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Zum mittelalterlichen Nachleben

der sptantiken Genesisversifikation


'Alethia' des Claudius Marius Victorius 1

von
Th. GRTNER
(Mnchengladbach)

Die Genesis-Versifikation 'Alethia' des Claudius Marius


Victorius (gestorben nach Gennadius unter den Kaisern
Theodosius und Valentinian, also zwischen 424 und 450) gehrte
nicht zu denjenigen Bibeldichtungen, die aufgrund ihres theologi-
schen Gehalts von kirchlicher Seite geschtzt wurden. Gennadius
urteilt in seiner Fortsetzung von Hieronymus' literaturgeschichtli-
chem Werk 'de viris illustribus' folgendermaen ber die 'Alethia'
(cap. 61):
... tres versu edidit libros Christiano quidem et pio sensu, sed utpote saecu-
lari litteratura occupatus homo et nullius magisterio in divinis scripturis
exercitatus levioris ponderis sententiam figuravit.
Aus ~iesem ungnstigen Urteil ber den theologischen Gehalt
der 'Alethia' drfte sich auch die schmale berlieferung des Werks
erklren, von dem sich nur eine einzige Handschrift bis in die
Gegenwart erhalten hat, nmlich der auf das neunte Jahrhundert
datierte Parisinus latinus 7558, der sich in der Mitte des 16.
Jahrhunderts in der Bibliothek des heiligen Julianus in Tours
befand 2 Im Gegensatz dazu sind die geradezu kanonisch geworde-

1
Die vorliegende Arbeit entstand im Zusammenhang mit einer von der Fritz-
Thyssen-Stiftung grozgig gefrderten mittellateinischen Forschungsunter-
nehmung.
2
Vgl. die Praefatio der Ausgabe von P.F. HOVINGH, Corpus Christianorum ser.
lat. CXXVIII, S. 117, und den dort zitierten P. LEJAY.

Sacris Erudiri 39 (2000), 99-104 BREPOLS'!!IPUBLISHERS