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Nr. 26 DIE ZEIT S.

14 SCHWARZ cyan magenta yellow

14 DOSSIER 19. Juni 2008 DIE ZEIT Nr. 26

Die Stimmung kippt. Vielleicht wäre die Nie- 15 Mann sind im Frühjahr 2005 bereit, nach der
Die Rückkehr der Taliban derlage der neuen Zeit aufzuhalten gewesen. Wenn Winterpause unter seinem Kommando zu kämp-
Fortsetzung von Seite 13 es einen Grund gegeben hätte, auf die neue Zeit zu fen. Gleichzeitig kommen jetzt, fast vier Jahre nach
hoffen. Wenn Schulen, Brunnen, Krankenstatio- dem Sturz der alten Taliban, die lang verspro-
für die Freiheit geführt haben, hat sich in die stau- nen gebaut worden wären. Wenn ein anderer, wei- chenen Entwicklungsprojekte in Gang. Zu spät,
bigen Provinzen ausgedehnt und sich dabei verän- ser Mullah gepredigt hätte, dass der Prophet Mo- um die Bevölkerung noch gewinnen, Schwanken-
dert. Um ihn zu führen, hatte sich Washington mit hammed selbst die Bildung geheiligt habe. Dass de überzeugen zu können. Stattdessen wird das
den Milizen der Nordallianz verbündet, die vor Töchter, die zur Schule gehen, deswegen nicht als größte Projekt, die neue Überlandstraße, zur
allem aus Tadschiken bestand und im gebirgigen Prostituierte enden. Aber nichts geschieht auf der Machtprobe. Sobald die Bautrupps die Distrikt-
Nordosten bis zum Schluss den Taliban getrotzt Rückseite des Mondes. grenze erreichen, lässt Faruq angreifen, wieder und
hatte. Die Taliban der neunziger Jahre waren eine Ganz langsam, irgendwann in den Jahren wieder. Die Soldaten und Polizisten, abgeordnet
radikalislamische Bewegung gewesen, genauso aber 2003, 2004, schließt sich das Zeitfenster der zum Schutz des Projekts, werden seine ersten Op-
auch die treibende Kraft innerhalb der Paschtunen, Verwirrung und der Hoffnung, des Abwartens fer. Denn es geht nicht mehr um die Verwandlung
der größten Völkerschaft Afghanistans, die traditio- und der Erschöpfung. Der Groll gegen alles einer Schlaglochpiste in eine Straße. Es geht da-
nell die Herrschaft beanspruchte. In deren Gebie- Fremde, gegen Amerikaner, Tadschiken, Polizis- rum, zu zeigen, wer das Sagen hat in Andar.
ten war nun der Feldzug der Amerikaner als Fort- ten, ist untrennbar genährt worden von echtem Die Emissäre von Mullah Faruq verkünden,
setzung des Bürgerkrieges angekommen, nur dass Unrecht, maßlosen Übertreibungen und Erfun- eine Straße bringe nur die Feinde ins Land. Die Re-
die Machtverhältnisse sich verkehrt hatten. denem. Nun härtet er aus wie Zement an der gierung in Kabul hofft auf einen mächtigen Ver-
Im Jahr 2002 herrschen die ehemaligen Feinde Sonne. Mullah Faruq sieht seine Stunde gekom- bündeten: Taj Mohammed Qari Baba, den legen-
von der Nordallianz, vor allem Tadschiken, über men. Der Exkoranschüler, der 2002 noch nie- dären örtlichen Kommandeur der Mudschahedin
das ganze Land: Männer mit spärlichem Bart- manden fand, der mit ihm die Taliban im Süd- im Kampf gegen die Sowjets. Qari Baba, unter Kar-
wuchs, gutem Gedächtnis und einem Sinn für Ra- osten des Distrikts Andar wiederbeleben mochte, sai kurzzeitig Gouverneur von Ghazni, verspricht,
che. Sie haben rasch begriffen, dass sich die US- erfährt auf einmal Zulauf. Koranschüler, Bau- den Kampf um die Straße zu gewinnen. Einige
Truppen zwar unmöglich besiegen, aber hervorra- ernsöhne, aus Pakistan zurückgekehrte Flücht- Stämme unterstützen ihn, Kabul liefert Waffen,
gend benutzen lassen. Man muss ihnen nur sagen, linge schließen sich ihm an. Geld. Fast ein Jahr lang währt der Kampf. Er wird
wer die Bösen sind, und sie bombardieren sie dann. Als am 16. November 2003 zwei unauffällige ausgefochten mit Waffen, Minen, aber auch in
Hamid Karsai, der Präsident, mag Paschtune sein junge Männer ihre Motorräder besteigen, beginnt stundenlangen Verhandlungen bei Mandeln, Rosi-
wie die Menschen in Andar. Die hohen Militärs, der Krieg in Andar. Mit einer Tat, von der Faruq nen und grünem Tee in den kühlen Gewölben der
Geheimdienstler, Polizeioffiziere von der Nordalli- selbst nicht weiß, ob seine Anhänger ihn dafür prei- Lehmhäuser. Denn die meisten Stammesältesten
anz aber haben jahrelang gegen die Taliban ge- sen oder steinigen werden. Die beiden Motorrad- wollen die Straße – aber keine Armee, keine Polizei.
kämpft. Sie haben nicht vergessen. Und sind bald fahrer ziehen gleichauf mit einem ungepanzerten Am Ende, im September 2006, ist Qari Baba tot.
gefürchtet in Ghazni – als die Männer, die sich in Geländewagen des UNHCR, weithin erkennbar an Erschossen mitten auf der just fertiggestellten Stra-
Läden bedienen, ohne zu bezahlen; die Menschen der riesigen Antenne und der weißen Lackierung. ße, die unbehelligt zu Ende gebaut werden konnte,
verhaften und nur gegen Lösegeld wieder freilas- Mit ihren Kalaschnikows erschießen sie Bettina sobald keine Soldaten und Polizisten mehr zu ih-
sen; die Dörfer durchsuchen, um Schmuck, Geld, Goislard, 29, Tochter eines französischen Diplo- rem Schutz da waren. Mullah Faruq hat gesiegt.
Elektrogeräte zu plündern. maten, UN-Mitarbeiterin, Frau, Zivilistin, ohne »Qari Baba hatte versprochen, alle Taliban zu eli-
minieren, die den Bau angreifen«, erzählte ein
machtsatter Faruq in jenem Herbst vergnügt:
»Nun, wir haben bewiesen, dass es an uns ist zu
eliminieren. Nicht an ihm.«
KASACHSTAN
AFGHANISTAN Jetzt herrscht er über die Rückseite des Mondes,
AFGHANISTAN
Pandschir-Tal der Krieg ist entschieden, bevor die US-Streitmacht
CHINA überhaupt gekommen ist. Auch wenn die Regie-
Iran
IRAN Provinz Ghazni Kabul
PAKISTAN
Peschawar rung in Kabul das anders sieht: Im Sommer 2006
Ghazni verbietet sie in zwei Distrikten, Andar und Gero,
INDIEN Zarin jedweden Gebrauch von Motorrädern. Sie sind das
Liwan Sarfaraz
Fortbewegungsmittel der Taliban, die auf den
Badwan leichten, geländegängigen Maschinen aus China
Kandahar Provinz Paktika
ebenso jählings auftauchen wie verschwinden und
Pirzada enorme Entfernungen zurücklegen. Wer von nun
an auf einem Motorrad unterwegs ist, wird von der
Provinz Kandahar
PAKISTAN Polizei angehalten und im Zweifelsfall beschossen.
So weit die Idee, den Taliban ihre Bewegungs- HABIBULLAH (oben) hat schon
Provinz Helmand freiheit zu nehmen. Die Taliban ihrerseits jedoch gegen die Sowjets gekämpft.
DIE GEBIETE, in denen unser Autor 200 km verbieten den Gebrauch von Autos: Zu den Frei- ROHULLAH gilt als exzellenter
den neuen Taliban gefolgt ist tagspredigten, in Dorfversammlungen erklären sie Attentatsplaner
ganz offen, dass sie als Reaktion auf den Bann von
Motorrädern nun leider einen Bann gegen Autos
verhängen, jeden Wagen anhalten oder beschießen
Kaum noch jemand aus dem Distrikt Andar Warnung, ohne Grund – ein Bruch mit den tiefsten müssten. Um dies durchzusetzen, legen sie Minen
mag nach Kabul fahren. Akbar Jan, der alte Bauer Tabus der afghanischen Gesellschaft. Die UN, die an den Rändern der Straßen. Für Wochen sind alle
aus Liwan, erzählt die Geschichte eines Freundes, französische Regierung, Journalisten in aller Welt Menschen wieder unterwegs wie vor Jahrzehnten:
der krank war und regelmäßig Medizin aus Kabul verdammen den Mord. Doch unter den Paschtunen zu Fuß, auf Eseln, Kamelen, selbst bei Hochzeiten
brauchte: »Im März 2002 ist er das letzte Mal ge- in Andar, in ganz Ghazni, regen sich nur wenige auf. wird die Braut nun auf dem Rücken eines Drome-
fahren. Sie haben ihm alles weggenommen, all Auch Akbar Jan nicht, der alte Bauer: »Wenigstens dars zum Haus des Bräutigams gebracht.
sein Geld, das er für den Doktor dabeihatte!« Wer kämpften die auf unserer Seite. Und solange es kei- Aller Verkehr ist lahmgelegt. Den Taliban ent-
hat das getan? »Na, die Polizisten an den Check- ne Vergeltung gegen unsere Dörfer gab, waren wir geht kein Auto, und nach anderthalb Monaten
points. Sie haben ihn aus dem Bus geholt, später froh!« Zwar werden Bettina Goislards Mörder von lenkt die Regierung ein. Um im August 2006
noch mal festgehalten, als er in einem Restaurant Zeugen festgehalten, verprügelt und der Polizei vollends gedemütigt zu werden: Bei einem Ge-
die Nacht verbringen wollte. Alles Pandschiris«, übergeben. Doch es gibt keine Welle der Empörung fecht zwischen Faruqs Männern und der Polizei
Tadschiken aus dem Pandschirtal im Norden. in den Dörfern, keine Predigten der Verdammnis. auf der so heiß umkämpften neuen Überlandstra-
Damit ist es ein großer Erfolg für Faruqs an- ße müssen die Taliban ein halbes Dutzend Motor-
»Unser geliebtes Kabul ist ein Sumpf wachsenden Kreuzzug: weltweite Aufmerksamkeit räder zurücklassen. Die Polizei bringt sie ins Dis-
ohne viel Mühe – und ohne Echo der Empörung trikthauptquartier. Faruq lässt ungerührt ausrich-
der Morallosigkeit geworden!« von jenen, auf die es Faruq und der anschwellenden ten, er hätte sie gern wieder. Sonst werde er das
Jeder, der aus Kabul nach Andar zurückkehrt, Zahl seiner Schattenkämpfer ankommt. Den eige- Hauptquartier angreifen lassen. Pünktlich zum
bringt Geschichten mit, wie Gul Mohammed, der nen Leuten. Die scheinen jede Barbarei zu dulden. gestellten Ultimatum stehen alle Motorräder wie-
während der Taliban-Zeit eine Frau aus Kabul ge- Und wissen selbst nicht, wer diese neuen Taliban der dort, wo sie zurückgelassen wurden.
heiratet hat und nun Ende 2002 ihren Vater be- überhaupt sind, die wie Schatten auf ihren Motor- Jetzt müssen die Taliban nicht mehr als Schat-
sucht hat. Er erzählt von Alkoholflaschen auf den rädern auftauchen, maskiert, zuschlagen und wieder tenkämpfer abtauchen. Sie treten offen auf. Qari
Straßen, vom Mann und von der Frau, die mitein- verschwinden. Peyran, Geister, nennen die Leute sie, Naem, einer von Faruqs Unteroffizieren, geht eines
ander mitten in Kabul ertappt worden seien. Wo- und Kommandeur Faruq will daran vorläufig auch Nachmittags persönlich zum örtlichen Geheim-
bei, muss er nicht sagen: Da es sonst kaum Nach- nichts ändern. Seine Gruppe beginnt, selbst gebas- dienstchef, fordert ihn auf inmitten der Leibwäch-
richten aus der Hauptstadt gibt, verbreiten sich telte Sprengsätze gegen Konvois der neuen afgha- ter: »Verlass die Regierung. Sonst werde ich dich
solche Geschichten wie ein Lauffeuer. Als der Mul- nischen Armee Ana und der selten vorbeikom- töten. Hier.« Die Distriktchefs von Andar und Qa-
lah der großen Moschee in Andar am Freitag nach menden US-Truppen zu legen. Die Ana-Soldaten rabagh erhalten Drohbriefe von Faruq, überleben
Gul Mohammeds Rückkehr zur Predigt ansetzt, verhaften wahllos Umstehende, riegeln ganze Dör- Anschläge und geben schließlich auf.
donnert er den Gläubigen entgegen: »Wisst ihr, fer ab. »Das sind doch alles die Sympathisanten der
dass auf Kabuls Straßen junge Burschen und Mäd- Terroristen«, erklärt ein Offizier einer Delegation Was immer die Richter der Taliban
chen ungeniert Sex haben?! Unser geliebtes Kabul von Ältesten. »Ihr fragt mich nach einer Lösung für beschließen – ihr Wort ist Gesetz
ist in einen Sumpf der Morallosigkeit verwandelt diese unerträgliche Situation«, herrscht der damalige
worden, in ein Stück von Europa! So schlimm war Gouverneur Asadullah Khalid anschließend die Das Netz der Mobilfunkfirmen deckt fast die gan-
es noch nie, nicht mal zur Zeit König Zahir Schahs, graubärtigen Emissäre an: »Ich sage euch, stoppt die- ze Gegend ab, und so arm die meisten auch sein
als die Mädchen dort Miniröcke trugen. Wenn wir se Bastarde von Taliban, wenn ihr Sicherheit wollt. mögen: Ein Handy haben viele junge Männer.
uns nicht dagegen erheben, wird diese Flut der Mo- Wenn nicht, werde ich mit euch genauso verfahren Und sind stolz darauf, nahende Konvois von af-
rallosigkeit auch uns erreichen!« wie mit den anderen Terroristen!« ghanischen oder amerikanischen Soldaten, unbe-
Die meisten Mullahs sind gegen alles Moder- Dann kamen die Mandeltöter: Spezialeinheiten kannte Autos zu erspähen und melden zu können.
ne. Aus Gewohnheit, aber auch aus einem prak- von Tadschiken aus Nordafghanistan, 2005 ge- Die Taliban haben Augen und Ohren überall. In-
tischen Grund: Solange sie im Dorf oft die Ein- schickt, den immer häufigeren Angriffen auf Poli- formanten der Polizei und der Amerikaner werden
zigen sind, die lesen und schreiben können, ist ihr zei und Ana ein Ende zu machen. Sie hatten nicht vor ihren Häusern erschossen. Der Sohn eines der
Wort Gesetz. Weshalb Schulen, ja selbst Straßen vergessen, was die Taliban ihnen zehn Jahre zuvor Toten kehrt aus dem pakistanischen Karatschi
in ihren Augen Auftakt zur Sünde sind. Akbar angetan hatten. Als die Machtverhältnisse umge- nach Hause zurück, die Taliban greifen ihn, bevor
Jan, der Bauer, ist empört. So mischen sich echtes kehrt waren, als die Taliban herrschten und den er auch nur das Haus der Familie erreicht. Ein
Unrecht und erzählte Geschichten zu einem Groll, Unbotmäßigen die Obstbäume und Weinreben »Tribunal« aus drei Männern inszeniert eine mi-
dem sich kaum einer entziehen kann. absägten. Nun herrschten die Bartlosen aus dem nutenlange »Gerichtsverhandlung« und verurteilt
Als Anfang 2003 im Dorf Pirzada amerika- Norden, rasierten die Rebenstöcke nieder, fällten den 18-Jährigen zum Tode – nachdem zuvor einer
nische Soldaten nachts einige Bauern aus ihren die Mandelbäume, verwüsteten die Obstgärten. der höheren Taliban-Führer in Quetta, Pakistan,
Häusern holen und über Nacht festhalten, weil in Plünderten die Dörfer. Offiziell war es ein Antiter- über Telefon grünes Licht zur Hinrichtung gege-
der Nähe ihr Konvoi attackiert worden ist, gras-
siert Tage später das Gerücht: Die alten Männer
roreinsatz, tatsächlich gingen die Taliban-Anschlä-
ge zurück. Die Dorfleute aber empfanden den Ein-
ben hat. Afghanistans Regierung und die Ameri-
kaner haben bald keine Ohren und keine Augen Dynamik eines Irrtums
seien sexuell missbraucht worden! Es spielt über- satz als Rache. »Dann ist mein Neffe zu den Taliban mehr in Andar. Viele wissen, wer Anführer der Ta-
haupt keine Rolle, dass es keine Beweise gibt. Das gegangen«, erinnert sich Akbar Jan lakonisch, der liban von Andar ist. Aber wer könnte es wagen, Die Pariser Geberkonferenz vergangene Woche instrumentalisieren. In der Folge wurden die
Gerücht wächst zu solcher Größe, dass in den dem Wüten der Nordallianz nur deshalb entging, Faruq zu verraten? hat rund 15 Milliarden Euro für Afghanistan komplett verschwundenen Taliban ab 2002 Jahr
Dörfern die Söhne ihre Väter warnen, auch nur in »weil ich ja nicht einmal Obstbäume habe«. Die Angst geht um bei Mitarbeitern von Hilfs- versprochen, der Kampf im Land geht weiter – um Jahr wieder stärker, nicht schwächer. Aus
die Provinzhauptstadt zu fahren: »Da werden euch Wie so oft in den Jahren seit 2001 ist ein kurzer organisationen, Journalisten, bei Händlern aus an- alles wie gehabt. Es ist ein Ablasshandel: Wir dem ersten Irrtum erwuchs ein zweiter: dass die
die Amerikaner entehren!« Wütend seien sie gewe- militärischer Erfolg erkauft worden mit dem lang deren Gegenden. Wollen sie nach Andar, fragen sie Westler versprechen euch Afghanen viel Geld afghanische Regierung per se auf der richtigen
sen, erinnert sich Akbar Jan, der alte Bauer: »Nur anhaltenden Verlust des Rückhalts in der Bevölke- nicht mehr die Polizei, sondern die Taliban. Dabei (wovon nur ein Bruchteil im Land ankommt), Seite stehe, da »die Bösen« ja auf der anderen
fort, fortbleiben von den Städten, dachten wir rung. Für die USA mag ihr Krieg ein Feldzug für ist es nicht so, dass der Staat und seine Polizisten und dafür gebt ihr Ruhe. Seite stünden.
uns. Da ist das Böse.« Ein erster Luftangriff der die Freiheit und gegen den Terrorismus sein. Für verschwunden wären. Sie sind noch da, zeigen Prä- Es wird so wenig funktionieren wie bisher, weil Mittlerweile verläuft unterhalb des militärischen
US-Truppen auf ein Dorf im Distrikt Moqur tö- die Bauern, Tagelöhner und Ladenbesitzer im Dis- senz im Distriktzentrum, auf der Überlandstraße. die ganze Intervention – unter US-Federführung Kampfes eine andere Konfliktlinie: jene zwischen
tet im Dezember 2003 acht Kinder und einen trikt Andar ist es ein Krieg des Nordens gegen den Aber nicht in den Dörfern und auch nicht bei – bereits 2001 von falschen Voraussetzungen der Bevölkerung und den Mächtigen jeder Cou-
Mann. Die Attacke habe einem Taliban-Anführer Süden, ein Rachefeldzug der vereinigten Tadschi- Nacht. Und sie hüten sich davor, sich mit den neu- ausgegangen ist. Als die US-Truppen ins Land leur. Egal ob Regierung, gebändigte Warlords
gegolten, teilen die Amerikaner mit. Die Afgha- ken, Amerikaner und sonstigen Gottlosen. en Machthabern anzulegen. Die meisten Gerichte kamen, ließen sie sich von ihren Verbündeten oder Taliban – jede Fraktion betreibt ihren Macht-
nen begraben die Kinder und schütteln den Kopf, Mullah Faruq kann sich vor Bewerbern nicht in der Provinz, ohnehin verschrien für Korruption der Nordallianz im Binnenkampf um die Macht erhalt auf Kosten der Bevölkerung. Die Regie-
nein, auch der Mann sei nur Bauer gewesen. mehr retten. Ein Dutzend Gruppen mit je 10 bis und Ineffizienz, sind verlassen. Statt ihrer kontrol-

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