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Referat David Lynch, Zitat und Postmoderne

1. die Ursprungsidee war, vor dem Hintergrund des postmodernen Postulats von
Lyotard, dem „Ende der großen Erzählungen“ die Strategie von Literatur und
Film anhand einiger Beispiele abzuwägen.
2.
- die Frage wäre gewesen: Wie lässt sich heute überhaupt noch erzählen, ohne sich
zu wiederholen, bzw. in der Beliebigkeit des anything goes abzudriften und nur
noch das wie und nicht mehr das was als künstlerische Betätigung zu sehen.
- Bei der Lektüre der Diskursgeschichte der Postmoderne, also die
Begriffsbildung, den Mehrwert einer solchen Debatte (Lyotard, Fiedler, Sonntag,
Eco, Bordwell etc.)
- die Büchse der Pandora einer recht diffusen und ausufernden Debatte der
Beliebigkeit geöffnet. Zum einen brachte sie zum einen nur Schrecken hervor,
zum anderen wurde zum Glück noch die Hoffnung von Pandora aus der Büchse
gelassen. Die Parallele zum christlichen Sündenfall wird seither als Urgewalt, das
Verführerische und Grauenvolle symbolisiert. Dieses Frauenbild manifestiert
sich in der Femme Fatale der Film Noir´s.
- Erwähne das deswegen, weil David Lynchs Lost Highway kinoimmanent eine
große Ähnlichkeit zu dem Film „Kiss me deadly“ 1955 von Robert Aldrich hat.
Lynch zitiert einige Schauplätze, Figuren und ästhetische Topoi explizit dieses
Films und des gesamten Genres.
- Wollte nicht eine Großtheorie nehmen, ein möglichst prägnantes Beispiel
wählen, die Gegenbeispiele ignorieren und etwas behaupten, wie es gerne
postmoderne Praxis ist. Bspw. Blade Runner mußte immer herhalten, um die
Postmoderne im Kino nachzuweisen.
- Denke dennoch, dass einige Aspekte zum Verständnis der Erzählstrategie von D.
Lynch, sozusagen eine Möglichkeit des Erzählens ohne festen Boden und jenseits
der großen Erzählung möglich ist, hilfreich sind. Und dies ist einfacher, im
filmischen Raum, als Vergleiche aus der Literatur heranzuziehen, die ähnlich
verfahren. Ich will einfach in Lynchville bleiben.
- Das Referat gliedert sich also
1. in eine knappe Darstellung der postmodernen Argumentationsschemas
2. Lynch/Aldrich Filmchen 10min
3. ich würde kurz darüber reden, dann diskussion
4. abschließend Maya Deren Meshes of the afternoon bevor es ins Kino zu
Inland Empire geht.

Postmoderne:

Um doch ein wenig Literatur einzubringen ein Zitat von Gottfried Benn (50.
Todesjubiläum von Nietzsche im Nordwestdeutschen Rundfunk 1959)

„ Nietzsche, sehen wir heute, inaugurierte (heißt initieren) den „vierten Menschen“, von
dem man jetzt so viel spricht, den Menschen mit dem „Verlust der Mitte“, die man
romantisch wieder zu erwecken sucht. Der Mensch ohne moralischen und
philosophischen Inhalt, der die Form- und Ausdrucksprinzipien lebt. Es ist ein Irrtum,
anzunehmen, der Mensch habe noch einen Inhalt oder müsse einen haben. Der Mensch
hat Nahrungssorgen, Familiensorgen, Fortkommenssorgen, Ehrgeiz, Neurosen, aber das
ist kein Inhalt im metaphysischen Sinne mehr. Das ist nicht mehr der Animismus der
frühen Stufen, der in magischer Verbundenheit, mit der Natur und ihren bildenden
Kräften im Menschen selber noch Kräfte und Verwandlungen bewog. Dieser
beschwörende Mensch ist nicht mehr da. Es ist überhaupt kein Mensch mehr da, nur noch
seine Symptome.

Die Diagnose dessen, was als postmoderne Zustandsbeschreibung in Abgrenzung von der
Moderne zusammengefasst wurde sieht ungefähr so aus:

- Lyotard sah es selbst so: Die Postmoderne ist keine neue Epoche, sondern das
Redigieren einiger Charakterzüge, die die Moderne für sich in Anspruch
genommen hat, vor allem aber ihrer Anmaßung, ihre Legitimation auf das Projekt
zu gründen, die ganze Menschheit durch die Wissenschaft und Technik zu
emanzipieren. Doch dieses Redigieren ist schon seit langem in der Moderne
selbst am Werk.
- Weitere Zuschreibungen:
- die Neuzeit ist sozusagen ein riesiges Museum zeichenhafter Hervorbringungen,
universeller Kommunikation, Herstellung von Beziehungen zwischen allem und
jedem. Diese sind nicht nur möglich, sondern gewünscht, um Aha Ergebnisse zu
erzielen.
- Vorraussetzung hierfür ist sozusagen der Individualismus und Historismus seit
dem 18. Jhdt. (Rückgriff auf andere Stilepochen und deren Nachahmung)
- Selbstbewußtsein des Künstlers von Nietzsche über Baudelaire zu Flaubert als
symbolische Leitfiguren des modernen Individualismus. Der Glaube man könne
gesellschafts, kulturkritisch etwas feststellen über die Gegenwart und eine
Wahrheit hierüber produzieren.
- Die Folgen der Erkenntnis, dass der Widerstand gegen die Konventionen und
Stereotypen mit den Mitteln ästhetischer Verfremdung oder Reduktion an
objektive Grenzen stößt, die nicht mehr überschritten werden können.
- Wahrhaftigkeit aus dem Geist der Offenbarung von Überzeugungen, denen
Wahrheit zugesprochen wird nicht mehr haltbar.
- Paul Klee sozusagen das Ethos der Moderne: „Kunst gibt nicht das Sichtbare
wieder, sondern macht sichtbar.“
- Postmoderne also eine Zustandsbeschreibung, wenn die Grundlegeneden
Bewegründe des Modernismus, also des Innovationsglaubes vor seine inneren
Widersprüche geführt wird.
- Ein Zustand, mit Lyotard der nach dem Zusammenbruch der großen Lehren, der
Sozialideologien, der Wissensvorstellungen des 18. und 19 Jhdts. Situiert ist.
- Die Welt wird nicht auf ein Fortschrittsziel hin betrachtet, sondern pluralistisch,
zufällig, chaotisch.
- Die menschliche Identität gilt als instabil und durch disparate kulturelle Faktoren
geprägt.
- Das Subjekt ist nicht mehr autonom
- Absage an die Vernunft und Zweckrationalität
- Menschliche Affekte und Emotion wandern in den Vordergrund
- Die Sprache ist als Mittel der Beschreibung unzureichend
- Universelle Wahrheitsansprüche sind verloren gegangen
- Traditionelle Bindungen, Solidarität und Gemeinschaftsgefühl im Wandel
- Ausdifferenzierung aller Bereiche und Segmentisierung in Fragmente
- Verwandtschaft zum Eklektizismus (Antike, Verbindung untershciedlicher
Denkrichtungen Cicero)
- Merkmale der Postmoderne in der künstlerischen Praxis:
- Popularität, Trivialisierung, Border Crossing (E/U wird miteinander gekreuzt)
- Innovation durch Wiederholung und Verfremdung des kulturellen Materials, der
Schichtung von allem
- Kein linearer Zeitpfeil mehr, Ende der Teleologien
- Genremischung, Mehrfachcodierung, der Autor verfügt über nicht mehr
Interpretationswissen als der Leser
-

Was hilft uns nun all das wenn man eine filmische Strategie verstehen will? Lassen wir
die Postmoderne ruhen und schauen uns einfach den Hintergrund an, vor dessen Kulisse
die Filme von Lynch spielen, vergessen aber nicht die Zustandsbeschreibungen einer
Epoche, wie auch immer sie heißt. Von Blue Velvet über Lost Highway hin zu
Mullholland Drive sind es Aspekte und Fragmente der Erzählstrategien von Film Noirs
und deren Tranformation (Sampling) Alte Fragen nach Identität werden im kulturellen
Museum behandelt. Fred Madison ist wie Henry Spencer ein naiver Charakter. Eher eine
Zustandsbeschreibung als eine wahrhaftige und glaubhafte Figur. Die Naivität wird mit
dem Bösen konfrontiert und findet keinen Ausweg.

Film zeigen:

Elemente des Noirfilms:


Existenziell verbitterte Charaktere,
Antihelden Urbane Schauplätze, Labyrinth der Großstädte, die Frontier wurde in die
Stadt verlegt, der Moderne Mensch ist in der Zivilisation und vor allem in dessen
Verfallserscheinungen angekommen. Flashbacks, Flashforwards Voice-Over als neue
Erzähltechniken

Ein Fall, dunkle Verstrickungen in jede Richtung, die Verführung und der Fall des
Protagonisten im Zentrum aus dem er mit Hilfe anderer eine Lösung findet---> klassische
Hollywood Erzählstrategie

- der Protagonist bei Lynch erlangt keinerlei Erkenntis mehr. Die Ereignisse sind
undurchsichtiger als zu Beginn der filmischen Handlung. Die Protagonisten
werden zu Detektiven ihrer eigenen Geschichten, deren Zusammensetzen ihnen
misslingt. Sie können noch nicht mal sich selbst trauen.
- Hermetik durch Verrätselung der linearen Abläufe der Geschichte
- Transponierung von Konnotation vormals inhaltlicher Elemente der Geschichte
in die Visualität (Bsp. Der elektrische Stuhl, Synaptisches Gewitter auf der Reise
in den Tod.
- Lynchs Filme wirken wie nachträgliche Voice Overs, Nacherzählungen einer
nicht rational zu erschließenden, drängenden Welt
- Dies alles im Mix mit Lynchville:
- Das Gewohnte als Ort der Angst (bürgerliche Welt in die das Böse eingreift)
- höchste Erfüllung ist nur vor dem Hintergrund größtem Schreckens möglich,
sobald man diesen Augenblick festhalten möchte entschwindet er und man
befindet sich wieder im Labyrinth
- Die Frau als gefährliches und verführendes Element, die der Mann nur noch mit
Gewalt besitzen kann
- Ein mystisches System (in Twin Peaks aufgebaut) aus:
- Wartesaal (mit Engel und Dämonen die beide Welten ihr zu Hause nennen (man
from another place, mystery man, cowboy) Todesengel
- Vorhang als Übertrittsmarkierung
- amerikanische Kulturgüter und Mythen

---> diese Kombination ist in Lost Highway und Mullholland Drive noch decodierbar,
wenn man sich darauf einlässt, die Verweise sind in Inland Empire so verfremdet, das es
schwieriger wird. Somit ist er mit diesem Film am nächsten dran, was er möchte: Über
Rätselhaftigkeit eine wirkungsästhetische Erfahrung zu bieten, die ein Lebensgefühl
beschreibt. Ein Lebensgefühl des Tappens im Dunkeln, weil man die Dinge um einen
nicht mehr adäquat beschreiben kann, lediglich fühlen. Psychological melodrama ist eine
Beschreibung für den Film Noir. Indem David Lynch die Themen dieses Genres
weitertreibt gelingt ihm eine Erfahrung im Filmraum, dem Ersatz für die Träume von
Hoffmansthal setzt er ambivalente Filmträume entgegen, nicht als Illusion einer anderen
Welt, sondern eine andere innere Welt, die über die filmischen Mittel zur erfahrbaren
Kinowelt wird. Die Frontier des Westerns, das Grenzland zwischen Nacht und Tagwelt
der Filmnoirs verlegt er ins Innere seiner Protagonisten. In seinen Filmen gelingt es ihm
über das subjektive über existenzielle Ängste eine universelle Athmosphäre zu Schaffen,
die sehr viel über die Symptome des Menschen erzählt, und manchmal eine Ahnung
gebend, was Erlösung sein könnte, um gleich wieder ins Unbekannte zu verschwinden.
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