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Herzinfarkt

& Soziales

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Liebe Leserin, lieber Leser, durch unsere zahlreichen Projekte und Studien zur Verbesserung der Patientenversorgung ist

Liebe Leserin, lieber Leser,

durch unsere zahlreichen Projekte und Studien zur Verbesserung der Patientenversorgung ist uns bekannt, dass Patienten und deren Angehörige mit immer komplexeren Therapien und einem immer komplizierten Gesundheitssystem konfrontiert sind.

So hat man als Betroffener neben der eigentlichen Erkrankung in der Regel mit einer Vielzahl von finanziellen, sozialrechtlichen und organisatorischen Belastungen zu kämpfen. Hierdurch führen die sozialen und psychischen Belastungen oft zur Verzöger- oder Verhinderung der richtigen Therapie.

Der vorliegende Ratgeber „Herzinfarkt & Soziales“ informiert umfassend zu Themen wie Rehabilitation, Arbeitsunfähigkeit, Schwerbehinderung und Krankengeld.

Zusätzliche Informationen finden Sie auch unter www.betainstitut.de, unter der Rubrik „Patienteninformationen“.

Mit herzlichen Grüßen Andreas Widmann
Mit herzlichen Grüßen
Andreas Widmann

Director beta Institut

unter der Rubrik „Patienteninformationen“. Mit herzlichen Grüßen Andreas Widmann Director beta Institut
Herzinfarkt: Formen, Auftreten, Folgen 5 Koronare Herzkrankheit – KHK Stabile Angina pectoris Instabile Angina
Herzinfarkt: Formen, Auftreten, Folgen
5
Koronare Herzkrankheit – KHK
Stabile Angina pectoris
Instabile Angina pectoris
Herzinfarkt
5
6
7
7
Herzinsuffizienz
7
Weitere Formen
7
Diagnose
8
Symptome
8
Auslöser
8
Warnzeichen
8
Risikofaktoren
9
Risikotest
10
Was tun bei Infarkt-Anzeichen?
11
Erstmaßnahmen
11
Verhalten beim Notruf
Notfallausweis
11
12
Therapien
13
Akutbehandlung
13
Rehabilitation
13
Kardiologische Rehabilitation
14
Anschlussheilbehandlung
Wahl der Reha-Einrichtung
Zuzahlung
15
16
17
Medizinische Rehabilitation
18
Leistungen
Zuständigkeit und Voraussetzungen
Wartezeit
18
18
20
Ambulante und stationäre Medizinische Reha
Antrag
Wahl der Reha-Einrichtung
Urlaub und finanzielle Leistungen
Zuzahlung
20
21
22
23
23
Arbeitsunfähigkeit
24
Mitteilungspflicht
AU-Bescheinigung
AU länger als 6 Wochen
24
25
25
Stufenweise Wiedereingliederung 26 Voraussetzungen Entgelt durch die Leistungsträger 26 26 Schwerbehinderung 28
Stufenweise Wiedereingliederung
26
Voraussetzungen
Entgelt durch die Leistungsträger
26
26
Schwerbehinderung
28
Grad der Behinderung bei Herzinfarkt
Schwerbehindertenausweis
28
29
Vergünstigungen im Berufsleben
Nachteilsausgleiche
30
31
Berufliche Rehabilitation
33
Umfang
33
Abgestufte Erwerbsminderungsrente
35
Voraussetzungen
Befristung
Volle Erwerbsminderungsrente
Teilweise Erwerbsminderungsrente
Höhe
35
35
36
36
36
Erwerbsminderungsrente für Selbständige
37
Zuzahlungen in der Krankenversicherung
38
Zuzahlungen
Nicht befreiungsfähige Zuzahlungen
38
40
Zuzahlungsbefreiung der Krankenversicherung
41
Belastungsgrenze 2 %
Sozialhilfe, Arbeitslosengeld II, Grundsicherung
Überschreiten der Belastungsgrenze
Belastungsgrenze 1% für chronisch Kranke
41
43
43
44
Entgeltfortzahlung
47
Voraussetzung
47
Dauer
47
Höhe
48
Krankengeld
49
Voraussetzungen
49
Höhe
50
Dauer
51
Anspruch auf Krankengeld
Anspruch auf Krankengeld ruht
Ausschluss von Krankengeld
Wegfall des Krankengelds
Aussteuerung: Ende des Anspruchs auf Krankengeld
Arbeitslosengeld bei Arbeitsunfähigkeit
52
53
53
53
54
55
Übergangsgeld 57 Stufenweise Wiedereingliederung Höhe 57 57 Dauer 58 Grundsicherung im Alter und bei
Übergangsgeld
57
Stufenweise Wiedereingliederung
Höhe
57
57
Dauer
58
Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung
60
Dauer, Umfang und Höhe
Anrechnung von Einkommen und Vermögen
60
61
Weitere finanzielle Hilfen
62
Arbeitslosengeld
62
Arbeitslosengeld II und Sozialgeld: Hartz IV
Sozialhilfe
62
63
Wohngeld
63
Häusliche Krankenpflege
64
Voraussetzungen
Dauer und Umfang
Zuzahlung
64
65
65
Hausnotruf oder Notfalltelefon
66
Funktionsweise
66
Kosten
66
Alltag nach Herzinfarkt, Krankheitsverarbeitung
Angehörige und Familienleben
Selbsthilfegruppen
Sexualität
67
68
69
70
Zusammenhang KHK und Sexualität
Körperliche und psychische Ursachen
70
70
Autofahren und Führerschein
72
Zweifel an der Fahrtüchtigkeit
Autofahren nach einem Herzinfarkt
Fahrradfahren
72
73
74
Urlaub und Reisen
75
Betreuungsprogramm der Krankenkassen (DMP)
Prävention
76
77
Präventionsprogramme der Krankenkassen
77
Sport
79
Sportarten
79
Reha-Sport
80

Ernährung

Alkohol

 

82

82

Nichtrauchen

 

83

Schlusspunktmethode Medikamentöse Raucherentwöhnung Hypnose Akupunktur Verhaltenstherapie Angebote der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

83

83

84

84

84

85

Stressabbau

 

86

Kompaktkur

 

87

Merkmale

 

87

Dauer und Wartezeit

 

87

Kosten, Zuschuss und Zuzahlung Antrag

 

88

 

88

Patientenvorsorge

 

89

Vorsorgevollmacht Betreuungsverfügung Patientenverfügung Zentrales Vorsorgeregister

 

89

 

90

 

90

 

90

Hilfreiche Adressen und Links Impressum

 

92

 

93

Adressen und Links Impressum   92   93 Hinweis: Zur besseren Lesbarkeit wird im Text häufig

Hinweis:

Zur besseren Lesbarkeit wird im Text häufig die männliche Form verwendet. Gemeint sind grundsätzlich Frauen und Männer.

Herzinfarkt: Formen, Auftreten, Folgen

Das Herz ist seit dem Altertum für den Menschen ein Organ mit besonderer Bedeutung. Es steht als Symbol für das Leben und die Liebe. Das zeigen Redewendungen wie „Ein großes Herz haben“ oder „ins Herz treffen“. Für den Einzelnen kann es das Leben erschüttern, wenn mit dem Herzen etwas nicht stimmt, das Herz erkrankt oder es gar zu einem Infarkt kommt.

Einerseits kann es ein großes Glück bedeuten, einen Herzinfarkt überlebt zu haben; andererseits kann dieses Ereignis dazu zwingen, sein Leben neu auszurichten, was nicht immer leicht fällt.

Der vorliegende Ratgeber will helfen, nach Herzinfarkt best- möglich zu leben. Er bietet detaillierte Informationen zu Hilfen, die Betroffenen zustehen, zu sozialrechtlichen Regelungen und Voraussetzungen sowie Anregungen, sich möglichst gesundheits- fördernd zu verhalten.

Der Herzinfarkt, in der Fachsprache Myokardinfarkt genannt, ist ein akutes Ereignis im Rahmen einer koronaren Herzer- krankung (KHK). Die KHK zählt zu den Volkskrankheiten, sie ist eine der häufigsten Todesursachen in den Industrie- nationen. Nach einer Untersuchung aus dem Jahr 2003 starben, gemessen an allen Todesfällen in Deutschland, 8,7% der Männer und 6,5 % der Frauen an einem Herzinfarkt.

Koronare Herz- krankheit – KHK

an einem Herzinfarkt. Koronare Herz- krankheit – KHK Der Herzinfarkt stellt, bei ungünstigem Verlauf, den

Der Herzinfarkt stellt, bei ungünstigem Verlauf, den Höhepunkt einer KHK dar und kann deshalb nicht unabhängig von dieser betrachtet werden.

Bei der KHK handelt es sich um eine chronische Erkrankung der Herzkranzgefäße. Hierbei kommt es durch eine Verengung oder einen Verschluss der Gefäße zu einer Mangeldurchblutung (Ischämie) des Herzens. Der Grund hierfür liegt in der Verkalkung (Arteriosklerose) der Herzkranzgefäße. Diese Verkalkung wird aus- gelöst durch die Ablagerung von Cholesterin in der Gefäßwand und die Ausbildung von Fettpolstern, sogenannten Plaques. Dies engt die Gefäße ein und hat eine Durchblutungsstörung zur Folge. Bricht ein solches Fettpolster plötzlich auf, bildet sich ein Blutgerinnsel, welches das Gefäß verschließt. Die Blutversorgung von Teilen des Herzmuskels wird unterbrochen, der betroffene Mensch erleidet einen Herzinfarkt.

Andere Ausprägungsformen der KHK neben dem Herzinfarkt sind:

• stabile Angina pectoris (Brustenge, belastungsabhängige Beschwerden/Schmerzen)

• instabile Angina pectoris (Auftreten der Beschwerden/ Schmerzen schon in Ruhe)

• stille Myokardischämie (Mangeldurchblutung ohne Schmerzwahrnehmung)

• durch eine KHK bedingte Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche)

• plötzlicher Herztod

Da einige dieser Ausprägungsformen einem Herzinfarkt vorweg gehen, lohnt es, sie näher zu betrachten. Wird die Erkrankung rechtzeitig erkannt, kann dadurch ein Herzinfarkt vermieden werden. Dies gilt insbesondere auch für Menschen, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben, da sie ein erhöhtes Risiko für einen erneuten Infarkt haben.

Stabile Angina pectoris

für einen erneuten Infarkt haben. Stabile Angina pectoris Bei 65–85 % der Herzinfarktpatienten treten im Vorfeld

Bei 65–85 % der Herzinfarktpatienten treten im Vorfeld Symptome einer Angina pectoris auf, vor allem belastungsab- hängige Brustschmerzen. Bei einer Angina pectoris herrscht ein durch Arteriosklerose bedingter Durchblutungsmangel der Herzkranzgefäße, der immer dann konstant auftritt, wenn das Herz besonders gefordert wird.

konstant auftritt, wenn das Herz besonders gefordert wird. Beispiel Eine Frau wohnt im 4. Stock und

Beispiel Eine Frau wohnt im 4. Stock und bekommt beim Treppen- steigen immer in der 3. Etage Brustschmerzen und Atemnot. Typischerweise treten die Beschwerden immer bei einer bestimmten Belastungsgrenze auf. Die körperliche Belastung erfordert eine Zunahme der Pumpleistung des Herzens, die nötige Anpassung der Herzdurchblutung ist allerdings wegen den arteriosklerotisch verengten Herzkranzgefäßen nicht mehr gewährleistet. Dadurch entsteht ein Missverhältnis zwischen Energiebedarf und Energiezufuhr des Herzmuskels. Dieses Missverhältnis tritt dann relativ konstant auf, z. B. bei der Frau in der 3. Etage, und äußert sich in den Beschwerden einer belastungsabhängigen Angina pectoris. Dabei kann der Schmerz auch in andere Körperteile aus- strahlen, z. B. linker Arm und Schulter, Hals, Unterkiefer oder Oberbauch. Bei Frauen kommt es oft vor, dass sie nur unter Atemnot leiden. Die Beschwerden treten meist unter Belastung auf und verschwinden in Ruhe wieder. Die Symptome einer Angina pectoris können wichtige Warnsignale sein. Werden sie ernst genommen, kann durch eine rechtzeitige Behandlung einem Herzinfarkt vorgebeugt werden.

durch eine rechtzeitige Behandlung einem Herzinfarkt vorgebeugt werden. 6 6 Herzinfarkt: Formen, Auftreten, Folgen

Während die stabile Angina pectoris nicht akut lebens- bedrohlich ist, besonders bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung, wird es für den Betroffenen gefährlich, wenn es zu einer instabilen Angina pectoris kommt.

Die Beschwerden einer instabilen unterscheidet sich nicht von einer stabilen Angina pectoris. Besonderheit ist, dass die Beschwerden bereits im Ruhezustand, also belastungsunabhän- gig, auftreten. Ebenso kann die Intensität, Dauer oder Häufigkeit der Beschwerden zunehmen. Die Schmerzen können bei der oben erwähnten Frau nun bereits beim ersten Treppenabsatz oder bei nur geringer Belastung auftreten. Die Ursache liegt in der Instabilität der Fettpolster (Plaques) in der Arterie. Sie können einreißen, ein Gerinnsel bildet sich und führt zum teilweisen Verschluss der Herzkranzarterie.

Bei einem vollständigen Verschluss der Herzkranzarterie kommt es zum Herzinfarkt.

Da der Übergang von einer instabilen Angina pectoris zum Herzinfarkt fließend ist, spricht man in beiden Fällen von einem akuten Koronarsyndrom. Ein Herzinfarkt bringt große Gefahren mit sich:

• Durch den Verschluss des Gefäßes wird ein Teil des Herz- muskels von der Sauerstoffzufuhr abgeschnitten.

• Folge kann die Störung der Herzschlagfolge sein, was zum sogenannten Kammerflimmern führen kann. Wird nicht rechtzeitig eingegriffen, führt dies zum totalen Kreislauf- zusammenbruch.

• Weitere Gefahr ist das Pumpversagen des Herzens. Je länger der Infarkt anhält, desto höher ist der Verlust an arbeitsfähigem Herzmuskelgewebe.

Durch Verlust von Herzmuskelgewebe bleibt die Herzmuskel- funktion nach einem großen Infarkt eingeschränkt. Folge ist eine Herzinsuffizienz, auch Herzmuskelschwäche genannt.

Für den Betroffenen bedeutet dies, dass seine Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist, was sich konkret auf Alltag, Beruf und Psyche des Patienten auswirken kann.

Der Krankheitsverlauf bei KHK kann sehr unterschiedlich sein. Neben den beschriebenen Formen kann es auch vorkommen, dass sich die Durchblutungsstörung nicht in Schmerzen äußert. Man spricht dann von einer stillen oder stummen Ischämie.

Diese kommt öfter bei Patienten vor, die auch an Diabetes erkrankt sind. Andere Patienten sind lebenslang durch schwere Herzrhythmusstörungen bedroht und benötigen deshalb einen Herzschrittmacher, der den potentiell tödlichen Rhythmus- störungen wie Kammerflattern oder -flimmern entgegenwirkt.

Instabile Angina pectoris

oder -flimmern entgegenwirkt. Instabile Angina pectoris Herzinfarkt Herzinsuffizienz Weitere Formen Herzinfarkt:

Herzinfarkt

entgegenwirkt. Instabile Angina pectoris Herzinfarkt Herzinsuffizienz Weitere Formen Herzinfarkt: Formen,

Herzinsuffizienz

Instabile Angina pectoris Herzinfarkt Herzinsuffizienz Weitere Formen Herzinfarkt: Formen, Auftreten, Folgen 7 7

Weitere Formen

Instabile Angina pectoris Herzinfarkt Herzinsuffizienz Weitere Formen Herzinfarkt: Formen, Auftreten, Folgen 7 7

Diagnose

Nach der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation bedarf es zur Diagnose eines Herzinfarkts mindestens 2 der 3 folgenden Kriterien:

• Plötzlich auftretender Brustschmerz (Leitsymptom bei 9 von 10 Patienten)

• Anstieg herzmuskelspezifischer Eiweißstoffe (Enzyme) im Blut

• Spezifische Veränderungen im Elektrokardiogramm (EKG)

Symptome

Veränderungen im Elektrokardiogramm (EKG) Symptome Auslöser Warnzeichen Folgende Symptome sind typisch für

Auslöser

im Elektrokardiogramm (EKG) Symptome Auslöser Warnzeichen Folgende Symptome sind typisch für einen

Warnzeichen

im Elektrokardiogramm (EKG) Symptome Auslöser Warnzeichen Folgende Symptome sind typisch für einen Herzinfarkt: •

Folgende Symptome sind typisch für einen Herzinfarkt:

• Anhaltende schwere Schmerzen im Brustkorb, die in Arme, Schulterblätter, Hals, Kiefer und Oberbauch ausstrahlen können. Die Schmerzen halten länger als 5 Minuten an und lassen auch in Ruhe nicht nach.

• Starkes Engegefühl, heftiger Druck im Brustkorb

• Unruhe und Todesangst

• Atemnot

• Übelkeit und Erbrechen

• Schwächegefühl, Bewusstlosigkeit

• Blassfahle Gesichtsfarbe und kalter Schweiß

Bei Frauen sind Atemnot, Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen im Oberbauch oft die alleinigen Beschwerden.

Auslöser eines Herzinfarkts sind häufig körperliche und psychische Belastungen (Stress), Kälte sowie übermäßiges und schweres Essen. Gehäuft tritt ein Infarkt in den frühen Morgenstunden auf.

Nur bei 35 % der Infarktfälle ist vorher eine KHK bekannt. Für einen Großteil der Patienten tritt der Infarkt also unerwartet ein.

Es ist ein Phänomen, dass Warnzeichen schon Wochen, oft Monate vor einem Infarkt auftreten, aber von den Betroffenen nicht als ernsthaft wahrgenommen werden. Die Beschwerden werden gerne verdrängt, auf das Alter oder die Bronchien geschoben, um sich zu beruhigen.

Quelle dieser Verdrängung ist häufig eine unterbewusste Angst vor einer lebensgefährlichen Bedrohung wie Herzinfarkt. Daneben wirkt die Angst vor Erkrankung und dem damit verbundenen Rück- gang der Leistungsfähigkeit und dem Verlust der körperlichen

Unversehrtheit. Angst um den Arbeitsplatz ist ein weiteres Verdrängungsmotiv. Gerade in den letzten Jahren ist der Druck in der Arbeitswelt stark gestiegen: „Ich kann es mir nicht leisten, krank zu sein“, ist oft zu hören. Dies alles zusammen führt zu einer verständlichen Verdrängung der Warnzeichen.

Oft geht einem Herzinfarkt auch eine Phase großer Erschöpfung voraus, die sich in Energielosigkeit, Niedergeschlagenheit oder depressiver Stimmung zeigt. Die Betroffenen fühlen sich dann so ausgebrannt und leer, dass sie sich um die Warnzeichen, die ihr Körper sendet, nicht mehr kümmern.

Deshalb sollten auch Angehörige auf Warnzeichen achten und den Betroffenen motivieren, zum Arzt zu gehen. Grundsätzlich ist es für Betroffene hilfreich, über Ängste und Sorgen zu reden. Reden macht die Gefahr bewusst, es entlastet aber auch und die Angst verliert einen Teil des Schreckens. Danach fällt es leichter, aktiv zu handeln.

Bei der Entstehung einer KHK spielt der Lebensstil eine erhebliche Rolle. Bestimmte Risikofaktoren erhöhen die Gefahr, einen Herzinfarkt zu erleiden. Beeinflussbare Risikofaktoren sind:

• Übergewicht

• Bewegungsmangel

• Rauchen

• Bluthochdruck

• Erhöhtes Cholesterin (Gesamt- und LDL-Cholesterin erhöht, HDL-Cholesterin zu niedrig)

• Hoher Fibrinogenspiegel

• Hoher Triglyceridspiegel

• Diabetes

• Akuter Stress und ungünstige Persönlichkeitsstruktur

• Antibabypille (erhöht in Verbindung mit anderen Risikofaktoren das KHK-Risiko)

Risikofaktoren

mit anderen Risikofaktoren das KHK-Risiko) Risikofaktoren Daneben gibt es Risikofaktoren, die sich nicht beeinflussen

Daneben gibt es Risikofaktoren, die sich nicht beeinflussen lassen, z. B.:

• Familiäre Disposition

• Lebensalter

• Geschlecht Männer haben ein höheres Risiko als Frauen, allerdings steigt das Risiko bei Frauen nach den Wechseljahren etwa um das Dreifache im Vergleich zu Frauen gleichen Alters, die ihre Regelblutung noch haben.

• Angeborene Veränderungen der Herzkranzgefäße

Verbindungen zwischen Infektionen mit den Bakterien Chlamy- dophila pneumoniae und Herzinfarkten wurden gefunden und in koronaren Arterien nachgewiesen. Auch die Antikörper sind bei Menschen mit Herzproblemen höher. Möglicherweise begüns- tigen chronische Infektionen mit diesem Erreger die Entstehung und das Voranschreiten der Arteriosklerose und sind somit mit- auslösend bei einem Herzinfarkt.

Risikotest

sind somit mit- auslösend bei einem Herzinfarkt. Risikotest 1010 Diagnose Einen Selbsttest, ob man herzinfarktgefährdet

1010

Diagnose

Einen Selbsttest, ob man herzinfarktgefährdet ist, kann man online auf der Seite der Deutschen Herzstiftung durchführen:

www.herzstiftung.de > Rund ums Herz > Risikotest.

Was tun bei Infarkt-Anzeichen?

Bei einem akuten Koronarsyndrom (instabile Angina pectoris oder Herzinfarkt) ist keine Zeit zu verlieren. Der Patient muss schnellstens behandelt und in die nächste Klinik eingewiesen werden. Je eher die medizinische Versorgung beginnt, desto höher die Überlebenschance und desto geringer die Folge- schäden. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der ersten „goldenen Stunde“. Sind erst einmal mehr als 6 Stunden vergangen, sind die Folgen des Sauerstoffmangels für das Herz nur mehr mit erheblich reduziertem Erfolg zu beheben.

Erfolgt keine schnelle Behandlung, besteht zudem die große Gefahr eines Herzkammerflimmerns, das akut lebensbedrohlich ist. In diesem Fall muss versucht werden, das Herz durch Herz- druckmassage oder durch Elektroschock mittels Defibrillator wieder in einen normalen Rhythmus zu bringen. Keinesfalls dürfen Patienten zu lange warten, weil sie hoffen, dass die Beschwerden von selbst wieder besser werden, oder sie den Hausarzt zu später Stunde nicht mehr stören wollen.

Auf keinen Fall sollten sich Betroffene selbst auf den Weg zur Klinik machen oder womöglich noch Auto fahren. Jede körper- liche Belastung verschlimmert die Folgen eines Herzinfarkts.

Sofortmaßnahmen bei einem akuten Infarkt sind:

• Unverzüglich den Notruf verständigen, Telefon 112, auch vom Handy.

• Den Patienten mit leicht erhöhtem Oberkörper lagern.

• Beengende Kleidung öffnen.

• Ruhe und Sicherheit vermitteln.

• Patient warm halten.

• Patient möglichst nicht oder nur kurz alleine lassen.

• Bei Bewusstlosigkeit und Ausbleiben des Pulses:

sofortige Herzmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung.

Wichtig ist vor allem, sofort den Notruf über die 112 zu ver- ständigen. Ein Umweg über den Hausarzt oder den ärztlichen Notdienst/Bereitschaftsdienst sollte vermieden werden, da diese oft überlastet sind und so wertvolle Zeit verloren geht.

Erstmaßnahmen

sind und so wertvolle Zeit verloren geht. Erstmaßnahmen Verhalten beim Notruf Was tun bei Infarkt-Anzeichen? 11

Verhalten beim Notruf

sind und so wertvolle Zeit verloren geht. Erstmaßnahmen Verhalten beim Notruf Was tun bei Infarkt-Anzeichen? 11

Der Hausarzt wird im Ernstfall auch nur den Rettungsdienst rufen, da dieser mit einem Defibrillator ausgerüstet ist, mit dem eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung beendet werden kann.

Beim Telefonat mit der 112 muss unbedingt „Verdacht auf Herz- infarkt“ angegeben werden. Weitere wichtige Angabe: die Adresse.

Notfallausweis

werden. Weitere wichtige Angabe: die Adresse. Notfallausweis 1212 Was tun bei Infarkt-Anzeichen? Ist bereits im Vorfeld

1212 Was tun bei Infarkt-Anzeichen?

Ist bereits im Vorfeld eine KHK diagnostiziert oder hatte sich bereits ein Herzinfarkt ereignet, sollte der Betroffene immer einen Notfallausweis bei sich tragen.

Dadurch erhält der Notarzt Informationen über Medikamente, Dosierung, Vorbehandlungen und Begleiterkrankungen. Ein Notfallausweis kann kostenlos bei der Deutschen Herzstiftung, Vogtstraße 50, 60322 Frankfurt am Main, bezogen werden.

Therapien

Für die medizinische Akutbehandlung kommen je nach indivi- dueller Situation des Patienten verschiedene Behandlungs- möglichkeiten in Frage. Alle Maßnahmen haben das Ziel, das verschlossene Herzkranzgefäß wieder zu öffnen.

Bei der Thrombolyse wird versucht, durch die Gabe von Medi- kamenten das Gerinnsel aufzulösen, welches das Herzkranzgefäß verstopft. Eine Thrombolyse ist vor allem während der ersten Stunden nach dem Infarkt wirksam.

Bei der mechanischen Behandlung wird ein biegsamer millimeter- dünner Schlauch (= Herzkatheter) über die Arterie ins Herz ein- geführt und so der Verschluss lokalisiert. Mit Hilfe eines kleinen Ballons (Koronar-Angioplastie) wird das Gefäß dann aufgedehnt, damit wieder Blut durch die geweitete Arterie fließen kann (Fachausdruck PTCA). Meist wird zusätzlich die Herzkranzarterie mit einem kleinen Draht- oder Plastikrohr stabilisiert (Koronar-Stent), um das Behandlungsergebnis zu sichern.

Ein chirurgischer Eingriff ist die Bypass-Operation. Dabei wird ein Umgehungskreislauf zwischen der Hauptschlagader und einer Herzkranzarterie hergestellt. Für die Überbrückung werden kör- pereigene Adern wie Arterien aus der Brustwand oder den Armen oder Venen aus den Beinen verwendet.

Die Rehabilitation von Herzkranken verläuft in drei Phasen:

• Phase I umfasst die Akutbehandlung (siehe oben) und die Frühmobilisation im Krankenhaus.

• Phase II ist die kardiologische Rehabilitation (siehe folgende Seiten).

• Phase III umfasst die Nachsorge und Betreuung des Patienten am Wohnort.

Akutbehandlung

und Betreuung des Patienten am Wohnort. Akutbehandlung Medikamentöse Behandlung: Thrombolyse Mechanische

Medikamentöse Behandlung:

Thrombolyse

Mechanische Behandlung:

Herzkatheter

Operation: Bypass

Rehabilitation

Behandlung: Thrombolyse Mechanische Behandlung: Herzkatheter Operation: Bypass Rehabilitation Therapien 1313

Therapien

1313

Kardiologische Rehabilitation

Nach dem Akutereignis beschäftigt sich die kardiologische Rehabilitation (Phase II) mit der langfristigen Bewältigung der Folgen eines Herzinfarkts. Im Mittelpunkt stehen dabei die kontinuierliche Steigerung der Leistungsfähigkeit des Herzens sowie die Verbesserung der Lebensqualität und Lebenser- wartung durch die Einschränkung von individuellen Risiko- faktoren. Ein weiteres Rehabilitationsziel ist die Wieder- eingliederung in das soziale und berufliche Umfeld.

Am Anfang der Reha steht eine umfassende kardiologische Funktions- und Leistungsdiagnostik, bei der Krankheitsstadium, Beeinträchtigungen und Fähigkeitsstörungen sowie psycho- soziale Probleme und Risiken des Patienten ermittelt werden.

Auf dieser Grundlage wird ein individueller Rehabilitations- plan entworfen, in dem folgende therapeutischen Maßnahmen enthalten sein können.

Gesundheitsbildung Vermittlung von Wissen über die Erkrankung, deren Entstehen, Risiken und Behandlungsmöglichkeiten

Psychologische Betreuung

– Abbau krankheitsbedingter Angst und Unsicherheiten

– Akzeptanz und Verarbeitung der Herzerkrankung

– Verarbeitung von Begleiterscheinungen wie z. B. verminderte Leistungsfähigkeit

– Erkennen und Abbau individueller Risikofaktoren

– Entwicklung alternativer Verhaltensstrategien zur Stressvermeidung

– Neuorientierung in Bezug auf die Zeit nach der Entlassung bezüglich Beruf, Freizeit und Alltag

– Verringerung von Unsicherheiten im Sexualverhalten

Diätetische Therapie

– Ernährungsberatung und Lehrküche

– Motivation zu einem gesunden Ernährungsverhalten

Ergotherapie

Bewegungstherapie Aufhebung von Funktionsverlusten und Steigerung der körperlichen Belastbarkeit

Medikamentöse Therapie

Die Rehabilitation führt ein interdisziplinäres Reha-Team durch, das vom Reha-Arzt koordiniert wird. Am Ende der Reha wird ein ärztlicher Entlassungsbericht verfasst, der sich in Basisdoku- mentation, sozialmedizinische Leistungsbeurteilung, Leistungs- daten und Arztbericht gliedert. Die sozialmedizinische Leistungs-

1414 Kardiologische Rehabilitation

beurteilung kann bei Erwerbstätigen für die weitere berufliche Tätigkeit, für eine berufliche Neuorientierung oder eine Renten- antragstellung von Bedeutung sein.

Eine kardiologische Reha kann als Anschlussheilbehandlung, stationäre oder ambulante medizinische Reha durchgeführt werden.

Nach einer Studie mit Herzinfarktpatienten von 2001–2003 wurde für 60 % der Patienten eine stationäre kardiologische Anschlussheilbehandlung eingeleitet.

Anschlussheilbehandlung

Anschlussheilbehandlung eingeleitet. Anschlussheilbehandlung Definition „Anschlussheilbehandlung” Die

Definition „Anschlussheilbehandlung” Die Anschlussheilbehandlung (AHB) ist eine Rehamaßnahme, die im unmittelbaren Anschluss an eine Krankenhaus- behandlung erfolgt und zur Weiterbehandlung erforderlich ist. Sie muss innerhalb von 14 Tagen nach der Entlassung beginnen, möglichst jedoch direkt im Anschluss an einen Krankenhaus-Aufenthalt.

Eine AHB dauert normalerweise 3 bis 4 Wochen, eine Verlänge- rung ist möglich, wenn Arzt oder Klinik die Verlängerung medizi- nisch-therapeutisch begründen.

Dauer und Ziel

Ziel einer AHB ist, verloren gegangene Funktionen oder Fähigkeiten wiederzuerlangen oder auszugleichen und den Patienten wieder an die Belastungen des Alltags- und Berufs- lebens heranzuführen.

Die AHB zählt zur Medizinischen Rehabilitation (siehe S. 8) und muss beim jeweiligen Kostenträger (siehe unten) beantragt werden.

Voraussetzungen

Die AHB muss von den behandelnden Krankenhausärzten einge- leitet werden. Nach der Entlassung ist es für niedergelassene Ärzte nur in Ausnahmefällen möglich, eine AHB zu begründen.

Die Genehmigung hängt davon ab, ob die Erkrankung in der soge- nannten AHB-Indikationsliste enthalten ist. Für Herzinfarkt ist dies gegeben, er zählt zur Indikationsgruppe „Krankheiten des Herzens und des Kreislaufs“.

Eine der folgenden versicherungsrechtlichen Voraussetzungen muss erfüllt sein:

• Wartezeit von 15 Jahren oder

• Kalendermonate mit Pflichtbeiträgen in den letzten

6

2

Jahren oder

• Bezug einer Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit (Abgestufte Erwerbsminderungsrente) oder

• Wartezeit von 5 Jahren bei verminderter oder in absehbarer Zeit gefährdeter Erwerbsfähigkeit oder

• Anspruch auf große Witwen- bzw. Witwerrente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit.

Privat Krankenversicherte können in der Regel nicht direkt vom Krankenhaus in eine Anschlussheilbehandlung (AHB) gehen. Sie müssen mit Hilfe ihres behandelnden Arztes einen Antrag auf eine Anschlussgesundheitsmaßnahme (AGM) beim zuständigen Rentenversicherungsträger stellen. Die AGM unterscheidet sich von der AHB dadurch, dass die persönlichen und versicherungs- rechtlichen Voraussetzungen durch den Rentenversicherungs- träger geprüft werden müssen, bevor der Patient die AGM in einer Rehabilitationseinrichtung antreten kann.

Persönliche und medizinische Voraussetzungen:

• Indikation einer KHK

• Akutphase der Erkrankung muss abgeschlossen sein.

• Patient muss frühmobilisiert sein.

• Patient muss selbsthilfefähig sein, das heißt:

ohne Fremdhilfe zur Toilette gehen, selbstständig essen, sich allein waschen und ankleiden können.

• Patient sollte reisefähig sein. Ein Krankentransport ist nur in Not- und Ausnahmefällen möglich.

• Patient muss der Maßnahme zustimmen.

Kostenträger

Wahl der Reha-Einrichtung

Maßnahme zustimmen. Kostenträger Wahl der Reha-Einrichtung Bei Herzinfarkt ist in der Regel die Krankenkasse oder die

Bei Herzinfarkt ist in der Regel die Krankenkasse oder die Rentenversicherung Kostenträger.

• Die Krankenversicherung übernimmt die Kosten, wenn das Hauptziel der AHB die Wiedererlangung der Gesundheit ist.

• Die Rentenversicherung übernimmt die Kosten, wenn das Hauptziel die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit ist. Außer- dem müssen die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen zur Medizinischen Rehabilitation erfüllt sein (siehe S. 19).

Ist die Krankenversicherung der Kostenträger, kann der Patient eine zugelassene und zertifizierte Reha-Einrichtung selbst wählen. Sind die Kosten höher als bei den Vertragseinrichtungen der Krankenkasse, zahlt der Patient die Mehrkosten.

Ist die Rentenversicherung der Kostenträger, kann der Arzt eine Reha-Einrichtung vorschlagen. Soll die AHB in einer bestimmten Einrichtung stattfinden, muss der Arzt das ausdrücklich vermerken und möglichst auch begründen.

Das „AHB-Handbuch“ enthält einen Überblick über AHB- Einrichtungen und liegt bei den Sozialdiensten in Kliniken auf. Dorthin können sich Patienten und Ärzte bei der Suche nach einer AHB-Einrichtung wenden.

Ist die AHB eine Leistung der Krankenkasse, müssen Patienten ab 18 Jahren 10,– pro Tag für maximal 28 Tage im Kalenderjahr zuzahlen. Ist die AHB eine Leistung des Rentenversicherungsträgers, müs- sen Patienten ab 18 Jahren 10,– pro Tag für maximal 14 Tage im Kalenderjahr zuzahlen.

Beispiel:

Zuzahlungen bei Anschlussheilbehandlung Ein 44-jähriger Mann ist seit einem schweren Herzinfarkt vor drei Wochen im Krankenhaus. Er soll in Kürze zur Anschluss- heilbehandlung. Dort soll er entsprechend weiterbehandelt werden und u. a. lernen, besser mit seiner neuen gesund- heitlichen Situation umgehen zu können. Für welchen Zeitraum muss er Zuzahlung für die Anschluss- heilbehandlung leisten?

Ist der Kostenträger die Rentenversicherung und erfolgt die Anschlussheilbehandlung stationär, begrenzt sich die Zuzah- lung auf 14 Tage im Kalenderjahr. Bereits im selben Kalender- jahr geleistete Zuzahlungen bei stationärer Behandlung an den Rentenversicherungsträger und bei Krankenhausbehand- lung an die Krankenkasse werden angerechnet.

Ist der Kostenträger die Krankenkasse, ist die Dauer der Eigenbeteiligung auf insgesamt 28 Tage im Kalenderjahr begrenzt. Bereits im selben Kalenderjahr geleistete Zuzah- lungen bei Krankenhausbehandlung an die Krankenkasse werden angerechnet.

Die Zuzahlungen bei Anschlussheilbehandlungen zählen bei der Berechnung der Belastungsgrenze von 2 % bzw. 1% der jährlichen Bruttoeinnahmen dazu. Gegebenenfalls kommt also eine Zuzahlungsbefreiung in Frage, Näheres siehe S. 41.

eine Zuzahlungsbefreiung in Frage, Näheres siehe S. 41. Fragen zur AHB beantworten die Kostenträger: Krankenkassen

Fragen zur AHB beantworten die Kostenträger: Krankenkassen und Rentenversicherungsträger.

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Praxistipp

Zuzahlung

und Rentenversicherungsträger. ! Praxistipp Zuzahlung ? Wer hilft weiter? Kardiologische Rehabilitation 17 17

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Wer hilft weiter?

Medizinische Rehabilitation

Die Medizinische Rehabilitation ist ein Teilbereich der Reha- bilitation und umfasst Maßnahmen, die auf die Erhaltung oder Besserung des Gesundheitszustands ausgerichtet sind und vor- wiegend die Durchführung medizinischer Leistungen erfordern.

Leistungen

Durchführung medizinischer Leistungen erfordern. Leistungen Zur Medizinischen Rehabilitation zählen z. B.: •

Zur Medizinischen Rehabilitation zählen z. B.:

• Anschlussheilbehandlung nach Krankenhausaufenthalt (siehe S. 15)

• Medizinische Rehabilitation für Mütter und Väter

• Kinderheilbehandlung

• Stufenweise Wiedereingliederung (siehe S. 26)

• Geriatrische Rehabilitation für ältere Menschen

Im Rahmen einer Medizinischen Rehamaßnahme können auch viele weitere Behandlungen und Leistungen erbracht werden, z. B. Krankenbehandlung, Früherkennung von Krankheiten, Psycho- therapie, Arznei- und Verbandmittel, Heilmittel oder Hilfsmittel.

Zuständigkeit und Voraussetzungen

oder Hilfsmittel. Zuständigkeit und Voraussetzungen Erkennt der Arzt die Notwendigkeit einer Medizinischen Reha

Erkennt der Arzt die Notwendigkeit einer Medizinischen Reha und stellt gemeinsam mit dem Patienten einen Antrag, kommen in der Regel die Krankenkasse oder der Renten- versicherungsträger als Kostenträger in Frage.

Wird eine Rehamaßnahme zur Wiederherstellung der Gesundheit durchgeführt, ist meist die Krankenkasse der Kostenträger. Eine Rehamaßnahme zur Wiederherstellung oder zum Erhalt der Erwerbsfähigkeit wird meist vom Rentenversicherungsträger finanziert.

Allgemein gültige Voraussetzungen

1818 Medizinische Rehabilitation

Folgende Voraussetzungen müssen bei jedem Träger einer Medizinischen Reha erfüllt sein:

• Die Rehamaßnahme ist aus medizinischen Gründen erforderlich.

• Die Rehamaßnahme muss vom Arzt verordnet sein und vom Kostenträger vorher genehmigt werden.

Unter folgenden persönlichen Voraussetzungen trägt der Rentenversicherungsträger die Medizinische Rehabilitation:

• Die Erwerbsfähigkeit ist wegen Krankheit oder Behinderung erheblich gefährdet oder gemindert und

• voraussichtlich kann eine Minderung der Erwerbsfähigkeit abgewendet werden oder

• die Erwerbsfähigkeit kann gebessert oder wiederhergestellt werden.

Unter folgenden versicherungsrechtlichen Voraussetzungen trägt der Rentenversicherungsträger die Rehabilitation:

• Erfüllung der Wartezeit von 15 Jahren. Wartezeiten sind z. B. die Zeiten, in denen Beiträge gezahlt wurden bzw. Zeiten, in denen Rentenanwartschaften erworben wurden, z. B. Kindererziehungszeiten oder

• Erfüllung der allgemeinen Wartezeit von 5 Jahren bei verminderter Erwerbsfähigkeit oder absehbarer verminderter Erwerbsfähigkeit oder

Persönliche Voraussetzungen der Rentenversicherung

Versicherungsrechtliche Voraussetzungen der Rentenversicherung

• Kalendermonate mit Pflichtbeiträgen in den letzten

6

2

Jahren vor Antragstellung oder

• Innerhalb von 2 Jahren nach Beendigung einer Ausbildung wird eine versicherte oder selbstständige Beschäftigung bis zur Antragstellung ausgeübt oder nach einer solchen Beschäftigung liegt Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit bis zur Antragstellung vor oder

• Bezug einer Abgestuften Erwerbsminderungsrente (siehe S. 35) oder

• Anspruch auf große Witwen/Witwer-Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit.

Der Rentenversicherungsträger übernimmt die Medizinische Reha u. a. nicht:

• in der Phase akuter Behandlungsbedürftigkeit Ausnahme: bei Behandlungsbedürftigkeit während der Medizinischen Rehabilitation

• anstelle einer ansonsten erforderlichen Krankenhaus- behandlung

• wenn sie dem allgemein anerkannten Stand medizinischer Erkenntnisse nicht entspricht

• bei Bezug oder Beantragung einer Altersrente von mindestens zwei Drittel der Vollrente (das heißt, kein Ausschluss bei Bezug/Antrag von einem Drittel bzw. der Hälfte der Vollrente)

• bei Anwartschaft auf Versorgung nach beamtenrechtlichen Vorschriften

Keine Leistungen der Rentenversicherung

• bei Versicherungsfreiheit als Bezieher einer Versorgung wegen Erreichens einer Altersgrenze, sogenannte Versorgungsbezüge

• bei Bezug einer Leistung, die regelmäßig bis zum Beginn einer Altersrente gezahlt wird (sogenannte Vorruhestandsleistungen)

Wartezeit

gezahlt wird (sogenannte Vorruhestandsleistungen) Wartezeit Ambulante und stationäre Medizinische Reha Zwischen zwei

Ambulante und stationäre Medizinische Reha

Wartezeit Ambulante und stationäre Medizinische Reha Zwischen zwei bezuschussten Rehamaßnahmen – egal ob

Zwischen zwei bezuschussten Rehamaßnahmen – egal ob ambulant oder stationär – muss in der Regel ein Zeitraum von 4 Jahren liegen. Nicht anzurechnen sind Leistungen zur medizinischen Vorsorge.

Ausnahmen macht die Krankenkasse nur bei medizinisch dringender Erforderlichkeit. Dies muss mit Arztberichten oder einem Gut- achten des behandelnden Arztes bei der Krankenkasse begründet werden. Der Rentenversicherungsträger genehmigt Medizinische Reha- maßnahmen vor Ablauf der 4-Jahres-Frist, wenn vorzeitige Leistungen aus gesundheitlichen Gründen dringend erforderlich sind, weil ansonsten mit einer weiteren Minderung der Leistungsfähigkeit zu rechnen ist.

Es gibt zwei Arten Medizinischer Rehamaßnahmen, ambulante und stationäre. Letztere werden umgangssprachlich Kuren genannt.

Grundsätzlich gilt:

Ambulant vor stationär. Das heißt: Erst wenn ambulante Maßnahmen nicht ausreichen, werden stationäre Leistungen erbracht.

Ausnahme: Dies gilt nicht bei Medizinischer Rehabilitation für Mütter und Kinder.

Ambulante Rehamaßnahmen

Voraussetzungen

Ambulante Rehamaßnahmen führt der Patient wohnortnah durch bzw. nimmt sie in Anspruch. Er wohnt z. B. zu Hause, nicht in der Reha-Einrichtung, d. h. der Patient kommt morgens in die be- handelnde Einrichtung und verlässt diese nachmittags oder abends wieder. Möglich ist auch die Versorgung durch mobile Reha-Teams beim Patienten zu Hause. Eine ambulante Reha- maßnahme hat immer Vorrang vor einer stationären.

Voraussetzungen für eine Ambulante Reha sind:

• Eine ambulante Krankenbehandlung reicht nicht für den angestrebten Reha-Erfolg aus.

• Durchführung der ambulanten Rehamaßnahme in Einrichtungen mit Versorgungsvertrag oder in wohnort- nahen Einrichtungen mit bedarfsgerechter, leistungsfähiger und wirtschaftlicher Versorgung.

2020 Medizinische Rehabilitation

Die ambulante Rehamaßnahme dauert längstens 20 Behandlungs- tage. Eine Verlängerung ist aus medizinischen Gründen möglich.

Stationäre Rehamaßnahmen werden umgangssprachlich oft als Kur bezeichnet. Der Patient wohnt für die Zeit der Reha in einer entsprechenden Einrichtung. Bei Herzinfarkt sind stationäre Rehamaßnahmen möglich.

Voraussetzungen für eine stationäre Reha sind:

Dauer

Stationäre Rehamaßnahmen

Voraussetzungen

• Eine ambulante Rehamaßnahme (s. o.) reicht nicht aus.

• Die stationäre Aufnahme ist aus medizinischen Gründen erforderlich.

• Durchführung der stationären Rehamaßnahme in Einrichtungen mit Versorgungsvertrag.

Sie dauern längstens 3 Wochen. Eine Verlängerung aus medizi- nischen Gründen ist möglich.

Nimmt ein Elternteil, der zu Hause Kinder unter 12 Jahren betreut, an einer ambulanten oder stationären Rehamaßnahme teil, kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Haushaltshilfe gewährt werden.

Den Antrag auf eine Medizinische Reha sollte zweckmäßiger- weise der Arzt gemeinsam mit dem Patienten stellen. Erfor- derlich sind ggf. eine ärztliche Bescheinigung, Arztbericht(e) und ein eigenes, persönliches Schreiben.

Dauer

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Praxistipp

Antrag

eigenes, persönliches Schreiben. Dauer ! Praxistipp Antrag Der Leistungsumfang bei ambulanten und stationären

Der Leistungsumfang bei ambulanten und stationären Rehamaß- nahmen liegt im Ermessen der Krankenkasse bzw. Rentenver- sicherungsträgers und wird aufgrund medizinischer Erfordernisse festgelegt. Unter Umständen wird der MDK zur Prüfung der medizinischen Notwendigkeit herangezogen.

Erkennt der behandelnde Arzt die Notwendigkeit einer Reha, so muss er bei der Krankenkasse einen Antrag auf „Einleitung von Leistungen zur Rehabilitation oder alternativen Angeboten“ stellen. Kommt nach Ansicht der Krankenkasse eine Rehamaß- nahme und sie selbst als Kostenträger in Betracht, dann bekommt

Antragstellung bei der Krankenkasse

der Arzt die „Verordnung von Medizinischer Rehabilitation“ zu- geschickt. Falls der Antrag bei einem anderen Kostenträger (z. B. Berufsgenossenschaft, Rentenversicherungsträger) gestellt werden muss, wird dies von der Krankenkasse mitgeteilt.

Seit 1.4.2007 können nur noch Ärzte Leistungen zur Medizini- schen Rehabilitation verordnen, die gemäß § 11 der Rehabili- tations-Richtlinien hierfür qualifiziert sind.

Der Antrag ist an den zuständigen Träger zu richten, bei Herz- infarkt in der Regel die Krankenkasse oder der Rentenversiche- rungsträger.

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Praxistipp

Wahl der Reha-Einrichtung

rungsträger. ! Praxistipp Wahl der Reha-Einrichtung Eigentlich genügt bei den Anträgen für Rehamaßnahmen die

Eigentlich genügt bei den Anträgen für Rehamaßnahmen die Angabe der Indikationen nach der ICD 10 (Internationale Klassifikation der Krankheiten). Es ist jedoch mittlerweile fast zur Regel geworden, dass der Arzt die Notwendigkeit der Medizinischen Rehabilitation ausführlich begründet. Auf jeden Fall vermindert es das Risiko einer Ablehnung beim Kostenträger, wenn dem Antrag sofort eine ausführliche ärztliche Begründung beigefügt wird. Es kann durchaus sein, dass der MDK über das ärztliche Attest hinaus den Patient zu einer Begutachtung ein- lädt, um die Notwendigkeit der Rehamaßnahme zu prüfen.

Je nach zuständigem Kostenträger (s. Seite 18) gestaltet sich die Wahl der Reha-Einrichtung verschieden. Kostenträger Krankenkasse Der Patient kann eine zugelassene und zertifizierte Reha- Einrichtung selbst wählen. Sind die Kosten höher als bei den Vertragseinrichtungen der Krankenkasse, zahlt der Patient die Mehrkosten.

Kostenträger Rentenversicherung Der Arzt kann eine Reha-Einrichtung vorschlagen. Soll die Maß- nahme in einer bestimmten Einrichtung stattfinden, muss der Arzt das ausdrücklich vermerken und möglichst auch begründen. Auch die persönliche Lebenssituation, das Alter, das Geschlecht, die Familie oder die religiösen Bedürfnisse der Betroffenen sollten bei der Wahl eine Rolle spielen und berücksichtigt werden. Die Leistung wird in der Regel im Inland erbracht. Eine Kosten- übernahme für eine Medizinische Reha im Ausland ist dann möglich, wenn aufgrund gesicherter medizinischer Erkenntnisse für die vorliegende Erkrankung ein besserer Reha-Erfolg dort zu erwarten ist.

Ambulante und stationäre Medizinische Rehamaßnahmen dürfen nicht auf den Urlaub angerechnet werden.

Urlaub und finanzielle Leistungen

Urlaub angerechnet werden. Urlaub und finanzielle Leistungen Während einer ambulanten oder stationären Rehamaß- nahme

Während einer ambulanten oder stationären Rehamaß- nahme kann der Versicherte je nach individuellem Fall und Erfüllen der Voraussetzungen eine der folgenden Leistungen erhalten:

• Entgeltfortzahlung (siehe S. 47) vom Arbeitgeber

• Krankengeld von der Krankenkasse (siehe S. 49)

• Übergangsgeld vom Rentenversicherungsträger (siehe S. 57)

Erwachsene Versicherte müssen bei fast allen ambulanten und stationären Rehamaßnahmen 10,– Zuzahlung pro Tag leisten.

Individuelle Auskünfte erteilt der jeweils zuständige Sozial- versicherungsträger, bei Herzinfarkt in der Regel der Renten- versicherungsträger oder die Krankenkasse.

Informationen über Zuständigkeiten und Unterstützung bei der Antragstellung geben die gemeinsamen Servicestellen der Rehabilitationsträger.

Zuzahlung

gemeinsamen Servicestellen der Rehabilitationsträger. Zuzahlung ? Wer hilft weiter? Medizinische Rehabilitation 23 23

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Wer hilft weiter?

Arbeitsunfähigkeit

Für Menschen, die noch im Berufsleben stehen, hat ein Herz- infarkt fast immer Auswirkungen auf die Berufstätigkeit. Bei längerer Arbeitsunfähigkeit (siehe unten) kann es zu Krankengeldzahlungen kommen, Details siehe S. 49.

Wenn größere Bereiche des Herzmuskels geschädigt sind, kann eine Medizinische Rehabilitation (siehe S. 18) und/oder eine Stufenweise Wiedereingliederung (siehe S. 26) helfen.

Manche Herzinfarkte führen zu schweren Schädigungen, die zu einer Leistungsminderung oder gar Schwerbehinderung (siehe S. 28) führen können. Unter Umständen kann dann eine Beruf- liche Rehabilitation (siehe S. 33) den Wiedereinstieg in den Beruf erleichtern. Bei schwerer Erwerbsminderung kann eine Abge- stufte Erwerbsminderungsrente (siehe S. 35) in Frage kommen.

Definition „Arbeitsunfähigkeit” Arbeitsunfähigkeit (AU) ist ein durch Krankheit oder Unfall hervorgerufener regelwidriger Körper- oder Geisteszustand, aufgrund dessen der Versicherte seine bisherige Erwerbs- tätigkeit nicht oder nur unter Gefahr der Verschlimmerung des Zustands weiter ausüben kann. Die AU ist Voraussetzung für Entgeltfortzahlung (siehe S. 47) und Krankengeld (siehe S. 49).

Mitteilungspflicht

S. 47) und Krankengeld (siehe S. 49). Mitteilungspflicht Ein Arbeitnehmer ist verpflichtet, seinem Arbeitgeber die AU

Ein Arbeitnehmer ist verpflichtet, seinem Arbeitgeber die AU und die voraussichtliche Dauer unverzüglich mitzuteilen, telefonische Mitteilung genügt.

Dauert die AU länger als 3 Kalendertage, muss der Arbeitnehmer eine ärztliche Bescheinigung über die AU und die voraussichtliche Dauer spätestens am darauf folgenden Arbeitstag vorlegen. Es kann aber im Arbeitsvertrag festgelegt sein, dass die AU-Beschei- nigung bereits am ersten Tag der Erkrankung vorzulegen ist.

AU-Bescheinigung

ersten Tag der Erkrankung vorzulegen ist. AU-Bescheinigung 2424 Arbeitsunfähigkeit Der behandelnde Arzt stellt eine

2424

Arbeitsunfähigkeit

Der behandelnde Arzt stellt eine AU-Bescheinigung in doppelter Ausfertigung aus, die der Patient unverzüglich weiterleitet:

• Das Original (mit Diagnose) geht an die Krankenkasse.

• Der Durchschlag (ohne Diagnose) geht an den Arbeitgeber.

Die AU-Bescheinigung(en) des Arztes muss/müssen vom ersten Tag der Erkrankung an lückenlos sein.

Während der ersten 6 Wochen AU erhält ein Berufstätiger in der Regel Entgeltfortzahlung (siehe S. 47). Ab der 7. Woche wird in der Regel Krankengeld (siehe S. 49) gezahlt.

AU länger als 6 Wochen

Krankengeld (siehe S. 49) gezahlt. AU länger als 6 Wochen Ab der 7. Krankheitswoche übersendet die

Ab der 7. Krankheitswoche übersendet die Krankenkasse dem Arbeitgeber eine Verdienstbescheinigung, in welche dieser die für die Berechnung des Krankengelds notwendigen Angaben ein- trägt. Außerdem erhält der Arbeitnehmer von der Krankenkasse einen sogenannten Auszahlschein, auf dem der Arzt das Fortbestehen der AU bestätigt.

Bei Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigungen ausländischer Ärzte kann die Krankenkasse den MDK heranziehen.

AU im Ausland

kann die Krankenkasse den MDK heranziehen. AU im Ausland Die Krankenkasse ist jedoch an die Feststellung

Die Krankenkasse ist jedoch an die Feststellung der AU- Bescheinigung durch den Versicherungsträger eines EU-Landes gebunden, wenn die Krankenkasse nicht von der Möglichkeit Gebrauch macht, den Versicherten (in dessen Wohnland) von einem Arzt ihrer Wahl untersuchen zu lassen.

Arbeitsunfähigkeit

2525

Stufenweise Wiedereingliederung

Die Stufenweise Wiedereingliederung (sogenanntes „Ham- burger Modell“) soll arbeitsunfähige Arbeitnehmer nach einer längeren schweren Krankheit schrittweise an die volle Arbeits- belastung heranführen und so den Übergang zur vollen Berufs- tätigkeit erleichtern.

Die Dauer der Wiedereingliederung ist abhängig vom indivi- duellen gesundheitlichen Zustand. In der Regel dauert sie 6 Wochen bis 6 Monate. Der Arbeitnehmer ist während der Maßnahme weiterhin arbeitsunfähig.

Voraussetzungen

der Maßnahme weiterhin arbeitsunfähig. Voraussetzungen Voraussetzungen der Krankenversicherung Voraussetzungen der

Voraussetzungen der Krankenversicherung

Voraussetzungen der Rentenversicherung

Die Stufenweise Wiedereingliederung ist eine Maßnahme der Medizinischen Rehabilitation (siehe S. 18).

Findet sie im unmittelbaren Anschluss an eine medizinische Reha- maßnahme statt, d.h. wird sie innerhalb von 14 Tagen nach Ent- lassung aus einer Reha-Klinik angetreten, ist die Rentenversiche- rung Kostenträger. Trifft dies nicht zu, ist in den meisten Fällen die Krankenversicherung zuständig.

Ist die Krankenversicherung der Kostenträger, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

• Es besteht noch Anspruch auf Krankengeld bzw. es liegt noch Arbeitsunfähigkeit vor für die Dauer der Wiederein- gliederungsmaßnahme.

• Der Versicherte ist mit der Maßnahme einverstanden.

• Der Arzt stellt einen Wiedereingliederungsplan auf.

• Der Arbeitgeber erklärt sich mit der Maßnahme einverstanden.

• Der Versicherte wird am bisherigen Arbeitsplatz eingesetzt.

Bei der Rentenversicherung müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

• Arbeitsunfähigkeit.

• Ärztliche Feststellung, dass die bisherige Tätigkeit wenigstens teilweise wieder verrichtet werden kann.

Entgelt durch die Leistungsträger

verrichtet werden kann. Entgelt durch die Leistungsträger 2626 Stufenweise Wiedereingliederung In der Regel erhält

2626 Stufenweise Wiedereingliederung

In der Regel erhält der Versicherte während der Stufenweisen Wiedereingliederung weiterhin Krankengeld von der Kranken- kasse bzw. Übergangsgeld vom Rentenversicherungsträger.

Falls der Arbeitgeber während der Wiedereingliederung freiwillig Arbeitsentgelt entrichtet, dann wird dies auf das Kranken- bzw. Übergangsgeld angerechnet. Es besteht allerdings keine Zahlungspflicht für den Arbeitgeber.

Wie läuft eine Stufenweise Wiedereingliederung ab?

11. Dem Arbeitsversuch muss als Erstes aus medizinischer Sicht zugestimmt werden: Nach Überzeugung des Arztes dürfen einer stufenweisen Wiederbeschäftigung keine medizinischen Gründe entgegenstehen.

12. Der Versicherte muss die Stufenweise Wiedereingliederung selbst wollen.

13. Arzt und Patient füllen gemeinsam den Antrag auf Stufenweise Wiedereingliederung aus. Dieses Formular hat jeder Arzt vorliegen. Es kann bei der Krankenkasse oder beim Rentenversicherungsträger angefordert werden.

14. Arzt und Patient erstellen gemeinsam einen „Wiederein- gliederungsplan“, aus dem hervorgeht, mit welcher Tätigkeit und Stundenzahl dieser beginnt und in welchem Zeitraum Art und Umfang der Tätigkeit gesteigert werden.

15. Der Antrag wird dem Arbeitgeber vorgelegt – von ihm hängt die Stufenweise Wiedereingliederung ab: Er muss sein Einverständnis mit der Maßnahme mit einer Unterschrift bestätigen, ist dazu aber nicht verpflichtet.

16. Schwerbehinderte Arbeitnehmer haben gegen den Arbeit- geber einen Anspruch auf Zustimmung zur Stufenweisen Wiedereingliederung, vorausgesetzt es liegt eine ärztliche Bescheinigung vor, die einen Wiedereingliederungsplan und eine Prognose über den Zeitpunkt der zu erwartenden Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit enthält.

17. Es empfiehlt sich, eine Stellungnahme des Betriebsarztes bzw. des MDK einzuholen.

18. Der Antrag wird bei der Krankenkasse eingereicht. Diese prüft, ob sie der Maßnahme zustimmt. Zum Teil bezieht auch die Krankenkasse den MDK mit ein.

19. Haben alle Beteiligten zugestimmt, kann die Maßnahme beginnen.

10. Während der eingeschränkten Beschäftigung bleibt der Versicherte weiterhin arbeitsunfähig geschrieben.

Informationen geben Krankenkasse, Rentenversicherungsträger, behandelnder Arzt und Arbeitgeber.

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Praxistipp

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Wer hilft weiter?

Schwerbehinderung

Nach einem schweren Herzinfarkt mit Komplikationen kann es in seltenen Fällen auch zu bleibenden Beeinträchtigungen kommen. In diesen Fällen sollte überlegt werden, ob die sozial- rechtliche Anerkennung einer Behinderung sinnvoll ist.

Anerkennung einer Behinderung „Behinderung“ im sozialrechtlichen Sinn ist genau definiert. Kern ist, dass erhebliche Beeinträchtigungen vorliegen müssen, die länger als 6 Monate anhalten. Nur wer als Behinderter vom Versorgungsamt anerkannt ist, kann Vergünstigungen und Nachteilsausgleiche in Anspruch nehmen. Zuständig für diese Anerkennung ist das Versorgungsamt. Viele Nachteilsausgleiche erhält man nur als Schwerbehinderter. Das erfordert einen Schwerbehindertenausweis, den man wiederum nur erhält, wenn man einen „Grad der Behinderung“ von mindestens 50 hat.

Grad der Behinderung bei Herzinfarkt

von mindestens 50 hat. Grad der Behinderung bei Herzinfarkt Der Grad der Behinderung (GdB) beschreibt die

Der Grad der Behinderung (GdB) beschreibt die Schwere der Behinderung und wird durch das Versorgungsamt (= Amt für Soziales und Versorgung) festgestellt. Antragsformulare und Informationen gibt es beim Versorgungsamt.

Versorgungsmedizinische Grundsätze Das Versorgungsamt richtet sich bei der Feststellung der Behinderung nach den "Versorgungsmedizinischen Grundsätzen". Diese enthalten Anhaltswerte über die Höhe des Grads der Behinderung (GdB).

Die "Versorgungsmedizinischen Grundsätze" ersetzen seit 1.1.2009 die "Anhaltspunkte für die ärztliche Gutachtertätigkeit im sozialen Entschädigungsrecht" und werden vom Bundes- justizministerium unter www.gesetze-im-internet.de/versmedv/ anlage_8.html als Download angeboten.

Eine Koronare Herzkrankheit (KHK) kann zu bleibenden Behinderungen eines Patienten führen und das Versorgungsamt kann auf Antrag einen Grad der Behinderung (GdB) feststellen. Der GdB richtet sich nach dem Maß der Leistungseinschränkung. Ab einem GdB von 50 gilt ein Patient als schwerbehindert und kann Hilfen und Nachteilsausgleiche in Anspruch nehmen.

2828

Schwerbehinderung

Anhaltswerte bei KHK Für die Bemessung des GdB bei der KHK und ihren zugehörigen Erkrankungen ist weniger die Art der Herzerkrankung maßgeblich als vielmehr die vom vorliegenden Stadium der Erkrankung ab- hängige Leistungseinbuße. Bei der Beurteilung ist vom klinischen Bild und von den Funktionseinschränkungen im Alltag auszu- gehen. Medizinische Parameter sollen lediglich das klinische Bild ergänzen. Mehrere Erkrankungen werden dabei nicht zusammen- gerechnet, sondern auch wieder nach ihren Auswirkungen einge- teilt.

GdB

KHK ohne wesentliche Leistungseinschränkung (keine Insuffizienzerscheinungen wie Atemnot, angiöse Schmerzen) selbst bei gewohnter stärkerer Belastung (z. B. sehr schnelles Gehen, schwere körperliche Arbeit), keine Einschränkung der Sollleistung bei Ergometerbelastung

0–10

KHK mit Leistungsbeeinträchtigung bei mittelschwerer Belastung (z. B. forsches Gehen, mittelschwere körperliche Arbeit), Beschwerden und Auftreten pathologischer Messdaten bei Ergometerbelastung mit 75 Watt (wenigstens 2 Minuten)

20–40

KHK mit Leistungsbeeinträchtigung bereits bei alltäglicher Belastung (z. B. Spazierengehen, Treppensteigen bis zu einem Stockwerk, leichte körperliche Arbeit), Beschwerden und Auftreten pathologischer Messdaten bei Ergometerbelastung mit 50 Watt (wenigstens 2 Minuten)

50–70

KHK mit gelegentlich auftretenden vorübergehenden schweren Dekompensationserscheinungen

80

KHK mit Leistungsbeeinträchtigung bereits in Ruhe (Ruheinsuffizienz, z. B. auch bei fixierter pulmonaler Hypertonie)

90–100

Die Anerkennung als Schwerbehinderter weist man mit einem Schwerbehindertenausweis nach. Dieser kann neben dem GdB auch Merkzeichen enthalten, die die Art der Behinderung bezeichnen. Der Schwerbehindertenausweis muss vorgelegt werden, wenn Vergünstigungen für Schwerbehinderte bean- tragt oder in Anspruch genommen werden.

Die Ausstellung eines Schwerbehindertenausweises erfolgt auf Antrag des Schwerbehinderten. Antragsformulare sind beim Versorgungsamt erhältlich. Der Ausweis wird in der Regel für längstens 5 Jahre ausgestellt.

Schwerbehindertenausweis

der Regel für längstens 5 Jahre ausgestellt. Schwerbehindertenausweis Antrag und Gültigkeit Schwerbehinderung 29 29

Antrag und Gültigkeit

Verschlechtert sich der Gesundheitszustand eines Menschen mit Schwerbehindertenausweis oder kommt eine weitere dauerhafte Einschränkung dazu, dann sollte beim Versorgungsamt ein Antrag auf Erhöhung des GdB gestellt werden.

Merkzeichen

Vergünstigungen im Berufsleben

gestellt werden. Merkzeichen Vergünstigungen im Berufsleben Es gibt folgende Merkzeichen: Merkzeichen „G“:

Es gibt folgende Merkzeichen:

Merkzeichen „G“:

Erhebliche Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr sowie erhebliche Geh- und/oder Stehbehinderung

Merkzeichen „aG“: Außergewöhnliche Gehbehinderung

Merkzeichen „H“:

Merkzeichen „Bl“: Blind oder hochgradig sehbehindert

Merkzeichen „RF“: Rundfunk- und Fernsehgebührenbefreiung

Ständige Begleitung bei Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel notwendig

Merkzeichen „Gl“: Gehörlos und an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit mit schwerer Sprach- störung

Merkzeichen „B“:

Hilflos

Schwerbehinderte und ihnen gleichgestellte Personen erhal- ten bei Berufstätigkeit einige Vergünstigungen. Kündigungsschutz Die Kündigung eines Schwerbehinderten bedarf in der Regel der vorherigen Zustimmung des Integrationsamts. Die Kündigungs- frist beträgt mindestens 4 Wochen. Es können sich allerdings aus dem Arbeitsvertrag, dem Tarifvertrag oder den gesetzlichen Kündigungsfristen nach § 622 BGB günstigere Kündigungsfristen für den Arbeitnehmer ergeben. Diese gehen dann der Frist von 4 Wochen vor.

Zusatzurlaub Anerkannte Schwerbehinderte haben Anspruch auf zusätzlich fünf bezahlte Urlaubstage im Jahr. Bei mehr oder weniger als fünf Arbeitstagen in der Woche erhöht bzw. vermindert sich der Zusatzurlaub entsprechend.

Gleichstellung behindert/schwerbehindert Personen mit einem GdB von weniger als 50, aber mindestens 30, erhalten die gleichen Leistungen wie Schwerbehinderte, wenn sie infolge ihrer Behinderung keinen geeigneten Arbeitsplatz er- langen oder behalten können.

Unterschiede Gleichgestellte genießen wie Schwerbehinderte einen besonderen Kündigungsschutz. Sie haben jedoch im Gegensatz zu Schwer-

3030

Schwerbehinderung

behinderten keinen Anspruch auf einen Zusatzurlaub und auf vorgezogenes Altersruhegeld nach Vollendung des 60. Lebens- jahres. Gleichgestellte bekommen keinen Schwerbehindertenausweis und keine „Erleichterungen im Personenverkehr“.

Die Gleichstellung erfolgt durch die zuständige Agentur für Arbeit. Der Antrag muss unmittelbar bei der Agentur für Arbeit gestellt werden, unter Vorlage des Feststellungsbescheids des Versorgungsamts und eines Schreibens des Arbeitgebers, der den Behinderten als Schwerbehinderten einstellen bzw. weiter- beschäftigen würde.

Schwerbehinderten wird – teilweise auf freiwilliger Grund- lage – eine Reihe von Nachteilsausgleichen zugestanden, z.B.:

• Eintrittspreisermäßigungen (z. B. Kino, Theater, Sportveranstaltungen, Museen)

• Benutzung der Abteile und Sitze, die Schwerbehinderten in Verkehrsmitteln vorbehalten sind

• Bevorzugte Abfertigung in Ämtern

• Beitragsermäßigungen für Mitglieder von Vereinen, Interessenverbänden etc. Gesetzlich basierte Leistungen und Vergünstigungen erhalten Schwerbehinderte nur, wenn sie ihren Wohnsitz, gewöhnlichen Aufenthalt oder Arbeitsplatz in Deutschland haben. Voraus- setzungen für die Inanspruchnahme dieser Rechte ist häufig ein Schwerbehindertenausweis und das Stellen eines Antrags bei der zuständigen Stelle.

Die wichtigsten dieser Nachteilsausgleiche sind:

• Altersrente für Schwerbehinderte

• Arbeitsassistenz

• Arbeitstherapie und Belastungserprobung

• Berufsfindung und Arbeitserprobung

• Eingliederungshilfe für Behinderte

• Ermäßigungen im Flugverkehr

• Fahrdienste

• Kinderbetreuungskosten

• Kraftfahrzeughilfe

• Kraftfahrzeugsteuerermäßigung

• Minderleistungsausgleich

• Parkerleichterungen

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Praxistipp

Nachteilsausgleiche

• Minderleistungsausgleich • Parkerleichterungen ! Praxistipp Nachteilsausgleiche Schwerbehinderung 31 31

• Rundfunk- und Fernsehgebührenbefreiung

• Soziale Sicherung

• Steuervorteile

• Telefongebührenermäßigung

• Vergünstigungen bei öffentlichen Verkehrsmitteln

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Praxistipp

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Wer hilft weiter?

Weitere Informationen rund um das Thema „Behinderung“ finden Sie unter www.betanet.de

Informationen gibt das Bürgertelefon des Bundesarbeitsmini- steriums 01805 676715 (14 Ct./ Min., Mobilfunk max. 42 Ct./Min.), Mo–Do von 8–20 Uhr.

Fragen zu Leistungen für Schwerbehinderte oder Unklarheiten über die Zuständigkeiten der Leistungsträger beantworten die örtlichen Servicestellen.

Die Versorgungsämter sind zuständig für die Feststellung des GdB und die Ausstellung des Schwerbehindertenausweises.

Arbeitsrechtliche Auskünfte (Kündigungsschutz, Zusatzurlaub) erteilt das Integrationsamt.

Über die Gleichstellung entscheiden die Agenturen für Arbeit.

Beratung und Begleitung im Arbeitsleben bietet der Integra- tionsfachdienst.

Berufliche Rehabilitation

„Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben“ lautet der sozial- rechtliche Begriff für alle Rehamaßnahmen, die die Arbeits- und Berufstätigkeit von kranken und / oder behinderten Menschen fördern. Andere Begriffe dafür sind „Berufs- fördernde Maßnahmen zur Reha“ oder „Berufliche Reha“.

Die Leistungen werden von verschiedenen Trägern übernommen, im Falle eines Herzinfarkts meist vom Rentenversicherungsträger. Für die Kostenübernahme gelten ähnliche Voraussetzungen wie bei der Medizinischen Reha, siehe S. 18.

Es gibt sehr viele Formen von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben. Nachfolgend ein Teil davon mit kurzer Info, was darunter zu verstehen ist.

Umfang

davon mit kurzer Info, was darunter zu verstehen ist. Umfang Hilfen zur Erhaltung oder Erlangung eines

Hilfen zur Erhaltung oder Erlangung eines Arbeitsplatzes sowie zur Förderung der Arbeitsaufnahme Vorrangiges Ziel ist es, den bisherigen Arbeitsplatz zu erhalten. Ist dies nicht möglich, wird nach einem anderen geeigneten Arbeits- platz im bisherigen oder aber in einem anderen Betrieb gesucht. Zu den Leistungen zählen z. B.

• Kosten für Arbeitsausrüstung, Hilfsmittel und technische Arbeitshilfen (sogenannte Ausrüstungsbeihilfe).

• Umsetzung im Betrieb, Vermittlung eines neuen Arbeitsplatzes in Form von beruflicher Anpassung, Weiterbildung und Ausbildung.

• Kraftfahrzeughilfe als Zuschuss zum Kauf eines Autos, zum Führerschein oder zur behindertengerechten Ausstattung eines Autos, um dadurch den Arbeits- oder Ausbildungsort zu erreichen.

• Gründungszuschuss für Arbeitslose, die sich selbstständig machen, um dadurch die Arbeitslosigkeit zu beenden oder zu verhindern.

• Fahrtkostenbeihilfe für die täglichen Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstelle, bei ansonsten unzumutbarer Belastung und Gefährdung der beruflichen Wieder- eingliederung.

• Trennungskostenbeihilfe bei erforderlicher auswärtiger Arbeitsaufnahme und damit verbundener doppelter Haushaltsführung.

• Übergangsbeihilfe bei Arbeitsaufnahme bis zur ersten vollen Lohnzahlung.

• Umzugskostenbeihilfe, wenn eine Arbeitsaufnahme am Wohnort unmöglich ist.

• Wohnungshilfen, dies sind Förderbeträge für Um- und Ausbaumaßnahmen im Wohnbereich, die zum Erlangen oder Erhalten des Arbeits- oder Ausbildungsortes erforderlich sind.

Berufliche Bildung Dazu zählen Maßnahmen zur Anpassung an den Beruf, Aus- bildung und Weiterbildung einschließlich des dafür erforder- lichen Schulabschlusses. Nicht dazu zählen allgemeinbildende Maßnahmen.

Weitere Kosten

Zuschüsse an den Arbeitgeber

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Wer hilft weiter?

Übernommen werden auch Kosten, die mit den Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben in unmittelbarem Zusammen- hang stehen, z. B.:

• Lehrgangskosten

• Prüfungsgebühren

• Lernmittel

• Arbeitskleidung einschließlich Schuhwerk und Schutzkleidung

• Arbeitsgeräte, z. B. Werkzeuge, Kleinmaschinen

• Kosten für Unterkunft und Verpflegung, wenn für die Teilnehmer einer Maßnahme eine Unterbringung außerhalb des eigenen oder des elterlichen Haushalts nötig ist.

Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben können auch als Zuschüsse an den Arbeitgeber geleistet werden. Anspruchs- und antragsberechtigt ist aber immer der Versicherte; der Arbeitgeber ist „nur“ Begünstigter ohne eigenes Antragsrecht. Zuschüsse an den Arbeitgeber gibt es z. B. als:

• Ausbildungszuschüsse zur betrieblichen Ausführung von Bildungsleistungen, Zuschusshöhe: 100 % der laut Ausbildungsvertrag für das letzte Ausbildungsjahr vereinbarten monatlichen Vergütung.

• Eingliederungszuschüsse, Zuschusshöhe: 50 %, in Ausnahmefällen bis zu maximal 70 % des tariflichen bzw. ortsüblichen Bruttoarbeitsentgelts, Kürzung bei einer Bezugsdauer von mehr als 1 Jahr um mindestens 10 %.

• Zuschüsse für Arbeitshilfen im Betrieb

• Kostenerstattung für eine befristete Probebeschäftigung, die die vollständige und dauerhafte berufliche Eingliederung verbessern oder überhaupt erst erreichen soll.

• Umschulung, Aus- oder Weiterbildung im Betrieb

• Technische Veränderung des Arbeitsplatzes

Zu Fragen und Hilfen bei der Antragstellung sind Renten- versicherungsträger, Integrationsamt und Integrationsfachdienst die richtigen Anlaufstellen.

Abgestufte Erwerbsminderungsrente

Erwerbsminderungsrente erhält, wer aus gesundheitlichen Gründen in seiner Arbeitsfähigkeit deutlich eingeschränkt ist.

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein:

• Erfüllung der Wartezeit (= Mindestversicherungszeit) von

5 Jahren und

Voraussetzungen

Mindestversicherungszeit) von 5 Jahren und Voraussetzungen • in den letzten 5 Jahren vor Eintritt der

• in den letzten 5 Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung

3 Jahre Pflichtbeiträge.

Die Abgestufte Erwerbsminderungsrente wird nur auf Antrag gezahlt. Anspruch besteht bis zur Vollendung des 65. Lebens- jahres. Ab 2012 wird die Altersgrenze schrittweise auf 67 Jahre angehoben.

Die Erwerbsminderungsrente ist in der Regel befristet. Die Erwerbsminderungsrente wird für längstens 3 Jahre gewährt. Danach kann sie wiederholt beantragt werden.

Unbefristet wird die Rente nur gewährt, wenn keine Verbesserung der Erwerbsminderung mehr absehbar ist; davon ist nach 9 Jahren auszugehen.

Antrag:

• Dem Rentenantrag sind zweckmäßige ärztliche Unterlagen (z. B. Befundbericht des Hausarztes) sowie alle Versicherungs- nachweise beizufügen, damit er möglichst schnell bearbeitet werden kann.

• Bei Notwendigkeit der Weiterführung der Rente ist ein neuer bzw. ein Verlängerungsantrag nötig. Im Antrag sind die Einschränkungen des Versicherten durch den Arzt möglichst genau zu beschreiben bzw. die Angaben aus dem Erstantrag zu bestätigen, falls keine Verbesserung eingetreten ist.

• Der Versicherte kann dabei mithelfen, indem er sich selbst genau beobachtet bzw. sich von seiner Umgebung beobachten lässt, um festzustellen, worin er im Vergleich zu anderen Gleichaltrigen behindert/eingeschränkt ist. Die meisten Ärzte schätzen es sehr, wenn der Patient diese Aufzeichnungen mit zur Sprechstunde bringt.

Befristung

diese Aufzeichnungen mit zur Sprechstunde bringt. Befristung ! Praxistipp Abgestufte Erwerbsminderungsrente 35 35

!

Praxistipp

Volle

Erwerbsminderungsrente

Volle Erwerbsminderungsrente Teilweise Erwerbsminderungsrente Berufsschutz Höhe Voll erwerbsgemindert ist, wer aus

Teilweise

Erwerbsminderungsrente

Volle Erwerbsminderungsrente Teilweise Erwerbsminderungsrente Berufsschutz Höhe Voll erwerbsgemindert ist, wer aus

Berufsschutz

Höhe

Teilweise Erwerbsminderungsrente Berufsschutz Höhe Voll erwerbsgemindert ist, wer aus gesundheitlichen Gründen

Voll erwerbsgemindert ist, wer aus gesundheitlichen Gründen auf nicht absehbare Zeit nur eine berufliche Tätigkeit von weniger als 3 Stunden täglich unter den üblichen Bedin- gungen des allgemeinen Arbeitsmarktes ausüben kann.

Teilweise erwerbsgemindert ist, wer aus gesundheitlichen Gründen auf nicht absehbare Zeit eine berufliche Tätigkeit von mindestens 3, aber weniger als 6 Stunden täglich unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes ausüben kann.

Versicherte, die vor dem 2.1.1961 geboren sind und in ihrem oder einem vergleichbaren Beruf nur noch weniger als sechs Stunden arbeiten können, bekommen eine teilweise Erwerbsminde- rungsrente wegen Berufsunfähigkeit, auch wenn sie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt 6 und mehr Stunden arbeiten könnten.

Die Höhe der teilweisen bzw. vollen Erwerbsminderungsrente wird individuell errechnet. Sie ist von mehreren Faktoren ab- hängig, z. B. Beitragszeiten, Beitragshöhe, Rentenartfaktor.

Die monatliche Rentenhöhe kann beim Rentenversicherungs- träger erfragt werden. Die Höhe kann auch aus der jährlichen Renteninformation entnommen werden, jedoch sind dort keine Rentenabschläge berücksichtigt.

Rentenabschläge

Hinzuverdienst

Für jeden Monat, den die Rente vor dem 63. Geburtstag vorge- zogen wird, gibt es einen Rentenabschlag von je 0,3 %, höchstens aber um 10,8 %. Das heißt: Bei einem Rentenbeginn vor dem 60. Lebensjahr beträgt der Abschlag immer 10,8 %, bei einem Rentenbeginn nach dem 63. Lebensjahr gibt es keinen Abschlag. Diese Rentenkürzung ist dauerhaft, d. h. sie fällt mit dem Eintritt in eine Altersrente nicht weg und führt nach dem Tod des Versicherten auch zu einer Kürzung der Hinterbliebenenrente. Ab 2012 wird die Altersgrenze für eine abschlagsfreie Erwerbs- minderungsrente schrittweise von 63 auf 65 Jahren angehoben. Der Rentenabschlag bleibt insgesamt auf 10,8 % begrenzt.

Die volle Erwerbsminderungsrente wird nur dann ungekürzt aus- gezahlt, wenn der Hinzuverdienst monatlich 400,– nicht über- steigt. Bei höherem Hinzuverdienst wird die Rente nur noch in geringerer Höhe oder überhaupt nicht mehr ausgezahlt.

Bei der teilweisen Erwerbsminderungsrente kann die Berechnung der individuellen Hinzuverdienstgrenzen beim Rentenversiche- rungsträger oder z. B. bei einem Rentenberater durchgeführt werden.

Auch selbstständig Erwerbstätige können eine Erwerbs- minderungsrente beanspruchen, wenn sie die versicherungs- rechtlichen und medizinischen Voraussetzungen erfüllen.

Erwerbsminderungsrente für Selbstständige

erfüllen. Erwerbsminderungsrente für Selbstständige Die weitere Ausübung der selbstständigen Erwerbstätigkeit

Die weitere Ausübung der selbstständigen Erwerbstätigkeit auf Kosten der Gesundheit ist rentenunschädlich. Das erzielte Einkommen ist dabei allerdings auf die Rente anzurechnen und kann den Rentenzahlbetrag mindern.

Auskünfte und Beratungsstellen vor Ort vermitteln die Renten- versicherungsträger, die auch individuelle Rentenberechnungen vornehmen.

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Wer hilft weiter?

Zuzahlungen in der Krankenversicherung

Auch wenn die Behandlung eines Herzinfarkts bei Ver- sicherten in Deutschland überwiegend von der Krankenkasse, zum Teil auch von der Rentenversicherung übernommen wird, zieht eine längere Erkrankung auch für den Patienten Kosten nach sich. Es sind Zuzahlungen zu leisten, Verdienstausfälle können entstehen, der Alltag muss den veränderten Bedingungen angepasst werden.

In diesem und den folgenden Kapiteln wird beschrieben, welche Zahlungen und Hilfeleistungen Betroffene beantragen können.

Zuzahlungen

Hilfeleistungen Betroffene beantragen können. Zuzahlungen Arzneimittel Versicherte ab 18 Jahren, zum Teil auch Kinder,

Arzneimittel

Versicherte ab 18 Jahren, zum Teil auch Kinder, müssen zu bestimmten Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung Zuzahlungen leisten, z. B. zu Arzneimitteln, Heil- und Hilfs- mitteln, Arztbesuchen (Praxisgebühr), Krankenhausaufent- halten und Fahrkosten. Dies gilt auch für Sozialhilfe- empfänger.

Die nachfolgend aufgelisteten Zuzahlungen müssen nicht alle im Zusammenhang mit dem Herzinfarkt entstehen. Sie werden hier aber aufgelistet, da für eine mögliche Zuzahlungsbefreiung alle Zuzahlungen zusammengerechnet werden.

Bei Arzneimitteln beträgt die Zuzahlung (umgangssprachlich „Rezeptgebühr“) 10 % der Kosten, mindestens 5,– maximal 10,– , in keinem Fall mehr als die Kosten des Arzneimittels.

Preis/Kosten

Zuzahlung

bis 5,–

Preis = Zuzahlung

5,01 bis 50,–

5,–

50,– bis 100,–

10 % des Preises

ab 100,–

10,–

Diese Tabelle gilt entsprechend auch für Verbandmittel, die meisten Hilfsmittel, Haushaltshilfe, Soziotherapie und Fahrtkosten.

Zuzahlungsfreie Arzneimittel

Viele Arzneimittelwirkstoffe können von der Zuzahlung befreit werden. Auf www.gkv.info (Die gesetzlichen Krankenkassen) ist eine Übersicht der zuzahlungsbefreiten Arzneimittelwirkstoffe, ebenso eine entsprechende Liste der zuzahlungsbefreiten Arzneimittel zu finden, die 14-tägig aktualisiert wird.

3838 Zuzahlungen in der Krankenversicherung

Darüber hinaus können Medikamente eines Arzneimittel- herstellers, der mit der Krankenkasse einen Rabattvertrag geschlossen hat, ganz oder zur Hälfte zuzahlungsfrei sein.

Für Verbandmittel beträgt die Zuzahlung 10 % der Kosten, min- destens 5,– maximal 10,– in keinem Fall mehr als die Kosten des Verbandmittels.

Verbandmittel

Für Heilmittel beträgt die Zuzahlung 10 % der Kosten zuzüglich 10,– je Verordnung.

Heilmittel

Für Hilfsmittel beträgt die Zuzahlung 10 % der Kosten, mindes- tens 5,– maximal 10,– . Bei zum Verbrauch bestimmten Hilfsmitteln beträgt die Zuzahlung 10 % je Packung, maximal jedoch 10,– monatlich.

Hilfsmittel

Bei Häuslicher Krankenpflege beträgt die Zuzahlung 10 % der Kosten pro Tag, begrenzt auf 28 Tage im Kalenderjahr, zuzüglich 10,– je Verordnung.

Häusliche Krankenpflege

Die Praxisgebühr beträgt 10,– pro Quartal und Arzt/Psychotherapeut oder Zahnarzt. Sie wird nicht fällig bei:

Praxisgebühr

• Kindern und Jugendlichen bis 18.

• Überweisungen von einem anderen Arzt im selben Quartal.

• Vorsorge, Früherkennung, Kontrolluntersuchungen (jährlich beim Zahnarzt und zur Krebsvorsorge, Gesundheits- Check-up ab dem 35. Lebensjahr und Schwangerschafts- vorsorge), Schutzimpfungen.

Bei Soziotherapie und bei Haushaltshilfe beträgt die Zuzahlung 10 % der Kosten pro Tag, mindestens 5,– maximal 10,–

Soziotherapie, Haushaltshilfe

Bei Krankenhaus- und Anschlussheilbehandlungen beträgt die Zuzahlung 10,– pro Kalendertag, für längstens 28 Tage pro Kalenderjahr. Bereits im selben Jahr geleistete Zuzahlungen zu Krankenhaus- und Anschlussheilbehandlung werden angerechnet.

Krankenhausbehandlung,

Anschlussheilbehandlung

Zuzahlungen in der Krankenversicherung

3939

Leistungen zur

Bei ambulanten und stationären Leistungen zur Rehabilitation

Rehabilitation

beträgt die Zuzahlung 10,– pro Kalendertag an die Einrichtung, ohne zeitliche Begrenzung. Zuzahlungsbegrenzung auf 28 Tage, wenn die ambulante Rehamaßnahme aus medizinischen Gründen länger als 42 Behandlungstage bzw. die stationäre Rehamaßnahme aus medizi- nischen Gründen länger als 6 Wochen dauert.

Fahrtkosten

Bei Fahrtkosten beträgt die Zuzahlung 10 % der Fahrtkosten, mindestens 5,– maximal 10,– in keinem Fall mehr als die Kosten der Fahrt. Gilt auch für Fahrten von Kindern.

Nicht befreiungsfähige Zuzahlungen

Folgende Zuzahlungen werden bei der Berechnung der Zuzahlungsbefreiung nicht berücksichtigt:

Berechnung der Zuzahlungsbefreiung nicht berücksichtigt: • Künstliche Befruchtung Die Krankenkasse übernimmt 50 %

• Künstliche Befruchtung Die Krankenkasse übernimmt 50 % der mit dem Behandlungs- plan genehmigten Kosten, den Rest zahlt der Versicherte zu.

• Zahnersatz Zuzahlung wird auch für Kinder fällig.

• Kieferorthopädische Behandlung

4040 Zuzahlungen in der Krankenversicherung

Zuzahlungsbefreiung der Krankenversicherung

Die Belastungsgrenze soll verhindern, dass insbesondere chro- nisch Kranke, Behinderte, Versicherte mit einem geringen Einkommen und Sozialhilfeempfänger durch die Zuzahlungen zu medizinischen Leistungen unzumutbar belastet werden.

Belastungsgrenze 2 %

Leistungen unzumutbar belastet werden. Belastungsgrenze 2 % Wer im Laufe eines Kalenderjahres seine Belastungsgrenze

Wer im Laufe eines Kalenderjahres seine Belastungsgrenze erreicht, kann sich von den befreiungsfähigen Zuzahlungen der Krankenkasse befreien lassen oder sich am Jahresende den über der Belastungsgrenze liegenden Betrag erstatten lassen.

Die Belastungsgrenze liegt bei 2 % des jährlichen Brutto- einkommens, bei anerkannten chronisch Kranken bei 1% (siehe S. 44).

Das Bruttoeinkommen zum Lebensunterhalt ist als Familien- bruttoeinkommen zu verstehen. Es errechnet sich aus dem Bruttoeinkommen des Versicherten und den Bruttoeinkommen aller Angehörigen des Versicherten, die mit ihm in einem gemein- samen Haushalt leben. Davon abgezogen werden gegebenenfalls bestimmte Freibeträge.

Berechnung des Bruttoeinkommens

Angehörige des Versicherten sind:

• Ehepartner

• Kinder bis zum Kalenderjahr, in dem sie das 18. Lebensjahr vollenden

• Kinder ab dem Kalenderjahr, in dem sie das 19. Lebensjahr vollenden, wenn sie familienversichert sind

• eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartner (nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz)

• sonstige Angehörige nach § 7 Abs. 2 KVLG (Krankenversicherung der Landwirte)

Nicht zu den Angehörigen zählen Partner einer eheähnlichen verschiedengeschlechtlichen oder nicht eingetragenen gleich- geschlechtlichen Lebensgemeinschaft.

Einnahmen zum Lebensunterhalt sind:

Einnahmen zum

• Altersrenten

Lebensunterhalt

• Arbeitsentgelt

• Krankengeld

• Arbeitslosengeld

• Elterngeld, aber nur der Betrag, der über dem Sockelbetrag von 300,– liegt (bei doppeltem Bezugszeitraum über 150,– ).

Zuzahlungsbefreiung der Krankenversicherung

4141

• Arbeitseinkommen (bei selbstständiger Tätigkeit)

• Einnahmen aus Kapitalvermögen, Vermietung und Verpachtung

• Witwen-/Witwerrente und andere Renten wegen Todes

• Einnahmen von Angehörigen im gemeinsamen Haushalt

• Verletztenrente aus der gesetzlichen Unfallversicherung, so weit diese die Grundrente nach dem BVG übersteigt.

• Grundrente für Hinterbliebene nach dem Bundesversorgungs- gesetz (BVG)

Nicht zu den Einnahmen zählen zweckgebundene Zuwendungen, z. B.:

• Pflegegeld

• Blindenhilfe

• Taschengeld vom Sozialamt für Heimbewohner

• Beschädigten-Grundrente nach dem BVG

• Rente oder Beihilfe nach dem Bundesentschädigungsgesetz bis zur Höhe der vergleichbaren Grundrente nach dem BVG

• Elterngeld in Höhe des Sockelbetrags von 300,– bzw. 150,– (bei doppeltem Bezugszeitraum), Landes- erziehungsgeld

• Leistungen aus Bundes- und Landesstiftungen „Mutter und Kind - Schutz des ungeborenen Lebens“

• Verletztenrente aus der gesetzlichen Unfallversicherung, so weit diese der Grundrente nach dem BVG entspricht oder geringer ist.

• Ausbildungsförderung (BAföG)

• Kindergeld

Freibetrag

Von diesem Bruttoeinkommen zum Lebensunterhalt werden ein oder mehrere Freibeträge abgezogen:

• Für den ersten im gemeinsamen Haushalt lebenden Angehörigen des Versicherten: 4.599,– .

• Für jeden weiteren im gemeinsamen Haushalt lebenden Angehörigen des Versicherten und des eingetragenen gleichgeschlechtlichen Lebenspartners: 3.066,– . Dieser Punkt gilt nur für Mitglieder in der Kranken- versicherung der Landwirte.

• Für jedes Kind des verheirateten Versicherten sowie für jedes Kind des eingetragenen gleichgeschlechtlichen Lebens- partners: 7.008,– als Kinderfreibetrag, wenn es sich um ein Kind beider Ehegatten handelt, ansonsten 3.504,– .

• Für das erste Kind eines alleinerziehenden Versicherten:

4.599,– .

• Für jedes weitere Kind eines alleinerziehenden Versicherten:

7.008,– .

4242 Zuzahlungsbefreiung der Krankenversicherung

Bei Empfängern von Hilfe zum Lebensunterhalt (Sozialhilfe), von Arbeitslosengeld II und von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, wird jeweils nur der Regelsatz des Haushaltsvorstands als Bruttoeinkommen für die gesamte Bedarfsgemeinschaft gezählt, das heißt: der jährliche Zuzah- lungsgesamtbetrag (= Belastungsgrenze) beträgt 86,16 , bei chronisch Kranken 43,08 .

Für Heimbewohner, die Sozialhilfe beziehen, gibt es eine Möglichkeit, auch in der Zeit bis sie ihre Belastungsgrenze er- reicht haben keine Zuzahlungen mehr zu leisten. Dafür veran- lassen sie, dass über den örtlich zuständigen Sozialhilfeträger der Zuzahlungsgesamtbetrag (86,16 bzw. bei chronisch Kranken:

43,08 ) an ihre Krankenkasse vorab überwiesen wird. Dieser als Darlehen gewährte Gesamtbetrag wird dann in monatlichen kleinen Ratenbeträgen mit dem Taschengeld des Heimbewohners verrechnet.

Wer persönlich nicht in der Lage ist, diese Formalitäten zu er- ledigen, kann dafür eine Person des Vertrauens mit einer form- losen schriftlichen Vollmacht beauftragen.

Auch die Zuzahlungen werden als „Familienzuzahlungen“ be- trachtet, d. h. es werden die Zuzahlungen des Versicherten mit den Zuzahlungen seiner Angehörigen, die mit ihm im gemein- samen Haushalt leben, zusammengerechnet. Dasselbe gilt auch bei eingetragenen gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften.

Sozialhilfe, Arbeitslosen- geld II, Grundsicherung

Sozialhilfe, Arbeitslosen- geld II, Grundsicherung Sonderregelung für Sozialhilfeempfänger im Heim !

Sonderregelung für Sozialhilfeempfänger im Heim

!

Praxistipp

Überschreiten der Belastungsgrenze

im Heim ! Praxistipp Überschreiten der Belastungsgrenze Ausnahme Ist ein Ehepartner beihilfeberechtigt und/oder

Ausnahme Ist ein Ehepartner beihilfeberechtigt und/oder privat krankenver- sichert, werden die Zuzahlungen, die auch dieser eventuell leisten muss, nicht als Familienzuzahlung berechnet, das bedeutet, die gesetzliche Krankenkasse erkennt diese nicht als Zuzahlungen in ihrem Sinne an. Beim Familieneinkommen werden allerdings beide Einkommen herangezogen und somit als Grundlage für die Zuzahlungsbefreiung genommen.

Überschreiten die Zuzahlungen 2 % der o. g. Bruttoeinnahmen im Kalenderjahr (= Belastungsgrenze), erhalten der Versicherte sowie sein Ehegatte und die familienversicherten Kinder, die mit ihm in einem gemeinsamen Haushalt leben, für den Rest des Kalender- jahres eine Zuzahlungsbefreiung bzw. den Mehrbetrag von der Krankenkasse zurückerstattet.

Zuzahlungsbefreiung und Rückerstattung

Ist ein Ehepaar bei verschiedenen gesetzlichen Krankenkassen versichert, dann errechnet eine Krankenkasse, ab wann die Voraus- setzungen für die Zuzahlungsbefreiung erreicht sind, und stellt gegebenenfalls eine Zuzahlungsbefreiung aus. Dies wird der anderen Krankenkasse mitgeteilt, so dass die Versicherten für den Rest des Jahres keine Zuzahlungen mehr leisten müssen.

Berechnungsbeispiel

Ehepaar mit 2 Kindern jährliche Bruttoeinnahmen aller Haushaltsangehörigen:

 
 

30.000,–

minus Freibetrag für Ehegatte (= erster Haushaltsangehöriger):

4.599,–

minus Freibetrag für 2 Kinder (2x 7.008,– ):

 

14.016,–

 

ergibt Zwischensumme:

 

11.385,–

davon 2 % = Belastungsgrenze:

227,20

Wenn im konkreten Beispiel die Zuzahlungen die Belastungs- grenze von 227,20 übersteigen, übernimmt die Krankenkasse die darüber hinausgehenden Zuzahlungen.

!

Praxistipp

Die Belastungsgrenze wird im Nachhinein wirksam, weshalb Patienten immer alle Zuzahlungsbelege aufbewahren sollten, da nicht absehbar ist, welche Kosten im Laufe eines Kalenderjahres auflaufen. Wenn ein Versicherter im Lauf des Jahres die 2 %- Belastungsgrenze erreicht hat, sollte er sich mit seiner Krankenkasse in Verbindung setzen.

Die Krankenkasse wird dem Patienten die Zuzahlungen zurücker- statten, die die 2%ige Belastungsgrenze übersteigen. Bei Erreichen der Belastungsgrenze wird für den Rest des Jahres eine Zuzahlungsbefreiung ausgestellt.

Belastungsgrenze 1% für chronisch Kranke

ausgestellt. Belastungsgrenze 1% für chronisch Kranke Um von Zuzahlungen der Krankenversicherung befreit zu

Um von Zuzahlungen der Krankenversicherung befreit zu werden, gilt für schwerwiegend chronisch Kranke eine beson- dere Belastungsgrenze von 1% ihrer jährlichen Bruttoein- nahmen zum Lebensunterhalt. Alle anderen Bestimmungen gelten wie bei der 2 %-Belastungsgrenze.

Definition „schwerwiegend chronisch krank“ Als chronisch krank gilt, wer sich wenigstens ein Jahr lang wegen derselben Krankheit mindestens einmal pro Quartal in ärztlicher Behandlung befindet (Dauerbehandlung) und mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt:

• Pflegebedürftig mit Pflegestufe II oder III

• Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 60 oder eine Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) bzw. ein Grad der Schädigungsfolgen (GdS) von mindestens 60 %. Der GdB oder die MdE/der GdS muss durch die schwerwiegende Krankheit begründet sein.

• Eine kontinuierliche medizinische Versorgung (ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung, Arzneimittel- therapie, Versorgung mit Hilfs- und Heilmitteln) ist erforderlich, ohne die aufgrund der chronischen Krankheit nach ärztlicher Einschätzung eine lebensbedrohliche Verschlimmerung der Erkrankung, eine Verminderung der Lebenserwartung oder eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität zu erwarten ist.

Die reduzierte Belastungsgrenze von 1% bei Zuzahlungen für chronisch Kranke gilt seit 1.1.2008 nur dann, wenn sich der Patient an regelmäßiger Gesundheitsvorsorge beteiligt hat oder sich therapiegerecht verhält.

Vorsorge und therapie- gerechtes Verhalten

Dafür gelten bestimmte Altersgrenzen:

• Wer nach dem 1.4.1972 geboren ist und das 35. Lebensjahr vollendet hat, muss jedes 2. Jahr am allgemeinen Gesund- heitscheck zur Früherkennung von Krankheiten, insbesondere von Diabetes, Herz-, Kreislauf- und Nierenerkrankungen teilnehmen. Wer das nicht tut und chronisch erkrankt, für den liegt die Belastungsgrenze bei 2 % vom Bruttoein- kommen.

• Frauen, die nach dem 1.4.1987 geboren sind und das 20. Lebensjahr vollendet haben, sowie Männer, die nach dem 1.4.1962 geboren sind und das 45. Lebensjahr vollendet haben, und die an einer Krebsart erkranken, wofür Früh- erkennungsuntersuchungen angeboten werden, können die 1-%-Belastungsgrenze nur dann in Anspruch nehmen, wenn sie sich über die Chancen und Risiken der entsprechenden Untersuchungen von einem hierfür zuständigen Arzt haben beraten lassen. Diese Beratung muss in einem Präventionspass dokumentiert worden sein. Diese Regelung umfasst zunächst die Untersuchungen zur Früherkennung von Brust-, Darm- und Gebärmutterhalskrebs.

• Ausgenommen von der Pflicht zur Beratung sind Versicherte

– mit schweren psychischen Erkrankungen,

– mit schweren geistigen Behinderungen oder

– die bereits an der zu untersuchenden Erkrankung leiden.

• Für Menschen, die älter sind und chronisch erkranken, gilt die 1 %-Belastungsgrenze, wenn sie eine Bescheinigung vom Arzt über ein therapiegerechtes Verhalten vorlegen.

• Ausgenommen sind Schwerbehinderte mit einem Grad der Behinderung über 60 und Pflegebedürftige der Pflegestufen II oder III.

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Wer hilft weiter?

Für individuelle Fragen und Berechnungen zur Zuzahlungs- befreiung sind die Krankenkassen zuständig.

Entgeltfortzahlung

Entgeltfortzahlung erhalten Arbeitnehmer, wenn sie arbeits- unfähig sind. Die Fortzahlung ist eine arbeitsrechtliche (keine sozialrechtliche) Regelung und im Entgeltfortzahlungsgesetz geregelt.

Entgeltfortzahlung erhalten alle Arbeitnehmer, auch gering- fügig Beschäftigte und Auszubildende, unabhängig von der wöchentlichen Arbeitszeit, die ein ununterbrochenes Arbeits- verhältnis von 4 Wochen haben.

Voraussetzung

Arbeits- verhältnis von 4 Wochen haben. Voraussetzung Die Arbeitsunfähigkeit (siehe S. 24) muss ohne Verschulden

Die Arbeitsunfähigkeit (siehe S. 24) muss ohne Verschulden des Arbeitnehmers eingetreten sein. Entgeltfortzahlung gibt es auch für die Zeit von Rehabilitationsmaßnahmen.

Die Arbeitsunfähigkeit muss durch ärztliche Bescheinigungen belegt werden. Bei Nichtvorlage ist der Arbeitgeber berechtigt, die Entgeltfortzahlung insgesamt zu verweigern, muss sie jedoch bei Vorlage rückwirkend ab dem ersten Arbeitsunfähigkeitstag nachzahlen.

Hat der Arbeitgeber Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit des Arbeit- nehmers, kann er ein Gutachten des MDK verlangen. Die Kranken- kassen sind grundsätzlich verpflichtet, Zweifel durch solche Maßnahmen zu beseitigen.

Übt der Arbeitnehmer während der Krankschreibung eine Neben- tätigkeit aus, ist der Arbeitgeber berechtigt, eine Entgeltfort- zahlung zu verweigern. Falls die Genesung durch die Neben- tätigkeit verzögert wurde, kann auch eine Kündigung gerecht- fertigt sein.

Die gesetzliche Anspruchsdauer auf Entgeltfortzahlung be- trägt 6 Wochen. Sie beginnt in der Regel mit dem ersten Tag der Erkrankung. Erfolgt die Erkrankung während der Arbeit, beginnt die Entgeltfortzahlung am nächsten Tag.

Zweifel am Krankenstand

Nebentätigkeit

Dauer

nächsten Tag. Zweifel am Krankenstand Nebentätigkeit Dauer Im Anschluss an die Entgeltfortzahlung gibt es in der

Im Anschluss an die Entgeltfortzahlung gibt es in der Regel Krankengeld (siehe S. 49). Falls während einer Arbeitsunfähigkeit eine neue Krankheit auf- tritt, verlängern sich die 6 Wochen Entgeltfortzahlung nicht.

Entgeltfortzahlung

4747

Wegen derselben Erkrankung besteht ein Entgeltfortzahlungs- anspruch nur für insgesamt 6 Wochen. Ein erneuter Anspruch besteht erst, wenn der Arbeitnehmer mindestens 6 Monate nicht wegen derselben Erkrankung arbeitsunfähig war.

Dieselbe Erkrankung bedeutet, dass sie auf derselben Ursache und demselben Grundleiden beruht.

Höhe

derselben Ursache und demselben Grundleiden beruht. Höhe Die Entgeltfortzahlung beträgt 100% des bisherigen

Die Entgeltfortzahlung beträgt 100% des bisherigen üblichen Arbeitsentgelts.

Berechnungsgrundlage ist das gesamte Arbeitsentgelt mit den regelmäßig gewährten Zulagen:

• Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld.

• Zulagen für Nacht-, Sonntags- oder Feiertagsarbeit, Schichtarbeit, Gefahren, Erschwernisse etc.

• Vermögenswirksame Leistungen.

• Übliche angeordnete Mehrarbeitsvergütungen (nicht Überstunden).

• Mutmaßliche Provision für Empfänger von Provisionsfixa.

• Fahr- und Wegegelder, wenn sie ohne Rücksicht auf die tatsächliche Verauslagung gezahlt werden.

• Sozialzuschläge (z. B. Orts- und Familienzuschläge).

In Tarifverträgen können die Berechnungsgrundlagen abweichend von den gesetzlichen Regeln festgelegt werden.

Sozialhilfe

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Wer hilft weiter?

Falls der Arbeitgeber keine Entgeltfortzahlung mehr leistet und die Krankenkasse noch nicht zahlt, keine Einkünfte oder kein ver- fügbares Vermögen zur Verfügung stehen, ist es sinnvoll, sich an das Sozialamt zu wenden, das dann mit der „Hilfe zum Lebensunterhalt“ die Zeit überbrücken hilft.

Weitere Informationen erteilen die Arbeitgeber.

Krankengeld

Krankengeld erhalten versicherte Patienten von der Kranken- kasse, wenn sie länger als 6 Wochen arbeitsunfähig sind. Das Krankengeld ist eine sogenannte Lohnersatzleistung, d. h. sie wird nur gezahlt, wenn nach 6 Wochen kein Anspruch (mehr) auf Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber besteht.

Weitere Voraussetzungen sind:

• Versicherteneigenschaft zum Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit.

• Arbeitsunfähigkeit aufgrund Krankheit oder stationäre Behandlung in Krankenhaus, Vorsorge- oder Reha-Einrichtung auf Kosten der Krankenkasse.

Voraussetzungen

auf Kosten der Krankenkasse. Voraussetzungen Definition „stationär“ Teil-, vor- und nachstationäre

Definition „stationär“ Teil-, vor- und nachstationäre Behandlung genügt, wenn sie den Versicherten daran hindert, seinen Lebensunterhalt durch die zuletzt ausgeübte Erwerbstätigkeit zu bestreiten.

• Es handelt sich immer um dieselbe Krankheit bzw. um ein- deutige Folgeerkrankungen derselben Grunderkrankung. Tritt während der Arbeitsunfähigkeit eine weitere Krankheit auf, verlängert sich die Leistungsdauer dennoch nicht.

Keinen Anspruch auf Krankengeld haben unter anderem:

• Teilnehmer an Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben sowie zur Berufsfindung und Arbeitserprobung, die nicht nach dem Bundesversorgungsgesetz erbracht werden; Ausnahme bei Anspruch auf Übergangsgeld

• Praktikanten

• Familienversicherte

• Bezieher einer vollen Erwerbsminderungsrente, Erwerbsunfähigkeitsrente, einer Vollrente wegen Alters, eines Ruhegehalts, eines versicherungspflichtigen Vorruhestandsgehalts

• Bezieher von Arbeitslosengeld II und Sozialgeld

• Personen die infolge der Gesundheitsreform 2007 kranken- versicherungspflichtig wurden. Ausnahme: Dennoch Anspruch auf Krankengeld haben abhängig und nicht nur geringfügig Beschäftigte.

Kein Anspruch

auf Krankengeld

Krankengeld

4949

Freiwillig Versicherte

Höhe

Freiwillig Versicherte Höhe Freiwillig versicherte Arbeitnehmer und hauptberuflich Selbst- ständige, die den allgemeinen

Freiwillig versicherte Arbeitnehmer und hauptberuflich Selbst- ständige, die den allgemeinen Beitragssatz von 15,5 % zahlen, haben einen Krankengeldanspruch ab der 7. Woche Arbeits- unfähigkeit.

Das Krankengeld beträgt

• 70 % des regelmäßigen Arbeitsentgelts (sogenanntes regelmäßiges Bruttoentgelt), maximal aber 90 % des regelmäßigen Nettoarbeitsentgelts.

Definition „regelmäßiges“ Entgelt Bezüge, die wegen außergewöhnlicher Umstände gewährt wurden oder ausfielen, bleiben beim „regelmäßigen“ Entgelt unbeachtet. Einmalige Zahlungen wie z. B. Weihnachtsgeld oder Urlaubsgeld gehören, wenn sie tatsächlich regelmäßig wiederkehrend geleistet werden, zum „regelmäßigen“ Bruttoentgelt.

• Abgezogen vom Krankengeld werden Sozialversicherungs- beiträge für die Arbeitslosen-, Pflege- und Rentenversiche- rung. Die Krankenkasse übernimmt die Beiträge der Kranken- versicherung und jeweils die Hälfte der drei genannten Versicherungen. Damit ergibt sich in der Regel ein Abzug von 12,43 % bei Krankengeldempfängern mit Kindern bzw. von 12,68 % bei kinderlosen Empfängern. Das Krankengeld wird kalendertäglich für 30 Tage je Kalender- monat gezahlt.

Höchstbetrag

Bei freiwillig Versicherten über der Beitragsbemessungsgrenze wird nur das Arbeitsentgelt bis zur Höhe der kalendertäglichen Beitragsbemessungsgrenze berücksichtigt, das ist 2011 ein Betrag von 123,75,– . Da das Krankengeld 70 % dieses Arbeitsentgelts beträgt, kann es maximal 86,62 täglich betragen.

Berechnungsbeispiel

Das Berechnungsbeispiel enthält keine regelmäßigen Zusatzleistungen. Monatlich brutto 3.000,– 3.000,– : 30 (für Kalendertage) =

 

100,–

davon 70 %

Monatlich netto 1.800,– 1.800 : 30 (für Kalendertage) davon 90 %

=

70,–

=

60,–

=

54,–

Daraus folgt: Das Krankengeld beträgt

 

54,– täglich.

Bei Bezug von Arbeitslosengeld oder Arbeitslosengeld bei beruf- licher Weiterbildung wird Krankengeld in Höhe dieser Leistungen gezahlt.

Krankengeld wird gekürzt um den Zahlbetrag der

• Altersrente, Rente wegen Erwerbsminderung oder Landabgabenrente, jeweils aus dem Gesetz über die Alterssicherung der Landwirte

• Teilrente wegen Alters aus der Rentenversicherung

• Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung

• Knappschaftsausgleichsleistung, Rente für Bergleute

so weit die Leistung nach Beginn der Arbeitsunfähigkeit oder stationären Behandlung zuerkannt wird.

Wenn eine der genannten Zahlungen eintrifft, ist dies der Krankenkasse schnellstmöglich mitzuteilen. Das erspart spätere Rückzahlungen.

Krankengeld gibt es wegen derselben Krankheit für eine maximale Leistungsdauer von 78 Wochen (546 Kalendertage) innerhalb von je 3 Jahren ab Beginn der Arbeitsunfähigkeit. Dabei handelt es sich um die sogenannte Blockfrist.

Sonderregelung

Kürzung des Krankengelds

!

Praxistipp

Dauer

Sonderregelung Kürzung des Krankengelds ! Praxistipp Dauer Die Leistungsdauer verlängert sich nicht, wenn während

Die Leistungsdauer verlängert sich nicht, wenn während der Arbeitsunfähigkeit eine andere Krankheit hinzutritt. Es bleibt bei maximal 78 Wochen.

Eine Blockfrist beginnt mit dem erstmaligen Eintritt der Arbeitsunfähigkeit für die ihr zugrunde liegende Krankheit. Bei jeder Arbeitsunfähigkeit wegen einer anderen Erkrankung beginnt eine neue Blockfrist. Es ist möglich, dass mehrere Block- fristen nebeneinander laufen.

„Dieselbe Krankheit“ heißt: identische Krankheitsursache. Es genügt, dass ein nicht ausgeheiltes Grundleiden Krankheits- schübe bewirkt.

Blockfrist

Dieselbe Krankheit

Anspruch auf Krankengeld

Anspruch auf Krankengeld Erneuter Anspruch auf Krankengeld wegen derselben Krankheit Anspruch auf Krankengeld entsteht •

Erneuter Anspruch auf Krankengeld wegen derselben Krankheit

Anspruch auf Krankengeld entsteht

• bei Krankenhausbehandlung mit der Aufnahme, also vom Beginn der Krankenhaus- behandlung bzw. der Behandlung in Vorsorge- oder Reha- Einrichtungen.

• bei Arbeitsunfähigkeit mit dem auf die ärztliche Feststellung der Arbeitsunfähigkeit folgenden Tag.

Nach Ablauf der Blockfrist (= 3 Jahre), in der der Versicherte wegen derselben Krankheit Krankengeld für 78 Wochen bezogen hat, entsteht ein erneuter Anspruch auf Krankengeld wegen derselben Erkrankung unter folgenden Voraussetzungen:

• erneute Arbeitsunfähigkeit wegen derselben Krankheit,

• mindestens 6 Monate keine Arbeitsunfähigkeit wegen dieser Krankheit und

• mindestens 6 Monate Erwerbstätigkeit oder der Arbeitsvermittlung zur Verfügung stehend.

Zeiten, in denen der Anspruch auf Krankengeld zwar theoretisch besteht, aber tatsächlich ruht oder versagt wird, werden wie Bezugszeiten von Krankengeld angesehen.

5252

Krankengeld

!

Praxistipp

Beispiele

Der Arbeitgeber zahlt bei Arbeitsunfähigkeit des Arbeit- nehmers dessen Arbeitsentgelt bis zu 6 Wochen weiter, d. h.:

Der Anspruch auf Krankengeld besteht zwar, aber er ruht. Erst danach gibt es Krankengeld. Die 6 Wochen Entgelt- fortzahlung werden aber wie Krankengeld-Bezugszeiten behandelt, so dass noch maximal 72 Wochen (78 Wochen abzüglich 6 Wochen = 72 Wochen) Krankengeld gezahlt wird.

abzüglich 6 Wochen = 72 Wochen) Krankengeld gezahlt wird. Zahlt der Arbeitgeber bei Arbeitsunfähigkeit des

Zahlt der Arbeitgeber bei Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers das Entgelt jedoch nicht weiter, obwohl hierauf ein Anspruch nach § 3 Entgeltfortzahlungsgesetz besteht, gewährt die Krankenkasse bei Vorliegen der Voraussetzungen das Krankengeld, da das Krankengeld nur bei tatsächlichem Bezug des Arbeitsentgelts ruht. Der Anspruch des versicherten Arbeitnehmers gegen den Arbeitgeber auf Entgeltfortzahlung geht dabei auf die Krankenkasse über.

Der Anspruch auf Krankengeld ruht

• bei Erhalt von (mehr als einmalig gezahltem) Arbeitsentgelt. Das gilt besonders bei Entgeltfortzahlung bis zu 6 Wochen.

• solange die Arbeitsunfähigkeit der Krankenkasse nicht gemeldet ist.

• bei Inanspruchnahme von Elternzeit bis zum 3. Geburtstag eines Kindes. Dies gilt nicht, wenn die Arbeitsunfähigkeit vor Beginn der Elternzeit eingetreten ist oder wenn das Kranken- geld aus einer versicherungspflichtigen Teilzeitbeschäftigung während der Elternzeit errechnet wird.

• bei Bezug von Versorgungskrankengeld, Übergangsgeld, Arbeitslosengeld bei beruflicher Weiterbildung, Kurzarbeiter- geld; auch bei Ruhen dieser Ansprüche wegen einer Sperrzeit.

• bei Bezug von Mutterschaftsgeld oder Arbeitslosengeld.

Krankengeld ist ausgeschlossen bei Bezug von:

• Regelaltersrente

• Altersrente für langjährige Versicherte

• Altersrente für Schwerbehinderte

• Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeit

• Altersrente für Frauen

• Rente wegen voller Erwerbsminderung

• Ruhegehalt nach beamtenrechtlichen Grundsätzen

• Vorruhestandsgeld

Anspruch auf Krankengeld ruht

• Vorruhestandsgeld Anspruch auf Krankengeld ruht Ausschluss von Krankengeld Mit Beginn einer der o. g. Renten

Ausschluss von Krankengeld

Anspruch auf Krankengeld ruht Ausschluss von Krankengeld Mit Beginn einer der o. g. Renten endet der

Mit Beginn einer der o. g. Renten endet der Anspruch auf Kranken- geld. War das Krankengeld höher als diese nachträglich bewillig- te Rente, darf der Versicherte den Teil des Krankengelds behalten, der über diese Rente hinausging (sogenannter Spitzbetrag).

Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Krankenkasse den Versicherten auffordern, Reha oder Rente zu beantragen. Ob die Krankenkasse dies tut und damit den Wegfall des Krankengelds plant, liegt allein in ihrem Ermessen.

zu beantragen. Ob die Krankenkasse dies tut und damit den Wegfall des Krankengelds plant, liegt allein
zu beantragen. Ob die Krankenkasse dies tut und damit den Wegfall des Krankengelds plant, liegt allein

Wegfall des

Krankengelds

dies tut und damit den Wegfall des Krankengelds plant, liegt allein in ihrem Ermessen. Wegfall des

Wenn die Erwerbsfähigkeit des Patienten nach ärztlichem Gut- achten erheblich gefährdet oder gemindert ist, kann die Kranken- kasse dem Versicherten eine Frist von 10 Wochen setzen, um einen Antrag auf Rehamaßnahmen zu stellen.

Antrag auf Reha

Krankengeld

5353

Antrag auf Rente

Wird der Krankengeldempfänger von der Krankenkasse aufgefordert einen Rentenantrag zu stellen, dann muss er dem innerhalb von 10 Wochen nachkommen.

Hat der Versicherte nach Rentenantragstellung noch Anspruch auf Krankengeld, erhält er dieses weiter, bis über den Renten- antrag entschieden ist. Hat er keinen Anspruch auf Krankengeld mehr, kann er bei der Agentur für Arbeit Arbeitslosengeld bei Arbeitsunfähigkeit (siehe S. 55) beantragen.

Drohendes Ende des Krankenversicherungsschutzes

Kommt der Versicherte der Aufforderung zum Renten- oder Reha-Antrag nicht fristgerecht innerhalb von 10 Wochen nach, ruht mit Ablauf der Frist der Anspruch auf Krankengeld und die Mitgliedschaft in der Krankenkasse endet. Wird der Antrag später gestellt, lebt der Anspruch auf Krankengeld mit dem Tag der Antragstellung wieder auf, aber nicht die Mitgliedschaft.

Um weiter krankenversichert zu bleiben, gibt es u. a. folgende Möglichkeiten:

• Freiwillige Versicherung bei einer gesetzlichen Krankenkasse

• Familienversicherung

• Private Krankenversicherung

Aussteuerung:

Ende des Anspruchs auf Krankengeld

Aussteuerung: Ende des Anspruchs auf Krankengeld Wird der Anspruch auf Krankengeld (78 Wochen Arbeits-

Wird der Anspruch auf Krankengeld (78 Wochen Arbeits- unfähigkeit innerhalb von 3 Jahren wegen derselben Er- krankung) ausgeschöpft und ist der Versicherte noch immer arbeitsunfähig, dann endet seine Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung. Dieser Vorgang wird auch Aussteuerung genannt.

Die Krankenkasse informiert das Mitglied rund 2 Monate vor der Aussteuerung darüber. Damit weiter ein Anspruch auf medizi- nische Leistungen besteht, ist es wichtig weiterhin Mitglied der Krankenkasse zu bleiben. Es gibt neben den oben genannten Möglichkeiten (freiwillige Versicherung, Familienversicherung, private Krankenversicherung) die Alternative: Beantragung von Arbeitslosengeld bei Arbeits- unfähigkeit (siehe S. 55).

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Praxistipp

Ist abzusehen, dass der Krankengeldbezug endet, sollte sich der Betroffene unbedingt rechtzeitig mit der Krankenkasse in Ver- bindung setzen, um den künftigen Versicherungsschutz zu klären.

Fragen zu allen Themen rund um das Krankengeld sind mit der Krankenkassen zu klären.

Wenn ein Patient keinen Anspruch auf Krankengeld mehr hat, aber weiterhin arbeitsunfähig ist, kann er „Arbeitslosen- geld bei Arbeitsunfähigkeit“ beantragen. Diese Zahlung ist eine Sonderform des Arbeitslosengelds und überbrückt die Zeit ohne Arbeitslosengeld (weil man nicht vermittelt werden kann), bis eine andere Leistung, z. B. Umschulung oder Rente, gezahlt wird.

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein:

• Arbeitsunfähigkeit

• Arbeitslosigkeit oder Bestehen eines Arbeitsverhältnisses, das jedoch aufgrund einer Krankheit schon mindestens 6 Monate nicht mehr ausgeübt werden konnte.

• Erfüllung der Anwartschaftszeit Die Anwartschaftszeit ist erfüllt, wenn der Antragsteller in den letzten 2 Jahren vor der Arbeitslosenmeldung und dem Eintritt der Arbeitslosigkeit mindestens 12 Monate (= 360 Kalendertage) in einem Versicherungspflichtverhältnis stand.

• Der Arbeitslose steht wegen einer Minderung seiner Leistungsfähigkeit länger als 6 Monate der Arbeitsvermittlung nicht zur Verfügung, weswegen kein Anspruch auf Arbeits- losengeld besteht.

• Es wurden entweder Abgestufte Erwerbsminderungsrente beim zuständigen Rentenversicherungsträger beantragt oder Maßnahmen zur beruflichen Eingliederung Behinderter (siehe S. 33). Der Antrag muss innerhalb eines Monats nach Zugang eines entsprechenden Aufforderungsschreibens der Agentur für Arbeit gestellt worden sein. Wurde ein solcher Antrag unter- lassen, ruht der Anspruch auf Arbeitslosengeld nach Ablauf der Monatsfrist bis zu dem Tag, an dem der Arbeitslose den Antrag stellt. Hat der Rentenversicherungsträger die vermin- derte Erwerbsfähigkeit bereits festgestellt, besteht kein Anspruch auf Nahtlosigkeits-Arbeitslosengeld.

Das Arbeitslosengeld im Wege der sogenannten Nahtlosigkeit wird gezahlt, bis über die Frage der verminderten Erwerbsfähig- keit entschieden wird, längstens bis der Arbeitslosengeldanspruch endet. Damit überbrückt es die Übergangszeit, in der der Rentenversicherungsträger über das Vorliegen einer verminderten Erwerbsfähigkeit entscheidet.

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Wer hilft weiter?

Arbeitslosengeld bei Arbeitsunfähigkeit

entscheidet. ? Wer hilft weiter? Arbeitslosengeld bei Arbeitsunfähigkeit Voraussetzungen Dauer Krankengeld 55 55

Voraussetzungen

Dauer

Höhe

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Praxistipp

Relevant ist, was der Arbeitslose zuletzt im Bemessungszeitraum (in der Regel die letzten 52 Wochen vor Arbeitslosigkeit) als Voll- Erwerbstätiger verdient hat. Es kommt nicht darauf an, was der Arbeitslose aufgrund der Minderung seiner Leistungsfähigkeit verdienen könnte. Wird für die Zeit des Nahtlosigkeits-Arbeitslosengelds rückwir- kend Übergangsgeld gezahlt oder Rente gewährt, erhält der Arbeitslose nur den evtl. überschießenden Betrag. War das Naht- losigkeits-Arbeitslosengeld höher, muss er den überschießenden Betrag jedoch nicht zurückzahlen.

Wird dem Arbeitslosen vom Rentenversicherungsträger eine Leistungsfähigkeit von mehr als 15 Stunden wöchentlich beschei- nigt, muss er sich, um weiterhin Arbeitslosengeld zu beziehen, der Arbeitsvermittlung zur Verfügung stellen – auch wenn er mit der Entscheidung des Rentenversicherungsträgers nicht einverstan- den ist und gegen diese gerichtlich vorgeht.

Obwohl das Verhalten des Arbeitslosen gegenüber dem Renten- versicherungsträger (Geltendmachung von Leistungsunfähigkeit) im Widerspruch zum Verhalten gegenüber der Agentur für Arbeit (Leistungsfähigkeit und Bereitschaft zur Arbeitsaufnahme) steht, muss der Arbeitslose im Verfahren mit dem Rentenversicherungs- träger keine Nachteile befürchten, da die Beurteilung über die Leistungsfähigkeit ausschließlich nach objektiven Maßstäben erfolgt. Auf subjektive Erklärungen des Arbeitslosen („sich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen“) kommt es nicht an.

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Wer hilft weiter?

Die örtliche Agentur für Arbeit ist für Fragen und Anträge zuständig.

Übergangsgeld

Übergangsgeld überbrückt einkommenslose Zeiten während der Teilnahme an Rehamaßnahmen. Es wird nur gezahlt, wenn kein Anspruch (mehr) auf Entgeltfortzahlung besteht.

Übergangsgeld gibt es von den verschiedensten Sozialversiche- rungsträgern. Bei Herzinfarkt ist in der Regel die Rentenver- sicherung zuständig. Das Übergangsgeld der Rentenversicherung zählt zu den ergänzenden Leistungen zur Reha. Bei anderen Trägern gelten andere Voraussetzungen.

Voraussetzungen

Die Rentenversicherung zahlt Übergangsgeld

• bei Erhalt von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben.

• bei Erhalt von Leistungen zur Medizinischen Rehabilitation.

• während der Teilnahme an einer Berufsfindung oder Arbeitserprobung, wodurch kein oder ein geringeres Arbeitsentgelt erzielt wird.

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein:

• Übergangsgeld muss beantragt werden.

• Übergangsgeld ist eine sogenannte Lohnersatzleistung, d. h. es wird nur dann gezahlt, wenn im Krankheitsfall kein Anspruch (mehr) auf Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber besteht.

• Der Antragsteller muss vorher aufgrund einer beruflichen Tätigkeit Arbeitsentgelt oder Arbeitseinkommen erzielt haben und Beiträge zur Rentenversicherung entrichtet haben oder z. B. Krankengeld, Arbeitslosengeld oder Arbeitslosengeld II bezogen haben.

• Die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen müssen erfüllt sein (vgl. Seite 19).

• Kein Anspruch auf Mutterschaftsgeld.

Findet eine Stufenweise Wiedereingliederung (siehe S. 26) im unmittelbaren Anschluss (maximal 14 Tage) an Leistungen zur medizinischen Rehabilitation statt, dann wird das Übergangs- geld bis zu deren Ende gezahlt.

Die Berechnungsgrundlage für das Übergangsgeld beträgt 80 % des letzten Bruttoverdienstes, ist jedoch höchstens so hoch wie der Nettoverdienst.

Stufenweise

Wiedereingliederung

ist jedoch höchstens so hoch wie der Nettoverdienst. Stufenweise Wiedereingliederung Höhe Übergangsgeld 5757

Höhe

Übergangsgeld 5757
Übergangsgeld
5757

Das Übergangsgeld beträgt:

• 75 % dieser Berechnungsgrundlage bei Versicherten,

– die ein Kind haben oder

– die pflegebedürftig sind und durch ihren Ehegatten gepflegt werden, der deshalb keine Erwerbstätigkeit ausüben kann oder

– deren Ehegatte pflegebedürftig ist und keinen Anspruch auf Leistungen aus der Pflegeversicherung hat.

• 68 % dieser Berechnungsgrundlage für die übrigen Versicherten.

Arbeitslose

Empfänger von Arbeitslosengeld erhalten bei Leistungen zur Medizinischen Rehabilitation Übergangsgeld in Höhe des Krankengelds.

Empfänger von Arbeitslosengeld II erhalten bei Leistungen zur Medizinischen Rehabilitation weiterhin Leistungen in Höhe des ALG II.

Arbeitslosigkeit im Anschluss

Bei Arbeitslosigkeit im Anschluss an Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben vermindert sich das Übergangsgeld um 8 % auf

• 67 % der Berechnungsgrundlage bzw.

• 60 % der Berechnungsgrundlage

Anrechnung

Auf das Übergangsgeld werden z. B. angerechnet:

• Netto-Erwerbseinkommen – unter Außerachtlassung von einmalig gezahltem Entgelt, z. B. Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Prämien

• Verletztengeld, Verletztenrente, Erwerbsminderungsrente

Anpassung

Das Übergangsgeld wird an die Entwicklung der Bruttoarbeits- entgelte angepasst.

Dauer

Übergangsgeld wird gezahlt

entgelte angepasst. Dauer Übergangsgeld wird gezahlt • für den Zeitraum der Medizinischen Rehabilitation bzw.

• für den Zeitraum der Medizinischen Rehabilitation bzw. der Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben.

• nach einer Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben:

maximal 6 Wochen bei gesundheitsbedingter Unterbrechung einer Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben,

5858

Übergangsgeld

maximal 3 Monate bei anschließender Arbeitslosigkeit nach einer abge- schlossenen Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben, wenn kein Anspruch auf Arbeitslosengeld für 3 Monate besteht. • nach Abschluss von Leistungen zur Medizinischen Reha- bilitation bzw. zur Teilhabe am Arbeitsleben bei Erforderlich- keit weiterer Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, wenn Arbeitsunfähigkeit vorliegt und kein Anspruch auf Kranken- geld oder keine Vermittelbarkeit in eine zumutbare Beschäfti- gung besteht. Allerdings wird in diesem Fall das Übergangs- geld reduziert (s. o. „Arbeitslosigkeit im Anschluss“).

Individuelle Auskünfte erteilt der zuständige Sozialversicherungs- träger, also bei Herzinfarkt in der Regel der Rentenversiche- rungsträger.

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Wer hilft weiter?

Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung

Die Grundsicherung sichert den Lebensunterhalt von Menschen, die wegen Alters oder aufgrund voller Erwerbsminderung nicht mehr arbeiten können, und deren Einkünfte für den notwendigen Lebensunterhalt nicht ausreichen.

Voraussetzungen

Dauer, Umfang und Höhe

nicht ausreichen. Voraussetzungen Dauer, Umfang und Höhe Leistungsberechtigt sind Menschen mit gewöhnlichem

Leistungsberechtigt sind Menschen mit gewöhnlichem Aufenthalt in Deutschland,

• die das 65. Lebensjahr vollendet haben oder

• die das 18. Lebensjahr vollendet haben und – unabhängig von der jeweiligen Arbeitsmarktlage – aus medizinischen Gründen dauerhaft voll erwerbsgemindert sind, wenn sie ihren Lebensunterhalt nicht selbst aus ihrem Einkommen und Vermögen bestreiten können.

Die Grundsicherung wird in der Regel für 12 Kalender- monate bewilligt. Sie umfasst folgende Leistungen:

• Den für den Antragsberechtigten maßgebenden Regelsatz der Sozialhilfe (siehe unten)

• Die tatsächlichen Aufwendungen für Unterkunft und Heizung, wenn sie angemessen sind

• Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge, so weit keine Pflichtversicherung besteht

• Mehrbedarfszuschläge, z. B. für

– Schwangere mit Beginn der 13. Schwangerschaftswoche

– Alleinerziehende, die mit einem oder mehreren minderjährigen Kindern zusammenleben

– Behinderte mit Merkzeichen „G”

– Behinderte, die Eingliederungshilfe für Behinderte zur Schul-, Aus- oder Fortbildung erhalten

– Patienten mit kostenaufwändiger Ernährung (Krankenkostzulage)

• Einmalige Leistungen, z. B. für

– Erstausstattung der Wohnung einschließlich Haus- haltsgeräten

– Erstausstattung an Bekleidung und Erstausstattung bei Schwangerschaft und Geburt

– Mehrtägige Klassenfahrten

• Hilfe zum Lebensunterhalt in Sonderfällen, insbesondere Übernahme von Mietschulden

6060 Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung

Grundsicherungsleistungen erhalten nur Bedürftige, die ihren Lebensunterhalt nicht oder nicht vollständig bestreiten können.

Anrechnung von Einkommen und Vermögen

bestreiten können. Anrechnung von Einkommen und Vermögen Angerechnet werden • eigenes Einkommen und Vermögen und

Angerechnet werden

• eigenes Einkommen und Vermögen und

• Einkommen und Vermögen des nicht getrennt lebenden Ehe- oder Lebenspartners, so weit es deren Eigenbedarf übersteigt.

Unterhaltspflicht Das Sozialamt klärt im Zuge seiner Leistung für den Hilfebe- dürftigen, ob dessen Angehörige unterhaltspflichtig sind. Eltern und Kinder sind nur unterhaltspflichtig, wenn das zu ver- steuernde Gesamteinkommen jährlich 100.000,– übersteigt. Bei einer Unterhaltspflicht von Eltern gegenüber ihrem Kind wird deren gemeinsames Einkommen betrachtet, bei Kindern gegen- über ihren Eltern gilt diese Einkommensgrenze für jedes einzelne Kind.

Der notwendige Lebensunterhalt wird über die sogenannten „Regelsätze der Sozialhilfe“ abgegolten.

Unterhaltspflicht

Regelsätze

Regelsätze für

Höhe

Haushaltsvorstand oder Alleinstehende (= Eckregelsatz)

364,–

Ehe- oder Lebenspartner jeweils

328,–

Haushaltsangehörige bis zum 6. Geburtstag

215,–

Haushaltsangehörige vom 6. bis zum 14. Geburtstag

251,–

Haushaltsangehörige ab dem 14. Geburtstag

287,–

Empfänger von Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbs- minderung werden von der Rundfunk- und Fernsehgebühr befreit und erhalten eine Telefongebührenermäßigung.

Fragen sind mit dem zuständigen Sachbearbeiter des Sozialamts zu klären. Der Antrag muss bei dem Sozialamt gestellt werden, in dessen Bereich der Antragsberechtigte seinen gewöhnlichen Aufenthaltsort hat.

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Praxistipp

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Wer hilft weiter?

Weitere finanzielle Hilfen

Nachfolgend eine Reihe weiterer finanzieller Hilfen bei Arbeits- losigkeit oder Bedürftigkeit. Detaillierte Informationen geben die jeweils angeführten Anlaufstellen.

Arbeitslosengeld

die jeweils angeführten Anlaufstellen. Arbeitslosengeld ? Wer hilft weiter? Arbeitslosengeld II und Sozialgeld:

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Wer hilft weiter?

Arbeitslosengeld II und Sozialgeld: Hartz IV

hilft weiter? Arbeitslosengeld II und Sozialgeld: Hartz IV Umfang und Höhe ? Wer hilft weiter? Arbeitslosengeld

Umfang und Höhe

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Wer hilft weiter?

Arbeitslosengeld gibt es normalerweise 12 Monate lang. Wer bei Beginn der Arbeitslosigkeit mindestens 50 Jahre alt ist, hat einen längeren Anspruch von, je nach Alter, bis zu 24 Monaten.

Das Arbeitslosengeld beträgt 60 (ohne Kinder) bzw. 67 % vom letzten Nettogehalt. Arbeitslosengeldempfänger sind über die Agentur für Arbeit gesetzlich kranken-, pflege-, unfall- und meist auch rentenversichert. Wichtig ist eine persönliche und frühzeiti- ge Arbeitslosenmeldung.

Auskünfte geben die Agenturen für Arbeit.

Arbeitslosengeld II (ALG II) erhalten Arbeitslose von 15 bis 64 Jahren nach dem Arbeitslosengeld, wenn sie erwerbs- fähig und hilfebedürftig sind.

• Als erwerbsfähig gilt, wer gesundheitlich im Stande ist mindestens 3 Stunden am Tag zu arbeiten.

• Als hilfebedürftig gilt, wer seinen Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen oder Vermögen bestreiten kann. Auch das Einkommen und Vermögen von Angehörigen im selben Haushalt wird in der Regel berücksichtigt. Das heißt: Wenn der Partner genug Geld verdient, gibt es kein ALG II, auch wenn ein Mensch nach Herzinfarkt seinen Job verliert und das Arbeitslosengeld ausgelaufen ist. Sozialgeld erhalten Angehörige von ALG-II-Empfängern, die selbst nicht erwerbsfähig oder unter 15 Jahre alt sind.

Umfang und Höhe sind vergleichbar mit der Grundsicherung im Alter (siehe S. 60) und bei Arbeitsunfähigkeit (siehe S. 60). Dazu kann ein befristeter Zuschlag nach Bezug von Arbeitslosengeld kommen.

Auskunft und Antrag bei der Agentur für Arbeit oder bei der ARGE.

Sozialhilfe umfasst Leistungen für Menschen, die nicht er- werbsfähig und nicht in der Lage sind, für ihren Lebens- unterhalt selbst aufzukommen.

Sozialhilfeleistungen gibt es nur, wenn weder der Betroffene selbst, noch Angehörige und andere Sozialversicherungsträger für dessen Bedarf aufkommen können.

Umfang und Höhe sind vergleichbar mit der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (siehe S. 60).

Auskunft und Antrag beim Sozialamt.

Wohngeld ist ein staatlicher Zuschuss zu den Kosten für Wohnraum. Dieser Zuschuss wird entweder als Mietzuschuss für Mieter einer Wohnung oder als Lastenzuschuss für Eigentümer eines Hauses oder einer Wohnung gewährt.

Er ist abhängig von der Zahl der Familienmitglieder, deren Einkommen und der regional unterschiedlichen Höhe der zu- schussfähigen Miete oder Belastung.

Auskunft und Antrag bei der örtlichen Wohngeldstelle.

Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadt- entwicklung bietet

• eine Info-Hotline für Fragen zum Wohnungs- und Bauwesen, Telefon 030 183003060, Mo–Fr 9–12 Uhr.

• Wohngeld-Tabellen und die Broschüre „Wohngeld 2009 – Ratschläge und Hinweise“ an. Downloads unter www.bmvbs.de > Bauen und Wohnen > Wohnraumförderung > Wohngeld > Wohngeldtabellen – Ratschläge, Hinweise und Tabellen.

Sozialhilfe

– Ratschläge, Hinweise und Tabellen. Sozialhilfe Umfang und Höhe ? Wer hilft weiter? Wohngeld Höhe ?

Umfang und Höhe

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Wer hilft weiter?

Wohngeld

Sozialhilfe Umfang und Höhe ? Wer hilft weiter? Wohngeld Höhe ? Wer hilft weiter? ! Praxistipp

Höhe

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Wer hilft weiter?

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Praxistipp

Häusliche Krankenpflege

Häusliche Krankenpflege bedeutet, dass ein Patient zu Hause vorübergehend von Pflegefachpersonal versorgt wird.

Neben der medizinischen Versorgung kann das auch die Körperpflege, Ernährung, Mobilität und den Haushalt des Patienten umfassen.

Voraussetzungen

und den Haushalt des Patienten umfassen. Voraussetzungen Die Krankenversicherung stellt unter bestimmten Voraus-

Die Krankenversicherung stellt unter bestimmten Voraus- setzungen eine häusliche Krankenpflege oder übernimmt die Kosten dafür.

Häusliche Krankenpflege kann verordnet werden, wenn:

• eine Krankenhausbehandlung erforderlich, aber nicht aus- führbar ist (z. B. Patient verweigert aus nachvollziehbaren Gründen die Zustimmung zur Krankenhauseinweisung) oder eine Krankenhausbehandlung vermieden oder verkürzt wird. In beiden Fällen handelt es sich um die sogenannte Kranken- hausvermeidungspflege oder

• sie zur Sicherung des ärztlichen Behandlungszieles erforder- lich ist (z. B. falls der Arzt Injektionen im nötigen Umfang nicht selbst vornehmen kann). In diesem Fall handelt es sich um die sogenannte Sicherungspflege und

• keine im Haushalt lebende Person den Patient im erforderlichen Umfang pflegen und versorgen kann.

Die Verordnung einer häuslichen Krankenpflege erfolgt in der Regel durch einen Vertragsarzt, z. B. den Hausarzt. Hält ein Krankenhausarzt bei Entlassung eines Patienten eine häusliche Krankenpflege für erforderlich, so kann er diese anstelle des Vertragsarztes für maximal 3 Tage verordnen. Der Krankenhausarzt soll vor der Entlassung den weiterbehan- delnden Vertragsarzt darüber informieren.

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Praxistipp

Voraussetzung für eine Kostenübernahme der Häuslichen Kranken- pflege durch die Krankenkasse ist, dass auf der Verordnung des Arztes Behandlungspflege verordnet ist. Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung ohne Notwen- digkeit von Behandlungspflege werden nicht übernommen.

Vorrangig erbringen die Krankenkassen eine Sachleistung, das heißt, sie stellen die Pflegekraft.

Wenn das nicht möglich ist, übernimmt die Krankenkasse die Kosten der Pflegekräfte von Sozialstationen, Krankenpflege- vereinen etc. Dies muss unbedingt vorher mit der Kasse abge- sprochen und von ihr genehmigt sein.

Ausnahmsweise kann der Patient auch selbst eine Pflegefachkraft beschaffen und die Kostenübernahme beantragen.

Die Krankenhausvermeidungspflege ist bis zu 4 Wochen je Krank- heitsfall möglich. In medizinisch begründeten Fällen (Prüfung durch MDK) auch länger. Sie umfasst:

• Behandlungspflege

• Grundpflege

• Hauswirtschaftliche Versorgung

Bei der Sicherungspflege ist keine zeitliche Begrenzung durch den Gesetzgeber vorgegeben, jedoch ist die Dauer von den Satzungen der Krankenkassen abhängig. Sie umfasst:

• Behandlungspflege

• Grundpflege nur, wenn dies in der Satzung des Kostenträgers geregelt ist

• Hauswirtschaftliche Versorgung nur, wenn dies in der Satzung des Kostenträgers geregelt ist

Versicherte, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, zahlen 10 % der Kosten pro Tag für längstens 28 Tage im Kalender- jahr, sowie 10,– pro Verordnung.

Die Krankenkassen sind Anlaufstellen für alle Fragen.

Dauer und Umfang

sind Anlaufstellen für alle Fragen. Dauer und Umfang Krankenhaus- vermeidungspflege Sicherungspflege Zuzahlung ?

Krankenhaus-

vermeidungspflege

Sicherungspflege

Zuzahlung

und Umfang Krankenhaus- vermeidungspflege Sicherungspflege Zuzahlung ? Wer hilft weiter? Häusliche Krankenpflege 6565

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Wer hilft weiter?

Häusliche Krankenpflege

6565

Hausnotruf oder Notfalltelefon

Hausnotrufsysteme ermöglichen gefährdeten, allein lebenden Menschen, bei Hilflosigkeit und Notfällen schnell Hilfe anzu- fordern. Über ein Hausnotrufgerät kann per Knopfdruck die Notrufzentrale alarmiert und Hilfe geschickt werden.

Funktionsweise

alarmiert und Hilfe geschickt werden. Funktionsweise Das Hausnotrufgerät besteht aus einer Basisstation und

Das Hausnotrufgerät besteht aus einer Basisstation und einem Funksender (= Funkfinger oder Handsender), den der gefähr- dete Mensch immer bei sich trägt.

Die Basisstation ist ein Telefongerät, in das die Rufnummer der Hausnotrufzentrale einprogrammiert wird. Im Notfall löst ein Knopfdruck auf den Funksender bei der Notrufzentrale einen Notruf aus. Automatisch wird sofort eine Sprechverbindung her- gestellt und die Notrufzentrale kann erfragen, um welche Art von Notfall es sich handelt, und die notwendigen Hilfen veranlassen.

Die meisten Hausnotrufgeräte funktionieren auch im weiteren Umfeld der Basisstation, beispielsweise im Keller oder im Garten.

Kosten

beispielsweise im Keller oder im Garten. Kosten Ein Hausnotrufsystem kostet eine einmalige Anschlussgebühr

Ein Hausnotrufsystem kostet eine einmalige Anschlussgebühr sowie monatliche Mietgebühren.

Liegt eine Pflegeeinstufung vor, gewährt die Pflegekasse auf Antrag und nach Prüfung durch den Medizinischen Dienst einen Zuschuss für die Anschlussgebühr i. d. R. in Höhe von 10,49 und 18,36 für die monatlichen Gebühren. Die restlichen Kosten muss der Pflegebedürftige selbst tragen.

Bei niedrigem Einkommen kann auch das Sozialamt bezuschussen.

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Wer hilft weiter?

Anbieter von Hausnotrufsystemen sind in der Regel Wohl- fahrtsverbände: Rotes Kreuz, Arbeiter-Samariter-Bund, Johan- niter, Malteser Hilfsdienst, Caritas, Arbeiterwohlfahrt, Volks- solidarität. Häufig vermitteln auch ambulante Pflegedienste zu Anbietern vor Ort.

Alltag nach Herzinfarkt, Krankheitsverarbeitung

Wird das Leben durch eine schwere Erkrankung wie einen Herzinfarkt unterbrochen, hat dies auch Auswirkungen auf den gewohnten Alltag des Patienten.

Ein Herzinfarkt kann den Erkrankten aus dem Lebensrhythmus bringen und es ist oft eine schwierige Aufgabe, sein Leben neu auszurichten. Betroffene schwanken oft zwischen Verdrängung und Überängstlichkeit. Die Vorstellung, dass nach einem Herzinfarkt der Schaden einfach „repariert“ wird und man anschließend wieder zur Tagesordnung übergehen kann, ist in der Regel nicht förderlich. Ebenso hinderlich ist übermäßige Angst vor einem weiteren Infarkt, so dass der Betroffene sich gar nichts mehr zutraut und sich isoliert.

Wichtig ist daher langfristig eine Akzeptanz der Erkrankung. Das bedeutet, zu verinnerlichen, dass man an einer chronischen Erkrankung leidet und dies als einen Teil seines Lebens anzuer- kennen. Viele Patienten empfinden einen Herzinfarkt auch als Warnung des Körpers, die besagt, dass man mit sich selbst in der Vergangenheit nicht sehr schonend umgegangen ist. Dies kann dazu anregen, abzuwägen und über das bisherige Leben nachzu- denken. Daraus kann sich die Chance ergeben, seinen Lebensstil positiv zu verändern, neue Schwerpunkte zu setzen und den Alltag neu auszurichten. Dies geht in der Regel nicht über Nacht, sondern benötigt Zeit, die man sich geben sollte. Nach dem Motto: „Gesundheit wird nicht hergestellt, sondern sie stellt sich ein“.

Angehörige und Familienleben

Wegen den Auswirkungen des Infarkts auf den Lebensalltag sollten auch Familie und Angehörige in die Therapie mit ein- gebunden werden. Angehörige sollten sich gemeinsam mit dem Patienten über die Erkrankung informieren und ihn dabei unterstützen, den Alltag neu zu gestalten.

Dazu kann gehören:

• Kenntnis des Medikamentenplans.

• Im Notfall Erste Hilfe leisten. Sicherheit gibt hier z. B. ein Erste-Hilfe-Kurs.

• Den Patienten unterstützen, Risikofaktoren abzubauen. Das heißt, z. B. bei der Umstellung der Ernährung oder beim Aufgeben des Rauchens zu unterstützen.

• Den Patienten in das Alltagsleben einbeziehen und nicht isolieren oder übermäßig schonen.

Selbsthilfegruppen

Zum Teil finden Patienten Zuspruch und Hilfe in ihrem Ver- wandten- und Bekanntenkreis, doch wirkliches Verständnis für die Situation haben nur Menschen in der gleichen Situation.

Das Gespräch, der Austausch mit Gleich-Betroffenen entlastet deshalb so wirkungsvoll, weil man sich wirklich verstanden weiß. Aus dem Verständnis ergibt sich die gegenseitige Hilfe: Tipps, Ratschläge und Erfahrungen kann kaum jemand so speziell geben wie Betroffene, die an derselben Krankheit leiden und mit den- selben Problemen kämpfen. Das reicht von der konkreten Hilfe im Alltag bis zu Veranstaltungen und gemeinsamen Unterneh- mungen. Ausflüge bringen Abwechslung in den krankheitsbe- lasteten Alltag, ermöglichen positive Erlebnisse und geben neue Energie für das Leben mit der Krankheit.

Adressen finden Sie unter „Hilfreiche Adressen und Links“ auf Seite 92.

Sexualität

KHK (koronare Herzkrankheit) verursacht oft Erektions- störungen. Dies kann sich auf das Selbstwertgefühl und die Partnerschaft auswirken. Sprechen Betroffene dieses Problem nicht an, können sie in einen Teufelskreis aus Versagens- ängsten, Selbstzweifeln und Depressionen geraten.

Zusammenhang KHK und Sexualität

und Depressionen geraten. Zusammenhang KHK und Sexualität Bei 50 % aller Männer mit Bluthochdruck ist die

Bei 50 % aller Männer mit Bluthochdruck ist die Erektions- fähigkeit beeinträchtigt. Nach einem Herzinfarkt und bei Verengung der Herzkranzgefäße betrifft dies bis zu 75 % der männlichen Patienten (Quelle: Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit e. V., 2005).

Über sexuelle Störungen bei Frauen im Zusammenhang mit Herz- Kreislauf-Erkrankungen gibt es kaum Informationen. Man geht aber auch bei KHK-Patientinnen von Erregungsstörungen aus. Ein Grund für das Fehlen von Informationen darüber ist, dass Frauen das Gespräch mit ihrem Arzt darüber noch mehr scheuen als Männer und dieses Problem deswegen gar nicht erkannt wird.

Belastung durch Geschlechtsverkehr

KHK-Patienten, besonders Patienten nach einem Herzinfarkt, haben oft Angst vor einer Überlastung ihres Herzens durch Geschlechtsverkehr. Tatsächlich aber wird die Anstrengung durch Sex überschätzt. Die körperliche Belastung ist im Normalfall nicht größer als ein schneller Spaziergang, Schneeschaufeln oder Treppensteigen. Erledigt ein Patient solche alltäglichen Dinge ohne Beschwerden, braucht er keine Angst vor Sex zu haben. Bestehen dennoch Zweifel, kann der behandelnde Arzt die kör- perliche Leistungsfähigkeit beispielsweise durch ein Belastungs- EKG abklären.

Studien zufolge ist die Belastung für das Herz bei außerehelichem Geschlechtsverkehr bzw. Fremdgehen deutlich erhöht. Noch gefährlicher wird es, wenn der Altersunterschied zwischen den Partnern sehr groß ist.

Körperliche und psychische Ursachen

sehr groß ist. Körperliche und psychische Ursachen Hat die sexuelle Dysfunktion körperliche Ursachen, kann

Hat die sexuelle Dysfunktion körperliche Ursachen, kann dies möglicherweise medikamentös behandelt werden. Viele der bei KHK verordneten Medikamente können die sexuellen Funktionen beeinträchtigen. Bekannt für häufige Störungen der Sexualität sind bestimmte Betablocker (z. B. das nichtselektive, lipophile

Propranolol) und bestimmte Dioretika (z. B. Spironolacton). Der Umstieg auf ein anderes Präparat kann das Problem unter Umständen lösen.

Haben die Sexualstörungen psychische Ursachen, kann eine Paar- und/oder Psychotherapie hilfreich sein. Möglicherweise ist eine Kombination von Medikamenten und Therapie das Richtige.

Oberstes Gebot für Arzt, Patient und Partner ist, das Thema Sexualität anzusprechen, um so die Ursachen für Störungen abzuklären und Lösungen zu finden.

Autofahren und Führerschein

Heute ist es für viele Menschen selbstverständlich, einen Füh- rerschein und ein Auto zu besitzen. Doch ein schwerer ge- sundheitlicher Vorfall wie ein Herzinfarkt kann Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit haben.

Bei Führerscheininhabern, die einen Herzinfarkt hatten, ist der behandelnde Arzt verpflichtet, den Patienten auf mögliche Einschränkungen und Gefahren hinzuweisen. Der Arzt wird den Patienten in der Regel auch schriftlich bestätigen lassen, dass er auf die Gefahr hingewiesen hat, andernfalls könnte der Arzt für die Kosten möglicher Unfälle haftbar gemacht werden. Oft steht diese Empfehlung auch im Abschlussbericht von Rehamaßnahmen.

Ob der Patient dies dann bei der zuständigen Führerschein- bzw. Kfz-Zulassungsstelle meldet und seine Fahrtauglichkeit über- prüfen lässt, liegt in seiner eigenen Verantwortung.

Ist ein Patient fahruntauglich und steuert dennoch ein Kraft- fahrzeug, macht er sich strafbar und muss für mögliche Schäden selbst aufkommen. Bei einem Unfall muss er mit strafrechtlichen und versicherungsrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Zweifel an der Fahrtauglichkeit

Konsequenzen rechnen. Zweifel an der Fahrtauglichkeit Bestehen Zweifel an der Fahrtauglichkeit, fordert die

Bestehen Zweifel an der Fahrtauglichkeit, fordert die Führer- scheinstelle in der Regel ein fachärztliches Gutachten. Der Facharzt sollte nicht der behandelnde Arzt sein.

Bestehen laut diesem Facharztgutachten noch immer Bedenken, fordert die Führerscheinstelle ein medizinisch-psychologisches Gutachten bzw. Untersuchung (MPU). Dabei wird Folgendes getestet:

Medizinischer Bereich Körperlicher Allgemeinzustand, Sinnesfunktionen, fachärztlicher Befund, neurologischer Befund (falls er- forderlich), Medikamenteneinnahme

Psychologischer Bereich Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Orientierung, Reaktion, Belastbarkeit Im Gespräch mit dem Arzt und Psychologen geht es um die Einstellungen zum Straßenverkehr (Vorausschauen, Planen, Erkennen von Gefahren), aber auch um die Fähigkeit zur Selbsteinschätzung und den Umgang mit Schwierigkeiten.

Kommt der Betroffene der Forderung der Führerscheinstelle zur Erstellung o. g. Gutachten nicht nach, kann der Führerschein eingezogen werden. Die Kosten der Gutachten trägt der Betroffene selbst.

Patienten nach einem Herzinfarkt und mit Herzleistungs- schwächen, auch in Ruhe, dürfen in der Regel nicht Auto fahren.

Konsequenzen und Kosten

Autofahren nach einem Herzinfarkt

Konsequenzen und Kosten Autofahren nach einem Herzinfarkt Die folgenden Informationen sind entnommen aus den

Die folgenden Informationen sind entnommen aus den „Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahrereignung“, herausge- geben von der Bundesanstalt für Straßenwesen im Februar 2000. Aktuellere Leitlinien stehen nicht zur Verfügung.

Bei der Fahreignung wird die Fahrerlaubnis in 2 Gruppen unterteilt:

Gruppe 1 umfasst die Klassen A, A1, B, BE, M, L und T. Darunter fallen z. B. Mopeds, Kraft- und Leichtkrafträder, Kraftfahrzeuge, land- und forstwirtschaftliche Zugmaschinen. Es sind Fahrzeuge bis 3,5 t und Motorräder.

Gruppe 2 umfasst die Klassen C, C1, CE, C1E, D, D1, DE und D1E. Darunter fallen z. B. Lkw und Busse sowie die Erlaubnis zur Beförderung von Fahrgästen.

Menschen, die einen Herzinfarkt erlitten haben, sind in der Regel nicht in der Lage, den gestellten Anforderungen zum Führen von Kraftfahrzeugen der Gruppe 2 gerecht zu werden.

Ausnahmen hiervon sind nur nach einer Genesungszeit von mindestens 3 bis zu 6 Monaten begründet, wenn sich z. B.

• keine gefährlichen bzw. prognostisch ungünstigen Herzrhythmusstörungen,

• keine Herzinsuffizienz bzw.

• keine schwerwiegende Einschränkung der Pumpleistung der linken Herzkammer nachweisen lassen.

Menschen nach einem komplikationslosen Infarkt ohne Herz- insuffizienz und Rhythmusstörungen sind nach 3 Monaten, sonst nach 6 Monaten wieder in der Lage, den Anforderungen zum Führen eines Kraftfahrzeuges der Gruppe 1 gerecht zu werden, wenn nach dem Ergebnis der internistischen (einschließlich EKG-) Untersuchung keine andere Beurteilung der Sachlage erfolgen muss.

Nach einem zweiten Herzinfarkt ist die Voraussetzung zum Führen von Kraftfahrzeugen der Gruppe 2 nicht mehr gegeben.

Bei Fahrzeugen der Gruppe 1

insuffizienz oder gefährliche Herzrhythmusstörungen durch klinische Untersuchungen und Verlaufsbeobachtungen sicher ausgeschlossen sind.

nur noch dann, wenn Herz-

Fahrradfahren

ausgeschlossen sind. nur noch dann, wenn Herz- Fahrradfahren Auch Fahrradfahrer, die nach einer schweren Erkrankung

Auch Fahrradfahrer, die nach einer schweren Erkrankung (siehe oben) am Verkehr teilnehmen und aufgrund ihres Gesundheitszustands einen Unfall verursachen, können ihren Führerschein verlieren.

Bei entsprechendem Verdacht macht die Polizei eine Mitteilung an die Führerscheinstelle, welche dann den Patienten auffordert, die Fahrtauglichkeit prüfen zu lassen.

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Wer hilft weiter?

Bei Fragen helfen der behandelnde Arzt, die Führerscheinstelle, TÜV oder DEKRA sowie Stellen, die medizinisch-psychologische Untersuchungen durchführen.

Urlaub und Reisen

Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung oder nach einem Herzinfarkt müssen nicht prinzipiell auf Reisen ver- zichten. Damit diese aber auch wirklich der Erholung dienen, sollten sie Folgendes beachten:

• Große Höhenlagen (Gebirge) meiden. Der geringere Sauer- stoffgehalt in diesen Höhenlagen belastet den Herzmuskel zusätzlich.

• Starke Temperaturdifferenzen (Tropen) meiden.

• Lange Autofahrten sind möglich, wenn viele Pausen ein- gehalten werden. Medikamente wie Nitrate oder Beta-Blocker beeinträchtigen das Autofahren nicht. Bahnfahrten sind aber meist weniger anstrengend.

• Nach einem Infarkt sollte man wenigstens 6 Monate nicht fliegen. Bei dauernden Angina-Pectoris-Anfällen, ausge- prägten Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche (Insuffizienz) sollte man auch weiterhin darauf verzichten.

• Bei Langstreckenflügen birgt längeres Sitzen die Gefahr einer Thrombose. Daher ist es ratsam, sich beim Arzt über Thrombosestrümpfe zu erkundigen. Ebenso ratsam ist „Bordgymnastik“ während des Fluges. Das sind leichte Übungen wie Fußkreisen, Heben von Ferse und Zehen oder Knie anheben und strecken. Tipps zur Bordgymnastik geben auch Physiotherapeuten. Während des Fluges unbedingt viel trinken, z. B. Mineralwasser. Alkohol dagegen meiden.

• Die verordneten Medikamente sollen in ausreichender Menge auf die Reise mitgenommen werden, vor allem auch Notfall- medikamente (Nitrospray).

• Für einen eventuellen Notfall die letzten Befunde und den Ausweis mit den Laborwerten der Blutgerinnung bei gerinnungshemmender Therapie mitnehmen.

• Sich vorher über die medizinischen Betreuungsmöglichkeiten (z. B. Klinik) am Urlaubsort informieren und sich die jeweilige Nummer des ansässigen Rettungsdienstes notieren.

• Informationen zu Impfungen und krankheitsspezifischen Gefährdungen in einzelnen Ländern erhält man beim Centrum für Reisemedizin www.crm.de.

Bei der Deutschen Herzstiftung ist die Broschüre „Reisetipps für Herzkranke“, ein Herz-Sprachführer für den Notfall im Ausland in englisch, französisch, italienisch, spanisch, griechisch, portu- giesisch, russisch, tschechisch und türkisch erhältlich. Näheres siehe S. 92.

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Praxistipp

Betreuungsprogramm der Krankenkassen (DMP)

Unter Disease-Management-Programmen (DMP) versteht man den strukturierten Umgang mit einer chronischen Erkrankung unter Einbeziehung aller, die an der Behandlung beteiligt sind.

Die Behandlung muss sich an evidenzbasierten Leitlinien orien- tieren, d. h.: Basis der Behandlung sind aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, die auf Wirksamkeit, Sicherheit und Nutzen über- prüft wurden.

In der Regel informiert der Arzt den Patienten über die Möglichkeit der Teilnahme an einem DMP. Der Patient muss damit einverstanden sein und schreibt sich in das Programm ein. Ein Arzt übernimmt die Lotsenfunktion und koordiniert die leitlinienorientierten Behandlungsschritte bei der Behandlung des Patienten. Die Behandlungsergebnisse werden systematisch dokumentiert.

Ziele

Ziele von DMP sind,

• die Behandlungsabläufe und die Qualität der medizinischen Versorgung chronisch kranker Patienten zu verbessern und

• gleichzeitig die Kosten für die Behandlung zu reduzieren.

• Patienten durch Schulungen zu vermitteln, wie sie am besten mit ihrer Erkrankung umgehen, und

• sie bezüglich Diagnose und Therapie der Erkrankung umfassend zu informieren und einzubeziehen.

Inhalt eines DMPs für Herzpatienten ist neben einer leitlinien- gerechten Behandlung die Unterstützung und Beratung der Patienten bei der Teilnahme an Schulungen. Dies sind Kurse zum Abbau von Risikofaktoren, z. B. zur Raucherentwöhnung oder zu gesunder Ernährung. Näheres siehe auch Kapitel „Prävention”.

Die strukturierten Behandlungsprogramme sind mit dem Risiko- strukturausgleich der gesetzlichen Krankenkassen verknüpft. Die Krankenkassen können Patienten, die an einem Programm teil- nehmen, z. B. von der Zahlung der Praxisgebühr befreien oder über Bonusprogramme belohnen.

Prävention

Als Prävention werden Strategien bezeichnet, die Risikofak- toren für bestimmte Krankheiten, z. B. einen Herzinfarkt, vermindern oder (mit)verursachende Rahmenbedingungen beeinflussen.

Es wird unterschieden zwischen

Primärprävention (Risikoschutz) Eintritt eines Schadensfalles (z. B. Herzinfarkt) soll verhindert oder verzögert werden.

Sekundärprävention (Vorsorge) Interventionen bei Krankheiten im frühen Stadium (z. B. nach Herzinfarkt).

Tertiärprävention (Rehabilitation) Maßnahmen zur Verhütung von Folge- und Begleit- erkrankungen sowie der Verschlimmerung im fortge- schrittenen Stadium einer Erkrankung.

Die primäre Prävention soll einen Herzinfarkt von vornherein verhindern. Darunter fallen Aufklärung über Ursachen und Infor- mationen über Risikofaktoren.

Als sekundäre Prävention bezeichnet man Vorkehrungen, die nach einem Herzinfarkt einsetzen, um ein Fortschreiten der Herzkrankheiten und weitere Infarkte zu vermeiden. Grundlage der sekundären Prävention ist ein gesunder Lebensstil, oft beglei- tet von einer medikamentösen Therapie.

Unter tertiärer Prävention versteht man beispielsweise die kar- diologische Rehabilitation nach einem Herzinfarkt (siehe S. 14).

Wichtige Lebensbereiche, in denen Präventionsmaßnahmen bei Herzinfarktpatienten ansetzen, sind:

• Sport

• Ernährung

• Rauchen

• Stressabbau

Fast alle Krankenkassen bieten ihren Versicherten Präven- tionskurse zur Erhaltung bzw. Verbesserung der Gesundheit an.

Kurse gibt es hauptsächlich zu:

• Stressbewältigung, Entspannungsmethoden

• Raucherentwöhnung

• Ernährung

• Bewegung

Präventionsprogramme der Krankenkassen

• Raucherentwöhnung • Ernährung • Bewegung Präventionsprogramme der Krankenkassen Prävention 77

Die Präventionskurse der Krankenkassen umfassen in der Regel 8–12 Unterrichtseinheiten und werden zum Teil in Fitnessstudios, Reha-Einrichtungen oder Praxen für Physiotherapie angeboten. Manchmal gibt es auch Kompaktangebote, z. B. eine Veran- staltung am Wochenende.

Unterschiedlich ist, wie sich die Krankenkassen an den Kosten beteiligen. Die meisten erstatten ihren Mitgliedern bis zu 90 % der Kurskosten.

Einige Krankenkassen koppeln die Teilnahme an Präventions- kursen mit sogenannten Bonusprogrammen: Versicherte bekom- men für präventives und gesundheitsbewusstes Verhalten wie sportliche Betätigung und jährliche Krebs- und Zahnvorsorge Bonuspunkte. Diese können gesammelt und in Prämien umge- tauscht werden. Bei einzelnen Krankenkassen kann so der Mit- gliedsbeitrag gesenkt werden.

Sport

Ein trainiertes Herz kann helfen, koronaren Herzkrankheiten oder einem zweiten Herzinfarkt vorzubeugen. Regelmäßiges Ausdauertraining sorgt dafür, dass die Arterien elastisch bleiben und so der Blutfluss erleichtert wird. Ausdauersport ist das ideale Training für das Herz, es wird dadurch kräftiger und belastbarer. Beim Sport sollte der Puls überwacht werden.

Früher galt körperliche Inaktivität nicht als eigenständiger Risikofaktor, genauso ging man davon aus, dass nach einem Infarkt kein Sport mehr möglich ist. Inzwischen weiß man aber, dass die Wahrscheinlichkeit zu erkranken umso höher liegt, je weniger gut das Herz trainiert wird. Allerdings wäre es auch ein Irrtum zu denken, dass viel Sport ausreicht, um damit andere Risikofaktoren auszugleichen.

Regelmäßiges Training verbessert die Belastbarkeit und Leistungs- fähigkeit des Körpers durch Senkung des Blutdrucks und der Herzfrequenz. Sport führt zu einer seelischen Stabilisierung, weil er das Selbstwertgefühl steigert und Ängste abbaut. Er erleichtert, das Gewicht zu verringern und zu halten, hilft dabei, weniger zu rauchen, und beeinflusst den Cholesterinspiegel positiv.

Günstige Sportarten nach einem Herzinfarkt sind

• Radfahren

• Laufen

• Walking

• Skilanglauf

• Langsames Bergwandern

• Schwimmen (kein zu kaltes Wasser)

Krafttraining sollte wegen der Gefahr einer Herzüberlastung ver- mieden werden, zumindest ohne medizinische Kontrolle.

Mit dem behandelnden Arzt ist in jedem Fall vorher zu klären, wie intensiv das Training ausfallen darf.

• Faustregeln, nach denen man seine Trainingsintensität richten kann:

– Trainingspuls = 180 minus Lebensalter

– oder: Laufen, ohne dabei außer Atem zu kommen

Sportarten

= 180 minus Lebensalter – oder: Laufen, ohne dabei außer Atem zu kommen Sportarten ! Praxistipp

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Praxistipp

• Auf keinen Fall bei Erkrankungen wie fieberhaften Infekten trainieren.

• Regelmäßige körperliche Bewegung besteht nicht nur aus Ausdauertraining, sondern kann im Alltag ständig umgesetzt werden, z. B. Auto stehen lassen, dafür zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren. Statt mit dem Aufzug zu fahren, Treppen steigen. Keine Fernbedienung und kein schnurloses Telefon benutzen, viel spazieren gehen.

Reha-Sport

Telefon benutzen, viel spazieren gehen. Reha-Sport Reha-Sport dient der allgemeinen Stärkung der Leistungs-

Reha-Sport dient der allgemeinen Stärkung der Leistungs- fähigkeit nach einer Erkrankung. Die Maßnahmen dauern je nach Erkrankung und Kostenträger 6 Monate bis 3 Jahre.

Zum Reha-Sport zählen z. B. bewegungstherapeutische Übungen. Sie dienen der Stärkung von Ausdauer, Koordination, Flexibilität, Kraft und psychischer Leistungsfähigkeit. Hierunter fallen u. a. Gymnastik, Leichtathletik, Schwimmen, Bewegungsspiele in Gruppen sowie spezielle Gruppen für Herzpatienten. In der Nachsorge von Herzinfarktpatienten hat Reha-Sport einen hohen Stellenwert.

Herzsportgruppen

Inhalt und Zielsetzung der Herzsportgruppen ist das optimale Training von Herz und Kreislauf. Ihre körperliche Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit sollen kontinuierlich gesteigert werden. Entspannungstechniken und Gruppengespräche helfen, Ängste, z. B. vor einem zweiten Herzinfarkt, abzubauen.

In Deutschland gibt es mehr als 6.000 ambulante Herzsport- gruppen, in denen Patienten unter der Leitung eines speziell ausgebildeten Übungsleiters und eines kardiologisch erfahrenen Arztes einmal pro Woche trainieren. Ein Arzt überwacht die Belastungssteigerung, führt Puls- und Blutdruckkontrollen durch und ist auf medizinische Komplikationen mit einem Notfallset eingerichtet.

Voraussetzungen

Die Renten- oder Krankenversicherung übernehmen Reha- Sport oder Funktionstraining als ergänzende Leistung zur Rehabilitation unter folgenden Voraussetzungen:

• ärztlich verordnet

• Die Verordnung ist von einem Arzt zu erstellen, der das Leiden und dessen Folgen behandelt. Sie soll enthalten:

– Diagnose und gegebenenfalls Nebendiagnosen, so weit diese berücksichtigt werden müssen oder Einfluss auf die Verordnungsnotwendigkeit nehmen

– Gründe und Ziele, weshalb Reha-Sport/Funktionstraining erforderlich ist

– Dauer und Anzahl der wöchentlich notwendigen Übungseinheiten

– Empfehlung zur Auswahl der geeigneten Sportart

• in Gruppen

• unter ärztlicher Betreuung

• Antrag: Vordruck „Antrag auf Förderung von Reha- bilitationssport/Funktionstraining“ Der Vordruck für diesen Antrag ist bei Sportvereinen, Ärzten und den zuständigen Leistungsträgern erhältlich.

Oft wird während einer Leistung zur medizinischen Reha (siehe S. 18) die medizinische Notwendigkeit einer Reha-Sport-Maß- nahme festgestellt. Dann ist vom Arzt der Behandlungsstätte eine Empfehlung im sogenannten „Abschlussbericht“ auszusprechen, und der behandelnde Arzt hat dem Reha-Sport zuzustimmen. Der Reha-Sport muss dann innerhalb von 3 Monaten nach der Reha- maßnahme beginnen. Kostenträger sind in der Regel die Rentenversicherungsträger.

Zuständigkeit

Geht dem Reha-Sport keine Leistung zur Reha voraus, ist die Krankenkasse zuständig.

Bei Geringverdienenden oder nicht Versicherten kommt unter Umständen das Sozialamt für die Kosten auf und orientiert sich dabei an der Kostenübernahme durch die Krankenkasse.

Reha-Sport/Funktionstraining dauert

Dauer

• in der Rentenversicherung in der Regel 6 Monate, bei medizinischer Erforderlichkeit längstens 12 Monate.

• in der gesetzlichen Krankenversicherung bei bestimmten Erkrankungen bis zu 36 Monate.

Danach muss der Arzt eine neue Verordnung ausstellen.

Die Adressen von Reha-Sportgruppen bzw. Herzgruppen in der Region sind bei den Krankenkassen zu erfragen. Diese haben eine Übersicht über die Sportvereine und -gruppen, mit denen sie vertraglich Kostenvereinbarungen (regional unterschiedlich) getroffen haben.

Auch Behindertensportverbände bieten zum Teil Reha-Sportarten und Funktionstrainingsmaßnahmen an.

Über entsprechende Gruppen informiert die Hauptgeschäftsstelle des Deutschen Behindertensportverbands, Telefon 02234 6000-0, E-Mail dbs@dbs-npc.de, www.dbs-npc.de.

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Wer hilft weiter?

Ernährung

Durch eine gesunde Ernährung kann das Risiko, an Arteriosklerose (Arterienverkalkung) zu erkranken, verringert und das Fortschreiten einer Koronaren Herzkrankheit (KHK) aufgehalten werden.

Die Ernährungstherapie nach einem Herzinfarkt soll vorhandene Risikofaktoren wie erhöhte Blutfett- und Blutdruckwerte norma- lisieren sowie eventuell vorhandenes Übergewicht abbauen. Erhöhte Blutcholesterinwerte können durch die Fettmenge und das richtige Verhältnis zwischen gesättigten und ungesättigten Fettsäuren in der Nahrung sowie durch körperliche Aktivität auf Dauer günstig beeinflusst werden, allerdings bei den einzelnen Menschen unterschiedlich stark.

Bestimmte Ernährungsfaktoren gelten mittlerweile als gesichert zur Prävention von KHK und damit zur Vorbeugung eines (weiteren) Herzinfarkts:

• Reichlicher Verzehr von Obst, Gemüse und Vollkornprodukten (5- bis 6-Mal täglich)

• Gesättigte Fettsäuren und Trans-Fettsäuren durch ungesättigte Fettsäuren ersetzen. Das bedeutet: Verzicht auf tierische Fette und stattdessen Verwendung pflanzlicher Fette wie Oliven-, Sonnenblumen- oder Distelöl. Fettarme Milch und Milchprodukte verwenden.

• Vermehrt Omega-3-Fettsäuren aufnehmen, sie finden sich besonders in Seefisch wie Lachs, Makrele und Thunfisch.

• Gedünstete, gegrillte oder gedämpfte Gerichte sind fettärmer als gebratene, frittierte oder überbackene Speisen und sollten daher bevorzugt werden

• Süßspeisen meiden.

Alkohol

daher bevorzugt werden • Süßspeisen meiden. Alkohol Regelmäßiger und maßvoller Alkoholkonsum kann das Risiko,

Regelmäßiger und maßvoller Alkoholkonsum kann das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, reduzieren. Insbesondere Rot- wein kann die schädlichen Folgen des LDL-Cholesterins ver- mindern und das HDL-Cholesterin erhöhen.

Das besagen die Ergebnisse vieler Forschungsstudien der letzten Jahre. Allerdings spielen hier auch Faktoren wie Geschlecht, Ernährung, gesunder Lebensstil (z. B. Nichtrauchen) eine wichtige Rolle. Man geht davon aus, dass Frauen 10 g und Männer 20 g am Tag konsumieren können, ohne gesundheitliche Schäden zu ver- ursachen. Hinweis: 0,5 Liter Bier oder 0,2 Liter Wein enthalten 20 g Alkohol.

Nichtrauchen

Rauchen ist ein gefährlicher Risikofaktor für Herzinfarkt. Raucher erleiden häufiger einen Herzinfarkt als Nichtraucher und erholen sich oft auch schlechter davon. Jedem Patient nach einem Herzinfarkt ist dringend anzuraten, mit dem Rauchen aufzuhören.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, mit dem Rauchen aufzuhören:

• Schlusspunktmethode

• Medikamentöse Raucherentwöhnung

• Hypnose

• Akupunktur

• Verhaltenstherapie

Viele Raucher wählen die sogenannte „Schlusspunkt- Methode“. Sie basiert auf dem Beschluss, an einem bestimm- ten Tag oder aber „von heute auf morgen“ das Rauchen voll- kommen einzustellen.

Schlusspunktmethode

das Rauchen voll- kommen einzustellen. Schlusspunktmethode Eine Variante davon ist die „Reduktionsmethode“. Dabei

Eine Variante davon ist die „Reduktionsmethode“. Dabei reduziert der Raucher die Anzahl der täglichen Zigaretten bis zu einem festgelegten Tag auf den vollständigen Nikotinverzicht.

Die Nikotinersatztherapie ist eine Methode zur Aufnahme von Nikotin, ohne zu rauchen. Diese Nikotinzufuhr soll besonders in der Anfangsphase der Raucherentwöhnung die Entzugs- erscheinungen mildern und das Verlangen nach einer Ziga- rette unterdrücken. Dadurch sollen dem ehemaligen Raucher die Bewältigung der psychologischen und verhaltenstherapeu- tischen Aspekte des Rauchens erleichtert werden.

Medikamentöse

Raucherentwöhnung

erleichtert werden. Medikamentöse Raucherentwöhnung Grundsätzlich gilt: Die Medikamente begleiten und

Grundsätzlich gilt: Die Medikamente begleiten und erleichtern eine Entwöhnung nur, der Wille, mit dem Rauchen aufzuhören, muss beim Raucher verankert sein.

Es gibt verschiedene Mittel in der Nikotinersatztherapie:

• Pflaster

• Kaugummi

• Inhaler

• Lutschtabletten

• Nasenspray