Sie sind auf Seite 1von 5
Landratsamt Starnberg int Staraberg + Postfach 1460 + 82917 Sternberg Mo, Ou Do. 730-1800, Mi. 730-1400 Gemeinde Seeteld fr 130-Wodeinen Termin verebaen ft i Po eee a ateeat Ansqrechoarer Herr Avert Wolfram Gum Zinmer-Ne, 289 ‘Am Technologiepark 16 ae 82229 Seetehd Tels 200 halgralberzart@te-starmberde thre Zeehen/ hve Nachricht vor Bein der Antartangeben Stamerg ——oaaea0ir 2 Biirgerbegehren Klinik Seefeld Priifung der Zulassigkeit Sehr geehrter Herr Gum, mit Schreiben vom 24.07.2017 baten Sie uns um rechtsaufsichtliche Priifung der Zulassigkeitsvo- raussetzungen des Birgerbegehrens ,Aubachtal”. Hierzu nehmen wir wie folgt Stellung Gem&G Art 18a Abs. 1 der Gemeindeordnung fir den Freistaat Bayern (GO) konnen die Gemeinde- biirger ber Angelegenheiten des eigenen Wirkungskreises bei der Gemeinde einen Birgorent. scheid beantragen (Buirgerbegehren). Das Buirgerbegehren muss nach Art. 18a Abs. 4 Satz 1 GO bei der Gemeinde eingereicht werden und eine mit Ja oder Nein zu entscheidende Fragestellung und eine Begriindung enthalten. Ein Biirgerbegehren muss in Gemeinden mit bis zu 10,000 Einwoh- nern (wie vorliagend die Gemeinde Seefeld) von mindestens 10 % der Gemeindebiirger unter- schrieben sein (Art. 18a Abs. 6 GO). Uber die Zulassigkeit des Buirgerbegehrens entscheidet nach Art, 18a Abs. 8 GO der Gemeinderat. Unabhiingig vom Vorliegen der weiteren formellen Voraussetzungen wie Mindestanzahl an Unter- schriften, bestehen gegen das eingereichte Biirgerbegehren rechtliche Bedenken. Dies ergibt sich im Einzelnen aus Folgendem: 1. Fragestellung Gem. Art. 18a Abs. 4 G0 muss das Birgerbegehren eine mit Ja oder Nein zu beantwortende Fragestellung und eine Begriindung enthalten. Vorliegend otietuned hesianies lautet das Bilrgerbegehren wie folgt: Teafon OF 480 Tela ont8 148.290 infoOLRA stamborade voenandbresstorberade ‘rosspakasse Munchen StrbgEbe=9 BAN: DEST 7250800900504) bic: BYLADENIAMS i Bak tang -Hersehg-Landsbeg 66 "BAN. E7700 un 0 96005 0: GeNoDEFIsTH 5: Someta ates «leh bin dafir, dass 1. das Landschaftsschutegebiet im Gemeindebereich Seefeld in seiner jetzigen Form und GrdBe erhalten bleibt, 2. die Gemeinde alles Notwendige unternimmt, um die Herausnahme aus dem Griinzug zu stoppen, den Antrag zurlickzunehmen und, im Falle einer bereits erfolgten Herausnahme, die Fléche wieder einzubringen.” Hierbei handelt es sich nicht um eine Fragestellung; insofern fehit es bereits an einem fir eine Frage typischen Satzzeichen (Fragezeichen]. Dies widerspricht dem ausdriicklichen Wortlaut des Art. 18a Abs. 4 GO, wonach eine Fragestellung erforderlich ist. Fraglich ist, welche Konse quenzen hieraus folgen. Die Formulierung kénnte einerseits eher auf eine unzuléssige Mei- nungsabfrage hindeuten. Der Birgerentscheid ist allerdings kein Instrument zur Abhaltung un- verbindlicher Meinungsumfragen (vgl. HBlel/Hien/Huber, Art: 18a GO, Erl 4 sowie Zéllner BayVBl. 2013, 129 ff/132), Andererseits ist in Rechtsprechung und Literatur anerkannt, dass an die Formulierung der ,.Frage” eines Burgerbegehrens keine Ubertriebenen Anforderungen ge- stellt werden dirfen, da bei den Burgern keine besonderen verwaltungsrechtlichen Kennt- nisse vorausgesetzt werden kénnen (vgl. Thum, Burgerbegehren und Birgerentscheid in Bay- ern, Art. 18 @ Abs. 4 GO, Rn. 7 c} mit weiteren Nachweisen). Bei der Auslegung der Fragestel- lung halt die Rechtsprechung eine wohlwollende Tendeng fir gerechtfertigt, weil das Rechts- institut des Buirgerbegehrens fir die Birger handhabbar sein soll (vgl. BayVGH, Urtel v. 19.02.1997, 4 B 96.2928, BayVBI, 1997, 276 <277>; Urtelv. 21.03.2012, 4B 11.221, juris, Rn. 21) Sind Rechtsprechung und Literatur bereits beziglich der inhaltlichen Formulierung groBzigig, kKinnte dies ggf. auch bei der Form gelten. Die gewaihite Formulierung kénnte ggf. im Wege der Auslegung als Fragestellung auszulegen sein und somit zumindest den formalen Vorausset- zungen entsprechen. Diese Frage kann jedoch letztlich offen bleiben Hinreichende Bestimmtheit Die Zulassung eines Biirgerbegehrens gemaf Art. 18 a Abs. 4 GO setzt voraus, dass die mit ihm unterbreitete Fragestellung hinreichend bestimmt ist. Das Bestimmtheitserfordernis ver- fangt, dass erkennbar ist, welchen Inhalt die spatere, durch den Burgerentscheid herbeizufih- rende Entscheidung haben wird. Dazu ist es zwar nicht erforderlich, dass die Fragestellung so konkretist, dass es zur Umsetzung eines Burgerentscheids nur noch des (schlichten) Vollzugs des Burgermeisters bedarf. Durch einen Burgerentscheid kOnnen durchaus auch Grundsatz- entscheidungen getroffen werden, die der weiteren Ausgestaltung bediirfen. Allerdings muss die Fragestellung so bestimmt sein, dass die Birger erkennen kénnen, fir oder gegen was sie ive Stimme abgeben. Es muss mit anderen Worten erkennbar sein, welchen Inhalt die spi- tere, durch den Biirgerentscheid herbeizufihrende Entscheidung haben wird, denn nur dann ist sie hinreichend direktdemokratisch legitimiert. Da der mit einem Biirgerbegehren herbeige- filhrte Biirgerentscheid nach Art, 18a Abs.4 GO dieselben Wirkungen wie ein Gemeinderatsbe- schluss hat, muss die zu entscheidende Fragestellung - nur, aber auch - so konkret sein, wie ein Gemeinderatsbeschluss selbst (HézV/Hien/Huber, BayGO, Art. 18a Rdnr. 5; vg. hierzu VGH, NVwZ-RR 2006, 209, beck-online} Vor diesem Hintergrund erweist sich die Formulierung des Birgerbegehrens auch n Zitfer 2 gerade noch als bestimmt genug. Zwar bestiinden an der Formulierung .die Gemeinde soll al- les Notwendige unternehmen, um die Herausnahme aus dem Griinzug zu stoppen”, fir sich alleine betrachtet, erhebliche Bedenken an dem Bestimmtheitsgebot. Mit der Konkretisierung, .den Antrag zuriickzunehmen und im Falle einer bereits erfolgten Herausnahme, die Fliche wieder einzubringen”, entspricht die Formulierung insgesamt betrachtet noch den oben ge- nannten Grundsatzen, da deutlich wird, was die Gemeinde tun muss, Eigener Wirkungskreis, Voraussetzung fiir die Zulassigkeit des Birgerbegehrens ist, dass sich das Begehren auf eine Angelegenheit des eigenen Wirkungskreises bezieht ( Art, 18 a Abs. 1 GO), Das ist nach unse- rer Auffassung vorliegend der Fall. Das Birgerbegehren hat zum Inhalt, dass die Gemeinde Seefeld das Landschaftsschutzgebiet im Gemeindebereich Seefeld in seiner jetzigen Form und Grée erhalten bleibt Gema@ Art. 61 Bayerisches Naturschutzgesatz (BayNatSchG) is fir die Erhattung von Landschaftsschutzge: bieten die untere Naturschutzbehérde (hier Landratsamt Starnberg) 2ustandig, Durch diese Regolung ist der Bestand eines Landschaftsschutzgebietes eine allein dem Landratsamt vor- behaltene staatliche Angelegenheit und damit jeder kommunalen Einflussnehme entzogen (vgl. hierzu Zéiner, BayVBL 2013, 129 ft/131). Gleichwohl betrifft die Herausnahme des Landschaftsschutzgebiets, mit dem Ziel die Fléche ‘gf. fir einen Neubau der Klinik Seefeld zur Vertigung zu stellen, nach unserer Auffassung den eigenen Wirkungskreis der Gemeinde Seefeld. Der Begriff der Angelegenheiten bw. Auf- gaben des eigenen Wirkungskreises in Art. 18 a Abs. 1 und Art. 57 GO sowie Art. 83 BVist der- selbe wie der der Angelegenheiten der drtlichen Gemeinschaftin Art. 28 GG. Angalegenheiten der drtichen Gemeinschaft sind diojenigen Bediirinisse und Interessen, die in der értlichen Gemeinschaft wurzein oder auf sia einen spezifischen Bezug haben, die also den Gemeinde einwohnern gerade als solche gemeinsam sind, indem sie das Zusammenleben und -wohnen dor Menschen in der Gemeinde betretfen, Das kann auch bei Ma&nahmen der Fall sein, die nicht von der Gemeinde ausgehen, sofern sie nur ‘tatsichliche Auswirkungen gewichtiger Art” auf die gemeindlichen Aufgaben haben. Die Herausnahme einer Fléche aus dem Landschatts- ‘schutzgebiet mit dem genannten Ziel, hat fir die Gemeinde Seefeld tatsachliche (und rechti- che) Auswirkungen von erheblichem Gewicht. Die voriegende Angelegenheit hat nicht 2uletzt auch Auswirkungan auf die Planungshoheit der Gemeinde (vgl. BayVGH Urteil vom 18,2.1997 - 4B 96.2828, BeckRS 1997, 20769) Vor diesem Hintergrund ist nach unserer Ansicht vorliegend auch der eigene Wirkungskreis der Gemeinde betroffen, Begriindung Ein 2ulassiges BUrgerbegehren muss nach Art. 18a Abs. 4 Satz 1 GO eine (auf allon Unter- schrifslisten gleichlautende) Begriindung enthalten. Mit diesem Erfordernis soll sichergestellt werden, dass die Gemeindeblirger, wenn sie von den Initiatoren des Biirgerbegehrens zur Un terschriftsleistung aufgefordert werden, schon in der ersten Phase des direktdemokratischen Verfahrens die Bedeutung und Tragweite der mit Ja oder Nain zu entscheidenden Fragestel- lung erkennen kénnen (vgl. zum Volksgesetegebungsverfahren VerfGH, Ev. 13.04.2000~ VE. 4- XI-00 VGH n. F 53, 81/105). Da bereits mit der Unterzaichnung eines Burgerbegehrens das Recht auf Teilhabe an der Staetsgewalt in Gestalt der Abstimmungsfreineit (Art. 7 Abs. 2, Ar. 12 Abs. 3 BV) ausgelibt wird, ergeben sich auch Mindestanforderungen an die Richtigkeit der Begriindung. Die Birger kéinnen nur dann sachgerecht Uber die Unterstitzung eines Birger- begehrens entscheiden und von ihrem Eintragungsrecht Gebrauch machen, wenn sie nicht durch den mit den Unterschriftslisten vorgelegten Begriindungstext in wesentlichen Punkten in die Irre gefihrt werden. Es ist daher mit dem Sinn und Zweck eines Plebiszits auch auf kom- munaler Ebene nicht vereinbar, wenn in der Begrindung des Birgerbegehrens in einer ent- scheidungsrelevanten Weise unzutreffende Tatsachen behauptet werden oder wenn die ma8- gebende Rechtslage unzutreffend bew. unvollstindig erldutert wird (vgl. VerfGH, a. 2.0. 106, vgl. auch VGH v. 04.07.2016 - 4 BV 16.108) Nach der Rechtsprechung ist ein Buirgerbegahren jedenfalls dann unzuléssig, wenn die Be grundung dem Biirger ein unzutreffendes oder unvollstéindiges Bild von dem maBgeblichen Sachverhalt und seiner rechtlichen Beurteilung vermittelt. Zwar sei es wohl geradezu unver- ‘meidlich und somit grunds&tzlich hinzunehmen, dass Tatsachenmitteilungen im Sinne des poli- tischen Anliegens des Blrgerbegehrens , gefarbt” sein mdgen. Es sei auch vorrangig Sache der abstimmungsberechtigten Birger, sich selbst ein eigenes Urteil dartber zu bilden, ob sie den vorgelegten Argumenten folgen wollen. Voraussetaung dafur sei jadoch, dass die der Fra- gestellung des Burgerbegehrens beigefigte Begriindung nicht in wesentlichen Punkten falsch oder unvollstandig ist (VG Ansbach, Urt. V. 06.07.2008, Az.: AN 4 K 06,0437, RdNr. 48 ff; VG Stuttgart, Urt. V. 17.07.2009, Az.:7 K 3229/08 RdNr. 120 ff).Die Entscheidung der Stimmberech- tigten, ob sie ein Birgerbegehren unterstitzen als auch bel der Abstimmung dber den Biirger- entscheid selbst, kann nur dann sachgerecht ausfallen, wenn die Abstimmenden den Inhalt des Biirgerbegehrens verstehen, seine Auswirkungen iberblicken und die wesentlichen Vor- und Nachteile abschatzen kénnen (vgl. Thur, Art 18a Abs. 4 GO, Zffer 13.04) Gemessen an diesen Vorgaben ist es jedenfalls zweifelhaft, ob die vorgelegte Begriindung diesen Grundsétzen entspricht. Nach unserer Ansicht ist es jedenfalls nicht ausgeschlossen, dass die Begrlindung in wesentlichen Teilen geeignet ist, ein unzutreffendes bzw. unvollstan- iges Bild dam Birger vora maRgeblichen Sachverhalt bew. seiner rechtlichen Beurteilung zu vermitteln, Die Ausfihrungen der Gemeinde Seefeld sind insofern Uberzeugend und nachvoll ziehbar, Insbesondere der Umstand, dass die in der Skizze auf der Vorderseite rot markierte Flache doppelt so gro® dargestellt ist als die tatsachlich in Rede stehende Flache und somit von der Wahrheit erheblich abweicht, ist geeignet, dass der BUrger ein unrichtiges Bild ver- mittelt bekommt und in die Irre gefilrt wird. Offensichtlich unrichtig ist auch die Tatsachenbe- hhauptung, dass es sich bei der Fléche um ein ,regionales und berdrtliches Biotopsystem" handelt, Tatsichlich ist die streitige Fliche im offzellen Biotopkataster nicht als Biotop aus- gefiirt Beztiglich der weiteren Ausfihrungen kénnen wir umf&nglich auf die Stellungnahme der Gemeinde Seefeld Bezug nehmen, Ergebnis: Nach Auffassung der Kommunalaufsicht ist das Burgerbegehren nicht zuldssig und dar Bir- gerentscheid nicht zuzulassen, Auch wenn die Formuliorung des Burgerbegehrens noch bei Wohiwollender Auslegung als erforderliche sowie hinreichend bestimmte Fragostellung im Sinne des Art. 18 Abs. 4 GO ausgelegt werden konnte, weist jedenfalls die Begriindung erhab- liche Mangel auf, Diese ist insbesondere geeignet die Birger durch unrichtige und insofern auch entscheidungserhebliche Tatsachen in die Ire 2u fuhren. Mit freundlichen Gren

Das könnte Ihnen auch gefallen