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Landeshauptstadt Dresden
Herausgeber
Landeshauptstadt Dresden
Die Oberbürgermeisterin

Ansprechpartner erreichbar unter


Erklärung der Dresdner Historikerkommission
Telefon (03 51) 4 88 20 21
zur Ermittlung der Opferzahlen der Luftangriffe
Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
E-Mail presseamt@dresden.de auf die Stadt Dresden am 13./14. Februar 1945
Postfach 12 00 20
01001 Dresden
www.dresden.de Dresden, 1. Oktober 2008
weitere Informationen:
www.dresden.de/13.februar
Æ Historikerkommission

Oktober 2008

Kein Zugang für elektronisch signierte und


verschlüsselte Dokumente. Verfahrensanträge
oder Schriftsätze können elektronisch, ins- I. Dresden ist damit ein herausragender
besondere per E-Mail, nicht rechtswirksam
Fall einer deutschen Stadt, die sich des
eingereicht werden. Dieses Informations- Die Zerstörung des Stadtzentrums von Ausmaßes der größten Katastrophe in
material ist Teil der Öffentlichkeitsarbeit der
Landeshauptstadt Dresden. Es darf nicht zur Dresden durch alliierte Luftangriffe im ihrer Geschichte nicht annähernd sicher
Wahlwerbung benutzt werden. Parteien Februar 1945 ist tief in die Biographien sein kann.
können es jedoch zur Unterrichtung ihrer
Mitglieder verwenden. der Erlebnisgeneration eingeschrieben
und gehört bis heute zum festen Bestand- Allein dies stellt bereits eine Heraus-
teil des kollektiven Gedächtnisses der forderung für die Geschichtswissenschaft
Stadt. Seit dem Februar 1945 wurde das dar. Darüber hinaus aber ist die jahr-
historische Geschehen zum Gegenstand zehntelange Kontroverse um die Dresd-
einer breiten und vielfältigen Erinnerungs- ner Opferzahlen Ausdruck einer zutiefst
kultur mit teilweise weltweiter Ausstrah- umstrittenen Symbolbildung: Bis heute
lung – aber auch einer intensiven pro- steht Dresden alljährlich im Mittelpunkt
pagandistischen Nutzung und weitrei- intensiver geschichtspolitischer Auseinan-
chenden Mythologisierung. Seit Jahr- dersetzungen, die weit über den regiona-
zehnten wird dabei in einem öffentlichen len Rahmen hinausreichen.
Diskurs das historische Geschehen kon-
Deshalb beauftragte der Oberbürger-
trovers dargestellt und interpretiert.
meister der Landeshauptstadt Dresden
Im Zentrum der Auseinandersetzung im Jahr 2004 eine unabhängige Histori-
um die Dresdner Luftkriegsereignisse kerkommission damit, die umstrittene
steht die extrem gegensätzliche Dar- Frage der Opferzahl umfassend zu unter-
stellung der Zahl der Opfer der Luftan- suchen und offene Fragen zu klären. Die
griffe auf Dresden zwischen dem 13. und breite, interdisziplinär angelegte Arbeit in
15. Februar 1945. Bis heute schwanken verschiedenen Projektgruppen umfasst
die Angaben zwischen 20.000 und bis zu Archivare, Archäologinnen und Archäo-
500.000 Toten, selbst Opferzahlen von logen, Historikerinnen und Historiker,
einer Million Menschen sind in der Litera- Ingenieure, Museumsspezialisten, Ver-
tur zu finden. waltungsbeamte und engagierte Vertre-
terinnen und Vertreter der Bürgerschaft. dass die Zahl der bei den Luftangriffen Mitglieder der Kommission:
Besonders wichtig war die Öffentlichkeits- auf Dresden im Februar 1945 getöteten
„ Prof. Dr. phil. Rolf-Dieter Müller (Wis-
arbeit, mit der Zeitzeuginnen und Zeit- Menschen – auch unter Einbeziehung
zeugen gewonnen und kommunalpoliti- nichtidentifizierter oder unbekannter Op- senschaftlicher Direktor, Militärge-
sche Widerstände überwunden wurden. fer – wesentlich über- oder unterhalb des schichtliches Forschungsamt der Bun-
deswehr Potsdam) – wissenschaftliche
Mit seinem Beschluss vom 18. Januar angegebenen Bereichs liegen könnte.
2007 hat der Stadtrat das wissenschaft- Leitung
lich anspruchsvolle und zeitaufwändige „ Götz Bergander (Journalist, Publizist),
Projekt mit Finanzmitteln unterstützt und III. Berlin
die Berufung der meist nebenamtlich wir-
kenden Expertinnen und Experten bestä- Eine wesentliche Grundlage für die Arbeit „ Dr. phil. Horst Boog (Ltd.Wiss.Dir. a.D.,
tigt. der Historikerkommission stellten vor Militärgeschichtliches Forschungsamt
allem intensive Recherchen und Ana- der Bundeswehr), Stegen
Die Arbeit im überwiegenden Teil der lysen von Archivdokumenten und Infor-
Einzelprojekte ist abgeschlossen. Der mationssammlungen dar. Der überwie- „ Wolfgang Fleischer (Militärhistoriker,
47. Deutsche Historikertag 2008 in Dres- gende Teil dieser Unterlagen aus Wiss. Oberrat im Militärhistorischen
den gibt nun Gelegenheit, Ergebnisse der Museum der Bundeswehr, Dresden)
Archiven und Behörden ist im Rahmen
Kommissionsarbeit zu präsentieren und der Kommissionsarbeit erstmalig aus- „ Thomas Kübler (Archivdirektor, Amts-
zu erläutern. Die Publikation des aus- gewertet worden – allein im Dresdner leiter des Stadtarchivs Dresden)
führlichen Kommissionsberichts mit Stadtarchiv betrifft dies 780 laufende Me-
dem Endergebnis wird im Jahre 2009 ter Archivgut. „ Dipl-Ing. Matthias Neutzner (Historiker/
erfolgen. Publizist, IG „13. Februar 1945“ e. V.
Die Arbeitsgruppe „Statistisch-geo- Dresden)
grafische Analyse“ war und ist bemüht,
alle erreichbaren personen-, orts- und „ Dr. rer. pol. et phil. Rüdiger Overmans
II. (ehemals Militärgeschichtliches For-
zeitkonkreten Angaben zu Dresdner Luft-
Im Ergebnis der Untersuchungen der kriegstoten aus zahlreichen verschiede- schungsamt der Bundeswehr), Freiburg
Kommission sind bislang 18.000 Dresd- nen Quellen elektronisch zu erfassen und „ Dr. phil. Alexander von Plato (Institut für
ner Luftkriegstote nachgewiesen wor- durch Vergleich abzustimmen. So ent- Geschichte und Biographie), Stade
den, die den Luftangriffen zwischen dem steht erstmals ein differenziertes Bild des
13. und 15. Februar 1945 zuzuordnen Geschehens in Dresden, das in elektroni- „ Friedrich Reichert (Dipl. Historiker,
sind. Die Kommission geht von maximal schen Datenbanken verzeichnet und auf Stadtmuseum Dresden)
25.000 Menschen aus, die während der Geodatenbasis kartiert wird. Zusammen- „ Nicole Schönherr (M.A. Historikerin,
Februar-Luftangriffe in Dresden ums Le- führung und Abstimmung dieser Daten Dresden)
ben gekommen sind. erfordern noch weitere Bemühungen. Der
Stand der Arbeit ermöglicht aber schon „ Dr. phil. Helmut Schnatz (Studien-
Bis etwa zum Jahresende 2008 wird jetzt eine Annäherung an die Größen- direktor a.D), Koblenz
die Analyse der umfangreichen Daten, ordnung der Gesamtopferzahl.
die von der Kommission recherchiert „ Dr. phil. Thomas Westphalen (Kommis-
worden sind, noch anhalten. Es ist zu er- Zum heutigen Zeitpunkt liegt eine Da- sarischer Amtsleiter des Landesamtes
warten, dass die genannte Größenord- tenbank mit etwa 40.000 personen- für Archäologie Sachsen)
nung der Dresdner Luftkriegstoten des bezogenen Vorgängen vor, die einzelne „ Dr. phil. Thomas Widera (Wissenschaft-
Februar 1945 im Ergebnis weiter qualifi- Fälle der Bergung, Bestattung und amt- licher Mitarbeiter, Hannah-Arendt-Insti-
ziert werden kann. Die Kommission hat in lichen Registratur der Dresdner Luft- tut für Totalitarismusforschung e.V. an
ihren Untersuchungen keine Beweise kriegstoten betreffen – wobei pro betrof- der TU Dresden)
oder belastbaren Indizien dafür gefunden, fener Person teils mehrfache Einträge
unterstützt, wenngleich einige Zeitzeu- In der Konsequenz des von Deutschland aus unterschiedlichen Quellen vorliegen. nungsmäßigkeit im Umgang mit den Luft-
ginnen und Zeitzeugen auch teilweise ab- ausgegangenen Krieges wurde Dresden Diese Datenbasis basiert im Wesent- kriegstoten aufrecht zu erhalten. Zusam-
weichende Beobachtungen und Schluss- im letzten Kriegsjahr durch alliierte Luft- lichen auf der elektronischen Erfassung menfassende Statistiken der Luftkriegs-
folgerungen vermitteln. Deutlich wird der angriffe schwer zerstört. Innerhalb weni- und Auswertung Zehntausender Informa- toten aus der Zeit zwischen Februar und
Einfluss eines jahrzehntelangen kollek- ger Stunden starben viele Tausend Men- tionen aus umfangreichen Unterlagen von Juli 1945 erweisen sich als in der Grö-
tiven Erinnerns auf die persönlichen Er- schen – Zivilistinnen und Zivilisten sowie bislang etwa 25 Friedhöfen, aus frag- ßenordnung korrekt, wenngleich – be-
zählungen und Wertungen. Militärangehörige, Dresdnerinnen und mentarisch überlieferten Nachweisen aus dingt durch erhebliche Kommunikations-
Dresdner sowie Flüchtlinge, aber auch dem Bestand des städtischen Ver- probleme der Verwaltungen unterein-
Mit einem Teilbereich der Zeitzeugen-
Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbei- misstennachweises sowie aus den Unter- ander und die Überlagerung mit weiteren
erinnerung hat sich die Kommission im ter, Häftlinge und Kriegsgefangene. Für lagen verschiedener Archive, Standesäm- Kriegsereignissen – als im Detail nicht
Besonderen beschäftigt: Dazu wurden die wenigen noch nicht ermordeten ter und Amtsgerichte in und außerhalb exakt. Stadtverwaltung und Polizei in
Berichte einzelner Militärangehöriger aus
Dresdner Jüdinnen und Juden bedeu- Dresdens. Vergleichend und ergänzend Dresden gingen ab März 1945 von ca.
dem Umfeld der Dresdner Standortkom- teten die Luftangriffe Gefahr und Rettung wurden Datensammlungen der städti- 25.000 Opfern der Februar-Luftangriffe
mandantur der Wehrmacht untersucht. vor Deportation gleichermaßen. Ein ver- schen Friedhofsverwaltung und des aus. Diese Größenordnung wurde auch in
Dabei wurde deutlich, dass die Verant-
antwortliches Erinnern an das Schicksal Volksbundes Kriegsgräberfürsorge aus- weiteren lokalen Statistiken in der Nach-
wortlichen dort, von der Katastrophe aller dieser Menschen setzt ein ernsthaf- gewertet. kriegszeit aufrechterhalten. Nach späte-
überfordert, nur am Rande an den Ber- tes und andauerndes Bemühen um die ren erneuten Untersuchungen schätzte
gungsarbeiten beteiligt gewesen waren Diese umfangreiche Informationsbasis
Korrektheit der geschichtlichen Darstel- die Stadtverwaltung die Dresdner Luft-
und sich ansonsten hauptsächlich damit lung voraus. erlaubt erstmalig eine wenigstens an- kriegstoten auf etwa 35.000 – was der
befassen mussten, das Trümmerfeld nähernde Rekonstruktion der geschicht- heutigen Überprüfung nicht standhält –
Dresden als „Festungsbereich“ für den lichen Abläufe von Bergung, Registratur
und legte sich ab 1965 auf diese Zahlen-
Endkampf herzurichten. Selbst die Zahl und Bestattung der Dresdner Luftkriegs- angabe fest.
der Opfer unter den Soldaten – bei einer toten. Daneben lässt der Vergleich ver-
aktuellen Garnisonsstärke von rund schiedener paralleler Überlieferungen Konträr zu den lokalen Statistiken ver-
17.000 Mann offenbar nur ca. einhundert Rückschlüsse auf die Qualität zusam- wendete die nationalsozialistische Pro-
– ist ihnen nicht bekannt gewesen. Ihre menfassender Aussagen in Archivdoku- paganda bereits wenige Tage nach dem
nachträglichen Aussagen zu Gesamt- menten zu. 13. Februar 1945 in ihrer Auslandsarbeit
zahlen der Dresdner Luftkriegstoten blei- mehrfach höhere Opferzahlen. Im März
ben spekulativ. Insgesamt wird deutlich, dass die Ber- 1945 wies schließlich das Auswärtige
gung, Registratur und Bestattung der Amt die deutschen Gesandtschaften im
Luftkriegstoten in Dresden – gemessen
neutralen Ausland an, Opferzahlen von
an der Situation in der schwer zerstörten bis zu 200.000 Toten in Dresden zu ver-
VI.
Stadt – bemerkenswert geordnet ver- breiten. Als zentraler Bestandteil einer
Mit ihrer aufwändigen und detaillierten laufen ist. Die Verantwortlichen hatten
weiterreichenden Mythologisierung der
Untersuchung möchte die Historikerkom- schwere Luftangriffe auf Dresden er- Zerstörung Dresdens wurden Zahlen in
mission dazu beitragen, die Zerstörung wartet und ihre Organisationen intensiv dieser Dimension in den propagandis-
des Dresdner Stadtzentrums im Februar auf die Bewältigung der dann eintreten-
tischen Auseinandersetzungen der Nach-
1945 als größte Katastrophe in der Stadt- den Folgen vorbereitet. Angesichts der kriegszeit und im „Kalten Krieg“ unab-
geschichte und als tief eingetragene Er- enormen Größe der Katastrophe musste lässig weiter verwendet. Sie finden sich
fahrung in den Biographien der Betrof- jedoch vielfach improvisiert werden, so
bis heute in der Fach- und Populärlitera-
fenen zu erinnern und wissenschaftlich dass erhebliche Abweichungen von den tur, in den Medien und in der Öffentlich-
darzustellen. Sie ist dabei von der Verant- geplanten Vorgehensweisen unvermeid- keit. Sie werden nach wie vor auch als
wortung geleitet, die aus der weltweiten lich waren. Alle verfügbaren Unterlagen
Argument in politischen Auseinander-
Bedeutung des Dresdner Geschehens als belegen dabei, dass die Zivilverwaltungen setzungen verwendet.
Geschichtssymbol resultiert. und die Polizei bemüht waren, die Ord-
IV. Feuersturm zu erhalten. Materialunter- sind. Parallel dazu wurde eine breit ange- scheinlich als Tieffliegerangriffe gedeutet
suchungen machten deutlich, dass in den legte Analyse von zentralen deutschen wurde. Dies würde einzelne Todesfälle
Die Historikerkommission hat sich sorg-
Kellern der Altstadt auch zeitweilig keine Personenstandsregistern und Statistiken oder Verwundungen durch fehlgegange-
fältig mit allen bekannten Argumenta- Verhältnisse erreicht wurden, bei denen der Flüchtlingsbewegungen durchgeführt. ne Feuerstöße nicht ausschließen.
tionen auseinandergesetzt, mit denen menschliche Körper nahezu rückstands- Auch wenn die genaue Zahl der in Dres-
wesentlich höhere Zahlen an Luftkriegs-
los verbrennen würden. Es bestätigt sich den zum Zeitpunkt der Luftangriffe an-
toten für Dresden begründet werden. der Eindruck der Bergungskommandos, wesenden Flüchtlinge nicht mehr fest- V.
Weit verbreitet ist die Vermutung, dass dass die Mehrzahl der Toten in den Kel- stellbar ist, kann die Kommission im Er-
die Bergung der Opfer der Luftangriffe im lern durch Sauerstoffmangel erstickt oder gebnis dieser Untersuchung mit Sicher- Die Kommission unternahm besondere
durch einstürzende Gebäudeteile erschla- heit ausschließen, dass im Februar 1945 Bemühungen, um die Erfahrungen und
Dresdner Stadtgebiet nicht flächende-
ckend geschehen sei. Man müsse, so die gen wurden. Im Freien können im Feuer- in Dresden etwa Zehntausende Men- Berichte von Zeitzeuginnen und Zeit-
Behauptung, von vielen Tausend Toten sturm unter bestimmten Umständen – schen ums Leben gekommen sind, die zeugen des 13. Februar 1945 zu sam-
zeitweise und auf wenige Orte begrenzt – ihren Wohnsitz nicht in der Stadt hatten. meln und auszuwerten. Die Arbeitsgrup-
ausgehen, die in den Kellern des zer-
störten Stadtzentrums verblieben seien. höhere Temperaturen aufgetreten sein. pe „Oral History“ registrierte dazu alle in
Für die Diskussion um die Zahl der den verschiedenen Dresdner
Die Historikerkommission konnte im Rah- Über Fallstudien zu einigen Dresdner
Straßen, die sich mitten im Feuersturm Dresdner Luftkriegstoten sind Darstel- Sammlungen bereits vorhandenen Zeit-
men der bereits erwähnten statistisch- lungen, dass zusätzlich zu den Bombar-
geografischen Analyse nachweisen, dass befanden und am stärksten betroffen wa- zeugenberichte – zum jetzigen Zeitpunkt
dierungen auch alliierte Tiefflieger unter ca. 1.500 Erlebnisschilderungen unter-
in ausnahmslos allen Dresdner Scha- ren, wurde versucht, eine quantifizierbare
Vorstellung von den Auswirkungen der den aus der brennenden Stadt fliehenden schiedlicher Art. Mehrfach wurde öffent-
densgebieten Bergungen von Luftkriegs- Menschen ein Blutbad angerichtet hätten,
toten stattgefunden haben. Dazu wurden Luftangriffe zu erhalten. Im Ergebnis auf- lich aufgefordert, Informationen für die
von eher peripherer Bedeutung. Weil ent- Kommissionsarbeit bereitzustellen und für
bislang einzeln dokumentierte Bergungen wändiger Recherchen – unter Einschluss
von Nachbarschaftsinterviews unter Zeit- sprechende Erinnerungen aber immer Interviews zur Verfügung zu stehen. Im
in mehr als 600 Dresdner Straßen er- wieder vorgetragen werden, war die Kom-
mittelt. Die Dokumentationen der Stadt- zeuginnen und Zeitzeugen – wurde deut- Ergebnis dessen konnten 40 lebensge-
mission vom Dresdner Stadtrat explizit schichtlich angelegte Interviews aufge-
archäologie, die seit 1994 große Teile der lich, dass auch in baulich vollständig zer-
störten Innenstadtstraßen eine größere beauftragt worden, auch diese Frage er- zeichnet, transkribiert und in Teilen be-
Altstadt in archäologischen Grabungen neut zu untersuchen. Dazu wurden nach
untersucht hat, belegen eine sorgfältige Zahl Einwohnerinnen und Einwohner reits analysiert werden. Die Auswertung
mehrfachen öffentlichen Aufrufen Anga- der großen Informationsfülle aus Be-
Beräumung der kriegszerstörten Keller in überlebten.
ben von 270 Zeitzeuginnen und Zeitzeu- richten und Interviews dauert noch an.
der Nachkriegszeit. Im Zeitraum von 1994 Einen wesentlichen Problembereich gen überprüft. Im Ergebnis dessen führte
bis 2008 wurden bei Grabungen auf Sie wird auch nach dem Ende der
bei der Auseinandersetzung um die Zahl der sächsische Kampfmittelräumdienst an Kommissionsarbeiten fortgeführt werden
ca. 10 ha der Stadtfläche an nur drei Stel-
der Luftkriegstoten in Dresden stellen mehreren von Zeitzeuginnen und Zeit- müssen.
len der Dresdner Altstadt sterbliche Über- auswärtige Flüchtlinge dar, die sich am zeugen benannten Orten aufwändige Su-
reste von insgesamt 14 Toten gefunden, 13. Februar 1945 in Dresden befunden chen nach Geschossfragmenten durch, In den Erinnerungen der Zeitzeu-
von denen 11 mit Sicherheit den Luftan- ginnen und Zeitzeugen wird die Dimen-
haben. Es wird oft vermutet, dass eine die einen Bordwaffenbeschuss belegen
griffen des Jahres 1945 zuzuschreiben sehr hohe Zahl an Flüchtlingen den Luft- würden. Die Sondierungs- und Grabungs- sion der Dresdner Katastrophe im Feb-
sind. angriffen zum Opfer gefallen sei (genannt arbeiten sind in diesen Tagen abge- ruar 1945 deutlich – vor allem in ihren
Vielfach wird vermutet, dass eine sehr werden Zahlen von mehreren Hundertau- schlossen worden. Dabei sind weder bei Auswirkungen auf jede einzelne Lebens-
send Menschen) und diese in der Regist- diesen Untersuchungen noch aus der geschichte, auf Familien und Nachbar-
große Zahl von Menschen im Feuersturm
der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 ratur der Dresdner Behörden nicht nach- Analyse von Archivdokumenten oder Zeit- schaften. Für die Arbeit der Kommission
rückstandslos verbrannt sei und damit weisbar wären. Die Kommission kann zeugenberichten schlüssige Belege für enthalten die Berichte wertvolle Fakten,
dazu einerseits über die Erfassung aller systematischen Bordwaffenbeschuss bei die das Wissen um die geschichtlichen
nicht mehr auffindbar wäre. Dafür wurden
bislang keine Anhaltspunkte gefunden. Im bekannten Einzelfälle nachweisen, dass den Luftangriffen vom 13. bis 14. Februar Abläufe im Detail verbesserten. In der
Rahmen ihrer Möglichkeiten hat die Kom- auswärtige Luftkriegstote wie alle Dresd- 1945 deutlich geworden. Nachweislich übergreifenden Analyse der einzelnen
nerinnen und Dresdner auch von den haben Luftkämpfe über Dresden statt- Berichte werden die Aussagen und Wer-
mission versucht, über Expertengutach-
ten Aussagen zum Brandgeschehen im städtischen Behörden registriert worden gefunden, deren Wahrnehmung wahr- tungen der Kommission tendenziell eher
IV. Feuersturm zu erhalten. Materialunter- sind. Parallel dazu wurde eine breit ange- scheinlich als Tieffliegerangriffe gedeutet
suchungen machten deutlich, dass in den legte Analyse von zentralen deutschen wurde. Dies würde einzelne Todesfälle
Die Historikerkommission hat sich sorg-
Kellern der Altstadt auch zeitweilig keine Personenstandsregistern und Statistiken oder Verwundungen durch fehlgegange-
fältig mit allen bekannten Argumenta- Verhältnisse erreicht wurden, bei denen der Flüchtlingsbewegungen durchgeführt. ne Feuerstöße nicht ausschließen.
tionen auseinandergesetzt, mit denen menschliche Körper nahezu rückstands- Auch wenn die genaue Zahl der in Dres-
wesentlich höhere Zahlen an Luftkriegs-
los verbrennen würden. Es bestätigt sich den zum Zeitpunkt der Luftangriffe an-
toten für Dresden begründet werden. der Eindruck der Bergungskommandos, wesenden Flüchtlinge nicht mehr fest- V.
Weit verbreitet ist die Vermutung, dass dass die Mehrzahl der Toten in den Kel- stellbar ist, kann die Kommission im Er-
die Bergung der Opfer der Luftangriffe im lern durch Sauerstoffmangel erstickt oder gebnis dieser Untersuchung mit Sicher- Die Kommission unternahm besondere
durch einstürzende Gebäudeteile erschla- heit ausschließen, dass im Februar 1945 Bemühungen, um die Erfahrungen und
Dresdner Stadtgebiet nicht flächende-
ckend geschehen sei. Man müsse, so die gen wurden. Im Freien können im Feuer- in Dresden etwa Zehntausende Men- Berichte von Zeitzeuginnen und Zeit-
Behauptung, von vielen Tausend Toten sturm unter bestimmten Umständen – schen ums Leben gekommen sind, die zeugen des 13. Februar 1945 zu sam-
zeitweise und auf wenige Orte begrenzt – ihren Wohnsitz nicht in der Stadt hatten. meln und auszuwerten. Die Arbeitsgrup-
ausgehen, die in den Kellern des zer-
störten Stadtzentrums verblieben seien. höhere Temperaturen aufgetreten sein. pe „Oral History“ registrierte dazu alle in
Für die Diskussion um die Zahl der den verschiedenen Dresdner
Die Historikerkommission konnte im Rah- Über Fallstudien zu einigen Dresdner
Straßen, die sich mitten im Feuersturm Dresdner Luftkriegstoten sind Darstel- Sammlungen bereits vorhandenen Zeit-
men der bereits erwähnten statistisch- lungen, dass zusätzlich zu den Bombar-
geografischen Analyse nachweisen, dass befanden und am stärksten betroffen wa- zeugenberichte – zum jetzigen Zeitpunkt
dierungen auch alliierte Tiefflieger unter ca. 1.500 Erlebnisschilderungen unter-
in ausnahmslos allen Dresdner Scha- ren, wurde versucht, eine quantifizierbare
Vorstellung von den Auswirkungen der den aus der brennenden Stadt fliehenden schiedlicher Art. Mehrfach wurde öffent-
densgebieten Bergungen von Luftkriegs- Menschen ein Blutbad angerichtet hätten,
toten stattgefunden haben. Dazu wurden Luftangriffe zu erhalten. Im Ergebnis auf- lich aufgefordert, Informationen für die
von eher peripherer Bedeutung. Weil ent- Kommissionsarbeit bereitzustellen und für
bislang einzeln dokumentierte Bergungen wändiger Recherchen – unter Einschluss
von Nachbarschaftsinterviews unter Zeit- sprechende Erinnerungen aber immer Interviews zur Verfügung zu stehen. Im
in mehr als 600 Dresdner Straßen er- wieder vorgetragen werden, war die Kom-
mittelt. Die Dokumentationen der Stadt- zeuginnen und Zeitzeugen – wurde deut- Ergebnis dessen konnten 40 lebensge-
mission vom Dresdner Stadtrat explizit schichtlich angelegte Interviews aufge-
archäologie, die seit 1994 große Teile der lich, dass auch in baulich vollständig zer-
störten Innenstadtstraßen eine größere beauftragt worden, auch diese Frage er- zeichnet, transkribiert und in Teilen be-
Altstadt in archäologischen Grabungen neut zu untersuchen. Dazu wurden nach
untersucht hat, belegen eine sorgfältige Zahl Einwohnerinnen und Einwohner reits analysiert werden. Die Auswertung
mehrfachen öffentlichen Aufrufen Anga- der großen Informationsfülle aus Be-
Beräumung der kriegszerstörten Keller in überlebten.
ben von 270 Zeitzeuginnen und Zeitzeu- richten und Interviews dauert noch an.
der Nachkriegszeit. Im Zeitraum von 1994 Einen wesentlichen Problembereich gen überprüft. Im Ergebnis dessen führte
bis 2008 wurden bei Grabungen auf Sie wird auch nach dem Ende der
bei der Auseinandersetzung um die Zahl der sächsische Kampfmittelräumdienst an Kommissionsarbeiten fortgeführt werden
ca. 10 ha der Stadtfläche an nur drei Stel-
der Luftkriegstoten in Dresden stellen mehreren von Zeitzeuginnen und Zeit- müssen.
len der Dresdner Altstadt sterbliche Über- auswärtige Flüchtlinge dar, die sich am zeugen benannten Orten aufwändige Su-
reste von insgesamt 14 Toten gefunden, 13. Februar 1945 in Dresden befunden chen nach Geschossfragmenten durch, In den Erinnerungen der Zeitzeu-
von denen 11 mit Sicherheit den Luftan- ginnen und Zeitzeugen wird die Dimen-
haben. Es wird oft vermutet, dass eine die einen Bordwaffenbeschuss belegen
griffen des Jahres 1945 zuzuschreiben sehr hohe Zahl an Flüchtlingen den Luft- würden. Die Sondierungs- und Grabungs- sion der Dresdner Katastrophe im Feb-
sind. angriffen zum Opfer gefallen sei (genannt arbeiten sind in diesen Tagen abge- ruar 1945 deutlich – vor allem in ihren
Vielfach wird vermutet, dass eine sehr werden Zahlen von mehreren Hundertau- schlossen worden. Dabei sind weder bei Auswirkungen auf jede einzelne Lebens-
send Menschen) und diese in der Regist- diesen Untersuchungen noch aus der geschichte, auf Familien und Nachbar-
große Zahl von Menschen im Feuersturm
der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 ratur der Dresdner Behörden nicht nach- Analyse von Archivdokumenten oder Zeit- schaften. Für die Arbeit der Kommission
rückstandslos verbrannt sei und damit weisbar wären. Die Kommission kann zeugenberichten schlüssige Belege für enthalten die Berichte wertvolle Fakten,
dazu einerseits über die Erfassung aller systematischen Bordwaffenbeschuss bei die das Wissen um die geschichtlichen
nicht mehr auffindbar wäre. Dafür wurden
bislang keine Anhaltspunkte gefunden. Im bekannten Einzelfälle nachweisen, dass den Luftangriffen vom 13. bis 14. Februar Abläufe im Detail verbesserten. In der
Rahmen ihrer Möglichkeiten hat die Kom- auswärtige Luftkriegstote wie alle Dresd- 1945 deutlich geworden. Nachweislich übergreifenden Analyse der einzelnen
nerinnen und Dresdner auch von den haben Luftkämpfe über Dresden statt- Berichte werden die Aussagen und Wer-
mission versucht, über Expertengutach-
ten Aussagen zum Brandgeschehen im städtischen Behörden registriert worden gefunden, deren Wahrnehmung wahr- tungen der Kommission tendenziell eher
unterstützt, wenngleich einige Zeitzeu- In der Konsequenz des von Deutschland aus unterschiedlichen Quellen vorliegen. nungsmäßigkeit im Umgang mit den Luft-
ginnen und Zeitzeugen auch teilweise ab- ausgegangenen Krieges wurde Dresden Diese Datenbasis basiert im Wesent- kriegstoten aufrecht zu erhalten. Zusam-
weichende Beobachtungen und Schluss- im letzten Kriegsjahr durch alliierte Luft- lichen auf der elektronischen Erfassung menfassende Statistiken der Luftkriegs-
folgerungen vermitteln. Deutlich wird der angriffe schwer zerstört. Innerhalb weni- und Auswertung Zehntausender Informa- toten aus der Zeit zwischen Februar und
Einfluss eines jahrzehntelangen kollek- ger Stunden starben viele Tausend Men- tionen aus umfangreichen Unterlagen von Juli 1945 erweisen sich als in der Grö-
tiven Erinnerns auf die persönlichen Er- schen – Zivilistinnen und Zivilisten sowie bislang etwa 25 Friedhöfen, aus frag- ßenordnung korrekt, wenngleich – be-
zählungen und Wertungen. Militärangehörige, Dresdnerinnen und mentarisch überlieferten Nachweisen aus dingt durch erhebliche Kommunikations-
Dresdner sowie Flüchtlinge, aber auch dem Bestand des städtischen Ver- probleme der Verwaltungen unterein-
Mit einem Teilbereich der Zeitzeugen-
Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbei- misstennachweises sowie aus den Unter- ander und die Überlagerung mit weiteren
erinnerung hat sich die Kommission im ter, Häftlinge und Kriegsgefangene. Für lagen verschiedener Archive, Standesäm- Kriegsereignissen – als im Detail nicht
Besonderen beschäftigt: Dazu wurden die wenigen noch nicht ermordeten ter und Amtsgerichte in und außerhalb exakt. Stadtverwaltung und Polizei in
Berichte einzelner Militärangehöriger aus
Dresdner Jüdinnen und Juden bedeu- Dresdens. Vergleichend und ergänzend Dresden gingen ab März 1945 von ca.
dem Umfeld der Dresdner Standortkom- teten die Luftangriffe Gefahr und Rettung wurden Datensammlungen der städti- 25.000 Opfern der Februar-Luftangriffe
mandantur der Wehrmacht untersucht. vor Deportation gleichermaßen. Ein ver- schen Friedhofsverwaltung und des aus. Diese Größenordnung wurde auch in
Dabei wurde deutlich, dass die Verant-
antwortliches Erinnern an das Schicksal Volksbundes Kriegsgräberfürsorge aus- weiteren lokalen Statistiken in der Nach-
wortlichen dort, von der Katastrophe aller dieser Menschen setzt ein ernsthaf- gewertet. kriegszeit aufrechterhalten. Nach späte-
überfordert, nur am Rande an den Ber- tes und andauerndes Bemühen um die ren erneuten Untersuchungen schätzte
gungsarbeiten beteiligt gewesen waren Diese umfangreiche Informationsbasis
Korrektheit der geschichtlichen Darstel- die Stadtverwaltung die Dresdner Luft-
und sich ansonsten hauptsächlich damit lung voraus. erlaubt erstmalig eine wenigstens an- kriegstoten auf etwa 35.000 – was der
befassen mussten, das Trümmerfeld nähernde Rekonstruktion der geschicht- heutigen Überprüfung nicht standhält –
Dresden als „Festungsbereich“ für den lichen Abläufe von Bergung, Registratur
und legte sich ab 1965 auf diese Zahlen-
Endkampf herzurichten. Selbst die Zahl und Bestattung der Dresdner Luftkriegs- angabe fest.
der Opfer unter den Soldaten – bei einer toten. Daneben lässt der Vergleich ver-
aktuellen Garnisonsstärke von rund schiedener paralleler Überlieferungen Konträr zu den lokalen Statistiken ver-
17.000 Mann offenbar nur ca. einhundert Rückschlüsse auf die Qualität zusam- wendete die nationalsozialistische Pro-
– ist ihnen nicht bekannt gewesen. Ihre menfassender Aussagen in Archivdoku- paganda bereits wenige Tage nach dem
nachträglichen Aussagen zu Gesamt- menten zu. 13. Februar 1945 in ihrer Auslandsarbeit
zahlen der Dresdner Luftkriegstoten blei- mehrfach höhere Opferzahlen. Im März
ben spekulativ. Insgesamt wird deutlich, dass die Ber- 1945 wies schließlich das Auswärtige
gung, Registratur und Bestattung der Amt die deutschen Gesandtschaften im
Luftkriegstoten in Dresden – gemessen
neutralen Ausland an, Opferzahlen von
an der Situation in der schwer zerstörten bis zu 200.000 Toten in Dresden zu ver-
VI.
Stadt – bemerkenswert geordnet ver- breiten. Als zentraler Bestandteil einer
Mit ihrer aufwändigen und detaillierten laufen ist. Die Verantwortlichen hatten
weiterreichenden Mythologisierung der
Untersuchung möchte die Historikerkom- schwere Luftangriffe auf Dresden er- Zerstörung Dresdens wurden Zahlen in
mission dazu beitragen, die Zerstörung wartet und ihre Organisationen intensiv dieser Dimension in den propagandis-
des Dresdner Stadtzentrums im Februar auf die Bewältigung der dann eintreten-
tischen Auseinandersetzungen der Nach-
1945 als größte Katastrophe in der Stadt- den Folgen vorbereitet. Angesichts der kriegszeit und im „Kalten Krieg“ unab-
geschichte und als tief eingetragene Er- enormen Größe der Katastrophe musste lässig weiter verwendet. Sie finden sich
fahrung in den Biographien der Betrof- jedoch vielfach improvisiert werden, so
bis heute in der Fach- und Populärlitera-
fenen zu erinnern und wissenschaftlich dass erhebliche Abweichungen von den tur, in den Medien und in der Öffentlich-
darzustellen. Sie ist dabei von der Verant- geplanten Vorgehensweisen unvermeid- keit. Sie werden nach wie vor auch als
wortung geleitet, die aus der weltweiten lich waren. Alle verfügbaren Unterlagen
Argument in politischen Auseinander-
Bedeutung des Dresdner Geschehens als belegen dabei, dass die Zivilverwaltungen setzungen verwendet.
Geschichtssymbol resultiert. und die Polizei bemüht waren, die Ord-
terinnen und Vertreter der Bürgerschaft. dass die Zahl der bei den Luftangriffen Mitglieder der Kommission:
Besonders wichtig war die Öffentlichkeits- auf Dresden im Februar 1945 getöteten
„ Prof. Dr. phil. Rolf-Dieter Müller (Wis-
arbeit, mit der Zeitzeuginnen und Zeit- Menschen – auch unter Einbeziehung
zeugen gewonnen und kommunalpoliti- nichtidentifizierter oder unbekannter Op- senschaftlicher Direktor, Militärge-
sche Widerstände überwunden wurden. fer – wesentlich über- oder unterhalb des schichtliches Forschungsamt der Bun-
deswehr Potsdam) – wissenschaftliche
Mit seinem Beschluss vom 18. Januar angegebenen Bereichs liegen könnte.
2007 hat der Stadtrat das wissenschaft- Leitung
lich anspruchsvolle und zeitaufwändige „ Götz Bergander (Journalist, Publizist),
Projekt mit Finanzmitteln unterstützt und III. Berlin
die Berufung der meist nebenamtlich wir-
kenden Expertinnen und Experten bestä- Eine wesentliche Grundlage für die Arbeit „ Dr. phil. Horst Boog (Ltd.Wiss.Dir. a.D.,
tigt. der Historikerkommission stellten vor Militärgeschichtliches Forschungsamt
allem intensive Recherchen und Ana- der Bundeswehr), Stegen
Die Arbeit im überwiegenden Teil der lysen von Archivdokumenten und Infor-
Einzelprojekte ist abgeschlossen. Der mationssammlungen dar. Der überwie- „ Wolfgang Fleischer (Militärhistoriker,
47. Deutsche Historikertag 2008 in Dres- gende Teil dieser Unterlagen aus Wiss. Oberrat im Militärhistorischen
den gibt nun Gelegenheit, Ergebnisse der Museum der Bundeswehr, Dresden)
Archiven und Behörden ist im Rahmen
Kommissionsarbeit zu präsentieren und der Kommissionsarbeit erstmalig aus- „ Thomas Kübler (Archivdirektor, Amts-
zu erläutern. Die Publikation des aus- gewertet worden – allein im Dresdner leiter des Stadtarchivs Dresden)
führlichen Kommissionsberichts mit Stadtarchiv betrifft dies 780 laufende Me-
dem Endergebnis wird im Jahre 2009 ter Archivgut. „ Dipl-Ing. Matthias Neutzner (Historiker/
erfolgen. Publizist, IG „13. Februar 1945“ e. V.
Die Arbeitsgruppe „Statistisch-geo- Dresden)
grafische Analyse“ war und ist bemüht,
alle erreichbaren personen-, orts- und „ Dr. rer. pol. et phil. Rüdiger Overmans
II. (ehemals Militärgeschichtliches For-
zeitkonkreten Angaben zu Dresdner Luft-
Im Ergebnis der Untersuchungen der kriegstoten aus zahlreichen verschiede- schungsamt der Bundeswehr), Freiburg
Kommission sind bislang 18.000 Dresd- nen Quellen elektronisch zu erfassen und „ Dr. phil. Alexander von Plato (Institut für
ner Luftkriegstote nachgewiesen wor- durch Vergleich abzustimmen. So ent- Geschichte und Biographie), Stade
den, die den Luftangriffen zwischen dem steht erstmals ein differenziertes Bild des
13. und 15. Februar 1945 zuzuordnen Geschehens in Dresden, das in elektroni- „ Friedrich Reichert (Dipl. Historiker,
sind. Die Kommission geht von maximal schen Datenbanken verzeichnet und auf Stadtmuseum Dresden)
25.000 Menschen aus, die während der Geodatenbasis kartiert wird. Zusammen- „ Nicole Schönherr (M.A. Historikerin,
Februar-Luftangriffe in Dresden ums Le- führung und Abstimmung dieser Daten Dresden)
ben gekommen sind. erfordern noch weitere Bemühungen. Der
Stand der Arbeit ermöglicht aber schon „ Dr. phil. Helmut Schnatz (Studien-
Bis etwa zum Jahresende 2008 wird jetzt eine Annäherung an die Größen- direktor a.D), Koblenz
die Analyse der umfangreichen Daten, ordnung der Gesamtopferzahl.
die von der Kommission recherchiert „ Dr. phil. Thomas Westphalen (Kommis-
worden sind, noch anhalten. Es ist zu er- Zum heutigen Zeitpunkt liegt eine Da- sarischer Amtsleiter des Landesamtes
warten, dass die genannte Größenord- tenbank mit etwa 40.000 personen- für Archäologie Sachsen)
nung der Dresdner Luftkriegstoten des bezogenen Vorgängen vor, die einzelne „ Dr. phil. Thomas Widera (Wissenschaft-
Februar 1945 im Ergebnis weiter qualifi- Fälle der Bergung, Bestattung und amt- licher Mitarbeiter, Hannah-Arendt-Insti-
ziert werden kann. Die Kommission hat in lichen Registratur der Dresdner Luft- tut für Totalitarismusforschung e.V. an
ihren Untersuchungen keine Beweise kriegstoten betreffen – wobei pro betrof- der TU Dresden)
oder belastbaren Indizien dafür gefunden, fener Person teils mehrfache Einträge
Impressum
Landeshauptstadt Dresden
Herausgeber
Landeshauptstadt Dresden
Die Oberbürgermeisterin

Ansprechpartner erreichbar unter


Erklärung der Dresdner Historikerkommission
Telefon (03 51) 4 88 20 21
zur Ermittlung der Opferzahlen der Luftangriffe
Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
E-Mail presseamt@dresden.de auf die Stadt Dresden am 13./14. Februar 1945
Postfach 12 00 20
01001 Dresden
www.dresden.de Dresden, 1. Oktober 2008
weitere Informationen:
www.dresden.de/13.februar
Æ Historikerkommission

Oktober 2008

Kein Zugang für elektronisch signierte und


verschlüsselte Dokumente. Verfahrensanträge
oder Schriftsätze können elektronisch, ins- I. Dresden ist damit ein herausragender
besondere per E-Mail, nicht rechtswirksam
Fall einer deutschen Stadt, die sich des
eingereicht werden. Dieses Informations- Die Zerstörung des Stadtzentrums von Ausmaßes der größten Katastrophe in
material ist Teil der Öffentlichkeitsarbeit der
Landeshauptstadt Dresden. Es darf nicht zur Dresden durch alliierte Luftangriffe im ihrer Geschichte nicht annähernd sicher
Wahlwerbung benutzt werden. Parteien Februar 1945 ist tief in die Biographien sein kann.
können es jedoch zur Unterrichtung ihrer
Mitglieder verwenden. der Erlebnisgeneration eingeschrieben
und gehört bis heute zum festen Bestand- Allein dies stellt bereits eine Heraus-
teil des kollektiven Gedächtnisses der forderung für die Geschichtswissenschaft
Stadt. Seit dem Februar 1945 wurde das dar. Darüber hinaus aber ist die jahr-
historische Geschehen zum Gegenstand zehntelange Kontroverse um die Dresd-
einer breiten und vielfältigen Erinnerungs- ner Opferzahlen Ausdruck einer zutiefst
kultur mit teilweise weltweiter Ausstrah- umstrittenen Symbolbildung: Bis heute
lung – aber auch einer intensiven pro- steht Dresden alljährlich im Mittelpunkt
pagandistischen Nutzung und weitrei- intensiver geschichtspolitischer Auseinan-
chenden Mythologisierung. Seit Jahr- dersetzungen, die weit über den regiona-
zehnten wird dabei in einem öffentlichen len Rahmen hinausreichen.
Diskurs das historische Geschehen kon-
Deshalb beauftragte der Oberbürger-
trovers dargestellt und interpretiert.
meister der Landeshauptstadt Dresden
Im Zentrum der Auseinandersetzung im Jahr 2004 eine unabhängige Histori-
um die Dresdner Luftkriegsereignisse kerkommission damit, die umstrittene
steht die extrem gegensätzliche Dar- Frage der Opferzahl umfassend zu unter-
stellung der Zahl der Opfer der Luftan- suchen und offene Fragen zu klären. Die
griffe auf Dresden zwischen dem 13. und breite, interdisziplinär angelegte Arbeit in
15. Februar 1945. Bis heute schwanken verschiedenen Projektgruppen umfasst
die Angaben zwischen 20.000 und bis zu Archivare, Archäologinnen und Archäo-
500.000 Toten, selbst Opferzahlen von logen, Historikerinnen und Historiker,
einer Million Menschen sind in der Litera- Ingenieure, Museumsspezialisten, Ver-
tur zu finden. waltungsbeamte und engagierte Vertre-