 18. Rwiza HT (1991) Jimson weed food poiso-
als kaum noch bekannt. ning. An epidemic at Usangi rural govern-
ment hospital. Trop Geogr Med 43:85-90
Psilocybe. Zu Psilocybe erbrachte die Be- Literatur 19. Schwartz RH, Schmith DE (1988) Hallucinoge-
nic mushrooms. Clin Pediatr (Phila) 27:70-73
fragung ein überraschend eindeutiges 20a. Stamm C (1993) Teonanacatl.“God’s meat”.
Resultat. 49 von 76 Probanden unter 30 1. Brown RT, Barden NJ (1987) Hallucinogens. Part 7.The pharmacological spectrum of
Jahren nutzten Psilocybe gelegentlich Pediatr Clin North Am 34:341-347 effects of psilocybine. Schweiz Lab Z 50:72-
2. Coremanns P, Lambrecht G, Schepens P,Van- 74
(n=26) oder regelmäßig (n=23). In un- 20b. Stamm C (1993) Teonanacatl.“God’s meat”.
welden J,Verhaegen H (1994) Anticholinergic
serer Klientel gehört damit Psilocybe zu intoxication with commercially available Part 8. Biochemical spectrum of effects of
den am häufigsten genutzten Drogen thorn apple tea. J Toxicol Clin Toxicol 32:589- psilocybine. Schweiz Lab Z 50:102-105
dieser Altersschicht. 592 20c. Stamm C (1993) “God’s meat”. Part 9.What
3. Elferink JGR (1988) Some little-known hallu- do we know about the effect mechanisms
cinogenic plants of the Aztecs. J Psychoacti- of drugs of abuse? Schweiz Lab Z 50:139-42
Amanita. Immerhin 25 von 76 Probanden ve Drugs 20:427-435 21. Strassburger E, Noll F, Schenck H, Schimper
unter 30 Jahren gaben einen gelegentli- 4. Gelfand M, Harris C (1982) Poisoning of Ama- AFW (1991) Lehrbuch der Botanik für Hoch-
chen Konsum von Fliegen- und Panther- nita pantherina. A description of two ca- schulen. Fischer, Stuttgart·Jena·New York,
ses. Cent Afr J Med 28:159-163 S 896-899
pilzen an. Dabei dominieren Gelegen- 5. Gessner O (1974) Gift- und Arzneipflanzen 22. Teuscher E, Lindequist U (1994) Biogene Gif-
heitseinnahmen. Ein Dauerkonsum von Mitteleuropa. Winter, Heidelberg, S 475- te. Fischer, Stuttgart·Jena·New York, S 293-297
wird nur selten beschrieben. 481 23. Thompson JP, Anglin MD, Emboden W, Fisher
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Lectin affinity high-performance liquid dents. J Drug Edu 15:111-124
Datura. 32 von 107 Probanden, in der Al- chromatography: interactions of N-glyca- 24. Valdes LJ (1994) Salvia divinorum and the
tersklasse zwischen 20 und 24 Jahren so- nase-released oligosaccharides with leu- unique diterpene hallucinogen. J Psycho-
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nen gelegentlichen oder regelmäßigen concanavalin A, Datura stramonium ag- 25. Wohlberg J (1990) Haoma-Soma in the
glutinin, and Vicia villosa agglutinin. Anal world of ancient Greece. J Psychoactive
Konsum von Stechapfel, Engelstrompete Biochem 167:62-75 Drugs 22:333-342

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