You are on page 1of 2

Definitionsgeschacher um die „sexuelle Identität“

von Dennis Riehle

Die Befürworter zur Ergänzung der Grundrechte sprechen davon, auch die Verteidiger von mehr
Zugeständnissen von Homosexuellen – und nicht zuletzt die, die im Mainstream die Unterscheidung
der Geschlechter so ganz vergessen haben: Die „sexuelle Identität“ ist in aller Munde.

Den Schutz dergleichen fordern Anhänger einer Verfassungserweiterung, wonach eine


Diskriminierung von Menschen nicht nur aufgrund der Religionszugehörigkeit, bei Behinderung oder
der Herkunft – sondern eben auch wegen der „sexuellen Identität“ ausgeschlossen sein soll. Das
Anliegen klingt nachvollziehbar, kein Mensch soll ausgegrenzt werden.

Und doch verfolgen die Unterstützer des Anliegens offenkundig etwas völlig Anderes, als sie
schlussendlich zum Besten geben: Menschen mit homosexuellen Neigungen, aber auch Bi- und
Transsexuelle sollen nicht benachteiligt – und ihre „sexuelle Identität“ geschützt werden.

Schon allein aufgrund des einfachen Wortverständnisses muss es hier schnell Einspruch geben: Eine
sexuelle Identität, ja, die gibt es. Ich bin ein Mann, meine Mutter ist eine Frau. Männlich und weiblich
– so schwierig, wie es sich manch ein Wortneuschöpfer oder jemand, der Umstände in ganz
besondere Sprachhülsen packen möchte, schlussendlich macht, ist es dann wirklich nicht.

Es scheint wenig sinnvoll, ins Grundgesetz eine Formulierung einzubringen, die letztlich nichts
Anderes besagt, als dass Männer in ihrem Mannsein und Frauen in ihrem Frausein nicht diskriminiert
werden dürfen. Meine Identität, mein sexuelles Sein – ja, der einzige in die Diskussion eingebrachte 1/3
Umstand, die Transsexualität, kann hier als wirklich schützenswert gelten. Wenn Menschen sich
unsicher sind, ob sie im „falschen“ Körper leben, dann ist dies eine unheimlich seelische Belastung.
Hier jegliche Diskriminierung zu vermeiden, muss oberstes Ziel sein.

Aber: Homosexualität, Bisexualität – nein, mit meiner eigenen sexuellen Identität kann das nichts zu
tun haben. Irreführend und polemisierend, so könnte man das beschreiben, was mit einer
Begrifflichkeit passiert, die eigentlich so klar verständlich sein dürfte. Meine Identität, so, wie ich
mich fühle, wie ich bin, womit ich mich gleichsetze, das ist in den allermeisten Fällen die klare
Zuordnung: ich bin männlich – oder eben weiblich.

In Zeiten, in denen Männer Männer offen lieben und auch Frauen Frauen unbekümmert begehren,
da stellt sich die Frage nach sexueller Präferenz und Neigung. Scheinbar sind aber diese Ausdrücke an
sich bereits diskriminierend, fährt man doch lieber mit „Identitäten“ auf, um damit der Dringlichkeit
der offenbar so ungerechten Benachteiligung Ausdruck zu verleihen. Niemand denkt wirklich über
den Sinn dessen nach, was er publiziert und fordert.

Und gleichzeitig scheint unklar: Wie wichtig ist der Schutz vor Diskriminierung von homosexuell
ausgerichteten Menschen wirklich? Wie groß sind die Nachteile? Und trägt nicht auch die
gesellschaftliche Entwicklung, ja, das Verhalten vieler Homosexuellenverbände selbst auch dazu bei,
dass sexuelle Neigungen ein öffentliches Thema werden? Ist es notwendig, dass mein Arbeitgeber
darüber Bescheid weiß, ob ich Männer oder Frauen liebe? Ändert dies meine Einstellungen, meine
Ausgangslage, meine Leistungsfähigkeit - wie es beispielsweise eine Behinderung tut? Nein, ich
denke nicht. Es gibt wenig Gründe, weshalb hier eine Diskussion nötig sein soll. Wer verantwortlich
mit dem umgeht, was niemanden zu interessieren hätte, steht vor keinerlei Herausforderung, einen
Schutz für seine sexuelle Neigung einzufordern.

Eine persönliche und intime Angelegenheit wie die sexuelle Präferenz hätte keinen Grund, überhaupt
in eine Diskussion über Schutz vor Diskriminierung zu geraten, wenn sie nicht aus dem privaten
Umfeld herausgelöst worden wäre. Mit Paraden und Protesten scheint es nahezu eine sich
aufdrängende Vermutung, dass man die Thematik zwanghaft publik machen wollte, um
schlussendlich Hilfe gegen Ausgrenzung herbeirufen zu können.

Niemand muss sich bei uns für seine sexuelle Identität schämen – und auch die sexuelle Präferenz
und Neigung müssten nicht in eine grenzenlose Debatte hineingezogen werden, wenn diejenigen, die
Wert auf den Schutz vor Diskriminierung legen, Homosexuelle und Bisexuelle selbst, respektvoll und
würdig mit sich und dem eigenen Privatleben umgehen würden.

Dennis Riehle
1. Vorsitzender der Christlichen Lebensberatung e.V.
www.christliche-lebensberatung.de // www.christliche-lebensberatung.blogspot.com

2/3