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Missale Beneventanum in Berlin

von
Sieghild REHLE
(Regensburg)

Die im folgenden in bersicht dargebotene Missale-Hand-


schrift wird seit 1930 unter der Signatur Ms. lat. fol. 920 in
der Deutschen Staatsbibliothek Berlin aufbewahrt 1 Nach
B. Bischoff stammt der Codex aus Dalmatien, wo er sich auch
zuletzt befunden haben soll. Er ist in der 1. Hlfte des 12.
Jh. geschrieben 2 und vermutlich fr ein Benediktinerkloster
bestimmt gewesen, da im Libera des Canon die Heiligen
Benedikt und Maurus genannt werden, wie auch Eigenmessen
fr diese vorhanden sind. Dass das Messbuch nicht fr eine
Pfarrkirche bestimmt war, zeigt das Fehlen der Taufwasser-
weihe am Karsamstag.
Als jngere Handschrift verdient unser Messbuch nicht
mehr das gleiche Interesse wie die beneventanischen Codices
des 10./11. Jh., bietet aber trotzdem noch erwhnenswerte
Besonderheiten. Die erhaltenen Bltter wurden mit Aus-
nahme des stark beschdigten ersten Blattes von 1-169 durch-
numeriert. Die Masse des Manuskripts sind 28 :19 cm fr
die Bltter und 22 :13 cm fr den Schriftspiegel. Die bene-
ventanische Minuskel ist in 29-30 Langzeilen von einer ein-
zigen Hand geschrieben. In etwas kleinerer Schrift erscheinen
die neumierten Gesnge. Von den Initialen wurde jeweils die

1 Siehe dazu K. GAMBER, Codices Liturgici Latini Antiquiores


(Spicilegii Friburgensis Subsidia, 1) 2. Aufl. Freiburg/Schweiz 1968)
Nr. 477 (abgekrzt: CLLA). Mgr. Gamber sei fr seine Mithilfe
herzlich gedankt.
2 Erstmals erwhnt bei E. A. LoWE, A new List of Beneventan

Manuscripts, in Collectanea Vaticana II (Studi e Testi, 220) Roma


1962, 211-244, hier 216.