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Andre Schuchardt
präsentiert

Freiheit und Knechtschaft. Die dystopische Utopia 
des Thomas Morus.
Eine Kritik am besten Staat.
Utopie. Eine Einleitung.....................................................................2
Thomas Morus...................................................................................3
Einleitung zur Utopia.........................................................................4
Die Utopie als Dystopie.....................................................................6
Die Dystopie........................................................................................6
Die Utopie............................................................................................8
Der Staat Utopia. Seine Vor­ und Nachteile in einzelnen Punkten.. .9
I. Geographie, Stadt und Land..............................................................9
II. Die Stadt........................................................................................11
III. Die Hierarchie..............................................................................12
IV. Arbeit...........................................................................................13
V. Soziales und Infrastruktur..............................................................15
VI. Leben...........................................................................................18
VII. Wirtschaft...................................................................................19
VIII. Wissenschaft und Philosophie...................................................21
IX. Vergnügungen..............................................................................22
X. Physiognomie................................................................................23
XI. Sklaven.........................................................................................23
XII. Kranke und Tod..........................................................................25
XIII. Ehe.............................................................................................26
XIV. Gesetz........................................................................................28
XV. Ehrungen....................................................................................29
XVI. Außenpolitik..............................................................................29
XVII. Krieg........................................................................................31
XVIII. Religion..................................................................................34
XIX. Ende..........................................................................................36
Eine Utopie?....................................................................................39
Das Ende..........................................................................................42

© 2008 A. Schuchardt, Thomasiusstr 23, 04109 Leipzig


2

Utopie. Eine Einleitung.1

Eine Utopie ist eine Wunschvorstellung, die zwar


denkbar, aber aus verschiedenen Gründen nicht
realisierbar ist, weshalb sie heutzutage oft auch
negativ als Wunschtraum abgetan wird. Oft stellen
diese Utopien mit ihrer Idealvorstellung eine
gleichzeitige Kritik an einer bestehenden Ordnung
da. Der Name Utopie kommt von dem Roman
'Utopia' von Thomas Morus, der hier noch
behandelt werden will. Utopien stellen meist
bessere Gesellschaftsordnungen da, seltener gibt
es auch religiöse oder technisch-wissenschaftliche
Utopien.
Heutzutage werden Utopien hauptsächlich nur
noch von Philosophen wie Ernst Bloch aufgestellt,
derweil die Utopie als ihr ins Negative umgekehrte

1 vgl. Artikel Utopie. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.


Bearbeitungsstand: 19. Juli 2008, 13:47 UTC. URL:
http://de.wikipedia.org/w/index.php?
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11:39 UTC)
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Gegenstück, der Dystopie, großen Einfluss in


populärer Literatur und Medien hatte.
Thomas Morus' Utopia gilt als Namensgeber und
einer der ersten Vertreter der Utopie (nach Platon
und Cicero). Sie beschwört einen kommunistisch-
sozialistischen Staat mit Toleranz, aber auch jeder
Menge Unfreiheit und Überwachung. Dieses
möchte ich hier behandeln und aufzeigen, dass die
Utopia im heutigen Sinne keine Utopie mehr ist,
sondern vielmehr eine Dystopie. Weiterhin möchte
ich hier überhaupt die Ideen der Utopier vorstellen.

Thomas Morus2

Thomas Morus wurde 1478 in London geboren


und starb dort auch, 57 Jahre später, hingerichtet
von Heinrich VIII. Zuvor war er enger Vertrauter
2 vgl. Artikel Thomas Morus. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
Bearbeitungsstand: 21. Juli 2008, 08:19 UTC. URL:
http://de.wikipedia.org/w/index.php?
title=Thomas_Morus&oldid=48630813 (Abgerufen: 21. Juli 2008,
11:40 UTC)
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4

und Ratgeber des Königs und u.a. bekannter


Gegner von Martin Luther, später auch
Lordkanzler. Er galt als neutraler Diplomat,
tüchtiger Administrator, Anhänger des Vatikans
und toleranter Humanist und wurde von seinen
Freunden geliebt und in den höchsten Tönen
gelobt.3 Seit wenigen Jahren ist er der Heilige der
Politiker.4

Einleitung zur Utopia5

Die Utopia erschien das erste Mal 1516 in Löwen,


verfasst in lateinischer Sprache. Erasmus von
Rotterdam war derjenige, der auf ihre
Veröffentlichung drängte. Die erste deutsche
3 vgl. Erasmus von Rotterdam: Erasmus von Rotterdam grüßt den
hochedlen Ritter Ulrich von Hutten (1519). In: Morus, Thomas:
Utopia. 1982, 7. Auflage. Reclam Verlag, Leipzig. S. 133ff.
4 vgl.
http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/motu_proprio/docu
ments/hf_jp-ii_motu-proprio_20001031_thomas-more_ge.html
(Abgerufen: 21. Julia 2008)
5 vgl. Teller, Jürgen: Nachwort. In: Morus, Thomas: Utopia. 1982, 7.
Auflage. Reclam Verlag, Leipzig. S. 143ff.
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5

Übersetzung gab es 1524. In dem Buch berichtet


der Seefahrer Raphael Hythlodäus
(*Possenreisser') dem Thomas Morus von der
Insel Utopia, welche jenseits des Ozeans liegen
soll. Hythlodäus stellt hier den begeisterten
Anhänger des utopischen Staates da, welcher die
bestehenden Verhältnisse in der Alten Welt
kritisiert, während Morus dem eher skeptisch
gegenüber steht. So verzichtet der Autor Morus
auf eine Wertung seiner Vorstellungen und lässt
dem Leser und Kritiker alle Spielräume. Da aber
Hythlodäus natürlich den Großteil des Werkes
ausmacht, gilt meine Kritik hier ihm und dem Staat
Utopia, und nicht dem Morus des Buches Utopia.
Interessant ist sicher auch, dass sich vor allem
Marx und Engels stellenweise gerne auf die Utopia
berufen haben.6

6 Was wohl erklären mag, wie in ihrer Lehre solche


Ungerechtigkeiten und Fehler des Lehrgebäudes entstanden, wie der
Zentralisierung und Gleichschaltung.
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6

Die Utopie als Dystopie

Warum nun nenne ich die Utopia eine Dystopie,


eine negative Utopie? Nun, so manche Dinge an
dem neuen Staats mögen wünschenswert sein,
dagegen sind viele andere um so mehr zu
verurteilen. Ich möchte hier mit zweiteren
beginnen, bevor ich erstere erwähne. Zunächst in
Kurzform, dann nochmal ausführlich. Die
Aufgliederung folgt dabei meinem eigenen
Gutdünken, da die Kapitelüberschriften bei Morus
selber sehr willkürlich gewählt sind.

Die Dystopie

− Schwer patriarchalisch. Der Mann herrscht.


− Stark hierarchisch. Der Senat7 herrscht über
Bürgermeister und Familienvorsteher.8
− Gleichschaltend. In Aussehen wie in Denken.
7 Der Senat wird von Morus übrigens nicht richtig erklärt.
8 Dieser und der folgende Punkt (Gleichschaltung) haben Ähnlichkeit
mit dem Denken im Marxismus.
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7

− Die Gesamtheit bedeutet mehr als das


Individuum.9
− Einsatz der Sklaverei
− Tieferstellung von Frauen
− Überwachung aller Bewegungen und Taten, freie
Bewegung ist verboten.
− Starker Zwang in allem mit zu machen. Keine
individuelle Einteilung.
− Krankes Kriegswesen, das andere Völker als
Kanonenfutter nutzt und sie ausrotten will sowie
die Familien der Krieger mit an die Front schickt,
damit diese besser und bis zum bitteren Ende
kämpfen.
− Unklare Aussagen zum Geldwesen: Waren
scheinen nichts zu kosten, anderes dagegen
schon, derweil Gold verpönt ist.
− Sex vor der Ehe verboten.
− Ausnutzung des Systems durch Einzelne wäre
möglich.

9 Hiermit steht die Utopia aber ganz im Sinne von Gustav Landauer.
Einige andere Punkte dagegen dürften auch ihn gestört haben.
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8

− Einerseits Kritik einführen, dass alle arbeiten


sollen, und dann gibt es doch so gut wie nicht
arbeitende Priester und Bürgermeister, die
verehrt werden.
− Müßiggang und freie Erholung verboten, nur
nach Vorgaben.
− Einmischung in die Natur durch unsinnige
Tätigkeiten wie dem Versetzen ganzer Wälder.

Die Utopie

− Toleranz in vielen Belangen, v.a. der Religion


− Offen für jeden.
− Sozialistisch. Niemand muss leiden, allen
gebührt das gleiche.
− Abschaffung von Privateigentum an Boden oder
Arbeitsmitteln.10
− Wissenschaft und Literatur werden gefördert.
− Jeder muss arbeiten, dafür aber jeder weniger.

10Wieder ganz im Sinne von Landauer.


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9

− Vor Eheentschluss dürfen sich die Partner nackt


sehen.11
− Abschaffung von Reichtum und der
Veherrlichung von Reichtum.
− Ausführliche Pflege von Kranken und Geleitung
von Sterbenden.12
− Kaum feste Gesetze, keine Todesstrafe.
− Durch die Gleichheit kaum Verbrechen
vorhanden.

Der Staat Utopia. Seine Vor- und Nachteile in


einzelnen Punkten.

I. Geographie, Stadt und Land.


Es gibt 54 Städte, die alle gleich sind. In der Stadt
Amaurotum kommt der Senat zusammen. Um jede
Stadt gibt es 12 Meilen Ackerland mit

11Hier bin ich mir nicht so sicher, ob das wirklich anstrebenswert ist.
12Was die Euthansie angeht, hier bin ich mir einer Zuteilung wieder
nicht sicher. Da sie nur stattfindet wenn sie freiwillig und
gewünscht ist, würde ich sie eher zum positiven zählen.
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Bauernhöfen. Auf diesen arbeiten pro Jahr 20


Leute mitsamt den zum Bauernhof gehörenden
Sklaven. Regelmäßig werden Menschen aus Stadt
und Bauernhof getauscht, damit alle mal arbeiten.
Hierbei bleiben aber einige Erfahrene auf dem Hof
um die Neulinge einzuweisen. Der Bauer befasst
sich mit Ackerbau, Viehzucht, dem fällen von Holz
sowie dem Handel mit der Stadt. Es wird
industrielle Hühnerzucht in Legebatterien
betrieben, Pferde allein für den Reitsport
gezüchtet, da als Arbeitstiere nur Ochsen
verwendet werden. Aus Getreide wird nur Brot,
aber kein Bier gewonnen, als Getränke kennt man
Wein und süßes Wasser. Der Hausrat des Hofes
wird aus der Stadt importiert.13

13 Nun, das klingt noch vernünftig. Städte die gleich sind, sind zwar
nicht schön, aber verhindern zumindest Neid und Migrationen.
Damit aber auch das individuelle und freiheitliche. Die
Legebatterien dagegen möchte ich nicht gut heißen.
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II. Die Stadt


Hier sind alle gleich, auch optisch. Die Städte
besitzen starke natürliche und künstliche
Befestigungen als Verteidigungsmittel vor
Angreifern. Innerhalb der Stadtmauern in den vier
gleichen Stadtvierteln jedoch ist alles frei. Selbst
die Häuser, die jeweils eigene Gärten haben, sind
stets unverschlossen, da es keinen Diebstahl gibt.
Auch werden kaum neue Häuser gebaut, da die
bestehenden alle 10 Jahre per Los neu verteilt
werden.
Letzteres finde ich etwas seltsam.
Weiterhin ist jede Stadt genauso groß wie die
anderen. Wenn sich hieran etwas ändert, werden
die Menschen halt umverteilt.14 Einzelpersonen
oder ganze Familie wechseln so die Stadt. Und
werden auf diese Art natürlich ihrem sozialen
Umfeld entrissen. Aber vermutlich hatte Morus es
im Sinn, dass dies freiwillig geschieht.

14vgl. Morus, Thomas: Utopia. 1982, 7. Auflage. Reclam Verlag,


Leipzig. S. 64.
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12

III. Die Hierarchie


So gleich sind dann doch nicht alle, es herrscht
eine strenge Hierarchie, begonnen bei der
kleinsten Einheit, der Familie. Die Frauen ziehen
zu den Männern, wenn sie heiraten und dienen
ihm fortan, da sie als weniger stark betrachtet
werden. Ebenso dienen die Männer einer Familie
dem Vater, und die Kinder ihren Eltern. Pro Familie
darf es nur 10 bis 16 Erwachsene geben.
Überflüssige werden auf andere Familien
aufgeteilt, damit alle den gleichen Stand haben.15
6000 Familien gibt es pro Stadt. 30 Familien
ernennen nach einer jährlichen Wahl aus den
Reihen ihrer Familienväter einen so genannten
Syphogranten (Phylarch), welcher die Arbeit der
Familien überwacht. 10 solcher Syphogranten
wählen jährlich aus ihren Reihen einen Traniboren
(Protophylarch). Alle 200 Syphogranten einer Stadt
zusammen ernennen aus ihren Reihen die 4
15vgl. ebd.
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13

Bürgermeister der Stadt, welche auf Lebenszeit


regieren.
Die Traniboren ergeben zusammen mit den
Bürgermeistern einen Rat, der die Stadt
kontrolliert. Zum Senat kommen jeden Tag 2
Syphogranten hinzu, welche bei Tagungen
mitmachen.
Morus sagt nichts zum Senat selber und wie er
sich zusammen setzt. Auch ist dieses System
extrem patriarchalisch, Frauen haben kaum etwas
zu sagen (nur ihren Ehemännern). Dass die
Bürgermeister auf Lebenszeit regieren, ist auch
nicht unbedingt günstig.

IV. Arbeit
Einem Handwerk gehen alle Einwohner Utopias
nach, nämlich dem Ackerbau. Sie erlenen die
Grundlagen in der Schule und üben es dann in der
Praxis aus. Ansonsten übernehmen sie das
Handwerk ihres Vaters. Wer etwas anderes besser
kann oder möchte, darf dies tun, muss dafür aber
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14

die Familie wechseln. Dies kann auch spät im


Leben noch geschehen. Die Arbeitszeit beträgt für
alle 6 Stunden. Davon 3 Stunden morgens (davor
oft noch kurz eine öffentliche Vorlesung), gefolgt
von der Mittagsmahlzeit und 2 Stunden Pause,
dann nochmal 3 Stunden Abends, gefolgt von
Abendessen und einer Stunde spielen oder
musizieren. Die Freizeit kann man nach belieben
einteilen, solange man nicht faulenzt oder sich
ausruht. Meist ist es Forschung, Studium, Literatur,
spielen oder auch – arbeiten. Wer
außergewöhnlich gut in der Forschung ist, darf
sich auch von der Arbeit frei stellen lassen, um
sich gänzlich der Forschung zu widmen.
Güter gibt es so für alle im Überfluss, da wirklich
alle arbeiten.16 Auch soll weniger Arbeit anfallen,
da Häuser pausenlos ausgebessert werden, so
also kaum neue gebaut werden müssen und dies

16Hier widerspricht sich Morus, wenn er später von den Priestern


redet. Meint er anfangs noch, wenn alle arbeiten, auch die Priester,
wird genug erzeugt, dass alle nicht viel arbeiten müssen. Später
jedoch sagt er, die Priester in Utopia müssten nicht arbeiten.
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15

die effektive Arbeitszeit verringert.17 Ebenso wird


nur eine Art Einheitskleidung hergestellt, was
ebenso weniger Arbeit verursacht.18 Zuletzt noch
wird nicht mehr produziert als notwendig ist. Hat
man dieses Ziel früher erreicht als erwartet, verfällt
die restliche Arbeitszeit und wird zur Freizeit.

V. Soziales und Infrastruktur


Wir erwähnt sind alle Städte gleich groß oder
durch Einwohnerumverteilung anzupassen. Hat
aber nun das ganze Land einen Überschuss an
Menschen, werden diese ausgesandt, Kolonien zu
gründen. Dort verschmelzen sie mit den
ansässigen Einwohnern. Wenn diese dagegen
sich aber weigern und überzähliges Land haben,
das sie nicht nutzen, welches man aber nutzen
könnte und müsste, so vertreiben die Utopier sie

17vgl. Morus, a.a.O., S. 62.


Ob das aber wirklich weniger Arbeit verursacht, kann ich nicht ganz
nachvollziehen, leider aber auch nicht beurteilen.
18vgl. Morus, a.a.O., S. 63.
Auf die Kleidung gehe ich gleich noch ein.
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16

halt mit Gewalt und Krieg.19 Hat das Land Utopia


nun wieder zu wenig Einwohner, werden
entsprechend viele aus den Kolonien zurück
gerufen.20
Ebenso schon erwähnt wurde, dass die Stadt sich
in 4 gleiche Teile spaltet. Jeder dieser Teile hat
einen Markt. Dort kann der jeweilige Einkäufer
alles verlangen, was er möchte, Geld wird hierfür
nicht benötigt.21 Gründe für diese Freizügigkeit
sind, dass ja genug angebaut wird und nie ein
Mangel oder Furcht vor Mangel herrschen wird.
Deshalb wird auch niemand mehr nehmen, als er
benötigt. Wozu auch? Zuhause muss man sich
selber darum kümmern, was man wo anders auch
jederzeit kostenlos bekommt.

19vgl. Morus, a.a.O., S. 64


20Hier würde mich interessieren, was die Utopier anstellen, wenn es
einmal keinen Platz mehr für Kolonien gibt. Krieg? Oder
verzichten?
21Ab dieser Stelle spricht Morus nun nicht mehr von Geld, sondern
von Solidarität. Nur: vor dieser Stelle hatte er Geld erwähnt. Wofür
ist es in Utopia nützlich? Wie sieht es aus? Das wird nicht geklärt,
da später eigentlich auch gesagt wird, dass es kein Geld, noch Gold
gibt.
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17

Neben den Märkten hat jeder Stadtteil noch


Gemeinschaftshallen, je eine für 30 Familien. In
diesen sitzen auf jeder Seite 15 Familien für
Essen, Spiel und Unterhaltung zusammen. Das
Essen findet jeden Tag und überall gleichzeitig
statt.22 Die besten Waren bekommen hierbei zuerst
die Kranken, danach die Inhaber hoher Ämter, als
letztes erst der Rest. Wer mag kann sich für
Zuhause auch ein Extraessen mitgeben lassen.
Die Frauen kochen, Schmutzarbeiten erledigen
aber die Sklaven. Beim Essen sitzen die Frauen
an den Innenseiten der Gänge, um schnell gehen
zu können, sollte dies nötig sein. Besonders
Schwangere haben auch Extraräume, z.B.
Ammenstuben für Kleinkinder.
Von den öffentlichen Krankenhäusern gibt es 4,
alle zusammen groß genug, im Notfall die gesamte
Stadt aufzunehmen. Hierbei frage ich mich sehr,

22Fragwürdig, ob es gut wäre, bestimmte Berufe hierbei teilnehmen


zu lassen. Denn für Notfälle braucht es doch weiter Ärzte, etc.
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18

wie diese wohl Instand und am Laufen gehalten


werden.

VI. Leben
Wer über Land reisen möchte, benötigt hierfür eine
Genehmigung, und auch dann ist es nur Gruppen
erlaubt. Freies Bewegen also fehl am Platze. Als
so genannter „Herumtreiber“ kann man sich sogar
Strafen einhandeln.23 Ist es dann aber so weit, wird
man von einem Sklaven gefahren. Sogar für
einfache Spaziergänge braucht man Erlaubnisse,
hierbei der Hausvater von seiner Frau, die Kinder
von ihren Eltern. Und ist man unterwegs, bekommt
man erst Unterkunft und essen, sobald man
gearbeitet hat.
Dinge wie Ablenkung, Unterhaltung, Müßiggang
sucht man vergebens, abgesehen von den
wenigen Spielen und der gemeinsamen Musik. Die

23vgl. Morus, a.a.O., S. 69


Was ich, so muss ich sagen, ja für eine ziemliche Verletzung einiger
Menschenrechte halte. (Natürlich gab es diese damals zu Zeiten von
Morus noch nicht).
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19

Allgemeinheit überwacht alles und jeden stetig,


zwingt das Individuum zur Arbeit und „ehrbaren“
Vergnügungen und unter sich.
Es ist schon schade, dass ich an diesem
gesamten Punkt nichts positives finden konnte.

VII. Wirtschaft
Die Wirtschaft des sozialistischen Utopias ist
natürlich perfekt. Wie schon erwähnt wird für alle
genug Nahrungsmittel produziert. Ähnlich wie die
Einwohner, werden auch die Waren in allen
Städten gleichmäßig ausgeglichen. Damit wollen
sie erreichen, dass es in keiner Not oder Armut
gibt.
Der Außenhandel ist recht beschränkt. Das meiste
soll es ja auch in Utopia selber geben. Als einziges
Import gibt es deshalb Eisen, welches für
verschiedene Zwecke benötigt wird. Utopia
exportiert dagegen nur etwas, wenn jemand Armes
bedürftig ist. Da es ja auch kaum Importe will und
an Gold nicht interessiert ist, ist dies nur rechtens.
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20

Dafür hortet es aber überflüssige Güter in Massen


für so genannte Notfälle. Dieses betrifft besonders
das Anheuern von Söldnern im Kriege oder
einfach das – Bestechen von Gegnern.
Gold und Silber betrachtet man als absolut unnütz.
Was will man damit auch? Zu kaufen gibt es ja
nichts; im Inland überhaupt nichts, im Ausland nur
selten. So hat man in Utopia gelernt, das Gold,
welches außerdem noch so selten und so nutzlos
ist, zu verachten. Statt Schmuck nützt man sie für
Dinge, anhand derer man negative Assoziationen
mit dem Metall verbindet: für Nachttöpfe, als
Sklavenketten, als Zeichen der Schande sowie als
Kinkerlitzchen für die Kinder. Diesen Punkt, die
Erkenntnis, dass diese Metalle eigentlich für kaum
etwas sinnvoll und zum Großteil auch nicht sehr
schmuckhaft (oder ebenso gut als Kopie
herstellbar) sind, finde ich in Utopia fast noch am
besten.

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21

VIII. Wissenschaft und Philosophie24


Wie erwähnt dürfen nur die Begabtesten die
Laufbahn des Wissenschaftlers einschlagen.25 Die
am intensivsten betriebenen Gebiete in Utopia sind
hierbei die Astronomie (wobei sie die Astrologie als
Unsinn und Aberglaube verachten), Ethik, Musik
und Geometrie. Die Sprache Utopias ist hierbei in
der Region die lingua franca.
Als Lebensglück betrachten die Utopier es, den
Geist frei zu bilden und dass die Seele unsterblich
ist und nach dem Tod für Tugend und ein gutes
Leben belohnt wird. Ein naturgemäßes Leben ist
ihnen ein vernünftiges Leben und als Natur des
Menschen betrachten sie die Solidarität, sich
gegenseitig zu einem Leben voll Fröhlichkeit zu
verhelfen.

24vgl. Morus, a.a.O., S.81.


25Aber wie wird diese Begabung fest gestellt? Z.B. bei schüchternen
Kindern? Können hierbei nicht auch gut Talente untergehen? Aber
vielleicht fördert die Gesellschaft ja auch das Selbstbewusstsein.
Dagegen dürfen Menschen, die ihre Begabung erst spät entwickeln,
die dann auch nutzen.
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22

Dies klingt nun wahrhaftig teils nach Christentum,


teils nach Träumerei.

IX. Vergnügungen
Das meiste, was wir als erstes mit Vergnügen
assoziieren, ist für die Utopier falsches Vergnügen.
Dazu gehören vor allem aber auch Prunk,
Reichtum, Eitelkeit, Glücksspiel und die
barbarische Jagd.
Für sie echte Vergnügungen betrachten sie
dagegen sehr differenziert:
a) seelische: Diese regen den Geist an, dazu
gehört die Findung der Wahrheit und ein untadliger
Lebenswandel, um ein glückliches Leben nach
dem Tod zu erzielen.
b) körperliche: unterteilen sich in die
Vergnügungen der Sinne, welches Lust ist, aber
nur bezogen auf Essen und Musik; sowie in eine
gute Gesundheit.
c) geistige: sind eigentlich streng betrachtet nach
Morus' Schilderung also ein Unterpunkt der
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23

seelischen, denn hierzu gehören Tugend und ein


rechtschaffener Lebenswandel.
Weiterhin soll man der Natur und ihren uns
gegebenen Empfindungen nachgehen, sich nicht
selbst züchtigen, disziplinieren oder fasten. Denn
dies zerstört die oben genannten Vergnügungen.

X. Physiognomie
Dieser Punkt wird nur kurz geschildert. Die Utopier
werden als gewand und kraftvoll beschrieben.
Auch härten sie sich gegen die Unwillen der Natur
ab.26

XI. Sklaven
Ja, die Utopier halten sich Sklaven. Das allein ist
schon diskutierwürdig. Aber nun erstmal zu den
Umständen.

26Wie auch Rousseau es später fordern sollte. Aber dieser meinte


damit sicher nicht, dass man aus lauter Langeweile ganze Wälder
versetzt (vgl. Morus, a.a.O., S. 89.). Das kann weder für den Wald
gut sein, noch für das zugehörige Ökosystem.
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24

In Utopia werden fast nur Verbrecher als Sklaven


gehalten. Die Sklaverei ist immerhin die höchste
Strafe in Utopia und immer noch humaner als die
Todesstrafe. Zu diesen Verbrechern zählen
allerdings unter anderem auch Ehebrecher. Auch
Verbrecher aus dem Ausland, welches dieses
nach Utopia entsandt hat, kommen vor. Schließlich
kauft Utopia sich im Ausland ebenso Sklaven. Eine
letzte Gruppe machen die Freiwilligen aus. Meist
begeben sie sich in die Sklaverei, weil sie in ihrem
Heimatland keine Möglichkeit zum Leben haben.
Diese Art Sklaven wird auch besser behandelt als
die anderen, doch ihre Arbeit ist um so härter, da
sie es sich verdienen müssen. Sie können dafür
aber jederzeit kündigen und bekommen dann
sogar noch ein Abschiedsgeschenk.
Wie sieht nun das Leben eines Sklaven in Utopia
aus? Vermutlich nicht groß anders als anderswo.
Sie werden für Arbeiten eingesetzt, hier natürlich
vor allem solche, die keiner freiwillig tun will und
befinden sich in Fesseln.
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25

XII. Kranke und Tod


Diese werden, wie bereits erwähnt, exzellent
gepflegt. Riese Krankenhäuser stehen bereit,
jeden im Notfall aufzunehmen. Auch werden sie
bei der Nahrungsverteilung bevorzugt behandelt.
Was ist aber nun mit Unheilbaren? Diesen spendet
man Trost, so gut es geht. Erleiden sie nun zu
starke Qualen, so versucht man sie zu überreden,
Selbstmord zu begehen. Dies geschieht dann
freiwillig, aber wie gesagt beeinflusst durch die
anderen. Da es auch als besonders ehrenvoll gilt,
so die Welt zu verlassen, steht es zu vermuten,
dass ein extremer psychischer Druck auf den
Betroffenen lastet. Andererseits ist es sehr stark in
die Kultur eingegangen und vielleicht selbst
verständlich. Jedenfalls, wer sich überreden ließ,
stirbt durch Hungertod oder, wenn er sich das
anders nicht zutraut, durch Euthanasie.27

27vgl. Morus, a.a.O., S. 93f.


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26

Wer dagegen einen unnötigen, einen unsinnigen


Selbstmord begehrt, wird von den Utopiern
verachtet. Es stellt für sie die tiefste Schande da
und diese Personen werden nicht einmal beerdigt,
sondern ins Moor geworfen.28

XIII. Ehe
Wie man schon gemerkt haben dürfte, ist die Ehe
den Utopiern heilig. Die Frau heiratet frühestens
mit 18, der Mann frühestens mit 23. Unehelicher
Sex ist auf Strafe verboten, denn, so sagen die
Utopier, bei Freier Liebe würde niemand mehr
irgend jemanden heiraten.2930
So soll auch jeder, der sich bindet, dies gut
überdenken, „denn in der Ehe muß man sein
ganzes Leben mit nur einer Person zusammen
verbringen und außerdem so manches
28vgl. ebd., S. 94.
29vgl. ebd., S. 94.
30Das dies nicht wirklich förderlich ist, dürfte klar sein. Erstens kann
es sein, dass sich so zwei doch inkompatible Menschen heiraten,
zweitens würden auch bei Freier Liebe sich all die doch heiraten,
die sich wirklich lieben. Und wäre das nicht wesentlich eher
anzustreben?
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27

Beschwernis geduldig mit in Kauf nehmen.“31 Und


um zu wissen, ob einem die andere Person
wirklich und vollständig gefällt – um dies zu wissen
zeigen sich beide Parteien vorher einander nackt.
Um sozusagen nicht die Katze im Sack zu kaufen.
„Denn einerseits sind nicht alle Männer so klug,
nur auf den Charakter zu sehen, andererseits aber
ist auch in den Ehen kluger Männer Schönheit des
Körpers eine nicht unwesentliche Zugabe zu den
Vorzügen des Geistes.“32
Da die Ehe heilig ist und schon so gut darüber
nachgedacht wurde, ist natürlich eine Scheidung
nur an der Peripherie des Denkbaren. Eine
Scheidung findet eigentlich nur statt, wenn einer
der Partner tot ist – oder er Ehebruch beging, was
die Sklaverei nach sich zieht. Manchmal aber
genehmigt es auch der Senat, wenn beide es
unbedingt wollen, nie aber, wenn dadurch ein
Partner im Stich gelassen wird: „Zuweilen jedoch

31Morus, a.a.O, S. 94.


32Ebd., S. 95.
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28

kommt es vor, daß die Ehegatten charakterlich


nicht recht miteinander harmonieren. Wenn dann
beide jemand anders finden mit dem sie
glücklicher zu leben hoffen, so trennen sie sich in
gütlicher Vereinbarung und gehen eine neue Ehe
ein.“33

XIV. Gesetz
In Utopien herrscht das seltsame System der
freien Strafen; sprich: der Richter darf Strafe und
Strafmaß selbst festlegen, was natürlich
voraussetzt, dass nur die weisesten Personen
Richter werden.34 Die Höchststrafe kann aber
grundsätzlich nur die Sklaverei sein. Doch den Tod
kennt man auch, aber nur für widerspenstige
Sklaven.35 Wer jemand zu etwas schlechtem

33Ebd., S. 96.
34Und wann finden wir schon solche? Nur, in Utopien werden wohl
alle gut genug darüber wachen, dass der Richter eine weise Person
ist. Doch sobald das utopische System den Gang aller Systeme hin
zur Verengung seiner Regierung von der Basisdemokratie weg
vornimmt, wird dieser Punkt ein sehr gefährlicher und für totalitäre
Systeme und Diktatoren ausnutzbar; wie so vieles in Utopien.
35Vgl. Morus, a.a.O., S. 96f.
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anstiftet ist ebenso ein Verbrecher, wie der


Verbrecher selbst. Aber als größte Schande gilt
der Spott gegenüber Behinderten und von der
Natur schlechter ausgestatteten.36
Insgesamt gibt es nur sehr wenige Gesetze, wie
man gesehen hat. Ebenso gibt es absolut keine
Anwälte, denn jeder muss sich selbst verteidigen.

XV. Ehrungen
Das Gegenteil der Strafen sind die Ehrungen. Sie
sollen einen Anreiz bieten, es gut zu tun. Wer sich
am meisten verdient gemacht hat, erhält sogar
seine eigenen Denkmäler.37

XVI. Außenpolitik38
Die Außenpolitik wurde teilweise ja schon
angerissen. Z.B. nutzt man Verbrecher aus dem
Ausland als Sklaven, Außenhandel gibt es kaum
und wenn man will, nutzt man fremdes Territorium
36Vgl. ebd., S. 98f.
37Vgl. ebd., S. 98
38Vgl. ebd., S. 99ff.
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als Platz für eigene Kolonien, zur Not mit


Waffengewalt. Nun war dies aber nur der Anfang.
Bei befreundeten Staaten setzt man auch schon
mal die eigenen Leute in deren Ämtern ein, denn
die eigenen können diese Staaten ja viel besser
regieren. Allerdings haben die Utopier
grundsätzlich keine Bündnisse mit ihren Nachbarn,
denn diese sind fast grundsätzlich
Vertragsbrüchige.
Hier bringt Morus noch einen längeren Abschnitt
über Europa da und warum diese hier alle gut
Bündnisse eingehen können, denn diese doch
allesamt äußerst ehrenvoll. Dies strotzt nur so von
Ironie und Sarkasmus, merkt man doch sofort,
dass die in Utopien geschilderten Zustände
Reflexionen der europäischen Zustände sind.
Nun aber zum größten Teil der Außenpolitik,
nämlich dem Krieg.

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XVII. Krieg39
Den Krieg sieht man in Utopia als schrecklich und
blutrünstig an und nutzt ihn nur zum Schutz vor
sich selber, zum Schutz von Freunden und um
fremde Tyrannen zu stürzen. So wird auch mal
Krieg für diese Freunde geführt; wird man aber
betrogen, erfolgt ein Boykott.40 Die größte Schande
des Krieges ist für die Utopier ein blutiger Sieg und
so sorgt List für den höchsten Ruhm. Nun sehen
sie jedoch höchst fragwürdige Dinge als List und
ehrenvoll an.

39Vgl. ebd., S. 102ff.


40Und wieder spielt sich Utopia als das moderne Amerika auf. So
fragt sich auch, warum Utopia für jemanden Krieg führen sollte,
wenn doch alle grundsätzlich vertragsbrüchig und hinterlistig sind.
Um dies herauszufordern, um die „Freunde“ dann selbst angreifen
zu können? Oder wie Amerika den ganzen Krieg nur als Vorwand
um eigene Vorteile zu erzielen?
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Denn die größte Waffe Utopias ist der Terror.41


Dies wird gerechtfertigt mit der Ausrede, dass er
den Krieg erspart und gleichzeitig den Gegner
abschreckt. Die Utopier kennen hier verschiedene
Formen. Angefangen bei Attentaten auf den
anderen Herrscher, über Volksaufhetzung, andere
Anführer umbringen, Bestechungen, Zwietracht
sähen bis hin zu Geiselnahme und Belohnungen
für hohe Ämter des anderen Landes, die bereit
sind, dieses zu verraten.
Beistand für befreundete Länder gibt man lieber in
Form von Gold als Truppen und wenn doch mal
Truppen, dann lieber Söldner als das eigene Volk,
denn die Söldner setzen die Utopier als
Kanonenfutter ein.
Wenn doch mal das Volk benutzt werden muss,
setzt sich das Heer aus Freiwilligen zusammen.
Doch Feiglinge werden bei der Truppe gehalten,
indem man ihre ganze Familie an die Front holt.

41Vgl. Morus, a.a.O., S. 104f. - Das erinnert schon wieder stark an


Amerika.
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Dies wird auch bei normalen Soldaten so


praktiziert, im Glauben, dass diese dann bis zum
Schluss kämpfen, um ihre Familie zu beschützen.
Die Utopier kämpfen so auch unbeugsam bis zum
letzten. Auch hier werden gerne Attentate oder
Kamikazeangriffe auf feindliche Anführer genutzt.
Den Rest setzt man lieber gefangen statt ihn zu
töten. Wenn der Feind mal flieht, lässt man ihn
deshalb auch lieber ziehen, statt ihn aufzureiben.
Die Tugenden der utopischen Kämpfer sind
Disziplin und Vorsicht. So nutzt man auch im
Kampf die List in Form von Hinterhalten. Hat man
eine vorgeschobene Linie erobert, errichtet man
befestigte Lager. Hat man ein Dorf oder eine Stadt
erobert, wird sie nicht geplündert und geschändet.
Die Utopier müssen in ihren Rüstungen zu
schwimmen lernen. Als Waffen setzen die Pfeile,
Pferde, Äxte und Kriegsmaschinen ein. Schwerter
sind kaum bekannt, die Axt wird höher geschätzt.
Nach einem Sieg wird wie gesagt nicht geplündert,
doch jeglicher Widerstand wird sofort getötet. Die
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feindlichen Krieger werden zu Sklaven gemacht,


das Volk darf frei bleiben. Wer von ihnen sogar für
die Utopier war, erhält Belohnungen.

XVIII. Religion42
In religiöser Hinsicht sind die Utopier mehr als
tolerant. In ihrem Staat gibt es etliche Religionen.
Verehrungen von Gestirnen, Menschen, Göttern
und anderem. Nur eines allein ist sämtlichen
Religionen gemein und steht über ihnen, nämlich
der Glaube an ein einziges höheres Wesen über
allem anderen, nämlich Mythras. Die Toleranz
steht an höchster Stelle.
Die Utopier werden als nicht abergläubisch
sondern als höchst rational bezeichnet. Sie sind
gegen Aberglauben und Prophezeiungen, dafür
aber für die Natur und Wunder.
Die Toten werden geehrt, doch nur um qualvoll
gestorbene wird getrauert. Bei glücklich
gestorbenen wird dagegen gefeiert.
42Vgl.ebd., S. 112ff.
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Einige Fatalisten bieten sich als Diener an und


erkaufen sich damit ihr Glück. Doch im
allgemeinen gibt es zwei hauptsächliche Sekten.
Die erste bleibt ledig, abstinent, fromm und lebt
vegetarisch, die zweite ist für Vergnügungen,
Fleisch und die Ehe.
In jeder Stadt gibt es dreizehn Priester. Wenn
Krieg herrscht, ziehen sieben davon mit dem Heer
davon. Die Priester kümmern sich um kultische
Angelegenheiten, ermahnen moralisch abwegige
und schließen Sünder gänzlich vom Kult aus. Sie
lehren die Kinder. Selten einmal werden auch
Frauen Priester. Aber sämtliche Priester werden
hochgeehrt. Selbst das Ausland ehrt die
utopischen Priester. Auch sollen sie beim Kampf
Glück bringen und Frieden schließen. Erkennen
kann man sie als einzige an ihren kunstvollen
Federgewändern.
Die Utopier feiern viele Feste. Jeweils am
Monatsersten und -letzten feiern sie eines und
schließlich ein großes Schlussfeste am Ende des
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Jahres. Bei diesem muss man nüchtern bleiben,


beten und bußen und alle sitzen in einer festen
und strengen Reihenfolge.
Die Tempel sind groß und stets abgedunkelt, da
Licht nur den Geist davon abhält frei zu werden
und meditieren und zu lassen. Sie sind panreligiös
und bieten für jeden etwas: für alle Götter ihre
Kultsymbole und was sonst noch nötig ist. Niemals
aber werden Tieropfer abgehalten. Stattdessen
räuchert man pausenlos. Auch spielen alle hier
Instrumente und beten. Beten um die beste
Staatsform.

XIX. Ende43
Dies war das wichtigste über den Staat Utopien,
„wo es kein Privateigentum gibt, [dort] kümmert
man sich ernstlich nur um das Interesse der
Allgemeinheit.“ In „Utopien, wo alles allen gehört,
ist jeder ohne Zweifel fest davon überzeugt, daß
niemand etwas für seinen Privatbedarf vermissen
43Vgl. ebd., S. 126f.
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wird, sofern nur dafür gesorgt wird, daß die


staatlichen Speicher gefüllt sind. Denn hier werden
die Güter reichlich verteilt, und es gibt keine Arme
und keine Bettler, und obgleich niemand etwas
besitzt, sind doch alle reich.“44
Und an dieser Stelle führt Morus auch seine
eigene Kritik an der herrschenden Gesellschaft in
Europa aus: „Oder ist das etwa Gerechtigkeit,
wenn jeder beliebige Edelmann oder Goldschmied
oder Wucherer [...], die entweder überhaupt nichts
tun, oder deren Tätigkeit [...] nicht dringend
notwendig ist, ein prächtiges [...] Leben führen darf
auf Grund eines Verdienstes, den ihn sein
Nichtstun oder seine überflüssige Tätigkeit
einbringt, während zu gleicher Zeit der Tagelöhner,
der Fuhrmann, der Schmied und der Bauer mit
seiner harten und ununterbrochenen Arbeit, wie
sie kaum ein Zugtier aushalten würde, die aber so
unentbehrlich ist, daß ohne sie kein Gemeinwesen
auch nicht ein Jahr bloß auskommen könnte, [...]
44Ebd., S. 126.
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ein so elendes Leben führt, daß einem die Lage


des Zugochsen weit besser vorkommen könnte,
weil sie nicht so dauernd arbeiten müssen, weil
ihre Nahrung nicht viel schlechter ist und ihnen
sogar besser schmeckt und weil sie bei alledem
wegen der Zukunft keine Angst zu haben
brauchen.“45
„Ist das nicht eine ungerechte [...] Gesellschaft, die
[den] Leuten dieser Art, die weiter nichts als [...]
Schmarotzer sind [...], in so verschwenderischer
Weise ihre Gunst bezeugt, die dagegen für die
Bauern, Köhler, Tagelöhner, Fuhrleute und
Schmiede, ohne die überhaupt kein Staat
bestehen könnte, in keinerlei Weise sorgt?“46 „Was
soll man gar noch dazu sagen, daß die Reichen
Tag für Tag von allem täglichen Verdienst der
Armen nicht nur durch privaten Betrug, sondern
sogar auf Grund staatlicher Gesetzte etwas
abzwacken?“47
45Ebd., S. 127.
46Ebd., S. 127f.
47Ebd., S. 128.
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Und so kommt Morus zu seiner Konklusion: „Wer


weiß nämlich nicht, daß Betrug, Diebstahl, [...] mit
der Beseitigung des Geldes absterben müssen
und daß außerdem Furcht, Unruhe, Sorge,
Anstrengungen [...] wie das Geld verschwinden
werden?“48
Doch dies waren nur die Worte, die er Raphael in
den Mund legte. Sein eigenes erzählerisches Ich
schließt das Buch mit dem großen Zweifel an der
Wahrheit und Durchsetzungsmöglichkeit von
Raphaels Geschichte.

Eine Utopie?

Nun, dies war also der „beste Staat“. Erschien dies


wie eine Utopie? Ja, die letzten Sätze des Raphael
klingen einleuchtend und werden jeden Sozialisten
zur Zustimmung bringen. Niemand der leiden
muss, niemand der zu viel arbeiten muss und
48Ebd., S. 129.
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40

niemand, der sich auf der Arbeit anderer ausruhen


kann. Auch ist Utopia erfreulich tolerant in den
meisten Belangen.
Doch dies wird schwer erkauft. Das hierarchisch
patriarchalische Herrschaftssystem, welches um
Freude, Sicherheit und Gleichheit im Staate
schafft, in dem es alle Menschen gleich macht und
Individualismus ausschaltet – das klingt wie aus
fast allen dystopischen Romanen der letzten
Jahrzehnte geklaut.
Eine Utopie soll nach der heutigen Auffassung ein
wünschenswerter Zustand sein, ein besserer
Zustand. Doch vieles des in Utopia geschilderten
gab es mittlerweile wirklich, doch wurde
hemmungslos ausgenutzt. Auch kann dieses
Utopia für viele nicht wirklich erstrebenswert sein,
vor allem für Frauen, Individualisten,
freiheitsliebende Menschen und Menschen, die
sich schlecht Autoritäten oder gesellschaftlichen
Zwängen unterordnen können.

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41

Sicherlich aber ist die Utopia noch ein geringeres


Übel als so manch anderes System, trotz seiner
Gefahren. Doch auch in Utopia gibt es noch viel zu
stürzen und zu revolutionieren. Die Utopia ist
demnach keine Utopie im modernen Sinne, auch
wenn sie der Urvater von ihnen ist. Denn auch in
Dystopien können die Menschen in diesen System
glücklich erscheinen, doch erstrebenswert ist es
aus verschiedenen Gründen nicht. Die Gründe von
Utopia haben wir hier ja gesehen. So wurde Utopia
als Begründer der Utopien zu seiner eigenen
Nemesis, der Dystopie.

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42

Das Ende

Wie wir sahen, sahen wir doch nicht den besten


Staat, sondern nur seine Karikatur. Der beste
Staat ist weiterhin zu finden, doch nützt es nicht
nur, dafür zu beten, wie es die Utopier doch tun.
Der Zwang, die Gleichschaltung, das Fehlen von
Freiheiten, die Sklaverei, die fragwürdige
Kriegsführung, die Behandlung von Frauen und die
strenge Herrschaft, dies alles negiert solche
Errungenschaften wie Toleranz, Gemeineigentum,
Gleichheit vor dem Gesetz und Abschaffung des
Geldes. Auch wenn diese Punkte ein erster Schritt
zur Besserung wären.
Und so wurde bewiesen, was zu beweisen war,
dass nämlich die Utopia keine Utopie ist.

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