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Proletarier aller Länder vereinigt euch!

Proletarier aller Länder vereinigt euch! Die Rote Fahne Zentralorgan der Kommunistischen Partei Deutschlands 94.

Die Rote Fahne

Zentralorgan der Kommunistischen Partei Deutschlands

94. Jahrgang, Nr. 10

Oktober 2012

Eigenverlag „Wilhelm Pieck“ Redaktion und Vertrieb 10243 Berlin, Franz-Mehring-Platz 1 Tel.: 030-9821930, Fax: 030-97896669

Gegründet von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg (wieder herausgegeben 1990 in der DDR)

Einzelpreis:

1,80 Euro

Jahres-Abonnement:

25,00 Euro

Förder-Abonnement:

35,00 Euro

„Finanzmacht macht Verfassung“

Der „Ankaufbeschluß“ der EZB und das Verfassungsgerichtsurteil zum ESM

„Rituelle Unübersichtlichkeit“

Es gehört mittlerweile zu den rhetorischen Ritualen der politischen Kommentatoren, im Zusammenhang mit der sogenannten „Euro- Krise“ deren Unübersichtigkeit zu beschwö- ren. Die Unübersichtigkeit geht so weit, daß

man kaum zu sagen weiß, um was für eine Art von Krise es sich denn gegenwärtig tat- sächlich handelt: Schuldenkrise, Finanzkrise, Währungskrise, Konjunkturkrise, europäi-

sche Demokratiekrise

Lasten ihrer scheinbaren Bewältigung?

Zumindest auf die letzte Frage kann man ein- deutig antworten: Betroffen sind die lohn- abhängig Beschäftigten, dieArbeitslosen und Rentner, keinesfalls die ökonomischen und politischen Eliten. Trotz aller Verschleie- rungs- und Propagandamaßnahmen der von den Herrschenden bestellten Medien dürfte man inzwischen gemerkt haben, daß nicht nur die Menschen in den sogenannten „Süd- ländern“ unter den „Krisenbekämpfungs- instrumenten“ leiden. Deutschland ist nicht die „unberührte Insel der Glückseligen“ in einer vom Spekulationskapitalismus gesteu- ertenWeltökonomie, auch wenn BILD, FAZ und RTL uns dies anders verkaufen.

Der Ankaufbeschluß der EZB

Dieser am 6. September auf Vorschlag des EZB-Präsidenten gefaßte Beschluß zum un- begrenztenAufkauf von Staatsanleihen be- troffener Länder durch die EZB ist nicht ohne den von Draghi in seiner Pressekonferenz betonten Begriff der „Konditionalität“ zu se- hen. Jener Terminus aus dem Wörterbuch der Krisensprache umschreibt ein berüch- tigtes Strukturelement des Spekulations- kapitalismus und seiner politischen Steig- bügelhalter: Die Vergabe von Finanzhilfen über Anleiheaufkäufe durch die EZB wird an die Auflagen einer strikten Austeritäts- politik gekoppelt. Das bedeutet im Klartext unter anderem: Kürzungen in den öffentli- chen Haushalten, die systematische Erhö- hung der Massensteuern, die Privatisierung

öffentlichen Vermögens und schrumpfende Arbeitseinkommen. Man erkennt die Spar- politik eines Reichskanzlers Brüning in diesem Glaubensbekenntnis Merkelscher Politik wieder. Wohin sie in der Weimarer Repu- blik geführt hat, ist bekannt. Tatsache ist auch, daß mit dem Aufkauf-

beschlußausSichtvonTeilenderRegierungs-

koalition der Untergang des Abendlandes drohte. Er gefährde eines der wichtigsten Grundzielederdeutschen(undeuropäischen) Währungspolitik: die Geldwertstabilität, Kern der unter anderem von Helmut Kohl betriebenen Europäischen Einigung im Sinne der Verträge von Maastricht und Lissabon. Daß mit genau diesem Fokus auf Geldwert- stabilität ohne gleichzeitige Beschäftigungs- undEntwicklungspolitikzurAngleichungder Wirtschaftsräume ein schwerer Unterlas- sungsfehler (ob absichtlich oder nicht, das

? Und wer trägt die

sei dahin gestellt) gemacht wurde, bleibt in- des unerwähnt. Wie auch immer, Merkel und Schäuble versuchen zu erklären, daß ohne jenen EZB- Beschluß der „Euro nicht zu retten“ gewe- sen sei. Die Börse hat es ihnen gedankt. Schon im Vorfeld waren die Kurse deutlich gestiegen, das Kapital hatte diesen Beschluß erwartet und bereits „eingepreist“. Ein Schelm, der Böses dabei denkt

„eingepreist“. Ein Schelm, der Böses dabei denkt Bemerkenswert bleibt: Selbst innerhalb des neoliberalen

Bemerkenswert bleibt: Selbst innerhalb des neoliberalen Blocks gibt es zwei Stand- punkte. Das Merkel-Schäuble-Lager will

den Euro um jeden Preis „retten“, denn die- ses Lager braucht den Euro als imperiales Instrument für die fortgesetzte globale Ex- pansion des deutschen Kapitals. Das andere Lager hat offenbar nur Angst vor der eige- nen neoliberalen Courage und sieht Risiken (und seien es nur die Risiken, daß die Wäh- ler angesichts der Unübersichtlichkeit und Angst „sparsam gucken“ und das Kreuz nicht bei der FDP oder der CSU machen). Auch der Stammtischpopulismus will ja be-

dient sein

Unter dem Strich also: Die Kanzlermehr- heit ist auf diesem Kampfgebiet nicht mehr zu gewinnen, aber auf die Bürgerlichen in Gestalt von SPD und Grünen ist Verlaß. Sie haben der Kanzlerin die nötige Unterstüt- zung bisher nicht versagt und werden dies auch künftig nicht tun. Und damit bleibt der fatale Konsens ungefährdet: „Rettung“ des Euro, Fortsetzung des globalen Expansi- onismus Deutschlands. Bezahlen werden die arbeitenden Menschen in Europa, kei- neswegs die Profiteure der Krise und ihre Verursacher. Siehe oben.

Machturteil des Verfassungsgerichts

Man muß diese Entscheidungen im Zusam- menhang mit dem Urteil des Bundesverfas- sungsgerichts über die Rechtmäßigkeit des ESM (Euro-Rettungsschirm) und des EU- Fiskalpaktes sehen. Die Verfassungsrichter billigten am 12. September diese Maßnah- men - und taten damit brav und harmlos das, was die Herrschenden und das Kapital von ihnen erwartet hatten. Es begnügte sich mit vorsichtigen Ein- schränkungen: Das Parlament müsse bitte ordentlich über finanztechnische Maßnah- men informiert werden, eine Haftungsober- grenze von 190 Milliarden Euro sei einzu- halten. Ende der Durchsage, Erleichterung groß, Aktienkurse gestiegen, Kapital freut sich, Weitermachen.

Da kennt der Söder sich aus.

Nun mag man darüber streiten, ob ein Verfassungsgericht die richtige Instanz ist, um über die Zweckmäßigkeit von fiskalischen Rettungspaketen zu entscheiden. Tatsache aber ist, daß alle bisherigen Maßnahmen zur Euro-Rettung gescheitert sind - und daß die „neuen“ Maßnahmen mit diesem Urteil ei- nen weitreichenden verfassungsrechtlichen Freifahrtschein haben. Es ist gleichzeitig ein Blankoscheck für die deutsche Regierung, ihr Spardiktat in Europa weiter durchzu- drücken, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes „ohne Rücksicht auf Verluste“. Die liegen nämlich, wie schon gesagt, aus- schließlich auf der Seite der Werktätigen, derAbhängigen undArbeitslosen.Wachsen- deArbeitslosigkeit, Rezession und Inflation, Lohneinbußen und Kaufkraftverluste wer- den allenfalls in Nebensätzen erwähnt oder dienen als Propagandainstrument, wenn es im Zusammenhang mit sozialen Protesten zur Gewalt kommt. Jetzt erleben wir wieder verstärkte „Deu- tungsarbeit“: Die Mächtigen setzen erneut alles daran, die Bevölkerung glauben zu ma- chen, die Krise sei entstanden, weil die Men- schen „über ihre Verhältnisse“ gelebt haben. Darum sei es notwendig, die Ausgaben des Staates zu senken, indem man die staatli- chen Leistungen reduziert und die Löhne kürzt. Das ist neoliberale Logik. Und diese Logik hat das Bundesverfassungsgericht mit seinem Urteil vom 12. September letztlich für schlüssig erklärt. Macht macht Verfas- sung.

Unsere Aufgaben

Kommunisten überrascht diese Konsequenz nicht - und es ist unsere Aufgabe, auf die Zusammenhänge aufmerksam zu machen. Das ist zunehmend schwierig, denn immer mehr Menschen sagen ganz offen: „Zum

Euro fällt mir nichts mehr ein!“. - Das hat etwas mit der Unübersichtlichkeit zu tun, die eingangs erwähnt wurde. Aber ein Ergebnis der letzten Wochen ist ausgesprochen übersichtlich und eindeutig:

Das Bundesverfassungsgericht hat mit sei- nem Urteil erneut unter Beweis gestellt, daß es tut, was die Mächtigen von ihm erwar-

ten. Macht macht Verfassung

eine simple

Wahrheit. Uns als Kommunisten bleibt die Aufga- be, auf die verborgenen und offenen Zusam- menhänge immer wieder hinzuweisen und aufzulösen - nicht, um sie zu beschwören, sondern um sie zu benennen und deutlich zu machen, daß die Mächtigen mit unserem Widerstand zu rechnen haben. Wir werden ein Störfaktor für die Expansionspolitik Deutschlands bleiben und alles daran set- zen, daß es nicht widerspruchslos gelingen wird, die Eurokrise zu benutzen, um wei- terhin demokratische und soziale Rechte abzubauen und diesen Abbau gar noch zu verstärken.

Dr. Frank Beckmann

Aus dem Inhalt

Kommunique´ zur erweiterten Tagung des Zentralkomitees der KPD am 22. und 23. September in Berlin

Seite 2

Zwischenfrage: Hat der braune Terror einen systemimmanenten Nutzen?

Seite 3

Agrar- und Umweltinformation Seite 4

Persönliches zu Gerhard Feldbauer:

Seite 4

„1945 in Italien fiel die Revolution aus“ Hinweise zur marxistisch-leninistischen Bildungsarbeit Erfahrungen kommunistischer Bündnis- politik Breaking the Silence: Wenn das Gewissen spricht Gedanken zum Monat Oktober

Seite 5

Seite 6

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Seite 8

3. Oktober 2012

Seite 5 Seite 6 Seite 7 Seite 8 3. Oktober 2012 Das OKV lädt ein zu

Das OKV lädt ein zu seiner

traditionellen

Protestveranstaltung

anläßlich des „Tages der deutschen Einheit“

„Menschenrechte erkämpfen - sozialistische Ideale verteidigen - gemeinsam gegen Faschismus!“

Das Wort werden ergreifen:

Prof. Heinrich Fink, Bundesvorsitzender der VVN-BdA; Markus Bernhardt, Journalist & Autor sowie Antifa-Aktivist; Dr. Hans Erxleben, Bezirksverordneter Die Linke in der BVV Treptow-Köpenick; Victor Grossmann, Journalist & Autor.

Das Programm wird künstlerisch Begleitet von:

Peter Bause, Schauspieler; Diether Dehm, MdB der PDL und Autor, in musikalischer Begleitung von Michael Letz.

Veranstaltungsort:

UCI-Kinowelt, Landsberger Allee 54, 10249 Berlin-Friedrichshain (Eintritt nur mit Eintrittskarte). Beginn der Veranstaltung:

10.00 Uhr (Einlaß ab 9.00 Uhr).

Der Vorverkauf erfolgt in den Geschäftsstellen von:

OKV e.V. - Dienstag und Donnerstag von 10.00 bis

12.00

Uhr, ND-Gebäude am Franz-Mehring-Platz 1,

10243

Berlin, Raum 630.

Telefon 030/29784630, Fax 030/29783630. E-Mail: info@okv-ev.de Internet: www.okv-ev.de

GRH e.V. - Dienstag und Donnerstag von 9.00 bis

16.00

Uhr, ND-Gebäude am Franz-Mehring-Platz 1,

10243

Berlin, Raum 300.

Telefon und Fax 030/29784225. E-Mail: verein@grh-ev.org Internet: www.grh-ev.org GBM e.V. - Montag bis Freitag von 9.00 bis 16.00 Uhr, Weitlingstraße 89, 10317 Berlin. Telefon 030/5578397, Fax 030/5556355.

e.V. - Montag bis Freitag von 9.00 bis 16.00 Uhr, Weitlingstraße 89, 10317 Berlin. Telefon 030/5578397,

2 Die Rote Fahne

Oktober 2012

Einladung

Einladung Liebe Genoss(inn)en, liebe Freunde, wir erlauben uns, zu einer Beratung zur weiteren Umsetzung der in

Liebe Genoss(inn)en, liebe Freunde,

wir erlauben uns, zu einer Beratung zur weiteren Umsetzung der in der

„GemeinsamenErklärungderTeilnehmer am bundesweiten Treffen von Kommu- nisten, Sozialisten und anderen linken Kräften, die sich zum Marxismus-Leni- nismus bekennen“

gegebenen Orientierungen einzuladen.

Ort und Zeit:

Braustraße 15 (Liebknecht-Haus), 04107 Leipzig. 13. Oktober 2012, 11.00 bis 15.30 Uhr.

Ziel der Beratung sollte sein:

1. Stand der Umsetzung der in der Gemeinsamen Erklärung vorgeschla- genen Maßnahmen.

2. Bennenung der Inhalte und Termine der nächsten gemeinsamen politisch- ideologischen Schulungen/Diskussi- onen, Austausch von Standpunkten zu den in der Einladung am 9. Juni genannten Punkten (vor allem 2, 5, 6) marxistisch-leninistischerGrundfragen.

3. Weitere zu klärende Probleme.

4. Schlußfolgerungen für die weitere Arbeit.

Um entsprechende Mitteilung zur Teil- nahme und gegebenenfalls zu weiteren Vorschlägen für die Tagesordnung wird gebeten.

Mit solidarischen Grüßen

Dieter Rolle Vorsitzender der KPD

Einladung

Anläßlich des 95. Jahrestages der Großen Sozia- listischen Oktoberrevolution laden der RotFuchs- Förderverein und seine Berliner Regionalgruppe zu einer festlichen Veranstaltung zum Thema

„Die historische Bedeutung der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution, die erste Etappe der Entwicklung des Sozialismus“

ein.

Die Veranstaltung findet am

19. Oktober 2012, ab 16.30 Uhr im ND-Gebäude, Münzenbergsaal, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin,

statt.

Den Vortrag hält Genosse Prof. Dr. Götz Dieck- mann. Eine kleine Umrahmung wird vorbereitet. Dauer der Veranstaltung zirka 90 Minuten. Infor- mationsstände sind willkommen (wir bitten um vorherige Information).

Im Interesse der weiteren Zusammenführung von Kommunisten, Sozialisten mit und ohne Partei- buch auf marxistischer Grundlage freuen wir uns auf zahlreiche Beteiligung.

Mit solidarischen Grüßen

Rolf Berthold

Ernst Heinz

Grußwort zur Beratung der Kommunisten am 13. Oktober 2012 in Leipzig

Liebe Genossinnen und Genossen,

dankend habe ich die Einladung zur besagten Beratung vom Genossen Alfred Fritz erhalten. Leider muß ich aufgrund meiner Abiturvorbe- reitungen und geringen finanziellen Mittel ab- sagen. Mit diesem Beitrag möchte ich dennoch einige Denkanstöße geben und so meinen Bei- trag zum Gelingen dieser Sache leisten.

Wir wissen alle, wie es derzeit um das Land, in dem wir leben, die Bundesrepublik Deutschland, bestellt ist. Eine weitere Analyse der Situation halte ich aufgrund unserer einheitlichen, wis- senschaftlichen Weltanschauung als Kommu- nisten, Antifaschisten, Marxisten-Leninisten und der vielen, guten Arbeiten hierzu nicht für notwendig. Ich möchte an dieser Stelle nur die Schlagworte Massenarmut, Hunger, soziales Elend der Hartz-Gesetze, Arbeits- und Obdach- losigkeit, Bildungsnotstand, staatlich organisier- te Verdummung der Jugend, Abbau sozialer und demokratischer Rechte, Militarisierung und Krieg nach außen, Repression und staatliche Begünsti- gung faschistischen Terrors nach innen nennen. Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen und durch zahlreiche gleichwie erschütternde Bei- spiele und Belege aus dem täglichen Leben der Menschen untermauern. Man kann die aktuelle Situation schlichtweg kurz in einem Satz zusam- menfassen: Reaktion auf ganzer Linie.

Für uns Kommunisten stellt sich nicht nur die Frage „Was tun?“, sondern vor allem „wie?“

Die kommunistische und Arbeiterbewegung in der Bundesrepublik Deutschland ist gespalte- ner denn je, und dies angesichts der Tatsache, daß die Angriffe der Bourgeoisie gegen die Ar- beiterklasse und alle Schichten des werktätigen Volkes stärker als in den Jahren zuvor erfolgen. Unsere Kräfte sind in vielerlei Parteien und Or- ganisationen aktiv, hinzu kommen zahlreiche par- teilose Genossen. Aber diese Spaltung schwächt nicht nur uns, sie stärkt vielmehr den Klassen- feind. Wir müssen uns endlich darauf besinnen, daß wir nur im geeinten Kampf siegreich sein können, denn so wie es jetzt ist, kann und darf es nicht weitergehen.

Wir brauchen eine einheitliche, revolutionäre, marxistisch-leninistische Partei der Arbeiter- klasse, die an die historischen Erfahrungen der KPD und SED, sowie die großartigen Lei- stungen des Sozialismus in der Deutschen Demokratischen Republik anknüpft!

Alle Genossinnen und Genossen der KPD, DKP, Kommunistischen Plattform, KI und weiterer Or- ganisationen müssen sich vereinigen, denn nur so können wir das realisieren, was uns die „Inter- nationale“ gebietet und unsere Klasse verlangt - die „stärkste der Parteien“ werden. Kontrover- se Diskussinen theoretischer und organisatori- scher Art werden sich hierbei nicht vermeiden lassen. Anstatt jedoch an bürgerlichen undemo- kratischen Pluralismus-Träumereien hängenzu- bleiben, müssen wir diese Debatten konsequent auf dem Boden unserer wissenschaftlichen Welt- anschauung, getragen vom Willen der Einheit, in Verantwortung gegenüber unserer Klasse, füh- ren. Aus diesen Gründen unterstütze ich diese Initiative, die von der KPD ausging, ausdrück- lich. Nur Einheit und Reinheit machen stark.

ausdrück- lich. Nur Einheit und Reinheit machen stark. Verbunden mit der einheitlichen, wissenschaft- lichen

Verbunden mit der einheitlichen, wissenschaft- lichen Weltanschauung müssen zugleich Oppor- tunismus und Revisionismus konsequent be- kämpft werden. In diesem Sinne wünsche ich der Beratung in Leipzig ein gutes Gelingen, diese ehrenhafte Sache kraftvoll und entschlossen vorwärts zu bringen!

Mit kommunistischen Grüßen

Urs Unkauf

Kommunique´ der 5. erweiterten Tagung des Zentralkomitees der KPD am 22. und 23. September in Berlin

Die 5. erweiterte Tagung des Zentralkomitees wurde vom Vorsitzenden der Partei, Genossen Dieter Rolle, geleitet. Als Gäste nahmen an der Sitzung die Vorsitzend bzw. Mitglieder der Zen- tralen Schieds- und Kontrollkommission, der Zentralen Finanzrevisionskommission, die Vor- sitzenden der Regionalorganisationen sowie die Mitglieder der Redaktion „Die Rote Fahne“ teil. Genosse Dieter Rolle eröffnete die Tagung mit einer kritischen Einschätzung der allgemei- nen politischen Situation in der BRD und in Europa. Dabei beschrieb er besonders die Rolle Deutschlands in der sich kontinuierlich zuspit- zenden Krise. Er macht im Rahmen seiner Ana- lyse deutlich, wie sich die KPD zu den wich- tigsten Krisenursachen sowie der vom Kapital und den Regierungen betriebenen sogenannten „systernischen Rettungsmaßnahmen“ positio- niert - Rettungsmaßnahmen etwa unter dem be- schönigenden Namen „ESM“ und „Fiskalpakt“. Sie dienen der Stützung „systemrelevanter“ Ban- ken und schaden den lohnabhängig Beschäftig- ten. Ihnen werden stetig wachsende Lasten auf- gebürdet, sie erleben rücksichtslose Einschnit- te in die sozialen Sicherungssysteme, während die politischen und ökonomischen Eliten unge- hemmt von Diätenerhöhungen und steigenden Managerbezügen profitieren. Die brutalen Auswirkungen der kapitalisti- schen „Kriseninterventionen“ auf die Werktäti- gen in den am schwersten betroffenen Ländern (derzeit vor allem in Griechenland, Spanien und Portugal), aber auch die unvermeidlichen schäd- lichen Rückwirkungen auf die Arbeiterklasse in Deutschland wurden benannt: Die Arbeitslo- senzahlen steigen, immer mehr sozialversiche- rungspflichtigeArbeitsplätze gehen verloren oder werden in ungeschützte Niedriglohnstellen über- führt. Dies sind Maßnahmen, die schon jetzt verheerende Konsequenzen für die Kranken-, Sozial- und Rentenversicherungen haben. Sozi- alpolitische Spardiktate werden gegenüber den Werktätigen mit einem „Sparzwang“ begründet, der angeblich aus der Notwendigkeit zur Kon- solidierung der Staatsfinanzen und aus den Stüt- zungen für die europäischen Staaten resultie- ren soll. In diesem Zusammenhang beschrieb Genosse Rolle auch die dramatischen Entwick- lungen im Nahen Osten (derzeit besonders in Syrien) und verwies auf die unrühmliche Rolle Deutschlands als Waffenlieferant und treiben- de imperialistische Kraft. Für den Zeitraum des vergangenen Quartals beschrieb Genosse Rolle die zahlreichen Akti- vitäten der KPD, darunter am Treffen in Mala Upa, die aktive Beteiligung an den antifaschisti- schen Aktionen in Bad Nenndorf (Niedersachsen) und die zahlreichen Gedenkveranstaltungen zu Ehren von Ernst Thälmann. Herausgehoben wur- de die würdevolle Festveranstaltung zu Ehren des 100. Geburtstags von Genossen Erich Ho- necker am 25. August in Bad Langensalza. Im Rahmen der Parteiaktivitäten wurden ebenfalls die Reisevorträge des stellvertretenden Vorsit- zenden der KPD über seinen Besuch in der DVRK gewürdigt. Das Leserforum des Zentralorgans „Die Rote Fahne“ in Zeitz wurde erfolgreich durchgeführt, der Protest der KPD gegen die Anbringung einer antikommunistisch zu werten- den Gedenktafel am Karl-Liebknecht-Haus in Berlin konnte trotz Behinderungen in die politi- sche Öffentlichkeit getragen werden. Genosse

Rolle schloß seinen Bericht mit dem Hinweis auf die Nachfolgeveranstaltung zum „Berliner Bundesweiten Treffen“ (9. Juni 2012), das am 13. Oktober in Leipzig stattfinden wird und gro- ße Bedeutung für die weitere Parteiarbeit in die- sem Jahr hat. Im weiteren Verlauf der Tagung nahmen die detaillierten Diskussionen um den aktuellen Zu- stand in der Partei und die Perspektiven ihrer künftigen Entwicklung breiten Raum ein. Einen hohen Stellenwert haben, so die gemeinsame Einschätzung, die verstärkten Aktivitäten um die „Einheit der Kommunisten“ in Deutschland, in deren Zusammenhang auch die Veranstaltung am 13. Oktober in Leipzig zu sehen ist. Zu einer Abkehr von der bewährten und aus- gewiesenen Parteisymbolik sieht sich das Zen- tralkomitee nach reiflicher Überlegung keine Veranlassung, die Auseinandersetzung mit anti- stalinistischen (und damit antikommunistischen) Verunglimpfungen ist vielmehr Teil des politi- schen Kampfes der Partei. Die ideologische Kommission erhält den Auftrag zur Erarbeitung entsprechender Positionspapiere. Zur Beteiligung der KPD an der Bundestags- wahl 2013 wurde entschieden, daß zwei bis drei Landesorganisationen mit Einzelkandidaten antreten. Zu den Positionen der KPD zum Bun- destagswahlkampf wird ein Argumentations- material erarbeitet. Einig war man sich darüber, daß in der be- schleunigten veränderten Medienwelt die In- ternetpräsenz der Partei (vor allem auch das Erscheinungsbild der Landesorganisationen) verbessert werden muß. Dazu sind von den Lan- desorganisationen Beauftragte zu benennen. Zum öffentlichen Erscheinungsbild und dessen Beförderung ist auch die verstärkte Durchfüh- rung von Informationsständen in der Verantwor- tung der Landes- und Regionalorganisationen notwendig. Das Zentralkomitee nahm den schriftlichen Bericht der Ideologischen Kommission, die Be- richte der Internationalen Kommission, der Zen- tralen Schieds- und Kontrollkommission sowie der Zentralen Finanzrevisionskommission zur Kenntnis. Der Finanzbericht des Hauptkassieres wurde bestätigt. Der gegenwärtige Stand der Konzeption zu Grundfragen der Wirtschafts- und Sozialpolitik wurde mündlich vorgetragen. Die Arbeit an die- ser Konzeption ist weiterzuführen und die grund- sätzlichen Überlegungen in Handreichungen zur Renten- und Arbeitsmarktpolitik sind zu inte- grieren. Die Vorsitzenden der Landesorganisationen Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Thü- ringen und Sachsen-Anhalt berichteten über den Stand der parteiinternen Bildungsarbeit. Dabei wurde deutlich, daß es noch große Unterschie- de hinsichtlich der erarbeiteten Bildungselemen- te gibt. Ergebnisse der Veranstaltung am 13. Ok- tober in Leipzig sollen systematischen Eingang in die künftige parteiinterne Bildungsarbeit fin- den. Die Broschüre zum „Bundesweiten Treffen von Kommunisten, Sozialisten und anderen lin- ken Kräften, die sich zum Marxismus-Leninis- mus bekennen“, wurde dem Zentralkomitee übergeben. Den Landesorganisationen wird die weitere Ve rvielfältigung und der Vertrieb der Broschüre übertragen.

Der Imperialismus opfert das Volk der Armut

Die Aktivitäten der Politik in den nächsten Jahr- zehnten zur Absenkung des Rentenniveaus führt das deutsche Volk in die Altersarmut, die für die Politik nicht mehr beherrschbar wird. Nur wer 2.500 Euro verdient (nach derzeitiger Berech- nung), wird 2030 eine Grundsicherungsrente erhalten, wenn er dann 45 Jahre gearbeitet und das 67. Lebensjahr erreicht hat (vorgesehen ist ein Alterseinritt in die Rente mit 70). Das ist eine Milchmädchenrechnung, die nie- mals aufgehen wird (ein Beschäftigter mit einem derzeitigen Stundenlohn von 14,00 Euro erreicht bei 160 Arbeitsstunden im Monat nur einen Brut- tolohn von 2.240 Euro. Unter den derzeitigen Krisenbedingungen, wo die Unternehmen bestrebt sind, die Löhne zu drücken, der Billiglohnsektor immer weiter aus- gebaut, die Leiharbeit erhöht wird, die Ein-Euro- Beschäftigten weiter zunehmen, die Anzahl der Hartz-IV-Empfänger systematisch steigt (die Unternehmenspleiten nehmen zu) und die Wirt- schaft ihren Profit überwiegend im Export reali- siert, welcher derzeitig durch den Wertverfall des Euro auf dem Weltmarkt gesteuert wird, sind

derartige Rentenberechnungen der Politik eine Illusion. Die Berechnungen der Politiker und ih- rer Vasallen, die Gutachterinstitute, die private Rentenversorgung predigen, trifft nur für einen geringen Anteil der Beschäftigten zu, welche ein Monatseinkommen von über 2.500 Euro er- reichen. Aber auch dieser Anteil wird geringer. Die Verkündigungen der Politiker sind nur dazu angetan, dem Profitstreben der Banken, Versicherungen, Konzerne und anderen Groß- unternehmen nach dem Munde zu reden. Die Armutssituation betrifft die Politiker nicht. Für sie sind die Gesetze so gestrickt, daß sie keine Sorgen um ihre Rente haben müssen. Es wird nichts getan, auf die Großverdiener der Wirt- schaft und Politik Einfluß zu nehmen, zu Gunsten der in Armut lebenden und der sich abzeich- nenden Altersarmut. Nur in einer Gesellschafts- ordnung ohne Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, wo der geschaffene Mehrwert in der Produktion für die Menschen in allen Le- benslagen eingesetzt wird, entstehen menschen- würdige Verhältnisse.

Wilhelm Deistel

Oktober 2012

Die Rote Fahne 3

Völkerrecht und Menschenrechte - humanitäre Interventionen

Redebeitrag von Karl-Heinz Wendt, Bundesvorsitzender der GBM, als Vertreter des Antifaschistischen Komitees gegen Krieg und Sozialraub zum Antikriegsmarkt am 1. September 2012 auf dem Potsdamer Platz in Berlin

Wir haben uns hier getroffen, um unseren un- abänderlichen Willen zu bekunden, den Frieden als höchstes Menschenrecht gegen jedwede kriegerische Handlung zu verteidigen. Schon seit 1948 sind die grundlegenden Men- schenrechte in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen kodifiziert worden. Es lohnt, diese Erklärung hin und wieder zur Hand zu nehmen, um zu wissen, wovon die Rede ist, wenn so vollmundig von Menschenrechten ge- sprochen wird. Menschenrechte und Völkerrecht sind un- trennbar miteinander verknüpft und lassen sich nicht von einander trennen, oder gegen einan- der auspielen. Heute wird darunter eine militärische Inter- vention aus humanitären Gründen verstanden - das ist aus meiner Sicht bereits ein Wider- spruch in sich, denn ein militärisches Eingrei- fen ist letztlich immer unmenschlich. Denn mehr als in der Vergangenheit ist heute vor allem die Zivilbevölkerung von militärischen Handlungen betroffen, egal welcher Art. Und betroffen ist hier in direktem Wortsinn gemeint. Aus Erfahrung wissen wir, daß militärische Interventionen aus humanitären Gründen sehr schnell zu einem nicht erklärten Krieg führen können. Am Leid, das den unmittelbar Betroffe- nen unabwendbar zugefügt wird, ändert auch die theoretische Abwägung zweier völkerrecht- licher Grundsätze nichts: einerseits geht es um die Achtung und den Schutz der staatlichen Souveränität, andererseits um die Achtung und den Schutz der Menschenrechte. Für die betroffenen Menschen verliert der Krieg dadurch nichts von seinem Schrecken. Wir müssen feststellen, daß die Welt heute trotz aller Erklärungen, Versprechungen, Verhei- ßungen der Politiker vom allgemeinen Frieden weiter entfernt ist, als jemals nach dem verhee- renden Krieg, der vom deutschen Monopolka- pital und seinen faschistischen Handlangern entfesselt worden war und neben den Millio- nen und aber Millionen Toten den Überleben- den unsägliches Leid hinterlassen hat. Doch rückblickend müssen wir feststellen, daß der Krieg unmittelbar daran anschließend mit anderen Mitteln fortgesetzt wurde. Erst vor kur- zem haben wir der Toten und in vielerlei Hin- sicht furchtbar betroffenen Überlebenden und Nachgeborenen der US-amerikanischen Atom- bombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki gedacht. In welcher Situation befinden wir uns heute und warum ist es so wichtig, in dieser Situation gerade über die vielbeschworenen humanitären Interventionen nachzudenken und zu sprechen? Man kann die politische Entwicklung in der Welt drehen und wenden, wie man will, man kommt immer wieder zu dem gleichen Schluß, daß wir uns in einer insbesondere seit dem Zerfall und dem Ende der sozialistischen Staatengemein- schaft andauernden Phase des Kampfes um die Neuaufteilung der Weltressourcen befinden.

Bis zum Ende der 80er Jahre war dieser Kampf nicht in der heute ausgeprägten Form möglich, weil ihm gesellschaftliche Kräfte entgegenstan- den, die eine Austragung von Hegemonialan- strebungen weitgehend beschränkten. Heute tobt sich der Kapitalismus in seinen übelsten Formen und Methoden aus. In Europa und darüber hinaus sind wir Zeugen der atem- losen, nichts desto Trotz erfolglosen Versuche der Politik, den Gesetzmäßigkeiten des Kapita- lismus, der nun einmal ausschließlich auf Maxi- malprofit orientiert ist, und diesem Ziel alle, aber auch alle anderen Aspekte gesellschaftlicher Entwicklung gnadenlos unterordnet, etwas Lin- derndes, Rettendes entgegen zu setzen. Vor allem von den USA und ihren leider oft hörigen Verbündeten wird an vielen Stellen der Welt versucht, gesellschaftliche und staatliche Verhältnisse im Sinne ihrer Hegemonialansprü- che zu destabilisieren und willige Regime zu eta- blieren. Bei Regimen, die diese Anforderung im Moment bereits erfüllen, spielen dann auch men- schenrechtliche Erwägungen keine Rolle - den- ken wir nur an so manche arabischen Königrei- che oder Scheichtümer. Diese Politik zwingt uns dazu, uns in allen Fällen der humanitären Interventionen zu posi- tionieren. Als Friedensaktivisten setzen wir uns hier und anderswo in der Welt für die Achtung und Wah- rung der Menschenrechte ein - vor allem eben des Rechtes aller Menschen, in Frieden leben zu können. Wenn wir aber analysieren, unter welchen konkreten Bedingungen humanitäre Interventi- onen gefordert und nicht selten auch praktiziert werden, dann müssen wir feststellen, daß auch diese humanitären Interventionen letztlich der Durchsetzung brutaler Interessen der Groß- mächte und heute vor allem der USA dienen. Dafür gibt es in der Vergangenheit wahrlich reichlich Beweise. Erinnert sei hier nur an die Bunten Revolutionen. Die daran beteiligten Kräf- te geben sich heute nicht einmal mehr die Mühe, die Mitwirkung von ausländischen Geheim- diensten an diesen auf gesellschaftliche Desta- bilisierung und letztlich Umsturz souveräner Staaten gerichtete Aktivitäten zu verschleiern. Da werden durch Provokationen Situationen geschaffen, auf die die souveränen Staaten un- ausweichlich reagieren müssen, um sich im In- neren zu schützen. Durch einseitige Unterstüt- zung dieser oft als Revolution, Rebellion oder auch anders bezeichneten Aktivitäten wird die innere Situation in den betreffenden Ländern immer weiter angeheizt und erreicht einen Zu- stand, in dem Menschenrechte tatsächlich mas- siv bedroht oder mißachtet werden. Ja, diese Zustände, die wir in jüngster Zeit vor allem in Libyen und jetzt in Syrien beobach- ten, lassen sich ohne weiteres in diese Szenarien einordnen. In ihrem Licht gewinnen sogenann- te humanitäre Interventionen eine Bedeutung, die deren ursprünglichen Sinn, deren humani- täre Zielrichtung verfälschen.

Wenn wir uns die Ergebnisse der humanitä- ren Intervention in Libyen ansehen und verfol- gen, wem durch sogenannte Humanitäre Inter- ventionen in Syrien geholfen werden soll, dann wird schnell klar, daß es sich hier um die einsei- tige Unterstützung solcher Kräfte handelt, die unablässig auf eine Destabilisierung eines sou- veränen Staates hinarbeiten und bisher alle Ver- suche einer friedlichen, alle auch von der UN vorgeschlagenen Wege einer Beilegung des Kon- fliktes ablehnen. Warum lehnt die Opposition, in deren Inter- esse eine humanitäre Intervention vehement ge- fordert wird, denn jeden Verhandlungsversuch ab, warum geht sie auf Angebote sowohl natio- naler als auch internationaler Gremien gar nicht erst ein? Warum kann sich das diese Oppositi- on überhaupt leisten, ohne entsprechende mä- ßigende Maßnahmen der sogenannten Interna- tionalen Gemeinschaft befürchten zu müssen? Diese sogenannten Revolutionäre besorgen die Geschäfte ausländischer Kräfte, denen heu- te ein syrischer Staat unter Assad für die weite- re Ausweitung ihrer Herrschaftsansprüche im Wege ist. In diesem Kampf spielen Menschen- rechte eine eher untergeordnete Rolle. Als nächster Staat ist der Iran an der Reihe - wer kommt dann? All das hat mit unserem Verständnis von Er- haltung des Friedens in der Welt nichts zu tun! Denn wir waren, sind und bleiben grundsätz- lich gegen den Einsatz militärischer Mittel zur Lösung nationaler und internationaler Konflik- te. Als Friedensaktivisten sind wir auch gegen diese vielgepriesenen humanitären Interventi- onen. In diesem Kontext sind wir auch gegen die Schaffung neuer Militärbasen und den Aufbau neuer Bedrohungspotentiale, so wie das bei- spielsweise durch die USA/NATO gegenwärtig in Tschechien und Polen, in Ungarn und Rumä- nien passiert. Wer braucht diese Basen, diese angeblichen Raketenabwehrsysteme hier in Europa? Wer soll da gegen wen geschützt wer- den? Wir wehren uns gegen den Besitz, die Verfü- gung und nicht zuletzt gegen die Lagerung von Massenvernichtungswaffen. Warum lagern im- mer noch einsatzbereite Kernwaffen in Deutsch- land? Warum lassen wir uns diesen Gefahren durch verantwortungslose Politiker aussetzen? Es gibt absolut keinen Grund, diese mörderi- schen Waffen hier zu haben, egal an welcher Stelle in Deutschland. Wir treten für die Respektierung des gelten- den Völkerrechts und für eine konsequente An- wendung durch alle Staaten ein. Wir wenden uns gegen eine Vereinnahmung der UNO durch kriegswütige Staaten, denen Menschenrechte nur dann etwas bedeuten, wenn sie sich in ihre Weltherrschaftspläne einordnen lassen. Da die Gefährdung des Friedens in der Welt immer akuter wird, fordern wir, daß sich Deutsch- land nirgends und in keiner Form an militäri- schen Aktionen beteiligt.

Krieg, egal unter welchem Vorwand, darf kein Mittel der Politik sein!

Zwischenfrage: Hat der braune Terror einen systemimmanenten Nutzen?

Vor einem knappen Jahr, Anfang November 2011, wurde offenbar per Zufall die bisher umfangreichste Mordserie in der bundesrepublikanischen Geschichte „aufgedeckt“, die man einer einzelnen Tätergruppe zuordnen kann. Ich schreibe das Wort „aufgedeckt“ in Anführungszeichen, denn wir wissen ja zur Genü- ge, daß die Klärung der Zusammenhänge, aus denen heraus mindestens zehn Morde begangen wurden und auf die auch mindestens ein Sprengstoffanschlag mit zahlreichen Verletzten sowie 14 Banküberfälle zu- rückzuführen sind, immer noch weitgehend ungeklärt bleiben. Die Geschichte der „Skandalaufklärung“ bleibt eine Geschichte von Pleiten, Pech und Pannen - so scheint es. Jüngstes Beispiel: Seit kurzer Zeit wird danach ge- fahndet, inwieweit ein V-Mann der Berliner Sicher- heitsbehörden in die Vorgänge um die sogenannte „Zwickauer Zelle“ involviert war. „Enthüllungen“ und Gerüchte um solche Enthüllungen haben ganz praktische Weiterungen: Es gibt erste Stimmen, die sagen, daß die undurchsichtige Rolle dieser V-Leute erneut ein Hemmnis für einen Versuch sein könnten, die neofaschistische NPD endlich zu verbieten. Auch abenteuerliche Boulevard-Berichte über organisatori- sche Verflechtungen zwischen NSU („Nationalsozia- listischer Untergrund“) und kriminellen Rockerbanden zieren mit schöner Regelmäßigkeit die Schlagzeilen. Ich denke, man kann dies als Indiz für die These werten:

„Nichts Genaues weiß man nicht.“ Wollen die Behörden aber Genaues wissen? Sind bestimmte Enthüllungen nicht vielleicht auch ein klein wenig Nebelkerzen, mit denen man „verhängnisvolle Affären“ zwischen Sicherheitsorganen und faschisti- schen Mördern trefflich vernebelt? Wenn man sich anschaut, wie dieser Skandal bisher gehandhabt worden ist und was stückchenweise an die Öffentlichkeit gelangt, dann darf man ernsthafte Zweifel daran haben, ob man je wirklich herausfinden

wird, wie eng die Verflechtungen zwischen Terror- netzwerk und bundesdeutschen Geheimdiensten wirk- lich waren.Alle diese Bedenken sind bekannt, die Chro- nologie des Skandalons muß hier nicht zum x-ten Male ausbuchstabiert werden. Verwiesen sei auf die einschlä- gige Literatur (zum Beispiel „Wir sehen nur die Spitze des Eisberg“ von Heike Kleffner, Blätter für deutsche und internationale Politik 9/2012, „Die Zelle“ von Christian Fuchs und John Goetz, Rowohlt 2012, um nur zwei Referenzen zu nennen. Bedenkenswert ist meines Erachtens aber sehr wohl, wie die politisch Verantwortlichen reagieren, um sogar aus dem Versagen der Sicherheitsbehörden noch Kapital zu schlagen. Der Hinweis des Innenmi- nisters auf die Notwendigkeit, mehr Daten zu sam- meln und etwa auch die Speicherungsfristen sensibler Informationen grundsätzlich zu verlängern, gehört in diese Kategorie. Soll am Ende die faschistische Mord- serie noch der Universalschlüssel sein, um Überwa- chungstechnologien und Bespitzelungen generell zu erleichtern? Daß kein Mißverständnis entsteht: Die Notwendig- keit, gegen neofaschistische Gruppierungen vorzuge- hen, ist unbestritten. Doch frage ich mich: Was nützt es, wenn ausgerechnet jene Daten dann just in dem Moment geschreddert werden, wenn man sie benutzen könnte? Warum hat man den Eindruck, daß besonders die rechtsradikalen Verbrecher einen besonderen Schutz in diesem System genießen? Man erinnere sich an den sogenannten „Deutschen Herbst“ vor 35 Jahren: Was wäre wohl los gewesen, hätte man damals Grund zur Annahme gehabt, es gäbe auch nur annähernd unklare Beziehungen zwischen Staatsschutz und RAF wie heute zwischen Staatsschutz und Neofaschisten? Und hier sind wir beim eigentlichen Punkt, den ich an dieser Stelle setzen möchte: Vieles weist doch darauf hin, daß der plötzlich entfaltete Aktivismus im „Kampf gegen rechts“ bestenfalls symbolischen

Charakter haben kann, etwa die Ankündigung eines neuen NPD-Verbotsverfahrens (dessen Ausgang aus den bekannten Gründen mehr als fragwürdig ist). Ähnliches gilt für die angekündigte Verschärfung der Datenhuberei, das heißt die Zusammenfassung von Informationen über rechte Gewalttäter in Verbund- dateien. Erneut die Frage: Was nützt es wohl, wenn gesammelte Informationen im Zweifelsfall spätestens dann verschwinden, wenn sie relevant werden? Nach all den akuten Erfahrungen, aber auch nach den Erfahrungen aus der Geschichte ist Mißtrauen gerechtfertigt, daß dem Staat tatsächlich an einer Auf- klärung gelegen ist, die über symbolische Gesten hin- ausgeht. Dazu paßt auch die verwendete Sprache, die völlig unkritisch die Selbstbezichtigung „National- sozialistischer Untergrund“ übernimmt. Denn so „untergründig“ ist die Terrorgruppe um Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe ja nun erwiesenermaßen nicht gewesen. Die Gruppe war assoziiert mit den überregionalen Netzwerken der gewaltbereiten und militanten „Kameradschaften“, den Sicherheitsbe- hörden waren zumindest zeitweise auch nach dem Abtauchen in die Illegalität die Aufenthaltsorte der Mörderbande bekannt, die Mörder wurden offen- sichtlich immer wieder gewarnt. Von wem? Wem nutzten sie vielleicht? Was spricht gegen die These, die sagt, daß die Mörderbande durchaus ihren politi- schen Zweck erfüllt hat (und noch erfüllt)? Fragen über Fragen - und wenige Antworten, die man unbesehen zu glauben geneigt ist. Nein, „einfache Kriminelle“ mit Bandidos-Eigenschaften waren sie sicher nicht, auch nicht nur der militante Arm deut- scher Faschistenorganisationen. Die Tatsache, daß die Mörder morden konnten, hatte - so kann man den- ken - vielleicht durchaus einen systemimmanenten Aspekt. Einen Aspekt, der sie auch jetzt noch nütz- lich erscheinen lassen kann.

Dr. Frank Beckmann

Zur Schrift des Genossen Kim Jong Un, Generalsekretär der Partei der Arbeit Koreas und Oberster Befehlshaber der koreanischen Volksarmee:

„Der große Genosse Kim Il Sung ist der ewige Führer unserer Partei und unseres Volkes“

Anläßlich des 100. Geburtstages des großen Revolu- tionärs und Ewigen Präsidenten der DVRK, Genos- sen Kim Il Sung, veröffentlichte Genosse Kim Jong Un die oben genannte Abhandlung. Diese Schrift ist eine kurze, aber dennoch sehr informative Darstellung des Lebens und Schaffens dieses großen Revolutio- närs, der durch die Entwicklung der Juche-Ideologie den Marxismus-Leninismus bereichert, und gemäß den Bedingungen auf der koreanischen Halbinsel wei- terentwickelt hat. Wir sind der Ansicht, daß die Schrift des Genossen Kim Jong Un für alle am Sozialismus sowie der koreanischen Geschichte Interessierten von großer Wichtigkeit ist und veröffentlichen daher nach- folgend einige Auszüge:

„Er (Kim Il Sung

Juche-Ideologie, leitete so die neue Etappe unserer revolutionären Sache ein, durch deren Durchsetzung die soziale Revolution in verschiedenen Etappen zum glänzenden Sieg führte und erwarb sich unvergängli- che Verdienste um alle Bereiche der Revolution und des Aufbaus. Die von ihm begründete und in der Praxis der Revo- lution hervorragend verwirklichte Juche-Ideologie ist das ewige Siegesbanner unserer Revolution. Diese Ideologie ist eine revolutionäre Ideologie, in der die anthropozentrische philosophische Idee, re- volutionäre Theorien und Führungsmethoden mit den Volksmassen im Mittelpunkt in sich geschlossen sy- stematisiert sind, und stellt den vervollkommneten Leitgedanken der Revolution dar, der den Kampfweg der Volksmassen für die Souveränität erhellt. Sie stellte die Weltanschauung mit dem Menschen im Mittelpunkt fest und eröffnete so den Weg, auf dem die Menschen mit dem Selbstbewußtsein, daß sie Herren der Welt und ihres eigenen Schicksals sind, die soziale Geschichte und ihr eigenes Schicksal selb- ständig gestalten. Die Juche-Ideologie stellte revolutionäre Theorien und Führungsmethoden fest, in deren Mittelpunkt die Volksmassen stehen. Sie erhellt eindeutig den Weg, auf dem die Volksmassen, gestützt auf die revolutio-

d. Red.) begründete die große

näre und wissenschaftliche Theorie, Strategie und Tak-

die Revolution und den Aufbau erfolgreich

durchführen und ihre souveräne Sache glänzend voll- enden können.

Revolutionäre Partei, Macht undArmee sind die stärk-

ste politische Waffe (

Sieg der revolutionären Sache garantiert. Die Geschich- te zeigte, daß das Schicksal der Revolution und des Sozialismus davon entschieden wird, wie die Partei, Macht und Armee aufgebaut werden und das Volk politisch ideologisch vorbereitet wird.

Weil die Partei der Arbeit Koreas (PdAK) eine revo- lutionäre Partei unserer Prägung, die Regierung der Republik als die wahre Volksmacht und die unbe- siegbare Volksarmee, die von Kim Il Sung gegründet, gefestigt und weiterentwickelt wurde, sowie unser Volk, das unter seiner Anleitung zum stärksten hin- sichtlich der Ideologie und Überzeugung herangebil-

det wurde, präsent sind, schreitet unsere Revolution voller Dynamik voran, wobei sie auch heute wie im letzten Jahrhundert unvorstellbare Schwierigkeiten und Bewährungsproben meistert und in allen Berei- chen des sozialistischen Aufbaus Wundertaten der Geschichte vollbringt. Die PdAK gewährleistet un- erschütterlich die Führung der Revolution und des Aufbaus durch den Führer und lenkt so die Volks- massen, daß sie in treuer Unterstützung der Leitung durch die Partei und den Führer ihrer Verantwortung als Herren der Revolution und des Aufbaus voll ge-

recht werden. (

die souveränen Rechte und Interessen der Volks- massen. Und sie leitet und verwaltet einheitlich den Aufbau des reichen und starken Vaterlandes und die Arbeit die Verbesserung des Lebens des Volkes. Die Volksarmee, die zu einer starken Revolutionsarmee von Paektu entwickelt wurde, ist die Kerntruppe und Hauptformation unserer Revolution; sie macht sich im Kampf für den Schutz des Sozialismus und auf allen schweren und wichtigen Posten des Ringens um den sozialistischen Aufbau Ehre als Schöpfer der Wunder und Großtaten und als Schöpfer und Verbrei- ter der Songun-Kultur. Der Sozialismus unserer Prägung, das von Kim Il Sung hinterlassene größte patriotische Erbe, ist die dauerhafte Hauptbasis dafür, den Aufbau eines mäch- tigen sozialistischen Staates im neuen Jahrhundert zügig voranzutreiben und unsere sozialistische Sache in glänzender Weise zu vollenden.“

Unsere Volksmacht gewährleistet

die den Fortschritt und den

tik (

)

)

)

(Aus: Kim Jong Un: Der große Genosse Kim Il Sung ist der ewige Führer unserer Partei und unseres Vol- kes, Pyongyang 2012; Seiten 6 bis 7; Naenara.com; Nordkorea-Info.de)

Zusammenstellung: Jörg Lorenz

4 Die Rote Fahne

Oktober 2012

Agrar- und Umweltinformation

Wer verteuert die Energiepreise?

Seit der Verkündung der Energiewende unter dem Eindruck des Fukushima-Atomunfalls 2011 werden die großen Energiekonzerne und ihre Vertreter in der Politik nicht müde, dem Volk zu verkünden, daß die Umstellung auf erneuerbare Energien und das Erneuerbare Energiengesetz (EEG) schuld an den hohen Energiekosten wä- ren. Man müsse daher die Energiewende ver- langsamen und die bisherige Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen länger beibehalten. Der deutsche Energiekommissar in Brüssel, Oettinger (siehe Bild unten), propagiert sogar weiterhin den Neubau von Atomkraftwerken. In unserer Januar-Ausgabe beleuchteten wir des- sen „Wirken“ schon näher. Im Herbst werden die neuen Zahlen für die sogenannte EEG-Um- lage erwartet, die alle Haushalte über die Strom- rechnung entrichten müssen. Die in dieser Um- lage ausgewiesenen Kosten für den Ausbau erneuerbarer Energien könnten dann auf fünf Cent pro elektrische Kilowattstunde (Cent/KWh) steigen. Dabei sind die Kosten für Haushaltsstrom zwischen 2000 und 2012 insgesamt um zwölf Cent/kWh angestiegen. Da halten andere deut- lich mehr die Hand auf, als die Betreiber von Solar- und Windkraftanlagen.

Hand auf, als die Betreiber von Solar- und Windkraftanlagen. Allein die Gewinne von RWE und e.on

Allein die Gewinne von RWE und e.on lagen im ersten Halbjahr 2012 über den Vergütungs- zahlungen für sämtliche regenerative Energie- anlagen. Der eigentliche Grund für die vorgescho- bene Kostendiskussion ist an anderer Stelle zu suchen. Der schnelle Ausbau von Wind- und Solaranlagen geht zu Lasten der großen Energie- konzerne. Zum Beispiel erzeugt RWE gerade einmal vier Prozent Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Ein weiterhin schneller Ausbau von Wind- und Solarkraftwerken bedroht somit die Existenz der bestehenden Braunkohle- und Atomkraftwerke. In einem früheren Beitrag berichteten wir, daß zum Beispiel Greenpeace schon in einem soge- nannten „Plan“ die Machbarkeit einer schnellen Energiewende in Deutschland wissenschaftlich dargelegt hat, dieser aber von den Konzernen und deren Politikern ignoriert wird. Ebenfalls zu Gunsten der erneuerbaren Energien fällt eine Studie des Forums Ökologische-Soziale Markt- wirtschaft (FÖS) aus, die feststellt, daß die För- derung von Kohle- und Atomstrom dreimal so hoch ausfällt, wie die über den Strompreis zu zahlende Ökoumlage. Gar nicht erfaßt sind dabei die Umweltschäden und die Kosten für dieAtom- müllentsorgung. Wir sehen wieder einmal, wenn die Profitinter- essen der herrschenden Klasse bedroht sind, wird das Volk belogen und betrogen. Es muß also weiterhin eine fromme Hoffnung bleiben, daß vernünftige Argumente, wie das „Zehnpunkte- Programm an den neuen Umweltminister“ von Greenpeace das Handeln der Verantwortlichen beeinflussen können. Auch die bürgerlichen Hu- manisten von Greenpeace erkennen den Klassen- charakter der kapitalistischen Gesellschaft nicht, und daß diese nur durch eine revolutionäre Um- wälzung verändert werden kann.

Axel Schmidt (Wirtschaft und Soziales)

Ergebnisse und Schlußfolgerungen zur Untersuchung der Vorgänge NPD/NSU und den thüringer Behörden

Veranstaltung mit Vortrag und Diskussion mit Steffen Trostorff, Diplom-Jurist und wissenschaftlicher Mitarbeiter im thüringer Untersuchungsausschuß UA 5,

am 19. Oktober 2012 ab 17.00 Uhr in Pößneck, Jahnstraße 21- 23, Kulturrraum der VS-Wohnanlage.

Persönliches zu Gerhard Feldbauer:

„1945 in Italien fiel die Revolution aus“

Beim Lesen dieses Titels schossen mir viele Gedanken durch den Kopf: Erinnerungen, Erlebnisse, Beobachtungen, Gespräche, persönliche Informationen und vieles andere aus jener Zeit. Dann kamen neue Überlegungen hinzu. Ich will sie zu Papier bringen.

Als Rotarmisten die rote Fahne auf das Dach des Reichstagsgebäudes hißten, war dies nicht nur Sym- bol der militärischen Zerschlagung des Hitlerfaschis- mus und auch der Eroberung der Reichshauptstadt durch die Rote Armee. Es war auch das Symbol der endgültigen Befreiung der Völker, die unter dem Hit- lerfaschismus zu leiden hatten - aber auch des deut- schen Volkes, obwohl die Mehrheit der Deutschen das damals noch nicht begriffen. Es war ein welthistori- scher Sieg nicht nur der Roten Armee, die mit hohem Blutzoll eine „Wehrmcht“ vernichtete, die Jahre zu- vor vor den Toren Moskaus und Stalingrad gestanden und Leningrad eingeschlossen hatte. Das war auch ein Sieg der Sowjetmenschen, der Völker der Sowjetunion, die unter höchstem persönlichen Einsatz ihre Solda- ten mit allem Notwendigen versorgt hatte. Dieser Sieg, diese Leistung der Sowjetmenschen wurde (fast) über alle auf der Welt begrüßt, gelobt und anerkannt. Die siegreiche Rote Armee war in Po- len, in der Tschechoslowakei, in Ungarn, Rumänien und Bulgarien als Befreier bejubelt und gefeiert wor- den. Titos Partisamen gelang es, Jugoslawien selbst von den Faschisten zu befreien. Die Rote Armee brachte aber auch - in dieser oder jener Weise - die Idee einer anderen Gesellschafts- ordnung mit, einer Gesellschaft, in der der arbeitende Mensch im Mittelpunkt stand. Gleiche Ideen einer grundsätzlichen Neugestaltung der Gesellschaft wa- ren nach dem Beispiel der Sowjetunion auch anders- wo aufgekommen: In der französischen Resistence spielten die Kommunisten, die solche Ziele in ihren Köpfen hatten, eine maßgebliche Rolle. Unter den Offizieren der französischen Besatzungsmacht in Berlin waren nicht wenige Kommunisten (sie wur- den einige Zeit später abgelöst!). Auch in Italien hatten solche Ideen ihren Platz. Darüber hat Gerhard Feldbauer mit Sachkenntnis das Notwendige dargestellt. In Jugoslawien waren diese Ideen ein weiterer Motor des Befreiungskampfes. Nun konnte auf die Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft Kurs genommen werden. In Griechen- land erstrebte die Volksbefreiungsarmee, die sich 1949 kurz vor der völligen Befreiung ihres Landes sah, ebenfalls eine sich in diese Richtung entwickelnde Gesellschaft. Sogar in Deutschland hatten die Antifaschisten nicht nur die Befreiung vom Hitlerfaschismus durch die Rote Armee begrüßt, sondern auch die damit sich eröffnende Möglichkeit, eine neue antifaschistisch- demokratische Ordnung in ganz Deutschland zu er- richten. Wie stark derartige Gedanken auch in Deutsch- land verbreitet waren, widerspiegeln die damals (1946/ 47) in Ost und West beschlossenen Länderverfassun- gen der deutschen Länder. Übrigens: Franco-Spanien spielte in diesem Zusam- menhang keine Rolle. Seine Tage (oder Jahre) waren ohnehin gezählt. Auch Großbritannien stand insoweit eher neben der Sache. Man mußte sich um Kolonien kümmern, weil dort - unter dem Eindruck des Sieges der Sowjet- union - starke antikolonialistische Befreiungsbewe- gungen aufgekommen waren. Als sich diese vorgenannte über die Niederschla- gung des Hitlerfaschismus hinausgehende Möglich- keit abzeichnete, klingelten in Washington und im Pentagon die Alarmglocken: Sollte ganz Europa rot werden? Das durfte nicht geschehen! Man hätte dann wohlmöglich die kostspielig und mühevoll über den „großen Teich“ nach Europa gebrachten Truppen - nach Wegfall des militärischen Grundes, und auch des Rechtsgrundes ihrer Anwesenheit in Europa - wieder zurückbringen müssen! Bereits Jahre zuvor, spätestens 1943, Anfang 1944, hatte sich abgezeichnet, daß Churchills Wunschtraum, Stalin und Hitler mögen sich gegenseitig schwächen, sich gegenseitig auffressen, so daß wir Briten und un- sere (westlichen) Verbündeten als „lachende Dritte“ die Ergebnisse deren gegenseitiger Schwächung und Vernichtung einheimsen könnten, wie eine Seifen- blase zerplatzt. Die USA und Großbritannien mußten sich nach dem unaufhaltsamen Vormarsch der Roten Armee darauf einstellen, daß die Rote Armee wohlmöglich als erste der Alliierten Armeen deutschen Boden betreten und auf die Reichshauptstadt zustoßen würde. Angesichts dessen war für Washington klar, daß eine „Zweite Front“ - und zwar eine wirkliche „Zweite Front“ und nicht nur ein „Placebo“ in Gestalt der Landung in Italien - geschaffen werden mußte. Denn man wollte mit den eigenen Armeen, auch der der Briten auf deut- schem Boden vorstoßen, um möglichst als erste die Reichshauptstadt zu erreichen. Indessen war die Rote Armee, inzwischen im Kampf gegen die faschistischen Truppen zunehmend erfah- ren, sehr erfolgreicher geworden: Sie betrat als erste der Alliierten Armeen deutschen Boden, um Anfang 1945 zum großen Schlag auf die Reichshauptstadt anzu- setzen. Als sie ihre rote Fahne auf das Reichtagsge- bäude gehißt hatte, waren die militärischen Träume der USA endgültig zerflossen. Nach der oben illustrierten Ausbreitung von Ideen sozialer oder sogar sozialistischer Gesellschaftsord- nungen in Europa mußten die USA nicht nur mit der „Gefahr einer Ausbreitung des Kommunismus“ in Europa rechnen, sondern auch damit, daß - nach einer

Übergangszeit gemäß dem Potsdamer Abkommen - die Anwesenheit ihrer militärischen Formationen in Europa ihren Grund, ihren Rechtsgrund verlieren würden, so daß sie sich nach Amerika zurückziehen müßten. Das dürfte aber nicht sein. Wo einmal ein US-amerikanischer Soldat seine Stiefel hingesetzt hatte, da sollte er auch bleiben - es sei denn, er wür- de verjagt werden, wie in Vietnam. Welche „Trümpfe“ hatten die USA in ihren Hän- den? Die eine „Trumpfkarte“ war der Alleinbesitz der Atombombe! Dank des Alleinbesitzes dieser mäch- tigsten Waffe jener Zeit meinten sie, über die militä- rischen Voraussetzungen ihrer nunmehr angestrebten Weltherrschaft zu verfügen. Im Sinne einer Provokation, eines Bluffs, hatte Truman in einem „Vier-Augen-Gespräch“ am Rande

der Potsdamer Konferenz (vom

eine entsprechende Andeutung gemacht - wenngleich nicht mit der erhofften Wirkung. Um die Sowjetunion gehörig „in die Schranken zu weisen“, genügte diese „Mitteilung“ nicht! DieseAtomwaffe mußte auch welt- weit hörbar, weltweit wirksam eingesetzt werden! Als Ziel des Abwurfs empfahlen sich diese beiden Städte im Süden Japans mit den dort lebenden Japa- nern - als menschliche „Versuchskaninchen“, es waren ja nur Asiaten ! Deshalb erteilte Truman den Befehl, am 6. und 9. August 1945 jeweils eine Atom- bombe über die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki abzuwerfen. Dieser unmenschliche, verbre- cherische Bombenabwurf hatte - wie ich später an Ort und Stelle sehen und erfahren mußte - verheeren- den Wirkungen auf die dort arglos und unbefangen lebende Zivilbevölkerung, die über Generationen fort- wirken. Militärisch waren diese Bombenabwürfe unbedeu- tend, sinnlos. Denn Japan lag bereits am Boden. Der Abwurf der Atombomben richtete sich daher nicht gegen Japan. Er war gegen die Sowjetunion gerich- tet. Dieser Bombenabwurf eröffnete den „Kalten Krieg“! Die berüchtigte Rede Churchills in Fulton war nur die verbale Illustration des bereits geführten „Kalten Krieges“! Eine zweite „Trumpfkarte“ der USA bestand darin, daß sie im Ergebnis des 2. Weltkrieges als Alliierte entsprechend den Vereinbarungen an der Besetzung des durch die Rote Armee vernichteten Deutschen Reiches teilhaben konnten, und zwar nicht nur in Gestalt einer Besatzungszone im Westen Deutsch- lands, sondern auch - wegen der gemeinsamen Ver- waltung der Reichshauptstadt - in einem amerikani- schen Sektor dieser Stadt. Als US-amerikanische Truppen im Spätsommer 1945 - um ihre Anwesenheit in Berlin zu zeigen - auf der „Ost-West-Achse“, die später provokativ als „Straße des 17. Juni“ bezeichnet wurde, zu einer Para- de antraten, nahm niemand in der Welt von diesem militärischen Zeremoniell Notiz - außer ein paar Berlinern, wie ich, die zufällig an jener Stelle diese fremde Musik, fremdartige Uniformen und Befehle wahrnahmen. Was aber konnten die USA aus dem ihnen in den Schoß gefallenen Umstand, daß ihnen eine Besatzungszone in Westdeutschland zustand, für ihre Weltherrschaftspläne machen? Immerhin existierten in Westdeutschland noch ir- gendwie militärische Formationen und vor allem war dieser Teil Deutschlands wegen des militärpolitischen Wirtschaftspotentials, so der traditionellen Rüstungs- industrie, von Interesse. Übrigens und auch das darf nicht übersehen wer- den: In Westdeutschland und auch in Westberlin wurde unmittelbar nach der Niederschlagung Hitler- deutschlands - unter Verletzung des Potsdamer Ab- kommens - von einflußreichen reaktionären Kräften alles Mögliche getan, um das Fortbestehen nazisti- scher, insbesondere antikommunistischer Einstellun- gen zu fördern. Ich erinnere mich: Bereits 1946 wurde mir dies als Westberliner immer deutlicher. Ich erlebte es auf der Straße, in Zeitungen und überall (auch im Kranken- haus): Der Antikommunismus, der Antisowjetismus oder Antirussismus und ebenso der deutsche Nationa- lismus und Militarismus war ungebrochen. Lediglich das Hakenkreuz wurde weggelassen, wie braune Farbe und solche Vokabeln wie „Parteigenossen“ und „Volks- genossen“. Mit Schrecken erlebte ich all das wie in den zwölf Jahren zuvor! Diese „geistige“ Potenz stand den USA für ihre Pläne zur Verfügung! So lange die USA in Westdeutschland lediglich über eine Besatzungszone (und in Berlin über einen US- Sektor) verfügten, war damit im Kampf gegen den Kommunismus nicht viel anzufangen. Es war daher

) gegenüber Stalin

- aus Sicht der USA - unerläßlich, die drei Westzonen zu einem eigenen Status und dann so zu einem Mit- glied des Nordatlantik-Paktes, der NATO, zu machen. Daß diese NATO von vornherein gegen die Sowjet- union gerichtet war, wurde spätestens dadurch offen- kundig, daß diese auf ihr Begehren, ebenfalls Mitgleid dieses (als Friedenspaktes ausgegebenen) Bündnis- ses zu werden, eine Ablehnung erfuhr. Indessen ließ sich der Plan der USA, die drei West- zonen zu einem Stat zu machen und in die NATO zu integrieren, nicht „im Handumdrehen“ verwirklichen. Nicht nur die Beschlüsse des Potsdamer Abkommens

standen dem entgegen. Darüber würden sich die USA, wie später die Welt erlebte, hinwegsetzen. Vor allem gab es gewichtige ökonomische, finanzökonomische Hindernisse. Die aus der Nazizeit übernommene Reichsmark war wertlos. Deshalb hatten die vier Alliierten viele Monate über die dringend notwendige Währungsre- form beraten - ohne Ergebnis! Denn eine gesamt- deutsche Währungsreform würde die Pläne der USA, Westdeutschland für ihre geopolitischen Zwecke in Europa zu mißbrauchen, torpedieren. Deshalb mußte schnellstmöglich gehandelt und im Sommer 1948 hin- ter dem Rücken des vierten Alliierten - in den drei Westzonen eine separate Währungsreform durch- gesetzt werden. Spätestens im Sommer 1947 waren die dahingehenden Pläne soweit perfekt, daß die Separat- währung in den USA gedruckt werden konnte. Als ich

als Angestellter des Bezirksamtes Tiergarten (West- berlin) zum Geldumtausch eingesetzt wurde und das „neue Geld“ (dem Dollar ähnlich aussehende) in den Händen hatte, las ich auf den Banderolen der Geld- bündel den Datumstempel „17. November 1947“. In einer top-secreten geheimdienstlichen Operation war dieses Geld per Schiff über Bremerhaven zunächst nach Frankfurt/Main - dem bekannten Finanzzen- trum - transportiert worden. Diesem massiven folgenschweren Vertragsbruch folgte unverzüglich ein ebenso vertragsbrüchiger Befehl der drei westlichen Zonenbefehlshaber, vor- nehmlich Clays, an die Ministerpräsidenten der west- deutschen Länder, binnen kurzer Zeit (über eine verfassungsgebende Versammlung) eine Verfassung für einen separaten westdeutschen Staat vorzulegen. Ohne die Westdeutschen befragt zu haben, wurde - wann eigentlich? - die „Bundesrepublik“ konstruiert. Daß die USA mit den anderen westlichen Besat- zungsmächten gemeinsam mit Adenauer bösartige se- paratistische Bestrebungen verfolgten, war spätestens ab 1947 an verschiedenen Vorgängen erahnbar gewor- den. Deshalb bildete sich in ganz Deutschland eine zunehmend stärker werdende Volksbewegung „Für die Einheit Deutschlands“ „Gegen die separatisti- schen Pläne Adenauers“, „Gegen Adenauers General- kriegsvertrag“, „Gegen die Gefahr eines Bruderkrie- ges“, „Für den Abschluß eines Friedensvertrages mit Deutschland“ gegen die Einbeziehung Westdeutsch- lands in die NATO! Diese immer breiter werdende Bewegung der Deut- schen in Ost und West, die ob ihrer eigenen bitteren Erfahrungen keinen 3. Weltkrieg, vor allem keinen Bruderkrieg, wollten, mußten die USA in der sowje- tischen Besatzungszone hinnehmen. Aber in Westdeutschland und Westberlin wurde diese Massenbewegung als ein gefährliches Hinder- nis zur Eingliederung in die NATO mit aller Schärfe bekämpft. Die USA drängten Adenauer in der Kommunisti- schen Partei Deutschlands (KPD) und in der Freien Deutschen Jugend (FDJ) ihren Hauptfeind im Lande zu sehen und diese mit allen Machtmitteln zu be- kämpfen. Es war nämlich die junge Generation der Deutschen, die - von Hitler verführt - ganz unmit- telbar den verbrecherischen Hitlerkrieg erlebt hatten („Hitler hat uns unsere Jugend geraubt!“) und des- halb die Verführung der Hitlerleute durchschauen lern- ten. Wegen dieser eigenen Erfahrungen waren gerade sie zu Vorkämpfern für Frieden und eine neue Zeit geworden. Kurz vor den III. Weltfestspielen der Jugend und Studenten im August 1951 in Berlin wurde die FDJ in Westdeutschland als staatsfeindlich von Kanzler Adenauer durch „Verwaltungsakt“ verboten. In sei- ner Order bezeichnete Adenauer die von der FDJ be- absichtigte Teilnahme an diesem Festival und ihre Vorbereitung darauf als Grund für sein Verbot. Mit der KPD konnte er wegen deren Parteienpri- vilegs gemäß Artikel 21 Grundgesetz nicht so um- springen. Er mußte deren Verbot beim Bundes- verfassungsgerichts beantragen. Trotz mehrfacher persönlicher Interventionen Adenauers beim Bun- desverfassungsgericht zog sich dieses Verfahren bis zum Jahr 1956 hin. Um seinen Erfolg bei diesem Ver- fahren durch „handfeste“ Beweise zu sichern, ließ Ade- nauer bereits bereits im August 1951 ein Sonderstrafge- setz gegen die KPD, gegen die Kommunisten und ihre Sympathisanten - in Gestalt des 1. Strafrechtsände- rungsgesetzes - verabschieden. Bei dieser massenhaf- ten Strafverfolgung ergingen zahllose Unrechtsurteile, darunter viele aufgrund einer später als grundgesetz- widrig erkannten Vorschrift! Nur mit diesen in jeder Hinsicht rechtswidrigen unter Mißbrauch ihrer Besatzungsmacht eingesetz- ten Gewaltmaßnahmen gelang es den USA, gemein- sam mit Adenauer und anderen antikommunistischen Kräften, Westdeutschland mit seinem militärischen und Rüstungspotential für ihren Krieg gegen den Kommunismus in die NATO zu zwingen und so die Ausbreitung von Ideen und Zielen in Europa zu ver- hindern, die dem Menschen dienen. Ohne die völkerrechtswidrige Intervention der USA und die ebenso völkerrechtswidrige Aufrüstung West- deutschlands zur Hauptstütze der NATO in Europa hätte dieser Erdteil ganz anders, vor allem ein fried- fertiger Kontinent werden können. Prof. Dr. Erich Buchholz

Oktober 2012

Die Rote Fahne 5

Hinweise zur marxistisch-leninistischen Bildungsarbeit

Das neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft (NÖS)

Der historische Kontext Der umfassendeAufbau des Sozialismus erforderte eine grundlegende Verbesserung der Planung und Leitung der Volkswirtschaft. Frühere Maßstäbe und Methoden entsprachen nicht mehr dem er- reichten Stand der gesellschaftlichen Entwick- lung, die mit dem Sieg der sozialistischen Pro- duktionsverhältnisse und der sich vollziehenden wissenschaftlich-technischen Revolution neue Anforderungen an die Gestaltung und Lenkung der nationalen Wirtschaft der DDR stellte. Der VI. Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands stellte daher in seinem Beschluß über die Aufgaben in der Industrie, im Bauwesen sowie im Transport- und Nachrichtenwesen fest:

„Die neue Etappe des umfassenden Aufbaus des Sozialismus erfordert eine neue und höhere Qua-

lität der Planung und Leitung der Volkswirtschaft. Die Hauptaufgabe der Planung und Leitung der sozialistischen Volkswirtschaft ist es, die ökono- mischen Gesetze des Sozialismus richtig und voll- ständig auszunutzen, um eine optimale und pro- portionale Entwicklung der Produktivkräfte zu sichern. Es ist notwendig, daß der Plan die neue- sten Erkenntnisse von Wissenschaft und Technik sowie die fortschrittlichen Ideen und Erfahrun-

Die Ergebnisse

der Arbeit und die Leistungen der Betriebe sind mit neuen Maßstäben zu messen und zu bewer- ten. Solche Maßstäbe für die Arbeit aller Leiter und Kollektive sind der ökonomische Nutzen, die Selbstkosten, der Gewinn sowie Qualität, Sorti- ment und Menge entsprechend dem Bedarf und die Erfüllung des Planes Neue Technik.“ Mit der Orientierung auf die Notwendigkeit, ein neues ökonomisches System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft auszuarbeiten, knüpfte der VI. Parteitag der SED an die Erfahrungen an, die im Verlaufe des Aufbaus des Sozialismus gesammelt worden waren. Die kontinuierliche Steigerung der Arbeitsproduktivität und die Durchsetzung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts, wirt- schaftliche Rechnungsführung, Rentabilität und Sicherung des Gewinnplanes sowie die richtige Anwendung des Prinzips der materiellen Interes- siertheit der Werktätigen an den Ergebnissen ihrer Arbeit und den Leistungen ihres Betriebes stan- den stets im Mittelpunkt der Tätigkeit der Par- teiorganisation und der staatlichen Leitungen. Trotzdem war ihre wechselseitige Wirkung auf die Entwicklung der sozialistischen Produktion nicht ausreichend gewesen.

gen der Werktätigen beinhaltet

Die Voraussetzungen für das NÖS Der harte Kampf zur Überwindung der außer- ordentlichen Disproportionen, die als Folge der kapitalistischen Herrschaft und der Spaltung Deutschlands zurückgeblieben waren, sowie die erbitterte, oftmals mit komplizierten Umstellungen und nicht wenigen Opfern verbundene Abwehr- schlacht gegen die Wirtschaftsaggression des west- deutschen Imperialismus hatten immer wieder eine straffe Zentralisation und auch administrative Maß- nahmen auf die Tagesordnung gesetzt. Nur auf diese Weise konnte unter den damaligen Bedin- gungen die Volkswirtschaft der DDR eine konti- nuierliche Entwicklung nehmen und dadurch einen Stand erreichen, der die Voraussetzung für das neue ökonische System der Planung und Lei- tung der Volkswirtschaft war. Zu den objektiv not- wendigen Bedingungen für seine Erarbeitung und Anwendung gehörten aber auch der Sieg der sozialistischen Produktionsverhältnisse, das ge- wachsene sozialistische Bewußtsein, die neuen politischen und technisch-ökonomischen Erfah- rungen der Werktätigen sowie die im August 1961 durchgeführten Maßnahmen zur Sicherung der Staatsgrenze der Deutschen Demokratischen Re- publik. Nachdem Walter Ulbricht auf dem VI. Par- teitag der SED die Kernsätze des neuen ökono- mischen Systems der Planung und Leitung der Volkswirtschaft entwickelt hatte, wurden seine Grundzüge im einzelnen durch verschiedene Kom- missionen, denen zahlreiche Wissenschaftler, Wirt- schaftsfunktionäre und Vertreter der Produktion angehörten, weiter präzisiert und nach und nach in der Praxis erprobt.

Die Einführung des NÖS Das NÖS wurde von der staatlichen Plankommis- sion unter Leitung ihres Vorsitzenden Dr. Erich Apel entwickelt. Es wurde durch die Beschlüsse des VI. Parteitages der SED unter Walter Ulbricht im Januar 1963 gebilligt. Besondere Bedeutung für die Ausgestaltung dieses Systems hatte die Wirtschaftskonferenz des ZK der SED und des Ministerrates der DDR im Juni 1963 in Berlin. In seinem Referat bezeichnete Walter Ulbricht das neue ökonomische System der Planung und Lei- tung als organische Verbindung der wissenschaft- lich fundierten Führungstätigkeit in der Wirtschaft und der wissenschaftlich begründeten, auf die Per- spektive orientierten zentralen staatlichen Planung mit der umfassenden Anwendung des Prinzips

der materiellen Interessiertheit und der bewußten, schöpferischen Teilnahme der Werktätigen an der unmittelbaren Planung und Leitung. Am 11. Juli 1963 wurde durch den Beschluß des Präsidiums des Ministerrates der DDR die Richtlinie für das neue ökonomische System der Planung und Lei- tung der Volkswirtschaft erlassen.

Die zentrale wissenschaftliche Perspektivplanung Die Aufgabe der zentralen wissenschaftlichen Per- spektivplanung bestand im neuen ökonomischen System darin, von den objektiven Erfordernissen, die sich in etwa zwei Jahrzehnten ergeben wür- den, auf die hierfür notwendige Entwicklung in den ersten unmittelbar bevorstehenden Jahren zurückzurechnen. Der Übergang von einer vor- wiegend mengenmäßigen Planung, wie sie bisher erfolgt war, zu einer in erster Linie auf den wis- senschaftlich-technischen Fortschritt gerichteten Perspektivplanung stand somit im Mittelpunkt des neuen ökonomischen Systems der Planung und Leitung der Volkswirtschaft. Dabei galt es, systematisch alle neuen Erkenntnisse und For- schungsergebnisse der ganzen Welt auszuwerten und ökonomisch genau zu berechnen, was der Volkswirtschaft der DDR den größten Nutzen brin- gen würde. Hierzu gehörte vor allem die Konzen- tration der Mittel und Kräfte auf die führenden Wirtschaftszweige, von deren Fortschritt und Ent- wicklung aller anderen Zweige wesentlich abhin- gen. Ausgehend von den Entwicklungstendenzen der wissenschaftlich-technischen Revolution überhaupt und den konkreten Bedingungen ih- rer Durchführung in der DDR, gehörten zu den führenden Zweigen der Elektrotechnik und Elek- tronik, die für die Rationalisierung ausschlaggeben- den Zweige des Maschinenbaus, die chemische Industrie, die Metallurgie der zweiten Verarbei- tungsstufe und die Energiewirtschaft. Die Aus- arbeitung des Perspektivplans konnte keine ein- malige Aufgabe sein. Am Perspektivplan mußte ständig gearbeitet werden, jede neue wissenschaft- liche Erkenntnis, jede neue Bedingung mußte Er- gänzungen, Abänderungen und unter Umständen auch wesentliche Korrekturen erforderlich ma- chen.

Die neue Rolle der Vereinigungen Volkseigener Betriebe (VVB) Die Ausarbeitung des Perspektivplans und der Jahrespläne durfte nicht nur von den zentralen staatlichen Organen vorgenommen werden, son- dern mußte auch unter engster Beteiligung der Vereinigten Volkseigenen Betriebe und der Be- triebe selbst erfolgen. Dadurch sollte gesichert werden, daß jeder Betrieb seine Perspektive für einen längeren Zeitraum genau kannte. Die Durch- setzung des neuen ökonomischen Systems machte eine wesentliche Veränderung der Wirtschafts- führung erforderlich. Eine wissenschaftlich fun- dierte Führungstätigkeit bedingte, daß die staat- lichen Leitungen, beginnend bei Ministerrat, von der Produktion in den einzelnen Bereichen und Betrieben ausgingen. Die Leitungen der Vereini- gungen Volkseigener Betriebe, die früher den Charakter eines Zwischengliedes zwischen dem zentralen Staatsapparat und den volkseigenen Betrieben hatten, wurden nunmehr die wissen- schaftlich-technischen und ökonomischen Füh- rungszentren ihres Zweiges und für dessen Lei- stung uneingeschränkt verantwortlich. Mit der Einführung des neuen ökonomischen Systems ergab sich die Notwendigkeit, daß die VVB nach dem Prinzip der wirtschaftlichen Rechnungsfüh- rung arbeiteten, das heißt, daß sie mit finanziel- len Mitteln ausgestattet wurden, die sich aus Abführungen ihrer Betriebe ergaben und deren Höhe somit von der Qualität der Leitungsarbeit der VVB wesentlich bestimmt wurde. Die VVB mußten sich zu ökonomischen Führungszentren entwickeln, die unmittelbar die ihnen unterstellten Betriebe anleiteten, die Rentabilität ihres Indu- striezweiges gewährleisteten und ihr Hauptaugen- merk auf die Durchsetzung des wissenschaftlich- technischen Fortschritts, die bessere Organisation des Arbeitsablaufs und die Steigerung der Arbeits- produktivität lenkten.

Der Beitrag des NÖS zur Entwicklung der sozialistischen Demokratie Die praktische Durchsetzung des neuen ökono- mischen Systems war aber auch untrennbar mit der Entwicklung der sozialistischen Demokratie und der schöpferischen Mitarbeit aller Werktäti- gen an der Planung und Leitung der Wirtschaft verbunden. Die Ausarbeitung sowohl des Per- spektivplanes als auch der kurzfristigen Pläne und ihre Verwirklichung setzten die breite Mitarbeit von Millionen Werktätigen voraus. Auch davon hing letzten Endes die Qualität der gesamten Planung ab. Von entscheidender Bedeutung war die Bildung von Produktionskomitees in den Großbetrieben. Sie wurden von allen Werktätigen gewählt, faßten

alle gesellschaftlichen Kräfte zusammen und nah- men bei Wahrung der vollen Verantwortung des Werkleiters an der Leitung des Betriebes teil. Andere wirksame Formen der Mitbestimmung der Werktätigen an der Planung und Leitung ihres Betriebes waren die Produktionsberatung, das Wirken der Gewerkschaftsorganisationen, die Tätigkeit der Neuerer und Rationalisatoren und andere.

Zur Rolle des Prinzips der materiellen Interessiertheit und anderer ökonomischer Hebel Die Durchsetzung des neuen ökonomischen Sy- stems der Planung und Leitung der Volkswirtschaft erforderte, durch ein geschlossenes System von Maßnahmen das materielle Interesse an hohen ökonomischen Ergebnissen der Produktion zu wecken. Es ging darum, das Prinzip der materiel- len Interessiertheit, das zum einen der Grundprin- zipien der sozialistischen Ökonomie gehört, so anzuwenden, daß jede Vereinigung Volkseigener Betriebe, jeder Betrieb, jede Abteilung, jeder ein- zelne Werktätige ökonomisch daran interessiert wurden, die Aufgaben des Planes zu erfüllen, die wissenschaftlich-technische Umwälzung voran- zutreiben und einen hohen Nutzeffekt zu errei- chen. Grundsatz wurde: Was der Gesellschaft nutzt, muß auch jedem Kollektiv und jedem Einzelnen nutzen, und umgekehrt: Was der Gesellschaft schadet, wird auch jedem Einzelnen materielle Nachteile bringen. Zu den ökonomischen Hebeln gehörten Kosten, Preis, Gewinn, Kredit, Zins, Lohn und Prämie.Alle diese ökonomischen Hebel mußten jetzt so aufeinander abgestimmt werden, daß sie ein einheitliches, in sich geschlossenes System darstellten, das organisch mit dem Plan verbun- den war und ohne Widersprüche in der gleichen Richtung wirken konnte. Eine zentrale Stellung im System der ökonomischen Hebel sollte dabei dem Gewinn zukommen, weil seine Höhe bei der richtigen Preis- und Kostenberechnung nicht nur diese und jene Seite der Arbeit, sondern die gute oder schlechte Gesamtarbeit eines Betriebes, ei- ner Vereinigung Volkseigener Betriebe usw. am deutlichsten widerspiegelt. Die Leitung der Wirt- schaft sollte auf der Grundlage der wissenschaft- lich fundierten Planung nunmehr vorwiegend mit ökonomischen Mitteln erfolgen. Das Neue bestand darin, daß nur wenige wichtige ökonomische Auf- gaben des Plans von den zentralen staatlichen Or- ganen für die Vereinigungen Volkseigener Betrie- be und die einzelnen Betriebe festgelegt werden sollten, während diese materiell daran interessiert waren, selbst die ökonomisch beste Lösung zur Erfüllung des Plans sowie auch aller anderen Aufgaben zu finden. Mit anderen Worten: Die ökonomischen Hebel wurden nunmehr zu ent- scheidenden Mittel, um die Planaufgaben in den Vereinigungen Volkseigener Betriebe und in den einzelnen Betrieben durchzusetzen. Von der Höhe des Gewinns, den die Betriebe erzielten, hing nicht mit der Höhe der Prämien und anderer Zuwen- dungen an die Werktätigen ab, sondern wurde auch für die Summe der Mittel bestimmt, die für Investitionen ausgegeben werden konnten. Wur- den früher die Investitionen im wesentlichen zen- tral geplant und aus dem Staatshaushalt abge- deckt, so hatten die Betriebe nunmehr das Recht und die Pflicht, aus ihrem Gewinn die notwendi- gen Ausgaben für die Neuanschaffung moderner Maschinen und Einrichtungen, für verschiedene Rationalisierungsmaßnahmen und andere Maß- nahmen zur Erhöhung und Verbesserung der Pro- duktion zu bestreiten. Von der Qualität der Arbeit der Betriebe und ihrer Leistungen hing es also jetzt ab, durch hochwertige und rentable Produk- tion die für Investitionen benötigten Mittel selbst zu erwirtschaften. Als Beispiel sei die Industrie- preisreform genannt, die in drei Etappen im Ver- lauf von etwa zwei Jahren - beginnend mit dem 1. April 1964 - eingeführt wurde. Um die Entwick- lung der verarbeitenden Industriezweige in den Anfangsjahren des sozialistischen Aufbaus zu för- dern, hatte der Staat die Grundstoffindustrie sub- ventioniert. Das Ziel dieser Reform bestand nun darin, Industriepreise auf der Grundlage des Wer- tes der Waren zu schaffen, die soweit wie möglich den Arbeitsaufwand widerspiegeln und zugleich den wissenschaftlich-technischen Fortschritt und höchste Qualitätsarbeit fördern sollten. Die Indu- striepreisreform hatte jetzt die Aufgabe, mit der Festlegung exakter und realer Preise die Betriebe zu einem sparsamen Verbrauch von Material, Roh- und Hilfsstoffen zu zwingen, da davon die Erwirt- schaftung eines möglichst hohen Gewinns abhing. In der Festlegung, daß die Industriepreisreform nicht zu einem Ansteigen der Konsumgüterpreise führen darf, widerspiegelte sich der sozialistische Charakter der Deutschen Demokratischen Repu- blik und der Grundinhalt des neuen ökonomischen Systems, das ja dazu bestimmt war, die Voraus- setzungen für eine kontinuierliche Verbesserung des Volkswohlstandes zu schaffen.

Eine vorläufige Zwischenbilanz In Verwirklichung der Beschlüsse des VI. Partei- tages der SED und bei der Durchsetzung des neu- en ökonomischen Systems errangen die Werktä- tigen der DDR 1963 bereits beträchtliche Erfolge. Die Volkswirtschaft der DDR entwickelte sich ohne erneute Inanspruchnahme ausländischer Kredi- te, und es konnte sogar mit der Rückzahlung von Krediten an die Sowjetunion in größerem Umfang begonnen werden. Bis Ende 1963 konnte die Indu- strieproduktion der DDR gegenüber dem Vorjahr um etwa fünf Prozent gesteigert werden. Die Er- höhung der Industrieproduktion war vor allem des- halb möglich, weil die Arbeitsproduktivität in der volkseigenen Industrie auf etwa 106,5 Prozent gesteigert wurde. Gleichzeitig gelang es, die Selbst- kosten in den volkseigenen zentralgeleiteten Be- trieben um mehr als eine Milliarde Mark gegenüber dem Vorjahr zu senken. Auch bei der Produktion industrieller Konsumgüter konnten 1963 erhebli- che Fortschritte erreicht werden. Allerdings konnte eine Reihe wichtiger Planaufgaben nicht in vol- lem Umfang erfüllt werden. Noch immer arbeite- ten etwa 20 Prozent der Betriebe der zentralgelei- teten volkseigenen Industrie mit Verlusten.

Fazit Lenins NÖP war die Wirtschaftspolitik des Sowjet- staates in der Periode des Übergangs vom Kapi- talismus zum Sozialismus. Sie verfolgte das Ziel, die kapitalistischen Elemente zu überwinden und die sozialistische Wirtschaft unter Ausnutzung von Markt, Handel und Geldumlauf auszubauen. Nach Lenins Lehre zeigt sich die Überlegenheit des Sozialismus über den Kapitalismus in seinem deutlich höheren Niveau der Produktivkräfte und damit auch der Arbeitsproduktivität. Es war die Überzeugung der NÖS-Gestalter, das System so angelegt zu haben, daß die beabsichtigte Niveau- erhöhung der Planung und Leitung der Volkswirt- schaft über die wirksamere Förderung und Nutzung von Wissenschaft und Technik zu einer beträcht- lichen Steigerung der Arbeitsproduktivität führen wird. So lautet der Kernsatz der NÖS: „Es ist die organische Verbindung der wissenschaftlich fun- dierten Führungstätigkeit in der Wirtschaft und der wissenschaftlich begründeten, auf die Per- spektive orientierten zentralen staatlichen Planung mit der umfassenden Anwendung der materiellen Interessiertheit in Gestalt des in sich geschlosse- nen Systems ökonomischer Hebel und des bewuß- ten, schöpferischen Teilnahme der Werktätigen an der unmittelbaren Planung und Leitung.“ Das NÖS, dessen Ausarbeitungen und Anwendungen einen schöpferischen Beitrag zur marxistisch-leninisti- schen Theorie bildeten, fand seine konsequente Fortsetzung im ökonomischen System des Sozia- lismus. Allerdings wurden die Reformbemühun- gen nie zur vollen Wirkung gebracht, weil sie in der Führung der DDR und auch im sozialistischen Lager keine dazu ausreichende Unterstützung fanden. Im Gegensatz zu den Behauptungen der modernen Revisionisten ging es nicht um weni- ger Zentralismus und mehr Demokratie, sondern um die allseitige Weiterentwicklung des demo- kratischen Zentralismus als Grundprinzip sozia- listischer Planwirtschaft. Die Einführung ökono- mischer Hebel änderte nichts an der bestehenden materiellen Verfügungsgewalt und stellte damit das ökonomische Grundgesetz des Sozialismus auch nicht in Frage.

Ideologische Kommission des ZK der KPD

Literatur:

Doernberg, Stefan: Kurze Geschichte der DDR, Dietz Verlag, Berlin 1968.

Internetquelle - Wikipedia: de.wikipedia.org/wiki/ Neues Ökonomisches System_der_Planung_und_ Leitung.

Richtlinie für das neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft (NÖSPL); Beschluß des Präsidiums des Ministerrates der DDR, 11. Juli 1963.

Sachwörterbuch der Geschichte Deutschlands und der deutschen Arbeiterbewegung, Band 2, Dietz Verlag, Berlin 1970.

DDR Werden und Wachsen, Zur Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik; Verlag Marxistische Blätter GmbH, Frankfurt/Main 1973.

Wörterbuch der Ökonomie des Sozialismus; Neuausgabe 1989; Dietz Verlag, Berlin 1989.

Mittag, Günter (Leiter des Autorenkollektivs):

Politische Ökonomie des Sozialismus und ihre Anwendung in der DDR; Dietz Verlag, Berlin 1969.

Koziolek, Helmut: Sitzungsbericht der Leibnitz-Sozietät 10 (1996) 1/2; Seite 129 ff.

Krömke, Claus: Das NÖSPL und die Wandlungen des Günter Mittag, in: Hefte zur DDR-Geschichte, Nummer 37, Berlin 1996.

6 Die Rote Fahne

Oktober 2012

Erfahrungen kommunistischer Bündnispolitik

(von Wolfram Triller)

Vor zehn Jahren gründete sich das „Kommunisti- sche Aktionsbündnis Dresden“ (KAD). Mit ihm wurde der Versuch unternommen, jene Kräfte zusammenzuführen, die aktiv am Aufbau des Sozialismus in der DDR mitgearbeitet hatten und nicht bereit waren, ihre kommunistische Über- zeugung aufzugeben. Aber wie konnte gesellschaftlicher Widerstand gegen die rücksichtslose Zerstörung der Errun- genschaften der DDR und die Durchsetzung imperialistischer Herrschaftsmethoden in Ost- deutschland geleistet werden? Manche setzten ihre Hoffnungen in eine der vielen neu entstan- denen außerparlamentarischen Bewegungen, angefangen von ATTAC, über die Montagsde- monstrationen, die Friedensbewegung bis hin zu den Antifa-Protesten. Bei der Gründung des Aktionsbündnisses mußte deshalb eine prinzi- pielle Verständigung darüber erfolgen, worin das Ziel des Zusammenwirkens bestehen soll und wer dementsprechend Mitglied im Bündnis wer- den kann. Einige Genossen hatten versucht, durch die Mitgliedschaft in einer Partei, die programma- tisch den Sozialismus zum Ziel erklärten, poli- tisch wirksam zu werden. Viele mußten aber die Erfahrung sammeln, daß durch die Niederlage des europäischen Sozialismus und den Streit über deren Ursachen in diesen Parteien eine wirk- same politische Arbeit kaum möglich war. Der Streit zwischen reformistischen und sektiereri- schen Fraktionen, persönliche Befindlichkeiten und Unklarheiten bei der Charakterisierung der wirklichen Lage und den daraus abzuleitenden Aufgaben behinderten die Sammlung der Kom- munisten.

In einer kontroversen Debatte war zu entschei- den:

- Soll an dem Anspruch festgehalten werden, auf dem Boden des Marxismus-Leninismus zu arbeiten?

- Soll ein Bündnis für die Zusammenarbeit der Kommunisten oder eine neue einheitliche Organisation geschaffen werden?

- Nach welchen Kriterien und Prinzipien sollen Partnerorganisationen zusammenarbeiten?

Es wurde entschieden, ein „Kommunistisches Aktionsbündnis“ zu schaffen. Beide Begriffe waren für uns Programm. Mitglied des Bünd- nisses konnten Parteien und Organisationen werden, deren Führungskräfte sich zu marxis- tisch-leninistischen Positionen bekannten. Eine entscheidende Rolle bei der Gründung des KAD spielten die Führungskräfte der Par- teien und Organisationen, die sich als Partner dem KAD anschlossen. Sie sicherten, daß das KAD als ein Projekt verstanden wurde, daß durch seine „Aktionen“ zusammenwächst, dabei prüft, was erfolgreich ist oder anders gemacht werden muß und wie jeder Partner seine spezifischen Erfahrungen zum Nutzen aller einbringen kann. Sich zu marxistisch-leninistischen Positionen zu „bekennen“ bedeutet nicht, sie tatsächlich zu vertreten. Diese Forderung zu erheben, hätte viele Mitglieder in den Parteiorganisationen, die sich in den gesellschaftlichen Widerstand ein- bringen wollten, ausgegrenzt. Deshalb war die weltanschauliche Bildung von Anfang an ein Schwerpunkt der Arbeit des KAD, die von den verschiedenen Partnern in unterschiedlicher Wei- se getragen wurde. Wir betrachteten die Praxis als die beste Schule für die Festigung von Klas- senpositionen. Durch diese Herangehensweise entstand je- nes Vertrauensverhältnis im KAD, das es nach einer gewissen Zeit ermöglichte, die Ziele und Aufgaben des KAD in einem Flyer zu fixieren. Siehe dazu unter:

www.triller-online.de/flyer_kad.htm

Für die operative, planmäßige und kontinuierli- che Arbeit bildeten wir einen Koordinierungsrat (KR), in den jede Partnerorganisation zwei Ver- treter delegiert hat. Für seine Tätigkeit beschloß der KR „Organisationsgrundsätze“. Sie beinhal- ten zum Beispiel:

- Die Zustimmung der Partnerorganisationen zu den Zielen des KAD.

- Die Vollständige Autonomie der Partner.

- Die Einstimmigkeit der Beschlüsse und die Verpflichtung der Partner, ihre Organisationen für die Durchführung der Beschlüsse zu mobilisieren.

Sollte ein Partner die Ziele des KAD nicht mehr mittragen können, ist ein Austritt oder Ausschluß mit einfacher Mehrheit möglich. Was leider schon einmal vorgekommen ist. Der KR ist nicht nur ein organisiertes Gremi- um, sondern in ihm werden auch gründlich ge- meinsame Einschätzungen zur aktuellen gesell- schaftlichen Situation beraten, die dann in den geplanten Maßnahmen ihren Niederschlag fin- den. Vor allem überdies Internetauftritte der ein- zelnen Partner und für das KAD als Ganzes (www.triller-online.de/kad.htm) werden die Mitglieder der Partnerorganisationen - aber auch andere Bündnispartner - über die Arbeit des KR und die geplanten Aktionen des KAD informiert (was leider auch die Arbeit des Ver- fassungsschutzes sehr erleichtert).

Mit unseren Aktionen arbeiten wir in drei Rich- tungen:

- Die Partner unterstützen sich gegenseitig bei den partnerspezifischen Vorhaben. Zum Beispiel Vortragsveranstaltungen des RotFuchs, Kranzniederlegungen am Tag der Erinnerung, Mahnung und Begegnung/ Der Ehrung der Opfer des Faschismus durch die VVN-BdA, Unterstützung von Partei- veranstaltungen.

- Gemeinsam führen wir als KAD einzelne Aktionen durch. Zum Beispiel Kundgebungen zum Weltfriedenstag, Informationsstand bei der Kundgebung des DGB am 1. Mai, Kranz- niederlegung am 8. Mai am sowjetischen Ehrenmal.

- Gemeinsam oder arbeitsteilig wirken wir in antikapitalistischen, außerparlamentarischen Bewegungen mit. Hierbei geht es uns vor allem darum, deutlich zu machen, worin die gesellschaftlichen Ursachen der zu bekämp- fenden Konflikte bestehen und wie sie in die Systemfrage einzuordnen sind. Mit Beginn der Montagsdemonstrationen hat sich diese Arbeit fortgesetzt über die Unterstützung von ATTAC, von Gewerkschafts- und Friedens- demonstrationen bis hin zum antifaschisti- schen Widerstand am 13. Februar in Dresden. Besonders aktiv haben wir uns in das bundes- weite Bemühen um das Zusammengehen von Kommunisten eingebracht. Regelmäßig treffen wir uns zum Erfahrungsaustausch mit ähnlichen Bündnisgruppen aus Sachsen- Anhalt und Thüringen.

Das KAD ist ist die spezifische Lösung, die wir für die Stadt Dresden gefunden haben. Koope- rationsfähige Personen und Organisationen so- wie die lösbaren Aufgaben werden an anderen Orten andere sein. Gemeinsam aber sollten wir nach Wegen suchen, wie das Wechselverhältnis von kommunistischen Organisationen und außer- parlamentarischen Bewegungen gestaltet werden kann und muß. Noch gründlicher müssen wir auch in Dresden darüber nachdenken und Wege finden, damit die Arbeiterklasse ihr revolutionä- res Klassenbewußtsein zurückgewinnt.

Erfahrungsaustausch anläßlich des 10. Jahrestages der Gründung des Kommu- nistischen Aktionsbündnisses Dresden (KAD) am 6. Oktober 2012. Beginn der Veranstaltung ab 10.00 Uhr in der Drogenmühle Heidenau, Dresdner Straße 26.

Zum Treffen in Mala Upa

Am 25. August 2012 versammelten sich in Mala Upa zum 90. Treffen Kommunisten, Sozialisten und Sym- pathisanten. Gemeinsam demonstrierten wir gegen Fachismus, Antidemokratismus, gegen Kriege und Sozialabbau. Organisiert vom RFB nahmen teil Ge- nossen der KPD Sachsen, Sachsen-Anhalt (Coswig) und Thüringen, der KSCM, der polnischen Kommu- nistischen Partei mit dem Genossen Zbigniew Wiktor

und Genossen der kommunistischen polnischen Ju- gend, Genossen aus Kuba, aus den ehemaligen BRD- Bundesländern und aus dem westlichen Ausland. Anschließend an die Kundgebung wanderten viele Genossen traditionell auf die Schneekoppe Das Treffen fand seinen Abschluß bei gemeinsa- men Gesprächen der Teilnehmer in Trutnov.

Jürg

PRESSEMITTEILUNG:

12. September - Tag der Schande für Obama

Am 12. September 2012 jährte sich zum 14. Mal die willkürliche Inhaftierung der als MIAMI 5 weltbekannt gewordenen fünf Cubaner Fernan- do Gonzalez, Antonio Guerrero, Ramon Laba- nino, Rene Gonzalez und Gerardo Hernandez in den USA. Ihr einziges „Verbrechen“: Sie hat- ten die ultrarechten Terrorgruppen in Miami unterwandert, um ihre Heimat vor weiteren An- schlägen zu schützen. Die Ergebnisse ihrer Re- cherchen waren der US-Regierung übermittelt worden. Doch statt den Terrorsumpf im eige- nen Land trocken zu legen, wurden die cuba- nischen Kundschafter, die nachweislich keine US-Militär- oder Regierungseinrichtungen aus- gekundschaftet hatten, was die Voraussetzung für einen Spionagevorwurf wäre, verhaftet. In einem Schauprozeß, der ausgerechnet in Miami, der Terroristen-Hochburg stattfand, wurden sie zu extremen Haftstrafen, die bis zu mehrmals le- benslänglich reichten und die in Hochsicher- heitsgefängnissen in fünf verschiedenen Orten der USA zu verbüßen sind.

in fünf verschiedenen Orten der USA zu verbüßen sind. Anläßlich des 14. Jahrestages dieser exorbi- anten,

Anläßlich des 14. Jahrestages dieser exorbi- anten, allen völkerrechtlichen Standards Hohn sprechenden Ungerechtigkeit, führten Vertreter- innen und Vertreter verschiedener-Cuba-Soli- daritätsgruppen aus dem Rhein-/Ruhrgebiet am 12. September abends auf dem Bertha-von-Sutt- ner-Platz vor dem US-Konsulat in Düsseldorf eine Kundgebung durch (siehe Bilder). Gemeinsam mit ähnlichen Veranstaltungen in Berlin sowie in zahlreichen anderen Ländern weltweit (in den USA fanden beispielsweise die zentralen Aktionen in Washington DC, New

York City und San Francisco statt) wurde die sofortige Freilassung der MIAMI 5 gefordert. In seiner Rede verwies der Vertreter des Bun- desvorstands der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba e.V., Günter Pohl, unter anderem auf die blutige Geschichte der weltweiten US-Inter- ventionen, das USA-Todesstrafensystem und das US-Folterlager auf dem widerrechtlich besetz- ten cubanischen Territorium von Guantanamo. Er forderte von US-Präsident Obama, endlich von seinem Begnadigungsrecht Gebrauch zu machen und die Fünf freizulassen. In diesem Sinne äußerte sich auch Josie Mi- chel-Brüning, die für das Solidaritätskomitee „Basta Ya!“ („Es reicht!“) eine Petition an die Düsseldorfer US-Generalkonsulin Janice G. Wei- nar vorstellte, die von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Solidaritätsveranstaltung un- terzeichnet wurde. Die Anwesenden erklärten ihre Entschlos- senheit, sich so lange für die Freilassung der MIAMI 5 einzusetzen, bis diese endlich in Frei- heit bei ihren Familien sein werden. Für den Fall, daß die Fünf im nächsten Jahr immer noch in- haftiert sein sollten, wurde bereits eine mehr- stündige Aktion am selben Ort angekündigt.

Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba e.V., Regionalgruppe Essen

i. A. Heinz W. Hammer

BRD-Kuba e.V., Regionalgruppe Essen i. A. Heinz W. Hammer Weltweit am 5. Oktober 2012 von 15.00
Weltweit am 5. Oktober 2012 von 15.00 bis 23.00 Uhr. Der Fünfte für die Fünf,

Weltweit am 5. Oktober 2012 von 15.00 bis 23.00 Uhr.

Der Fünfte für die Fünf, zum Fünften jeden Monats:

Erheben wir unsere Stimme für die Cuban Five!

Weitere Informationen unter:

http://www.fgbrdkuba.de/termine/kalender.html#cuban-five-01

Herbsttreffen 2012 der Grenzer der DDR

DieArbeitsgruppe der Grenzer der Gesellschaft zur Rechtlichen und Humanitären Un- terstützung e.V. (GRH) lädt ihre Mitglieder und Sympathisanten zu ihrem traditionellen Herbsttreffen ein. Es findet am 20. Oktober 2012 von 9.00 bis 15.00 Uhr im Landkostarena, Goethestraße in Bestensee statt unter dem Thema: „Die gegenwärtige Strategie der USA unter Ein- beziehung der NATO zur Stabilisierung ihrer Weltherrschaftsansprüche. Auswirkungen auf die Entwicklung der militärpolitischen Lage in der Welt.“ Dazu spricht der ehemalige Kundschafter im NATO-Hauptquartier, Rainer Rupp. Freunde und Interessenten sind herzlich eingeladen. Um Mitteilung der Teilnahme und über eine Inanspuchnahme der Frühstücks- und Mittagsversorgung wird gebeten unter Telefon- Nummer 030/29784225.

Nachruf

Nach langer Krankheit verstarb am 4. September 2012 im Alter von 82 Jahren

Genosse Dr. Hans-Joachim Böhme

Ehemals Mitglied des Politbüros der SED und 1. Sekretär der Bezirksleitung Halle. Sein Lebensweg war gekennzeichnet vom Kampf um die Stärkung des ersten sozi- alistischen Arbeiter- und Bauernstaates, der DDR.

Über die revolutionäre Jugendarbeit führte der Weg in die politische Arbeit der Partei. Nach der Konterrevolution war er weiter der kommunistischen Bewegung verbunden. Trotz Repressalien der kapitalistischen Diktatur blieb er den Idealen der Arbeiterklasse treu.

Seinen Kindern sprechen wir unsere aufrichtige Anteilnahme aus. Wir werden sein Andenken in Ehre bewahren.

Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Deutschlands KPD-Landesorganisation Sachsen-Anhalt

Oktober 2012

Die Rote Fahne 7

Breaking the Silence: Wenn das Gewissen spricht

Israelische Soldaten sprechen über die Besatzung

Seit über 45 Jahren gehören israelische Soldat- innen und Soldaten zum Stadtbild von Hebron und anderen palästinensischen Städten. Sie pa- trouillieren nachts durch die Gassen, setzen Aus- gangssprerren durch, dringen in private Häuser ein. Sie sehen viel, doch zurück zu Hause spre- chen die jungen Menschen wenig über ihre Er- fahrungen. Denn die Mehrheit der israelischen Bevölkerung möchte nicht so genau wissen, wie der Alltag einer lang anhaltenden Besatzung der palästinensischen Gebiete aussieht, wie sich mi- litärische Angriffe und Straßensperren auf die Zivilbevölkerung auswirken. Auch möchte man nicht sehen, was die eigene Armee dort wirklich tut.

man nicht sehen, was die eigene Armee dort wirklich tut. Hier beginnt die Arbeit von Breaking

Hier beginnt die Arbeit von Breaking the Si- lence. Der Name ist Programm: Breaking the Silence ist eine Organisation israelischer Reser- visten, die als Soldaten die Besatzungsrealitäten - von struktureller Repression über die stille Kooperation mit extremistischen jüdischen Siedlerinnen und Siedlern bis hin zu alltäglichen Schikanen - erlebt haben und das Schweigen darüber in der israelischen Gesellschaft brechen möchten. Die alltäglichen Erniedrigungen in den palästinensischen Gebieten sollen öffentlich ge- macht und die israelische Gesellschaft soll auf- gerüttelt werden.

Geisterstadt Hebron

Gegründet wurde die Organisation von Reser- visten, die in Hebron gedient hatten. Mit 180.000 Einwohnern ist Hebron die zweitgrößte palästi- nensische Stadt in der Westbank - und die ein- zige, in der sich jüdische Siedler direkt im Zen- trum niedergelasssen haben. Denn hier befindet sich nach biblischer Überlieferung die Grab- höhle des Patriarchen Abraham, und die Siedler wollen Hebron in eine jüdische Stadt verwan- deln - ohne Araber. Hunderte Soldaten sind hier stationiert, um die rechtsradikalen Siedlerinnen und Siedler zu beschützen. Ergebnis: Heute gleicht Hebrons altes Stadtzentrum einer Geisterstadt. Die Geschäfte sind verrammelt, die Straßen men- schenleer. Drei Viertel der Geschäfte sind ge- schlossen: mehr als 1.800 Läden. Beinahe die Hälfte der Wohnungen im Stadtzentrum ist ver- lassen. Von den Menschen, die geblieben sind, können viele ihre Häuser nicht einmal mehr durch die Tür betreten, weil die Armee sie zu- geschweißt hat; sie müssen über die Dächer klettern. Während andere Soldaten nach Beendigung ihres Armeedienstes gern in die Ferne, ins indi- sche Goa oder an den Amazonas fliegen, und sich berauschen mit allerlei Drogen, wollten die Gründer von Breaking the Silence nicht ver- gessen. In einer ersten Aktion sammelten sie Fotos, die Soldaten zu privaten Zwecken ge- macht hatten. Die Ausstellung hieß „Hebron nach Tel Aviv bringen“, und tatsächlich sorgte sie in Israel für Furore, weil sie auf eine ein- drucksvolle und unmittelbare Weise den Alltag der Besatzung wiedergab.

Mehr als 700 Zeugenaussagen gesammelt

Schnell stellten die Aktivistinnen und Aktivis- ten fest, daß Hebron kein Einzelfall war. Ex-Sol- daten, die an anderen Orten Dienst taten, kamen auf sie zu und erzählten, Ähnliches erlebt zu haben. Seit ihrer Gründung 2004 hat Breaking the Silence mit Hilfe vieler Freiwilliger mehr als 700 Zeugenaussagen israelischer Soldatinnen und Soldaten aus allen Bevölkerungsschichten und aus so gut wie allen Einheiten der israeli- schen Armee gesammelt, die in den besetzten Gebieten Dienst tun. Die interviewten Soldaten

und EX-Soldaten kennen die Ziele der Organi- sation und legen bewußt Zeugnis ab, auch wenn viele lieber anonym bleiben möchten, da sie sich vor gesellschaftlichem Druck oder der Reaktion offizieller militärischer Stellen fürchten. Die Zeu- genaussagen werden genau analysiert, alle Fak- ten mehrmals überprüft und mit zusätzlichen Berichten und Zeugnissen verglichen. Die Re- daktion der Aussagen wird so vorgenommen, daß der Sprachduktus der Soldaten nicht ver- ändert wird. Dadurch entstehen kraftvolle und detaillierte Beschreibungen der Besatzungsme- chanismen, die zuweilen schwere Menschen- rechtsverletzungen aufdecken.

„Eins der bedeutendsten Bücher über Israel/Palästina“

Auf diesen Zeugnissen basiert der eben auf Deutsch erschienene Bericht „Breaking the Silence. Israelische Soldaten berichten von ih- rem Einsatz in den besetzten Gebieten“. Die Ergebnisse sind bedrückend, so das angesehe- ne literarisch-intellektuelle US-Magazin „New York Review of Books“ in einer ausführlichen Besprechung. Breaking the Silence sei „eins der bedeutendsten Bücher über Israel/Palästi- na in dieser Generation“. Es setze die Puzzle- teile des Besatzungsalltags akribisch zusammen, so Rezensent David Shulman, und am Ende ent- stehe ein Gesamtbild, das die Raison d’Etre der Besatzung offenlege: die Verdrängung der Pa- lästinenser und die gleichzeitige Besitznahme von immer mehr Land. Ins selbe Horn bläst die Publizistin Ilana Hammerman in Israels Qualitäts- zeitung „Haaretz“: Die im Bericht minutiös doku- mentierte grausame Willkür einzelner Soldaten sei nicht der Verrücktheit Einzelner geschuldet. Vielmehr stecke dahinter ein logisches System, so Hammerman; der Bericht demonstriere „die Reichweite der militärischen Kontrolle über die besetzten Gebiete, die wie das gigantische Sied- lungsprojekt darauf abzielt, nicht die Bürger des souveränen Staates Israel zu verteidigen, son- dern die zivile, politische und wirtschaftliche Kontrolle (über die Palästinenser) zu vertiefen“.

Breaking the Silence - Lieblingszielscheibe der israelischen Rechten

Die bereits Jahrzehnte währende Verweigerung gleicher Rechte haben die besetzten Gebiete in Zonen permanenter Unsicherheit verwandelt, die sich tief in die Gesellschaft eingegraben hat. Die im Gazastreifen herrschende Hamas und die in der Westbank regierende Fatah agieren gleicher- maßen autoritär, lassen Oppositionelle willkür- lich verhaften und im Gefängnis mißhandeln. Aber die Besatzung verändert nicht nur die Be- siegten. Auch in Israel führt der Umstand, seit Jahrzehnten ein anderes Land und dessen Be- völkerung zu beherrschen, zur zunehmenden Erosion demokratischer Rechte. Traf es zunächst nur die arabische Minderheit, so werden heute auch jüdische Menschenrechtler und Friedens- aktivisten mittels Medienkampagnen und Geset- zesinitiativen angegriffen. Breaking the Silence ist eine der Lieblingszielscheiben der israelischen Rechten. Seit Veröffentlichung ihres Berichts „Soldaten sprechen über Gaza“ werden die Mit- glieder immer wieder Opfer gezielter Kampag- nen, die sie mundtot machen wollen.

Tsafrer Cohen, Berichterstatter in Israel/Palästina in den Jahren 2007 bis 2010.

in Israel/Palästina in den Jahren 2007 bis 2010. Siehe auch: junge Welt , Seite 3, vom

Siehe auch:

junge Welt, Seite 3, vom 11. September 2012, und im Internet: Israel-Besatzung.html

Wir gedenken und ehren Dr. Richard Sorge

Am Mittwoch, dem 7. November 2012, jährt sich der Tag der Ermordung des glühenden deutschen Kommunisten und verdienstvollen Kundschafters für den Frieden, Dr. Richard Sorge. Ausgerechnet am 7. November 1944, dem 27. Jahrestag der Großen Sozialisti- schen Oktoberrevolution, wurde der „Held der Sowjetunion“ in Tokyo hingerichtet. Die Gesellschaft zur Rechtlichen und Humanitären Unterstützung e.V. (GRH) ruft ihre Mitglieder, Sympathisanten und Unterstützer auf, sich am 7. November 2012, 10.00 Uhr, an der Ecke Richard-Sorge-Straße/Weidenweg im Berliner Stadtbezirk Friedrichshain, zum stillen Gedenken an Dr. Richard Sorge einzufinden. Bringt Blumen mit, die wir an der Stelle niederlegen, wo sich bis 1990 eine Erinnerungstafel befand.

Kalendarium - Oktober

Oktober 1878: Sozialistengesetz Bismarcks zur Unter- drückung politisch fortschrittlicher Kräfte. Die Arbeiterklasse kämpfte erfolgreich bis 1890 gegen dieses Gesetz. Oktober 1922: Errichtung der faschistischen Diktatur in Italien, die bis zum Ende des 2.Weltkrieges fortbesteht. Oktober 1923: Bildung der Arbeiterregierungen in Sachsen und Thüringen. Oktober 1944: „Aktionsprogramm der KPD zur Schaffung eines Blocks der kämpfenden Demokratie“ wird veröffentlicht. Oktober 1948: Der Deutsche Volksrat appelliert an die Großmächte, zu den Grundsätzen des Potsdamer Abkommens zurückzukehren und einen Friedensvertrag mit ganz Deutschland abzuschließen.

 

Kontaktadressen der KPD

- Zentralkomitee der KPD

 

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- KPD-Regionalorganisation Erfurt

- KPD-Regionalorganisation Bad Langensalza und Umland c/o Torsten Schöwitz Postfach 800505

01. 10.1949:

Die Gründung der Volksrepublik China wird von Mao Tse Tung auf einer Kund- gebung in Peking vor 30.000 Menschen verkündet. Richard Sorge geboren. Der Parteivorstand der SED beschließt, mit den demokratischen Parteien und Massenorganisationen über die Bildung einer provisorischen Regierung zu ver- handeln. Jahrestag des Starts von „Sputnik I“. Sämtliche Blockparteien ersuchen den Deutschen Volksrat, um eine verfassungs- mäßige Regierung zu bilden. Gründung der Deutschen Demokratischen Republik. Es entsteht der erste Staat der Arbeiter- und Bauern, der erste Friedens- staat in der Geschichte des deutschen Volkes. Der Deutsche Volksrat konstituiert sich zur provisorischen Volkskammer der DDR und setzt die Verfassung in Kraft. Unterzeichnung des Vertrages über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand zwischen DDR und UdSSR. Jahrestag der Interbrigadisten im Freiheits- kampf Spaniens. Ernesto Che Guevara wird ermordet. Gründung der Partei der Arbeit Koreas. Wilhelm Pieck wird zum ersten Präsidenten der DDR gewählt. In einem großen Fackel- zug der Jugend und der Bevölkerung in Berlin wird „Unter den Linden“ die junge Arbeiter- und Bauernrepublik mit ihrem Präsidenten gefeiert. Aus Anlaß des 30. Jahrestages der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution spricht Otto Grotewohl als paritätischer Vorsitzender der SED vor den Mitgliedern des Parteivor- standes über die Lehren der Revolution. Gemeinsamer Aufruf von KPD und SED zur Durchführung einer demokratischen Schulreform. Einmarsch der Reichswehr in Sachsen und Thüringen. Beginn des Hamburger Aufstandes unter Führung Ernst Thälmanns. Beginn der Großen Sozialistischen Oktober- revolution in Rußland (alter Kalender). Uraufführung des DEFA-Films „Die Fahne von Kriwoj-Rog“ in Eisleben zu Ehren des 50.Jahrestages der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution. Lenin verkündet das „Dekret über den Frieden“ an die kriegführenden Staaten Deutschland, England und Frankreich. Die Vorsitzenden der KPD und der KPF, Ernst Thälmann und Maurice Thorez, treten in Paris bei einem Zusammentreffen gegen Faschismus und Krieg auf.

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Erfurt

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04.10.1895:

- KPD-Regionalorganisation Oberlausitz c/o Jürg Hebestreit Telefon 03583/690745

04.10.1949:

- KPD-Regionalorganisation Dresden c/o Michael Junghans Königsteiner Straße 6

01824

Rosenthal

- KPD-Regionalorganisation

 

Leipzig/Umland

Günther Schulze

Telefon 0341/2328144

04.10.1957:

 

05.10.1949:

- KPD-Landesorganisation Sachsen-Anhalt c/o Axel Schmidt Ascherslebener Weg 4

06449

Aschersleben/OT Westdorf

07.10.1949:

- KPD-Landesorganisation Sachsen-Anhalt Postfach 1262

06692

Zeitz

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07.10.1975:

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- KPD-Landesorganisation Niedersachsen Jörg Lorenz Husarenstraße 39

30163

Hannover

09.10.1936:

Telefon 0179-5473578

 

09.10.1967:

- KPD-Landesorganisation Mecklenburg-Vorpommern KPD-Regionalorganisation Rostock und Umland Lothar Piechowski Klein-Lehmhagenersdorfstraße 31

10.10.1945:

11. 10. 1949:

 

18507

Grimmen

Telefon 0160-8214528

 

oder 0162-1562099

- KPD Augsburg und Umland Herbert Settele Brückenstraße 25 1 /2

 

86153

Augsburg

15.10.1947:

 
   

Richtigstellung

 

18.10.1945:

In der Ausgabe vom September 2012 unseres Zentralorgans der KPD „Die Rote Fahne“ ist versehentlich als Tag der Gründung der DDR der 7. September 1949 Kalendarium angegeben worden, was nicht stimmt, weil am 7. Oktober 1949 die DDR gegründet wurde, wie in dieser Ausgabe nebenstehend im Kalendarium richtig zu entnehmen ist.

21.10.1923:

22.10.1923:

25.10.1917:

25.10.1967:

26.10.1917:

31.10.1932:

Impressum:

Die Rote Fahne

ISSN 1433-6383

Herausgeber: Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Deutschlands. Presse-, Publikations- und Informationsdienst der KPD -PPI- Eigenverlag und Vertrieb „Wilhelm Pieck“. Redaktion: „Die Rote Fahne“ / „Schriftenreihe der KPD“. Chefredakteur: Arthur Müller, V.i.S.d.P. Der Redaktion gehören an: Dr. Frank Beckmann (stellvertretender Chefredakteur),Werner Schleese, Eva Kolowrat, Wilhelm Deistel, Iris Harnack, Jörg Sandrock. Versand: Wolfgang Vogl. Redaktionsanschrift: Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin. Telefon: 030/9821930. Fax: 030/97896669. Bankverbindung: Berliner Sparkasse - Konto-Nr.: 1813061463, Bankleitzahl: 100 50000. Druck: Druckhaus Zeitz, An der Forststraße, 06712 Zeitz. Die „Die Rote Fahne“ ist als Zentralorgan der Kommunistischen Partei Deutschlands ihrem Programm verpflichtet. Die Kommunistische Partei Deutschlands ist als Partei beim Bundeswahlleiter registriert. Für namentlich gekennzeichnete Beiträge tragen die Autoren die Verantwortung. Deren Meinung muß nicht mit der Auffassung der Redaktion übereinstimmen. Unsere Autoren schreiben sämtlich honorarfrei. Die Redaktion arbeitet ehrenamtlich. Für unverlangt eingesandte Manuskripte wird keine Haftung übernommen. Internet-Homepage: www.drf.k-p-d.org E-Mail: info.drf@k-p-d.org post.drf@k-p-d.org Redaktionsschluß für „Die Rote Fahne“ Oktober 2012: 15. September 2012.

8 Die Rote Fahne

Oktober 2012

Kommunistische Partei Deutschlands

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Gedanken zum Monat Oktober

Welchen Gedanken widmet man im Oktober brei- ten Raum? Lenins „Dekret über den Frieden“ vom 26. Oktober 1917, der Bildung des Lenin- schen ZK unter Ernst Thälmann im Oktober 1925 nach der Stärkung der Kommunistischen Bewe- gung? Sollte der Beginn der Weltwirtschafts- krise (29. Oktober 1929), oder das Aktionspro- gramm der KPD zur Gründung eines „Blocks der kämpfenden Demokratie“ vom Oktober1944, oder die Bemühungen des Deutschen Volksrates zum Abschluß eines Friedensvertrages mit Deutsch- land vom Oktober 1948 im Mittelpunkt stehen? Sollte das „Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“, auch „Sozia- listengesetz“ genannt, vom 21. Oktober 1878, als Ausnahmegesetz zur Unterdrückung der deut- schen Arbeiterklasse und ihren politischen und gewerkschaftlichen Organisationen besonders hervorgehoben werden, oder sprechen wir von der Ratifizierung der „PariserVerträge“1954 durch Adenauer?

Es zeichnen sich drei Linien ab:

- Die Schaffung gesetzlicher Voraussetzungen zur Unterdrückung der Arbeiterklasse, die Pro- fitgier des Kapitals, die in die Weltwirtschafts- krisen führt (die letzte ist noch nicht überwun- den) und alle Aktionen, die den Kampf um die Erringung des Weltfriedens unterstützen.

- Dazu zählt die Gründung der Deutschen Demo- kratischen Republik am 7. Oktober 1949 in ganz besonderer Weise. Sie war über 40 Jahre Ga- rant für die Sicherung und den Erhalt des Frie- dens in Europa. Sie hegte keine kriegerischen Absichten gegen andere Völker, aber sie hatte das Recht, den Schutz ihres Territoriums, der Arbeitsleistung seiner Bürger und ihrer Errun- genschaften zu gewährleisten.

- Mit der Gründung des Separatstaates BRD im September 1949 und der Konstituierung des Friedensstaates DDR im Oktober 1949 stan- den sich nun, letztlich auch als Ergebnis des zweiten deutschen Weltkrieges, zwei deutsche Staaten mit unterschiedlicher gesellschaftli- cher Ausrichtung gegenüber. Der Sieg der „Alli- ierten“ mit der „Roten Armee“ an der Spitze über Hitlerdeutschland ermöglichte und unter- stützte im Osten Deutschlands, daß Lenins Dekret über den Frieden Wirklichkeit werden konnte. In diesem Dokument wird der Krieg als das größte Verbrechen an der Menscheit angeprangert!!

Weitere Kriege zu verhindern, aus einem zer- störten Land einen wirtschaftlich starken Frie- densstaat zu errichten, ist die bisher größte Er- rungenschaft in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Keine bürgerliche Gesell- schaft hat diese Leistung erbracht. Im Gegenteil, diese Gesellschaftsordnung hat jede „freiheit- lich demokratische“ Bestrebung der Arbeiter- klasse im Keim erstickt. Ihre Maßnahmen rei- chen von Verboten, über gesetzliche Regelungen, geheimdienstliche und Polizeimaßnahmen bis zum Einsatz des Militärs gegen die eigene Be- völkerung!

An dieser Stelle soll auf die Eingangsbemer- kung der Stärkung der Kommunistischen Bewe- gung nach 1917 hingewiesen werden. Von 1917 bis 1923 gründeten sich in 42 Staaten Kommu- nistische Parteien. Darunter in den Königreichen Dänemark 1919, Spanien, Großbritannien 1920, Schweden, Belgien 1921 und Norwegen 1923. Nun wird man einen kommunistischen König vergeblich suchen. Auch sind diese „Königrei- che“ nicht der Kommunismus, weil gleichnami- ge Parteien bestehen, sondern bleiben König- reiche, weil sie immer noch kapitalistisch sind! Es wird deutlich, daß nur Staaten, in denen eine Kommunistische Partei besteht und in denen die Grundlagen für Kriege, also das Privateigen- tum an den Produktionsmitteln ausgeschaltet ist, als Kommunismus bezeichnet wird.

Dazu vier Beispiele:

Erstens. Deutschland verliert seinen ersten Weltkrieg und Sowjetrußland ist der einzige Staat, der dem Kapital den Boden entzogen hat. Die sogenannten Friedensmacher legten des- halb in Vorbereitung des Versailler Vertrages fest, „Deutschland als Bollwerk gegen den Bolsche- wismus“ zu erhalten. Zweitens. Deutschland verliert seinen zwei- ten Weltkrieg. Viele europäische Staaten, ehe- mals von Deutschland besetzt, werden durch die Sowjetarmee unter hohem Blutzoll befreit. Nach dem „Abkommen von Potsdam“ gilt für die Westmächte: Westdeutschland als Bollwerk gegen den Bolschewismus zu erhalten. Die So- wjetunion steht an der Elbe und hat viele euro- päische Staaten in den Kreis des sozialistischen Systems einbezogen. Drittens. Um den „Bolschewismus“ in West- deutschland/BRD nicht nur zu unterdrücken, sondern auszuschalten, wird 1951 das Verbot der legalen Kommunistischen Partei Deutsch- lands beantragt. Dieses Schandurteil, 1956 ge- fällt, ist bis heute gültig und erinnert an die dun- kelsten Praktiken des „braunen“ Reiches. Viertens. In Vorbereitung der „Rückeroberung“ der DDR (siehe: „Der Graue Plan“) wurde im März 1952 ein „Forschungsbeirat zu Fragen der Wiedervereinigung“ in der BRD geschaffen. Sei- ne Aufgabe: Zersetzungsarbeit und ökonomische Destabilisierung der DDR und eine listenmäßige Erfassung von Menschen, die Funktionen und Ämter im Sinne der BRD in der zu vernichten- den DDR übernehmen sollten, vorzubereiten.

Vier Vorbemerkungen vor meinem Schlußwort:

Erstens. Der Physiker und Philosoph Carl Friedrich von Weizsäcker gibt in seinem letzten großen Werk „Der bedrohte Frieden“ 1983 eine schockierende Prognose auf die Ereignisse ab, die eintreten würden, wenn der „Kommunismus“ nicht mehr existiert. Dort heißt es: Punkt 7: Die „herrschende Elite“ wird gezwungen, um ihre Herrschaft zu sichern, frühzeitig den totalen Überwachungsstaat zu schaffen und eine welt- weite Diktatur einzuführen. Punkt 9: Die Kapital- welt fordert wie eh und je einen noch nie da ge- wesenen Faschismus als Bollwerk gegen einen eventuell wieder erstarkenden Kommunismus.

Punkt 12: Die Menschheit wird nach dem Nie- dergang des Kommunismus das skrupelloseste und menschenverachtendste System erleben, wie es die Menschheit noch niemals zuvor er- lebt hat, ihr „Armageddon“. Das System, wel- ches für dieses Verbrechen verantwortlich ist, heißt „unkontrollierter Kapitalismus“. Zweitens. Die Kommunistische Partei Schwe- dens verabschiedete auf ihrem 16. Parteitag im Januar 2011 ihr Parteiprogramm. Darin heißt es:

„Für die Masse der Bevölkerung bringt der Ka-

pitalismus nur Unglück. In seinem gierigen Stre- ben nach Effizienz erzeugt er unendlich viel Elend, Wahnsinn, Drohungen und Unmensch- lichkeit.“ Drittens. Prof. Dr. Hanfried Müllers „Weißen- seer Blätter“ vom Mai 1994 in einem Auszug aus einem Brief: „Weil ich die Eröffnung des sozia- listischen Weges zum Kommunismus für den Beginn einer neuen Epoche und darum für die Revolution halte, halte ich die Zerstörung die- ses Weges, um den Anbruch dieser neuen Epo- che zu verzögern und wenn möglich zu verhin-

dern, für eine Konterrevolution.“

Hysterie der „DDR-Aufarbeitung“ heißt es wei- ter: „Die eigentliche Aufgabe der Aufarbeitung der Geschichte“ besteht aber gar nicht darin, die Frage zu beantworten, ob das, was wir hat- ten, ,Sozialismus’ war oder nicht, und auch nicht darin, nach allem zu suchen, was eine ,Entstel- lung’ des Sozialismus war. Sie besteht vielmehr in dem viel dialektischeren Unterfangen, zu prü- fen: Was war in der sozialistischen Gesellschaft schon, was war nicht kommunistisch? Wo stand sie noch im Zeichen ihrer Herkunft aus zum gro- ßen Teil geradezu feudalen, zum anderen Teil bürgerlichen Verhältnissen, wo aber schon im Zeichen ihres kommunistischen Ziels? Und ent- wickelte sie sich an diesem Maßstab gemessen vorwärts oder rückwärts?“ Viertens. Erich Honecker, Vorsitzender des Staatsrates der DDR am 3. Dezember 1992 vor dem Berliner Landgericht: „Die Bilanz der 40- jährigen Geschichte der DDR sieht anders aus, als sie von den Politikern und Medien der BRD dargestellt wird. Der wachsende zeitliche Ab- stand wird das immer deutlicher machen.“

Und zur

Wessen sollten wir uns rühmen, wenn nicht unserer DDR!?

Gestalten wir den 63. Jahrestag der Gründung der DDR, des ersten sozialistischen Staates auf deutschem Boden in Würdigung der großen Leistungen seiner Werktätigen, in ehrendem Gedenken an die Bürger, die für den Schutz des ersten deutschen Arbeiter- und Bauernstaates ihr Leben gaben.

Mit der KPD der Zukunft zugewandt, für eine menschenwürdige Gesellschaft!

Klaus Weber

Bericht aus dem Jobcenter Chemnitz

Neulich war ich wieder einmal in das Jobcenter Chemnitz befohlen worden. Von Einladung kann ja, in Anbetracht der angedrohten Sanktionen, keine Rede sein. Im Gegensatz zu meinem vorher gegangenen Termin im März dieses Jahres, war ein deutlich kälterer Empfang zu bemerken. Dies begann bereits mit einer über Gebühr ver- längerten Wartezeit gegenüber des angegebenen Termins. Der „Empfänger“ soll dadurch wohl „klein“ gemacht werden. Nachdem ich dann end- lich aufgerufen wurde und ich meinen Sitz etwas näher an Frau F. heranrückte, kam die Aufforde- rung nach größerem Abstand. Ein Zeichen der Angst? So kam es mir jedenfalls vor. Der Frage nach meiner „Bewerbertätigkeit“ entgegnete ich mit der Frage nach dem für Lang- zeitarbeitslose „maßgeschneiderten Angebot“,

wie es die Arbeitsministerin laut verkündet hat- te. Nun, so Frau F., dies sei für das Jobcenter in keiner Weise maßgebend oder gar bindend. Nach- dem ich aber von dieser Frage nicht abging und dabei etwas lauter wurde (ob des Verhaltens der Frau F.), löste sie offenkundig „Stillen Alarm“ aus. Gleich darauf trat eine Dame ins Zimmer mit der Frage, ob sie helfen könne. Sie konnte nicht. Ich wurde darauf hingewiesen, daß ich meine Mitwirkungspflicht habe, ansonsten würde das Arbeitslosengeld II entsprechend gekürzt. Mei- ner Gegenfrage nach der Mitwirkungspflicht des Jobcenters, mir eine Arbeit mit ausreichender und würdevoller Bezahlung zu beschaffen, wur- de ausgewichen mit der Angabe, es gebe keine Arbeit durch das Jobcenter, welche diese Maß- nahmen erfülle. Sich darum zu kümmern, sei die

alleinige Aufgabe des Arbeitslosen. Unterstüt- zung könne ich dabei nicht erwarten. Ich gab allerdings nicht auf und stellte erneut meine Frage nach dem „maßgeschneiderten An- gebot“, das doch jeder Langzeitarbeitslose be- kommen solle. Offensichtlich hatte ich nun eine Grenze überschritten. Frau F. wörtlich: „Seien Sie ruhig, seien Sie ruhig!“ So geht man also mit der gerade im Moment ach so heiligen Meinungsfreiheit und der For- derung nach würdevoller Arbeit im Jobcenter Chemnitz um. Die Stadt wird sozialdemokratisch regiert, die Linke macht mit!

Auch Arbeitslose sind Wähler. Diese Parteien sind allerdings für sie nicht wählbar!

H. R.

Wir gratulieren ganz herzlich al- len Lesern unserer Zeitung, die im Monat Oktober Geburtstag haben und wünschen alles er- denklich Gute für den weiteren Lebensweg.

Zentralkomitee der KPD und Redaktion DRF

Es geht mit Bach den Bach runter

Ein Bestandteil deutscher Politik ist, daß man Niederlagen schönreden kann. Wir werden da- mit ständig konfrontiert, wenn es um die ver- schönten Arbeitslosenstatistiken und Wahler- gebnisse geht, wenn von den „Kriegserfolgen“ in Afghanistan die Rede ist und so auch kürz- lich geschehen bei der Auswertung der Olym- pischen Spiele in London. Wenn in den Kernsportarten der Sommerspiele Leichtathletik, Turnen und Schwimmen nur eine Siegleistung, bei den Laufdisziplinen Leerlauf angesagt ist, wenn Sportarten wie Schießen, Se- geln, Springreiten, Wasserspringen, Moderner Fünfkampf, Boxen, Ringen - und weitere Sport- arten könnten benannt werden - Fehlanzeigen verbuchen müssen, dann geht der deutsche Sport immer weiter den Bach hinunter. Die Hand- und Fußballer haben sich nicht einmal für die Spiele qualifizieren können. Deren Ursachen gibt es sicher viele. Die Herren Bach und Vesper reden die Ergebnisse schön, indem sie die Medaillen von London mit denen von Peking vergleichen und feststellen, daß die deutsche Mannschaft 2012 zwei Medaillen mehr errungen hat. Ergo geht es doch nach ihrer Meinung berg- auf. Aber genau das ist der falsche Ansatz. Der Maßstab kann nicht Peking sein, sondern aus- schließlich die Weltspitze. Es fehlt eine wissen- schaftlich erforschte Weltstandsanalyse, die die Grundlage für eine ehrliche Bestandsaufnahme sein muß. Die Bundestrainer - im Schwimmen hatte man erst gar keinen - sind weder an der Basis, in den Vereinen, noch in den Clubs wirk- sam. Der DOSB-Sportdirektor Vesper fordert nun eine Zentralisierung. Aber wer soll zentralisiert werden? Die Misere beginnt doch im Schulsport und setzt sich bis zum deutschen Leistungssport fort. Bei dieser Kleinstaaterei sind eine Zentralisierung und abgestimmte Trainigskonzeptionen kaum möglich. Statt Stroh zu dreschen, sollte man sich doch endlich an die erfolgreichen Methoden und Erfahrungen im Leistungssport der DDR erin- nern. Aber halt: Dies darf nicht sein! Und so wird es beständig mit DOSB-Präsident Bach wei- ter den Bach runtergehen. Erhard Richter

+ Aus Leserbriefen +

Kopfgeld für Assad - Wer ist die syrische Opposition?

Allianz zwischen Saudi-Arabien, Katar, der US-Re- gierung und Al-Quaida?

Wem wäre die „Nach-Assad-Regierung“ dann ver- pflichtet? Stimmt es, daß die „Freie Syrische Armee“ (FSA) bis zu 60 Prozent Al-Quaida-Kämpfer als Oppositionsschild religiös, finanziell und mordend nutzt ? Hat sie in Aleppo sogar schon den Wider- stand übernommen? Was ist an der Feststellung des US-Senders Fox 19, daß die US-Regierung in Syrien dieselben Leute unterstützt, die sie anderenorts mit Unsummen und amerikanischen Menschenleben be- kämpft, dran?

USA-Verbündete einer Terrororganisation?

Ist Syrien Aufmarschgebiet und Terrain für den glo- balen Dschihad?

Wenn das alles stimmt, ist der Grund der Kopfgeld- prämie auf Assad geklärt, und somit die Allianz zwi- schen Hisbolla und dem Iran das Ziel. So hat sich elf Jahre nach dem 11. September der US-Krieg gegen den Krieg mit den Terroristen gewandelt - oder?

Wenn man die Berichterstattung der BRD-Medien verfolgt, die Sympathiebekundung für die „Opposi- tion“ eingetrichtert bekommt, weiß man wessen Kind dieser Staat (Interessenvertreter der herrschenden Klasse) ist.

Cornelia Noack

Festveranstaltung zum 95. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution

am 27. Oktober 2012 ab 10.00 Uhr in der Drogenmühle Heidenau, Dresdner Straße 26.