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Kronberg-Gymnasium Kollegstufenjahrgang 2008/10

Aschaffenburg

Facharbeit
aus dem Fach
Mathematik

Thema:

Die Taylorreihe: Herleitung und Anwendugen

Verfasser: Daniel Benjamin Felix Otto Thiem

Leistungskurs: Mathematik

Kursleiter: StD H.J. Pauly

Abgabetermin: 29. Jan. 2010

Erzielte Punkte: _____________


(einfache Wertung)

Erzielte Punkte in der


mündlichen Prüfung: _____________

Abgabe bei der Kollegstufenbetreuerin am: ______________________________

_______________________________________________
Unterschrift des Kursleiters
-2-

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ...................................................................................................................... 3

1.1. Zur Geschichte der Taylorreihe .............................................................................. 3

2. Mathematische Grundlagen .......................................................................................... 4

2.1. Reihen und ihre Konvergenz .................................................................................. 4

3. Die Herleitung der Taylorreihe ..................................................................................... 4

3.1. Die Herleitung anhand der 𝒆𝒆𝒙𝒙 -Funktion ................................................................. 4

3.2. Verallgemeinerung ................................................................................................. 7

3.3. Das Restglied .......................................................................................................... 8

3.3.1. Das Restglied in Lagrange‘scher Form ........................................................... 9

3.3.2. Das Restglied in Integralform ........................................................................ 10

4. Annäherung an verschiedene Funktionen durch die Taylorreihe ............................... 12

4.1. Annäherung an die Sinus-Funktion ...................................................................... 12

4.1.1. Die MacLaurin‘sche Reihe ............................................................................ 14


𝟏𝟏+𝒙𝒙
4.2. Annäherung an die 𝒍𝒍𝒍𝒍(𝟏𝟏−𝒙𝒙)-Funktion .................................................................. 15

𝟏𝟏
4.3. Annäherung an die 𝟏𝟏−𝒙𝒙-Funktion ......................................................................... 17

5. Anwendungen ............................................................................................................. 20

5.1. Die Kleinwinkelnäherung..................................................................................... 20

5.2. Anwendungen in der Physik mit Beispiel ............................................................ 20

6. Schluss ........................................................................................................................ 22

7. Anhang ........................................................................................................................ 23

7.1. Literatur und Quellen ........................................................................................... 23

7.2. Hilfsmittel ............................................................................................................. 24


-3-

1. Einleitung
Bevor Taschenrechner entwickelt wurden, war das Rechnen mit Winkelfunktionen, Lo-
garithmen und Exponentialfunktionen nur durch Nachschlagen in Tabellenbüchern und
Interpolation möglich. Dies führte dazu, dass solche Rechnungen sehr aufwendig und
teilweise ungenau waren. Durch die Erfindung der Taschenrechner konnten solche Wer-
te genauer und um einiges schneller bestimmt werden. Erreicht wurde das durch Reihen,
die sich an die oben genannten Funktionen annähern und diese sehr genau approximie-
ren können. Diese Reihen, die inzwischen fest in die Chips der Taschenrechner inte-
griert sind, leiten sich aus der Taylorreihe ab. 1

1.1. Zur Geschichte der Taylorreihe


Schon der griechische Philosoph Zenon von Elea versuchte unendliche Reihen auf eine
endliche Summe zu lösen, stieß dabei aber auf ein Paradoxon. Erst durch einen philoso-
phischen Lösungsansatz von Aristoteles und später eine mathematische Lösung mittels
der Exhaustionsmethode von Archimedes wurde in einer Reihe ein endliches Ergebnis
erreicht.

Im 14. Jahrhundert fand der indische Mathematiker Madhava von Sangamagrama einige
Beispiele der Anwendung der Taylorreihe auf trigonometrische Funktionen. Jedoch
existieren davon keine exakten Aufzeichnungen.

Der Englische Mathematiker Brooke Taylor (1685-1731) 2, der auf den Gebieten der
Differential- und Integralrechnung und der Interpolationstheorie arbeitete, veröffentlich-
te erstmals 1712 die später nach ihm benannte Taylor-Formel. Zuvor fand zwar der
schottische Mathematiker James Gregory einige Maclaurin’sche Reihen und veröffent-
lichte diese, konnte jedoch nicht eine generelle Methode für die Herleitung der Reihen
für alle Funktionen liefern. 3

1
Vgl. Literatur 1, S.294
2
Vgl. Literatur 7, S.1047
3
Vgl. Literatur 9
-4-

2. Mathematische Grundlagen

2.1. Reihen und ihre Konvergenz


Betrachtet man eine unendliche Folge von Zahlen 〈𝑎𝑎𝑖𝑖 〉, also (𝑎𝑎0 , 𝑎𝑎1 , 𝑎𝑎2 , … ), so kann es
auch eine Folge 〈𝑠𝑠𝑛𝑛 〉 geben, welche die Summe einzelnen Zahlen bis zu dem 𝑛𝑛-ten
Glied darstellt: 4

𝑛𝑛

𝑠𝑠𝑛𝑛 = 𝑎𝑎0 + 𝑎𝑎1 + ⋯ + 𝑎𝑎𝑛𝑛 = � 𝑎𝑎𝑖𝑖


𝑖𝑖=0

Entwickelt man nun diese Reihe gegen unendlich, so bildet man einen Grenzwert gegen
unendlich. Existiert der Grenzwert 𝑠𝑠, so heißt die Reihe konvergent. Existiert er nicht,
so ist die Reihe Divergent. 5

∞ 𝑛𝑛

� 𝑎𝑎𝑖𝑖 = lim � 𝑎𝑎𝑖𝑖 = 𝑠𝑠


𝑛𝑛→∞
𝑖𝑖=0 𝑖𝑖=0

3. Die Herleitung der Taylorreihe

3.1. Die Herleitung anhand der 𝒆𝒆𝒙𝒙 -Funktion


Die Taylorreihe hat den Sinn, sich an eine Funktion anzunähern und sie mittels einer
Polynomfunktion darzustellen. Dies wird erreicht, indem man die numerischen Werte
eines Punktes der Ableitung der Originalfunktion nutzt um die passenden Koeffizienten
der einzelnen x-Potenzen zu finden.
Diesen Herleitungsweg möchte ich mit darauffolgendem Beispiel erklären. Hierfür bil-
det man den Differenzenquotient von 𝑒𝑒 𝑥𝑥 :

𝑓𝑓(𝑥𝑥0 + Δ𝑥𝑥) − 𝑓𝑓(𝑥𝑥0 ) 𝑒𝑒 𝑥𝑥+ℎ − 𝑒𝑒 𝑥𝑥 𝑒𝑒 𝑥𝑥 ∙ 𝑒𝑒 ℎ − 𝑒𝑒 𝑥𝑥 𝑒𝑒 ℎ − 1


= = = 𝑒𝑒 𝑥𝑥 ∙
(𝑥𝑥0 + Δ𝑥𝑥) − 𝑥𝑥0 ℎ ℎ ℎ

Da bekannt ist, dass die Ableitung von 𝑒𝑒 𝑥𝑥 auch wieder 𝑒𝑒 𝑥𝑥 ergibt, muss der Grenzwert
des Differentialquotienten für den Fall, dass h gegen 0 geht, ebenso 𝑒𝑒 𝑥𝑥 sein.

𝑥𝑥
𝑒𝑒 ℎ − 1
lim (𝑒𝑒 ∙ ) = 𝑒𝑒 𝑥𝑥 ∙ 1 = 𝑒𝑒 𝑥𝑥
ℎ→0 ℎ

4
Vgl. Literatur 12
5
Vgl. Literatur 6, S. 881
-5-

𝑒𝑒 𝑥𝑥 −1 𝑒𝑒 ℎ −1
Hier zeigt sich, dass limℎ→0 ℎ
= 1 sein muss. Für kleine h gilt ℎ
≈ 1 ⟺ 𝑒𝑒 ℎ ≈

1 + ℎ. Ersetzt man nun h durch x, so erhält man folgende Gleichung:

𝑒𝑒 𝑥𝑥 ≈ 1 + 𝑥𝑥 für |𝑥𝑥| ≪ 1
10
𝑔𝑔(𝑥𝑥) = 1 + 𝑥𝑥 ist eine Tangente zu 𝑒𝑒 𝑥𝑥 , da sie durch den
gleichen Punkt geht und auch die gleiche Steigung
8
besitzt. Eine bessere Näherung wird erreicht, wenn
𝑔𝑔(𝑥𝑥) auch die gleiche Krümmung besitzt. Somit muss
auch die 2. Ableitung in diesem Punkt übereinstimmen. 6

Eine solche Funktion kann man als Parabel der Form


𝑝𝑝2 (𝑥𝑥) = 𝑎𝑎2 𝑥𝑥 2 + 𝑎𝑎1 𝑥𝑥 + 𝑎𝑎0 beschreiben.
4
𝑥𝑥
Da die Funktion 𝑓𝑓(𝑥𝑥) = 𝑒𝑒 in allen Ableitungen in
dem Punkt 𝑥𝑥 = 0 den Wert 1 annimmt, muss zu einer
2
Übereinstimmung beider Funktionen folgendes gelten:

𝑝𝑝2 (𝑥𝑥) = 𝑎𝑎2 𝑥𝑥 2 + 𝑎𝑎1 𝑥𝑥 + 𝑎𝑎0 𝑝𝑝2 (0) = 𝑎𝑎0 = 1


𝑝𝑝2 ′(𝑥𝑥) = 2𝑎𝑎2 𝑥𝑥 + 𝑎𝑎1 𝑝𝑝2′ (0) = 𝑎𝑎1 = 1 3 2 1 0 1 2 3

𝑝𝑝2′′ (𝑥𝑥) = 2𝑎𝑎2 𝑝𝑝2′′ (0) = 2𝑎𝑎2 = 1 Schwarz:𝑒𝑒 𝑥𝑥 |Rot:1 + 𝑥𝑥|Blau:𝑝𝑝2


Somit ergibt sich folgende Funktionsgleichung der
Parabel:

1
𝑝𝑝2 (𝑥𝑥) = 𝑥𝑥 2 + 𝑥𝑥 + 1
2

Geht man nun davon aus, dass die Folge der Polynomfunktionen sich 𝑒𝑒 𝑥𝑥 annähert je
höher der Grad des Polynoms ist. Um eine möglichst genaue Abbildung der Original-
funktion zu bekommen, kommt man auf die Funktion

𝑝𝑝𝑛𝑛 (𝑥𝑥) = 𝑎𝑎𝑛𝑛 ∙ 𝑥𝑥 𝑛𝑛 + 𝑎𝑎𝑛𝑛−1 ∙ 𝑥𝑥 𝑛𝑛 −1 + ⋯ + 𝑎𝑎2 ∙ 𝑥𝑥 2 + 𝑎𝑎1 ∙ 𝑥𝑥 + 𝑎𝑎0

𝑝𝑝𝑛𝑛 (0) = 𝑎𝑎0

Damit das Polynom möglichst genau mit der e-Funktion übereinstimmt, muss man nun
das Polynom n mal ableiten, um die einzelnen Variablen a zu bestimmen.

𝑝𝑝𝑛𝑛′ (𝑥𝑥) = 𝑛𝑛 ∙ 𝑎𝑎𝑛𝑛 ∙ 𝑥𝑥 𝑛𝑛 −1 + (𝑛𝑛 − 1) ∙ 𝑎𝑎𝑛𝑛−1 ∙ 𝑥𝑥 𝑛𝑛−2 + ⋯ + 2𝑎𝑎2 ∙ 𝑥𝑥 + 𝑎𝑎1

𝑝𝑝𝑛𝑛′ (0) = 𝑎𝑎1


-6-

Beobachtet man die weiteren Ableitungen des Polynoms, ist nur der letzte Teil der je-
weiligen Ableitung, der kein x besitzt, wichtig, da man von 𝑥𝑥 = 0 aus entwickelt und
somit alle x-Terme wegfallen.

(𝑘𝑘)
𝑝𝑝𝑛𝑛 (𝑥𝑥) = ⋯ + 𝑘𝑘 ∙ (𝑘𝑘 − 1) ∙ (𝑘𝑘 − 2) ∙ … ∙ 2 ∙ 1 ∙ 𝑎𝑎𝑘𝑘

(𝑘𝑘)
𝑝𝑝𝑛𝑛 (0) = 𝑘𝑘 ∙ (𝑘𝑘 − 1) ∙ (𝑘𝑘 − 2) ∙ … ∙ 2 ∙ 1 ∙ 𝑎𝑎𝑘𝑘

Die Werte 𝑘𝑘 ∙ (𝑘𝑘 − 1) ∙ (𝑘𝑘 − 2) ∙ … ∙ 2 ∙ 1 entstehen durch die jeweiligen Ableitungen


des Polynoms, da in jeder Ableitung immer die Potenz von x der vorherigen Ableitung
als Produkt vor x gesetzt wird.

Beobachtet man nun diese Werte, kann man sehen, dass hier ein Produkt der natürlichen
Zahlen von 1 bis k vorliegt. Dies wird in der Mathematik auch vereinfacht als Fakultät
von k (𝑘𝑘!) ausgedrückt. Die Fakultät von 0 ist so definiert, dass 0! = 1 ist. Dies ist im
späteren Verlauf für die Taylorreihe noch wichtig. Somit kann man die k-te Ableitung
an 𝑥𝑥 = 0 wie folgt ausdrücken:

(𝑘𝑘)
𝑝𝑝𝑛𝑛 (0) = 𝑘𝑘! ∙ 𝑎𝑎𝑘𝑘

Um eine möglichst eng an 𝑒𝑒 𝑥𝑥 angenäherte Form der Polynomfunktion zu erhalten, müs-


sen wieder alle Ableitungen des Polynoms an der Stelle 𝑥𝑥 = 0 mit den jeweiligen Ab-
leitungen der 𝑒𝑒 𝑥𝑥 -Funktion an bei 𝑥𝑥 = 0 gleichgesetzt werden. Da die Ableitung von 𝑒𝑒 𝑥𝑥
immer 𝑒𝑒 𝑥𝑥 ist, findet sich für 𝑥𝑥 = 0 immer der y-Wert 1. Daraus ergibt sich folgende
Formel:

1
1 = 𝑘𝑘! ∙ 𝑎𝑎𝑘𝑘 und somit 𝑎𝑎𝑘𝑘 = , da 𝑘𝑘! > 0
𝑘𝑘!

Setzt man nun die entsprechenden Werte in die Polynomfunktion ein, ergibt das:

1 𝑛𝑛 1 1 1 1
𝑝𝑝𝑛𝑛 (𝑥𝑥) = 𝑥𝑥 + 𝑥𝑥 𝑛𝑛 −1 + ⋯ + 𝑥𝑥 2 + 𝑥𝑥 +
𝑛𝑛! (𝑛𝑛 − 1)! 2! 1! 0!

Für die Taylorreihe wird üblicherweise das Polynom nach den Potenzen aufsteigend
geordnet:
1 1 1 1 1
𝑝𝑝𝑛𝑛 (𝑥𝑥) = + ∙ 𝑥𝑥 + ∙ 𝑥𝑥 2 + ⋯ + ∙ 𝑥𝑥 𝑛𝑛 −1 + 𝑥𝑥 𝑛𝑛 ≈ 𝑒𝑒 𝑥𝑥
0! 1! 2! (𝑛𝑛 − 1)! 𝑛𝑛!
10
-7-

1
oder kurz: 𝑒𝑒 𝑥𝑥 ≈ ∑𝑛𝑛𝑘𝑘=0 𝑘𝑘! ∙ 𝑥𝑥 𝑘𝑘 8

Setzt man nun für n Zahlenwerte ein, kommt man auf


folgende Terme: 6

𝑒𝑒 𝑥𝑥 ≈ 1
4
𝑒𝑒 𝑥𝑥 ≈ 1 + 𝑥𝑥

1
𝑒𝑒 𝑥𝑥 ≈ 1 + 𝑥𝑥 + 𝑥𝑥 2
2 2

1 1
𝑒𝑒 𝑥𝑥 ≈ 1 + 𝑥𝑥 + 2 𝑥𝑥 2 + 6 𝑥𝑥 3 usw.

⋮ 3 2 1 0 1 2 3

Schwarz:𝑒𝑒 𝑥𝑥 |Rot:𝑝𝑝3 |Blau:𝑝𝑝4

3.2. Verallgemeinerung
Ziel ist es, eine Funktion an eine Polynomfunktion

𝑝𝑝𝑛𝑛 (𝑥𝑥) = 𝑎𝑎0 + 𝑎𝑎1 𝑥𝑥 + 𝑎𝑎2 𝑥𝑥 2 + ⋯ + 𝑎𝑎𝑛𝑛 𝑥𝑥 𝑛𝑛

anzunähern. Dies muss nicht von dem Wert 𝑥𝑥 = 0 aus geschehen. Geht man von einer
Entwicklung von der Stelle 𝑥𝑥0 aus, müssen alle Summanden des Polynoms, die ein x
beinhalten, 0 ergeben, sodass nur noch 𝑎𝑎0 übrig bleibt. Dieses 𝑎𝑎0 erhält, wie es im wei-
teren Herleitungsweg zu sehen ist, den y-Wert der Originalfunktion. Damit also dieses
Kriterium erfüllt ist, muss statt x in der Funktion der Term (𝑥𝑥 − 𝑥𝑥0 ) stehen, welcher an
der Stelle 𝑥𝑥 = 𝑥𝑥0 0 ergibt.

𝑝𝑝𝑛𝑛 (𝑥𝑥) = 𝑎𝑎0 + 𝑎𝑎1 (𝑥𝑥 − 𝑥𝑥0 ) + 𝑎𝑎2 (𝑥𝑥 − 𝑥𝑥0 )2 + ⋯ + 𝑎𝑎𝑛𝑛 (𝑥𝑥 − 𝑥𝑥0 )𝑛𝑛

Aus dieser Funktion können nun wieder 𝑛𝑛 Ableitungen gebildet werden. In diese wird
𝑥𝑥0 eingesetzt, womit alle x-Terme der Funktion wegfallen und nur noch der letzte Koef-
fizient übrig bleibt. Diese Funktion wird dann mit dem Wert der gleichwertigen Ablei-
tung der 𝑓𝑓(𝑥𝑥)-Funktion am Punkt 𝑥𝑥0 gleichgesetzt.

′(𝑥𝑥 0 ) (𝑛𝑛)
𝑝𝑝𝑛𝑛 (𝑥𝑥0 ) = 𝑓𝑓(𝑥𝑥0 ); 𝑝𝑝𝑛𝑛 = 𝑓𝑓 ′ (𝑥𝑥0 ); 𝑝𝑝𝑛𝑛′′ (𝑥𝑥0 ) = 𝑓𝑓 ′′ (𝑥𝑥0 ); … ; 𝑝𝑝𝑛𝑛 (𝑥𝑥0 ) = 𝑓𝑓 (𝑛𝑛) (𝑥𝑥0 )

0! ∙ 𝑎𝑎0 = 𝑓𝑓(𝑥𝑥0 ); 1! ∙ 𝑎𝑎1 = 𝑓𝑓 ′ (𝑥𝑥0 ); 2! ∙ 𝑎𝑎2 = 𝑓𝑓 ′′ (𝑥𝑥0 ); … ; 𝑛𝑛! ∙ 𝑎𝑎𝑛𝑛 = 𝑓𝑓 (𝑛𝑛) (𝑥𝑥0 )
-8-

𝑓𝑓(𝑥𝑥0 ) 𝑓𝑓 ′ (𝑥𝑥0 ) 𝑓𝑓 ′′ (𝑥𝑥0 ) 𝑓𝑓 (𝑛𝑛) (𝑥𝑥0 )


𝑎𝑎0 = ; 𝑎𝑎1 = ; 𝑎𝑎2 = ; … ; 𝑎𝑎𝑛𝑛 =
0! 1! 2! 𝑛𝑛!

Die daraus gewonnenen a-Koeffizienten können nun wieder in die Polynomfunktion


eingesetzt werden. Daraus folgt diese Reihe:

𝑓𝑓(𝑥𝑥0 ) 0
𝑓𝑓 ′ (𝑥𝑥0 ) 1
𝑓𝑓 ′′ (𝑥𝑥0 )
𝑝𝑝𝑛𝑛 (𝑥𝑥) = ∙ (𝑥𝑥 − 𝑥𝑥0 ) + (𝑥𝑥 − 𝑥𝑥0 ) + (𝑥𝑥 − 𝑥𝑥0 )2 + ⋯
0! 1! 2!
𝑓𝑓 (𝑛𝑛) (𝑥𝑥0 )
+ (𝑥𝑥 − 𝑥𝑥0 )𝑛𝑛
𝑛𝑛!

Vereinfacht bildet sich also die Taylorreihe:

𝑓𝑓 ′′ (𝑥𝑥0 ) 𝑓𝑓 (𝑛𝑛) (𝑥𝑥0 )


𝑓𝑓(𝑥𝑥) = 𝑓𝑓(𝑥𝑥0 ) + 𝑓𝑓 ′ (𝑥𝑥0 ) ∙ (𝑥𝑥 − 𝑥𝑥0 ) + (𝑥𝑥 − 𝑥𝑥0 )2 + ⋯ + (𝑥𝑥 − 𝑥𝑥0 )𝑛𝑛
2! 𝑛𝑛!

3.3. Das Restglied


Umso höher man 𝑛𝑛 für diese Polynomfunktion gehen lässt, umso genauer schmiegt sich
diese an den 𝑓𝑓-Funktionsgraphen an. Jedoch bleibt immer eine Differenz zwischen dem
Funktionswert 𝑓𝑓(𝑥𝑥) und dem Näherungswert 𝑝𝑝𝑛𝑛 (𝑥𝑥). Da diese Differenz vom Tiefen-
grad n der Näherungsfunktion und vom x-Wert abhängt, nennt man sie 𝑅𝑅𝑛𝑛 (𝑥𝑥). Dies ist
das Restglied.

Geht man zudem davon aus, dass die Funktion in [𝑎𝑎; 𝑏𝑏] (𝑛𝑛 + 1)-mal differenzierbar ist,
dann ist

′ (𝑥𝑥)(𝑏𝑏
𝑓𝑓 ′′ (𝑥𝑥) 2
𝑓𝑓 (𝑛𝑛) (𝑥𝑥)
𝑓𝑓(𝑏𝑏) = 𝑓𝑓(𝑥𝑥) + 𝑓𝑓 − 𝑥𝑥) + (𝑏𝑏 − 𝑥𝑥) + ⋯ + (𝑏𝑏 − 𝑥𝑥)𝑛𝑛 + 𝑅𝑅𝑛𝑛 (𝑏𝑏)
2! 𝑛𝑛!

Daraus folgt für 𝑅𝑅𝑛𝑛 (𝑏𝑏):

𝑓𝑓 ′′ (𝑥𝑥) 𝑓𝑓 (𝑛𝑛) (𝑥𝑥)


𝑅𝑅𝑛𝑛 (𝑏𝑏) = 𝑓𝑓(𝑏𝑏) − 𝑓𝑓(𝑥𝑥) − 𝑓𝑓 ′ (𝑥𝑥)(𝑏𝑏 − 𝑥𝑥) − (𝑏𝑏 − 𝑥𝑥)2 − ⋯ − (𝑏𝑏 − 𝑥𝑥)𝑛𝑛
2! 𝑛𝑛!

Mit dieser Formel lassen sich aber die Zahlenwerte nur schwer berechnen. Um eine sol-
che Berechnung zu vereinfachen, wurden verschiedene Restglieder eingeführt.
-9-

3.3.1. Das Restglied in Lagrange‘scher Form


Um die Lagrange‘sche Form des Restgliedes 𝑅𝑅𝑛𝑛 (𝑏𝑏) für das Intervall [𝑎𝑎; 𝑏𝑏] zu erhalten,
muss eine Hilfsfunktion hinzugezogen werden. Diese hat folgende Form:

𝑓𝑓 ′′ (𝑥𝑥) 𝑓𝑓 (𝑛𝑛) (𝑥𝑥)


𝜙𝜙(𝑥𝑥) = 𝑓𝑓(𝑏𝑏) − 𝑓𝑓(𝑥𝑥) − 𝑓𝑓 ′ (𝑥𝑥)(𝑏𝑏 − 𝑥𝑥) − (𝑏𝑏 − 𝑥𝑥)2 − ⋯ − (𝑏𝑏 − 𝑛𝑛)𝑛𝑛
2! 𝑛𝑛!
(𝑏𝑏 − 𝑥𝑥)𝑛𝑛+1
− ∙ 𝐶𝐶 6
(𝑛𝑛 + 1)!

Diese Hilfsfunktion nimmt den Wert 𝜙𝜙(𝑥𝑥) = 0 an, wenn 𝑥𝑥 = 𝑏𝑏 erfüllt ist. Um eine
möglichst genau angenäherte Funktion zu erhalten, sollte auch 𝜙𝜙(𝑎𝑎) = 0 zutreffen,
damit an beiden Enden des Intervalls keine Abweichungen auftreten. Da jedoch 𝑎𝑎 ≠ 𝑏𝑏
als Voraussetzung gegeben ist, muss es genau eine Zahl 𝐶𝐶 geben. Eine Berechnung die-
ses Wertes wird dadurch möglich, dass man 𝑥𝑥 = 𝑎𝑎 setzt und nach C auflöst. Hier wird
der Satz von Rolle zur Hilfe gezogen. Dieser besagt, dass, falls 𝑓𝑓 eine „im abgeschlos-
senen Intervall [𝑎𝑎, 𝑏𝑏] stetige Funktion und im offenen Intervall ]𝑎𝑎, 𝑏𝑏[ differenzierbar mit
𝑓𝑓(𝑎𝑎) = 𝑓𝑓(𝑏𝑏) [ist], dann gibt es ein 𝑥𝑥0 ∈ ]𝑎𝑎, 𝑏𝑏[ mit 𝑓𝑓 ′ (𝑥𝑥0 ) = 0“ 7. Dieser Satz trifft auf
𝜙𝜙(𝑥𝑥) zu, da sowohl 𝜙𝜙(𝑎𝑎) = 0 und 𝜙𝜙(𝑏𝑏) = 0 zutrifft und die Funktion stetig und in
diesem Intervall differenzierbar ist.

(𝑏𝑏 − 𝑥𝑥)𝑛𝑛
𝜙𝜙 ′ (𝑥𝑥) = −𝑓𝑓 ′ (𝑥𝑥) + 𝑓𝑓 ′ (𝑥𝑥) − (𝑏𝑏 − 𝑥𝑥) ∙ 𝑓𝑓 ′′ (𝑥𝑥) + 𝑓𝑓 ′′ (𝑥𝑥) ∙ (𝑏𝑏 − 𝑥𝑥) − ⋯ −
𝑛𝑛!
(𝑏𝑏 − 𝑥𝑥)𝑛𝑛
∙ 𝑓𝑓 (𝑛𝑛 +1) (𝑥𝑥) + ∙ 𝐶𝐶 vereinfacht also: 𝜙𝜙′(𝑥𝑥)
𝑛𝑛
(𝑛𝑛 +1)
(𝑏𝑏 − 𝑥𝑥)𝑛𝑛
= �𝐶𝐶 − 𝑓𝑓 (𝑥𝑥)� ∙
𝑛𝑛!

Da nun gelten muss, dass 𝜙𝜙 ′ (𝜉𝜉) = 0 für ein beliebiges 𝜉𝜉 ∈ ]𝑎𝑎, 𝑏𝑏[ zutrifft, muss folgende
Gleichung gelten:

(𝑏𝑏 − 𝜉𝜉)𝑛𝑛
𝜙𝜙 ′ (𝜉𝜉) = 0 = �𝐶𝐶 − 𝑓𝑓 (𝑛𝑛 +1) (𝜉𝜉)� ∙
𝑛𝑛!

0 = 𝐶𝐶 − 𝑓𝑓 (𝑛𝑛 +1) (𝜉𝜉) → 𝐶𝐶 = 𝑓𝑓 (𝑛𝑛 +1) (𝜉𝜉)

Mit 𝜙𝜙(𝑎𝑎) = 0 ergibt sich:

6
Vgl. Literatur 2, S.294
7
Vgl. Literatur 3
- 10 -


′ ′ (𝑎𝑎)(𝑏𝑏
𝑓𝑓 ′′ (𝑎𝑎) 2 ′
𝑓𝑓 (𝑛𝑛) (𝑎𝑎)
𝜙𝜙(𝑎𝑎) = 0 = 𝑓𝑓(𝑏𝑏) − 𝑓𝑓(𝑎𝑎)− 𝑓𝑓 − 𝑎𝑎) − (𝑏𝑏 − 𝑎𝑎) − … − (𝑏𝑏 − 𝑎𝑎)𝑛𝑛
2! 𝑛𝑛!
𝑓𝑓 (𝑛𝑛 +1) (𝜉𝜉)
− (𝑏𝑏 − 𝑎𝑎)𝑛𝑛+1
𝑛𝑛 + 1

Setzt man nun das Restglied 𝑅𝑅𝑛𝑛 (𝑏𝑏) mit 𝜙𝜙(𝑎𝑎) gleich, so erhält man das Lagrange‘sche
Restglied:

𝑓𝑓 (𝑛𝑛 +1) (𝜉𝜉)


𝑅𝑅𝑛𝑛 (𝑏𝑏) = (𝑏𝑏 − 𝑎𝑎)𝑛𝑛+1 mit 𝑎𝑎 < 𝜉𝜉 < 𝑏𝑏
𝑛𝑛 + 1

′ (𝑎𝑎)(𝑏𝑏
𝑓𝑓 ′′ (𝑎𝑎) 2
𝑓𝑓 (𝑛𝑛) (𝑎𝑎)
→ 𝑓𝑓(𝑏𝑏) = 𝑓𝑓(𝑎𝑎) + 𝑓𝑓 − 𝑎𝑎) + (𝑏𝑏 − 𝑎𝑎) + ⋯ + (𝑏𝑏 − 𝑎𝑎)𝑛𝑛
2! 𝑛𝑛!
𝑓𝑓 (𝑛𝑛 +1) (𝜉𝜉)
+ (𝑏𝑏 − 𝑎𝑎)𝑛𝑛+1
𝑛𝑛 + 1

Setzt man nun wieder 𝑏𝑏 = 𝑥𝑥 und 𝑎𝑎 = 𝑥𝑥0 , so erhält man nun die Taylorsche Formel mit
dem Lagrange‘schen Restglied:

𝑓𝑓 ′′ (𝑥𝑥0 ) 𝑓𝑓 (𝑛𝑛) (𝑥𝑥0 )


𝑓𝑓(𝑥𝑥) = 𝑓𝑓(𝑥𝑥0 ) + 𝑓𝑓 ′ (𝑥𝑥0 )(𝑥𝑥 − 𝑥𝑥0 ) + (𝑥𝑥 − 𝑥𝑥0 )2 + ⋯ + (𝑥𝑥 − 𝑥𝑥0 )𝑛𝑛
2! 𝑛𝑛!
𝑓𝑓 (𝑛𝑛+1) (𝜉𝜉)
+ (𝑥𝑥 − 𝑥𝑥0 )𝑛𝑛+1 für 𝜉𝜉 ∈ ]𝑥𝑥0 , 𝑥𝑥[
𝑛𝑛 + 1

3.3.2. Das Restglied in Integralform


Für das Restglied in Integralform gilt es, folgenden Satz zu beweisen:

Sei 𝐼𝐼 ∈ ℝ ein reelles Intervall und 𝑓𝑓(𝑥𝑥) in diesem Intervall (𝑛𝑛 + 1)-mal stetig differen-
zierbar. Dann gilt für alle 𝑥𝑥0 und 𝑥𝑥 aus I:

𝑓𝑓(𝑥𝑥) = 𝑇𝑇𝑛𝑛 (𝑥𝑥) + 𝑅𝑅𝑛𝑛 (𝑥𝑥)

mit:
𝑥𝑥
((𝑥𝑥 − 𝑡𝑡)𝑛𝑛 ) (𝑛𝑛 +1)
𝑅𝑅𝑛𝑛 (𝑥𝑥) = � ∙ 𝑓𝑓 d𝑡𝑡 8
𝑛𝑛!
𝑥𝑥 0

Um die Formel des Restglieds zu beweisen, benutzt man die Beweismethode der Induk-
tion. Als Induktionsanfang 𝑛𝑛 = 0 geht man nun von dem Hauptsatz der Integralrech-
nung (HDI) aus:

8
Vgl. Literatur 10
- 11 -

𝑥𝑥

𝑓𝑓(𝑥𝑥) = 𝑓𝑓(𝑎𝑎) + � 𝑓𝑓 ′ (𝑡𝑡)𝑑𝑑𝑑𝑑


𝑎𝑎

Die Induktion erfolgt durch den Schritt 𝑛𝑛 → 𝑛𝑛 + 1

𝑛𝑛+1 𝑥𝑥
𝑓𝑓 (𝑘𝑘) (𝑥𝑥0 ) (𝑥𝑥 − 𝑡𝑡)𝑛𝑛 (𝑛𝑛 +2)
𝑇𝑇𝑛𝑛+1 (𝑥𝑥) + 𝑅𝑅𝑛𝑛 +1 (𝑥𝑥) = � ∙ (𝑥𝑥 − 𝑥𝑥0 )𝑘𝑘 + � ∙ 𝑓𝑓 (𝑡𝑡)d𝑡𝑡
𝑘𝑘! 𝑛𝑛!
𝑘𝑘=0 𝑥𝑥 0

Um das Restglied in Integralform zu beweisen, muss das Integral nun partiell integriert
werden. Dies erfolgt nach folgender Regel:

𝑏𝑏 𝑏𝑏
′ (𝑥𝑥)𝑑𝑑𝑑𝑑
� 𝑢𝑢(𝑥𝑥) ∙ 𝑣𝑣 = [𝑢𝑢(𝑥𝑥) ∙ 𝑣𝑣(𝑥𝑥)]𝑏𝑏𝑎𝑎 − � 𝑢𝑢′ (𝑥𝑥) ∙ 𝑣𝑣(𝑥𝑥)𝑑𝑑𝑑𝑑 9
𝑎𝑎 𝑎𝑎

(𝑥𝑥 −𝑡𝑡)𝑛𝑛
In diesem Falle ist 𝑢𝑢(𝑥𝑥) = und 𝑣𝑣‘(𝑥𝑥) = 𝑓𝑓 (𝑛𝑛+1) . Setzt man dies nun in die Regel
𝑛𝑛 !

ein, so erreicht man den folgenden Term:

𝑇𝑇𝑛𝑛+1 (𝑥𝑥) + 𝑅𝑅𝑛𝑛+1 (𝑥𝑥)


𝑥𝑥
𝑓𝑓 (𝑛𝑛 +1) (𝑥𝑥0 ) 𝑛𝑛+1
(𝑥𝑥 − 𝑡𝑡)𝑛𝑛 (𝑛𝑛+1)
= 𝑇𝑇𝑛𝑛 (𝑥𝑥) + (𝑥𝑥
∙ − 𝑥𝑥0 ) +� ∙ 𝑓𝑓 (𝑡𝑡)�
𝑘𝑘! 𝑛𝑛! 𝑥𝑥 0
𝑥𝑥
(𝑥𝑥 − 𝑡𝑡)𝑛𝑛 (𝑛𝑛 +1)
− �− ∙ 𝑓𝑓 (𝑡𝑡)𝑑𝑑𝑑𝑑
𝑛𝑛!
𝑥𝑥 0

𝑓𝑓 (𝑛𝑛 +1) (𝑥𝑥0 ) ∙ (𝑥𝑥 − 𝑥𝑥0 )𝑛𝑛+1 (𝑥𝑥 − 𝑥𝑥)𝑛𝑛 (𝑛𝑛+1) (𝑥𝑥 − 𝑥𝑥0 )𝑛𝑛 ∙ 𝑓𝑓 (𝑛𝑛+1)
= 𝑇𝑇𝑛𝑛 (𝑥𝑥) + + ∙ 𝑓𝑓 − + 𝑅𝑅𝑛𝑛 (𝑥𝑥)
𝑘𝑘! 𝑛𝑛! 𝑛𝑛!

= 𝑇𝑇𝑛𝑛 (𝑥𝑥) + 𝑅𝑅𝑛𝑛 (𝑥𝑥) = 𝑓𝑓(𝑥𝑥)

Somit entsteht die Taylorreihe mit dem Restglied in Integralform:

𝑛𝑛 𝑥𝑥
𝑓𝑓 (𝑘𝑘) (𝑥𝑥0 ) 𝑥𝑥 − 𝑡𝑡 (𝑛𝑛 +1)
𝑓𝑓(𝑥𝑥) = � ∙ (𝑥𝑥 − 𝑥𝑥0 )𝑘𝑘 + � ∙ 𝑓𝑓 𝑑𝑑𝑑𝑑
𝑘𝑘! 𝑛𝑛!
𝑘𝑘=0 𝑥𝑥 0

9
Vgl. Literatur 11
- 12 -

4. Annäherung an verschiedene Funktionen durch die Taylor-


reihe

4.1. Annäherung an die Sinus-Funktion


Die Sinus-Funktion nimmt in der Physik und der Mathematik einen hohen Stellenwert
ein. Sie ist jedoch als Term sin(𝑥𝑥) nicht direkt berechenbar, sondern nur durch die Nut-
zung von Wertetabellen oder durch das Eingeben der Werte in einen Taschenrechner.
Falls jedoch solche Geräte oder Tabellen nicht zur Hand sind, muss eine Näherung ge-
funden werden, die es ermöglicht, die Werte von sin(𝑥𝑥) direkt auszurechnen. Um diese
Näherung zu finden, kann die Taylorreihe genutzt werden.

𝑓𝑓 ′′ (𝑥𝑥0 ) 𝑓𝑓 (𝑛𝑛) (𝑥𝑥0 )


𝑓𝑓(𝑥𝑥) = 𝑓𝑓(𝑥𝑥0 ) + 𝑓𝑓 ′ (𝑥𝑥0 ) ∙ (𝑥𝑥 − 𝑥𝑥0 ) + (𝑥𝑥 − 𝑥𝑥0 )2 + ⋯ + (𝑥𝑥 − 𝑥𝑥0 )𝑛𝑛
2! 𝑛𝑛!

Da die Taylorreihe nun n Ableitungen von 𝑓𝑓(𝑥𝑥) - hier sin 𝑥𝑥- verlangt, müssen diese erst
gebildet werden.

𝑓𝑓(𝑥𝑥) = sin(𝑥𝑥); 𝑓𝑓 ′ (𝑥𝑥) = cos(𝑥𝑥) ; 𝑓𝑓 ′′ (𝑥𝑥) = − sin(𝑥𝑥) ;

𝑓𝑓 ′′′ (𝑥𝑥) = − cos(𝑥𝑥) ; 𝑓𝑓 ′′′′ (𝑥𝑥) = sin(𝑥𝑥)

Da, wie hier gesehen, die 4. Ableitung wieder sin(𝑥𝑥) ergibt, wiederholt sich die Folge
wieder. Setzt man nun 𝑥𝑥0 = 0, so ergeben alle Ableitungen mit einem Sinus 0, da dieser
unabhängig vom Vorzeichen dort seine Nullstelle hat. Da sich die oben beschriebene
Reihe immer wiederholt, kann man sagen, dass somit alle Ableitungen wegfallen, die
ein Vielfaches von 2 als Ableitungsgrad haben. Der nicht abgeleitete Funktionsterm
fällt auch weg:

cos(𝑥𝑥0 ) − cos(𝑥𝑥0 ) 3 cos(𝑥𝑥0 ) 5


𝑓𝑓(𝑥𝑥) = ∙ 𝑥𝑥 + ∙ 𝑥𝑥 + ∙ 𝑥𝑥 + ⋯
1! 3! 5!
Bei 𝑥𝑥0 = 0 ergibt sich für den Cosinus immer 1. Deswegen sind hier auch die Vorzei-
chen vor dem Cosinus relevant. Dadurch, dass sich die Reihe der Ableitungen immer
wiederholt, kann man davon ausgehen, dass „+“ und „-“ immer abwechselnd vorkom-
men, startend mit „+“. Somit kommt man auf folgenden Funktionsterm:

1 1 1 1
𝑓𝑓(𝑥𝑥) = ∙ 𝑥𝑥 − ∙ 𝑥𝑥 3 + ∙ 𝑥𝑥 5 − ∙ 𝑥𝑥 7 + ⋯
1! 3! 5! 7!
- 13 -

Diesen Term kann man auch mit einem Reihenterm ausdrücken. Diese Reihe stellt eine
Summe dar, die von 0 bis ∞ entwickelt wird. Da in einer Summe immer nur um eine
Ganzzahl vorangeschritten wird, muss dafür gesorgt werden, dass keine geraden Zahlen
vorkommen. Dies erreicht man, wenn man folgenden Term nutzt: (2𝑛𝑛 + 1). Das 2𝑛𝑛
sorgt dafür, dass die Zahl immer gerade ist. Wenn man nun noch 1 dazu addiert, so er-
langt man zwingend eine ungerade Zahl. Um dazu noch zu erreichen, dass die Vorzei-
chen sich immer abwechseln, muss der Term (−1)𝑛𝑛 noch vorangestellt werden. Bei
geraden Potenzen eliminieren sich die Minus-Zeichen und man erreicht „+“ als Lösung.
Für ungerade Potenzen gilt das umgekehrt. Nun erreicht man folgende Summenformel:


𝑥𝑥 2𝑛𝑛 +1
𝑛𝑛
𝑓𝑓(𝑥𝑥) = �(−1) ∙ = sin(𝑥𝑥)
(2𝑛𝑛 + 1)!
𝑛𝑛=0

Da sich nicht eine Summe mit der oberen Grenze „∞“ errechnen lässt, muss man, wenn
man sich mit der Taylorreihe dem Sinus nähern will, eine klare Grenze setzen, was aber
auch dazu führt, dass die angenäherte Funktion nicht mehr der Sinus-Funktion ent-
spricht, sondern sich eben nur annähert. Wählt man beispielsweise 20 als obere Grenze,
so kommt man auf folgenden Funktionsterm 10:

20
𝑥𝑥 2𝑛𝑛 +1
𝑃𝑃20 (𝑥𝑥) = �(−1)𝑛𝑛 ∙
(2𝑛𝑛 + 1)!
𝑛𝑛=0

𝑥𝑥 𝑥𝑥 3 𝑥𝑥 5 𝑥𝑥 7 𝑥𝑥 9 𝑥𝑥11 𝑥𝑥13 𝑥𝑥15 𝑥𝑥17 𝑥𝑥19 𝑥𝑥 21 𝑥𝑥 23


= − + − + − + − + − + −
1! 3! 5! 7! 9! 11! 13! 15! 17! 19! 21! 23!
𝑥𝑥 25 𝑥𝑥 27 𝑥𝑥 29 𝑥𝑥 31 𝑥𝑥 33 𝑥𝑥 35 𝑥𝑥 37 𝑥𝑥 39 𝑥𝑥 41
+ − + − + − + − +
25! 27! 29! 31! 33! 35! 37! 39! 41!

≈ sin(x)

10
Errechnet und Ausgegeben mit Wolfram Mathematica 7.0; Quelltext :
Sum�(−1)𝑛𝑛 ∗ (𝑥𝑥 2𝑛𝑛+1 )⁄�(2𝑛𝑛 + 1)!� , {𝑛𝑛, 0,20}�
- 14 -
3
2
1
20 10 1 10 20
2
3
Schwarz: sin 𝑥𝑥 | Rot:𝑃𝑃20 (𝑥𝑥)|𝐺𝐺𝐺𝐺𝐺𝐺𝐺𝐺: 𝑃𝑃5 (𝑥𝑥)
Lässt man sich die die Abweichung der Polynomfunktion zu der sin 𝑥𝑥-Funktion als
Funktion plotten, so erhält man folgende Grafik:

0.6

0.4

0.2

5 10 15 20

Hier ist zu sehen, dass die durch die Taylorreihe angenäherte Polynomfunktion im In-
tervall [−14; 14] keine bemerkenswerten Abweichungen hat und somit zum Berechnen
von Funktionswerten innerhalb des Intervalls nutzbar ist.

4.1.1. Die MacLaurin‘sche Reihe


Für die Annäherung an die sin 𝑥𝑥-Funktion wurde hier - um ein möglichst einfaches
Polynom zu erreichen - als Entwicklungspunkt für die Funktion der Wert 0 gewählt.

𝑛𝑛
𝑓𝑓 (𝑘𝑘) (0) 𝑘𝑘
𝑓𝑓(𝑥𝑥) = � ∙ 𝑥𝑥
𝑘𝑘!
𝑘𝑘=0

𝑓𝑓 ′′ (0) 2 𝑓𝑓 (3) (0) 𝑓𝑓 (𝑛𝑛) (0)


= 𝑓𝑓(0) + 𝑓𝑓 ′ (0) ∙ 𝑥𝑥 + ∙ 𝑥𝑥 + +⋯+ +⋯
2! 3! 𝑛𝑛!
- 15 -

Dies ist ein Sonderfall der Taylorreihe, welcher auch die „Maclaurinsche Reihe“ ge-
nannt wird. Der Name stammt von dem schottischen Mathematiker Colin Maclaurin,
welcher diese in seinem Werk „Methodus incremetorum directa et inversa“ 11 nutzte.

𝟏𝟏+𝒙𝒙
4.2. Annäherung an die 𝒍𝒍𝒍𝒍( )-Funktion
𝟏𝟏−𝒙𝒙

Eine ebenso wichtige Funktion ist die ln(x)-Funktion. Jedoch besteht bei dieser auch
wieder das Problem, dass sich für sie nicht explizit durch einen Rechenterm die Funkti-
onswerte ausrechnen lassen. Eine Möglichkeit, einen solchen Rechenterm zu erstellen,
wäre also das Nutzen der Taylorreihe. Da man aber normalerweise als Entwicklungs-
punkt den Wert 𝑥𝑥0 = 0 nimmt, um eine MacLaurinsche Reihe zu erhalten, ist die ln(𝑥𝑥)-
Funktion ungeeignet, da sie bei dem Wert 𝑥𝑥 = 0 und allen negativen Werten nicht defi-
niert ist. Um dies zu umgehen, kann man nun den Entwicklungspunkt erhöhen, oder die
Funktion durch Veränderung des Wertes in der Klammer verschieben. Dafür wären die
1+𝑥𝑥 1+𝑥𝑥
Terme 1 + 𝑥𝑥 oder 1−𝑥𝑥 passend. Für den Term ln(1−𝑥𝑥 ) konvergiert die Taylorreihe
1+𝑥𝑥
schneller als für den Term ln(1 + 𝑥𝑥) 12. Somit scheint die Funktion ln(1−𝑥𝑥 ) praktikab-
1+𝑥𝑥
ler für die Betrachtung zu sein. Da ln(1−𝑥𝑥 ) Definitionslücken bei 𝑥𝑥 = 1 und 𝑥𝑥 = −1

hat, ist der maximale Radius, in dem die Taylorreihe sich an die Funktion annähern
(1+𝑥𝑥)
kann, der sogenannte Konvergenzradius gleich 1. Für den ln( )-Term trifft dies
1−𝑥𝑥

auch zu. Um diese Funktion nun in eine Taylorreihe zu setzen, ist es wieder notwendig,
die Ableitungen zu bilden. Da der Term komplexer ist als z.B. ein sin(𝑥𝑥)-Term und sich
seine Ableitungen nicht nach einem Muster wiederholen, empfiehlt es sich, die Ablei-
tungen mittels eines Programms (In diesem Falle Wolfram Mathematica 7.0) zu bilden.
Diese durch den Computer berechneten Ableitungen, lassen an sich auf kein Muster
deuten. Wenn man jedoch 𝑥𝑥 = 0 immer einsetzt, kommt man auf folgende Beobachtun-
gen:

• Alle Ableitungen mit geraden Ableitungsgrad ergeben 0. Somit werden diese in


der Taylorreihe wegfallen.
• Betrachtet man nun die Werte, die durch die Ableitungen mit ungeraden Ablei-
tungsgrad entstehen, so erkennt man, dass diese Werte rasant ansteigen. Durch

11
Vgl. Literatur 4
12
Vgl. Literatur 5
- 16 -

das Einsetzen dieser Ergebnisse in die Taylorformel, lässt sich durch Kürzen
folgender Term erschließen:
2𝑥𝑥 1 2𝑥𝑥 3 2𝑥𝑥 5 2𝑥𝑥 7 2𝑥𝑥 9 2𝑥𝑥 11 2𝑥𝑥 13 2𝑥𝑥 15 2𝑥𝑥 17 2𝑥𝑥 19
𝑃𝑃(𝑥𝑥) = + + + + + + + + +
1 3 5 7 9 11 13 15 17 19

Hier lässt sich erkennen, dass die Nenner unter den einzelnen x-Potenzen den gleichen
Wert wie die Potenzen haben. Zudem wird jeder Bruch mit 2 multipliziert. Dies kann
man folglich auch mit einer Summenschreibweise darstellen:

1 + 𝑥𝑥 𝑥𝑥 2𝑘𝑘+1
𝑓𝑓(𝑥𝑥) = ln � � = 2� für x ∈ ]-1;1[
1 − 𝑥𝑥 2𝑘𝑘 + 1
𝑘𝑘=0

Die Begrenzung, welche bestimmt, dass der angenäherte Term nur im Intervall ] − 1; 1[
1+𝑥𝑥
gilt, kommt daher, dass die ln(1−𝑥𝑥 )-Funktion bei den Werten 𝑥𝑥 = −1 und 𝑥𝑥 = 1 Defini-

tionslücken besitzt ist und somit nicht stetig ist. Somit muss auch die Definitionsmenge
für die angenäherte Funktion gelten.
Entwickelt man nun die Näherung bis 𝑘𝑘 = 20, so erhält man folgenden Funktionsterm:
20
𝑥𝑥 2𝑘𝑘+1
𝑃𝑃20 (𝑥𝑥) = 2 �
2𝑘𝑘 + 1
𝑘𝑘=0

2𝑥𝑥 3 2𝑥𝑥 5 2𝑥𝑥 7 2𝑥𝑥 9 2𝑥𝑥11 2𝑥𝑥13 2𝑥𝑥15 2𝑥𝑥17 2𝑥𝑥19


= 2𝑥𝑥 + + + + + + + + +
3 5 7 9 11 13 15 17 19
2𝑥𝑥 21 2𝑥𝑥 23 2𝑥𝑥 25 2𝑥𝑥 27 2𝑥𝑥 29 2𝑥𝑥 31 2𝑥𝑥 33 2𝑥𝑥 35 2𝑥𝑥 37
+ + + + + + + + +
21 23 25 27 29 31 33 35 37
2𝑥𝑥 39 2𝑥𝑥 41 1 + 𝑥𝑥
+ + ≈ ln � � für x ∈ ]-1;1[
39 41 1 − 𝑥𝑥
- 17 -

2 1 1 2
2

4

6

1 + 𝑥𝑥
Schwarz: ln � � | Rot:𝑃𝑃20 (𝑥𝑥)|𝐺𝐺𝐺𝐺𝐺𝐺𝐺𝐺: 𝑃𝑃5 (𝑥𝑥)
1 − 𝑥𝑥
Hier lässt sich nur eine minimale Abweichung erkennen, welche man wieder plotten
lassen kann, was auf den untenstehenden Graphen führt.
4

1.0 0.5 0.5 1.0

2

4

Bei der Betrachtung der Abweichungswerte lässt sich sehen, dass nennenswerte Abwei-
chungen (Abweichung > 0,0001) erst ab ungefähr den Werten 𝑥𝑥 = ±0,845 erreicht
wird. Für alle betragsmäßig kleineren Werte ist also die Rechnung anwendbar. Entwi-
ckelt man bis 𝑘𝑘 = 40, so beginnt die nennenswerte Abweichung ungefähr erst ab den
Werten 𝑥𝑥 = ±0,917.

𝟏𝟏
4.3. Annäherung an die -Funktion
𝟏𝟏−𝒙𝒙
1
Auch bei der Näherung an die 𝑥𝑥 -Funktion existiert das Problem, dass bei der Stelle

𝑥𝑥 = 0 eine Definitionslücke vorliegt. Deswegen empfiehlt es sich die Funktion zu ver-


schieben, um somit diese Definitionslücke ebenso zu verschieben. Zudem erzeugt in
diesem Falle eine zusätzliche Spiegelung an der y-Achse später in der angenäherten
- 18 -

1
Polynomfunktion einen besonders einfachen Term. Somit wird oft für eine zu 𝑥𝑥 ähnliche
1
Funktion die Funktion 1−𝑥𝑥 -Funktion für die Taylor-Annäherung gewählt.

Um genügend Werte für die Taylorreihe zu erreichen, muss diese Funktion wieder
mehrmals abgeleitet werden. Hierfür kann man die Quotientenregel nutzen. Für diese
Regel substituiert man den Zähler des abzuleitenden Quotienten mit der Variable 𝑢𝑢 und
den Nenner mit der Variablen 𝑣𝑣. Diese werden dann in folgende Formel eingesetzt:

𝑢𝑢 ′ 𝑢𝑢′ 𝑣𝑣 − 𝑢𝑢𝑣𝑣 ′
� � =
𝑣𝑣 𝑣𝑣 2

Da die Ableitung von 1, also 𝑢𝑢, 0 ist, fällt der Minuend im Nenner weg. Deswegen
bleibt also nur noch −𝑢𝑢𝑢𝑢′ im Zähler übrig, was in diesem Falle 1 ergibt. Der Zähler
1
wird zu (𝑥𝑥 − 1)2 . Somit wird die 1. Ableitung 𝑓𝑓 ′ (𝑥𝑥) = (1−𝑥𝑥)2 . Für die 2. Ableitung

muss die Quotientenregel wieder angewendet werden. Jedoch ergibt sich hier im Zähler
nach Ableitung von 𝑣𝑣 mittels Kettenregel der Term 2(1 − 𝑥𝑥). Da aber im Zähler keine
Summe ist, kann (1 − 𝑥𝑥) einmal gekürzt werden. Das führt zu der 2. Ableitung
2
𝑓𝑓 ′′ (𝑥𝑥) = (1−𝑥𝑥)3 . Dadurch, dass immer durch die Kettenregel die Potenz des Nenners als

Faktor in den Zähler kommt und sich die (1 − 𝑥𝑥)-Terme im Zähler heraus kürzen, lässt
sich folgendes Muster in den Ableitungen erkennen:

𝑛𝑛!
𝑓𝑓 (𝑛𝑛) (𝑥𝑥) =
(1 − 𝑥𝑥)𝑛𝑛+1

Setzt man nun jeweils den Wert 𝑥𝑥 = 0 in die Ableitungen ein, so bleibt nur noch die
Fakultät von 𝑛𝑛 übrig. Angewendet auf die Taylorreihe ergibt sich also folgende Poly-
nomfunktion:

𝑘𝑘
0! 1! 2! 𝑘𝑘!
𝑝𝑝𝑘𝑘 (𝑥𝑥) = ∙ 𝑥𝑥 0 + ∙ 𝑥𝑥1 + ∙ 𝑥𝑥 2 + ⋯ + ∙ 𝑥𝑥 𝑘𝑘 = 1 + 𝑥𝑥1 + 𝑥𝑥 2 + ⋯ + 𝑥𝑥 𝑘𝑘 = � 𝑥𝑥 𝑣𝑣
0! 1! 2! 𝑘𝑘!
𝑣𝑣=0

Eine Entwicklung einer Annäherungsfunktion bis zum Wert 𝑘𝑘 = 20 ergibt folglich die-
sen Term:
- 19 -

20

𝑃𝑃20 (𝑥𝑥) = � 𝑥𝑥 𝑘𝑘
𝑘𝑘=0

= 1 + 𝑥𝑥 + 𝑥𝑥 2 + 𝑥𝑥 3 + 𝑥𝑥 4 + 𝑥𝑥 5 + 𝑥𝑥 6 + 𝑥𝑥 7 + 𝑥𝑥 8 + 𝑥𝑥 9 + 𝑥𝑥10 + 𝑥𝑥11 + 𝑥𝑥12


+ 𝑥𝑥13 + 𝑥𝑥14 + 𝑥𝑥15 + 𝑥𝑥16 + 𝑥𝑥17 + 𝑥𝑥18 + 𝑥𝑥19 + 𝑥𝑥 20

1.0 0.5 0.0 0.5 1.0


1
Schwarz: | Rot:𝑃𝑃20 (𝑥𝑥)|𝐺𝐺𝐺𝐺𝐺𝐺𝐺𝐺: 𝑃𝑃5 (𝑥𝑥)
1 − 𝑥𝑥

Auch für diese Annäherung ist es wieder sinnvoll, sich die Abweichungen in einem
Graph anzuzeigen lassen:

1.0

0.5

1.0 0.5 0.5 1.0

0.5

1.0
- 20 -

Dieser Graph zeigt wieder, dass für die Werte, die ungefähr im Intervall [−0,8; 0,7]
liegen, sehr genau durch die Taylorreihe approximiert werden und somit für eine Rech-
nung nutzbar sind.

5. Anwendungen

5.1. Die Kleinwinkelnäherung


Die Kleinwinkelnäherung dient in der Physik dazu, dass einige Rechnungen leichter
durchgeführt werden können. Sie besagt, dass bei genügend kleinen Winkeln der Wert
des Sinus ungefähr gleich dem Winkel ist. Für die Kleinwinkelnäherung muss also fol-
gende Gleichung gelten:

sin(𝛼𝛼) ≈ 𝛼𝛼

Diese Näherung ist durch die Taylorreihe des Sinus abzuleiten, welche durch die Sum-
𝛼𝛼 2𝑛𝑛 +1
me sin 𝛼𝛼 = ∑∞ 𝑛𝑛
𝑛𝑛=0(−1) ∙ (2𝑛𝑛 +1)! ausgedrückt wird. Schreibt man nun die Entwicklung

aus, so erhält man folgendes Polynom:

𝛼𝛼 3 𝛼𝛼 5
sin 𝛼𝛼 = 𝛼𝛼 − + −⋯
6 120

Die Kleinwinkelnäherung wird oft für die Werte von 0° bis ca. 10° angewendet. Rech-
net man die Winkel in das Bogenmaß um, so kommt man auf den Wert 0,174533 für
10°. Da dieser Wert zwischen 1 und 0 liegt, wird er durch das 3-fache Potenzieren ver-
kleinert. Das weitere Teilen mit dem Nenner 6 verkleinert die Zahl weiter. Somit erlangt
man letztendlich einen vernachlässigbaren Wert von ungefähr 0,000886. Da sich im
weiteren Teil des Terms die Potenzen weiter erhöhen und die Werte der Nenner rasant
ansteigen, ist dieser Rest auch vernachlässigbar. Somit bleibt nur noch sin 𝛼𝛼 ≈ 𝛼𝛼 übrig.

5.2. Anwendungen in der Physik mit Beispiel


In einigen Fällen sind gegebene Formeln in der Physik zu kompliziert oder zu komplex,
um sie für eine Rechnung zu nutzen, die kein sehr exaktes Ergebnis erfordert. Deswe-
gen wurden Näherungsformeln entwickelt, die versuchen, für einen gewissen Anwen-
dungsbereich möglichst genaue Ergebnisse zu liefern und trotzdem nicht zu schwer zu
errechnen sind.
- 21 -

Beispielsweise ist die Formel für die Körperausdehnung bei einem gewissen Tempera-
turunterschied 13 relativ komplex, da sie eine Wurzel 3. Grades enthält:

3
𝐿𝐿2 = 𝐿𝐿1 �(1 + 𝛾𝛾 ∙ Δt)

Versucht man nun eine Näherungsformel zu erreichen, welche diese Wurzel nicht er-
hält, so kann man sich an die Funktion mittels einer Taylorreihe annähern. Dafür ersetzt
man 𝛾𝛾 ∙ Δ𝑡𝑡, welches die Variablen in der Formel darstellen, mit einem 𝑥𝑥 und entwickelt
somit um die Funktion

3
𝑓𝑓(𝑥𝑥) = √1 + 𝑥𝑥

die Taylorreihe. Durch Ableiten erreicht man nun wieder die nötigen Werte für die Tay-
lorreihe.

1 2 1 2 5
𝑓𝑓 ′ (𝑥𝑥) = (1 + 𝑥𝑥)−3 � 𝑓𝑓 ′′ (𝑥𝑥) = ∙ �− � ∙ (1 + 𝑥𝑥)−3 �
3 3 3

1 2 5 8
𝑓𝑓 (3) (𝑥𝑥) = ∙ �− � ∙ �− � ∙ (1 − 𝑥𝑥)−3
3 3 3

Für die Werte 𝑥𝑥 = 0 bilden also die Ableitungen folgende Ergebnisse:

1 2 10
𝑓𝑓 ′ (0) = � 𝑓𝑓 ′′ (0) = − � 𝑓𝑓 ′′′ (0) =
3 9 27

Entwickelt man nun aus diesen Werten das Taylorpolynom bekommt man diesen Term:

1 2 10
𝑃𝑃3 (𝑥𝑥) = 1 + 𝑥𝑥 − 𝑥𝑥 2 + 𝑥𝑥 3
3 9 ∙ 2! 27 ∙ 3!

Für ein kleines x „verschwinden“ nun die Terme mit 𝑥𝑥 2 und höher, da sie durch das
𝑥𝑥 2
Potenzieren noch kleiner werden (z.B. 𝑥𝑥 = 0,001 => ≈ 0,0000001). Solche kleinen
9

Werte können also vernachlässigt werden, da eine derart exakte Messung nur schwer
oder gar nicht möglich ist.

Somit kann man nun die Funktion in einer Näherung mit dem Term

1
𝑔𝑔(𝑥𝑥) = 1 + 𝑥𝑥
3

13
Vgl. Literatur 1, S.297
- 22 -

umschreiben. Dies führt dazu, dass man eine Näherungsformel für die Körperausdeh-
nung angeben kann:

𝛾𝛾
𝐿𝐿2 ≈ 𝐿𝐿1 (1 + ∙ Δ𝑡𝑡)
3

Durch das Finden dieser Näherungsformel ist es nun erheblich leichter zu rechnen, da
die Wurzel 3. Grades wegfällt. Eine Näherung durch die Taylorreihe nimmt also für die
Vereinfachung einer Rechnung in der Physik eine wichtige Stellung ein.

6. Schluss
Die Facharbeit beschreibt nur einen Teil der Anwendungen und der Möglichkeiten der
Taylorreihe. Durch eine Erweiterung der Formel ist es selbst möglich, mehrdimensiona-
le Funktionen anzunähern. Dies kann beispielsweise in der Physik bei dem Rechnen mit
dreidimensionalen Vektoren sehr hilfreich sein. Auch in der Informatik, beispielsweise
in der Umrechnung von Fischaugen-Fotografien in Weitwinkelaufnahmen, 14 werden die
Taylorreihen genutzt. Somit stellt die Taylorreihe eine wichtige mathematische Metho-
de dar und wird auch deswegen öfters genutzt.

14
Vgl. Literatur 1, S. 298
- 23 -

7. Anhang

7.1. Literatur und Quellen


1. Georg Glaser, „Der Mathematische Werkzeugkasten – Anwendungen in Natur
und Technik“, München, 2006
2. Kurt Degen, „Mathematisches Unterrichtswerk, Analysis 2“ , München, 1977
3. Andre Weil, „Wurzelzieher Mathepedia“ http://mathepedia.de/Satz_von_Rolle.aspx
(Zuletzt abgerufen und gespeichert: 17.01.2010)
4. Seite „Colin Maclaurin“. In Wikipedia, The Free Encyclopedia. Bearbeitungs-
stand: 5. Januar 2010, 12:03 UTC. URL:
http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Colin_Mclaurin&oldid=335986531
(Zuletzt abgerufen und gespeichert: 23.01.2010)
5. Seite „Taylorreihe”. In Wikipedia, Die Freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 4.
Januar 2010, 19:41 UTC. URL:
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Taylorreihe&oldid=68829819
(Zuletzt abgerufen und gespeichert: 24.01.2010)
6. Hermann Athen, Jörn Bruhn, „Lexikon der Schulmathematik, Band 3 - L bis R“,
1977, Köln
7. Hermann Athen, Jörn Bruhn, „Lexikon der Schulmathematik, Band 4 – S bis X“ ,
1978, Köln
8. Marianne Baierlein, Friedrich Barth, Ulrich Greifenegger, Gerd Krumbacher,
„Anschauliche Analysis 2 – Leistungskurs“ , München, 1984
9. Seite „Taylor Series“. In Wikipedia, The Free Encyclopedia. Bearbeitungsstand:
21. Januar 2010, 11:32 UTC. URL:
http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Taylor_series&oldid=339242431
(Zuletzt abgerufen und gespeichert: 17.01.2010)
10. Seite „Taylor-Formel”. In Wikipedia, Die Freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand:
6. Januar 2010, 20:06 UTC. URL:
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Taylor-Formel&oldid=68923565
(Zuletzt abgerufen und gespeichert: 23.01.2010)
11. Seite „Partielle Integration“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbei-
tungsstand: 23. Januar 2010, 13:12 UTC. URL:
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Partielle_Integration&oldid=69691611
(Zuletzt abgerufen und gespeichert: 24.01.2010)
- 24 -

12. Seite „Folge (Mathematik)“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbei-
tungsstand: 5. Januar 2010, 10:26 UTC. URL:
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Folge_(Mathematik)&oldid=68851671
(Zuletzt abgerufen und gespeichert: 23.01.2010)

7.2. Hilfsmittel
Für das erstellen der Funktionsgraphen und das errechnen von Ableitungen und For-
meln nutzte ich das Programm Wolfram Mathematica 7.0. Der Text und die Formeln
wurden in Microsoft Word 2007 geschrieben.

Diese Facharbeit „Die Herleitung und Erklärung der Taylorreihe anhand verschiedener
mathematischer Funktionen und ihrer Anwendung in der Physik“ von Daniel Thiem
steht unter einer
Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0
Deutschland Lizenz.

http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/
- 25 -

„ Ich erkläre hiermit, dass ich die Facharbeit ohne fremde Hilfe angefertigt und nur die
im Literaturverzeichnis angeführten Quellen und Hilfsmittel benutzt habe“

………………………, den …………… ……………………………..


Ort Datum Unterschrift des Schülers