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PRÄVENTION

KREBS UND ÜBERGEWICHT

Schon der Versuch 1

abzunehmen lohnt sich


Übergewicht erhöht das Risiko an 2

Krebs zu erkranken. Besonders anfällig


sind Gallenblase, Nieren, Dickdarm, Brust
und Gebärmutterschleimhaut. Doch schon
einige Kilos weniger auf der Waage können 3

die Gefahr verringern.


VO N D R . C L A R E N C E P. DAV I S Zelltod und aktiviert die Zell-
teilung und Zellregeneration,
HOHER BLUTDRUCK, CHOLESTERIN, das heisst, die körpereigene Ab- 4
Diabetes, Metabolisches Syndrom – wehr gegen Krebs wird teilweise
diese Volkskrankheiten werden mitt- blockiert. Die Zelle wird also über
lerweile in einem Atemzug mit den das Insulin und über das ungleich
gesundheitlichen Konsequenzen von potentere IGF-1 einer doppelten 5
Übergewicht genannt. Nun zeigen Schubkraft ausgesetzt.
auch immer mehr Studien, dass zu Sowohl IGF-1 als auch Insulin hemmen
viele Kilos auf der Waage nicht nur zudem noch ein Protein (SHBG), das vor
Dr. Clarence das Risiko für Herz-Kreislauf-Er- allem Sexualhormone wie Östrogene und
P. Davis krankungen erhöhen, sondern auch Androgene an sich bindet. Dadurch steigt der
Experte für Krebs mitverursachen können. So Hormonspiegel, was zu einem erhöhten Hormonan- Übergewicht
Gewichts- sind je nach Studie bis zu 40 Prozent gebot für die Zelle führt. Ausserdem ist das Fettgewebe fördert Krebs
reduktion, aller Krebserkrankungen der Gebär- reich an einem Enzym (Aromatase), das die Umwand- Zu viel Körperfett löst
swissestetix, mutterschleimhaut (Endometrium), lung von Testosteron in Östrogen bewirkt und dadurch im Stoffwechsel eine
Zollikon ZH jeder zehnte Dickdarm- und Brust- den Östrogenspiegel zusätzlich ansteigen lässt. Als Folge Kettenreaktion aus: Der
krebs sowie jeder vierte Gallenbla- davon erhöht sich die Gefahr, an einem hormonabhängi- Insulinspiegel steigt,
sen- und Nierenzellkrebs direkt auf gen Krebs (Brust- oder Endometrialkrebs) zu erkranken. was den natürlichen
erhöhtes Gewicht zurückzuführen. Studien zeigen ein bis zu sechsfaches Risiko für Zelltod hemmt, die
Endometrialkrebs und ein doppeltes Risiko für Brust- Bildung neuer Blutge-
ÜBERSCHÜSSIGES KÖRPERFETT löst im Stoffwechsel eine krebs bei übergewichtigen Frauen. fässe fördert und die
wahre Kettenreaktion aus. Schnellt die Waage nach Aber nicht nur bei den hormonabhängigen Tumoren Hormonproduktion
oben, sinkt die Empfindlichkeit des Körpers für Insulin: werden Insulin und IGF-1 verdächtigt, an der Entste- ankurbelt. Übergewicht
Die betroffene Person kann den Blutzucker nicht mehr hung beteiligt zu sein. Auch der Dickdarmkrebs und der ist verantwortlich für
richtig verwerten. Als Antwort darauf kommt es mit der Nierenzellkrebs scheinen unter diesem Powerduo öfter
Zeit zu einem stetigen Anstieg des Insulinspiegels, ein aufzutreten. Bis zu fünfmal häufiger muss eine stark 1 10 Prozent der
Phänomen, mit dem der Körper die Situation wieder in übergewichtige Frau damit rechnen, an Nierenzellkrebs Brustkrebsfälle
Griff zu bekommen versucht. zu erkranken, wenn sie nicht den Versuch wagt abzuneh- 2 40 Prozent aller
Der Anstieg von Insulin ist aber für den Körper äus- men.
serst problematisch, da Insulin auf verschiedenen bösartigen Erkrankungen
Ebenen in die Zellregulation eingreift. So hemmt es EINE STUDIE AUS DEN USA ZEIGTE, dass Frauen, die einmal der Gebärmutter-
beispielsweise einen Mechanismus, der es dem Kör- im Leben willentlich mehr als zehn Kilo Gewicht abneh- schleimhaut
per erlaubt, bösartig veränderte Zellen selbstständig men konnten, bis zu 11 Prozent weniger häufig an Krebs 3 10 Prozent der
abzutöten (Apoptose), und fördert die Bildung neuer erkrankten, als jene, die nie eine Gewichtsreduktion hin-
Blutgefässe (Angiogenese) – eine Voraussetzung für ter sich hatten. Die Rate an Brustkrebs konnte in dieser Dickdarmkarzinome
die Entstehung von Krebsgeschwüren. Gruppe sogar um 19 Prozent, die Rate an Dickdarmkrebs 4 25 Prozent der
Eine weitere Wirkung des zu hohen Insulinspiegels ist immer noch um 9 Prozent gesenkt werden. Gallenblasenkrebs-
auch die Hemmung verschiedener Bindungsproteine, Dabei scheint es nicht so sehr darauf anzukommen, ob
die im Körper für die Regulation der Hormonaktivitäten das Idealgewicht (gemessen als BMI unter 25) erreicht erkrankungen
von grosser Bedeutung sind. So wird unter anderem die wird oder nicht. Die blosse Gewichtsreduktion scheint 5 25 Prozent der
Bildung des Bindungsproteins für das IGF-1 (ein sehr den Erfolg auszumachen. Nierenzellkrebs-
potenter Wachstumsfaktor) praktisch blockiert, so dass In Europa könnten jährlich bis zu 70'000 Krebsfälle
das IGF-1 ungebremst auf die Zelle einwirken kann. verhindert werden, würden die Leute einen normalen
erkrankungen
Die Mechanismen, die dabei zum Tragen kommen, funk- BMI von unter 25 bewahren. Das sind immerhin rund
tionieren ähnlich wie beim Insulin: IGF-1 hemmt den fünf Prozent aller Krebsfälle in Europa.

Krebs-Spezial | GESUNDHEIT Sprechstunde 2005 | 45