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Grosse Enttäuschung in Liestal

Der Kanton will die Gewerblich-industrielle Berufsfachschule nach Muttenz zügeln

Von Thomas Dähler

Muttenz/Liestal. Was schon lange gemunkelt wurde, ist jetzt offiziell: Die Gewerblich- industrielle Berufsfachschule in Liestal soll geschlossen werden. Am Dienstagabend hat die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) den Masterplan Sekundarstufe II vorgestellt und angekündigt, die heutigen Berufsschulen in Liestal und Muttenz würden in einem neuen Berufsbildungszentrum in Muttenz zentralisiert. In Liestal ist die Enttäuschung gross. «Wir wurden vor dem Entscheid nicht konsultiert», erklärt der für die Bildung zuständige Liestaler Stadtrat Daniel Muri.

Flexibel, ökonomisch, nachhaltig Die von der Regierung positiv zur Kenntnis genommenen Zentralisierungspläne werden von der kantonalen Bildungsdirektion mit dem Bedarf eines «hohen Masses an Konzentration von Raum und Organisation» begründet. Mit der Zentralisierung würden die anstehenden Herausforderungen «flexibel, ökonomisch und nachhaltig gemeistert», heisst es in der Medienmitteilung. Dabei stehen die Digitalisierung der Arbeitswelt, die Stärkung der dualen Berufsbildung, der Fachkräftebedarf und die gezielte Förderung von Jugendlichen im Zentrum. Es gehe um die Laufbahnorientierung der Schülerinnen und Schüler und um eine engere Zusammenarbeit zwischen Berufsbildung und Gymnasium. Schon zu einem früheren Zeitpunkt hatte Bildungsdirektorin Monica Gschwind angekündigt, dass die Jugendlichen mit einem bewussten Laufbahnentscheid ihre Berufsziele ohne Umwege direkt ansteuern sollten.

Der Liestaler Stadtrat Muri, der auf dem Gerüchteweg von den Zentralisierungsplänen erfahren hatte, findet es seltsam, dass vor dem Entscheid zugunsten von Muttenz weder Bildungsdirektorin Gschwind noch die Projektverantwortlichen mit der Stadt Liestal Kontakt aufgenommen hätten. Wenn die Berufsfachschulen schon zentralisiert werden müssten, hätte es auch in Liestal Möglichkeiten gegeben, findet Muri. So beabsichtigt die Stadt, das Primarschulhaus Mühlematt in unmittelbarer Nachbarschaft der heutigen Berufsfachschule aufzugeben. Muri kritisiert zudem, dass die Bildungsdirektion den Liestaler Stadtrat auch bei ihren Zukunftsplänen für die Sekundarschulen Frenke und Burg im Unklaren lässt.

«Der Stadtrat von Liestal wird sich weiterhin für den Schulstandort Liestal einsetzen», sagt Muri. Liestal sei verkehrsmässig sehr gut erschlossen. Insbesondere für das Oberbaselbiet sei der Standort Liestal der Gewerblich-industriellen Berufsfachschule ideal.

In Muttenz ist geplant, das neue Berufsbildungszentrum im heutigen Gebäude der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) auf dem Polyfeld zu realisieren. Das Gebäude soll nach dem bevorstehenden Umzug der FHNW umgebaut werden. «Diese Ausgangslage bietet die einmalige Möglichkeit zur räumlichen und organisatorischen Konzentration der Bildungsangebote der Sekundarstufe II», schreibt die BKSD dazu. Realisiert werden soll dies gemäss den von der BKSD vorgelegten Zeitplänen 2024.

Der Landrat entscheidet Mit der Zentralisierung soll die Raumfläche reduziert werden. Gemäss den Unterlagen plant die BKSD, den notwendigen Architekturwettbewerb noch in diesem Jahr zu starten. Voraussetzung dafür wären allerdings die dafür nötigen Entscheidungen des Landrats.

Für die heutigen Gebäulichkeiten in Liestal hat der Kanton keine Pläne. Die frei werdenden Räume der heutigen Berufsfachschule in Muttenz sollen gemäss dem Masterplan später eine räumliche Zusammenfassung der Brückenangebote sowie einen Umzug des Gymnasiums Muttenz und der Fachmittelschule ermöglichen. Die späteren Strategien der BKSD zielen auf die Realisierungshorizonte 2028 und 2032. Vorgesehen ist zudem in Muttenz auch die Bündelung der Verwaltungseinheiten des Amts für Berufsbildung und Berufsberatung und des Berufsinformationszentrums.