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10 15 20 25 30 a weiteres Phiinomen ist es, dass Musik uns regelrecht konditionieren kann. 50 DSH 9.2010 HV TU Braunschweig HV: Der Gansehaut-Effekt Fast jeder von uns hort mehr oder weniger oft Musik. Musik kann, uns vorsichtig beriihren, uns aber auch wie ein Blitz treffen. Sie kann uns traurig machen, zum wilden Tanzen veran- lassen und uns auch an Orte und in vergangene Zeiten zurtickflihren. Sprache erreicht uns immer Uber das Bewusstsein, doch Musik trifft uns ganz unmittelbar, ohne dass wir ihren In- halt analysieren miissen. Wir wollen heute der Frage nachgehen, warum Musik tibethaupt Geftthle erzeugt. Von der vollstindigen Beantwortung dieser Frage ist die Wissenschaft noch weit entfernt, aber es, gibt eine Reihe von interessanten Erkenntnissen, die teilweise Antworten geben. Der Weg, den der Schall durch das Ohr und das Innenobr nimmt, kann gut bis zum Homerv verfolgt werden. Dort werden die Téne in elektrische Signale umgewandelt und ans Gehim weitergeleitet, Doch dann wird die Spur unspezifisch, weil sie in fast allen Teilen des Gehimns wieder erscheint. Hirnforscher und Psychologen haben in den letzten Jahren erkannt, dass es kaum einen Bereich unseres Gehims gibt, der nicht an der Verarbeitung von Musik beteiligt ist. Das macht Musik filr sie besonders interessant. Zum Beispiel hat das Max-Planck-Institut far Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig, das sich traditionell mit Sprache beschiif- tigt, nun ein Programm zum Thema Musikkognition gestartet. Dabei wird vor allem die emo- tionale Wirkung der Tone untersucht. Die Aussage: ,Musik ist die Sprache der Gefithle ist nicht mehr nur ein romantisches KZischee, sondern ein wOrtlich zu nehmender Forschungsan- satz. Sobald wir Musik héren, sucht unser Gehirn in dem akustischen Signal nach emotio- ‘naler Bedeutung. Daftir muss die gehorte Musik nicht lang seln. So hat ein franzésischer ‘Himforscher Musik in kurze Teile zerlegt, bis hin zu Fragmenten, dic nur cine Zehntelsekun- de dauerten. Trotzdem waren seine Probanden in der Lage, sowohl Sticke als auch Stimmun- gen wiederzuerkennen. Solche Ergebnisse deuten auf eine hoch spezialisierte, jedem Men- schen angeborene Fahigkeit hin, aus wenigen akustischen Signalen weitgehende Schitisse zu ziehen. Der schwedische Musikforscher Patrik Juslin zihlt in seinem gerede erschienenen Handbook of Music und Emotion mebrere Mechanismen auf, wie Musik ihre Wirkung entfal- tet. — Vor allem der Rhythmus der Musik geht direkt in den Hirnstamm. Dieser ist der altes- te Teil unseres Gehirns und er reagiert auf Téne und Rhythmen, ohne dass dabei das Bewusst- sein eine Rolle spielt. Schnelle und laute Tone ethShen den Herzschlag, wihrend langsame Rhythmen und tiefe Tne beruhigend wirken. Wenn Discobesucher sagen, dass sie nur tanzen und sich ganz der Bewegung zur Musik hingeben méchten, ohne auf etwas anderes zu achten, s sc sich Inelnander verliebten, Dieses Ereignis wird durch eine gowisse Musik besser érimert, Aber Vorsicht! Diese Pahigkeit des Gehims kann sich ghnuiggp. Je 6fter ein Paar dieses Lied hort, desto mehr Idst sich die Musik von der Situation, mit der sie urspringlich niert unser Gehirn, einzelne Verbindungen herzustellen, Wer beispielsweise in seiner Kin heit sonntags zum Frihstticksbrétchen oft eine bestimmte Klassische Musik gehtsrt hat, dem wird spiter beim Héren der ersten Téne dieser Musik der Duft von Brotchen in die Nase stei- gen. 35 60 65 70 15 DSH 9-2010 HV TU Braunschweig Patrik Juslin beschreibt in seinem Buch noch einen anderen Aspekt. Menschen besit- zen die Fuhigkeit, sich in die Gefthle anderer Personen hineinzuversetzen, Dies ist die Grund- lage dafiir, dass Zuhdrer die gleiche Emotion filhlen wie die Musiker, wenn sie ein Stiick vor- tragen, Debei ist es unvichtig, ob das Geflhl des Kinstless echt oder nur geschauspiclert ist Dieser Effekt der Gefthlsbertragung ist jedoch noch mit vielen Ratseln verbunden, da ein Lied eines Kinstlers nicht unbedingt die gleiche Wirkung bei ZuhBrem érzeugt, die das Mu- siksttick transportiert. So kann ein Lied ber Traurigkeit oder Binsamkeit bei einem Horer auch den Effekt haben: Du bist nicht allein‘ und er sich dadurch eben nicht traurig oder ein- sam fuhlt. Mine Frage, die sich unter anderem einige Musikforscher und Neurologen der Univer- sittt Hannover gestellt haben, lautet: Gibt es eine Musik, die bei allen Menschen Gansehaut Seer? Musik, die auf die Menschen in Neuguinea und auf Gronland den gleichen Effet eryGhar die Forscher ware es ein Traum, solch eine global wirksame Musik mur Breeugung at Gansehauteffekts za finden, Doch die Untersuchungen konnten das nicht bestitigen, Sie ‘en, dass bei den Probanden Ganschaut aur durch Musik hervorgerufea werden konnte, rate mit einem individvell emotionalen Erlebnis verbanden, Beim Versuch, gemeinsame ciusikalische Charakteristika aller vargespielten Lieder und entsprechende qetoan name tionen der Versuchsteilnehmer zu finden, entdeckten die Forscher nur sehr wenige Gemein- samkeiten: laute Stellen, aufsteigende Melodien und Schockeffekte zeigten die einzi - sfcinsamen Reaktionen, also die Elemente, die den Hirnstamm ansprechen, igen ge- "Von all den Faktoren, die Musik emotional wicken lassen, ist also nur einer villi urmabhingig, némlich der unmittelbare Effekt auf den Himstamm. Alle anderen sind 1 eo oder weniger erlernt, sind an die jeweilige Kultur oder an persinliche Erfahrungen eames (6780 Zeichen mit Leerzeichen) DSH 9-2010 HV TU Braunschweig Personendaten Wertung Nummer: 4. Kort, Name: w 30 Vorname: Ersthorrektur wether Hérverstehen — Fragen und Aufgaben 1. OW, wenn Wacnecy ay leery Auf welchem Weg gelangen Téne ins Gehirn? (Stichpunkte) dar Glebrescren Sigale ner 0! ans Geen, ua hicners Se Jon ODL ~ireeeBhi— weit itng i Cdven/ Hormel y = eleKrische Signal ‘Nennen Sie den Grund, warum Forscher sich verstirkt fir die Wirkung von Musik interessieren, (Stichpunkte) Wells Kaun Beret, 1 Gehin Gide glie fal Weter _uupblichver sie" Wal 5 fay eine Bereiche im Gebira ginr, dhe fur Water ua (Masi K niche» Noerer igh Lerphichtie/roseieck’y — sinok, Vervollstindigen Sie den Satz zum Zusammenhang Von emotionaler Bedeutung und der Liinge von Musiksttcken, Die Versuchsteilnehmer konnten Musikstiicke und Stimmungen aus den Musikteilen erkennen, obwoh! _//*¢ les/K lois hin tee ) FO Gmenrter phe nur yer Beutler, a 1S) | 4 DSH 9-2010 HV TU Braunschweig 4, Was bewitken late, bezichungsweisetefe Tone? (Stichpunkte) Cerubigung Wwreten tithen Tore . P he hues ber lag Blurchecla — 5, Welche Gefahr besteht, wenn man durch hiufiges Héren eines Liedes eine Erinnerung wieder hervorrufen méchte? (Satz) | 4e_clter ene 7 oe kel hilt olessg cathe lew sve 8 Pyke Clie _Sikin akon _ 6. Musik kann uns konditionieren. Erklaren Sie den Satz mit dem im Text genannten Beispiel. (Satze) Suet Glavers baler Geta nel ne ‘ec aclengen her qu Steller | ' on diay wean pron _eoltr Leen pen Frshsinclk tee Ylasische Mosk Nosy olama immer _ Spe ver won ef ohiese ss Lie here will of Yow elt, VB Bitiseher yn ore ose Steger, 712) [6 DSH 9-2010 HV TU Braunschweig a) Welches Ziel verfolgten die Forscher der Universitat Ha snnover mit ihren Untersuchungen? (Stichpunkte) DSH 9-2010 HV TU Braunschweig Wortschatzvorentlastung zum Hértext e Giinsehaut Schall © Kognition s Klischee r Himstamm das episodische Gedichinis konditionieren Patrik Juslin Handbook of Musie and Emotion Max-Planck-Institut fiir Kognitions— und Neurowissenschaften Neuguinea Gronland viele kleine Erhebungen auf der Haw wenn sich die Haut 2.8 ee die entstehen, bei Kahe zusammenzieht der Ton X. schlieBt alle Operationen ein, in dey Uber die Sinne aufgenommen, venste verwendet werden Ren Informationen tet und d hier: die Phrase, ein formelhafter Satz der alteste Teil des Gehims ine Fahi gkeit des Gehims hier: trainieren Name eines Wissenschaftlers engl. Titel eines Buches ‘Name eines Instituts Namen von Lander Sterner Schahtappen roteeches Sprochzontum suncostchos Sprochzoneum ‘Okebtatppan (Hintonaupeapoond primaro Seine Selintortappen Herston fo-2010 | HV | Korrekturbogen Name: Ne. [=] | 7 PKeT pre [Aufg, [Ist-Phe. | Ist-Pka| Fa 1. Korr |2.Korr, [Sagem [Fe ine |i. TAutwelchem Weg gelangen Tone ins | Gehim? (Stichpunite) Hormery (5), dort Umwandlung in elektrsche ‘Signale (0,5), Gehira [2] Neanea Sie den Grand warn Forsch] fit le Bache des Glas ddan do sich verti fr die Wiekang von Musik | Verarbenung von Musk betel, o. ; 3 |_| esi ern [3 | vervottndges Sede Sz man -abwol easing Tels arz aur ae | [een [nga ela ly der Linge der Mastic | Was boven ue, becichungrweie | te To hen den Herachng Hee 7 | prea [rata Ch ; Jebautigerman en Stack hor, deta mah os 4 4 | 5. | Welche Gefabr bestebt, wena man durch | hdufiges Horen eines Liedes eine sich die Masik von der Situation, mit der sie -Brinnerung wieder hervorrufen méchte? | urspringlich verbunden war, 0.2. | Musik trainiert unser Gehirm,einzelne Erkitrea Sie den Satz mit dem: im Text | Verbindungen heraustellen (1), das Horen von genannten Beispiel. (Sttze) best. lass. Musik beim Friksttck lsst spater beim Wiederhéren dieser Musi den Duft von ‘Brotchen in die Nase steigen, 0.4 (3) 7. a) Welches Ziel verfolgten die Forscher | Musik finden, de bei allen Menschen cine der Uni Hannover mit ihren Génsehaut herverruf, 0.8. Untersuchungen? (Stichpunkte) b) Fessen Sic das Ergebnis dieser ‘Untersuchung zusammen. (Satze) Le