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Kapitel 2 Die Klimakatastrophe findet nicht statt — Das Wichtigste in Kiirze Kaum ein anderes Thema beherrscht die Politik auf nationaler und internationaler Ebene so dauerhaft und intensiv wie die Sor- ge um die Erwarmung der Erde. Die Menschen in Deutschland, Europa und in vielen Staaten der Welt befiirchten, dass die Klima- veranderung ihr Leben und dasjenige zukiinftiger Generationen fundamental — und zwar zu ihrem Nachteil — verandern wird. Alle Politikfelder sind betroffen. Kaum eine kommunalpolitische Entscheidung, kaum eine Landes-, Bundes- oder europiische Ge- setzgebung, die nicht den Begriindungszusammenhang mit dem Klimaschutz sucht. Vom Radwegebau in den Kommunen, der Ausbildung junger Menschen bis hin zu Gesetzen zur Energie-, Verkehrs- oder Sozialpolitik, alles wird im Zusammenhang mit der Frage diskutiert, wie der Erderwarmung Einhalt zu gebieten ist. Und der Hauptschuldige ist ausgemacht: Es ist der Mensch mit seinen ungehemmten Emissionen an Kohlendioxid, der die Welt verdndert. So lesen wir es jedenfalls Tag fiir Tag in den Zeitungen, horen es von Abgeordneten, Parteien, Vertretern gesellschaftlicher Gruppen und erfahren es aus Gesetzen, die den Anstieg der Koh- lendioxidemissionen drastisch zu begrenzen suchen. In der Tat ist festzustellen, dass sich die Erde innerhalb der vergangenen 150 Jahre um 0,8°C erwarmt hat, wovon laut einigen Temperaturmo- dellen allein 0,5°C seit 1977 angefallen sind. Dies bestitigt auch die jiingst erschienene Studie der University of California, Berke- ley (BEST-Studie). Die haufig zitierte Studie stellt allerdings auch klar: »Was BEST nicht getan hat, ist eine unabhingige Untersu- chung durchzufiihren, wie viel der beobachteten Erwarmung auf 18 menschlichen Einfluss zuriickzufiihren ist.«? Auch richtig ist, dass es die Menschheit innerhalb der vergangenen 150 Jahre geschafft hat, den Kohlendioxidgehalt in der Erdatmosphiare anwachsen zu lassen. Vor zweieinhalb Jahrhunderten noch betrug der CO,- Anteil in der Atmosphare 0,028 Prozent, mittlerweile hat sich der Wert auf 0,039 Prozent erhéht, hauptsachlich durch das Verfeuern fossiler Brennstoffe. Da fossile Energietrager weiterhin in grofem Mafstab genutzt werden, erhéht sich der CO 2 Wert derzeit jedes Jahr um weitere 0,0002 Prozent (2 ppm). Die Fachleute des Welt- klimarats (IPCC) versichern uns, dass das Klimasystem hierdurch in Zukunft massiv geschadigt werden wird, dies méglicherweise Sogar irreparabel. Dem Anschein nach haben wir es hier mit zwei Gréfen zu tun, die zeitlich parallel ansteigen. Da die langfristige Entwicklung der Temperatur- und CO,-Kurven gewisse Ahnlich- keiten besitzt, lieBe sich daraus leicht ein kausaler Zusammenhang vermuten. Genau dies tut der Weltklimarat und entwickelte theo- retische Modelle, die kaum Platz fiir den Einfluss anderer Klima- faktoren lassen. Ganz so einfach ist es nicht Diese simple Betrachtungsweise ware zufriedenstellend und méglicherweise ausreichend, wenn da nicht noch eine weitere Gr6Be ware, die in den letzten 150 Jahren ebenfalls deutlich an Starke gewonnen hat, namlich die Strahlkraft unserer Sonne. Die Sonne verandert ihre Aktivitat in zyklischer Weise. Am bekann- testen sind die 11-jahrigen Zyklen, aber genauso wichtig sind lan- gerperiodische Zyklen mit Langen von ungefahr 87, 210 und 1000 Jahren. Die genaue Zurechnung der Erwarmung auf die beiden Einflussgré8en CO, und Sonne ist eine der wichtigsten offenen Fragen in der aktuellen Klimadebatte. Anstatt sich dieser wichti- gen Aufgabe unvoreingenommen zu widmen, hat es sich der Welt- klimarat allerdings recht einfach gemacht. Mittels theoretischer Berechnungen wurde die Sonne praktisch aus der Klimagleichung herausgeléscht und der lastige Konkurrent des CO, damit kurzer- hand disqualifiziert. Die Hauptursache fiir die vergangene und zu- kinftig zu erwartende Erwarmung ist und bleibt laut IPCC damit eindeutig das menschenverursachte CO, im Zusammenwirken mit anderen anthropogenen Treibhausgasen. Natiirliche Prozesse wie eben die Sonnenaktivitat spielten im aktuellen Klimabetrieb kaum eine Rolle, sagt der Weltklimarat. Als Hauptgrund fiir das Ausblenden der Sonne nennt der IPCC den geringen Anderungsbetrag der solaren Gesamtstrahlung von 0,1 Prozent im Verlauf des 11-Jahres-Sonnenaktivitatszyklus. Bei solch marginalen Strahlungsveranderungen kénne man nicht er- warten, dass sich die Temperatur davon signifikant beeinflussen lieBe, heift es. Allerdings iibersieht der Weltklimarat bei dieser Pauschalbetrachtung ein entscheidendes Detail: In Teilbereichen der UV-Strahlung treten namlich starke Strahlungsschwankungen von bis zu 70 Prozent auf. Das UV-Licht wird in der Ozonschicht und der Ionosphire in Warme umgewandelt, was hier zu einer be- achtlichen Temperaturachterbahn mit Anderungsbetragen von mehreren Graden im Takt des 11-jahrigen Sonnenzyklus fithrt. Es fehlt lediglich eine Erklarung fiir einen kausalen Zusammenhang zwischen den kraftigen stratospharischen Schwankungen und dem tropospharischen Klimageschehen unterhalb von 15 Kilo- meter Héhe. Im gleichen 11-Jahres-Takt schwankt aber auch das Sonnen- magnetfeld, welches die sogenannte kosmische Strahlung beein- flusst, und das um stolze 10 bis 20 Prozent. Die kosmische Strah- lung ist ein Partikelregen aus dem Weltraum. Wie viel davon zur Erde gelangt, hangt von der Starke des Sonnenmagnetfeldes ab. Bei starkem Sonnenmagnetfeld werden die kosmischen Strahlen abgeschirmt, bei schwachem Magnetfeld kénnen diese Strahlen verstarkt in die Atmosphare eindringen und vermehrt Kondensa- tionskeime fiir kiihlende Wolken liefern. Also: Starke Aktivitat der Sonne fiihrt zu geringerer Wolkenbedeckung - es wird warmer. Schwache Aktivitat fithrt zu starkerer Wolkenbedeckung - es wird kalter. Studien konnten mittlerweile zeigen, dass die tiefe Wol- 20 kenbedeckung in Teilen der Erde im Rhythmus der Sonnenakti- vitat oszilliert. Wolken bilden einen riesigen Sonnenschirm und halten einen Grofteil der von der Sonne auf die Erde gerichteten Strahlungsenergie fern. Schon ein paar Prozent Variation in der Wolkenbedeckung ergeben einen Anderungsbetrag im Energie- Strahlungsbudget der Erde, der gro8enmafig der vom IPCC pro- gnostizierten Wirkung der anthropogenen Treibhausgasanreiche- rung entspricht. Am Europaischen Kernforschungszentrum CERN in Genf begann 2009 eine aufsehenerregende Experimentserie, um die physikalischen Zusammenhange der Wolkenbildung durch die kosmische Strahlung zu klaren. Ein Teilchenstrahl des CERN- Protonen-Synchrotrons bildet dabei die kosmische Strahlung nach. Dieser Strahl wird durch eine zylindrische Kammer mit 3 Meter Durchmesser gejagt, in die jeweils verschiedene Gemische atmo- spharischer Gase gepumpt werden. Nach dem Teilchenbeschuss wird dann untersucht, ob sich Schwebeteilchen gebildet haben, die als Kondensationskeime fiir Wolken dienen kénnten. Mitte 2011 publizierten die Forscher erste aufsehenerregende Zwischener- gebnisse aus dem Projekt. Die Experimente zeigten, dass in einer Kammer, die mit nachgebildeter kosmischer Strahlung beschossen wird, bis zu zehnmal mehr Schwebeteilchen (Aerosolpartikel) ent- stehen als in einer neutralen, unbeeinflussten Kammer. Im nachsten Schritt wollen die Forscher nun klaren, ob sich aus diesen kleinen Partikeln méglicherweise groBere Kérnchen bilden, die als Kon- densationskeime bei der Wolkenbildung dienen kénnten. Es deutet also vieles darauf hin, dass der Klimabeitrag der Son- ne tiber UV-Strahlung sowie die Wirkungskette Sonnenmagnet- feld/kosmische Strahlung/Wolken verstarkt wird. Beide Mecha- nismen kénnten auch unabhangig voneinander im ‘Tandem aktiv sein. Das vom IPCC herangezogene Gesamtstrahlungsspektrum der Sonne spielt dagegen keine grofe Rolle im Klimageschehen, sodass die Argumentation des Weltklimarats ins Leere lauft. Trotz sich standig verdichtender Hinweise auf klimatisch wirksame so- lare Mechanismen beriicksichtigt der IPCC die beiden Sonnen- 21 verstarkerprozesse bislang in keinem einzigen seiner zahlreichen Klimamodellszenarien. Und das, obwohl der Klimarat vorgibt, das Méglichkeitsspektrum erschépfend und in statistisch aussage- kraftiger Weise abzudecken. Er begriindet die Auslassung damit, dass die genauen physikalischen Ablaufe einfach noch zu schlecht bekannt seien. Dies hindert die UNO-Behérde jedoch nicht daran, dem von Natur aus maGigen CO,-Treibhauseffekt mit einem ebenfalls noch wenig verstandenen Effekt, namlich der Wasserdampfverstarkung, kraftig unter die Arme zu greifen. Das auf sich allein gestellte CO, fihrt lediglich zu einer Erwarmung von unspektakularen 1,1°C pro Verdopplung der CO,-Konzentration, ein Wert, der in der Fachwelt allgemein anerkannt ist. Eine Erwarmung fiihrt aber zu einer verbesserten Aufnahmefahigkeit der Luft fiir Wasserdampf und kénnte daher eine Erhhung der Wasserdampfkonzentration bewirken. Wasserdampf ist bekanntermafen ein noch starkeres Treibhausgas als das CO,. Laut IPCC wird der Erwarmungsbetrag von 1,1°C nun durch Wasserdampf und Wolken noch um ein Viel- faches verstrkt, worauf letztendlich die alarmierenden Progno- sen des Weltklimarates von bis zu 4,5°C pro CO,-Verdopplung basieren. Diese Festlegung auf eine derart bemerkenswerte Verstarkungs- wirkung ist erstaunlich, denn die Experten streiten aktuell noch immer dariiber, wie grof dieser Verstarkungseffekt nun wirklich ist. Mehr Wasserdampf kann auch zur vermehrten Bildung von abschirmenden Wolken fiihren, die sogar das genaue Gegenteil bewirken, also die Basis-Erwarmung dampfen. Weiterhin darf nicht vergessen werden, dass der Wasserdampfverstarker fiir Er- warmungen jeglicher Art, unabhangig vom urspriinglichen Aus- léser, gelten muss. Somit wiirden Klimabeitrage der Sonne in der gleichen Art und Weise durch Wasserdampf verstarkt wie derjeni- ge des Kohlendioxids. Und nicht iiberraschend pulsierte der spezi- fische Wasserdampfgehalt in 10 Kilometer Héhe seit dem Beginn der Messungen vor 60 Jahren ziemlich exakt im Takt der Sonnen- aktivitat. 22 Es gibt klare Hinweise darauf, dass die Sonne mindestens die Halfte der bisher realisierten Erwarmung von 0,8°C seit 1850 zu verantworten hat. Eine Aufwertung des Klimabeitrags der Sonne wiirde automatisch zu einer Begrenzung der Klimawirksamkeit des CO, fiihren und die bedrohlichen IPCC-Prognosen relativie- ren. Denn wenn CO, wirklich so ein potenter Klimatreiber ware und nun auch die Sonne sich in ihrer klimatischen Wirkung als viel bedeutender darstellt als bislang angenommen, hitte die Er- warmung seit der Kleinen Eiszeit viel hdher ausfallen miissen. Der Weltklimarat hat deshalb kein gesteigertes Interesse an der Befér- derung der Sonne, denn die postulierte CO,-Alleinherrschaft im aktuellen Klimageschehen funktioniert nur, wenn die Sonne als Klimafaktor gleichsam kaltgestellt wird. Die launenhafte Sonne Was macht uns eigentlich so sicher, dass die beim IPCC so unbe- liebte Sonne eine derart zentrale Rolle im Klimageschehen ein- nimmt? Das ist relativ einfach zu beantworten: Zahlreiche geo- logische Klima-Rekonstruktionen zeigen eindeutig, dass die Temperaturen auf dieser Erde schon seit vielen Tausenden von Jahren synchron zur Sonnenaktivitat verlaufen. Dies verwundert nicht, stammen doch 99,98 Prozent des gesamten Energiebeitrags zum Erdklima von der Sonne. Bereits kleinste Anderungen der eingestrahlten Energiemenge vermégen daher eine grofe Wir- kung zu zeigen. Die Schwankungen der Sonnenaktivitat manifestieren sich in einer ganzen Reihe von Aktivitatszyklen mit charakteristischen Zyklendauern, die zwischen 11 und 2300 Jahren liegen. Besonders bedeutend ist dabei ein 1000-jahriger Zyklus, der in der zweiten Hlfte des 20. Jahrhunderts zu aufSergewéhnlich hohen solaren Strahlungsintensitaten gefiihrt hat. Die Sonne befand sich in den letzten Jahrzehnten in einer ihrer aktivsten Phasen der vergange- nen 10000 Jahre, einem sogenannten »Grofen Solaren Maximum«. 23 Die Aktivitat des solaren Magnetfelds hat sich von 1901 bis 1995 mehr als verdoppelt. Ahnliche Strahlungsmaxima traten auch vor 1000 (Mittelalterliche Warmephase) und 2000 Jahren (Rémische Warmephase) auf. In jedem dieser Falle kam es zu einer spiirbaren Klimaerwarmung. Die Abfolge Rémische Warmephase, Mittel- alterliche Warmephase und Moderne Warmephase (seit 1850) ist gut dokumentiert. Dazwischen ging die Sonnenaktivitat jeweils zuriick, was zu ausgepragten Kaltephasen fihrte, dem frihmittel- alterlichen Pessimum und der Kleinen Eiszeit. Ahnliche Zyklen pragten das Klimageschehen wahrend der ge- samten 10000-jahrigen Nacheiszeit, wie eine Vielzahl von For- schungsarbeiten zeigte. Die untersuchten Beispiele stammen aus verschiedenen Ozeanen und von mehreren Kontinenten. Die Zy- Klik ist aus hohen, mittleren und niederen geographischen Breiten bekannt und umfasst die unterschiedlichsten Klimazonen, von der Arktis bis hin zu den Tropen. Die Temperaturschwankungen betragen zum Teil einige Grad Celsius, besitzen also im globa- len Durchschnitt eine ahnliche bis sogar gr6fere Spanne als die 0,8-°C-Erwarmung, die wir seit dem Ende der Kleinen Eiszeit bis heute erlebt haben. Wie wahrscheinlich ist es, dass die historisch effektive Partnerschaft zwischen Sonne und Klima nun ganz plotz- lich aufgekiindigt sein soll? IPCC-Modelle in Bedrangnis Was den Zeitpunkt und die Grofenordnung betrifft, kommt der Temperaturanstieg der heutigen Modernen Warmephase also kei- nesfalls tiberraschend. CO, hat den natiirlichen Zyklus vermutlich noch verstarkt. Es liegt jedoch auf der Hand, den Hauptantrieb der Erwairmung bei der Sonne anzusiedeln. Nur ein begrenzter Teil des Temperaturanstiegs von 0,8°C seit 1850 kann daher wohl dem CO, zugerechnet werden. Es ergeben sich ernsthafte Zweifel an der vom IPCC vertretenen starken Klimawirkung des CO, be- zichungsweise an den ihm zugeordneten Verstirkermechanismen. 24 Vieles deutet auf grobe Ansatzfehler in den aktuellen Klimamodel- len des IPCC hin, da die Rolle der Sonne und anderer natiirlicher Eigenschwingungen des Klimasystems massiv unterschatzt wurde. Gegen falsche Grundannahmen sind auch die starksten und teu- ersten Computer der Welt machtlos. Aus den Modellen abgeleitete Folgerungen miissen daher auf den Priifstand. Derzeit ist weniger als die Halfte des von den IPCC-Klima- modellen postulierten Temperaturanstiegs in der wirklichen Tem- peraturkurve wiederzufinden. Ursache dieser Diskrepanz kénn- te eine zu hoch angesetzte CO,-Klimasensitivitat und/oder der kithlende Effekt von Aerosolen sein. Der Weltklimarat favorisiert vehement die letztere Alternative und nimmt an, dass Aerosole der Erwarmung durch CO, signifikant entgegengewirkt haben sollen. In der Zukunft sollen die Emissionen der Aerosole dann zuriick- gehen und das CO, somit zur vollen Wirkung kommen lassen. Nur mit diesen Annahmen kann der IPCC die Temperaturen so dramatisch ansteigen lassen. Es wird aber nicht so kommen. In der Offentlichkeit wenig bekannt ist die Tatsache, dass der Temperaturanstieg vor iiber zehn Jahren ins Stocken geraten und es seitdem gar nicht mehr warmer geworden ist. Seit 2000 verharren die Temperaturen auf einem Plateau, obwohl die CO,-Emissionen und der CO,-Gehalt der Atmosphire Jahr fiir Jahr weiter gestiegen sind. Dabei hatten die Berichte des Weltklimarates doch prognostiziert, dass die Temperaturen pro Jahrzehnt um 0,2°C zunehmen wiirden. Hat- te der Weltklimarat sich die Klimageschichte naher angeschaut, ware ihm diese Fehleinschatzung aus zwei Griinden erspart ge- blieben. Zum einen sind wir gerade dabei, das »GroRe Solare Maximum« hinter uns zu lassen. Das heift, die kalte Sonne wird das Klima der nachsten Jahrzehnte und Jahrhunderte pragen. Zum anderen hatte dem IPCC auffallen miissen, dass sich die Erwarmung der ver- gangenen 150 Jahre in drei Etappen vollzog, die von 1860 bis 1880, 1910 bis 1940 und 1975 bis 2000 andauerten. Die Temperaturstei- gerungsrate dieser drei Episoden war jeweils ahnlich und betrug 25 etwa 0,15°C pro Dekade. Zwischen den Erwarmungsphasen kiihl- te sich das Klima jeweils leicht ab oder stagnierte. Auffillig dabei ist, dass die Erwarmungspausen beziehungswei- se Abkithlungsphasen synchron zum Verlauf einer Klimasystem- internen ozeanischen Schwankung verlaufen, der sogenannten Pazifischen Dekaden-Oszillation (PDO), einer Eigenschwingung des Klimasystems. Ein voller Umlauf des PDO-Zyklus dauert etwa 40 bis 60 Jahre. Jedes Mal, wenn die PDO in ihre negative Phase eintritt, stoppt auch die Erwarmung. Die PDO iiberlagert sich langerfristigen Klimatrends, ausgelést durch Sonnenaktivitat/ CO,, und erhéht beziehungsweise erniedrigt die Temperaturen um wenige Zehntel Grad, je nach PDO-Verlauf. Andere ozea- nische Schwankungen wie etwa die Atlantische Multidekaden- Oszillation (AMO) und die Nordatlantische Oszillation (NAO) tragen ebenfalls zu diesem Prozess bei. Der empirisch gut belegte Zusammenhang zwischen den ozeanischen Oszillationen und den globalen Temperaturschwankungen sollte selbstverstandlich auch fiir die zukiinftige Entwicklung des Klimas gelten. Der IPCC ver- zichtete jedoch darauf, diesen Effekt in seine Formeln einzubauen, im grenzenlosen Vertrauen in genau jene Klimamodelle, die nun plotzlich versagt haben. Es ist bezeichnend, dass kein einziges IPCC-Modell den Erwarmungsstopp der letzten Dekade vorherge- sagt hat. Die Autoren der BEST-Studie der University of California, Berkeley vom Oktober 2011 zeigen ebenfalls eine starke zyklische Abhangigkeit von natiirlichen ozeanischen Schwankungen wie der AMO: »Seit 1975 hat die AMO eine leichte, aber stetige Erwar- mung von -0,35°C auf 0,2°C, einen Anstieg von 0,55°C gezeigt. Wahrend dieser Zeit sind die mittleren Landtemperaturen um 0,8°C angestiegen ... ein Teil der langfristigen Anderung kénnte natiirlichen Ursprungs sein ... In diesem Fall ist wohl der Anteil des Menschen an der globalen Erwarmung iiberschatzt worden.« Klimaexperten des IPCC versuchten zu retten, was noch zu retten ist, und fiihren einen verstarkten Aussto8 von kiihlenden Schwefel-Emissionen aus der Kohleverbrennung in China ins Feld. Dabei hat China seine Kohlekraftwerksflotte ab 2005 weitgehend 26 mit Entschwefelungsanlagen ausgeriistet. Dem gleichen Muster gemaf erklarte man bereits die Kaltephase der 1970er Jahre. Nach Ablauf der letzten Erwarmungsetappe wurde dieses fragwiirdige Hilfskonstrukt nun wieder aus dem klimamethodischen Keller hervorgekramt. Es scheint dabei auch keine Rolle zu spielen, dass der Schwefelaussto8 in der nérdlichen Hemisphare erfolgte, sich aber vor allem die Siidhalbkugel seit dem Jahr 2000 abkihlte. Mit diesem Schwefel-Joker (»Global Dimming«) korrigieren die IPCC-Forscher die Temperaturkurve ihrer Modelle immer wieder bei Bedarf nach unten. Auf dieser Grundlage kénnen sie behaup- ten, dass ihre Klimamodelle die Vergangenheit gut abbilden und daher auch die Zukunft gut im Griff haben. Neben Schwefel gibt es eine ganze Reihe anderer Schwebeteil- chen und Trépfchen (»Aerosole«) in der Atmosphire. Allerdings weifs niemand genau, wie gro deren Einfluss auf das Klima wirk- lich ist, sodass die Aerosoleffekte mit einem riesengroSen Un- sicherheitsbereich behaftet sind. Das raumt der IPCC auch ein und stufte den »wissenschaftlichen Kenntnisgrad« des Aerosol- Einflusses mit »mittel bis gering« ein. Aerosole sind dadurch der grofte Unsicherheitsfaktor des IPCC-Berichts von 2007. Einige Forscher scheinen diese Wildcard eifrig zu nutzen. So streut die Aerosol-Wirkung in den Modellen um den Faktor 10 und wird be- zeichnenderweise immer gerade so eingesetzt, dass CO, und Rea- litat zur Ubereinstimmung gebracht werden kénnen. Auf diesem Wege ist es natiirlich ein Kinderspiel, jeden beliebigen gewiinsch- ten Wert fiir die Wirkung des Kohlendioxids zu erzeugen. Grofes Kopfzerbrechen bereitet den Forschern auch der Rug. RuBpartikel absorbieren das Sonnenlicht und strahlen die War- me dann in die Atmosphire ab. Zusatzlich verringern die dunklen Partikel auch noch die Riickstrahlfihigkeit von Eis und Schnee fiir Sonnenlicht, was zu einer weiteren Erwarmung fihrt. Im IPCC-Bericht von 2007 spielt Ru& als Einflussfaktor fiir die Tem- peraturanderung noch fast keine Rolle. Dies hat sich durch neuere Forschungsergebnisse jedoch deutlich geiindert, wonach Ruf in Klimamodellen jetzt mit 55 Prozent der Erwarmungswirkung des 27 CO, beriicksichtigt werden sollte. Im Gegenzug miisste in den Modellen nun eigentlich zwangsliufig der Einfluss des CO, zu- riickgenommen werden. Da man dies jedoch offenbar unter allen Umstanden vermeiden méchte, bedient man sich eines simplen Taschenspielertricks. Unter Hinweis auf die grofen Unsicher- heiten der klimatischen Schwebteilchen-Wirkung erhéhte man kurzerhand den kithlenden Effekt der tibrigen Aerosole um genau den Betrag, den der Ru& nun gemaf neueren Erkenntnissen als Warme beisteuert. Das Ergebnis ist scheinbar wieder perfekt: Die Wirkung des CO, kann ungeschmiilert bleiben. Aber es gibt auch eine gute Nachricht. Ruf lasst sich namlich mit relativ einfachen Mitteln vermeiden. Und da die Verweilzeit in der Atmosphire nur einige Tage bis Wochen betragt, konnte man schnell eine der vermuteten anthropogenen Warmequellen des Klimawandels in den Griff bekommen. Da die RuS-Emissionen iberwiegend aus Entwicklungslindern stammen, ware die tech- nische Hilfeleistung der Ersten Welt im Rahmen eines weltweiten Anti-Ru&-Programms der Vereinten Nationen vermutlich eine der effektivsten und finanziell verniinftigsten Klimaschutz-Maf- nahmen, um einen grofen Teil der anthropogen erzeugten Erwar- mung zu begrenzen. Die mannigfaltigen Aerosol-Joker sind nur ein Beispiel fiir die vielen subjektiven Freiheitsgrade und frei wahlbaren Para- meter, die sich in den Klimamodellen verstecken und Passgenau zur Zielkurve eingestellt werden kénnen. Diese schwer zu kon- trollierenden Stellschrauben werden gerne auch »fudge factors«, also »Schummelparameter«, geschimpft und sind Garant fiir die vorgeblich so gute Ubereinstimmung der Modelle mit der Rea- litat. Dabei wimmelt es nur so von Problemen in der virtuellen Klimawelt. Gewaltige Unsicherheiten bestehen beispielsweise bei der klimatischen Wirkungsweise von Wolken und Wasserdampf, der Interaktion zwischen Ozean und Atmosphire sowie bei Flief- prozessen von Eisschilden. Ebenfalls ungeniigend bekannt sind noch die Kreislaufe von Spurenstoffen wie Kohlendioxid, Me- than, Distickstoffoxid (Lachgas) und Ozon, die nicht berechnet 28 werden kénnen, sondern in den Modellen vorgegeben werden miissen. Auch die natiirlichen ozeanischen Zyklen wie die zitierte PDO sind in den Simulationen kaum in den Griff zu bekommen. Die raumliche Auflésung der Modelle ist in der Regel auf einige hundert Kilometer beschrankt. Alle Prozesse, die jenseits dieser raumlichen Auflésung ablaufen, kénnen nicht ausdriicklich be- riicksichtigt werden, wie etwa die Wolkenbildung oder die Nieder- schlagsentwicklung. Da die Prozesse nicht im Einzelnen berechnet werden kénnen, muss dem Modell an diesen Stellen mit Schiatz- werten geholfen werden. Ein unerwartetes Déja-vu: Schmelzendes Eis und stiirmische Zeiten Selbst wenn ein grofer Teil der Erwarmung natiirlichen Ursprungs ist, sind die Folgen gleichermafen gravierend. Bei einem Tem- peraturanstieg von etwa einem Grad im Verlauf der vergangenen 250 Jahre erscheint es logisch, dass Gebirgsgletscher, Eiskappen und polares Meereis zu tauen beginnen. Das aktuell beobachte- te und in den Medien gern als Sensationsmeldung aufgegriffene Eis-Schmelzen ist daher nicht ungewohnlich, sondern sogar zu erwarten. So haben die grénlandischen und westantarktischen Eispanzer im letzten Jahrzehnt ordentlich Federn gelassen. Al- lerdings stellte sich kitrzlich heraus, dass man den Massenverlust lange drastisch iiberschitzt hatte. Neue Studien konnten zeigen, dass die Abschmelzraten deutlich geringer sind als noch vor eini- gen Jahren angenommen, sodass sich die Situation auf den grofen Eisschilden der Erde heute weit weniger dramatisch darstellt als zuvor noch von einigen Klima-Protagonisten lautstark verkiindet. Zudem weigert sich der Zentralbereich des ostantarktischen Eises standhaft, in das Schmelzkonzert einzustimmen, und wichst statt- dessen sogar langsam an. Auch das Schmelzen des arktischen Meereises kommt nicht tiberraschend. Im Prinzip ist es eine Wiederholung der Ereignisse 29 der Mittelalterlichen Warmephase des 9. bis 14. Jahrhunderts, die wahrend des letzten Sonnenaktivititsmaximums im Rahmen des 1000-jahrigen Solarzyklus stattfanden. Damals war das arktische Meereis so stark abgeschmolzen, dass die Wikinger im 9. Jahrhun- dert Expeditionsfahrten nach Island und Grénland unternahmen und diese Inseln kurz darauf sogar besiedelten. Spater, um 1420, befuhren auch die Chinesen mit ihren Erkundungsflotten das Arktische Meer und fanden dort kaum Eis vor. Auch die Meeresspiegelentwicklung muss im Kontext der Kli- mageschichte der vergangenen dreihundert Jahre gesehen werden, denn das aus den Schmelzprozessen freigesetzte Wasser lsst den Meeresspiegel zwangslaufig ansteigen. Noch wahrend der Kleinen Eiszeit vor ein paar hundert Jahren vergréferten sich die meis- ten Gletscher und Eisschilde der Erde aufgrund der gesunkenen Temperaturen. Wahrend dieser natiirlichen Kalteperiode kam der Meeresspiegelanstieg daher nahezu zum Stillstand. Gegen Ende der Kleinen Eiszeit schrumpften die Eismassen dann wieder, und der Meeresspiegelanstieg beschleunigte sich allmahlich, bis er sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf eine konstante Rate einpendelte. Eine Beschleunigung der Anstiegsrate, wie sie von einigen Forschern behauptet wird, ist derzeit aber nicht zu ver- zeichnen. Auch bei der oft in die Diskussion geworfenen Behauptung, die Sturmhiufigkeit habe in den letzten Jahren zugenommen, muss man den langerfristigen Kontext beriicksichtigen. Es wird immer Klarer, dass die weltweite Sturmaktivitat sehr stark von Klimasys- tem-internen Ozeanzyklen abhangt. Anstiege und Riickgange der langfristigen Sturmtatigkeit werden sowohl in den Tropen als auch in unseren Breiten stark von natiirlichen Klimazyklen wie etwa der Pazifischen Dekaden-Oszillation (PDO), der Atlantischen Multidekaden-Oszillation (AMO) oder der Nordatlantischen Os- zillation (NAO) getaktet. Die Synchronitat dieser ozeanischen Zy- Klen mit der Sturmhaufigkeit ist beeindruckend gut belegt. Eine zeitweise Intensivierung der Sturmaktivitat ist daher nichts Unge- wohnliches, sondern entspricht vielmehr einem wiederkehrenden 30 Muster, wie historische Rekonstruktionen zeigen. Der Weltklima- rat hat leider bislang versaumt, hierauf geniigend hinzuweisen. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder prominen- te Fehlleistungen in den IPCC-Berichten entdeckt. Fehler sind menschlich und sollten selbstverstandlich auch dem Weltklimarat zugebilligt werden, insbesondere bei datenintensiven Mammut- werken wie den IPCC-Berichten. Es wundert nur, dass alle Fehler immer nur in die eine Richtung gehen, namlich hin zur Drama- tisierung der realen Situation. Die Probleme begannen mit einer Prognose im zweiten Band des IPCC-Berichts von 2007, dass 80 Prozent aller Himalaya-Gletscher um 2035 abgeschmolzen sein wiirden. Erst zwei Jahre nach der urspriinglichen Veréffentlichung musste der IPCC die Aussage widerrufen. Auch bei den Uber- flutungsrisiken passierte ein Lapsus. Der Weltklimarat schrieb, dass 55 Prozent der Fliche der Niederlande unter dem Meeres- spiegel lagen. Korrekt waren jedoch 26 Prozent gewesen. Weitere Patzer sind die IPCC-Vorhersagen, dass die Anchovisfischerei vor Westafrika um 50 Prozent zuriickgehen wird, dass 40 Prozent des Amazonas-Urwalds durch den Klimawandel bedroht seien oder dass die landwirtschaftlichen Ertrige Afrikas um bis zu 50 Prozent sinken wiirden. Strategiewechsel bei der Klimavorhersage Unsere Uberpriifung der IPCC-Argumentation zeigt, dass der Weltklimarat grundlegende Zusammenhange nicht zur Kenntnis nehmen wollte und die Klimamodelle daher von vornherein keine Chance hatten, die Realitat in ihrer Komplexitat korrekt abzubil- den. Der gré8te Fehler des Weltklimarats ist die wider jegliche Logik strebende Annahme, dass natiirliche Klimaschwankungen heute keine Rolle mehr spielen und CO, im Verbund mit anderen anthropogenen Treibhausgasen das Klimageschehen langfristig dominiert. Dabei unterlief dem IPCC eine schwerwiegende Fehleinschiat- 31 zung der Erwarmungsphase von 1977 bis 2000. Im Glauben daran, dass dieser Temperatursprung fast ausschlieSlich auf das Konto von CO, und anderen anthropogenen Klimagasen ginge, wurde diese Erwarmungsrate kurzerhand zum Normalfall deklariert und einfach bis 2100 verlngert. Dabei entging dem IPCC jedoch, dass es sich bei dieser Phase einer besonders starken Erwarmung um die steile, aufstrebende Flanke des 60-Jahres-PDO-Zyklus sowie anderer natiirlicher Zyklen handelte und auch die Sonnen- aktivitit nach einem Zwischentief in den 1970ern wieder kraftig anzog. Man hatte nicht erkannt, dass die rasante Erwarmung ein zyklischer Sonderfall war. Die langfristig gemittelte Erwarmungs- rate war bedeutend geringer. Mit dem Erreichen des PDO-Héhe- punktes um das Jahr 2000 war der Spuk dann vorbei und der Tem- peraturanstieg beendet. Wir sind weit davon entfernt, zu behaupten, dass CO, keinen Einfluss auf das heutige Klimageschehen hitte. Jedoch kénnen wir zeigen, dass mindestens die Halfte der Erwarmung der letzten vierzig Jahre dem Einfluss der Sonne sowie zyklischen ozeanischen Oszillationen der Weltmeere geschuldet ist. CO, kénnte fiir die andere Hiilfte der Erwarmung verantwortlich sein, moglicherwei- se ist der Anteil aber sogar noch geringer. Die Zeit der simplistischen IPCC-Klimaprognosen ist vorbei. Schon im kommenden Bericht 2013/2014 muss sich der Welt- klimarat von seinen wenig liberzeugenden, stumpf linear anstei- genden Vorhersagen endgiiltig verabschieden. Verbesserte Pro- gnosen werden ausgefeiltere Kurvenverlaufe annehmen miissen, gekennzeichnet von Auf- und Abwartstrends, die ihren Ursprung in verschiedenen natiirlichen Zyklen haben, welche sich iiber- lagern. Das Kohlendioxid und die anderen Klimagase sind wei- terhin selbstverstandlich und zu Recht integraler Bestandteil die- ser Klimagleichung. Seine ihm irrtiimlich zugeordnete dominante Rolle muss das CO, allerdings abgeben. Stattdessen wird es nun gleichberechtigter Partner in einem Mix von Klimasteuerungs- faktoren, deren Mitspieler seit Millionen von Jahren das Klima- geschehen auf der Erde mafgeblich gepragt haben. Der Mensch 32 ist einflussreich und hat die Welt im Laufe der Zeit stark verandert. Wir diirfen uns jedoch auch nicht iiberschatzen und glauben, dass wir die natiirlichen Krafte und Vorgange auf der Erde und unseres Sonnensystems plétzlich ginzlich auGer Kraft setzen kénnten. Die kalte Sonne Das letzte Minimum des 11-jahrigen Sonnenzyklus 2005 bis 2010 zeichnete sich durch eine aufergewohnliche Schwachephase aus. Eine ahnliche Entwicklung Anfang des 19. Jahrhunderts fithrte zu einem dramatischen Absturz der Sonnenstrahlkraft, der aller Voraussicht nach auch jetzt eintreten wird und die Sonne einige Jahrzehnte lang auf Sparflamme kécheln lasst. Die Intensitat des solaren Magnetfelds sank 2010 auf einen der geringsten Werte seit 150 Jahren, entsprechend erreichte die kosmische Strahlung ihren Hochstwert der gesamten 50-jahrigen Messgeschichte. Die magnetische Flussdichte der Sonnenflecken ist seit 1998 stetig zuriickgegangen, und die groffen Plasmastréme auf und in der Sonne haben sich wahrend der letzten Jahre verlangsamt. Zurzeit befinden wir uns in dem sehr schwachen 24. Sonnenzyklus. Amerikanische und britische Forscher sehen klare Indizien dafiir, »dass die Sonne in den Winterschlaf wechselt ... der Be- ginn des 25. Zyklus verzégert werden kénnte oder gar nicht statt- findet ... Es kénnte sein, dass dies (das Maximum des 24. Zyklus, d. Verf.) das letzte solare Maximum fir einige Jahrzehnte gewesen ist« (Frank Hill, National Solar Observatory).’ Darauf deutet auch der in die Zukunft weitergeschriebene Zyklenverlauf der anderen, langerperiodischen Sonnenaktivitatszyklen hin. Der frostige Ab- stieg von der zuvor einheizenden Sonnenaktivitats-Plateauphase der letzten Jahrzehnte ist zweifellos eingelautet. Unter Beriicksichtigung der wichtigsten natiirlichen und an- thropogenen Klimafaktoren ist um das Jahr 2035 mit einer leich- ten globalen Abkiihlung von etwa 0,2 bis 0,3°C gegeniiber heute zu rechnen. Von der Sonne ist in den nachsten Dekaden nur Ab- 33 kithlung zu erwarten. Die Gleissberg- (87 Jahre) und Suess/de- Vries-Zyklen (210 Jahre) erreichen zwischen 2020 und 2040 ihre Tiefpunkte, sodass die Sonnenaktivitat 2035 wohl auf ein Niveau, vergleichbar mit dem Dalton-Minimum 1790 bis 1830, zuriick- gehen wird, einer Kalteperiode, die der Menschheit karge und schwierige Lebensverhaltnisse bescherte. Damals war die Tem- peratur fast ein Grad niedriger als heute, wovon mindestens die Halfte auf das Konto der schwachen Sonne geht. Die sich dem Weltklima iiberlagernde Pazifische Dekaden-Oszillation (PDO) wird sich bis 2035 in ihrer kiihlen, negativen Phase aufhalten, was ebenfalls einen Abkiihlungsbeitrag liefern wird. Von den natiirlichen Klimasteuerungsfaktoren allein ist daher bis 2035 ein Abkithlungsbetrag von etwa 0,4 bis 0,6°C im Vergleich zum heutigen Temperaturniveau zu erwarten. Diese Abkihlung wird durch einen Erwarmungsbeitrag aus dem anthropogenen Treibhauseffekt abgepuffert werden. Der CO,-Gehalt der Atmo- sphare wird gemaf dem als allgemein fiir wahrscheinlich ange- sehenen IPCC-A1B-Emissionsszenario im Jahr 2035 voraussicht- lich bei gut 450 ppm liegen. Bei Verwendung einer realistischeren CO,-Klimasensitivitatsspanne von 1,0 bis 1,5°C pro CO,-Ver- dopplung entspricht dies einem positiven Temperaturbeitrag von 0,2 bis 0,3°C. Damit ergibt sich der obengenannte Nettoeffekt ei- ner Temperaturverringerung von 0,2 bis 0,3°C. Das dramatische Absacken der Sonnenaktivitat leitet daher nun fiir die kommen- den Jahrzehnte eine Abkiihlungsphase ein, die vom CO, vorerst nicht ausgeglichen werden kann. Aufgrund der empirisch belegten solaren Zyklen kénnen wir ableiten, dass in der zweiten Halfte des 21. Jahrhunderts die Sonne wieder etwas aktiver werden und die Erde erwarmen wird, Dabei erreicht sie jedoch bei weitem nicht mehr das hohe Sonnenakti- vitatsniveau der 1980er/1990er Jahre. Diese Zwischenphase wird etwa gegen Ende dieses Jahrhunderts beendet sein, wenn unser Muttergestirn einen weiteren Aktivitatstiefpunkt vom Ausmaf ei- nes Dalton-Minimums erreichen wird. Diese solare Flaute kann einen Abkiihlungsbetrag von etwa 0,3 bis 0,4°C gegeniiber heute 34 bringen. Die PDO wird sich voraussichtlich auf einem tiefen bis mittleren Niveau bewegen. Gemaf§ dem A1B-Emissionsszenario wird sich der CO,-Gehalt in der Atmosphire bis 2100 auf etwa 700 ppm erhéht haben. Bei ei- ner CO,-Klimasensitivitat von 1,0 bis 1,5°C pro CO,-Verdopplung wirde dies einen CO,-bezogenen Erwarmungsbeitrag von 0,8 bis 1,3°C gegentiber heute ergeben. Sonne, PDO und CO, zusam- mengenommen ergaben fiir die Zeit um 2100 je nach CO,-Klima- sensitivitat einen Temperaturanstieg von 0,6 bis 1,0°C gegentiber heute. Dies steht im Gegensatz zur Prognose des Weltklimarats fiir dieses Emissionsszenario, in dem eine Temperaturerhéhung um gleich 2,8°C gegeniiber 1990 fiir am wahrscheinlichsten gehalten wird. Das »2-Grad-Ziel« wiirde aufgrund unserer Annahmen bis 2100 auf jeden Fall eingehalten werden kénnen, auch ohne einen hektischen und daher riskanten Umbau der gesamten Industrie- landschaft innerhalb von ein bis zwei Jahrzehnten. Das heifst bei weitem nicht, dass die Strategie der Dekarboni- sierung unserer Energieerzeugung ad acta zu legen ist. Erstens ist eine Erwarmung von bis zu einem weiteren Grad Celsius in diesem Jahrhundert eine beachtliche Verainderung des Klimas. Zweitens kénnen wir nicht sicher sein, wie sich die natiirlichen Einfliisse der Sonne in der zweiten Hilfte dieses Jahrhunderts genau auswir- ken. Dass die Sonne und die von ihr verursachten Auswirkungen auf die Erde uns in der ersten Halfte dieses Jahrtausends kiiltere Zeiten bescheren werden, ist jedoch sicher. Dadurch gewinnen wir entscheidende Jahrzehnte Zeit, um den notwendigen Umbau der Energieversorgung ohne massive Wohlstandsverluste vornehmen zu kénnen. Denn die heutige Klimapolitik entscheidet auch uber die Verteilung von wirtschaftlichem Wachstum und damit iiber Wohlstandszuwachse in den nachsten Jahrzehnten. Der zurzeit in Europa angestrebte, Hunderte von Milliarden Euro umfassende Finanztransfer in sich entwickelnde Nationen zur Vermeidung des CO,-Anstiegs ist einer einzigen Hypothese geschuldet: dass es dem IPCC zufolge in diesem Jahrhundert aufgrund der steigen- den CO,-Emissionen um 1,8 bis 4°C warmer wird. 35 Kommt man zu dem Ergebnis, dass die Projektionen des IPCC unzutreffend sind und lediglich eine Erwaérmung von maximal 1°C zu befiirchten ist, verandert sich die Prioritatensetzung der Energie-Agenda, und es werden Mittel freigesetzt, um weltweit die ausreichende Versorgung mit Nahrungsmitteln, Wasser und einem wachsenden Lebensstandard insgesamt sicherzustellen. Uberlegungen der Wirtschaftlichkeit oder der sozialen Gerechtig- keit bestimmen dann wieder gleichberechtigt zum Klimaschutz die zukiinftige Energiepolitik. Durch das Verstandnis, dass natiirliche Klimaeinfliisse auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen werden, haben wir Zeit gewonnen - kostbare Zeit, um die Dekarbonisie- rung durch neue, méglichst erneuerbare Technologien, durch Ef- fizienzsteigerung des Energie- und Materialverbrauchs und durch grundlegende Verbesserung der herkémmlichen fossilen Ener- gieerzeugung auf kluge und sparsame, also wahrhaft nachhaltige Weise zu erreichen. 36