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Prof. Dr.-Ing. Rudolf Baumgart Massivbau

Hochschule Darmstadt University of Applied Sciences

Begrenzung der Rissbreiten

1. Einleitung

Risse im Beton sind kein Schaden, wenn die Rissbreiten bestimmte Grenzwerte nicht überschreiten. Dann ist sichergestellt, dass die Dauerhaftigkeit (z.B. gegen Korrosion), die Funktionalität (z.B. wasserdicht) und das Erscheinungsbild (Ästhetik) eines Tragwerks nicht beeinträchtigt sind.

Die Grenzwerte der Rissbreiten w max für normale Anforderungen sind in Tabelle 7.1DE im EC 2 in Abhängigkeit der Expositionsklassen festgelegt:

im EC 2 in Abhängigkeit der Expositionsklassen festgelegt: Für Bauteile mit besonderen Anforderungen (z.B.
im EC 2 in Abhängigkeit der Expositionsklassen festgelegt: Für Bauteile mit besonderen Anforderungen (z.B.

Für Bauteile mit besonderen Anforderungen (z.B. Wasserundurchlässigkeit (von 0,1 mm bis 0,2 mm), chemischer Angriff, usw., vgl. XD3) können strengere Begrenzungen der Rissbreiten erforderlich sein. Dies ist dann meistens in speziellen Normen oder Regelwerken festgelegt oder muss mit dem Bauherrn abgesprochen werden.

Die Mindestanforderungen nach Tabelle 7.1DE dürfen vom Bauherrn für den Nachweis von Bauzuständen verschärft werden.

Bei einem 2-Ebenen-Stoß von Betonstahlmatten mit a s >= 6 cm²/m ist die Stahlspannung im Stoßbereich für den Rissbreitennachweis um 25 % zu erhöhen.

Rissbreiten.doc

03.06.17

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Folgende Nachweise sind zur Begrenzung der Rissweite zu führen:

- Nachweis der Mindestbewehrung:

Eine Mindestbewehrung ist so zu dimensionieren, dass der Stahl nach der Rissbildung nicht fließt, d.h. die durch das Aufreißen des Betons frei werdende Kraft muss vom Stahl ohne Fließen aufgenommen werden können. Dadurch werden klaffende Risse vermieden. Zusätzlich muss die Rissbreite auf ein gefordertes Maß begrenzt werden, was unter Umständen zu einer weiteren Reduktion der Stahlspannung führt. Falls die einwirkenden Schnittgrößen die Rissschnittgrößen nicht erreichen, kann die Mindestbewehrung vermindert werden.

- Nachweis der Begrenzung der Rissbreite unter der maßgebenden Einwirkungs- kombination:

Durchmesser und/oder Abstand der Stäbe sind in Abhängigkeit der Stahlspannung so zu begrenzen, dass die zulässige Rissbreite eingehalten wird.

Wie man unschwer erkennen kann, ist die maßgebende Größe für die oben genannten Nachweise die zum betrachteten Zeitpunkt existierende wirksame Betonzugfestigkeit f ct,eff . Je größer sie ist, desto größer wird die Kraft, die beim Aufreißen des Betons freigesetzt wird und dann vom Stahl aufgenommen werden muss.

Die Rechenwerte der Betonzugfestigkeit für ein Betonalter t > 28 Tage sind im EC 2 festgelegt:

mittlerer charakteristischer Wert:

5%-Fraktile:

95%-Fraktile:

f ctm = 0,3f ck 2/3 für C<C60

f ctk;0,05 = 0,7f ctm f ctk;0,95 = 1,3f ctm

Der Nachweis der Rissbreite erfolgt im Normalfall mit f ct,eff = f ctm Wenn der Abschluss der Rissbildung mit Sicherheit innerhalb der ersten 28 Tage festgelegt werden kann, darf ein niedrigerer Wert mit f ctm (t) angesetzt werden. Falls ein niedrigerer Wert f ctm (t) angesetzt wird, ist dieser durch Hinweis in der Baubeschreibung, der Ausschreibung und auf den Ausführungsunterlagen dem Bauausführenden rechtzeitig mitzuteilen, damit dies bei der Festlegung des Betons berücksichtigt werden kann.

Der Nachweis der Mindestbewehrung wird im Normalfall mit dem o.g. f ct,eff geführt. Wenn nicht sicher ist, dass der Zeitpunkt der Rissbildung weniger als 28 Tage nach dem Betonieren liegt, dann muss eine Mindestbetonzugfestigkeit von f ct,eff = 3,0 MN/m² für den Nachweis der Mindestbewehrung angesetzt werden.

Als rechnerische Anhaltswerte für die frühe Betonzugfestigkeit f ct,eff = f ctm (t) für „übliche“ Betone mit mittlerer Festigkeitsentwicklung können die folgenden Werte dienen:

– nach 3 Tagen ca. f ct,eff = 0,65f ctm

– nach 5 Tagen ca. f ct,eff = 0,75f ctm

– nach 7 Tagen ca. f ct,eff = 0,85f ctm

Je dicker die Bauteile, umso länger dauert das Abfließen der Hydratationswärme (vereinfacht: Bauteildicke h ≤ 0,30 m etwa 3 Tage und h > 0,80 m etwa 7 Tage und länger). Außen- und Frischbetontemperaturen sowie die Verweildauer in der Schalung beeinflussen den Hydratations- und Erhärtungsverlauf ebenfalls. Bei langsam erhärtendem Beton können die o.g. Werte etwa um 0,15f ctm reduziert, bei schnell erhärtendem Beton sollten sie um etwa 0,15f ctm vergrößert werden.

Rissbreiten.doc

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Eine mögliche Ursache der Rissbildung ist das Auftreten von Zwang im Bauteil. Man unterscheidet grundsätzlich 2 Arten von Zwang:

Direkter Zwang, durch das Bauteil selbst entstehend, z.B.:

- Durch Hydratationswärme beim Abbinden des Betons.

- Durch Schwinden des Betons.

- Durch Eigenspannungen z.B. infolge schneller Temperaturänderung

Indirekter Zwang, von außen auf das Bauteil einwirkend, z.B.:

- Durch Stützensenkung.

- Durch Temperaturänderung in angrenzenden Bauteilen.

Der Vorgang der Rissbildung, der im Folgenden genauer untersucht werden soll, kann in 2 wesentliche Situationen eingeteilt werden:

Der erste Riss tritt nach Erreichen einer bestimmten Belastung an der schwächsten Stelle im Bauteil durch Überschreiten der Betonzugfestigkeit auf (Erstrissbildung). Um einen klaffenden Riss zu vermeiden, muss, wie oben schon erwähnt, Mindestbewehrung angeordnet werden.

Durch kontinuierliche Steigerung der Last treten immer weitere Risse an den nächst schwächeren Stellen des Betons auf, bis das sog. abgeschlossene Rissbild erreicht wird.

Die bei der Biegebemessung angesetzte Spannungsverteilung ist nur für den gerissenen Beton zutreffend. Zwischen den Rissen beteiligt sich der Beton an der Aufnahme der Zugspannungen, man spricht von der Mitwirkung des Betons auf Zug zwischen den Rissen (tension stiffening).

Das Bauteil bleibt so lange im Zustand I (Hooke´sches Gesetz), bis die Stahlspannung die

für die Erstrissbildung erforderliche Größe

ist

Laststeigerung

annähernd linear bis zur Fließgrenze f y an. Oberhalb der Fließgrenze ist nur noch eine relativ geringe Laststeigerung bei sehr großer Zunahme der Dehnungen möglich.

sr

erreicht hat. Der Bereich der Erstrissbildung

gekennzeichnet

bis

durch

eine

sr

überproportional

zunehmende

Dehnung

ohne

größere

.

Danach

wachsen

Spannung

und

Dehnung

wieder

s

1,3

Spannung und Dehnung wieder  s  1,3   Bild: Veranschaulichung der Rissbildung am Zugstab

Bild: Veranschaulichung der Rissbildung am Zugstab

Rissbreiten.doc

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Da die Stahlspannung also fast immer (außer im Riss) kleiner ist als nach dem reinen Zustand II gerechnet, darf das tension stiffening nach EC 2 berücksichtigt werden, was durch den Ansatz einer mittleren Stahldehnung ε sm erfolgt. Dies ist insbes. interessant bei Verformungsberechnungen oder bei Berechnungen nach Theorie II. Ordnung, da so die Steifigkeit größer ist als im reinen Zustand II.

Eine weitere maßgebende Größe für den Stahlbeton ist der schon angesprochene Verbund zwischen Stahl und Beton. Für die Berechnung von Verankerungs- und Übergreifungslängen sind zulässige Verbundspannungen im EC 2 festgelegt, was hierfür ausreichend ist.

Obwohl die Verbundspannung lastabhängig ist (siehe Bild), darf für die Thematik der Rissbreiten für normale Fälle vereinfacht mit einer mittleren Verbundspannung gerechnet werden.

mit einer mittleren Verbundspannung gerechnet werden. Bild: Verbundspannung Mittlere Verbundspannung für normale

Bild: Verbundspannung

Verbundspannung gerechnet werden. Bild: Verbundspannung Mittlere Verbundspannung für normale Berechnungen:  bm

Mittlere Verbundspannung für normale Berechnungen:

bm

1,8f

ct eff

,

Rissbreiten.doc

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(1.1)

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2. Mechanische Zusammenhänge bei der Rissbildung

Die mechanischen Zusammenhänge sollen am zentrischen Zugstab hergeleitet werden. Eine Übertragung auf andere Systeme wird dann im Anschluss erläutert.

2.1 Erstrissbildung

wird dann im Anschluss erläutert . 2.1 Erstrissbildung Bild: Erstrissbildung beim zentrischen Stahlbetonzugstab
wird dann im Anschluss erläutert . 2.1 Erstrissbildung Bild: Erstrissbildung beim zentrischen Stahlbetonzugstab

Bild: Erstrissbildung beim zentrischen Stahlbetonzugstab

Nach Überschreiten der Betonzugfestigkeit an der schwächsten Stelle bildet sich der 1. Riss im Zugstab. Die Betondehnung und damit auch die Betonspannung fallen im Riss auf Null ab. Die durch den Riss frei gesetzte Kraft muss nun der Stahl mit übernehmen. Dadurch erhöhen sich die Stahldehnung und die Stahlspannung im Riss beträchtlich.

Für die Herleitung der entstehenden Rissbreite sind die folgenden schon bekannten Größen erforderlich:

Geometrischer Längsbewehrungsgrad der Zugzone:

Verhältniswert der E-Moduln von Stahl und Beton:

Ideelle Querschnittsfläche von Stahlbeton:

Vor der Rissbildung:

Betonspannung:

Stahlspannung:

Erforderliche Kraft zur Bildung des 1. Risses:

Nach der Rissbildung:

Rissbreiten.doc

Betonspannung im Riss:

Stahlspannung im Riss:

Stahldehnung im Riss:

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A A

l

c

 

A

e

i

s s
s
s

E E

A

c

(1

cm

e

c

 c  F A

F A

i

s

c

e

F

cr

f

ct eff

,

A

i

 

c

0

sr

sr

2 F

cr

2

sr

2
2

A

s

E s

 

l

)

(2.1.1)

(2.1.2)

(2.1.3)

(2.1.4)

(2.1.5)

(2.1.6)

(2.1.7)

(2.1.8)

(2.1.9)

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Mit diesen Vorüberlegungen lässt sich die Rissbreite aus der Differenz zwischen der Betonverlängerung und der Stahlverlängerung innerhalb des Rissabstandes s r ermitteln:

Rissabstand:

s  2 l r t w   l   2 ( )
s
 2 l
r
t
w
  l  
2
(
)
t
sm
cm
  
     
(
sm
sr
2
t
sr
2
    
cm
ct
t

sr

1

)

(2.1.10)

(2.1.11)

(2.1.12)

(2.1.13)

umfangreiche

Rissbreite:

Mittlere Stahldehnung:

Mittlere Betondehnung:

 

sr

2

(1

t

)

t

sr

wurden

für

1

Zur

Vergleichsrechnungen

folgender Wert:

Bestimmung

des

Mittelungsfaktors

durchgeführt.

Als

(=Völligkeitsbeiwert)

ergab

sich

Ergebnis

Kurzzeitbelastung

  0,6 t
 0,6
t

Die Einleitungslänge l t , innerhalb derer die Kraft im Stahl zum Teil wieder auf den Beton übertragen wird, kann im Prinzip wie die Verankerungslänge l b ermittelt werden: Die auf den Beton zu übertragende Kraft wird per Verbund über die Zylindermantelfläche (Höhe l t ) des Stahlstabes übertragen.

Damit ergibt sich die Einleitungslänge l t aus dem Gleichgewicht in Stabrichtung: Die Resultierende der Betonspannungen hält der Resultierenden der Verbundspannungen das Gleichgewicht:

A

c

f

ct eff

,

l u

bm

t

s

Stabumfang u s :

mit

A

s

(2.1.14)

d

s

2

4

folgt

u

s

d

s

A

s

4

4 A

s

d

s

2

d

s

(2.1.15)

s  4 4  A s  d s 2   d s (2.1.15)

Aus 2.1.14 mit 2.1.3 folgt l es :

l t

A f

c

ct eff

,

bm

u

s

A f

i

ct eff

,

  

(1

bm

u

s

e

l

)

(2.1.16)

Mit 2.1.6 und 2.1.8 folgt:

Oder mit 2.1.15:

l

sr

2

A

s

1

t

bm

u

s

1

 

e

l

l

sr

2

d

s

1

t

bm

4

1

 

e

l

(2.1.17)

(2.1.18)

Mit 2.1.18, 2.1.10 und 1.1 ergibt sich der maximal mögliche Rissabstand (siehe auch EC 2):

Mittlere Stahldehnung im Riss:

Mittlere Betondehnung im Riss:

Differenzdehnung im Riss:

Mit

ct

sr 1

folgt:

Rissbreiten.doc

 d 1  sr 2 s   s r ,max  2 1
 d
1
 sr
2
s
s r ,max
 2
1
 
 bm
e
l

 

 

(1

t

)

(1

sm

cm

sm

sr

2

t

t

)

sr

1

t

ct

t

cm

sr

2

sr

1

ct

t

 

sm

cm

(1

t

)

sr 2

 sr 2         (1 ) (1 )
 sr 2
       
(1
)
(1
)
sm
cm
t
sr
2
t
E
s

03.06.17

(2.1.19)

(2.1.20)

(2.1.21)

(2.1.22)

(2.1.23)

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2.1.17

und 2.1.23 in 2.1.10:

2.1.25

für die Stahlspannung:

w  2  l  (1    ) t t sr 2
w 
2
 l
(1
  
)
t
t
sr 2
(1 )
t
sr 2
w
s
r ,max
E
s
2
2
(1
 
)
A d
t
sr
2
s
s
w 
4
A
(1
 
)
bm
s
e
l
2
(1
 
)
 d
t
sr
2
s
w 
2
(1
 
)
E s
 bm
e
l
2
w
E
(1
 
)
 bm
s
e
l
 sr 2
(1
  t
)
 d
s

(2.1.24)

(2.1.25)

(2.1.26)

Achtung: Die hergeleiteten Formeln gelten nur für die Erstrissbildung, d.h. F < F cr !

Durch Umformulierung von 2.1.25 kann man eine Formel für die Bemessung der erforderlichen Bewehrung zur Erfüllung einer geforderten Rissbreite w herleiten:

Die Bemessungskraft beträgt:

Aus 2.1.23 folgt damit:

Nach A s aufgelöst mit F Ed < F cr :

 2  A F Ed  sr s w  2   
2  A
F Ed
 sr
s
w 
2 
 E 
(1
 )
(1
 )
bm
s
e
l
t
2
(1
)
F
d
 t
Ed
s
A
s
2
w
E
(1
 
)
 bm
s
e
l

(

F

cr

A

s

)

2

(2.1.27)

d

s

(2.1.28)

(2.1.29)

Da A s im Längsbewehrungsgrad enthalten ist, lässt sich diese Gleichung nicht direkt lösen. Entweder schätzt man die erforderlichen Werte im Voraus und überprüft sie dann hinterher, oder man vereinfacht die Gleichung (kein großer Fehler):

Sinnvoller Schätzwert:

l

0,01

Beispiel für den Klammerwert mit C20/25:

Vereinfachung mit

l

0,0

:

1    e l 2 (1  )  F  d 
1
 
e
l
2
(1
)
F
d
 t
Ed
s
2
w
E
 bm
s

A

s

200000

29000

0,01

(2.1.28)

1,067

(2.1.29)

Für lang andauernde und wiederholte Belastung wurde gezeigt, dass der Faktor β t = 0,6 durch den Faktor β t = 0,4 ausgetauscht werden kann.

Dies resultiert aus einem Abfall der Verbundfestigkeit unter Dauerlast auf ca. 2/3, was im EC 2 durch den Zeitfaktor k t = 0,6 für Kurzzeitbelastung und k t = 0,4 für Langzeitbelastung berücksichtigt wird. k t = 0,6 sollte nur in begründeten Ausnahmen (z.B. Anprall unter seltener Einwirkungskombination) benutzt werden, da der Zwangsabbau infolge Kriechens deutlich langsamer als der Abfall der Verbundsteifigkeit infolge des Verbundkriechens erfolgt.

Rissbreiten.doc

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2.2 Abgeschlossenes Rissbild

University of Applied Sciences 2.2 Abgeschlossenes Rissbild Bild: Quasi zentrisch gezogener Stahlbetonzugstab mit

Bild: Quasi zentrisch gezogener Stahlbetonzugstab mit abgeschlossenem Rissbild

Ein abgeschlossenes Rissbild kann nur entstehen, wenn die Kraft F auf die Zugzone größer

als die Risskraft ist:

F

Ed

F

cr

A

c

 

f

ct eff

,

(2.2.1)

Eine Dehnungsdifferenz zwischen Stahl und Beton ist dann überall vorhanden. Dadurch ist die Randbedingung zur Bestimmung der Einleitungslänge (= halber Rissabstand) nicht mehr eindeutig. Es steht nur fest, dass die über den Verbund eingeleitete maximale Kraft zwischen 2 vorhandenen Rissen den Beton zum Reißen bringt.

Einleitungslänge aus 2.1.14:

A  f c ct eff , l t    u bm s
A  f
c
ct eff
,
l
t
 
 u
bm
s

(2.2.2)

Da der Rissabstand nicht eindeutig ist, kann man 2 Grenzwerte für die Rissbreite festlegen:

Kleinste Rissbreite:

Größte Rissbreite:

w min

w max

l

t

2

l

t

sm

cm

(

sm

(

)

cm

 

(2.2.3)

)

(2.2.4)

Mit 1.1, 2.2.2 und 2.1.15 ergibt sich der maximal mögliche Rissabstand (siehe auch EC 2)

 

2

l

 

2

A f

c

ct eff

,

2

A f

c

ct eff

,

d

s

d

s

s

r

,max

t

   

1,8

 

4

A

 

3,6

 
 

bm

u

s

f

ct , eff

s

l

 

(

sm

sr 2

t

sr 2

sr 1

)

cm

t

ct

 
 

sm

cm

sr

2

t

sr

2

sr

1

t

zu:

Mittlere Stahldehnung im Riss:

Mittlere Betondehnung im Riss:

Differenzdehnung im Riss:

()

ct

sm

cm

sr

2

t

A f

c

ct eff

,

E

s

A

s

t

f ct , eff

E

cm

(2.2.5)

(2.2.6)

(2.2.7)

(2.2.8)

(2.2.9)

sm

cm

sr 2

E

s

t

f

ct eff

,

E

s

l

t

f

ct , eff

e

E

s

Rissbreiten.doc

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Das ergibt (vgl. EC 2):

2.2.2 in 2.2.4 ergibt:

mit 2.1.15 und 2.1.1 folgt:

Lösung mit 2.2.10:

2.2.13 für die Stahlspannung:

 

sr 2

f

ct eff

,

t

 

t

e

)

 

sm

cm

E

s

E

s

(

l

sm

cm

sr 2

E

s

 

t

f

ct eff

,

E

s

l

(1

e

l

)

 

(2.2.10)

w

2

A f

c

ct eff

,

 

(

 

)

 

(2.2.11)

 

sm

 

cm

 

bm

u

s

A

c

f

 

d

 

2

ct eff

,

 

s

 

w

bm

4 A

s

 

(

sm

cm

)

(2.2.12)

 

f

ct , eff

d

s

sr 2

f

ct , eff

 

1

l

(2.2.13)

w

2

bm

l

E

s

 

t

l

E

s

 

e

 

2

w

bm

l

E

s

t

f

ct eff

,

1

 

e

l

(2.2.14)

sr

2

f

ct eff

,

d

s

 

l

 

Zum Zweck der Bemessung bei vorgegebener Rissbreite w bietet es sich auch hier an, die Formel 2.2.13 nach der erforderlichen Bewehrung umzuformen:

Die Bemessungskraft beträgt:

  A  F  A f  F Ed sr 2 s cr
 
A
F
A f
F Ed
sr
2
s
cr
c
ct eff
,

2.2.11

mit 2.2.9:

w

2.2.15

eingesetzt:

w

 

w

w

Erforderliche Bewehrung:

A  f A  f f c ct eff , c ct eff ,
A  f
A  f
f
c
ct eff
,
c
ct eff
,
ct eff
,
2
(
)
sr
2
t
t
 u
E
 A
E
 bm
s
s
s
cm
2 
F
d
F
cr
s
F Ed
F cr
 (
4
cr
)
t
t
  A
 A
E
 A
 A
E s
 bm
s
s
s
s
E cm
c
F
 d
E
 A
cr
s
s
s
(
F
F
F
)
2
Ed
t
cr
t
cr
2
A
E
E
 A
bm
s
s
cm
c
F
 d
cr
s
(
F
F
(1
 
))
2
Ed
t
cr
e
l
2
A
E
bm
s
s
F
F
(1
 
)
F
d
Ed
t
cr
e
l
cr
s
A
s
2 
E w
bm
s

(2.2.15)

(2.2.16)

(2.2.17)

(2.2.18)

(2.2.19)

(2.2.20)

Da auch hier wieder der Bewehrungsgrad in der Gleichung enthalten ist, muss auch hier zuerst eine Schätzung der Bewehrung vorgenommen werden, die im Nachhinein kontrolliert werden muss (vgl. oben).

Wenn man den Bewehrungsgrad vereinfachend zu Null annimmt, dann kann man ohne großen Fehler (vgl. oben) folgende Formel benutzen:

Erforderliche Bewehrung:

A

s

   F   F  d  t F Ed cr cr
F
F
d
 t
F Ed
cr
cr
s
2 
E w
 bm
s

(2.2.21)

Für lang andauernde und wiederholte Belastung ist der Faktor β t = 0,4, für Kurzzeitbelastung ist mit dem Faktor β t = 0,6 zu rechnen (vgl. oben).

Rissbreiten.doc

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Aus der Gleichung 2.1.25 für den Einzelriss und der Gleichung 2.2.13 für das abgeschlossene Rissbild können die größten zulässigen Stabdurchmesser zur gezielten Begrenzung der Rissbreite ermittelt werden. Durch entsprechende Umformung (hier nicht gezeigt) kann anstatt des Stabdurchmessers der Stababstand ermittelt werden.

In den folgenden Bildern ist die Abhängigkeit des Stabdurchmessers von der Stahlspannung und vom Bewehrungsgrad für einen bestimmten Beton und eine bestimmte Rissbreite dargestellt (analog ist dies für den Stababstand möglich). Man kann erkennen, dass bei Einzelrissen der zulässige Stabdurchmesser fast unabhängig vom Bewehrungsgrad ist, während beim abgeschlossenen Rissbild der Bewehrungsgrad den zulässigen Durchmesser entscheidend beeinflusst.

den zulässigen Durchmesser entscheidend beeinflusst . Bild: Abhängigkeit von d s vom Bewehrungsgrad bei

Bild: Abhängigkeit von d s vom Bewehrungsgrad bei konstanter Stahlspannung

Zusammenstellung mit Vereinfachung

l

0

und

bm

1,8f

ct eff

,

Langzeitbelastung

Einzelriss:

Abg.Rissbild:

 

sr

2

2

d

s

   
6  w  f  E ct , eff s d s
6  w  f
 E
ct , eff
s
d
s
6  w  f  E ct , eff s d s
 

A

s

2 F  d Ed s 6 w f    E ct ,
2
F
 d
Ed
s
6 w f
E
ct , eff
s
A  s 2 F  d Ed s 6 w f    E

w

6 f

ct , eff

E

s

sr 2

 

d

s

sr

2

0,4

f

ct eff

,

   

3,6 w

l

E

s

0,4

f

ct eff

,

 

w

3,6

l

E

s

l

E

s

sr

2

d

s

l

A

s

  0,4  F   F  d F Ed cr cr s
0,4
F
F
d
F Ed
cr
cr
s
3,6
f
E w
ct , eff
s

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3. Effektive Betonzugfläche A ct,eff

Bei dem bis jetzt betrachteten Stahlbetonzugstab war die effektive Betonzugfläche gleich der Gesamtbetonfläche. Es stellt sich daher die Frage, wie groß die über den Verbund eingeleitete Kraft sein muss, um den nächsten Riss zu erzeugen, wenn nur ein Teil der Zugfläche aufreißt.

Bei dicken Bauteilen oder Bauteilen mit Biegung entstehen schon Risse, bevor die gesamte nach Zustand I unter Zug stehende Betonfläche aufgerissen ist, d.h. die

erforderliche Kraft ist kleiner als

durchdringen, spricht man von Sekundär- oder auch Sammelrissen (vgl. Bild), die betroffene Betonfläche ist die effektive Zugfläche A ct,eff und liegt praktisch immer in der Nähe der Bewehrung.

. Da diese Risse nicht die gesamte Zugzone

A f

c

ct eff

,

Da diese Risse nicht die gesamte Zugzone A f c  ct eff , Bild: Rissbildung
Da diese Risse nicht die gesamte Zugzone A f c  ct eff , Bild: Rissbildung
Da diese Risse nicht die gesamte Zugzone A f c  ct eff , Bild: Rissbildung

Bild: Rissbildung bei einem Biegestab und einem zentrisch gezogenen Zugstab

Zur Ermittlung der effektiven Zugfläche A ct,eff wurden umfangreiche FE-Rechnungen durchgeführt. Der hierfür maßgebende Ausbreitungswinkel zwischen 2 Primärrissen wurde früher mit ca. 45° angenommen, neuere Untersuchungen kommen auf ca. 26°, also eine Steigung von 1:2. Das Ergebnis hiervon ist eine sehr einfache Festlegung der effektiven Höhe der Zugzone, die in den EC 2 aufgenommen wurde (siehe Bild unten):

Allgemein:

A

ct eff

,

 

b d

t

 

2,5

b

t

 

(

h

 

II

) 3  b h  t
) 3
b h
t

2

 

x

1

(3.1)

Breite der Zugzone Höhe der Druckzone im Zustand II d 1 =h-d Lage der Schwerachse der Zugbewehrung vom gezogenen Rand aus

x

b

t

II

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Hochschule Darmstadt University of Applied Sciences d) Vergrößerung der Höhe h c , e f des
Hochschule Darmstadt University of Applied Sciences d) Vergrößerung der Höhe h c , e f des

d) Vergrößerung der Höhe h c,ef des Wirkungsbereiches der Bewehrung bei zunehmender Bauteildicke bei zentrischer Belastung

Bild 7.1DE: Festlegung der effektiven Zugfläche A ct,eff

Der Ansatz für den Wirkungsbereich der Bewehrung A ct,eff = 2,5d 1 gilt nur für eine konzentrierte Bewehrungsanordnung und dünne Bauteile mit h/d 1 ≤10 bei Biegung und h/d 1 ≤5 bei zentrischem Zwang hinreichend genau. Bei dickeren Bauteilen kann der Wirkungsbereich bis auf 5d 1 anwachsen (siehe Bild 7.1DE d).

Wenn die Bewehrung nicht im Grenzbereich (h–x II )/3 liegt, sollte dieser auf (h–x I )/2 mit der Druckzonenhöhe x I im Zustand I vergrößert werden.

Folgerung:

Sämtliche Formeln, die für den zentrischen Zugstab hergeleitet wurden, können somit auf beliebig belastete Querschnitte angewendet werden, wenn die effektive Betonzugfläche A ct,eff anstatt der Betonfläche A c eingesetzt wird.

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4. Schnittgrößen und Stahlspannungen bei Rissbildung

4.1 Stahlspannung im Zustand II

Die genaue Ermittlung der Stahlspannungen durch Iteration der Dehnungsebene wurde im Kapitel „Biegebemessung“ behandelt. Hier erfolgt nur eine Zusammenstellung zur schnellen näherungsweisen Ermittlung der Stahlspannung für Querschnitte unter Zugbeanspruchung. Hierbei ist zu beachten, dass auf Gebrauchslastniveau die Betondruckspannung näherungsweise linear verteilt angenommen werden kann.

näherungsweise linear verteilt angenommen werden kann. Bild: gerissener Querschnitt Moment bezogen auf den

Bild: gerissener Querschnitt

Moment bezogen auf den Schwerpunkt des Stahls:

Stahlzugkraft:

Hebelarm der inneren Kräfte näherungsweise:

Stahlspannung bei Stahlfließen:

Querschnitte voll unter Zug:

M

Eds

M

Ed

M Eds

F

z

z 0,9 d

Sd

s

F Sd

A

s1

N

Ed

N

Ed

d  Sd  s  F Sd A s 1  N Ed  N

Bild: Querschnitt voll unter Zug

Exzentrizität:

e

M Ed

N Ed

e z

s1

Hebelarme:

z s

1

h

2

d

1

z

s

z s

2

(4.1.1)

(4.1.2)

(4.1.3)

(4.1.4)

h

2

d

2

Die Stahlzugkräfte ergeben sich aus der Bedingung M 0 um die Stahllagen

(Hebelgesetz):

z

s

1

z

s

2

z

s 2

e

F

s

1

N

Ed

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z

s

z

s

 

1

1 e

z

2

s

F

s

2

N

Ed

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(4.1.5)

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4.2 Rissschnittgrößen N cr und M cr

Sciences 4.2 Rissschnittgrößen N c r und M c r Bild: Spannungsverteilung im Zustand I Einfluss

Bild: Spannungsverteilung im Zustand I

Einfluss der Eigenspannungen auf f ct,eff

Die Spannungsverteilung kurz vor der Rissbildung (Zustand I) ergibt sich aus der bekannten

Spannungstheorie:

ct

N

cr

A

c

M cr

W

ct

k f

ct , eff

(4.2.1)

k Beiwert zur Berücksichtigung von nichtlinear verteilten Betonzugspannungen und weiteren risskraftreduzierenden Einflüssen.

Im Normalfall ist N cr = N Ed . Für

e

M

cr

N

cr

Rissnormalkraft:

N

cr

1

e A

c

W ct

k f

ct , eff

A

c

Sonderfall reine Biegung:

Sonderfall zentrischer Zug:

M Ed

N

Ed

const .

eingesetzt in 4.2.1 ergibt sich:

Rissmoment:

M cr

k f

ct , eff

A

c

e W

ct

1

A

c

(4.2.2)

M

N

cr

cr

k f

ct eff

,

k f

ct eff

,

W

ct

A

c

(4.2.3)

(4.2.4)

Nichtlinear

Gründen entstehen:

verteilte

Betonzugspannungen

im

Querschnitt

können

aus

verschiedenen

- Abfließen der Hydratationswärme beim Abbinden des Betons

- Schwinden

- Schnelle Temperaturänderungen

Als Folge hiervon vermindern sich die Rissschnittgrößen, bei innerem Zwang hängt die Verminderung von der Bauteilhöhe ab. Dieser Effekt wurde im EC 2 mit dem Faktor k folgendermaßen berücksichtigt:

Zugspannungen aus innerem Zwang:

Zwischenwerte interpolieren:

Zugspannungen aus äußerem Zwang:

0,80 0,80

k

 

0,52 0,52

k

k

0,8

h

30

0,28

 

50

k 1,0
k
1,0

Für h ist der kleinere Wert von Höhe und Breite des (Teil)Querschnitts einzusetzen.

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5. Mindestbewehrung

Zur Aufnahme von Zwangeinwirkungen und Eigenspannungen ist eine Mindestbewehrung anzuordnen, die unter Berücksichtigung der Anforderungen an die Rissbreiten- begrenzung für die Schnittgrößenkombination zu bemessen ist, die im Bauteil zur Erstrissbildung führt.

Der erforderliche Querschnitt der Mindestbewehrung darf für kleinere Schnittgrößen wie die Rissschnittgröße berechnet werden, wenn die Rissschnittgröße garantiert nicht erreicht wird.

Die Anforderungen an die Rissbreitenbegrenzung werden eingehalten, wenn die Stahlspannung in Abhängigkeit des gewählten Stabdurchmessers/Stababstandes begrenzt wird (vgl. Herleitung).

Die Mindestbewehrung darf aus dem Gleichgewicht der Betonzugkraft unmittelbar vor der Rissbildung (Zustand I) und der Zugkraft in der Bewehrung der Zugzone unter Berücksichtigung der zulässigen Stahlspannung (maximal f yk ) berechnet werden.

Aus diesen Bedingungen ergibt sich die erforderliche Mindestbewehrung z.B. bei

Zentrischer Belastung:

A

s ,min

A

ct

f

ct eff

,

k

s

Reiner Biegung:

A

s

,min

A

s ,min

M

cr

ct

W

ct

ct

b h

2

ct

A

c

z

s

A

ct

0,8

f

h

ct eff

,

s

k

0,4

0,8

h

s

6

5

s

s

 0,8  h   s  6 5   s  s ungerissen

ungerissen

gerissen

  s  6 5   s  s ungerissen gerissen A c t

A ct

Fläche der Betonzugzone Das ist der Teil des Querschnitts, der unter der zur Erstrissbildung am Gesamtquerschnitt führenden Einwirkungskombination im Zustand I rechnerisch unter Zug steht.

k

s Zulässige Stahlspannung zur Begrenzung der Rissbreite (maximal f yk )

Beiwert zur Berücksichtigung von nichtlinear verteilten Betonzugspannungen und weiteren risskraftreduzierenden Einflüssen (vgl. oben).

Die Mindestbewehrung ist überwiegend am gezogenen Querschnittsrand anzuordnen, mit

einem

angemessenen Anteil aber auch so über die Zugzone zu verteilen, dass die Bildung

breiter

Sammelrisse vermieden wird.

Werden langsam erhärtende Betone mit r = f cm2 /f cm28 <= 0,3 verwendet (i. d. R. bei dickeren Bauteilen), dann darf die Mindestbewehrung mit dem Faktor 0,85 verringert werden. Die Rahmenbedingungen der Anwendungsvoraussetzungen für die Bewehrungsverringerung sind dann in den Ausführungsunterlagen festzulegen.

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Wie man erkennen kann, schwankt der Faktor vor dem Aufreißen zw. 0,4 und 1,0, je nachdem, ob zentrische Belastung oder Biegung vorliegt. Im EC 2 heißt dieser Faktor k c und soll die folgenden Einflüsse abdecken:

- Einfluss der Spannungsverteilung in der Zugzone vor Erstrissbildung

- Änderung des inneren Hebelarms bei Rissbildung

Rechteck, Stege von Hohlkasten und T-Querschnitten:

k

c

0,4

   c  1   * k  ( h h )
c
1
*
k
(
h h
)
f
1
ct eff
,

1,0

(5.1)

Gurte von Hohlkasten und T-Querschnitten:

 

A f

ct

ct eff

,

 

0,5

k

c

0,9


F cr


(5.2)

0,9    F cr   (5.2) k 1,0 c  c * h
k 1,0 c  c * h k  1,5 1 * k 1 
k
1,0
c
c
*
h
k
 1,5
1
*
k
1  2 3
h h
F cr

für reinen Zug

(5.3)

k c für Gleichung (5.1) und h < 1 m

Betonspannung in der Schwerlinie des Querschnitts im Zustand I (Druck > 0)

h* = h für h < 1 m

für eine Drucknormalkraft

für eine Zugnormalkraft

der Absolutwert der Zugkraft im Gurt unmittelbar vor Rissbildung infolge des mit f ct,eff berechneten Rissmoments.

h* = 1 m für h >= 1 m

Damit ergibt sich die erforderliche Mindestbewehrung zu:

 

k

 

k f

 

A

 

A

c

ct eff

,

ct

s ,min

s

 

(5.3)

Bei dickeren Bauteilen kann die Mindestbewehrung unter zentrischem Zwang für die Begrenzung der Rissbreiten je Bauteilseite unter Berücksichtigung einer effektiven Randzone A c,eff je Bauteilseite im Vergleich zu (5.3) evtl. wie folgt reduziert werden:

A s ,min

s

f yk

f

ct eff

,

f ct eff ,  A c eff ,   k f ct , eff

A

c eff

,

k f

ct , eff

A

ct

(5.4) (NA 7.5.1)

mit

ct 0,5 

A

b h

Der Grenzdurchmesser der Bewehrungsstäbe zur Bestimmung der Betonstahlspannung in Gleichung (NA 7.5.1) muss in Abhängigkeit von der wirksamen Betonzugfestigkeit f ct,eff folgendermaßen modifiziert werden: ø = ø*·f ct,eff / 2,9 N/mm²

Bei gegliederten Querschnitten wie Hohlkästen oder Plattenbalken ist in der Regel die Mindestbewehrung für jeden Teilquerschnitt (Gurte und Stege) einzeln nachzuweisen.

die Mindestbewehrung für jeden Teilquerschnitt (Gurte und Stege) einzeln nachzuweisen. Rissbreiten.doc 03.06.17 Seite 16

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6. Rissbreitennachweis nach EC 2

6.1 Ohne direkte Berechnung der Rissbreite w

Wenn die Mindestbewehrung eingehalten wird, ist eine Überschreitung der Rissbreiten unwahrscheinlich, wenn die folgenden Regeln eingehalten werden. Die zulässigen Rissbreiten werden eingehalten, wenn die Durchmesser (Tabelle 7.2DE) oder die Abstände (Tabelle 7.3N) der Bewehrungsstäbe in Abhängigkeit von der Stahlspannung begrenzt werden.

Für den Nachweis der Rissbreitenbegrenzung wird unterschieden:

a) überwiegende Belastung infolge indirekter Einwirkung (Zwang):

Die Grenzdurchmesser nach Tabelle 7.2DE sind einzuhalten.

b) überwiegende Belastung infolge direkter Einwirkung (Lasten):

Die Grenzdurchmesser nach Tabelle 7.2DE sind einzuhalten oder Die Stababstände nach Tabelle 7.3N sind einzuhalten

7.2DE sind einzuhalten oder Die Stababstände nach Tabelle 7.3N sind einzuhalten Rissbreiten.doc 03.06.17 Seite 17
7.2DE sind einzuhalten oder Die Stababstände nach Tabelle 7.3N sind einzuhalten Rissbreiten.doc 03.06.17 Seite 17

Rissbreiten.doc

03.06.17

7.2DE sind einzuhalten oder Die Stababstände nach Tabelle 7.3N sind einzuhalten Rissbreiten.doc 03.06.17 Seite 17
7.2DE sind einzuhalten oder Die Stababstände nach Tabelle 7.3N sind einzuhalten Rissbreiten.doc 03.06.17 Seite 17
7.2DE sind einzuhalten oder Die Stababstände nach Tabelle 7.3N sind einzuhalten Rissbreiten.doc 03.06.17 Seite 17

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Die in den Tabellen 7.2DE und 7.3N angegebenen Stahlspannungen sind im Zustand II für die maßgebende Einwirkungskombination zu bestimmen.

Die hier gezeigten Tabellen wurden für den ungünstigsten Fall der Erstrissbildung mit einer Betonzugfestigkeit von f ct0 = 2,9 MN/m² und ohne Anrechnung von Längsbewehrung erstellt. Daher muss der abgelesene Grenzdurchmesser d s * in Abhängigkeit von f ct,eff modifiziert werden. Um das abgeschlossene Rissbild einzuarbeiten darf der Grenzdurchmesser d s * in Abhängigkeit von der Stahlkraft und den Bauteilabmessungen angepasst werden.

Lastbeanspruchung:

Mindestbewehrung + Zwang Biegung:

Mindestbewehrung + Zwang zentrisch:

d

d

*

s

A

s

 

d

*

f

ct eff

,

 
 

s

s

4

 

h

d b f

ct

,0

s

f

ct

,0

d

 

d

s

*

k

c

k h

cr

f

ct eff

,

d

 

*

f

ct eff

,

 

(6.1.2)

s

 

4

 

h

 

d

f

ct

 

s

f

ct

 
 

,0

,0

 

d

 

d

s

*

k

c

k h

cr

f

ct eff

,

d

 

*

f

ct eff

,

 

(6.1.3)

s

 

8

h

 

d

f

ct

 

s

f

ct

 
 

,0

,0

 

(6.1.1)

d

s

modifizierter Grenzdurchmesser

*

d

s

Grenzdurchmesser nach Tabelle 7.2DE

A s

Querschnittsfläche der Betonstahlbewehrung

s

Betonstahlspannung im Zustand II

b

Breite der Zugzone

h

cr

f ct ,0

2,9 MN / m

die Höhe der Berücksichtigung

Einwirkungskombination

Zugzone

der

unmittelbar

Normalkräfte

vor

unter

Rissbildung

unter

quasi-ständiger

2 Betonzugfestigkeit, mit der die Tabellenwerte berechnet wurden.

Steht der Querschnitt vollständig unter Zug, dann ist (h-d) der Mindestabstand zwischen dem Schwerpunkt der Bewehrungslage und der Betonoberfläche (bei unsymmetrischer Stablage Mindestabstand zu allen Seiten berücksichtigen).

Bei Verwendung von Stäben mit unterschiedlichem Durchmesser darf ein mittlerer

Stabdurchmesser angesetzt werden:

s , i

2  n d  i s , i d  n zu rechnen. s
2
n d
i
s , i
d
n
zu rechnen.
s

d

n d

sm i

Bei Stabbündeln ist mit dem Vergleichsdurchmesser d

sv

Bei Betonstahlmatten mit Doppelstäben darf der Durchmesser des Einzelstabes angesetzt werden.

Achtung: Wenn eine genauere Rechnung zeigt, dass eine geringere Bewehrung ausreicht, dann muss die ermittelte Mindestbewehrung nicht eingelegt werden. Das trifft v.a. für Bodenplatten beim Abfließen der Hydratationswärme zu, wo die volle Zwangskraft auf Grund zu geringer Bodenreibung nicht aufgebaut werden kann.