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ne Zukunft zu haben schien.

Der schei- lung von Stuttgart 21 eingeführt werden


VERKEHR
dende Bahn-Chef Johannes Ludewig hat- sollten, möglichst bereits ab dem Fahr-

Stuttgarter te das Megaprojekt beerdigt. Sein desi- planwechsel 2001 bei der DB Regio AG
gnierter Nachfolger Hartmut Mehdorn für die Dauer von 10 Jahren bestellen.“
empfand zwar ein ausgeprägtes Faible für Das Land soll damit also die Bahn für

Gschäftle Stuttgart 21, doch eine Zusage vermied etwas bezahlen, das es noch gar nicht
er. Genau darauf drängte aber die Landes- brauchte. Als Preis wurden 13,95 Mark
regierung.
Deren Bemühungen fruchteten zu-
pro Kilometer vereinbart, rund sieben
Euro. Dazu kamen diverse Extras wie 200
Um das umstrittene Projekt
nächst wenig. Im Dezember 1999 vertagte Millionen Mark für neue Züge. Im Juli
Stuttgart 21 zu retten, hat Baden- der Aufsichtsrat der Bahn eine Entschei- 2001 wurde das Papier leicht modifiziert
Württemberg der Bahn einen frag- dung, wegen Unklarheiten bei der Finan- unterschrieben und mündete später in ei-
würdigen Auftrag über mehrere zierung. Auch eine Wirtschaftlichkeits- nen Verkehrsvertrag, der bis 2016 gilt.
100 Millionen Euro zugeschanzt. berechnung des Konzerns änderte daran Die Nahverkehrsgesellschaft Baden-
nichts: Selbst im günstigsten Fall fehlten Württemberg, von der Landesregierung

S
tefan Mappus, der CDU-Minister- 344,1 Millionen Mark, heißt mit der Bestellung bei der
präsident von Baden-Württemberg, es in der internen Aufstel- Bahn betraut, räumt einen
lernt derzeit die Schwaben neu ken- lung. Zusammenhang mit Stutt-
nen. Sie gelten als wertkonservativ und Zwei Monate später, im gart 21 ein, bestreitet aber,
wenig aufrührerisch, die Gespräche dre- Februar 2000, hatte die Bahn den Zugverkehr „nur“ be-
hen sich gern um Wirtschaftswachstum dagegen eine scheinbar ge- stellt zu haben, um die
und das neue Auto. Doch seit ein paar niale Lösung gefunden: Das „Wirtschaftlichkeit“ des um-

BERND WEISSBROD / DPA


Wochen weht ein Hauch von Revolte Land könne die Bahn doch strittenen Projekts „zu ver-
durch die Landeshauptstadt Stuttgart. für regionalen Zugverkehr bessern“. Von den zusätz-
Jeden Montag demonstrieren die Stutt- bezahlen, der erst nach Fer- lichen Millionen sollte von
garter gegen das Projekt Stuttgart 21, das tigstellung von Stuttgart 21 der Bahn allerdings „ein
der Landeshauptstadt einen neuen, unter- gebraucht worden wäre. So gewisser Betrag“ für Stutt-
irdischen Hauptbahnhof bescheren soll. kam es zu jener fragwürdi- Ministerpräsident Mappus gart 21 ausgegeben werden,
Von Woche zu Woche wächst die Zahl der gen Übereinkunft zwischen Vorsichtiges Abrücken sagt Sprecher Norbert
Protestler, am Montag vergangener Woche Bahn und Land, die in den Kuhnle.
waren es weit mehr als 10 000, die ihr Nein Aufgabenbereich des damaligen Staats- Derartige Geschäfte halten Wett-
bekundeten. Bei ihrem Protest gegen das – sekretärs Mappus fiel. Unter dem Punkt bewerbsrechtler für unzulässig. „Das ist
inklusive der Neubaustrecke nach Ulm – 1.4 „Mehrverkehr im Zusammenhang mit nur eine kaschierte Subvention für die
mindestens sieben Milliarden Euro teure Stuttgart 21“ heißt es in dem Vertragsent- Deutsche Bahn“, sagt Clemens Antweiler,
Bauvorhaben berufen sich die Gegner auf wurf: „Das Land wird rd. 1,45 Millionen Rechtsanwalt aus Düsseldorf, der seit
diverse Studien, die den Sinn in Frage Zugkm/a, die ursprünglich nach Fertigstel- Jahren gegen Wettbewerbsverzerrungen
stellen. Erst am vergangenen Mitt- im Regionalverkehr vor Gericht
woch veröffentlichte das Umwelt- streitet.
bundesamt ein Gutachten, das Mappus’ damaliger Vorgesetz-
Stuttgart 21 als verkehrspolitisch ter, der ehemalige Verkehrsminis-
unsinnig bewertete. ter Ulrich Müller, weist eine
Der Aufstand der Schwaben unzulässige Verknüpfung zwi-
richtet sich auch gegen den Mi- schen Stuttgart 21 und den be-
nisterpräsidenten – schließlich ist stellten Bahnkilometern zurück;
Mappus, 44, wie kaum ein zwei- er habe „für das Land das Beste
ter aktiver Landespolitiker seit herausgeholt“. Mappus selbst
mehr als einem Jahrzehnt mit lässt erklären, er habe nur an der
Stuttgart 21 verbunden. „Schlussverhandlung teilgenom-
Ohne den CDU-Politiker gäbe men, nicht aber an Vorgesprä-
es das umstrittene Projekt wo- chen in den monatelangen kom-
möglich heute gar nicht mehr. Als plexen Vorbereitungen auf Ar-
Politischer Staatssekretär im beitsebene“.
Stuttgarter Verkehrsministerium Die Kreativität im Hause des
war Mappus an einer Entschei- einstigen Staatssekretärs Mappus
dung beteiligt, die das damals könnte nun den Ministerpräsi-
taumelnde Projekt rettete. Dabei denten Mappus in Gefahr brin-
geht es um eine in der Öffentlich- gen. In sieben Monaten sind
keit weithin unbekannte Verein- Landtagswahlen, die Stuttgarter
barung zwischen dem Land Ba- Großbaustelle ist für die Union
den-Württemberg und der Deut- kein gutes Wahlkampfthema.
schen Bahn aus dem Jahr 2001, Zuletzt rückte der sonst so prin-
die fragwürdig ist. Damit wird die zipientreue Mappus vorsichtig
Zahlung über mehrere hundert von Stuttgart 21 ab.
Millionen Euro vom Land an die Er halte das Projekt zwar für
Bahn geregelt, verteilt über zehn „sachlich richtig“, erklärte er
THOMAS KLINK

Jahre – ein spezielles Stuttgarter jüngst besorgten Parteifreunden,


Gschäftle. aber nicht „um jeden Preis“.
Der Vertrag wurde vorbereitet S����� K�����,
in einer Zeit, als Stuttgart 21 kei- Demonstration gegen Stuttgart 21: Hauch von Revolte A������ W���������

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