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Sammelrez: W. Benz u.a. (Hrsg.): Der Ort des Terrors, Bd.

5 bis 7 2008-4-155

Sammelrez: W. Benz u.a. (Hrsg.): Der Ort Lager im Frühjahr 1942 dem SS-Wirtschafts-
des Terrors, Bd. 5 bis 7 Verwaltungshauptamt (WVHA) unterstellte.
Benz, Wolfgang; Distel, Barbara (Hrsg.): Der Damit wies die SS Hinzert zunehmend die
Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialisti- Aufgaben eines Konzentrationslagers zu. Al-
schen Konzentrationslager. Bd. 5: Hinzert, Ausch- lerdings blieben der Unterhalt und die Ver-
witz, Neuengamme. München: C.H. Beck Ver- sorgung des KZ weiterhin in den Händen
lag 2007. ISBN: 978-3-406-52965-8; 591 S. der Stapo-Stelle Trier, weswegen Hinzert eine
Sonderform eines Konzentrationslagers blieb.
Benz, Wolfgang; Distel, Barbara (Hrsg.): Der Am 21. November 1944 endete die Zeit Hin-
Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialisti- zerts als selbständiges Lager, und es wurde
schen Konzentrationslager. Bd. 6: Stutthof, Groß- offiziell zu einem Außenlager des KZ Buchen-
Rosen, Natzweiler. München: C.H. Beck Verlag wald. Von Mitte Januar bis Anfang März 1945
2007. ISBN: 978-3-406-52966-5; 840 S. erfolgte schließlich die Evakuierung des La-
gers. Insgesamt wurden von 1939 bis 1945 et-
Benz, Wolfgang; Distel, Barbara (Hrsg.): Der wa 13.600 männliche Häftlinge eingeliefert.
Ort des Terrors Geschichte der nationalsozialisti- Obwohl das WVHA die Übernahme des La-
schen Konzentrationslagers. Bd. 7: Wewelsburg, gers bei Himmler mit der bisher zu geringen
Majdanek, Arbeitsdorf, Herzogenbusch/Vught, Nutzung für wirtschaftliche Zwecke begrün-
Bergen-Belsen, Dora-Mittelbau. München: C.H. det hatte, blieb der wirtschaftliche Ertrag des
Beck Verlag 2008. ISBN: 978-3-406-52967-2; Lagers und seiner Außenlager bis Kriegsen-
656 S. de gering. Von den 29 Außenlagern umfass-
ten nur zwei kurzzeitig mehr als 200 Häftlin-
Rezensiert von: Marc Buggeln, Universität ge. In den meisten Außenlagern wurde auch
Bremen nicht für die Rüstungsindustrie produziert,
sondern wurden Bauarbeiten für die SS oder
Mit den Bänden 5-7 beendet die Reihe „Der die Wehrmacht verrichtet.
Ort des Terrors“ zumindest die lexikalische Das Konzentrationslager Auschwitz wird
Erschließung der KZ-Hauptlager und ihrer als einziges Hauptlager der bisherigen Bän-
Außenlager im Reichsgebiet sowie in den be- de nicht von einem Autor in einem durch-
setzten Westgebieten. Im Band 8 folgen noch gängigen Text beschrieben, sondern von ver-
Beiträge zu einigen Konzentrationslagern im schiedenen Autorinnen und Autoren in kur-
besetzten Osteuropa, und enden wird die Rei- zen Blöcken, die nach Lagerbereichen und
he mit Band 9, in dem verschiedene KZ- Thematiken geordnet sind. Ob dies von vor-
ähnliche Lager erfasst werden sollen. neherein so geplant war oder durch die kurz-
Band 5 umfasst die Konzentrationslager fristige Absage des Beitrages durch die vorge-
Hinzert, Auschwitz und Neuengamme. Da sehenen Wissenschaftler bedingt ist, entzieht
der Rezensent eine Reihe von Beiträgen zu sich der Kenntnis des Rezensenten. Die dar-
Außenlagern des KZ Neuengamme verfasst aus entstandene Aufteilung in Textblöcke, die
hat, soll der Band hier nur kurz annotiert wer- vor allem von Mitarbeiterinnen und Mitar-
den. Das Lager Hinzert entstand 1938 zur Un- beitern des Zentrums für Antisemitismusfor-
terbringung dienstverpflichteter Arbeiter für schung unter Zeitdruck erstellt wurden, sorgt
den Bau des Westwalls. Seit dem Frühsom- dafür, dass der Zusammenhang zwischen den
mer 1938 nutzte die SS das Lager zuneh- Textteilen mitunter schwerer zu finden ist als
mend zur Disziplinierung von Arbeitern, die in den anderen Hauptlager-Texten. Der Groß-
den Firmen nicht fleißig oder folgsam genug teil der Texte besteht in der Wiedergabe der
erschienen. Hinzert wurde in der Zeit sei- Forschungsliteratur, wobei vor allem auf das
nes Bestehens als „Polizeihaftlager“ bzw. „SS- fünfbändige Werk „Auschwitz 1940-1945“ zu-
Sonderlager“ geführt, weswegen es in der rückgegriffen wurde.1 In einzelnen Abschnit-
Historiografie lange als Arbeitserziehungsla- ten berücksichtigen die Autoren jedoch nur
ger, aber nicht als KZ-Hauptlager geführt bedingt neuere Forschungsaufsätze, und ins-
wurde. Uwe Bader und Beate Welter weisen
jedoch überzeugend nach, dass Himmler das 1 Waclaw Dlugoborski / Franciszek Piper (Hrsg.),
Auschwitz 1940-1945, 5 Bände, Oswiecim 1999.

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besondere der Abschnitt über den Ausbau trag zu einem Hauptlager. Die Beiträge zu
der Gaskammern hinkt dem Forschungsstand den meisten der 52 Außenlager des KZ Natz-
beträchtlich hinterher. Die Aufsätze zu den weiler geben den Forschungsstand gut wie-
45 Außenlagern des KZ Auschwitz wurden der, der sich auf einem vergleichsweise hohen
mehrheitlich von Andrea Rudorff geschrie- Niveau befindet. Dies dürfte auch daran lie-
ben, die zur Zeit an einer Dissertation zu den gen, dass in Baden-Württemberg neben Nie-
Außenlagern des KZ Groß-Rosen arbeitet. Da dersachsen eine der dauerhaftesten und em-
ihr Forschungsschwerpunkt auf anderen Au- sigsten Gruppen existiert, die dezentrale Ge-
ßenlagern liegt, handelt es sich im Wesentli- denkstättenarbeit leistet. Auch diesem Enga-
chen um eine souveräne Zusammenfassung gement ist es zu verdanken, dass zu vielen
des Forschungsstandes, dessen Informations- Außenlagern bereits seit Jahren Bücher oder
breite jedoch maßgeblich davon abhängig ist, Broschüren vorlagen. Trotzdem erweitert der
inwieweit es zu den Außenlagern bereits For- aktuelle Band die Kenntnis zu mehreren Au-
schungsliteratur gab. Der Aufsatz von Det- ßenlagern noch einmal beträchtlich.
lef Garbe zum Hauptlager Neuengamme gibt Der Beitrag zum Hauptlager Groß-Rosen
eloquent und präzise den Forschungsstand wurde von Isabell Sprenger und Walter
wieder, wobei der Artikel jedoch mit etwa Kumpmann verfasst und beruht im Wesent-
dreißig Seiten eher knapp gehalten ist. Eines lichen auf dem Grundlagenwerk der erstge-
Urteils über die Qualität der Beiträge zu den nannten Autorin.3 Den beiden Autoren ge-
Außenlagern des KZ Neuengamme enthält lingt es auf knapp dreißig Seiten einen kon-
sich der Rezensent aufgrund eigener Beteili- sistenten Artikel zu Wege zu bringen, der al-
gung. le wesentlichen Aspekte des Lagers berück-
Band 6 beinhaltet Texte zu den Konzentrati- sichtigt. Groß-Rosen ist heute das vermutlich
onslagern Natzweiler, Groß-Rosen und Stutt- am wenigsten bekannte KZ-Hauptlager auf
hof. Der Artikel zum Hauptlager Natzweiler- vormaligem Reichsgebiet. Die SS richtete es
Struthof wurde von Robert Steegmann ver- im August 1940 als Außenlager des KZ Sach-
fasst, der 2003 seine Dissertation zum The- senhausen ein. Im Mai 1941 erklärte Himm-
ma fertiggestellt hat, die 2005 in französi- ler Groß-Rosen zum selbständigen Lager. Der
scher Sprache publiziert wurde, während in Beginn der Auflösung der weiter östlich gele-
deutscher Sprache bisher nur eine Zusam- genen Konzentrationslager führte im Herbst
menfassung des Autors existierte.2 Natzwei- 1944 zu einer dramatischen Überbelegung des
ler wählte die SS, ähnlich wie Mauthausen, Lagerkomplexes. Insgesamt durchliefen ver-
Flossenbürg und Gross-Rosen, aufgrund der mutlich etwa 120.000 Häftlinge das Lager, von
Nähe eines Steinbruches als Lagerstandort denen mindestens 40.000 dort starben. Am 13.
aus. Das Lager bestand vom Mai 1941 bis Februar 1945 befreite schließlich die Rote Ar-
zum September 1944. Eine Besonderheit der mee das bereits geräumte Lager. Die Kennt-
Lagergeschichte liegt darin, dass viele Au- nisse zu den 100 Außenlagern des KZ Groß-
ßenlager nach der Auflösung des Hauptla- Rosen waren bis zur Publikation des Bandes
gers bestehen blieben. Der Artikel ist vor verglichen mit anderen Außenlagerkomple-
allem chronologisch aufgebaut, viele Über- xen äußerst lückenhaft. Mit Ausnahme we-
schriften sind Jahreszahlen. Besonderes Ge- niger Aufsätze und Broschüren in polnischer
wicht legt der Autor auf die detaillierte Schil- Sprache lagen kaum wissenschaftliche Arbei-
derung von Häftlingstransporten und Lager- ten zum Thema vor. Umso verdienstvoller
belegung. Dagegen bleiben wichtige Themen ist die nun vorliegende umfassende Doku-
wie die Zwangsarbeit der Häftlinge oder de- mentation zu den Außenlagern, die mehrheit-
ren Lebensbedingungen fast komplett ausge- lich von polnischen Autorinnen und Auto-
spart. Insgesamt umfasst der Artikel nur 25 ren geleistet wurde und die dann von An-
Seiten und ist damit der bisher knappste Bei- drea Rudorff, die auch selbst eine Anzahl von
Beiträgen verfasst hat, übersetzt wurden. Bei
2 Robert Steegmann, Struthof. Le KL-Natzweiler et ses den Außenlagern des KZ Groß-Rosen fallen
kommandos: une nébuleuse concentrationnaire des
deux cotés du Rhin, Strasbourg 2005; Ders., Das KL
Natzweiler-Struthof. Geschichte eines Konzentrations- 3 Isabell
Sprenger, Groß-Rosen. Ein Konzentrationslager
lagers im annektierten Elsass, Straßburg 2005. in Schlesien, Köln 1996.

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zwei Großkomplexe als Besonderheit auf. Ers- der Zählung des Bandes hätte das Hauptla-
tens gingen 24 Außenlager aus der „Organi- ger Stutthof damit über das umfangreichste
sation Schmelt“ hervor. SS-Brigadeführer Al- Außenlagersystem im gesamten KZ-System
brecht Schmelt amtierte seit Oktober 1940 als verfügt. Allerdings kann die vorgenomme-
„Sonderbeauftragter des Reichsführers SS für ne Zählung insofern in Frage gestellt wer-
den fremdvölkischen Arbeitseinsatz in Ost- den, als dass eine große Zahl der genann-
oberschlesien“. In dieser Funktion leitete er ten Außenlager weit vor der Ernennung Stut-
170 Lager, in denen jüdische Zwangsarbeiter thofs zum KZ-Hauptlager im Januar 1942 be-
zum Autobahnbau oder in der Rüstungsin- reits wieder aufgelöst war und eine Bezeich-
dustrie eingesetzt wurden. Mitte 1943 wur- nung als KZ-Außenlager somit nur bedingt
den die Lager der Organisation aufgelöst oder als haltbar erscheint. Wie auch immer die zu-
aber als Außenlager von Groß-Rosen bzw. künftige Forschung diese Lager kategorisie-
Auschwitz weitergeführt. Zweitens existier- ren wird, ist ihre Aufführung im Werk mehr
ten im Eulengebirge in Niederschlesien zwölf als begrüßenswert. Es sollte jedoch nicht der
Außenlager des KZ Groß-Rosen, die für das falsche Eindruck entstehen, dass das KZ Stut-
Projekt „Riese“ errichtet wurden. Hinter die- thof aufgrund der Vielzahl an Außenlagern
sem Tarnnamen versteckte sich der geplan- ein Zentrum der Rüstungsproduktion durch
te Bau eines unterirdischen Führerhauptquar- KZ-Häftlinge war. In den meisten Außenla-
tiers sowie von Wohnungen für 20.000 NS- gern waren die Häftlinge zur Zwangsarbeit
Spitzenfunktionäre. Mehr als 13.000 Häftlinge in der Landwirtschaft, in der Waldwirtschaft
trieb die SS unter katastrophalsten Bedingun- oder bei Bau- und Straßenarbeiten eingesetzt.
gen für dieses Projekt zur Zwangsarbeit an. Viele der in den letzten Kriegsmonaten ein-
Im Herbst 1939 entstand kurz nach Kriegs- gerichteten Außenlager dienten zudem aus-
beginn in der Danziger Bucht beim Dorf Stut- schließlich als Auffanglager von Transporten
thof ein Internierungslager, das von der Dan- aus dem Osten, ohne dass die Häftlinge dort
ziger Gestapo geleitet wurde. Nach längeren noch systematisch zur Zwangsarbeit gezwun-
Verhandlungen unterstellte Himmler das La- gen wurden. Nur in einer kleinen Zahl von
ger im Januar 1942 der Inspektion der Kon- Außenlagern kooperierte die SS mit der Rüs-
zentrationslager, wodurch es zu einem KZ- tungsindustrie.
Hauptlager wurde. Bis zum Frühjahr 1944 Band 7 umfasst die KZ Niederha-
lag die Häftlingsstärke des Lagerkomplexes gen/Wewelsburg, Lublin-Majdanek,
in der Regel unter 10.000 Häftlingen. Durch Arbeitsdorf, Herzogenbusch (Vught),
den Beginn der Evakuierung der Lager und Bergen-Belsen und Mittelbau-Dora. Wewels-
Ghettos in den besetzten Gebieten der Sow- burg/Niederhagen firmierte vom September
jetunion stieg die Häftlingszahl dramatisch 1941 bis zum April 1943 als eigenständiges
an, und im Spätsommer befanden sich in Hauptlager. Das Lager bestand jedoch bis zur
Stutthof und seinen Außenlagern etwa 60.000 Ankunft alliierter Truppen als Außenlager
Menschen in Haft. Insgesamt registrierte die des KZ Buchenwald fort. Mit einer Höchst-
SS etwa 110.000 Menschen als Häftlinge des belegung von 1.500 Häftlingen gehörte
Lagers. Von diesen kamen zwischen 63.000 Niederhagen zu den kleinsten Hauptlagern.
bis 65.000 Menschen ums Leben, wovon ca. Das Konzentrationslager Lublin-Majdanek
21.500 in den letzten Kriegswochen bei der stellte aus verschiedenen Gründen eine Be-
Evakuierung des Lagers starben. Der Arti- sonderheit unter den KZ-Hauptlagern dar. Es
kel zum Hauptlager von der Mitarbeiterin entstand ursprünglich als Lager für sowje-
der KZ-Gedenkstätte, Danuta Drywa, bietet tische Kriegsgefangene, die im Zusammen-
einen guten Überblick und beeindruckt auch hang mit den Germanisierungs-Planungen
durch das exakte Datenmaterial, das von der für den SS-Siedlungsbau eingesetzt werden
Gedenkstätte ausgewertet wurde. Noch hö- sollten. Nachdem dieser Plan hinfällig war,
her ist allerdings das Verdienst von Marek wurde Lublin wie Auschwitz zu einem
Orski zu bewerten, der es übernommen hat, KZ-Hauptlager, welches gleichzeitig auch
alle Artikel zu den bisher bekannten 210 Au- Vernichtungslager war. Tomasz Kranz gelingt
ßenlagern von Stutthof zu verfassen. Gemäß in seinem Beitrag im Wesentlichen eine über-

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zeugende Synthese seiner bahnbrechenden die niederländischen Juden vor ihrem Trans-
Studien. Insbesondere hinsichtlich der To- port in die Vernichtungslager im Osten, wie
deszahlen kommt er zu neuen Ergebnissen, auch als Durchgangslager für politische Häft-
welche den Forschungsstand dramatisch linge, die in der Mehrzahl später in Kon-
verändern. Karin Orth ging 1999 noch von zentrationslager im Reichsgebiet verschleppt
90.000 ermordeten jüdischen Häftlingen und wurden. Zum Lager gehörten dreizehn Au-
80.-160.000 ermordeten nicht-jüdischen Häft- ßenlager. In der Mehrzahl von ihnen wurden
lingen aus.4 Kranz geht aktuell davon aus, die Häftlinge zu Bauarbeiten bei Militäranla-
dass im KZ Majdanek etwa 60.000 jüdische gen oder zur Beseitigung von Luftkriegsschä-
und 19.000 andere Häftlinge zu Tode kamen. den eingesetzt. Da der Forschungsstand zu
An anderer Stelle ist dem Autor allerdings die den Außenlagern äußerst bescheiden ist, han-
neuere Forschungsliteratur zum KZ-System delt es sich bei den meisten Einträgen um kur-
unbekannt, wenn er z.B. die Ermordung ze Abrisse, die wenig mehr als ein paar Eck-
kranker KZ-Häftlinge („Aktion 14f13“) an- daten liefern.
hand des veralteten Buches von Alexander Thomas Rahe skizziert auf 32 Seiten die
Mitscherlich und Fred Mielke (Erstausgabe Geschichte des KZ Bergen-Belsen. Dieses
1949) erläutert, ohne neuere Arbeiten zu war zuerst ein Kriegsgefangenenlager auf
erwähnen.5 Die sechs Außenlager des KZ dem gleichnamigen Truppenübungsplatz. Im
Majdanek erfahren anschließend eine kompe- Frühjahr 1943 richtete die SS auf dem Ge-
tente, aber aufgrund des Forschungsstandes lände des Kriegsgefangenenlagers ein „Auf-
eher knappe Abhandlung. enthaltslager“ für ausländische Juden ein, die
Beim KZ Arbeitsdorf handelte es sich um als Austausch-Geiseln genutzt werden soll-
ein Modellprojekt zur Ausnutzung von Häft- ten. Im Frühjahr 1944 baute die SS zudem ein
lingszwangsarbeit, welches von der SS und „Erholungslager“ auf, in das kranke Häftlin-
dem Volkswagen-Werk vorangetrieben wur- ge aus anderen Konzentrationslagern depor-
de. Die Häftlinge setzten die SS und VW zum tiert wurden. Aufgrund dieser Funktionsän-
Bau einer Leichtmetallfabrik ein. Da Minister derung bezeichnete die SS das Lager schließ-
Speer die Fabrik jedoch als nicht kriegswich- lich auch als KZ-Hauptlager. Seit Herbst 1944
tig einstufte, endete das Projekt nach der Fer- füllte sich das Lager zunehmend mit Häft-
tigstellung des Fabrikgebäudes, und das KZ lingen aus Evakuierungstransporten der La-
Arbeitsdorf bestand nur von April bis Ok- ger aus dem Osten. Aufgrund der zunehmen-
tober 1942. Die Geschichte des Lagers wird den Tatenlosigkeit der SS-Führung verwan-
durch Manfred Grieger souverän zusammen- delte sich Bergen-Belsen in den letzten Kriegs-
gefasst, wobei die Analyse vor allem auf wochen zu einem Ort des Massensterbens,
sein Standardwerk zur Geschichte des VW- der aufgrund der Filmaufnahmen der alliier-
Konzerns in der NS-Zeit zurückgeht.6 ten Befreier bald traurige Berühmtheit erlang-
Hans de Vries beschreibt das Hauptlager te. Bergen-Belsen unterhielt auch drei Außen-
Herzogenbusch (Vught), welches das einzi- lager, in denen jeweils 400-800 jüdische Frau-
ge Konzentrationslager in den besetzten Nie- en zur Zwangsarbeit eingesetzt waren.
derlanden war. Es bestand vom Dezember Das Lager Mittelbau-Dora entstand im Au-
1942 bis zum September 1944. Herzogen- gust 1943 als Außenlager des KZ Buchen-
busch diente sowohl als Durchgangslager für wald. Als unterirdische Produktionsstätte der
V2-Rakete erlangte es schnell überragende
4 Karin Orth, Das System der nationalsozialistischen Bedeutung für die Zusammenarbeit der SS
Konzentrationslager, Zürich 2002, S. 346. mit der Rüstungsindustrie. Um das Lager
5 Wie zum Beispiel: Walter Grode, Die „Sonderbehand- herum bildeten sich in unmittelbarer Nähe
lung 14f13“ in den Konzentrationslagern des Dritten
Reiches. Ein Beitrag zur Dynamik faschistischer Ver- bald weitere Außenlager, bei denen Häftlin-
nichtungspolitik, Frankfurt am Main 1987; Orth, Sys- ge für die Untertageverlagerung der Rüs-
tem, S. 114-121; Michael Thad Allen, The Business of tungsindustrie oder deren Anschluss an das
Genocide. The SS, Slave Labour, and the Concentration Verkehrsnetz eingesetzt wurden. Im Okto-
Camps, Chapel Hill 2002, S. 118-125.
6 Hans Mommsen / Manfred Grieger, Das Volkswagen- ber 1944 ernannte die SS deswegen Dora-
werk und seine Arbeiter im Dritten Reich, Düsseldorf Mittelbau zum selbständigen KZ-Hauptlager,
1996.

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dass die Verwaltungszentrale für die nahege- HistLit 2008-4-155 / Marc Buggeln über Benz,
legenen Außenlager bildete. Die Geschichte Wolfgang; Distel, Barbara (Hrsg.): Der Ort
des Lagers wird von Jens-Christian Wagner des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen
souverän und überzeugend dargestellt. Im Konzentrationslager. Bd. 5: Hinzert, Auschwitz,
Gegensatz zu den gut dokumentierten Vor- Neuengamme. München 2007, in: H-Soz-u-Kult
gängen im Hauptlager konstatiert der Autor 20.11.2008.
für viele der 39 Außenlager jedoch erhebliche HistLit 2008-4-155 / Marc Buggeln über Benz,
Forschungslücken. Wolfgang; Distel, Barbara (Hrsg.): Der Ort
Insgesamt können das Projekt und seine des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen
Leistung kaum genug gelobt werden. Für die Konzentrationslager. Bd. 6: Stutthof, Groß-Rosen,
Herausgeber, das Redaktionsteam und den Natzweiler. München 2007, in: H-Soz-u-Kult
Verlag dürften die Bände nun seit Jahren dau- 20.11.2008.
erhafte Schwerarbeit bedeutet haben. Dank HistLit 2008-4-155 / Marc Buggeln über Benz,
dieser liegen den Historikern zur Mehrzahl Wolfgang; Distel, Barbara (Hrsg.): Der Ort
aller KZ-Hauptlager und ihren Außenlagern des Terrors Geschichte der nationalsozialistischen
Beiträge vor, die auf dem Stand der For- Konzentrationslagers. Bd. 7: Wewelsburg, Majda-
schung sind und bisherige Kenntnisse enorm nek, Arbeitsdorf, Herzogenbusch/Vught, Bergen-
erweitern. Insbesondere für die zukünftige Belsen, Dora-Mittelbau. München 2008, in: H-
Erforschung der KZ-Sklavenarbeit bieten die Soz-u-Kult 20.11.2008.
Bände eine reiche Fundgrube noch zu inter-
pretierender Fakten. So dürfte nun eine deut-
lich exaktere Bestimmung des Anteils der
Rüstungsproduktion möglich sein oder auch
eine Feststellung, welche Konzerne an wie
vielen Außenlagern beteiligt waren.
Dieser Leistung gegenüber können die
möglichen Kritikpunkte kaum ins Gewicht
fallen, sie seien hier aber trotzdem genannt.
Etwas unverständlich ist, dass sich die Her-
ausgeber bei den KZ-Hauptlagern für die
Bezeichnung „Stammlager“ entschieden ha-
ben, wo doch der originäre Quellenbegriff
„Hauptlager“ lautet und der Begriff Stamm-
lager dort für die Kriegsgefangenenlager der
Wehrmacht genutzt wurde. Schade ist, dass
auf den Karten der Bände zwar Flussläufe
verzeichnet sind, aber die für die Geschichte
der Lager wesentlich bedeutsameren damali-
gen Verwaltungsgrenzen nicht berücksichtigt
wurden. Bedauerlich ist auch, dass die Län-
ge der Beiträge nur bedingt mit der jewei-
ligen Bedeutung der Lager korrespondiert.
So ist kaum nachvollziehbar, warum der Bei-
trag zum nur wenige Monate existierenden
und mit wenigen Häftlingen belegten KZ Ar-
beitsdorf die gleiche Länge hat, wie der Ar-
tikel zum KZ Natzweiler. Des Weiteren blie-
ben mitunter, beispielsweise bei der Darstel-
lung des KZ Natzweiler, zentrale Aspekte der
Lagergeschichte ausgespart. Doch wie gesagt:
Diese Einwände schmälern die große Gesamt-
leistung der Beteiligten kaum.

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