Sie sind auf Seite 1von 41

Das

iDclun0cnlicd

Jung" @

Lektüren

Az

13o =^

ELl-Lektüren: Texte für Leser jeden Alters. Von spannenden und aktuellen Geschichten bis hin zur zeitlosen Größe der Klassiker. Eine anspruchsvolle redaktionelle

Bearbeitung ein klares didal<tisches

Konzept und ansprechende

Illustrationen begleiten den Leser

durch die Geschichten, und Deutsch

Iernt man wie von selbst!

!Ag[HHä*ffii5$f+mri.r,$Hl##lht&!

Die Fsczertifizierung garantiert, das dasfür diese

Veröffentlichung venrvendete

Papier aus zertif jzierten

Wäldern

$ammt und damit

weltweit eine verantwor

tungs\/olle Foßtwirtschaf t

unteßtützt.

Für diese Reihe

*ffik**

Anonym

J.

t

:,, at

Nacherzählt von Daniela Stierlin

lllustrationen von Rita Petru«ioli

Jung" @

Lektüren

Das l{ibelungenlied

Anonym

Narhenählt

von Daniela Stierlin

Übungen: Daniela Stierltn Redaktion: lris faiqle

lllu$rationen von Rita Peku«ioli

ELl-Lettüren

l(onzeption:

Paola A«attoli, Grazia Ancillani, Daniele Garbuqlia (Art Diredor)

Gnlisü€ Cestaltüng

Sergio Elisei

Prodüktionsleitung

Fran(es(o

(apitano

tayout

Sofia A«inelli

lolos

Shutterstock

0 2012

EU s.r.l

B.P 6 - 62019 Recanati,

Tel. +39 071 750701

Fax +39 071 977851

info@elionline.(om

www.elionline.com

Verwendeter khriftsatz:

ttalien

14onotype

Dante lllB

Druck in ltalien: Iecnostampa Reranati

ERTNTO1

rsBN 9iB-BB-536-0782-9

Erste Auflage: Februar

2012

rww.dileadets.(om

Hauptfiguren

Vor dem Lesen

10

Kapitell Sieg&iedundderSehatzderNibelungen

18

Aufgaben

Kapitel2 Die starke Brünhild

28 Aufgaben

3o

Kapitel3 Der Tod von Siegfried

38 Aufgaben

40 Kapitel4 Kriemhild bei den Hunnen

48 Aufgaben

So

Kapitel5 Die Niederlage der Burgunder

60 Aufgaben

62 AufderBühne

Z4

76

78

79

Zum Weiterlesefl Heldenepos

Zum Weiterlesefl Wer reiste im Mittelalter?

Ie$e dich selb$!

Syllabus

Zeichen für die Hörtexte auf der CD

Anfang'ä) Endei$

Brünhild

,,i{011, verlraulcr

uon llönig

Gunlhcr

llönig Gunther

Wmr $stxx Lesen

I Was ist ein §chatz?

e D Gold und Edelsteine

g

I

ein Gefuhl

C X ein Tier

2 Wotin,Sehören aie WArterf '

Sohn - Schwester - Worms -pt6r - ffryptStaOt -

tsurgund - Mutter- Nor:den

Vater

Familie

Geoqraohie

Hauptstadt

§ Was irt ein HEld?

Portr'ät. '

r ,' l'

Hest du Einen Helden? t"Iach ein krrrzes

'

4 Ergänze die Wörter lm Text.

Helderdäos - Geschichte - Jahrhundert iyp".f-, - n*f.u.rn

Das Niberunsentied ist ein .,Y:!!,f,jgy.,T,. Es, entstand im

ist

Person, die die

ö

fur die Heldenepik. Wichtig ist nicht die

: erzählt, sondern der lnhalt.

5 Welche Adiektive pässen zu einem Helden?

A

B

C

D

E

n stark

E mutis

flschön

flbose

n dumm

6 welche Adjektive passen zu einem König? \Ion den vier Adiektiven passen nur drEi. §chreib sie in die leeren

Kreise.

A E reich

B [] mächtig

C

I

stotz

DEarm

Kapitel 1

§ergfmed xcssd dsr Srfuwtrx

dmp'trd&mäsapsg#rä

tr .i Im Burgund, am Hofe ztJ Worms, lebt im

Mittelalter ein wunderschönes Mädchen. Es heißt

Kriemhild und hat drei Brüder: Gunther, Gernor und der junge Giselher. Sie sind die Könige von

Burgund. Viele junge Männer möchten das

schöne Mädchen heiraten, aber bis jetzt konnte noch kein Mann thr Herz erobern'. Eines Nachts

hat Kriemhild einen Traum. Sie träumt, dass ihr

ein Falke'zgehört und zwei Adler'den Vogel rören.

Ihre Mutter erklärt ihr den Traum: Der Falke sei ein starker Mann, den sie aber verlieren wird.

Von diesem Tag an hat Kriemhild Angst, sich zu

verlieben. In den Niederlanden lebt zur gleichenZeit ein Königssohn mit dem Namen Siegfried. Er ist der

Sohn von König Sigmund und Königin Sieglinde.

Siegfried ist jung, stark, schön und mutig. Alle

bewundern ihn ftir seine Tapferkeit. Als er

von Kriemhild hort, will er sie heiraten'. Aber

j ;:f.*häe'':

.-"rl,

'I

I

fl

1tl:

iti:;i'] i i iill i i

"

Kapitel

@

seine Eltern sind dagegen. Doch er setzt seinen

Wjllen durch und plant die Reise nach Worms.

Nur die schönsten Kleider will er mitnehmen.

Dann reitet er mit einer kleinen tuppe los.

Sie sind lange unterwegs. Als sie endlich in der

li

I

Hauptstadt Burgunds ankommen, laufen die

Leute zusammen, um den stolzen Fremden zu bewundern. Auch die Könige erfahren von seiner

Ankunft und fragen ihre Vertrautenl, wer der edle

Rittet' sei.

,,Es ist Siegfried", erklärt ihnen Hagen, der

treuste Vertraute: ,,Er hat einen Drachen3 getötet

und hat in seinem Blut gebadet. Dadurch ist er

unverwundbar' geworden. Zudern besitzt er eine

Tarnkappe, die ihn unsichtbar5 macht und ein so scharfes Schwert6, so dass er unbesiegbarrist.

Außerdem ist er enorm reich: Er hat den Schatz

der Nibelungen erobert. " ,,Wo liegt dieser Schatzl", will König Gunther

wissen. ,,Weit weg von hier, im Norden, wo es nur

Schnee und Eis gibt", erklärt ihm Hagen. König

Gunther entscheider, den fremden Königssohn

rrUertraute, n keund, Berater

rr kilter, -Adliger

3r Nln{he[, 'Fabe]tier 1 uruerwundhar unverletzlich

L2

5 unsichtbar nicht ru sehen

6 s §chwefi, er Waffe des Ritters

I un[esieghu

unsrhlagbar

Das IVi belungenlied

@

wie einen Bruder am Hof au2unehmen. Nach

kurzer Zeithaben alle den mutigen Kämpfer lieb

gewonnen.

So vergeht dreZeitund Siegfried lebt schon seit

einemJahr am Hofe der Burgunder-Könige, ohne

dass er jedoch Kriemhild gesehen hat' Da kommt

eines Tages die Botschaft'an, dass die Nachbarn

das Burgund angreifen'und erobern wollen'

Siegfried ist sofort bereit, den Burgundert' zu

helfen. Ohne Angst reitet er dem Feind entgegen'

Sein Mut wird belohnts: Als das feindliche Heer

den Helden Siegfried e-rkennt, bricht es den Kampfl ab. Die Burgunder sind glücklich über

ihren Sieg und lassen in Worms ein riesiges Fest

vorbereiten. Mehr als fünftausend Gäste kommen

in die Stadt. Jeder Gast erhä1t ein Pferd und ein

kostbares Gewand als Geschenk. Die Frauen

ziehenihre besten Kleider an und machen sich so

schön wie möglich. Auch Kriemhild will an den

Festlichkeiten teilnehmen. Sie trägt ein seidiges Kleid mit vielen Edelsteinen. Sie ist die Schönste

von allen.

reBotschafl,en Meldunq,Nachricht tbolohnen danken

1 angreifen, griff an, hat angesriffen 4 t l(ampf, "e Streit, lchlacht altackieren

13

Kapitel t

Als Siegfried sie siehr, kann er den Blick nicht

mehr von ihr lassen. Er ist in sie verliebt. Für den

Rest der Festtage bleibt er an ihrer Seite.

In der Zwischenzeit hat König Gunther gehört,

dass eine schöne und starke Königin im hohen

Norden lebt. Wer sie erobern will, muss sie im

Zwelkampf besiegen'. Wer gegen sie verliertr,

muss sein Leben lassen. Schon viele Helden hatten

versucht, die Königin zu erobern und hatten dabei den Tod gefunden.

Nun hat aber auch König Gunther vor, gegen

die starke Brünhild zu kämpfen. Siegfried will

ihn daran hindern3. Doch König Gunther will

nicht auf ihn hören. Da macht Siegfried einen

Vorschlaga:

,,Ich weiß, wo Brünhild lebt und kenne den Weg. Aber als Belohnung für meine Dienste verlange ich, dass du mir Kriemhild zur Frau

gibst!"

König Gunther ist einverstanden. Er kann es nicht erwarten, Brünhild zu besiegen und sie als

Braut5 nach Worms zu bringen. Siegfried aber

rä**s§cg*c* ;t',tir rttr i

rv*r§ier*n,tlcr§*r,tt*§v*rä**'*s*

i.l[]i:! l al l.tlrl

t4

ilriil

{rV*rsc§tktg,*'* liJlr,i:l-riili

5e &r*{"|§, *us itrlitl.iit

lt

I

ft,

ri

i

ir i

Kapitel

@

weiß, wie stark Brünhild ist. Er muss sich einen

Plan ausdenken. Er schlägt vor, dass sie nur zu viert reisen und sich als Reisende verkleiden.

Auf diese Art und Weise hofft er, Brünhild zu

täuschenr.

Sie rufen Kriemhild, damit sie ihnen zwölf

prächtige Kleiderfür die Reise einpacke. Vier Tage

wollen sie in Island bleiben: Sie berechnen einen Tag ftir die Ankunft, einen Tag für den Empfang

bei der Königin, einen Tag für den Wettkampf

und einen Tag ftir den Abschied. Jeden Tag wollen

sie sich dreimal umziehen.

Kriemhild zeigt ihnen die wunderbarsten Stoffe:

I weiße Seide aus Asien, braune Wolle aus Europa

und goldiger Brokat aus Afrika. Sie ruft dreißig

fleißige Mädchen, die sofort mit der Arbeit

beginnen und die werrvollsten Edelsteine auf die

Stoffe nähen. Sieben Wochen lang arbeiten sie

Tag und Nacht.

Siegfried aber holt aus seiner Kammer die

Tarnkappe. Das ist ein grauer, alter Mantel

mit magischen Kräften. Wer ihn anzieht, wird

unsichtbar und erhält die Kraft von zwölf

Männern.

'täuschen irrefuhren

Das Nibelungenlied

@

Am Tag der Abreise weint Kriemhild.

,,Ich werde deinen Bruder nach Hause

zurückbringen", verspricht ihr Siegfried.

Dann fährt das Schiff los und Siegfried, der den

Weg kennt, stellt sich ans Steuer'. Sie fahren den

Rhein hinunter bis auß offene Meer. Sie segeln2 für neun Tage. Dann endlich sehen sie wieder

Land.

,, D as ist Island, das Reich der Königin Brünhild",

erklärt Siegfried und deutet auf das Festland. Sie

sehen grüne Wiesen und große Städte. Etst jetzt

erklärt er König Gunther seinen Plan.

,,Wir wollen Brünhild nicht die Wahrheit

sagen. Sie soll denken, dass wir aus Abenteuerlust

nach Island gekommen sind und dass ich nur dein

Diener3bin."

,,Wie du willst, Siegfried", meint König

Gunther, ,,ich vertraue dir. Wir werden machen,

was du sagst."

,,Aus Liebe zu Kriemhild tue ich alles!", ruft

Siegfried und steuert auf die Festung Isenstein zu,

wo Brünhild wohnt.

rs §teuer, - Kommando

rse$eln mit dem Schiff fahren

ir §iener, - Llntergel:enel

F]elfet

i,

ll l

,li

iri

.ll

ui

,,I

it,li

l

llir,

i ill'

'l

Wmrts & Wd#räsr

T Wortgitter. Finde die Namen von drei Tieren,

die fliegen können.

ACHIKLON

XGAEWIXB

FALKEPRH

EDRACHEN

ULONRKTP

JEUCYGEM

M

I

OHWAOSAW

R

S

U

DA

A

ä wie heißt das Gegenteil?

BeispieL1- C

t

lelschön

2

n unbesiegbar

3

n unverwundbar

4

L unsichtbar

s

L l klein

ilmsmm & §"mrmerx

A besiegbar

B sichtbdr

3hässlich

D groß

E verwundbar

lnterview Du machst ein lnterview mit der Königin

Kriemhild. Wie heißen die Antworten?

1 Frage: Wie heißen Sie?

2 Frage: Wo sind Sie geboren?

3 Frage: Haben Sie Brüder und Schwestern? Wie heißen sle?

4 Frage: Was sind Sie von Beruf?

rB

1: iifl,trl[;6pgm & §m§xhmax

;' Die Sätze sind durcheinander geraten' Bring sie wieder in Ordnung!

Beispiel:

ist/derlSch atz?/Wo Wo ist der Schatz?

1 reist/Siegfried/nach/lsland

2 ist/Köni9in/eine/Brünhild

3

u nverwu ndbar/Siegfried/ist

4

hat/Angst/keine/Er

§', tu'u fl)m*xäsc§x ä * %nxrme§'x*n

Thema Familie: Stell Fragen mit den Fragewörtern in den

Kreisen.

r_9

Kapitelz

Die starke Bränhild

>,r 3

Als sie in die Nähe der Burg kommen, sehen

sie wunderschöne Frauen, die aus den Fenstern blicken. Eine trägt ein schneeweißes Kleid.

Siegfried fragt Gunther:

,,Welche geftillt dir am besten?"

,,Die Frau im schneeweißen Kleid", anrwortet

Gunther sofort. ,,Wer ist das?" ,,Das ist Brünhild. Sie ist die Schönste und

Stärkste von a11en", ancwortet ihm Siegfried.

Er war schon in Island gewesen und kannte die nordische Königin.

Die vier Reisenden steigen aus dem Schiff.

Siegfried führt'das Pferd von König Gunther und

lässt ihn aufsteigen'z. Er will zeigen,dass er nur ein

Diener ist. Dann steigen auch die drei anderen auf ihre Pferde. Sie reitenzur Burg3. Die Edelsteine auf

ihren Kleidern gli:.;zerna in der Sonne. Die Burg ist

riesig. Sie hat mehr als sechzig Türme5. Der Saal,

wo Brünhild auf sie wartet, ist aus Marmor. Ihr

Kleid ist aus Gold.

'führen befehlen

laußleisen, $ieg auf, ist

aufgestiese* aufstlzen

20

3e Bsrg, en Residenz des KÖnlgs

4glitzern ülänzen

rr lürm, "e höchsler leil einer Burg

Das N ibelungenlied

§&

,,Wer sind die Fremden?", fr^*

sie ihren

treusten Vertrauten.

,,Ich kenne sie nicht", anfwortet dieser. ,,Der

erste sieht wie ein König aus. Der zweite ist jung

und der dritte scheint herzlos. Der vierte sieht wie

der Drachentöter Siegfried aus."

Als Brünhild hört, dass Siegfried nach Island

gekommen ist, glaubt sie, dass er um sie kämpfen

will. Sie freut sich:

,,Herzlich Willkommen in Island, Siegfried,

was ist der Grund der langen Reise?"

,,Ich bin nicht freiwillig'hier, edle Brünhild, ich

habe nur König Gunther an deinen Hof begleitet.

Er ist wegen dir gekommen."

Enttäuscht' macht Brünhild einen Schritt

zurück: ,,Sag deinem König, dass er um mich

kampfen muss. 'Wenn er mich dreimal besiegt,

werde ich seine Frau. Wenn er verliert, stirbt3 er."

Brünhild macht sich ftir den Wettkampf bereit.

Siegfried Iauft zurrr Schiff zurück, um die

Tarnkappe zu holen. Für die anderen unsichtbar

geworden, stellt er sich hinter König Gunther.

rfreiwillig aus etgenem \llillen

I snttäuscht unzuf rieden

3 sterhen, stitbt, starb, ist gestoffien nichl meht leben

27

K*pitel

@

Er wird an der Stelle des Königs kampfen.

t,

Ii,"1

l

rl"r,

I

MI ffi

ffi

ffi

&!

1{ß M

ffi

M

W

ffi

m

M

Müi

,

t'

i

rl,

',j

Der König soll den Kampf nur nachmachen'.

Nach kurzer Zeitkornmt die islandische Königin

zurück. Neben ihr gehen die stärksten Ritter:

Sie tragen einen dicken, goldenen Schild', einen

spitzen Speer3 und einen riesigen Stein zLLm

Karnpfplatz.

Brünhild beginnt als erste. Mit gigantischer Kraft

wirft sie den Speer gegen König Gunther. Siegfried, der hinter ihm steht, kann ihn stoppen. Als der König an der Reihe ist, zögerta Siegfried. Er will

Brünhild nicht töten'. Er dreht den Speer mit dem

stumpfenu Ende gegen sie. Die Königin kann den

Speer aufhalten, fällt jedoch zu Boden. Wütend7

steht sie auf und nimmt den Stein. Sie wirft ihn

viele Meter weit. Doch Siegfried ist stärker als

sie. Er nimmt den Stein und wirft ihn weiter als

Brünhild. Brünhild hat den Kampf verloren.

,,Ich und mein Reich gehören ab heute König

Gunther", sagt sie traurig.

i 1t*cfls§**§]*r{ t.it, ilir:''l

i

!

r §p§*r, * r,:il''jt !'i,ril.

{ ail$gf* lrilrt :lilri lrlirr.it:iil

I

§tfui{d,

rr ji r rt,r:

22

t t$ägäi lict: i iti.,i,:1, ifiitr::lit

! säarmsf lilll :,f ilir,rt

I w{itcm* .iit't;ti

Kapitel

@

lnzwischen hatte Siegfried die Tarnkappe zum

Schiff zurückgebracht. Als er zum Kampfplatz

zurückkommt, gibt er sich unwissend.

,,Wann geht es los?", fragt er Brünhild.

,,W'o warst du denn dre ganze Zeit\", frage

Brünhild zurück.

,,Unten beim Schifl ich hatte noch zu tun",

lügt'Siegfried. ,,König Gunther hat mich besiegt!", jammert'

Brünhild. ,,Aber sei doch froh! König Gunther ist reich

und mächtig. Du wirst Königin in W'orms!", ruft

Siegfried, so frohlich als möglich.

,,Ich will mich zuerst von meinen Rittern

verabschieden! ", sagt Brünhild.

Da bekommen die Burgunder Angst. Wenn

Brünhild das ganze Heer zusammenruft, sind sie

verloren.

,,Ich will Hilfe holen", sagt Siegfried z1)

seinen Reisegefährten, ,,und zwar so schnell wie

möglich."

Siegfried fährt mit dem Schiff ins Land der

Nibelungen. Das befindet sich am Ende der Welt.

Dort liegt der Schatz der Nibelungen. Er gehört

rlüg*n nrcht die Wahrheit sagen

ziammern sich beklagen

Nibelungenl

ied

@

Siegfried. Zwergt Alberich, der oberste Hüter

des Schatzes kommt herbeigelaufen. Siegfried

packt ihn am langen Bart und befiehlt'ihm, so

viele Krieger wie möglich herbeizurufen. Diese

kommen aus allen Teilen des Landes und Siegfried

kann die Besten unter ihnen aussuchen. Er fährt

mit ihnen nach Island.

Als Brünhild die Hünen sieht, weiß sie, dass sie

endgtiltig verloren hat:

,,Bevor ich für immer die Insel verlas§e, will ich

meinen Rittern ein Abschiedsgeschenk

machen",

sagt sie und schließt mit einem goldenen

Schlüssei eine kleine Tür des Schlosses auf. Als

die Tür aufgeht, sieht man Berge von Gold und

Edelsteinen. König Gunther befiehlt Siegfried, den gesamten

Schatz an das Volk zu verteilen. Da protestiert

Brünhild:

,,Wenn du alles verteilen lässt, bleibt nichts mehr für mich übrig!"

,,Mach dir keine Sorgen! Ich bin so reich, dass

du nichts Anderes mehr brauchst!", gibt König

Gunther zur Anrwort.

I r ltltrg, e kleingewachsener

[,1en:ch

t befehlon, hefiehlt, §efahl, hat hefohlen bestimmen

25

Kayitel

@

Aber der Burgunder-König ist klug: Er will

Brünhild ohne Schatz lassen, damit sie ihre Macht'

verliert und ihm nicht mehr geftihrlich werden

,,llll

kann.

r:llii

Als Brünhild die Insel verlässt', weiß sie nicht,

,l

dass sie sie nie mehr wiedersehen wird.

Auf der langen Rückfahrt ins Burgund planen

ll''

;,i

I

ri

ltl

sie die Hochzeit und König Gunther kann es nicht

erwarten, dass Brünhild endlich seine Frau wird.

In Worms erwartet ein großer Festzug das Paar.

Kriemhild umarmt ihren Bruder und heißt

Brünhild willkommen. Die Leute feiern Tag und

Nacht. Inmitten der Festlichkeiten geht Siegfried

zu König Gunther:

,,Ich hoffe, du hast dein Versprechen nicht

vergessen", sagt er zrt ihm. ,,Weißt du noch, dass

du mir deine Sc-hwester Kriemhild versprodren'hast?"

,,Ich will Wort halten", antwortet der König und

beflehlt seinen Vertrauten: ,,Ruft nach Kriemhild,

sie soll zu uns kommen!"

Wenige Minuten später kommt Kriemhild in

den Saal. Sie hat nur Augen ftir Siegfried. Als ihr

Ie ilatht, oog flerschali

t verlassen, verlässt, Ysrlisf}, hal verlasen w*!üeh*n ' versptc{hen, verspri$t, v§r§§raeh, hal venprochgn venithe rn

26

Das M belungen

@

König Gunther sagt, dass sie seine Frau werden

soll, ist sie überglücklich. Alle sind fröhlich.

Nur Brunhild f?ingt zu weinen an.

,,Warum weinst du denn?", frugt König

Gunther, der neben ihr sitzt.

,,Kriemhild ist eine Königstocher und Siegfried

nur dein Diener. Ich weine für

Brünhild. Sie ist eifersüchtig'auf Kriemhild.

, lügt

,,Ich werde dir das später erklären", anfwortet

ihr König Gunther.

Doch Brünhild hört nicht zu weinen auf.

,,Ich werde dich nicht heiraten, bis ich nicht

genau weiß, wer Siegfried ist und woher er

wirklich kommt", sagt sie zu ihrem Verlobten.

,,Siegfried ist ein Königssohn wie ich. Sein Vater ist der König der Niederlande. Er ist schon

seit langer Zeit in meine Schwester verliebt und

hat lange auf sie gevrartet. Sie werden glticklich

seln zusammen.

Bei diesen Worten weint Brünhild noch mehr

und hört nicht mehr mit Weinen auf.

1 eifersüchtig rn isrg Linsti g

Wqlr[s & Wffirfier

tr Pinde das passende Adjektiv.

Beispiel:1 - B

1 Elxraft

z E ctuct<

g

4

5

[]

t-teoe

L-l Macht

LlFest

A glücklich

-IEkräftig

C

D

E

festlich

verliebt

mächtig

§äruxkäaxrmrt & §mäxfumax

3 eAjeftivsteigerung. Setze die richtige Form ein:

,

Beispiel:

Alberich ist

(hässlich) ats Siegfried.

Alberich ist hässlicher als Siegfried.

1 Siegfried ist

2 lsland ist

3 Kriemhild ist

4 Er hat

(stark) als KÖnig Gunther.

(klein) als das Burgund.

,.

(schön) als Brünhild'

(viel) Gold als sie.

' 3 Korrigiere die Sätze.

BeisPiel:

' Atberich sind ein Zwerg.

Alberich ist ein Zwerg.

1 Brünhild ist der KÖnigin von lsland.

2 König Gunther ist so starke wie Brunhild.

3 Siegfried helft König Gunther.

4 Brünhild kommt mit König Gunther in Worms.

28

5 Kriemhild wollen Siegfried heiraten.

6 Worms ist die Hauptstädte von lsland.

§ il ilm'r ffimaxäscffi ä * ilwsmsl

r Lies den Artikel und beantworte die Fragen mit falsch (F)

oder richtig (R).

Archäologische Funde

f-\

ie Bursunder waren

l) r^triit"tutt". bekannt

I ii r ihre Waffen. Eisen war

,lirs wichtigste Material, um

W.rffen herzustellen. Aber sic lrrauchten auch Silber. Mit Silber r ;lt'llten sie Gürtelverschlüsse

v()n enormer Größe her. Dabei

rvaren sie sehr phantasievoll:

I I i gürl iche Darstellungen auf

( iiirtelverschlüssen

r;t'ltcn. Sie zeigten das Kreuz,

tl.rs Leben Christi oder den

waren nicht

l'nrpheten Daniel. Der Prophet

war stets mit Löwen abgebildet.

Von den Gürteln glaubte mary

dass sie dem Tiäger Schutz und

Unverletzlichkeit verleihen. In einer Ortschaft in der Nähe von

Worms beweisen archäologische

Funde burgundische Anwesenheit. In 56 Gräbern wurden Urnen und

Skelette festgestellt. Gefunden

wurden viele Einzelstücke:

Schüsseln, Schaleru Urnery

Pfeilspitzen, Beile, Fibeln, Bechet

Ringe, Schnallery Glasperlery Schwerter usw

Die Burgunder machten GÜrtelverschlÜsse aus Silber.

1

Die Burgunder stellten Waffen her.

2

Die Waffen waren aus Silber.

3

Archäologische Funde bei Worms stammen von

den Burgundern.

4

Die Gräber waren leer.

5

Eisen war ein wichtiges Material.

FR

NV

ntr

nn

utr

nn

Dtr

tl

!

i

I

i

,t

Kapitel3

Der Tod von Siegfried

>,4

In Worms beginnt die Doppelhochzeit. Zwei

Wochen dauert das Hochzeitsfest. Dann kehren

die letzten Gäste nach Hause zurück. Auch

Siegfried fährt mit Kriemhild in die Niederlande.

Die Eltern von Siegfried sind froh über die

Rückkehr des Sohnes und übergeben ihm die

Kronel. Siegfried regiert zehnJahrelang. Er ist ein

guter König. Er vereint2 die Niederlande mit dem

Reich der Nibelungen. Somit wird er zu einem

der reichsten und mächtigsten Könige überhaupt.

In Worms dagegen findet Brünhild keine Ruhe.

Sie hat gemerkt, dass sie im Kampf gegen König Gunther getäuscht worden ist. Sie möchte endlich

die Wahrheit wissen. Aber sie ist auch eifersüchtig

auf Kriemhild.

Als am Hof ein großes Fest stattfindet, schickt

sie eine Einladung an Siegfried und Kriemhild.

Die beiden nehmen die Einladung an. Vor allem

Kriemhild freut sich darauf nach einem Jahrzehnt

Is l(trsne, en Symbol des KÖntus

I yereiileil zusammentun

3O

Das N ibelungenlied

@

wieder in ihre alte Heimat zrrrücl<zukehren. Als

die königlichen Gäste in Worms ankommen,

beginnt ein grandioses Fest.

Doch nach einer Woche fangen Brünhild und

Kriemhild zu streitenl an.

,,Siegfried ist ein schöner und tapferer Mann,

aber er ist nur der Diener von König Gunther",

bemerkt Brünhild zu Kriemhild.

,,Dann wollen wir heute Abend vor der Messe

sehen, ob Siegfried deinem Gunther gleichgestellt'

ist", ruft Kriemhild wütend: ,,Ich werde vor dir in den Dom gehen, rlrr. zLL beweisen, dass ich

mächtiger bin a1s du." Die beiden Königinnen laufen in die Burg, um

sich für die Messe umntziehen. Jede will schöner

sein als die andere.

Vor dem Kirchentor treffen sie aufeinander' Kriemhild beleidiS' Brünhild:,,Ohne Siegfried

hätte dich König Gunther nie erobert. Sie haben

dich betrogen." Da ftingt Brünhild zu weinen an.

Kriemhild betritt vor ihr die Kirche.

straiien, stri§, lnt seslrittem he{iig rllskutieren
'

lslelcftsestellt ,;on gieichem sozialen Rang

I beleidisen mii Slörtern vetietztn

3r_

Kapitel

@

Jeat ist der Hass groß. Die Burgunder wollen

Brünhild helfen. Die ganze Nacht überlegen sie,

wie sie das Unrecht wiedergutmachen können.

Doch sie haben Angst vor Siegfried.

,,Auch Siegfried muss eine schwache Stelle

haben, wo er verwundbar ist' Wir wollen

rit

Kriemhild fragen", schlagt Hagen vor.

,,Sie wird Siegfried nicht verratenl", meinen die

I

anderen Ritter.

,,Sie ist eine Burgunderin", antwortet Hagen,

,,und als solche wird sie immer zu uns halten."

Am Hof von Worms denken sie sich eine Falle'

il

aus. Sie lassen feindliche Ritter zur Burg kommen.

Am nächsten Tag meiden sie dem Volh dass es

Krieg geben werde. Siegfried geht sofort zu König

Gunther und bietet ihm seine Hilfe an.

,,Warum hast du nicht sofort nach mir gerufen?

Vertraust du mir nicht mehr? Wenn es Krieg gibt, dann kämpfe ich auf jeden Fall mit euch!"

,,Ich danke dir", anfwortet König Gunther: ,,Es

ist ein großes Glück, einen Freund wie dich zu

haben. Ich nehme deine Hilfe gerne an."

I yerraten, veträt, verriet, fiat vsrnten denunzieren

reFalle,nläuschung

32

Das

Nibelungenlied

$m

Nach wenigen Tagen steht das Heer der

Burgunder-Könige bereit, um nach Norden zu

reiten. Die Mädchen und Frauen weinen. Sie

wissen nicht, dass ihr König und seine Vertrauten

ihren besten Freund in eine Falle locken'wollen. Hagen lässt sich bei Kriemhild melden:

,,Ich möchte dir im Namen des Königs sagen,

wie glücklich wir darüber sind, dass Siegfried ein

so guter Freund der Burgunder ist. Wir möchten

auf keinen Fall, dass ihm efwas passiert. Deshalb

bin ich gekommen. Gibt es efwas, das wir wissen

müssen, um sein Leben zu schitzen'l"

,,Ich danke dir für den Besuch. Ich habe große

Angst um Siegfried. Es ist mutiger als alle anderen

und kennt keine Gefahr", antwortet Kriemhild.

,,Gibt es eine Stelle, an der Siegfried vetletzbar

ist? Sag es mir, dann kann ich ihn in der Schlacht

besser schützen", fragt