English Abstract We commemorate in the year 2009 the third liberal revolution in Germany. After the european liberal revolution of 1848 / 49 and the social-democratic and republican Revolution of 1918/19 was the revolution of 1989 a contribution to the global liberation from communism. In contrast to the fractional class of capitalists have state classes a high degree of centralization. The use of the surplus product, they are not subject to market competition, which would force a re-investment. "The state classes are rather free of the social surplus product for their own consumption to be used as long as the stability of the political system is not threatened." (Hartmut Elsenhans) The State class acts in the tension between self-interest of privilege and the need to legitimize their own power. Rent and profit are two different forms of surplus product. State classes are the owners of rents. Communist state classes fight to legitimize their power from the opposition to capitalism and bourgeois-liberal democracy. They wont to create an ideological identification of interests of workers with a majority of the officials of the power structures. Without constant massive influence and control this identification can not be forced. Communist elites need the strong control of society, they can not have free press and free publicity, so they need also the secret service as their only reliable sources of information. Before the eyes of the world, the elites struggling desperately to provide a strong facade, fake a powerful image. They are well aware of their secret service, that the majority of the population in the communist state is thinking, that the communism is not worth defending. To the asked issue an overview is offered, remembering what happened. But this also with normative questions: How the government unit for the majority would have been created better? What are the dangers in such a transition? What can we learn from the german case for Korea? How could succeed in the destabilization of the dictatorship in North Korea? How we can promote thus the reunification of Korea as a republic? From the year 1985, the subversive groups in east-german "GDR" to assume, that the Soviet Union would have under Michail Gorbachev no longer interested in the defense of the government in East-Germany. Today we can see in China there are three taboos: free trade unions, the leadership of the Communist Party and human rights. It's just a matter of time until the government of China to the preservation of power in his own country is closer than the interest to be the protector of the North Korean dictatorship. In this respect, the situation could soon become comparable with the final phase of the east-german "GDR": The government of a part-state loses its supporting and protecting of a major power. Then my thesis: Communist elites can maintain their power only as long as they are able both to prevent the escape as also the organized resistance of the population. Finally, I offer fourteen recommendations for South Korea to the discussion. For the resistance in a dictatorship is nothing more important than the external support and the media world's attention. Edition Kritik & Kreation 2009

국제학술대회
Internationale Konferenz der Koreanisch-Deutschen Gesellschaft für Soziologie und des Koreanischen Institutes für Nationale Vereinigung anlässlich des 20. Jahrestages des Berliner Mauerfalls
통일 전후 동독 권력엘리트의 사회적 지위 변화 Veränderungen im sozialen Status der ostdeutschen Eliten vor und nach der Wiedervereinigung

발제 I: 통일과정에서의 동독 권력엘리트의 취급에 관한 연구 올리버 클로스 Referat I 2009 년 9월18일 금요일 18. September 2009, Freitag, 10 Uhr Die Behandlung der ostdeutschen Machteliten im Zuge der deutschen Wiedervereinigung Oliver Kloss

Seoul

Dongguk Universität

18. – 19. September 2009

Unterstützung: Friedrich-Ebert-Stiftung (Korea) Ministerium für Wiedervereinigung der Republik Korea Institute for North-Korea Studies der Dongguk Universität in Seoul

발제 I: 통일과정에서의 동독 권력엘리트의 취급에 관한 연구 올리버 클로스 Referat I Die Behandlung der ostdeutschen Machteliten im Zuge der deutschen Wiedervereinigung Oliver Kloss

1.
1. 1.

Machtelite im Kommunismus – Die kommunistische Staatsklasse reaktionärer „Revolutionäre“ ............................. 4
Zwei frühe Warner vor revolutionärem Sozialismus/ Kommunismus .....................................................................................7

1. 2.

Das

Scheitern

der

reaktionären

„Revolutionäre“

am

wohlfahrtsstaatlichen Kapitalismus .......................................................9 1. 3. Die kommunistische Ideologie im Lichte der politischen Psychologie des Ressentiments ...........................................................11 1. 4. Zur Überwindung des Kommunismus: Ausweg und Ausgleich .............13

2.
2. 1. 2. 2.

Machteliten der DDR .......................................................... 17
Ein Insider der Machtelite der DDR als Zeitzeuge .................................17 Der „Einigungsvertrag“ zwischen den beiden deutschen Staaten als Mittel zur „Teilung des Rechtes“ im geeinten Staate ..........18

2. 3.

Der Weg der „SED“, der Partei der kommunistischen Staatsklasse der DDR, in die Demokratie der Bundesrepublik Deutschland.......................................................................................20

2. 4.

Strategie der organisierten ehemaligen Funktionseliten bis in das Jahr 2005: Postume Beschwörung von „DDR-Identität“ und Tarnung der Täter von gestern in inszenierter Opferrolle ......................21

Oliver Kloss

2009

Seoul

1

2. 5. 2. 6. 2. 7. 2. 8.

Nomenklaturkader .............................................................................24 Ministerium für Staatssicherheit (MfS) .................................................25 Eine Bemerkung zum Bildungswesen ..................................................26 Zusammenfassung .............................................................................27

3.
3. 1. 3. 2. 3. 3. 3. 4.

Für die Wiedervereinigung Koreas als Republik.................... 30
Kosten der Teilung und Kosten der Vereinigung ..................................31 Wo gibt es in Nord-Korea organisierten Widerstand? ..........................33 Vierzehn Empfehlungen zur koreanischen Wiedervereinigung..............34 Ein Blick zurück und ein Blick voraus ...................................................37

Nachbemerkung für deutsche Leserinnen und Leser ........................ 39 Medienliste..................................................................................... 41 Anhang ......................................................................................... 45

Oliver Kloss

2009

Seoul

2

Jan Wielgohs. in der er zufällig geboren ist. / German Unification and Power Elites in the East Germany: Lessons for the Korean Unification. 1 Voltaire: Abbé Beichtkind Cartesianer. es zu verlassen. Tae Guk Jeon. 15–56. Der Sinn dieses Gesetzes liegt auf der Hand: »Dieses Land ist so schlecht und wird so schlecht regiert. weil es sonst die ganze Bevölkerung verlassen würde«.A. 173. S. (Leipzig) und dem Historiker Rainer Müller (Leipzig) für wertvolle Hinweise bei der Überarbeitung des am 18. daß es einem Bürger nicht gestattet ist. Leipzig. Oliver Kloss. September 2009 in Seoul gehaltenen Vortrages sowie den Konferenzteilnehmern für sehr bereichernde Gespräche.“ 1 Voltaire (1694–1778) Ich danke Corinna Schubert M. Seoul (Republik Korea). ISBN 978-89-460-5312-0. Philosophisches Wörterbuch.발제 I: 통일과정에서의 동독 권력엘리트의 취급에 관한 연구 올리버 클로스 Referat I Die Behandlung der ostdeutschen Machteliten im Zuge der deutschen Wiedervereinigung Oliver Kloss „In manchen Ländern hat man angestrebt. Hanul Books. 1984. S. zu verlassen. 2009 Seoul Oliver Kloss 3 . die Gegend.): Ostdeutsche Machteliten vor und nach der Wiedervereinigung Deutschlands: Lehren für Korea. Die koreanische Übersetzung des Vortrages ist erschienen in: Koreanisch-Deutsche Gesellschaft für Soziologie (Hrsg. Reclam. Artikel „Gleichheit". Markus Pohlmann und Michael Hofmann. Jong Hee Lee. 2011. [Koreanisch] Mit Beiträgen von Seung Hyeob Lee. daß wir jedem verbieten.

so lässt er die Räder ablaufen. Verbrechen und Terror. freiheits-feindliche „Revolution“ verstehen. Lediglich fünf Staatsklassen – in Kuba. 2 3 4 5 6 Schiller.. Jean-Louis: Schwarzbuch des Kommunismus. Laos. Gauck. Nicolas/ Panne. Die „DDR“ war zwar weder „demokratisch“ noch „Republik“ und von der Bundesrepublik Deutschland bis 1989 auch nicht als souveräner Staat diplomatisch anerkannt worden. In: ders. Leipzig. China und Nord-Korea – legitimieren ihre Herrschaft seither noch mit kommunistischer Ideologie. Dritter Brief. Piper. In: Courtois. 4 In der Propaganda derjenigen Staaten. galt der „sozialistische Staat“ als erste Stufe zum Kommunismus. Es genügt an Russland zu denken. indem es schlägt. die sich durch kommunistische Ideologeme legitimiert haben. Andrzey/ Bartosek. Joachim/ Neubert. Ehrhart: Politische Verbrechen in der DDR. 1996. So bleibt der Zusammenhang zur Epoche gewahrt und der mindestens zweideutige Sozialismus-Begriff lässt sich vermeiden. München/ Zürich. 235. aber er markiert nur die Zerstörung zivilisatorischer Errungenschaften und Freiheitsrechte. Friedrich: Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen. S. In: Courtois. 829-884. Editions Robert Laffont. und hier gilt es. München/ Zürich. [Le livre noir du communisme. Vgl. doch die Selbstbezeichnungen von Staaten sind stets mit Vorsicht zu betrachten. 2009 Seoul Oliver Kloss 4 . 885–894. Joachim: Vom schwierigen Umgang mit der Wahrnehmung. 1998. Der Kommunismus im 20. Vietnam. S. Nach der liberalen europäischen Revolution von 1848/ 49 und der sozialdemokratischrepublikanischen Revolution von 1918/ 19 war die Revolution von 1989 ein Beitrag zur globalen Befreiung vom Kommunismus. dass in allen ehemaligen kommunistischen Staaten die Regierungsformen der Diktatur oder des autoritären Regimes überwunden wären. Reclam.: Über Kunst und Wirklichkeit. Furet.„Wenn der Künstler an einem Uhrwerk zu bessern hat.: Schwarzbuch a. Piper. Schriften und Briefe zur Ästhetik. Unterdrückung.“ 2 Friedrich Schiller (1759–1805) 1. 1985. Karel/ Margolin. O. Auch Nord-Korea nennt sich „Demokratische Volksrepublik Korea“ (DVRK). Auch der anti-republikanische Systemwechsel der Nationalsozialisten 1933 kann als „legale Revolution“ (Goebbels) verstanden werden. Jahrhundert. Stéphane et al. a. Jean-Louis/ Paczkowski. S. aber das lebendige Uhrwerk des Staats muss gebessert werden. Francois: Das Ende der Illusion. 1997]. In diesem Sinne zählt auch die „Deutsche Demokratische Republik“ (DDR) 6 5 zu den kommunistischen Staaten. Stéphane/ Werth. das rollende Rad während seines Umschwunges auszutauschen. Machtelite im Kommunismus – Die kommunistische Staatsklasse reaktionärer „Revolutionäre“ 3 Wir gedenken in diesem Jahre der dritten freiheitlichen Revolution in Deutschland. dies heißt aber nicht. ließe sich nur als anti-liberale bzw. Paris. Gauck.

Opladen. 161-185. in der die marktförmige Wirtschaft mindestens nicht dominiert. B. Class and Development. Elsenhans. In: Engel. als er bestritt. die politisch relevante Entscheidungen im Partei. Gunter (Hrsg. Frankfurt am Main. 1981 bzw. Festschrift für Rainer Tetzlaff. 2001. Westdeutscher Verlag. 158. Andreas/ Schubert.“ Vgl. S. Hartmut: „Staatsklassen“. die von Mehrheiten produziert werden. S. 155-167.Im engeren Sinne soll der Begriff Machtelite oder politische Elite hier dezisionistisch 7 verstanden werden. Radiant. Campus. Münster. solange die Stabilität des politischen Systems nicht bedroht ist. Im nicht-marktförmigen Bereich der Wirtschaft wird das Mehrprodukt in Form der Rente angeeignet. belohnt die Staatsklasse politische Loyalität. Manfred (Hrsg. Im Gegensatz zur fraktionierten Klasse von Kapitalisten weisen Staatsklassen einen hohen Zentralisierungsgrad auf. „Politik ist die Lehre vom Zugang von Minderheiten zu Ressourcen.): Entwicklung – Die Perspektive der Entwicklungssoziologie. die eine Re-Investierung erzwingen würde. Münster. In der Verwendung des Mehrproduktes unterliegen sie keiner Markt-Konkurrenz. Die Staatsklasse agiert im Spannungsfeld zwischen eigenem Interesse an Privilegierung und dem Zwang zur Legitimation der eigenen Macht. Der Begriff Machtelite im weiteren Sinne ist funktional zu verstehen. über die Herrschaftselite sagt er: „Ich habe zweiundfünfzig [Personen] erfasst und das ist großzügig. der Sächsische Staatsminister Hans Joachim Meyer 1997 unterstellt hatte. LIT. Bezogen auf die Machtausübung im DDR-Staate sind demgemäß nur diejenigen 52 Funktionäre 8 der Staatsklasse gemeint. Konferenzbeitrag Referat III: Biographische Betrachtungen der politischen Eliten in Ostdeutschland um die Zeit der Wiedervereinigung. S. Cord/ Mehler. Hartmut: Abhängiger Kapitalismus oder bürokratische Entwicklungsgesellschaft. 212. in: Schulz.“ 11 Um die Stabilität des politischen Systems zu erhalten.: State.): Navigieren in der Weltgesellschaft. Ulf/ Jakobeit. 7 8 9 10 11 Elite ist demgemäß nicht mit irgendeinem Niveau von Bildung verbunden. Siehe zum Begriff Staatsklasse: Elsenhans. 2005. 1997. „Die Staatsklassen sind vielmehr frei das gesellschaftliche Mehrprodukt für den eigenen Konsum zu verwenden. Der Zugang zu Renten und deren Verteilung ist das Privileg der Funktionäre einer Staatsklasse. New Delhi. es habe in der DDR je eine politische Elite gegeben. 2009 Seoul Oliver Kloss 5 . 1996. Rente und Profit sind zwei einander ausschließende Formen von Mehrprodukt. Elsenhans. Hartmut: Staatsklasse und Entwicklung revisited. ders. wie z. er meint die gesamte kommunistische Staatsklasse.und Staatsapparat fällen konnten. S. LIT. Seoul. Hartmut: Das Internationale System zwischen Zivilgesellschaft und Rente. Allgemein bezeichnet die Staatsklasse 9 die herrschende Klasse in einem Staate mit einer Ökonomie. Jan Wielgohs unterscheidet Herrschaftselite von Funktionselite.“ 10 Am Markt kann ein Mehrprodukt in Form des Profites gewonnen werden. Elsenhans. 2009.

Ich möchte das Geschehene eingedenk der normativen Frage skizzieren: Wie hätte die deutsche Einheit für die Mehrheit der Menschen besser gelingen können? Welche Gefahren lauern in einem solchen Übergang? Welche Entscheidungen sind von wem zu wessen Gunsten politisch gewollt worden? Abschließend sei der Versuch gewagt. Zum Beispiel ist Norwegen nicht nur der Staat Europas. Kommunistische Staatsklassen setzten auf die mehr oder weniger erzwungene Identifikation der produzierenden Mehrheit mit den Interessen der Funktionäre des Machtapparates. der das höchste Wohlstandsniveau aufweist. über deren politische Ziele bezüglich der Verteilung des Mehrproduktes und bezüglich des Wohlstandes der Mehrheit. Norwegen ist auch ein Staat. In der gebotenen Kürze kann ich nur einen Abriss zum mir gestellten Thema bieten. Kommunistische Staatsklassen rechtfertigen ihre Macht gerade aus der erklärten Gegnerschaft zu Kapitalismus und bürgerlich-liberaler Demokratie. denn die Einnahmen des Staates verdanken sich überwiegend dem Export von Erdöl. während die Legitimation durch den Wohlfahrtsstaat sehr hoch ist. Empfehlungen für Süd-Korea im Umgang mit Nord-Korea und zugunsten der staatlichen Vereinigung als Republik zur Diskussion zu stellen. zumal der Umgang mit ostdeutschen Machteliten im Prozess der staatlichen Vereinigung Veränderungen unterlag. dessen Regierung demokratisch legitimiert ist und doch ist der Wohlstand aus Renten gewonnen. 12 12 Rousseaus identitäres Demokratiekonzept bietet sowohl für den Kommunismus wie für den Faschismus das kollektivistisch-antiliberale staatsrechtliche Grundmuster. Ohne ständige massive Beeinflussung und Kontrolle ist diese Identifikation nicht zu erhalten. 2009 Seoul Oliver Kloss 6 . Staatsklassen können ebenso ausbeuterisch wie wohlwollend sein. In diesem Falle ist die SelbstPrivilegierung der Staatsklasse durch die demokratische Staatsform eng begrenzt.Diese funktionale Beschreibung des Begriffes Staatsklasse sagt noch gar nichts über den Charakter der jeweiligen Staatsklasse.

2. sie will den Wohlstand der Arbeiter innerhalb des Kapitalismus und mittels des Marktes steigern. B. Zwei frühe Warner vor revolutionärem Sozialismus/ Kommunismus Die revolutionär-kommunistische Arbeiterbewegung ist anti-kapitalistisch.1. 478 f.“ 16 Zur moralischen Aufwertung der Arbeit durch die Arbeiter bemerkte Nietzsche: „Die »Würde der Arbeit« ist […] ein Traum von Sklaven. als dass mir eine derart praktische Belehrung und demonstratio ad absurdum. Friedrich Nietzsche (1844–1900) erlebte die sich im Europa seiner Zeit herausbildenden Arbeiterbewegungen und hat sie anhand ihrer Ziele unterschieden: Er sprach sich zugunsten der „Sozial-Demokraten“ 13 aus. S. nicht wünschenswert erscheinen müsste. Ebenda. 587 [NF Juni-Juli 1885. New York/ Berlin. Bd. galt ihm als „im tiefsten Verstande reaktionär“ 15 Uns Heutigen mutet Nietzsches rhetorisch zugespitzter Wunsch im Nachlass so erschreckend wie weitsichtig an: „[…] ich wünschte. 296 [MA I.” 17 In diesem Urteil ist ihm in seiner Zeit nur das Werk von Paul Lafargue (1842–1911) ebenbürtig zur Seite zu stellen. sich selber die Wurzeln abschneidet. 299 [MA I. 11]. Friedrich: Kritische Studienausgabe [Fortan: KSA]. KSA 2. 454] oder KSA 2. KSA 2. löste sich von der hegelianisch-marxistischen Fiktion einer „historischen Notwendigkeit“ zur Revolution. NF Ende 1870–April 1871. „die zu Ende gedachte Tyrannei der Geringsten“. [David Strauss der Bekenner und der Schriftsteller. 1988. KSA 2. 7]. Hrsg. Aufl. Die Erde ist groß genug. die diese Unterscheidung frühzeitig vorgenommen und sogar die Gefahren der anti-kapitalistischen Arbeiterbewegung deutlich erkannt haben. Beide sollten stets klar voneinander geschieden werden. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari. 463]. 117 [GT 18]. KSA 11. selbst wenn sie mit einem ungeheuren Aufwand von Menschenleben gewonnen und bezahlt würde. sie erstrebt die Überwindung des Kapitalismus und will die marktförmige Wirtschaft beseitigen. Es sei kurz an die beiden Denker erinnert. S. es würde durch einige große Versuche bewiesen. S. Der revolutionäre „Umsturz-Sozialismus“ 14 aber. Die reformistische Arbeiterbewegung hingegen ist pro-kapitalistisch. 473]. 457] oder KSA 2. 1. und der Mensch immer noch unausgeschöpft genug. Für 13 14 15 16 17 Z. S. 1. KSA 7. KSA 1. S. 295 [MA I. 140. Dieser erste Reformist unter den Sozialisten. ein Schwiegersohn von Karl Marx. [MA I. Ebenda. 312 ff. S. S. dass in einer sozialistischen Gesellschaft das Leben selbst sich verneint. 199 f. Nietzsche. 2009 Seoul Oliver Kloss 7 . S. Walter de Gruyter. 7 [16]. Ebenda. 37. 307 [MA I.]. Ebenda. S.

Sun-Hyuk: The Politics of Democratization in Korea.: Das Recht auf Faulheit und andere Satiren. University of Pittsburgh Press. The Role of Civil Society. die Not der Arbeiter zu überwinden. S. Penn. Elsenhans. in: International Organization. die nicht in Abhängigkeit von Großunternehmen stehen. mit Gewalt!“ 18 Paul Lafargue sah im Kapitalismus die Chance für die Steigerung des Preises der Arbeit: „Um die Kapitalisten zu zwingen. 1–38. 2009 Seoul Oliver Kloss 8 . Pittsburgh. S. 38.): Democracy in Korea. Ebenso erkennt Lafargue schon. Hahn Been: „Korean Developement Revisited: Half a Century of Interplay of Democratic Expectations and Economic Development“. Sobald jedoch Vollbeschäftigung erreicht war. ihre Maschinen von Holz und Eisen zu vervollkommnen. dass Arbeitslosigkeit lediglich ein politisches Verteilungsproblem ist: „man muss. Ein Beispiel dafür ist Süd-Korea: Die exportorientierte Industrialisierung und die Demokratisierung verliefen überaus erfolgreich. Leipzig. 1997. Stadtbuch.. S. S. Seoul Press. Vgl. Vgl. Übergang zu Marktwirtschaft und marktfreundlicher Ordnungspolitik im Kampf um den demokratischen Rechtsstaat. Hong-Joo: Demokratisierung der öffentlichen Verwaltung in der Republik Korea. Seoul. sie rationieren wie Wasser auf einem Schiff in Not. 37. Kim. in: Choi. 7–53. Lee. um den Anteil der Arbeiter am Wohlstand der Gesellschaft zu erhöhen. Auf diese Weise vermochte sie ihren Einfluss zu steigern. Berlin.” 20 Anti-kapitalistische Revolutionäre ersehnen die von Marx prognostizierte Verelendung der Arbeiter. 40. Widerlegung des „Rechts auf Arbeit“ von 1848. Dissertation. In: ders. p.“ 19 Lafargue erkennt bereits. 1 (Winter 1983). 55–57. also für den Erhalt des Kapitalismus bei gleichzeitiger Verbesserung der Lebensverhältnisse der Mehrheit. Hartmut: „Rising Mass Incomes as a Condition of Capitalist Growth: Implications for the World Economy”. Siehe Kim. 1991. S. Ebenda. Ebenda. 8. sobald sie dessen Vorteile für die Arbeiter erkennen.Lafargue ist die gewaltsame Revolution nur noch eine Option der Drohung. 23 22 18 19 20 21 22 23 Lafargue. Anfangs konnte die Arbeiterklasse in der Revolution noch ein mögliches Ziel sehen. 2000. Paul: Das Recht auf Faulheit. Undramatisch weist er den Arbeitern den Weg des Kampfes um Teilhabe: „wenn es geht friedlich. wenn nicht. Die pro-kapitalistische Arbeiterbewegung hingegen kämpft im Kapitalismus um steigende Einkommen für die Massen als Bedingung für Vollbeschäftigung sicherndes Wachstum. Its Ideals and Its Realities. Sang-Yong (Hrsg. um Arbeit für alle zu haben. dass Vollbeschäftigung die Bedingung der Möglichkeit ist. sofern es im Kapitalismus nicht gelingen sollte. 21 Auch zunächst revolutionär-kommunistische Arbeiter-Organisationen können auf den pro-kapitalistischen Weg gelangen. hat die Arbeiterklasse breite Bündnisse mit bürgerlichen politischen Kräften geschlossen. 2002. 93–110. S. muss man die Löhne der Maschinen von Fleisch und Bein erhöhen und die Arbeitszeit derselben verringern.

Unter Bedingungen von Vollbeschäftigung orientieren sich die Arbeiter erfolgreich an pro-kapitalistischen Strategien zugunsten eines Wohlfahrtsstaates. Die inneren Widersprüche des realen Sozialismus mußten sich entfalten. aber nur deshalb. und über die Expansion ihrer Einkommen im Verhältnis zur geleisteten Arbeitszeit. Leipziger Beiträge zur Universalgeschichte und vergleichenden Gesellschaftsforschung. Wer einen „Antrag auf ständige Ausreise“ stellte.5 Millionen Menschen aus dem Osten in den Westen Deutschlands. wann immer im Kapitalismus Arbeit mächtig genug wurde. für Wachstum sorgte. Leipziger Universitätsverlag. Der Zeitpunkt der Entlassung aus der DDR blieb unvorhersehbar. Das Scheitern der reaktionären „Revolutionäre“ am wohlfahrtsstaatlichen Kapitalismus In den 40 Jahren der DDR gingen etwa 4. wirtschaftlich überlegen schien. Bei Flucht war der Tod wahrscheinlicher als das Leben. S. 122-132. Einige politökonomische Anmerkungen“. die Planwirtschaft. 2. Armut und Kriminalisierung. sobald es den Sklaven gelänge sich zu organisieren und die Zahl der Aufseher deshalb permanent gesteigert werden müsste. aus der DDR in die Bundesrepublik. 2009 Seoul Oliver Kloss 9 . Schon die Vorbereitung der Flucht wurde mit Gefängnisstrafe geahndet. Hartmut: „Aufstieg und Niedergang des realen Sozialismus. Ebenso konnten auch die subversiven Gruppen in der DDR darauf setzen. wurde Technologie importiert. in denen der »reale Sozialismus«. Ende der 80er Jahre wurden die Ausreisewilligen zum wichtigen Potential des organisierten Widerstandes in Zusammenarbeit mit den subversiven Gruppen. weil im real existierenden Kapitalismus die »Kapital«Interessen zu stark geworden waren. 122. dass mit zunehmenden öffentlichen Aktionen der staatliche Sicherheitsapparat zur Erweiterung stimuliert werde. S. Man übersah 24 Elsenhans. Als Folgen waren sowohl die Steigerung der Kontrollkosten für den Staat als auch die zunehmende Unzufriedenheit der kontrollierten Staats-Insassen zu erwarten. riskierte Berufsverbot. also über Reallohnsteigerungen und Arbeitszeitverkürzung. Spätestens seit dem Bau der Berliner Mauer war das Verlassen der DDR mit hohen Risiken verbunden.” 24 Anfang der achtziger Jahre sei diese Situation erreicht worden: „Um der sinkenden Kapitalproduktivität entgegenzuwirken. In einer Despotie würde sich die Sklaverei nicht mehr lohnen. 1. Hartmut Elsenhans analysierte die Abhängigkeit der Entfaltung der inneren Widersprüche der Planwirtschaft von der konjunkturellen Entwicklung des Kapitalismus: „Es gab Phasen. Heft 1 (1998). in: COMPARATIV.

oder ders. 144. auch die Arbeitszeiten waren kürzer und sogar die Urlaubszeiten weit länger.dabei. die den Arbeitern sich zu organisieren verböte. um die kommunistischen Funktionäre verstummen zu lassen. 2009 Seoul Oliver Kloss 10 . 90. S. daß der Kapitalismus nicht primär wegen seines technischen Wissens. dass eine kommunistische Staatsklasse sich nur dann auf das Volk und die Arbeiter Privilegien dienlich ist. New Delhi/ London.” 25 Die im Sozialismus als Überlegenheit gelobten hohen Kapitalkoeffizienten und Investitionsquoten bedeuteten angesichts des kapitalistischen wohlfahrtsstaatlichen Wachstums nichts anderes als eine „Ausbeutung durch Ineffizienz“ . 89. Als Inbegriff des wohlfahrtsstaatlichen Kapitalismus galt Schweden. Hartmut: Abhängiger Kapitalismus oder bürokratische Entwicklungsgesellschaft. S. während die Öffnung gegenüber dem Weltmarkt zum Zweck des Technologieimports zur Verschuldung führte. und dies. S. wann immer ein propagandistischer Systemvergleich in der Sowjetunion geboten worden wäre. verhängte den Ausnahmezustand und das Kriegsrecht gegen die Arbeiter. Im planwirtschaftlichen System stoppten die Wachstumsprozesse ab. indem er die Kommunistische Partei Polens aufforderte sich aufzulösen. sei keine „Arbeiterpartei“ mehr. sondern wegen der den »Privilegierten« aufgezwungenen Marktkonkurrenz knappe finanzielle Ressourcen (Kapital) kostengünstiger einsetzte. denn dort hatten die Arbeiter nicht nur ein höheres Lebensniveau. M. So erklärte Tschingis Aitmatow im Sommer 1990 in Moskau. beruft. Radiant. artikulierte ihre Kritik: Sie lobte die Lage der Arbeiter im Kapitalismus. Anm. Anm. wie im Kapitalismus sogar Staatsbetriebe produktiv sein können./ New York 1981. Class and Development. Er wurde wegen „bourgeoisen und revisionistischen Gedankengutes“ 1982 aus dieser Partei ausgeschlossen. Versuch über den Staat in der Dritten Welt. Der polnische Marxist Adam Schaff (1913-2006) lenkte die Aufmerksamkeit auf die praktische Absurdität innerhalb der marxistisch-leninistischen Lehre. 90. Und die Schriftstellerin Rosemarie Schuder schrieb in der Zeitung der DDR-CDU „Union“ in Dresden im Herbst 1989. Elsenhans. 26 „Solidarność“. solange Arbeit stark genug war. 130.: State. 28 Deutlicher konnte nicht gezeigt werden. die erste freie Gewerkschaft in den kommunistischen Staaten Europas. Zuerst wurde dieser Vorwurf der „Ausbeutung durch Ineffizienz“ von der freien Gewerkschaft in Polen 1980 gegen die kommunistische Regierung erhoben. denn eine „Arbeiterpartei“. 1996. solange dies der Legitimation eigener 25 26 27 28 Ebenda. 27 Die kommunistische Regierung Polens antwortete im Dezember 1981 mit offener Gewalt. Frankfurt a. weil Akkumulation trotz stagnierenden Konsums nicht mehr finanzierbar war. Schweden sei das Vorbild eines künftigen Kapitalismus für die DDR und Frankreichs Automobile zeigten. um hohe Masseneinkommen durchzusetzen. die Gebildeten hätten nur auf Schweden verweisen müssen.

besteht die Gefahr. 587 [NF Juni-Juli 1885. Keine der beiden Seiten unterliegt ganz. aber den Historikern dürften solche Ereignisse nicht fremd sein. Vgl. Kann auch das Gegenteil der Win-Win-Situation eintreten? Wenn die Ausbeutung in die Verzweiflung treibt und die sich Rächenden im Kampfe gegen ihre Ausbeuter ganz obsiegen. 2009 Seoul Oliver Kloss 11 . – In diesem Text antizipiert Nietzsche die Machtfrage der sozialdemokratisch-republikanischen Revolution von 1918/ 19. wenn er den Ausbeutenden Torheit vorwirft. zu beider Kräfte Vorteil werden Regeln für eine bessere Struktur gebildet. es könne danach beiden Seiten schlechter gehen. zum Beispiel indem sich die Regierung als „Arbeiterregierung“ ausgibt. Zum Beispiel kann auf der Ebene eines Staates aus dem Kampfe widerstreitender Kräfte im Waffenstillstand eine Republik gegründet werden. 37. 30 29 30 Nietzsche. Diese Gefahr meint Nietzsche. ebenda. Die kommunistische Ideologie im Lichte der politischen Psychologie des Ressentiments Friedrich Nietzsche sah die Gefahr. wodurch die Wiederholung des überwundenen Kampfes ausgeschlossen werden soll. 446]. S. das Ressentiment durch die demütigende Asymmetrie der Macht provozieren. Diese Möglichkeit der reaktionären Revolution kennt die marxistische Revolutionstheorie gar nicht. 3. wenn (1) den Rächenden nur die Angleichung des Gegners nach unten gelingt. wenn die Privilegierten ihrer Privilegien nur enteignet werden und (2) die Sieger sich mit ihrem Siege den eigenen offen positiven Ausweg nach oben verstellen. Die aus dem Ressentiment gespeiste siegreiche reaktionäre Revolution tritt genau dann ein. Im Sinne der Spieltheorie ließe sich dann von einer Win-Win-Situation sprechen. 289 f. [MA I. 11]. S. Friedrich: KSA 11. Gelingt es Unterdrückten durch die Organisation ihrer Kraft einen Ausgleich zu erkämpfen. kann bei annähernder Gleichmächtigkeit der Gegner ein Vertrag zu gegenseitigem Vorteil geschlossen werden. ihr Streben dahin verleugnen. KSA 2. die „Torheit der Ausbeutenden“ 29 könne kollektives Streben nach Rache entfachen.1.

zerstört diese Bewegung. Ressentiment verhindert freiheitliche Konfliktlösungen. Nietzsche. Wenn sie ihre Macht durch die vorgebliche Identifikation mit den Arbeitenden 31 35 legitimieren. Niemandem schädlicher als dem Schwachen selbst. Hrsg. Und sogar dort. dass man aber nicht in der Lage ist. Die Haltung des Ressentiments ist also „nicht einfach durch Ablehnung und Neid 31 bestimmt. 278-292. Klaus/ Stekeler-Weithofer.): Ambivalenzen der Okzidentalisierung – Zugänge und Zugriffe. 1998. sie schadet den Trägern des Ressentiments selbst zuerst. In: ders. Generöse Bejahung des Lebens ist reaktionären Revolutionären einfach nicht vergönnt. S. — im andern Falle. Dorothea (Hrsg. eher kleinlich und bieder. 14. S. Aufbau-Verlag. Fritz Hofmann. 11–23. Erst im Kontext der Staatsideologie wird dies verständlich. bleibt sie politisch freiheitsfeindlich. Lessing. (Ecce homo) S.“ 32 In diesem Sinne ist das Ressentiment aktiv reaktionär und sogar reaktionär schöpferisch. was die Ostdeutschen empörte. Bochmann.“ 33 Der Kommunismus ist eine kollektive Ressentiment-Bewegung. 2009 Seoul Oliver Kloss 12 . Im Inneren ihrer Staaten können kommunistische Machteliten mit ihrem Reichtum nicht einmal richtig prahlen. Letztlich werden kommunistische Machteliten das ambivalente Gefühl realer 34 Anti-liberales Minderwertigkeit nie los. S. sich dem überlegenen Gegner anähnlichen oder angleichen zu können. Leipziger Universitätsverlag. Die Ressentiment-Bewegung wendet sich nicht nur gegen ihre Gegner. wenn der Fuchs die Trauben sauer schilt. die Jagdhäuser etc. Theodor: Nietzsche. 291. mit der marktförmigen Wirtschaft auch die bürgerlichen Freiheiten. 6 (Vermischte Schriften).Das Ressentiment. sie müssen ihn sogar der Öffentlichkeit verheimlichen. Friedrich: KSA 6. 44. wo sie die Marktwirtschaft zulässt. über das Herr zu bleiben beinahe der Beweis des Reichtums ist. Leipzig. aus der Schwäche geboren. dass man das Andere oder den Anderen zugleich als »besser« anerkennt. S. In: Müller. ein Gefühl. Pirmin: Ambivalenzen der Okzidentalisierung – ein Projekt. ein überflüssiges Gefühl. Vgl. Carl: Das Arbeiter-ABC [1922]. 32 33 34 Theodor Lessings Übertragung des französischen Wortes ins Deutsche.: Gesammelte Werke in sechs Bänden. Berlin. wo sie siegt. verstanden kaum. hat zwei Aspekte: (1) die Anerkennung der Überlegenheit der Werte des Gegners und (2) die Unfähigkeit sie real teilen zu können. weil er sie haben möchte und nicht haben kann.“ 35 Westdeutsche Journalisten fanden den heimlichen „Luxus“ der DDR-Eliten. 1965. wo eine reiche Natur die Voraussetzung ist. 273: „Das Ressentiment. mögen sie sich noch so machtvoll gebärden. 1925. Der expressionistische Dichter Carl Sternheim fand ein gelungenes Bild: „Ressentiment ist. dieses Bessere einfach selbst nachzuvollziehen – und daher auf einen »eigenen« Weg angewiesen ist. aus Demütigungen motiviert. sondern dadurch. Ullstein. S. Bd. das „Rückschlagsgefühl“ . wenn Funktionäre in der Waldsiedlung Wandlitz heimlich luxuriös lebten. Berlin/ Weimar. Sternheim.

Siehe Wulf. Münster. Ergebnisse. Heiner (Hrsg. LIT. Zur Überwindung des Kommunismus: Ausweg und Ausgleich Dem Widerstand gegen die kommunistischen Machteliten wird die effektive Destabilisierung des Machtapparates gelingen. Herbert: „Nordkoreas Nuklearpoker“. – Eine Fehleranalyse der Thesen der deutschen Soziologen KarlDieter Opp und Detlef Pollack. S. in: FriedensForum. 3. ein machtvolles Bild vorzutäuschen. 4. 2009 Seoul Oliver Kloss 13 . 37 Die subversive Zusammenarbeit zwischen den Engagierten für „Voice“ (Mitbestimmung) und „Exit“ („Austritt“ im Sinne von Albert O. das seine Mitgliedschaft im Atomwaffensperrvertrag am 10. Jg. Januar 2005 tatsächlich aufgekündigt hat. S. Probleme. Der rumänische Conducator wollte sich zwar den größten Palast der Welt errichten. Oliver: Revolutio ex nihilo? Zur methodologischen Kritik des soziologischen Modells „spontaner Kooperation“ und zur Erklärung der Revolution von 1989 in der DDR.können sie sich Attribute der vermeintlich verhassten „Bürgerlichkeit“ nicht öffentlich zu zeigen leisten.): Agenda DDR-Forschung. eine stabile Fassade zu bieten. In: Timmermann. Heft 4 (2009). 36 37 Gedacht sei zum Beispiel an die ersten Atomwaffentests vom Oktober 2006 in Nord-Korea. zur Flucht Entschlossenen zum gegenseitigen Vorteil zusammen arbeitet. 22. Kloss. sobald ihm (1) die Eroberung der Ressource „Organisation“ gelingt und der sich koordinierende organisierte Widerstand mit (2) der Bewegung der unorganisierten zur Ausreise bzw. solange es ihnen gelingt sowohl die Flucht wie den organisierten Widerstand der Bevölkerung zu unterbinden. 2005. um so stärker sind sie auf Geheimdienste als ihre einzigen verlässlichen Informationsquellen angewiesen. 36 Dabei wissen sie von ihren Geheimdiensten zumindest mit Gewissheit. 1. dass die Mehrheit der beherrschten Bevölkerung den kommunistischen Staat nicht der Verteidigung wert befindet. Kontroversen. Je mehr kommunistische Eliten alle freie Öffentlichkeit ersticken müssen. aber eben als „Palast des Volkes“. die zum Sturz des DDRStaates geführt haben. dem einzigen Land. 363–379. Kommunistische Eliten können ihre Macht nur bewahren. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit mühen sich die Machteliten verzweifelt. Hirschman) gelang in Leipzig sehr erfolgreich und mündete in diejenigen Massendemonstrationen. Als Alternative wird zur Erklärung der Revolution 1989 in der DDR die Austauschtheorie zwischen dem organisierten Widerstand und den Ausreise-Willigen vorgeschlagen..

Kraft ihrer ohnehin bestehenden Ressourcen-Überlegenheit können Machteliten im Übergang in die marktförmige Wirtschaft versuchen sozialstrukturell „oben“ zu bleiben . 38 Von seiten der Machteliten kann die kommunistische Ideologie auch dann. ihre einzige Legitimation zu verlieren. Dem Einzelnen sei diese Macht allerdings nur im Kollektiv mit einem Führer an der Spitze vergönnt. In diesem Sinne lässt sich leicht verstehen. die Konferenz-Beiträge Referat V von Hofmann. Im weiteren Sinne meint Juche auch politische Unabhängigkeit und wirtschaftliche Autarkie des Staates. Sehr überzeugend dürfte die „Autarkie“ angesichts der Hungersnöte kaum sein. „Juche“ bedeutet Subjekt und meint. Wie aber sollte dies dem organisierten Widerstande im kommunistischen Staate überhaupt möglich sein? Gerade die unvermeidlich ehrliche Verachtung der vom Ressentiment motivierten herrschenden Machtelite bewahrt den organisierten Widerstand vor jeglichem freiheitsfeindlichen Ressentiment. wie sich gegen Ende der DDR an einzelnen Suiziden von Funktionären gezeigt hat. Dieser Ideologie-Wechsel ließe sich als Versuch der Stabilisierung durch Vereinfachung verstehen. 40 38 39 40 Die Furcht kommunistischer Machteliten vor Rache-Exzessen kann real sein. 2009. Wo Verachtung überwiegt. Jong Hee (National Election Broadcasting Debate Commission): „Ostdeutsche Machteliten im Wandel der Sozialstruktur nach der Wiedervereinigung“. Michael (Universität Jena): „Lebensweltliche Veränderungen der ostdeutschen Machteliten vor und nach der Vereinigung“ sowie Referat VI von Lee. die zur Bewahrung der Machtpositionen und undemokratischen Strukturen dient. Ressourcen-Überlegenheit begünstigt Chancen des Marktzugangs. 2009 Seoul Oliver Kloss 14 . die ihnen selbst eigen ist.Die organisierten Gruppen des Widerstandes in kommunistischen Staaten stehen nie in der Gefahr zur Ressentiment-Bewegung zu geraten. Vgl. Von seiten des Widerstandes gab es sogar erstaunlich wenig Gewalt. Sie kennen ihre eigene Niedertracht am besten und fürchten. Dabei unterstellen sie ihren Gegnern die psychische Struktur des Ressentiments. weshalb kommunistische Machteliten um 1989 vergleichsweise wenig offenen Widerstand geleistet haben. lediglich das Reagieren mit Steinwürfen auf prügelnde Sicherheitskräfte wurde zum Beispiel in Dresden bekannt. nur mit dem Risiko aufgekündigt werden. und/ oder (2) sie bejahen eine kapitalistische Transformation in Erwartung des in der materiellen Ressourcen-Ausstattung gegebenen eigenen „Start-Vorteils“ im Marktzugang. Erinnern wir uns der Struktur des Ressentiments: Bedingung für Ressentiment ist. Menschen können durch ihren Willen den Bedingungen der Umwelt überlegen sein. wenn die Stabilität des Systems bedroht ist. was sie verdient zu haben glauben. Kim Il Sung hatte mit Streichung des Marxismus-Leninismus aus der Verfassung Nord-Koreas den Wechsel zu seiner eigenen Juche-Ideologie vollzogen. kommt aktiver Hass vornehmlich in der aktuellen Situation auf. Seoul. Von seiten der Machteliten sind angesichts wachsender Unzufriedenheit der Beherrschten nur zwei Auswege möglich: (1) Die Machteliten können den Wechsel zu einer anderen Ideologie 39 versuchen. dass man „das Andere oder den Anderen zugleich als »besser« anerkennt“. Auch in staatlichen Institutionen können weite Teile der Staatsklasse darauf setzen. ihre Positionen in der Demokratie zu behaupten. verspricht obere Plätze in der sozialen Hierarchie zu erobern.

freie Wahl des Wohnsitzes. denn die Systemopposition muss und kann in diesem Falle die Machtübernahme gar nicht allein aushandeln.und Menschenrechte allen zuteil werden. Gelingt dem organisierten Widerstand die Entmachtung der kommunistischen Elite durch Delegitimation. der Weg in die staatliche Einheit offen. Ich entgegnete stets: „Es spricht aber gerade nicht für die DDR. Als sich auch durch sogenannte „Dialog“-Angebote der Machthaber der Widerstand der Massen nicht brechen ließ. ein materieller Ausgleich 41 42 Ich erinnere mich mancher Funktionäre.Gemäß der aus empirischen Untersuchungen gewonnenen Transitionstheorie spaltet sich die Staatsklasse unter dem Druck des organisierten Widerstandes in „hardliners“ und „softliners“. andererseits sollte für diejenigen. 41 Was geböte bar aller Rachegelüste die bloße Fairness für einen demokratischen Neuanfang? Einerseits sollten die Funktionäre ihrer Privilegien enteignet werden . Noch-Besseres muss nicht versucht werden. die unter ihnen gelitten haben. so hat er bereits gesiegt. die sich plötzlich mit dem scheinbar demokratischen Argument zu rechtfertigen versuchten. das Menschenrecht auf Freizügigkeit. 2009 Seoul Oliver Kloss 15 . erstarb auch die Verteidigungsbereitschaft des Machtapparates bald. um politischen Einfluss zu behalten. Gelingt es den reform-bereiten „softliners“. Sie kann in diesem speziellen Falle nur kurzfristig der Verhandlungspartner sein. Meinungs. und können sich innerhalb des organisierten Widerstandes die Verhandlungsbereiten durchsetzen. Die alten Machteliten versuchen ihre Kontakte zu reaktionären Interessengruppen innerhalb von Parteien und Organisationen des demokratischen Staates auszubauen und Bündnisse einzugehen. war das System überwunden. B. in den der Teilstaat integriert wird. als an der Systemopposition. wenn es sich um einen Teilstaat – wie in den Fällen DDR und Nord-Korea – handelt. daher orientieren sie sich mehr an den Regierenden des Staates. Dieses allgemeine Muster ist spezifisch gebrochen. ist das Ziel schon fast erreicht. das Veto-Potential der orthodoxen „hardliners“ zu neutralisieren. Das Erreichbare existiert in diesem Falle schon. Die vorhandene bessere Alternative ist den meisten allemal gut genug. indem sie in der Form die Bürger. Gelingen dem organisierten Widerstand Massendemonstrationen. auch die Demonstranten auf der Straße seien nur eine mutige Minderheit gewesen und nicht die Mehrheit. Auf diese Weise werden konstitutionelle und politische Pakte möglich.“ 42 Einige Privilegien entfallen. um diesen Staat hinweg zu demonstrieren. z. dass eine mutige Minderheit unbewaffneter Nicht-Funktionäre ausreichte.und Informationsfreiheit etc. denn das vordringliche Bedürfnis der Mehrheit ist die Sicherheit vor dem Rückfall in alte Strukturen. — Das wissen auch die „softliners“ in der kommunistischen Funktionselite. Als die Demonstranten mit dem Ruf „Wir sind das Volk!“ der Machtelite alle Legitimation absprachen.

forderte 1990: Die Günstlinge und Begünstigten der Diktatur sollten für mindestens 10 Jahre keine öffentlichen Ämter in den Parlamenten und demokratischen Institutionen besetzen und nicht im öffentlichen Dienst arbeiten dürfen. sei die Meinung aller DDR-Gegner wiedergegeben. Erlittenes Unrecht. Thomas (humorvolles Pseudonym von J. das diese im vereinten Staate behalten durfte. Funktionäre.geboten werden. sondern auch von Rechtspositivisten entgegnet. d. gesetztem) Recht ausrichten könne. Helmut: Fernsehansprache von Bundeskanzler Kohl am 1. R. auch nicht nach rechtsstaatlichen Kriterien behandelte. einen Staat. Archiv für Christlichdemokratische Politik: http://www. in: Lettre international. nicht erneut staatlich begünstigt werden und über andere entscheiden können.“ 43 45 44 45 Der Nürnberger Prozess gegen die nazionalsozialistische deutsche Machtelite nach dem II. der KSZE etc. wie sich zum Beispiel der DDR-Staat nach außen in der internationalen Politik darzustellen wusste. es dürfe nur nach dem zum Zeitpunkte der Tat geltenden Recht verurteilt werden.de/wf/de/71. wozu sollte sie dann noch als eigenständiger Staat fortbestehen? 44 Staatsrechtlich war die DDR von der Bundesrepublik bis 1989 nie als eigenständiges Staatssubjekt anerkannt worden. sollten verurteilt werden. Ein fairer Ausgleich wäre dann erreicht. die von der Sehnsucht nach einem besseren Sozialismus sprechen. 43 Dieser Ansicht wird nicht nur von den betroffenen Kommunisten. die im kommunistischen System keine Privilegien besaßen. Jens Reich hatte locker und klar die Frage nach dem Sinn des Fortbestehens eines DDR-Staates – sofern es gelänge. der gar kein Rechtsstaat war. mit Zitaten Bärbel Bohleys. verstellte Chancen etc. h. mindestens auf das Niveau der ehemaligen Staatsklasse gehoben wäre. Weltkrieg ist eine menschheitliche Errungenschaft. Kohl. ungenutzte Lebenszeit. da der Mensch sein Rechtsbewusstsein am „positiven“ (d. Spätestens 1988 war in den subversiven Gruppen die Frage von Jens Reich diskutiert worden: Gelänge die demokratische Umgestaltung der DDR. Seine Artikel 1988 in der westlichen Zeitschrift „Lettre International“ wurden in subversiven Gruppen diskutiert. lassen sich finanziell kaum aufwiegen. Asperger. Leider hält sich nicht nur unter Journalisten die Legende.): „Mitteleuropa als ruhendes Inertialsystem?“. die sich nicht an rechtsstaatliche Maßstäbe gehalten haben. Jeder Staats-Funktionär wusste das! Die subversive Bürgerrechtsbewegung der DDR. von der Geschwindigkeit des eigenen Sieges überrascht. diesen zur Demokratie umzugestalten – verneint! Vgl.4516/ (September 2009). wurden Menschenrechte und Bürgerrechte formell anerkannt. Bundeskanzler Helmut Kohl warb im Osten für die staatliche Vereinigung mit der Bundesrepublik unter der klugen programmatischen WinWin-Losung: „Es wird niemandem schlechter gehen als zuvor – dafür vielen besser. h. Auch Jens Reich war Mitbegründer des NEUEN FORUM. d. gerade weil er nicht das positive Recht des Führerstaates anerkannte. ideologisch motivierte Demütigungen. Heft 1 (1988). h. Juli 1990. Mit der Ratifizierung von UNO-Resolutionen. wenn das Niveau des Wohlstandes derjenigen.kas. Die staatliche Vereinigung wurde auch von der Bürgerrechtsbewegung mehrheitlich bejaht. 2009 Seoul Oliver Kloss 16 . Dem steht jedoch entgegen.

Machteliten der DDR 2. O. die weit unter 100 lag. von Anbeginn habe die militärische Disziplin und Hierarchie die Partei bestimmt. a. Keller erklärt. das Zentralkomitee der SED sei die Oberregierung gewesen: „Und die Regierung oder der Staatsapparat auf den verschiedenen Stufen war nur noch ausführendes Organ. Hrsg. 2009 Seoul Oliver Kloss 17 . Bd. Ein Insider der Machtelite der DDR als Zeitzeuge Keller war Insider des Staatsapparates. 1. Zur Massenpartei bemerkt er.“ Kritisches Denken sei „in der Regel alle zehn Jahre ausgeschaltet worden“ durch Ausschluss der Mitglieder. In dieser Partei hatten immer weniger immer mehr zu sagen. S. a. Thomas: „Fragen zu Struktur und Methoden der Machtausübung in der SED-Diktatur“. prägte. S. S. Dietmar Keller die These auf. vom Deutschen Bundestag (12.2. Keller beschreibt den Doppelcharakter einer Massen. Keller. zum Schluß 2.3 Millionen Mitglieder“ gewesen seien. die nicht Mitglied einer Partei sein konnten) „durchschnittlich 2 Millionen. der die Partei bestimmte.und Kaderpartei. Nomos/ Suhrkamp. die im Prinzip die Geschicke der Partei geprägt hat. seit 1984 stellvertretender Dietmar Kulturminister.000. im Politbüro der SED „wurden alle Entscheidungen gefällt“. Bd. ab November 1989 Kulturminister der DDR. Dietmar: Die Machthierarchie der SED-Diktatur. Wahlperiode). Den Charakter der Kaderpartei beschreibt Keller dergestalt: „Es gab auch in dieser Masse immer einen kleinen Teil. die aus der Partei ausgeschlossen worden sind“. In einem Vortrag vor der Enquête-Kommission des Bundestages stellte Dr. Dabei gab es immerhin „über 800. II/ 1. 1995. 3013-3022. dass bei einer Bevölkerung von ca. 1.. II/ 4. Er saß 1993 (zum Zeitpunkt des im Folgenden zitierten Vortrages) für die PDS (die umbenannte ehemalige DDRStaatspartei SED) nach der staatlichen Vereinigung im Parlament der Bundesrepublik Deutschland. 16 Millionen Menschen (einschließlich der 0-18jährigen. und von diesem kleinen Teil (Herr Ammer nennt die Zahl 300. 1993) In: EnquêteKommission. die 1946 geschaffene SED habe „zu keinem Zeitpunkt einen echt zivilisatorischen Charakter“ gehabt. […] 46 47 Der Vortragende zitiert aus: Ammer. 464. (Vortrag vom 22.000/ 400.000) 46 gab es eine handverlesene Gruppe. 3015. Baden-Baden/ Frankfurt am Main. Dann habe sich oppositionelles Potential „ab Mitte der 70er [Jahre] generell außerhalb der Partei“ 47 organisieren müssen. in: Enquête-Kommission „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“: Materialien der Enquête-Kommission.

Am Ende. Und ich weiß. Oliver Kloss 2009 Seoul 18 . also der Öffentlichkeit vorenthaltener Literatur. 3018: „Wir hatten auch wenig Ahnung von Marx und Engels. […] wir wussten nur. Die politischen Parteien der Bundesrepublik suchten für 48 49 Ebenda. dass das sozusagen die Urväter dessen waren. Über seine Funktionärs-Generation sagt Keller S. worüber ich rede.“ S. 3016. desto geringer wurde geistiges Potential nicht nur an der Spitze der SED. S. ich mach` das nur für die SED.K. gibt es nach 1945 hochgebildete Leute in allen politischen Bewegungen. […] Wir hatten wenig Ahnung auch – ich habe ja auf diesem Gebiet studiert – von der klassischen bürgerlichen englischen Ökonomie.“ „Giftschein“ war die umgangssprachliche Bezeichnung für die Erlaubnis zum Lesen von „nur zum wissenschaftlichen Gebrauch“ zu entleihender.“ 48 Dietmar Keller war nie Gegner der DDR-Staatspartei und deshalb möchte ich gerade ihn noch einmal in einem längeren Zitat Zeugnis geben lassen: „Die Partei verkam in ihrer Geschichte mit einer jesuitischen Disziplin. 2. einem jesuitischen Glauben bei fehlendem jesuitischem Intellekt zu einer Sekte. wie die Beschlüsse des Politbüros oder des Zentralkomitees verwirklicht werden.O. Ebenda.] als das permanente Kontrollorgan. wir sind natürlich auch in einer etwas abgeschlossenen Welt aufgewachsen. was Marx und Engels mal formuliert hatten. Der von der DDR-Staatspartei einst ideologisch gleichgeschaltete Parteien-Block hatte sich in einzelne Parteien aufgelöst. die im Prinzip nicht einmal eine abgeschlossene Berufsausbildung hatte und die in Kurzlehrgängen an Parteischulen sozusagen ein Fundament bekam. Wir hatten auch nicht das gesamte »Das Kapital« gelesen. um in die Bibliothek der Deutschen Bücherei zu kommen. 3019: „[…] selbst wenn man promovierte. brauchte man den Giftschein. S. von der klassischen deutschen Philosophie. das darüber wachte. sondern auch an der Spitze der Blockparteien. ist eine nicht einmal mit den einfachsten Mitteln gebildete Führungsriege.dazwischen das MfS [Ministerium für Staatssicherheit . So gab er seine Sympathie mit der belasteten kommunistischen Machtelite kund. welche Bücher man bekam. Wenn man sich die erste Generation anschaut. 3021. […] Das heißt. […] Und je mehr die Geschichte fortschritt. Der „Einigungsvertrag“ zwischen den beiden deutschen Staaten als Mittel zur „Teilung des Rechtes“ im geeinten Staate Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte in der Regierung der Bundesrepublik schon im Februar 1990 eine Amnestie für die wenigen nach der Revolution in der DDR wegen Amtsmissbrauchs im Gefängnis sitzenden Funktionäre gefordert. wenn man sich das anschaut. Und uns wurde durch den Promotionsvater formuliert.“ 49 2.

Zwei Beispiele: Die Bundesregierung Gerhard Schröders hat mit SPD und den Grünen umgesetzt. Suhrkamp. Bd. 50 Die „Einigungsverträge“ vereinigten Deutschland als Staat und vollzogen zugleich wieder die Spaltung innerhalb dieses Staates. Die „Einheitlichkeit der Lebensverhältnisse“. Klaus: Der Staat geht unter – das Unrecht bleibt? Regierungskriminalität in der ehemaligen DDR. wurde zerstört. Abs. Mit der Grundgesetzänderung vom 27. der mit dem Vertrag zugleich seinen Wegfall als Vertragspartner aushandelt. bot ausdrücklich die Option des Beitritts Ostdeutschlands zur Bundesrepublik an.und 52 Arbeitsrecht sowie im Tarifrecht ist bis heute noch keine Angleichung gelungen. 2. (Damit sind keineswegs nur praktisch unumgängliche Übergangsbestimmungen gemeint. Die Verfassung der Bundesrepublik. aber dafür fand sich keine Mehrheit im Parlament. S. 1992. 148. dass die Einheit der Rechtsgültigkeit in diesem Staate und die Rechtsgleichheit der Bürger vor dem Staat zerbrochen wurde. sozusagen mit einem Vertragspartner und dem anderen. Die Mehrheit gewann in der DDR die CDU. IX. 27. was CDU/ CSU und FDP seit 1993 durchsetzen wollten: Die unbefristete Arbeitslosenhilfe wurde abschafft und die Sozialhilfe ab 2005 auf eine allgemeine Grundsicherung abgesenkt. 2009 Seoul Oliver Kloss 19 . das Grundgesetz.die Zukunft nach logistisch gut ausgestatteten Partnern. Sie teilten ihn in zwei Gebiete mit unterschiedlichem Recht. Vgl. Sogar für diese minimale Grundsicherung wurden gesetzlich unterschiedliche Höhen im Osten und im Westen festgelegt. wodurch der Grundsatz aufgeweicht und beliebiger Auslegung anheimgestellt worden ist. Oktober 1994 wurde in GG Artikel 72. Im Westen regierte eine Koalition aus der konservativen CDU und der rechtsliberalen FDP. a. ein Grundsatz des Grundgesetzes der Bundesrepublik und eigentlich jedes Rechtsstaates. Frankfurt am Main. 50 51 52 Vgl. In den „Einigungsverträgen“ wurde der DDR-Staat nach der ersten (und letzten) freien Wahl des Parlamentes erstmalig als souveräner Staat und Vertragspartner von der Bundesrepublik anerkannt.. Erst Jahre später wurde der für den Osten festgesetzte niedrigere Betrag auf das Niveau des im Westen gezahlten Betrages angehoben. Dies hatte weitreichende negative Folgen. Zwischen beiden Regierungen wurde ein sogenannter „Einigungsvertrag“ ausgehandelt. – Eine vertragsrechtlich überaus bedenkliche Konstruktion. die „Einheitlichkeit der Lebensverhältnisse“ durch „gleichwertige Lebensverhältnisse“ ersetzt. 51 Im Sozial. Im Ausgang der Revolution von 1989 wurden zwischen den alten und neuen Organisationen und Parteien in der DDR erste freie Wahlen für März 1990 vereinbart. Lüderssen. In deren Ergebnis hatte die DDR erstmals in ihrer Geschichte eine demokratische legitimierte Regierung. a. O.) Die deutsche Einheit bedeutete zugleich – und bis heute fortwirkend –. Enquête-Kommission. S. Horst Köhler warb als Bundespräsident sogar offen für „ungleichwertige Lebensverhältnisse“ in Ost und West. Mit diesem Rechtsakt wurden gleichsam rückwirkend die DDR-Gesetze von der Bundesrepublik als legitimes positives Recht anerkannt.

1995. doch diese Option fand keine politische Mehrheit. Die westdeutschen Parteien konnten durch die Vereinigung mit namens-verwandten Ost-Parteien ihre Finanzen aufbessern. Daraus ergab sich eine deutliche Asymmetrie zu Ungunsten derjenigen Parteien. wonach die SPD in der DDR verboten war und Sozialdemokraten der Verfolgung ausgesetzt waren. Die der SED unterstehenden Blockparteien 54 besaßen keine politische Eigenständigkeit. bestehende Logistik und Mitglieder gewinnen. 53 54 Im Jahre 2009 setzte der Bundesarbeitsminister Mindestlöhne für bestimmte Branchen fest. Betriebe und Eigentumswerte. Zur geistigen Formierung einer Blockpartei. wie dies zum Beispiel den Siegermächten des II. aber nicht enteignet oder aufgelöst. Rissmann. in die Demokratie der Bundesrepublik Deutschland Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) 53 war die Partei der kommunistischen Staatsklasse der DDR.Der Beitritt zum Grundgesetz der Bundesrepublik hätte die Menschen im Beitrittsgebiet sofort rechtlich gleichgestellt. 1945 gelungen war. der Partei der kommunistischen Staatsklasse der DDR. aber in unterschiedlichen Höhen für die alten und die neuen Bundesländer. Auch zwanzig Jahre nach 1989 gilt der bürgerlich-rechtsstaatliche Grundsatz der Gleichheit vor dem Recht innerhalb des Staatsgebietes noch nicht wieder. aber eigenes Vermögen. denn sie besitzen kein „reiches Erbe“ aus der Zeit der Diktatur. In der Revolution 1989 wurde diese Partei zwar ihrer politischen Führungsrolle enthoben und politisch entmachtet. 2009 Seoul Oliver Kloss 20 . B. 3. Droste. der Staatspartei der deutschen Faschisten. Auf die Blockparteien kann hier nicht eingegangen werden. deren Gründung eine Errungenschaft der Revolution war: Sozialdemokraten. Also lag ihnen wenig an der konsequenten Enteignung aller DDR-Parteien. Der Begriff „Einheitspartei“ bezieht sich auf die zwangsweise Integration der Sozialdemokraten in die Partei der Kommunisten. Martin: Kaderschulung in der Ost-CDU. Die Grünen sowie die Bürgerrechtsbewegung waren und sind bis heute im Osten strukturell sehr schwach vertreten. Der Weg der „SED“. Düsseldorf. Stattdessen wurde die Rechtsstaatlichkeit der Bundesrepublik empfindlich beschädigt. siehe z. Weltkrieges mit der Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). 2.

Über das Schönreden der SED-Diktatur. B. Bis heute gewinnt die PDS dort die meisten Wählerstimmen. die noch immer Wunder wirken solle. also im Osten der Stadt Berlin und in dessen Umland. 106 Millionen DDR-Mark wurden z. Und worin hatten die Propagandisten mehr Übung und Erfahrung als in der Beeinflussung der Menschen zur Identifikation mit ihren Interessen? Der französische Religionssoziologe Marcel Mauss 56 hat die Theorie aufgestellt. wo der Anteil der Staatsund Partei-Funktionäre infolge der zentralistischen Struktur des DDR-Staates besonders hoch war: auf dem Gebiet der einstigen sogenannten „Hauptstadt der DDR“.oder Misslingen ihrer Ausweitung in die westlichen Bundesländer. 1985. In den magischen Riten werde die verlorene Macht beschworen. demonstrativ begrifflich an den westlichen Eurokommunismus und an sozialdemokratische Traditionen anzuknüpfen. Strategie der organisierten ehemaligen Funktionseliten bis in das Jahr 2005: Postume Beschwörung von „DDR-Identität“ und Tarnung der Täter von gestern in inszenierter Opferrolle Seit der staatlichen Einheit Deutschlands befand sich die PDS in einem strategischen Dilemma: Einerseits steht und fällt ihre deutschlandweite bundespolitische Bedeutung langfristig mit dem Ge. Die Wahrheit über DIE LINKE. 4. Hubertus: Die Täter sind unter uns. – Mehr zu diesem Thema: Knabe. an die Firma Putnik in Moskau überwiesen für eine Rechnung die nie gestellt worden war.. Berlin. Mürmel. 2009. List. Universität Leipzig. 2. Heinz: Das Magieverständnis von Marcel Mauss. die Magier seien die gewandelten entmachteten Priester. um die Partei für Westdeutsche wählbar erscheinen zu lassen. 55 56 Zwei Drittel des offiziellen Milliarden-Vermögens der Staatspartei verschwanden noch vor der Währungsunion bis Mitte 1990. ders. Berlin. 2009 Seoul Oliver Kloss 21 . Andererseits muss die PDS die Interessen der Mehrheit ihrer Mitglieder vertreten. 55 Mit der Umbenennung der SED in Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) wurde der Versuch unternommen. Diss. 2008. Im Kreidekreis des Zauberers zeichne sich noch symbolisch der Tempel im Modus des Verlustes ab.Die ehemalige Staatspartei der DDR ging als mit Abstand reichste Partei in die Deutsche Einheit.: Honeckers Erben. Doch welche Interessen vertrat die PDS? Die Interessen einer entmachteten Staatsklasse konnten medial nur massenwirksam vermittelt werden. Propyläen. Vgl. Sie bewahrten in heimlicher Unheimlichkeit den zum Aberglauben herabgesunkenen Glauben gegen die offiziell herrschende Religion der etablierten Priester. wenn sie sich als vermeintliche Interessen „der Ostdeutschen“ überhaupt artikulieren ließen.

Vgl. Mythen und 58 Legenden. Ein Teil hat die WASG. Gregor Gysi im Bundestag ist ein prominenterer Fall. suchen ihre Zuflucht bei diesen Magiern. Damit hat die Ungleichheit das höchste Niveau seit Beginn der Datenerhebung 1984 erreicht. und denen.de/aktuelles/2004/041021stern. Den Partei-Funktionären geht es unter den Angehörigen der ehemaligen Staatsklasse überaus gut. In den meisten Parlamenten mussten lediglich einige der ehemaligen inoffiziellen Mitarbeiten des DDR-Geheimdienstes ihr Mandat zurückgeben. ist größer denn je. der ernstlich daran glaubte.. dass der rechte Flügel der Sozialdemokratie eine Politik gegen das eigene Parteiprogramm betrieben und so indirekt die Stärkung der ehemaligen Staatspartei der DDR und sogar deren Ausweitung in die westlichen Bundesländer befördert hat. http://www.29 gestiegen. 2004 lag das Durchschnittsalter der PDS-Mitglieder bei 68 Jahren. Jetzt erhielt ich keine Auskunft. Angesichts des durch vorgezogene Neuwahl 2005 erzeugten Zeitdruckes driftete die WASG in die PDS. 58 Lediglich die Beschäftigungssituation innerhalb der Partei hat sich verschlechtert.] ist null bei absoluter Gleichheit und eins bei extremer Ungleichheit. S. 40 Denkfehler. Die PDS durfte sich lediglich des Umstandes erfreuen. Mehr als ein Drittel der Mitglieder hat daraufhin die Sozialdemokratische Partei verlassen. überarbeitete und aktualisierte Ausgabe 2005 [1.. so gibt es doch das tröstende Erleben eines Jenseits des etablierten und herrschenden Realen. Arno: „Ein Putsch von ganz oben“. Albrecht: Die Reformlüge. 44.27 auf 0.. sondern der Politik der SPD geschuldet. 1989 hatte die SED noch ca. in: Süddeutsche Zeitung vom 16. Auflage 2004]. 64 f. 07.]. B. Nicht einmal dies ist vollständig gelungen. das Wahlen gewinnen half –sozialer. gerechter. Luik. die Geister der Zauberer besäßen noch Macht genug. Ist das Land in dieser Zeit – und das war das Regierungsziel. 57 Die aus der Sozialdemokratie (SPD) und Bündnis 90/ Die Grünen gebildete Regierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder hat 1998 bis 2005 eine in der Geschichte der Bundesrepublik bisher von diesen Parteien ungekannte Politik der Umverteilung zugunsten der Wohlhabendsten betrieben: Nie sank der Spitzensteuersatz niedriger. so auch der ehemalige Parteivorsitzende der SPD. in: stern Nr. Knaur.000 politische Mitarbeiter. aber er saß bis Mitte 2009 im Stadtrat Leipzigs und sitzt noch heute im Sächsischen Landtag. die viel haben. z. Diese Stärkung der PDS (umbenannte Staatspartei der DDR) ist nicht deren eigene Leistung. Zwischen 2001 und 2005 ist der Gini-Koeffizient von 0. Auch die Angst vor dem sozialen Absturz ist größer denn je. in den nächsten Jahren könnte es zu einer revolutionären Situation kommen. 57 Mir ist noch kein Genosse der SED/ PDS/ DIE LINKE begegnet. ist von Dr.tacheles-sozialhilfe. vollst. die wenig haben.Die real Ohnmächtigen. die neuerlich umbenannt nun Die Linke heißt. mit denen Politik und Wirtschaft Deutschland ruinieren. Moritz: „Einkommen in Deutschland – Der große Graben“. 2009 Seoul Oliver Kloss 22 . Oskar Lafontaine. friedfertiger geworden? […] Die neuesten Zahlen sagen es eindeutig: Der Abstand zwischen denen.pdf. S.“ – Im September 2005 wurde diese Regierung abgewählt. 65: „Sechs Jahre regieren nun SPD und Grüne. 44.“ – Koch. Oktober 2004.. nie zuvor sank das Niveau der Altersrente und sogar der Sozialhilfe tiefer. ein statistisches Maß für soziale Ungleichheit [. wie viele noch beschäftigt sind. München. 21. Volker Külow unstrittig nachgewiesen. Zur Kritik aus der SPD siehe auch: Müller. die vom herrschenden Glauben oder Denken Enttäuschten. Selbst wenn diese Ohnmächtigen nicht daran glauben. um für sie etwas zu bessern. 2006: „Der Gini-Koeffizient [. die Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit gegründet. Diese soziologisch-psychologische Funktion erfüllt heute die PDS. dass er als bezahlter Spitzel dem MfS diente.

S. 2009 Seoul Oliver Kloss 23 . 60 Vor dem Hintergrund der tatsächlichen Konservierung getrennter Rechts-Gebiete durch die „Einigungsverträge“ und die Politik der Bundesregierungen seit 1990 konnte die Selbstdarstellung der PDS als vermeintliche „Interessenvertreterin der Ostdeutschen“ per se in Teilen der Bevölkerung durchaus eine gewisse Plausibilität gewinnen. später weitere Vereine. also in der Reintegration derjenigen. teils ohne dass sie jemals eine Ostmark eingezahlt haben. 146 f. Nr. „Siegerjustiz“ oder „Rentenstrafrecht“. Professoren. Siehe z. dass die DDR ihren Eliten neben der normalen Rentenkasse über 60 so genannte Zusatz. Z. Diese Strategie war überaus erfolgreich. sie programmatisch auch Interessen der Arbeitslosen und abhängig Beschäftigten artikuliert.. B. „Journal für Recht und Würde. das Argument mangelnder Finanzmittel des Staates zu behaupten. Die Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (PDS) wurde von Bundesarbeitsminister Wolfgang Clement ausdrücklich gelobt für die vorbildliche Planung in der Umsetzung der Hartz-Gesetze (Frankfurter Rundschau vom 10. bleibt ihr praktisches Machtstreben stets verbunden mit dem Werben um Akzeptanz für die Interessen der einstigen Funktionseliten der DDR. B. 59 Propagandistische Stichworte: „Gnade der westlichen Geburt“. 28 dieser lukrativen Systeme wurden per Einigungsvertrag und später per Gesetz in bundesdeutsches Recht übernommen. versuchte der Berliner Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) 2004 sogar noch den Sozialabbau der Hartz-Gesetze zu überbieten. Zeitschrift der Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde“ (GBM). sich und „die Ostdeutschen“ als politisch benachteiligt darzustellen. 2003.und Sonderversorgungssysteme gönnte. Winter. Wo die PDS als Partner in Koalitionen akzeptiert und an Regierungsmacht beteiligt wird. gegen die die Bewohner Ostdeutschlands 1989 sich erfolgreich erhoben hatten. KOLOG-Verlag.Seit 1992 betreibt die ehemalige Staatspartei mit finanziell gut ausgestatteten Vereinen diverse Kampagnen eigens zu dem Zwecke. indem er sich für Ein-Euro-Jobs in der Privatwirtschaft aussprach. 147: „Die einstigen Stützen des Systems profitieren davon. so hat nun nach der Vereinigung Deutschlands der Bundestag diese Streichung rückgängig gemacht. 61 Dieses Streben nach Macht und Anerkennung im demokratischen System der Bundesrepublik ist von dankbarer Anpassungsbereitschaft begleitet. Während manche Parlamentarier bei anderen Themen nicht müde werden. DDR-Funktionäre mit dem alten Privileg auszustatten. Vgl.“ 61 62 In Mecklenburg-Vorpommern besteht der einzige sichtbare Erfolg der PDS in der Landesregierung 2004 in der Abschaffung der Überprüfungen auf Mitarbeit im Geheimdienst der ehemaligen DDR. in: Der Spiegel. Politiker. September 2004). vergisst sie bereitwillig ihr Programm ganz. Berlin. S. 59 62 60 1992 wurden die „Komitees für Gerechtigkeit“ gebildet. 16. Diese garantieren den Versicherten hohe Leistungen im Alter. Steffen: „Soli für Margot. Manche alte SED-Günstlinge erhielten von der Bundesrepublik sechsstellige Summen nachgezahlt. wurden keine Mittel gescheut. Vopo-Offiziere – Die üppigen Sonderrenten der DDR-Eliten werden zur Milliardenlast für die neuen Länder – das Geld fehlt beim Aufbau Ost“. Hatte das letzte und zugleich erste demokratisch frei gewählte Parlament der DDR den Funktionären das Privileg der Sonderrenten aberkannt. Auch wenn die PDS sich sozialpolitischer Themen angenommen hat.

Antielitäre Eliten. Politische Herrschaft Milieubindung und Wertetraditionalismus im Elitenwechsel in der SBZ/ DDR von 1945 bis zu den sechziger Jahren. Ausdruck der führenden Rolle der SED. II/ 1. 9-35. Hartmut (Hrsg.“ – Vgl. Beiträge zur Sozialgeschichte der DDR. „Der Personenkreis. In: ders. In: Kaelble. umfasst auch um 300. S. 32: „Formal sind Nomenklaturkader im staatlichen Bereich getrennt von Nomenklaturkadern im Parteibereich. Politik. vom Deutschen Bundestag (12. soweit es sich um Offiziere und Parteifunktionäre handelt. Organisation. Andreas (Hrsg. Bauerkämpfer. Köln/ Weimar/ Wien. 32 f. dass sich große Teile der Funktionärsschicht aus sich selbst heraus regeneriert haben“. Stuttgart. Heft 3 (1992) S. Mitglieder des Sekretariats des ZK (Zentralkomitee) der SED waren gegenüber Ministern entscheidungsbefugt. Hrsg. In der DDR dürfte die „Funktionärsschicht etwa einen Anteil von 3% der erwachsenen DDRBevölkerung von ungefähr 12 Millionen Bürgern umfasst haben. Dankwart: „Nomenklaturkader in der ehemaligen DDR”. 322–356. Eine andere Gruppe sind die Bediensteten in Militär.): Sozialgeschichte der DDR.): Eliten im Sozialismus. 148-157. Zimmermann. In: Herbst. 1997. Nomos/ Suhrkamp.2. Wahlperiode).. 5. Wagner. h. in: ebenda. Abteilungsleiter des ZK waren gegenüber Staatssekretären und gegenüber den Stellvertretern des Ministers entscheidungsbefugt. Matthias: Das Kadernomenklatursystem. wobei „charakteristisch ist. der vom Nomenklatursystem erfasst war.000 Funktionäre. also eine Zahl von etwa 350. S. Hartmut: Überlegungen zur Geschichte der Kader und der Kaderpolitik in der SBZ/ DDR. S.000 Funktionäre in Staats.“ Von Kadern wurde politisch-ideologische Zuverlässigkeit und Verzicht auf Westkontakte erwartet. 1999. Geschichte. 463–471. in: Horch & Guck.000 MfS-Angehörige. S. Böhlau.und Sicherheitsapparat. Dietz.): Die SED.000 Offiziere der Armee und der Polizei und etwa 150. 2009 Seoul 64 Oliver Kloss 24 . Berlin. Bd. S. 1994. d. Peter: Einleitung. in: Enquête-Kommission „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“: Materialien der Enquête-Kommission. Nomenklaturkader 63 Das Nomenklaturkadersystem war aus der Sowjetunion übernommen worden. 100. Thomas: „Fragen zu Struktur und Methoden der Machtausübung in der SED-Diktatur“. 37–65.und Sicherheitsapparat. einführend Hübner. 30. Thomas Ammer kommt auf die „immense Zahl von etwa 1. Baden-Baden/ Frankfurt am Main.00 bis 400. ca. S. ca. Arnd: Kaderdiktatur und Kadergesellschaft. Klett-Cotta. Ammer. wobei er neben Mitgliedern der Staatspartei in Partei-Funktionen und sogenannten „Volksvertretungen“ nur FDGB (Staatsgewerkschaft) und FDJ (Jugendorganisation der Staatspartei) berücksichtigt.: (Hrsg. 64 63 Brinksmeier.8 Millionen Funktionärsträgern“. 1995. In der Praxis jedoch sind die Parteinomenklaturen den Staatsnomenklaturen unbedingt übergeordnet. Ein Handbuch.000 Funktionären“.

die Tendenz zur Selbstrekrutierung zu. […] Er schluchzt. 2. 2000. S. Leske und Budrich. S. Opladen. Die „Kämpfer an der unsichtbaren Front“. Versicherungsunternehmen stellten bevorzugt MfS-Mitarbeiter ein. übernahm sofort nach der deutschen Einheit den Personenschutz des MfS in bundesdeutsche Dienste. Ein Staat vergeht. Peter (Hrsg. Horizontale und vertikale Differenzierungsmuster in der DDR. Zugleich nahm 3. Rainer (Hrsg. 201-240. 2009 Seoul Oliver Kloss 25 . wie sie sich nannten. S. der sogenannten „Runden Ecke“ . Sylvia: Brief und Siegel. Gleich nach der deutschen Einheit gab es sehr viele Taxi-Fahrer. 6. die zuvor beim MfS gearbeitet hatten. Thomas/ Erd. Jens: Die hauptamtlichen Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit – eine sozialistische Elite? In: Hornbostel. zeigten in ihren Reihen ebenfalls die drei Tendenzen: 1. S. Kabus. Fischer. Gieseke. In: Blanke. In: Hübner. S. 79-83. Frankfurt am Main. S. „wer denn in Angst vor wem gelebt hat. Vgl. die 65 66 67 68 Sprichwörtliche Bezeichnung für das Dienstgebäude der Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit in der Stadt Leipzig. 68 67 Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU). 1990. einen MfS-Mitarbeiter weinen sehen: „Wohin denn mit all 65 den Menschen? Das sollen wir ihm mal sagen. Nur das. Köln/ Weimar/ Wien. Die Besetzung des Stasi-Gebäudes. 125-145. Böhlau.): Sozialistische Eliten. Jens: Die hauptamtlichen Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit als Elite. In den unteren Diensträngen kam es zunehmend zum Beförderungsstau .2. 233. Berlin. in den oberen zur Überalterung. Beiträge zur Sozialgeschichte der DDR. Vgl. Ministerium für Staatssicherheit (MfS) Sylvia Kabus hat 1989 bei der Besetzung der Leipziger Bezirksverwaltung. dass etwas mehr als 50% aller Geheimdienstmitarbeiter mindestens einen Verwandten im MfS hatten. denn sie wussten so viel über die Menschen und kannten so viele … Statt eines allgemeinen Entlassungsgesetzes wählte die Bundesrepublik den Weg der Einzelfall-Prüfung der Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst über eine Bundesbehörde. Stefan (Hrsg. Zur sozialstrukturellen Verortung der MfSMitarbeiter siehe: Gieseke. Personalstruktur und Lebenswelt 1950-1989/90.“ Daraufhin bleibt ihre Frage unausgesprochen. heute wieder in diesem Amt und Hauptverantwortlicher für den „Einigungsvertrag“.): Eliten im Sozialismus.): DDR. Christoph Links Verlag. 1999. 82. Keine Abteilung dürfte es besser als dieser ergangen sein. Jens: Die hauptamtlichen Mitarbeiter der Staatssicherheit. sie erfuhr eine sofortige Verbesserung der Einkünfte und der sozialen Position. Gieseke. Für den DDR-weiten Mitgliederbestand lässt sich für das Jahr 1989 festhalten.“ 66 Das Ministerium für Staatssicherheit war – bezogen auf die Anzahl der Bevölkerung – die größte Geheimpolizei der Welt. 139. 1999.

Bald darauf setzte die Lehrerschaft seiner Schule ihn als Direktor ab. Nutzer der Bibliothek etc. Reinbek bei Hamburg. indem er alle Fragen aussprach. 1: 17. Evangelische Verlagsanstalt. Einzelne Studenten staatlicher Bildungseinrichtungen beteiligten sich durchaus an subversiven Gruppen. wenn er die marxistisch-leninistische Ideologie herausstreichen solle. Das Theologische Seminar – die Kirchliche Hochschule Leipzig. Juni 2009. In Leipzig befand sich aber die größte der drei nicht-staatlichen evangelischen Hochschulen der DDR und viele der Akteure in den subversiven Gruppen studierten am Theologischen Seminar oder standen als Gasthörer. Werner/ Seidel. Juli 2009.den Aktenbestand des Geheimdienstes verwaltet. Er unterrichtete Mathematik. Uwe/ Hartmann. Die Regelüberprüfung aller Bundestagsabgeordneten ist nicht erfolgt. so z.000 Mitarbeiter der ehemaligen Staatssicherheit im Staatsdienst der Bundesrepublik.000 Stasi-Mitarbeiter noch im Staatsdienst. Siehe auch Müller. Grit: Vorwärts und Vergessen! Kader. Ende 1989 bis Sommer 1990 saß ich als Vertreter der Initiative Frieden und 70 Menschenrechte in Leipzig am Runden Tisch Bildung. Ulrich (Hrsg. 69 70 Leipziger Volkszeitung (LVZ) vom 10. 2009. Heute arbeiten noch mindestens 17. S. Einen Kurzvortrag bewältigte er. Michael Arnold in der Initiativgruppe Leben während des StomatologieStudiums. aber als Schicht blieben die staatlichen Studenten sowie die Karl-Marx-Universität in Leipzig für die Revolution vollkommen bedeutungslos. während sogar in Peking die subversive Kraft auf dem Platz des Himmlischen Friedens von den Studenten ausging. Dort saß auch ein Schuldirektor. Spitzel und Komplizen . 1993. Er hat eine Umschulung zum Ethiklehrer absolviert. B. in Beziehung zu dieser Institution. 2009 Seoul Oliver Kloss 26 . Siehe Vogler. Statt eines einheitlichen Kataloges mit Kriterien wurde die Beurteilung in das Ermessen des Dienstherrn gestellt. In seiner politisch-selektiven Funktion war es in der DDR so effektiv. einem der Übergangsgremien mit nie ganz geklärten Kompetenzen. die ihm zum Thema unverständlich geblieben waren.): Vier Jahrzehnte kirchlich-theologische Ausbildung in Leipzig. der ernsthaft fragte.das gefährliche Erbe der SED-Diktatur. Leipzig. Kurz: Die Säuberung der demokratischen Institutionen ist nie gelungen. Rowohlt. 69 2. Eine Bemerkung zum Bildungswesen Auch das Bildungswesen gehört zur Staatsklasse der DDR. Hans/ Kühn. dass die im staatlichen Bildungswesen Studierenden als Schicht 1989 gar keine Rolle spielten . 7. was denn noch vom Unterrichtsstoff übrig bleiben dürfe. LVZ vom 4. S. 2: Hunderte Ex-Stasimitarbeiter noch im Polizeidienst. Jahre später traf ich diesen Menschen wieder in der Universität Leipzig.

de/downloads/pdf/2007/strafverfolgung. zumeist auf Bewährung oder zu Geldstrafen. 71 Vgl. dass die kommunistische Machtelite eine allzu gute Behandlung erfahren hat. HumboldtUniversität. Hrsg. Marxen. die unter ihr gelitten haben. wie es denjenigen geht. 2009 Seoul Oliver Kloss 27 . Berlin. Es gab keine Form der Enteignung. wenn man bedenkt. Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. man könne die DDR nicht mehr „Unrechts-Staat“ nennen. wie das Rentenrecht zeigt. http://www. Die „Einigungsverträge“ haben die Justiz weithin auf das positive Recht der DDR festgelegt. Gerhard/ Schäfter.Diese Einzelperson mag nicht repräsentativ sein. denn es seien doch kaum Täter gefunden und kaum Opfer anerkannt worden. Klaus/ Werle. Zusammenfassung Resümierend lässt sich sagen.pdf (Juli 2009). aber das Beispiel kann zeigen. lediglich 759 ehemalige Bürger der DDR sowie 245 Personen aus der alten Bundesrepublik wurden verurteilt.stiftung-aufarbeitung. die wiederum – mindestens in der Grundschule und in den geisteswissenschaftlichen Fächern – mehrheitlich zum Lohne politischer Konformität in diese Position gelangt sind. 2. Ein Abgeordneter der alten Staatspartei im Sächsischen Landtag machte sich schon über die Justiz einerseits und das Rehabilitierungsgesetz für die Opfer der DDR andererseits lustig: Er bemerkte. was man mit solchen Menschen anfangen soll. Ein fairer Ausgleich des Lebensniveaus zwischen den Herrschaftsunterworfenen des Kommunismus und der alten Funktionselite ist bis heute nicht hergestellt worden. dass man eigentlich nicht weiß. DDR-Unrecht blieb fast unbestraft. Der größte Erfolg der Bürgerrechtsbewegung bleibt. Bis heute werden die Kinder im Osten weit überwiegend von DDR-Lehrern unterrichtet. Das Bürgerrecht auf informationelle Selbstbestimmung wurde sowohl gegen den Widerstand der damaligen Bundesregierung als auch gegen die alte DDR-Machtelite durchgesetzt. 2007. Nicht einmal alle Status-Vorteile sind der Machtelite genommen worden. dass erstmals in der Geschichte eine staatliche Behörde geschaffen worden ist. die vorgezogene Altersrente wäre unverdiente Auszeichnung und den öffentlichen Dienst verlassen sie nicht freiwillig. 71 Nicht einmal 50 Menschen erhielten Haftstrafen. Als Lehrer sind sie eigentlich nicht geeignet. die das Einsichtsrecht in die eigenen Akten ermöglicht. 8. Petra: Die Strafverfolgung von DDR-Unrecht Fakten und Zahlen.

Inzwischen wird die 72 Koch. Alle Schranken der Zumutbarkeit sind gefallen. dass es den betroffenen Menschen nicht schlechter geht als in der DDR. Auch in der DDR bestand mindestens bis 1985 allgemeiner Arbeitszwang. so hätte ich dies gewiss nie geglaubt. Zwischen 2001 und 2005 ist der Gini-Koeffizient von 0.] – ein statistisches Maß für soziale Ungleichheit [.“ Oliver Kloss 2009 Seoul 28 .„Es wird niemandem schlechter gehen als zuvor – dafür vielen besser“. folglich hat auch die Ungleichheit der Einkommen zugenommen. Die vorhandene Arbeit ist aber bedenklich ungleich verteilt. Aber sogar in diesem Falle gilt..27 auf 0. 07. http://www.. Der erste Versuch. Dereinst konnte dieser Versuch durch das Engagement der SPD in der Opposition erfolgreich abgewehrt werden. Das bürgerliche Grundrecht der Vertragsfreiheit wird diesen Bürgerinnen und Bürgern unverschuldet entzogen.. Damit hat die Ungleichheit das höchste Niveau seit Beginn der Datenerhebung 1984 erreicht. Sogar die Arbeitslosen und Empfänger der Grundsicherung haben heute mehr Freiheiten und ein gesünderes Leben sowie ein höheres Lebensniveau als dereinst die unterste Einkommensgruppe in der DDR. hatte Bundeskanzler Helmut Kohl verheißen. Sie zwingen nicht dazu.sueddeutsche. 72 Solche Probleme sind aber letztlich Fragen der politischen Willensbildung im demokratischen System. Seit Einführung der berüchtigten Hartz-Gesetze zu Beginn des Jahres 2005 gibt es in der Bundesrepublik den Arbeitszwang für Bezieher der sogenannten Grundsicherung. Moritz: „Einkommen in Deutschland – Der große Graben“.29 gestiegen. Hätte mir jemand vor 1989 prophezeit. Später hat die SPD unter Bundeskanzler Schröder die sogenannten Hartz-Gesetze mit den Grünen. der FDP und der CDU/ CSU beschlossen.. Diese Gesetze sind heute ein gesamtdeutsches Problem. die Bundesrepublik Deutschland werde nach der staatlichen Vereinigung den Arbeitszwang der DDR wieder einführen. die abhängig Beschäftigten ihrer Versicherungsleistungen zu enteignen. um durch Senkung des Lohnniveaus die Exportchancen der deutschen Wirtschaft weiter zu steigern. Ist das eingetreten? Ich denke: Ja! Das Arbeitsvolumen ist erfreulich gesunken. denn die Produktivität ist enorm gestiegen. wurde 1994 von der Bundesregierung aus CDU/ CDU und FDP unter Bundeskanzler Helmut Kohl unternommen. Verteilungsfragen könnten auch anders entschieden werden. 2006. Mit den berüchtigten Hartz-Gesetzen stehen Erwerbslose bei untertariflichen Arbeitsangeboten und Ein-Euro-Jobs vor der Alternative sie anzunehmen oder zu hungern. in: Süddeutsche Zeitung vom 16.] ist null bei absoluter Gleichheit und eins bei extremer Ungleichheit.de/wirtschaft/980/349815/text/ (2007): „Gini- Koeffizienten [. Besser als in der DDR sind diese Menschen jedoch nicht gestellt. den demokratisch gesteuerten Kapitalismus per se in Zweifel zu ziehen. denn sie verlieren sonst jegliche Unterstützung.

Die den Rechts. Sie können auf die Gestaltung der Politik Einfluss nehmen. Droht uns mit dem Neoliberalismus ein neuer Totalitarismus? Ansonsten genießen alle Bürger ihre bürgerlichen Grundrechte. Auf diese Verschlechterung im Bildungswesen als Folge der Einheit hat Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) aufmerksam gemacht. weil die Systeme der Arbeitslosenhilfe die Rechte des Individuums zur freien Annahme einer Beschäftigung und das Recht auf angemessene Entlohnung nicht respektieren. ob fast allen Landesregierungen die Verkürzung der Gymnasialzeit um ein Schuljahr auf nur 12 Jahre gelungen wäre. angemahnte Unrecht der Hartz- Gesetze. Ebenso ließe sich darüber spekulieren. wenn es die Vereinigung der beiden deutschen Staaten nicht gegeben hätte. Es lässt sich gewiss darüber spekulieren. in einzelnen Bereichen Angleichungen an die einst im Osten bestehenden Verhältnisse zu erreichen. – Vor diesen Gefahren der Vereinigung sollten die Koreaner gewarnt sein! Oliver Kloss 2009 Seoul 29 . der Internationalen Arbeitsorganisation. Das Recht bleibt korrigierbar. solche Gesetze ins Parlament einzubringen. soziale und kulturelle Rechte gerügt. Durch die staatliche Vereinigung ist es reaktionären Kräften in verschiedenen politischen Interessengruppen im Westen gelungen.Bundesrepublik Deutschland vom UNO-Ausschuss für wirtschaftliche. ob sich je eine demokratische Partei in der Bundesrepublik gewagt hätte.und Sozialstaat aushöhlenden Gesetze können prinzipiell geändert werden. also auch das bereits auch von der ILO. hätten sie sich nicht auf die Verhältnisse in der DDR beziehen können.

pdf (Englische Fassung). In dieser Einladung sprachen Prof. dass die Machtelite der Sowjetunion mit dem Erhalt ihres eigenen Status genug beschäftigt war und erste Differenzen innerhalb der Staatsklasse auftraten. Versammlungs. Wir erwarten uns von dieser Konferenz einen politischen und sozialen Austausch von Ideen und Anregungen für eine koreanische Wiedervereinigung. http://www.net/web/cms/upload/pdf/materialien/hric_2008_charter_08. Ab Ende des Jahres 1985 konnten die subversiven Kräfte in der DDR davon ausgehen. Es ist nur eine Frage der Zeit bis auch der Machtelite Chinas der Machterhalt im eigenen Lande näher liegen wird als das Interesse Schutzmacht der nordkoreanischen Diktatur zu sein. Rudolph). wie die Wiedervereinigung befördert werden könnte. der Präsident der Koreanisch-Deutschen Gesellschaft für Soziologie.scribd. aber auch darüber kann man ins Gespräch kommen. die Vereinigung besser zu organisieren als die deutsche verlaufen ist. Heute gibt es in der chinesischen Öffentlichkeit immer noch drei Tabus: freie Gewerkschaften. Dr. Dr.und Religionsfreiheit sowie ein Ende der Ein-Parteien-Herrschaft der Kommunisten in China: http://www. Insofern könnte die Situation bald mit der Endphase der DDR vergleichbar werden: Die Regierung eines Teilstaates verliert die sie stützende und schützende Großmacht. Für die Wiedervereinigung Koreas als Republik Ich danke Ihnen für die Einladung zu dieser Konferenz. Vielleicht werden Sie über meine mangelnde Kenntnis koreanischer Verhältnisse lächeln oder gar lachen.“ Diese Fragestellung ist spannend. Wir sahen. Worauf wäre zu achten. 2009 Seoul Oliver Kloss 30 . Presse-. wenn die Vereinigung Koreas bevorsteht? Welche Gefahren drohen und welche Chancen bestünden. und Prof. dass die Sowjetunion unter Gorbatschow kein Interesse mehr an der Verteidigung der DDR-Regierung gegen das Volk haben werde. Es sei mir daher erlaubt ein paar Empfehlungen zur Diskussion zu stellen. der Präsident des Koreanischen Instituts für Nationale Vereinigung. Jae Jean Suh. die führende Rolle der Kommunistischen Partei und die Menschenrechte. Tae Kook Jeon.com/doc/30527126/2008-China-Charta-08-Deutsch (Deutsch von Jörg-M. Gewaltenteilung. ihre Erwartungen aus: „Unserer Auffassung nach können aus den Erfahrungen der Deutschen mit der Problematik der Wiedervereinigung wichtige Erkenntnisse für Korea gezogen werden.3. 73 73 Die Verfasser der Charta 08 stellen sich bewusst in die Tradition der erfolgreichen Charta 77 (Petition gegen Menschenrechtsverletzungen in der Tschechoslowakei vom Januar 1977) und fordern Freiheitsrechte.eu-china.

2000. Karl: Südkorea.pdf (August 2009). Die Ressourcen könnten auf beiden Seiten im Falle der Vereinigung für die zivile Wirtschaft genutzt werden. Kosten der Grenzsicherung und erhebliche humanitäre Leistungen erforderlich. Schloms.de/panorama/welt/nordkorea-ein-viertel-des-bip-fuermilitaerausgaben_aid_338429. den Konferenzbeitrag von Jeon. 75 Was spricht gegen solche Bedenken? Während der Konferenz hat bereits die Botschafterin Frau Prof. Dr. dass Nord-Korea rund ein Viertel des Bruttoinlandproduktes für Militärausgaben verwendet. das Lebensniveau der Südkoreaner könne bedroht werden. 7) Waxmann Verlag. 77 Der Nuklear-Macht setzt Süd- Korea auch eine beachtliche Streitmacht entgegen. Der Kontrast im Wirtschaftsniveau zwischen dem Norden und Süden Koreas ist weit größer und zunehmend stärker ausgeprägt 74 als einst zwischen dem Osten und dem Westen Deutschlands und schon in diesem Falle kamen enorme Kosten auf. Kosten der Teilung und Kosten der Vereinigung Wirtschaftliche Befürchtungen im Hinblick auf die Integration Nord-Koreas – wie sie einst der liberale Präsident des republikanischen Korea. 1. (Schriften der Arbeitsstelle Eine-Welt-Initiative.de/pdf/2000/p00-304. Münster. Vom Entwicklungsland zum Industriestaat.“ 75 76 77 Vgl. AP in Focus online vom 6. Diese hohen Kosten erreichen für die Menschen keine anhaltende Verbesserung. beseitigen die politische Struktur in Nord-Korea nicht! Laut UN-Schätzungen hungern in Nord-Korea etwa sechs Millionen der 23 Millionen Einwohner und das Land erhält internationale Lebensmittelhilfe. Wird aber humanitäre Hilfe nach der „Logik totalitärer Staatsführung“ verteilt.focus. so hat sie zum „Ergebnis.wz-berlin. 2004. sobald die Wiedervereinigung vollzogen werden kann. So sind Befürchtungen verständlich. desto größer dürften die wirtschaftlichen Belastungen für Südkorea werden. Bd. 74 Engelhard.3. http://bibliothek. Vgl. 382: „Je länger sich die Wiedervereinigung verzögert. Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Roh Moo Hyun. wieviel das Fortbestehen der Teilung koste: Für den status quo sind hohe Militärausgaben. 76 Das US-Außenministerium geht davon aus. Oktober 2008: „Nordkorea: Ein Viertel des BIP für Militärausgaben“ http://www. S. Tae Kook (Kangwon Universität): Veränderungen in der Auffassung der Südkoreaner zur Wiedervereinigung und die Rolle der Machteliten (Referat IV). 2009 Seoul Oliver Kloss 31 . dass die Hilfe die Bedürftigsten nicht erreicht“. es sei bei der Frage nach den Kosten der Vereinigung stets zu bedenken. Michael: Devide et impera – Totalitärer Staat und humanitäre Hilfe in Nordkorea.html. gehegt hatte – können den politischen Willen zur Wiedervereinigung hemmen. Young-Hee Kim betont.

12. denn eine Barriere durch die Sprache besteht nicht. [Siehe Anhang!] 2009 Seoul Oliver Kloss 32 . so sollte zumindest bedacht werden: Sobald sich die Menschen Nord-Koreas von der Diktatur befreien. In jeder Diktatur findet (von schillernden Ausnahmen abgesehen) in der Regel eine scharfe Negativ-Auslese statt. 11. muss ihnen ein Weg in die Wiedervereinigung geboten werden. Goohoon: A United Korea? Reassessing North Korea Risks (Part I).html. wie es sie auch vom Osten in den Westen Deutschlands anfangs gegeben hat. Das einzige ernste Problem für den Kapitalismus des künftigen vereinten Korea dürfte die Gefahr steigender Arbeitslosigkeit im Prozess der Wiedervereinigung sein. B. klugen und kreativen Menschen werden bekämpft. September 22. um so besser. in: The Wall Street Journal. meint Kwon. 2009. Um dieses Potential nutzen zu können. in: Vorwärts. Müller. Gesetzt. Albrecht: „Der abgebrochene Vereinigungsboom“.Inzwischen liegt ein Report der US-Bank Goldman Sachs vor.com/article/SB125353016156627479. Deutschland und Japan. Ramstad. Goldman Sachs report says“. charakterlosen und dummen Menschen werden begünstigt. dass die kommunistischen Eliten nicht wieder an die Macht gelangen können. S. Kohle und Eisenerz reiches Rohstoffvorkommen und eine günstige demografische Entwicklung. Commodities and Strategy Research at https://360. Wie für diese Staaten. In der ersten Phase der Integration könnte die nordkoreanische Konjunktur von 2013 bis 2027 um jährlich bemerkenswerte sieben Prozent anziehen. alles Edle wird gestaucht. so sprächen für Nord-Korea gut ausgebildete Arbeitskräfte.gs.com. Andernfalls entsteht aus schierer Angst eine Fluchtbewegung nach Süd-Korea. 78 80 79 80 Kwon. Mitte des Jahrhunderts könne ein vereinigtes Korea dann sogar ein höheres Bruttosozialprodukt aufweisen als Frankreich. Der nordkoreanischen Bevölkerung muss dann von Süd-Korea die Sicherheit geboten werden. A combined North and South would create an economic powerhouse by midcentury. ein mit Uran. Russland. um so höher sind die Kosten des Wiederaufbaus. diese Prognose sei zu optimistisch. 79 78 An der 24-Seiten-Studie Er hatte seinerzeit Brasilien. September 21 (2009). Nur dies verhindert die Massenflucht. Goldman Sachs Global Economics Paper No: 188. nicht nur für die leidenden Nord-Koreaner! Je länger die Diktatur fortbesteht. bedürfe es des Abschieds von der Diktatur sowie der Wiedervereinigung mit Süd-Korea. Gerade die eigenständigen. http://online. feige Dienstbarkeit wird belohnt. [Siehe Anhang!] Siehe zur Kritik an der Wirtschaftspolitik Deutschlands nach der Vereinigung z. Je früher die Wiedervereinigung gelingt.wsj. Indien und China als aufstrebende Wirtschaftsmächte identifiziert. März 2004. von Goohoon Kwon hat auch Jim O'Neil mitgearbeitet. p. Für den Erhalt annähernder Vollbeschäftigung wird politische Klugheit erforderlich sein. mutigen. das heißt: Die willensschwachen. Evan: „Study sees gains in Korean unification.

doch er weiß besser. Ich erhielt leider auch keine besseren Auskünfte. aber keinesfalls um den entschlossenen Systemwechsel./ Solarz. Michael E. aus Nord-Korea könne kein Name eines Dissidenten bekannt werden. wodurch seine Macht bedroht ist.aspx.edu/opinions/2009/06_north_korea_ohanlon. die Gesamtzahl der Inhaftierten wird auf eine Million geschätzt (von knapp 23 Millionen Menschen).aspx (September 2009). da muss es auch sehr viele mutige und eigenständig denkende Menschen geben. Wie aber hätten die Gruppen sich anders artikulieren können. 2009).: A New North Korea Strategy (June 24. 2. O`Hanlon. wenn man auf den Systemwechsel vorbereitet ist. 81 Aber diese Einschätzung hätte man auch in der zweiten Hälfte der 80er Jahre im Westen Deutschlands über Ostdeutschland hören können. Michael E. http://www. Ich traf Christoph Kähler.aspx?sc_lang=zh-CN (Koreanisch). wenn sie der Staatsmacht nicht den Vorwand zur sofortigen Verfolgung und Inhaftierung schenken wollten? Mitte Juni 2009 übergab das Brookings Institut.edu/opinions/2009/0624_north_korea_ohanlon. das Politikberatung für die Außenpolitik der USA betreibt. The Brookings Institut: http://www.3. denn schneller sei dieser Mensch im Umerziehungslager oder ermordet. zwanzig Jahre nach 1989 war Wert darauf gelegt worden. er habe in unterschiedlichen Gemeinden in Süd-Korea nach Namen bekannter Dissidenten aus Nord-Korea gefragt. In Nord-Korea soll es etwa 30 Arbeitslager geben. beide Teile Koreas zu besuchen. Stephen J. Er erzählte. etwas „Verbesserung“ im Lande. Brookings Northeast Asia Commentary.: North Korea Collapse Scenarios.brookings. O`Hanlon. es gehe den existierenden Gruppen bestenfalls um etwas Kritik.brookings. den ehemaligen Bischof Thüringens.und Süd-Korea.edu/opinions/2009/06_north_korea_ohanlon. Number 30 (June 09. Es ist riskant an Zusammenbrüche zu glauben. der US-Regierung einen Bericht über zu treffende Vorbereitungen angesichts eines Kollapses in Nord-Korea.brookings. aber gut. Wer sonst soll durch Zwangsarbeit von der Diktatur bekämpft und zerstört werden? 81 83 82 82 83 Im September 2009 besuchte Bischof Wolfgang Huber. The Brookings Institut: http://www. Ich möchte für sensible Wahrnehmung von Dissidenz werben: Manche subversive Gruppe mag Ihnen viel harmloser anmuten als dem Geheimdienst Nord-Koreas. keinesfalls um eine Revolution. Stets sei ihm die gleiche Antwort gegeben worden. 2009 Seoul Oliver Kloss 33 . in Seoul. Wo es so viele Arbeitslager gibt wie in Nord-Korea. 2009). mochten auch in Nord-Korea nur kontrollierte Kontakte zur konformen Staatskirche möglich sein. Außerhalb der Kirchen gab es keine Möglichkeit öffentliche Räume legal zu nutzen und so glaubten viele der westlichen Politiker. der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) mit einer Delegation Nord. Wo gibt es in Nord-Korea organisierten Widerstand? Es sind bisher – so wurde auch in den Diskussionen der Konferenz betont – keine subversiven Organisationen in Nord-Korea bekannt. Allein wirtschaftliche Schwierigkeiten bewirken noch keine Revolution ansonsten hätte sie früher in Nord-Korea oder Kuba stattfinden müssen als zum Beispiel in der DDR.

von Gruppen innerhalb der Parteien zu danken. Nr.com/doc/30725308/1989-Leipziger-Chronik-Teil-3-4. S.scribd. 2009 Seoul Oliver Kloss 34 . Dergleichen Hemmungen kannten die Kommunisten nie. 84 Bisweilen wurde sogar im Zusammenhang mit der militärischen „Entspannungspolitik“ die gleichzeitige Destabilisierung der osteuropäischen Diktaturen als Widerspruch betrachtet. die den organisierten Widerstand in der DDR unterstützten. 6. 8–11. Dokumentation der Ereignisse in Leipzig.): Die Mücke.): Fortsetzung der „Leipziger Chronik“. versuchte die Hilfszahlungen an den verarmten Norden an eine atomare Abrüstung zu knüpfen. 14/ 15 sowie „Leipziger Chronik“ (Teil 4) vom 4. März 1989 [Nachdruck von Vorwort und Chronik als „Leipziger Chronik“ (Teil 1) in: Ost-West-Diskussionsforum. Nr. 7. seit Februar 2008 Präsident Koreas. Nr. wenn es um die offene Unterstützung des organisierten Widerstandes in der DDR ging. Februar 1990. Düsseldorf. In der Bundesrepublik Deutschland besaßen die Parteien vor 1989 mehrheitlich Hemmungen. http://www. Mai 1989. Oktober 1989. Kluge Politikerinnen und Politiker sollten langfristig denken und auch in Korea auf die Überwindung des Kommunismus setzen. in: Ost-WestDiskussionsforum. April 1989. Lee Myung Bak. Lee versucht eine Politik der Leistung und der Gegenleistung durchzusetzen. S.3. „Leipziger Chronik“ (Teil 2) in: Ost-West-Diskussionsforum. September 1989 in: Ost-WestDiskussionsforum.scribd.com/doc/30725523/1989-Leipziger-Chronik-Teil-1 etc. Leipzig. S. zusammengestellt von Kathrin Walther und Thomas Rudolph und in der Bundesrepublik von Frank Wolfgang Sonntag veröffentlicht: „Leipziger Chronik“ (Teil 3) vom 23. deren erklärtes Ziel die Beseitigung von Demokratie und Kapitalismus war. 10. hat den Stil seiner beiden Vorgänger geändert. 7–10. 8/ 9. der Partei der Grünen und der CDU. S. Diese Haltung stieß bei der Regierung Nord-Koreas auf Unmut. Arbeitsgruppe Menschenrechte/ Arbeitskreis Gerechtigkeit (Hrsg. Vgl.]. DDR-Samisdat. Nr. Juni 1989 bis 4. Vierzehn Empfehlungen zur koreanischen Wiedervereinigung Die Sonnenschein-Politik des einseitigen Entgegenkommens hat von der Seite NordKoreas keine angemessene Antwort erhalten. Sie ließen sich wegen diplomatischer Beziehungen oder politischer Verhandlungen mit Demokratien nie in der Finanzierung ihrer erfolglosen Kommunistischen Parteien im Westen beirren. 84 Natürlich gab es Politikerinnen und Politiker aus SPD. aber im August hat das Regime das Begräbnis des ehemaligen Präsidenten Süd-Koreas genutzt. Juni 1989. 3. um vermittels einer Delegation den Dialog wieder aufzunehmen. aber dies war der Initiative von Einzelnen bzw. 18-20. Arbeitsgruppe Menschenrechte/ Arbeitskreis Gerechtigkeit (Hrsg. Februar bis zum 29. http://www.

Ebenda: „Mit den nord-koreanischen Radiogeräten kann man im Lande lediglich die Programme des dortigen Staatssenders empfangen. Berlin. Informationsfreiheit ist die Voraussetzung für Meinungsfreiheit.com/group. 7. Schlomann. S. Erste Informationen der Außenwelt gelangen nach Nord-Korea“. sollten Sie nicht aufbrechen.php?gid=87400041306 (September 2009). die dort nicht erhältlich sind. Leiter ist Ha Tae-keung. Sie können nach Nord-Korea reisen." 86 4. Öffentlichkeit schützt! Tragen Sie dazu bei. kann man auch verlieren bzw. Bund der Stalinistisch Verfolgten e. dass Informationen 85 über Menschenrechtsverletzungen in Nord-Korea bekannt gemacht werden! 3.Wenn meine These zutrifft. Was man für den eigenen Bedarf bei sich hat. September 2009 in Seoul auf der Straße eine Aktion der Organisation Justice Rescue NK. Darstellungen über das Leben in Süd-Korea und Meldungen aus aller Welt. in: Der Stacheldraht für Freiheit. 6. dass kommunistische Eliten ihre Macht nur solange bewahren können wie es ihnen gelingt die Flucht der Staats-Insassen zu verhindern und den organisierten Widerstand zu unterbinden.. der Schmuggel mit chinesischen Radios nach Nord-Kores blüht. Ohne Bücher. Nr. der früher nord-koreanischen Flüchtlingen for North Korea: Oliver Kloss 2009 Seoul 35 . was gebraucht wird! Unterstützen Sie politische Flüchtlinge! Begünstigen Sie Fluchtmöglichkeiten! 2. die die Flucht-Bewegung begünstigen und den organisierten Widerstand ermutigen und stärken.facebook. Hrsg. Diese Einsätze starten an Orten in der Nähe der inner-koreanischen Grenze. Ich möchte für sensible Wahrnehmung von Dissidenz werben und die folgenden 14 Empfehlungen zur Diskussion stellen: 1. 2009. Der wichtigste dürfte das Offene Radio Nord-Korea sein. Ein effektives und kostengünstiges Medium für Informationen nach Nord-Korea können Radio-Sender sein. Im Südteil der Halbinsel gibt es seit einiger Zeit mehrere private Radiosender. Unterstützen Sie die Kräfte des Widerstandes in Nord-Korea in jeder erdenklichen Weise! Fragen Sie. V. (Das private Offene Radio Nord-Korea sollte staatliche Förderung erhalten und die Sendezeit ausbauen. dass an der Grenze der DVRK zu China der Schmuggel mit chinesischen Radios blüht – der Preis für ein Gerät beträgt umgerechnet zwei Dollar. Recht und Demokratie. Friedrich-Wilhelm: „Neues aus einem verschlossenen Land. die sich an die Landsleute im Norden wenden.) Die Zahl der Hörer wächst. Das Programm beinhaltet persönliche Berichte von Flüchtlingen. 85 87 86 87 Ich erlebte am 16. Unlängst las ich von einer einfallsreichen Flugblatt-Aktion der Zentrale der Kämpfer für ein freies Nord-Korea (Seoul): „Die Mitglieder dieser Organisation verschicken mit Hilfe riesengroßer Luftballons Flugblätter. das seit vier Jahren täglich zwei Stunden sendet. So ist es kein Zufall. die nach genau berechneter Zeit in großer Höhe zerplatzen und dann ihre Botschaften buchstäblich vom Himmel fallen lassen. „vergessen“. http://www. so können alle politischen Maßnahmen die Diktatur in Nord-Korea effektiv destabilisieren.

– Whitney. Nehmen Sie Einfluss auf die Regierung Süd-Koreas. fordern Sie im Rahmen der Politik von Leistung und Gegenleistung den Freikauf politischer Häftlinge aus den Gefängnissen Nord-Koreas! Es sinkt die Angstschwelle für die Beteiligung an subversiven Aktionen.5. sonst wirken die Privilegien der Diktatur noch Jahrzehnte nach! 13. Setzen Sie sich im Prozess der Wiedervereinigung dafür ein.755 Menschen. der Partei etc. wovon ich spreche. Wolfgang Vogel – Anwalt zwischen Ost und West. Ich weiß. S. 9. Craig R. sofern die Auflösung nicht gelingen sollte! 12. Siedler. nicht nur der Archive des Geheimdienstes. sich als Opfer darstellen zu müssen.“ Der Häftlingsfreikauf war eine herausragende humanitäre Leistung der Bundesrepublik Deutschland: Die jährlichen Zahlungen lagen zwischen rund 38 Millionen DM 1964 und rund 388 Millionen DM 1984. Unterstützen Sie die Nord-Koreaner bei der Säuberung des Öffentlichen Dienstes von politisch belasteten Personen! Bilden Sie schon jetzt Beamte aus. Schaffen Sie im Prozess der Wiedervereinigung gleiches Recht im ganzen Land! Kollektive Benachteiligung der Nord-Koreaner schadet nicht nur ihnen. Berlin. auch der Polizei. 11. Schaffen Sie in Süd-Korea eine „Erfassungsstelle für politisch motivierte Straftaten“ an Nord-Koreanern in Nord-Korea nach dem Vorbild der deutschen „Zentralen Erfassungsstelle Salzgitter“! 7. von 1964 bis 1990 waren dies Zahlungen von fast 3. denn auch mein Engagement wäre sonst vorsichtiger gewesen. damit die Menschen nicht auf Funktionäre der alten Machtelite angewiesen sind! Entsenden Sie bei der Wiedervereinigung Lehrer nach Nord-Korea! Sie begünstigen die Zukunft. sondern begünstigt auch den Einfluss der ehemaligen kommunistischen Machteliten auf den wiedervereinigten Staat. wenn sie einen Ausgleich für erlittenes Unrecht erhalten wollen! 88 über die Grenze half. dass UNO-Mitglieder (Unterzeichner-Staaten der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte) wie SüdKorea das Staats. Setzen Sie sich mindestens für die Enteignung der Staatspartei Nord-Koreas ein.! 10. Muten Sie den von der Diktatur Geschädigten nicht zu. die in Nord-Korea die Verwaltung übernehmen können. 1993. Dieser Punkt ist mir besonders wichtig. 400.und Strafrecht Nord-Koreas nicht anerkennen! 8.: Advocatus Diaboli.5 Milliarden DM für 33. [2 DM sind rund 1 Euro] 2009 Seoul Oliver Kloss 36 . Akteneinsichtsrecht! Unterstützen Sie die Öffnung der Archive in Nord-Korea. 88 6. wenn man weiß. dass man eventuell freigekauft werden könnte. Setzen Sie sich für die Angleichung der Altersrenten der Nordkoreaner unabhängig von der Lebensleistung ein.

der nord-koreanische Diktator habe dieses Angebot doch wieder zurück gezogen. die sich nicht mit diktatorischen Regimen gemein machen. jedoch nicht in der DDR-Presse. Nach diesem Witze noch ein paar ernste Worte. 89 90 Nietzsche. – der aller-letzte Botschaftsflüchtling dieses Staates sein werde. Sogleich wurde unter den Ostdeutschen darüber ein Witz gemacht. Die beiden weltpolitischen Groß-Experimente Deutschland und Korea haben überdies gerade durch die strenge staatliche Teilung der jeweiligen Staats-Bevölkerung gezeigt. wie im Kommunismus „das Leben selbst sich verneint“. 2009 Seoul Oliver Kloss 37 . Letztlich wählte sogar Erich Honecker lieber das inzwischen wieder demokratische Chile als Ort des Exils als das kommunistische Nord-Korea. 37. Mit der Charta 08 – nach dem Vorbilde der erfolgreichen tschechoslowakischen Charta 77 verfasst – haben die Dissidenten in China die Menschenrechte als universellen Maßstab thematisiert. Friedrich: KSA 11. sich nicht mit ihnen auf eine Stufe begeben. 587 [NF Juni-Juli 1885. Als der 1991 bereits im sowjetischen Exil lebende Erich Honecker in Moskau in die Botschaft Chiles flüchtete. Nationalismus oder Kulturalismus 90 – vermeintliche „kollektivistische Identitäten“ bemühen. denn wo Erich Honecker auftauche. da wachse die Gefahr. 11]. Sie erzählten. 89 Friedrich Nietzsches Hypothese wurde auch durch anderen kommunistischen Staaten grausam praktisch bestätigt. die – wie Rassismus. S. 4. dass Mauern fallen und Grenzen geöffnet werden. etc. Ost-Deutschland und Nord-Korea taugen nicht nur „zur praktischen Belehrung und demonstratio ad absurdum“. dass einmal Erich Honecker – der Vorsitzende des Staatsrates und Generalsekretär der Staatspartei. Wählen Sie Politikerinnen und Politiker in Süd-Korea.14. so war noch nicht abzusehen. dass Ideologien. keine sinnvollen Erklärungen bieten können. auf ein chinesisches Verständnis von Menschenrechten und auf nationale Souveränitat verweisen. weil er sich der sowjetischen Genossen nicht mehr sicher war. während die herrschenden Kommunisten dagegen kulturalistisch argumentieren. Ein Blick zurück und ein Blick voraus Als Bilder von „ost-deutschen“ Besetzern der „west-deutschen“ Botschaft in Prag in der Presse der Welt erschienen. sondern aus der Position der Stärke heraus klug verhandeln! 3. bot der Diktator Nord-Koreas ihm „aus humanitären Gründen“ Asyl an. der Vorsitzende des Nationalen Verteidigungsrates etc.

sie können von Menschen verändert werden. Sie denken voraus. Für den Widerstand in einer Diktatur ist nichts wichtiger als die Unterstützung von außen und die mediale Weltöffentlichkeit. Oliver Kloss 2009 Seoul 38 . Der Primat der Politik im Medium der Macht hat sich bestätigt. Unterstützen Sie die Kräfte des Widerstandes in Nord-Korea! Ich möchte dem Ministerium für Wiedervereinigung der Republik Korea für meine Einladung und Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit danken. dass Sie hier in Süd-Korea klüger vorgehen als einst die Mehrheiten in politischen Parteien und Organisationen im bürgerlich-demokratischen Teil Deutschlands. Allein die politisch-ökonomischen Strukturen waren für den entstehenden Kontrast in den Lebensverhältnissen entscheidend. Sie können auch aus der deutschen Wiedervereinigung lernen. Aber gerade diese Strukturen sind offen für bewusste plastische Gestaltung. Ich freue mich.Die Geschichte der beiden Teilungen zeigt: Entscheidend für die unterschiedlichen Lebensverhältnisse können weder die kulturellen Traditionen noch genetische oder sonstige biologistische oder kulturalistische Bedingungen gewesen sein. Ich wünsche den Koreanerinnen und Koreanern im Norden wie im Süden für ihre koreanische staatliche Wiedervereinigung besseres Gelingen.

muss der Kapitalismus jetzt nicht mehr beweisen.3 Prozent gesunken. erlag diesem Glauben als er schrieb: „Anders als noch in Zeiten der Systemkonkurrenz. Im Jahre 1982 ist die Sozialleistungsquote erstmals. Diese Sichtweise begegnet mir durchaus oft bei ansonsten intelligenten Menschen. Reclam. bietet das Statistische Bundesamt in der Demokratie der Bundesrepublik jeder und jedem parteiunabhängig das verfügbare Zahlenmaterial und bei der Bundeszentrale für politische Bildung kann der Jahresbericht gegen wenige Euro bestellt werden. muss einerseits an den Mythos von einer „sozialen“ DDR glauben. human und gerecht sein kann. 44. Nichts falscher als das. die Globalisierung bedrohe die deutsche Wirtschaft und müsse mit 91 92 Luik. Der nächste Milliardenkredit für die DDR war von seiten der Bundesrepublik für den Herbst 1989 vorgesehen. Wer so denkt.“ 91 Eine vermeintlich ernst zu nehmende „Systemkonkurrenz“ dürfte aus der Sicht der Bundesregierungen schon nach 1968 nicht mehr relevant gewesen sein.4 Prozent des Bruttosozialproduktes. Zum Beispiel ist schwer nachvollziehbar. Beate (Hrsg. Er konnte nur durch die Revolution verhindert werden. in: stern Nr. Arno: „Ein Putsch von ganz oben“.): Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellungen. wieso viele Menschen in Deutschland glauben konnten. Ein Blick in die Statistik genügt: Die Sozialleistungsquote stieg von 1965 bis 1881 kontinuierlich und erreichte 1981 den Wert von 33. aber 1983 schon auf 32. S. 21. 92 Sozialabbau konnte in den 80er Jahren politisch erfolgreich durchgesetzt werden. andererseits soziale Entrechtung im Stile der Hartz-Gesetze als quasi-natürliche Folge der Revolution von 1989 erachten. S. was die Medien verbreiten. 1993. 7. Hrsg.Nachbemerkung für deutsche Leserinnen und Leser Die Entwicklung Süd-Koreas sollte auch alljenen in Deutschland zu denken geben. Oktober 2004. die der Täuschung aufsitzen. in: Grosser. Sozialabbau in der Bundesrepublik gibt es nicht erst seit 1990. 1996. Stephan/ Neuss. wie ebenfalls ein Blick in die Statistik lehren kann. Die kritische Prüfung ist prinzipiell möglich. aber geringfügig auf 33. Arno Luik. 82. Bonn. Sogar einer der couragiertesten Journalisten Deutschlands. – Das heißt. Stuttgart. Während zu Zeiten der DDR keine Statistik existierte. S. 65.3 Prozent. der wohlfahrtsstaatliche Kapitalismus der alten Bundesrepublik sei einer Systemkonkurrenz geschuldet und sozusagen als indirekter Erfolg der Existenz der DDR zu danken gewesen. 2009 Seoul Oliver Kloss 39 . vom Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung. keine und keiner muss glauben. die es zu lesen lohnte. war aber nie ökonomisch notwendig. dass er sozial. Band 11: Bundesrepublik und DDR 19691990. Dieter/ Bierling. Siehe Statistisches Taschenbuch 1993. also bis 1990.

Sozialabbau und Lohnsenkung beantwortet werden. Der Flughafen in Seoul wurde im weltweiten Vergleich als besonders ökologisch ausgezeichnet. wodurch der Erhalt der Vollbeschäftigung auch in Süd-Korea keine Selbstverständlichkeit mehr ist. wie die Straßen der Hauptstadt Seoul mit einem flächendeckenden Blinden-Leitsystem ausgestattet werden. Aus deutschen Medien kennen wir das Argument nur als Angst vor Standort-Nachteil. Zur Bewahrung annähernder Vollbeschäftigung wurde deshalb ein Grünes Konjunkturprogramm erforderlich. Inzwischen ist ein Produktivitätsniveau und ein ökonomisches Sättigungsniveau erreicht worden. Das Parlament hat eine Sozialhilfe eingeführt. Auch die Konservativen und die Liberalen hätten sich zugunsten des Blinden-Leitsystems ausgesprochen. es bietet Überraschungen! … – Kurz: Süd-Korea zeigt. Meine Nachfrage. sie böte irgendeine Konkurrenz-Situation. wurde verneint. Wie hätte Deutschland bis ins vergangene Jahr „Exportweltmeister“ sein können. wenn die Blinden der Welt als Touristen nach Seoul kämen. Und doch schenkt die pro-kapitalistische Entwicklung nach beachtlichen Auseinandersetzungen an der Konfliktlinie Arbeit-Kapital seit erlangter Vollbeschäftigung den Massen einen bisher ungekannten Wohlstandszuwachs. weshalb öffentlich-kollektive Güter zerstört werden sollten. wenn die Globalisierung für die Wirtschaft in Deutschland je ein Problem gewesen wäre? Von einer Diktatur wie Nord-Korea wird niemand ernstlich behaupten wollen. nun den zweiten Platz in der Welt behaupten. Zugunsten der Verbesserung von Lebensverhältnissen durch den Ausbau öffentlicher Güter hatte ich das „Standort“-Argument noch nie vernommen. weil diese Stadt ihnen etwas zu bieten hätte. Süd-Korea hat im ökonomischen Welt-Vergleich Platz 12 erstiegen (BIP Kaufkraftparität 2009 IWF) und Platz 26 des Human Development Index 2007 (vier Plätze nach Deutschland). wie Kapitalismus möglich ist! Leipzig. sie schreckt einfach nur ab. die gegen Vollbeschäftigung und Konjunkturprogramme kämpfen. um die Unabhängigkeit der Einzelnen von ihren Familien zu sichern und um die Steigerung des Lohnniveaus nicht zu behindern. die nach Begründungen suchen. Das muss nicht verwundern und war gemäß der Theorie von John Maynard Keynes auch durchaus zu erwarten. Süd-Korea musste und muss auch heute gar nichts „beweisen“. denn es sei doch ein „Standort-Vorteil“. Hier wird es stets von denjenigen strapaziert. Besuchen Sie Süd-Korea. ob es auch politische Kräfte gäbe. Oktober 2010 Oliver Kloss 2009 Seoul 40 . Ich konnte zum Beispiel sehen.

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