Sie sind auf Seite 1von 34

Sonderdruck

aus:

Heft 9 und

„Natur und

Gesellschaft“

11, Bd.

IV,

1916/17

Krebsoperationen

sind Verbrechen!

(Der Weltkrieg, der Krebs und die Menschenökonomie)

Von

Dr. med. Albert Adamkiewicz

Universitätsprofessor in Wien.

Berlin-Lichterfelde

Soziologischer

1917

Verlag

Sonderdruck aus „Natur und Gesellschaft“

Heft 9 und

11, Bd.

IV.

Verlag Berlin-Lichterielde, G oethestr. 20.

Der Weltkrieg, der Krebs und die Menschenökonomie.

Von

Prof. Dr. Albert

Adamkiewicz.

„Ich

wage

es,

die

Verteidigung

gegen

verderben

der

ein Ungeheuer,

will."

Menschheit

aufzunehmen

das

sie

der

Friedrich

Große.

D ie großen Opfer an Menschenleben, die der fast über die ganze Welt lohende Weltkrieg fordert, hat die Frage der Menschenökonomie ■entfacht. Und besorgt erörtert man die Antwort, wie es der Welt möglich sein werde, den durch den Weltkrieg hervorgerufenen ungeheuren Verlust an Menschenleben zu tragen, — der­ jenigen Elemente, welche den Staat bilden und erhalten und deren Aussterben daher Aufhören des Staates bedeutet. —■

Merkwürdig,

daß erst der Weltkrieg kom­

men mußte, um die unter allen kulturellen Fragen weitaus bedeutsamste, die der „Men­ schenökonomie“ mit besonderer Sorge anzu­ regen. Wird doch der Bestand des für die Er­ haltung des Weltgetriebes unentbehrlichen Menschenmaterials auch ohne Weltkrieg, mit­ ten in der tiefsten Ruhe des scheinbarsten Frie­ dens nicht nur auf das Leichtfertigste gefährdet, sondern auch auf das Furchtbarste vergeudet. Denn was der Weltkrieg an Menschenleben während seiner ganzen Dauer vernichtet, das rafft eine Krankheit und nicht weniger auch ihre falsche Behandlung jeden Tag dahin. Und nicht nur durch das ganze Jahr, son­ dern auch durch das ganze Leben der Mensch­

2

heit, das nach Jahrmillionen zählt und das von ihrem einstigen Ursprung in einer in Dunkel gehüllten, sagenhaften Periode der Erdentwicke­ lung bis zu ihrem einstigen Untergang auf oder mit ihrer Mutter, der Erde, sich in der Unend­ lichkeit hinzieht. Und während man besorgt die Verluste be­ rechnet, die der Weltkrieg fordert und das ganze Menschentum aufbietet, ihren Folgen zu steuern, läßtman dieungleichfurchtbareren Würger der Menschheit ruhig ge­ währen, — nicht als ob wir im zwanzigsten Jahrhundert seit Verkündigung des Gebotes von der Nächstenliebe, sondern in den finstersten Zeiten jener Nächstenverachtung lebten, in wel­ chen es einem gefräßigen Moloch gestattet war, sich von feilen Menschenleibern ohne jede Be­ schränkung zu mästen. Der aus den finstersten Zeiten der Tyran­ nenwillkür bis auf den heutigen Tag der angeb­ lichen Kultur, Civilisation und Aufklärung unge­ schwächt seine Herrschaft ausübende Menschen­ würger ist der Krebs. Und die Komplicen seines blutigen Handwerks sind die nicht weniger von Blut triefenden Hände, welche, trotzdem die Wissenschaft das Wesen des Krebses als einer p a r a s i t ä r e n , den g a n z e n Körper des Kranken durchseuchenden Krankheit erwiesen und damit dargetan hat, daß der Krebs nur durch einen den ganzen Körper durchdringenden und ihn von den Krankheitskeimen reinigen­ den Heilstoff, wie es mein Kankroin ist, geheilt werden kann, mit souveräner Verachtung der Wissenschaft, der Wahrheit und der Men­ schenerlösung bei der mittelalterlichen und bar­ barischen, dafür aber lukrativen und bequemen Methode des Messers verharrt, das mit seiner Rohheit trotz seiner furchtbaren örtlichen Ver­ wüstungen zwar dem im ganzen Körper verbrei­

3

teten Krebs nichts anhaben kann, dafür aber die Kranken verletzt, verstümmelt und mordet. Der Krebs, der, wie ich nachgewiesen habe1), ein tierischer Parasit, ein Einzeller, ein Proto­ zoon und zwar eine Coccidie ist, verbreitet sich von der Stelle seines Eintrittes in den mensch­ lichen Körper durch die von ihm ausgesäten Keime mittels des Blutkreislaufes schnell über den ganzen Körper aus. Und wenn er an der Eintrittsstelle zu einem sicht- und operativ an­ greifbaren Knötchen angewachsen ist, ist er längst zu einer Allgemeinerkrankung des ergrif­ fenen Körpers geworden, dem es absolut nichts mehr nützen kann, wenn man nur den sicht­ baren Herd, die Eintrittsstelle des Krebses, aus dem mit seinen unsichtbaren Keimen be­ reits durchsetzten Körper entfernt, diese Keime aber in ihm zurückläßt, Daher geschieht es denn auch regelmäßig, daß, wenn die sichtbare Krebs­ geschwulst operativ entfernt worden ist, die un­ sichtbaren Keime nachwachsen und dann die sichtbaren sog, „Metastasen" hervorbringen, durch welche der Kranke ebenso sicher, als grau­ sam verwüstet und zugrunde gerichtet wird. Die Behauptung der Chirurgen, man könne der Entwickelung der Metastasen durch eine sog. „Frühoperation“ zuvorkommen, ist nicht nur ein Widerspruch gegen sie selbst, da sie nur auf dem Grunde meiner parasitären Theorie des Krebses einen Sinn hat, die die Chirurgen anzuerkennen nicht über sich gewinnen können, weil sie ihrer örtlichen Behandlung des Krebses jeden wissenschaftlichen Boden, also jede Berechtigung nimmt, sondern auch ein absoluter wissen­ schaftlicher Nonsens, weil, wie ich festgestellt habe -), der Krebs, so lange er noch

J)

Untersuchungen

über den

Krebs.

W ien

1893.

s)

Die

sog.

„Frühoperation"

und

die

FrühdUgnoie

des Krebses.

Base!

1914.

4

keine sichtbaren Knoten hervorgebracht hat, auch nicht sicher festgestellt werden kann und weil, wenn er erst, sei es mikroskopisch oder klinisch, mit Sicherheit erkannt wird, jedesmal bereits d e n ganzen Körper ergriffen hat, also eine Allgemeinaffektion darstellt, bei der das Messer absolut nichts zu schaffen hat. Das operative Verfahren ist als „Heilmittel“ des Krebses auch noch aus anderen und zwar den allergewichtigsten Gründen absolut zu ver­ werfen. Die Chirurgie schreibt nämlich vor, man müsse bei der operativen Behandlung des Kreb­ ses „möglichst weit vom Krankheitsherd tief im gesunden Gewebe schneiden“ . Ganz abgesehen davon, daß auch diese Vorschrift, wenn auch unbeabsichtigt, eine A n ­ erkennung meiner Theorie vom Pa­ rasitismus des Krebses ist, weil sie direkt den Krebsherd als einen Infektionsherd für seine Umgebung erklärt, so führt sie noch zwei sehr große Schädigungen für den kranken Körper ein.

Die eine dieser Schädigungen kann sehr schnell eintreten und dem Kranken direkt ans Leben gehen. — Das ist der sog. „Traumatische Insult“ , der wie ein lähmender oder tödlicher Schlag (Choc) wirkt und jede schwere Ver­ letzung begleiten kann. ■— Die andere Schädlichkeit, die dem opera­ tiven Eingriff anhaftet, und von der die Chirurgie sicher nichts weiß, ist um so gefährlicher, als sie sich langsam und allmählich entwickelt und, ab­ seits von allen sichtbaren Gefahren, ganz tük- kisch und heimlich sich an die Quellen des Le­ bens heranschleicht. Die gesunden Gewebe sind nämlich die Träger der natürlichen Funktionen des lebenden Körpers und als solche, zumal im kranken Kör­

5

per, d ie unentbehrlichen Wurzeln des Lebensbaumes. — In demselben Verhältnis als an diese Wur­ zeln die Axt gelegt wird, — und welch’ eine Axt dieses kalte, blutfrohe, verantwortungslose und haarscharf geschliffene chirurgische Messer! — muß der Lebensbaum leiden und um so schneller und sicherer verdorren, je mehr seiner Wurzeln ihm bereits seine Krankheit zerstört hat- Das ist der Grund, weshalb, wie ich das an anderer Stelle genauer ausgeführt habe 1), Krebs­ kranke nach schweren Operationen, trotzdem, wie die Phrase lautet, sie „gelungen" sind, an den sonst so rätselhaften Erschöpfungen ver­ löschen. Entgehen die Operierten dieser Charybdis, der Erschöpfung, so verfallen sie um so sicherer der Skylla der Metastasen, als diese sich in dem durch die Operation verminderten Rest an gesundem Gewebe ausbreiten müssen und so noch diesen letzten so überaus notwendigen und unentbehrlichen Rest von Lebensquellen ver­ schütten. Zu den individuellen, den Operierten selbst treffenden Schädlichkeiten und Gefahren kommen hinzu die ungleich größeren mora­ lischen, weil deren Kosten die Gesunden tragen müssen und deren Folgen daher die ganze Allgemeinheit bedrohen. Die Operationsmanie und deren Reklame verführen nämlich ganz Gesunde dazu, sich ohne jeden Grund operieren zu lassen und so Gesund­ heit und Leben in leichtfertiger Weise aufs Spiel zu setzen. Durch die Irrlehre von der sog. „Frühopera­ tion" und die lügenhaften Warnungen ihrer Apostel, die Zeit für die „erfolgreiche" Opera­

1)

Die Krebsoperation und der gesetzliche Schutz der

Krebskranken.

Aerztl.

Rundschau.

1914.

3.— .

6

tion könne durch Schwanken und Säumen ver­ paßt werden“ ~), wird das vor jeder Aufklärung mit allen Mitteln einer verkommenen und beute­ gierigen Journalistik zurückgehaltene Publikum in eine Art „Kankrophobie“ hineingehetzt und verführt, auch bei dem bedeutungslosesten An­ laß Krebs zu befürchten und besinnungslos vor Angst wie eine Herde von Schafen sich zur Schlachtbank treiben zu lassen.

So kenne ich einen Fall, wo eine vollkom­ men gesunde Dame ihre kranke Freundin zu einem diese behandelnden Operateur begleitet hat, aus unbegründeter Neugier und ohne irgend einen Anlaß zu haben, sich untersuchen und dann — operieren ließ, — und kurz darauf in­ folge dieser frivolen Operation gestorben ist. Wenn auch solche, an einer Psychose, aber nicht an Krebs leidende Kranke ihren Wahnsinn nicht immer mit ihrem Leben bezahlen, so tragen sie doch häufig ganz unnötiger Weise Verstüm­ melungen oder Verkrüppelungen davon, an de­ nen sie das ganze Leben zu tragen haben und die ihnen zum mindesten den Genuß und die

Freude

am

Dasein

vergällen oder ganz zer­

stören, 3)

3) S, Schlußsieg meiner Kankroiamethoide, die Spät­ operation und die chemische Reinigung des Krebses. Fortschritte der Medizin 1917, Nr, 14. “} Ueber einen dieser traurigen Fälle will ich aus eigener Erfahrung hier berichten. A n einem trüben Februartage des Jahres 1903 scheute trotz der Unbilden des W inters die 37jährige

Lehrerin, Fräulein K. aus Trier, die weite Reise zu mir nicht — aus Angst vor dem Messer, dem bereits ihre beiden Brüste zum Opfer gefallen waren und das im Begriffe stand, noch ein Drittes zu holen, die Schulter der Verstümmelten, — Die Kranke bezeichnete ein

Stück

mialgegend

die

Stelle, die sie bei Druck schmerze und die, für Krebs fehalten, von ihrem Arzt entfernt werden sollte. — Die Schrecken zweier Operationen, die die Kranke

des Schultermuskels

(Gelenkfortsatz

(M, Deltoideus) in der A kro-

des

Schulterblattes)

als

7

Es kann daher nicht dem geringsten Zwei­ fel unterliegen, daß solche, sagen wir, fiktive Operationen und die sie unterstützende käuf­ liche Presse je nach Art ihres Betriebes und

durchgemacht hatte und die sie der Zierde ihrer W eib­ lichkeit und so ihres Lebensglückes beraubt hatten, waren der Grund ihrer Flucht zu mir. — Sie w ollte wissen, ob sie auch ohne die als „unvermeidlich“ und „unaufschieb­ bar" bezeichnete dritte Operation noch gerettet werden könnte, — und war entschlossen, wenn das nicht der Fall sein sollte, lieber zu sterben, als sich zum dritten Male der Tortur einer Operation zu unterwerfen. Die Untersuchung der Kranken ergab einen ebenso traurigen Anblick, als ein überraschendes Resultat. Beide Brüste fehlten der im übrigen gutgeformten Kran­ ken und an ihrer Stelle zogen zwei einander parallele Narben durch die Mitte beider Brusthälften. — Die ge­ nauere Untersuchung dieser Narben und ihrer Nachbar­ schaft ergab, daß sie frei waren von allen jenen U ebcr- resten, welche erfahrungsgemäß in den Operationsgebie­ ten entfernter Krebse zurückzubleiben pflegen und Narbe und Haut solcher G ebiete uneben, höckerig und rauh machen. Bei unserer Kranken war alles tadellos rein, — Narbe und Haut überall dünn und verschiebbar.

Auch die Untersuchung der angeblich „krebskranken“

neuen Stelle hatte ein vollkommen negatives Ergebnis.

übrigens unbedeutenden Schmerzhaftigkeit

war an der Schulter nichts zu entdecken, was auch nur eine Vermutung, daß Krebs voriiege, gerechtfertigt hätte, — So gab ich denn der Ueberzeugung entschiede­ nen Ausdruck, daß die Unglückliche w eder irgend einer Krebsbehandlung bedürfe, noch auch jemals an Krebs gelitten habe, — und daß sie nicht nur auch ohne O pe­ ration weiterleben würde, sondern daß überhaupt niemals ein Anlaß zu einer Operation vorhanden gewesen sei.

Den Eindruck werde ich nicht leicht vergessen, den diese Eröffnung auf die Arm e gemacht hat. Drei der

A ffekte durchwühlten und erschütterten sie

gleichzeitig: die Befreiung von der Angst einer Lebens­ gefahr, der Schmerz über das unnötigerweise aufgeopferte

Lebensglück und die Dankbarkeit über die Erlösung aus bangen Zweifeln. — Sie waren so recht geeignet, vor Augen zu führen, um welchen Preis der falsche und ach! so traurige Ruhm einer ,.gelungenen“ Krebsoperation in diesem Falle erkauft worden w ar und wie teuer ihn sich diejenigen zahlen lassen, welche nach ih.m Verlangen tragen, oder von ihm leben. —

A ußer einer

mächtigsten

ihres Ergebnisses in die Kategorie des Betruges der leichteren oder schwereren Körperver­ letzungen, des Totschlages und sogar des quali­ fizierten Mordes gehören und gewis nicht aus dem Grunde straflos bleiben dürfen, weil sie aus Unwissenheit, Leichtfertigkeit oder bewußt un­ lauteren Motiven verübt werden und unbegreif­ licher Weise unter dem Schutz veralteter, aber heute infolge der wissenschaftlichen Krebser­ kenntnis unentschuldbar gewordener Privilegien stehen. Wie später gezeigt werden wird, hat daher schon im Altertum ein Gesetz (Lex Cor­ nelia, 88 v. Chr.) solche Verbrechen bestraft. — Und eis war erst der erleuchteten „Civilisation“^ Vorbehalten, hier das Rechtsgefühl des klassi­ schen Altertums zu ersticken. Ueber die Operation beim Krebs spre­ chen jedenfalls Erfahrung, Wissenschaft und Moral, also ein verläßliches Kollegium, ein ver­ dammendes Urteil. — Ich will aber trotzdem nicht, daß die unbe­ fangene und vorurteilslose Welt, die, in bestimm­ ter Absicht irregeführt und gemisbraucht, ge­ nötigt ist, von einer falschen und verbreche­ rischen „Autorität“ sich loszusagen und mit starker Hand gegen einen übermächtigen an ihr begangenen Verrat zum Selbstschutz zu greifen, den Stab über ihre größten Feinde bricht, bevor sie nicht noch die höchste Instanz gehört hat, die hier in Frage kommt, — und zwar d i e

C

h i r u r g i e

sel bst in i hr en e r s t e n

V

e r t r e t e r n .

Man Svird gewiß nicht umhin können, zilzu- geben, daß ich das höchste Maß menschlicher Objektivität übe, wenn ich meine eigenen und mehr, als nur voreingenommenen Gegner und sogar in ihren höchsten Vertretern zu Richtern in ihrer eigenen Sache mache und, wenn ich, zwar nicht ihren Worten, so doch d e n von

9

i h n e n s e l b s t f e s t g e s t e 111 e n T a t ­ sachen es überlasse, die Entscheidung in dieser überaus wichtigen Angelegenheit, also ein sicher absolut objektives Urteil zu fällen. Sie sollen auf Grund der von ihnen ein An­ deren und an sich selbst erlebten Schicksale folgende beiden Fragen beantworten:

Was lehren ihre eigenen Erfahrungen be­ treffs ihrer an Anderen ausgeführten Krebsoperationen, —- was lehrt ihre Sta­ tistik?

2. Was bekunden sie durch ih r Verhal­

t e n und i h r E r l e b e n , wenn sie selbst an Krebs erkranken und sich dann no­ lens volens der Operation unterwerfen? Diese Statistik und dieses Selbsterleben sind jeder falschen Deutung entrückt und kön­ nen als wahre „Documents humains" und als ein, dieses Mal im wahren Sinne des Wortes, vom blutig-zuckenden Leben direkt geliefertes, also ganz untrügliches Experimentum crucis die Frage über den Wert der Krebsoperation mit um so klarerer und nicht mehr zu überbietender Sicherheit entscheiden, als für die Aufstellung einer Statistik der eigenen Leistungen und nun gar für das Gelingen der Selbstoperationen die Operateure und noch dazu die Kundigsten ihres Faches gewiß durch Schaffung der erforderlichen Grundbedingungen, namentlich auch bezüglich der sog. „Frühzeitigkeit“ und einer einwand­ freien Technik das Höchste und Vollkommenste mit dem ganzen Aufgebot ihres ihnen zur Ver­ fügung stehenden Könnens und Wissens Sorge tragen werden.

a)

Was beweist nun die Statistik der von den

Bedeutung

der

Statistik.

chirurgischen

Auserwählten

geleisteten

Krebs­

operationen?

10

Der Französische Chirurg P o i r i e r , ein Spezialist für die Operation des Zungenkrebses, teilte (1906) eine solche Statistik mit. Sie lautet, daß er von seinen Patienten allein durch die Operation 10 % (!) verloren habe. Wieviele von den durch die Operation nicht direkt getöteten Krebskranken wirklich gesund geworden sind, das sagt er nicht. — Es kann aber keinem Zweifel unterliegen, daß die trotz der Operation am Leben gebliebenen 90 von 100, wenn sie wirklich an Krebs gelitten haben, nach und nach an ihren Rezidiven gestorben sind. Es ist aber durchaus nicht ausgeschlossen, daß sich unter den durch die Operation sofort getöteten solche befunden haben, welche über­ haupt keinen Krebs hatten. Damit also alle we­ gen Zungenkrebs von P o i r i e r operierten Kranken und zwar einige sofort, die anderen allmählich zugrunde gingen, mußten einige Unglückliche sterben, welche überhaupt keinen Krebs hatten und folglich ohneOperation amLebengeblieben

wären. —

Herr Prof, Kern (Halberstadt), ein be­ kannter Spezialist für die Operationen des Krebses der Gallenwege, der auch einen Vor­ gänger des Herrn Poincare zu Tode operiert hat, — was die Französischen Chirurgen zu der Bemerfung veranlaßte, daß sie das auch selbst ohne Deutsche Spezialisten zuwege hätten brin­ gen können, hat berichtet, daß ihm die operative Behandlung des Krebses der Gallenwege 3 %, sage und schreibe „drei Prozen t“, an sog, „Heilungen" geliefert habe. —

durchaus nicht

daß unter diesen drei Glücklichen nicht einer oder der andere auch ohne Operation am Leben geblieben wäre, weil er möglicherweise gar keinenKrebshatte, Daher kannman unter Zu­

Es

ist nun

ausgeschlossen,

11

grundelegung der eigenen Statistiken der beiden so angesehenen Chirurgen P o i r i e r und Kern die Behauptung aufstellen, daß die Zahl der Opfer, die das Messer bei Krebsoperationen unmittelbar fordert, allein schon je nach der Natur und der Lage der operierten krebskran- ken Organe 10 bis 100 Prozent der Operierten beträgt, — und daß diesen Opfern über­

haupt

t i o n G e r e t t e t e n g e g e n ü b e r s t eht . Sind aber die Chancen des Messers beim Krebs bezüglich seiner Heilung nicht nur gleich Null sondern wird diese beklagenswerte

Chance noch überkompensiert durch die Opfer einerseits an direkt durch die Operation ge­ töteten Krebskranken und anderseits der fal­ schen Diagnose, d, h. derjenigen, welche an sog. „Krebsoperationen" sterben, obgleich sie über­ haupt keinen Krebs haben; dann lehrt die einzig wirklich wahre und aufrich­ tige Statistik der Krebsoperatio- nen, daß di e se aus der M e d i z i n zu

keine Zahl durch die O pera­

streichen sind, weil

g e b o t der m e n s c h l i c h e n Ethik: „Du

sol l st n i c h t t ö t e n “ ve r l e t z e n, — ein Gebot, das die Medizin besonders

zu ac ht e n hat, wei l sie zum He i l e n

daist, a b e r n i c h t

Und das Gebot: Du sollst nicht töten! hat die Medizin gerade beim Krebs als eine um

so heiligere Pflicht zu erfüllen, als sie jetzt im Kankroin ein Mittel besitzt, nicht nur sich gegen Irrtum in der Diagnose und gegen Mord zu schützen, sondern auch den Krebs ohne Blut­

v e r g i e ß e n und m i t S i c h e r h e i t zu heilen, —

sie das G r u n d ­

zum Morden.

b)

Eigene

Erlebnisse,

Was nun die Erfolge der an Chirurgen von Rang selbst in den letzten Jahren ausgeführten

12

Krebsoperationen betrifft, so lehrt der nachfol­ gende Bericht, daß auch die scheinbaren Günst­ linge des Verhängnisses in der Tragik ihres Schicksals nicht nur nicht besser, sondern noch um eine Stufe schlechter gestellt sind, als ihre profanen Leidensgenossen, weil s ie a ls Wis­ sende dort nichts mehr erwarten, wo die Nichtswissenden w enig­ stens noch hoffen. —

Mikulicz.

Im Juni 1905 ist der Breslauer Chirurg Mi­ kulicz nach einer Krebsoperation, gestorben. Am 15. desselben Monats hieß es in einem Nachruf, den ein Wiener Chirurg dem verstor­ benen Kollegen v o r s e i n e n S c h ü l ' e r n (!) als ak ad emi sc her Lehrer gehalten und in einer Tageszeitungx) veröffentlicht hat, Herr Mikulicz sei „tragischer Weise an derselben Krankheit gestorben, von welcher er so viele Andere durch seine Kunst gerettet hätte. Er selbst aber sei d e r Krankheit erlegen, weil sein Krebs „inoperabel“ gewesen wäre." Der Nachrufende hat also mit anderen Wor­ ten behauptet, Mi k u 1i c z sei nicht operiert worden, weil sein Krebs „inoperabel“ gewesen sei und versetzt seine ihm vertrauenden Zuhörer und die Leser seines Nachrufes in den Glauben, daß Herr Mikulicz nicht gestorben, sondern ge­ rettet worden wäre, wenn sein Krebs operabel gewesen und er so operiert worden wäre, wie er selbst viele Andere operiert hätte. — Schon am folgenden Tage, am 16. Juni 1905, brachte dieselbe Zeitung2) eine Meldung, und zwar aus Breslau, also offenbar aus der nächsten Umgebung des Verstorbenen,

*)

Neue Freie Presse. 1905. 15, Juni.

s)

Neue Freie Presse.

1905.

16,

Juni.

13

welche erklärte, daß Mikulicz nicht an einem „inoperablen" Krebs, sondern, nachdem er um die Weihnachtszeit 1904 erkrankt war, wenige Tage nach einer Operation gestorben sei, welche gerade der Ve r f a s se r des N a c h r u f e s an seinem Kollegen ausgeführt hat, nachdem von ihm selbst an dem K r a n k e n die Diagnose auf Magenkrebs gestellt w o r d e n war.

aus

mehrfachen Gründen Zunächst beweist

Das Schicksal des Herrn Mikulicz

außerordentlich

es,

ist

lehrreich.

daß die Krebsopera-

tion nichts hilft, auch wenn sie noch so „früh­

zeitig“ und auch von derjenigen Hand ausgeführt wird, welche der krebskranke Chirurg sich selbst wählt.

Dann

aber

beweist es, daß d ie Chi­

rurgen

das

nicht

nur

sehr

gut

s e l b s t w i s s e n , s o n d e r n i m A n g e s i c h t

Wahrheit

die Gemeingefähr­

der

sie

überführenden

ebenso bewußt

lichkeit der Operation verheim­

lichen,

Methode unterdrücken (s. weiter un­

ten v. Bergmann), trotzdem sie von

d e r e n

so di e M e n s c h h e i t aus E i g e n n u t z in

d o p p e l t e r

Denn was war der offenbar nicht für den verstorbenen, sondern für den lebenden Chi­ rurgen berechnete „Nachruf“ Anderes, als der Beweis dafür, daß der Operateur durch die Le­ gende von der „inoperabeln“ Operation (!) die Schuld an dem Tode seines von ihm operierten Kollegen von der Operation auf die Krankheit abwälzen wollte, — zumal er doch die Operation selbst ausgeführt hatte und nur gewissermaßen unterschlug, und die er sich gedrungen fühlte, noch

um

ü b e r z e u g t

wie

sie

meine

unblutige

sind,

Güt e

W e i s e

zu hintergehen.

14

besonders dadurch in listiger Weise zu rehabili­

tieren,

daß er wiederum

die

falsche

Angabe

machte, Mikulicz habe sie so seiner Kranken vollzogen!

häufig

zum Heil

Mikulicz hat nie einen K rebs­ kranken durch die Operation ge­ heilt!

Er hat mir zur Zeit unseres

gemeinschaftlichen Wirkens offen gestanden, die

Operation beim Krebs sei wertlos und er­ klärt, sie müsse aufgegeben werden. — Das würde allerdings erst dann geschehen können, wenn der Grund der chirurgischen Unzulänglich­ keit und Unzulässigkeit beim Krebs wissen­ schaftlich aufgeklärt und vor Allem ein wirk­ liches Heilmittel, d. h. ein solches, das heilt und nicht schadet, gegen den Krebs ent­

deckt sein würde. — Ob das überhaupt jemals möglich sein und wie das der­ einst geschehen würde, davon hatten wir beide damals nicht die geringste Ahnung. — Daß, wenn diese damals für unlösbar gehaltene Frage wirk­ lich eine wissenschaftliche Lösung erfahren sollte, eine solche Großtat und dazu noch

Im Gegenteil.

der Wissenschaft und

ihren Beschützern um ihre die Menschheit be­ freiende Frucht betrogen werden würde, — eine solche Möglichkeit lag ganz außerhalb unserer und überhaupt jeder menschenwürdigen Vermutung.

Auch die Richtigstellung des dolosen Nach­ rufes war nichts anderes, als die, angesichts des ganz unnötiger Weise durch die sog. „Frühope­ ration“ , „zu früh" dahin operierten Chirurgen, von dessen schmerzerfüllten Angehörigen dem Schuldigen ins Gesicht geschleuderte Vorwurf, daß er d ie Unwahrheit gesprochen, d e n K r a nk e n z u T o d e o p e r i e r t und

von „Autoritäten“

15

durch den lügenhaften Nachruf sich s e l b s t s e i n e r S c h u l d ü b e r f ü h r t h a t . x)

derselben Hand

mit demselben Erfolg operiert wird, hat der aufsehen­ erregende Todesfall einer jungen Sängerin vor wenigen «Jahren bewiesen. Der Tod des Deutschen Botschafters v. Tschirschky ist, wie ich boi dieser Gelegenheit zu bemerken nicht unterlassen möchte, gleichfalls die Folge einer Operation gewesen. Zur Charakteristik des Vorgehens gegen den „K rebs“ wird auch folgendes selbsterlebte Ereignis bei­ tragen:

Im M ai 1905 kam der frühere Schauspieler und dama­ lige Kaufmann E. B. aus Brünn wegen eines angeblichen Krebses der Zunge zu mir. Die Untersuchung ergab die völlige Grundlosigkeit seiner Befürchtung. Es fanden sich wohl auf der Zunge und an der Schleimhautseite der W ange einige w eiße Flecke (Leukoplakie), aber nicht die Spur von Krebs. Sie verschwanden denn auch nach einigen Einpinselungen mit konzentrierter Jodtink­ tur. Trotzdem kam der Kranke wieder mit der Bitte, ihn in Behandlung zu nehmen, da er an Krebs leide. Dieser Bitte konnte ich, da kein Krebs vorlag, nicht willfahren. Und als der Kranke zum dritten Male zu mir kam, habe ich ihn nicht mehr empfangen. Das war im Februar 1907 der Fall. Ende März 1907 kam der Kranke jedoch wiederum zu mir und wußte sich durch die Angabe, es seien ganz besonders dringende Gründe, die ihn veranlaßten, wieder zu mir zu kommen, sich bei mir Eingang zu verschaffen. Ich war ganz betroffen über den Anblick, den er nun darbot. Eine lange und breite Narbe durchquerte das G e­ sicht des Besuchers und zog sich von der Mitte der Unterlippe über das Kinn und die rechte Halsseite bis zum rechten Kieferwinkel hin. An einigen Stellen war die Narbe noch offen und mit Heftpflasterstreifen ver­ klebt. Beim Sprechen öffnete sich nur die linke Hälfte des Mundes und verzog sich zu einer häßlichen Gri­ masse nach dieser Seite, während die rechte geschlossen blieb und nicht geöffnet werden konnte. Es waren die Mundäste des rechten Gesichtsnerven durchschnitten w orden und gelähmt. Zu dieser seiner traurigen Metamorphose gab mir der Bedauernswerte folgenden Kommentar:

Als er im Februar von mir nicht mehr empfangen wurde, begab er sich zu einem bekannten Chirurgen in W ien. Der sah ihn kurz an und fragte ihn barsch, ob er Familie

‘ ) Daß auch der Blinddarm von

16

v. B e r g m a n n .

Das Schicksal des Berliner Chirurgen v o n Bergmann, der bei dem am Krankenbette des krebskranken Kaisers Friedrich (1880) für und wider dieOperation ausgebrochenen Streit

besäße und sein Testament gemacht habe. „Es sei G e­ fahr im Verzüge, die nur durch eine sofortige Operation beseitigt werden könnte." Niedergeschmettert durch diesen Bescheid, sei der Unglückliche in seiner Todesangst zu einem zweiten Chirurgen gerannt. Es war derselbe, der Herrn Miku­ licz operiert und den „Nachruf“ geleistet hatte. Der

bestätigte die Angaben seines Kollegen im Großen und Ganzen, meinte aber, daß die Operation gar so dring­ lich nicht sei und daß es damit Zeit hätte, bis der Kranke noch nach Brünn gereist wäre und dort, wie eben ein gehorsamer Todeskandidat, seine Familienangelegenhei­ ten geordnet haben würde. Der Patient eilte nach Hause, machte sein Testament und ließ sich in einem W iener Sanatorium von dem zweiten Chirurgen operieren. E s wurden ihm Teile seiner Zunge, seiner Unterlippe und seiner Wange heraus­ genommen und damit zugleich die M und­ äste seines rechten Gesichtsne^veh

(N. f a c i a l i s ) d u r c h s c h n i t t e n . Als der so Zuge­

richtete soweit war, daß er mit Zurücklassung erheb­ licher Bestandteile nicht nur seines Körpers, sondern besonders auch noch seiner Barschaft das Sanatorium verlassen konnte, fragte er seinen Operateur, was er be­ züglich seiner Zukunft zu erwarten habe, da er gehört hätte, d a ß d e r Krebs auch nach der Opera­

tion wiederkehre. Dieser gab ihm die beruhigende Antwort: er könne sich als geheilt betrachten. — Denn, so fügte er mit lauerndem Bedacht hinzu, d ie mikroskopische Untersuchung der herausgeschnittenen, angeblich „krebsi- gen" Teile, welche Herr Prof. A lbrech t vorgenommen hätte, habe das absolute Fehlen von Krebs ergeben. Der Patient, der über diese Auskunft ebenso erfreut, als empört war,

kam nun deshalb zu mir, um für

die nachträgliche B e­

stätigung meiner Diagnose mir eine Art Genugtuung zu verschaffen, sich aber die bittersten Vorwürfe darüber

zu machen, daß er meinen Rat nicht befolgt hatte. Am allerwenigsten aber begriff es sein einfacher Laienverstand, weshalb die Notwendigkeit einer sogen. „K rebsoperation“ größer war, als die Sicherstellung der

17

der Aerzte eine bekannte Rolle gespielt hat,1) gleicht dem seines Breslauer Kollegen aufs Haar,

Als im Jahre 1902 die durch die Erfolge meiner Methode, den Krebs auf unblutigem Wege durch das Kankroin zu heilen, erregten Wellen der Verleumdung besonders hoch gingen, interviewte ein im Dienste meiner Gegner stehender medizinischer Reporter eines großen Wiener Blattes, gegenwärtig selbst Redakteur» Herrn Geh, Rat v. Bergmann über das Kankroin, weil er wußte, daß Herr v, Bergmann, der bereits in Sachen des Hirndrucks gegen mich eine schwereNiederlage erlittenhatte, seine chirurgische Gegnerschaft gegen das Kankroin in verdoppel­ ter Animosität zum Ausdruck bringen werde. Er hat sich auch nicht getäuscht. Denn zum nicht geringen Erstaunen aller unbeeinflußten Kreise erschien am 26. Juni gleichzeitig in der „Neuen Freien Presse“ und in einer Berliner Tageszeitung ein leidenschaftlicher Ausfall des Herrn v. Bergmann gegen mich, der sich bis zu dem Ausbruch verstieg: „Er kenne zwar das Kankroin nicht und wolle es auch gar nicht ken­ nen lernen; aber er halte es bezüglich des Kreb­ ses mit Blücher (!), der den Feind mit dem Schwerte geschlagen habe, wo er ihn traf! Auch

er schlage den Krebs mit dem Schwerte, wo er

ihn treffe! Und er vertraue der Kühnheit seiner

W a ffe!"--------

Diagnose durch das M ikroskop. Und weshalb die

Ope­

ration mit Todesdrohungen erzwungen w orden ist,

wäh­

rend die so folgenschwere Diagnose durch den mikrosko­ pischen Befund mit fassungsreicher und überlegener G e­ duld bis nach der Operation verschoben wurde, da sie doch ebenso gut und leicht vor derselben hätte aus­ geführt werden können, — was aber allerdings zwar nicht den Kranken, wohl aber die Operation hätte ge­ fährden können! Par nobile fratrum!

J)

Vgl,

Adamkiewicz:

Die

Krankheit

Kaiser

Friedrichs.

Der

Morgen.

W ien

1912,

29.

18

Ich will davon gar nicht sprechen, welche Rohheit schon in dem Bilde liegt, ein Schwert gegen einen Kranken, also ein wehrloses und da­ zu noch hilfesuchendes Geschöpf, zücken.und daß es,und zumal für einenakademischen Lehrer, eine schwere Verletzung beschworener Pflichten be­ deutet, für die nichts weniger als kriegerische und nichts mehr als friedliche, den Idealen rein­ ster Menschlichkeit dienende Wissenschaft der Medizin sich die Richtlinien des Handelns von der nichts mehr als kriegerischen und nichts weniger als friedlichen und menschlichen Strate­ gie ru holen. — Aber hervorheben muß ich doch, daß die brüske Ablehnung einer wissenschaftlichen und segensreichen Errungenschaft, die zwar die größten Triumphe feiert, „die man aber nicht nur nicht kennt, sondern, die man auch nicht einmal kennen lernen will“ , offenbar weil sie in die einträglichen, wenn auch für die Allgemeinheit verderblichen Privilegien einer Zunft eingreift, ein Verbrechen gegen Wissenschaft und Menschlichkeit bedeutet, welches denjenigen, welcher es begeht, aus der Wissenschaft und aus der Menschlichkeit ausschließt. Vollends unbegreiflich, sowohl in morali­ scher, als in intellektueller Hinsicht aber wird eine solche Tat, wenn derjenige, welcher sie vor der breiten Oeffentlichkeit begeht, sie gleich­ zeitig hinter seinem eigenen Rücken und im Stil­ len zurücknimmt und damit sich selbst Lügen straft!

am

26, Juni 1902, an welchem der Hauptvertreter des chirurgischen Lehrfaches in Deutschland vor dem Publikum der beiden Hauptstädte von Deutschland und Oesterreich mit der „Blücher- schen Kühnheit" seines Messers flunkerte, hat er den Oberstabsarzt Dr, Lutz aus Metz, seinen einstigen Schüler und Assistenten, der am Krebs

Denn

an

demselben

Tage,

19

der Zunge erkrankt war, den er aber, — wahr­ scheinlich aus ihm noch übrig gebliebenen Resten menschlichen Fühlens heraus — der „Kühnheit seines Messers" nicht anvertrauen wollte, zu m ir geschickt, damit ich

i hn mi t m e i n e r u n b

u n d u n b 1u t i g - f r i e d 1i c h e n M e t h o d e behandle. Als ich von dieser, sagen wir Inkonsequenz Sr. chirurgischen Exzellenz verblüfft, ihr öffent­ lich prophezeite 1), sie würde mit ihrem Kampf gegen mein Kankroin nicht mehr Glück haben, wie sie dereinst mit ihrem Kampf für ihren „Hirndruck“ gehabt habe, da konnte ich es aller­ dings nicht ahnen, daß mir das Verhängnis so schnell und in so überaus tragischer Weise Recht geben und auch diese „Leuchte der Wissen­ schaft“ wie eine ganze Reihe gleichwertiger hü­ ben und drüben mit seinem Schwert zu Bo­ den strecken würde.

Im Jahre 1907 ist Herr v. Bergmann er­ krankt. Und obgleich er selbst an sich die Diagnose „Krebs“ gestellt hat, so konnte er sich dennoch nicht entschließen, gegen sich selbst nach der operativen Methode „Blücher" vorzu­ gehen, obgleich er sie öffentlich so sehr gerühmt hatte. — Und als er sich dennoch, von seinen im Banne seiner Lehre stehenden Schülern ge­ drängt, hat operieren lassen müssen, hat er das­ selbe Schicksal erlitten, das er so oft Anderen bereitet hat, — er ist gestorben. — Wenn es dann auch aus taktischen Gründen gegen mich — die Ausfälle der Chirurgie und ihrer journa­ listischen Helfer, die seit ungefähr 25 Jahren die gesinnungslosen Blätter füllen, gelten ausschließ­ lich mir — hieß, Herr v. Bergmann hätte gar nicht an Krebs gelitten, — man wollte den Miß­ erfolg der Operation, zumal es sich um Herrn

1ü c h e r i s c h e n

Neue

Freie

Presse

10. Juni

1902.

20

v. Bergmann handelte, nicht eingestehen, — so hat man klugerweise ganz übersehen, daß man mit dieser Erklärung erst recht meine Behaup­ tung bekräftigt hat, d a ß b e i Krebsopera­ tionen nicht der Krebs, sondern die Operation die Kranken tötet.

P o i r i e r.

Ein weiteres Opfer seiner eigenen Lehre war der hier schon einmal genannte Pariser

Chirurg,

Am 23. Oktober 1906 hatte ich, nach wie­ derholten Einladungen, in der Akademie der Me­ dizin zu Paris als deren Mitglied einen Vortrag zu halten: „Ueber die den Krebs t ö t e n d e W i r k u n g des K a n k r o i n und die dadurch vom Kankroin herbei­ geführte Umwandlung des Krebses in B i n d e g e w e b e , also Hei l ung des Krebses“, gesprochen1).

Ich tat das nicht nur der überaus großen Wichtigkeit der Sache wegen, sondern auch zu dem Zweck, um endlich einmal vor dem offi­ ziellen und dazu berufenen Forum der Wissen­ schaft Schutz zu finden nicht nur gegen die plan­ mäßigen und unerträglichen Vergewaltigungen,, welche die neue erlösende Wahrheit von der einen Seite erfuhr, die durch sie materiell ge­ schädigt zu werden fürchtete, sondern auch gegen die organisierten Einbrüche, welche in meinen geistigen Besitz von einer eigens zu die­ sem Zweck gebildeten „Gelehrten“-Cotterie aus­ geführt wurden und die ihren feierlichen Ab-

Herr

P o i r i e r,

*) Transformation du cancer en li ssu conjonctif sous l’influence de Ia Cancroine. Bulletin de l’Acad. de Med.

1906.

Seance du 23. O ct Aerztl. Rundschau, München

1906.

45.

Vergl auch meinen Aufsatz: Die bisherigen Erfolge

meiner unblutigen Behandlung des Krebses und die „A u -

<oritäten.”

Med.-Bl.

1907.

Nr.

12— 15,

21

Schluß in der von den drei Exzellenzen Ley­ d e n , C z e r n y und E h r l i c h am 26. Septem- tember 1906 zu Heidelberg konstituierten sog. „Internationalen Krebskonferenz“ gefunden hatten. Ich habe darüber in meinem auf der Ver­ sammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte zu Köln a, Rh, am 25. September 1908 gehalte­ nen Vortrag ausführlich berichtet2). Doch hat die damalige Schriftleitung dieser Versammlung meinen Vortrag, nachdem sie ihn durch allerlei Chikane zu vereiteln versucht hatte, verzettelt und dafür Sorge getragen, daß über seinen wichtigen Inhalt ni c h t s in die O e f f e n t - lichkeit dringe. Ich war überzeugt, die Akademie der Medi­ zin zu Paris, die für meine Entdeckungen große Preise ausgesetzt hatte, würde in Anbetracht der von ihr selbst erkannten großen Wichtigkeit meiner Entdeckungen von der Parasiten­ n a t u r , d e r G i f t i g k e i t und d e r H e i l ­ barkeit des Krebses durch das Kankroin, zumal diese wichtigen Entdeckungen sich in schwerster Gefahr befanden und deshalb von mir unter ihren besonderen Schutz gestellt wor­ den waren, ein Machtwort sprechen und damit nicht nur der Wissenschaft, sondern ihrem eige­ nen Ansehen einen Dienst leisten. Auch hier hat mich, wie schon so häufig, mein Optimismus getäuscht, Herr P o i r i e r hielt vielmehr als Antwort auf meinen Vortrag in der acht Tage später folgenden Sitzung der Akademie vor der, wie es schien, bereits informierten und deshalb sichtlich befangenen Versammlung eine Rede über die Wunder des Messers beim Zungen­ krebs, in der er seine schon erwähnte Statistik

2)

Ueber

den

gegenwärtigen.

Stand

der

Krebsfrage.

Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte zu

1908.

Köln a.

Rh. am

26. Sept.

22

zum Besten gab und m it Verschweigung meiner acht Tage vorher der Aka­ demie mitgeteilten so e i n s c h n e i ­ denden Ergebnisse meiner Krebs­ forschungen sich bis zu der Tirade ver- stieg: „Das Messer sei das einzige Heimittel des Krebses, — und das Krebsproblem könne nur in Frankreich gelöst werden." Wozu das von mir bereits gelöste Krebs­ problem auch noch nach Französischer Art zu- bereitet und der Welt als ein neues Gericht vor­ gesetzt werden sollte und wozu ein solchesHaut- goüt-Gericht überhaupt noch notwendig war, da ja das Poiriersche Messer dasselbe ganz über­ flüssig machte, war zwar, zumal nach seinem doppelt mörderischen, denn nicht nur die Ope­ rierten, sondern auch den Operateur vernichten­ den Verfahren nicht einzusehen, — allein ein reiches Mitglied der Akademie ließ sich durch solche Reflexionen nicht beirren, sondern stiftete für die Französische Lö­ sung d e s schon von mir gelösten Krebs­

problems 100 000 Frcs. Und die Akademie, die mir nicht nur die allerdings nicht in Frankreich erfolgte Lösung des Krebsproblems, sondern auch noch diese aus so patriotischen Motiven und zu so edlem Zweck gestiftete Geldspende, mir also d oipp e l t e n D a n k, schuldete, votierte den ein­ fachen, aber um so tiefer gefühlten Dank — dem Geldsack und hat damit ihre Bereitwilligkeit ausgedrückt, auch in Frankreich, was in Deutsch­ land eben geschehen war, einen Französischen Ehrlich, oder dergleichen Wassermann zu finden, der dafür belohnt werden sollte, daß

er d a s v o n m ir bereits

Krebsproblem noch einmal, sagen wir:

„löse", nach der jetzt auch in der Wissen­

schaft ganz angenommenen, belohnten — für meine Arbeiten über das Pepton, über den Krebs und über die motorischen Eigen­

gelöste

23

s c h ä f t e n d e s K l e i n h i r n e s haben Andere

N o b e l p r e i s e 1)

des Gesetzes „Von der Erhaltung der Materie“ an Stelle des Gesetzes „Von der Erhaltung der Kraft" den Orden pour le merite erhalten — und gefeierten Methode des heiligen Crispinus. Kaum sind nach diesen in der so reinen Luft der höchsten Wissenschaftsregionen erfolgten, so denkwürdigen Ereignissen einige Monate ins Land gegangen, als auch unser Messerheld Poi- rier von der Akademie, und zwar gerade an sei­ ner Spezialität, am Zungenkrebs, erkrankt und natürlich auch gestorben ist. Er hat aber nicht nur durch sein Wirken, sondern auch durch sein Sterben sich noch ein besonderes Verdienst um die Akademie, für die er so sehr sich bemüht hat, erworben. Er hat ihr ein reiches Material zur Entscheidung der neuen Preisfrage hinter­ lassen, ob er mehr für seine Wissenschaft, oder mehr für seinen Chauvinismus ein Denkmal ver­ diene,

N e u ß e r.

und für meine Auffindung

An das Schicksal dieses bekannten Chir­ urgen möchte ich zum Schluß noch das eines Internisten knüpfen, weil es gleichfalls nicht nur mit absolut einwandfreier Klarheit die G e ­ meingefährlichkeit der Krebsope­ ration beweist, sondern weil es sich auch in diesem Falle wie eine vom Verhängnis voll­ zogene Strafe für eine an meiner Sache verübte tragische Schuld aus­ nimmt. In einem gegen eine chemische Fabrik (M, in D.), der die Darstellung des Kankroin anvertraut war und die V e r t r a g sb r u c h — in Wahr-

*) Vgl.

meine

„Berichtigung“

der M edicin",

larvung"

1916/17 Nr. 5

1916.

Hannover

und

in

den

„Fortschritten

und

„Abrechnung

Ent­

24

heit Bücherfälschung und Betrug — beging, wie

gerichtsmäßig festgestellt worden ist, ohne daß ihr das „rechtlich“ geschadet hat, hat Herr Hof­ rat Neußer gemeinsam mit einem chirurgischen Kollegen, demselben der Mikulicz operiert und

idann

einen

Nekrolog

für

sich

ver­

öffentlicht hat, als sog. „Sachverständi­ ger" fungiert. Als solcher hat er in Ueberein-

stimmung

klärt, — wofür sich beide eine ungeheuerliche

Sachverständigengebühr haben zahlen lassen und

mit Hilfe

— , nicht

her

K r e b s ,

mit seinem Kollegen

des

nur,

unter Eid

er­

Gerichts auch erpreßt haben,

daß

mein

17

Jahre

vor­

über den

g e n a u

(Untersuchungen

W i e n

1 8 9 3 ,

S,

46 — 8 9),

beschriebenes Mittel ein „Geheimnis"

heit wird

ben — und dasKankroin, das nie geahnte Erfolge aufweist und überwältigende Triumphe feiert (vgl. Heilung des Krebses. Wien 1903. Forscher 1914, Nr, 8. Fortschritte der Medizin 1917, Nr, 14 und 32), „wirkungslos wie Wasser“ sei, — sondern auch, daß meine von allen unterrichteten und ehrlichen Sachver­ ständigen verstandene und anerkannte Theorie vom Parasitismus des Krebses „unwissenschaft­ lich“ und das „einzige Mittel, den Krebs zu ,hei- lei‘, die — Operation wäre,1) —

für

s ie

s e l b s t

und

i h r e

U n w i s s e n ­

es allerdings ein solches sein und blei­

*) Dieses wahrheitswidrige, also verbrecherische sog. „Gutachten” , auf Grund dessen die erste Instanz ein für mich ungerechtes Urteil gefällt hat, ist auf dem W ege

von

und folglich von den drei Schuldigen unterschla­ gen worden. Trotzdem hat die zweite Instanz und so­ gar die dritte das ungerechte Urteil des ersten b e ­ stätigt. Mit dieser empörenden Vergewaltigung und Willkür, welche an die Rechtsgräuel des Mittelalters (Las Casas) erinnern, haben sich die Gerichte nicht nur z u r Gerechtigkeit und Zivilisation, son­ dern auch z u d e n eigenen Vorgesetzten Be-

der

ersten

zur

zweiten

Instanz

verschwunden

25

Einige Jahre nach diesem nicht nur „wissen­ schaftlich“ , sondern auch moralisch mehr als nur bedenklichen Debüt ist Herr Hofrat Neußer selbst am Krebs der Nieren erkrankt. Und ob-

h ö r d e n in W i d e r s p r u c h g e s e tz t . Denn das Ministerium des Innern hat durch Reskript vom 2 9. J u l i 1 9 0 3 an die N. - Oe, Statthalterei — wörtlich abgedruckt in meiner Broschüre: D e r

K r e b s

1905, S. 33 — unter ausführlicher Besprechung so­

wohl der Zusammensetzung, als der schon damals auf das Sicherste erwiesenen W irksamkeit des Kankroins meine M ethode der unblutigen Krebs­ behandlung „im öffentlichen sanitären Inter-

e s s e “ , w ie es wörtlich und ausdrücklich im Erlaß heißt, auf das Angelegentlichste empfohlen. Und es haben so­ wohl der damalige Herr Justizminister (Dr. K.), als auch der Herr Staatsanwalt (Sch,), an den ich mich zum Z w eck der Bestrafung der falschen und offenbar gedungenen „Sachverständigen“ gewandt habe, nicht nur im Befrem­ den über das Verhalten der ersten Instanz mir gegenüber ausgesprochen, sondern auch eine Remedur ihres unge­ rechten Urteils durch die höheren Instanzen erwartet. Auch ihre Erwartung ist getäuscht w o r ­ den. Solche Mißbrauche in der Rechtspflege können, unmöglich dem Ansehen eines „Rechtsstaates" nützlich sein, in dem ein Bund „autoritativer“ Ignoranten aus ge­ meiner und entmenschter Selbstsucht seit bald dreißig Jahren die Menschheit um die Früchte meiner Arbeit,, die hier das höchste menschliche Gut, das Leben, be­ deutet, systematisch und, obwohl die Glieder die­ ses Bundes ebenso viel Todesstrafen verwirkt haben, als sie Tode verschulden, straflos betrügt und in dem Kaiser Josef II. von der Burg aus laut, vernehmlich und.

zum Zw eck der Nachachtung nicht nur sondern auch der ganzen W elt verkündet

W ien

u n d

d i e

„ G o l d e n e

S t a t u e ’,

seinem Reich,

hat:

Justitia

regnorum

fundamentum.

Im Lichte des nachfolgenden Schreibens, das die

von dem Primararzt Dr. Schatzl in Melk wegen Brust­ krebs erfolglos operierte und dann von ihm und

als u n -

heilbar erklärte und aufgegebene, aber von mir in weinigen Tagen auf unblutigem Wege geheilte Kranke („Fortschritte der M edizin" 1916/17, Nr, 32) an mich gerichtet hat und das zugleich nicht nur ein rührendes Zeugnis edler, in unserer Zeit so seltener Dankbarkeit und Gesinnung ablegt, sondern

dem Herrn Oberbezirksarzt Dr, Forstreiter

26

gleich er diese Diagnose an sich sehr früh ge­ stellt hat und obgleich er sich also so „früh als möglich" und dazu noch von dem von ihm selbst gewählten Chirurgen die kranke Niere hat her­ ausschneiden lassen, so ist er doch sehr bald

auch

ein

bedeutungsvolles

Kulturdoku­

ment

darstellt,

erhält

das

an

mir

begangene,

 

k u 1 -

t u r s c h an d e r i s c h e

R e c h t s v e r b r e c h e n

noch

eine

besondere

grelle

Beleuchtung.

Die

von

mir

geheilte

Krebskranke

schreibt

 

w ört­

lich:

 

Pöggstall

bei Melk,

26.

4.

17.

Sehr geehrter Herr Professor!

Nicht nur, weil Herr Professor es gewünscht haben,

ich solle Nachricht geben über mein Befinden, sondern auch, weil es mich drängt, meine große Freude über

-dasselbe

kundzutun, richte

ich

diese

Zeilen

an

Sie.

Denken Sie sich, werter Herr Professor, alle die har­ ten Stellen in der Brust sind verschwunden und fühlt sich diese so weich an, w ie vor meiner Erkrankung. W ie glück­

lich ich darüber bin, können Herr Professor nach meiner Verzagtheit und meinem Entsetzen vor dem qualvollen Hinsterben ermessen. — W as wäre heute mit mir, wenn

mir

ten, — dem größten A rzte hätte finden lassen! In Elend und Jammer würde ich den schrecklichsten Qualen ent­ gegengehen, oder dieselben schon erleiden müssen. So

aber freue ich mich wieder des Lebens, — bin gerettet.

— gerettet!! Durch Ihre hohe Wissenschaft, Ihre Hilfe.

Gottes Fügung

nicht

den

W eg

zu Ihnen,

dem

größ­

W orte, um meinen Dank hierfür aussprechen zu kön­

nen, lassen sich nicht finden. Alle, alle sind zu gering. Nur fühlen kann ich die Dankbarkeit und Schuld mit ganzer Seele. —

große W orte mir unlieb

sind. Hier aber kann ich nicht anders, als es als Ver­

brechen

deckung so unterdrückt, so wenig gewürdigt wird.

Sie

sund erhalten zum W ohle der armen, der ärmsten M en­

schen und Ihnen die Zeit endlich die verdiente A ner­

kennung, — den Sieg über all’ die niedrigen, Sie hem-,

menden Kreaturen

Dies aus dankerfüllte», ehrlichem Herzen wünschend, zeichnet

Herr

Professor

wissen,

daß

daß

bezeichnen,

G ott

Ihre große Ent­

noch

recht

lange

ge­

M öge

der liebe

nur

erleben lassen. —

hochachungsvoll Baronin v. C.—■

27

darauf, — ein (ihn) schlagender Beweis, daß die Operation „das einzige Mittel sei, den Krebs zu heilen", — und zwar eines besonders elenden Todes gestorben, — immerhin noch glücklicher, also sein sog. „sachverständiger Kollege“, der seine Schmach als moralisch Toter wird zeit­ lebens tragen müssen, bis er sie selbst endet. — Trotz dieser die mechanische sog. „Behand­ lung“, in Wahrheit Mißhandlung des Krebses — Operation, Radium, Aetzen und Brennen — ver­ dammenden Erfahrungen wird dieses selbst im Altertum verurteilte System der bewußten Men­ schenschinderei aus Geldgier straflos an der be­ törten und planmäßig im Dunkeln gehalte­ nen Menschheit fortgesetzt und fordert Opfer, die täglich nach vielen Tausenden zählen, die wie die Glieder einer mathematischen Reihe ohne Ende aufeinanderfolgen, deren Einför­ migkeit von Zeit zu Zeit nur durch bekanntere Namen unterbrochen wird, wie Kainz, Herzog v. Avarna, Fejervary, Tschirschky, der arme Zeppelin usw. in infinitum, und bei denen man entsetzt sich fragen muß, ob sie nicht dem Leben erhalten worden wären, wenn sie dem Operationswahn nicht anheimgefallen wären! Es gibt keinen Einsichtigen, der nicht wüßte, daß die Operation den Krebs nicht heilt, und keinen, der nicht davon überzeugt wäre, daß, wenn nach einer eingreifenderen Operation der Kranke stirbt, dessen Tod nicht die Folge der Krankheit, sondern der Operation ist. —• Und dennoch wird ohne jedes Zaudern und Bedenken immer wieder und immer wieder weiter ope­ riert. — Wenn also das Schneiden beim Krebs be­ wußt nicht im Interesse des Kranken geschieht, —•in wessen Interesse geschieht es? Einzig und allein in dem sei - n i g e n ! — Ein solches einseitiges Interesse nennt man,

2.8

wenn es nur schädigt, Betrug, wenn es vor dem Tode des Geschädigten nicht zurückschreckt — Mord oder Raubmord.1} In welches „Haus“ gehören diese? Schon Sulla (88 v. Chr.) hat dieses ärztliche Morden aus Geldgier gebrandmarkt und dafür in seiner Lex Cornelia Deportation und Todes­ strafe bestimmt. Die Dreistigkeit, mit welcher hier der Zynismus Vernunft und Menschlichkeit verhöhnt, beweist, daß die Lex Cornelia auch heute zu Recht bestehen sollte. Noch im Januar 1917, also ein Vierteljahr­ hundert nach der Entdeckung der Krebsparasi­ ten und des Kankroins, wagt es eine Med. W., einen Aufsatz zu veröffentlichen, in welchem als „zuverlässiges“ Mittel, den Brust­ krebs zu heilen, die Operation mit nachfolgen­ der Radiumbestrahlung empfohlen wird, die „durch zwei Jahre fortgesetzt werden müsse“. — Bei der bekannten Unwissenheit und Indo-

1) Daß es sich hier um ein eingewurzeltes Uebel han­ delt, das Menschlichkeit und Kultur verhöhnt, beweist der Umstand, daß das zw ecklose Schneiden schon im

Altertum Gegenstand der ernstesten Sorge und später des klassischen W itzes geworden ist. — Plato sagt (Politicus p. 298): „W en die Aerzte schädigen wollen, den schädigen sie, indem sie ihn schneiden und brennen und nötigen, Aufwand zu treiben „als Tribut“ für sie. Den benutzen sie mit den Ihrigen für sich selbst. Und

schließlich

Kranken

— schieht noch heute, w ie ich das aus eigener Erfahrung bestätigen kann.) — Scarron (gest. 1660) witzelt:

nehmen sie von Verwandten und Feinden des

Geld

zum

Lohn,

um

ihn

zu

töten.

(G e­

.

.

les

doctes

assassins,

que

nous

appellons

medecins.“

Und Moliere höhnt in seinem „Eingebildeten Kran­ ken": „W enn ein Schuster sein Leder verschneidet, so muß er es ersetzen. — Der Arzt, der sich am Leibe des Kranken verschneidet, läßt sich dafür noch zahlen. — Und die Toten sind gar artige und verschwiegene Leute, die sich über den Arzt, der sie umgebracht hat, ebensowenig beklagen, — wie ihre lachenden Erben.“

29

lenz des Laienpublikums, vor dem eine bekannte Organisation die Wahrheit systematisch ver­ birgt, ist es leicht begreiflich, daß es der Lüge, dem Truge und der unerhörten Ausbeutung widerstandslos unterliegt. Heißt die angeführte Krebsbehandlungs­ methode etwas anderes, als den Mord und die Menschenschinderei2) (das Radium verbrennt den Kranken, Gesundes und Krankes, aber heilt den Krebs nicht) in Permanenz erklären und aus dieser Permanenz wie aus einer ununterbrochen fließenden unsauberen Quelle sündhaften Ge­ winnes schöpfen? Als vor Ambroise Pare y) (1509—1590) die blutenden Wunden der in den Schlachten ver­ letzten Krieger in siedendes Pech getaucht wur­ den, damit sie zu bluten aufhörten und die Opfer dieser Art von Blutstillung, wie Pare be­ schreibt, am Morgen im Starrkrampf oder tot im Lager gefunden wurden, dauerte das Martyrium dieser armen Opfer grausamer Unwissenheit nur wenige Stunden. Der Medizin des 20, Jahrhunderts genügt ein nur Stunden dauerndes Martyrium nicht. Um ihren Sadismus zu befriedigen, muß sie Jahre lang sich an der Qual der unglücklichen Menschen weiden! Diese alle Jahrhunderte überdauernde, jeder Menschlichkeit, jeder Aufklärung trotzende, die Kultur und Civilisation verhöhnende medizi­ nische Schmach schreit nach Erlösung. Sie ruft laut und eindringlich:

Die Krebsoperation ist nicht nur u n - wissenschaftlich, sie ist auch sünd­ h a f t und b a r b a r i s c h .

s)

Vergl.

meine

Abhandlung

im

„Forscher".

1914.

Sept.

3)

Adamkiewicz:

Die

mech.

Blutstillungsmittel

von

Pare

bis

auf

die

neueste

Zeit.

Gekrönte

Preis­

schrift

der

» e d .

Fakultät

zu

Würzburg.

Berlin

1872.

30

die

Kranken, Da die Moral es verbietet, daß Millionen von Menschen sterben, damit einige Dutzend Chirurgen leben, so ist es ein Erfordernis der Kultur, mit der Krebsoperation ein Ende zu machen und die Krebskranken unter gesetz­ lichen Schutz zu stellen, wie ich das schon im Jahre 19144) ausgesprochen habe.

An die Stelle der Krebsoperation hat die auf dem Parasitismus des Krebses wissenschaftlich aufgebaute Behandlungsmethode der inneren Desinfektion des krebskranken Körpers zu treten.

Diese Methode tötet die Krankheit und heilt die Kranken, wie das meine Demonstration im Sanitätsdepartement des Ministeriums des Innern vom 20. November 19131) und die neuen regelmäßigen, untrüglichen und immer glänzen­

deren Kankroin-Triumphe2) folgen definitiv beweisen.3)

Sie

heilt

nie

den

Krebs,

tötet

aber

nach

endlosen Er­

Die

strenge

Durchführung

einer

wissen­

schaftlich rationellen Behandlung des Krebses nach den von mir festgestellten Grundsätzen ist ebenso eine unaufschiebbare Kultumotwendig- keit, wie die weitere Verschleppung und Störung dieser Durchführung als ein verdammungswür-

’ ) Heilung eines vorgeschrittenen Zungenkrebses mit

Rundschau.

Hilfe

meiner

Kankroinmethode.

Aerztl.

1913.

48.

5)

Fortschritte

der

Med.

1917, Nr.

14,

Der

Schluß­

sieg meiner Kancroinmethode, die Spätoperation und die

chcmische Reinigung des Krebses,

3)

In letzter

Zeit

habe

ich

einen

nach

einer Opera­

tion recidivierien

Brustkrebs mit Hilfe meiner Kan­

kroinmethode in

wenigen

Tagen

geheilt.

(Fort­

schritte der Medizin. 1916/17, Nr. 32. — S, Brief Fuß­

note

S.

34. -—

*) Die Krebsoperation und der gesetzliche Schutz der

Krebskranken.

Aerztl. Rundschau

1914.

3.— .

31

diger Frevel an ihr und an der Menschlichkeit­ gebrandmarkt werden muß. Sobald dieses Kulturerfordemis erfüllt sein wird, wird für die Menschheit eine neue Zeit anbrechen, die Zeit der Befreiungdersel- ben von ihren beiden grausamsten Despoten, dem Krebs und dem

Messer.

An der Wende dieser neuefi Zeit aber wird sich ein Markstein erheben. Auf der der überwundenen Vergangenheit zugekehrten, dunklen Seite dieses Steines wer­ den über einem unübersehbar weiten Felde von Leichen ein Ungeheuer mit grundlosem Rachen und zwischen seinen Zähnen ein von Blut trie­ fendes Messer zu sehen uud darunter in gleißen­ den Lettern die Worte zu lesen sein:

„Die

Operation

ist

gelungen,

aber

Auf der der neuen Zeit zugewandten Seite des Steines wird eine strahlend aufgehende Sonne den von Licht überfluteten und von Leben erblühenden endlosen Weg in die vom Krebs be­ freite Zukunft erhellen und in goldigen, unver­ gänglichen Buchstaben die Erlösung verkünden:

der

Kranke

ist

gestorben,“

D er Krebskranke

wird leben und

gesund werden, weil er nicht o p e ­ riert werden darf.

Wien, Mai 1917.

Druck: Gustav Ziemsen Berlin NW. 87

Valuta und Kriegsziel

5 Aufsätze von

Dr. V. K a u tZ S C h -B ra u n -P fitZ e r (Banken und Börse,

3. Auflage)

— 300 Urteile.

Der Staat und die Sozialdemokratie seit 1914

von

Dr.

W .

V. K autZSCh.

G. Ferrero über Deutschland und die Kriegsursache

(sensationell) Von

Dr.

PaSSOW und

E. DißtZC.

Schriften zur Rasseveredelung:

Mehr Schutz der Familie!

Von

Erstem

Staatsanwalt Z6Ü8F, Dr. med. PaiilUS u. Prof.

4 Hefte

der

„Natur und

Gesellschaft“

Weltl.

Mutter und Kind der Zukunft im Spiegel der Eugenik.

Von

Dr. nied. Schuster.

Ueber SeXUalODtimiSmUS (Sittliche Forderungen).

Von

Kgl. Polizeiarzt a. D. Dr. med. Dreuv-Berlin.

Geist des Verbrechens.

Von

Staatsanwalt Kgl. Amtsgerichtsrat Dr. E. Wulffen.

Fichtes religiöser Staat und die theol. Kritik.

Vom

Herausgeber der

„Natur und Gesellschaft“

Dr. Dietze.

Geh. Med. Rat Prof.

Dr. v. Waldeyer:

Vom Leben und vom Tode Das Shakespeare Bacon-Problem

Nach

dem

neuesten

Stande

der Wissenschaft kritisch behandelt

in 23 Aufsätzen von

Dr. Dietze.

Glänzend beurteilt. M.

Bd. III/IV

der

„Natur

18,—

Einzelne Hefte

geh., M. 26,—

1

M.

geb.

und

Gesellschaft“ .

— — ' Vorrat nur noch sehr gering!

,,Natur und Gesellschaft“ Verlag

Berlin-Lichterfelde-Ost, Goethestr. 20.